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Misslungene Generalprobe = gutes Omen?

6. März 2015

Wenn das ungeschriebene Gestz mit der misslungenen Generalprobe stimmt, dann wird der HSV nach diesem Abschlusstraining morgen gegen den BVB ein sensationelles Spiel abliefern. Und das ohne Marcell Jansen.

Fällt erneut aus: Marcell Jansen

Fällt erneut aus: Marcell Jansen

Denn der Linksfuß, der im Abschlusstraining im B-Team agierte, ist nach eigener Aussage noch nicht bei 100 Prozent und wird dementsprechend noch einmal pausieren. Dafür hat Pierre Michel Lasogga seinen Muskelfaserriss auskuriert und ist erstmals seit Köln wieder im Kader. Von Beginn an stürmen wird allerdings ein anderer: Ivica Olic. Zumindest agierte der Kroate heute im Abschlusstraining über die gesamte Spieldauer als einzige Spitze im A-Team. Dass er dabei kein Scheunentor treffen wollte, wir werten es einfach mal als misslungene Generalprobe…

Misslungen, das muss ich hier einwerfen, sind im Übrigen auch einige Kommentare hier im Blog. Das ist grundsätzlich nicht neu und normalerweise auch nicht oft wirklich schlimm. Aber wenn ich lese, dass Labbadia sich an irgendwelchen Spielerfrauen vergangen haben soll, könnte ich kotzen. Wer von Euch WEISS das denn? Und woher? Dass der eine oder andere sein Halbwissen hier als Wahrheit verkauft – okay. Aber einen Menschen derart zu diffamieren ohne jeden Beweis für die Behauptung: Das ist einfach nur inakzeptabel. Nur, damit das hier mal klargestellt wird. Ich werde in Zukunft derartige Blogbeiträge rigoros löschen.

Aber zurück zum HSV. Der stellt wieder einige Positionen um. Cléber wird den verletzten Rajkovic ersetzen. Und der Brasilianer zeigte in den letzten Trainingseinheiten auch, warum sich Trainer Joe Zinnbauer für ihn entschieden hat. Erbarmungslos nagelte der O-beinige Brasilianer heute alles weg, was in Richtung Tor wollte. Viel für den Spielaufbau tat er nicht – aber er zeigte schon mal, worauf sich Immobile, Reus und Co. freuen dürfen. „Es wird ein sehr intensives Spiel, ganz sicher“, hatte BVB-Trainer Jürgen Klopp gestern geahnt. Und ich bin mir sicher: Er wird Recht behalten.

Zumal der HSV hinten dicht machen will. Drei Innenverteidiger und Diekmeier sollen den gefährlichen Angriff der Dortmunder stoppen. Westermann erhält als Linksverteidiger den Vorzug vor Ronny Marcos und dürfte sich freuen, niemand geringeren als den wohl schnellsten Spieler der Liga gegen sich zu haben: Aubameyang. Ob Reus spielen wird, ließ Klopp zwar offen. Dennoch glaube ich nicht, dass Reus nur wegen eines Pferdekusses ausfällt.

Soll heißen: Defensiv kommt Schwerstarbeit auf den HSV zu. Wohl auch deshalb drückt Zinnbauer Behrami mit allen Mitteln in die Startelf. „Es geht so“, sagte Behrami heute nach dem Training und deutete an, dass er noch immer nicht bei 100 Prozent ist. Worte, die für Gojko Kacar wie Schläge in die Magengrube wirken dürften. Zumal er am vergangenen Wochenende in Frankfurt für mich noch zu den Besseren gehörte. Dennoch, Zinnbauer setzt auf Jiracek und Behrami, so scheint es.

Und während es auf den Außen mit Gouaida und Müller keine Veränderungen geben wird, ist Ivica Olic vorn wieder dabei. Der Kroate ackerte auch heute wieder wie wild – aber das Tor traf nur Lasogga. Olic hingegen hatte Chance auf Chance – und scheiterte immer wieder. Mal an Adler, mal an sich selbst. Selbst bei der Abschlussübung, in der er ca. 30 Mal zum Abschluss kam, traf er wenig. Aber wie oben schon geschrieben: Werten wir es als misslungene Generalprobe und demnach als gutes Omen für morgen. Zu viele Gedanken wird sich Olic definitiv nicht machen – er kennt es nur zu gut, binnen Sekunden von Kreisklassenaktion auf Weltklasseaktion umzustellen…

Gut drauf – zumindest auf dem Platz – war Pierre Michel Lasogga. Nach einer bedenklich langen Muskelfaserriss-Pause (wir haben sehr wohl nachgefragt, bekommen aber vom HSV keine andere Antwort als „hartnäckige Muskelverletzung“) präsentierte sich der bullige Angreifer heute stark. Er traf fürs B-Team beim Abschlussspiel und wirkte fit. Mit ihm, Beister und Rudnevs hat Zinnbauer dem Anschein nach wieder echte Alternativen im Angriff.

Und mit Julian Green will sich ein weiterer Spieler empfehlen. „Ich habe mich mit dem Trainer unterhalten und will mich anbieten“, so die Bayern-Leihgabe heute nach dem Training. Dafür wird er am Sonnabend in der U23 spielen und das alte Interview, das die „Zeit“ am Donnerstag veröffentlichte, vergessen machen. Darin hatte er sein Unverständnis über den Umgang der HSV-Verantwortlichen mit ihm bekundet. Ein Gespräch, das den Eindruck erwecken könnte, der HSV würde sich um seine jungen Talente nicht kümmern. Dass sein Berater Roman Grill zuvor im Winter schon ein Gespräch mit Peter Knäbel über die Situation seines Schützlings hatte blieb unerwähnt und verzog das Bild ein wenig. Heute wurde es geradegerückt – mit einem erneuten Gespräch zwischen Grill und Knäbel…

Egal wie, Green ist ebenso wie Marcell Jansen, der gelbrot-gesperrte Matthias Ostrzolek sowie Ahmet Arslan nicht im Kader für das Dortmund-Spiel, das einige Wissende schon als Bewährungsspiel bezeichnen. Ich persönlich kann mir das nicht vorstellen, und hoffe, dass der HSV nicht binnen weniger Wochen seine eigenen Worte frisst und stattdessen geduldig bleibt. Denn eines ist nach den letzten Jahren und Monaten klar: Am Trainer allein liegt es nicht. Und wer sich vor 14 Tagen noch „begeistert“ von der Art des Trainers zeigt, kann heute nicht dessen Demission anregen, ohne selbst an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Peter Knäbel jedenfalls schätze ich nicht so ein. Im Gegenteil: Alles, was ich zu hören bekam war, dass der HSV sich überhaupt keine Gedanken über andere Trainer machen würde. Und das ist gut so.

Obgleich Zinnbauer zweifellos Fehler gemacht hat, wie er selbst zugibt. Aber das muss er auch noch dürfen, dafür ist er noch zu frisch im Bundesligageschäft, um etwas anderes erwarten zu können. Und ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, dass das Reindrücken Behramis der richtige Schritt ist. FussballDass der Schweizer wichtig für den HSV ist – klar! Aber eben nur, wenn er fit ist. Und da Behrami selbst sagt, er sei noch nicht bei 100 Prozent und bekanntermaßen Knieprobleme hat, die nie ganz geheilt werden können, sollte man hier vorsichtig sein. Zumal dann, wenn man mit Gojko Kacar jemanden opfern muss, der gut gespielt hat. „Es ist halt so“, war alles, was Kacar heute achselzuckend dazu sagen wollte. Aber was soll er auch sagen…?!

Somit haben wir für morgen folgende wahrscheinliche Startelf: Drobny – Diekmeier, Djourou, Cléber, Westermann – Behrami, Jiracek – Müller, Stieber, Gouaida – Olic. Aber vielleicht hat Zinnbauer wieder eines dieser oft zitierten Bauchgefühle über Nacht, die die Aufstellung noch mal ein wenig drehen. Warten wir es ab…

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

Drei Bewerbungsspiele für Zinnbauer

4. März 2015

Joe oder nicht Joe – das ist hier die Frage. Über den Trainer des HSV wird in diesen Tagen kräftig gestritten, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Namen anderer Trainer gespielt werden. Labbadia, Keller, Tuchel. Das ist nicht unnormal bei einem Verein, der den sportlichen Ansprüchen – vor allem seinen eigenen – nicht genügt, braucht aber nur dann Beachtung zu finden, wenn aus dem Verein selbst Hinweise über Unzufriedenheit mit dem Amtsinhaber kommen.

Zu Beginn der Arbeit von Joe Zinnbauer hat Vereinschef Dietmar Beiersdorfer mit dem Einschub, der Coach bleibe „bis auf Weiteres“, Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Ein paar Wochen später erhielt Joe Zinnbauer dann eine Vertragsanpassung. Aus dem Trainer der U-23-Nachwuchsmannschaft wurde offiziell ein Bundesliga-Trainer. Darüber regten sich hinter den Kulissen auch wieder einige Experten auf, dabei ist es doch normal – und zwar nicht nur für einen Fußball-Trainer, sondern für jeden Angestellten irgendeines Unternehmens -, dass der Arbeitsvertrag sich auf das Tätigkeitsfeld bezieht, dass auch wirklich beackert wird.

Nun ist Joe Zinnbauer kein etablierter Profi-Coach. Es kam und kommt immer wieder zu Nachfragen nach seiner Perspektive beim HSV. Die Verantwortlichen mühen sich redlich, keine Trainerdebatte aufkommen zu lassen – und sich gleichzeitig nicht insoweit festzulegen, dass eine unbedachte Äußerung später mal auf sie zurückfallen könnte. Dass Bruno Labbadia, Thomas Tuchel und eventuell auch Jens Keller mal intern diskutiert wurden, muss da nicht stören. Umso überraschender diese Meldung heute, die sich auf einen Sport-Bild-Bericht bezieht:

Die Verantwortlichen des Hamburger SV wollen spätestens Anfang April die Entscheidung über die weitere Zusammenarbeit mit Trainer Josef Zinnbauer treffen. «Wir haben mit Joe in Dubai vereinbart, dass wir uns in der Länderspielpause zusammensetzen und seine Zukunft beim HSV über die Saison hinaus besprechen», sagte HSV-Fußballdirektor Peter Knäbel der «Sport Bild». (Mittwoch). «Planungssicherheit ist für beide Seiten wichtig.» Zinnbauers Vertrag beim Bundesliga-15. laufe bis 2016. Auch mit den langjährigen Führungsspielern Rafael van der Vaart, Heiko Westermann, und Marcell Jansen werde man ernste Gespräche führen, kündigte er an.

Für Abendblatt-Blogs


Mit anderen Worten: Zinnbauer hat zwar einen Vertrag bis 2016, es ist aber nicht einmal ausgemacht, dass er im Sommer 2015 noch Trainer bleibt – ansonsten müsste man sich Anfang April ja gar nicht zusammen setzen. Anders formuliert: Zinnbauer hat noch drei Spiele, um nachhaltig Werbung in eigener Sache zu betreiben. Dass der Coach hohe Wertschätzung bei Peter Knäbel & Co. besitzt, wurde zuletzt häufig öffentlich erklärt. Der Hinweis auf das anstehende Gespräch trägt allerdings nicht wirklich zur Vertrauensbildung bei. Natürlich ist Planungssicherheit wichtig, wie Peter Knäbel sagte. Aber besteht die nicht eigentlich schon in der momentanen Vertragslage? Hier ist es nun wirklich zu einem unbedachten Halbsatz gekommen, der den Manager des Vereins spätestens nach einer weiteren Niederlage – zum Beispiel in drei Tagen gegen Borussia Dortmund – einholen könnte.

Letztlich ist das Alltagsgeschäft schon schwierig genug. Gute Nachricht des heutigen Trainingstages: Auch Lewis Holtby ist wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen, wenngleich er sieben Wochen nach seinem komplizierten Schlüsselbeinbruch noch nicht alle Übungen mitmachen durfte, in denen es um Körperkontakt ging. Aber immerhin. Dafür wurde Pierre Michel Lasogga auf dem Trainingsgrün weiterhin vergebens gesucht.

Die Frage vor dem Dortmund-Spiel ist nun: Wieviele der Gegenesen wird Joe Zinnbauer tatsächlich bringen? Cleber, Behrami und Jansen böten sich an. Nach dem Bayern-Desaster scheint Ronny Marcos sich hinten anstellen zu müssen, darüber hinaus ist Matthias Ostrzolek als linker Verteidiger gesperrt. Vieles deutet auf das Comeback von Marcell Jansen auf dieser Position hin. Ob es für Valon Behrami reicht, ist schwer abzusehen. Auch heute war der Schweizer dabei, trabte jedoch vor seinen Kollegen zurück in die Kabine. Offenbar eine Vorsichtsmaßnahme, nachdem Behrami gestern im Testkick gegen die eigene U 23 mitgemischt hatte. Dieter hat Behramis Leistung in diesem Test gestern sehr kritisch gesehen. Ich habe mich spontan an den Saisonbeginn erinnert. Behrami hat da mindestens eine Handvoll Spiele gebraucht, ehe er zu einem Stabilisator im Mittelfeld wurde. Er verlor Zweikämpfe, produzierte Fehlpässe. Und auch jetzt braucht er Zeit, um wieder reinzukommen. Doch: Zeit hat der HSV nicht mehr. Es sind nur noch elf Spiele.

Dies muss überhaupt nicht als Kritik an dem Schweizer mit kosovarischen Wurzeln verstanden wissen. Es ist absolut normal. Und selbst gestandene HSV-Profis hatten in der Vergangenheit Probleme mit ihren ersten Spielen.- Daniel van Buyten war unbestritten einer der besten HSV-Verteidiger der vergangenen Dekade. Mindestens. Aber seine ersten fünf Spiele damals ab 2004: in jedem Spiel ging ein Gegentor auf seine Kappe. Übrigens auch beim legendären, weil verschobenen Pokalspiel in Paderborn. Und das Gegentor verursachte van Buyten ganz ohne Hilfe des „Unparteiischen“ Robert Hoyzer.

Sollte Behrami jedenfalls dennoch dabei sein gegen Dortmund – und an seiner Bedeutung fürs Team haben weder Trainer Zinnbauer noch Manager Knäbel einen Zweifel gelassen – dann könnte es Petr Jiracek treffen, der auf die Ersatzbank muss. Ein Weg zurück für Rafael van der Vaart erkenne ich im Moment nicht. In diesem Zusammenhang sei noch einmal nachgetragen, dass die Verantwortlichen von Sporting Kansas City inzwischen hoffnungsvolle Gespräche mit Rafael van der Vaart über einen Wechsel in die USA bestätigt haben.

Bleibt die Frage, ob Cleber oder Heiko Westermann für den verletzten Slobodan Rajkovic in die Innenverteidigung rückt. Den Trainingseindrücken folgend, könnte Westermann die Nase vorn haben. Eventuell kommt Dortmund für den Brasilianer Cleber noch eine Woche zu früh. Unter Umständen spielt es den Hamburgern in die Karten, dass Dortmunds Marco Reus nicht spielen kann. Das ist noch offen, nachdem der Nationalspieler gestern beim 2:0 im DFB-Pokal bei Dynamo Dresden angeschlagen ausgewechselt werden musste. Hier der aktuelle Reus-Stand:

Fußball-Nationalspieler Marco Reus hat sich im Pokal-Achtelfinalspiel von Borussia Dortmund beim Drittligisten Dynamo Dresden am Dienstagabend nur leicht verletzt. Es handele sich um einen «Pferdekuss» im Oberschenkel, erklärte BVB-Sprecher Sascha Fligge am Mittwoch. Die Verantwortlichen würden nun Tag für Tag schauen, wie sich der Bluterguss bei Reus entwickelt. Ob er im Bundesligaspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim Hamburger SV eingesetzt werden kann, ist noch nicht ganz klar.

Zum Schluss möchte ich Euch noch das Hamburger Abendblatt von morgen ans Herz legen. Kai Schiller hat dort ein hochinteressantes Interview geführt mit dem Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, Garrelt Duin, zugleich einem glühenden HSV-Fan. Duin beobachtet von Düsseldorf aus die Geschicke seines Vereins im hohen Norden und ist insbesondere mit der wirtschaftlichen Seite sehr unzufrieden. So ist er äußerst unglücklich mit der Rolle von Investor Klaus-Michael Kühne: „Sich nur auf Herrn Kühne zu verlassen, halte ich für sehr unklug. Niemand weiß doch, wann Herr Kühne sich mal wieder räuspert und mit einigen Bemerkungen wieder mal den ganzen Verein in Schutt und Asche legt. So eine Konstellation gibt es bei keinem anderen Club – und ich halte dies für extrem problematisch.“ Sehr kritisch sieht Wirtschaftspolitiker Duin auch die Campus-Anleihe, die – wie mittlerweile bekannt ist – komplett im laufenden Betrieb des HSV versickert ist. Der Campus-Bau kann nur durch eine Zehn-Millionen-Euro-Spende von Alexander Otto realsiert werden. „Wenn ein Unternehmen in der freien Wirtschaft mit den Geldern einer Anleihe derart umgehen würde, dann gäbe es sicherlich sehr viel größeren Ärger als es beim HSV bislang gab“, sagt Duin dazu.

Es ist ja auch wirklich erstaunlich, wie leicht die HSV-Mitglieder ihren Vorstand aus dieser Nummer herausgelassen haben. Keine weiteren Nachfragen auf der Mitgliederversammlung im Januar, keine Probleme mit der Entlastung. Der Wunsch nach Friede war zu groß. 17,5 Millionen Euro – dieser Betrag wurde mal eben aufgefressen, kein einziger Cent ging in den „Campus“. Rechtlich mag das in Ordnung sein, auch hat die Staatsanwaltschaft sich gegen die Aufnahme eines Verfahrens gegen den ehemaligen Vorstand ausgesprochen. Am Komplett-Versagen der Herren Jarchow und Hilke in erster Linie ändert das in diesem Punkt allerdings gar nichts. Aber, wie gesagt, mehr dazu morgen in dem kompletten Interview mit Garrelt Duin – aus einer sehr spannenden Perspektive, wie ich finde.

Übrigens stellt sich nach wie vor die Frage, wo denn eigentlich die Zahlen des HSV für das abgelaufene Jahr 2013/14 bleiben. Immer noch wird in der Öffentlichkeit mit der alten Zahl von 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten hantiert, die sich auf den Stichtag 30. Juni 2013 bezieht. Wie hoch sind die Schulden zum 30. Juni 2014 gewesen? Etwa um die 120 Millionen? Der HSV-Vorstand ist hier in der Bringschuld, das verlangt das Aktienrecht.

******ERGÄNZUNG (23.30 Uhr). Inzwischen liegt die Konzernbilanz vor. Danke an “revolu” für den Hinweis. Demnach hat der HSV zum 30. Juni 2014 Verbindlichkeiten von 90,5 Millionen Euro, also weniger als die in den Raum gestellten 100 oder gar 120 Millionen. Auffällig bei den Zahlen: Der HSV hat sein Anlagevermögen (Vorjahr 36 Millionen aus Spielerwerten) drastisch auf 71,3 Millionen gesteigert durch die Neu-Einführung eines “Markenwertes” (41,2 Millionen), den es vorher nicht gab******

Morgen wird um 15.30 Uhr an der Arena trainiert.

Lars
18.20 Uhr

Zinnbauer: “Der HSV wird nicht absteigen”

3. März 2015

Allmählich kommt die Normalität zum HSV zurück. Hoffentlich. Personell aber scheint es wieder bergauf zu gehen, denn am heutigen Training nahmen Valon Behrami und Cleber Reis schon mal wieder teil, und am Rande trainierten Marcell Jansen, Ivica Olic und sogar Pierre-Michel Lasogga. Mit allen Spielern rechnet Trainer Joe Zinnbauer spätestens am Donnerstag, und dann wären sie wahrscheinlich schon wieder eine Alternative für das enorm schwere Sonnabend-Spiel gegen Borussia Dortmund. Fünf neue Leute, das wäre schon mal was, obwohl sicher noch nicht alle so fit sind, dass sie von Beginn an spielen könnten, aber von der Bank kommend wäre ja auch schon ein kleiner Fortschritt. Und sollten sich die guten Trainingseindrücke, die der Trainer zurzeit und in diesen Tagen von Rafael van der Vaart hat, verstärken, so wäre der Niederländer sogar die sechste Alternative. Wenn sich bis zum Sonnabend keiner eine neue Verletzung zuzieht, das ist schon klar.

 

Für Abendblatt-Blogs


 

Joe Zinnbauer flog an diesem Tag mit Sportchef Peter Knäbel noch zum Pokalspiel Dynamo Dresden gegen Dortmund. Um sich an Ort und Stelle über die zurzeit großartige Form der Borussen zu informieren. Ich habe es schon erwähnt, eigentlich ein schier unmögliches Unterfangen für den HSV (sorry, die Eile – und immer noch die Nässe!), auch nur ein Pünktchen gegen Kloppos Truppe zu ergattern. Aber war es nicht auch im Hinspiel schon so? Und was gab es damals? Richtig. Warum soll das nicht ein weiteres Mal passieren? Ja, warum nicht? Die HSV-Mannschaft müsste doch eigentlich nur einmal über sich hinaus wachsen. „Die letzten Male war es schon so, dass Dortmund gegen den HSV nicht gewinnen konnte, da hoffe ich natürlich, dass das so bleibt“, sagt Zinnbauer und gibt zu: „Ich freue mich, dass Dortmund wieder auf dem Vormarsch ist, vor allen Dingen für den Jürgen freut es mich.“ Der Jürgen? Damit ist sein ehemaliger Mainzer Teamkollege Jürgen Klopp gemeint, der BVB-Trainer. Der wird allerdings nichts zu verschenken haben, denn die Dortmunder Aufholjagd soll ja eigentlich noch in der Champions League enden . . . Zinnbauer erwartet natürlich auch, wie jeder Hamburger, ein schweres Spiel: „Es war doch klar, dass die Borussia noch einmal so kommen würde, denn dazu steckt ja viel zu viel Qualität in dieser Mannschaft.“ Ich habe, das gebe ich gerne zu, speziell unheimlich Angst vor Marco Reus, denn ich halte ihn für den zurzeit besten deutschen Fußballer. Und wenn ich an das Spiel in München zurückdenke, da spielt bekanntlich der zurzeit beste Bundesliga-Spieler, Arjen Robben, und der hat dem HSV beim 8:0 ja enorm zugesetzt. Hoffentlich erwischt nicht auch Reus einen solchen Schokoladentag. Hoffentlich.

 

Vieles hängt natürlich auch davon ab, wie sich der HSV an diesem Sonnabend präsentieren wird. Ob der BVB so spielen darf, wie er will, oder ob da eine Truppe dagegenhält, weil sie nicht absteigen will? Zinnbauer: „Im Moment ist es so ja, dass in dieser Liga jeder jeden schlagen kann. Bis auf die Bayern. Es ist alles so eng beieinander, es ist so ausgeglichen, und deshalb glauben wir an unsere Chance. Wir sind auch schon mit einer positiven Stimmung nach Frankfurt gefahren, weil wir davon überzeugt waren, dass wir dort gewinnen können, auf jeden Fall dort nicht verlieren. Letztlich haben wir verloren, aber wir haben in der zweiten Halbzeit auch mit nur zehn Mann weiter nach vorne gespielt – und hatten auch die Chance zum 2:2.“ Stimmt. Nur ist das wieder erstarkte Dortmund, wenn auch auswärts in Hamburg, ein doch etwas anderes Kaliber als Frankfurt, das muss man schon mal sehen.
Doch wie heißt es so schön im Fußball: Jedes Spiel muss erst einmal gespielt werden . . . Eben.

 

Ja, und da ich gerade bei Fußball-Weisheiten bin, so kann man dann auch schnell noch einmal auf eine weitere kommen: Wenn ein Trainer eines Anstiegskandidaten nicht in der Kritik stehen würde, wäre das nicht normal. Und in Hamburg gab es das Gerücht, dass Bruno Labbadia wieder zum HSV zurückkehren könne. Für Joe Zinnbauer. Den aber interessiert so etwas nicht sonderlich: „Das gehört zum Geschäft, aber wir lassen uns da nicht aus der Bahn werfen.“ Mit „wir“ meint er sich. Natürlich. Der HSV-Coach weiter: „Dass in unserer Situation eine solche Spekulation aufkommt, ist doch völlig klar, aber wir haben Dortmund vor der Brust, wir werden uns nur darauf vorbereiten, darauf konzentrieren wir uns, alles andere kann man eh nicht steuern.“

 

Bei der Gelegenheit: Das Gerücht, dass Bruno Labbadia als Trainer zum HSV zurückkommen könnte, würde, ist zum Glück ja wirklich nur ein Gerücht. Es wurde hier, bei „Matz ab“, aber sehr wohl angenommen – und so mancher Witz gerissen. Über das Verhältnis Labbadia/Matz. Es ging dabei vielfach über die Tatsache, dass ich damals keine Handynummer des HSV-Trainers bekam. Das wird mir heute noch immer von einem HSVer, der sehr wohl noch an wichtiger Stelle sitzt, vorgeworfen. Es wird mir unterstellt, dass ich den Herrn Labbadia nur deswegen nicht mochte, weil er mir seine Handynummer nicht gegeben hat. Damals wie heute sage ich: Quatsch. Das ist wirklich der größte und absolut totale Quatsch. Ich hatte die Handynummer, ich habe sie immer noch, es gibt (und gab) sehr wohl Kollegen aus dem Süden der Republik, die sie erstens hatten, und die sie mir zweitens gegeben haben. Fest steht aber auch: Labbadia ist nie ans Telefon gegangen, wenn ich angerufen habe. Damit musste aber nicht nur ich leben, sondern fast alle Hamburger Kollegen von mir. Fast alle. Sage ich bewusst.
Ich aber hatte nur deswegen etwas gegen den Trainer Labbadia, weil er einfach viel zu viel erzählt hat – beim Training. Er erzählte einigen erfahrenen Jungs, die 30, 40 und 50 Länderspiele auf dem Buckel hatten, wie Fußball zu gehen hat. Und das machte der Trainer sowohl im Sommer, als auch bei minus zehn Grad. Letztere Temperaturen sorgten mitunter dafür, dass die Spieler auf dem Rasen anfroren. Nein, ein Witz, aber die Spieler drehten teilweise ab und durch – innerlich. Weil sie froren. Und sie sagten es uns dann auch danach (mit leicht vorwurfsvollem Unterton). Motto: „Ihr bekommt doch auch mit, was da läuft, wie das läuft – das ist doch nicht normal . . .“ Stammspieler waren das, keine Ersatzspieler.
Und diejenigen „Matz-abber“, die fast bei jedem Training sind (und damals waren), die wissen, wovon ich spreche. Sie haben alles miterlebt. Es wurde im Training mehr erzählt als trainiert. So war das damals. Und ich erinnere mich noch genau, dass mich nicht nur ein „Matz-abber“ fragte, wann denn die Herren Profis mal so richtig trainieren und vor allem laufen würden.

Nein, ich muss es noch einmal so deutlich sagen: Ich hatte Angst um den HSV. Mehr nicht. Das war keine fehlende Handynummer, keine Eitelkeit oder sonst etwas, sondern nur die pure und nackte Angst, dass der HSV abmarschieren könnte. In Liga zwei. Deswegen habe ich Labbadia schon Ende Januar, Anfang Februar wegen des (oder seines) Trainings kritisiert. Was zur Folge hatte, dass er nicht mehr mit mir sprach, und sein Co-Trainer Eddy Sözer wieder per Sie mit mir kommunizierte. Aber das waren noch die geringsten Übel.

So, und nur so lief das damals (und heute?) mit Bruno Labbadia und mir. Wobei ich schon zugeben muss, dass ich mir ein zweites Mal (es wäre ja, nachdem ich ihn als HSV-Spieler kommen und gehen sah, sogar das dritte Mal) nicht mehr antun würde. Dann wäre ich eben Voll-Rentner.

 

Zurück zum heutigen HSV, der ja immer noch „abmarschieren“ könnte, das ist mir sehr wohl bewusst. Und wenn ich an den nächsten Sonnabend denke, wird mir auch dann nicht wohler, wenn ich an die Rückkehrer denke, das gebe ich auch zu. Zinnbauer aber hat Vertrauen in seine Mannschaft, und er setzt auf den Willen seiner Mannen: „Wenn wir die Fans wieder mitnehmen, wenn wir wieder die kämpferische Leidenschaft auf den Platz bringen, wie gegen Gladbach, und dazu auch die wichtigen spielerischen Akzente nicht vergessen, dann hoffe ich, dass die Mannschaft gegen Dortmund wieder die richtige Reaktion zeigen wird. Wenn die Einstellung stimmt, dann ist das schon mal die Basis. Und dann ist trotz der Tatsache, dass Borussia Dortmund derzeit einen so guten Lauf, die Chance für uns gegeben, dass wir da etwas mitnehmen.“

 

Naja, hoffentlich hat er seinen Optimismus behalten – nach diesem Nachmittag. Da spielten die Profis gegen die eigene U23 – und das Spiel endete 2:2. Es wurden nicht 90 Minuten gespielt, sondern höchstens 80. Vielleicht noch einige Minuten weniger. Aber es war eher kümmerlich, was da (in erster Linie von den Profis) geboten wurde. Die A-Elf spielte mit: Brunst; Ahmet Arslan, Cleber, Westermann, Marcos; Behrami, van der Vaart; Beister, Ilicevic; Green, Rudnevs. Die Torfolge: Eigentor Rudnevs (32.), 1:1 und 2:1 Beister (50., 65.) und 2:2 Andre Branco aus der U19, der zwei Minuten vor dem Abpfiff eine glänzende Vorarbeit von Roan Kwon nutzte – der Koreaner war im Stile eines 100-Meter-Sprinters Heiko Westermann enteilt und legte den Ball mustergültig zur Mitte, sodass nur noch vollendet werden musste. Ein großartiges Tor.

 

Auffällig an diesem wenig berauschenden Kick, der sich voll dem Wetter anpasste (Dauerregen und schlimmer Wind): Cleber machte seine Sache solide, spielte das was er soll und kann – er dürfte so bei 90 Prozent sein. Valon Behrami gefiel mir ganz und gar nicht, muss ich zugeben. Er wirkte mir gelegentlich nicht bei der Sache, mitunter überheblich, er tänzelte gelegentlich über den Platz, als müsste er sich das gar nicht so wirklich antun. Das war nicht der Behrami, den ich in der Hinrunde kennengelernt habe. Er legte sich auch zweimal – nicht gerade fein – mit Gegenspielern an. Einmal mit Sven Mende, dem er den Ball wütend aus der Hand schlug, und dann mit Francis Adomah, dem er einige weniger schöne Worte an den Hals legte – nein, das war nicht schön. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er sauer war, dass er in einer solchen Mannschaft mitspielen musste. Und dass er erst jetzt gemerkt hat, welche Qualität seine Mitspieler haben. Hat natürlich nichts von der Klasse SSC Neapel . . . Nein, Behrami hat mir nicht gefallen, aber vielleicht wollte er sich auch nur ein wenig für Sonnabend hochfahren, oftmals heißt es ja, dass er diese Aggressivität braucht. Na dann.

 

Nahtlos an sein Frankfurt-Spiel knüpfte Artjoms Rudnevs an, der zwei, drei oder auch vier sehr gute Chancen kläglich vergab. Im Moment trifft der Lette nichts – außer den einen oder anderen guten Bekannten. Ivo Ilicevic hatte nur zu Beginn ein, zwei Szenen, fiel ansonsten nicht auf. Gleiches gilt auch für Rafael van der Vaart, der in diesem hektischen Spiel nicht so in Erscheinung trat, wie es sich Trainer Zinnbauer wohl erhofft hatte. Van der Vaart hatte vor dem Seitenwechsel durchaus ein, zwei, drei gute Szenen, aber für seine Ansprüche (und die des HSV) müsste er die ganz sicher öfter haben. Im zweiten Durchgang war er dann kaum noch zu sehen. Umgekehrt lief es bei Maximilian Beister. Er spielte in der ersten Halbzeit rechts draußen, dort trat er nicht in Erscheinung, später war er neben Rudnevs eine der beiden Spitzen, schoss beide Tore und wirkte wesentlich gefährlicher auf mich, als vorher.
Hinten rechts durfte sich Mittelfeldspieler Ahmet Arslan (aus der U23) versuchen – und er machte seine Sache durchaus nicht schlecht. Mal sehen, ob er sich auf diese Art eventuell mal in die Profi-Truppe kämpfen kann.
Bei den Spielern der Zweiten gefielen mir besonders Mende, Adomah, Kim, Steinmann und Derflinger, alle anderen waren sehr engagiert und wollten sich für höhere Aufgaben empfehlen. Das war gut zu sehen.
Bei der Gelegenheit: Vielen Dank an “el presidente” Benno Hafas, für den Schirm! Du bekommst ihn wieder, Benno, irgendwann!

 

Dann möchte ich, gegen Ende des Beitrags, noch kurz auf das Frankfurt-Spiel zurückkommen. Ein Kollege aus Hessen sagte mir heute, dass Schiedsrichter Florian Meyer bereits eine Woche vor dem HSV-Spiel Kontakt mit der Eintracht hatte. Und zwar beim Bundesliga-Spiel Mainz 05 gegen Frankfurt (3:1). Dort hagelte es Frankfurter Kritik an Schiedsrichter Dr. Felix Brych (München), und explizit Trainer Thomas Schaaf und Sportchef Bruno Hübner beschwerten sich mehrfach und vehement beim vierten Mann: Florian Meyer. Wie kann das sein, dass Meyer dann eine Woche später Frankfurt gegen HSV pfeifen darf? Das ist ein Unding. Geht gar nicht. Und wieso lehnt Meyer es denn auch nicht ab, wo er doch so von zwei Frankfurter Offiziellen angepöbelt worden ist? Das muss er doch den Oberen der Schiedsrichter mitteilen und sagen, dass er nicht sofort noch einmal mit dieser Eintracht und den Eintrachtlern zu tun haben möchte. Ich bin jedenfalls sprachlos, dass es so etwas geben kann.

 

Zumal mir mein hessischer Kollegen heute auch noch sagte, dass später, nach dem Spiel vom vergangenen Sonnabend, im Kollegenkreis gesagt und festgestellt worden ist, dass so gut wie alle Kann-Entscheidungen in dieser Partie pro Eintracht Frankfurt ausgefallen sind.

Kann man nur hoffen, dass so etwas dem HSV nicht so schnell noch einmal widerfährt. Man kann es nur hoffen. Sonst wird es noch düsterer für die Rothosen.

 

Beim HSV war man ob dieser Meyer-Ansetzung auch ganz schön geplättet, um es mal salopp zu umschreiben. Auch Joe Zinnbauer, der heute aber auch kämpferisch sagte: „Wir werden nicht absteigen, wir werden unsere Punkte noch sammeln. Wir haben noch elf Spieltage, zum Schluss wird der HSV nicht absteigen – und fertig.“

 

Sein Wort und Fußball-Gottes Ohr – aber dazu komme ich noch am Ende des heutigen Beitrags.

 

Kurz möchte ich auch noch auf Joe Zinnbauer persönlich eingehen. Kürzlich schrieb ich, dass er mir im Moment gar nicht gut gefällt, weil er sehr, sehr mitgenommen aussieht – natürlich. So etwas geht ja auch nicht spurlos an einem Trainer vorbei. Abstiegskampf ist die Hölle. Auch privat. Ganz sicher. „Kein Trainer wird sagen: ‚Juhu, jetzt haben wir Abstiegskampf.’ Das Privatleben eines Trainers ist natürlich wesentlich ruhiger, wenn man elf Punkte vom Abstiegskampf entfernt ist. Aber dann hat man wieder Druck, um noch in die Europa League zu kommen. Du hast als Trainer kaum Ruhe, aber das, genau das will ich ja auch. Ich will keine Ruhe. Das bin ich nicht. Ich brauche immer Action, ich muss Gas geben können, ich muss irgendwas bewegen können. Stillstand brauche ich nicht, bringt auch nichts. Das ist völlig normal in meinem Leben, meine Familie kennt das auch so von mir, alles ist gut.“

 

Aber es wäre doch auch bestimmt nicht schlecht, wenn es noch einen kleinen Tick besser wäre, oder? Dann mal los!

 

Ja, und dann muss ich noch ein Versäumnis gestehen. Bei „Matz ab live“ am vergangenen Sonntag hatte ich ganz zum Schluss etwas angedeutet, was ich dann doch nicht gehalten habe. Vor einigen Tagen hat mir mein langjähriger Kumpel Rolf Höfert, einst Kapitän beim HSV-Nachbar, einen Witz per Mail geschickt. Dieser Witz besagt, dass der HSV auf keinen Fall absteigen KANN. Und wer nun, bevor ich auf diesen Witz komme, zusammenzuckt, wie ich mit Höfert einen Kumpel von den „Braunen“ habe, der sollte wissen, dass wir uns schon seit der Jugend kennen. Er bei Paloma, ich bei BU. Wir sind Meister geworden, er leider nicht – geht ja nur einer. Aber er nimmt mir das immer noch (im Scherz) übel. Der Unterschied zwischen uns ist aber der: Er wurde Profi, ich nicht. Höfert sollte einst sogar zum FC Bayern, ging dann aber in die Schweiz und lebt seit gefühlt 35 Jahren bei Bern. Wir hatten und haben aber immer noch reichlich Kontakt, obwohl er ein „Brauner“ ist und ich eine „Rothose“. Er ist aber, wenn er in Hamburg ist, auch immer bei den HSV-Spielen . . . Er ist eben in erster Linie Hamburger. Immer noch. Und er liest jeden Tag „Matz ab“, sieht sich auch immer „Matz ab live“ an.

 

So, und nun der Witz:

Uli Hoeneß kommt eines Tages in den Himmel. Der liebe Gott persönlich begrüßt ihn an der Eingangstür und sagt: „Es ist eigentlich nicht üblich, dass ich jeden Neuzugang hier oben persönlich begrüße, aber in Ihrem Falle mache ich gerne eine Ausnahme. Sie haben so viel für den FC Bayern und den deutschen Fußball getan, Sie haben den Menschen geholfen wo Sie nur konnten, Sie haben den ärmsten Leuten Geld gespendet, Sie haben auch einige Vereine vor dem Untergang bewahrt. Das haben wir hier oben sehr wohl registriert. Und deswegen haben wir Ihnen auch extra ein kleines, feines und niedliches Häuschen herrichten lassen. Das bekommen wirklich nur ganz wenige Leute, Sie dürfen sich geschätzt fühlen durch uns.“
Uli Hoeneß reibt sich die Hände, bedankt sich und fragt, wo denn das Häuschen stehen würde. Gott sagt: „Wenn Sie mal schauen wollen, dort drüben, auf Wolke sieben. Sie können von hier aus sofort hinfliegen.“
Gesagt, getan. Schon im Anflug auf das Häuschen sieht Hoeneß die Bayern-Flagge im Garten wehen. Als er das Haus betritt, sieht er die Fußmatte mit dem Bayern-Emblem. Innen ist alles dezent in rot-weiß gehalten, die Vereins-Hymne „Stern des Südens“ wird gespielt – alles vom Feinsten. Hoeneß geht an ein Fenster, um die Umgebung zu erforschen – und erschrickt: Neben seiner Wolke sieben erblickt er einen riesigen Palast, alles in den Farben schwarz-weiß-blau gehalten. Die Diener laufen alle in schwarz-weiß-blauen Anzügen herum, die Damen des Hauses tragen HSV-Trikots, die Raute weht an allen Ecken des Palastes, es gibt einen schwarz-weiß-blauen Swimmingpool, es gibt einen riesigen Wellness-Bereich in schwarzweiß-blauen Farben, Lotto-King-Karls „Hamburg meine Perle“ läuft rauf und runter, sogar der Rasen ist schwarz-weiß-blau.
Wütend schließt Hoeneß das Fenster und beschließt, sofort zu Gott zurück zu fliegen. So geht es nicht. Das sagt er dem Chef dann auch unmissverständlich: „Was hat dieser Beiersdorfer, was ich nicht habe? Wieso hat der einen so riesigen Palast, und ich nur ein so mickriges Häuschen? Was hat dieser Beiersdorfer schon für den deutschen Fußball getan? Nichts! Gerade mal ein Länderspiel. Das ist nicht nur lächerlich, was hier passiert, das ist auch im höchsten Maße ungerecht. Wieso hat Beiersdorfer einen solchen Palast?“
Der liebe Gott bleibt während des Protestes gelassen und ruhig, mahnt dann auch Hoeneß: „Halten Sie jetzt mal den Ball flach, in diesem Palast wohnt nicht Dietmar Beiersdorfer, sondern ich.“

Und lässt ein solcher HSV-Fan den HSV auch tatsächlich ins Verderben rennen? Und absteigen? Nein, nein, nein. Das haben wir doch schon im Sommer 2014 erlebt. Mit 27 Pünktchen. Und wo spielt der HSV mit diesen 27 Pünktchen immer noch? Eben.

 

PS: Morgen, am Mittwoch, wird um 15 Uhr im Volkspark trainiert.

 
18.39 Uhr

Keine Kompromisse – AKTUALISIERT!

10. Februar 2015

Marcell Jansen ist gern Hamburger. HSVer, um genau zu sein. Dass das allein nicht reicht, um Jahr für Jahr einen neuen Vertrag zu bekommen, weiß er spätestens seit diesem Winter nur zu genau. „Er hatte ein Angebot, es gab Anfragen“, bestätigte Peter Knäbel jüngst. Und der Direktor Profifußball ergänzte im selben Atemzug, dass sich der HSV mit einem möglichen Wechsel auseinandergesetzt hätte. Mehr noch, es schien, als habe der HSV darauf gehofft

Das war vor zwei Wochen.

Heute, also ein schlechtes und zwei ordentliche Spiele später sieht es schon anders aus. Denn zuletzt hatte der HSV den Plan gefasst, einen Großteil der auslaufenden Verträge auch auslaufen zu lassen. Jansen zählte dazu. Jetzt ist er bei den verantwortlichen wieder auf dem Schirm. Der Linksfuß hat wieder eine realistische Chance, auch über den Sommer hinaus in Hamburg zu kicken. Wenn er so weitermacht. „Konstant gute Leistungen sind der Schlüssel für alles“, sagt Knäbel, „bei uns ist kein Spieler abgeschrieben“ – und ich stimme ihm grundsätzlich zu.

Für Abendblatt-Blogs


Das Problem: Der HSV MUSS im Sommer sparen, das steht fest. Das geht über am besten über Gehaltseinsparungen wie sie bei Jansen, Westermann, van der Vaart, Rajkovic und Gojko Kacar geplant waren. Allein diese vier würden dem HSV rund zehn Millionen Euro per annum ersparen. Aber sie müssten auch ersetzt werden durch vergleichsweise günstigere Spieler. Wenn man sich jetzt wieder von dem Weg des Umbruchs abbringen lässt, ist das sportlich nachvollziehbar. Aber in Kombination mit dem Wirtschaftlichen ist das ein schlechter Kompromiss, der die Probleme des HSV nur vor sich herschiebt – aber nichts löst.

Nur, um das klarzustellen: Wenn jetzt einer der oben genannten Spieler überragt und beweist, dass er den HSV noch nach vorn bringt, sollte er seine Chance bekommen, zu bleiben. Ich habe absolut nichts gegen einen der genannten, ganz im Gegenteil. Dennoch glaube ich, dass diese Mannschaft eine Auffrischung braucht. Soll heißen: Wenn sich der HSV die Gehälter seiner „Stars“ nicht mehr leisten kann, muss er den Weg gehen: Ein Tah anstelle von Rajkovic und Westermann. Und gern auch einen Demirbay anstelle eines umfunktionierten Rafael van der Vaarts. Allein diese beiden Personalrochaden würden dem HSV knapp sechs Millionen Euro einsparen können.

Immer wieder wird die erste Halbzeit des Tests gegen Eintracht Frankfurt genannt, wenn es darum geht, die Qualität der aktuellen Nachwuchsspieler zu verdeutlichen. Ein Beispiel, das nur bedingt zählt, da die Voraussetzungen vor einem Test nie mit dem Pflichtspiel-Wettbewerb zu vergleichen sind. Dennoch haben viele Vereine zuletzt bewiesen, was mit eigenen Talenten zu bewirken ist. Ob es einst Dortmund war, wie immer Mainz oder jetzt auch Werder Bremen – gut gemacht funktioniert es. Aber zum „gut gemacht“ gehört unweigerlich auch der Mut zu unpopulären Entscheidungen. Vor allem aber muss sich der HSV endlich von diesen wiederkehrenden, schädlichen Kompromisslösungen verabschieden. Soll heißen: Entweder der Spieler, der einen neuen Vertrag erhält, ist die beste Wahl – oder eben ein anderer. Das klare Ziel aber muss es sein, dass der HSV 2015/2016 komplett aus Speilern besteht, von denen der HSV überzeugt ist – und das nicht nur, weil sie noch einen vertrag haben. Und ehrlich gesagt glaube ich daran. Immerhin ist der HSV bei Tolgay Arslan und Ivo Ilicevic bereits derart klar vorgegangen.

Heute Abend findet vom Bezahlsender Sky eine Art Kamingespräch mit Knäbel, Beiersdorfer und separat dazu Ottmar Hitzfeld statt. Lars ist vor Ort und wird Euch davon berichten. Ich verabschiede mich an dieser Stelle mit den guten Neuigkeiten von der Verletztenfront. Denn während Matti Steinmann und Dennis Diekmeier eine Laufeinheit auf dem Platz absolvierten. Zumindest bei Diekmeier ist ein Comeback in der Trainingswoche nach dem Bayern-Spiel sehr realistisch. Ebenso wie bei Cléber Reis, der heute sogar schon mit dem Ball arbeiten konnte. Auch der Brasilianer soll in der kommenden Woche wieder voll einsteigen und den Konkurrenzkampf erhöhen, während Maxi Beister am Sonnabend eventuell bei der U23 auflaufen und Spielpraxis sammeln soll. Und obwohl ich Beister lieber jetzt als gleich wieder auf dem Platz sehen würde, glaube ich, dass die Verantwortlichen hier die langfristig betrachtet richtige Entscheidung treffen werden. So viel Vertrauen muss sein.

Apropos Vertrauen: Genehmigt mir bitte ein kurzes Statement zu Marco Reus. Der Junge, der von der ganzen Fußballwelt umworben wird bleibt seinem BVB treu und unterschreibt bis 2019. Eine echt starke Geste des Offensivspielers. Und eine gut bezahlte. Dem Vernehmen nach verdient der passionierte Autofahrer acht Millionen Euro per annum und besitzt fortan keine festgeschriebene Ablösesumme mehr (zuvor 25 Millionen). Aber, um das ganz klar zu sagen: Reus’ Verbleib beim BVB ist ein unfassbares Glaubensbekenntnis. In der aktuell schwierigen Phase des BVB noch mal wertvoller. Reus: „Als ich gekommen bin, habe ich gesagt, dass ich mit dem Klub etwas vorhabe. Und dazu stehe ich. Man fällt und man gewinnt zusammen. Von daher ist es eine Entscheidung fürs Leben, ganz klar. Nicht umsonst habe ich so lange überlegt.“ Egal wie sehr er auch gewackelt haben mag, und egal, wie gut er jetzt bezahlt wird – das ist einfach stark.

So, das war es fürs Erste. Lars wird sich nach der Abendveranstaltung mit den drei Granden der Fußballszene bei Euch melden.

Bis dahin,
Scholle

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AKTUALISIERUNG: Kamingespräch mit Hitzfeld, Beiersdorfer, Knäbel
Am Abend gab es heute eine prominente Talk-Runde im „Butcher’s Steakhouse“ in der Milchstraße. „Sky“ hatte geladen zu einem Kamingespräch mit Ottmar Hitzfeld, dem früheren Bayern-Coach, sowie den HSV-Verantwortlichen Dietmar Beiersdorfer und Peter Knäbel. Im Mittelpunkt der kleinen Talk-Runde, die von „Sky“-Moderator Patrick Wasserziehr moderiert wurde – na klar: die Lage des HSV.

„Generell ist Ruhe eingekehrt beim HSV“, sagte Hitzfeld, der als Trainer der Schweizer Nationalmannschaft eng mit Sportdirektor Peter Knäbel zusammen gearbeitet hat. „Auch nach der Niederlage gegen Köln ist man nicht in Panik verfallen. Früher war es hier in Hamburg das Gegenteil.“ Als ganz wichtigen Punkt für eine erfolgreiche Rückrunde hat Hitzfeld den Auswärtserfolg in Paderborn ausgemacht. „Das war ein ganz entscheidendes Spiel. Ich mochte da nicht in der Haut von Trainer Joe Zinnbauer stecken. Da konnte man eigentlich nur verlieren.“ Dass die Hamburger in Paderborn in dieser Partie und auch anschließend beim Sieg gegen Hannover keinen tollen Fußball gespielt haben, stört Hitzfeld nicht: „Es geht in solch einer Situation nicht darum, seine Philosophie oder Offensivfußball durchzudrücken. Es geht ums Gewinnen.“

Ein Kompliment des Erfolgstrainers Hitzfeld erntete Joe Zinnbauer. „Der HSV-Trainer ist authentisch und kann begeistern. Er kommt rüber und ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft ihrem Trainer folgt“, so Hitzfeld.

Dietmar Beiersdorfer war insbesondere froh, dass der HSV gegen Hannover mit 129 Kilometern eine sensationelle Laufleistung hingelegt hat. Beiersdorfer wörtlich: „Als ich in St. Petersburg war und immer ‚Matz ab‘ gelesen habe, stand da immer nur was von 112 oder 113 Kilometern.“ Inzwischen habe der HSV wieder einen Auftritt, wie der Vereins-Chef sagte, der Fortschritte zeige. Oder, wie Peter Knäbel ergänzte: „Diese Siege waren der Lohn für viel Fleiß!“

Peter Knäbel wurde auch nach einem möglichen personellen Schnitt nach dieser Saison angesprochen. „Wir reden nicht mehr über 14, sondern nur noch über sieben auslaufende Verträge“, wie Knäbel zunächst klarstellte. „Natürlich ist ein Schnitt möglich, aber jetzt den großen Cut anzukündigen, wäre verfrüht. Wir sind nicht in der Position, mit dem Finger schnipsen zu können, und alles läuft nach unseren Vorstellungen.“ Was den Rest der Saison, unabhängig vom Bayern-Spiel am kommenden Wochenende angeht, sagte Knäbel: „Auf uns kommen noch einige Schlüsselspiele zu. Gerade nach der Länderspielpause Ende März werden Aufgaben kommen, die uns noch mehr abverlangen werden als Paderborn oder Hannover.“ Und am Ende, so die Hochrechnung von Dietmar Beiersdorfer, seien wohl 36 oder 37 Punkte nötig, um sicher in der Bundesliga zu bleiben.“

Lars
20.30 Uhr
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Lasogga ist plötzlich der Hoffnungsträger

17. August 2014

Schade, schade, schade. Zwei neue Flitzer hätte der HSV in der Offensive gehabt, doch nun ist es amtlich: Weder Nicolai Müller noch Zoltan Stieber können morgen, am Montag, im DFB-Pokalspiel in Cottbus gegen den Drittliga-Vertreter FC Energie zum Einsatz kommen. Der ehemalige Mainzer Müller leidet unter einer Adduktoren-Verletzung, der früherem Augsburger Stieber leidet an einer Fußprellung. Beide traten die Dienstreise in die Lausitz gar nicht erst mit an, und das ist nicht nur schade, sondern jammerschade. Sowohl Müller als auch Stieber hätten im Stadion der Freundschaft wahrscheinlich nach allen Regeln der Kunst herumgewirbelt, doch darauf müssen die HSV-Fans, 2000 sollen bei diesem Erstrunden-Spiel im Stadion sein, nun noch mindestens eine Woche verzichten. Leider. Müller und Stieber hätten für frischen Wind im HSV-Sturm gesorgt.

Aber vielleicht fällt diese Rolle ja nun doch Pierre-Michel Lasogga zu. Lange war er verletzt und nahm nicht am Mannschaftstraining teil, doch nun geht es mit ihm (steil) bergauf. Trainer Mirko Slomka benannte nach dem 45-minütigen Training am Sonntag folgenden HSV-Kader: Adler, Drobny, Diekmeier, Westermann, Djourou, Jansen, Tah, Jiracek, Ostrzolek, Skjelbred, van der Vaart, Behrami, Badelj, Arslan, Rudnevs, Zoua, Ilicevic und Lasogga.

Im Prinzip ist es ja so, dass Lasogga von Beginn an spielen muss. Dafür sprechen zweierlei Gründe: Erstens war ohne ihn zuletzt (und auch in der vergangenen Saison) herzlich wenig los im HSV-Angriff, und zweitens bringt ihn jede Minute weiter voran. Vergleichbar mit der Maßnahme, die an diesem Wochenende Dortmunds Trainer Jürgen Klopp mit Marco Reus vornahm. Der Nationalspieler, für mich der beste deutsche Feldspieler zurzeit, war zehn Wochen lang verletzt, sein Comeback war erst in einigen Wochen erwartet worden – und dann lief er im Spiel gegen die Stuttgarter Kickers als Kapitän der Borussia auf – und kickte so lange, wie die Kräfte reichten. Nach einer Stunde ging Reus zum Duschen. Das könnte Lasogga dann doch auch machen, mit einer 3:0-Führung im Rücken, von ihm selbst herausgeschossen . . .

Dann wäre Lasogga der Hans im Glück des HSV. Viel Pech dagegen entwickelt in diesen Tagen Maximilian Beister. Nach seinem Kreizbandriss zu Beginn des Jahres wäre er jetzt normalerweise „dran“ gewesen, wieder ins Mannschaftstraining einzusteigen, aber das Gegenteil ist der Fall. „Scholle“ sprach heute mit „Maxi“, und der war total niedergeschlagen, denn er hat einen riesigen Rückschlag erlitten. Beister wird morgen, an diesem Montag, in Augsburg am Meniskus operiert. Das bedeutet, dass er weitere drei bis vier Wochen warten muss, bevor es wieder mit den Kollegen „auf dem Acker“ zur Sache gehen kann. Und ein Einsatz in einem Bundesliga-Spiel wird wohl noch bis Mitte oder Ende Oktober auf sich warten lassen. Bitter für den Pechvogel des HSV, aber auch diese Zeit wird er überstehen – um dann mit noch mehr Energie zurückzukommen.

Apropos Energie. So die ganz dicken Überraschungen sind im Pokal bislang ja ausgeblieben, von Mainz und Stuttgart mal abgesehen, aber auch das kam nicht gerade unerwartet. Hoffentlich ist die dickste Überraschung nicht noch am Montag „im Pott“. Der FC Energie ist für mich nach dem Zweitliga-Abstieg relativ unbekannt, aber irgendwie denke ich immer wieder an den vergangenen Dienstag, als der HSV in Erfurt gegen den Drittliga-Club Rot-Weiß testete. Ich schrieb es seinerzeit, dass wir mit der Rot-Weiß-Mannschaft in die Katakomben des Stadions gingen, und als wir (Medien-Vertreter aus Hamburg) nach der Stärke von Cottbus fragten, antwortete ein RWE-Spieler doch: „Die sind schwach. Wir haben dort zwar nur 0:0 gespielt, aber wir hätten klar gewinnen müssen, weil wir viele große Chancen hatten . . .“

Das stimmt mich nach wie vor optimistisch, das muss ich sagen, aber ein kleiner Zweifel bleibt doch. Zumal ich nach dem Spiel in Erfurt mit zwei einheimischen Kollegen sprach, denn irgendwie hatte ich den Eindruck, dass die Rot-Weißen doch ein wenig mit „gebremsten Schaum“, soll heißen fast körperlos, gegen den HSV gespielt hatten. Und siehe da, auch diese Kollegen, unabhängig voneinander, hatten dasselbe Gefühl. Und dass Cottbus gegen den HSV ebenfalls fast körperlos spielen wird, das glaube ich nun doch nicht so ganz, im Stadion der Freundschaft ging es, wenn Hamburg zu gast war, immer hoch her. Das wird wohl auch diesmal nicht anders sein.

Die Deutsche Presse-Agentur hat dazu folgenden Bericht veröffentlicht:

Endlich wieder großer Fußball in Cottbus – Erinnerung an 1997
Für den in die Dritte Liga abgerutschten FC Energie Cottbus ist das DFB-Pokalspiel gegen Bundesligist Hamburger SV eine Chance, sich endlich wieder einmal auf der großen Fußball-Bühne zu präsentieren. „Wir probieren, dieses Spiel zu gewinnen“, erklärte Trainer Stefan Krämer vor der Partie am Montag (18.30 Uhr) im Stadion der Freundschaft. Der seit Saisonbeginn in der Lausitz arbeitende Chefcoach schloss aber auch an: „Wir sind keine Träumer und wissen, dass wir ans Limit gehen müssen, um vielleicht eine Überraschung zu schaffen.“

Mittelfeld-Neuzugang Rok Elsner steht vor seinem Debüt. Das Abschlusstraining am Sonntag fand ohne Medien und Fans statt – ein Novum bei Energie. Marco Holz will trotz Knieproblemen spielen, sofern die Schmerzen nicht zu groß sind. „Dass er sich für die Mannschaft quält, spricht für den Geist, der in diesem Team herrscht“, betonte Krämer. Ob der Trainer Mittelfeldspieler Holz von Beginn an bringt oder als Joker, ist noch offen. Sven Michel, der seine Blessur auskuriert hat, ist gegen den HSV einsatzbereit. Anton Makarenko fällt wegen einer Muskelverletzung aus. Rene Renno, Leonhardt Kaufmann und Thomas Hübener fehlen ohnehin langfristig.

Als Regionalligist, damals dritte Liga, hatte Energie 1996/97 die erfolgreichste Saison im DFB-Pokal gespielt. Die Cottbuser waren bis ins Endspiel vorgestoßen, unterlagen dort dem VfB Stuttgart mit Trainer Joachim Löw 0:2. Mit ihrem Coach Eduard Geyer stieg der FC Energie drei Jahre später erstmals in die Erste Liga auf.

Mit einem Erstliga-Aufstieg muss sich der HSV zum Glück nicht beschäftigen, aber eventuell ja mit einem Pokalsieg. Und diese Mannschaft soll dafür sorgen, dass die Hoffnungen auch am späteren Montagabend noch Bestand haben: Adler; Diekmeier, Westermann, Djourou, Ostrzolek; Badelj, Behrami; Ilicevic, van der Vaart, Jansen; Lasogga. Schiedsrichter der Partie ist Thorsten Kinhöfer aus Herne.

Erfreuliches hat an diesem Wochenende schon mal (wieder) die Zweite geleistet. Sie gewann das Heimspiel gegen Weiche Flensburg mit 3:1, wobei dass das erste Gegentor im vierten Spiel war. Ein Schönheitsfehler. Ansonsten aber ist und läuft alles super bei den Rothosen-Talenten. Was, ich kann es immer wieder nur wiederholen, an Trainer Josef (genannt Joe) Zinnbauer liegen soll. Der Mann gibt mächtig Gas. Und setzt sich auch voll für den Erfolg ein. Gestern war er beim Spiel seiner Mannschaft (natürlich), heute sah er am Vormittag die A-Jugend spielen (0:2-Heimniederlage gegen Carl-Zeiss Jena), und nachmittags war er in Neumünster und sah den VfR gegen den kommenden HSV-Gegner Wolfsburg II (nächstes Wochenende) mit 0:1 verlieren.

PS: Dann gab es noch diese Meldung:

Der frühere Bondscoach und ehemalige Trainer des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV, Bert van Marwijk, wird doch nicht neuer Nationaltrainer Südkoreas. Laut der niederländischen Tageszeitung De Telegraaf sollen die Gespräche zwischen dem 62-Jährigen und dem südkoreanischen Fußball-Verband (KFA) gescheitert sein. Der Niederländer wollte angeblich mehr Zeit zu Hause als in Südkorea verbringen. Anfang August war bekannt geworden, dass van Marwijk, der Oranje 2010 bis ins Finale der WM in Südafrika geführt hatte, mit dem südkoreanischen Verband über einen Vierjahresvertrag bis zur WM 2018 in Russland verhandelt. Damit bleibt die Nachfolge von Hong-Myung Bo in Südkorea weiter ungeklärt. Der südkoreanische Ex-Nationalspieler war im Juli nach dem Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft in Brasilien zurückgetreten. (SID)

Zu diesem Thema fällt mir ein HSV-Fan ein, der mir kürzlich beim Training sagte, dass er nicht glaube, dass van Marwijk Trainer in Südkorea wird: „Der soll die Bedingung gestellt haben, dass er erst am Spieltag anreisen muss, weil er bis dahin seinen Hund und seine Enkel betreut . . . Aber das macht nicht mal Südkorea mit.“

PSPS: “Scholle” und ich werden morgen (an diesem Montag) nach dem Schlusspfiff in Cottbus, der gegen 20.20 Uhr erfolgen sollte oder könnte, erstmalig in dieser neuen Saison wieder mit “Matz ab live” auf Sendung sein. Wäre wunderbar, wenn Ihr wieder so zehlreich wie zuletzt “einschalten” würdet.

18.16 Uhr

Darum wollen sich die Supporters auflösen

7. Juni 2014

Schwerer Schock für Fußball-Deutschland knapp eine Woche vor der WM. Marco Reus von Borussia Dortmund hat sich im Länderspiel am Freitagabend gegen Armenien (6:1) in Mainz einen Teilabriss des Syndesmosebandes im linken Fuß zugezogen. Er wurde für die WM gestrichen – Bundestrainer Joachim Löw hat stattdessen Innenverteidiger Shkodran Mustafi nachnominiert.

Das ist natürlich eine Hiobsbotschaft. Löw hat sich nun also entschieden, anstelle eines weiteren offensiven Mittelfeldspielers die Deckung zu verstärken. Kann man nachvollziehen, diesen Schritt. Vielleicht hat der eine oder andere aus Hamburg gehofft, Marcell Jansen würde vielleicht noch eine Chance bekommen. Immerhin kann er ja auch über die linke offensive Seite angreifen. Aber Jansen offenbarte zuletzt ja auch konditionelle Schwächen – verständlich nach seinem Saison- und Verletzungsverlauf. Und Mustafi war bis vor ein paar Tagen ja auch noch im vorläufigen Kader von Jogi Löw dabei. Alles nachvollziehbar also.


 

Beim HSV beginnt das Pfingst-Wochenende einigermaßen ruhig. Einzige „harte“ Meldung: Mittefeldspieler Matti Steinmann hat einen Profi-Vertrag bis 2017 unterschrieben. Zuletzt war es einigermaßen still geworden um den stillen Steinmann. Seine Leistung hat stagniert, nachdem er schon vor geraumer Zeit im Profi-Kader mittrainieren konnte. Nun wird er sicher einen neuen Anlauf starten.

Im „Abendblatt“ heute wurde darüber hinaus berichtet, dass das Kapitel Bert van Marwijk in Hamburg nun endgültig beendet ist.

Hier könnt Ihr den Artikel noch einmal nachlesen. Ganz leise ist damit eines der unrühmlichsten Kapitel der HSV-Trainer-Geschichte beendet worden. Unrühmlich aus sportlicher Sicht sowieso, schließlich überließ van Marwijk die Mannschaft nach sieben Niederlagen in Folge und einem dramatischen 2:4 in Braunschweig in akuter Abstiegsgefahr. Sein Name wird eng verbunden bleiben mit den Verpflichtungen Ouasim Bouy und Ola John, die das Zeug haben, in einem Atemzug mit Marin Zafirov oder Albert Streit genannt zu werden. Wirtschaftlich ist die „Ära“ van Marwijk überdies ein Desaster. Von insgesamt knapp zwei Millionen Euro kann man ausgehen, die das erfolglose Fünf-Monats-Intermezzo den HSV gekostet hat. Schauderhaft.

Zum Blog von gestern noch ein Nachtrag. Ich habe nämlich noch eine Mail bekommen von Volkmar Dohrn:

Moin Moin, toller Beitrag von Euch, habt in meinen Augen aber eines übersehen. Der in fast allen Medien sich äußernde Herr Gernandt ist ab dem 01.07.2014 erst Vorsitzender des AR der HSV-AG. Dafür gibt es von ihm aber ständig “Wasserstandsmeldungen” zum Vorgang Beiersdorfer, jetzige Arbeit/Abschlüsse des amtierenden Vorstandes. Halte ich für ausgesprochen taktisch unklug und verursacht bei mir übelste Magenschmerzen. Wie wird es sein, wenn er nicht mehr im jetzt vorbereitenden operativen Geschäft gebraucht wird und “nur noch” AR der AG ist? Gibt es dann auch stets Hinweise, Arbeitsaufträge etc. für den Vorstand per öffentlichen Foren wie Presse, TV etc. Dann ist aber ein hausgemachtes Problem wie in der Vergangenheit (alter AR des e.V.) auf dem Markt. Ich mahne und warne.

Vielen Dank für diese Mail, deren Sorgen ich nachvollziehen kann. Schließlich haben wir beim HSV auch schon in der Vergangenheit die Probleme gesehen, die erfolgreiche Wirtschaftsbosse haben, wenn sie plötzlich im Profi-Fußballgeschäft aufräumen wollen. Damit sind die Namen Debatin, Becker, Otto und Karan verbunden, die alles in allem die Erwartungen nicht erfüllen konnten – auch weil sie den Job unterschätzt haben und über zu wenige Erfahrungen im Fußball verfügten.

Generell sehe ich die Gefahr bei Gernandt allerdings nicht. Er ist, das wurde hier schon häufiger geschrieben, mit allen Wassern gewaschen. Seine inhaltlichen Entscheidungen sollten schon sitzen – allerdings steckt aktuell hinter mancher Aussage von ihm wohl eine Spur der Haltung seines Chefs Klaus-Michael Kühne, der abgesehen von seinem bewundernswerten finanziellen Engagement beim HSV durch einige Interviews mit der Holzfäller-Methode aufgefallen ist. Aber gut: letztlich müssen die Resultate, in Gernandts Fall die Besetzung des Vorstands, stimmen – dann sind andere am Zug und sollten andere, nämlich Dietmar Beiersdorfer in erster Linie, in der Öffentlichkeit stehen.

Ich habe hier gestern bereits auf die Internet-Seite der „Supporters“ hingewiesen. In einem offenen Brief hat sich dort die Abteilungsleitung an ihre Mitglieder gewandt. Ganz deutlich sind dort Auflösungstendenzen erkennbar. Dazu passt diese Meldung auf der Forum-Seite der „Supporters“:

SC Forum vorübergehend geschlossen

Es muss neu geplant werden

Zur Zeit sortiert sich der HSV neu und wir haben nicht nur keinen Haushalt für das neue Jahr, sondern der neue HSV hat noch kein Konzept vorgelegt, wie er sich die Fanarbeit in Zukunft vorstellt und welche Rolle die Mitglieder und der Supporters Club dabei spielen sollen. Deshalb müssen wir weiter abwarten. Erst wenn diese Fragen geklärt sind und wir einen arbeitsfähigen Etat zur Verfügung haben, können wir uns den verschiedenen Fragen widmen.

Ich habe mich gestern mit Christian Reichert unterhalten, einem der Gründungsväter der „Supporters“ im Jahr 1993. Demnach wird die aktuelle Abteilungsleitung auf der nächsten ordentlichen Sitzung im September ihre Ämter niederlegen. „Es macht keinen Sinn mehr“, sagt Reichert. „Die Mitsprache ist weg, die Unterstützung, die wir geben wollen, nicht mehr erwünscht.“

Geht es nach der Abteilungsleitung, dann hat sich das Kapitel „Supporters“ darüber hinaus mit der Entscheidung gegen den e.V. mit dem 25. Mai gleich komplett erledigt. Zu viele Kompetenzen gingen verloren, zu wenig Eigenständigkeit bleibe. So müssten beispielsweise sogar die Artikel der „Supporters News“ mit der HSV-AG abgesprochen bzw. von ihr genehmigt werden.

Reichert und seine Mitstreiter wollen sich darauf nicht einlassen. „Nur Fähnchen schwenkend in der Ecke zu stehen – darum kann es nicht gehen“, so Reichert. „Aber so ist die Entscheidung nun einmal ausgefallen. Das können wir nicht ignorieren.“ Alle Supporters-Mitglieder sind ja gleichsam in der Abteilung der Förderer, für sie würde sich also an der HSV-Mitgliedschaft nichts ändern. Nur „Supporter“ wären sie dann nicht mehr.

Christian Reichert glaubt übrigens nicht daran, dass sich diese Entwicklung nachhaltig auswirken muss, zum Beispiel auf die Unterstützung und Anfeuerung bei den Spielen. „Vielleicht sind es dann nur andere Leute.“

In den letzten Monaten hat es auch viele selbstkritische Stimmen aus den Reihen dieser Abteilung gegeben. Axel Formeseyn sei hier an erster Stelle genannt, der zuletzt ganz realistisch sagte: „Wir haben es verbockt.“ Formeseyn meint damit zweierlei. Zum einen stehen die „Supporters“ auch durch ihren personellen Einfluss im Aufsichtsrat für den Niedergang der vergangenen Jahre.

Zum anderen haben die „Supporters“, jedenfalls der alte harte Kern, einen taktischen Fehler begangen. In den vergangenen Jahren erfreute sich die Abteilung über immer mehr Mitglieder. Versäumt wurde aber der Blick darauf, dass ganz viele der hinzugestoßenen Fans vorrangig andere Interessen haben als Mitbestimmung und Einflussnahme. Was die Abteilungsleitung und andere Amtsinhaber freut, nämlich die eigene Bedeutung und die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten bis hin zu einem Sitz im Vorstand, das ist der Masse der Mitglieder gar nicht mehr so wichtig gewesen. Sie wollen, das hat der 25. Mai gezeigt, einen anderen HSV als die „Supporters“-Führung. Insofern sind die Gedankenspiele, die Richtung Auflösung gehen, nur konsequent.

Was das nun für den HSV zu bedeuten hat? Schwer zu sagen. Keine Choreos mehr, keine meinungsstarken Fans, weniger Unterstützung von den Rängen?

Es gibt solche Lebensweisheiten, die besagen, dass dort, wo Altes stirbt, Neues entsteht.

Frohe Pfingsten

Lars

 

 

Neun Millionen werden für Wirbel sorgen

13. September 2013

Alles gut beim HSV. Die Sitzung des Aufsichtsrates filterte keine neuen Probleme hervor, es gab auch keinen neuen Maulwurf – und die Suche nach dem alten Mauwurf, die einst sogar die deutsche Justiz beschäftigen sollte, ist eingestellt worden. Alles haben sich (ab) jetzt nur noch ganz furchtbar lieb. Wobei furchtbar wohl wörtlich zu nehmen ist. Aber so ist es nun mal, es gibt keine gravierenden Dinge, die nun spontan beackert oder geklärt werden müssten – wie gesagt, alles ist gut. Und über die aufsehenerregende Rede, ich meine das Interview mit dem Hamburger Abendblatt, des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Manfred Ertel, wurde in Reihen des elfköpfigen Rates auch nicht diskutiert – es war ja die private Meinung des AR-Bosses, nicht die Meinung des Rates insgesamt. Nein, wirklich alles bestens beim HSV. Nun müssen nur noch die Bundesliga-Fußballer am späten Sonnabend für Furore sorgen, indem sie bei der zweitbesten deutschen Mannschaft in Dortmund gewinnen, und schon ist wirklich alles allerbest. Und nebenbei bemerkt: Auch von einem Putsch war gestern nicht die Rede. Hatten vor Wochen einige Räte versucht, Manfred Ertel abzusetzen, so wurde dieser Versuch nun kein zweites Mal gewagt, weil es doch keinen Grund dafür gäbe, den AR-Boss von seinem Amt abzusetzen. Alles ist gut.

Bis vielleicht auf den SID-Bericht, den die deutschen Medien heute in ihre Redaktionen bekamen. Der wird für Wirbel sorgen, davon bin ich überzeugt, obwohl es keine Sensation ist, was da zu erfahren war. Und der las sich dann so:

Medien: HSV mit Minus von neun Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr

Fußball-Bundesligist Hamburger SV hat das abgelaufene Geschäftsjahr offenbar mit einem deutlichen Minus abschlossen. Laut Informationen des Radiosenders NDR 90,3 fehlen den Hanseaten neun Millionen Euro in der Bilanz, die der Aufsichtsrat am Donnerstagabend diskutierte. Eine Bestätigung des HSV steht noch aus. Um ein befürchtetes zweistelliges Millionen-Minus zu vermeiden, hatte der Klub den Vertrag mit Sportfive vorzeitig bis 2020 verlängert. Dafür soll der Vermarkter auf ein Darlehen von 12,4 Millionen Euro verzichtet haben. Auch die Ausleihe von Dennis Aogo an den Liga-Konkurrenten Schalke 04 verschaffte den Hamburgern ein wenig Luft. Am Ende der laufenden Saison soll beim Bundesliga-Dino in der Bilanz eine „schwarze Null“ stehen.

Es ist, das gebe ich zu, interessant zu lesen, ganz bestimmt, aber so richtig etwas Neues steht nicht darin. Diese Zahlen waren bekannt. Und auch die Unstände, die dazu geführt haben – und die auch dazu geführt haben, dass es nur 9,9 Millionen sind. Immerhin – keine zehn Millionen. Aber bekannt war das.

Ähnlich verhält es sich mit dem vorgenannten Interview im Abendblatt. Es war allen Beteiligten bekannt, dass der HSV in Sachen Strukturen ein Vorbild in Europa ist- wie es Manfred Ertel nun noch einmal kundtat. Natürlich wussten das alle. Ich habe heute versucht (weil die Bundesliga-Mannschaft in Essen trainiert, hatte ich Zeit), mit so vielen namhaften Befürwortern (die Ehemaligen) der strukturellen Veränderungen innerhalb des HSV zu reden – es ist mir auch gelungen. Nur öffentlich wollte sich keiner äußern. Warum wohl nicht? Weil alle wissen, dass der HSV ein Vorbild ist – ist doch klar. „Dazu äußere ich mich nicht, das sollte man so stehen lassen.“ Das war die Antwort, die ich von jedem zuerst vernommen habe. Als hätten sich die Herren abgesprochen . . . Nach dem sechsten Mann habe ich dann aufgegeben. Ich lasse es mal so gelten, dass der HSV ein strukturelles Vorbild in Europa ist – aber irgendwann werde ich den Herrn Uli Hoeneß dazu befragen. Irgendwann . . .

Halt, stopp, einem Ehemaligen habe ich gesprochen, der mir die folgenden Sätze gestattet. Thomas von Heesen, den ich auf einer Geschäftsreise im Ausland erreichte, erlaubte mir, die folgenden Dinge zu schreiben: „Tradition und Fortschritt – das geht. Ganz sicher sogar.“ Und er sagte auch: „Beim Tag der Legenden habe ich mit so vielen Kollegen aus Deutschland über den HSV gesprochen, sie alle wussten, dass ich im Team von Ernst-Otto Rieckhoff bin – und alle machten mir Mut. Sie sagten: ‚Zieht das Ding durch, bleibt beharrlich, lasst nicht locker, nur so kann es im heutigen Profi-Fußball gehen.’ Viele Spieler von einst machen sich durchaus Gedanken darüber, wie der Dino HSV überleben kann.“
Das nur mal am Rande. Schade übrigens, dass erst jetzt einige große HSVer erkannt haben, was ein Thomas von Heesen so auf dem Kasten hat. Zu spät. Ich habe das schon vor Jahren gesagt, ich habe TvH dem HSV vorgeschlagen und sogar angeboten, immer und immer wieder, aber man wollte ihn damals nicht. Weil sie alles besser wussten. Heute würde von Heesen nicht mehr beim HSV arbeiten wollen, denn er hat Arbeit über Arbeit – und kennt die Strukturen des schwerfälligen HSV nur zu genau. Das aber auch nur mal so am Rande.

Und wo ich gerade bei Uli Hoeneß war, dem besten Über-Manager der Liga – komme ich doch zum besten Sanierer der Bundesliga: Hans-Joachim Watzke. Er hat ja, gemeinsam mit Trainer Jürgen Klopp und Sportchef Michael Zorc, den BVB vor dem Tode bewahrt und wieder ganz nach oben geführt. Das fand überall in Deutschland größte Anerkennung, und es gab mal Zeiten, da tourte der Herr Watzke durch die Republik und stellte sein Sanierungskonzept bei den interessierten Vereinen vor. Auch beim HSV. Da genoss „Aki“ Watzke dann auch in Hamburg allerhöchste Wertschätzung – sodass er vom HSV auch gefragt wurde, ob er sich vorstellen können, zum HSV zu wechseln, um dann den Traditions-Club von der Rothenbaumchaussee wieder auf die Beine zu stellen. Watzke konnte nicht. Das heißt, Watzke konnte sich nicht vorstellen, eine solche Aufgabe zu übernehmen. Ob es an den Strukturen des HSV lag? Man weiß es nicht, man weiß es nicht (würde „Dittsche“ sagen). Eher aber lag es wohl doch daran, dass Borussia Dortmund schon zu jener Zeit, und ich spreche von einem Zeitraum von vor drei, vier Jahren, schon längst wieder auf einem aufsteigenden Ast saß.

Die Sache mit dem „damaligen Watzke“ habe ich tatsächlich erst heute erfahren, aber da kann man mal sehen, dass nicht nur einst Jürgen „Kloppo“ Klopp ganz hoch beim HSV im Kurs stand. Was letztlich zählt ist ja aber die Tatsache, dass beide (mit dem besten und größten Erfolg) in Dortmund arbeiten – und dann doch nicht beim HSV gelandet sind.

Ja, wenn ich dann schon beim morgigen HSV-Gegner bin, dann möchte ich Euch doch schnell noch Auskunft über die personelle Situation beim BVB geben. DPA schreibt:

Borussia Dortmund bangt vor dem Heimspiel gegen den HSV um den Einsatz von Jakub Blaszczykowski. „Das könnte eng werden“, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp am Donnerstag. Der polnische Fußball-Nationalspieler klagt seit dem 5:1 in der WM-Qualifikation über San Marino am Dienstag über Knieprobleme. Wie eine medizinische Untersuchung ergab, ist die Verletzung jedoch nicht schwerwiegend. Dennoch will Klopp nur auf Blaszczykowski zurückgreifen, wenn die gesundheitlichen Probleme vollends ausgestanden sind: „Wir werden nichts riskieren.“

Bessere Chancen auf einen Einsatz in der Startelf haben die zuletzt ebenfalls angeschlagenen Marco Reus, Robert Lewandowski und Nuri Sahin. Alle drei Profis befinden sich laut Klopp auf dem Weg der Besserung.

In der Diskussion über die Form von Mats Hummels, der sich bei den WM-Qualifikationsspielen der deutschen Nationalmannschaft gegen Österreich und die Färöer mit der Reservistenrolle begnügen musste, stärkte Klopp dem Manndecker demonstrativ den Rücken. „Ich bin sehr froh, dass Mats Spieler von Borussia Dortmund ist. Und ich bin mir ganz sicher, das er noch viele gute Spiele für den BVB machen wird.“

Der HSV fährt jetzt gerade zum Training (das schreibe ich um 17.04 Uhr – ich habe gerade mit Medien-Direktor Jörn Wolf telefoniert), aber ich gehe davon aus, dass Thorsten Fink alle Spieler auch danach noch gesund zur Verfügung hat. Die vielleicht wichtigste Frage ist die: Spielen Marcell Jansen und Zhi Gin Lam auf der linken Seite, bleibt Petr Jiracek deswegen draußen? Auf der einen Seite würde ich es ja für gut erachten, wenn Jansen wieder in die Mannschaft käme, auf der anderen Seite hat ihn Lam dort (hinten links) zuletzt zweimal ganz prima vertreten. Lam müsste dann ja nach vorne rücken – also eine andere Position spielen. Ob er das auch so gut macht wie ganz hinten? Das bleibt abzuwarten. Ich denke da an die vergangene Saison, als Tolgay Arslan auf der „Sechs“ großartig einschlug, dann aber, als sich Rafael van der Vaart verletzte, von der „Sechs“ auf die „Zehn“ geschoben wurde. Und als der „Rafa“ wieder fit war, war Arslan dann (einige Male) draußen. So könnte es Lam ja auch ergehen, obwohl ich von ihm hinten links, das muss ich zugeben, sehr angetan war. Mal sehen, wie sich Thorsten Fink entscheiden wird.

Kleine Ergänzung noch zum Spiel: Die Partie morgen wird geleitet von Schiedsrichter Tobias Welz aus Wiesbaden.

So, ich habe heute noch einige Dinge in der Redaktion zu erledigen, dann an diesem Freitag (den 13.) habe ich meinen vorerst letzten Tag. Wie es mit mir weitergehen wird, das werde ich morgen verraten, wenn wir nach dem Spiel es HSV in Dortmund mit „Matz ab live“ auf Sendung sein werden. Unsere (Scholles und meine) Gäste sind zwei Trainer, die sich über Jahrzehnte im Hamburger Amateurfußball einen Namen gemacht haben: Bert Ehm und Manfred Lorenz. Mit beiden bin ich befreundet, Ehm und ich stiegen 1978 (oder 77?) gemeinsam als Trainer ein, mit Lorenz habe ich einst den B-Schein (in Ochsenzoll) „gemacht“ – sie sind auf jeden Fall echte Fußball-Fachleute und wissen, wovon sie reden. Ich freue mich auf die Sendung.

So, dann habe ich noch eine Ergänzung zum letzten Bericht:

Hallo Dieter, hallo Scholle,
ich danke euch für die positive Reaktion auf meine Einladung zur Podiumsdiskussion rund um den HSV. Leider ist das Wichtigste dabei untergegangen, die Einladung zur Veranstaltung selbst: Ich wäre euch sehr dankbar, wenn ihr diese noch veröffentlichen könntet, damit möglichst viele HSVer die Chance zur Infogewinnung nutzen. Wir brauchen eine gemeinsame Lösung für den HSV, ohne dass eine Spaltung der Fans droht, deshalb müssen beide Seiten das Gespräch suchen.

Hier die Einladung:

Hallo zusammen,

es tut sich was beim HSV. Die Diskussion um die Neustrukturierung des Vereines nimmt Formen an. Da es aus der Ferne sehr problematisch ist, zu einer Meinungsbildung zu kommen, bieten wir allen HSV-Fans eine Plattform an um Informationen zu gewinnen und Fragen zu stellen. Wir, die HSV Freunde Burgwald 2002, veranstalten deshalb am Samstag, 28.09.2013 vor dem Samstagabendspiel in Frankfurt eine Podiumsdiskussion und Fragerunde für alle interessierten HSV-Fans. Grundlage der Diskussion wird die Idee der Initiative “HSVPlus” sein.

Es ist uns gelungen hierfür kompetente Offizielle und Aktive des HSV zu gewinnen:
• Oliver Scheel, Vorstandsmitglied des HSV
• JoJo Liebnau, Zaunleader, Mitglied der Chosen Fews und ein kritischer Betrachter von HSVPlus
• Nicky Hupertz, unser Regionalbetreuer für Nordhessen von den Supporters, Befürworter von HSVPlus
• ein noch nicht namentlich feststehender Vertreter der Initiative HSVPlus

Diese Besetzung verspricht eine hochinteressante Diskussion und hoffentlich viele Fakten. Wir alle sind interessiert an einem sachlichen, konstruktiven und offenen Meinungsaustausch, ohne Polemik und Anfeindungen der “Anderen”. Ihr als Fans bekommt die Möglichkeit, nach der Diskussionsrunde, Fragen an die Mitstreiter zu stellen und eure Meinung zu äußern. Beginn ist am 28. September um 12 Uhr in Bracht, die Dauer ist bis 15.00 Uhr angesetzt, sodass ihr danach alle nach Frankfurt zur SGE fahren könnt (Fahrtzeit PKW eine Stunde, Zug ab Marburg ebenfalls). Die Veranstaltung findet statt in der Mehrzweckhalle in 35282 Rauschenberg Bracht, Lohweg. Nutzt bitte diese Gelegenheit und kommt zahlreich. Bitte gebt mir eine Rückmeldung ob und mit wie vielen Personen ihr kommt und gebt diese Info auch an andere HSVer und andere Fanclubs weiter.Im Anschluss an die Veranstaltung könnt ihr mit uns gemeinsam das Spiel gegen die SGE (Beamer) schauen und weiter Meinungen austauschen.
Solltet ihr noch Fragen haben, kontaktiert mich bitte.
Mit blau-weiß-schwarzen Grüßen
Martin Schneider, Vorstand HSV Freunde Burgwald 2002, Mobil 0177 3421 836; Mail: hsvfreundeburgwald@googlemail.com

PS: Denkt immer daran, dass es schon etwas Besonderes ist, wenn der HSV gegen Dortmund gewinnt. Zweimal durfte der Rothosen-Anhang nun das ganz Besondere erleben (vergangene Saison), aber so geht es (leider, leider) nicht immer. Wer dann, im Falle einer Niederlage, mit dem HSV hadert, der sollte sich, um dieses Hadern in Grenzen zu halten, vielleicht doch schon mittags das neue HSV-Buch „111 Gründe, den Hamburger SV zu lieben“ kaufen. Lesen und dann vergessen (die Niederlage), das könnte ein Rezept sein. Wobei ich gerne noch eine Einschätzung der Autoren des Buches veröffentlichen möchte:

„Eigentlich ist es ja kein Geheimnis, weshalb man den HSV einfach lieben muss, es stand nur noch nirgends geschrieben. Wir hätten auch 111 Gründe aufzählen können, warum uns der HSV oft wahnsinnig macht – aber das kann ja jeder.“

An diesem Sonnabend – so gegen 20.30 Uhr – gibt es dann wahrscheinlich den 112. Grund. Auf dieser oder auf jener Seite . . .

17.31 Uhr

Wieder verletzt – Ilicevic bleibt ein Rätsel

10. September 2013

Der 10. September steht für mich seit dem Vormittag für „Winter-Anfang“. Nur 13 Grad im Volkspark, dazu klatschte ein äußerst unangenehmer und permanenter Regen auf die Schirme – gruselig. Dennoch waren viele Kiebitze nicht davon abzuhalten, ihren „Lieblingen“ beim Training zuzusehen. Aufwärmen, fünf gegen zwei (waren sogar ein paar mehr) und dann Flanken von links und von rechts – nach 70 Minuten war die erste Einheit des Tages beendet. Auffällig bei den Torabschlüssen: Pierre Lasogga traf einige Male bilderbuchartig, sodass die Zuschauer staunten. Auch Heiko Westermann brachte einige sehr gute Kopfbälle ins Netz, im Gegensatz dazu war Slobodan Rajkovic der Hoch- und Weitschütze des Tages – einige Bälle suche sie bestimmt an diesem Abend noch. Einmal mehr eine Augenweide: Torwart Sven Neuhaus, der wieder einmal mit einer Reihe herrlichster Paraden aufwartete. Erfreulich bei diesem ersten Training: Sowohl Tolgay Arslan als auch Marcell Jansen mischten mit – ohne Beschwerden, wie es von außen den Anschein hatte. Es fehlten nur die Nationalspieler, die noch bei ihren Ländermannschaften weilen, und dazu Rafael van der Vaart, Milan Badelj, Ivo Ilicevic und Valmir Nafiu. Morgen, am Mittwoch, soll dann der Tag der Entscheidung für van der Vaart sein. Training oder ein Spiel Pause, das ist dann hier die Frage. Heute am Nachmittag sah das, im Sondertraining mit Reha-Coach Markus Günther, schon mal sehr gut aus – sogar der Ball war schon wieder mit im Spiel.

50 Minuten nach dem Vormittags-Training hatte Reha-Trainer Günther schon eine Einzelschicht mit Milan Badelj absolviert. Für 30 Minuten war eine Laufeinheit angesetzt, der Mittelfeldspieler trabte Runde um Runde – und das sah schon wieder ganz gut aus. Im Kraftraum war derweil van der Vaart tätig, während Nachwuchsmann Nafiu, der von Hüftschmerzen geplagt wird, eine Woche Pause einlegen muss. Ein besonderes Thema ist in diesem Zusammenhang wohl Ivo Ilicevic. Bei ihm zwickt der Oberschenkel. Und für mich ist das ein Buch mit sieben Rätseln – wenn man mit sieben überhaupt auskommt. Eher 47 . . .


Wieso der ehemalige Lauterer immer wieder verletzt ist, das ist aber nicht nur mir ein Rätsel. Es ist unfassbar. Da wird Ilicevic (Thorsten Fink über ihn: „Einen wie Ivo haben wir sonst nicht, er hat großartige Fähigkeiten, ich hoffe und baue auf ihn.“) seit Wochen aus dem Mannschaftstraining herausgenommen, damit er behutsam aufgebaut wird, er wird – wie kein anderer HSV-Profi vor ihm – extra in „Watte gelegt“, und trotz allem verletzt er sich immer und immer wieder. Am Freitag, wir erinnern uns, wurde er eher in die Kabine geschickt – vorbeugend. Damit er sich nicht zu sehr verausgabt und eventuell überbeansprucht wird. Das war so mit Thorsten Fink abgesprochen. Und heute nun das. Es ist zum Verzweifeln – besonders der Trainer muss sich doch fragen, was da schief läuft. Ich habe in über 33 Jahren beim HSV keinen vergleichbaren Fall erlebt, obwohl es etliche Spieler gab, die stets ihre Verletzungen hatten (und pflegten). In der Häufigkeit, wie es nun Ilicevic tut, gab es das aber noch nie – würde ich mal behaupten. Aber gut, egal wie man es dreht und wendet, es ändert ja nichts . . .

Warum ich jetzt als Übergang Marcell Jansen habe – Zufall. Wirklich purer Zufall. Der Linksverteidiger hatte sich vor dreieinhalb Wochen einen Zehbruch zugezogen – und heute stand er Nationalspieler erstmals wieder auf dem Platz und trainierte mit den Kollegen. „Es tatnatürlich noch ein bisschen weh, das ist klar, es ist noch nicht ganz verheilt, aber es macht wieder Spaß ich kann es belasten, nun gucken wir mal, wie es bei und nach den weiteren Belastungen aussieht.“ Thorsten Fink hatte am Dienstag noch erklärt, dass er Zhi Gin Lam als Jansen-Ersatz wohl in der Mannschaft lassen werde, aber Jansen gibt die Hoffnung auf das Dortmund-Spiel noch nicht auf: „Ich werde diese Woche trainieren, ich hoffe dass es dann immer so gut geht, wie in dieser Einheit jetzt, und dann werden wir sehen. Man muss nichts übers Knie brechen, aber wenn es gut läuft – warum nicht? Das hängt aber von dieser Woche ab, ob ich die Spritzigkeit wieder habe, wie es geht. Ich gucke da von Tag zu Tag, erst einmal freue ich mich, dass ich wieder trainieren kann.“ Und heute hat Marcell Jansen noch keine Tablette gegen die Schmerzen genommen – das könnte er dann ja sehr wohl in Dortmund. Wenn er dann ran darf.

Einer, der darf, ist Johan Djourou. Der Innenverteidiger kam von Hannover 96 und war gleich verletzt – Adduktoren-OP. Und zuletzt, gegen Eintracht Braunschweig, machte er sein erstes Spiel, musste aber vorzeitig vom Platz – erneute Schmerzen. Die aber gehören der Vergangenheit an. Djourou sagt: „Ich habe keine Probleme mehr, habe seit über einer Woche das volle Programm mit den Kollegen mitgemacht – es ist alles okay.“ Zumal jetzt auch seine Familie in Hamburg angekommen ist: „Wir haben eine Wohnung, wir haben unsere Möbel – alles super. Und Hamburg ist eine schöne Stadt, wir fühlen uns alle sehr wohl hier.“ Er hätte eventuell zur Nationalmannschaft der Schweiz fahren können (Freitag 4:4 gegen Island, heute in Norwegen), aber er hat mit Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld beschlossen, dass er in Hamburg seine Form stabilisieren soll: „Dann kann ich hundertprozentig im nächsten Spiel dabei sein.“

Johan Djourou ist für den HSV in Dortmund „am Start“, und er weiß, was da auf ihn und seine Kollegen zukommen wird: „Die Borussia hat eine große Mannschaft, technisch starke Spieler, alle sehr schnell, aber wenn man nach oben will, dann muss man gegen sie spielen. Es wird schwer, aber wir werden alles geben, um dort zu bestehen.“ In einem Hexenkessel, in dem 80 000 Fans dabei sein werden. Djourou hat zweimal dort gespielt, zweimal verloren – er sagt über die Arena: „Nach Liverpool ist es das zweitbeste Stadion der Welt.“ Besonders imposant ist dabei die schwarz-gelbe Wand – aber auch gegen die hat sich der HSV schon bewiesen, zuletzt sogar 4:1 gewonnen. Zur Nachahmung empfohlen. Dass es Johan Djourou nun mit Leute wie Marco Reus und Robert Lewandowski zu tun bekommen wird, stört ihn nicht: „Ich habe schon gegen viele sehr gute Stürmer gespielt, richtige Klasse-Stürmer, aber wenn man auf diesem Niveau Fußball spielt, dann trifft man eben auch auf sehr, sehr gute Leute, das will man doch auch – für mich ist das ein Super-Test. Wir wollen dieses Spiel machen, und Angst habe ich nicht, Angst kenne ich nicht. Natürlich hat Dortmund eine sehr gute Qualität, aber die haben wir auch. Und der HSV hat dort zuletzt ja auch souverän gewonnen.“

Apropos Lewandowski. Da gab es heute noch folgende Agentur-Meldung:

Stürmer Robert Lewandowski fehlt der polnischen Fußball-Nationalmannschaft am Dienstagabend im WM-Qualifikationsspiel gegen San Marino. Der Angreifer von Borussia Dortmund ist vorzeitig zu seinem Club zurückgekehrt. Der 25-Jährige soll sich eine Bänderverletzung im Knie zugezogen haben. Laut BVB besteht vier Tage vor dem Ligaspiel gegen den HSV aktuell kein Grund zur Besorgnis. Eine klare Aussage könne jedoch erst nach Untersuchungen im Lauf des Dienstags getroffen werden.

Ich glaube ja, dass sowohl Lewandowski als auch Reus, der bei der deutschen Nationalmannschaft passen musste, am Sonnabend gegen den HSV fit sein werden. Darauf zu hoffen, dass diese beiden Super-Stürmer ausfallen, das sollte wirklich kein HSV-Fan. Es ist ja noch so viel Zeit . . .

Dann noch einmal zum „Tag der Legenden” zurück, der am Sonntag über die Bühne gegangen ist. Die Deutsche Presse-Agentur wagte heute noch einmal einen Rückblick, der für den HSV (und seinen Anhang) ganz interessant sein dürfte:

Wer an einem Wochenende ohne Bundesligaspiel in aller Munde ist, sollte sich eigentlich glücklich schätzen – es zeigt eine gewisse Bedeutsamkeit. Im Fall des HSV sind im Moment allerdings eher Solidaritätsbekundungen an der Tagesordnung, was für die Verantwortlichen kein gutes Zeichen sein kann. Trotz des Sieges gegen Aufsteiger Braunschweig haben die Niederlagen der ersten Saisonspiele und die internen Querelen um Investor Kühne, Mallorca-Reisen von Spielern und leere Kassen Eindruck hinterlassen. Und führen zu Sympathien für Reformvorhaben.

„Es ist dem Club zu wünschen, dass er zur Ruhe kommt und dass die handelnden Menschen miteinander den Weg gehen“, sagte Bayern Münchens Sportvorstand Matthias Sammer am Sonntag am Rande des Benefiz-Spiels „Tag der Legenden“ in Hamburg. Dass der Club absteige, glaube er nicht. Aber den momentan Verantwortlichen müsse eben Vertrauen und etwas Geduld geschenkt werden. „Es ist sehr turbulent beim HSV“, stellte auch Ex-Nationalspieler Markus Babbel fest. Sein ehemaliger Mitspieler Thorsten Fink mache seine Sache als Trainer aber gut. Die Mannschaft müsste eben auch mitziehen.

Interessiert diskutiert werden die Reformpläne des ehemaligen HSV-Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst-Otto Rieckhoff. Er will unter anderem die Fußball-Abteilung aus dem Verein ausgliedern und den Aufsichtsrat zurechtstutzen – und bekommt immer mehr Fürsprecher. „Vielleicht kommen ein paar Umstrukturierungen im Club. Man sieht ja, wie große Clubs funktionieren, wie Borussia Dortmund und Bayern München. Vielleicht sollte man so etwas anstreben“, sagte Ex-HSV-Spieler Hasan Salihamidzic. „Die Struktur ist vielleicht nicht mehr die modernste“, meinte Ex-Sportdirektor Bastian Reinhardt.

Deutlicher wurde da Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. „Jeder mischt sich ein, jeder gibt seinen Kommentar. Alles, was intern besprochen wird, ist am nächsten Tag in der Zeitung“, beklagte Matthäus, dem gelegentlich selbst ein zu laxer Umgang mit der Boulevard-Presse nachgesagt wurde. Beim HSV gebe es aber einfach zu viele „Nebenkriegsschauplätze“, so Matthäus.

Aber egal wie auch immer der HSV von „außen“ betrachtet wird, im HSV selbst werden sich Gedanken gemacht, wie die Zukunft besser zu bewältigen sein wird. Und Ernst-Otto Rieckhoff hat mit seiner „Mannschaft“ (in der, neben anderen, Holger Hieronymus, Ditmar Jakobs und Thomas von Heesen stehen), vor allen Dingen auch mit seinen Plänen, für viel Aufsehen im positiven Sinne gesorgt. Der Initiator von „HSVplus“ hat in diesen Tagen beide Hände voll zu tun. Dennoch schwärmt er: „Das, was wir nach der Präsentation unserer Pläne erlebt haben, ist sensationell. Der Wahnsinn. Davon hätten wir nie zu träumen gewagt. 70 000 Besuche auf unsere Seite ‚www.hsvplus.de“, 13 000 Menschen gefällt das, bei Youtube wurde unser Video bislang von 24 000 Besuchern angesehen – und es gibt nichts Negatives. Alle sind begeistert und wollen uns unterstützen – überwältigend.“

Könnte sein, dass im Januar 2014 nur die Arena im Volkspark als Herberge der Mitgliederversammlung dienen kann, denn wenn wirklich alle die HSV-Mitglieder kommen wollen, die es bislang angekündigt haben, dann reicht auch die größte Hamburger Halle nicht aus . . .

So, ich wünsche Euch nun einen wunderschönen Fußball-Abend mit vielen Toren auf der richtigen Seite.

PS: Zur Beachtung: Am Mittwoch wird im Volkspark einmal trainiert, und zwar um 16 Uhr.

PSPS: Mladen Petric hat nun doch noch einen neuen Verein gefunden, der ehemalige HSV-Stürmer unterschrieb einen Vertrag bei West Ham United – und trifft dort auf seinen ehemaligen HSV-Kollegen Guy Demel. Glückwunsch.

18.21 Uhr

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