Archiv für das Tag 'Rajkovic'

Frankfurt wird nervös . . .

17. Mai 2013

Spannend wird es auf jeden Fall. Vielleicht sogar dramatisch. Und wenn es in Hamburg und Frankfurt lange Zeit 0:0 steht, dann wird mit jeder Minute mehr eine ganz besondere Atmosphäre in beiden Stadien herrschen. Dann gibt es eventuell ein Herzschlag-Finale. Und geht es nach dem Computer der Sport-Bild, dann wird an diesem Sonnabend ganz – oder auf jeden Fall fast ganz – Hamburg jubeln. Wer sich erinnert: Vor Wochen, Ende März, hatte die Sport-Bild die letzten Bundesliga-Spieltag tippen lassen. Von Udo Lattek und von Experten aus dem Wettbüros. Und vom eigenen Computer, Der SB-Computer hatte den HSV zwar letztlich auf Rang zehn einlaufen lassen (sich also „leicht“ geirrt), aber immerhin hat er für morgen folgende Spielausgänge getippt: Eintracht Frankfurt – VfL Wolfsburg 2:3, HSV – Bayer Leverkusen 3:1. Was will der Hamburger mehr?

Übrigens: Die Experten von Tipico haben den HSV auf Rang sechs einlaufen lassen, die von Bwin sogar auf Platz fünf. Letzteres kann nicht mehr geschehen, aber die Herren hatten eben Vertrauen in den HSV. Anders als Udo Lattek, der den HSV auf Rang zwölf enden sah. Knapp daneben ist auch vorbei, aber der gute Udo kennt sich eben auch etwas besser beim FC Bayern aus . . .

Die stehen hier und heute aber nicht zur Diskussion. Leverkusen muss morgen erst einmal besiegt werden, und dann muss gehofft werden, dass die Wolfsburger ihre gute Auswärtsform durch einen erneuten Dreier (diesmal in Frankfurt) unterstreichen. Unmöglich ist das alles doch nicht. Der VfL ist mit 25 Auswärtspunkten die drittbeste Auswärtsmannschaft der Liga – hinter Bayern und Dortmund. Das ist doch etwas, das Mut machen müsste, ihr Hamburger. Und mit Leverkusen kommt eine Mannschaft in den Volkspark, die auswärts nur einen Punkt mehr geholt hat, als der HSV in der Fremde. Dass der HSV gegenüber der Werkself daheim nur 26 Zähler geholt hat, Bayer dagegen 39 – das verschweigen wir dann doch besser.

Egal aber was die Statistiken auch immer sagen, die Tagesform und vielleicht auch ein Hauch Glück entscheiden darüber, ob der HSV doch noch Europa packen wird. Die Hamburger sind heiß, das war heute beim Abschlusstraining zu spüren. Da wurde konzentriert gearbeitet – gepaart mit Spaß. Erst eine habe Stunde das obligatorische Kreisspielchen (drei Stationen), dann wurde immer zu dritt über fünf Meter gesprintet. Wobei die Spieler ganz genau darauf achteten, wer diesen Sprint gewonnen hat. Da wurde teilweise um Zentimeter gefeilscht. Dann gab es ein Abschlussspielchen, in dem die beiden Mannschaften bunt durcheinander gewürfelt wurden. Ein Team spielte mit Drobny, Westermann, Rajkovic, Rincon, Badelj, Co-Trainer Heinemann, Ilicevic, Sala, Skjelbred und Rudnevs, das andere Team mit Adler, Bruma, Jansen, Mancienne, Diekmeier, Aogo, van der Vaart, Jiracek, Son und Beister. Heung Min Son traf zuerst gegen Rene Adler, dann Maximilian Beister. Wie das Match (auf einem Viertel des Platzes) endete, das entzieht sich allerdings meiner Kenntnis, denn die nebenan trainierende „Zweite“ verließ den Rasen, und ich wollte unbedingt noch mit Andre Panadic sprechen. Der ehemalige HSV-Spieler (101 Spiele, fünf Tore als Innenverteidiger) ist im Moment mit seinem Sohn Mateo in Hamburg, „Panas“ Sohnemann trainiert – auf Vermittlung von HSV-Manager Bernd Wehmeyer – bis einschließlich morgen zur Probe beim HSV (Regionalliga-Team). „Pana“ ist mächtig stolz auf seinen Filius, wagt aber noch keine Prognose. Es „sehe ganz gut aus“ sagt er vorsichtig und will abwarten, was und wie sich der HSV nach dem Sonnabend entscheidet. Immerhin: Neben „Pana“ stand der frühere Bundesliga-Profi Uwe Fuchs, der sich einst auch als Trainer versucht hatte, heute aber Spielerberater ist. Er wird sich wohl künftig um Mateo Panadic kümmern und dabei behilflich sein, einen Verein zu finden – falls es mit dem HSV nicht klappen sollte.

Aber zurück zum aktuellen Geschehen, zum 34. Spieltag. Oh, als ich das schreibe, den 34. Spieltag, wird mir ganz „schwummerig“ – Schei . . .-Sommerpause. Das wird noch eine schlimme und über weite Strecken auch langweilige Zeit. Weil sich beim HSV ja auch in Sachen Ein- und Verkäufen traditionell erst gegen Ende der Pause etwas tut. Nun gut, damit müssen wir leben. Auch wenn es schwerfällt.

In Frankfurt scheinen sie inzwischen auch ein wenig nervös zu werden. Weil es aus Hamburg je den einen oder anderen Satz – von wegen des Drucks – gegeben hatte. Dazu schreibt die Agentur heute:

Trainer Armin Veh vom Tabellensechsten Eintracht Frankfurt hat vor dem Bundesliga-Finale am Samstag die Störfeuer vonseiten des Hamburger SV gekontert. „Wir haben einen Etat von 25 Millionen Euro, und der HSV macht in dieser Saison Schulden. Und dann sollen wir Druck haben. Das ist doch ein Witz. Da lache ich mich kaputt, wenn ich sowas höre“, sagte Veh einen Tag vor dem abschließenden Saisonspiel der Hessen am Samstag gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/Sky und Liga total!). HSV-Trainer Thorsten Fink hatte vor dem Showdown um Platz sechs gestichelt: „Wir haben nicht viel zu verlieren, Frankfurt dagegen schon.“ Auch Keeper Rene Adler hatte gesagt, dass der Druck bei der Eintracht liege. Dem Aufsteiger aus Frankfurt (50 Punkte) würde ein Sieg im Duell mit den „Wölfen“ für die Europa-League-Qualifikation reichen, und sogar ein Unentschieden, wenn zeitgleich Verfolger Hamburger SV (48) gegen Bayer Leverkusen nicht gewinnt oder bei einem Sieg nicht 13 Treffer aufholt. Die Eintracht könnte prekärerweise nach 33 Spieltagen auf einem der ersten sechs Plätze und einer tollen Saison noch aus den internationalen Rängen purzeln.

Veh muss noch um den Einsatz von Toptorjäger Alexander Meier (15 Treffer) bangen, der zuletzt wegen einer Sprunggelenkverletzung ausgefallen war. Kapitän Pirmin Schwegler stehe nach seiner Schambeinblessur auf jeden Fall im Kader, kündigte Veh an. Der Schweizer Mittelfeldspieler liebäugelt mit einem Wechsel nach Wolfsburg. Coach Veh, der die Hessen vor dieser Saison zurück in die Bundesliga geführt hatte, sprach im Vorfeld von einem schwierigen Spiel. „Wir wissen aber, dass wir etwas Großes erreichen können“, erklärte der 52-Jährige, der selbst ein Verpassen der Europa League nicht als Drama bewerten würde. „Wenn es nicht klappt, dann geht die Welt auch nicht unter. Auch Platz sieben wäre ein großer Erfolg.“

Für den HSV doch auch. Ernsthaft. Sollte es nicht mit Rang sechs klappen, dann sind Platz sieben oder acht auch akzeptabel. Für mich jedenfalls. Und daran, dass wir dann alle gemeinsam wieder auf die nächste Spielzeit hoffen, daran haben wir uns alle doch schon längst seit Jahren gewöhnt. Immerhin, und das kann selbst der größte HSV-Kritiker nicht von der Hand weisen, ist es in dieser Saison wieder bergauf gegangen – mit dem HSV. Auch wenn es diese berühmt-berüchtigte Berg-und-Talfahrt gegeben hat. Daran wird der Club sicher arbeiten – wenn Geld da ist.

Erst einmal abwarten, was der Sonnabend nun bringen wird. Beim HSV sind alle Mann an Deck, lediglich „Maxi“ Beister hatte heute während des Spiel ein paar Schwierigkeiten und musste sich behandeln lassen, ging dann auch, als das Trainingsende gekommen war, als erster Spieler in die Kabine. Thorsten Fink hatte zuvor eine engagierte Gemeinschaft trainieren sehen. Und der Coach sagte: „Wir sind heiß, wir brennen auf dieses Spiel.“ Dann sagte er auch noch: „Wenn Leverkusen aber genauso motiviert ist wie wir, genauso top drauf ist, dann werden wir keine Chance haben. Das ginge dann doch nur für uns, wenn Bayer eine Rote Karte bekäme – oder so. Die haben doch mehr Qualitäten. Die stehen doch ganz oben, haben Platz drei schon sicher. Der FC Bayern könnte gegen uns auch nur verlieren, wenn sie nicht hundert Prozent geben. Wenn aber zwei Mannschaften, von der eine qualitativ stärker besetzt ist, gleich motiviert sind, dann muss schon viel passieren, wenn die etwas schwächere gewinnen sollte . . .“

Tagesform. Ich sage, die Tagesform wird entscheiden. Und wenn die HSV-Mannschaft endlich von der ersten Minute an begreift – und dementsprechend zur Sache geht – dass es hier um sehr, sehr viel geht und dass das die allerletzte Chance auf Europa ist, dann ist der Unterschied – auch der qualitative – zwischen beiden Teams vielleicht doch nicht ganz so groß.

So, zum Schluss sie noch kurz erwähnt, dass der frühere HSV-Kapitän David Jarolim heute seinen 34. Geburtstag feiert – herzlichen Glückwunsch, „Jaro“ – und bis bald.

Dann findet auch morgen nach dem Spiel wieder die immer beliebter werdende „Matz-ab-live“-Talkrunde“ statt, für das wir eigentlich schon zwei Gäste seit Anfang Februar fest verpflichtet hatten: Manfred Kaltz und Harry Bähre. Rekordspieler Kaltz allerdings hat heute Nachmittag (leider) absagen lassen, sodass wir im Laufe des heutigen Abends noch um einen Ersatz bemüht sind. Wir sind am „röteln“ . . .

PS: Aus technischen Gründen ist das”Matz-ab”- Gewinnspiel noch nicht aktualisiert, es ist “am werden”, aber die Gewinner der Trikots und der Karten sind bereits benachrichtigt worden.

18.52 Uhr

Son geht, Son bleibt, Son geht – oder bleibt er jetzt doch?

14. Mai 2013

Er hatte es eilig. Immerhin musste er noch den Flieger nach London erreichen, der ihn zum Spiel Wigans bei Arsenal London befördern sollte. Paul Scharner tritt heute Abend für Wigan an – und Fink will zusammen mit Sportchef Frank Arnesen vor Ort überprüfen, inwieweit der Österreicher für den HSV in der kommenden Saison wichtig ist. „Ich muss Paul auch mal live sehen, und heute ergibt sich die Gelegenheit“, sagt Fink. Ob er sich auch andere Spieler ansieht oder sonstige Termine hat? „Keine Termine“, so Fink, „ich fliege tatsächlich nur wegen Paul hin.“ Okay, aber sollte noch jemand auffallen – Stift und Zettel haben Arnesen und Fink dabei, wie der Trainer versichert…

Der hatte zuvor auf einige Stammspieler im Training verzichten müssen. Dennis Aogo kuriert noch die Reste seiner Sprunggelenksverletzung aus, Petr Jiracek hat in Hoffenheim einen Schlag aufs Knie bekommen und Rafael van der Vaart leichte Wadenprobleme. „Alle drei wollen aber schon am Mittwoch wieder mittrainieren“, so Fink, der bei seiner Mannschaft ob des Saisonendspurts „einen gewissen Substanzverlust“ erkannt hat. Allerdings liege der noch im Erträglichen – und die Aussicht auf das Finale am Sonnabend im eigenen Stadion sei Schmerzmittel genug für alle Wunden. „Es ist deutlich, dass hier alle richtig heiß darauf sind, am Sonnabend das Unmögliche doch noch möglich zu machen. Ich habe ein gutes Gefühl, dass die Mannschaft die Überraschung erzwingt.“ Und sollte dies nicht gelingen, weil Frankfurt parallel punktet: „Dann ziehe ich den Hut vor der Eintracht“, so Fink, „dann haben sie es verdient.“

Stimmt. Egal wer am Ende auf welchem Platz steht, er hat es verdient. Wobei ich mir ebenso wie Fink sicher bin, dass sich Ex-HSVer Ivica Olic mit dem VfL Wolfsburg in der Partie bei Eintracht Frankfurt nicht hängenlassen wird, nachdem sie nunmehr neun Spiele in Folge nicht verloren haben und noch die Chance auf einen einstelligen Tabellenplatz haben. Zudem liegt der psychologische Druck bei den Hessen. „Frankfurt hat den Vorteil, nur einen Punkt zu brauchen und ein Heimspiel zu haben. Aber auf der anderen Seite haben wir den psychologischen Vorteil, nur gewinnen zu können, während Frankfurt eine ganze Menge zu verlieren hat.“

Stimmt. Aber ob’s was nützt?

Egal wie, der HSV muss zuerst einmal gegen Bayer Leverkusen gewinnen. Und die Werkself ist nicht nur tabellarisch nach Bayern und Dortmund der drittschwerste Gegner, den man haben kann. „Taktisch, technisch und physisch ist Bayer top“, lobt auch HSV-Trainer Fink. Zurecht. Denn die Leverkusener sind spielstark, können hervorragend kontern und sind bei Standards gefährlich. Es fehlt an nicht vielem. Außer vielleicht an der Motivation im letzten Saisonspiel, da es für Bayer um nichts mehr geht. Der dritte Rang ist gesichert – weder nach oben noch nach unten geht etwas. „Ich glaube nicht, dass die sich hängenlassen“, sagt Fink, der ein heißes Spiel erwartet: „Alle, ob Spieler, Trainer oder Zuschauer, können sich auf ein geiles Finale freuen.“

Wobei so kurz vor Saisonende auch schon die ersten Andeutungen von Analysen durchsickern. Heute bei Fink. „Wir hatten 48 Punkte mehr oder weniger als Ziel ausgegeben und die jetzt erreicht. Die haben wir auch nicht von irgendwelchen Elfen geschenkt bekommen sondern uns erarbeitet. Wir dürfen uns ganz sicher nicht belügen, da gibt es einiges, was wir verbessern müssen. Aber wie wir nach den großen Rückschlägen in München, Hannover oder hier gegen Schalke zurückgekommen sind zeigt, dass der Kern der Mannschaft da ist. Und der will jetzt die 51 Punkte, was top wäre.“ Immerhin sei man in der Vorsaison 15. Gewesen und jetzt achter. Fink: „Das ist eine absolut positive Entwicklung.“

Allerdings eine, die noch deutlich besser hätte ausfallen müssen. Die Ansprüche, die der HSV hat, können nicht jenseits irgendwelcher Europapokalplätze liegen“, bilanzierte auf der 20. Hamburg-Soirée am Montag Günther Netzer die wechselhafte Saison schon vor dem letzten Spieltag. „Man kann nicht zufrieden sein. Die Mannschaft hat kein Vertrauen geschaffen. Man muss sich nur mal vorstellen, welche Punkte der HSV in dieser Saison liegen gelassen hat“, sagt der vielleicht geeignetste Kandidat für einen HSV-Vorstandsposten, der allerdings und leider weiterhin jegliche Mitarbeit bei seinem Ex-Klub ausschließt.

Ausgeschlossen ist zudem ein letztes Mitwirken von Tolgay Arslan, dessen Kreuzbandzerrung noch immer nicht auskuriert ist und die den jungen Mittelfeldmann vor echte Probleme stellen könnte. „Es sieht nicht gut aus bei ihm“, sagt Fink, bezogen auf einen Einsatz Arslans und ergänzt: „Das wird eng für seine EM-Teilnahme.“ Hintergrund: Arslan zählt noch immer zum Kader der U21-Nationalelf, die vom 5. bis 18. Juni in Israel um den EM-Titel kämpft. Bitter für Tolgay, dem ich von hier gute Besserung wünsche und für den ich beide Daumen gedrückt halte. Er hätte sich so einen krönenden Abschluss absolut verdient.

Verdienen ist ein gutes Stichwort. Das will der HSV mit Spielerverkäufen. Unter anderem stand und steht auch ein Verkauf von Heung Min Son noch auf dem Zettel. Und während in den letzten Tagen immer wieder Champions-League-Finalist Borussia Dortmund als Hauptinteressent genannt wurde, scheint sich dieser Wechsel plötzlich zu zerschlagen. Denn trotz des Dementis von Werders Kevin de Bruyne soll der Transfer des Belgiers zum BVB bereits eingetütet sein. Einzig die Einigung zwischen BVB und Chelsea, von denen de Bruyne an die Weser verliehen ist, steht noch aus. Zudem sollen BVB-Boss Watzke samt Trainer Jürgen Klopp und Manager Michael Zorc in Brasilien bezüglich eines offensiven Mittelfeldspielers und in Porto in Sachen Stürmer fündig geworden sein: Jackson Martinez gilt inzwischen als heißester Kandidat für die wahrscheinliche Nachfolge Robert Lewandowskis.

Zudem gilt intern als hochwahrscheinlich, dass Son ein Engagement in England nicht dem HSV vorziehen werde. Im Gegenteil, heute habe ich das erste Mal seit Wochen wieder einen Offiziellen sagen hören, dass er eher mit einem Verbleib Sons rechnet. Nun denn. – eine Fortsetzung der Arie ist sicher. Geplant ist, dass sich Son im Laufe der kommenden Woche erklärt. Aber dazu werde ich Euch im Laufe dieser Woche hoffentlich noch ein wenig mehr berichten können.

Und wo wir gerade beim Thema Angreifer sind: Während ich vor zwei Wochen an eine taktische Aussage Finks glaubte, als er Maxi Beister hoch lobte, hat sich dieser die Komplimente inzwischen wieder ehrlich verdient. Im Training gibt der reumütige Youngster Vollgas und scheint vieles wiedergutmachen zu wollen. Und das sieht gut aus. Deutlich besser sogar als noch vor der überflüssigen Roten Karte. Weiter so, Maxi!

Klar ist, dass am Sonnabend nur Jeffrey Bruma verabschiedet wird. Für die restlichen Verkaufsposten hat sich bislang noch kein Abnehmer gefunden. Kacar scheint sich mit Hannover einig werden zu können und Slobodan Rajkovic soll Interessenten aus Russland haben, dort aber nicht hingehen wollen. Aber ansonsten ist noch alles ruhig. „Der Markt bewegt sich schon“, hatte Frank Arnesen vor 14 Tagen gesagt. Allerdings bewegt sich selbiger bislang am HSV vorbei. Aktuell marschiert auch ein Stürmerkandidat am HSV vorbei: Daniel Ginczek wechselt vom FC St. Pauli voraussichtlich nach Nürnberg. Der HSV, der einen groß gewachsenen Stürmer wie Ginczek (22 Jahre alt, 17 Tore, 191 Zentimeter hoch und 80 Kilogramm schwer) sucht, ist nicht in der Verlosung, worüber sich heute einige aufgeregt haben. Und ehrlich gesagt, zählte auch ich zu denen, die in Ginczek einen richtig Guten erkannt haben wollten. Dennoch bin ich aktuell nicht der Meinung, dass der HSV Ginczek holen muss. Im Gegenteil, der Pauli-Recke ist mir einem Rudnevs zu ähnlich. Und obwohl sich Fink zitieren lässt, Ginczek wäre interessant und würde ins Anforderungsprofil passen, glaube ich, dass der HSV besser beraten wäre, einen langen Stürmer zu nehmen, der über etwas mehr technische Fähigkeiten verfügt. Denn davon gibt’s beim HSV keinen und genau den will Fink. Insofern bin ich diesbezüglich ganz entspannt. Noch hat der HSV ja Zeit.

Nicht vorbei sein wird es mit HSV-Spielen nach der Partie gegen Leverkusen, da die Mannschaft ab kommenden Dienstag für drei Tage (21. Bis 24. Mai) eine Abschlussreise mit Teambuilding-Caharakter nach Neuruppin unternimmt. Die Tour wird durch ein Testspiel gegen Neuruppin abgerundet. Und das alles ja vielleicht doch noch als Europa-League-Teilnehmer.

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

Arnesen: “Slomka will Kacar unbedingt” – Fink überlegt, Beister spielen zu lassen

10. Mai 2013

So dick ist er wirklich nicht, Trainer Thorsten Fink. Im Gegenteil. Dennoch glaubt er, er habe gerade eine Menge Gefühl in seinem Bauch. Gefühl für die richtige Aufstellung, und vor allem: das richtige Gefühl für den ach so unumgänglich notwendigen Sieg in Hoffenheim, der den Traum von der Europa League ein wenig weiterköcheln lassen könnte. Sofern Freiburg und/oder Frankfurt patzen. Wie sich die Mannschaft über die Spielstände in den anderen Stadien informiert? „Gar nicht“, so Fin, „wir haben eh keine Wahl und müssen uns auf uns konzentrieren.“ Dennoch, sollte der eigene Spielstand einen gewissen Motivationsanschub benötigen, würde er im entsprechenden Fall über die Ergebnisse der anderen Spiele (Freiburg in Fürth und Frankfurt in Bremen) berichten. „Wenn’s helfen kann, klar. Ansonsten sind wir gut beraten, uns auf unser Spiel zu konzentrieren.“

Und das könnte Veränderungen erfahren. Nachdem Artjoms Rudnevs zuletzt Ladehemmung hatte, könnte er durch Maximilian Beister ersetzt werden, während Heung Min Son mit großer Wahrscheinlichkeit auf der rechten Außenbahn bleibt. Wetten würde ich allerdings nicht auf diesen Wechsel, auch wenn Beister im Abschlussspiel häufiger traf als Rudnevs – immerhin blieb der Lette bei null Treffern.

Die Aussagekraft von Trainingseinheiten ist zudem hinlänglich bekannt. Genau zweimal empfanden Trainer Thorsten Fink und/oder Spieler die Trainingswoche als zu schwach – ansonsten stimmte die Einstellung stets. Herausgekommen sind dabei 45 Punkte in 32 Spielen. Keine atemberaubende Ausbeute. „Es müssen sechs dazukommen, wenn wir uns die Chance erhalten wollen“, sagt Frank Arnesen. Der Sportchef war heute mal wieder Trainingsgast und nahm sich anschließend noch Zeit für ein Gespräch mit Matz ab. Ob sich seine Arbeit massiv verändert, wenn der HSV das Unmögliche noch erreicht und in der kommenden Saison international spielt? „Finanziell nicht so sehr“, sagt der Däne, „aber emotional ist es nicht unwichtig. Es gibt schon Spieler, bei denen ein internationaler Wettbewerb den Unterschied machen kann.“ Zumal dann, wenn andere Vereine selbigen zu bieten haben.

Im Gegensatz zu den Schilderungen meiner Kollegen aus den letzten Wochen war Arnesen heute richtig entspannt. Er antwortete auf fast alle Fragen. Einzig die nach Bojan Krkic wollte er nicht näher beantworten. Klar ist aber, dass er zusammen mit Fink in Mailand war und mit Krkic sowie dessen Berater gesprochen hat. Zudem kennt er den Spanier mit doppelter Staatsbürgerschaft – er ist auch Serbe – schon seit dessen früherer Jugend. „Das stimmt“, so Arnesen auf meine Frage, ob er Krkic tatsächlich seit dessen 15. Lebensjahr auf dem Wunschzettel hat. „Ich kennen ihn seitdem, werde aber jetzt nichts weiter zu ihm sagen, weil er nicht hier ist. Es macht auch keinen Sinn, jetzt über Namen zu spekulieren.“

Und obwohl ich das in den letzten Jahren immer genau so gesehen hätte – diesmal ist es anders. Denn ich glaube sehr wohl, dass es ein sehr gutes Zeichen sein könnte. Zuletzt war immer nur zu hören, dass der HSV finanziell nichts machen könne. Das ist vielleicht realistisch – aber die trüben Aussichten schrecken auch gute Spieler ab, die ambitioniert sind. Allein die Tatsache, dass der HSV bei der Suche nach Neuen sehr wohl in die oberen Regale greifen will, dürfte ein gutes Signal sein für andere Spieler, die der HSV gern hätte.

Aber okay, Fakt ist, da beißt die Maus keinen Faden ab, es müssen Spieler verkauft werden. Das wissen alle, das kann keiner mehr leugnen. Und der erste Spieler dürfte schon sehr bald verkauft werden: Gojko Kacar. Zumindest gibt es nach dem Winter auch jetzt wieder ernsthaftes Interesse der Niedersachsen an dem Defensivallrounder. Insbesondere Hannovers Trainer Mirko Slomka scheint sehr angetan von Kacar. „Slomka will ihn scheinbar unbedingt“, sagt Arnesen, der in Sachen Ablösesumme keine Kompromisse eingehen will. Rund zwei Millionen Euro ruft der HSV für den 26 Jahre alten Serben auf, der Spieler selbst will rund 1,5 Millionen Euro verdienen. „Letztes Mal war es weniger der Spieler als sein Umfeld, woran es gescheitert ist“, erzählt Arnesen – und ich lasse das so stehen.

Nicht minder wahrscheinlich ist inzwischen der Abgang von Heung Min Son. Das sagt mir mein Bauchgefühl. Ob er geht? „Es gibt Interessenten“, sagt Arnesen und nennt die zwei Hauptverdächtigen: Tottenham Hotspur und Borussia Dortmund, wobei er bislang persönlich nur Kontakt zu Tottenhams Boss Daniel Levy hatte. „Es gibt noch keine offizielle Anfrage aus Dortmund“, so Arnesen, der allerdings von Sons Berater Thies Bliemeister über das Interesse des Champions-League-Finalisten informiert wurde. „Die beiden Klubs scheinen am hartnäckigsten zu sein“, so Arnesen, der damit zu rechnen scheint, Son zu verkaufen.

Es wäre aus meiner Sicht eh das Beste. Nicht, weil ich Son nicht schätze – im Gegenteil: der Südkoreaner hat riesiges Potenzial und kann dem HSV sicherlich weiterhelfen. So, wie er es in dieser Saison mit seinen elf Treffern bereits gemacht hat. Aber, und das ist für mich entscheidender, er stagniert in den Punkten, die ihm lange vorgeworfen werden: seinem Defensivverhalten. Da lässt er den Kopf inzwischen das eine oder andere Mal oben, okay. Aber Defensivzweikämpfe verliert er ebenso ohne Gegenwehr wie Offensivzweikämpfe, wenn sein Gegner an hm dran ist. Dann gibt’s ’nen kleinen Rempler und Son kommt aus dem Tritt. Aber vor allem geht es hierbei um Geld, und zwar um viel Geld. Rund zehn Millionen Euro stehen auf dem Plan und dürften am Ende zu rund 15 Millionen anwachsen, wenn sich Tottenham und der BVB tatsächlich weiter beide um Son bemühen. Und diese Millionen bracht der HSV, um nachzurüsten. Soll heißen: aus einem (Son) mach zwei, drei, vier Verstärkungen. Krkic inklusive, wobei ich ehrlicherweise an dessen Eignung zweifle. Wenn einer reichsten Klubs der Welt, der AC Mailand, nicht bereits ist, 13 Millionen zu zahlen, Barcelona seinen Angreifer trotz der jungen Jahre aber abgeben will und der sich im Profibereich nirgendwo richtig durchsetzen konnte, dann ist das ganz sicher kein Selbstgänger. Den wiederum sollte der HSV bei einer angedachten Investition um die zehn Millionen Euro holen. Flops in dem Ablösebereich kann sich der HSV – im Gegensatz zu Milan, Barca oder auch Bayern und Dortmund nicht erlauben. Da braucht der HSV die berühmten „besseren Augen“, die Fink bei der Auswahl Neuer angekündigt hatte. „Wir werden alles genau abstimmen und Risiken minimieren“, hatte Fink angekündigt – und Arnesen bestätigt: „Wir haben eine längere Liste interessanter Spieler, über die wir uns unterhalten werden. Dabei sind auch Namen, die man uns nicht sofort zutraut, wir greifen auch nach dem Unmöglichen. Das muss sein.“ Ansonsten hätte man nicht alles versucht…

Klingt gut,

Alles versucht hatten auch Dieter und ich, um Holger Hieronymus zu uns in die Matz-ab-Live-Sendung zu bekommen – und jetzt hat es geklappt. Morgen ist der ehemalige HSV-Abwehrchef, -Interimstrainer, -Sportchef und ehemalige DFL-Geschäftsführer im Block House Eidelstedt zu Gast. Und ich freue mich auf ein sehr interessantes, kurzweiliges Gespräch. Ebenso wie auf den ersten Sieg in Hoffenheim für den HSV.

In diesem Sinne, Daumen drücken, Augen zu – und durch. Wenn es am Ende die Europa League wird – umso schöner.

Bis morgen.

Scholle

Fink sagte heute, er würde auch noch überlegen, ob er zentral mit Aogo oder Rincon beginnt. Ich lege mich einfach mal fest, so könnte der HSV spielen: Adler – Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Jansen – Rincon, Badelj – Son, van der Vaart, Jiracek – Rudnevs.

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