Archiv für das Tag 'Real Madrid'

Eine Chance gegen Bayern? So niemals.

30. April 2014

Gesund ist er. „Mir geht es sehr gut“, sagte mir Rafael van der Vaart nach dem heutigen Training. Dass er sich während der Vormittagseinheit immer wieder an den Oberschenkel fasste – kein Thema. „Nein, es ist tatsächlich alles gut. Das war nur Kontrolle“, lachte der Hoffnungsträger von HSV-Trainer Mirko Slomka nach einer erstaunlich ruhigen Trainingseinheit. Kein Gemecker, keine lauten Ansagen von Slomka. Und keine harten Zweikämpfe im langen Abschlussspiel – leider. Einzig ein unglücklicher Pressschlag von Ivo Ilicevic, der bei Tomas Rincon „drüberhielt“ ließ erhöhte Verbissenheit vermuten – und war es letztlich dennoch nicht.

Für Abendblatt-Blogs


Nein, es war heute seltsam ruhig. Angestrengt ruhig. Trotz eines van der Vaarts, der bemüht war, alle Zweifel an seiner Person wegzuwischen. Wobei, dieser Abstecher sei mir erlaubt, ich muss eines klarstellen: Der Abendblatt-Artikel meines Kollegen Kai Schiller trägt auch meinen Namen, weil einige Fakten darin von mir beigesteuert wurden. Allerdings ist es wie so oft bei zwei verschiedenen Menschen auch bei mir und meinem geschätzten Kollegen so, dass wir uns nicht in allem gänzlich einig sind. Ich persönlich halte van der Vaart nicht für das teuerste Missverständnis der HSV-Geschichte. Auch wenn sich andere Leute darin einig sind.

Nein, EINEN Sündenbock hat diese HSV-Misere ganz sicher nicht. Und wenn es Hauptschuldige gibt, dann sind es erst ganz unten in der Kette diese Spieler.

Allerdings bin auch ich massiv von van der Vaarts Wirken in dieser Saison enttäuscht. Überrascht bin ich weniger, denn schon in der vergangenen Saison hatte der Niederländer mehr durch seinen Auftritt an sich denn durch sein fußballerisches Wirken helfen können. Auch, weil ihm von Trainer- und Sportchefseite zu viele Freiheiten eingeräumt wurden. Er kennen seinen Körper ja „selbst am besten“ war eine standardisierte Antwort der verantwortlichen, die wider besseres Wissen handelten. Denn van der Vaart konnte seine Freiheiten nicht annähernd so gut einschätzen, wie erhofft. Und die Folgen sieht man jetzt.

Dass sein End ein Hamburg beschlossen ist, dem widersprach van der Vaart heute. Auch sein Sohn sei noch lange nicht in der Schule abgemeldet. „Er wird weiter dort zur Schule gehen“, so van der Vaart, „und ich habe nichts anderes geplant, als hier in Hamburg zu spielen“

Allerding geht’s nicht immer so, wie man gern will. Das weiß van der Vaart nur zu gut. „Es ist natürlich schwer für uns. Jetzt wird’s eng. Aber die Chancen sind noch immer gut. Nur müssen uns jetzt voll auf den 16. Platz fokussieren.“ Was mit ihm passiert, wenn der HSV absteigt – es ist ein offenes Geheimnis. Obgleich van der Vaart versucht, eine Antwort zu umgehen: „Ich habe überhaupt noch nicht über die Zweite Liga nachgedacht. Aber ich weiß, keiner will da spielen. Schon deshalb müssen wir einfach drin bleiben.“

Mit einem Sieg gegen die Bayern. Die seien verunsichert ließ ausgerechnet der einzig Unfehlbare im deutschen Fußball, Franz Beckenbauer, nach dem 0:4 gegen Real Madrid wissen. „Wenn der HSV diese Chance nicht nutzt, gegen eine so angeschlagene Mannschaft wie den FC Bayern zu gewinnen, dann gehören sie in die zweite Liga”, sagte Beckenbauer nach dem Debakel gegen Real. Einer, der offenbar zugehört hat, ist Olver Kreuzer. Heute morgen war der Sportchef bei meinem Blog-Kollegen und NDR-Reporter Lars Pegelow zu Gast. Und er wirkte deutlich kampfeslustiger als noch zu Wochenbeginn: „Der Stachel sitzt tief beim FC Bayern nach der Pleite gegen Real. Die werden sicher keine große Lust haben, am Freitag in den Flieger nach Hamburg zu steigen. Wir können und wollen die Bayern ärgern“, sagte der frühere Bayern-Verteidiger im Radio-Interview mit NDR 90,3.

Und wisst Ihr was? Das MUSS der HSV. „Wir können nur hoffen, dass wir einen super Tag haben und die Bayern gerade nicht“, phrast van der Vaart – und ich nehme es ihm nicht einmal übel, weil auch mir nichts mehr einfällt. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo der Vorteil ist“, so van der Vaart eher skeptisch. „Die dürfen auch nicht zweimal in Folge verlieren. Daher: Wir können zwar hoffen, dass die angeschlagen sind, aber geschenkt bekommen wir nichts.“

Stimmt.

Und gerade deshalb wundere ich mich über derart lustloses Training wie heute. Denn am Nachmittag wurden eher unmotiviert Passübungen absolviert, während van der Vaart und Calhanoglu Freistöße übten. Bitter. Nein: Schlimm. Und damit schließe ich diesen Blog für heute. Fassungslos.

Scholle

Huub Stevens glaubt an den HSV in der Europa League – und an Jeffrey Bruma

22. April 2013

Er sitzt gerade im Garten seines Anwesens in Eindhoven, als ich ihn erreiche. Im Hintergrund zwitschern die Vögel, er selbst sagt, er habe gerade den Garten wieder auf Vordermann gebracht und um ihn herum spielen seine Enkelkinder. Es ist einer der Momente, in denen der ehemalige HSV-Trainer Huub Stevens voll aufgeht. Es zeige ihm, dass es ein Leben ohne Fußball gibt. Ihm, der das eigentlich ausgeschlossen hatte. „Ganz ohne würde ich gar nicht wollen“, hatte Stevens vor seinem Abschied aus Hamburg gesagt. Allerdings, und das macht Stevens im Interview klar, diese Woche zählt König Fußball noch mal mehr als sonst. Zunächst mit den Champions-League-Halbfinals Bayern gegen Barca und anschließend Dortmund gegen Real Madrid. Aber vor allem wegen des Duells seiner zwei Ex-Klubs am Sonntag. Denn da gastiert der HSV beim FC Schalke Das Interview:
Hamburger Abendblatt: Herr Stevens, geht es Ihnen ohne Fußball gut?
Huub Stevens: Blendend. Perfekt sogar. Ich spiele mit meinen Enkelkindern und kümmere mich um meinen Garten. Mehr geht nicht.
Außer einen Trainerjob.
Stevens: Nein, das kann – muss aber
nicht. Ich bin in der luxuriösen Situation, es mir aussuchen zu können. Ich nehme nicht mehr alles an, wie ganz am Anfang meiner Trainerzeit. Es muss alles passen. Das ist im Moment nicht so, deshalb sitze ich mit meinen Enkeln im Garten und bin glücklich. Vielleicht bleibt das ja auch so.
Am Sonntag werden Sie aber sicherlich Fußball sehen.
Stevens: Klar. Schalke gegen HSV – das hat noch Priorität.
Wer gewinnt?
Stevens: Es wird ein enges Spiel. Schalke ist zu Hause gut, der HSV auswärts. Und beide haben große Ziele.
Realistische?
Stevens: Na klar. Schalke steht gut da. Ich habe doch selbst noch an der Mannschaft mitgewirkt und weiß, was sie kann. Diese Mannschaft muss sich für die Champions League qualifizieren.
Muss?
Stevens: Ja, sportlich. Aber auch finanziell. Der Klub hat vor einigen Jahren sehr viel im Voraus finanziert und in den letzten Jahren keine großen Sprünge machen können. Die Schuldenlast ist groß. Und das ist heute nicht anders.
Beim HSV leider auch nicht.
Stevens: Stimmt. Aber in Hamburg konnte man zu Saisonbeginn noch mal ordentlich investieren. Und das völlig zu Recht. Ein Rafael van der Vaart war sehr teuer – aber das Risiko wert. Diese HSV-Mannschaft brauchte den Führungsspieler und hat ihn jetzt.
Auch, weil van der Vaart anstelle Heiko Westermanns zum Kapitän befördert wurde?
Stevens: Auch. Heiko war ein guter Kapitän, aber eben in allen Belangen ein ganz anderer Typ. Rafael ist schon sportlich ein Leitwolf, der junge Leute wie Heung Min Son führt. Son wird auch besonders durch Rafael besser. Durch einen van der Vaart in der Verantwortung trittst du innerhalb der Mannschaft einfach etwas los, weil alle auf ihn hören.
Wo landet der HSV am Ende?
Stevens: In der Europa League. Die Mannschaft scheint intakt. Es herrscht wieder positive Stimmung. Das passt.
Wieder?
Stevens: Ja, wie damals. Als ich ging dachte ich, der HSV würde sich so weiterentwickeln, auf internationalem Niveau. Dem war nicht so. Dieses Jahr hat man das mit viel Geld versucht zu korrigieren – und es scheint aufzugehen. Jetzt hoffen alle in Hamburg. Das ist wieder positiv. Zwischendurch in dieser Saison schienen aber sehr viele vergessen zu haben, woher der HSV gerade kommt. Die waren enttäuscht, wenn der HSV nicht unter den ersten Sechs war. Das ist jetzt nicht mehr so. Die Verantwortlichen arbeiten gut, sie bewahren die Ruhe. Und aus der Ferne geurteilt, scheint Thorsten Fink die Mannschaft gut zu erreichen. Das kann auf Sicht gut funktionieren.
Wenn personell nachgerüstet wird. Innenverteidiger Felipe Santana von Borussia Dortmund ist bei beiden Klubs Thema. Wer braucht ihn mehr?
Stevens (lacht): Felipe habe ich schon zu meiner Zeit bei Schalke da ins Gespräch gebracht, der Junge ist gut. Beide können ihn gut gebrauchen. Schalke als Ersatz für Metzelder. Wobei ich beim HSV mit Mancienne und vor allem Bruma zwei Verteidiger neben Westermann sehe, die das Potenzial haben. Sie müssen aber langsam wach werden und jetzt zeigen, dass sie es wirklich können.
Bruma wurde mitgeteilt, dass er im Sommer nicht verpflichtet wird.
Stevens: Ja, weil er sich nach zwei Jahren nicht durchgesetzt hat, was sehr erstaunlich ist. Das hätte er schaffen müssen. Das kann nur mentale Gründe haben. Jeffrey hat wirklich alles. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Hamburg einen Innenverteidiger gibt, der besser ist. Aber er muss das dem Trainer auch zeigen. Das hat er wohl nicht. Und das ist sehr schade. Für alle.
Dortmund und Bayern marschieren in der Bundesliga vorneweg. Sind die beiden aufzuhalten?
Stevens: Nein, in den nächsten Jahren nicht. Auch nicht von Schalke. Die können in den nächsten Jahren da oben nicht mitmischen und sollten versuchen, sich zwischen Rang drei und sechs einzuleben. Beim HSV ist das immer so eine Sache. Bleibt’s ruhig und die Leute dürfen konstant arbeiten, ist vieles drin. Allerdings erst mal ab Rang drei.
Wer gewinnt denn die Champions League? Bayern? Dortmund?
Stevens: Der Gewinner der Partie Bayern gegen Barcelona. Das ist das vorweggenommene Endspiel, wobei ich jetzt eine große Chance für ein deutsch-deutsches Finale sehe, Dortmund gegen Real Madrid sehr gute Chancen hat. Es wird ein spannendes Duell Deutschland gegen Spanien. Besonders für die Leute, die sich für Spielsysteme interessieren. In den Duellen wird alles zu sehen sein.

Klingt wirklich so, als würde sich Huub Stevens noch immer sehr mit seinem HSV beschäftigen. Und gerade was Bruma betrifft, war Stevens tatsächlich extrem enttäuscht von seinem Landsmann. Er sei eines der größten Talente in den Niederlanden, so Stevens weiter, das sei landesweit in den Niederlanden bekannt. Am größten war seine Enttäuschung, glaube ich, auch, weil die Niederlande nicht zwingend mit großartigen Innenverteidigern in der Nationalelf ausgestattet sind.

Wobei ich Stevens auch sagte, dass es gut sein kann, dass Bruma am Sonntag in Gelsenkirchen spielen muss. Immerhin fällt Dennis Diekmeier gelbgesperrt aus. Und ich kann mir nach den zuletzt gezeigten Schwächen bei Standards nur schwer vorstellen, dass Fink sich für den kleinen Zhi Gin Lam und gegen den kopfballstarken Bruma entscheidet.

Aber egal wie, eine Zukunft – das stand hier im Blog exklusiv vor Wochen – hat Bruma in Hamburg offenbar nicht mehr. Ihm wurde bereits von Sportchef Frank Arnesen mitgeteilt, dass der HSV keine Mühen unternimmt, ihn beim FC Chelsea herauszukaufen. „Der HSV hat kein Geld dafür“, hatte mir Bruma gesagt. „Der Sportchef hat es mir gesagt, mein Berater weiß auch Bescheid – jetzt schauen wir, wie es weitergeht. Ich wäre gern geblieben, aber ich muss jetzt zusehen, dass ich die Saison ordentlich bis zum Ende spiele und mich dann anders orientiere.“

In diesem Sinne, ich orientiere mich gen Feierabend. Bis morgen. Da wird um 10 Uhr an der Arena trainiert, ehe es am Abend um 18 Uhr zum Landesligisten TSV Winsen geht.

Scholle

P.S.: Solltet Ihr noch ein paar Foto- und Videobeweise vom Matz-ab-Treffen am vergangenen Freitag wünschen, kopiert einfach den unten stehenden Link. Der leitet Euch weiter auf unsere noch relativ frische Facebook-Seite. Da sind ein Video (Scheel sieht den HSV in der Europa League) und einige Fotos drauf. Schade, dass sich mein Akku so früh verabschiedet hatte, ich hätte noch viel mehr Bilder und Videos machen können/wollen. Aber okay, nächstes Mal! Hier erst mal der Link: https://www.facebook.com/groups/matzab

Aogo ersetzt Jansen – und Jiracek kommt erst 2013 wieder

20. November 2012

Ich hatte es gestern geschrieben und befürchtet, nun ist es amtlich: Petr Jiracek wird dieses Jahr nicht mehr für den HSV auflaufen können. Der tschechische Späteinkauf leidet weiter an einer Schambeinentzündung. Auch die Untersuchungen bei einem Spezialisten in Berlin ergaben kein klares Ergebnis. „Petr wird jetzt noch mal zwei Wochen Ruhe bekommen und dann operiert“, sagt Trainer Thorsten Fink. „Er wird uns aller Voraussicht nach Anfang Januar wieder zur Verfügung stehen, wenn es ins Trainingslager geht.“ Das soll zu Jahresbeginn in den Vereinigten Emiraten in Abu Dhabi stattfinden.

Bitter.

Zumal der Tscheche in körperlich gesundem Zustand eine absolute Bereicherung wäre. Der Linksfuß, der auf nahezu allen Positionen im Mittelfeld spielen kann, würde selbiges zusätzlich variabler machen. Er könnte auf die Sechs rutschen und 1:1 den Platz von Tolgay Arslan neben Milan Badelj übernehmen, sollte dieser mal ausfallen. Oder er ersetzt links Beister. Oder zentral van der Vaart, sollte dieser – ich klopfe gerade dreimal auf Holz, dass dies nicht passiert – wirklich mal ausfallen.

Egal. Jiracek ist erst wieder 2013 ein Thema für Fink und den HSV. Bis dahin muss der HSV-Trainer mit dem vorhandenen Material auskommen. Auch mit seinem Zwei-Mann-Angriff Marcus Berg und Artjoms Rudnevs. Bislang galt der Lette als gesetzt, allerdings überzeugte Rudnevs in den letzten Partien nicht. Marcus Berg auch nicht wirklich. Allerdings wusste Berg zumindest heute im Training zu überzeugen. Der Schwede, der im Winter nach Möglichkeit (sofern das Angebot kommt und stimmt) den Verein verlassen soll, zeigte auf jeden Fall, dass er ballsicherer ist – und er traf. Mehrfach für das B-Team gegen Jaroslav Drobny und später Rene Adler (hier allerdings auch mit Cotrainer Heinemann als Gegenspieler).

Anschließend stellte Fink seinem Berg in Aussicht, aufgrund der bevorstehenden englischen Woche für Artjoms Rudnevs in die Startelf zu rutschen. Noch nicht in Düsseldorf. Aber eventuell beim Heimspiel gegen Schalke am kommenden Dienstag. „Es ist ein Thema für mich“, so Fink zur Überlegung, den laufstarken Rudnevs auswärts (Fink: „Das Spiel mit viel Raum liegt ihm eher“) rauszunehmen und Berg zu bringen.

Klar ist allerdings, dass ein neuer Rasen kommt. Weil das „Grün“ zuletzt in einem desolaten Zustand war, plant der HSV, den Untergrund noch bis zum Schalke-Spiel am kommenden Dienstag auszutauschen. Nicht viel Zeit, um den alten Rasen abzunehmen und den neuen zu verlegen. „Die Frage ist, ob der Rasen überhaupt so schnell anwächst“, befürchtet Fink und beruhigt sich selbst: „Allerdings: Schlechter als zuletzt geht es ja kaum.“

Auf jeden Fall sei ein ebener Rasen enorm wichtig für das eigene Spiel. „Unser Mittelfeld ist sehr spielstark, da waren diese Flicken im Rasen nicht gerade ein Vorteil gegen Mainz“, sagt Fink und meint damit sicher nicht Artjoms Rudnevs. Im Gegenteil: dem zuletzt schwachen Angreifer drohen etliche Sonderschichten. „Den Ball annehmen, ihn verarbeiten und wieder steil gehen – das fehlt Rudi im Moment. Zum einen, weil er natürlich nicht das große Selbstvertrauen hat. Aber er hat da seine Schwierigkeiten.“ Deshalb übt der glücklose aber äußerst fleißige Rudnevs nach den Einheiten insbesondere seine Ballfertigkeit. Er spielt Fußball-Tennis mit Fitnesstrainer Nikolai Vidovic. Rudnevs ist sich seiner Schwächen bewusst und arbeitet. Heute absolvierte er mit Heung Min Son Torschussübungen, in den nächsten Wochen sollen weitere Technikübungen dazukommen. Insbesondere, wie er den Ball mit dem Rücken zum Gegenspieler verarbeitet und in den eigenen reihen hält. „Das werden wir üben“, so Fink, „aber ich bin da sehr guter Dinge.“

Ich bin zwar nicht wirklich optimistisch, ich hoffe aber. Auch darauf, dass der HSV im Winter noch mal personell nachbessert – was intern als primäre Personalie gilt. Dafür muss zwar zunächst Marcus Berg (s. o.) verkauft werden, allerdings deutet genau darauf einiges hin. Dem Schweden soll konkret eine Anfrage vom IFK Göteborg sowie lockere Anfragen aus den Niederlanden vorliegen. „Wenn wir Spieler verkaufen, können wir schauen“, so Sportchef Frank Arnesen, der die Anfrage aus Göteborg bestätigt.

Eine Personalie, die dringend notwendig ist. Dem HSV fehlt wie schon mit Bernardo Romeo (allerdings traf dieser häufiger) in der Spitze eine Anspielmöglichkeit, um das Mittelfeld zu entlasten. Viele Angriffe enden spätestens dann, wenn Rudnevs so angespielt wird, dass er in den Zweikampf muss. Deshalb müssen van der Vaart, Badelj, Arslan, Son und auch Beister, die Bälle selbst bis in die Spitze schleppen. Rudnevs hingegen gefällt zumeist mit seinen Laufwegen und darf sich darüber freuen, dass die Mannschaft Erfolg hat. Ansonsten hätte Fink, der bekennend kein Freund vieler Wechsel ist, mit Sicherheit auch Rudnevs in Frage gestellt.

Mehr als fraglich ist momentan auch Marcell Jansen. Der Linksallrounder leidet weiter an einer Kapselreizung im Knie und wird gegen Düsseldorf am Freitag ziemlich sicher auszufallen. „Bei Marcell sagen die Ärzte, dass es schwer wird bis Düsseldorf“, so Finks Aussicht auf die Auswärtspartie beim Aufsteiger Fortuna Düsseldorf. Sollte Jansen ausfallen, womit Fink zu rechnet, rückt Dennis Aogo nach. „Nicht das Schlechteste für einen Trainer, so nachbessern zu können“, freut sich Fink über die wieder erstarkte Alternative. Im Gegensatz zum Angriff hat Fink hinten links zwei richtig gute Alternativen. Und darüber freut sich der Trainer. Vor allem, weil so sein vor 14 Tagen ausgegebenes Ziel weiter realistisch ist. „Ich hatte sieben Punkte aus Freiburg, Mainz und Düsseldorf gefordert – und noch sind wir im Soll.“ Zudem sieht Fink de Druck am Freitag klar beim Gastgeber. „Am Anfang haben sie fünfmal zu Null gespielt, schwebten auf einer Welle der Euphorie. Das ist jetzt vorbei. Sie stehen unter Druck. Und wir wollen versuchen, diese Situation auszunutzen. Die Chance ist groß.“

Es wären die ersten drei von insgesamt neun Punkten, die Michael Mancienne aus den letzten fünf Hinrundenspielen erwartet. Der Engländer, der überraschenderweise Jeffrey Bruma und den wieder in den Kader zurückkehrenden Paul Scharner aus der Innenverteidigung verdrängen konnte, ist in der Form seines Lebens. Oder? „Es läuft recht gut“, bleibt der Stammspieler bescheiden, „aber dafür arbeite ich jeden tag hart und muss das auch weiter so machen. Die Konkurrenz ist groß.“ Ebenso wie sein persönliches Ziel, das da heißt: Englische Nationalelf. „Das ist und bleibt mein großer Traum“, so Mancienne, wissend, dass er es als Legionär nicht annähernd so leicht hat, wie ein Premier-League-Verteidiger. Deshalb wechseln will Mancienne allerdings nicht. Glaubhaft versichert er: „Ich bin in Hamburg sehr, sehr glücklich. Ein Wechsel ist kein Thema. Im Gegenteil: Der HSV ist ein riesengroßer verein mit großem Potenzial. Selbst die Stadt ist nahezu identisch mit London.“

Zudem: Dass er nach seiner Krankheit (Grippe) sofort wieder ins Team rutschen würde, hatte Mancienne gehofft – gerechnet hatte er allerdings nicht damit. Wobei ihm die Gelbrote und die daraus resultierende Sperre für Scharner zusätzlich in die Karten spielten. Oder? „Ich wäre fast gestorben, als ich sah, wie Paul runter musste“, erinnert sich Mancienne an das Freiburg-Spiel, das er per Liveticker aus dem Krankenbett verfolgte. Mancienne weiter: „Ich habe mich richtig schlecht gefühlt, weil ich ihm mehr Glück in seinem ersten Spiel gewünscht hatte. Aber er ist ein Profi und verarbeitet das. Da bin ich mir sicher.“

Sicher sein kann er sich auch, weiter in der Startelf zu stehen. „Der Coach vertraut mir – und das ehrt mich sehr. Ich habe jetzt die Verantwortung, ihm dafür auf dem Platz mit Leistung zu danken.“ Und das macht er. Lob ist dem schüchternen Engländer indes fast unangenehm. „Michael hat wie alle gegen Bayern und dann noch gegen Frankfurt nicht gut gespielt – aber das war’s dann auch. Der Rest war sehr gut“, lobte Fink den Verteidiger heute nach dem Training – und Mancienne wusste gar nicht, wohin mit sich, als ihm einer meiner Kollegen das Lob heute zitierte. Immer wieder – und das spricht für ihn als Teamplayer – begründet er seinen persönlichen Lauf mit der Leistung seiner Kollegen. „Wir arbeiten seit Wochen als Team. Wir verteidigen schon ganz vorn, stehen so viel kompakter. Wir entwickeln uns und werden von Woche zu Woche besser. Das ist mit dem Saisonbeginn nicht mehr zu vergleichen.“

Zum Glück nicht.

In diesem Sinne, morgen wird um zehn Uhr an der Arena trainiert. Aller Voraussicht nach auch wieder mit Tolgay Arslan, der beim heutigen Training (nur Kreis- und anschließend ein Abschlussspiel) wahrlich nichts verpasste. Der U21-Nationalspieler pausierte ob leichter Beschwerden heute, soll aber ab morgen wieder voll einsetzbar sein. „Ich rechne wieder mit ihm“, so Fink, der auch am Freitag auf Arslan setzt: „Ist er fit, spielt er.“

Hoffen wir es.

Bis morgen!

Scholle

Übrigens: Beim Abschlussspiel agierte Trainer Fink im A-Team mit – und er sorgte für den schönsten Treffer beim 3:3. Eine flache Hereingabe von Diekmeier nahm der Coach aus rund 16 Metern direkt und traf in den rechten oberen Winkel. Keeper Drobny war chancenlos, die Fans applaudierten. Auf die Nachfrage, ob er beim Schuss ausgerutscht sei, antwortete Fink trocken: „Nein, das war ja nicht das erste Mal. So einen habe ich auch schon mal mit Links gemacht. Im Bernabeu-Stadion. Gegen Real Madrid. Kur bevor wir mit Bayern 2001 die Champions League geholt haben. Noch Fragen?“, so Finks humorige Antwort auf eine nicht ganz ernst gemeinte Frage.

Thorsten Finks Philosophie – oder: Tag eins auf dem Weg nach oben

17. Oktober 2011

Ich hatte es ja schon nach meinem ersten Kontakt mit Thorsten Fink geschrieben: da kommt einer mit einer außergewöhnlichen Portion Selbstvertrauen. Von Frank Arnesen als nichts weniger als „perfekter Trainer“ vorgestellt, fuhr Fink heute um 9.35 Uhr zum ersten Mal als neuer Cheftrainer an der Imtech-Arena vor, um sich um zehn Uhr der Mannschaft in der Kabine vorzustellen. „Ich habe mich der Mannschaft mit einer kurzen Ansprache vorgestellt und bin kurz auf das Spiel in Freiburg eingegangen. Ich habe der Mannschaft gesagt, dass sie sich den Sieg nicht gestohlen hat, dass sie ihn sich erarbeitet hat. Und ganz klar: es gibt Verbesserungswürdiges. Aber jeder kleine Sieg kann auch der Beginn von etwas Großem sein.“

Und das hat Fink im Auge. Sicher nicht in den nächsten Monaten, aber auf lange Sicht. Und auf einen solchen Zeitraum sieht er sein Engagement in Hamburg ausgerichtet. „Wir brauchen jetzt nicht über Meisterschaft oder Bayern-Jäger zu sprechen – aber wir haben eine junge Mannschaft mit viel Potenzial. Ich werde den angefangenen Weg weitergehen und mit den jungen Spielern was entwickeln. Wir haben vorne gefährliche Stürmer, die man entsprechend einsetzen muss. Wir haben schnelle Außen und hinten können sie auch Fußball spielen. Mit dieser Mannschaft kann man viel erreichen.“ Dass dafür auch der eine oder andere erfahrene Akteur gebraucht wird, schob Fink („Die jungen Spieler sollen sich anlehnen können“) schnell ein, um dann seinen neuen Arbeitgeber zu loben: „Der HSV ist nicht irgendwer. Der HSV ist ein toller Klub Verein mit einer riesigen Tradition. Ich musste nicht lange überlegen, als ich gefragt wurde.“

Das geschah das erste Mal an dem Dienstag vor dem Champions-League-Spiel des FC Basel bei Manchester United (3:3). „Da hat mich Frank Arnesen angerufen“, sagt Fink, der anschließend auch von Klubboss Carl Jarchow und sogar von Mediendirektor Jörn Wolf angerufen wurde. „Der Verein hat sich intensiv und sehr nachhaltig um mich bemüht. Arnesen hat mir auch zu verstehen gegeben, dass man auf mich sogar bis zum Winter warten würde. Das hat mir imponiert. Der Kontakt war so gut, dass ich hier langfristig planen kann. Das hat mich überzeugt, denn mir ist besonders wichtig, Teamwork zu leben und nicht nur drüber zu sprechen.“ Wie in Basel, wo es bei Finks Abschied in der Kabine sogar Tränen gab. „Wir hatten Erfolg, das schweißt natürlich allein schon zusammen. Aber dafür muss man als Mannschaft wie als eine Familie leben und arbeiten. Das ist meine Art Teamwork.“ Das beste Anti-Beispiel hat Fink auch gleich parat: „Bei der Französischen Nationalmannschaft steckt unfassbar viel Potenzial drin. Aber kein Charakter und Teamwork. Deswegen sind sie bei der WM bereits in der Vorrunde gescheitert.“ Wie er die aktuelle HSV-Mannschaft diesbezüglich einschätzt? „Sie hat Charakter. Sonst hätte sie das Spiel in Freiburg nicht gewonnen.“

Offensiven, für die Zuschauer durchaus spektakulären Fußball will Fink spielen lassen. Mit einem Vierermittelfeld und zwei Spitzen. „Wir wollen mit unserem Spiel eine Message rüberbringen. Ich will, dass die Zuschauer begeistert nach Hause gehen, dass sie offensiven und dominanten Fußball von ihrer Mannschaft gesehen haben. Wir wollen in Ballbesitz sein und agieren. Das Reagieren überlassen wir dem Gegner.“ Allerdings weiß auch Fink, dass sich die größte Zufriedenheit bei allen Beteiligten aus Siegen ergibt. „Wir können nicht jedes Mal offensiv spielen, verlieren und trotzdem hoffen, alle begeistert zu haben. Nein, das Ziel ist immer, das nächste Spiel zu gewinnen. Und ich kann eh nicht verlieren.“ Wie sich die im Vorfeld seiner Verpflichtung so oft beschriebene Siegermentalität bei ihm äußert? „Schwer zu sagen. Aber ich war immer sehr positiv, habe 150 Pflichtspiele für den FC Bayern gemacht und mich nie darum geschert, wer der nächste Gegner ist. Uns war es völlig egal, ob als nächstes Real Madrid oder sonstwer kommt. Und das ist auch heute hier so, das war immer meine Philosophie.“

Womit Fink eines seiner Kernbegriffe anspricht: die Philosophie. Denn die beinhaltet im Grunde all das, was Fink für den Erfolg als zwingend erforderlich empfindet. Vom Spielsystem bis hin zum internen und externen Umgang miteinander. Und Fink ist sich sicher: „Wenn die Mannschaft meine Philosophie und mein Denken umsetzt, wird sie Erfolg haben.“ Was ihn so sicher macht, dass er im Gegensatz zu seinen Vorgängern Michael Oenning, Armin Veh oder auch Bruno Labbadia Erfolg haben wird? „Weil ich gut bin, was soll ich auch sonst sagen. Ich will niemanden kopieren, bin ich.“ Dabei betonte Fink, dass es für ihn als Trainer nicht nur die Varianten autoritär und kumpelhaft gibt, sondern: „Ich bin situativ. Ich bin eher der Typ Richtung Klopp. Aber die Situation entscheidet, wie ich sein muss.“ Eben, ob er sich autoritär, kumpelhaft oder auch mal schützend vor die Mannschaft stellen muss. Wie ihn die Mannschaft ansprechen soll? „Das überlasse ich den Spielern. Wer ne gute Kinderstube genossen hat, der weiß schon, wie er seinen Trainer zu behandeln hat.“

Dazu gehört auch Pünktlichkeit. Spätestens 45 Minuten vor Trainingsbeginn erwartet Fink seine Spieler in der Umkleidekabine. Auch morgen, bei seinem ersten Training auf dem Platz um 15 Uhr. Wie er trainiert? „Ich bespreche mich lange mit dem Trainerteam über die Inhalte. Die Trainingsarbeit wird im Groben Finks mitgebrachter Assistent Patrick Rahmen machen. „Ich schalte mich aber immer wieder mit ein und korrigiere.“ Zudem kündigte Fink an, dass Rodolfo Cardoso ab sofort Cheftrainer der U23 wieder wird und er jeden Tag sehr engen Kontakt zu ihm haben will. Die U23 soll die gleiche Philosophie haben wie die Bundesligamannschaft. Zudem wird Fink den bisherigen Assistenten Frank Heinemann voll mit einbinden. „Er wird ein Teil unseres Teams bleiben. Das ist gut für das Team.“

Ob und inwieweit das personell nachgebessert werden muss, wollte Fink nicht beantworten. Dafür muss ich die Mannschaft trainieren und ein Gefühl für sie kriegen.“ Zudem wisse er, dass der HSV im Moment nicht allzu viel Geld für Verstärkungen hat. „Ich bin mit dem aktuellen Kader zufrieden. Auch wenn klar ist, dass wir was machen müssen, wenn wir irgendwann wieder höher angreifen.“ Ob dabei sein Ex-Schützling und HSV-Wunschspieler Xherdan Shaqiri eine Rolle spielen könnte. „Ich weiß, dass der FC Basel ihn nicht abgeben will. Schon gar nicht günstig. Xherdan ist für den HSV nicht finanzierbar.“

Thorsten Fink ist also da. Und wie. Als Gewinnertyp, mit Siegergen, mit Selbstvertrauen – quasi perfekt wie Arnesen sagte. Allerdings ist Fink dabei nicht arrogant. Er wandelt ganz sicher auf einem schmalen Grat, aber er zeigt auch immer wieder, dass er ein Teamplayer ist, der täglich dazulernen will. „Es gibt keinen Kredit für die Vergangenheit. Ich bin ein junger Trainer, der sich jeden Tag neu beweisen muss.“ Und einer, der bekannte Lehrer auf dem Weg zum Cheftrainer genießen durfte. „Ottmar Hitzfeld ist einer der erfolgreichsten Trainer der Welt. Er wusste, einer Mannschaft ein Hierarchie zu geben. Er war kein großer Motivator, aber immer extrem fokussiert. Er hatte die besagte Siegermentalität. Es wäre dumm gewesen, nicht auf seine Erfahrung zurückzugreifen, ihn nicht zu fragen.“ Dennoch, seine wie er selbst sagt größte Qualität hat er sich von seinem einstigen Cheftrainer bei Red Bull Salzburg angeeignet: „Ich habe bei Trapattoni als Cotrainer gearbeitet. Trap war ein Taktikfuchs. Er hat lange nicht so defensiv gespielt, wie allgemein erzählt wird. Auch wenn er bei ’ner frühen Führung in der 15. Minute mal einen Angreifer runtergenommen und einen Defensiven gebracht hat.“ Trapattoni hatte Erfolg – geht es nach Fink, weil der Italiener seine ganz eigenen Philosophie hat. Wie er heute. „Deshalb hoffe ich, dass die Mannschaft so schnell wie möglich meine Philosophie verinnerlicht und meine Vorgaben umsetzt – dann werden wir hier Erfolg haben.“

Um sich selbst binnen kürzester Zeit einen Überblick über verschaffen zu können, setzte der neue Cheftrainer für Mittwoch bereits ein Testspiel der Profis gegen die eigene U23 an. Um 16 Uhr soll der vereinsinterne Vergleich auf einem der zwei Trainingsplätze an der Imtech-Arena steigen. Zuvor sind die Offiziellen ran. Bereits morgen streift Fink ab acht Uhr durch alle Abteilungen und erwartet eine Präsentation seiner engsten Mitarbeiter. „Besonders wichtig ist mir, dass wir eine gute Analyse-Abteilung haben“, hofft Fink und trifft beim HSV mit Matthias Kreutzer auf einen der begehrtesten Video-Analysten der Liga. Zudem will sich Fink die medizinische Abteilung und die Scoutingabteilung ansehen. Angedacht ist auch ein Treffen mit dem Aufsichtsrat – allerdings noch ohne Termin.

Womit ich diesen Blog und einen begeisternden, weil sehr Optimismus verbreitenden ersten Tag mit Thorsten Fink beenden möchte. Der neue Trainer gibt sich extrem klar, selbstbewusst, fordernd und kompetent. Er ist in seiner äußerst optimistischen, selbstbewussten Art irgendwie das Gegenteil des (mir viel) zu bescheidenen und manchmal sogar richtig kleinlauten Michael Oenning. Und so sicher ich mir bin, dass der eine oder andere Spieler seine Probleme mit ihm haben wird –ich glaube daran, dass Fink dafür Lösungen findet, die den HSV voranbringen. Weil er, wie er selbst sagt, „noch richtig hungrig und voller Elan“ ist. Fink ist heiß und hat eine Philosophie, die nach vorn geht. Er versteckt sich nicht. Da stört es mich auch nicht, dass er als gebürtiger Dortmunder BVB- und auch Bayern-Fan war („Mein Vater kommt aus Landshut, da bleibt was hängen“). Zumal er keine Sekunde auslässt, glaubhaft zu erklären, für welchen Riesen er den HSV in der Bundesliga immer gehalten hat und noch immer hält. Aber vor allem: weil er glaubhaft erklärt, zu welchem Riesen er den HSV in den nächsten Jahren formen will.

In diesem Sinne, morgen geht es weiter. Dann mit Finks Assistenten Patrick Rahmen.

Scholle (16.14 Uhr)

Ich gebe die Hoffnung bei Elia nicht auf

21. April 2011

Ich gebe zu, auch ich war einer derjenigen, die gestern das spanische Pokalfinale gesehen und sich immer wieder über die teilweise unfassbaren Kombinationen und Ballfertigkeiten einiger Spieler gefreut haben. Dabei muss ich zugeben, dass das lange nicht das beste „El clasico“ war. Aber auch eine Niveaustufe tiefer als sonst hatten Barca und Real Madrid vieles zu bieten, was in der Bundesliga selten bis nie vorkommt. Auch nicht beim HSV. Schon deshalb war mein Gedankenspiel, welcher HSVer da mithalten und in keinem der beiden Weltklasseteams negativ auffallen würde, schnell beendet.

Das allerdings dann doch mit zwei Namen: Zé Roberto, ob seiner unfassbar eleganten Ballbehandlung und Handlungsschnelligkeit. Und Eljero Elia – der allerdings nur für den Fall, dass er die Form erreicht, die ihm die Experten zutrauen, die er in Hamburg aber nur auszugsweise und viel zu selten gezeigt hat.

Auch deshalb bleibt Elia, der für mich trotz aller Enttäuschungen zuletzt noch immer zu den talentiertesten Außenstürmern der Welt zählt, eine der meist diskutierten HSV-Personalien. Ich habe den Niederländer bei seiner Ankunft vor zwei Jahren als unbekümmerten, hochtalentierten Neunationalspieler und jungen Familienvater mit unglaublich hohen Zielen kennengelernt. Und das ist er heute noch. Mit dem Unterschied, dass er inzwischen Vizeweltmeister ist und seine einst formulierten Ziele in Relation zu seinen Leistungen beim HSV (diplomatisch formuliert) nicht korrespondieren. Auch deshalb erwägt inzwischen der HSV, den Außenstürmer möglichst teuer zu verkaufen. Weil man das Geld braucht – aber nicht den Elia, der aktuell in Hamburg aufläuft.

Umso gespannter war ich auf das erste Interview Elias seit Ewigkeiten, das mein geschätzter Kollege Kai Schiller mit ihm in dessen Villa an der Elbe führte. Und herausgekommen ist ein sehr nettes, lesenswertes Gespräch, das ich hier für Euch alle freischalten möchte und aus dem ich zwei lehren gezogen habe: Elia ist durchaus in der Lage, seine aktuelle Situation zu beurteilen. Und zweitens, Elia schließt erneut nicht aus, im Sommer zu gehen. Aber lest selbst:

Abendblatt: Herr Elia, Sie haben in der Rückrunde keine Interviews mehr gegeben. Haben Sie sich rar gemacht?
Eljero Elia: Ich habe mich nicht rar gemacht, aber ich habe mich sehr geärgert. Alles hat im Trainingslager in Dubai angefangen. Da wurde ich gefragt, was mein Traumverein sei. Ich habe ganz ehrlich geantwortet, dass meine Traumvereine Barcelona und Arsenal London seien und plötzlich hieß es am nächsten Tag, ich träume nur noch davon, zu Barcelona oder Arsenal zu wechseln. Sogar in den Niederlanden wurde überall berichtet, dass ich nur noch an Barcelona und Arsenal denke.
Abendblatt:Sie fühlten sich missverstanden?
Elia: Ich habe nie gesagt, dass ich zu Barcelona oder Arsenal wechseln will, schon gar nicht sofort. Aber irgendwie hat mir keiner mehr geglaubt. Als ich dann mal ein Spiel nicht so gut spielte, haben die Leute angefangen Witze zu machen. Elia spielt schlecht, träumt aber von den großen Vereinen in Europa, sagten alle. Auch in der Kabine haben sie Witze über mich gemacht, sogar der Trainer hat mich auf den Arm genommen. Ich wurde nicht mehr respektiert. Irgendwann war der Moment gekommen, wo es mir reichte. Deswegen wollte ich keine Interviews mehr geben.
Abendblatt: Ist Ihnen wichtig, was andere über sie denken?
Elia: Nein. Mir ist egal, was andere von mir halten. Wenn es mir gut geht, bin ich ein lustiger Kerl, der gerne Spaß hat. Und dann spiele ich auch gut Fußball.
Abendblatt: Wie geht es Ihnen jetzt?
Elia: Jetzt geht es mir besser. Wenn ich keinen Spaß habe, dann stimmt auch irgendetwas nicht, dann bin ich nicht gesund. Aber diese Phase habe ich endlich abgehakt.
Abendblatt: Haben Sie aus dieser Phase gelernt?
Elia: Ich sage weiter, was ich denke und probiere dabei, immer ehrlich zu sein. Aber ich will mir meine Träume nicht nehmen lassen.
Abendblatt: Gibt es jemanden, den Sie manchmal um Rat bitten?
Elia: Ich spreche sehr viel mit meinem Berater Frank Schouten. Sein Rat ist mir wichtig. Wir sprechen nicht nur über Fußball, sondern auch über Privates. Ich will mir zum Beispiel gerade ein Haus in Holland kaufen, dabei hilft er mir. Er sorgt dafür, dass ich mich für die Zukunft absichere.
Abendblatt: Sie sind erst 24 Jahre alt, haben aber schon eine zwei Jahre alte Tochter. Fühlen Sie sich manchmal überfordert?
Elia: Ich fühle mich nicht überfordert, aber am Anfang war es schon sehr hart. Ich bin mit 22 Jahren Vater geworden und in ein fremdes Land gewechselt. Damals wuchs mir schon das eine oder andere über den Kopf. Mir fehlten meine Freunde und meine Familie. Aber nach und nach wurde es einfacher. Meine Tochter Sael ist das Wichtigste in meinem Leben.
Abendblatt: Sind Sie ein strenger Vater?
Elia: Nicht wirklich. Letztens hat Sael mit roten Filzstiften auf unserer weißen Wand gekritzelt. Ich konnte ihr aber einfach nicht böse sein.
Abendblatt: Wie ist die Rollenverteilung im Hause Elia?
Elia: Natürlich kümmert sich meine Freundin etwas mehr um die Kleine. Aber wenn Sael nachts schreit, dann wechseln wir uns ab.
Abendblatt: Wird auch in der Kabine über Erziehungsmaßnahmen gesprochen?
Elia: Wir haben viele junge Papas in der Mannschaft. Natürlich reden wir auch über unsere Kinder. Aber es geht weniger darum, wo man die billigsten Pampas kaufen kann. Darüber unterhalten sich wohl eher unsere Frauen.
Abendblatt: Hat Ihre Freundin ein Mitspracherecht, ob Sie zu einem anderen Klub wechseln?
Elia: Nein. Natürlich reden wir über alles, aber am Ende muss ich entscheiden.
Abendblatt: Ist es möglich, dass dieses Ihr letztes Interview in Hamburg war?
Elia: Wie kommen Sie darauf?
Abendblatt: Seit Wochen wird darüber berichtet, dass Sie im Sommer verkauft werden sollen.
Elia: Das habe ich auch gelesen, aber ich weiß von nichts. Ich habe weder mit Bastian Reinhardt noch mit Frank Arnesen geredet. Über meine Zukunft wird erst im Sommer entschieden.
Abendblatt: Was wünschen Sie sich?
Elia: Ich will nur eines: Fußball spielen und glücklich sein.
ENDE

Kein Gespräch mit den Sportchefs? Das klingt seltsam. Allerdings schließt Elia damit auch nicht aus, dass sein Berater mit Arnesen und Reinhardt gesprochen hat. Und dem Vernehmen nach würden beim HSV alle gern weiter auf Elia setzen und hoffen auf den großen Durchbruch. Allerdings würde in der aktuellen Finanzsituation der Bedarf, eine teure Ablösesumme zu kassieren, überwiegen. Womit dann ein weiterer Spieler, dem man überdimensionales Potenzial nachsagt, gehen würde. Unverrichteter Dinge – wie zuvor schon Piotr Trochowski…

Ebenfalls wirkungslos, zumindest am Sonnabend in Stuttgart, bleiben Joris Mathijsen (Knöchel), Jonathan Pitroipoa (Muskelbeschwerden) und Marcell Jansen (Hüftbeuger), die heute allesamt fehlten und frühestens morgen im Abschlusstraining einsteigen können. „Es wird ganz eng. Eine einzige Einheit reicht wahrscheinlich nicht“, sagt Trainer Michael Oenning, der sich allerdings auch rechtzeitig über zwei Rückkehrer freuen durfte. Guy Demel und Mladen Petric. Beide trainierten voll mit und sollen auch beim VfB einsatzbereit sein.

Ebenso wie Elia, von dem ich persönlich hoffe, dass er zeigt, was viele in ihm wähnen. Und dass er so dem HSV noch lange erhalten bleibt.

In diesem Sinne, Euch allen ein schönes Osterfest und ein paar erholsame Tage mit Blogvater Dieter und einem Auswärtsdreier bei Bruno…

Scholle

18.25 Uhr

P.S.: Am Freitag wird um 13 Uhr an er Imtech-Arena trainiert.

Schluss mit Nachtrauern

1. September 2010

Habt Ihr den gestrigen Tag und die Nachwehen des Wechselirrsinns auch so gut überstanden wie ich? Ist es nicht herrlich, wie ruhig die Telefone heute wieder sind? Ich genieße es wirklich, auch wenn es jetzt natürlich noch einiges aufzuarbeiten gibt. Angefangen bei den Transfers, die noch über die Bühne gegangen sind, bei denen ich noch einige Infos schuldig geblieben war. David Rozehnal wechselt zunächst auf Leihbasis nach Lille. Die Franzosen zahlen keine Leihgebühr, der HSV übernimmt sogar noch einen Teil seines Grundgehalts. Das stellt einmal mehr unter Beweis, welch geringen Stellenwert der Tscheche bei Trainer Armin Veh zuletzt noch hatte.

Wolfgang Hesls Abgang habe ich übrigens total verschwitzt. Der dritte Torwart wurde an den SV Ried in die österreichische Bundesliga verliehen. Für ein Jahr, meines Wissens auch ohne eine nennenswerte Leihgebühr. In Österreich soll „Wolle“ reifen und Spielpraxis sammeln, um dann möglichst zur nächsten Saison der Nummer eins in Hamburg (dann vielleicht nur Jaroslav Drobny) Dampf zu machen. In dieser Saison, das war ja eigentlich schon mit Drobnys Verpflichtung klar, hätte Hesl kaum Chancen für eine Berücksichtigung bei den Profis gehabt. Zuletzt kam er ja auch ausschließlich bei Rodolfo Cardosos Amateuren zum Einsatz.

Und nun noch einmal Rafael van der Vaart. Ja, es ist richtig, dass sich der HSV um den Niederländer bemüht hat. Ja, es ist auch richtig, dass Bernd Hoffmann den Edeltechniker und Torgaranten liebend gerne zurück an die Elbe gelotst hätte. Aber ebenso richtig ist es halt auch, dass die Chancen für einen Transfer van der Vaarts zum HSV in den vergangenen Wochen nie höher als zehn Prozent lagen. Sportchef Bastian Reinhardt hat das ja auch mehrfach angemerkt, aber hier in Hamburg mag das offenbar niemand hören. Wenn ich jetzt die vielen Kritiker höre und lese, die dem HSV-Vorstand in Bezug auf den „kleinen Engel“ Versäumnisse vorwerfen, von einer vertanen Großchance reden und mit dem Kopf schütteln, dass van der Vaart für eine Ablöse in Höhe von zehn Millionen Euro nach Tottenham gegangen ist, dann muss ich schon mächtig durchschnaufen um nicht selbst ins Kopfschütteln zu verfallen.

Van der Vaart wollte gar nicht zurück nach Hamburg. Zudem sind die besagten Kritiker leider meist auch die ersten, die nach einigen Misserfolgen und schlechteren Wirtschaftszahlen dem gleichen HSV-Vorstand Missmanagement vorwerfen würden. Uns allen, die wir (und da zähle ich mich dazu) Rafael van der Vaart liebend gerne wieder im HSV-Trikot gesehen hätten, muss immer wieder bewusst gemacht werden oder sein: Der HSV ist angesichts der aktuellen internationalen Wettbewerbsflaute finanziell keinesfalls mit rosigen Einnahmeerwartungen ausgestattet. Der aktuelle Kader ist teuer und hochwertig besetzt. Ein Van-der-Vaart-Deal hätte ein bei einem Dreijahresvertrag (Real wollte unbedingt verkaufen) mindestens 25 Millionen Euro mit allen Nebengeräuschen verschlungen, und dieses unkalkulierbare Risiko kann und will von den HSV-Machern niemand eingehen. Ganz abgesehen davon, dass Tottenham noch einige Zusatzreize (z.B. Handgeld, Sonderprämienzahlungen) in sein Vertragswerk integriert haben soll.

Ich persönlich habe mich damit abgefunden, dass die seinerzeit sensationelle Verpflichtung van der Vaarts von Dietmar Beiersdorfer ein Überraschungscoup mit anschließendem Genuss während der Spielzeiten war. Wie oft habe ich nach Toren des „kleinen Engels“ mit der Zunge geschnalzt, und wie oft habe ich mich gefragt, wie die HSV-Macher so einen Spieler überhaupt zum Wechsel an die Elbe bewegen konnten?! Nun bin ich gespannt, ob sich van der Vaart auch in der Premier League durchsetzen kann. Ich habe einige Zweifel bezüglich seiner Geschwindigkeit, aber andererseits hat ihn auch die Härte der Bundesliga nicht aus dem Tritt gebracht. Er hat mitunter genial gespielt und getroffen. Ich wünsche ihm alles Gute beim Ex-Verein von Martin Jol.

Schluss mit dem Nachtrauern, das sollten wir alle beherzigen. Schauen wir doch einfach mal auf den vorhandenen Kader. Dort sehe ich natürlich auch noch einige Baustellen und Fragezeichen, aber ich sehe keinerlei Gründe, warum wir uns nicht mit den Topvereinen der Liga messen können sollten. Die Hamburger Defensive gewinnt zunehmend an Stabilität, das Mittelfeld ist vielseitig und für alle Bedarfsfälle besetzt, und eine personell derartig hochkarätig besetzte Abteilung Attacke würde sich mancher Champions-League-Teilnehmer in Europa wünschen.
Wie fandet Ihr Petrics Reaktion auf den geplatzten Stuttgart-Wechsel? Ich habe nach seiner zum Ausdruck gebrachten Enttäuschung in den Hamburger Medien erst ein bisschen gegrollt, aber dann habe ich es auch wieder sein lassen. Lasst ihn doch eine Woche schmollen und in Ruhe, dann wird er anschließend schon wieder und umso schneller in die Spur zurückfinden. Petric ist ein Vollprofi, mit allen Wassern gewaschen. Dass er sich jetzt hinstellt und so tut, als müsse er zu einem Arbeitgeber zurückkehren, der ihn gerne abgegeben hätte, ist nur ein Teil der persönlichen Frustbewältigung.

Zumal es überhaupt nicht den Tatsachen entspricht. Ich habe schon häufiger mit Armin Veh und auch mit Bastian Reinhardt über den Kroaten gesprochen. Beide halten viel von ihm und würden seine Qualitäten nicht freiwillig aus den eigenen Reihen verbannen. Interessant und brenzlig wäre es geworden, wenn Stuttgart sieben oder mehr Millionen für Petric geboten hätte. Dann hätte es nämlich zu einigen internen Differenzen zwischen wirtschaftlichen und sportlichen Verantwortungsträgern kommen können, was eine Zustimmung oder Ablehnung in Sachen Transferfreigabe betrifft. Und mittendrin der Aufsichtsrat. Heißa, das wäre wieder hoch hergegangen. Aber zum Glück blieb und bleibt uns das vorerst erspart.

So, das war es heute von mir. Vom Training kann ich nicht viel berichten. Nach dem 5:1-Testspielsieg gegen den SC Victoria fuhr die Mannschaft zum Ausradeln in den Volkspark. Warum Paolo Guerrero alleine in den Wald joggte, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen, ist aber bestimmt nichts Schlimmes. Vielleicht ja Rad-Angst… Nein, Spaß beiseite. Die größte Neuigkeit vom HSV-Gelände ist wahrscheinlich die, dass die riesigen Knaack-Kräne samt Mitarbeitern in luftiger Höhe begonnen haben, die Vorarbeiten für die Buchstabenbestückung des Arena-Daches vorzunehmen. Dann wird aus der HSV-Heimstätte bald wirklich die endgültige Imtech-Arena.

12:52 Uhr

Muntere Wechselspielchen

30. August 2010

Es ist zum Aus-der-Haut-Fahren. Heute bimmelt mein Handy ununterbrochen, es grenzt fast schon an akustische Belästigung, was ich meinem Umfeld zumute. Auch meine Erklärung, dass das so kurz vor Transferschluss normal sei, trifft es wohl nicht so richtig. Denn so schlimm wie jetzt war es noch nie zuvor. Man könnte fast meinen, dass richtig viele Matz-abber und noch mehr Berater, Experten, Beobachter und Journalisten unter akutem Wechselfieber leiden. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass derzeit jeder personelle Stein beim HSV umgedreht wird. Wer kann noch wechseln, wer wird noch wechseln, wer könnte für wen wechseln und so weiter. Indizien gibt es viele, unterschiedliche Interpretationen noch viel mehr. Und mittendrin stehe ich nun in einem Wust aus Beobachtungen, Vermutungen, Schlussfolgerungen und Behauptungen und soll für Klarheit sorgen.

Ich sage es Euch, wie es ist: Ich würde gerne Licht ins Dunkel bringen und Euch gerade heraus erzählen, um welche Spieler es tatsächlich noch Wechselszenarien gibt, aber ich kann es nicht. Ich kann nur mit ein paar Halbwahrheiten aufräumen und mit Euch in die Diskussion treten, wer tatsächlich für einen Transfer vorm morgigen Ablauf der Wechselfrist in Frage kommt.

Einer der meistgenannten Profis aus dem aktuellen HSV-Kader ist ja Mladen Petric, weil Trainer Armin Veh ihn in Frankfurt 90 Minuten auf der Bank schmoren ließ. Kaum verwunderlich, dass Petric frustriert die Reise zur kroatischen Nationalmannschaft antrat. Meine Kollegen von der Mopo fragten sogar schlagzeilenträchtig, ob Petric rausgeekelt werden soll.

Ich bin zwar nicht Armin Veh und auch nicht Bastian Reinhardt, aber Petric dürfte nach sportlichem Ermessen wirklich nur im äußersten Ernstfall, also einem unmoralischen Angebot in Millionenhöhe, zum Verkauf stehen. Warum? Ganz einfach: Weil die Wahrscheinlichkeit, dass Torgarant Ruud van Nistelrooy 34 Ligaspiele plus sieben Pokalpartien ohne Verletzungspause, Gelbsperre (wegen Jubelarien) oder Formtief durchhält, nicht gerade groß ist. Und welche fast gleichwertige Strafraumstürmervariante hat der HSV denn noch? Richtig. Niemanden außer Petric. Und Alternativen liegen auf dem Markt derzeit nicht gerade herum wie das erste Herbstlaub.

Und so, wie ich Armin Veh bislang kennen gelernt habe, wird er einen Mann wie Petric auch nicht ohne Ersatz ziehen lassen. Eric Maxim Choupo-Moting ist noch zu grün hinter den Ohren, Paolo Guerrero ist ein gänzlich anderer Typ – und in der Bundesliga haben die Nachwuchstalente nun einmal null Eingewöhnungszeit. Sie müssen funktionieren, oder sie scheitern.

Habt Ihr es gemerkt? Bis zu dieser Zeile habe ich es geschafft, den Namen Rafael van der Vaart aus diesem Beitrag herauszuhalten. Nicht, weil ich ihn nicht mag. Auch nicht, weil ich ihn nicht für HSV-tauglich hielte, sondern weil ich weiß, dass die meisten von Euch sehnsüchtig auf Neuigkeiten zum „kleinen Engel“ warten und ich Eure Spannung noch ein bisschen steigern wollte. Es gibt Informanten, die behaupten, dass der HSV wirklich ganz kurz vor einer Einigung mit dem Niederländer stehen soll. Und es gibt auch genauso viele, die mir berichtet haben, dass sich van der Vaart über die Hamburg-Wechselgerüchte nur amüsiere. Von Hamburg nach Madrid, danach könne es keine Rückkehr in die Elbmetropole geben, sagen sie. Allerdings weiß er natürlich, was er an Hamburg und dem HSV hat.

Armin Veh wäre der Letzte, der sich gegen einen Van-der-Vaart-Kauf wehren würde. Gute Fußballer, das weiß jeder Trainer, kann man nie genug haben. Allerdings weiß er auch, dass sich dieser Deal im aktuellen Zustand nicht realisieren lässt. Mindestens ein Spieler müsste den Verein verlassen, der erstens den Gehaltsrahmen entlasten würde, außerdem möglichst viel Ablöse erzielt. Und wer sind da die Kandidaten (neben Petric, wie ja eben schon ausführlich behandelt)? Meines Erachtens kämen nur drei bis vier Spieler theoretisch in Frage:

1. Piotr Trochowski, weil er als deutscher Nationalspieler gefragt ist und auf seiner Lieblingsposition zentral hinter der Spitze überflüssig wäre, wenn ein van der Vaart käme. Zumal es mit Paolo Guerrero und Petric weitere Alternativen für diesen Posten gäbe.

2. Dennis Aogo, weil viele Klubs nach guten Linksverteidigern Ausschau halten, der HSV derer sogar zwei aus der DFB-Auswahl im Kader hat. Und für den zuletzt verletzt ausgefallenen Aogo soll es ja sogar Anfragen aus Italien gegeben haben. Allerdings gilt einschränkend anzumerken, dass es keinen konkurrenzfähigen Ersatz für Marcell Jansen links hinten gibt, was sich zuletzt bei der Notvariante mit Eljero Elia schon gezeigt hat.

3. Eljero Elia, weil der Niederländer mit Turbo-Antritt nicht nur dank der WM auf sich aufmerksam gemacht hat und eine Mega-Ablöse von bis zu 20 Millionen Euro erzielen könnte. Für seine Position hat der HSV mit Jansen eine Alternative. Allerdings würde sein Verkauf meines Erachtens ganz eindeutig gegen ein Votum des Trainers erfolgen. Veh steht auf Elia und weiß, dass der Oranje-Kicker in dieser Saison noch eine ganz wichtige Rolle einnehmen wird – vor allem in den Duellen mit den ambitionierten Ligagrößen.

So, das war es erst einmal zum Wühlen im Transfermatsch. Es kann durchaus sein, dass ich schon in wenigen Stunden meine Worte fresse und wir alle überrascht werden, weil plötzlich doch noch ein Spieler wechselt, mit dem aktuell gar keiner rechnet. Vielleicht geht Jaroslav Drobny ja nach Stuttgart, die Schwaben haben akuten Bedarf. Oder Mladen Petric geht im Tausch für Grafite nach Wolfsburg. Oder oder oder…

Morgen, da bin ich mir sicher, wird es noch einmal einen solchen Spekulationssalat geben. Aber damit werden wir auch noch zu recht kommen. Hauptsache, die aktuelle Erfolgswelle nimmt nicht so schnell ab. Falls Ihr morgen noch nichts vorhabt: Denkt daran, um 19 Uhr tritt der HSV beim SC Victoria gegen den Oberliga-Abomeister zum Freundschaftsspiel an. Mal sehen, was sich bis dahin getan hat.

18:11 Uhr

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