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Eine Chance gegen Bayern? So niemals.

30. April 2014

Gesund ist er. „Mir geht es sehr gut“, sagte mir Rafael van der Vaart nach dem heutigen Training. Dass er sich während der Vormittagseinheit immer wieder an den Oberschenkel fasste – kein Thema. „Nein, es ist tatsächlich alles gut. Das war nur Kontrolle“, lachte der Hoffnungsträger von HSV-Trainer Mirko Slomka nach einer erstaunlich ruhigen Trainingseinheit. Kein Gemecker, keine lauten Ansagen von Slomka. Und keine harten Zweikämpfe im langen Abschlussspiel – leider. Einzig ein unglücklicher Pressschlag von Ivo Ilicevic, der bei Tomas Rincon „drüberhielt“ ließ erhöhte Verbissenheit vermuten – und war es letztlich dennoch nicht.

Für Abendblatt-Blogs


Nein, es war heute seltsam ruhig. Angestrengt ruhig. Trotz eines van der Vaarts, der bemüht war, alle Zweifel an seiner Person wegzuwischen. Wobei, dieser Abstecher sei mir erlaubt, ich muss eines klarstellen: Der Abendblatt-Artikel meines Kollegen Kai Schiller trägt auch meinen Namen, weil einige Fakten darin von mir beigesteuert wurden. Allerdings ist es wie so oft bei zwei verschiedenen Menschen auch bei mir und meinem geschätzten Kollegen so, dass wir uns nicht in allem gänzlich einig sind. Ich persönlich halte van der Vaart nicht für das teuerste Missverständnis der HSV-Geschichte. Auch wenn sich andere Leute darin einig sind.

Nein, EINEN Sündenbock hat diese HSV-Misere ganz sicher nicht. Und wenn es Hauptschuldige gibt, dann sind es erst ganz unten in der Kette diese Spieler.

Allerdings bin auch ich massiv von van der Vaarts Wirken in dieser Saison enttäuscht. Überrascht bin ich weniger, denn schon in der vergangenen Saison hatte der Niederländer mehr durch seinen Auftritt an sich denn durch sein fußballerisches Wirken helfen können. Auch, weil ihm von Trainer- und Sportchefseite zu viele Freiheiten eingeräumt wurden. Er kennen seinen Körper ja „selbst am besten“ war eine standardisierte Antwort der verantwortlichen, die wider besseres Wissen handelten. Denn van der Vaart konnte seine Freiheiten nicht annähernd so gut einschätzen, wie erhofft. Und die Folgen sieht man jetzt.

Dass sein End ein Hamburg beschlossen ist, dem widersprach van der Vaart heute. Auch sein Sohn sei noch lange nicht in der Schule abgemeldet. „Er wird weiter dort zur Schule gehen“, so van der Vaart, „und ich habe nichts anderes geplant, als hier in Hamburg zu spielen“

Allerding geht’s nicht immer so, wie man gern will. Das weiß van der Vaart nur zu gut. „Es ist natürlich schwer für uns. Jetzt wird’s eng. Aber die Chancen sind noch immer gut. Nur müssen uns jetzt voll auf den 16. Platz fokussieren.“ Was mit ihm passiert, wenn der HSV absteigt – es ist ein offenes Geheimnis. Obgleich van der Vaart versucht, eine Antwort zu umgehen: „Ich habe überhaupt noch nicht über die Zweite Liga nachgedacht. Aber ich weiß, keiner will da spielen. Schon deshalb müssen wir einfach drin bleiben.“

Mit einem Sieg gegen die Bayern. Die seien verunsichert ließ ausgerechnet der einzig Unfehlbare im deutschen Fußball, Franz Beckenbauer, nach dem 0:4 gegen Real Madrid wissen. „Wenn der HSV diese Chance nicht nutzt, gegen eine so angeschlagene Mannschaft wie den FC Bayern zu gewinnen, dann gehören sie in die zweite Liga”, sagte Beckenbauer nach dem Debakel gegen Real. Einer, der offenbar zugehört hat, ist Olver Kreuzer. Heute morgen war der Sportchef bei meinem Blog-Kollegen und NDR-Reporter Lars Pegelow zu Gast. Und er wirkte deutlich kampfeslustiger als noch zu Wochenbeginn: „Der Stachel sitzt tief beim FC Bayern nach der Pleite gegen Real. Die werden sicher keine große Lust haben, am Freitag in den Flieger nach Hamburg zu steigen. Wir können und wollen die Bayern ärgern“, sagte der frühere Bayern-Verteidiger im Radio-Interview mit NDR 90,3.

Und wisst Ihr was? Das MUSS der HSV. „Wir können nur hoffen, dass wir einen super Tag haben und die Bayern gerade nicht“, phrast van der Vaart – und ich nehme es ihm nicht einmal übel, weil auch mir nichts mehr einfällt. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo der Vorteil ist“, so van der Vaart eher skeptisch. „Die dürfen auch nicht zweimal in Folge verlieren. Daher: Wir können zwar hoffen, dass die angeschlagen sind, aber geschenkt bekommen wir nichts.“

Stimmt.

Und gerade deshalb wundere ich mich über derart lustloses Training wie heute. Denn am Nachmittag wurden eher unmotiviert Passübungen absolviert, während van der Vaart und Calhanoglu Freistöße übten. Bitter. Nein: Schlimm. Und damit schließe ich diesen Blog für heute. Fassungslos.

Scholle

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