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Die Pressekonferenz: Fink und Kreuzer bleiben Freunde, Jarchow bleibt und Magath kommt nicht

17. September 2013

Die erste Aufregung ist vorbei. Fink ist abgereist, hat sich von der Mannschaft verabschiedet und ist abgefahren. “Immer wieder mal Wirrwarr auf dem Platz” hatte den Sportchef Oliver Kreuzer veranlasst, seinen Freund zu beurlauben. Trotzdem hofft er darauf, weiter eine gute Freundschaft zum Geschassten zu pflegen.

Trotz der verpassten Ziele, die sich Klubboss Carl Jarchow zu seinem Amtsantritt vor zwei Jahren gesetzt hatte, denkt er nicht an Rücktritt. Ebenso wenig daran, sich einen Felix Magath als Trainer zu holen und fremdfinanzieren zu lassen. Aber seht selbst: Ich werde diesen Blog am Ende aktualisieren mit allen Neuigkeiten, die mir bekannt werden. Wie zum Beispiel, dass der HSV bislang noch keinen Kontakt zu Holger Stanislawski aufgenommen hat, dessen Name hier neben Foda, Babbel (dazu sagt Kreuzer: “Kein Kontakt”), Rangnick und sogar Stevens herumgeistert. Solltet Ihr schnelle News wollen, ich versuche es parallel via facebook (www.facebook.com/groups/matzab) immer zeitnah zu aktualisieren, weil es hier im Blog immer eines neuen Blogs benötigen würde.

Aber bis dahin erst einmal die durchaus interessante PK mit Jarchow und Kreuzer.

Scholle



Anmerkung von den Moderatoren:
Von Dieter wurde gute 20 Minuten vorher ein Blog veröffentlicht, den wir jetzt hier (nach Abstimmung) reinkopiert haben:


Gedanken zum Trainer-Wechsel

„Scholle muss hart arbeiten, ich habe Urlaub – und Thorsten Fink wurde beurlaubt. Letzteres Thema ist natürlich das Highlight dieses Dienstags. Es ging schneller als ich gedacht habe, wobei ich zugeben muss, dass ich gar nicht mit einer Trainer-Trennung gerechnet habe. „Kontinuität“ heißt bekanntlich seit etwas mehr als zwei Jahren das Zauberwort des HSV, ich habe gedacht, dass die Club-Führung eher lebendige Kröten schlucken würde, als Thorsten Fink vor die Tür zu setzen. Deswegen meine Anerkennung den Herren des HSV, dass sie sich zu diesem schwierigen Schritt entschlossen habe.

Es wurde aber wohl Zeit. Nicht nur deshalb, weil das hohe Ziel Europa schon jetzt kaum noch zu erreichen sein wird, sondern vielmehr deshalb, weil der HSV in den letzten Wochen gespielt hat wie ein Abstiegskandidat – Ausnahme Braunschweig. Der HSV kämpft, so wie es jetzt den Anschein hat, wieder einmal nur ums nackte Überleben. Deswegen musste die Reißleine rechtzeitig gezogen werden, das haben die Verantwortlichen trotz aller Treueschwüre für den Trainer erkannt und zum Wohle des Dinos reagiert.

Thorsten Fink hat es nicht geschafft, aus (relativ) wenig mehr zu machen. So sehr er sich auch mühte. Von seinen Spielern habe ich, und ich denke, es geht auch allen meinen Kollegen so, nie ein schlechtes Wort über den Coach gehört. Auch nicht hinter der vorgehaltenen Hand. Das war bei dem einen oder anderen Vorgänger Finks sehr wohl anders. Fink hat sicher nur das Beste gewollt, aber er hat es nicht verstanden, aus diesem Kader eine schlagkräftige Einheit zu formen. Sicherlich hat der HSV nicht die allerbesten Spieler unter Vertrag, von den Namen her aber ganz sicher auch keine schlechten Profis. Daraus wäre bestimmt ein Team zu formen gewesen, das den HSV-Fans wesentlich besseren Fußball geboten hätte, als jene blutleere Kickerei, die dem Anhang der Rothosen seit langer Zeit gehörig auf die Nerven gegangen ist. So gesehen ist Thorsten Fink schon sehr deutlich gescheitert, denn so richtig guten Fußball hat der HSV unter seiner Regie fast nie gespielt. Es waren viele „Klatschen“, die der HSV im vergangenen Jahr und auch in 2013 kassierte, das besonders Schlimme daran war und ist, dass diese Pleiten gefühlt noch viel, viel schlimmer waren, als sie es ohnehin schon waren.

Aber, und nun kommt das große „Aber“, Fink sitzt da in einem Boot mit so vielen seiner Vorgänger. Michael Oenning, Armin Veh, Bruno Labbadia , Martin Jol, Huub Stevens, Thomas Doll, Klaus Toppmöller, Kurt Jara und Frank Pagelsdorf (von Arnesen, Cardoso, Moniz und Hieronymus will ich nicht erst schreiben) haben es doch auch nicht (immer) hinbekommen, dass in diesem Jahrtausend im Volkspark wirklicher und anerkannter Klasse-Fußball gespielt wurde – und zwar vom HSV. Und viele dieser Trainer haben gewiss nicht den schlechtesten Ruf gehabt, einige von ihnen haben auch nach dem HSV noch bewiesen, dass sie es sehr wohl können. Nur beim HSV konnten sie es eben nicht. So wie Fink jetzt. Auch wegen der Umstände in Hamburg. Seit Jahren weigern sich die HSV-Profis, das ist Tatsache, aus ihrem Kreis eine vernünftige Mannschaft formen zu lassen, die als Team, als echte Einheit auftritt, die Spaß am Job hat, die auch erkannt hat, was die Raute bedeutet, was es damit auf sich hat, für diese drei berühmten Buchstaben zu spielen. In diesem HSV denken seit Jahren viel zu viele Spieler nur an sich, statt auf das „Wir-Gefühl“ zu setzen, statt als Mannschaft aufzutreten.

Deswegen liegt es nicht unbedingt stets und ständig an den Trainern, die sich in Hamburg mit der Herkules-Aufgabe zu beschaffen hatten, diesen maroden HSV, bei dem es seit Jahren mehr Schein als Sein gibt, auf Vordermann zu bringen. Auch der Mann nach Fink wird keine Wunder vollbringen können, ich bedaure ihn schon jetzt. Aus diesem abgewrackten Club wieder einen Top-Verein zu formen, ist unter diesen Voraussetzungen eigentlich ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Da sollte der geneigte HSV-Fan schon die Realität nicht verkennen. Bei und an diesem HSV würden auch Trainer wie Mourinho, Ferguson, Hiddink, Wenger, Heynckes und Hitzfeld gnadenlos scheitern. Ich erinnere mich noch an Erich Ribbeck, an dessen kurze Ära beim HSV. Als er kurz vor seinem Abgang aus Hamburg stand (was dann aber völlig überraschend und bei Nacht und Nebel geschah), da verriet er mir mal, wie er seine ersten Tagen beim HSV rückwirkend betrachtete: „Auf Teneriffa, fernab von Hamburg, wurde ich einst von Ernst Naumann verpflichtet. Als ich dann zum HSV kam, in die Geschäftsstelle in der Rothenbaumchaussee ging, da sah ich hinter die Kulissen und entdeckte zu meinem Entsetzen, dass die drei großen Hamburger Buchstaben nur noch von notdürftig geflickten Pfeilern, die schon morsch und teilweise gebrochen waren, gestützt wurden. Mehr als diese drei Buchstaben hatte der Club leider nicht zu bieten.“

Ich könnte wetten, dass es einige HSV-Trainer (der letzten beiden Jahrzehnten) gibt, die ein ähnliches Aha-Erlebnis hatten. Nur zugeben durften sie es nicht, dass sie alle glaubten, bei einem „Welt-Club“ unterschrieben zu haben. Einem „Welt-Club“, der aber so rein gar nichts mehr mit einem großen europäischen Spitzen-Verein gemein hatte. Diese Erkenntnis kam ihnen viel später, aber das behielten sie dann besser für sich. Andernfalls wäre es ja auch blauäugig gewesen – und wer gibt schon gerne ein so bildschönes Eigentor zu?

Thorsten Fink muss sich deshalb keine großen Vorwürfe machen. Vor ihm sind sie brutal gescheitert, nach ihm werden sie ebenso Schiffbruch erleiden. Egal wer kommt. Deswegen wäre es jetzt eigentlich an der Zeit, den ganz großen Umbruch zu starten. Ein radikaler Neuaufbau des Vereins müsste her, und wenn es die Jungs (und die eine Dame) gut mit ihrem HSV meinen, die jetzt (in welchem Amt auch immer) in der Verantwortung stehen, dann raufen sie sich zusammen und machen den Weg frei für einen neuen HSV.

Von vielen ist das, ich weiß es wohl, natürlich zu viel verlangt, weil sie zum ersten Mal in ihrem Leben ein Amt bekleiden – sie haben erstmalig etwas zu sagen und kleben an diesem Job. Was aber wäre, wenn jetzt die fünf Personen, die im Aufsichtsrat gegen ihren Boss sind, ein Zeichen setzen würden und von ihren Pöstchen zurücktreten würden? Dann wäre immerhin schon mal ein Anfang gemacht – die Zeit wird ohnehin kommen, wo sie nicht mehr benötigt werden. Wie all die anderen. Nur jetzt könnten sie den so dringend erforderlichen Umbruch einleiten und beschleunigen. Wäre vielleicht einmal zu überdenken. Nicht immer nur hadern, ärgern, mosern, meckern und reden, sondern jetzt Taten folgen lassen – dann werden sie in meinen Augen zu Helden ihres Vereins.

Der HSV darf ganz einfach nicht weiter so still vor sich hin wurschteln. Und den nächsten Trainer und den nächsten Trainer und wieder den nächsten Trainer verschleißen. Jetzt ist ein Punkt gekommen, an dem nicht nur ein Umdenken erfolgen muss, sondern an dem auch gehandelt werden sollte. Zum Wohle des HSV. Nur zum Wohle des HSV.

So, das wollte ich zu diesem Thema einmal loswerden. Obwohl ich jetzt im Urlaub bin und „Scholle“ der Boss ist. Wer es dazu immer noch nicht mitbekommen hat: Ich werde in diesem Monat 65 Jahre, folglich am 1. Dezember ein „richtiger“ Rentner. Geplant war es seit Wochen, dass ich dann tatsächlich „in Rente“ gehe, nun aber habe ich mich mit dem Hamburger Abendblatt quasi in letzter Sekunde darauf geeinigt, doch noch ein Jahr dran zu hängen. Im Sommer 2014 werden wir uns dann alle zusammensetzen und beraten, ob das gut war, ob es noch einmal verlängert – oder ob der Vertrag zum 31. Dezember 2014 dann auslaufen wird. Das ist der Stand der Dinge. Da ich noch meinen gesamten Urlaub auf der Uhr habe, dazu jede Menge freier Tage, werde ich bei „Matz ab“ ein wenig länger fehlen.

Aber zwischendurch wird es ganz sicher auch das eine oder andere Lebenszeichen von mir geben. So am 19. Oktober, den sich alle Interessierten merken sollten. Das ist der Sonnabend vor dem Stuttgart-Spiel im Volkspark. Da werden wir beim HSV in Ochsenzoll („Anno 1887“) das nächste „Matz-ab“-Treffen veranstalten, und Ihr seid dazu herzlich eingeladen. Es werden auch andere Gäste dabei sein, einer hat bereits heute zugesagt, und das ist Ernst-Otto Rieckhoff, der bei der Gelegenheit über sein Modell „HSVplus“ sprechen wird. Also, wer Lust hat, der kommt am 19. Oktober ins „Anno 1887“ und feiert ein wenig mit uns – so es bis dahin wenigstens ein kleines Bisschen zu feiern gibt.

Ich wünsche dem HSV ein glückliches Händchen, ich wünsche allen Verantwortlichen des Vereins viel Mut – und ich danke besonders Oliver Kreuzer für seine Entscheidungsfreudigkeit. Als er im Sommer zum HSV kam, haben viele Fans und Mitglieder wie folgt gedacht: „Jetzt haben sich zwei Freunde gesucht und gefunden, nun geht die Kumpanei und der Klüngel erst richtig los.“ Auch ich war von einem solchen Gedankengut nicht weit entfernt! Jetzt ist es anders gekommen, und dazu ziehe ich den Hut vor Oliver Kreuzer. Der Mann geht seinen Weg, ohne Rücksicht auf seinen „Freund“, er denkt sicher auch an seine Karriere – aber sicherlich auch ein gehöriges Stück an die Zukunft des HSV.

Auch bei Thorsten Fink möchte ich mich kurz bedanken, die Zusammenarbeit war Bundesliga, keine Frage, es wird auch keinen Kollegen in Hamburg geben, der das anders sieht. Viel Glück, Herr Fink, für die nächste Aufgabe.

Und sollte ich gefragt werden, wen ich nun als Trainer holen würde, dann würde ich zunächst nur an den HSV denken. Kein Geld, keine guten Spieler, keine richtig guten Perspektiven. Mein Mann wäre, wenn der Club weiter so amateurhaft vor sich hin wurschteln würde, Thomas Doll. Ein Mann mit der Raute Im Herzen, er lebt in Hamburg, würde es in den ersten Tagen, Wochen und Monaten sogar eventuell umsonst machen – und er hat den HSV schon einmal gerettet. Dass er später auch scheiterte, das lag auch daran, dass er ein unheimliches Verletzungspech zu verkraften hatte. Und vielleicht auch ein wenig zu viel Nähe zu den Spielern zugelassen hatte – aber daraus hat der Thomas, der nicht mehr der „Dolly“ von einst ist, längst gelernt.

Sollte jetzt aber der Umbruch schon, dank der fünf Herren aus dem Aufsichtsrat, über die Bühne gehen, dann ist die Zeit für Klaus-Michael Kühne, Felix Magath und Bernd Hollerbach gekommen. Auch keine so schlechte Lösung, um es einmal ganz süffisant zu formulieren – denn diese drei Herren würden schon etwas aus dem HSV machen.

Und auch mit dem Kandidaten Markus Babbel (mit dem der HSV bislang nicht gesprochen hat!) könnte ich sehr gut leben, denn er war zu seiner Zeit ein „Vollblut-HSVer“. Ich weiß noch die Zeit, als er zum FC Bayern zurückbeordert worden ist – Babbel sträubte sich mit Händen und Füßen. Er wollte beim HSV bleiben. Doch Herr Hoeneß wollte es anders. Und das war letztlich auch zum Vorteil von Markus Babbel, der er wurde Nationalspieler und einer des besten Abwehrspieler Europas. Aber, ich traf ihn beim Tag der Legenden am Millerntor, die Raute hat er immer im Herzen behalten. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen für diesen Schleuder-Sessel-Job beim HSV.

Leider, leider weiß ich, dass Thomas von Heesen kein Interesse mehr an diesem Amt hat, er hat Arbeit genug und muss sich den HSV nicht mehr antun. Was ich als sehr, sehr schade empfinde.

So, nun überlasse ich wieder „Scholle“ das Feld, ich wollte mich nur ganz kurz zu Wort melden – nicht dass ich mich so aus dem Staub mache.

Dieter Matz

12.41 Uhr

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