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Lasogga ist plötzlich der Hoffnungsträger

17. August 2014

Schade, schade, schade. Zwei neue Flitzer hätte der HSV in der Offensive gehabt, doch nun ist es amtlich: Weder Nicolai Müller noch Zoltan Stieber können morgen, am Montag, im DFB-Pokalspiel in Cottbus gegen den Drittliga-Vertreter FC Energie zum Einsatz kommen. Der ehemalige Mainzer Müller leidet unter einer Adduktoren-Verletzung, der früherem Augsburger Stieber leidet an einer Fußprellung. Beide traten die Dienstreise in die Lausitz gar nicht erst mit an, und das ist nicht nur schade, sondern jammerschade. Sowohl Müller als auch Stieber hätten im Stadion der Freundschaft wahrscheinlich nach allen Regeln der Kunst herumgewirbelt, doch darauf müssen die HSV-Fans, 2000 sollen bei diesem Erstrunden-Spiel im Stadion sein, nun noch mindestens eine Woche verzichten. Leider. Müller und Stieber hätten für frischen Wind im HSV-Sturm gesorgt.

Aber vielleicht fällt diese Rolle ja nun doch Pierre-Michel Lasogga zu. Lange war er verletzt und nahm nicht am Mannschaftstraining teil, doch nun geht es mit ihm (steil) bergauf. Trainer Mirko Slomka benannte nach dem 45-minütigen Training am Sonntag folgenden HSV-Kader: Adler, Drobny, Diekmeier, Westermann, Djourou, Jansen, Tah, Jiracek, Ostrzolek, Skjelbred, van der Vaart, Behrami, Badelj, Arslan, Rudnevs, Zoua, Ilicevic und Lasogga.

Im Prinzip ist es ja so, dass Lasogga von Beginn an spielen muss. Dafür sprechen zweierlei Gründe: Erstens war ohne ihn zuletzt (und auch in der vergangenen Saison) herzlich wenig los im HSV-Angriff, und zweitens bringt ihn jede Minute weiter voran. Vergleichbar mit der Maßnahme, die an diesem Wochenende Dortmunds Trainer Jürgen Klopp mit Marco Reus vornahm. Der Nationalspieler, für mich der beste deutsche Feldspieler zurzeit, war zehn Wochen lang verletzt, sein Comeback war erst in einigen Wochen erwartet worden – und dann lief er im Spiel gegen die Stuttgarter Kickers als Kapitän der Borussia auf – und kickte so lange, wie die Kräfte reichten. Nach einer Stunde ging Reus zum Duschen. Das könnte Lasogga dann doch auch machen, mit einer 3:0-Führung im Rücken, von ihm selbst herausgeschossen . . .

Dann wäre Lasogga der Hans im Glück des HSV. Viel Pech dagegen entwickelt in diesen Tagen Maximilian Beister. Nach seinem Kreizbandriss zu Beginn des Jahres wäre er jetzt normalerweise „dran“ gewesen, wieder ins Mannschaftstraining einzusteigen, aber das Gegenteil ist der Fall. „Scholle“ sprach heute mit „Maxi“, und der war total niedergeschlagen, denn er hat einen riesigen Rückschlag erlitten. Beister wird morgen, an diesem Montag, in Augsburg am Meniskus operiert. Das bedeutet, dass er weitere drei bis vier Wochen warten muss, bevor es wieder mit den Kollegen „auf dem Acker“ zur Sache gehen kann. Und ein Einsatz in einem Bundesliga-Spiel wird wohl noch bis Mitte oder Ende Oktober auf sich warten lassen. Bitter für den Pechvogel des HSV, aber auch diese Zeit wird er überstehen – um dann mit noch mehr Energie zurückzukommen.

Apropos Energie. So die ganz dicken Überraschungen sind im Pokal bislang ja ausgeblieben, von Mainz und Stuttgart mal abgesehen, aber auch das kam nicht gerade unerwartet. Hoffentlich ist die dickste Überraschung nicht noch am Montag „im Pott“. Der FC Energie ist für mich nach dem Zweitliga-Abstieg relativ unbekannt, aber irgendwie denke ich immer wieder an den vergangenen Dienstag, als der HSV in Erfurt gegen den Drittliga-Club Rot-Weiß testete. Ich schrieb es seinerzeit, dass wir mit der Rot-Weiß-Mannschaft in die Katakomben des Stadions gingen, und als wir (Medien-Vertreter aus Hamburg) nach der Stärke von Cottbus fragten, antwortete ein RWE-Spieler doch: „Die sind schwach. Wir haben dort zwar nur 0:0 gespielt, aber wir hätten klar gewinnen müssen, weil wir viele große Chancen hatten . . .“

Das stimmt mich nach wie vor optimistisch, das muss ich sagen, aber ein kleiner Zweifel bleibt doch. Zumal ich nach dem Spiel in Erfurt mit zwei einheimischen Kollegen sprach, denn irgendwie hatte ich den Eindruck, dass die Rot-Weißen doch ein wenig mit „gebremsten Schaum“, soll heißen fast körperlos, gegen den HSV gespielt hatten. Und siehe da, auch diese Kollegen, unabhängig voneinander, hatten dasselbe Gefühl. Und dass Cottbus gegen den HSV ebenfalls fast körperlos spielen wird, das glaube ich nun doch nicht so ganz, im Stadion der Freundschaft ging es, wenn Hamburg zu gast war, immer hoch her. Das wird wohl auch diesmal nicht anders sein.

Die Deutsche Presse-Agentur hat dazu folgenden Bericht veröffentlicht:

Endlich wieder großer Fußball in Cottbus – Erinnerung an 1997
Für den in die Dritte Liga abgerutschten FC Energie Cottbus ist das DFB-Pokalspiel gegen Bundesligist Hamburger SV eine Chance, sich endlich wieder einmal auf der großen Fußball-Bühne zu präsentieren. „Wir probieren, dieses Spiel zu gewinnen“, erklärte Trainer Stefan Krämer vor der Partie am Montag (18.30 Uhr) im Stadion der Freundschaft. Der seit Saisonbeginn in der Lausitz arbeitende Chefcoach schloss aber auch an: „Wir sind keine Träumer und wissen, dass wir ans Limit gehen müssen, um vielleicht eine Überraschung zu schaffen.“

Mittelfeld-Neuzugang Rok Elsner steht vor seinem Debüt. Das Abschlusstraining am Sonntag fand ohne Medien und Fans statt – ein Novum bei Energie. Marco Holz will trotz Knieproblemen spielen, sofern die Schmerzen nicht zu groß sind. „Dass er sich für die Mannschaft quält, spricht für den Geist, der in diesem Team herrscht“, betonte Krämer. Ob der Trainer Mittelfeldspieler Holz von Beginn an bringt oder als Joker, ist noch offen. Sven Michel, der seine Blessur auskuriert hat, ist gegen den HSV einsatzbereit. Anton Makarenko fällt wegen einer Muskelverletzung aus. Rene Renno, Leonhardt Kaufmann und Thomas Hübener fehlen ohnehin langfristig.

Als Regionalligist, damals dritte Liga, hatte Energie 1996/97 die erfolgreichste Saison im DFB-Pokal gespielt. Die Cottbuser waren bis ins Endspiel vorgestoßen, unterlagen dort dem VfB Stuttgart mit Trainer Joachim Löw 0:2. Mit ihrem Coach Eduard Geyer stieg der FC Energie drei Jahre später erstmals in die Erste Liga auf.

Mit einem Erstliga-Aufstieg muss sich der HSV zum Glück nicht beschäftigen, aber eventuell ja mit einem Pokalsieg. Und diese Mannschaft soll dafür sorgen, dass die Hoffnungen auch am späteren Montagabend noch Bestand haben: Adler; Diekmeier, Westermann, Djourou, Ostrzolek; Badelj, Behrami; Ilicevic, van der Vaart, Jansen; Lasogga. Schiedsrichter der Partie ist Thorsten Kinhöfer aus Herne.

Erfreuliches hat an diesem Wochenende schon mal (wieder) die Zweite geleistet. Sie gewann das Heimspiel gegen Weiche Flensburg mit 3:1, wobei dass das erste Gegentor im vierten Spiel war. Ein Schönheitsfehler. Ansonsten aber ist und läuft alles super bei den Rothosen-Talenten. Was, ich kann es immer wieder nur wiederholen, an Trainer Josef (genannt Joe) Zinnbauer liegen soll. Der Mann gibt mächtig Gas. Und setzt sich auch voll für den Erfolg ein. Gestern war er beim Spiel seiner Mannschaft (natürlich), heute sah er am Vormittag die A-Jugend spielen (0:2-Heimniederlage gegen Carl-Zeiss Jena), und nachmittags war er in Neumünster und sah den VfR gegen den kommenden HSV-Gegner Wolfsburg II (nächstes Wochenende) mit 0:1 verlieren.

PS: Dann gab es noch diese Meldung:

Der frühere Bondscoach und ehemalige Trainer des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV, Bert van Marwijk, wird doch nicht neuer Nationaltrainer Südkoreas. Laut der niederländischen Tageszeitung De Telegraaf sollen die Gespräche zwischen dem 62-Jährigen und dem südkoreanischen Fußball-Verband (KFA) gescheitert sein. Der Niederländer wollte angeblich mehr Zeit zu Hause als in Südkorea verbringen. Anfang August war bekannt geworden, dass van Marwijk, der Oranje 2010 bis ins Finale der WM in Südafrika geführt hatte, mit dem südkoreanischen Verband über einen Vierjahresvertrag bis zur WM 2018 in Russland verhandelt. Damit bleibt die Nachfolge von Hong-Myung Bo in Südkorea weiter ungeklärt. Der südkoreanische Ex-Nationalspieler war im Juli nach dem Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft in Brasilien zurückgetreten. (SID)

Zu diesem Thema fällt mir ein HSV-Fan ein, der mir kürzlich beim Training sagte, dass er nicht glaube, dass van Marwijk Trainer in Südkorea wird: „Der soll die Bedingung gestellt haben, dass er erst am Spieltag anreisen muss, weil er bis dahin seinen Hund und seine Enkel betreut . . . Aber das macht nicht mal Südkorea mit.“

PSPS: “Scholle” und ich werden morgen (an diesem Montag) nach dem Schlusspfiff in Cottbus, der gegen 20.20 Uhr erfolgen sollte oder könnte, erstmalig in dieser neuen Saison wieder mit “Matz ab live” auf Sendung sein. Wäre wunderbar, wenn Ihr wieder so zehlreich wie zuletzt “einschalten” würdet.

18.16 Uhr

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