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Herrlich – endlich mal wieder nur Fußball

19. Juni 2014

Das ist doch mal eine erholsame Ausnahme: Ruhe. Keine spektakulären Interviews, keine großen Neuigkeiten in Sachen Transfers – einfach mal ein stinknormaler Trainingstag. Und eine gute Gelegenheit, den ersten neuen kennenzulernen: Zoltan Stieber.

Und der kleine Linksfuß aus der Mannschaft des Relegationsgegners Greuther Fürth ist zuallererst: sehr sympathisch. Ein bodenständiger Typ – allerdings auch noch neu im „Big Business“ des Fußballs und von daher noch angenehm unverdorben. „Ich komme gerade an und will alles kennenlernen, um es beurteilen zu können“, sagt Stieber, der sich selbst schon Vorurteilen ausgesetzt sah, ehe er überhaupt in Hamburg angekommen war. „Darüber habe ich mit dem Trainer gesprochen und das ist alles geklärt“, sagt Stieber und lächelt, „die Hauptsache ist ja auch, dass der Trainer mir vertraut.“

Und das tut Slomka, der sich zusammen mit Kreuzer um den Transfer des 25-jährigen Ungarn gekümmert hatte. Und ganz ehrlich, bei der Frage, ob er die kurze Diskussion nach seiner Verpflichtung mitbekommen habe, tat er mir kurz leid. Das klingt überheblich, ich meine es allerdings nur nett. Denn plötzlich stand der laut Transfermarkt.de 1,75 (ich glaube ehrlich gesagt, der ist kürzer…) Meter große linke Mittelfeldspieler da und wusste gar nicht, warum er sich erklären muss. Denn falsch gemacht hat er nichts. Er hat gegen den HSV in beiden Relegationsspielen gut gespielt und sich nicht zuletzt ob des Passes zum 1:1 für Fürth jedem Verdacht entzogen, nicht bis zum Schluss alles für seinen alten Klub gegeben zu haben. Und auch im Training gefällt mir Stieber bislang. Er ist naturgemäß noch etwas zurückhaltender als er sein muss – aber immer wieder lässt der Techniker sein Können aufblitzen. Heute unter anderem mit einem überlegten Lupfer im Trainingsspiel gegen den überraschten Jaroslav Drobny.

„Zoltan hat Tempo und geht ins Eins gegen eins“, erklärt Sportchef Oliver Kreuzer die Vorteile des Neuen Flügelflitzers mit Potenzial, der auf der Außenbahn dem heute im Training bärenstärken Ivo Ilicevic sowie dem krank geschriebenen Hakan Calhanoglu Druck machen soll. Dass Stieber nicht der Königstransfer ist, ist klar. Das weiß er auch selbst. Und der ungarische Nationalspieler schätzt sich und seine Situation erfrischend realistisch ein: „Ich bin neu, habe einen großen Klub und eine tolle, neue, starke Liga vor mir. Ich bin weit davon entfernt, mir jetzt schon große Ziele zu setzen. Ich gehe jetzt Schritt für Schritt, trainiere hart, gebe alles und hoffe, am Ende dem Verein damit helfen zu können und möglichst viel zu spielen. Alles andere, was mich betrifft, kommt dann doch von allein.“ Stimmt.

Stieber-Interview vom 19. Juni 2014

Wohltuende Worte nach dem unsäglichen und anhaltenden Wechseltheater Hakan Calhanoglus, der sich mit Wort und Tat in Hamburg untragbar zu machen versucht und nach eigener Aussage jetzt den Anfeindungen in verschiedenen Intern-Foren mental nicht mehr gewachsen ist. „Wir unterschätzen das nicht und werden Hakan alle Hilfe anbieten, die er braucht“, hatten gestern bereits Noch-Klubboss Carl Jarchow und Slomka betont. Kreuzer stimmte heute mit ein und kündigte an, dass man versuche, Calhanoglu möglichst schnell nach Hamburg zu holen, um ihn hier von einem Neurologen untersuchen zu lassen. Dafür habe er bereits diverse Male versucht, Calhanoglu telefonisch zu erreichen. Und er versucht es weiter. Kreuzer: „Hakan bekommt die Hilfe, die er braucht, um sich hier schnellstmöglich wieder auf Fußball konzentrieren zu können.“

Nun denn. Mehr will ich zu diesem Thema auch nicht mehr schreiben, um selbst der Gefahr aus dem Weg zu gehen, dem Jungen gegenüber in irgendeiner Form politisch unkorrekt zu werden oder Gefahr zu laufen, von irgendeinem Bayer-Verantwortlichen zivilrechtlich verklagt zu werden.

Klar ist, dass der HSV in den nächsten tagen die Verhandlungen mit Hertha BSC aufnehmen wird, um Pierre Michel Lasogga an den Klub zu binden. „Wir haben bislang noch keine Gespräche geführt und noch keinerlei Zahlen ausgetauscht“, sagt Slomka, der die Verhandlungen zusammen mit dem designierten Vorstandsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer führte und weiterhin führen wird. In den nächsten Tagen dürfte das allerdings etwas schwieriger werden, da sich Herthas Manager Michael Preetz heute für zehn Tage in seinen Jahresurlaub verabschiedet. Wobei man in Berlin davon spricht, dass Hertha den Preis für seinen Stürmer nach zweierlei Maß bemessen habe: Einmal für einen Wechsel ins Ausland und einmal für einen Wechsel zum HSV, auf den Preetz offenkundig nicht besonders gut zu sprechen ist. Zum einen, weil er die Hamburger mit ein paar Verstärkungen als potenziellen Konkurrenten sieht, zum anderen, weil er mit Kreuzer über Kreuz liegt. Ein Beispiel dafür: Per Skjelbred, der noch offiziell bis zum 30. Juni an Hertha ausgeliehen ist, hatte angefragt, ob er beim HSV zum Trainingsauftakt reisen dürfe. Preetz sagt ab. Und das, obwohl Skjelbred (Stand heute) zum HSV zurückkehren wird und Hertha noch nicht einmal trainiert. Also: einfach nur, um den HSV ein wenig zu ärgern…

Und so kindisch das ist, so ernst werden die Verhandlungen um Lasogga laufen. Da bin ich mir sicher. Skjelberd sei „extern zu betrachten“ sagt Kreuzer, allerdings bin ich mir sicher, dass er in der Gesamtrechnung letztlich eine Rolle spielen wird und nach Berlin wechselt, während Lasogga in Hamburg bleibt.

Zu Lasogga soll noch eine neue Achse gefunden werden, auf die sich Kreuzer und Slomka bei ihrem ersten Austausch mit dem neuen Vorstandsboss Beiersdorfer geeinigt haben. „Wir brauchen hinten einen neuen“, so Kreuzer, der gestern den Leihdeal Sobiechs zum FC St. Pauli finalisierte und dem ein Angebot für Michael Mancienne aus England vorliegen soll. „Es kann immer noch was passieren“, sagt Kreuzer, der sich täglich mit Beiersdorfer abstimmt. Ziel ist es, eine Sofortverstärkung für die Innenverteidigerposition zu holen. Dass dafür einer der (Rajkovic, Mancienne, Westermann, Djourou, Tah und mit Abstrichen Kacar) fünfeinhalb angestellten Innenverteidiger gehen soll – eigentlich nur logisch. Allerdings bestätigt Kreuzer das nicht. Warum auch? Es würde den Preis nur senken. Und so dumm, so etwas zu sagen, ist man hier ja nicht (mehr)…

Kreuzer-Interview vom 19. Juni 2014

Zudem soll ein zentraler Mittelfeldspieler kommen, der die Spielertypen Arslan und Badelj auf der Sechs ergänzt. Soll heißen: Eine Kämpfertyp, der dazwischenhaut und trotzdem einen gepflegten Pass spielen kann. Den am besten auf die noch zu holende Offensivkraft. Oder Offensivkräfte? Denn sollte Lasogga nicht klappen oder der HSV doch noch Jacques Zoua abgeben können, soll Ersatz her. Bis dahin jedoch sucht der HSV eine „falsche Neun“, also einen spielstarken Angreifer, der auch auf der Position hinter Stoßstürmer Lasogga und/oder Rudnevs agieren kann. Der Lette jedenfalls scheint bei Slomka einen sehr guten Stand zu haben und trifft im Training – auch wenn das nicht selten sehr unkonventionell aussieht.

Allerdings ist auch klar, dass noch Spieler abgegeben werden sollen. Zum Teil auf Leihbasis (Steinmann) aber auch zum Verkauf wie bei Ivo Ilicevic. Wenn meine Informationen stimmen, hatte Kreuzer beim Einfädeln des Stieber-Transfers mit dessen Berater Volker Struth auch vereinbart, dass dieser seinen anderen Mandanten beim HSV, Ivo Ilicevic, zu verkaufen versucht. Der Kroate sei schlichtweg zu oft verletzt. Was leider stimmt. Dass dieser Verkauf furchtbar schade ist – das bewies Ilicevic heute im Trainingsspiel. Aber ein Verkauf des kroatischen Nationalspielers ist angesichts seines hohen Gehaltes und seiner fehlenden Einsatzzeiten ökonomisch schon fast alternativlos.


So, das soll es für heute gewesen sein. Endlich mal wieder ein Blog ganz ohne Provokationen von Spielern, Beratern Sponsoren, Aufsichtsräten oder dergleichen. Einfach mal wieder HSV. Fußball. Ist ein echt schönes Gefühl – irgendwie…

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen WM-Abend und bis morgen. Dann wieder mit Fußball. Hoffe ich.

Scholle

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