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Huub Stevens glaubt an den HSV in der Europa League – und an Jeffrey Bruma

22. April 2013

Er sitzt gerade im Garten seines Anwesens in Eindhoven, als ich ihn erreiche. Im Hintergrund zwitschern die Vögel, er selbst sagt, er habe gerade den Garten wieder auf Vordermann gebracht und um ihn herum spielen seine Enkelkinder. Es ist einer der Momente, in denen der ehemalige HSV-Trainer Huub Stevens voll aufgeht. Es zeige ihm, dass es ein Leben ohne Fußball gibt. Ihm, der das eigentlich ausgeschlossen hatte. „Ganz ohne würde ich gar nicht wollen“, hatte Stevens vor seinem Abschied aus Hamburg gesagt. Allerdings, und das macht Stevens im Interview klar, diese Woche zählt König Fußball noch mal mehr als sonst. Zunächst mit den Champions-League-Halbfinals Bayern gegen Barca und anschließend Dortmund gegen Real Madrid. Aber vor allem wegen des Duells seiner zwei Ex-Klubs am Sonntag. Denn da gastiert der HSV beim FC Schalke Das Interview:
Hamburger Abendblatt: Herr Stevens, geht es Ihnen ohne Fußball gut?
Huub Stevens: Blendend. Perfekt sogar. Ich spiele mit meinen Enkelkindern und kümmere mich um meinen Garten. Mehr geht nicht.
Außer einen Trainerjob.
Stevens: Nein, das kann – muss aber
nicht. Ich bin in der luxuriösen Situation, es mir aussuchen zu können. Ich nehme nicht mehr alles an, wie ganz am Anfang meiner Trainerzeit. Es muss alles passen. Das ist im Moment nicht so, deshalb sitze ich mit meinen Enkeln im Garten und bin glücklich. Vielleicht bleibt das ja auch so.
Am Sonntag werden Sie aber sicherlich Fußball sehen.
Stevens: Klar. Schalke gegen HSV – das hat noch Priorität.
Wer gewinnt?
Stevens: Es wird ein enges Spiel. Schalke ist zu Hause gut, der HSV auswärts. Und beide haben große Ziele.
Realistische?
Stevens: Na klar. Schalke steht gut da. Ich habe doch selbst noch an der Mannschaft mitgewirkt und weiß, was sie kann. Diese Mannschaft muss sich für die Champions League qualifizieren.
Muss?
Stevens: Ja, sportlich. Aber auch finanziell. Der Klub hat vor einigen Jahren sehr viel im Voraus finanziert und in den letzten Jahren keine großen Sprünge machen können. Die Schuldenlast ist groß. Und das ist heute nicht anders.
Beim HSV leider auch nicht.
Stevens: Stimmt. Aber in Hamburg konnte man zu Saisonbeginn noch mal ordentlich investieren. Und das völlig zu Recht. Ein Rafael van der Vaart war sehr teuer – aber das Risiko wert. Diese HSV-Mannschaft brauchte den Führungsspieler und hat ihn jetzt.
Auch, weil van der Vaart anstelle Heiko Westermanns zum Kapitän befördert wurde?
Stevens: Auch. Heiko war ein guter Kapitän, aber eben in allen Belangen ein ganz anderer Typ. Rafael ist schon sportlich ein Leitwolf, der junge Leute wie Heung Min Son führt. Son wird auch besonders durch Rafael besser. Durch einen van der Vaart in der Verantwortung trittst du innerhalb der Mannschaft einfach etwas los, weil alle auf ihn hören.
Wo landet der HSV am Ende?
Stevens: In der Europa League. Die Mannschaft scheint intakt. Es herrscht wieder positive Stimmung. Das passt.
Wieder?
Stevens: Ja, wie damals. Als ich ging dachte ich, der HSV würde sich so weiterentwickeln, auf internationalem Niveau. Dem war nicht so. Dieses Jahr hat man das mit viel Geld versucht zu korrigieren – und es scheint aufzugehen. Jetzt hoffen alle in Hamburg. Das ist wieder positiv. Zwischendurch in dieser Saison schienen aber sehr viele vergessen zu haben, woher der HSV gerade kommt. Die waren enttäuscht, wenn der HSV nicht unter den ersten Sechs war. Das ist jetzt nicht mehr so. Die Verantwortlichen arbeiten gut, sie bewahren die Ruhe. Und aus der Ferne geurteilt, scheint Thorsten Fink die Mannschaft gut zu erreichen. Das kann auf Sicht gut funktionieren.
Wenn personell nachgerüstet wird. Innenverteidiger Felipe Santana von Borussia Dortmund ist bei beiden Klubs Thema. Wer braucht ihn mehr?
Stevens (lacht): Felipe habe ich schon zu meiner Zeit bei Schalke da ins Gespräch gebracht, der Junge ist gut. Beide können ihn gut gebrauchen. Schalke als Ersatz für Metzelder. Wobei ich beim HSV mit Mancienne und vor allem Bruma zwei Verteidiger neben Westermann sehe, die das Potenzial haben. Sie müssen aber langsam wach werden und jetzt zeigen, dass sie es wirklich können.
Bruma wurde mitgeteilt, dass er im Sommer nicht verpflichtet wird.
Stevens: Ja, weil er sich nach zwei Jahren nicht durchgesetzt hat, was sehr erstaunlich ist. Das hätte er schaffen müssen. Das kann nur mentale Gründe haben. Jeffrey hat wirklich alles. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Hamburg einen Innenverteidiger gibt, der besser ist. Aber er muss das dem Trainer auch zeigen. Das hat er wohl nicht. Und das ist sehr schade. Für alle.
Dortmund und Bayern marschieren in der Bundesliga vorneweg. Sind die beiden aufzuhalten?
Stevens: Nein, in den nächsten Jahren nicht. Auch nicht von Schalke. Die können in den nächsten Jahren da oben nicht mitmischen und sollten versuchen, sich zwischen Rang drei und sechs einzuleben. Beim HSV ist das immer so eine Sache. Bleibt’s ruhig und die Leute dürfen konstant arbeiten, ist vieles drin. Allerdings erst mal ab Rang drei.
Wer gewinnt denn die Champions League? Bayern? Dortmund?
Stevens: Der Gewinner der Partie Bayern gegen Barcelona. Das ist das vorweggenommene Endspiel, wobei ich jetzt eine große Chance für ein deutsch-deutsches Finale sehe, Dortmund gegen Real Madrid sehr gute Chancen hat. Es wird ein spannendes Duell Deutschland gegen Spanien. Besonders für die Leute, die sich für Spielsysteme interessieren. In den Duellen wird alles zu sehen sein.

Klingt wirklich so, als würde sich Huub Stevens noch immer sehr mit seinem HSV beschäftigen. Und gerade was Bruma betrifft, war Stevens tatsächlich extrem enttäuscht von seinem Landsmann. Er sei eines der größten Talente in den Niederlanden, so Stevens weiter, das sei landesweit in den Niederlanden bekannt. Am größten war seine Enttäuschung, glaube ich, auch, weil die Niederlande nicht zwingend mit großartigen Innenverteidigern in der Nationalelf ausgestattet sind.

Wobei ich Stevens auch sagte, dass es gut sein kann, dass Bruma am Sonntag in Gelsenkirchen spielen muss. Immerhin fällt Dennis Diekmeier gelbgesperrt aus. Und ich kann mir nach den zuletzt gezeigten Schwächen bei Standards nur schwer vorstellen, dass Fink sich für den kleinen Zhi Gin Lam und gegen den kopfballstarken Bruma entscheidet.

Aber egal wie, eine Zukunft – das stand hier im Blog exklusiv vor Wochen – hat Bruma in Hamburg offenbar nicht mehr. Ihm wurde bereits von Sportchef Frank Arnesen mitgeteilt, dass der HSV keine Mühen unternimmt, ihn beim FC Chelsea herauszukaufen. „Der HSV hat kein Geld dafür“, hatte mir Bruma gesagt. „Der Sportchef hat es mir gesagt, mein Berater weiß auch Bescheid – jetzt schauen wir, wie es weitergeht. Ich wäre gern geblieben, aber ich muss jetzt zusehen, dass ich die Saison ordentlich bis zum Ende spiele und mich dann anders orientiere.“

In diesem Sinne, ich orientiere mich gen Feierabend. Bis morgen. Da wird um 10 Uhr an der Arena trainiert, ehe es am Abend um 18 Uhr zum Landesligisten TSV Winsen geht.

Scholle

P.S.: Solltet Ihr noch ein paar Foto- und Videobeweise vom Matz-ab-Treffen am vergangenen Freitag wünschen, kopiert einfach den unten stehenden Link. Der leitet Euch weiter auf unsere noch relativ frische Facebook-Seite. Da sind ein Video (Scheel sieht den HSV in der Europa League) und einige Fotos drauf. Schade, dass sich mein Akku so früh verabschiedet hatte, ich hätte noch viel mehr Bilder und Videos machen können/wollen. Aber okay, nächstes Mal! Hier erst mal der Link: https://www.facebook.com/groups/matzab

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