Archiv für das Tag 'Reinhardt'

Urlaubsstimmung beim HSV – Fink gibt frei

21. März 2013

Urlaubsstimmung. Nein, nicht generell, dafür ist das Wetter tatsächlich nicht einladend genug. Dafür aber beim HSV. Während am Mittwoch wirklich alles im Spaß-Training mitmischen durfte, was Fußballschuhe besitzt, wird morgen – gar nicht trainiert. Der HSV macht frei. Bis Montag. Es ist die Konsequenz daraus, dass gerade mal fünf gesunde HSV-Profis in Hamburg weilen. Und die haben, ohne, dass es für Außenstehende sichtbar war, „sehr gut mitgezogen“, wie Trainer Thorsten Fink sagt. Der HSV-Coach ist sich zudem sicher, dass seine Spieler über ausreichend Selbstdisziplin verfügen, die Freizeit sportlergerecht zu nutzen. „Ein Dennis Aogo und ein Marcell Jansen beispielsweise könnten ja gar nicht ohne etwas für sich zu tun.

Na dann. Ein paar schöne Tage!

Wobei, um hier keine falsche Tonlage reinzubekommen, zu einem derart späten Zeitpunkt der Saison ist ein Tag mehr Freizeit kein Grund mehr, die Fitness in Frage zu stellen. Und das mache ich auch nicht. Im Gegenteil, da auch das Spiel der U23 am Wochenende gegen den SV Wilhemshaven bereits abgesagt worden ist, können die Spieler so mal wieder Heimatbesuche machen. Und genau das macht Michael Mancienne. Der Innenverteidiger flog bereits am heutigen Donnerstag, unmittelbar nach dem Vormittagstraining, das fast komplett aus Kreisspiel bestand, in seine Heimat. „Die Familie mal wiedersehen“, freut sich Mancienne, der sich als Gewinner der letzten Wochen sehen darf, nachdem tatsächlich weder Jeffrey Bruma noch Slobodan Rajkovic langfristig überzeugen konnten. Dennoch glaubt Mancienne noch nicht daran, gleich wieder in die Startelf zu rücken. „Nein“, so Mancienne, „ich bin froh, wenn ich in München wieder zum Kader gehöre. Dafür muss ich schon sehr hart arbeiten und mich anbieten.“ Der Engländer ärgerte sich deshalb auch über die entgangene Spielpraxis, die Fink ihm bei Einsätzen für die U23 holen lassen wollte. „Ich hätte wohl gespielt und hatte mich darauf gefreut“, sagt Mancienne. Wobei mich insbesondere die Tatsache freut, dass Mancienne schon mal einer von denen ist, die der eigenen U23 helfen würden, nachdem Rajkovic bereits bewiesen hat, dass er Sportsmann genug ist, beim Unterbau Vollgas zu geben und somit eine Verstärkung zu sein. Und davon werden Cardoso und Co. noch etliche bestens gebrauchen können.

Womit ich noch mal ganz kurz auf den Blog vom Mittwoch eingehen möchte. Ihr hattet lange eine Nachwuchsgeschichte gefordert. Und das zurecht. Das Problem bei diesem Thema ist allerdings, dass die Probleme durchaus herauszufiltern sind, es aber keine Direkt-Verantwortlichen dafür gibt. Oder besser: es gibt zu viele. Denn nichts ist beim HSV-Nachwuchs konstanter als die Inkonstanz der Führungskräfte, denen man einzeln gar nicht den großen Vorwurf machen kann. Dafür sind sie – wie zuletzt Paul Meier oder auch Bastian Reinhardt – einfach zu kurz im Amt. Paul Meier beispielsweise, der sich durch seine wochenendlichen Heimflüge in die Schweiz beruflich angreifbar gemacht hatte und durch seine harsche Art den Trainern gegenüber von eben jenen angegriffen wurde, hatte eine klare Philosophie. Und die setzte er gegen alle Widerstände durch. „Ich habe eine große Verantwortung beim HSV-Nachwuchs – und diese übernehme diese“, hatte mir der Schweizer einst für ein Abendblatt-Interview gesagt, „daher muss ich auch die Entscheidungen verantworten. Würde ich dabei alle Wünsche der Trainer mit einbeziehen, käme ich nie zu einer klaren Philosophie.“ Sinngemäß sagte er mir damals – und dem konnte ich dann auch zustimmen -, dass es sicherlich etliche andere richtige Wege geben würde, es aber immer sinnvoller sei, an einem festzuhalten. „Ansonsten hat man viele halbe Dinge – aber nichts Ganzes“, so Meier, der letztlich nichts Ganzes erreichen durfte. Dass Meier mehr an seiner Art und den Befindlichkeiten seiner Trainer scheiterte, zeigt auch die Tatsache, dass sein Nachfolger Basti Reinhardt viele Punkte von Meier übernahm.

Wie Ihr seht, ist es beim HSV nicht einfach, den Hauptfehler zu greifen. Inkonstanz – okay. Das wissen alle. Aber wie stelle ich die ab, ohne dass ich einen starken Mann für den Nachwuchs zulasse? Meier war es, wurde aber nicht gestützt. Reinhardt war dies eher nicht. Im Gegenteil: Alle wussten, dass die Versetzung vom Sportchef zum Nachwuchs mehr seinem juristisch unangreifbarem Arbeitsvertrag bis 2013 denn seiner Eignung für den Nachwuchs geschuldet war. Arnesen war gekommen, hatte übernommen und brauchte Reinhardt nicht mehr. Daraus machte der Däne intern wohl auch keinen Hehl. Zumindest hörte Reinhardt schon Mitte 2012 von ihm wohlgesonnenen HSV-Mitarbeitern, dass sein im Juni 2013 auslaufender Vertrag nicht verlängert würde. Reinhardts Nachfragen ließ Arnesen unbeantwortet. Und jeder von uns kann sich vorstellen, wie motivierend so ein Wissen ist…

Wie dem auch sei, jetzt ist Michael Schröder der Nachwuchschef – ob er der starke Mann ist? Keine Ahnung. Er ist Ewigkeiten da und nie kam jemand auf die Idee, ihn zum Nachwuchschef zu machen. Bis jetzt. Aber der ehemalige Chefscout des HSV und ehemalige Jugendtrainer hat zumindest eine große Vision: Dritte Liga mit der U23 und in den höchsten Junioren-Klassen vertreten sein. Mehr geht kaum. Außer natürlich, dass dabei der eine oder andere Profi mehr für die Bundesligamannschaft herausspringt. Und darauf zielt Schröders Idee ab. Der Ex-Profi setzt eine offensive Spielweise und auf individuelle Ausbildung. Das, was mich als Jugendlichen früher abgeschreckt hat, zum HSV zu wechseln, wird wieder praktiziert: Die individuelle Optimierung der Spieler steht über dem mannschaftlichen Erfolg. Aber okay: es ist zumindest ein Weg. Bleibt nur zu hoffen, dass Schröder beim Beschreiten des selbigen mehr Zeit gewährt bekommt als sein Vorgänger. Denn ansonsten gilt wieder: es wird vieles begonnen – aber nichts zuendegebracht.

Beendet wird indes das Engagement vom HSV-Psychologen Thorsten Weidig. Der war seinerzeit von Ex-Boss Bernd Hoffmann und Katja Kraus installiert worden und zunächst für die Profis sowie den Nachwuchs verantwortlich. Zuletzt kümmerte sich Weidig fast ausschließlich um die Jugend, weil die Profis seine Hilfe nicht in Anspruch nahmen. So zumindest hieß es in der Vorstandsbegründung, weshalb Weidig nicht weiter beschäftigt werden soll. Dabei bin ich mir ziemlich sicher, dass gerade die aktuellen jungen HSV-Kicker – ältere natürlich nicht minder – viel von Gesprächen mit Weidig hätten profitieren können. Beister ist nur das auffälligste Beispiel von vielen.

Aber okay. Weidig wird nicht weiterbeschäftigt. Stattdessen müssen die Trainer auch psychologische Arbeit übernehmen. Und im Internat sind es Schröder und Co., die den jungen Spielern fernab ihrer Elternhäuser in schwierigen Phasen beistehen und helfen sollen. Dass der HSV damit rund 100000 Euro im Jahr einspart – gut für die Klubkasse…

Die würde sich am meisten über internationale Spiele freuen. Und während Fink weiterhin gerade mal das letzte und das nächste Spiel bespricht, wagten sich zuletzt Rafael van der Vaart, Heiko Westermann, Rene Adler und auch Aufsichtsratsboss Manfred Ertel weiter vor. Heute folgte nun Michael Mancienne. Mit etwas Anlauf nahm auch er den von Fink beharrlich vermiedenen Begriff in den Mund: „Wir müssen immer das nächste Spiel als das wichtigste nehmen. Aber wir müssen auch die Ambition und das Ziel haben, die Europa League zu erreichen.“ Stimmt. Und das ist nicht überheblich. „Schneckenrennen um Europa“ hatte Ertel den Kampf um Platz vier bis sechs genannt. Und ich finde, er hat es damit ganz gut getroffen. Dass alle Teams, die hinter Bayern, Dortmund und mit Abstrichen Leverkusen stehen nicht zwingend Europa verdient haben – es stimmt. Dass der HSV, wie Mancienne sagt, ein Top-Vier-Team in der Bundesliga ist – ich bin mir da nicht wirklich sicher. Zumindest wäre es für die Qualität der Bundesliga kein Kompliment. Aber wen stört’s, wenn es der HSV am Ende irgendwo zwischen vier und sechs landet? Auch wenn ich mich damit wiederhole: Mich nicht…

In diesem Sinne, bis morgen! Da ist trainingsfrei. Genau wie Sonnabend und Sonntag. Über den Montag ist noch nichts bekannt.

Scholle

Was denkt der Herr Kühne in diesen Tagen?

4. März 2013

Irgendwie ist das schon eine herrlich-verrückte Bundesliga. Der HSV verliert in Hannover 1:5, spielt zu Hause gegen den Tabellenletzten nur unentschieden – doch die Liga spielt stets – fast schon seit Wochen – für den HSV. Soll heißen: Die Clubs tun alles dafür, dass der HSV nicht absackt. Obwohl er meistens so spielt wie ein Verein aus dem Mittelfeld. Konstant unkonstant. Achterbahn eben. Wie seit Monaten. Ein Blick auf die Tabelle verrät jedoch, dass es bis zum Tabellenvierten Eintracht Frankfurt nur drei Zähler sind. Nur drei Zähler! Und zu Freiburg und Schalke, die ebenfalls noch vor dem HSV stehen, der 35 Punkte auf dem Konto hat, ist es nur ein mageres Pünktchen. Aber nach hinten, zum Tabellenzehnten Hannover 96, sind es auch nur zwei Zähler, die der HSV noch besser steht. Das ist ein ganz enges Rennen in dieser Saison, und so wird es wohl auch bleiben. „Noch ist nichts passiert“, hatte Maximilian Beister ja nach dem 1:1 gegen Fürth orakelt, und es bleibt festzuhalten: das stimmt.

Ich muss in den letzten Wochen, nein, eigentlich schon seit Jahresbeginn, immer wieder mal an Klaus-Michael Kühne denken. Der Geldgeber des HSV hatte ja alles dafür getan, Rafael van der Vaart nach Hamburg zurück zu holen. Alles. Und ich glaube nicht, dass Kühne den Niederländer nur deshalb haben wollte, weil er so smart ist, weil er gut aussieht, weil er mit Sylvie eine kleine Traumfrau an seiner Seite hat – hatte. Kühne hatte sich schon vorgestellt, dass van der Vaart diesen HSV – vornehmlich das Spiel des HSV – lenken würde. Und diesen Vorstellungen des Herrn KMK schlossen sich irre viele Hamburger und HSV-Fans an. Rafael van der Vaart ist ab sofort der Spielgestalter, der Regisseur, der Vordenker und Lenker. Das war der Plan.

Aufgegangen ist davon nicht viel. Natürlich, und das wird auch immer so sein, hat der „kleine Engel“ beim HSV, bei und in dieser Mannschaft unendlich viel bewegt – allein durch seine Präsenz, durch seine Erscheinung, durch sein Auftreten. Nur ein Regisseur ist er bislang noch nicht geworden. Und die Leistungen sind nicht so, dass die „ewige 23“ über allen steht. Unbestritten ist, dass er sich zerreißt, dass er stets will, dass er läuft und läuft. Aber das „Fußballspielen“, das kommt dabei zu kurz. Und deswegen denke ich dann an Klaus-Michael Kühne. Was der Milliardär jetzt wohl sagt? Um ehrlich zu sein, stelle ich mir vor, dass er den HSV spielen sieht, dass er van der Vaart dann spielen sieht – und sich eingesteht: „So einfach ist Fußball dann wohl doch wieder nicht . . .“ Oder er flucht – im Sessel sitzend – leise vor sich hin: „Scheiß-Fußball.“ Wobei nicht der HSV damit gemeint ist, sondern das Geschäft allgemein. Undurchschaubar, unvorhersehbar.

Ich habe den Eindruck, dass van der Vaart zwar viel läuft, aber genau deshalb läuft auch vieles an ihm vorbei. Wobei ich am Sonnabend die meiste Zeit sehr genau auf ihn geachtet habe – er bietet sich immer wieder an. Das kann man ihm nicht absprechen. Er geht sehr oft, wenn er nicht gerade Stürmer spielt (!), spielen soll (!), weit in die HSV-Hälfte zurück, um sich dort den Ball abzuholen, um sich dort anspielen zu lassen. Wird dabei allerdings, das ist wohl ein großes Übel, von seinen Kollegen auch vielfach „übersehen“. Oft steht er – oder läuft – dann verdrossen, leicht resignierend und kopfschüttelnd durch die Gegend . . .

Vielleicht ist es aber auch nur alles eine Frage des Selbstvertrauens. Hätte er seine riesige Chance gegen Fürth genutzt, als er frei vor Torwart Wolfgang Hesl viel zu überhastet abschloss, wäre er vielleicht wieder einen größeren Schritt an die 100 Prozent herangekommen. Obwohl: Ein schöneres Tor, als das 1:0-Siegtor gegen Mönchengladbach, gibt es ja eigentlich nicht – und das hat dann doch nicht für eine Leistungsexplosion gesorgt. Eventuell hat ja der ehemalige HSV-Verteidiger Tobias Homp recht, der bei „Matz ab live“ am Sonnabend zu Gast war (ihm und auch unserem zweiten Gast, Hannes Scherff, nochmals vielen Dank!) und sagte: „Ich habe den Eindruck, dass Rafael van der Vaart nicht richtig fit ist. Obwohl seine Verletzungspause ja nun schon lange, lange zurückliegt . . .“

Nun ja, wir werden es erleben, wie sich das, wie sich Rafael van der Vaart noch bis zum Sommer hin entwickelt. Das jedoch gilt ja für den gesamten HSV. Inklusive Artjoms Rudnevs, dem sie gegen Fürth einen so gebrauchten Tag angedreht hatten, wie ihn Rene Adler in Hannover zufassen bekam. Ob Rudnevs sein Torkonto – bislang zehn – noch erhöhen wird? In unserer Redaktion laufen schon Wetten. In welche Richtung die gehen, verrate ich allerdings nicht. Nicht schon wieder eine Rudnevs-Diskussion. Wobei mir immer noch – in schöner Regelmäßigkeit – um die Ohren fliegt, dass ich den „guten Rudi“ damals so „vernichtet“ habe. HSV-Fans sind nicht nachtragend, aber sie vergessen auch nicht ganz so schnell . . .

Mich wundert bei dieser ganzen Diskussion, dass ich nicht auch wegen Heung Min Son verurteilt werde. Den hatte ich zu Saisonbeginn auch nicht unbedingt auf dem Zettel – aber nun. Weil er sich bis hin zum Prädikat „großartig“ verbessert hat. Dass der Südkoreaner zuletzt dreimal in Folge nicht so „großartig“ gespielt hat, das schreibe ich seinem Alter zu. Mit 20 Jahren darf man noch gewisse Leistungsschwankungen haben – aber sicher. Und deswegen, weil es diese Leistungsschwankungen gibt, halte ich es auch für besser (nicht nur im Interesse des HSV und seiner Fans), dass Son noch eine gewisse Zeit in Hamburg leibt, um Konstanz in sein Spiel zu bekommen. Und inzwischen, so denke ich, haben das auch die meisten Beteiligten an diesem „Geschäft“ begriffen oder eingesehen. Die Richtung war zuletzt die, dass Son wohl noch beim HSV bleiben wird – und ich wage mich noch einen Schritt weiter nach vorne: Heung Min Son wird noch mit dem HSV verlängern, ich gehe davon aus und denke, dass diese gute Sache zu 95 Prozent schon eingetütet ist. Und dass die Vertragsverlängerung schon bald, wahrscheinlich noch in dieser Woche, verkündet wird.

„Lass dir überraschen“, so würde Rudi Carrell wohl singen.

Nicht ganz so überraschend kam heute die Nachricht, dass „Basti“ Reinhardt in Zukunft kein Nachwuchs-Chef mehr beim HSV sein wird. Dazu schrieb der HSV heute:

Der HSV und Bastian Reinhardt haben sich darauf verständigt, den im Sommer auslaufenden Vertrag des Nachwuchsleiters nicht zu verlängern. Der ehemalige Bundesligaprofi der Rothosen (von 2003 bis 2010), der im Anschluss an seine aktive Laufbahn ein Jahr lang als Sportchef des HSV agierte, sieht seine Ausrichtung in der Zukunft im Trainerbereich. „Ich habe drei Jahre im administrativen Bereich gearbeitet. Jetzt möchte ich Erfahrungen in der praktischen Arbeit sammeln und werde daher meine Trainerscheine machen. Das wird bis zur A-Lizenz ungefähr zwei Jahre in Anspruch nehmen“, sagte der 37-Jährige.

Danach sei eine Rückkehr zum HSV denkbar, wie ihm Frank Arnesen bereits in Aussicht stellte. „Bastian hat selbstverständlich die Möglichkeit, dann als Trainer im Nachwuchsbereich des HSV wieder einzusteigen“, erklärte der Sportchef und bedankte sich noch einmal ausdrücklich für die Arbeit, die Reinhardt in den nun fast zehn Jahren sowohl als Spieler als auch als Angestellter im sportlichen Bereich für den HSV geleistet hat. „Er stand in all seinem Tun immer komplett für den Verein ein und hat gute Arbeit geleistet. Ich habe ihn als absoluten HSVer kennengelernt. Wir wünschen ihm alles Gute.“

So, dann gab es heute noch diese Meldung des Sport-Informations-Dienstes (SID). Die veröffentliche ich hier deswegen, weil es dazu – schon vor geraumer Zeit – eine Mail an mich (und „Scholle“) gab. Bei der Gelegenheit – und das soll keine Klage sein: Wir bekommen täglich viele, manchmal sehr, sehr viele solcher Mails. In diesem Fall kam sie von Thomas K. Er war schon ein wenig „säuerlich“, weil wir uns nicht bei ihm gemeldet haben. Wenn wir das aber immer und ständig tun würden, dann müsste unser Tag 25 Stunden dauern – weil es einfach viel geworden ist, und täglich mehr und mehr wird. Da bitte ich um Verständnis – noch sind „Scholle“ und ich Einzelkämpfer und haben (noch) keine Sekretärin. Immer dann, wenn es gepasst hat (so wie heute), habe ich schon einige Mails veröffentlicht – was allerdings auch nur bei jedem zweiten User auf Verständnis trifft. Alles Geschmackssache.
Aber nur die SID-Meldung:

Ungewöhnlich scharf hat DFB-Kontrollausschuss-Chef Anton Nachreiner die Begnadigung des Dortmunders Robert Lewandowski durch das Bundesgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) kritisiert. „Dieses unverständliche Urteil verrückt die gesamte Rechtsprechung“, sagte der Chefermittler dem Sport-Nachrichtensender Sky Sport News HD: „Ich muss meine Aufgabe und das Strafmaß ab sofort neu überdenken. Lewandowskis Foul war eine ganz klare Drei-Spiele-Sperre. Das haben alle so gesehen, außer das Bundesgericht und natürlich sein Verein Borussia Dortmund. Ich kann den Aufschrei in der Liga verstehen. Ich bin genauso enttäuscht.“

Das DFB-Bundesgericht hatte am vergangenen Freitag die Rotsperre für den polnischen Nationalspieler in zweiter Instanz von ursprünglich drei auf zwei Spiele verkürzt und Lewandowski somit den Einsatz im Liga-Heimspiel gegen Hannover ermöglicht. Der Pole krönte seine starke Leistung beim 3:1 über die Niedersachsen mit seinen Saisontoren Nummer 15 und 16. Lewandowski war nach seiner Roten Karte am 21. Spieltag gegen den Hamburger SV zunächst für drei Begegnungen gesperrt worden. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte den Gang vor das DFB-Bundesgericht gerechtfertigt: „Wir hatten das Gefühl, das Unrecht geschehen ist. Man hat die Situation lediglich neu bewertet, so wie wir das gesehen haben.“ (SID)

Zu diesem Thema, wie angekündigt, schrieb schon vor einiger Zeit der User Thomas K. folgende – und uns nicht immer schmeichelnde – Zeilen:

Hallo Dieter, hallo Scholle,

seit Anfang an lese ich den Blog mit, nur ganz selten schreibe ich etwas im Forum. Als HSV Fan, der über 500 km weit weg wohnt, freut man sich über alle Infos, die man so bekommen kann. Deswegen erst einmal „Danke!” für den täglichen Blog, auch wenn ich persönlich nicht immer einer Meinung mit den jeweiligen Meinungen der Blog-Väter bin – aber das muss man ja auch nicht.

Mir ist jedoch etwas in der kompletten Print-Berichterstattung (egal ob Abendblatt, Mopo, Bild, Welt…) aufgefallen: es wird von ganz vielen Fachjournalisten mit Begeisterung über den HSV und Spieler bzw handelnden Personen geschimpft und kritisiert. Es wird der HSV jedoch so gut wie nie gegenüber der restlichen Welt mal in Schutz genommen oder gegen den Rest der Welt bzw den DFB mal „investigativ” ermittelt. Fällt nur mir das auf oder scheint der HSV beim DFB regelmäßig schlechter behandelt zu werden als Mitbewerber? Beispiele gefällig?

- Ein Jonathan Tah (als „Schrank”) bekommt keine Ausnahmebenehmigung für den BuLi-Kader, ein „Hänftling” Nuri Sahin hat in dem Alter schon BuLi gekickt

- Ein Siegenthaler durfte in keiner Doppelfunktion für HSV/DFB wegen angeblicher Wettbewerbsvorteile tätig sein, ein Dr. Müller-Wohlfahrt ist das seit Jahren mit FCB/DFB

- ein Cardoso durfte keinen Tag länger als erlaubt die BuLi Mannschaft ohne Fussballlehrerschein coachen (obwohl den genug im Trainer-Team hatten), bei Leverkusen macht das ein Hyypiä jetzt schon seit ewigen Zeiten ohne Beanstandung

- Der DFB hat, als Herr Motzki Sammer zum HSV wechseln wollte, auf Einhaltung des Vertrages gedrängt, was jedoch kein Problem war, als er zu den Bayern ging…

Warum schreibt kein Hamburger Journalist mal darüber oder prüft das wenigstens mal kritisch? Die Liste kann man sicherlich noch weit fortführen: Strafmaße bei Sperren, Sonntagsheimspiele ohne Europacup, Länderspielvergaben… Noch nicht einmal als der HSV 2004 „ver-Hoyzert” wurde ging nach dem Spiel ein Aufschrei der Entrüstung durch die Presse, sondern der HSV wurde ausgelacht (jedenfalls so weit ich mich entsinnen kann), obwohl die Fehlentscheidungen nicht zu übersehen waren.

Wenn ein Dortmunder Spieler einen Hamburger an der Mittellinie brutal ohne Ball rücksichtslos umtritt, ein weiterer Dortmunder Spieler während der Rudelbildung ohne Bestrafung eine klare Tätlichkeit begeht (Kehl) und ein Hamburger Spieler später mit Gegenständen beworfen wird (vdv) – worüber wird berichtet? Dass sich laut HB-Männchen Herrn Klopp unser Spieler ja ach so unsportlich verhalten hätte… Ja gehts noch? Sind die Hamburger Sportjournalisten etwa im Geheimen alles Pauli oder Werder Fans?

Vielleicht habt Ihr ja eine Idee oder eine plausible Begründung dafür, warum regelmäßig über den HSV tendenziell negativ berichtet wird bzw vielleicht nehmt Ihr das ja als Anregung, dahingehend auch mal alternative Meinungen zu vertreten….

Herzliche Grüße aus dem wilden Süden der Republik.

So, das war der Beitrag des „Matz-abbers“ Thomas K. Ich sehe sein Anliegen generell nicht als so dramatisch an, wie er es geschildert hat. Ich denke schon, dass wir – und auch die Hamburger Kollegen – schon hin und wieder die Finger in die Wunde gelegt haben. Ich zum Beispiel ganz gravierend im „Fall Hoyzer“. Und in diesem Fall möchte ich mal daran erinnern, dass auch unter dem HSV-Anhang, der damals mit in Paderborn war, kein „Aufschrei“ zu hören war – nur ein ekeliges Gespucke. Gegen die HSV-Spieler und gegen Trainer Klaus Toppmöller. Weil die Fans sauer auf die Leistung waren. Nicht die von Hoyzer, sondern die des HSV. Nur mal am Rande bemerkt.

Wir Journalisten dürfen nur nicht so weit abdriften, dass uns Parteilichkeit unterstellt wird. Und dieser Grat ist in der Tat sehr, sehr schmal. Wir sind und sollen neutral sein. Nicht unbedingt hier bei „Matz ab“, auf jeden Fall aber die Zeitungen. Andernfalls sollten wir über die Artikel den Zusatz bringen: „Offizielles Mitteilungsblatt des HSV“.

Gleichzeitig gebe ich aber sehr wohl zu, dass an der einen oder anderen Sache schon etwas dran ist – die Thomas K. bemängelt wird. Ich bin aber auch überzeugt, dass davon das eine oder andere Thema „damals“ sehr wohl aufgegriffen wurde, um darüber zu berichten. Ich weiß, dass ich über den „Fall Sammer“ sehr wohl berichtet habe – so wie von Thomas K. gewünscht. Wäre hier ja noch nach zu lesen.
Grundsätzlich muss ich aber nochmals sagen: Das Hamburger Abendblatt ist kein „Offizielles Vereinsorgan des HSV“. Das wünschen sich zwar einige (oder viele) HSV-Fans, noch aber ist es nicht so weit.

PS: Morgen (Dienstag) wird im Volkspark um 15 Uhr geübt.

18.01 Uhr

1:0-Sieg – “Europapokal, Europapokal . . .”

16. Februar 2013

Der HSV ist auf dem Weg zur Spitze. Noch nicht ganz nach oben, aber es geht deutlich aufwärts. Mit 1:0 wurde Borussia Mönchengladbach vor 54 558 Zuschauern im Volkspark besiegt, der Sieg war verdient, wenn auch nicht immer souverän herausgespielt – aber es wurde diszipliniert und konzentriert agiert. Endlich aber gab es mal wieder zwei HSV-Siege in Folge, sodass der Anhang jetzt auf jeden Fall träumen darf. 1:0-Sieg sind die schönsten, so heißt es ja im Fußball, aber dieser war schwer erkämpft, denn die Borussia gab trotz des Donnertags-Spiels in der Europa League auch gegen Ende noch mächtig Gas. „Europapokal, Europapokal . . .“ sangen die HSV-Fans im Norden ausgelassen, aber bis dahin dürfte es noch ein ziemlich dornenreicher Weg sein. Immerhin aber ist er im Jahre 2013 möglich, und wer hätte das schon zu Beginn dieser Saison für möglich gehalten? Nach dem Schlusspfiff kochte es im Norden, denn Hamburg wittert seine Chance.

Beifall zur Pause. Da hieß es durch ein Zauber-Tor von Rafael van der Vaart verdient 1:0. Der HSV war, wie schon zuletzt in Dortmund, gut aus den Startlöchern gekommen, die Mannschaft wirkte entschlossen, alle Spieler waren in Bewegung und zeigten Biss. Und Mönchengladbach war die erwartet harte Nuss, von Europa League am Donnerstag war nicht viel zu sehen. Es ging munter hin und her, ohne viele Höhepunkte zu bieten, Torchancen blieben Mangelware. Ein „Tor des Monats“ aber entschädigte für entgangene Torraumszenen: In der 24. Minute bediente Artjoms Rudnevs van der Vaart, und der zog aus 28 Metern beherzt ab. Was für ein Schuss! In den oberen linken Winkel – und im Volkspark war der Teufel los. Ein echter Hammer! Bis auf Torwart Jaroslav Drobny kam die Mannschaft zum Gratulieren. Und Lotto King Karl befand über Mikrofon: „Wie lange habe ich darauf gewartet . . .“ Nicht nur Du, lieber Lotto. Vier alle. Und der „kleine Engel“ ganz besonders. Er rastete fast aus. Zumal er, Glückwunsch den Kollegen, in der Bild von heute angekündigt hatte, dass er gegen Gladbach ein Tor machen würde. Hat super geklappt. Und dann ein solcher Strich, Hut ab!

Der HSV war dieses eine Tor auch unter dem Strich besser. Vornehmlich über die linke Seite, wo sich Marcell Jansen und Dennis Aogo ein weiteres Mal sehr gut ergänzten und verstanden, wurden die Angriffe nach vorne getragen. Das ist in zwischen eine großartige „Waffe“ des HSV geworden. Dazu bewegten sich beide Spitzen wieder viel und gut, „Rudi“ Rudnevs ging im wahrsten Sinne dorthin, wo es wehtat, und auch Heung Min Son ging keinem Zweikampf aus dem Weg. Zudem scheint er auch in Sachen Kopfbällen gelernt zu haben, hat er sie frühere gelegentlich verweigert, so geht er jetzt fast immer entschlossen in den Luftkampf. England lässt grüßen, denn da ist so etwas auf jeden Fall immer gefragt.

Die Abwehr wirkte nicht immer unbedingt sattelfest, ließ aber nichts anbrennen. Wenn es darauf ankam, war jeder Spieler Herr der Lage. Und am Rande stand Trainer Thorsten Fink total unter Strom und trieb seine Mannen pausenlos an. Fink brannte wie jeder seiner Spieler. Das Motto des Trainers lautete wohl: „Egal wie, aber diesmal ist endlich mal wieder ein zweiter Sieg in Folge fällig.“

In die zweite Hälfte startete der HSV wiederum entschlossen, aber die richtig große Torgefahr blieb aus. In der 51. Minute hätte, nach einem Freistoß von van der Vaart, fast der am langen Eck stehende Slobodan Rajkovic ein Tor erzielt, aber der Serbe war zu überrascht, als ihm der Ball vor die Füße fiel. Aber das wäre ein Ding gewesen, wenn er bei seinem Comeback (von Anfang an) auch noch ein Tor geschossen hätte.

Gegen Mitte der zweiten Halbzeit kam dann Mönchengladbach – mit Macht. Es brannte einige Male – vor dem HSV-Strafraum, aber es passierte nichts. Aber wer hatte hier am späten Donnerstag noch gespielt? Zum Glück ging alles gut. Endlich einmal wieder zwei HSV-Siege in Folge.

Die Einzelkritik:

Jaroslav Drobny hatte eigentlich nur Fußarbeit zu leisten, denn es kam so gut wie kaum etwas auf das Tor. Wirkte ruhig (obwohl er sicherlich schwer angespannt war) und souverän, hielt in der Schlussphase dann auch noch einige gute Sachen.

Dennis Diekmeier ist seit Wochen konstant in guter Form, das bewies er auch diesmal. Einige sehr gute Vorstöße (und Flanken) unterstrichen diese gute Vorstellung.

Slobodan Rajkovic wirkte oft wie ein „Zitter-Fuß“. Diesen Ausdruck hat „Scholle“ der neben mir saß, erfunden. Weil „Slobo“ natürlich nervös war, wie er vorher zugab, auch „unter Druck“ stand. Dennoch, auch wenn es oft so aussah, als würde ihm diese Aktion nicht gelingen – sie gelang ihm. Und er rettete einige Male in allerhöchster Not und bewahrte so seine Mannschaft vor einem Gladbacher Tor. Hatte allerdings Glück, als er in der 77. Minute am Ball vorbeitrat – und der einschussbereite Hanke dadurch getäuscht wurde. Note zwei.

Heiko Westermann war ein kleiner Unsicherheitsfaktor in der HSV-Defensive, warum auch immer. Er hatte keine ganz großen Klöpse auf Lager, aber die ganz kleinen (Klöpse) reichen auch schon, dass man ins Zittern gerät. Warum nur? Er kann es doch. Und er hat trotz allem auch einige Lücken gestopft. Das muss er souveräner lösen. Dennoch, das muss festgehalten werden, er ist dann zur Stelle, wenn er gebraucht wird. Eine Bank auch in Sachen Kopfballabwehr.

Marcell Jansen begann in einigen Szenen sehr lässig, zu lässig. Hundertprozentiger Biss, so wie in Dortmund, steht ihm besser. Steigerte sich aber stetig und rettete in der 66. Minute mit einer herrlichen Flugeinlage im Fünfmeterraum.

Milan Badelj stellte sich besser als vor seiner Gelb-Sperre vor, aber noch ist nicht alles so, wie es mal war. Er war aber immer bemüht, Linie in sein Spiel zu bekommen – und damit auch in das Spiel des HSV. Lief unermüdlich.

Per Ciljan Skjelbred war eine große Stütze, war vielleicht sogar der beste Hamburger. Immer in Bewegung, gute Ideen, half den Nebenleuten – das war eine Klasse-Leistung.

Dennis Aogo war wieder der VW des HSV, stand zweimal sogar vor einem Tor – einmal hätte es Elfmeter für ihn geben können. Note drei.

Rafael van der Vaart spielte von Beginn an „griffig“, lief viel – er wollte es diesmal allen zeigen; und zeigte es allen. Baute im zweiten Durchgang aber stetig ab und war gegen Ende kaum noch zu sehen.

Heung Min Son blieb diesmal glücklos, konnte sich kaum einmal vielversprechend in Szene setzten. Nicht schlecht, aber auch nicht so gut, wie zuletzt, aber das geht ja auch nicht immer.

Artjoms Rudnevs steckte viel ein, kam immer wieder, ließ sich nie entmutigen – so ist der gute „Rudi“. Auch ohne Tor immer ein Pluspunkt.

Tolgay Arslan (kam in der 75. Min. für Skjelbred) spielte mit und machte noch einige gute Sachen, die der Mannschaft halfen.

Maximilian Beister (kam in der 75. Min. für Son) konnte in den 15 Minuten keine offensive Szene mehr setzen. Aber er war dabei und kämpfte großartig mit.

Marcus Berg (kam in der 88. Minute für van der Vaart) kam und kassierte noch die Siegprämie ein.

Gleich wollen wir mit „Matz ab live“ auf Sendung sein, „Scholle“ und ich erwarten HSV-Nachwuchs-Chef Bastian Reinhardt sowie den „Matz-abber“ „JU aus Q“. Wir würden uns freuen, wenn ihr dabei sein würdet.

17.26 Uhr

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