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Ein Elfmeter besiegelt das HSV-Schicksal in Bremen

19. April 2015

Fußball kann ja so gnadenlos sein. Das war ja ein Spiel, das der HSV niemals verlieren durfte – aber er verlor in Bremen durch einen Foulelfmeter in der 86. Minute mit 0:1 und blieb damit abgeschlagenes Bundesliga-Schlusslicht. Dabei hatte der „neue“ und von Bruno Labbadia gecoachte HSV durchaus gute Szenen in Bremen, hatte in Halbzeit eins auch die wesentlich besseren Tormöglichkeiten – aber die Null steht bei den Hamburgern weiterhin fest und eisern. Vorne. Hinten natürlich nicht. Obwohl dieses eine Tor mit Sicherheit nicht sein musste. Aber so ist es eben, wenn ein Abstiegskandidat unterwegs ist. Leider, leider. Jetzt ruhen die Hamburger Hoffnungen eben auf das nächste Heimspiel, das gegen Augsburg am Sonnabend. Aber es werden auch immer weniger Spiele. Diesmal war es, ganz klar, viel Pech, aber ohne ein HSV-Tor kann der HSV eben auch nicht gewinnen. So geht es ja schon die gesamte Saison über, daran wird der HSV letztlich scheitern. Obwohl ich es nach wie vor nicht hoffe.

 

Die Hoffnung war nach dem erneuten Trainerwechsel plötzlich wieder da. Das Trainingslager, die vielen Gespräche, die der neue Coach mit den Spielern geführt hat, die Ergebnisse der Konkurrenz, die an diesem Sonnabend für den HSV gespielt hatte – das alles hatte wieder einmal für etwas mehr Optimismus gesorgt…

 

Der Empfang in Bremen war allerdings wenig ermunternd. Die Werder-Fans hatten sich etwas ganz „Besonderes“ einfallen lassen. Ein riesiges Plakat um zwei Tribünen, auf denen zu lesen war: „Eine Kühne AG als Gegner, nur mit Clowns und einer Szene, die so keine ist – macht für uns das Derby grau und trist.“
Wie schön. Dass doch alle gekommen waren. Meine Plakate waren allerdings nicht rechtzeitig fertig geworden:
„Gegen grüne Hühnchen von Wiesenhof, ist Fußball wirklich schlimm und doof.“
Und: „Fußball gegen Hähnchenschenkel, endet meistens im Geplänkel.“ Und so weiter, und so weiter. Besonders einfallsreich war und ist das alles nicht. Eher grau und trist.

 

Was man vom Spiel nicht sagen konnte. Da war schon Feuer drin. Und als der HSV nach zehn Minuten immer noch die Null hinten hielt, da war schon mal der Etappenhase zum Einsatz gekommen. Und – man höre und staune – der HSV hatte sogar die erste Chance des Spiels: Rafael van der Vaart bediente Pierre-Michel Lasogga, der nahm den Ball mit der Brust an und schoss ihn aus 21 Metern volley auf das Werder-Tor – doch genau auf Keeper Casteels. Der stand – etwas überraschend – zwischen den Pfosten, draußen war der ehemalige HSV-Torwart Raphael Wolf geblieben. Trainer Skripnik hatte sich wohl gedacht: „Sicher ist sicher.“ Damit bei einem eventuellen Torwartfehler niemand einen schlimmen Verdacht hegt.

 

Es entwickelte sich ein spannendes Spiel, indem sich die Akteure nichts schenkten. So wie das auch im Abstiegskampf sein muss. HSV-Trainer Bruno Labbadia, der mit einem Schlips um den Hals am Spielfeldrand stand (Mann gönnt sich ja sonst nichts!), hatte seine neuen Mannen gut eingestellt. Der HSV stand kompakter, rannte nicht immer blindlinks nach vorne, und hinten ging man eisern zur Sache. Nicht immer regelkonform, aber einen Fairnesspreis wird der HSV auch nicht am Saisonende erwarten, eher die Rettung der Klasse. Und Schiedsrichter Wolfgang Stark (Landshut) hatte einen für den HSV ganz starken Tag. Erst ließ er Slobodan Rajkovic gewähren, als der HSV-Innenverteidiger den Bremer Torjäger im Fünfmeterraum umklammerte und festhielt, dann drückte Stark auch bei einem bösen Tritt von Rafael van der Vaart beide Augen zu – auch noch die Hühneraugen. Das war Rot, da sollte man fair bleiben. Der „kleine Engel“ hatte den Bremer Vestergaard ganz übel umgetreten, als er ihn am Schienbein erwischte. Stark beließ es bei einer Verwarnung – dafür sollte ihm der HSV in der neuen Woche ein Dankesschreiben nach Landshut schicken. Es wäre ja auch völlig dumm gewesen, wenn sich der HSV auch in diesem Spiel wieder selbst dezimiert hätte. Stark hatte ein Einsehen (16.). Und Glück auch für van der Vaart, der kurz darauf absichtlich Hand spielte – kein Gelb, nichts. Unfassbar.

 

Dann kam der (vollzählige) HSV auf Touren. Endlich einmal wieder, endlich einmal auch in einem fremden Stadion. Heiko Westermann bediente Lasogga, der passte den Ball quer in den Fünfmeterraum, doch dort verfehlte Ivica Olic die Kugel knapp (28.). Und nur Sekunden später gab Matthias Ostrzolek den Ball von links zur Mitte, wo Lasogga absichtlich passieren ließ, doch Zoltan Stieber schoss den Ball dann aus zwölf Metern knapp am Tor vorbei. Das war eine fast Hundertprozentige! Bitter.

 

Werder hatte dann eine erste – halbe – Tormöglichkeit, und zwar in der 33. Minute. Nach einer Flanke kam Di Santo eher als Cleber an nden Ball, doch der Schoss vom Eck des Fünfmeterraum-Ecks stieg weit über das HSV-Tor. Danach noch zweimal Aufregung auf Hamburger Seite: Westermann traf bei einem Abwehrversuch Junuzovic und sah dafür Gelb (36.), und 120 Sekunden später erlaubte sich Cleber ein „dickes Ding“. Der Brasilianer wollte den lahmen Ball ins Toraus rollen lassen, doch der rollte nicht so, wie er wollte. Und als Junuzovic nachsetzte, schubst ihn Cleber kurzerhand um. Wie dumm! Zum Glück, zum großen Glück pfiff Schiedsrichter Stark auch diesmal nicht! Aber wie kann ein solcher Blackout passieren? So amateurhaft.

 

Die letzte Chance vor der Pause hatte dann Werder. Und was für eine. Ein Konter aus der eigenen Hälfte, Fritz bediente Junuzovic, der sprintete los und flankte bilderbuchartig zur Mitte, in den HSV-Strafraum, und Cleber tauchte unter dem Ball durch! Der dahinter lauernde Selke schoss überhastet weit über das HSV-Gehäuse, da war sicherlich mehr drin (43.). Halbzeit.

 

Die erste Möglichkeit des zweiten Durchgangs gehörte dann dem HSV. Stieber schoss aus 16 Metern, aber Casteels tauchte ab und hielt den Schuss ohne große Mühe (48.). Unangenehm wurde es für den HSV meistens dann, wenn der Österreicher Prödl, der früher mal Weltmeister im Weitwurf (oder Schleuderball?) gewesen sein muss, zum Einwurf von der Eckfahne her antrat. Das waren meistens gute Gelegenheiten für die Bremer, aber irgendwie schienen sich die GSV-Abwehrspieler von Minute zu Minute mehr besser darauf eingestellt zu haben.

 

In der 58. Minute kam dann auf Bremer Seite Levin Öztunali ins Spiel, und fast hätte Uwes Enkel in der 80. Minute noch getroffen. Er schoss aus 18 Metern, doch Rene Adler hielt fantastisch – nur Ecke statt 1:0. Das fiel 120 Sekunden später. Valon Behrami zog Junuzovic im Strafraum um, es gab Elfmeter und Rot für den Schweizer – wieder eine Rote Karte für den HSV! Den fälligen Elfmeter verwandelte Di Santo in der 84. Minute zum Tor des Tages. Ganz, ganz bitter, diese Niederlage. Aber wenn man erst einmal unten steht, dann gesellt sich auch viel Pech hinzu . . .

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann,
Rajkovic, Cleber, Ostrzolek; Behrami, Holtby; Stieber (ab 70. Müller), van der Vaart (ab 86. Kacar), Olic (ab 86. Rudnevs); Lasogga.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler spielte sehr aufmerksam, war der ruhende Pol – bekam aber auch nicht sonderlich viel auf seinen Kasten.

 

Heiko Westermann verteidigte solide, gefiel durch sein Kopfballspiel – und rettete auch mal hier und mal dort. Tauchte sogar einige Male vorne mit auf – und auch das nicht mal schlecht.

 

Slobodan Rajkovic gestattete Gegenspieler Di Santo kaum etwas, bediente sich dabei nicht selten der etwas rustikaleren Art – aber es half. Gute Partie des Serben.

 

Cleber war meistens eng am Mann, ging hart und konsequent zur Sache, aber er hatte auch wieder diese gelegentlichen Aussetzer, die immer für ein Gegentor „gut“ sind. Leider. Da muss er dran arbeiten – oder der Trainer muss es mit ihm machen.

 

Matthias Ostrzolek begann nachlässig, auch zu körperlos – aber nach dem Seitenwechsel wurde er besser, bissiger, konstruktiver. So wollen wir ihn sehen. Mehr davon.

 

Valon Behrami stellte sich in Geburtstagsform vor, verzichtete bis zur 82. Minute auf alle Mätzchen und stellte sich in den Dienst der Mannschaft. Dann zog er Junuzovic um, es gab Elfer und die Rote Karte für ihn.

 

Lewis Holtby arbeitete bienenfleißig, aber er setzte keinerlei Akzente. Leider. Fehlt am Sonnabend gegen Augsburg, weil er seine fünfte Gelbe Karte sah.

 

Zoltan Stieber spielte nur bis zur 70. Minute, hatte die bis dahin beste HSV-Chance, blieb aber insgesamt hinter seiner Form, die er noch zu Beginn des Jahres gezeigt hatte.

 

Rafael van der Vaart hatte vornehmlich in Halbzeit eins gute Ideen, lief viel – und hatte zweimal Glück, dass ihn der Schiedsrichter schützte. Später ließen die Kräfte nach.

 

Ivica Olic war zuletzt gegen Wolfsburg okay, diesmal trat er kaum in Erscheinung.

 

Pierre-Michel Lasogga begann durchaus okay, aber dann ließ er stetig nach – und war in Halbzeit zwei überhaupt nicht mehr zu sehen.

 

Nicolai Müller (kam in der 70. Min. für Stieber) und konnte ich nicht mehr zeigen.

 

Gojko Kacar (ab 86. Min. für van der Vaart) sollte noch, konnte aber in den letzten Sekunden nichts mehr.

 

Artjoms Rudnevs (ab 86. Min. für Olic) sollte ebenfalls noch, kam aber nicht mehr dazu.

 

Das war es zunächst vom Spiel in Bremen. Gleich werden wir wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle sein, um über diese Partie zu sprechen. Unsere Gäste sind heute der ehemalige HSV-Profi Andreas Merkle, der einstige „Bomber von Saragossa“, sowie der Unternehmer und Erfinder des „Uwe-Seeler-Fußes“, Andreas Maske, der auch seit Beginn des Jahres unser Premium-Partner bei „Matz ab“ ist. Wir alle würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder unsere Zuschauer sein würdet.
PS: Andreas Merkle und Saragossa – das möchte ich schnell erklären. UEFA-Cup 1989, zweite Runde. In Spanien verlor der HSV 0:1, im Rückspiel am 30. Oktober stand es nach 90 Minuten 1:0 – Tor Merkle, der in der 64. Minute (für John Jensen) eingewechselt worden war, und drei Minuten später traf. In der Verlängerung schlug unser heutiger Gast dann noch einmal zu, der HSV kam mit diesem 2:0-Sieg nach Verlängerung in den dritte Runde – und Andreas Merkle wurde für seine beiden Treffer lange, lange gefeiert.
Und um noch ein wenig nostalgisch zu werden: Der HSV spielte mit Golz; Moser, Beiersdorfer, Schröder, Dammeier, Jusufi, von Heesen, Eck, Jensen (ab 64. Min. Merkle), Jens Fischer (ab 99. Min. Ballwanz), Furtok. Trainer war Willi Reimann.

 

17.34 Uhr

 

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