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Rudnevs und Cléber raus – wer folgt noch?

24. Oktober 2014

Es ist wie immer eine ganze Menge Feuer drin. Obgleich es das Abschlusstraining ist. Denn in solchen ist es nicht unüblich, dass vor allem darauf geachtet wird, dass sich bloß niemand mehr verletzt. Anders bei Zinnbauer: Der steht am Rand und feuert die Mannschaften auf, mehr zu machen. Obgleich die Intensität hoch ist. Und als das A-Team gegen das vermeintliche B-Team in Rückstand gerät, unterbricht er die Einheit, holt sich das A-Team zusammen und verdeutlicht lautstark, was fehlt. „Er verkauft es positiv. Kritik wandelt er geschickt in motivierende Aufforderungen um“, sagte mir sein vorheriger Assistent Soner Uysal zuletzt, „er sagt deutlich, was er sehen will und nimmt den Spieler dabei voll mit. Das kann er wie kaum ein anderer.“

Die Sendung beginnt um 17:30 Uhr.

Ein Lob, das Zinnbauer in abgewandelter Form aber inhaltlich nahezu identischer Art zuletzt von allen Seiten bestätigt bekommen hat. Die Spieler überschlugen sich teilweise so in Komplimenten, dass ich schon anfing, meinen eigentlichen Beobachtungen nicht mehr ganz zu trauen. Soll heißen: Es war schon fast zu viel. Wobei sich der eine oder andere Spieler dem Hype sicher nicht anschließen wird. Zumindest gehe ich bei Artjoms Rudnevs und Cléber ganz stark davon aus, nachdem beide nach dem Hoffenheim-Spiel auch gegen Hertha BSC wieder nur auf der Tribüne landen bzw. in Hamburg blieben, während der 18-Mann-Kader samt Trainerteam gen Berlin abfuhr.

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Dabei hatte Rudnevs einen von drei Treffern im Abschlusstraining erzielt und war zusammen mit Cléber im Siegerteam. 3:0 gewann die vermeintliche B-Elf gegen die Stammelf. „Abschlussspiele sind bei mir kein Indiz für die Aufstellung“, sagt Zinnbauer, der in Berlin wieder vor der schwierigen Aufgabe steht, sich in Sachen van der Vaart/Holtby zu entscheiden. Spielen beide und Holtby rückt auf links – oder muss einer auf die Bank und Marcell Jansen rückt auf links? Und entgegen meiner Vermutung, dass beide spielen, glaube ich inzwischen, dass der HSV-Trainer seine Lobeshymnen auf van der Vaart vielleicht aus einer anderen Motivation heraus formuliert hat: Vorbeugend.

Zumindest machte es heute im Training den Anschein, als würde Marcell Jansen vor Ostrzolek auf links spielen. Zinnbauer ließ das Siegerteam aus Dortmund (nur Götz ersetzt den verletzten Diekmeier). Soll heißen, van der Vaart wechselte zur Halbzeit ins (erschreckenderweise deutlich besser wirkende) B-Team, Holtby rückte wieder in die A-Elf. Jansen hingegen blieb bis kurz vor Schluss auf der linken Seite und ich glaube, er wird auch in Berlin beginnen. Spannend ist es in jedem Fall – und das ist ein gutes Zeichen. Endlich hat der HSV wieder die Auswahl. Und egal, wofür sich Zinnbauer letztlich entscheidet, er hat mit dem, den er draußen lässt, das Potenzial auf der Bank, das Spiel nachträglich noch mal zu verändern.

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Nicht helfen wird dabei Cléber. Und ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz im Klaren darüber, warum Zinnbauer den Brasilianer nicht mitnimmt. Gut, er hat bei der Verpflichtung des Innenverteidigers nicht mitgewirkt und stattdessen ist Gojko Kacar dabei, der zweifellos gut trainiert. Allerdings machte das zuletzt wie heute auch Cléber. Den Neuzugang erneut gar nicht zu berücksichtigen, dürfte den Integrationsprozess nochmals verlangsamen – es sei denn diese Form von Kritik an den gezeigten (Trainings)Leistungen des Brasilianers kriegt Wortakrobat Zinnbauer intern tatsächlich auch noch positiv verkauft…

Mehr als etwas Kunst bräuchte Zinnbauer bei Artjoms Rudnevs – wenn er so wollte. Der Lette traf zwar im Abschlusstraining, flog aber für den im Training starken Valmir Nafiu, der die anderen zwei Treffer erzielte, aus dem Kader. Eine klare Ansage an den Letten, der es auf bislang fünf Einwechslungen und gerade einmal 120 Spielminuten bringt. Unter Zinnbauer wurde Rudnevs dreimal eingewechselt (18 Spielminuten). Und jetzt ist er zum zweiten Mal und beim dritten Trainer in Folge hintendran. Unter Slomka ebenso wie jetzt bei Zinnbauer – und vor den beiden bei Thorsten Fink. Dass der – ganz vorsichtig ausgedrückt – nicht viel von den Qualitäten des Angreifers hält, ist hinlänglich bekannt. Ebenso, dass Zinnbauer und Fink beste Freunde sind und sich regelmäßig austauschen. Ich bin mir sicher, das tun sie jetzt auch über ihre Erfahrungen mit den Spielern.

Dass Rudnevs jetzt aber schon für Nafiu seinen Platz räumen muss, nachdem ihm Pierre Michel Lasogga auch in unfittem Zustand immer wieder vorgezogen wurde, hat dieser registriert. Reden möchte er darüber nicht – und das ist absolut verständlich. Aber ich glaube, dass es hier schon sehr bald Gesprächsbedarf auf offizieller Seite geben wird und sich die sportliche Leitung mit dem Angreifer über dessen Perspektive in Hamburg unterhalten muss. Zumal immer wieder zu hören ist, dass sich der HSV insbesondere nach jungen Angreifern umschaut. Schon für den Winter.

Es ist schade für Rudnevs, den in der letzten Saison jeder HSV-Fan gern in Hamburg gesehen hätte, als Lasogga ausfiel. Und es ist zweifellos sehr schade für Cléber. Aber es zeigt auch, dass Zinnbauer keine unangenehmen Entscheidungen scheut. Er hätte alle Argumente auf seiner Seite gehabt, Kacar nach dessen verletzungspause über die U23 aufzubauen und Cléber auf die Bank zu setzen. Nach Nafiu hätte sicherlich auch keiner gefragt, wenn Rudnevs im Kader wäre. Dennoch mischt Zinnbauer die Mannschaft auf. Und das ist gut.

Deshalb kann ich mir tatsächlich auch vorstellen, dass Zinnbauer trotz aller Lobeshymnen seinen „Leader“ und Kapitän van der Vaart in Berlin auf der Bank lässt. Ich bin mir sicher, dass er eine solche Entscheidung seinem Kapitän ausführlich erläutern würde. Es hätte auch Charme, in Berlin die Auswärtssieger von Dortmund auflaufen zu lassen (mit der Ausnahme Götz für Diekmeier). Einen Holtby rauszunehmen dagegen würde ich persönlich nicht verstehen können. Zumindest nicht, ohne dass der in irgendeiner Weise angeschlagen, müde oder sonstwie gehandicapt ist.

Spanend ist es auf jeden Fall mal wieder. Für uns wie für den Gegner, der nicht wie lange Zeit üblich schon vorher sicher sagen kann, wie der HSV beginnt. „Wir sind mit dem vollen Kader sicher schwerer auszurechnen als in der Vorsaison“, hatte schon Slomka gesagt – und obgleich er es selbst nicht mehr wirklich miterleben durfte, bewahrheitet sich das langsam. Zumal mit Jiracek, Ilicevic sowie Diekmeier drei Verletzte in der kommenden englischen Woche wieder voll mitmischen sollen und selbst Slobodan Rajkovic nicht mehr weit weg ist vom Team.

Und wo wir gerade beim Thema Verletzte sind, „super“ geht es auch René Adler. Das sagte er heute so beim Verlassen der Imtech-Arena – nicht ganz frei von Ironie. Zu gern würde er wieder voll mitmachen und vor allem im Kasten stehen. Aber er wird sicherlich noch ein, zwei Wochen brauchen, bis er wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann. Bis dahin vertritt ihn Alexander Brunst. Und nur um die Liste zu komplettieren, Maxi Beister wird auch weiterhin fehlen. Dafür ist der Offensivmann am morgigen Sonnabend bei uns zu Gast bei Matz ab live. Mit ihm begrüßen wir dann einen sehr interessanten jungen Spieler, dem viele Experten Großes zutrauen: Gideon Jung. Wir freuen uns darauf!

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Freitagabend. Bis morgen!

Scholle

HSV: Drobny – Götz, Djourou, Westermann, Ostrzolek – Behrami, Arslan – Müller, van der Vaart, Jansen – Lasogga.
Kader: Brunst, Nafiu, Green, Holtby, Kacar, Steinmann, Stieber

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