Archiv für das Tag 'Reinhardt'

Klasse Treffen, dieses Klassentreffen!

8. September 2013

Herzlichen Dank, Hamburg. Und auch ein dickes Danke an Veranstalter Reinhold Beckmann. Das war, trotz des Regens, mal wieder ein ganz tolles Fußball-Fest, über das in Hamburg sicherlich noch die nächsten Tage gesprochen wird. Der „Tag der Legenden“ sorgte für Spaß bei den Alt-Stars und für riesige Begeisterung bei den Fans. Eine richtig runde Sache für einen guten Zweck, denn die Einnahmen dieses Highlights kommen den Projekten von „NestWerk e.V.“ zugute, bislang sind durch diese unvergesslichen Tage mit den Legenden schon über, 14 Millionen Euro eingespielt worden; an diesem Sonntag betrug die Summe 260 000 Euro – hervorragend. Und weiter so. Die nächste Veranstaltung für 2014 wird bereits seit heute geplant und organisiert. Danke Hamburg auch deswegen, weil es diesem Spiel einen neuen Zuschauerrekord gegeben hat, im Stadion waren über 25 000 Fußball-Fans – und bei weitem nicht nur St. Paulianer. Mehr als 100 ehrenamtliche Helfer halfen, aus diesem Spiel etwas ganz Besonderes zu machen – das war Fußball und Spaß mit Herz. Hamburg hat übrigens gewonnen, es hieß am Ende 4:3 für die Mannschaft von der Elbe, die damit endlich einmal wieder gewonnen hat. Zur Halbzeit hieß es bereits 4:2, daran sieht man, wie ernst dieses Spiel von allen genommen wurde – im zweiten Durchgang nur noch ein Tor.


Um einmal mit den Spielern zu beginnen. Aus HSV-Sicht waren folgende Altmeister dabei: Thomas Doll, Thomas von Heesen, Vahid Hashemian, Mehdi Mahdavikia, Heinz Gründel, Richard Golz, Martin Pieckenhagen, Jochen Kientz, Jörg Butt, Nico Hoogma, Stefan Schnoor, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach, Hasan Salihamdizic, Thorsten Fink, Otto Addo, Wolfgang Rolff, Collin Benjamin, Ian Joy, Bastian Reinhardt, Manfred Kaltz und als Betreuer Bernd Wehmeyer und Jimmy Hartwig. Masseur war, wie immer, Hermann Rieger, der diesmal einen besonderen Auftritt hatte, denn er wurde von Schirmherr Michael Schumacher (spielte später sogar noch mit!) auf den Platz „gerast“. Für Team Deutschland waren die ehemaligen HSVer Markus Babbel, Andreas Reinke und Claus Reitmaier dabei. Besonders bejubelt wurde Uwe Seeler, der direkt aus dem Urlaub kam und zur zweiten Halbzeit den Rasen betrat, gemeinsam mit Reinhold Beckmann. Trainer der Hamburger war Helmut Schulte, der das HH-Team aus HSV und St. Pauli klug und clever eingestellt hatte. Schulte war aus Wien angereist, aus den Niederlanden kam Nico Hoogma, und am Vormittag war Mehdi Mahdavikia aus Teheran eingeschwebt. Das ist Einsatz für eine gute Sache. Jörg Butt war aus München gekommen, durfte aber, weil es bereits zwei Torhüter pro Mannschaft gab, nur im Feld spielen. Er nahm es gelassen: „Egal, die Hauptsache ist, dass ich überhaupt mitspielen und helfen kann, dieses Spiel ist eine Super-Sache.“ Wie ein Klassen-Treffen, wobei ich immer gesagt habe: ein klasse Treffen! Und es folgt ja jetzt noch die „Nacht der Legenden“, die ist auch immer legendär!

Für die deutsche Mannschaft war (fast) alles was im Fußball Rang und Namen hat, dabei. Michael Ballack feierte seine Premiere, dazu spielten mit Thomas Helmer, Stefan Reuter, Christian Wörns, Thomas Berthold, Dieter Eilts, Tim Borowski, Lothar Matthäus, Jürgen Klopp, Patrick Owomoyela (gebürtiger Hamburger), Lars Ricken, Michael Schulz, Youri Mulder, Olaf Thon, Fredi Bobic, Ulf Kirsten, Karlheinz Riedle, Alexander Zickler und viele mehr. Trainer war Matthias Sammer.

Hamburg legte einen Blitzstart hin, die St. Paulianer Michael Dinzey (1:0) und Marius Ebbers (der am Freitag noch zwei Tore für seinen neuen Club, Landesliga-Verein VfL 93, geschossen hatte) sorgten für ein schnelles 3:0 – Ebbers traf dabei erneut zweimal. Der agile Maurizio Gaudino sorgte per Hacke für das 1:3, dann verwandelte Sergej Barbarez einen Foulelfmeter (einer mit einer besonderen Geschichte – die gleich noch folgen wird) zum 4:1, Tim Borowski verkürzte noch vor dem Seitenwechsel, und dann traf nur noch Alexander Zickler zum 3:4- Endstand. Besonders zu loben waren bei diesem Spiel die Torhüter Richard Golz, Martin Pieckenhagen (beide Hamburg) sowie Claus Reitmaier und Andreas Reinke, die alle überragend hielten. Gerade so, als stünden sie noch immer im besten Saft . . .

Viel Pech hatte Keeper Reitmaier, der in der 22. Minute mit Dinzey zusammengeprallt war. Der ehemalige HSV-Torwarttrainer musste schwerer verletzt ins Krankenhaus gefahren werden, er hat sich mindestens einen Nasenbeinbruch zugezogen. Dinzey erlitt eine stark blutende Kopfplatzwunde, konnte später aber weiterspielen. Für diesen Zusammenprall hatte Schiedsrichter Walter Eschweiler auf den Elfmeterpunkt gezeigt – daraus entwickelte sich dann der Hamburger Siegtreffer . . . Kurios: Weil die Vorstellung aller Spieler zu lange gedauert hatte, dauerte die erste Halbzeit nur 38 Minuten – und nach insgesamt 81 Minuten wurde die Partie dann auch vorzeitig beendet. Sport 1, der übertragende Sender (sogar der Doppelpass kam aus dem Stadion am Millerntor), hat ja noch andere Programm-Aufträge zu erfüllen . . .

Aber, um das nicht zu vergessen, gute Besserung, lieber Claus Reitmaier!

Auch wenn das Spiel zehn Minuten gekürzt über die Bühne ging – es war großartig. Und Initiator Reinhold Beckmann, vor, während und nach dem Spiel die Ruhe in Person, verriet seinen zurzeit größten Wunsch (einen hat er pro Jahr frei!): „Ich habe immer die Hoffnung, irgendwann in zehn Jahren spielt hier dann auch mal Lionel Messi.“ Und dazu dann noch Mesut Özil und Cristiano Ronaldo, das hätte schon was. Es geht auf jeden Fall weiter, und träumen darf man ja wohl mal.

In Hamburg blieb übrigens alles friedlich, im Gegensatz zum Vortag bei unseren Nachbarn an der Weser:

Eine Schlägerei mit fast 40 Beteiligten hat nach dem Abschiedsspiel von Torsten Frings die Bremer Polizei beschäftigt. Bei dem Handgemenge im Ostkurvensaal des Weserstadions wurde am Sonnabend auch ein Rollstuhlfahrer durch einen umfallenden Stehtisch schwer am Kopf verletzt. Ein Notarzt versorgte den 45-Jährigen und brachte ihn in ein Klinikum.
Nach Angaben der Polizei hatte eine Gruppe von fast 40 Fußballfans den Saal betreten und sofort drei am Tresen stehende Männer angegriffen. Dabei wurde der Stehtisch umgerissen und der Rollstuhlfahrer verletzt. Auch zwei der attackierten Fans mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Die Angreifer flüchteten zu Fuß, die Polizei ermittelt wegen besonders schweren Landfriedensbruchs gegen die Gruppe.

So, und dann gab es noch folgende Meldung über den (und vom) HSV:

Der angeschlagene HSV-Kapitän Rafael van der Vaart hofft auf einen Einsatz am kommenden Samstag im Bundesligaspiel gegen Tabellenführer Borussia Dortmund. „Ich tue alles dafür. Ich hoffe, dass es klappt. Vergangene Saison haben wir dort beim 4:1-Sieg unser wohl bestes Spiel gemacht“, sagte der 30-Jährige der „Bild am Sonntag“. Er war zuletzt beim 4:0 gegen Eintracht Braunschweig mit Problemen in der Oberschenkelmuskulatur ausgewechselt worden.

Auch bei HSV-Coach Thorsten Fink herrscht noch Unklarheit, ob er beim BVB auf den niederländischen Fußball-Nationalspieler setzen kann. „Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Er muss bis Mittwoch trainieren können, um dabei sein zu können. Donnerstag, Freitag würde mir wahrscheinlich zu eng werden“, sagte Fink am Sonntag am Rande des „Tags der Legenden“. Als van-der-Vaart-Ersatz würde er auf den 19-jährigen Hakan Calhanoglu zurückgreifen: „Wenn Rafael fehlen wird, wird er seine Rolle einnehmen. Und ich habe dann auch keine Angst.“

Van der Vaart traut dem türkischen Neu-Nationalspieler, der gegen Braunschweig als Joker mit zwei Toren für Furore gesorgt hatte, seine Nachfolge zu: „Die Qualität besitzt er. Aber man sollte ihm nicht zu viel Druck machen. Er steht ja noch am Anfang seiner Karriere.“

Auf die Frage, wer der Adressat seiner Herzjubel-Geste nach seinem jüngsten Treffer in der Hamburger Arena war, erklärte van der Vaart der „Bild“: „Meine große Liebe Sabia und mein Sohn Damian auf der Tribüne. Der Kleine hatte als Einlaufjunge an meiner Hand Glück gebracht, und wir werden diese Prozedur so lange bei Heimspielen wiederholen, bis wir wieder mal verlieren. Er ist ab jetzt mein persönlicher Talisman.“

Welche Schlagzeile er am Saisonende lesen wolle? „Privat am liebsten kein Wort. Beruflich: Hurra, HSV wieder in Europa!“ Sein Glaube ans Saisonziel Europa League sei „ungebrochen“. Kritisch äußerte sich van der Vaart über den inzwischen an den FC Schalke 04 ausgeliehenen Dennis Aogo, der mit seinem Mallorca-Trip für Schlagzeilen gesorgt hatte: „Natürlich war es seine Privatsache, dorthin zu reisen. Aber nach dem 1:5-Desaster gegen Hoffenheim war diese Reise sicherlich das falsche Signal, nicht besonders schlau.“

Öffentlich hat sich an diesem Wochenende auch wieder einmal ein Österreicher zu Wort gemeldet:

Ex-HSV-Enfant-terrible Paul Scharner (33) zieht eine triste Karrierebilanz. „Nur fünf Jahre und drei Monate war ich glücklich und zufrieden. Ja, das ist erschütternd“, sagte er dem ORF. „Ich habe Einstellungen, die sind im Fußball nicht lebbar.“ Für seine Nationalelf wurde er 2012 lebenslang gesperrt, hält sich aber zugute: „Ich lege mich ja nicht mit jedem an. Ich bin ein Erfolgsdenker.“

PS: Morgen, am Montag, wird beim HSV um 16 Uhr trainiert – Volkspark.

PSPS: Im Laufe des Sonntagabends wird hier noch ein Video-Bericht vom “Tag der Legenden” veröffentlich, die Kamera (und die ganze Bearbeitung) hatte – wie immer – Axel Leonhard bestens im Griff, die Interviews (jedenfalls die meisten) durfte ich führen.

PSPSPS: Die Zweite des HSV verlor das Regionalliga-Auswärtsspiel bei Eintracht Norderstedt mit 0:1 und steht nun auf Tabellenplatz zehn.
Das als kurze Ergänzung: Ich habe mit meinem Freund Bert Ehm gesprochen, der ist Trainer von Germania Schnelsen und sah sich Norderstedt gegen HSV II an. Sein Kurz-Kommentar: “Ich bin nicht nicht enttäuscht, ich bin total entsetzt und tief erschüttert. Wenn das der Bundesliga-Nachwuchs des HSV sein soll, dann ist es wirklich schlimm um den Verein bestellt. Das war ja gar nichts. Der HSV hat sich von Norderstedt, einem bis dahin sieglosen Aufsteiger, an die Wand spielen lassen. Jawohl, an die Wand spielen lassen. Der Sieg war verdient und ist noch viel zu knapp ausgefallen. Die Eintracht hat Fußball gespielt, richtig gut, schnell, ideenreich, engagiert, aggressiv – aber genau so hatte ich den HSV erwartet. In einem Derby! Der HSV aber war lahm, pomadig und blutleer, kein Kampf, kein nichts – unfassbar!”
Und unglaublich: Von Robert Tesche und Gojko Kacar war nichts zu sehen. Nicht etwa deshalb, weil sie schlecht waren – nein, sie waren gar nicht dabei. Es spielte auch – trotz der Länderspiel-Pause – kein einziger Profi des HSV mit. Vornehm geht die Welt zu Grunde . . .
Das verstehe, wer will.

17.21 Uhr

Viel Optimismus beim “neuen” HSV

1. Juli 2013

Der HSV ist wieder da! Noch nicht der ganze HSV, aber immerhin. Einige. Angeführt von den „Altmeistern“ Rafael van der Vaart, Sven Neuhaus und Paul Scharner tummelten sich vor den 500 Kiebitzen, die am Rande standen, Spieler wie Maximilian Beister, Dennis Diekmeier, Michael Mancienne, Matti Steinmann, Ivo Ilicevic, Tolgay Arslan, Jonathan Tah, Jacopo Sala Valmir Nafiu, Florian Stritzel und der Neuzugang aus Dortmund, Kerem Demirbay, auf dem Rasen herum. Der Rest der Truppe, die Nationalspieler, die noch nach Beendigung der Bundesliga-Saison für ihre Länder im Einsatz waren, kommen entweder am Donnerstag zurück nach Hamburg – oder sie kommen direkt ins Trainingslager im österreichischen Zillertal, das am Freitag beginnen wird. Ansonsten war das heute ein relativ verhaltener Beginn, es wurde weder außergewöhnlich trainiert, noch gab es das eine oder andere Highlight zu sehen. Ich hatte das Gefühl, dass man sich erst wieder aneinander gewöhnen muss, denn es wurde während der Einheit weder viel oder häufig miteinander gesprochen, noch gab es ein Lachen oder andere Gefühlsausbrüche. Das Pensum wurde cool abgespult. Ilicevic und Arslan machten übrigens nicht alle Übungen mit, sie haben immer noch Nachwirkungen alter Verletzungen zu verkraften. In einem abschließenden Spielchen schoss Kerem Demirbay die ersten beiden Tore und hinterließ auch sonst einen guten Eindruck. Ich werde später darauf noch einmal zurückkommen.

Zunächst aber zum Mann des Tages. Zu jenem Herrn, der im Mittelpunkt oder im Blickpunkt des Vormittags stand: Rafael van der Vaart. Der Niederländer sagte nach dem Training, was viele schon während der Einheit staunend festgestellt hatten: „Ich habe mich ganz kurz auf die Waage gestellt und bin dann ganz schnell wieder abgesprungen.“ Während des Trainings hatte ein HSV-Fan schon ein wenig überzogen gespottet: „Van der Vaart sagt sich: Ich bin zwei Ölfässer . . .“ Und ein älterer Herr fühlte sich an frühere Zeiten erinnert: „Ist Buffy Ettmayer zurück . . ?“ Ganz so schlimm war es dann doch noch nicht. Unübersehbar aber war, dass der „kleine Engel“ ein wenig, ein klein wenig, zugelegt hat. Für Trainer Thorsten Fink dennoch kein Grund, zu meckern oder gar auszurasten. Völlig ruhig sagte der Coach: „Es gibt allgemein keine besonderen Auffälligkeiten.“ Auf die Lacher in der Runde hin sagte der Coach: „Haben Sie etwas gesehen?“ Dann fuhr er fort: „Es ist klar, dass man im Urlaub leicht zunimmt. Meine Erfahrung sagt, dass man seine Läufe machen soll, die Spieler haben ja alle ein kleines Programm mit in den Urlaub bekommen, alles andere ergibt sich dann im Laufe der Vorbereitungszeit. Und meine Erfahrung sagt mir, dass man sich im Urlaub schon ein wenig ausruhen soll, wenn man das nicht macht, dann wird es während der Saison auch mal schwierig.“

Rafael van der Vaart befand zum ersten Trainings-Tag der neuen Saison: „Es ist immer wieder schön, anzufangen, auch wenn es nach dem Urlaub hart ist. Trotz allem ein guter Tag, die Sonne scheint, die Plätze sind super – es passt.“ Zu seinem Gewicht befand der Niederländer: „Ich habe ein wenig zu viel auf den Rippen, aber ich kann im Trainingslager ja wieder abnehmen. So schlimm ist das alles nicht. Einmal im Jahr vier, fünf Wochen Urlaub zu haben, das tut uns ganz gut, dann genießt man – und das habe ich getan.“

Zur sportlichen Lage des HSV sagte van der Vaart: „Es sind schon ein paar Neue da, und hoffentlich bekommen wir auch noch einen Stürmer, das ist die wichtigste Position. Einer der ein paar Tore macht und uns weiterhilft, dann können wir einen Platz in der Europa League angreifen. Aber wir brauchen noch Qualität.“ Und speziell zu Roque Santa Cruz, der ja immer noch gedanklich über dem Volkspark schwebt, urteilte v.d.V.: „Wenn er käme, wäre das schon super. Ein großer Name, ein großer Spieler – ich hoffe, dass er kommen wird, seinen solchen Mann brauchen wir. Würde er uns verstärken, wäre es für uns sicherlich etwas einfacher.“ Und dann fasste der HSV-Kapitän noch kurz und treffend zusammen: „Der HSV muss ganz einfach in Europa spielen, alles andere ist nichts wert.“

Dazu muss aber noch einiges mehr passieren – als zum Beispiel in der vergangenen Saison. Die Achterbahn-Fahrt sollte sich möglichst nicht wiederholen. Das weiß auch die „ewige 23“: „Wir müssen konstanter werden, ganz klar. Es kann doch nicht sein, dass man in Dortmund ein Super-Spiel abliefert und gewinnt, und dann zu Hause nicht nachlegen kann. Das müssen wir ändern, denn die Konkurrenz ist sehr hart.“ Dennoch blickt er optimistisch in die Zukunft, denn der Niederländer sagt auch noch: „Wenn der neue Verteidiger sehr gut ist, dazu noch Santa Cruz, und wir haben eine gute Mischung aus jungen Talenten und erfahrenen Spielern, dann können wir uns freuen. Ich hoffe darauf.“

Und die Voraussetzungen sind ja in diesem Jahr nicht die schlechtesten, denn mit Jacques Zoua und Johan Djourou, der heute den sporttauglichen Test bestand und einen Ein-Jahres-Leihvertrag unterschrieb, sind bereits zwei neue Spieler verpflichtet – und Nummer drei und Nummer vier stehen bereits vor der Tür. Santa Cruz zum Beispiel soll bis zum Mittwoch, spätestens aber bis diesen Donnerstag erklärt haben, ob er zum HSV kommen will – oder nicht. Im Moment, so sagen es Insider, hat Malaga aber wohl die besten oder besseren Karten. Dazu gesellten sich auch noch als Interessenten – neben dem HSV – Stoke City und der FC Bologna. Und bei Lasse Sobiech sieht es so aus, dass sich der HSV mit dem Spieler wohl einig ist, noch nicht aber mit dem abgebenden Verein Borussia Dortmund. Aber auch das soll und könnte sich schnell ändern.

Thorsten Fink wirkte ob dieser Lage optimistisch: „Ich bin jetzt erst einmal zufrieden, denn wir haben schon gute Einkäufe getätigt. Und natürlich wäre ich noch mehr zufrieden, wenn wir noch etwas mehr tun könnten.“ Grundsätzlich aber sagte der Coach: „Ich bin froh, dass die Arbeit auf dem Platz wieder beginnt, das ist mein Thema, und das wir jetzt schon zwei Spieler haben, dass ist auch wichtig. So kann man früh gemeinsam arbeiten und reinkommen, und man kann gleich am Anfang da sein. Gleich am ersten Spieltag da zu sein, das ist ganz wichtig, dass man nicht gleich der Musik hinterher läuft.“ Wie im vergangenen Sommer.

Über den stürmenden Neuzugang Zoua verriet Fink: „Das ist ein junger Mann, der hier nicht gleich 20 Tore schießen soll. Er ist erst 21 Jahre alt, der hervorragende Qualitäten hat, der ins System passt – er ist ein Spieler, den wir gebraucht haben, den ich mir gewünscht habe.“ Über Roque Santa Cruz sagte Thorsten Fink: „Ein guter Spieler, natürlich, aber ich weiß gar nicht, warum alle Leute schon so darüber Bescheid wissen, wieso darüber schon gesprochen wird und wurde, denn ich haben niemandem etwas gesagt. Roque ist ein hervorragender Stürmer, der ins System passt, der schnell ist, der technisch super ist – und der vor allem auch charakterlich ganz stark ist. Aber ob das mit der Verpflichtung jetzt etwas wird, das müssen wir nun mal abwarten.“

Sollte Santa Cruz nicht kommen, dann hat der HSV, das verriet Sportchef Oliver Kreuzer, auf jeden Fall auch einen Plan B in der Tasche. Fink: „Wir sind immer vorbereitet, alles andere wäre ja schlecht, Letztlich aber müssen wir schauen, ob und wie etwas geht, das ist ja auch eine finanzielle Frage. Ein neuer Mann muss ja besser sein, als die Stürmer, die wir haben, und er darf natürlich nicht zu teuer werden. Und dafür muss man schon sehr weit gucken – aber wir haben sicherlich auch schon etwas im Auge.“

Ich bin gespannt, wie sich die jungen Leute im Team entwickeln und präsentieren werden. Hakan Calhanoglu (der in der Türkei noch an der U-20-WM teilnimmt) und Kerem Demirbay, der heute schon mal einen vielversprechenden Eindruck hinterließ. Thorsten Fink über den aus Dortmund geholten Mittelfeldspieler: „Er ist ein Achter. Technisch ein sehr guter Mann, guter linker Fuß, der erste Eindruck war positiv – aber das alles habe ich schon vorher gewusst, denn sonst hätten wir ihn ja nicht gekauft . . .“ Fink ergänzend: „Kerem hat in der dritten Liga beim BVB schon Verantwortung übernommen, er war Stammspieler, er wird bei uns bleiben. Und wenn er dann gut ist, wenn er dann besser ist als andere – warum soll er dann nicht bei uns spielen. Natürlich ist das Tempo in Liga ein höher als in Liga drei, man wird sehen, wie er damit umgehen kann – und mir hat Jürgen Klopp schon mal zu mir gesagt, dass wir da der Borussia einen guten Mann weggeschnappt haben. Ich habe nur Gutes über Kerem gehört. Er ist gut in der Spieleröffnung und er hat keine Angst. Wir brauchen Spieler, die keine Angst haben. Weil wir auf Dauer nicht im Mittelmaß bleiben wollen.“

Und noch ein junges Talent stand im Blickpunkt: Jonathan Tah. Der Innenverteidiger könnte, wenn zwei (oder drei) sich streiten (Djourou, Sobiech, Heiko Westermann) durchaus der lachende Mann sein. Fink über den Jugend-Nationalspieler: „Er macht ja noch sein Abitur, und das ist auch gut so, denn wenn man noch ein zweites Standbein hat, ist das immer eine gute Sache. Er ist ein hervorragender Spieler, ein riesiges Talent, ich bin fest davon überzeugt, dass er sich in Zukunft bei uns durchsetzen wird. Ich werde ihn auf jeden Fall fördern und fordern, und trotzdem muss man wissen, dass er ja aufgrund der schulischen Anforderungen nur zweimal die Woche mit und bei uns trainieren kann. Aber die Schule ist ja auch wichtig.“ Dann fügt Fink hinzu: „Letztlich aber ist es so: Wenn er besser ist als andere, dann wird er auch spielen.“

Harte Zeiten also für Paul Scharner, Michael Mancienne und Slobodan Rajkovic (der noch nicht in Hamburg weilt), da muss man kein Prophet sein. Sportchef Kreuzer zur Lage der Innenverteidiger: „Wir haben gesagt, dass wir wahrscheinlich mit Heiko Westermann, mit Johan Djourou, mit wahrscheinlich Lasse Sobiech und mit dem Riesen-Talent Jonathan Tah in die Saison gehen wollen. Das würde bedeuten, dass die anderen drei Innenverteidiger es schwer haben werden, in den Kader zu kommen. Da muss man mit offenen Karten spielen, das habe ich den Spielern oder ihren Beratern auch schon gesagt. Das sind keine Spieler, die aussortiert werden, das sind Spieler, die ganz normale Kader-Spieler, aber sie müssen wissen woran sie sind, und das habe ich getan.“

Und dann gibt es ja noch die drei „Aussortierten“ Marcus Berg und Gojko Kacar werden in nächster Zeit bei und mit der Regionalliga-Mannschaft von Rodolfo Cardoso trainieren (müssen), und auch Robert Tesche würde es so ergehen, aber der weilt zurzeit im Ausland. Panathinaikos Athen hat angefragt, und nun wartet Kreuzer auf ein vernünftiges Angebot aus Griechenland.

So, dann gibt es noch zwei Dinge, die ich am Sonntag geschrieben habe und zu denen ich mich jetzt noch einmal – wie versprochen – schlau gemacht habe.
Erst ging es um die Hamburger U-15-Auswahl, die zurzeit in Duisburg ein Turnier spielt. In diesem HFV-Team steht ein (ich wiederhole: ein) HSV-Spieler – und bis auf einen Spieler aus Curslack und einen vom ETV – dazu nur noch St.-Pauli-Spieler. Insider wissen, dass es schon seit Jahren Ärger, Krach oder eine gewisse Disharmonie zwischen dem HSV und dem HFV gibt, und deswegen tritt diese U-15-Auswahl auch in genau dieser Zusammenstellung an. HSV-entschlackt.

Ich sprach darüber mit dem Hamburger Verbands-Trainer Uwe Jahn und fragte, wieso der Streit immer noch nicht beigelegt worden ist. Jahn: „Wir haben die Zusammenarbeit damals nicht aufgekündigt, sondern der HSV. Das Schreiben trägt die Unterschriften von Nachwuchs-Chef Bastian Reinhardt und dem Jugend-Chef-Trainer Paul Meier.“ Der bisherige Sportchef Frank Arnesen, der von diesem Schreiben – und der verfahrenen Hamburger Situation wusste, hat dazu nie Stellung bezogen. Uwe Jahn hat im Herbst und zuletzt im November Gespräche mit dem neuen HSV-Nachwuchs-Chef Michael Schröder geführt, um die Situation zu bereinigen, aber der Verbands-Trainer sagt heute: „Michael Schröder wollte sich wieder bei mir melden, das aber ist bis heute nicht passiert.“

Auch Club-Chef Carl-Edgar Jarchow hatte sich diese Dinge angehört und wollte sich in irgendeiner Form einschalten, aber auch das ist bislang unterblieben. Offenbar will der HSV immer noch keine Zusammenarbeit. Obwohl ich mir – als Außenstehender, aber früher selbst einmal Auswahlspieler – vorstellen könnte, dass es für den einen oder anderen Jugendlichen sehr wohl schon eine sehr gute bis hervorragende Sache wäre, für die Auswahl des Hamburger Fußball-Verbandes zu spielen. Uwe Jahn teilt meine Auffassung, sagt aber auch resümierend (und ein wenig traurig?): „Im Prinzip hat sich der HSV aus der Hamburger Fußball-Familie verabschiedet . . .“

Punkt zwei, den ich aufklären wollte, war das Gerücht um die „Struktur-Veränderer“ im HSV, Ernst-Otto Rieckhoff und Jürgen Hunke. Ich hatte zuletzt (frohlockend) geschrieben, dass sich nicht nur diese beiden Herren zum Wohle der Sache und zum Wohle des HSV arrangiert haben und zusammenarbeiten wollen, sondern dass auch frühere Feindschaften ruhen, um die gute und lebensnotwendige Sache voranzutreiben. Daraufhin erhielt ich Post und Anrufe, dass dem wohl nicht ganz so sei. Rieckhoff hätte in Anschreiben an seine Unterstützer unter anderem auch diesen Satz geschrieben:

„Um Missverständnissen aus Presseveröffentlichungen vorzubeugen: Ich hatte einen Dialog mit Jürgen Hunke, ich arbeite aber nicht an einem gemeinsamen Konzept mit ihm.“

Ich habe heute mit Ernst-Otto Rieckhoff telefoniert und mir den Stand der Dinge mal schildern lassen. Er sagte mir: „Ich arbeite mit mehreren Leuten an einem Konzept, das mehrheitsfähig sein wird. Ich arbeite nicht mit Jürgen Hunke zusammen, aber wir haben miteinander gesprochen und werden auch weiterhin den Dialog suchen. Das soll aber auch nicht heißen, dass wir gegeneinander arbeiten.“

Das mit dem „gegeneinander“ wirkte auf mich wie eine Erleichterung. Es geht nämlich nur miteinander – und nicht gegeneinander. Wird zerstritten an diesem wichtigen Punkt im Leben (jawohl, im Leben) des HSV gearbeitet, hat keine Gruppe eine Chance. Das sollten alle, nicht nur die beiden Herren Rieckhoff und Hunke, erkennen. Es kann jetzt nur noch um den HSV, um diese drei für uns alle so wichtigen Buchstaben gehen, und um nichts anderes, um keine Eitelkeiten jeglicher Art. Nur der HSV sollte jetzt noch im Mittelpunk aller Aktivitäten stehen, und alle anderen Sachen wie Animositäten oder Feindschaften sollten endlich einmal ruhen oder am besten ganz und für immer vergessen werden.

Bitte, ihr lieben Leute, bitte denkt nur an diesen Verein und an diese Buchstaben – und nicht (so sehr) an euch!

Dann gibt es noch eine neue Partnerschaft; die meisten werden es, vielen dank dafür, schon aus der Bild erfahren haben – ich schreibe es trotzdem:

Der HSV hat mit Coca-Cola einen neuen Partner gewonnen, der die Rothosen ab dem 1. Juli unterstützen wird. Der Getränkehersteller versorgt als offizieller Supplier des HSV mit Beginn der neuen Saison die Besucher der Imtech Arena und die Mannschaft mit einer breiten Palette alkoholfreier Getränke und wird mit ausgewählten Werbepräsenzen im Umfeld der Arena und des Stadions sichtbar sein. Der neu abgeschlossene Vertrag hat eine Laufzeit von drei Jahren.

„Ich freue mich sehr, dass wir mit Coca-Cola eine starke Marke für uns gewinnen konnten”, sagt Joachim Hilke, Vorstand Marketing/Kommunikation des HSV. “Die Partnerschaft mit einem weltbekannten und ebenso traditionellen wie innovativen Unternehmen ist ein Gewinn für den HSV und gleichzeitig Beweis für die Bekanntheit und Stärke der Marke HSV.”
„Der HSV gehört zu den ersten Adressen der Fußball-Bundesliga und Aushängeschildern der Hansestadt Hamburg. Wir freuen uns sehr, dass wir nach zehn Jahren gemeinsam mit dem HSV wieder eine Partnerschaft eingehen”, sagt Jens Arne Jänecke, Geschäftsleiter Nord von Coca-Cola. “In diesem Rahmen werden wir neben der Getränkelieferung auch verschiedene Aktionen innerhalb und außerhalb des Stadions für die HSV-Fans durchführen”.

PS: Morgen, am Dienstag, wird in Etappen beim HSV trainiert. Weil es vor allem um die Laktatwerte, die gemessen werden, geht. Morgens um 10 Uhr beginnen fünf Spieler mit dem Training auf dem Rasen an der Arena, der Rest ist innen drin beschäftigt – und umgekehrt. Auch am Nachmittag soll und wird es wohl so laufen (von 15 Uhr an).

PS: Das DFB-Pokalspiel des HSV beim SV Schott Jena findet am 4. August (Sonntag) statt, Anpfiff ist um 16 Uhr.

PSPS: Thorsten Fink trägt zurzeit übrigens einen Vollbart. Ob der dran bleibt? Der Trainer ließ es offen. Vorerst wohl auf jeden Fall, denn Fink sagt: „Ich überlegen noch, ob er dran bleibt, aber meiner Frau gefällt es so – deswegen bleibt er auch erst einmal dran.“

Und ganz zum Schluss: Ich entschuldige mich für diesen langen, viel zu langen Text, ab morgen versuche ich mich wieder einzukriegen. Gute Nacht!

18.21 Uhr

Urlaubsstimmung beim HSV – Fink gibt frei

21. März 2013

Urlaubsstimmung. Nein, nicht generell, dafür ist das Wetter tatsächlich nicht einladend genug. Dafür aber beim HSV. Während am Mittwoch wirklich alles im Spaß-Training mitmischen durfte, was Fußballschuhe besitzt, wird morgen – gar nicht trainiert. Der HSV macht frei. Bis Montag. Es ist die Konsequenz daraus, dass gerade mal fünf gesunde HSV-Profis in Hamburg weilen. Und die haben, ohne, dass es für Außenstehende sichtbar war, „sehr gut mitgezogen“, wie Trainer Thorsten Fink sagt. Der HSV-Coach ist sich zudem sicher, dass seine Spieler über ausreichend Selbstdisziplin verfügen, die Freizeit sportlergerecht zu nutzen. „Ein Dennis Aogo und ein Marcell Jansen beispielsweise könnten ja gar nicht ohne etwas für sich zu tun.

Na dann. Ein paar schöne Tage!

Wobei, um hier keine falsche Tonlage reinzubekommen, zu einem derart späten Zeitpunkt der Saison ist ein Tag mehr Freizeit kein Grund mehr, die Fitness in Frage zu stellen. Und das mache ich auch nicht. Im Gegenteil, da auch das Spiel der U23 am Wochenende gegen den SV Wilhemshaven bereits abgesagt worden ist, können die Spieler so mal wieder Heimatbesuche machen. Und genau das macht Michael Mancienne. Der Innenverteidiger flog bereits am heutigen Donnerstag, unmittelbar nach dem Vormittagstraining, das fast komplett aus Kreisspiel bestand, in seine Heimat. „Die Familie mal wiedersehen“, freut sich Mancienne, der sich als Gewinner der letzten Wochen sehen darf, nachdem tatsächlich weder Jeffrey Bruma noch Slobodan Rajkovic langfristig überzeugen konnten. Dennoch glaubt Mancienne noch nicht daran, gleich wieder in die Startelf zu rücken. „Nein“, so Mancienne, „ich bin froh, wenn ich in München wieder zum Kader gehöre. Dafür muss ich schon sehr hart arbeiten und mich anbieten.“ Der Engländer ärgerte sich deshalb auch über die entgangene Spielpraxis, die Fink ihm bei Einsätzen für die U23 holen lassen wollte. „Ich hätte wohl gespielt und hatte mich darauf gefreut“, sagt Mancienne. Wobei mich insbesondere die Tatsache freut, dass Mancienne schon mal einer von denen ist, die der eigenen U23 helfen würden, nachdem Rajkovic bereits bewiesen hat, dass er Sportsmann genug ist, beim Unterbau Vollgas zu geben und somit eine Verstärkung zu sein. Und davon werden Cardoso und Co. noch etliche bestens gebrauchen können.

Womit ich noch mal ganz kurz auf den Blog vom Mittwoch eingehen möchte. Ihr hattet lange eine Nachwuchsgeschichte gefordert. Und das zurecht. Das Problem bei diesem Thema ist allerdings, dass die Probleme durchaus herauszufiltern sind, es aber keine Direkt-Verantwortlichen dafür gibt. Oder besser: es gibt zu viele. Denn nichts ist beim HSV-Nachwuchs konstanter als die Inkonstanz der Führungskräfte, denen man einzeln gar nicht den großen Vorwurf machen kann. Dafür sind sie – wie zuletzt Paul Meier oder auch Bastian Reinhardt – einfach zu kurz im Amt. Paul Meier beispielsweise, der sich durch seine wochenendlichen Heimflüge in die Schweiz beruflich angreifbar gemacht hatte und durch seine harsche Art den Trainern gegenüber von eben jenen angegriffen wurde, hatte eine klare Philosophie. Und die setzte er gegen alle Widerstände durch. „Ich habe eine große Verantwortung beim HSV-Nachwuchs – und diese übernehme diese“, hatte mir der Schweizer einst für ein Abendblatt-Interview gesagt, „daher muss ich auch die Entscheidungen verantworten. Würde ich dabei alle Wünsche der Trainer mit einbeziehen, käme ich nie zu einer klaren Philosophie.“ Sinngemäß sagte er mir damals – und dem konnte ich dann auch zustimmen -, dass es sicherlich etliche andere richtige Wege geben würde, es aber immer sinnvoller sei, an einem festzuhalten. „Ansonsten hat man viele halbe Dinge – aber nichts Ganzes“, so Meier, der letztlich nichts Ganzes erreichen durfte. Dass Meier mehr an seiner Art und den Befindlichkeiten seiner Trainer scheiterte, zeigt auch die Tatsache, dass sein Nachfolger Basti Reinhardt viele Punkte von Meier übernahm.

Wie Ihr seht, ist es beim HSV nicht einfach, den Hauptfehler zu greifen. Inkonstanz – okay. Das wissen alle. Aber wie stelle ich die ab, ohne dass ich einen starken Mann für den Nachwuchs zulasse? Meier war es, wurde aber nicht gestützt. Reinhardt war dies eher nicht. Im Gegenteil: Alle wussten, dass die Versetzung vom Sportchef zum Nachwuchs mehr seinem juristisch unangreifbarem Arbeitsvertrag bis 2013 denn seiner Eignung für den Nachwuchs geschuldet war. Arnesen war gekommen, hatte übernommen und brauchte Reinhardt nicht mehr. Daraus machte der Däne intern wohl auch keinen Hehl. Zumindest hörte Reinhardt schon Mitte 2012 von ihm wohlgesonnenen HSV-Mitarbeitern, dass sein im Juni 2013 auslaufender Vertrag nicht verlängert würde. Reinhardts Nachfragen ließ Arnesen unbeantwortet. Und jeder von uns kann sich vorstellen, wie motivierend so ein Wissen ist…

Wie dem auch sei, jetzt ist Michael Schröder der Nachwuchschef – ob er der starke Mann ist? Keine Ahnung. Er ist Ewigkeiten da und nie kam jemand auf die Idee, ihn zum Nachwuchschef zu machen. Bis jetzt. Aber der ehemalige Chefscout des HSV und ehemalige Jugendtrainer hat zumindest eine große Vision: Dritte Liga mit der U23 und in den höchsten Junioren-Klassen vertreten sein. Mehr geht kaum. Außer natürlich, dass dabei der eine oder andere Profi mehr für die Bundesligamannschaft herausspringt. Und darauf zielt Schröders Idee ab. Der Ex-Profi setzt eine offensive Spielweise und auf individuelle Ausbildung. Das, was mich als Jugendlichen früher abgeschreckt hat, zum HSV zu wechseln, wird wieder praktiziert: Die individuelle Optimierung der Spieler steht über dem mannschaftlichen Erfolg. Aber okay: es ist zumindest ein Weg. Bleibt nur zu hoffen, dass Schröder beim Beschreiten des selbigen mehr Zeit gewährt bekommt als sein Vorgänger. Denn ansonsten gilt wieder: es wird vieles begonnen – aber nichts zuendegebracht.

Beendet wird indes das Engagement vom HSV-Psychologen Thorsten Weidig. Der war seinerzeit von Ex-Boss Bernd Hoffmann und Katja Kraus installiert worden und zunächst für die Profis sowie den Nachwuchs verantwortlich. Zuletzt kümmerte sich Weidig fast ausschließlich um die Jugend, weil die Profis seine Hilfe nicht in Anspruch nahmen. So zumindest hieß es in der Vorstandsbegründung, weshalb Weidig nicht weiter beschäftigt werden soll. Dabei bin ich mir ziemlich sicher, dass gerade die aktuellen jungen HSV-Kicker – ältere natürlich nicht minder – viel von Gesprächen mit Weidig hätten profitieren können. Beister ist nur das auffälligste Beispiel von vielen.

Aber okay. Weidig wird nicht weiterbeschäftigt. Stattdessen müssen die Trainer auch psychologische Arbeit übernehmen. Und im Internat sind es Schröder und Co., die den jungen Spielern fernab ihrer Elternhäuser in schwierigen Phasen beistehen und helfen sollen. Dass der HSV damit rund 100000 Euro im Jahr einspart – gut für die Klubkasse…

Die würde sich am meisten über internationale Spiele freuen. Und während Fink weiterhin gerade mal das letzte und das nächste Spiel bespricht, wagten sich zuletzt Rafael van der Vaart, Heiko Westermann, Rene Adler und auch Aufsichtsratsboss Manfred Ertel weiter vor. Heute folgte nun Michael Mancienne. Mit etwas Anlauf nahm auch er den von Fink beharrlich vermiedenen Begriff in den Mund: „Wir müssen immer das nächste Spiel als das wichtigste nehmen. Aber wir müssen auch die Ambition und das Ziel haben, die Europa League zu erreichen.“ Stimmt. Und das ist nicht überheblich. „Schneckenrennen um Europa“ hatte Ertel den Kampf um Platz vier bis sechs genannt. Und ich finde, er hat es damit ganz gut getroffen. Dass alle Teams, die hinter Bayern, Dortmund und mit Abstrichen Leverkusen stehen nicht zwingend Europa verdient haben – es stimmt. Dass der HSV, wie Mancienne sagt, ein Top-Vier-Team in der Bundesliga ist – ich bin mir da nicht wirklich sicher. Zumindest wäre es für die Qualität der Bundesliga kein Kompliment. Aber wen stört’s, wenn es der HSV am Ende irgendwo zwischen vier und sechs landet? Auch wenn ich mich damit wiederhole: Mich nicht…

In diesem Sinne, bis morgen! Da ist trainingsfrei. Genau wie Sonnabend und Sonntag. Über den Montag ist noch nichts bekannt.

Scholle

Was denkt der Herr Kühne in diesen Tagen?

4. März 2013

Irgendwie ist das schon eine herrlich-verrückte Bundesliga. Der HSV verliert in Hannover 1:5, spielt zu Hause gegen den Tabellenletzten nur unentschieden – doch die Liga spielt stets – fast schon seit Wochen – für den HSV. Soll heißen: Die Clubs tun alles dafür, dass der HSV nicht absackt. Obwohl er meistens so spielt wie ein Verein aus dem Mittelfeld. Konstant unkonstant. Achterbahn eben. Wie seit Monaten. Ein Blick auf die Tabelle verrät jedoch, dass es bis zum Tabellenvierten Eintracht Frankfurt nur drei Zähler sind. Nur drei Zähler! Und zu Freiburg und Schalke, die ebenfalls noch vor dem HSV stehen, der 35 Punkte auf dem Konto hat, ist es nur ein mageres Pünktchen. Aber nach hinten, zum Tabellenzehnten Hannover 96, sind es auch nur zwei Zähler, die der HSV noch besser steht. Das ist ein ganz enges Rennen in dieser Saison, und so wird es wohl auch bleiben. „Noch ist nichts passiert“, hatte Maximilian Beister ja nach dem 1:1 gegen Fürth orakelt, und es bleibt festzuhalten: das stimmt.

Ich muss in den letzten Wochen, nein, eigentlich schon seit Jahresbeginn, immer wieder mal an Klaus-Michael Kühne denken. Der Geldgeber des HSV hatte ja alles dafür getan, Rafael van der Vaart nach Hamburg zurück zu holen. Alles. Und ich glaube nicht, dass Kühne den Niederländer nur deshalb haben wollte, weil er so smart ist, weil er gut aussieht, weil er mit Sylvie eine kleine Traumfrau an seiner Seite hat – hatte. Kühne hatte sich schon vorgestellt, dass van der Vaart diesen HSV – vornehmlich das Spiel des HSV – lenken würde. Und diesen Vorstellungen des Herrn KMK schlossen sich irre viele Hamburger und HSV-Fans an. Rafael van der Vaart ist ab sofort der Spielgestalter, der Regisseur, der Vordenker und Lenker. Das war der Plan.

Aufgegangen ist davon nicht viel. Natürlich, und das wird auch immer so sein, hat der „kleine Engel“ beim HSV, bei und in dieser Mannschaft unendlich viel bewegt – allein durch seine Präsenz, durch seine Erscheinung, durch sein Auftreten. Nur ein Regisseur ist er bislang noch nicht geworden. Und die Leistungen sind nicht so, dass die „ewige 23“ über allen steht. Unbestritten ist, dass er sich zerreißt, dass er stets will, dass er läuft und läuft. Aber das „Fußballspielen“, das kommt dabei zu kurz. Und deswegen denke ich dann an Klaus-Michael Kühne. Was der Milliardär jetzt wohl sagt? Um ehrlich zu sein, stelle ich mir vor, dass er den HSV spielen sieht, dass er van der Vaart dann spielen sieht – und sich eingesteht: „So einfach ist Fußball dann wohl doch wieder nicht . . .“ Oder er flucht – im Sessel sitzend – leise vor sich hin: „Scheiß-Fußball.“ Wobei nicht der HSV damit gemeint ist, sondern das Geschäft allgemein. Undurchschaubar, unvorhersehbar.

Ich habe den Eindruck, dass van der Vaart zwar viel läuft, aber genau deshalb läuft auch vieles an ihm vorbei. Wobei ich am Sonnabend die meiste Zeit sehr genau auf ihn geachtet habe – er bietet sich immer wieder an. Das kann man ihm nicht absprechen. Er geht sehr oft, wenn er nicht gerade Stürmer spielt (!), spielen soll (!), weit in die HSV-Hälfte zurück, um sich dort den Ball abzuholen, um sich dort anspielen zu lassen. Wird dabei allerdings, das ist wohl ein großes Übel, von seinen Kollegen auch vielfach „übersehen“. Oft steht er – oder läuft – dann verdrossen, leicht resignierend und kopfschüttelnd durch die Gegend . . .

Vielleicht ist es aber auch nur alles eine Frage des Selbstvertrauens. Hätte er seine riesige Chance gegen Fürth genutzt, als er frei vor Torwart Wolfgang Hesl viel zu überhastet abschloss, wäre er vielleicht wieder einen größeren Schritt an die 100 Prozent herangekommen. Obwohl: Ein schöneres Tor, als das 1:0-Siegtor gegen Mönchengladbach, gibt es ja eigentlich nicht – und das hat dann doch nicht für eine Leistungsexplosion gesorgt. Eventuell hat ja der ehemalige HSV-Verteidiger Tobias Homp recht, der bei „Matz ab live“ am Sonnabend zu Gast war (ihm und auch unserem zweiten Gast, Hannes Scherff, nochmals vielen Dank!) und sagte: „Ich habe den Eindruck, dass Rafael van der Vaart nicht richtig fit ist. Obwohl seine Verletzungspause ja nun schon lange, lange zurückliegt . . .“

Nun ja, wir werden es erleben, wie sich das, wie sich Rafael van der Vaart noch bis zum Sommer hin entwickelt. Das jedoch gilt ja für den gesamten HSV. Inklusive Artjoms Rudnevs, dem sie gegen Fürth einen so gebrauchten Tag angedreht hatten, wie ihn Rene Adler in Hannover zufassen bekam. Ob Rudnevs sein Torkonto – bislang zehn – noch erhöhen wird? In unserer Redaktion laufen schon Wetten. In welche Richtung die gehen, verrate ich allerdings nicht. Nicht schon wieder eine Rudnevs-Diskussion. Wobei mir immer noch – in schöner Regelmäßigkeit – um die Ohren fliegt, dass ich den „guten Rudi“ damals so „vernichtet“ habe. HSV-Fans sind nicht nachtragend, aber sie vergessen auch nicht ganz so schnell . . .

Mich wundert bei dieser ganzen Diskussion, dass ich nicht auch wegen Heung Min Son verurteilt werde. Den hatte ich zu Saisonbeginn auch nicht unbedingt auf dem Zettel – aber nun. Weil er sich bis hin zum Prädikat „großartig“ verbessert hat. Dass der Südkoreaner zuletzt dreimal in Folge nicht so „großartig“ gespielt hat, das schreibe ich seinem Alter zu. Mit 20 Jahren darf man noch gewisse Leistungsschwankungen haben – aber sicher. Und deswegen, weil es diese Leistungsschwankungen gibt, halte ich es auch für besser (nicht nur im Interesse des HSV und seiner Fans), dass Son noch eine gewisse Zeit in Hamburg leibt, um Konstanz in sein Spiel zu bekommen. Und inzwischen, so denke ich, haben das auch die meisten Beteiligten an diesem „Geschäft“ begriffen oder eingesehen. Die Richtung war zuletzt die, dass Son wohl noch beim HSV bleiben wird – und ich wage mich noch einen Schritt weiter nach vorne: Heung Min Son wird noch mit dem HSV verlängern, ich gehe davon aus und denke, dass diese gute Sache zu 95 Prozent schon eingetütet ist. Und dass die Vertragsverlängerung schon bald, wahrscheinlich noch in dieser Woche, verkündet wird.

„Lass dir überraschen“, so würde Rudi Carrell wohl singen.

Nicht ganz so überraschend kam heute die Nachricht, dass „Basti“ Reinhardt in Zukunft kein Nachwuchs-Chef mehr beim HSV sein wird. Dazu schrieb der HSV heute:

Der HSV und Bastian Reinhardt haben sich darauf verständigt, den im Sommer auslaufenden Vertrag des Nachwuchsleiters nicht zu verlängern. Der ehemalige Bundesligaprofi der Rothosen (von 2003 bis 2010), der im Anschluss an seine aktive Laufbahn ein Jahr lang als Sportchef des HSV agierte, sieht seine Ausrichtung in der Zukunft im Trainerbereich. „Ich habe drei Jahre im administrativen Bereich gearbeitet. Jetzt möchte ich Erfahrungen in der praktischen Arbeit sammeln und werde daher meine Trainerscheine machen. Das wird bis zur A-Lizenz ungefähr zwei Jahre in Anspruch nehmen“, sagte der 37-Jährige.

Danach sei eine Rückkehr zum HSV denkbar, wie ihm Frank Arnesen bereits in Aussicht stellte. „Bastian hat selbstverständlich die Möglichkeit, dann als Trainer im Nachwuchsbereich des HSV wieder einzusteigen“, erklärte der Sportchef und bedankte sich noch einmal ausdrücklich für die Arbeit, die Reinhardt in den nun fast zehn Jahren sowohl als Spieler als auch als Angestellter im sportlichen Bereich für den HSV geleistet hat. „Er stand in all seinem Tun immer komplett für den Verein ein und hat gute Arbeit geleistet. Ich habe ihn als absoluten HSVer kennengelernt. Wir wünschen ihm alles Gute.“

So, dann gab es heute noch diese Meldung des Sport-Informations-Dienstes (SID). Die veröffentliche ich hier deswegen, weil es dazu – schon vor geraumer Zeit – eine Mail an mich (und „Scholle“) gab. Bei der Gelegenheit – und das soll keine Klage sein: Wir bekommen täglich viele, manchmal sehr, sehr viele solcher Mails. In diesem Fall kam sie von Thomas K. Er war schon ein wenig „säuerlich“, weil wir uns nicht bei ihm gemeldet haben. Wenn wir das aber immer und ständig tun würden, dann müsste unser Tag 25 Stunden dauern – weil es einfach viel geworden ist, und täglich mehr und mehr wird. Da bitte ich um Verständnis – noch sind „Scholle“ und ich Einzelkämpfer und haben (noch) keine Sekretärin. Immer dann, wenn es gepasst hat (so wie heute), habe ich schon einige Mails veröffentlicht – was allerdings auch nur bei jedem zweiten User auf Verständnis trifft. Alles Geschmackssache.
Aber nur die SID-Meldung:

Ungewöhnlich scharf hat DFB-Kontrollausschuss-Chef Anton Nachreiner die Begnadigung des Dortmunders Robert Lewandowski durch das Bundesgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) kritisiert. „Dieses unverständliche Urteil verrückt die gesamte Rechtsprechung“, sagte der Chefermittler dem Sport-Nachrichtensender Sky Sport News HD: „Ich muss meine Aufgabe und das Strafmaß ab sofort neu überdenken. Lewandowskis Foul war eine ganz klare Drei-Spiele-Sperre. Das haben alle so gesehen, außer das Bundesgericht und natürlich sein Verein Borussia Dortmund. Ich kann den Aufschrei in der Liga verstehen. Ich bin genauso enttäuscht.“

Das DFB-Bundesgericht hatte am vergangenen Freitag die Rotsperre für den polnischen Nationalspieler in zweiter Instanz von ursprünglich drei auf zwei Spiele verkürzt und Lewandowski somit den Einsatz im Liga-Heimspiel gegen Hannover ermöglicht. Der Pole krönte seine starke Leistung beim 3:1 über die Niedersachsen mit seinen Saisontoren Nummer 15 und 16. Lewandowski war nach seiner Roten Karte am 21. Spieltag gegen den Hamburger SV zunächst für drei Begegnungen gesperrt worden. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte den Gang vor das DFB-Bundesgericht gerechtfertigt: „Wir hatten das Gefühl, das Unrecht geschehen ist. Man hat die Situation lediglich neu bewertet, so wie wir das gesehen haben.“ (SID)

Zu diesem Thema, wie angekündigt, schrieb schon vor einiger Zeit der User Thomas K. folgende – und uns nicht immer schmeichelnde – Zeilen:

Hallo Dieter, hallo Scholle,

seit Anfang an lese ich den Blog mit, nur ganz selten schreibe ich etwas im Forum. Als HSV Fan, der über 500 km weit weg wohnt, freut man sich über alle Infos, die man so bekommen kann. Deswegen erst einmal „Danke!” für den täglichen Blog, auch wenn ich persönlich nicht immer einer Meinung mit den jeweiligen Meinungen der Blog-Väter bin – aber das muss man ja auch nicht.

Mir ist jedoch etwas in der kompletten Print-Berichterstattung (egal ob Abendblatt, Mopo, Bild, Welt…) aufgefallen: es wird von ganz vielen Fachjournalisten mit Begeisterung über den HSV und Spieler bzw handelnden Personen geschimpft und kritisiert. Es wird der HSV jedoch so gut wie nie gegenüber der restlichen Welt mal in Schutz genommen oder gegen den Rest der Welt bzw den DFB mal „investigativ” ermittelt. Fällt nur mir das auf oder scheint der HSV beim DFB regelmäßig schlechter behandelt zu werden als Mitbewerber? Beispiele gefällig?

– Ein Jonathan Tah (als „Schrank”) bekommt keine Ausnahmebenehmigung für den BuLi-Kader, ein „Hänftling” Nuri Sahin hat in dem Alter schon BuLi gekickt

– Ein Siegenthaler durfte in keiner Doppelfunktion für HSV/DFB wegen angeblicher Wettbewerbsvorteile tätig sein, ein Dr. Müller-Wohlfahrt ist das seit Jahren mit FCB/DFB

– ein Cardoso durfte keinen Tag länger als erlaubt die BuLi Mannschaft ohne Fussballlehrerschein coachen (obwohl den genug im Trainer-Team hatten), bei Leverkusen macht das ein Hyypiä jetzt schon seit ewigen Zeiten ohne Beanstandung

– Der DFB hat, als Herr Motzki Sammer zum HSV wechseln wollte, auf Einhaltung des Vertrages gedrängt, was jedoch kein Problem war, als er zu den Bayern ging…

Warum schreibt kein Hamburger Journalist mal darüber oder prüft das wenigstens mal kritisch? Die Liste kann man sicherlich noch weit fortführen: Strafmaße bei Sperren, Sonntagsheimspiele ohne Europacup, Länderspielvergaben… Noch nicht einmal als der HSV 2004 „ver-Hoyzert” wurde ging nach dem Spiel ein Aufschrei der Entrüstung durch die Presse, sondern der HSV wurde ausgelacht (jedenfalls so weit ich mich entsinnen kann), obwohl die Fehlentscheidungen nicht zu übersehen waren.

Wenn ein Dortmunder Spieler einen Hamburger an der Mittellinie brutal ohne Ball rücksichtslos umtritt, ein weiterer Dortmunder Spieler während der Rudelbildung ohne Bestrafung eine klare Tätlichkeit begeht (Kehl) und ein Hamburger Spieler später mit Gegenständen beworfen wird (vdv) – worüber wird berichtet? Dass sich laut HB-Männchen Herrn Klopp unser Spieler ja ach so unsportlich verhalten hätte… Ja gehts noch? Sind die Hamburger Sportjournalisten etwa im Geheimen alles Pauli oder Werder Fans?

Vielleicht habt Ihr ja eine Idee oder eine plausible Begründung dafür, warum regelmäßig über den HSV tendenziell negativ berichtet wird bzw vielleicht nehmt Ihr das ja als Anregung, dahingehend auch mal alternative Meinungen zu vertreten….

Herzliche Grüße aus dem wilden Süden der Republik.

So, das war der Beitrag des „Matz-abbers“ Thomas K. Ich sehe sein Anliegen generell nicht als so dramatisch an, wie er es geschildert hat. Ich denke schon, dass wir – und auch die Hamburger Kollegen – schon hin und wieder die Finger in die Wunde gelegt haben. Ich zum Beispiel ganz gravierend im „Fall Hoyzer“. Und in diesem Fall möchte ich mal daran erinnern, dass auch unter dem HSV-Anhang, der damals mit in Paderborn war, kein „Aufschrei“ zu hören war – nur ein ekeliges Gespucke. Gegen die HSV-Spieler und gegen Trainer Klaus Toppmöller. Weil die Fans sauer auf die Leistung waren. Nicht die von Hoyzer, sondern die des HSV. Nur mal am Rande bemerkt.

Wir Journalisten dürfen nur nicht so weit abdriften, dass uns Parteilichkeit unterstellt wird. Und dieser Grat ist in der Tat sehr, sehr schmal. Wir sind und sollen neutral sein. Nicht unbedingt hier bei „Matz ab“, auf jeden Fall aber die Zeitungen. Andernfalls sollten wir über die Artikel den Zusatz bringen: „Offizielles Mitteilungsblatt des HSV“.

Gleichzeitig gebe ich aber sehr wohl zu, dass an der einen oder anderen Sache schon etwas dran ist – die Thomas K. bemängelt wird. Ich bin aber auch überzeugt, dass davon das eine oder andere Thema „damals“ sehr wohl aufgegriffen wurde, um darüber zu berichten. Ich weiß, dass ich über den „Fall Sammer“ sehr wohl berichtet habe – so wie von Thomas K. gewünscht. Wäre hier ja noch nach zu lesen.
Grundsätzlich muss ich aber nochmals sagen: Das Hamburger Abendblatt ist kein „Offizielles Vereinsorgan des HSV“. Das wünschen sich zwar einige (oder viele) HSV-Fans, noch aber ist es nicht so weit.

PS: Morgen (Dienstag) wird im Volkspark um 15 Uhr geübt.

18.01 Uhr

1:0-Sieg – “Europapokal, Europapokal . . .”

16. Februar 2013

Der HSV ist auf dem Weg zur Spitze. Noch nicht ganz nach oben, aber es geht deutlich aufwärts. Mit 1:0 wurde Borussia Mönchengladbach vor 54 558 Zuschauern im Volkspark besiegt, der Sieg war verdient, wenn auch nicht immer souverän herausgespielt – aber es wurde diszipliniert und konzentriert agiert. Endlich aber gab es mal wieder zwei HSV-Siege in Folge, sodass der Anhang jetzt auf jeden Fall träumen darf. 1:0-Sieg sind die schönsten, so heißt es ja im Fußball, aber dieser war schwer erkämpft, denn die Borussia gab trotz des Donnertags-Spiels in der Europa League auch gegen Ende noch mächtig Gas. „Europapokal, Europapokal . . .“ sangen die HSV-Fans im Norden ausgelassen, aber bis dahin dürfte es noch ein ziemlich dornenreicher Weg sein. Immerhin aber ist er im Jahre 2013 möglich, und wer hätte das schon zu Beginn dieser Saison für möglich gehalten? Nach dem Schlusspfiff kochte es im Norden, denn Hamburg wittert seine Chance.

Beifall zur Pause. Da hieß es durch ein Zauber-Tor von Rafael van der Vaart verdient 1:0. Der HSV war, wie schon zuletzt in Dortmund, gut aus den Startlöchern gekommen, die Mannschaft wirkte entschlossen, alle Spieler waren in Bewegung und zeigten Biss. Und Mönchengladbach war die erwartet harte Nuss, von Europa League am Donnerstag war nicht viel zu sehen. Es ging munter hin und her, ohne viele Höhepunkte zu bieten, Torchancen blieben Mangelware. Ein „Tor des Monats“ aber entschädigte für entgangene Torraumszenen: In der 24. Minute bediente Artjoms Rudnevs van der Vaart, und der zog aus 28 Metern beherzt ab. Was für ein Schuss! In den oberen linken Winkel – und im Volkspark war der Teufel los. Ein echter Hammer! Bis auf Torwart Jaroslav Drobny kam die Mannschaft zum Gratulieren. Und Lotto King Karl befand über Mikrofon: „Wie lange habe ich darauf gewartet . . .“ Nicht nur Du, lieber Lotto. Vier alle. Und der „kleine Engel“ ganz besonders. Er rastete fast aus. Zumal er, Glückwunsch den Kollegen, in der Bild von heute angekündigt hatte, dass er gegen Gladbach ein Tor machen würde. Hat super geklappt. Und dann ein solcher Strich, Hut ab!

Der HSV war dieses eine Tor auch unter dem Strich besser. Vornehmlich über die linke Seite, wo sich Marcell Jansen und Dennis Aogo ein weiteres Mal sehr gut ergänzten und verstanden, wurden die Angriffe nach vorne getragen. Das ist in zwischen eine großartige „Waffe“ des HSV geworden. Dazu bewegten sich beide Spitzen wieder viel und gut, „Rudi“ Rudnevs ging im wahrsten Sinne dorthin, wo es wehtat, und auch Heung Min Son ging keinem Zweikampf aus dem Weg. Zudem scheint er auch in Sachen Kopfbällen gelernt zu haben, hat er sie frühere gelegentlich verweigert, so geht er jetzt fast immer entschlossen in den Luftkampf. England lässt grüßen, denn da ist so etwas auf jeden Fall immer gefragt.

Die Abwehr wirkte nicht immer unbedingt sattelfest, ließ aber nichts anbrennen. Wenn es darauf ankam, war jeder Spieler Herr der Lage. Und am Rande stand Trainer Thorsten Fink total unter Strom und trieb seine Mannen pausenlos an. Fink brannte wie jeder seiner Spieler. Das Motto des Trainers lautete wohl: „Egal wie, aber diesmal ist endlich mal wieder ein zweiter Sieg in Folge fällig.“

In die zweite Hälfte startete der HSV wiederum entschlossen, aber die richtig große Torgefahr blieb aus. In der 51. Minute hätte, nach einem Freistoß von van der Vaart, fast der am langen Eck stehende Slobodan Rajkovic ein Tor erzielt, aber der Serbe war zu überrascht, als ihm der Ball vor die Füße fiel. Aber das wäre ein Ding gewesen, wenn er bei seinem Comeback (von Anfang an) auch noch ein Tor geschossen hätte.

Gegen Mitte der zweiten Halbzeit kam dann Mönchengladbach – mit Macht. Es brannte einige Male – vor dem HSV-Strafraum, aber es passierte nichts. Aber wer hatte hier am späten Donnerstag noch gespielt? Zum Glück ging alles gut. Endlich einmal wieder zwei HSV-Siege in Folge.

Die Einzelkritik:

Jaroslav Drobny hatte eigentlich nur Fußarbeit zu leisten, denn es kam so gut wie kaum etwas auf das Tor. Wirkte ruhig (obwohl er sicherlich schwer angespannt war) und souverän, hielt in der Schlussphase dann auch noch einige gute Sachen.

Dennis Diekmeier ist seit Wochen konstant in guter Form, das bewies er auch diesmal. Einige sehr gute Vorstöße (und Flanken) unterstrichen diese gute Vorstellung.

Slobodan Rajkovic wirkte oft wie ein „Zitter-Fuß“. Diesen Ausdruck hat „Scholle“ der neben mir saß, erfunden. Weil „Slobo“ natürlich nervös war, wie er vorher zugab, auch „unter Druck“ stand. Dennoch, auch wenn es oft so aussah, als würde ihm diese Aktion nicht gelingen – sie gelang ihm. Und er rettete einige Male in allerhöchster Not und bewahrte so seine Mannschaft vor einem Gladbacher Tor. Hatte allerdings Glück, als er in der 77. Minute am Ball vorbeitrat – und der einschussbereite Hanke dadurch getäuscht wurde. Note zwei.

Heiko Westermann war ein kleiner Unsicherheitsfaktor in der HSV-Defensive, warum auch immer. Er hatte keine ganz großen Klöpse auf Lager, aber die ganz kleinen (Klöpse) reichen auch schon, dass man ins Zittern gerät. Warum nur? Er kann es doch. Und er hat trotz allem auch einige Lücken gestopft. Das muss er souveräner lösen. Dennoch, das muss festgehalten werden, er ist dann zur Stelle, wenn er gebraucht wird. Eine Bank auch in Sachen Kopfballabwehr.

Marcell Jansen begann in einigen Szenen sehr lässig, zu lässig. Hundertprozentiger Biss, so wie in Dortmund, steht ihm besser. Steigerte sich aber stetig und rettete in der 66. Minute mit einer herrlichen Flugeinlage im Fünfmeterraum.

Milan Badelj stellte sich besser als vor seiner Gelb-Sperre vor, aber noch ist nicht alles so, wie es mal war. Er war aber immer bemüht, Linie in sein Spiel zu bekommen – und damit auch in das Spiel des HSV. Lief unermüdlich.

Per Ciljan Skjelbred war eine große Stütze, war vielleicht sogar der beste Hamburger. Immer in Bewegung, gute Ideen, half den Nebenleuten – das war eine Klasse-Leistung.

Dennis Aogo war wieder der VW des HSV, stand zweimal sogar vor einem Tor – einmal hätte es Elfmeter für ihn geben können. Note drei.

Rafael van der Vaart spielte von Beginn an „griffig“, lief viel – er wollte es diesmal allen zeigen; und zeigte es allen. Baute im zweiten Durchgang aber stetig ab und war gegen Ende kaum noch zu sehen.

Heung Min Son blieb diesmal glücklos, konnte sich kaum einmal vielversprechend in Szene setzten. Nicht schlecht, aber auch nicht so gut, wie zuletzt, aber das geht ja auch nicht immer.

Artjoms Rudnevs steckte viel ein, kam immer wieder, ließ sich nie entmutigen – so ist der gute „Rudi“. Auch ohne Tor immer ein Pluspunkt.

Tolgay Arslan (kam in der 75. Min. für Skjelbred) spielte mit und machte noch einige gute Sachen, die der Mannschaft halfen.

Maximilian Beister (kam in der 75. Min. für Son) konnte in den 15 Minuten keine offensive Szene mehr setzen. Aber er war dabei und kämpfte großartig mit.

Marcus Berg (kam in der 88. Minute für van der Vaart) kam und kassierte noch die Siegprämie ein.

Gleich wollen wir mit „Matz ab live“ auf Sendung sein, „Scholle“ und ich erwarten HSV-Nachwuchs-Chef Bastian Reinhardt sowie den „Matz-abber“ „JU aus Q“. Wir würden uns freuen, wenn ihr dabei sein würdet.

17.26 Uhr

Der alte Kaltz kann es immer noch

9. Juni 2012

„Und immer dran denken – die Gefahr kommt über rechts.“ Hat Manfred „Manni“ Kaltz bei seiner Abfahrt aus Norderstedt gesagt. Der frühere Nationalverteidiger war Beifahrer von Uli „die Kante“ Borowka, Kaltz ließ schnell die Fensterscheibe herunter und gab mir noch schnell den kostenlosen Tipp. Dann ging es für die beiden ehemaligen Profis in die Fisch-Auktionshalle, wo sie sich das EM-Spiel Deutschland gegen Portugal ansehen werden. Nicht allein. Es sind viele Gäste der Sparda-Bank geladen, und viele Alt-Internationale. Die spielten am Nachmittag auf dem Rasenplatz von Eintracht Norderstedt gegen eine Hamburger Presse-Auswahl. Halbzeit 0:0, Endstand 3:0. Für die „Ehemaligen“ – natürlich, möchte man meinen. Aber die Sieger hatten mehr Mühe als erwartet.

Der Veranstalter hatte mit 4000 bis 5000 Zuschauern gerechnet, gekommen waren bei Hamburger Schmuddelwetter um die 300. Die Autogrammjäger unter ihnen kamen auf ihre Kosten, denn die Stars von gestern stellten sich bereitwillig zu vielen Fotos und zu den begehrten Unterschriften. Auch Schiedsrichter Bernd Heynemann (Magdeburg) verteilte fleißig die von ihm geforderten Autogrammkarten.

Organisiert und aufgestellt hatte das Star-Ensemble der ehemalige HSV-Spieler Stefan Schnoor, der in Ermangelung von Angreifern gelegentlich sogar als Sturmspitze aufkreuzte (und auch das 1:0 per Abstauber erzielte!). „Du warst schon immer ein verkappter Stürmer“, sagte ich ihm während des Spiels, aber er antwortete: „Eher ein verkappter Zehner.“ Fritz Walter, Wolfgang Overath, Günter Netzer . . . Stefan Schnoor.

Aber er hatte natürlich eine gute Mannschaft beisammen. Neben Kaltz und Borowka waren die ehemaligen HSV-Profis Jochen Kientz, Bastian Reinhardt, Peter Nogly, Ingo Hertzsch (aus Leipzig angereist!) und Thomas Vogel dabei. Zudem Michael Rummenigge, Thomas Helmer und Marco Bode, der für mich der beste Mann bei den „Alten“ war, der sogar einen sehenswerten Fallrückzieher riskierte – und auch ein Abstaubertor erzielte. „Man, man, der Bode hat es aber noch drauf“, sagte Presse-Abwehrmann Christian Pletz (unser Matz-ab-Pletzi) später anerkennend. Gut war aber auch, ich ziehe den Hut vor ihm, „Manni“ Kaltz. Alle Achtung. Die Pässe, die Standards und die Flanken kamen wie zu seinen besten Tagen. Presse-Torwart Oliver Hinz von Altona 93: „So schießt sie kein Spieler in der Oberliga Hamburg. Kaltz bringt sie genau dorthin, wo er sie auch hin haben will. Erste Sahne.“ Kaltz, 59 Jahre alt, kann es immer noch. Wie er über das gesamte Spielfeld (mit Ball) stolzierte und mit einem sehenswerten Lupfer gegen den Pfosten das 2:0 (Bode) vorbereitete – einfach nur klasse.

Bei den Medien-Vertretern spielten – neben anderen – auch Sky-Moderator Patrick Wasserziehr sowie HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf, der seinem Unmut über das „schlechte Spiel“ der Presse-Truppe stets freien Lauf ließ. Immerhin gab er nach dem Schlusspfiff zu: „Hat trotz allem Spaß gemacht. Und wenn ich etwas gemeckert habe, so liegt es schlicht und einfach daran, dass ich immer gewinnen will.“ Aber gegen einen Sieg der Medien-Vertreter hatten natürlich die Altmeister doch erhebliche Einwände.

So, es ist EM. Und in einigen Minuten sind auch wir Deutsche voll dabei und mittendrin. Deswegen halte ich mich heute mal kurz und knapp – die Spannung steigt, auch bei mir. Obwohl ich immer noch leicht pessimistisch bin. Ganz leicht.

Aber obwohl ich in der Obdachlosen-Zeitung „Hinz und Kunzt“ ja schon einige EM-Nähkästchen geschrieben habe, gibt es da noch ein ganz kleines, was ich hier schnell noch zum Besten geben möchte. Europameisterschaft 2000 in Belgien und den Niederlanden. Bundestrainer Erich Ribbeck, der ehemalige HSV-Sportchef. Der hatte in den Wochen vorher stets verkündet: „Ich werde keinen Spieler mit in den EM-Kader nehmen, der noch kein Länderspiel gemacht hat.“ Ein Mann, ein Wort. Da HSV-Torwart Jörg Butt noch kein Länderspiel bestritten hatte, fragte ich Ribbeck einmal kurz unter vier Augen: „Gilt das auch für Jörg Butt?“ Ribbeck: „Ja, Butt wird vorher noch seinen Einsatz erhalten . . .“

Und es gab da ja auch noch zwei Testspiele für die deutsche Mannschaft. Am 3. Juni gegen Tschechien – aber beim 3:2-Sieg spielte Oliver Kahn 90 Minuten durch. Dann der letzte Test vor dem EM, am 7. Juni in Freiburg gegen Liechtenstein. Ribbeck kündigte in der Pressekonferenz an: „Da wird Jens Lehmann zwischen den Pfosten stehen.“ Wie Lehmann? Und Butt?

Ich ging nach der Pressekonferenz zu Erich Ribbeck, wieder ein kurzes Gespräch unter vier Augen: „Herr Ribbeck, und was ist mit Butt? Sie haben mir doch gesagt, Butt würde auch noch vor der EM seinen Einsatz erhalten . . .“ Ribbeck setzte eine grimmige Miene auf und sagte kurz und knapp: „Sie immer mit Ihrem Butt, Butt, Butt, Aber keine Angst, Herr Matz, er bekommt seinen Einsatz, auch wenn ich es für den dritten Mann im Tor nicht unbedingt für nötig erachte.“

2:1 stand es bei Halbzeit in Freiburg gegen Liechtenstein, dann kam Butt. Er kassierte zwar auch noch einen Gegentreffer vom Fußballzwerg, aber Deutschland gewann 8:2. Und „Butti“ hatte seinen ersten Länderspiel-Einsatz – ich war happy, er war happy – alle waren zufrieden. So hatte ich beim HSV-Torwart vielleicht 25 Prozent meine Finger im Spiel, dass er gegen Liechtenstein ran durfte – aber ganz aufmerksame „Matz-abber“ werden sich erinnern, dass ich einst Sven Kmetsch (ehemaliger HSV-Kapitän) zu Zeiten von Berti Vogts in die DFB-Auswahl „sabbelte“. Da aber waren es mindestens 95 Prozent. Kmetsch schaffte aber nur zwei Einsätze . . .
Den Kritikern (meinen Kritikern) sei gleich entgegnet: Mehr HSV-Spieler waren es aber nicht. Auch bei Piotr Trochowski oder Dennis Aogo hatte ich meine Finger nicht im Spiel. Aber Butt und Kmetsch zeigen, dass es im „großen Fußball“ gelegentlich auch ganz amateurhaft und hemdsärmelig zugehen kann – da gibt es dann keinen Unterschied zu (m)einem kleinen Verein um die Ecke.

So, nun ist EM, und zwar Hochstimmung. Das Spiel Niederlande gegen Dänemark (0:1) bestärkt mich darin, dass es nicht unbedingt ein Turnier für die Favoriten geben wird.

Apropos Dänemark: Da spielt ein Mann namens Lars Jacobsen mit. Der war von 2002 bis 2003 HSV-Profi, brachte es auf 22 Einsätze (ein Tor) und ging wieder, weil ihn der HSV nicht mehr wollte. Quasi durchgefallen. Der 32-jährige Verteidiger vom FC Kopenhagen spielt aber schon seit jener Zeit stets für Dänemark (50 Länderspiele). War aber für den HSV einst ein wenig zu schlecht . . . So kann es gehen.

Falls es gleich auffällt, dass ich ein wenig heiser bin: Ich war heute „Trainer“ der Presse-Auswahl, und da habe ich gelegentlich ein wenig zu laut über den Platz gegrölt. Übrigens: gleich nach dem Schlusspfiff der Partie Deutschland gegen Portugal gibt es wieder „Matz ab live“ – wir sehen uns.
Eine schöne EM für alle.

19.52 Uhr

Willi Schulz – das komplette Interview

8. Juni 2012

Herrlich, heute ist EM-Start – endlich! Der Ball rollt, springt und fliegt wieder, es geht wieder bergauf . . . Ich wünsche allen „Matz-abbern“ und ihren Lieben eine wunderschöne EM-Zeit, drücke der deutschen Mannschaft ganz fest die Daumen, damit es wenigstens in Halbfinale geht – und hoffe darauf, dass ihr alle schon bald auch den „richtigen“ Sommer begrüßen könnt. Vorab aber gibt es noch ein Interview zum HSV, denn ohne den und unseren HSV geht es natürlich nie:

Er hat 66 Länderspiele für Deutschland bestritten, er war 1966 in England unser „World-Cup-Willi“, er hat in der Weltauswahl gespielt – und natürlich auch für den HSV. Willi Schulz, der einst aus Gelsenkirchen nach Hamburg kam, wohnt nach wie vor in der Hansestadt, und obwohl er inzwischen 73 Jahre alt ist, ist er aktiv wie immer. Der Unternehmer ist rührig und emsig – und er hat natürlich immer noch die Raute im Herzen. Deswegen ist er in Sachen HSV stets auf Ballhöhe – und wir, Alexander Laux und ich, haben uns in dieser Woche mit dem früheren Weltklasse-Stopper getroffen, um mit ihm über den HSV und die EM zu sprechen. Hier nun erst einmal Teil zwei (!) des Interviews, das heute noch nicht im Hamburger Abendblatt veröffentlicht wurde:

Hamburger Abendblatt: Herr Schulz, im Januar 2013 werden beim HSV fünf neue Aufsichtsratsmitglieder gewählt – wer sollte Ihrer Meinung nach neu in den AR?

Willi Schulz: Der Rat sollte so bestückt sein, dass möglichst alle Abteilungen repräsentiert werden. Natürlich kann man nicht alle 34 Abteilungen da einbeziehen, aber der Fußball sollte schon entsprechend übergewichtig im AR vertreten sein. Deswegen wäre es für den Verein schon förderlich, wenn sich mal wieder mehr Fußballer zur Wahl stellen würden.

Hamburger Abendblatt: Es gibt, das hat die letzte Versammlung gezeigt, mehrere Strömungen im HSV – wie beurteilen Sie diese Situation?

Schulz: Ich habe mich damals wegen des Fußballs in den AR wählen lassen. Die Profi-Abteilung, der Nachwuchs in Ochsenzoll, alles andere hat mich nur am Rande interessiert, das war nicht so sehr mein Thema. Es wird natürlich auch Politik gemacht, aber das war nie mein Ding, mir ging es stets nur um den Fußball.

Hamburger Abendblatt: Sie haben aber mit Ihrer einen Stimme bei insgesamt zwölf Räten nichts bewirken können, oder?

Schulz: Stimmt, das ist korrekt. Das ist Demokratie.

Hamburger Abendblatt: Wäre denn ein kleinerer Aufsichtsrat ratsam, in dem überwiegend Fußballer sitzen würden?

Schulz: Das weiß ich nicht so recht. Ehemalige Fußballer, die auch wirtschaftlich beschlagen sind, dann würde es eventuell etwas bringen. Aber ich sage auch, wenn jeder überall mitreden würde, dann könnte das auch schädlich sein. Motto: Viele Köche verderben den Brei. Viele Leute, viele Meinungen. Auch Fußballer unter sich sind sich nicht immer einig.

Hamburger Abendblatt: Sind Ihnen zwölf Aufsichtsräte zu viel, wäre ein kleinerer AR effektiver – oder ist die Zahl zwölf passend?

Schulz: Man könnte effektiver sein, wenn man etwas abspecken würde, denn wir haben ja nicht nur zwölf Räte. Da gibt es vier Vorstands-Mitglieder, hier und dort noch andere Leute, insgesamt sind es ja an die 20 Leute, die da mitreden wollen – zwei Kassenprüfer und andere. Das ist eine ganze Menge. Die Mehrheit der Mitglieder, die bei der Versammlung am 20. Mai dabei waren, hat das wohl auch so gesehen, die waren ja für eine Verkleinerung – nur gab es keine Dreiviertelmehrheit für den Antrag von Horst Becker. Zwölf sind mir zu viel, jeder hat nur eine Stimme, und ich habe es doch erlebt, dass es oft ein riesiges Prozedere gab, bevor man zu einem Ergebnis kam.

Hamburger Abendblatt: Und gar kein Aufsichtsrat? Nur einen Wirtschaftsrat, wie beim FC Bayern?

Schulz: Ohne wäre auch nicht gut. Es muss ja kontrolliert werden. Obwohl dem AR oft auch zu viel zugemutet wird. Entscheidend ist der Vorstand, und ganz entscheidend ist die Mannschaft. Ist der sportliche Erfolg da, stimmt es auch im Verein. Deswegen sollte man den Aufsichtsrat nicht ganz so wichtig nehmen.

Hamburger Abendblatt: Wenn ich zuletzt gefordert habe, dass ehemalige HSV-Spieler wie Kaltz, Jakobs oder Stein in irgendeiner Form beim HSV mitmischen sollten, gab es viele kritische Töne. Aber die Ehemaligen wollen ja auch gar nicht erst in den Aufsichtsrat, verstehen Sie das?

Schulz: Man muss das auch von einer anderen Seite sehen. Wenn man der Meinung ist, dass man aufgrund seiner Erfahrung helfen kann, dann sollte man das machen. Ich habe mich damals so entschieden. Aber man sollte sowohl Fußball-Verstand und wirtschaftliche Kompetenz mitbringen, und das hat nicht jeder. Bei Hoeneß und Rummenigge zum Beispiel ist es so, dass sie beides haben. Man muss aber beides können, nur Fußball-Verstand reicht nicht aus, um einen Verein zu kontrollieren und auch führen zu können.

Hamburger Abendblatt: Noch ein Themenwechsel. Die EM. Welche Rolle trauen Sie der deutschen Mannschaft zu?

Schulz: Ich glaube, dass wir eine sehr gute Rolle spielen werden. Jetzt kommt wieder das schon abgedroschene Wort von der Turnier-Mannschaft, aber es trifft immer noch. Deutschland ist eine Turnier-Mannschaft. Turniere kommen der deutschen Mentalität entgegen. Bei uns wird kein Personen-Kult betrieben, da geht die Mannschaft über alles. Und das ist für ein Turnier förderlich. Und hinzukommt, dass das 3:5 gegen die Schweiz zum richtigen Zeitpunkt kam. Da sind wir von den hohen Erwartungen ein wenig heruntergekommen, und wir haben gemerkt, dass auch zweitklassige Nationen guten Fußball spielen können. Zudem wurden einige Schwachpunkte in unserer Mannschaft entlarvt. Nein, wir werden gut sein, und wir werden mit Sicherheit ins Halbfinale kommen.

Hamburger Abendblatt: Wie wird denn das Auftaktspiel gegen Portugal ausgehen?

Schulz: Gut für uns. Weil Portugal keine Turnier-Mannschaft ist. Das ist vom Namen her eine große Mannschaft, aber viele gute Einzelspieler sind noch lange kein gutes Team. Nani und Ronaldo sind zwar Weltklasseleute, aber zieht man die aus dem Verkehr, dann ist die portugiesische Mannschaft schon nicht mehr so viel wert. Nicht die Stars richten es bei einem Turnier aus, sondern nur das Team. Das hat die Vergangenheit immer gezeigt. Disziplin ist wichtig, die Ordnung auf dem Platz auch, zudem die Geschlossenheit – nur so geht es.

Hamburger Abendblatt: Wie würden Sie denn die deutsche Innenverteidigung spielen lassen?

Schulz: In der jetzigen Verfassung würde ich Badstuber und Hummels spielen lassen. Mertesacker ist nach seiner langen Verletzung noch nicht wieder fit, war relativ langsam in seinen Bewegungen, noch nicht schnell und noch nicht bissig genug. Mit Hummels wären wir auch schwerer auszurechnen, er ist im Spiel nach vorne kreativer. Und heute muss man als Spieler immer 100 oder mehr Prozent geben, denn das Spiel ist so viel schneller und athletischer geworden, dass man sich da keine Schwäche erlauben kann. Aber ich bin nicht der Bundestrainer.

So, das war Teil zwei des Interviews mit Willi Schulz, das mein Abendblatt-Kollege Laux und ich mit dem dreimaligen WM-Teilnehmer geführt haben. Für alle diejenigen „Matz-abber“, die Teil eins in der heutigen Abendblatt-Ausgabe nicht lesen konnten, sei hier nun auch Teil eins nachgereicht.
Ich nenne es den sportlichen Teil des Gesprächs, in dem es um den HSV und seine Bundesliga-Mannschaft geht.

Hamburger Abendblatt: Herr Schulz, wie schätzen Sie das Niveau der HSV-Mannschaft, wie sie derzeit aussieht, ein?

Willi Schulz: Wir können in allen Mannschaftsteilen Verstärkung gebrauchen. René Adler war nur der erste Schritt.

Hamburger Abendblatt: Woher sollen die Verstärkungen kommen, wenn kein Geld da ist?

Schulz: Für Spieler wie Kagawa, die von Dortmund für 350 000 Euro verpflichtet wurden, hat der HSV das Geld. Was ich meine: Unsere Scoutingabteilung muss fleißig sein, dann kommst du auch mit wenig Geld zurecht. Die müsseneuropaweit, ja weltweit unterwegs sein.

Hamburger Abendblatt: Während der vergangenen Saison hieß es immer, das Team habe Qualität, verfüge über Potenzial . . .

Schulz: Die Mannschaft hat ja durchaus Potenzial. Die Frage ist bloß, wie viel. Jedenfalls nicht so viel wie Bayern oder Dortmund. Die Tabelle lügt nicht, das ist schon ein Gradmesser.

Hamburger Abenbdlatt: Von welchem Spieler erhoffen Sie sich denn eine Steigerung?

Schulz: Mancienne hat sich gewaltig gesteigert nach seinen Anlaufschwierigkeiten und war eine Konstante. Aber bei Spielern wie Bruma oder Diekmeier großartige Steigerungen herauszuholen, in dieser starken Bundesliga? Das wird schwer. Ich glaube eher, die sind schon an ihrem Limit angekommen. Viel mehr können wir da nicht mehr erwarten.

Hamburger Abendblatt: Was halten Sie von Marcus Berg?

Schulz: Für das, was er mitbringt, wäre eine Steigerung möglich. In manchen Spielen setzt er es bloß nicht richtig um. Ich muss aber zu seiner Verteidigung sagen, dass es schwer ist als Sturmspitze, wenn du nicht frei gespielt wirst und immer zwei Spieler hinter dir hast, die draufgehen. Hier fehlt der Spielmacher, der ihn mit Pässen und Ideen versorgt.

Hamburger Abendblatt: Viele Zuschauer hat der langatmige Spielaufbau genervt. Sie auch?

Schulz: Die Leute konnten ja schon auf der Tribüne vorhersagen: So, jetzt spielt er zum Torwart. Und die waren keine Wahrsager. Wenn die Tribünengäste das sehen, weiß der Gegner das auch. Der Punkt ist doch: Wenn ich den Ball hinten drei-, viermal quer spiele, dann geht es zurück zum Torwart, und der haut ihn lang nach vorne – das kann ich als Innenverteidiger auch sofort machen und habe das Spiel in die gegnerische Hälfte verlagert und kann zumindest auf den Abpraller hoffen. Bei dem Quergeschiebe kann der Gegner seine Abwehr stellen und du hast vorne keinen Raum mehr. Das muss der Trainer abstellen, sonst bleibt unser Spiel auch kommende Saison wenig effektiv.

Hamburger Abendblatt: Wo besteht noch Nachholbedarf?

Schulz: Bei Standardsituationen, auch defensiv. Es kann doch nicht angehen, dass unsere Abwehrspieler den Gegner umarmen und es einen Elfer gibt, wie es Westermann gegen Schalke passiert ist. Oder nur zwei Leute in eine Mauer zu stellen wie gegen Wolfsburg. Leute, das ist zu dünn! Da gibt es Regeln, das muss sitzen. Zum Beispiel, dass du bei jeder Standardsituation immer Ball und Gegner sehen musst. Das kann man üben.

Hamburger Abendblatt: Haben Sie ein bevorzugtes Spielsystem?

Schulz: Das beste System ist immer das, womit du Spiele gewinnst (lacht) . Aber im Ernst: Das System kannst du nicht von außen bestimmen, das bestimmen die Spielertypen. Ich kann gewisse Systeme nur spielen, wenn ich auch die richtigen Fußballer habe. Hast du beispielsweise nur einen Vollblutstürmer, bietet sich eine eher sichere Deckung an. Hast du aber Sturmspitzen im Überfluss, kannst du offensiver spielen. Da muss jeder Trainer auch flexibel sein.

Hamburger Abendblatt: Der HSV versucht im Nachwuchs eine einheitliche Philosophie in einem 4-3-3-System zu installieren.

Schulz: Nur – wenn du die Spieler nicht dafür hast, kannst du das nicht spielen.

Hamburger Abendblatt: Muss der HSV nicht auch flexibler werden? Jeder kennt doch inzwischen das HSV-System und weiß, wie es auszuschalten ist.

Schulz: Quer spielen und zurück zum Torwart passen ist ja kein System. Das ist Verlegenheit.

Hmaburger Abendblatt: Sind Ihnen die Spieler heute zu weich?

Schulz: Nein. Die Anforderungen sind enorm gewachsen, das Tempo ist hoch. Wenn heute zwei Spieler aufeinanderknallen, ist das ja ein richtiger Crash. Wir hatten damals nicht das Tempo, das lässt sich ja nicht leugnen. Ich habe einen anderen Ansatz.

Hamburger Abendblatt: Nämlich?

Schulz: Wir müssen unsere Nachwuchsabteilung mehr mit Leben erfüllen und unser Scoutingsystem weiter reformieren. Ich habe schon früher im Aufsichtsrat gesagt: Die Preise für Spieler laufen schneller, als man schauen kann. Die Zeit wird kommen, da werden wir die Transfersummen nicht mehr stemmen können. Deshalb wird es höchste Zeit, dass die Nachwuchsarbeit in Ochsenzoll effektiver wird. Wir werden immer der Dino genannt. Aber nichts ist für ewig. Bei Vereinen wie Hertha oder Köln sieht man, wie schnell es geht.

Hamburger Abendblatt: Beim HSV in Norderstedt hat zuletzt ständig die Führung gewechselt.

Schulz: Nicht nur das. In großen Vereinen dauert es häufig lange, bis diese Dinge umgesetzt werden. Es ist ja der leichte Weg, renommierte Spieler mit Geld zu holen, anstatt sie über Jahre hinweg auszubilden. Aber der Ochsenzoll ist unser Fundament. Schauen Sie zu den Bayern. Diesen Weg mit dem hohen Anteil an Eigengewächsen sollten wir versuchen zu kopieren.
Da sind wir wieder beim Punkt. Dort hat Hermann Gerland seit Jahren das Sagen.
Schulz: Es sollte ein Mann dort sein, der Ausstrahlung hat, der etwas vorzuweisen hat, der Ahnung vom Fußball hat. Zum Beispiel Horst Hrubesch. Er macht beim DFB einen hervorragenden Job, kann mit jungen Leuten umgehen. Das wäre für uns die Ideallösung.

Hamburger Abendblatt: Gäbe es eine Chance, ihn zu holen?

Schulz: Das weiß ich nicht, kommt aber immer darauf an, was wir zu bieten haben. Hrubesch ist ja kein Phrasendrescher: Wenn er sagt, dass er den HSV liebt und bis heute mit dem Verein verbunden ist, glaube ich ihm das. Jeder Cent in Hrubesch wäre gut angelegt.

So, das war das Gespräch mit Willi Schulz.

Drei Sachen am Rande noch:

Morgen, am Sonnabend, spielt eine Prominenten-Auswahl (u. a . mit Kaltz, Kientz, Hertzsch, Bode, M. Rummenigge, Reinhardt, Helmer, Schnoor) auf der Anlage von Eintracht Norderstedt (Ochsenzoller Straße) gegen eine Hamburger Presseauswahl. Anstoß der Partie ist um 14.30 Uhr.

Abends folgt dann nach dem EM-Spiel Deutschland gegen Portugal die Analyse dieser Partie bei „Matz ab live“.

Dann möchte ich nochmals – auch wenn die EM nun ihren ersten Tag erlebt – an „Hinz und Kunzt“ mit der großen EM-Beilage erinnern – ihr kauft die Ausgabe für einen extrem guten Zweck. 80 000 Exemplare wurden diesmal gedruckt, bislang sind davon 40 000 verkauft – bitte helft uns helfen. Danke.

17.11 Uhr

Jarchow will den Bundesliga-Etat anheben – und hat einen Plan

7. Juni 2012

Man kann über ihn sagen, was man will, aber er hat definitiv Talent. Die Handschuhe übergestreift und los ging es. Keine zwei Minuten brauchte Carl Jarchow, um mithilfe von Spraydosen ein rotes Bobbycar zum HSV-Gefährt umzugestalten. Alles geschehen im Anschluss an den Audi-Pressetermin „praktisch gut“ im Rahmen der Sponsoring-Initiative „Hamburger Weg“. Erklärung: Audi und der HSV haben ein gemeinsames Projekt für Schüler ins Leben gerufen und verkündeten heute, dass sie diese Zusammenarbeit um weitere Jahre verlängern. Eine gute Sache, bei der aus Praktikanten schon Auszubildende bei Audi geworden sind.

So weit, so gut. Anschließend hatten wir noch die Gelegenheit, uns mit dem Klubboss Carl Jarchow zu unterhalten, der im Übrigen am kommenden Mittwoch, nach dem Spiel der Deutschen gegen die Niederlande, auch unser Gast bei „Matz Ab live“ sein wird. Insofern, wer Fragen hat, kann diese schon mal aufschreiben.

Zurück zum Gespräch. Im Laufe dessen kamen wir auch auf die Finanzen zu sprechen. Dabei untermauerte Jarchow seinen strikten Konsolidierungsplan. 15 Prozent müssen auf allen Ebenen eingespart werden. Den Profibereich ausgenommen. Dennoch, auch hier gilt: kein unnötiges Risiko. Egal, was für einen Spieler man eventuell auch kaufen könnte, es wird nur der Spieler kommen, den man aus eigenen Mitteln finanzieren kann. Sagt Jarchow. Wobei hierbei immer auch die Möglichkeit einer Fremdfinanzierung besteht. „Bislang haben wir alle Transfers aus Eigenmitteln finanziert. Wenn es den Fall gibt, dass ein Spieler interessant für uns ist und selbst interessiert, so aber nicht für uns zu finanzieren ist, dann werden wir über kreative Möglichkeiten nachdenken. Entsprechen eben auch über Beteiligungen. Aber wir werden sicher nicht auf zu erwartende Einnahmen setzen und Gelder im Voraus ausgeben.“

Nun weiß ich, dass Kritiker dem Klubboss das negativ auslegen werden und sagen, der HSV spare sich kaputt. Andererseits aber glaube ich, dass dieser Weg der beste sein kann. „Sein kann“ deshalb, weil der HSV eben das große Glück hat, mit Klaus Michael Kühne einen milliardenschweren Gönner als Fan zu haben und nicht zwingend ins Risko gehen muss, um aufzurüsten. Im Winter schon hätte der Wahlschweizer einen Großteil der vom FC Basel geforderten rund acht Millionen Euro für Granit Xhaka übernommen. Und ich bin mir sicher, zumindest wird das beim HSV so kolportiert, dass Herr Kühne dieses Angebot auch für diese Transferperiode aufrecht erhält. Zumal dann, wenn er sieht, dass dieser HSV nicht willkürlich Geld ausgibt. Vor allem nicht das, was er gar nicht hat. Nein, Herr Kühne sieht, dass der HSV bemüht ist, sich selbst zu finanzieren, ohne neue Schulden zu machen. Und er sieht die finanziellen Grenzen. Er weiß, dass der HSV nur mit seiner Hilfe einen Spieler der gesuchten Größenordnung finanzieren kann. Und er weiß, dass der HSV diesen Spieler braucht. Oder besser: Sein HSV braucht diesen Spieler. Und was kann ihn mehr freuen, als dass die Fans irgendwann alle davon sprechen, dass der neue Hoffnungsträger ihm zu verdanken ist? Wenig bis nichts, würde ich sagen.

Wenig bis nichts möchte der HSV auch in Sachen Tilgung des Stadionkredites zahlen. Die Gespräche mit dem zuständigen Bankenkonsortium, bestehend aus HSH Nordbank, Hamburger Sparkasse und der HypoVereinsbank, sind diesbezüglich dem Vernehmen nach schon weit fortgeschritten. 30 Millionen Euro sind von den ursprünglich 137 Millionen Mark (rund 70 Millionen Euro) vom Stadionkredit bis 2017 noch zu tilgen. Zuzüglich der Sportfive-Prämie von einmalig knapp 5,5 Millionen Euro. „Wir wollen die Rückzahlung des Kredites strecken“, sagt Jarchow. Statt in den nächsten fünf Jahren will der HSV den Kredit bis über 2020 hinaus zurückzahlen. Hintergrund ist, dass so nach Möglichkeit schon in den nächsten Jahren von bislang knapp neun Millionen Euro Annuität nur noch eine jährliche Zahlung von weniger als 5 Millionen Euro zu tätigen wäre. Diese Summe soll von Jahr zu Jahr so abnehmen, dass der HSV ab 2020 nur noch rund eine Million per annum zu zahlen hat. Die Rechnung: Der HSV hätte jährlich zunächst vier Millionen Euro im Vergleich zur Vorsaison mehr für Spieler – Tendenz zunehmend. Und das passt, zumal der Etat der Bundesligamannschaft eh angehoben werden soll. Rund 40 statt der bisher 30 Prozent des Gesamtumsatzes (2011/2012 rund 135 Millionen Euro) sollen künftig allein in die Profimannschaft investiert werden.

Ich hatte vor kurzem geschrieben, dass der HSV Platz elf budgetieren will. Das ist soweit auch korrekt. Allerdings nur in Bezug auf die eingeplanten TV-Gelder, bei denen man lieber etwas zurückhaltend planen will. „Platz elf ist aber keinesfalls unser sportliches Ziel“, stellt Jarchow klar, „im Gegenteil: Wir wollen deutlich besser abschneiden. Zumal wir als Rechengrundlage für die Prämienzahlungen an die Mannschaft 45 Punkte ausgegeben haben.“ Ebenso eingeplant sind die Einnahmen aus die Runden im DFB-Pokal „inklusive einem Heimspiel“, so Jarchow weiter.

Der HSV plant konservativ. Allerdings nur, um böse Überraschungen wie in dieser Saison zu vermeiden. Hintergrund: Aktuell fließen allein an TV-Geldern rund vier Millionen Euro weniger an den HSV als vorher budgetiert.

Dennoch, bei allen Schreckensnachrichten in Sachen Finanzen gibt es auch gute. Immerhin muss der HSV in der kommenden Saison bei gleichbleibenden Einnahmen aus Transferraten nur noch knapp neun Millionen Euro an Raten für seine Spieler bezahlen. Im abgelaufenen Jahr waren es immerhin fünf Millionen mehr, nämlich 14 Millionen Euro. Ergo (alle, die sich furchtbar über die Abmeldung der Bundesliga-Frauen geärgert haben, sollten jetzt nicht weiterlesen): Es sind auf einen Schlag fünf Millionen Euro weniger Belastung gegenüber dem Vorjahr. Rechnet man auf die Weniger-Belastung die angedachte Streckung des Stadionkredites hinzu, würde der HSV im nächsten Jahr bis zu zehn Millionen Euro weniger bezahlen und zumindest in Teilen für die Profimannschaft zur Verfügung haben. Und obendrauf käme noch, dass der HSV seinen 2015 mit Sportfive auslaufenden Vertrag neu verhandelt. Bislang kassiert Sportfive die stolze Prämie von pauschal 20 Prozent von allen Sponsoreneinnahmen. Gut möglich, dass sich diese im Ligavergleich sehr hohe Prozentzahl ebenfalls drücken lässt…

Und dann noch mal zum Sportlichen: Bei Tolgay Arslan und Marcell Jansen gibt es ebenso wie bei neuen Spielern (inklusive David Abraham) noch nichts Neues. Dafür aber – leider! – von Ivo Ilicevic. Der Kroate hatte sich zuletzt eine Muskelverletzung in der Wade zugezogen und bangte um seine EM-Teilnahme. Leider erfolglos. Heute teilte der kroatische Verband mit, dass Ilicevic nicht am Endturnier teilnehmen wird. Coach Slaven Bilic nominierte den 20-jährigen Sime Vrsaljko von Dinamo Zagreb nach.

Schade für den HSV, der somit keinen einzigen Feldspieler beim Turnier dabei hat. Aber noch bitterer ist das alles natürlich für Ilicevic, dem ich auf diesem Wege gute Besserung wünschen möchte…

In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder mit dem Blogvater, der am Sonnabend übrigens als Trainer der Presseauswahl bei Benefizkick “Ein herz für Kinder” gegen die Altstars (u.a. sind Michael Rummenigge, Manfred Kaltz, Marco Bode, Jochen Kientz, Ingo Hertzsch, Bastian Reinhardt und viele mehr dabei) im Edmund-Plambeck-Stadion fungieren wird. Anpfiff ist um 14.30 Uhr.

Scholle

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