Archiv für das Tag 'Rauball'

Was Adler bei Hummels rausgehört hat

8. Februar 2013

Der Trainer hat angekündigt, dass er etwas dagegen unternehmen wird, und auch alle Spieler wissen offensichtlich, was Sache ist. Deshalb kann die erste Halbzeit morgen in Dortmund vom HSV nicht wieder verschlafen werden. Alle sagen unisono: „Wir müssen von der ersten Minute an Vollgas geben und konzentriert sein, sonst wird es nichts.“ Das ist genau die richtige Einstellung. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt – so lautete früher mal ein Werbeslogan gegen Unfälle im Betrieb und auch daheim. Gilt aber wahrscheinlich auch für Bundesliga-Auswärtsspiele. Die gute Nachricht für die Fink-Mannschaft gab es schon an diesem Vormittag, denn Torwart Rene Adler wird spielen können. „Es tut zwar noch ein wenig weh, die Stelle ist auch grün und blau, ist auch ein bisschen eingeblutet, aber ich denke mal, dass da nicht viel kaputt gehen kann. Ich kann mit Schmerzen umgehen, und wenn ich spiele, dann spiele ich auch zu 100 Prozent“, sagt und verspricht Adler vor dem Dortmund-Spiel, das um 15.30 Uhr angepfiffen wird.

Bei der Gelegenheit: Es gibt nach dieser Partie auch wieder ein „Matz ab live“, wir, „Scholle“ und ich, haben einen ganz großen Gast für diese Sendung gewinnen können, ein Mann, der schon mit beiden Vereinen zu tun hatte, der aber die Raute fest in seinem Herzen verankert hat. Wir freuen uns auf Thomas Doll.

Zurück zu Rene Adler. Er scheint nach dem Nationalmannschafts-Comeback immer noch auf Wolke sieben zu schweben. Nicht dass er die Realität verloren hätte, das ganz sicher nicht, aber diese 90 Minuten von Paris, die ja auch mit einem etwas überraschenden Erfolgserlebnis endeten, haben ihm zusätzliches Selbstvertrauen gegeben. Auch wenn das alles unheimlich schnell geht: „Ich freue mich über dieses Spiel, aber ich habe einen Tag gebraucht, um wieder ein wenig runter zu kommen, denn die Anspannung bei einem solchen Spiel ist schon ein bisschen größer. Man schläft danach nur ein paar Stunden, am nächsten Tag gibt es Ärger mit der Rückreise, zwei Flüge werden gestrichen, ich muss nach München, von dort geht es ohne Gepäck, das verschwunden war, verspätet weiter nach Hamburg – das war schon ein wenig Theater. Und dann habe ich mich behandeln lassen, ein bisschen trainiert – und dann war der Tag schon wieder rum. Heute dann Abschlusstraining und Anreise nach Dortmund – und dabei kann man die Spannung auch kein bisschen runterfahren. Du läufst immer auf Hochtouren, aber das muss auch so sein, denn man spielt schließlich beim Meister, und da muss man schon top konzentriert sein und dir alles abverlangen, damit du ein gutes Spiel machen kannst. Aber grundsätzlich ist es schon so, ein solches Länderspiel gibt dir Selbstvertrauen und man nimmt auch positive Gefühle mit“, sagt Rene Adler.

Dortmund – da war doch mal was. Am 22. September 2012 gewann der HSV sein Heimspiel 3:2. Und für mich ist das noch immer mit einer Weltklasse-Leistung von Rene Adler verbunden. Mit diesem Sieg begann der bis dahin punktlose HSV seine Aufholjagd, und Rene Adler stieg wie Phönix aus der Asche wieder zur alten Stärke auf, die ihn einst zur Nummer eins in Deutschland hatte werden lassen. Was Adler allein in den letzten zehn Minuten das Dortmund-Hinspiels hielt, war überragend und einfach nur klasse. Zum morgigen Spiel sagt der Nationalkeeper: „Nach einem verlorenen Spiel fahren wir jetzt mit den Ambitionen, dort ein gutes Spiel abliefern zu wollen, und dann gucken, was dabei rumkommt. Wir sind nicht so vermessen, dass wir dorthin fahren und sagen, dass wir die unbedingt schlagen müssen, dass wir Dortmund weghauen wollen. Dass das geht, dass haben wir im Hinspiel gezeigt, dass man mit einer Top-Leistung auch gegen Dortmund punkten kann, aber wir müssen mit einer engagierten Leistung mal schauen, dass wir die Fehler, die jeder von uns zuletzt gemacht hat, minimieren können, dass jeder top konzentriert dort auftritt und Spaß daran hat, vor 80 000 Zuschauern zu spielen. Gegen eine Top-Mannschaft müssen wir uns auf Top-Niveau beweisen, und wenn wir es schaffen, dass jeder an seine Leistungsgrenze herankommt, dann bin ich davon überzeugt, dass die Möglichkeit für uns besteht, in Dortmund zu punkten. Aber keine Frage, es wird natürlich schwer.“

Das ist auch keine Frage, dass das auch jeder HSV-Fan weiß. Und wenn die Mannschaft so auftritt, wie jetzt beschrieben, es hinterher dann aber doch nur eine Niederlage gegeben hat – dann wird der HSV-Anhang auch damit leben können. Die Hauptsache ist doch, dass sich die Mannschaft von ihrer besten Seite zeigt und alles gibt – und wie gesagt, von der ersten Minute an.

Rund um das Länderspiel in Paris hatte Rene Adler ja auch mit Dortmundern zu tun. So war DFL-Boss Reinhard Rauball, einst langjähriger BVB-Chef, mit in Frankreich, und da wurde schon im Hinblick auf das Spiel an diesem Sonnabend geflachst. Adler: „Da gab es schon den einen oder anderen Spruch, der da hin und her gegangen ist. Und ich habe auch mit Mats Hummels gesprochen, die haben das Hinspiel nicht vergessen – weil wir ja nicht so viele Chancen hatten, aber gewonnen haben. Und Dortmund die erste Niederlage beigebracht haben. Mats gab zu, dass dieses Spiel für reichlich Frust gesorgt hat. Für uns war es ein wichtiger Sieg, für Dortmund war es der Anfang einer verschenkten Hinrunde. Das hat der Mats auch ganz klar gesagt. Später hat Dortmund ja auch eine 2:0-Führung gegen Frankfurt aus der Hand gegeben.“ Der HSV-Keeper dann weiter: „Was ich so rausgehört habe ist das, dass die Dortmunder schon ganz klar auf Wiedergutmachungskurs sind. Das ist aber für uns ganz gut zu wissen, denn dann weiß jeder, dass er nur noch mehr top konzentriert sein muss.“

An seine Leistung im Hinspiel kann sich Rene Adler noch gut erinnern. Er wird auch wissen, wie er danach in Hamburg gefeiert wurde. Heute sagt er rückblickend: „Ich bin kein Freund davon, dass man sagt, ich hätte dem HSV so und so viele Punkte gerettet. Es ist meine Aufgabe, gut zu halten, und es gibt sicherlich auch Spiele, da kann man als Torwart Punkte retten, wenn man in entscheidenden Situationen da ist. Es gibt aber auch Spiele, da kann man sein Glück nicht erzwingen. In Nürnberg war das zum Beispiel so, da ist man gar nicht groß im Spiel, bekommt dann eine Aktion – und die ist dann ein Tor. Und das ist dann irgendwie frustrierend, aber das muss man lernen als Torwart dass man damit dann umgehen kann. Man kann es nicht erzwingen, es kommt immer darauf an, wie man ins Spiel kommt, wie viel man auch zu tun bekommt. Das war in den ersten Spielen des Jahres jetzt noch nicht so viel, aber das wird ganz sicher auch kommen. Viel, viel lieber wäre mir eigentlich, wenn wir mal von der ersten Sekunde bis zur letzten Sekunde eine solide Mannschaftsleistung bringen würden, wo jeder Spieler funktioniert, wo jeder Spieler sein Können abruft – denn das ist unter dem Strich besser, als wenn man als Torwart permanent gefordert ist.“ Denn wenn ein Torwart vielbeschäftigt ist, dann gehen ja auch meistens Fehler der Vorderleute voraus . . .

Und was empfiehlt Rene Adler seiner Mannschaft für eine Taktik, die in Dortmund zum Erfolg führen könnte? Hinten reinstellen? Mitspielen? Früh attackieren? Adler sagt: „Ich würde generell nie eine Taktik auf den Gegner anpassen man sollte schon gucken, dass man sein System durchdrückt. Dass man sich auf seine Stärken besinnt – das, so denke ich, ist gegen Dortmund auch entscheidend. Dass man defensiv besser steht, das fängt schon vorne beim Stürmer an, dass man als Mannschaft gut gegen den Ball arbeitet, die Räume eng macht und wenig Chancen zulässt. Obwohl man das gegen Dortmund wohl kaum schaffen wird, die werden schon zu Chancen kommen, denn die Mannschaft hat zu viel Klasse, die Spieler sind alle individuell großartig, da gibt es viele Spieler, die auch ein Spiel allein entscheiden können.“

Rene Adler sagt dann auch: „Wichtig ist, dass wir geschlossen auftreten und dass jeder Spieler so nah wie möglich an seine Leistungsgrenze kommt. Wenn jeder das abruft, was er kann, dann haben wir unsere Chance. Wenn wir, wie in den letzten Spielen, wieder zu viele Ausfälle haben, dann wird es aber sehr schwer.“ Der Keeper fügt noch hinzu: „Wir wissen, dass wir gegen Frankfurt zuletzt viele Spieler hatten, die unter ihrem Niveau geblieben sind, aber das wird es immer wieder mal geben. Dann müssen eben andere Spieler über ihrem Niveau spielen, um das aufzufangen. Und das hat uns in der Vorrunde auch in vielen Spielen ausgezeichnet, dass wir da in Sachen Niveau stets einen guten Ausgleich gefunden haben. Es ist für jede Mannschaft schwer, wenn viele Spieler nicht ihre Normalform bringen, das ist kein Drama, das ist im Sport so, es ist nur ärgerlich, wenn man so die Punkte abschenkt. Aber Dortmund wird auch ein ganz anderes Spiel . . .“
Das ist anzunehmen.

Viel wird wohl auch davon abhängen, wie Tomas Rincon auf der „Sechs“ spielt. „Popeye“ wirkt im Moment topfit, und der Trainer ist mit ihm zurzeit sehr zufrieden. Von daher könnte es passen. Rincon sagt: „Ich freue mich auf dieses Spiel, denn ich habe in dieser Saison ja noch nicht so viel gespielt. Jetzt werde ich nach dem Dortmund-Spiel wissen, wo ich stehe. Ich fühle mich gut, gebe im Training Gas, und das ist ganz wichtig für mich.“ Dann fehlt eigentlich nur noch, dass er morgen von 15.30 Uhr an auch Vollgas geben wird. Hoffentlich nimmt sich der Venezolaner nicht gleich zu viel vor, das könnte gegen die feinen Dribbelkünstler im Borussen-Team schnell mal zu der einen oder anderen Karte führen. Auf der anderen Seite weiß Rincon natürlich auch, dass Thorsten Fink bereits angekündigt hat, dass am nächsten Sonnabend, im Heimspiel gegen Mönchengladbach, auf jeden Fall wieder Milan Badelj wieder zum Einsatz kommen wird. Das hat der Coach ja bereits verlauten lassen. Wenn Rincon also in der Mannschaft bleiben will, müsste er wohl eine überragende Leistung abliefern . . . Was ja nicht die schlechtesten Voraussetzungen sind – im Sinne des HSV. Und des Erfolgs.

Ich denke mal, dass Thorsten Fink morgen folgende Mannschaft aufbieten wird:

Adler; Diekmeier, Bruma, Westermann, Jansen;
Rincon;
Sjkjelbred, Aogo;
Van der Vaart;
Son, Rudnevs.

Schiedsrichter der Partie wird der Berliner Manuel Gräfe sein – für mich eine sehr gute Ansetzung. Man wird es sehen . . .

Gesehen hat Thorsten Fink, als er nach dem heutigen Abschlusstraining den Platz verließ, was da vor ihm auf dem Fußboden lag: ein Ein-Cent-Stück. Er hob es auf, blitzschnell, bevor es ein anderer machen konnte, steckte es in seine Trainingsjacke und sagte voller Überzeugung: „Das bringt Glück.“ Na denn. Ohnehin habe ich heute nur optimistische Stimmen gehört. Ein Sieg des HSV liegt danach durchaus im Bereich des Möglichen, oft habe ich aber auch von einem 1:1 gehört . . . Womit ich schon sehr gut leben könnte.

Den Trainingsplatz mit einem dick bandagierten rechten Knie verließ heute Maximilian Beister. Das sah ganz gefährlich aus, aber „Maxi“ gab Entwarnung: „Kein Problem, das ist nur eine Vorsichtsmaßnahme, es handelt sich um eine Prellung, ich werde spielen können.“ Hoffentlich, denn nach einer Nacht wird man (auch Beister) erst genau wissen, wie sich diese Verletzung entwickelt hat. Was wahrscheinlich auch auf Petr Jiracek zutreffen wird, denn der Tscheche knickte im Training um. Zuerst sah das noch nicht so gefährlich aus, allerdings schloss Trainer Fink nicht aus, dass der Fuß doch noch dick anschwillt. Und wie sehr das dann behindert, das bleibt auch abzuwarten. Beister und Jiracek sind aber auf jeden Fall im Kader, und erstmalig auch wieder einmal Gojko Kacar. Weil sich die HSV-Reihen ja doch ein wenig gelichtet haben.

18.05 Uhr

Adlers außergewöhnliche Rückkehr

12. Dezember 2012

Er sah müde aus, ließ sich davon aber nichts anmerken. Im Gegenteil, Rene Adler wurde noch immer nicht müde, den Brasilien-Trip samt seiner Strapazen zu loben. „Für die Mannschaft war das einfach eine gute Reise“, so der Keeper, der am Sonnabend das erste Mal auf seinen ehemaligen Arbeitgeber Bayer Leverkusen trifft. Zumal die Mannschaft auch eineinhalb Tage frei hatte. „Wir haben dort ein seriöses Spiel abgeliefert und uns den Umständen entsprechend gut verkauft. Und wir haben den Trip für uns als Mannschaft genutzt, haben an den eineinhalb freien Tagen die Seele baumeln lassen und die Zeit für Gespräche genutzt.“ Teambuilding auf brasilianische Art. „35 Grad statt Minus fünf – das ist schon eine heftige Umstellung“, sagt Adler, der dennoch keinerlei Probleme für das Spiel am Sonnabend sieht: „Nein, die Reise kann keine Ausrede sein, selbst wenn wir verlieren. Wir sind jung genug, das wegzustecken. Wir werden unsren Positivtrend fortsetzen.“ Denn wenn eines auf der Reise klar wurde, dann, dass alle Spieler heiß sind auf das letzte Spiel 2012. „Wir wissen, dass wir einen guten Lauf haben. Wir alle wollen eine Hinserie, die schlecht begonnen hat, unbedingt positiv beenden.“

Ihn persönlich dürfte ein Erfolg an alter Wirkungsstätte besonders freuen. „Natürlich ist das ein ganz besonderes Spiel für mich“, sagt Adler, „immerhin habe ich dort die meiste Zeit meiner Karriere verbracht. Leverkusen war ein schönes Kapitel und ich weiß auch, was ich Bayer zu verdanken habe.“ Dennoch sei er Profi genug, diese Emotionen für 90 Minuten hintenanzustellen. Adler: „Absolut! Ich werde wie immer eine gesunde Anspannung haben. Die ist gut. Die brauche ich“, sagt Adler, „denn die ist wichtig für mein Aktionspotenzial.“ Soll heißen: Anspannung = Motivation. Klingt gut. Zumal direkt danach Weihnachtsferien für die Spieler sind. Wobei genau dieser Gedanke auch die größte Gefahr darstellt. Sofern man sich schon zu früh im Urlaub wähnt.

Wobei ich mir diesbezüglich bei Adler mal gar keine Sorgen mache. Der momentan beste deutsche Torwart wird die Mannschaft eher zu heiß machen, gilt er doch als sehr verbissen. In der Sport Bild von heute ist ein Artikel mit dem HSV-Keeper, in dem auch dessen Zeugnis für die Übergangszeit vom Jugendlichen zum Profi abgedruckt wurde. Und darin hat ihm sein Förderer, Torwarttrainer und Freund in den höchsten Tönen gelobt sowie ihm unbändigen Fleiß und hohe Selbstkritik attestiert. Alles Dinge, die auch heute noch gelten.

Seit heut ist auch beschlossen, dass das Sicherheitspaket ab 2013/2014 umgesetzt wird. Und obwohl es sicherlich einige kleinere Mängel in diesem Sicherheitspapier gibt, ist es eine grundsätzlich positive Entscheidung, wie ich finde. Seitens des DFB heiß es:

„Mit großer Geschlossenheit haben die 36 Profi-Clubs heute im Rahmen
der Mitgliederversammlung des Ligaverbandes ein umfangreiches
Maßnahmenpaket für mehr Sicherheit im Fußball verabschiedet. Nach
intensiver Analyse und Diskussion wurden alle 16 vom Vorstand des
Ligaverbandes vorgeschlagenen Anträge inklusive einiger
Modifikationen mit jeweils deutlich größeren Mehrheiten als
erforderlich angenommen.“

Ein gutes Zeichen. Zumindest war die Entscheidung für mich angesichts der Entwicklungen in den Stadien zuletzt alternativlos. Und obwohl ich mir sicher bin, dass die Entscheidung in den nächsten Wochen noch für eine Menge Ärger sorgen wird und tausende Fans weiterhin protestieren werden, glaube ich daran, dass es auf Sicht für mehr Sicherheit und letztlich auch Verständnis aller sorgen wird.

Carl Jarchow dazu: „Dem überwiegenden Anteil der 16 Einzelanträge haben wir inhaltlich aus Überzeugung zugestimmt. Allerdings hatten wir den Antrag auf eine Vertagung zur Abstimmung bezüglich des Sicherheitskonzeptes gestellt, der aber mehrheitlich abgelehnt wurde. Aus unserer Sicht ist es bedauerlich, dass wir es nicht geschafft haben, mehr Zeit zu gewinnen, um im Dialog mit den Fans für mehr Vertrauen in und Verständnis für das Sicherheitskonzept zu werben.“ Dieser Vorschlag wurde übrigens wenig überraschend deutlich mit 31:5 Stimmen abgelehnt. Trotzdem zeigte sich Jojo Liebnau von den “Chosen Few” enttäuscht. „Ich muss schon sagen, dass ich enttäuscht von der DFL bin. Sie haben die Chance verpasst, den Fans zu signalisieren, dass sie ernst genommen werden. Das Prozedere, alle Anträge durchzuwinken und anschließend bekanntzugeben, die Umsetzung mit den Fans im Dialog zu besprechen, klingt schon absurd.“

Zumindest klingt sie auf den ersten Blick widersprüchlich. Aber wie einige Blogger auch war ich bei dem Fantreffen zum Sicherheitspapier anwesend. Eine unsäglich langweilige Veranstaltung, was zum einen dem Thema zum anderen aber der Beteiligung von gerade mal 42 Leuten geschuldet war (inklusive Journalisten und Vorstand Scheel). Schon auf dieser Veranstaltung war herauszuhören, dass es den Kritikern vor allem darum ging, die Einflussnahme des DFB und der DFL auf die Verein nicht zu groß werden zu lassen. Philipp Markhardt, Sprecher der Organisation „ProFans“ wertete die Entscheidung als „absolut negativ“ und kündigte weitere Proteste an. „Wir machen uns nicht zum Büttel von Herrn Rauball“, sagte Markhardt. Die Fans fürchten trotz einer Entschärfung an wesentlichen Stellen des Papiers Repressalien wie Ganzkörperkontrollen etc. Eine Befürchtung, die Rauball zu nehmen versucht: „Wir können allen Fans versichern, dass die Fankultur nicht gefährdet wird.“

Worte, denen jetzt Taten folgen müssen. Denn wenn diese Diskussion eine klare Nachricht hervorgebracht hat, dann wirklich die, dass sich Liga und Fans deutlich besser austauschen und versuchen müssen, gemeinsam zu arbeiten. Wenn das gelingt, ist allen geholfen. Dann werden auch die Liebnaus und Markhardts dieser Welt wie alle anderen auch den 12.12.2012 als positiven Wendepunkt betrachten. Zumindest ist das meine Hoffnung.

Apropos Hoffnung. Die habe ich auch in Sachen Leverkusen-Spiel. Immerhin konnte die Mannschaft heute auf einem trotz Rasenheizung leicht gefrorenen Untergrund ordentlich trainieren. Und man merkte eigentlich niemandem Müdigkeit an, bei den lustigen Kreis-, Pass- und Fangspielen. Trainer Thorsten Fink setzte heute auf „leichte Trainingskost“, um es mal so zu formulieren, wobei Adler schon vorher gesagt hatte: „Die sind alle heiß, das habe ich schon beim Waldlauf nach unserer Landung am Dienstag gespürt. Da hat keiner gemurrt.“ Wäre ja auch noch schöner…

In diesem Sinne, in Leverkusen wurde nur eines der letzten fünf Spiele verloren. Das macht doch Hoffnung auf einen guten Hinrundenausklang. „Leverkusen ist eine Top-Mannschaft“, warnt Adler und findet auch gleich die Angriffsfläche: „Sie haben Bayern München geschlagen und stehen zurecht oben – aber sie haben genauso gezeigt, dass sie ab und zu schwächeln.“ Wie zum Beispiel zum Hinrundenende 2012/2013…

Ich hoffe es jedenfalls, nachdem seit heute klar ist, dass sowohl Maxi Beister als auch Milan Badelj mit in die hoffentlich pyrofreie BayArena reisen können. Rafael van der Vaart hingegen fällt wie erwartet weiterhin aus.

Bis morgen! Dann wird das letzte Mal öffentlich trainiert im Jahr 2012. Und zwar um 15 Uhr an der Imtech-Arena.

Scholle

400 Gäste feiern Uwe Seeler – der Blog gratuliert!

5. November 2011

Es war fast schon ein Hauen und ein Stechen rund um den Eingang der Platin-Lounge, die sich heute der großen Ehre erfreute, Austragungsort des 75. Geburtstages von Uwe Seeler zu sein. Und so durfte Party-Moderator Marc Bator der Reihe nach die knapp 400 der größten Größen des deutschen Fußballs, der Unterhaltungsindustrie und der Politik begrüßen. Und während derartige Feiern oft einen steifen, offiziellen und manchmal gar oberflächlichen Charakter haben, schien es diesmal anders. Nicht einer der Gäste ging freiwillig an den wartenden Journalisten vorbei. Niemand nahm sich wichtiger als den Gastgeber. Es schien, als sei es allen ein Bedürfnis, Komplimente über den Gastgeber loszuwerden. HSV-Präsident Carl Jarchow, der im Namen des HSV nicht nur die Feier ausrichtete sondern der Uwe-Seeler-Stiftung 75000 Euro überwies), eröffnete die Feier mit den Worten: „Es spricht für Uwe Seelers Bescheidenheit, dass wir ihn erst von dieser Feier überzeugen mussten. Und es ist faszinierend, wie populär Uwe Seeler auch 40 Jahre nach seinem Karriereende noch ist. Ich würde behaupten, er ist neben Helmut Schmidt wahrscheinlich der bekannteste Hamburger. Und das hat er geschafft, indem er immer sich selbst treu geblieben ist. Eben so, wie er selbst immer sagt: Hauptsache ist, man bleibt normal. Diese Maxime hat er zu 100 Prozent gelebt.“ Lobende Worte des HSV-Präsidenten, denen sich etliche Granden anschlossen. Hier einige Auszüge:

Herrmann Rieger (Ex-HSV-Masseur): „Uwe war in der Zeit, als wir Ochsenzoll trainiert haben, mein Nachbar. Wir haben so einige schöne gemeinsame Stunden gehabt. Er ist die Nummer eins in Hamburg. Er hat so viel für die Menschen und vor allem unsere Jugend getan.“

Franz Beckenbauer (Deutsches Fußball-Idol, Nationalmannschaftskollege und seit Jahrzehnten ein enger Freund): „Ich wünsche, dass Uwe noch lange, lange so ein Freund bleibt. Er ist jetzt 75 Jahre alt, das ist kein Pappenstiel. Er hat zuletzt sogar einen Autounfall überstanden, da konnte ihm selbst die vier Russen nichts antun. Er soll 200 Jahre alt werden – und das ist schon die unterste Grenze. Er ist einfach ein Solidararbeiter erster Güte.“

Reinhard Rauball (Ligapräsident und Präsident Borussia Dortmunds): „Ich bin Mitglied der Seeler-Traditionself und stolz darauf. Denn mit so einem feinen Kerl umgibt man sich gern. Uwe ist an Bescheidenheit, Beliebtheit und Kenntnisreichtum nicht zu überbieten. Ein Beispiel: Als wir in Wien bei der WM waren, habe ich ihn zum Abendessen einladen wollen. Auf dem Weg ins Restaurant musste er allerdings so viele Autogramme schreiben, dass wir es fast gar nicht bis an den Tisch geschafft haben. Er ist halt die Symbolfigur des deutschen Fußballs. Und alles, was sich Uwe für sich wünscht, wünsche ich ihm zweimal.“

Dr. Theo Zwanziger (DFB-Präsident, überwies als Geburtstagsgeschenk eine fünfstellige Summe an die Uwe-Seeler-Stiftung): „Ich wünsche Uwe Seeler persönlich und im Namen des deutschen Fußballs noch viele, viele gute Jahre.“

Wolfgang Overath (Nationalmannschaftskollege und Präsident des 1. FC Köln): „Uwe ist ein echter Freund, auf den ich mich wirklich verlassen kann. Es gibt definitiv nichts Schlechtes an ihm – außer, dass er gegen uns Kölner zu oft gewonnen hat.“

Berti Vogts (Nationalmannschaftskollege 1970 bei der WM in Mexiko): „Uwe hat sich toll gehalten, er ist ein toller Mensch. Bei der WM in Mexiko war ich der jüngste Spieler und er Kapitän. Wie er sich um mich und die anderen Jungen gekümmert hat, war vorbildlich. Er war ein toller Kapitän. Von seiner Art, wie er Fußball gelebt hat, können viele noch etwas lernen.“

Olli Dittrich (Entertainer und HSV-Fan seit frühester Jugend): „Uwe ist ein großartiger Typ, er war immer ein Held für mich. Er hat sich damals gegen ein Millionenangebot und für den HSV entschieden – sowas gibt es heute gar nicht mehr. Und er ist der einzige, der die kompletten 30 Minuten in meiner Sendung ‚Dittsche’ auf dem Barhocker sitzengeblieben ist.“

Dies nur als Auszug von der Feier, die Uwe Seeler, nachdem allen Gästen ei Film über sein Leben vorgeführt wurde, mit folgenden Worten eröffnete: „Ich bin, wie ich bin. Einfach stinknormal. Ich habe kein Erfolgsgeheimnis. Und wenn ich morgens aufstehe, knackt es inzwischen hier und da. Aber dadurch weiß ich immer, dass ich noch da bin. Ich freue mich auf viele alte Freunde, viele Gäste, schöne Gespräche und darauf, mit allen einen kleinen Schluck zu trinken.“

Prost, lieber Uwe! Der Blog gratuliert Dir zum 75. Geburtstag und wünscht dir alles, was Du Dir auch wünscht – und noch ein wenig mehr! Bleib so wie Du bist!

Was wird aus Siegenthaler?

28. Juli 2010

Es geht dem Ende entgegen. Dem Ende des Trainingslagers. An den Hotelfenstern und an den Balkonen der Pensionen von Längenfeld hängen längst nicht mehr so viele HSV-Fahnen wie noch zu Wochenbeginn. Alles hat eben ein Ende, am Freitag fliegt der HSV aus Innsbruck ab nach Düsseldorf, um von dort zum Liga-total-Cup nach Gelsenkirchen zu fahren. Und obwohl die Mannschaft heute nur mit dem Fahrrad unterwegs war, ansonsten aber frei hat, herrscht keine Ruhe im Super-Hotel Aqua Dome. Dafür hat ein Artikel der Sport Bild gesorgt, Gratulation den Kollegen. Es geht um Urs Siegenthaler. Der DFB-Chef-Scout soll, das steht schon seit einem halben Jahr fest, am Montag seinen Dienst beim HSV beginnen, doch plötzlich hat die DFL etwas dagegen. Jetzt hängt alles in der Luft – oder doch nicht. Weil es viel Lärm um nichts gibt?

HSV-Vorstands-Chef Bernd Hoffmann sagt zu diesem überraschenden Hick-hack: „Wir gehen davon aus, dass Herr Siegenthaler am Montag seine Arbeit bei uns aufnehmen wird.“ DFL-Präsident Reinhard Rauball (Dortmund) aber prangerte an: „Eine Doppelbeschäftigung von Urs Siegenthaler wäre der Liga schwer zu vermitteln.“ Darum geht es. Der Schweizer Siegenthaler will weiter für den DFB arbeiten – und für den HSV. So steht es seit Monaten fest. Jetzt, unmittelbar bevor es dazu kommen soll, gibt es den Protest. Dem sich auch Bayerns Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge anschließt: „Die Liga ist klar der Meinung, entweder arbeitet Siegenthaler für den HSV oder für den DFB.“ Und auch DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach befindet: „Es ist der Wunsch der sportlichen Leitung der Nationalmannschaft, dass es mit Urs Siegenthaler weitergeht. Das befürworten wir auch. Es wird daraus hinaus laufen, dass er sich für den DFB oder für den HSV entscheidet.“

Brisant, brisant. HSV-Trainer Armin Veh befand aber dazu nur: „Das ist nicht mein Thema. Ich habe genug mit der Mannschaft zu tun.“ Und nun? Schlimm genug, dass ein halbes Jahr verstreichen durfte, und dieser wunde Punkt niemals geklärt wurde. Die Problematik war doch schon im Januar jedem Beteiligten klar. Es sei denn, sie hatten gehofft, dass Joachim Löw nach der WM in Südafrika kein Bundestrainer mehr sein würde.

Jetzt aber schießen die Spekulationen wie wild in die Luft: Möchte Siegenthaler gar nicht mehr zum HSV? Freut er sich über die nun entfachte Diskussion, weil es nun auf eine klare Lösung hinauslaufen wird? Stört es Siegenthaler, dass es beim HSV mit Bastian Reinhardt schon einen Sportchef gibt, der zwar beruflicher Neuling ist, dem Schweizer aber in der Vereinsstruktur weisungsberechtigt ist? Pocht der HSV jetzt auf den Dienstbeginn Siegenthalers, weil es so zu einer Lösung mit dem DFB kommen könnte, die eine Ablösesumme beinhalten würde?

Fest steht, dass der HSV einen Fachmann wie Urs Siegenthaler sehr gut gebrauchen könnte. Sowohl für die Bundesliga als auch für die Nachwuchsarbeit. Letzterer Punkt ist der, bei dem es schon einige Bewegungen gegeben hatte, sowohl von der Struktur her als auch personell. Ein weltweit anerkannter Mann wie Siegenthaler könnte mit Sicherheit viel, viel bewegen in Sachen Talentschuppen.

Wer mich aber nach meinem Buchgefühl fragt, ob Urs Siegenthaler am Montag auch beim HSV tatsächlich auf der Matte steht, dem muss ich ganz klar sagen: Ich denke, dass er nicht kommen wird, ich rechne damit, dass er sich für den DFB entscheiden wird. Wobei es keine Rolle spielen soll, dass es beim HSV schon einen Sportchef namens Reinhardt gibt, damit hatte sich Siegenthaler schon seit vielen Wochen arrangiert. Ich glaube ganz einfach, dass der Schweizer weiter dem Löw-Team angehören will, und dass er diese Arbeit über die beim HSV stellen wird.

Kleine Randbemerkung: Ich weiß nicht, was in Stuttgart los ist, aber dort müsste doch auch ein Sturm der Entrüstung ausgebrochen sein, denn: Der VfB hat einen Berufsanfänger namens Fredi Bobic als Sportchef verpflichtet. Spinnen denn die? Was legitimiert einen ehemaligen Stürmer und DSF-Analysten wie Bobic, sportlicher Leiter einer Bundesliga-Mannschaft zu werden? Das geht doch mal gar nicht. In Hamburg geht es doch auch nicht. Oder doch? Das aber wirklich nur am Rande.

Ganz kurz noch zurück zum aktuellen sportlichen Geschehen. Armin Veh sprach nach dem 1:1 gegen München 1860 mit uns. Und natürlich war auch David Rozehnal ein Thema, denn der Innenverteidiger sah beim 1:1 der Löwen wieder einmal denkbar schlecht aus. Veh dazu: „Es ist ja Fakt, dass er am Gegentor beteiligt war, aber erklären kann ich mir das nicht. Er muss sich auf jeden Fall steigern, das ist klar. Ich habe ja auch nicht umsonst mal Guy Demel auf die Position der Innenverteidigung gestellt, das mache ich ja nicht aus Jux und Dollerei. Sondern weil ich auch Leistung sehen will, auch wenn es schwer fällt.“

Der HSV will sich bis zum Saisonbeginn ja noch von drei oder vier Profis trennen, nach der Rozehnal-Vorstellung von Schwaz ist es nicht unmöglich, dass auch der Tscheche noch gesagt bekommt: „David, du kannst dir einen neuen Verein suchen.“ Ist das ausgeschlossen, Herr Veh? Der Coach antwortet: „Nein, er muss mir schon Leistung anbieten. Es ist ja auch so: Wenn man nicht von Anfang an spielt, dann muss man die Leistung eben bringen, wenn man dann reinkommt. Alle, die hinten an sind, müssen mir letztlich immer Leistung anbieten. Wenn ich das Gefühl habe, dass es schwierig wird ihn rein zu bringen, dann lasse ich es lieber. Jeder muss ständig etwas anbieten, zeigen und leisten, das ist ein Spieler auch in der Bringschuld.“

Dass es eine mentale Geschichte bei Rozehnal ist, glaubt der Trainer nicht: „Wir stehen doch in der jetzigen Phase nicht unter Druck, wir trainieren doch nur seit einigen Wochen. Da gibt es doch keinen Druck in den Testspielen. Und er ist ja jetzt auch kein 18-jähriger Spieler mehr.“ Zumal Rozehnal noch vor dem Trainingslager gesagt hatte, dass alle Spieler, auch er, jetzt mit neuem Trainer und vor einer neuen Saison wieder bei Null beginnen werden. Das war auch seine Chance, aber er konnte sie bislang nicht annähernd nutzen. Dabei spielt er fast immer solide, doch mindestens einen Bock pro Spiel schießt er immer. Und damit macht er sich alles kaputt. Vehs Schlusssatz: „David Rozehnal hat sich jetzt leistungsmäßig nicht so aufgedrängt, so dass ich sagen kann: da steht er. So ist es.“

Ich wurde in diesen Tagen schon von einigen von Euch gefragt, ob David Rozehnal im Trainingslager in Längenfeld neben sich stehen würde. Ich sage ganz klar, dass ich das nicht beobachten konnte. Er hat normal trainiert, hatte gute und weniger gute Szenen. Wie immer. Was mich nur vorgestern stutzig machte: Nach Trainingsende lief Rozehnal ganz allein an allen vorbei zurück ins Hotel, der Weg beträgt 250 Meter. Alle anderen HSV-Spieler gehen mit einigen Kollegen, unterhalten sich dabei. Rozehnal aber ist schon immer ein eher schweigsamer Mensch gewesen, nur hat es hier in Österreich den Anschein, als sage er kaum noch etwas. Ist das doch eine Art Druck, den er verspürt? Wie die Teamkollegen mit ihm vielleicht doch nicht so zurechtkommen, wie es eigentlich normal wäre? Spürt Rozehnal eine gewisse Ablehnung, weil auch die Mannschaftskollegen mit seinen vielen Fehlern nicht mehr klar kommen?

Mein Mitgefühl hat David Rozehnal, denn er ist inzwischen schon eine tragische Figur beim HSV. Vor den Spielen unken viele HSV-Fans schon, wie lange es denn wohl dauert, bis der erste Fehler des Tschechen passiert. Ich kann mich nicht erinnern, wann ein HSV-Profi mal einen so schweren Stand beim eigenen Anhang hatte, wie dieser David Rozehnal. Eventuell wäre ein neuer Verein, vielleicht sogar in seiner Heimat, die beste Lösung für ihn. Es liegt nun wohl auch an Armin Veh und Bastian Reinhardt, dem Tschechen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie es mit ihm weitergehen könnte.

17.25 Uhr

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