Archiv für das Tag 'Reitmaier'

David Jarolim beim 5:7 herzlich gefeiert

28. März 2015

Endlich einmal HSV-Tore im Volkspark! „An Tagen wie diesen“ sangen die „Toten Hosen“, aber an diesem Sonnabend herrschte im Volkspark alles andere als „tote Hose“. David Jarolim bat zu seinem Abschiedsspiel, und viele, viele kamen. 32 000 Zuschauer waren dabei, und etliche Stars aus Tschechien und vom HSV. Das Jaro-Dream-Team aus Tschechien siegte 7:5, aber das Resultat war ganz sicher unwichtig. Es war eine schöne Abschiedsparty für einen großen HSV-Spieler, der hier immer alles gegeben hat. Und der vielleicht auch irgendwann noch einmal nach Hamburg zurückkehren wird, um beim HSV zu arbeiten. „Diesen Tag werde ich niemals vergessen“, sagte „Jaro“ bei seiner kleinen Dankesrede, und er versprach: „Ich werde versuchen, bei den letzten Spielen das HSV in dieser Saison dabei zu sein um die Daumen zu drücken.“ Alle Zuschauer feierten den Helden des Tages, besonders der Norden – und dafür danke ich ganz besonders, denn „Jaro“ hat es hier auch einst anders kennengelernt. Dabei viel mir heute vorher und auch nachher der große Udo Lattek ein, der einst beim „Doppelpass“ über David Jarolim gesagt hatte: „Ich kann ihn nicht ab, er provoziert, spielt zu oft foul – aber als Trainer hätte ich dieses Schlitzohr liebend gerne in meiner Mannschaft gehabt. So einen brauchst du.“ Mehr Lob geht doch fast gar nicht.

 

Beim Einlaufen der Spieler gab es viel Beifall der 32 000 Zuschauer. Jeder Profi wurde herzlich begrüßt. Lauter wurde es bei Mehdi Mahdavikia, und ganz laut wurde es bei Thimothee Atouba, der geradezu enthusiastisch gefeiert wurde. Atouba! Er tanzte hier nur ganz kurz auf, aber ihn lieben sie hier noch immer. Weil er Dinge drauf hat, die kein anderer macht. Besonders laut wurde es dann aber, als der Mann des Tages einlief – mit seinen Kindern an der Hand und auf dem Arm: David Jarolim. Der Norden sang, alle Zuschauer standen auf. Lotto King Karl und Carsten Pape sangen „Hamburg meine Perle“, und HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer hielt eine kurze, aber unheimlich warmherzige Rede: „David, Du bist ein großartiger Mensch mit einem ganz feinen Charakter, Du warst immer ein vorbildlicher Spieler.“ Dem war nichts hinzuzufügen. Und nicht wenige auf der Tribüne hatten den Eindruck, dass der Vereins-Chef bei seinen Sätzen kurz davor war, die eine oder andere Träne zu verdrücken . . .

 

Mein persönliches Highlight an diesem Nachmittag, und es war nicht nur meines, heißt aber nicht in erster Linie Jarolim, auch nicht Atouba, sondern Tomas Ujfalusi. Nein, nein und noch einmal nein, ich hätte ihn nicht erkannt. Und ich konnte es eine Halbzeit lang nicht glauben, dass der etwas rundliche Herr mit dem etwas mehr an Bauch, mit ohne Haare auf dem Kopf, dafür sehr, sehr viel am Kinn, dass der wirklich unser „Ujfi“ ist. Nein, und irgendwie kann ich es immer noch nicht fassen. Obwohl ich ihn schon eine Stunde vor dem Spiel in den Katakomben sah – und mich fragte, wer dieser Mann denn ist? Aber er war es tatsächlich, auch wenn der neben mir sitzende „Scholle“ es bis zum Schlusspfiff nicht glauben wollte.

 

Während des Spiels, das von Radio-Hamburg-Moderator John Ment kommentiert wurde, wurde übrigens Ballermann-Musik gespielt. „Schatzi schenk mir ein Foto“, und zum Beispiel: „Atemlos“. Ob der HSV den Antrag stellen wird, künftig auch während der Bundesliga . . . Nein, lassen wir das. Denn diese Musik war ja auch gewöhnungsbedürftig.
Das Spiel wurde geleitet von Schiedsrichter Babak Rafati aus Hannover – er hatte ein leichtes Amt, es gab weder Fouls noch Meckereien.

 

Die erste Möglichkeit der Partie hatte David Jarolim, der plötzlich allein vor Stefan Wächter stand – aber den Ball nicht stoppen konnte! Wie bitter war das denn?! Kurz darauf hatte Atouba einen bühnenreifen Auftritt, als er drei Tschechen an der linken Eckfahne vorführte. Er hat es eben immer noch nicht verlernt.

 

Bis zur 11. Minute hieß es 0:0 im Volkspark (wie sonst?), dann aber fielen die Tore. Lukas Jarolim schoss das 1:0 für das Dream-Team, nachdem zuvor Wächter noch großartig einen Fallrückzieher von Koller gehalten hatte. Für das 1:1 zeichnete Mladen Petric verantwortlich. Koller traf zum 1:2, Wildcard-Spieler Norman Lessmann glich aus. Noch einmal Lukas Jarolim und auch noch einmal Mladen Petric, der immer noch schlitzohrig über den Platz läuft und Torchancen erahnt, sorgten für das 3:3 zur Halbzeit.
Der HSV hatte mit Stefan Wächter (Claus Reitmaier), Guy Demel, David Rozehnal, Tomas Ujfalusi, Thimothee Atouba, Mehdi Mahdavikia, Stefan „Paule“ Beinlich, Thorsten Fink, Thomas Doll, Mladen Petric und Norman Lessmann begonnen.

 

Im zweiten Durchgang kam dann folgende HSV-Mannschaft zum Zuge: Reitmaier (Drobny),Demel (Martin Groth), Milan Fukal, Bastian Reinhardt, Atouba (Dennis Aogo), David Jarolim, Rodolfo Cardoso, Marcel Meyer (mit Wildcard), Lessmann, Sergej Barbarez und Vahid Hashemian. Interessant: Martin Groth sollte eigentlich gar nicht spielen, war ohne Fußball-Klamotten nach Hamburg gekommen, aber plötzlich durfte er dabei sein. Weil doch einige angekündigte Spieler nicht gekommen waren.

 

Für die erst- und einmalige HSV-Führung in diesem Spiel sorgte Wildcard-Spieler Marcel Meyer, der das 4:3 markierte. Koller, Poborsky, Kuka und Wildcard-Spieler Stefan Kück schossen dann die Tore für den Sieger, für den HSV verkürzte David Jarolim nur noch per Elfmeter, den Ujfalusi an ihm verschuldet hatte – das war ja wohl auch Pflicht. 5:7 hieß es am Ende, aber diese HSV-Niederlage tat ausnahmsweise einmal nicht weh.
Als Trainer fungierten an diesem Tag übrigens Bruno Labbadia, Ralf Zumdick, Klaus Augenthaler und Vater Karel Jarolim. Im Dream-Team standen so bekannte Stars wie Koller, Poborsky, Kuka, Nikl, Smicer und Tyce.

 

Und während es nach diesem Spiel noch an der Alster weitergeht und ging, geht es für einige HSV-Spieler nun auch offiziell nicht mehr weiter. Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Ivo Ilicevic und Gojko Kacar erhielten nun vom HSV die Mitteilung, dass der Club künftig ohne sie plane. Dietmar Beiersdorfer: „Sie haben es sportlich aufgenommen, und alle haben ihre persönlichen Belange hintenangestellt – denn alle wollen, dass der HSV nicht absteigt. Dafür werden sie noch bis zuletzt alles geben.“

Toi, toi, toi.

 

PS: Morgen, am Sonntag, sitzt nach “Scholle” ein weiterer Mann von “Matz ab” beim Doppelpass vom Sport1: Lars Pegelow gibt sich die Ehre. Alles Gute, mein Lars!

 

PPS: Heute gibt es keine Matz-Ab-Live-Sendung.

17.16 Uhr

Ein legendärer Tag mit den Legenden

7. September 2014

Für Abendblatt-Blogs


„Die Hamburger haben dieses Spiel, das hat uns alle überrascht, sehr verbissen gesehen, zu verbissen gesehen, die sind schon enorm zur Sache gegangen.“ Eine Einschätzung, die man sich als Hanseat einmal ganz genüsslich auf der Zunge zergehen lassen kann. Gesagt hat es heute Michael Ballack, und er sprach natürlich nicht über den HSV, sondern über das „Spiel der Legenden“ vor einem Jahr. Von der Verbissenheit von damals ist alles geblieben, davon konnten sich 25 183 zahlende Zuschauer live überzeugen, und Hundertausende bei der TV-Übertragung von „Sport 1“, denn das Match Deutschland gegen Hamburg stand zur Pause noch 0:0. Dabei hatten sich alle prominenten Kicker vor dem Anpfiff noch ein torreiches Spiel gewünscht. Waren die Trainer der Mannschaften, Jupp Heynckes (für Deutschland) und Helmut Schulte zu genau – und zu gut in ihren Anweisungen? Oder waren die Abwehrspieler zu stark? Es lag wohl eher an den überragenden Torhütern, Für Hamburg hielt Richard Golz überragend, und für Deutschland riskierte Claus Reitmaier mehr als einmal wieder Kopf und Kragen. Schuld an dieser Tor-Armut hatten, ganz klar, die Keeper. Die waren vor ausverkauftem Haus am Millerntor super. Gewonnen hat letztlich die zehnte Auflage des Tages der Legenden das Team Deutschland, das einen 5:3-Sieg schaffte und damit die Bilanz etwas verbessern konnte – Hamburg führt nur noch mit 6:3 Erfolgen. Gewonnen hat auch der von ARD-Moderator Reinhold Beckmann gegründete Verein „Nestwerk e.V.“, denn durch dieses Fußballfest kam in etwa eine Viertelmillion Euro zusammen, die den benachteiligten und sozial ausgegrenzten Hamburger Jugendlichen zugute kommen wird. Es war ein wunderbarer Tag am Millerntor – und es folgt, darauf haben sich alle Beteiligten schon riesig gefreut, noch eine sensationelle Nacht auf dem Kiez und im Schmidts Tivoli.






 

Zum Spiel: Nach dem Seitenwechsel war es zunächst Ballack persönlich, der das erste Tor des Tages erzielte, ein strammer 20-Meter-Flachschuss, unhaltbar für Mathias Hain, der nun im Tor stand (48.). Und dann auch noch gleich das 2:0 hinterher – St. Paulis früherer Spieler Matthias Scherz überlistete Hain mit einem Eigentor (50.). Damit waren die Weichen für einen Sieg? Nein, Hamburg wehrte sich. Und die St.-Pauli-Männer trafen. Martin Driller, Ivan Klasnic und Thomas Meggle drehten mit ihren Toren das Spiel – aber das war nicht das Ende. Carsten Jancker traf zum 3:3, Maurizio Gaudino zum 4:3 für Deutschland, und den Endstand zum 5:3 markierte Arne Friedrich. Zu erwähnen sei noch ein Fast-Kopfballtor von Thomas Doll beim Stande von 3:3, der Trainer von Ferencvaros Budapest scheiterte an Torwart Andreas Reinke und dem Torpfosten.

 

Am Rande machten es sich die Ganz-Alt-Internationalen bei Kaffee und Kuchen gemütlich: Horst Eckel, der Weltmeister von 1954, dazu Uwe Seeler, Bernd Wehmeyer und Max Lorenz. Sowie der Schirmherr der Veranstaltung, Franz Beckenbauer, der vor 50 Jahren am Millerntor sein Debüt in der Profi-Mannschaft des FC Bayern feierte. Wenn ich es richtig erinnere, dann damals als Linksaußen! Beckenbauer: „Eine schöne Erinnerung, wir haben damals 4:0 gewonnen und ich habe dabei mein erstes Pflichtspieltor für die Bayern geschossen. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, was ich in meiner Zeit als Profi und auch danach durch diesen wunderbaren Sport alles erleben würde – ich hätte es nie für möglich gehalten.“ Legende, Lichtgestalt und Kaiser eben. Dass er am Millerntor diesmal auf Schritt und Tritt von zwei Bodyguards bewacht wurde, ist die Kehrseite der Medaille. Anders geht es wohl heutzutage nicht. Schade, schade.

 

Franz Beckenbauer war ja auch einst HSV-Spieler, ich habe ihn damals sogar schon interviewen dürfen, einen Termin besorgte mir damals HSV-Busfahrer Willi Meyer, indem er mich an die Hand nahm und zu Beckenbauer schleifte. Hat aber großartig geklappt. Die weiteren HSV-Spieler, die an diesem Tag im Einsatz waren: Nico Hoogma, Manfred Kaltz, Christian Rahn, Bastian Reinhardt, Stefan Schnoor, Stefan Studer (in der Jugend beim HSV), Otto Addo, Stefan Beinlich, Thomas Doll, Sergej Barbarez, Roy Präger, Thomas von Heesen (alle für Hamburg) sowie Markus Babbel, Patrick Owomoyela und Oliver Kreuzer (Sportchef) und Claus Reitmaier (Torwarttrainer).

 

Natürlich gab es mit einigen von ihnen ein freudiges Wiedersehen. Das begann schon bei Sergej Barbarez. Mit ihm sprach ich – natürlich – über seinen HSV und die derzeitig angespannte Lage. Und Barbarez sprach – wie man es von ihm gewohnt ist – Klartext: „Dieser Fehlstart des HSV überrascht mich nicht, denn der Heilsbringer sitzt oben auf der Tribüne, und unten auf dem Rasen spielen die alten Leute. Und die haben es lange genug bewiesen, dass sie es nicht können, ihnen fehlt die Qualität.“ Klingt hart, aber es trifft genau. Und mit Heilsbringer war natürlich Dietmar Beiersdorfer gemeint.

 

In der Zeit, in der ich nun geschrieben habe, hat mein Kollege Axel Leonhard (der große Regisseur – von Matz ab live) die Gespräche, die ich heute am Millerntor führte, schon im HA-Internet veröffentlich. Ich stelle diese Geschichte nun auch hier hinein, es gab ein Wiedersehen mit Nico Hoogma, Richard Golz, Thomas Doll, Thomas von Heesen, Michael Ballack, Stefan Studer, Patrick Owomoyela, Bastian Reinhardt, Hamburg-Trainer Helmut Schulte, mit Initiator Reinhold Beckmann, it St.-Pauli-Trainer Thomas Meggle (ein langjähriger Freund), Schiedsrichter Walter Eschweiler und vielen, vielen mehr. Wenn Ihr die Zeit habt, dann schaut mal in dieses Video hinein.
Wobei ich eine kleine Einschränkung machen muss. Es sind nicht alle ehemaligen Stars zu sehen, die ich eben genannt habe, der Herr Leonhard wollte dieses Video wohl nicht zu doll überfrachten . . .

 

Dann gab es noch einen freundlichen Hinweis auf meine Geschichte von gestern – ich hatte meine HSV-Mannschaft nominiert:

Lieber Dieter.

ich bin bei der neuen Mannschaft schon etwas verwirrt. Wozu haben wir denn Nicolai Müller gekauft, der für das schnelle Umschaltspiel geholt wurde? Außerdem weiß niemand, ob Julian Green überhaupt Fußball spielen kann, nur weil er von Bayern München kommt. Also überlege Deine Mannschaft noch mal.
Mit freundlichen Grüßen, Arne P.

 

Dazu muss ich sagen, dass ich mir diese HSV-Mannschaft, die ich ohne Nicolai Müller aufgestellt habe, schon für das nächste Spiel, als das in Hannover, gewünscht habe und hätte. Müller sehe ich noch nicht so fit, dass er es bis zur Begegnung gegen 96 schaffen wird und kann. Natürlich erwarte ich Müller im HSV-Team, ich habe ihn in Erfurt gesehen, und das war schon mal sehr gut, was dort zu sehen war. Der Mann geht ab wie Schmidts Katze – oder wie eine Rakete. Das macht Spaß, ihm zuzusehen. Und er wird ganz sicher eine Bereicherung für den HSV sein, leider (wohl) noch nicht für das kommende Wochenende. Wobei wir schon wissen, ob ein Julian Green Fußball spielen kann – er kann. Und wer das wirklich noch nicht weiß, der wird sich davon schon bald, hoffentlich am nächsten Sonntag, überzeugen können.

 

Ja, und dann noch ein Hinweis in eigener Sache, denn das Hamburger Abendblatt hat schon seit einigen Tagen mal wieder etwas Neues:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV gemacht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Montag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, nur die Uhrzeit stand bis jetzt noch nicht fest.

 
18.11 Uhr

Klasse Treffen, dieses Klassentreffen!

8. September 2013

Herzlichen Dank, Hamburg. Und auch ein dickes Danke an Veranstalter Reinhold Beckmann. Das war, trotz des Regens, mal wieder ein ganz tolles Fußball-Fest, über das in Hamburg sicherlich noch die nächsten Tage gesprochen wird. Der „Tag der Legenden“ sorgte für Spaß bei den Alt-Stars und für riesige Begeisterung bei den Fans. Eine richtig runde Sache für einen guten Zweck, denn die Einnahmen dieses Highlights kommen den Projekten von „NestWerk e.V.“ zugute, bislang sind durch diese unvergesslichen Tage mit den Legenden schon über, 14 Millionen Euro eingespielt worden; an diesem Sonntag betrug die Summe 260 000 Euro – hervorragend. Und weiter so. Die nächste Veranstaltung für 2014 wird bereits seit heute geplant und organisiert. Danke Hamburg auch deswegen, weil es diesem Spiel einen neuen Zuschauerrekord gegeben hat, im Stadion waren über 25 000 Fußball-Fans – und bei weitem nicht nur St. Paulianer. Mehr als 100 ehrenamtliche Helfer halfen, aus diesem Spiel etwas ganz Besonderes zu machen – das war Fußball und Spaß mit Herz. Hamburg hat übrigens gewonnen, es hieß am Ende 4:3 für die Mannschaft von der Elbe, die damit endlich einmal wieder gewonnen hat. Zur Halbzeit hieß es bereits 4:2, daran sieht man, wie ernst dieses Spiel von allen genommen wurde – im zweiten Durchgang nur noch ein Tor.


Um einmal mit den Spielern zu beginnen. Aus HSV-Sicht waren folgende Altmeister dabei: Thomas Doll, Thomas von Heesen, Vahid Hashemian, Mehdi Mahdavikia, Heinz Gründel, Richard Golz, Martin Pieckenhagen, Jochen Kientz, Jörg Butt, Nico Hoogma, Stefan Schnoor, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach, Hasan Salihamdizic, Thorsten Fink, Otto Addo, Wolfgang Rolff, Collin Benjamin, Ian Joy, Bastian Reinhardt, Manfred Kaltz und als Betreuer Bernd Wehmeyer und Jimmy Hartwig. Masseur war, wie immer, Hermann Rieger, der diesmal einen besonderen Auftritt hatte, denn er wurde von Schirmherr Michael Schumacher (spielte später sogar noch mit!) auf den Platz „gerast“. Für Team Deutschland waren die ehemaligen HSVer Markus Babbel, Andreas Reinke und Claus Reitmaier dabei. Besonders bejubelt wurde Uwe Seeler, der direkt aus dem Urlaub kam und zur zweiten Halbzeit den Rasen betrat, gemeinsam mit Reinhold Beckmann. Trainer der Hamburger war Helmut Schulte, der das HH-Team aus HSV und St. Pauli klug und clever eingestellt hatte. Schulte war aus Wien angereist, aus den Niederlanden kam Nico Hoogma, und am Vormittag war Mehdi Mahdavikia aus Teheran eingeschwebt. Das ist Einsatz für eine gute Sache. Jörg Butt war aus München gekommen, durfte aber, weil es bereits zwei Torhüter pro Mannschaft gab, nur im Feld spielen. Er nahm es gelassen: „Egal, die Hauptsache ist, dass ich überhaupt mitspielen und helfen kann, dieses Spiel ist eine Super-Sache.“ Wie ein Klassen-Treffen, wobei ich immer gesagt habe: ein klasse Treffen! Und es folgt ja jetzt noch die „Nacht der Legenden“, die ist auch immer legendär!

Für die deutsche Mannschaft war (fast) alles was im Fußball Rang und Namen hat, dabei. Michael Ballack feierte seine Premiere, dazu spielten mit Thomas Helmer, Stefan Reuter, Christian Wörns, Thomas Berthold, Dieter Eilts, Tim Borowski, Lothar Matthäus, Jürgen Klopp, Patrick Owomoyela (gebürtiger Hamburger), Lars Ricken, Michael Schulz, Youri Mulder, Olaf Thon, Fredi Bobic, Ulf Kirsten, Karlheinz Riedle, Alexander Zickler und viele mehr. Trainer war Matthias Sammer.

Hamburg legte einen Blitzstart hin, die St. Paulianer Michael Dinzey (1:0) und Marius Ebbers (der am Freitag noch zwei Tore für seinen neuen Club, Landesliga-Verein VfL 93, geschossen hatte) sorgten für ein schnelles 3:0 – Ebbers traf dabei erneut zweimal. Der agile Maurizio Gaudino sorgte per Hacke für das 1:3, dann verwandelte Sergej Barbarez einen Foulelfmeter (einer mit einer besonderen Geschichte – die gleich noch folgen wird) zum 4:1, Tim Borowski verkürzte noch vor dem Seitenwechsel, und dann traf nur noch Alexander Zickler zum 3:4- Endstand. Besonders zu loben waren bei diesem Spiel die Torhüter Richard Golz, Martin Pieckenhagen (beide Hamburg) sowie Claus Reitmaier und Andreas Reinke, die alle überragend hielten. Gerade so, als stünden sie noch immer im besten Saft . . .

Viel Pech hatte Keeper Reitmaier, der in der 22. Minute mit Dinzey zusammengeprallt war. Der ehemalige HSV-Torwarttrainer musste schwerer verletzt ins Krankenhaus gefahren werden, er hat sich mindestens einen Nasenbeinbruch zugezogen. Dinzey erlitt eine stark blutende Kopfplatzwunde, konnte später aber weiterspielen. Für diesen Zusammenprall hatte Schiedsrichter Walter Eschweiler auf den Elfmeterpunkt gezeigt – daraus entwickelte sich dann der Hamburger Siegtreffer . . . Kurios: Weil die Vorstellung aller Spieler zu lange gedauert hatte, dauerte die erste Halbzeit nur 38 Minuten – und nach insgesamt 81 Minuten wurde die Partie dann auch vorzeitig beendet. Sport 1, der übertragende Sender (sogar der Doppelpass kam aus dem Stadion am Millerntor), hat ja noch andere Programm-Aufträge zu erfüllen . . .

Aber, um das nicht zu vergessen, gute Besserung, lieber Claus Reitmaier!

Auch wenn das Spiel zehn Minuten gekürzt über die Bühne ging – es war großartig. Und Initiator Reinhold Beckmann, vor, während und nach dem Spiel die Ruhe in Person, verriet seinen zurzeit größten Wunsch (einen hat er pro Jahr frei!): „Ich habe immer die Hoffnung, irgendwann in zehn Jahren spielt hier dann auch mal Lionel Messi.“ Und dazu dann noch Mesut Özil und Cristiano Ronaldo, das hätte schon was. Es geht auf jeden Fall weiter, und träumen darf man ja wohl mal.

In Hamburg blieb übrigens alles friedlich, im Gegensatz zum Vortag bei unseren Nachbarn an der Weser:

Eine Schlägerei mit fast 40 Beteiligten hat nach dem Abschiedsspiel von Torsten Frings die Bremer Polizei beschäftigt. Bei dem Handgemenge im Ostkurvensaal des Weserstadions wurde am Sonnabend auch ein Rollstuhlfahrer durch einen umfallenden Stehtisch schwer am Kopf verletzt. Ein Notarzt versorgte den 45-Jährigen und brachte ihn in ein Klinikum.
Nach Angaben der Polizei hatte eine Gruppe von fast 40 Fußballfans den Saal betreten und sofort drei am Tresen stehende Männer angegriffen. Dabei wurde der Stehtisch umgerissen und der Rollstuhlfahrer verletzt. Auch zwei der attackierten Fans mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Die Angreifer flüchteten zu Fuß, die Polizei ermittelt wegen besonders schweren Landfriedensbruchs gegen die Gruppe.

So, und dann gab es noch folgende Meldung über den (und vom) HSV:

Der angeschlagene HSV-Kapitän Rafael van der Vaart hofft auf einen Einsatz am kommenden Samstag im Bundesligaspiel gegen Tabellenführer Borussia Dortmund. „Ich tue alles dafür. Ich hoffe, dass es klappt. Vergangene Saison haben wir dort beim 4:1-Sieg unser wohl bestes Spiel gemacht“, sagte der 30-Jährige der „Bild am Sonntag“. Er war zuletzt beim 4:0 gegen Eintracht Braunschweig mit Problemen in der Oberschenkelmuskulatur ausgewechselt worden.

Auch bei HSV-Coach Thorsten Fink herrscht noch Unklarheit, ob er beim BVB auf den niederländischen Fußball-Nationalspieler setzen kann. „Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Er muss bis Mittwoch trainieren können, um dabei sein zu können. Donnerstag, Freitag würde mir wahrscheinlich zu eng werden“, sagte Fink am Sonntag am Rande des „Tags der Legenden“. Als van-der-Vaart-Ersatz würde er auf den 19-jährigen Hakan Calhanoglu zurückgreifen: „Wenn Rafael fehlen wird, wird er seine Rolle einnehmen. Und ich habe dann auch keine Angst.“

Van der Vaart traut dem türkischen Neu-Nationalspieler, der gegen Braunschweig als Joker mit zwei Toren für Furore gesorgt hatte, seine Nachfolge zu: „Die Qualität besitzt er. Aber man sollte ihm nicht zu viel Druck machen. Er steht ja noch am Anfang seiner Karriere.“

Auf die Frage, wer der Adressat seiner Herzjubel-Geste nach seinem jüngsten Treffer in der Hamburger Arena war, erklärte van der Vaart der „Bild“: „Meine große Liebe Sabia und mein Sohn Damian auf der Tribüne. Der Kleine hatte als Einlaufjunge an meiner Hand Glück gebracht, und wir werden diese Prozedur so lange bei Heimspielen wiederholen, bis wir wieder mal verlieren. Er ist ab jetzt mein persönlicher Talisman.“

Welche Schlagzeile er am Saisonende lesen wolle? „Privat am liebsten kein Wort. Beruflich: Hurra, HSV wieder in Europa!“ Sein Glaube ans Saisonziel Europa League sei „ungebrochen“. Kritisch äußerte sich van der Vaart über den inzwischen an den FC Schalke 04 ausgeliehenen Dennis Aogo, der mit seinem Mallorca-Trip für Schlagzeilen gesorgt hatte: „Natürlich war es seine Privatsache, dorthin zu reisen. Aber nach dem 1:5-Desaster gegen Hoffenheim war diese Reise sicherlich das falsche Signal, nicht besonders schlau.“

Öffentlich hat sich an diesem Wochenende auch wieder einmal ein Österreicher zu Wort gemeldet:

Ex-HSV-Enfant-terrible Paul Scharner (33) zieht eine triste Karrierebilanz. „Nur fünf Jahre und drei Monate war ich glücklich und zufrieden. Ja, das ist erschütternd“, sagte er dem ORF. „Ich habe Einstellungen, die sind im Fußball nicht lebbar.“ Für seine Nationalelf wurde er 2012 lebenslang gesperrt, hält sich aber zugute: „Ich lege mich ja nicht mit jedem an. Ich bin ein Erfolgsdenker.“

PS: Morgen, am Montag, wird beim HSV um 16 Uhr trainiert – Volkspark.

PSPS: Im Laufe des Sonntagabends wird hier noch ein Video-Bericht vom “Tag der Legenden” veröffentlich, die Kamera (und die ganze Bearbeitung) hatte – wie immer – Axel Leonhard bestens im Griff, die Interviews (jedenfalls die meisten) durfte ich führen.

PSPSPS: Die Zweite des HSV verlor das Regionalliga-Auswärtsspiel bei Eintracht Norderstedt mit 0:1 und steht nun auf Tabellenplatz zehn.
Das als kurze Ergänzung: Ich habe mit meinem Freund Bert Ehm gesprochen, der ist Trainer von Germania Schnelsen und sah sich Norderstedt gegen HSV II an. Sein Kurz-Kommentar: “Ich bin nicht nicht enttäuscht, ich bin total entsetzt und tief erschüttert. Wenn das der Bundesliga-Nachwuchs des HSV sein soll, dann ist es wirklich schlimm um den Verein bestellt. Das war ja gar nichts. Der HSV hat sich von Norderstedt, einem bis dahin sieglosen Aufsteiger, an die Wand spielen lassen. Jawohl, an die Wand spielen lassen. Der Sieg war verdient und ist noch viel zu knapp ausgefallen. Die Eintracht hat Fußball gespielt, richtig gut, schnell, ideenreich, engagiert, aggressiv – aber genau so hatte ich den HSV erwartet. In einem Derby! Der HSV aber war lahm, pomadig und blutleer, kein Kampf, kein nichts – unfassbar!”
Und unglaublich: Von Robert Tesche und Gojko Kacar war nichts zu sehen. Nicht etwa deshalb, weil sie schlecht waren – nein, sie waren gar nicht dabei. Es spielte auch – trotz der Länderspiel-Pause – kein einziger Profi des HSV mit. Vornehm geht die Welt zu Grunde . . .
Das verstehe, wer will.

17.21 Uhr

Jetzt wird gebastelt und spekuliert

12. Juni 2013

Nun geht es wieder los. Namen, Namen, Namen. Mit denen der HSV in Verbindung steht, zu denen der HSV Verbindung aufnehmen möchte, die angeblich preiswert zu bekommen wären. Viel heiße Luft ist dabei – aber es ist Sommer, das passt. Und beim HSV ist es nach wie vor so, dass erst einmal verkauft werden muss, bevor eingekauft wird. Und in Sachen Heung Min Son zu Bayer Leverkusen ist auch heute, am Mittwoch, wieder nichts passiert. Es entwickelt sich, so wie es sich schon seit Monaten und täglich entwickelt. Und ich werde mir mal in den kommenden Wochen alle Namen, die hier durchs Dorf getrieben werden, notieren, um sie am Ende dieser aktuellen Transferperiode mal auf einen Schlag zu produzieren. Motto: Das wäre Ihr Preis gewesen. Beziehungsweise: Das wäre Ihre Mannschaft gewesen. Aber es ist ja wie jedes Jahr um diese Zeit: Es wird gebastelt und spekuliert. Und das kann ja auch Spaß machen.

Der erste Name, der gleich nach Saisonschluss in Hamburg fiel, war Bojan Krkic. Marktwert laut Transfermarkt: 13 Millionen Euro. Der Name hielt sich an der Elbe, bis HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow ein Machtwort sprach: „Krkic wird vom HSV nicht verpflichtet.“ Wie denn auch? Utopisch. An eine solche Gehaltsklasse können sich die Rothosen wohl erst wieder wagen, wenn der Verein mit neuen Strukturen ausstaffiert worden ist – und auch dann erst, wenn es mit Kontinuität zurück in die nationale Spitze geschafft worden ist. Bayerns Routinier Claudio Pizarro wurde ebenfalls in Hamburg gespielt, bis der Vertrag in München verlängert worden ist. Eren Derdiyok (ehemals Leverkusen) wurde gehandelt, aber da rief mich schon vor Tagen ein Kollege aus dem Westen an und beschwor mich: „Bitte, bitte nicht! Sage dem HSV unbedingt, dass er nicht zugreifen darf und soll, bitte. Ihr werdet sonst euer blaues Wunder mit ihm erleben . . .“ Dann hat der Kollege noch etwas mehr angefügt, aber das verschweige ich besser. Es ging darum, warum nicht Derdiyok . . . In Hoffenheim hat er ja auch nicht annähernd das gebracht, was sich die TSG vom Schweizer erhofft hatte.

Und seit heute kreisen nun die Spieler Douglas, Kaminski, Klose und Santa Cruz über dem Volkspark. Wobei ich mich schon freuen würde, wenn Santa Cruz käme. Aber bis dahin dürfte noch ein weiter Weg zu gehen sein. Marktwert drei Millionen. Das wäre wohl noch okay. Handgeld ja, keine Ablöse. Aber das Gehalt? Da fängt es schon an. Ich hatte sofort auch gedacht, der gute Mann war ja immer mal wieder (sehr) verletzungsanfällig, aber für Malaga hat er in der vergangenen Saison 46 Spiele bestritten, darunter zehn Einsätze in der Champions League. Das ist doch was. Ich habe immer sehr viel von Santa Cruz gehalten, und ich erinnere mit noch an die WM 2002 in Japan/Südkorea, bei der Deutschland auf Paraguay traf – und Santa Cruz, der sich eigentlich in sehr guter bis überragender Form befand, war zum Glück für die DFB-Auswahl leicht verletzt und somit nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Sonst hätte Deutschland damals im Achtelfinalspiel wohl nicht (ein wenig glücklich) mit 1:0 gewonnen. Roque Santa Cruz ist zwar bereits 31 Jahre alt, aber trotz allem glaube ich, dass er dem HSV durchaus noch zwei, drei Jahre helfen könnte. Könnte, das möchte ich betonen. Denn gerade heute habe ich gelesen, dass Manchester City seine Spieler am besten von allen Vereinen auf der Welt bezahlen soll. Und Santa Cruz gehörte bis zuletzt Manchester City. Und das kennen wir ja: Wer einmal so gut verdient hat, der kann – und will – sich nur höchst ungern an weniger gewöhnen. Das leben oder machen uns einige HSV-Spieler ja schon seit Jahren vor . . .

Hoch erfreut habe ich in Richtung Santa Cruz gelesen, was HSV-Sportchef Oliver Kreuzer (der Bild) gesagt hat: „Roque passt voll in unser Anforderungsprofil.“ Hoffentlich, denke ich so bei mir, hoffentlich gilt das nicht nur auf die sportliche Seite der Medaille bezogen. Hoffentlich.
Hoffentlich ist das auch finanziell gedacht. Sonst wäre das wohl auch echt fatal . . .

So, ansonsten aktuell nicht viel Neues. Claus Reitmaier ist neuer Torwarttrainer des Zweitliga-Clubs SC Paderborn, und HSV-Zugang Hakan Calhanoglu ist in der Dritten Liga zum Spieler des Jahres gewählt worden. Der Deutsche Fußball-Bund über den so geehrten Spieler:

Das Ausnahmetalent des Karlsruher SC steht in der Gunst der Fans von DFB.de und FUSSBALL.de klar vor Hansa Rostocks Ondrej Smetana sowie den Karlsruher Mannschaftskollegen Koen van der Biezen, Dirk Orlishausen und Rouwen Hennings. Calhanoglu tritt als Spieler des Jahres die Nachfolge von Arminia Bielefelds Fabian Klos an, der in der Vorsaison triumphiert hatte.
Calhanoglu, im Februar 19 Jahre alt geworden, hat schwindelerregende Monate hinter sich. Seine Saison lief wie im Zeitraffer: Abschluss eines Vier-Jahres-Vertrages beim Hamburger SV mit sofortiger Ausleihe zum KSC. 4:2-Überraschungscoup in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den neuen Klub. Siegesserie in der Liga nach Stolperstart. Schon mal nicht schlecht. Und weiter: Zweimal Spieler des Monats bei DFB.de und FUSSBALL.de, zum Auftakt der Saison und zum Abschluss. Aufstieg und Meisterschaft. 19 Tore und 17 Vorlagen, damit Topscorer seiner Mannschaft und die Nummer vier der Torjägerliste in der Dritten Liga – als Mittelfeldspieler.
„Toller Spieler, tolle Einstellung”, sagt Oliver Kreuzer, bis vor kurzem KSC-Manager und jetzt Sportchef des HSV, über Calhanoglu. Bei der Aufstiegsfeier verabschiedete sich Calhanoglu frühzeitig ins Bett, weil er tags darauf in Karlsruhes U 19 spielte. Auf eigenen Wunsch. Er half so mit, den Abstieg aus der A-Junioren-Bundesliga zu verhindern.

Ich sage es ja schon seit Wochen, sogar seit Monaten: Von Hakan Calhanoglu erhoffe ich mir in der nächsten Spielzeit eine ganze Menge – ohne ihn damit jetzt schon gewaltig unter Druck setzen zu wollen. Irgendwie aber habe ich die Hoffnung, dass er es gleich allen zeigen wird – weil er doch in der Tat ein Ausnahmetalent ist. Und dabei, das sollten wir dann nie vergessen, sollte sich jeder in Hamburg daran erinnern, dass dem HSV dieser Spieler von Frank Arnesen ins Haus gebracht wurde. Ich glaube in der Tat daran, dass sich der Däne damit ein „kleines Denkmal“ gesetzt hat. Und ich hoffe es auch für ihn.

So, dann möchte ich heute den sportlichen Rückblick auf die Saison 2012/13 abschließen – mit den HSV-Angreifern, die in dieser Spielzeit insgesamt 27 Tore von den 42 HSV-Treffern erzielt haben.

Heung Min Son
hat zwölf Tore erzielt und damit auch optisch einen großen Sprung nach vorn gemacht. Der Südkoreaner hat sich in den vergangenen zehn Monaten richtig, richtig gut entwickelt. So gut, wie ich es nicht, das gebe ich gerne zu, erwartet hatte. Für mich war Son lange Zeit ein ein wenig überschätzter Spieler. Das ist er aber nicht, das nehme ich im vollen Umfang zurück. „Sonny“ hat sich super entwickelt, hat körperlich zugelegt, er ist selbstbewusster geworden, mutiger und härter. Letzteres allerdings ist noch verbesserungsfähig. Und auch in Sachen Konstanz muss er noch deutlich zulegen, noch unterliegt er zu sehr größeren Schwankungen in seinen Leistungen. Dennoch denke ich, dass Son seinen Weg gehen wird – wenn er nun auf den richtige Trainer trifft. Und wenn nicht, dann wird wohl auch – wie immer – sein Vater, der stets überall mit dabei ist, schon darauf achten. Heung Min Son ist zudem ja ein enorm fleißiger Spieler, der auch immer, fast täglich, dann gearbeitet hat, wenn der HSV seinen Jungs frei gegeben hatte. Das ist vorbildlich. Und es sollte jedem jungen Mann, der glaubt, dass weniger mehr ist, zu denken geben. Von nichts kommt nichts, Son weiß das. Und sein Vater erst recht. Note zwei.

Artjoms Rudnevs
startete als Problemkind in die Saison. Im Training konnte er nicht überzeugen, und gespielt hat er am Anfang auch nicht – weil Berg den Vorzug erhalten hatte. Dann aber sorgten viele Sonderschichten (vorzugsweise mit Nikola Vidovic) dafür, dass Rudnevs besser wurde und dass sich sein Selbstbewusstsein vermehrte. „Rudi“ wurde – auch dank seiner zwölf Tore (!) – ein Publikumsliebling in Hamburg. Wer hätte das gedacht? Ich weiß, ich weiß, da will ich keine Wunden wieder aufreißen, ich hatte es nicht für möglich gehalten – aber die meisten User (von Matz ab) schon. Recht hattet ihr. Note drei.

Maximilian Beister
kam zu Saisonbeginn von Erstliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf zurück, aber so richtig Fuß gefasst hat er dann beim HSV eigentlich nicht. Verletzungen und zuletzt ein Platzverweis wirkten sich total störend aus, zudem hatte „Maxi“ das Pech, dass Rudnevs und Son plötzlich trafen, trafen und trafen. Kein Trainer der Welt hätte dieses erfolgreiche Pärchen auseinander genommen, um Beister zu bringen – Thorsten Fink tat es logischerweise auch nicht. Was dem „Ersatzmann“, dem vom Trainer stets eine „sehr gute Form“ attestiert wurde, zunehmend auf den Geist ging. Auch logisch. Du wirst immer wieder von höchster Stufe gelobt, aber du spielst nicht. Das geht irgendwann dem stärksten Mann auf den Geist. Beister auch. Er trainierte teilweise lässig und nachlässig, er ließ sich treiben. Da hätte eine härtere und damit korrigierende Hand eingreifen müssen, aber die gab es nicht. Weder Trainer noch Sportchef noch Cotrainer griffen ein. Auch deswegen sah Beister „Rot“ gegen Augsburg. Er wird hoffentlich daraus gelernt haben – und ich hoffe zu gleichen Teilen, dass auch die Verantwortlichen daraus gelernt haben. Jeder Klartext, der mit „Maxi“ Beister gesprochen worden wäre, hätte Früchte getragen, davon bin ich überzeugt. Und deswegen hoffe ich für das „freche“ Talent, dass ihm nicht allzu viele Konkurrenz-Stürmer vor die Nase gesetzt werden, damit er sich jetzt endlich einmal voll entfalten kann. Bis jetzt war das nur Note vier.

Marcus Berg
fand in dieser Saison praktisch nie statt. Elf Einsätze. Und in denen knüpfte er nahtlos daran an, was er vorher schon immer gezeigt hatte. Nichts. Viele Trainer hatten Geduld mit dem Schweden, auch Thorsten Fink, aber es kam nie etwas zurück. Verletzungen und Krankheiten taten ein Übriges, Berg kann wieder einmal auf ein Jahr zurückblicken, das ihn nur zurückgeworfen hat. Es kann nur besser werden für ihn, denn schlechter geht es im Profi-Fußball nicht mehr. Note sechs.

Schade, das muss ich an dieser Stelle noch einmal sagen (dürfen), schade, dass aus dem HSV-Nachwuchs kein Mann nachrückt, der Druck auf die arrivierten Angreifer machen kann. In der Regionalliga-Mannschaft werden sechs Spieler als Stürmer geführt: Valmir Nafiu, George Kelbel, Manuel Farrona Pulido, Josef Shirdel, Felix Brügmann und Mattia Maggio. Ich kann mir ein kleines Urteil erlauben, weil ich einige Viertliga-Spiele des HSV gesehen habe. Diese Stürmer sind alle talentiert, gewiss, aber sie können keinem Profi-Stürmer des HSV Angst und Schrecken einjagen. Da fehlt noch sehr viel, zu viel. Schade, schade. Körperlich gibt es noch so viel Nachholbedarf, und auch in Sachen Durchsetzungsvermögen. Zudem fehlt auch handwerklich einiges. Wobei ich nicht ausschließen kann und will, dass einem von ihnen doch noch einmal der Durchbruch in den Profi-Fußball gelingt. Es muss ja nicht unbedingt die Erste Bundesliga sein. Obwohl die ganz sicher auch immer an erster Stelle stehen sollte, so lange es noch Hoffnung gibt.

17.59 Uhr

“Es ist noch alles drin”

21. April 2013

Rafael van der Vaart hat 97 Bundesliga-Spiele für den HSV absolviert, dabei 33 Tore geschossen. Noch nie aber gelang ihm in der deutschen Eliteliga ein Kopfball-Tor. Fabian Giefer aber machte es nun erstmalig möglich. Ball gefangen, Ball aus den Händen verloren – Kopfballtor van der Vaart – und 1:0 für den HSV. Ein Kopfballungeheuer wird der 1,76 Meter große niederländische Nationalspieler wohl dennoch nicht mehr, dieses Tor war nur das Resultat eines krassen Torwartfehlers: „Der Keeper hatte mit meinem Schuss ein kleines Problem, das habe ich gesehen. Und dann war es am Ende ein einfacher Kopfball – dieses Tor musste ich machen.“ Kurz-Kommentar von Horst Schnoor, Meister-Torwart von 1960: “Mit vertauschten Torhütern hätte es, und zwar ganz klar, einen anderen Sieger gegeben: Düsseldorf. Rene Adler hat den HSV vor dem Schlimmsten bewahrt, er war wieder einmal überragend.”

Van der Vaart aber war natürlich der Mann des Tages im Volkspark, seine beiden Tore hatten die Weichen frühzeitig auf Sieg gestellt (oha, fünf Euro ins Phrasenschwein!). Dass sich der HSV aber nach dem Anschlusstor des ehemaligen HSV-Spielers Dani Schahin (34.) noch so aus dem Konzept bringen ließ, ist eigentlich unfassbar – und Wahnsinn. In Halbzeit zwei lief fast nichts mehr im Spiel der „Finken“ zusammen, da spielte nur noch Düsseldorf. Und ich gebe zu, mit dieser Mannschaft hatte ich zum Schluss schon etwas Mitleid, denn für einen solchen unbändigen Kampfgeist, für 90 Minuten voller Leidenschaft und Engagement, da muss man sich eigentlich belohnen. Der Fußball-Gott aber wollte es anders. Zum (dicken) Glück für den HSV.
Kurz sei zu diesem Gegentor noch angemerkt: mir, und bestimmt nicht nur mir, geht das alles viel zu leicht. Da gibt es einen Freistoß in Strafraum-Nähe, der wird zur Mitte befördert – und Tor. Es muss wirklich bei jedem Freistoß gezittert werden. Weil der HSV offenbar außer einem Heiko Westermann keinen Kopfall-Spieler hat. Dennis Aogo hat dieses Gegentor ja auf seine Kappe genommen, weil er Schahin bewachen sollte, aber er hat es in dieser Szene eben nicht getan. Diesmal war es Aogo, beim letzten Mal war es ein anderer Kollege, beim nächsten Mal ist es wieder ein ganz anderer Mitspieler. Einer “pennt” anscheinend immer. Zum Leidwesen von Rene Adler – und aller HSV-Fans.

Noch einmal zurück zu van der Vaart. „Es hat ihm gut getan, Spielführer zu werden. Letzte Woche ein Assist, heute zwei Tore. Er war überragend“, befand Sportdirektor Frank Arnesen. Und der so Gelobte urteilte: „Heute waren wir wach, keine Penner, haben die ersten 60 Minuten sehr gut gespielt.“ Nicht gepennt? Damit reagierte der „kleine Engel“ auf die Wutrede, die der Trainer am Freitag beim Abschlusstraining gehalten hatte, und die damit endete, dass Fink seine Profis als „Penner“ beschimpfte. Van der Vaart blüht in der Tat ein wenig auf, und der HSV schaffte endlich einmal wieder zwei Siege in Folge. Sogar die Champions League, auch das ist der nackte Wahnsinn, ist noch möglich. „Rafa“ sprach nach dem Spiel auch noch kurz über das E-Thema: „Es ist alles noch drin. Wir müssen so spielen wie heute und letzte Woche in Mainz. Nur dann haben wir eine Chance.“ Davon aber will und wollte Thorsten Fink nicht viel wissen, denn der Coach hatte die traurigen zweiten 45 Minuten nicht übersehen: „Es gab zwar einige gute Ansätze, aber wir sind noch nicht gefestigt.“ Die Berg- und Talfahrt des HSV ist auf jeden Fall noch nicht beendet. Mal sehen, wie es nun auf Schalke (am Sonntag) weitergehen wird. Zuzutrauen ist diesem HSV alles . . .

Einen in der Tat „wunden Punkt“ dieses Spiels möchte ich noch einmal anschneiden: Düsseldorfs „Kampfschwein“ Lambertz und sein ganz übles Foul an Marcell Jansen. Das war Rot, ich schrieb es bereits gestern und ich sage es heute noch einmal: das war klar Rot. Dass Marcell Jansen diesen Tritt (in der 18. Minute) nicht nur überstand, sondern auch für die dann noch folgenden 72 Minuten so wegsteckte, dass man ihm kaum noch etwas anmerkte, das verdient allerhöchste Anerkennung. Ein dickes Kompliment, Marcell Jansen, denn wer sich dieses geschundene Bein heute einmal ansehen würde, der würde nicht glauben, dass man damit noch so lange Fußball spielen konnte. Wie gesagt: klar Rot.

Und dann möchte ich schnell noch einmal auf den Düsseldorfer Torschützen zurückkommen: Dani Schahin, der in der 17. Minute eingewechselt worden war und 17 Minuten später traf. Der in Donezk geborene Stürmer begann in Deutschland mit dem Fußball in der Jugend von Energie Cottbus. Dann kam er 2006 zum HSV, wo er zuletzt in der „Zweiten“ spielte. Bis 2009. Von Hamburg aus ging es zur Spielvereinigung Greuther Fürth, von dort 2011 zu Dynamo Dresden, im Vorjahr dann zur Fortuna nach Düsseldorf. Viel Bewegung in der Karriere eines 23-Jährigen. Aber mir hat dieser Bursche gefallen, das gebe ich. Diesmal gefallen. In der „Zweiten“ damals ist er mir nicht so (groß) aufgefallen, als dass ich gesagt hätte: „Das ist oder wird ein Mann für die Bundesliga.“ Vielleicht aber ist dieser 1,87 Meter große Schahin ja auch („nur“) ein Spätstarter. Über sein Tor befand er: „Darüber kann ich mich nicht freuen. Würde man mir anbieten, diese Saison kein Spiel mehr zu machen und dafür den Klassenerhalt zu schaffen, würde ich das sofort unterschreiben.“
Und noch eine kurze Bemerkung zum Schahin-Tor: Zum Glück für den HSV hat nicht noch der zweite HSV-Spieler, nämlich Robert Tesche (den fand ich gar nicht mal schlecht!), getroffen. Das wäre dann ganz bitter gewesen.

Wie versprochen möchte ich jetzt noch einmal kurz auf das „Matz-ab-„Treffen vom Freitag kommen. Wir hatten eine Negativ-Besetzung, weil nur 35 HSV-Fans nach Norderstedt gekommen waren. Aber ich muss sagen, dass es wirklich ein schöner Abend war, denn wir alle haben uns ganz hervorragend unterhalten und verstanden. Dafür ein herzliches Dankeschön an alle. Ein besonderer Dank geht an HSV-Vorstandsmitglied Oliver Scheel, der sich den Fragen der Anwesenden stellte und sogar viel länger blieb, als vorher geplant – da er noch ein anderes Fan-Treffen auf dem Zettel hatte.

Und, Herr Scheel, falls Sie das hier lesen sollten: Klasse-Einsatz, Super-Vorstellung – Sie wurden von allen „Matz-abbern“ gelobt. Vielen Dank.

Und damit geht es auch weiter: Danke möchte ich an „Gobi“ sagen, sie setzt sich für „Matz ab“ immer wieder großartig ein, und ein besonderes Dankeschön an „die junge Mutter“ der Kompanie, an „Eva/Hope“. Sie hat dieses Treffen in erster Linie organisiert, sie zeigt immer einen unglaublichen Einsatz für alle „Matz-abber“ – einfach nur toll! Und nochmals danke. Auch an alle, die nicht aus Hamburg kamen, sondern von ganz weit her. Traumhaft! Ganz stark fand ich ja auch die beiden Mädels aus Elmshorn. Susanne und Anne. Zu spät gekommen, draußen überlegt, ob man dann doch noch reingehen solle, reingekommen und super mitgemacht. Bravo! Imponierend, wie beiden weiblichen Fans über den HSV und den Fußball allgemein sprachen – ich war von den Socken, was da für ein fußballerisches Wissen vorhanden ist. Das war eine überzeugende und eindrucksvolle „Vorstellung“. Nachahmenswert.

Bei „Matz-ab“-live (mit den Gästen Claus Reitmaier und Hermann Rieger – vielen Dank auch dafür nochmals!) habe ich ja gesagt, dass ich schon wieder könnte, nämlich zum nächsten Treffen zu kommen, und „HSV-Lünen“ hat ja auch gestern gleich wieder gefragt, wann es das nächste Treffen gibt – ein solcher Abend, so harmonisch und so freundschaftlich, verdient auf jeden Fall eine Wiederholung. Danke möchte ich auch an das Team des HSV-Restaurant „1887“ sagen, es hat alles bestens funktioniert, es gab weder so noch so Klagen – wir haben uns in Ochsenzoll sehr, sehr wohl gefühlt. Und: „Scholle“ hat bereits einige Fotos in Facebook reingestellt, und er hat auch ein wenig gefilmt, davon soll auch noch etwas zu sehen sein – demnächst.

Zum Thema „Matz-ab“-Treffen gab es natürlich auch einige Mails (und Anrufe), einen „Matz-abber“ der ersten Stunde möchte ich gerne zu Wort kommen lassen – auch ihm vielen Dank für diese lobenden Sätze. Ich nenne bewusst den Namen nicht – wenn er es möchte, dann kann und wird er sich schon selbst outen:

Moin Dieter,

vielen Dank für den gestrigen Abend „unter Freunden“. Inzwischen ist dieser Kreis zu einer echten Gemeinschaft geworden mit nahezu durchweg sehr angenehmen Beziehungen, sodass diese Treffen so richtig Spaß machen. Es hat sich ja auch ansonsten manche Freundschaft durch Matz ab entwickelt.

Ich freue mich auf weitere Treffen und auch den Blog mit Dir, man muss dabei auf keinen Fall immer der gleichen Auffassung sein! Negativer Begleitumstand bei derartigen Treffen ist für mich immer, dass ich mein Alter spüre. Auch ich war z.B. früher immer gern am Rothenbaum bei den HSV-Amateuren und habe noch ein volles Autogrammalbum aus den 60er Jahren, gesammelt immer nach dem Training. In den Volkspark gehe ich seit 1963, lange Jahre mit den Ehrenkarten meines Vaters, der HSV-Jugendbetreuer war. Deshalb war es gestern auch für mich eine Rückkehr an eine wichtige Stätte meiner Kindheit, auch wenn damals dort noch der alte Lindenhof stand!

Früher wie heute galt für mich „NUR DER HSV“, auch wenn es den Spruch damals wohl noch gar nicht gab…

Herzliche Grüße.

Ein ganz anderes Thema, aber das beherrschende an diesem Wochenende. Uli Hoeneß und das Konto in der Schweiz. Dazu hat die Agentur DPA eine besonders schöne Sammlung von Hoeneß-Sprüchen veröffentlicht, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

„Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ (Uli Hoeneß 2005 in einem Interview der „Bild“)

„Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen. Mit einer Reichensteuer geht es dem kleinen Mann kein Stück besser.“ (Hoeneß 2009 in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“)

„In den vergangenen 20 Jahren sind in der Finanzwelt Menschen am Werk gewesen, die einen katastrophalen Job gemacht haben. Uns wurde vorgegaukelt, dass viele Finanzprodukte so unglaublich wichtig seien. Dabei hatten diese nur ein Ziel: die Taschen gewisser Leute voll zu machen.“ (Hoeneß 2012 in der Zeitung „Die Welt“)

„Unsere Spieler kicken schon jetzt eine Halbzeit fürs Finanzamt, da kommen wir nicht weiter, wenn man 60 oder 70 Prozent nimmt.“ (Hoeneß 2012 in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“)

„Wenn früher eine Mark in der Kasse meiner Eltern fehlte, haben wir sie auf dem Boden gesucht. Die Stimmung beim Weihnachtsfest hing entscheidend davon ab, wie gut wir vorher verkauft hatten.“ (Hoeneß im Februar 2011 im „Hamburger Abendblatt“)

„Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein.“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

„Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant. Wenn ich sehe, dass Optionsscheine für Reis steigen, sage ich zu meiner Frau: ’Das bedeutet, dass Menschen hungern müssen, weil sie sich keinen Reis mehr kaufen können.’“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

„Ich habe für mein Schweinefleisch fünf verschiedene Lieferanten. Ich rufe an, lasse mir die Preise geben und kaufe dann. Für was aber brauchen Banker Schweinebäuche?“ (Wurstfabrikant Hoeneß über Spekulationsgeschäfte von Banken)

„Es ist vielleicht langweilig, aber es soll uns nie schlechter gehen als jetzt. Das ist mein Wunsch. Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. Wenn ich irgendwann mal Lust dazu habe, werde ich das machen. Aber das ist nicht mein Lebenstraum.“ (Hoeneß Anfang 2012 vor seinem 60. Geburtstag)

„Ich bin kein Besserwisser, sondern ein Bessermacher.“ (Hoeneß 2010 vor einem Auftritt als Gastredner bei der CSU-Vorstandsklausur)

„Ich habe mit meiner Meinung noch nie hinter dem Berg gehalten. Und bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass man damit bei der Bundeskanzlerin landen kann. Sie will Leute, die querdenken. Sie will Leute, die ihr nicht nach dem Mund reden. Deswegen bin ich Fan von Merkel!“ (Hoeneß über Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel)

„Uli ist der Vater Teresa vom Tegernsee, der Nelson Mandela von der Säbener Straße und die Mutter aller Manager.“ (Vorstandschef Rummenigge in seiner Festrede zum 60. Geburtstag von Hoeneß)

„Franz Beckenbauer hat einmal gesagt, wir alle müssen dem FC Bayern dienen. Uli Hoeneß war immer der größte Diener des FC Bayern.“ (Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge 2009 über Hoeneß)

„Er ist, glaub ich, schon als Manager auf die Welt gekommen.“ (Franz Beckenbauer 2009 über Uli Hoeneß)

Und dann noch einen ganz kurzen Blick zu einem Nord-Rivalen, der ein wenig in Not geraten ist. Ich gehe nicht deswegen darauf ein, weil es sich um den Club von der Weser handelt, sondern deshalb, wie dort reagiert wird. Es ist eben noch ein Trainer der „alten Schule“. In einem Auszug aus einer Agentur-Meldung heißt es:

„Ich denke, dass sich die Art der Trainingsführung und die Art generell in dieser Woche sicherlich ändern wird. Da bin ich mir ganz sicher“, kündigte Sportchef Thomas nach der 0:3-Niederlage an – und behielt recht. Am Sonntag scheuchte Schaaf entgegen der sonstigen Gepflogenheiten den gesamten Kader bei Intervallläufen über den Platz. Zudem wurde der sonst trainingsfreie Montag gestrichen.

So, ich bin schon am Ende. Beim „Aussprache“-und-fast-Grill-Tag im Volkspark waren ungefähr 600 bis 800 HSV-Fans zugegen, es gab Würstchen und Getränke, alles verlief friedlich und im Rahmen, die Profis stellten sich den Fragen des HSV-Anhanges. Gute Sache, hoffentlich gab es eine fruchtbare und dauerhafte Annäherung. Vorstandsmitglied Oliver Scheel: „Das war eine rundum gelungene Sache, ich habe nur Lob von allen Seiten gehört. Natürlich blieb es nicht nur beim Austausch von Worten, sondern es gab auch Autogramme und gemeinsame Fotos.“

PS: Die abstiegsgefährdete A-Jugend-Bundesliga-Mannschaft des HSV besiegte am Sonntag Energie Cottbus mit 3:0. Am nächsten Sonnabend steht für die Mannschaft von Fußballlehrer Otto Addo das Derby beim und gegen den FC St. Pauli an.

PSPS: Am Montag wird im Volkspark nicht trainiert.

16.48 Uhr

Die “älteren HSV-Herren” besiegen Ajax 9:1

8. September 2012

Mutig sind sie ja, die etwas älteren HSV-Herren. Morgen, beim Tag der Legenden am Millerntor, da sollen sie ja die deutschen Stars von der Platte fegen, aber dennoch haben sie es heute schon einmal gewagt. Wenn das mal nicht über ihre Kräfte geht . . . Im Rahmen der 125-Jahr-Festivitäten des HSV gab es an diesem Sonnabend schon einmal ein ganz besonderes Vorspiel: HSV gegen Ajax Amsterdam in Fallingbostel. Und es gab einen eindeutigen Sieger dieser Knaller-Partie – der HSV gewann 9:1 gegen die Niederländer. Wenn das kein gutes Omen für den morgigen Tag ist. Im Vorjahr hatte Deutschland erstmalig gegen Hamburg gewonnen, diesmal sollten die Hanseaten wieder einmal an der Reihe sein – wenn sie sich denn in Niedersachsen nicht zu sehr verausgabt haben.

„Keiner von uns spielt mehr, keiner hat vorher lange trainiert – und trotzdem ist es einfach nur geil, mit den alten Kollegen und Freunden wieder auf dem Rasen zu stehen. Wir hatten damals viel Spaß, und den haben wir auch heute immer noch“, sagte Nico Hoogma nach dem Kantersieg. Der Abwehrspieler traf gegen seine Landsleute einmal, die weiteren Treffer verteilten sich auf Lothar Dittmer (2), Sergej Barbarez (2), Marcus Marin, Stig Töfting, Roy Präger (der zu vier Treffer die Vorarbeitet geleistet hatte) sowie Matthias Rose. Mit von der Partie waren auf Seiten des HSV die beiden Torhüter Uwe Hain und Claus Reitmaier, dazu die Feldspieler Thomas Doll, Peter Hidien, Peter Lübeke, Jochen Kientz, Stefan Schnoor, Thomas Vogel und einige andere mehr.

„Die alten Recken haben wie zu besten Zeiten aufgezogen, das war richtig gut und klasse. Und so, als hätten wir gestern zuletzt zusammengespielt“, befand Roy Präger zufrieden. Der ehemalige Publikumsliebling des HSV sorgt sich auch in diesem Jahr wieder um die Rothosen, sagt aber auch ein wenig resignierend: „Es ist doch schon wieder dasselbe Gerede wie jedes Jahr. Es fehlt mir die klare Struktur im HSV. Natürlich, Rafael van der Vaart kommt jetzt wieder zurück, aber er allein wird es nicht richten können. Alle müssen sich zusammenreißen, müssen es wollen und müssen sich steigern. Sie müssen alles für den HSV geben.“

So wie es die „Alten Herren“ heute in Fallingbostel taten. Nico Hoogma, seit Jahren Manager des niederländischen Erstliga-Klubs Heracles Almelo, macht sich natürlich auch stets Sorgen um „seinen“ HSV. Der frühere Kapitän sagt: „Es tut auch aus der Ferne schon sehr, sehr weh, zu sehen, dass dein Lieblingsklub solche großen Probleme hat. Wenn man aber die Vorbereitung verfolgt hat, die ja nicht immer gute Resultate gebracht hat, dann wusste man, dass es auch in dieser Spielzeit wieder sehr schwer werden würde für den HSV.“ Nico Hoogma dann legt auch den Finger in die Wunde: „Das Umfeld in Hamburg ist mir zu zu negativ. Fast alle sprechen doch nur noch und seit Monaten vom Abstieg des HSV. Das passt nicht, denn wenn man so begleitet wird, dann gehst du auch mit solchen Gedanken in die Spiele – und verlierst sie. Es darf sich meiner Meinung nach keiner wundern, wenn man dann wieder so schlecht startet, wie es der HSV nun getan hat.“
Hoffnung auf Besserung aber haben sie alle.

Übrigens: Wer Nico Hoogma, Roy Präger und all die anderen HSV-Cracks live und in Farbe sehen will, der sollte morgen ans Millerntor gehen, es gibt noch Karten – und die Eintrittsgelder sind ja alle für einen guten Zweck, nämlich für Reinhold Beckmanns „Nestwerk“ in Hamburg. Die Veranstaltung beginnt um 12 Uhr und endet um 17.30 Uhr.

Apropos Veranstaltung. Die gab es gestern auch Niendorf. 11:2 siegte der HSV beim Oberliga-Klub TSV, der ja von „uns Scholle“ gemanagt wird. Ich wollte heute mit „Scholle“ über diesen Tag, diese Tage reden, aber er winkte ab: „Nee, nee, lass mal, ich sage doch nicht zu unserer Veranstaltung. Das sollen mal die Matz-abber machen, die das Spiel sahen, die können das viel besser und neutraler.“

Ganz privat sagte mir „Scholle“ dann aber, dass es ein absolutes Highlight in seinem Sportler-Leben war, dieses Spiel: „Ein Traum.“ Wer von euch miterlebt hätte, wie „Scholle“ sich schon seit Monaten jeden Tag mindestens ein Bein für diesen HSV-Auftritt ausgerissen hat, der weiß, wie viel Herzblut in diesen 90 Minuten steckten. Heute gab mir „Scholle“ zu: „Ich habe Blasen an den Füßen, und ich habe einen total wunden Hintern – weil ich so viel gelaufen bin.“ Bereits heute um 8.30 Uhr stand „Scholle“ mitsamt der TSV-Mannschaft wieder auf dem Platz, um die eigens aufgebaute Tribüne wieder abzubauen. Hat alles geklappt, weil alle super mitzogen. „Es hat nicht einen negativen Punkt bei diesem Spiel gegeben, alles blieb friedlich, alles klappte – bis auf den Regen. Und wir haben noch zwei signierte Trikots vom HSV behalten, eines von Rene Adler, auf dem alle Spieler unterschrieben haben, und eines von Rafael van der Vaart. Diese beiden Trikots werden wir demnächst versteigern – es kann geboten werden“, sagte „Scholle“ und beendete das Gespräch. Er ist fix und foxi und muss sich nun erst einmal erholen. Nicht vom 2:11, das ist wohl relativ normal, sondern von diesem ganzen Stress. Aber einmal im Leben eines Amateur-Managers darf man sich ja wohl auch mal den HSV gönnen – und dafür alles tun. Oder?

Und vielleicht hat sich der HSV mit den zwölf Toren von Schwarzenbek und den elf Treffern von Niendorf ja auch bestens auf die Auswärtspartie am Sonntag in Frankfurt ein- und freigeschossen. Wäre ja schön. Auch wenn Heung Min Son dann demnächst mal eine Chance als Sturmspitze erhalten würde. Ich glaube, dass sich der Südkoreaner dort (ich schrieb es bereits vor Tagen) ganz wohl fühlen würde.

Und wo ich gerade an Frankfurt denke, da fallen mir zwei Erlebnisse vom und am Main besonders schnell ein: Das Abseitstor des kleinen Dribbelkünstlers, das den HSV am letzten Spieltag der Saison 2008/09 doch noch etwas überraschend international tätig werden ließ (der kl. Dribbelkünstler, das für alle, die es nicht wissen, ist Piotr Trochowski). Und das zweite Erlebnis aus Frankfurt war ein 6:0-Sieg des HSV gegen die Eintracht am 13. April 1991. Bei diesem Erfolg gab es eine große Besonderheit, denn als Thomas Doll in der 80. Minute von Trainer Gerd-Volker Schock ausgewechselt wurde (es kam der Brasilianer Nando), da erhoben sich alle Zuschauer im Waldstadion und applaudierten minutenlang – für Doll. Das war doll. Und sensationell. Weil „Dolli“ zuvor vielleicht das Spiel seines Lebens absolviert hatte. Ohne ein Tor selbst erzielt zu haben, hatte er die Eintracht ganz allein schwindelig gespielt. Es war unfassbar, ganz sicher eines der besten Spiele, die ich jemals von einem Hamburger gesehen habe. Jan Furtok (3), Harald Spörl, Waldemar Matysik und Armin Eck hatten den HSV zum Sieg geschossen, Minuten nach dem Spiel war Eintracht-Trainer Jörg Berger seinen Job los . . .

Und wir flogen mit der Mannschaft per Lufthansa (mit dem „Lumpensammler“ spät abends nach Hamburg zurück. Und erlebten die unsanfteste Landung aller Zeiten. Schock saß neben mir und war völlig geschockt, er sagte im Ernst: „Ich habe gedacht, wir stürzen ab!“ Zum Glück ging alles gut. Der Lufthansa-Kapitän damals, ich weiß es als wenn es heute wäre, hieß übrigens Berger . . . Ob er der Bruder oder der Schwippschwager des Frankfurter Trainers war, entzieht sich allerdings meinen Kenntnissen.

Aber so ein 6:0 – das hätte doch mal was, oder? Nein, im Ernst, ich wäre diesmal schon mit einem „dreckigen“ 1:0-Sieg des HSV mehr als zufrieden – Tor Son. Oder Tor Artjoms Rudnevs. Egal, wer es macht, Hauptsache einer trifft zum Sieg. Und wenn es wieder ein Abseitstor ist, das dann doch zählt . . .

PS: An diesem Sonntag kein Training im Volkspark. Wg. Spiel am Millerntor – auch mit Thorsten Fink.

20.11 Uhr

Stürmisches Wochenende im Volkspark

3. Dezember 2011

Stürmisch war es heute am späten Nachmittag im Volkspark. Und stürmisch soll es auch am Sonntag werden, nur einige Meter neben dem Trainingsplatz. In der Arena sollen Tore geschossen werden, HSV-Tore natürlich. Dafür wurde heute eifrig trainiert, und es wurde aus allen Rohren gefeuert, richtig schön und nach Herzenslust geballert. Nürnberg wird sich wohl – geht man nach diesen Trainingseindrücken – warm anziehen müssen. Die schönsten Treffer schoss übrigens an diesem Nachmittag (für mich) Paolo Guerrero. Der Peruaner unterstrich damit einmal mehr seine zurzeit glänzende Form. Ungewöhnlich für mich, weil ich zwei Monate kein HSV-Training mehr gesehen hatte: Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, als das Abschlusstraining fast immer nur aus einem Abschlussspielchen bestand, gab es heute eine richtige Einheit – wie immer. Thorsten Fink scheuchte seine Jungs so, als wäre heute Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag, als stünde morgen kein Bundesliga-Spiel auf dem Programmplan. Eineinhalb Stunden wurde diese Einheit munter und hart durchgezogen – und bei mir kam und kommt Freude auf. Das ist Profi-Fußball.

Es begann mit einem munteren Handballspiel, bei dem der Abschluss nur Kopfballtore bringen durfte. Es wurde anschließend gepasst, nach dem Abspiel mussten die Spieler Slalomstangen umkurven und Hürden überspringen. Es folgten drei Stationen „fünf gegen zwei“, wobei an einer Station acht gegen zwei spielten. Danach standen erneut Geschicklichkeitsläufe auf dem Plan, es folgten die Torschüsse, bevor es das Abschlussspiel gab. Das ließ zwar keinerlei Rückschlüsse auf die morgige Aufstellung zu, aber wie toll es geworden ist. Lasst mich bitte einmal schwärmen: Es ist unheimlich viel Leben in der Bude. Es geht in diesen Spielchen
Munter und auch lautstark zur Sache, es ist herrlich anzusehen. „Gobi“ und „Benno Hafas“, die mir Gesellschaft leisteten, haben mir schon während des Trainings beigepflichtet, sie werden es bezeugen können: Das war einfach nur klasse. Und es bleibt uns allen nur die Hoffnung, dass diese Einstellung, diese Lust und dieser Spaß mit in das Nürnberg-Spiel hinüber gerettet werden kann.

Zur Frage, wer morgen in der Anfangsformation stehen wird, ließ sich Fink – wie erwartet – nicht in die Karten schauen. Bild, Morgenpost und Abendblatt aber waren sich an diesem Nachmittag einig, dass es wohl auf Heung Min Son zulaufen wird. Der Südkoreaner hatte auch einige sehr gute Szene, so, als er sich äußerst geschickt und gekonnt durch die Abwehr schlängelte und dann den Ball quer auf Marcell Jansen legte, sodass der nur noch eindrücken musste. Ein Treffer, der mich sehr an das Niederlande-Spiel in Hamburg erinnerte, als Miroslav Klose die Kugel noch einmal quer auf Mesut Özil legte – ein Traumtor. Wobei ich mich frage, warum Son in dieser Woche so gut trainiert hat, er aber in den Spielen zuvor nicht mal halbwegs diese Klasse gezeigt hat. Im Training schießt (und trifft) er mit links und mit rechts, legt eine Leichtigkeit an den Tag, die er in der Bundesliga in dieser Saison noch nicht so gezeigt hat (nur in der Vorbereitung).

Son ist wohl drin, obwohl ich mir auch vorstellen könnte, dass Ivo Ilicevic eine Chance von Beginn an bekommen könnte. Was durchaus Sinn machen würde – in meinen Augen. Der ehemalige Lauterer sagt ja selbst, dass er noch nicht bei 100 Prozent ist, spricht von etwa 70 Prozent – aber dann soll er diese 70 so lange abrufen, bis das Feuer erloschen ist. Und dann käme Heung Min Son. Auch diese Variante hätte etwas. Ilicevic hat im Abschlussspiel gleich zweimal mit dem Aluminium Bekanntschaft gemacht. Erst vergab er freistehend vor Jaroslav Drobny eine „Hundertprozentige“, um danach aus Wut mit voller Wucht gegen den Pfosten zu treten – sein Fuß, der Stiefel und der Pfosten blieben aber – Gott sei Dank – heil. Minuten später „ballerte“ Ilicevic einen Ball vehement unter die Torlatte, dieser Treffer hätte eine Prämie verdient gehabt.

Über einen anderen Spieler habe ich mir am Rande heute einmal einige Gedanken gemacht: Per Ciljan Skjelbred. Er hatte heute einige gute Szenen, schoss auch beherzt auf und in das Tor, sorgte so für das eine oder andere Ausrufezeichen. Insgesamt habe ich so mir gedacht, dass sich der Norweger noch immer nicht an das Bundesliga.-Tempo gewöhnt hat. Er bringt alles mit, aber oftmals erscheint es mir so, als würde er sich nach gelungenen Aktionen zu lange darauf ausruhen. Und unwillkürlich dachte ich an Thomas Doll. Der verriet mir einst ein, nein, sein Geheimnis. Er war ja ein Dribbler vor dem Herrn, aber in der Anfangszeit (im Herrenfußball) blieb er zu oft an den Gegenspielern hängen. Dann nahm ihn der große DDR-Fußballer Andreas Thom beiseite und gab ihm folgenden Tipp: „Nach dem gelungenen Dribbling nicht einschlafen und nicht ausruhen, denn dann kommt noch das lange Bein des eben gerade ausgespielten Abwehrmannes, nach einem gelungenen Dribbling erst recht Gas geben, damit es kein langes Bein mehr geben kann.“ Sollte Skjelbred mal beherzigen. Oder es müsste ihm mal einer sagen. . .

Ein Dribbler vor dem Herrn ist ja auch Gökhan Töre, ich muss zugeben, schon lange ein (geheimer) Liebling von mir. Der junge Kerl ist einfach nur super, ich hoffe, dass ihn der HSV schon beizeiten langfristig und noch längerfristig binden wird. Töre trat in diesem Training, auch in der Woche im Training, nicht so sehr in Erscheinung, aber ich denke, dass er gegen Nürnberg wieder sein ganz großes Können zeigen wird. Vielleicht hat er sich ja für diese 90 Minuten ein wenig geschont . . .

Überrascht bin ich ja nach wie vor von Tomas Rincon. Sowohl im Training als auch im Spiel. Erst einmal finde ich es klasse, dass Thorsten Fink voll auf den Südamerikaner setzt, und der dankt es ihm ja auch mit Spitzen-Leistungen. Was mich bei all dem Hype im Rincon verblüfft: Oftmals holt er sich ja den Ball fast vom letzten Mann ab. Und dann baut er das Spiel auf. Eine Sache, die nicht nie für möglich gehalten hätte. Achtet einmal drauf. Sehr oft hat Rincon hinten den Ball, ist praktisch dazu „verdammt“, die Kugel sinnvoll nach vorne zu spielen. Früher war Rincon für mich nur ein Terrier, der den gegnerischen „Spielmacher“ bewachen und attackieren kann. Das hat er oft gemacht – und auch gekonnt. Dass er nun auch die Pille mit einem Plan nach vorne spielen soll und es auch tut, das hatte ich nie als eine Möglichkeit für den HSV angesehen. Aber man lernt eben nie aus.

Übrigens: Als die Mannschaft heute schon etwas kurz vor vier Uhr den Rasen betrat, da ging Mladen Petric gerade in Richtung Kabine. Ich dachte schon, dass er sich erneut verletzt hätte, aber der Kroate gab Entwarnung: „Alles ist gut, ich habe mich nicht verletzt, ich habe jetzt nur eine Stunde volle Pulle trainiert. Und es ging gut.“ Super Nachricht. Nicht zum Spiel gegen Nürnberg, aber für das Mainz-Spiel eine Woche später. Und was Petric, der in meinen Augen schon immer ein Mann der Fans gewesen ist, heute auf dem Weg in die Kabine gemacht hat, das wollte „Benno Hafas“ eigentlich schreiben, macht er wohl auch, hat er vielleicht schon gemacht. Ich mache es aber auch. Motto: „Ja ist denn heut’ schon Weihnachten?“ Was war geschehen: Da stand eine vierköpfige „Matz-ab“-Familie aus Frankfurt und bat um ein Autogramm. Die wackeren HSV-Fans aus Hessen hatten dort schon seit um 11 Uhr ausgeharrt. Mladen Petric schenkte dem Mädchen (oder dem jungen Fräulein) eine HSV-Tüte und stand noch für Fotos parat. Super. Und in der Tüte war ein Original-Trikot von ihm. Großartig. Das Mädchen hat vor Freude geweint, was auf dem Foto zu sehen war. Ja, so geht es auch. Danke, Mladen!

So, weil es gerade so schön ist, von gelungen Aktionen zu schreiben. Es gab heute noch eine. Am Nachmittag stand plötzlich der frühere HSV-Torwarttrainer Claus Reitmaier vor und an der Arena. Der inzwischen schon 47-jährige Keeper hütet ja nun beim Oberliga-Verein Halstenbek-Rellingen das Tor, hatte sich heute beim Spiel gegen den SV Rugenbergen (3:2 für HR) am Kopf verletzt und musste ausgewechselt werden. Reitmaier erinnerte sich an seine HSV-Zeit, fuhr mit seiner Kopfplatzwunde nicht in die Klinik, sondern in den Volkspark und ließ sich dort den Riss kleben (es wurde nicht genäht!). Toll, dass es auch so etwas gibt.

Ganz kurz noch zu einem Zwischenruf eines altverdienten “Matz-abbers”: “Dieter, hast du am Feitag nicht vergessen, bei der Ablösesumme für Jeffrey Bruma ein Komma zu setzen?” Kann sein. Ich hätte auch 15,0 Millionen schreiben können, wollte mir die Null aber ersparen. Nein, im Ernst, die 15 Millionen sind schon so gemeint. Kein Mensch wird denken, dass ein niederländischer Nationalspieler für nur und lächerliche 1,5 Millionen Euro zu haben sein wird. Und da Frank Arnesen im Sommer versucht hat, Bruma ganz vom FC Chelsea loszueisen, wird der HSV diese Summe (15 Mill.) schon ruhigen Gewissens nennen können. Um diese 15 wird es sich einpendeln, wir werden es eines Tages sicher miterleben – vielleicht nur bei einem anderen Klub. Weil, wie geschrieben, der HSV niemals diese 15 Millionen hätte.

So, das war es für den späten Nachmittag, ich wünsche Euch allen einen wunderbaren Abend im Kreise Eurer Lieben – und morgen einen – trotz des Wetters – erfreulichen und sportlichen erfolgreichen HSV-Sonntag.

19.27 Uhr

Nächste Einträge »