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Was Adler bei Hummels rausgehört hat

8. Februar 2013

Der Trainer hat angekündigt, dass er etwas dagegen unternehmen wird, und auch alle Spieler wissen offensichtlich, was Sache ist. Deshalb kann die erste Halbzeit morgen in Dortmund vom HSV nicht wieder verschlafen werden. Alle sagen unisono: „Wir müssen von der ersten Minute an Vollgas geben und konzentriert sein, sonst wird es nichts.“ Das ist genau die richtige Einstellung. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt – so lautete früher mal ein Werbeslogan gegen Unfälle im Betrieb und auch daheim. Gilt aber wahrscheinlich auch für Bundesliga-Auswärtsspiele. Die gute Nachricht für die Fink-Mannschaft gab es schon an diesem Vormittag, denn Torwart Rene Adler wird spielen können. „Es tut zwar noch ein wenig weh, die Stelle ist auch grün und blau, ist auch ein bisschen eingeblutet, aber ich denke mal, dass da nicht viel kaputt gehen kann. Ich kann mit Schmerzen umgehen, und wenn ich spiele, dann spiele ich auch zu 100 Prozent“, sagt und verspricht Adler vor dem Dortmund-Spiel, das um 15.30 Uhr angepfiffen wird.

Bei der Gelegenheit: Es gibt nach dieser Partie auch wieder ein „Matz ab live“, wir, „Scholle“ und ich, haben einen ganz großen Gast für diese Sendung gewinnen können, ein Mann, der schon mit beiden Vereinen zu tun hatte, der aber die Raute fest in seinem Herzen verankert hat. Wir freuen uns auf Thomas Doll.

Zurück zu Rene Adler. Er scheint nach dem Nationalmannschafts-Comeback immer noch auf Wolke sieben zu schweben. Nicht dass er die Realität verloren hätte, das ganz sicher nicht, aber diese 90 Minuten von Paris, die ja auch mit einem etwas überraschenden Erfolgserlebnis endeten, haben ihm zusätzliches Selbstvertrauen gegeben. Auch wenn das alles unheimlich schnell geht: „Ich freue mich über dieses Spiel, aber ich habe einen Tag gebraucht, um wieder ein wenig runter zu kommen, denn die Anspannung bei einem solchen Spiel ist schon ein bisschen größer. Man schläft danach nur ein paar Stunden, am nächsten Tag gibt es Ärger mit der Rückreise, zwei Flüge werden gestrichen, ich muss nach München, von dort geht es ohne Gepäck, das verschwunden war, verspätet weiter nach Hamburg – das war schon ein wenig Theater. Und dann habe ich mich behandeln lassen, ein bisschen trainiert – und dann war der Tag schon wieder rum. Heute dann Abschlusstraining und Anreise nach Dortmund – und dabei kann man die Spannung auch kein bisschen runterfahren. Du läufst immer auf Hochtouren, aber das muss auch so sein, denn man spielt schließlich beim Meister, und da muss man schon top konzentriert sein und dir alles abverlangen, damit du ein gutes Spiel machen kannst. Aber grundsätzlich ist es schon so, ein solches Länderspiel gibt dir Selbstvertrauen und man nimmt auch positive Gefühle mit“, sagt Rene Adler.

Dortmund – da war doch mal was. Am 22. September 2012 gewann der HSV sein Heimspiel 3:2. Und für mich ist das noch immer mit einer Weltklasse-Leistung von Rene Adler verbunden. Mit diesem Sieg begann der bis dahin punktlose HSV seine Aufholjagd, und Rene Adler stieg wie Phönix aus der Asche wieder zur alten Stärke auf, die ihn einst zur Nummer eins in Deutschland hatte werden lassen. Was Adler allein in den letzten zehn Minuten das Dortmund-Hinspiels hielt, war überragend und einfach nur klasse. Zum morgigen Spiel sagt der Nationalkeeper: „Nach einem verlorenen Spiel fahren wir jetzt mit den Ambitionen, dort ein gutes Spiel abliefern zu wollen, und dann gucken, was dabei rumkommt. Wir sind nicht so vermessen, dass wir dorthin fahren und sagen, dass wir die unbedingt schlagen müssen, dass wir Dortmund weghauen wollen. Dass das geht, dass haben wir im Hinspiel gezeigt, dass man mit einer Top-Leistung auch gegen Dortmund punkten kann, aber wir müssen mit einer engagierten Leistung mal schauen, dass wir die Fehler, die jeder von uns zuletzt gemacht hat, minimieren können, dass jeder top konzentriert dort auftritt und Spaß daran hat, vor 80 000 Zuschauern zu spielen. Gegen eine Top-Mannschaft müssen wir uns auf Top-Niveau beweisen, und wenn wir es schaffen, dass jeder an seine Leistungsgrenze herankommt, dann bin ich davon überzeugt, dass die Möglichkeit für uns besteht, in Dortmund zu punkten. Aber keine Frage, es wird natürlich schwer.“

Das ist auch keine Frage, dass das auch jeder HSV-Fan weiß. Und wenn die Mannschaft so auftritt, wie jetzt beschrieben, es hinterher dann aber doch nur eine Niederlage gegeben hat – dann wird der HSV-Anhang auch damit leben können. Die Hauptsache ist doch, dass sich die Mannschaft von ihrer besten Seite zeigt und alles gibt – und wie gesagt, von der ersten Minute an.

Rund um das Länderspiel in Paris hatte Rene Adler ja auch mit Dortmundern zu tun. So war DFL-Boss Reinhard Rauball, einst langjähriger BVB-Chef, mit in Frankreich, und da wurde schon im Hinblick auf das Spiel an diesem Sonnabend geflachst. Adler: „Da gab es schon den einen oder anderen Spruch, der da hin und her gegangen ist. Und ich habe auch mit Mats Hummels gesprochen, die haben das Hinspiel nicht vergessen – weil wir ja nicht so viele Chancen hatten, aber gewonnen haben. Und Dortmund die erste Niederlage beigebracht haben. Mats gab zu, dass dieses Spiel für reichlich Frust gesorgt hat. Für uns war es ein wichtiger Sieg, für Dortmund war es der Anfang einer verschenkten Hinrunde. Das hat der Mats auch ganz klar gesagt. Später hat Dortmund ja auch eine 2:0-Führung gegen Frankfurt aus der Hand gegeben.“ Der HSV-Keeper dann weiter: „Was ich so rausgehört habe ist das, dass die Dortmunder schon ganz klar auf Wiedergutmachungskurs sind. Das ist aber für uns ganz gut zu wissen, denn dann weiß jeder, dass er nur noch mehr top konzentriert sein muss.“

An seine Leistung im Hinspiel kann sich Rene Adler noch gut erinnern. Er wird auch wissen, wie er danach in Hamburg gefeiert wurde. Heute sagt er rückblickend: „Ich bin kein Freund davon, dass man sagt, ich hätte dem HSV so und so viele Punkte gerettet. Es ist meine Aufgabe, gut zu halten, und es gibt sicherlich auch Spiele, da kann man als Torwart Punkte retten, wenn man in entscheidenden Situationen da ist. Es gibt aber auch Spiele, da kann man sein Glück nicht erzwingen. In Nürnberg war das zum Beispiel so, da ist man gar nicht groß im Spiel, bekommt dann eine Aktion – und die ist dann ein Tor. Und das ist dann irgendwie frustrierend, aber das muss man lernen als Torwart dass man damit dann umgehen kann. Man kann es nicht erzwingen, es kommt immer darauf an, wie man ins Spiel kommt, wie viel man auch zu tun bekommt. Das war in den ersten Spielen des Jahres jetzt noch nicht so viel, aber das wird ganz sicher auch kommen. Viel, viel lieber wäre mir eigentlich, wenn wir mal von der ersten Sekunde bis zur letzten Sekunde eine solide Mannschaftsleistung bringen würden, wo jeder Spieler funktioniert, wo jeder Spieler sein Können abruft – denn das ist unter dem Strich besser, als wenn man als Torwart permanent gefordert ist.“ Denn wenn ein Torwart vielbeschäftigt ist, dann gehen ja auch meistens Fehler der Vorderleute voraus . . .

Und was empfiehlt Rene Adler seiner Mannschaft für eine Taktik, die in Dortmund zum Erfolg führen könnte? Hinten reinstellen? Mitspielen? Früh attackieren? Adler sagt: „Ich würde generell nie eine Taktik auf den Gegner anpassen man sollte schon gucken, dass man sein System durchdrückt. Dass man sich auf seine Stärken besinnt – das, so denke ich, ist gegen Dortmund auch entscheidend. Dass man defensiv besser steht, das fängt schon vorne beim Stürmer an, dass man als Mannschaft gut gegen den Ball arbeitet, die Räume eng macht und wenig Chancen zulässt. Obwohl man das gegen Dortmund wohl kaum schaffen wird, die werden schon zu Chancen kommen, denn die Mannschaft hat zu viel Klasse, die Spieler sind alle individuell großartig, da gibt es viele Spieler, die auch ein Spiel allein entscheiden können.“

Rene Adler sagt dann auch: „Wichtig ist, dass wir geschlossen auftreten und dass jeder Spieler so nah wie möglich an seine Leistungsgrenze kommt. Wenn jeder das abruft, was er kann, dann haben wir unsere Chance. Wenn wir, wie in den letzten Spielen, wieder zu viele Ausfälle haben, dann wird es aber sehr schwer.“ Der Keeper fügt noch hinzu: „Wir wissen, dass wir gegen Frankfurt zuletzt viele Spieler hatten, die unter ihrem Niveau geblieben sind, aber das wird es immer wieder mal geben. Dann müssen eben andere Spieler über ihrem Niveau spielen, um das aufzufangen. Und das hat uns in der Vorrunde auch in vielen Spielen ausgezeichnet, dass wir da in Sachen Niveau stets einen guten Ausgleich gefunden haben. Es ist für jede Mannschaft schwer, wenn viele Spieler nicht ihre Normalform bringen, das ist kein Drama, das ist im Sport so, es ist nur ärgerlich, wenn man so die Punkte abschenkt. Aber Dortmund wird auch ein ganz anderes Spiel . . .“
Das ist anzunehmen.

Viel wird wohl auch davon abhängen, wie Tomas Rincon auf der „Sechs“ spielt. „Popeye“ wirkt im Moment topfit, und der Trainer ist mit ihm zurzeit sehr zufrieden. Von daher könnte es passen. Rincon sagt: „Ich freue mich auf dieses Spiel, denn ich habe in dieser Saison ja noch nicht so viel gespielt. Jetzt werde ich nach dem Dortmund-Spiel wissen, wo ich stehe. Ich fühle mich gut, gebe im Training Gas, und das ist ganz wichtig für mich.“ Dann fehlt eigentlich nur noch, dass er morgen von 15.30 Uhr an auch Vollgas geben wird. Hoffentlich nimmt sich der Venezolaner nicht gleich zu viel vor, das könnte gegen die feinen Dribbelkünstler im Borussen-Team schnell mal zu der einen oder anderen Karte führen. Auf der anderen Seite weiß Rincon natürlich auch, dass Thorsten Fink bereits angekündigt hat, dass am nächsten Sonnabend, im Heimspiel gegen Mönchengladbach, auf jeden Fall wieder Milan Badelj wieder zum Einsatz kommen wird. Das hat der Coach ja bereits verlauten lassen. Wenn Rincon also in der Mannschaft bleiben will, müsste er wohl eine überragende Leistung abliefern . . . Was ja nicht die schlechtesten Voraussetzungen sind – im Sinne des HSV. Und des Erfolgs.

Ich denke mal, dass Thorsten Fink morgen folgende Mannschaft aufbieten wird:

Adler; Diekmeier, Bruma, Westermann, Jansen;
Rincon;
Sjkjelbred, Aogo;
Van der Vaart;
Son, Rudnevs.

Schiedsrichter der Partie wird der Berliner Manuel Gräfe sein – für mich eine sehr gute Ansetzung. Man wird es sehen . . .

Gesehen hat Thorsten Fink, als er nach dem heutigen Abschlusstraining den Platz verließ, was da vor ihm auf dem Fußboden lag: ein Ein-Cent-Stück. Er hob es auf, blitzschnell, bevor es ein anderer machen konnte, steckte es in seine Trainingsjacke und sagte voller Überzeugung: „Das bringt Glück.“ Na denn. Ohnehin habe ich heute nur optimistische Stimmen gehört. Ein Sieg des HSV liegt danach durchaus im Bereich des Möglichen, oft habe ich aber auch von einem 1:1 gehört . . . Womit ich schon sehr gut leben könnte.

Den Trainingsplatz mit einem dick bandagierten rechten Knie verließ heute Maximilian Beister. Das sah ganz gefährlich aus, aber „Maxi“ gab Entwarnung: „Kein Problem, das ist nur eine Vorsichtsmaßnahme, es handelt sich um eine Prellung, ich werde spielen können.“ Hoffentlich, denn nach einer Nacht wird man (auch Beister) erst genau wissen, wie sich diese Verletzung entwickelt hat. Was wahrscheinlich auch auf Petr Jiracek zutreffen wird, denn der Tscheche knickte im Training um. Zuerst sah das noch nicht so gefährlich aus, allerdings schloss Trainer Fink nicht aus, dass der Fuß doch noch dick anschwillt. Und wie sehr das dann behindert, das bleibt auch abzuwarten. Beister und Jiracek sind aber auf jeden Fall im Kader, und erstmalig auch wieder einmal Gojko Kacar. Weil sich die HSV-Reihen ja doch ein wenig gelichtet haben.

18.05 Uhr

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