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HSV schlägt Braunschweig 1:0 – und überzeugt mit Talenten

14. November 2014

Gewonnen! Mit 1:0 hat der HSV den Zweitligisten Eintracht Braunschweig auf seinem Trainingsplatz unter Ausschluss der Öffentlichkeit (aus Sicherheitsgründen wurde nichts angekündigt) bezwungen. „Außerdem kann man mich so am Rand richtig hören und ich kann einwirken. Deshalb dieser Rahmen“, so Trainer Josef „Joe“ Zinnbauer leicht heiser nach dem Spiel. Und wenn man es ganz genau nimmt, ist das Bundesligateam des HSV auch diesmal ohne eigene Torbeteiligung geblieben. Denn den einzigen Treffer des Spiels erzielte U23-Spieler Ronny Marcos nach einer Flanke von Arslan. Ahmet Arslan allerdings…

„Wichtiger war für mich, dass es ein Test gegen eine gute Zweitligamannschaft war und ich in der ersten Halbzeit ein sehr gutes Spiel von uns gesehen habe“, so Zinnbauer zufrieden, „es war sehr dominant, bestimmend. Leider haben wir ein, zwei Tore zu wenig gemacht, aber auch das Tor war gut herausgespielt. Die Mannschaft ist wieder einen Schritt weiter.“ Taktisch und spielerisch hatte Zinnbauer schon in den letzten Wochen Fortschritte ausgemacht. Einzig das Torproblem bleibt. Oder? „Nein. Wir hatten hier auch noch drei, vier richtig gute Gelegenheiten, die wir besser hätten nutzen müssen. Wir erarbeiten uns die Chancen, das stimmt mich positiv.“

Heute sah er zudem, dass die jungen Spieler aus der eigenen U23 qualitativ nicht allzu weit weg sind von den Profis, was zuerst einmal relativ ist und nicht unbedingt positiv sein muss. In diesem Fall aber schon. Zumindest lobte Zinnbauer seine „Youngster“. Anstatt den Profis Regionalliga-Niveau zu attestieren hob er seine Regionalligatalente gen Bundesliga-Niveau: „Da war der eine oder andere auf dem Platz, der noch nicht auf dem Zettel stand, und die haben das richtig gut gemacht.“ Womit er neben dem Torschützen vor allem auch Ahmet Arslan und Mohamed Gouaida gemeint haben dürfte, die in der ersten Halbzeit im Mittelfeld ein gutes Spiel machten.

Auch insgesamt war der Test bei gefühlten null Grad gut. Zumindest angesichts der Tatsache, dass die Nationalspieler fehlten und Zinnbauer gleich sieben U23-Spieler brachte. In der ersten Halbzeit waren das neben Ashton Götz noch Ronny Marcos, Ahmet Arslan und Mohamed Gouaida. Und Letztgenannter wusste vor allem ob seiner technischen Fertigkeiten zu gefallen. „Er hat ein richtig gutes Spiel gemacht“, lobte Zinnbauer, „das konnte man schnell erkennen. Auch die Bundesligaspieler haben das gesehen.“ Ich fand ihn von den Bewegungsabläufen und seiner Spielart ähnlich wie Angel di Maria. Natürlich nicht in der Qualität des Argentiniers, aber eben ein di Maria in Klein. Und Zinnbauer zuckte bei diesem Vergleich nicht groß, während meine Kollegen lachten. „Das stimmt schon. Er hat vom Bewegungsablauf eine gewisse Ähnlichkeit. Er ist leichtfüßig, hat eine hohe Technik bei hohem Tempo und ist immer ruhig am Ball“, so Zinnbauer über den 21 Jahre alten Franzosen, der über die linke Seite kam und eine Menge Tempo mitbringt. Wie nahezu alle U23-Kicker. Ob Zinnbauer danach ausgesucht hat? „Es ist ein wichtiges Kriterium. Wobei nicht allein das Tempo sondern vor allem die Handlungsschnelligkeit für mich entscheidend ist.“ Klar. Und: Das musste er ja sagen, solange er Rafael van der Vaart im Team hat, der heute durchspielte und im 4-4-2-System mit Nicolai Müller und Ersatzstürmer Lewis Holtby gut spielte.

Die Geschichte des Spiels ist derweil relativ schnell erzählt. Nicolai Müller hatte das 1:0 bereits in der 17. Minute direkt auf dem Fuß, verpasste aber gleich doppelt, ehe Marcos mit einem satten Schuss unter die Latte in der 23. Minute den Siegtreffer erzielt. Und während sich die Defensive mit (von rechts) Götz, Cléber, Westermann und Marcos komplett schadlos hielt, hatten van der Vaart und Tolgay Arslan das Mittelfeld (zusammen mit eben jenem Gouaida links und Ahmet Arslan rechts) im Griff. „Ich habe heute einen Rafa gesehen, der vor Spielfreude nur so strotzte“, freute sich Zinnbauer über die Leistung seines Kapitäns. „Rafa war läuferisch enorm stark, hat Bälle abgelaufen, sie erkämpft und verteilt.“
FussballStimmt. Obgleich es in der zweiten Hälfte etwas weniger wurde. Gleich zweimal standen Braunschweiger völlig allein vor Drobny. „Da war ich schon überrascht“, kritisierte Zinnbauer, „ich dachte immer, da kommt doch gleich einer von uns noch dazwischen. Aber der kam nicht. Stattdessen hat Drobo gehalten.“ Im Zentrum der Kritik war hierbei die Viererkette mit Diekmeier, Kacar, Rajkovic und Ostrzolek, der bis auf einen guten Pass zur Großchance für Jansen in der 79. Minute (aus zehn Metern freistehend über das Tor) als einziger abfiel. Explizit raus nahm Zinnbauer bei seiner Kritik Slobodan Rajkovic nach dessen zweitem Testspieleinsatz seit März. „Slobodan hat eine enorme Präsenz da hinten, ist stark im Zweikampf und beim Kopfballspiel. Das war richtig gut. Das ist ein Spielertyp, der auf Strecke sicherlich sehr gut ankommen wird bei uns.“

Nicht gut, weil gar nicht dabei, war heute Pierre Michel Lasogga, der wegen einer Verhärtung im Oberschenkel behandelt wurde. „Er wollte spielen, wir haben es ausgetestet“, so Zinnbauer, „aber es ging nicht. Für das Spiel in Bremen gibt es aber – Stand jetzt – keine Probleme.“ Ebenfalls nicht mitgewirkt hat René Adler. Der einstige Stammkeeper, der mit Hüftproblemen aussetzte, soll in den kommenden Wochen über weitere Testspieleinsätze wieder herangeführt werden und dürfte somit für Bremen noch nicht in Frage kommen.

Anders Ivo Ilicevic. Der Kroate ist wieder fit und seit zwei Wochen voll im Mannschaftstraining. Heute kam er nach 36 Minuten für Ahmet Arslan, der für den U23-Kick am Sonnabend gegen den VfB Lübeck (14 Uhr, Wolfgang-Meyer-Anlage) geschont wurde. Und er wirkte frisch, aktiv. „Ivo ist willig, der brennt. Man sieht, dass ihm noch ein wenig die Abläufe fehlen wegen des Trainingsrückstandes. Aber es war anständig, er versteckt sich nicht und will was zeigen. Für mich ist das ein Neuzugang und er hat jetzt ja auch noch eine Woche Zeit, um zu zeigen, was er kann.“

Zinnbauer nutzt sein einstiges Team, die U23, um seinem aktuellen Team Druck zu machen. „Die Konkurrenz ist wichtig und unsere Jungs sehen im Training sowie in diesen Testspielen, dass da von unten richtig was nachdrückt. Und das ist gut.“ Ob neben Götz noch jemand für Bremen in Frage kommen würde? „Ich habe heute viel gesehen. Vor allem, dass die U23-Jungs nicht abgetaucht sind und man die Qualität erkannt hat. Man sieht, dass wir da echt Qualität in der Hinterhand haben, die die Vorderhand mal ordentlich anschieben kann. Ich werde mir morgen noch mal die U23 genau anschauen, einige nächste Woche ins Training nehmen. Dann heißt es Feuer frei und wir entscheiden, wer für Bremen am Ende richtig ist.“ Soll heißen: Zinnbauer erhöht den Druck auf die Profis, die ihn sogar „nachdenklich“ stimmten. „Es gab keinen Unterschied, obwohl das eigentlich so sein sollte, dass man von den gestandenen Bundesligaspielern etwas erwarten darf.“

Andererseits erweitert das Zinnbauers personelle Möglichkeiten. Denn während Philipp Müller und Nils Brüning (kamen zur Halbzeit für N. Müller und Holtby) ohne große Szenen blieben, zeigten Ahmet Arslan, Gouaida und Marcos, dass sie auf Götz als nächste Bundesligadebütanten folgen könnten. Zumal Zinnbauer im Anschluss an den Kick gegen Braunschweig wiederholt betonte, wie viel Spaß er daran habe, junge Spieler auszubilden und an die Bundesliga heranzuführen. Kandidaten dafür gab es heute mehrere. Und das ist mit Sicherheit die beste Erkenntnis des heutigen Testspiels.

KORREKTUR: In diesem Sinne, morgen wird um 10 Uhr trainiert und Lars meldet sich nach dem U23-Spiel bei Euch.

Scholle

So haben sie gespielt: Drobny – Götz (46. Diekmeier), Cléber (46. Kacar), Westermann (46. Rajkovic), Marcos (46. Ostrzolek) – A. Arslan (37. Ilicevic), T. Arslan (56. Mende), van der Vaart, Gouaida (46. Jansen) – N. Müller (46. Brüning), Holtby (46. P. Müller).

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