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Neun Millionen werden für Wirbel sorgen

13. September 2013

Alles gut beim HSV. Die Sitzung des Aufsichtsrates filterte keine neuen Probleme hervor, es gab auch keinen neuen Maulwurf – und die Suche nach dem alten Mauwurf, die einst sogar die deutsche Justiz beschäftigen sollte, ist eingestellt worden. Alles haben sich (ab) jetzt nur noch ganz furchtbar lieb. Wobei furchtbar wohl wörtlich zu nehmen ist. Aber so ist es nun mal, es gibt keine gravierenden Dinge, die nun spontan beackert oder geklärt werden müssten – wie gesagt, alles ist gut. Und über die aufsehenerregende Rede, ich meine das Interview mit dem Hamburger Abendblatt, des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Manfred Ertel, wurde in Reihen des elfköpfigen Rates auch nicht diskutiert – es war ja die private Meinung des AR-Bosses, nicht die Meinung des Rates insgesamt. Nein, wirklich alles bestens beim HSV. Nun müssen nur noch die Bundesliga-Fußballer am späten Sonnabend für Furore sorgen, indem sie bei der zweitbesten deutschen Mannschaft in Dortmund gewinnen, und schon ist wirklich alles allerbest. Und nebenbei bemerkt: Auch von einem Putsch war gestern nicht die Rede. Hatten vor Wochen einige Räte versucht, Manfred Ertel abzusetzen, so wurde dieser Versuch nun kein zweites Mal gewagt, weil es doch keinen Grund dafür gäbe, den AR-Boss von seinem Amt abzusetzen. Alles ist gut.

Bis vielleicht auf den SID-Bericht, den die deutschen Medien heute in ihre Redaktionen bekamen. Der wird für Wirbel sorgen, davon bin ich überzeugt, obwohl es keine Sensation ist, was da zu erfahren war. Und der las sich dann so:

Medien: HSV mit Minus von neun Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr

Fußball-Bundesligist Hamburger SV hat das abgelaufene Geschäftsjahr offenbar mit einem deutlichen Minus abschlossen. Laut Informationen des Radiosenders NDR 90,3 fehlen den Hanseaten neun Millionen Euro in der Bilanz, die der Aufsichtsrat am Donnerstagabend diskutierte. Eine Bestätigung des HSV steht noch aus. Um ein befürchtetes zweistelliges Millionen-Minus zu vermeiden, hatte der Klub den Vertrag mit Sportfive vorzeitig bis 2020 verlängert. Dafür soll der Vermarkter auf ein Darlehen von 12,4 Millionen Euro verzichtet haben. Auch die Ausleihe von Dennis Aogo an den Liga-Konkurrenten Schalke 04 verschaffte den Hamburgern ein wenig Luft. Am Ende der laufenden Saison soll beim Bundesliga-Dino in der Bilanz eine „schwarze Null“ stehen.

Es ist, das gebe ich zu, interessant zu lesen, ganz bestimmt, aber so richtig etwas Neues steht nicht darin. Diese Zahlen waren bekannt. Und auch die Unstände, die dazu geführt haben – und die auch dazu geführt haben, dass es nur 9,9 Millionen sind. Immerhin – keine zehn Millionen. Aber bekannt war das.

Ähnlich verhält es sich mit dem vorgenannten Interview im Abendblatt. Es war allen Beteiligten bekannt, dass der HSV in Sachen Strukturen ein Vorbild in Europa ist- wie es Manfred Ertel nun noch einmal kundtat. Natürlich wussten das alle. Ich habe heute versucht (weil die Bundesliga-Mannschaft in Essen trainiert, hatte ich Zeit), mit so vielen namhaften Befürwortern (die Ehemaligen) der strukturellen Veränderungen innerhalb des HSV zu reden – es ist mir auch gelungen. Nur öffentlich wollte sich keiner äußern. Warum wohl nicht? Weil alle wissen, dass der HSV ein Vorbild ist – ist doch klar. „Dazu äußere ich mich nicht, das sollte man so stehen lassen.“ Das war die Antwort, die ich von jedem zuerst vernommen habe. Als hätten sich die Herren abgesprochen . . . Nach dem sechsten Mann habe ich dann aufgegeben. Ich lasse es mal so gelten, dass der HSV ein strukturelles Vorbild in Europa ist – aber irgendwann werde ich den Herrn Uli Hoeneß dazu befragen. Irgendwann . . .

Halt, stopp, einem Ehemaligen habe ich gesprochen, der mir die folgenden Sätze gestattet. Thomas von Heesen, den ich auf einer Geschäftsreise im Ausland erreichte, erlaubte mir, die folgenden Dinge zu schreiben: „Tradition und Fortschritt – das geht. Ganz sicher sogar.“ Und er sagte auch: „Beim Tag der Legenden habe ich mit so vielen Kollegen aus Deutschland über den HSV gesprochen, sie alle wussten, dass ich im Team von Ernst-Otto Rieckhoff bin – und alle machten mir Mut. Sie sagten: ‚Zieht das Ding durch, bleibt beharrlich, lasst nicht locker, nur so kann es im heutigen Profi-Fußball gehen.’ Viele Spieler von einst machen sich durchaus Gedanken darüber, wie der Dino HSV überleben kann.“
Das nur mal am Rande. Schade übrigens, dass erst jetzt einige große HSVer erkannt haben, was ein Thomas von Heesen so auf dem Kasten hat. Zu spät. Ich habe das schon vor Jahren gesagt, ich habe TvH dem HSV vorgeschlagen und sogar angeboten, immer und immer wieder, aber man wollte ihn damals nicht. Weil sie alles besser wussten. Heute würde von Heesen nicht mehr beim HSV arbeiten wollen, denn er hat Arbeit über Arbeit – und kennt die Strukturen des schwerfälligen HSV nur zu genau. Das aber auch nur mal so am Rande.

Und wo ich gerade bei Uli Hoeneß war, dem besten Über-Manager der Liga – komme ich doch zum besten Sanierer der Bundesliga: Hans-Joachim Watzke. Er hat ja, gemeinsam mit Trainer Jürgen Klopp und Sportchef Michael Zorc, den BVB vor dem Tode bewahrt und wieder ganz nach oben geführt. Das fand überall in Deutschland größte Anerkennung, und es gab mal Zeiten, da tourte der Herr Watzke durch die Republik und stellte sein Sanierungskonzept bei den interessierten Vereinen vor. Auch beim HSV. Da genoss „Aki“ Watzke dann auch in Hamburg allerhöchste Wertschätzung – sodass er vom HSV auch gefragt wurde, ob er sich vorstellen können, zum HSV zu wechseln, um dann den Traditions-Club von der Rothenbaumchaussee wieder auf die Beine zu stellen. Watzke konnte nicht. Das heißt, Watzke konnte sich nicht vorstellen, eine solche Aufgabe zu übernehmen. Ob es an den Strukturen des HSV lag? Man weiß es nicht, man weiß es nicht (würde „Dittsche“ sagen). Eher aber lag es wohl doch daran, dass Borussia Dortmund schon zu jener Zeit, und ich spreche von einem Zeitraum von vor drei, vier Jahren, schon längst wieder auf einem aufsteigenden Ast saß.

Die Sache mit dem „damaligen Watzke“ habe ich tatsächlich erst heute erfahren, aber da kann man mal sehen, dass nicht nur einst Jürgen „Kloppo“ Klopp ganz hoch beim HSV im Kurs stand. Was letztlich zählt ist ja aber die Tatsache, dass beide (mit dem besten und größten Erfolg) in Dortmund arbeiten – und dann doch nicht beim HSV gelandet sind.

Ja, wenn ich dann schon beim morgigen HSV-Gegner bin, dann möchte ich Euch doch schnell noch Auskunft über die personelle Situation beim BVB geben. DPA schreibt:

Borussia Dortmund bangt vor dem Heimspiel gegen den HSV um den Einsatz von Jakub Blaszczykowski. „Das könnte eng werden“, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp am Donnerstag. Der polnische Fußball-Nationalspieler klagt seit dem 5:1 in der WM-Qualifikation über San Marino am Dienstag über Knieprobleme. Wie eine medizinische Untersuchung ergab, ist die Verletzung jedoch nicht schwerwiegend. Dennoch will Klopp nur auf Blaszczykowski zurückgreifen, wenn die gesundheitlichen Probleme vollends ausgestanden sind: „Wir werden nichts riskieren.“

Bessere Chancen auf einen Einsatz in der Startelf haben die zuletzt ebenfalls angeschlagenen Marco Reus, Robert Lewandowski und Nuri Sahin. Alle drei Profis befinden sich laut Klopp auf dem Weg der Besserung.

In der Diskussion über die Form von Mats Hummels, der sich bei den WM-Qualifikationsspielen der deutschen Nationalmannschaft gegen Österreich und die Färöer mit der Reservistenrolle begnügen musste, stärkte Klopp dem Manndecker demonstrativ den Rücken. „Ich bin sehr froh, dass Mats Spieler von Borussia Dortmund ist. Und ich bin mir ganz sicher, das er noch viele gute Spiele für den BVB machen wird.“

Der HSV fährt jetzt gerade zum Training (das schreibe ich um 17.04 Uhr – ich habe gerade mit Medien-Direktor Jörn Wolf telefoniert), aber ich gehe davon aus, dass Thorsten Fink alle Spieler auch danach noch gesund zur Verfügung hat. Die vielleicht wichtigste Frage ist die: Spielen Marcell Jansen und Zhi Gin Lam auf der linken Seite, bleibt Petr Jiracek deswegen draußen? Auf der einen Seite würde ich es ja für gut erachten, wenn Jansen wieder in die Mannschaft käme, auf der anderen Seite hat ihn Lam dort (hinten links) zuletzt zweimal ganz prima vertreten. Lam müsste dann ja nach vorne rücken – also eine andere Position spielen. Ob er das auch so gut macht wie ganz hinten? Das bleibt abzuwarten. Ich denke da an die vergangene Saison, als Tolgay Arslan auf der „Sechs“ großartig einschlug, dann aber, als sich Rafael van der Vaart verletzte, von der „Sechs“ auf die „Zehn“ geschoben wurde. Und als der „Rafa“ wieder fit war, war Arslan dann (einige Male) draußen. So könnte es Lam ja auch ergehen, obwohl ich von ihm hinten links, das muss ich zugeben, sehr angetan war. Mal sehen, wie sich Thorsten Fink entscheiden wird.

Kleine Ergänzung noch zum Spiel: Die Partie morgen wird geleitet von Schiedsrichter Tobias Welz aus Wiesbaden.

So, ich habe heute noch einige Dinge in der Redaktion zu erledigen, dann an diesem Freitag (den 13.) habe ich meinen vorerst letzten Tag. Wie es mit mir weitergehen wird, das werde ich morgen verraten, wenn wir nach dem Spiel es HSV in Dortmund mit „Matz ab live“ auf Sendung sein werden. Unsere (Scholles und meine) Gäste sind zwei Trainer, die sich über Jahrzehnte im Hamburger Amateurfußball einen Namen gemacht haben: Bert Ehm und Manfred Lorenz. Mit beiden bin ich befreundet, Ehm und ich stiegen 1978 (oder 77?) gemeinsam als Trainer ein, mit Lorenz habe ich einst den B-Schein (in Ochsenzoll) „gemacht“ – sie sind auf jeden Fall echte Fußball-Fachleute und wissen, wovon sie reden. Ich freue mich auf die Sendung.

So, dann habe ich noch eine Ergänzung zum letzten Bericht:

Hallo Dieter, hallo Scholle,
ich danke euch für die positive Reaktion auf meine Einladung zur Podiumsdiskussion rund um den HSV. Leider ist das Wichtigste dabei untergegangen, die Einladung zur Veranstaltung selbst: Ich wäre euch sehr dankbar, wenn ihr diese noch veröffentlichen könntet, damit möglichst viele HSVer die Chance zur Infogewinnung nutzen. Wir brauchen eine gemeinsame Lösung für den HSV, ohne dass eine Spaltung der Fans droht, deshalb müssen beide Seiten das Gespräch suchen.

Hier die Einladung:

Hallo zusammen,

es tut sich was beim HSV. Die Diskussion um die Neustrukturierung des Vereines nimmt Formen an. Da es aus der Ferne sehr problematisch ist, zu einer Meinungsbildung zu kommen, bieten wir allen HSV-Fans eine Plattform an um Informationen zu gewinnen und Fragen zu stellen. Wir, die HSV Freunde Burgwald 2002, veranstalten deshalb am Samstag, 28.09.2013 vor dem Samstagabendspiel in Frankfurt eine Podiumsdiskussion und Fragerunde für alle interessierten HSV-Fans. Grundlage der Diskussion wird die Idee der Initiative “HSVPlus” sein.

Es ist uns gelungen hierfür kompetente Offizielle und Aktive des HSV zu gewinnen:
• Oliver Scheel, Vorstandsmitglied des HSV
• JoJo Liebnau, Zaunleader, Mitglied der Chosen Fews und ein kritischer Betrachter von HSVPlus
• Nicky Hupertz, unser Regionalbetreuer für Nordhessen von den Supporters, Befürworter von HSVPlus
• ein noch nicht namentlich feststehender Vertreter der Initiative HSVPlus

Diese Besetzung verspricht eine hochinteressante Diskussion und hoffentlich viele Fakten. Wir alle sind interessiert an einem sachlichen, konstruktiven und offenen Meinungsaustausch, ohne Polemik und Anfeindungen der “Anderen”. Ihr als Fans bekommt die Möglichkeit, nach der Diskussionsrunde, Fragen an die Mitstreiter zu stellen und eure Meinung zu äußern. Beginn ist am 28. September um 12 Uhr in Bracht, die Dauer ist bis 15.00 Uhr angesetzt, sodass ihr danach alle nach Frankfurt zur SGE fahren könnt (Fahrtzeit PKW eine Stunde, Zug ab Marburg ebenfalls). Die Veranstaltung findet statt in der Mehrzweckhalle in 35282 Rauschenberg Bracht, Lohweg. Nutzt bitte diese Gelegenheit und kommt zahlreich. Bitte gebt mir eine Rückmeldung ob und mit wie vielen Personen ihr kommt und gebt diese Info auch an andere HSVer und andere Fanclubs weiter.Im Anschluss an die Veranstaltung könnt ihr mit uns gemeinsam das Spiel gegen die SGE (Beamer) schauen und weiter Meinungen austauschen.
Solltet ihr noch Fragen haben, kontaktiert mich bitte.
Mit blau-weiß-schwarzen Grüßen
Martin Schneider, Vorstand HSV Freunde Burgwald 2002, Mobil 0177 3421 836; Mail: hsvfreundeburgwald@googlemail.com

PS: Denkt immer daran, dass es schon etwas Besonderes ist, wenn der HSV gegen Dortmund gewinnt. Zweimal durfte der Rothosen-Anhang nun das ganz Besondere erleben (vergangene Saison), aber so geht es (leider, leider) nicht immer. Wer dann, im Falle einer Niederlage, mit dem HSV hadert, der sollte sich, um dieses Hadern in Grenzen zu halten, vielleicht doch schon mittags das neue HSV-Buch „111 Gründe, den Hamburger SV zu lieben“ kaufen. Lesen und dann vergessen (die Niederlage), das könnte ein Rezept sein. Wobei ich gerne noch eine Einschätzung der Autoren des Buches veröffentlichen möchte:

„Eigentlich ist es ja kein Geheimnis, weshalb man den HSV einfach lieben muss, es stand nur noch nirgends geschrieben. Wir hätten auch 111 Gründe aufzählen können, warum uns der HSV oft wahnsinnig macht – aber das kann ja jeder.“

An diesem Sonnabend – so gegen 20.30 Uhr – gibt es dann wahrscheinlich den 112. Grund. Auf dieser oder auf jener Seite . . .

17.31 Uhr

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