Archiv für das Tag 'Rahn'

. . . der muss zum Dino nach Hamburg!

10. Juni 2015

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Erste DFB-Pokalrunde:
FC Carl-Zeiss Jena gegen den HSV
Barmbek-Uhlenhorst empfängt den Erstliga-Absteiger SC Freiburg
Bernd Hollerbachs Würzburger Kicker treffen auf Werder Bremen
und, so viel Zeit muss sein: St. Pauli gegen Borussia Mönchengladbach
gespielt wird am 7. oder 8. August

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Herzlich willkommen, lieber Mats!

10. September 2014

Mats ab! Aus ganz besonderem Grund heute etwas früher. Mats ab!

Jawoll, Mats ab! Mit „s“. Unser „Scholle“ ist heute zum dritten Mal Papa geworden, dazu ihm und der Mutter Sandra alles, alles Gute. Und dem neuen Erdenbürger „Mats Niklas“ möchte ich zurufen: „Viel Erfolg und viel Spaß auf dieser Welt, hau rein, mein Junge, werde ein Super-Fußballer und setze Dich durch in oder auf dieser doch manchmal auch ungemütlichen und ungerechten Kugel. Und werde natürlich HSV-Fan, wie Dein Papa.“ Der teilte übrigens mit, dass es Mutter und Knabe gut gehe – Mats kam heute um 11.33 Uhr zur Welt, fast eine Punktlandung, denn der 9. September war der Stichtag, der Neu-HSVer wog bei seiner Ankunft 3760 Gramm, verteilt auf 53 Zentimeter.
Also, der jungen Familien noch einmal einen ganz besonders herzlichen Glückwunsch, und die „Matz-ab“-Gemeinde sollte heute mal zu einer etwas anderen Feier aufgelegt sein – Prost!

 

Zum Fußball-Alltag:

Das ist leider ein wenig untergegangen, was ich sehr, sehr schade finde: Bei der Feier und der Erweiterung des HSV „Walk of fame“, 2005 erfunden und seitdem organisiert und finanziert vom rührigen Unternehmer Andreas Maske, hielt der Kapitän der HSV-Meistermannschaft von 1960, Jochen Meinke, eine brillante Rede für den posthum geehrten Erwin Seeler. Das Besondere an dieser Rede: Meinke, im HA-Video versehentlich als „Meine“ vorgestellt (sorry!), sprach „freihändig“. Das heißt, ohne jede Unterstützung durch ein Manuskript oder einem Zettel. Frisch, frei und fromm von der Leber weg, der 83-jährige ist immer noch in Weltklasse-Form. Unglaublich, und er erntete für diesen Auftritt nicht nur viel Beifall, sondern Schulterklopfer und von allen Seiten höchstes Lob. Was Jochen Meinke – bescheiden wie er ist – immer weit wegschob von sich: „Ich habe nur das erzählt, was ich mit Erwin Seeler und der gesamten Familie erlebt habe, ich wohnte doch um die Ecke. Und wenn ich ehrlich bin, dann wollte ich noch so viel mehr erzählen, aber ich habe das denn doch weggelassen.“

 


Wie gesagt, sehr schade. Denn für mich, und sicher nicht nur für mich, war dieser Meinke-Auftritt aber ein besonderes Erlebnis und wird es immer bleiben. Weil er einzigartig ist.

 

Die Stimmung ist und soll auch nach Auskunft der Promis in diesem Jahr wieder super gewesen sein. Der frühere Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow lobte: „So harmonisch und stimmungsvoll war es lange nicht mehr, das war eine der schönsten HSV-Versammlungen der vergangenen Jahre.“
Von den „alten Herren“ waren Willi Schulz, Horst Schnoor (mit Ehefrau Gerda), Erwin Piechowiak (mit Ehefrau Mienchen), Klaus Neisner, Harry Bähre, Vereins-Manager Bernd Wehmeyer, Aufsichtsratsmitglied Peter Nogly und der heutige Marketing-Mitarbeiter Sven Neuhaus gekommen, ferner die HSV-Größen Carl-Edgar Jarchow, Oliver Scheel, Dieter Horchler und viele, viele mehr. Zudem natürlich Uwe Seeler (mit Ehefrau Ilka und den Töchtern mit Schwiegersöhnen!), der die Ehrung für seinen Papa „old Erwin“ entgegennahm, und Laudator Rudi Kargus, der seinen Vorgänger und Freund Arkoc Özcan ehrte. Holger Hieronymus ist nun ebenfalls neu verewigt, und auch Bernd Hollerbach, der leider absagen musste, da er daheim in Würzburg an einer schweren Magen-und-Darm-Grippe leidet. Gefehlt hat, neben anderen, diesmal Dr. Peter Krohn. Das Wetter war wohl zu schlecht, denn vorher hatte es lange kräftig geschüttet . . .
Für alle HSVer, die anwesend waren, das muss erwähnt werden, gab es erfreulicherweise keine Diskussion darüber, ob sich hier nun die HSV-AG oder der HSV e.V. getroffen hat – es ging einzig und allein um den HSV. Wie schön. Am Rande sei noch bemerkt, dass sogar zwei Bremer bei der Zeremonie dabei waren: Max Lorenz, seit Jahrzehnten ein ganz, ganz dicker Freund von Uwe Seeler, und der frühere Verteidiger Dieter Zembski, der von der Feier wusste und zufällig (Arbeit) in der Nähe war.

 

Erfreulich an diesem Tag:

Eine Trainer-Diskussion gab es am Rande der Veranstaltung nicht. Die meisten vertraten diese Auffassung: „Wie oft hat der HSV in den letzten Jahren schon den Trainer gewechselt? Das ist doch schon nicht mehr zu zählen. Gebracht hat es nie etwas – nie. Das sollten sich einmal alle überlegen. Es hat dem HSV nur immer viel Geld gekostet. Jetzt sollten die Spieler mal etwas dafür leisten, dass es dem HSV wieder besser geht. Und da ist dann auch der Club gefordert, der sollte endlich mal etwas weniger hohe Gehälter zahlen, dafür ordentliche Prämien, wenn tatsächlich etwas erreicht worden ist. Und zudem sollte nun endlich damit angefangen werden, auf den Nachwuchs zu setzen – die U23 hat ja einen erstaunlichen Weg eingeschlagen.“ Das war so oder so ähnlich an allen Ecken und an den meisten Tischen zu hören.

 

Natürlich waren auch die Kollegen aus der Medienbranche zugegen. Es wurden viele, viele Interviews geführt – das hat Tradition. Am Abend sah und hörte ich dann:
„Der Trainer braucht keine Leute die ihm sagen, wen er aufstellen soll . . .“ Das sagte Holger Hieronymus beim TV-Sender „Hamburg1“. Das war offenbar eine Antwort darauf, dass zuvor in einer Hamburger Zeitung zu lesen gewesen war, dass es aus dem Aufsichtsrat Tipps für Mirko Slomka gegeben hatte, dass nun die „Neuen“ gegen Hannover spielen sollten und müssten. Aber wie bereits geschrieben, es wurde dann keine Trainer-Diskussion vom Zaume gebrochen . . .

 

Zum Sportlichen, und da gibt es aus meiner Sicht recht Erfreuliches zu berichten.
Während die Mannschaft heute frei bekommen hat (nicht weil „Scholle“ Papa geworden ist!), trainierten einige zuletzt angeschlagene Spieler, um doch noch rechtzeitig für das Hannover-Spiel am Sonntag fit zu werden. Rafael van der Vaart ging mit Reha-Trainer Markus Günther zu einer Sonderschicht auf den Platz, Ivo Ilicevic arbeitete im Kraftraum. Auch Slobodan Rajkovic (nach Kreuzbandriss) und Gojko Kacar (nach Außenbandanriss im Knie) schufteten weiter für ein Comeback, Neuzugang Nikolai Müller sowie der erkältete Marcell Jansen fanden sich zur Pflege ein. Dafür, dass das ein freier Tag war, war doch relativ viel im Volkspark los – was mir ausnahmslos gut, nein sehr gut gefällt.

 

Dann las ich heute im Hamburger Abendblatt:
„Dennis Diekmeier lebt seinen Traum“. Und in den verschiedenen Video-Texten eine Aussage von Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw, der über die schlechte Defensive seiner Mannschaft befand: „Wir können uns leider noch keinen Philipp Lahm aus dem Hut zaubern. Die jungen Verteidiger sind sicher talentiert, aber sie brauchen noch ein wenig Zeit, um sich zu verbessern, das wird wohl dauern bis zur nächsten WM. . . .“ Aber dann. Oder: und dann?

 

Das wäre doch genug Ansporn für Dennis Diekmeier. Von dem nach dem Paderborn-Spiel ein großer HSVer mir gegenüber gesagt hat: „Diekmeier war der einzige Hamburger, der auf mich einen absolut fitten Eindruck gemacht hat. Der beackert die rechte Seite fast allein, rast 80 Meter rauf und 80 Meter runter, und das immer wieder. Der scheint mir wirklich voll im Saft zu stehen, vielleicht so wie gut noch nie . . .“

 

Kann schon sein. Aber zu einem Nationalspieler gehört dann doch ein wenig mehr. Unter anderem auch, dass man eine gewisse Defensivstärke besitzt, dass man zweikampfstark ist, dass man weiß, wie man sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat, dazu gehört ferner auch eine gewisse Kopfballstärke. All das ist zu erlernen. Wir hatten beim HSV einst einen talentierten Spieler wie Christian Rahn. Der wurde sogar Nationalspieler (unter Rudi Völler). Aber „Rahner“ hatte ähnliche Schwächen wie Diekmeier nun. Ich empfahl Rahn damals, sich privat einen Trainer zu nehmen, damit er sich verbessert, aber es geschah nichts. Und der HSV-Profi hatte schnell seine Nationalmannschafts-Karriere beendet – und dann auch seine Erstliga-Karriere. Schade drum. Rahn war talentiert, hatte einen sensationellen linken Fuß, konnte gut flanken und super schießen. Nur nach hinten war er verbesserungsfähig, doch weder er noch irgendeiner beim HSV haben daran gearbeitet. Ich sage und behaupte noch heute: „Eine verschenkte Profi-Karriere.“

Heute würde ich auch Dennis Diekmeier einen Privat-Trainer empfehlen, wenn der HSV-Abwehrspieler noch etwas werden will. Und die Chance, dass er noch etwas werden könnte, ist ja so groß wie nie. Nur wird beim HSV wurde daran so gut wie nie gearbeitet, und ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass daran noch einmal explizit gearbeitet wird. Vormittags Training mit der Mannschaft, nachmittags mit einem Trainer (und vielleicht sogar einem „Gegenspieler“, der die Zweikämpfe führt!) auf den Acker. Des wäre ein Anfang. Diekmeier würde sich defensiv bestimmt verbessern, wenn sein Auge, sein Kopfball- und sein Stellungsspiel geschult werden würde.

 

Aber da Individual-Training in der Bundesliga und für die Trainer kaum ein Thema ist, sollte er nun selbst handeln – wenn er noch die ganz große Karriere starten will. Ich kann nur daran erinnern, dass zwei mir bekannte Profis einst „eigenhändig“ Privat-Trainer engagiert – und davon absolut profitiert haben. Dennis Diekmeier wird im Oktober 25 Jahre alt, noch würden ihm alle Türen offen stehen, aber er sollte jetzt wissen, dass er ziemlich bald damit anfangen müsste, etwas für sich zu tun. Andere werden es nicht für ihn erledigen. Die sind alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, so ist das im heutigen Profi-Geschäft.

 

So, bevor ich zum Ende komme, schnell noch einmal der Hinweis in eigener Sache:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV veröffentlicht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, und zwar um 10 Uhr.

 

17.05 Uhr

Ein legendärer Tag mit den Legenden

7. September 2014

Für Abendblatt-Blogs


„Die Hamburger haben dieses Spiel, das hat uns alle überrascht, sehr verbissen gesehen, zu verbissen gesehen, die sind schon enorm zur Sache gegangen.“ Eine Einschätzung, die man sich als Hanseat einmal ganz genüsslich auf der Zunge zergehen lassen kann. Gesagt hat es heute Michael Ballack, und er sprach natürlich nicht über den HSV, sondern über das „Spiel der Legenden“ vor einem Jahr. Von der Verbissenheit von damals ist alles geblieben, davon konnten sich 25 183 zahlende Zuschauer live überzeugen, und Hundertausende bei der TV-Übertragung von „Sport 1“, denn das Match Deutschland gegen Hamburg stand zur Pause noch 0:0. Dabei hatten sich alle prominenten Kicker vor dem Anpfiff noch ein torreiches Spiel gewünscht. Waren die Trainer der Mannschaften, Jupp Heynckes (für Deutschland) und Helmut Schulte zu genau – und zu gut in ihren Anweisungen? Oder waren die Abwehrspieler zu stark? Es lag wohl eher an den überragenden Torhütern, Für Hamburg hielt Richard Golz überragend, und für Deutschland riskierte Claus Reitmaier mehr als einmal wieder Kopf und Kragen. Schuld an dieser Tor-Armut hatten, ganz klar, die Keeper. Die waren vor ausverkauftem Haus am Millerntor super. Gewonnen hat letztlich die zehnte Auflage des Tages der Legenden das Team Deutschland, das einen 5:3-Sieg schaffte und damit die Bilanz etwas verbessern konnte – Hamburg führt nur noch mit 6:3 Erfolgen. Gewonnen hat auch der von ARD-Moderator Reinhold Beckmann gegründete Verein „Nestwerk e.V.“, denn durch dieses Fußballfest kam in etwa eine Viertelmillion Euro zusammen, die den benachteiligten und sozial ausgegrenzten Hamburger Jugendlichen zugute kommen wird. Es war ein wunderbarer Tag am Millerntor – und es folgt, darauf haben sich alle Beteiligten schon riesig gefreut, noch eine sensationelle Nacht auf dem Kiez und im Schmidts Tivoli.






 

Zum Spiel: Nach dem Seitenwechsel war es zunächst Ballack persönlich, der das erste Tor des Tages erzielte, ein strammer 20-Meter-Flachschuss, unhaltbar für Mathias Hain, der nun im Tor stand (48.). Und dann auch noch gleich das 2:0 hinterher – St. Paulis früherer Spieler Matthias Scherz überlistete Hain mit einem Eigentor (50.). Damit waren die Weichen für einen Sieg? Nein, Hamburg wehrte sich. Und die St.-Pauli-Männer trafen. Martin Driller, Ivan Klasnic und Thomas Meggle drehten mit ihren Toren das Spiel – aber das war nicht das Ende. Carsten Jancker traf zum 3:3, Maurizio Gaudino zum 4:3 für Deutschland, und den Endstand zum 5:3 markierte Arne Friedrich. Zu erwähnen sei noch ein Fast-Kopfballtor von Thomas Doll beim Stande von 3:3, der Trainer von Ferencvaros Budapest scheiterte an Torwart Andreas Reinke und dem Torpfosten.

 

Am Rande machten es sich die Ganz-Alt-Internationalen bei Kaffee und Kuchen gemütlich: Horst Eckel, der Weltmeister von 1954, dazu Uwe Seeler, Bernd Wehmeyer und Max Lorenz. Sowie der Schirmherr der Veranstaltung, Franz Beckenbauer, der vor 50 Jahren am Millerntor sein Debüt in der Profi-Mannschaft des FC Bayern feierte. Wenn ich es richtig erinnere, dann damals als Linksaußen! Beckenbauer: „Eine schöne Erinnerung, wir haben damals 4:0 gewonnen und ich habe dabei mein erstes Pflichtspieltor für die Bayern geschossen. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, was ich in meiner Zeit als Profi und auch danach durch diesen wunderbaren Sport alles erleben würde – ich hätte es nie für möglich gehalten.“ Legende, Lichtgestalt und Kaiser eben. Dass er am Millerntor diesmal auf Schritt und Tritt von zwei Bodyguards bewacht wurde, ist die Kehrseite der Medaille. Anders geht es wohl heutzutage nicht. Schade, schade.

 

Franz Beckenbauer war ja auch einst HSV-Spieler, ich habe ihn damals sogar schon interviewen dürfen, einen Termin besorgte mir damals HSV-Busfahrer Willi Meyer, indem er mich an die Hand nahm und zu Beckenbauer schleifte. Hat aber großartig geklappt. Die weiteren HSV-Spieler, die an diesem Tag im Einsatz waren: Nico Hoogma, Manfred Kaltz, Christian Rahn, Bastian Reinhardt, Stefan Schnoor, Stefan Studer (in der Jugend beim HSV), Otto Addo, Stefan Beinlich, Thomas Doll, Sergej Barbarez, Roy Präger, Thomas von Heesen (alle für Hamburg) sowie Markus Babbel, Patrick Owomoyela und Oliver Kreuzer (Sportchef) und Claus Reitmaier (Torwarttrainer).

 

Natürlich gab es mit einigen von ihnen ein freudiges Wiedersehen. Das begann schon bei Sergej Barbarez. Mit ihm sprach ich – natürlich – über seinen HSV und die derzeitig angespannte Lage. Und Barbarez sprach – wie man es von ihm gewohnt ist – Klartext: „Dieser Fehlstart des HSV überrascht mich nicht, denn der Heilsbringer sitzt oben auf der Tribüne, und unten auf dem Rasen spielen die alten Leute. Und die haben es lange genug bewiesen, dass sie es nicht können, ihnen fehlt die Qualität.“ Klingt hart, aber es trifft genau. Und mit Heilsbringer war natürlich Dietmar Beiersdorfer gemeint.

 

In der Zeit, in der ich nun geschrieben habe, hat mein Kollege Axel Leonhard (der große Regisseur – von Matz ab live) die Gespräche, die ich heute am Millerntor führte, schon im HA-Internet veröffentlich. Ich stelle diese Geschichte nun auch hier hinein, es gab ein Wiedersehen mit Nico Hoogma, Richard Golz, Thomas Doll, Thomas von Heesen, Michael Ballack, Stefan Studer, Patrick Owomoyela, Bastian Reinhardt, Hamburg-Trainer Helmut Schulte, mit Initiator Reinhold Beckmann, it St.-Pauli-Trainer Thomas Meggle (ein langjähriger Freund), Schiedsrichter Walter Eschweiler und vielen, vielen mehr. Wenn Ihr die Zeit habt, dann schaut mal in dieses Video hinein.
Wobei ich eine kleine Einschränkung machen muss. Es sind nicht alle ehemaligen Stars zu sehen, die ich eben genannt habe, der Herr Leonhard wollte dieses Video wohl nicht zu doll überfrachten . . .

 

Dann gab es noch einen freundlichen Hinweis auf meine Geschichte von gestern – ich hatte meine HSV-Mannschaft nominiert:

Lieber Dieter.

ich bin bei der neuen Mannschaft schon etwas verwirrt. Wozu haben wir denn Nicolai Müller gekauft, der für das schnelle Umschaltspiel geholt wurde? Außerdem weiß niemand, ob Julian Green überhaupt Fußball spielen kann, nur weil er von Bayern München kommt. Also überlege Deine Mannschaft noch mal.
Mit freundlichen Grüßen, Arne P.

 

Dazu muss ich sagen, dass ich mir diese HSV-Mannschaft, die ich ohne Nicolai Müller aufgestellt habe, schon für das nächste Spiel, als das in Hannover, gewünscht habe und hätte. Müller sehe ich noch nicht so fit, dass er es bis zur Begegnung gegen 96 schaffen wird und kann. Natürlich erwarte ich Müller im HSV-Team, ich habe ihn in Erfurt gesehen, und das war schon mal sehr gut, was dort zu sehen war. Der Mann geht ab wie Schmidts Katze – oder wie eine Rakete. Das macht Spaß, ihm zuzusehen. Und er wird ganz sicher eine Bereicherung für den HSV sein, leider (wohl) noch nicht für das kommende Wochenende. Wobei wir schon wissen, ob ein Julian Green Fußball spielen kann – er kann. Und wer das wirklich noch nicht weiß, der wird sich davon schon bald, hoffentlich am nächsten Sonntag, überzeugen können.

 

Ja, und dann noch ein Hinweis in eigener Sache, denn das Hamburger Abendblatt hat schon seit einigen Tagen mal wieder etwas Neues:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV gemacht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Montag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, nur die Uhrzeit stand bis jetzt noch nicht fest.

 
18.11 Uhr

Der “Unverletzbare” wird wohl fehlen

3. August 2013

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Heißt es im Fußball ja immer so schön. Das kann ich aber nicht mehr hören. Für mich ist das nur Gesülze. Natürlich gewinnt ab und an der Außenseiter gegen einen großen Favoriten, aber wenn eine Profi-Truppe konzentriert und nicht überheblich spielt, dann müsste der klassentiefere Verein schon schlagbar sein. Ich bewundere, gebe ich zu, einen Club wie den FC Augsburg, der das gewiss nicht leichte Pokal-Auswärtsspiel bei RB Leipzig nach großem Kampf dann doch locker mit 2:0 gewinnt. So muss es sein. Und wenn man so die letzten Jahren Revue passieren lässt, so gewinnen die Favoriten auch mehr und mehr ihre Spiele gegen die Mannschaften „von unten“. Weil es sich inzwischen herumgesprochen hat, dass es im Pokal ja sehr wohl auch eine „dicke Marie“ zu verdienen gibt. Paradebeispiel, wie man es nicht machen sollte, ist für mich eine HSV-Pokal-Partie in der Saison 2000/01. Trainer war Frank Pagelsdorf, der in Karlsruhe mit der B-Mannschaft spielen ließ – und 0:1 verlor. Dieser Stachel sitzt bei mir immer noch sehr, sehr tief, denn dieses Pokal-Aus war überflüssig und absolut leichtfertig herbeigeführt. Ich habe Geislingen und Eppingen miterlebt (als Fan), aber dieses 0:1 von Karlsruhe ärgert mich immer noch, weil damit auch viel Geld verschenkt wurde. Verschenkt.

Inzwischen aber hat kaum noch ein Verein Geld zu verschenken. Der HSV schon gar nicht. Deswegen hoffe ich, dass die Mannschaft morgen beim Gastspiel in Jena auch weiß, was da für den Verein auf dem Spiel steht. Nicht nur an Renommee, sondern auch in Sachen Finanzen. Aber ich hoffe nicht nur, ich bin auch davon überzeugt, dass der HSV beim Fünftliga-Club von Beginn an zeigen wird, wer hier Profi und wer hier der Amateur ist. Ich erwarte ein ähnliches Spiel wie es der HSV in der ersten Pokalrunde am 15. August 2010 zeigte. Damals ging es gegen den Club Torgelower SV Greif, der HSV gewann 5:1. Ruud van Nistelrooy schoss drei Tore (zudem trafen Paolo Guerrero und David Jarolim), aber zur Pause hieß es immerhin nur 1:1. Da durfte noch ein wenig gezittert werden.

Natürlich sind solche Spiele nicht angenehm, denn die Amateure geben im „Spiel ihres Lebens“ stets alles, aber wenn man mit der richtigen Einstellung in die Partie geht, dann muss man einen solchen Auftrag auch professionell erledigen. Wie zum Beispiel am 5. August 2007, als der HSV 5:0 bei Holstein Kiel gewann – nach Kampf und Krampf. Am 27. August 2000 gab es einen klaren 3:0-Erfolg bei Erzgebirge Aue, aber souverän war etwas anderes. Und am 29. August 1998 siegte der HSV glanzlos in Runde eins bei den Amateuren des FC Denzlingen, die bis zur Pause ein 0:0 hielten. Dann trafen Anthony Yeboah, Martin Groth und Harald Spörl verwandelte einen Elfmeter. Wie gesagt, so in der Art dürfte es auch morgen in Jena laufen.

Obwohl ich Eppingen und Geislingen natürlich immer noch im Hinterkopf habe. Gegen den VfB Eppingen war das am 26. Oktober 1974 schon die zweite Pokalrunde, zuvor hatte der HSV bei Preußen Münster 4:0 gewonnen. Drei Tage vor Eppingen hatte der HSV dann im Uefa-Cup im Volkspark gegen Steagul Rosu Brasov mit 8:0 gewonnen, und dann wird eine Mannschaft, die mit Kargus; Kaltz, Krobbach, Hidien, Memering, Björnmose, Eigl (46. Bertl), Mackensen, Sperlich, Reimann und Volkert antrat, wohl ein wenig übermütig. Nur Horst Bertl traf für die Rothosen, er verkürzte auf 1:2, die Sensation aber konnte auch er nicht verhindern. Noch schlimmer eigentlich war die Pleite, die sich der HSV unter der Regie von Ernst Happel erlaubte. Am 1. September spielten in Runde eins Stein, Kaltz, Jakobs, Schröder, Groh, Magath, Rolff (46. Wehmeyer), Milewski, Wuttke, McGhee und von Heesen gegen den SC Geislingen. Zuvor hatte der HSV in der Bundesliga bei Borussia Dortmund 2:1 gewonnen und daheim gegen Mönchengladbach 1:1 gespielt – und dann ging es gegen elf Geislinger . . . Und die siegten 2:0. Gegen einen HSV, der letztlich Platz fünf in der Bundesliga belegte. So kann es gehen. Auch gehen. Nur morgen, da wird es anders, viel souveräner, professioneller und deutlicher laufen. Wobei das 0:4 von Dresden, am vergangenen Mittwoch „eingespielt“ natürlich auch eine Rolle spielen wird. Wer als Profi jetzt nicht wachsam ist, wer jetzt noch glaubt, dass es mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei gegen den Außenseiter geht, der dürfte seinen Job verfehlt haben. Und letztlich riskiert er mit einem lustlosen oder überheblichen Auftritt auch seinen Job beim HSV.

Einen „ganz schlimmen“ Pokal-Auftritt des HSV habe ich übrigens noch: Paderborn, 21. August 2004. Die Mannschaft von Trainer Klaus Toppmöller verlor 2:4, der Coach wurde nach dem Aus wüst beschimpft und bepöbelt, und die HSV-Spieler vom eigenen Anhang (!) bespuckt. Dabei hatte ein Schiedsrichter namens Robert Hoyzer diese Partie verpfiffen, hatte HSV-Tore verhindert und Emile Mpenza schon in der 36. Minute vom Platz gestellt. Der HSV hatte durch Tore von Christian Rahn und Mpenza schon 2:0 geführt, dann griff der „Unparteiische“ entscheidend ein – ein Tiefpunkt des DFB-Pokals. Ich war dabei, ich kann mich an dieses Spiel noch bis in jede Kleinigkeit hinein erinnern – ich werde es bis an mein Lebensende nicht vergessen – der größte Skandal überhaupt. Aber das ist ja nun schon neun Jahre Geschichte, jetzt ist der HSV gefordert, ein neues, ein positives Kapitel hinzuzufügen.

Elfmeter, das wurde ich in der Nachbarschaft eben noch gefragt, hat der HSV heute am Vormittag nicht geübt. Das wäre ja auch noch schöner. Weil es doch nie und nimmer ein Elfmeterschießen gaben darf. Und auch geben wird, davon bin ich immer noch total überzeugt. Im abschließenden Spielchen, in dem sich bunt durcheinander gewürfelte Mannschaften gegenüber standen, gab es keinen Sieger – es gab nicht mal ein Tor. Rene Adler und Jaroslav Drobny blieben „sauber“. Bunt durcheinander gewürfelt stimmt nur bedingt, denn vor Drobny, der morgen in Jena zwischen den HSV-Pfosten stehen wird, stand die Viererkette mit Dennis Diekmeier, Lasse Sobiech, Jonathan Tah und Marcell Jansen. Diese Abwehrreihe sollte sich wohl einspielen, denn, die Experten haben es sicherlich schon bemerkt und erraten, in der Mitte fehlte der Name Heiko Westermann.

Der ehemalige HSV-Kapitän hatte schon vor dem Training leichte Kniebeschwerden, dann fiel er während der Aufwärmphase auf genau das rechte Knie und verspürte einen stechenden Schmerz. Leicht laufend, abseits des Mannschafts-Trainings, versuchte Westermann, der „Unverletzbare“, noch, wieder „Leben“ in sein Knie zu bekommen, aber dann musste er aufgeben. Er ließ sich auf einem kleinen „Golfwagen“ in die Kabine fahren. Für Westermann rückt wahrscheinlich Tah in die Mannschaft, allerdings besteht noch immer die Möglichkeit, dass der deutsche Nationalspieler über Nacht doch noch gesundet (und dann spielen kann). Mitgefahren ist Heiko Westermann auf jeden Fall, es ging ja per Bus in den Osten – eine nicht gerade Kräfte schonende Reise bei heißen Temperaturen. Und vielleicht auch dem einen oder anderen Stau.

Während Thorsten Fink unmittelbar nach dem Training ein großes Fragezeichen hinter dem Einsatz von Westermann setzte, wird Marcell Jansen spielen können. Der Linksverteidiger gab grünes Licht, er absolvierte das Abschluss-Training ohne Beschwerden – hatte allerdings auch eine halbe Tablette, die die Schmerzen bekämpfen soll, eingenommen. Während Jansen als spielen kann, fällt Michael Mancienne aus. Der Engländer stand zwar bis zuletzt auf dem Rasen des Trainingsplatzes, hat sich aber offenbar „etwas“ an der Wade zugezogen – Mancienne saß nicht mit im Bus, der gen Jena fuhr. Und auch Slobodan Rajkovic ist nicht dabei.
Aber es wird auch so gehen . . .

Im Sturm hat Thorsten Fink noch die Wahl: Artjoms Rudnevs oder Jacques Zoua? Ich glaube, er wird sich für den Zugang aus Basel entscheiden. Erstens wirkt er auf mich fußballerisch stärker, und zweitens könnte es ja eine Wirkung wie bei einer Lawine geben. Schießt Zoua gegen den Fünfliga-Club ein oder mehrere Tore, dann könnte das auch für die Bundesliga Selbstvertrauen geben. Könnte. Klappt das auch diesmal nicht, dann hätte Fink ja immer noch Rudnevs auf der Bank.

Nach dem offiziellen Training schossen übrigens noch vier Spieler reichlich viele Freistöße: Rafael van der Vaart, Hakan Calhanoglu, Tolgay Arslan und Dennis Aogo. Als Mauer fungierten drei dicke Plastikmännchen, im Tor stand Sven Neuhaus. Und der hatte viel zu tun. Den ersten Super-Freistoß fing er sich von Calhanoglu, der Ball flog scharf und hoch in den Winkel – sodass der Keeper nur noch applaudieren konnte. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass auch die anderen drei Spieler noch den einen oder anderen Freistoß sehenswert versenkten – das sah teilweise richtig gut aus. Hoffentlich bewahren sie sich für morgen ein wenig die Nervenstärke für diese Standards auf. Und wo ich gerade bei Calhanoglu war: Der Mittelfeldspieler hatte für mich die bemerkenswerteste Szene des Vormittags. Mitten im größten Gewühl mit ungefähr 18 Beinen (das sah da wie bei einer E-Jugend aus) dribbelte er sich mit zwei Doppelpässen, die er mit sich selbst spielte (!), durch die Abwehr. Das ging zack-zack, rechts links, rechts links – und ab. Thorsten Fink kommentierte das wie folgt (ich weiß allerdings nicht, wen er meinte!): „Das ging viel zu leicht, du musst mal dazwischenhauen . . .“ Wie gesagt, welcher Abwehrspieler da Calhanoglu stoppen sollte, indem er dazwischenhauen sollte, das konnte ich nicht ausmachen, aber sehenswert war diese Aktion trotz allem. Lange eine solche Finesse nicht mehr gesehen – beim HSV.

Wie schön wäre es, wenn die Fans das morgen auch, nach dem Spiel gegen den SV Schott in Jena, sagen könnten. Dass das kein müheloses Unterfangen wird, das beweist jetzt gerade der heutige DFB-Pokal auf anderen Plätzen. Dortmund, die große Dortmunder Borussia, der Champions-League-Finalist, quälte sich zu einem mageren 3:0-Sieg in Wilhelmshaven – bis zur 70. Minute hatte es 0:0 gestanden. Der SC Freiburg musste in Neustrelitz sogar in die Verlängerung, und Eric-Maxim Choupo-Moting, der Ex-HSVer, rettete Mainz mit seinem Tor zum 2:1 (in der 87. Minute) im Spiel bei Fortuna Köln. Das alles sollte dem HSV doch eine ganz kleine Warnung sein . . . Und auch das noch erwähnt: Noch ein Ex-HSVer hat getroffen, nämlich Heung Min Son, der beim 5:1-Sieg von Leverkusen zum 4:1 traf.

17.35 Uhr

Vorbereitung: 13 Spiele, sechs HSV-Siege

12. August 2012

Vagner Love lässt grüßen. Erinnert das noch einer von euch? Vagner Love, oder wie er genau heißt: Vágner Silva de Souza, heute Stürmer bei Flamengo Rio de Janeiro, sollte zum HSV kommen. Hieß es nicht nur in Hamburg damals. Es sollte fast alles perfekt sein – und dann war rein zufällig auch noch mein „Matz-ab“-Kollege Christian Pletz in Brasilien, sprach persönlich mit dem Stürmer. Vagner Love bestätigte den Fast-Wechsel zum HSV, und „Matz ab“ vermeldete es quasi aus erster Hand – und dann platzte der Wechsel doch noch. Die Häme, die dann über „Matz ab“ einbrach, die war riesig. Und hielt monatelang, wenn nicht sogar jahrelang an. Genau deswegen stand hier gestern nichts von Hakan Calhanoglu. Weil ich mir zum Ziel gemacht habe, nur dann etwas von einem Wechsel zu schreiben, wenn auch ich mich informiert habe. Da der HSV auf Mallorca weilte und ich keinerlei „Nahrung“ zu einem Wechsel des Karlsruhers bekam, schrieb ich nichts. Bevor ich von anderen abschreibe – und vielleicht wieder erfahren muss, dass der Fast-Wechsel doch noch geplatzt ist. Häme – nein danke! Ich denke (und habe gedacht), dass es bis zum Sommer 2013 noch etwas Zeit ist – auch für andere Vereine, noch dazwischenzufahren und dem HSV noch einmal kräftig in die Suppe zu spucken . . . Mal abwarten, wie sich das alles entwickelt.

Sollte es für das nächste Jahr aber tatsächlich klappen, dann kann man dem HSV nur gratulieren. Ich sah am ersten Drittliga-Spieltag dieser Saison die Partie Heidenheim gegen den KSC (2:2) live im Fernsehen, ein Klasse-Spiel. Aufschlussreich gerade im Hinblick auf das Pokalspiel der kommenden Woche. Hakan Calhanoglu schoss in Heidenheim eine 2:0-Führung des Zweitliga-Absteigers heraus. Mit zwei großartigen Freistößen. Einen versenkte er links, einen rechts. Der HSV kann sich freuen. Wenn es denn klappen sollte – so wie es die deutsche Presse-Agentur berichtet:

Der HSV scheint den Poker um den Karlsruher Offensivspielers Hakan Calhanoglu gewonnen zu haben. Wie das „Hamburger Abendblatt“ und die „Bild“-Zeitung berichten, soll der 18 Jahre alte Kreativspieler in den nächsten Tagen einen Dreijahresvertrag von 2013 an unterzeichnen. In der kommenden Saison wird er allerdings noch beim Drittligisten KSC unter Vertrag stehen, dem nächsten Gegner im DFB-Pokal. Der HSV wollte sich dazu am Sonntag vor dem Rückflug nach dem mit 1:0 gewonnenen Test bei Real Mallorca nicht äußern.

Seit der U 16 spielt der in Deutschland geborene Sohn türkischer Eltern für die Auswahl-Mannschaften der Türkei. Zuletzt hatten auch die Bundesligisten Hoffenheim, Freiburg und Bremen um Calhanoglu mitgeboten. „Wenn es stimmt, wäre es sehr schade“, sagte Werders Geschäftsführer Klaus Allofs, „aber zu den aufgerufenen Bedingungen hätten wir es nicht machen können.“ Der HSV soll etwa zwei Millionen Euro für das Talent an den KSC zahlen.

Vor Wochen war sich Werder angeblich schon mit Hakan Calhanoglu einig. Ich kann mir deswegen nicht vorstellen, dass die Bremer nun ohne Kampf aufgeben werden. Und andere Vereine wachen eventuell nun, wo der Wechsel zum HSV öffentlich gemacht worden ist, ja auch noch auf. Und meines Wissens dürfen Verträge dieser Art (also für 2013) jetzt noch gar nicht geschlossen werden – auch keinerlei Vorverträge.

Ganz nebenbei, gaaaaanz nebenbei: Vor Wochen hatte „uns Scholle“ hier bei „Matz ab“ als Allererster (vor allen Hamburger Zeitungen) die Meldung, dass der HSV Calhanoglu will. Marcus „Scholle“ Scholz hatte seinerzeit mit dem Berater des KSC-Spielers gesprochen, und dieser bestätigte sowohl das HSV-Interesse als auch das von Werder.

Themenwechsel. Der HSV hat mich sportlich mit dem 1:0-Sieg beim RCD Mallorca total und auch total positiv überrascht, das gebe ich gerne zu. Und irgendwie passt dieses Resultat auch gut in die Landschaft, denn der 1. FC Nürnberg verliert mit dem 0:1 gegen Betis Sevilla sein erstes Testspiel, und der HSV setzt mit dem Sieg in Spanien ein erstes richtiges Ausrufezeichen. Wobei die Defensivabteilung ganz erfreulich und sehr stark gearbeitet hat (gegen ein Team, das in der kommenden Woche um Punkt spielen soll!), nach vorne aber nicht allzu viel ging. Ballbesitz ist das Zauberwort, Trainer Thorsten Fink will Ballbesitz und lässt genau darauf auch spielen (Motto: „Haben wir den Ball, schießt der Gegner keine Tore“). Und auf Mallorca war der Gegner nicht in der Lage, mehr in Ballbesitz zu kommen. Ein Tor langt dem HSV – in diesem Fall. Und so könnte es in dieser Saison durchaus noch öfter Spiele dieser Art geben.

Mit einer Sache wusste ich gar nicht so recht, wie ich damit umgehen soll: Paul Scharner. Wieso kam der Österreicher, der sich lange warmlief, dann doch nicht zum Einsatz? Waren die beiden Innenverteidiger, Jeffrey Bruma und Michael Mancienne, zu gut an diesem Abend? Oder erhielten sie noch eine „Gnadenfrist“? Licht ins Dunkel brachte Trainer Fink, wie mir mein Kollegen Kai Schiller, der mit auf der Insel (gewesen) ist: „Paul Scharner hatte erst einen Tag mit uns trainiert, es war wichtig für ihn, dass er erst einmal die Mannschaft kennen lernt. Da der Österreicher auch bis Donnerstag bei seiner Nationalmannschaft ist, wird beim Pokalspiel die Innenverteidigung auch Bruma/Mancienne heißen, das kann ich garantieren – sie haben ja auch eine gute Vorbereitung gespielt.“ Das stimmt, und deswegen ich diese Maßnahme auch absolut nachvollziehbar.
Pokal-Gegner KSC steht übrigens in Liga drei nach der 0:1-Auswärts-Niederlage in Bielefeld schon wieder sieglos auf einem Abstiegsrang – Platz 18 von 20 Mannschaften. Da müsste es doch eigentlich mit dem Teufel . . .

Der HSV kehrt erst heute am Abend wieder zurück nach Hamburg, die Mannschaft lief heute auf Mallorca aus. Am Montag haben die Spieler ihren freien Tag.

Am Dienstag folgt dann – bevor es „pokalig“ wird – zum Abschluss der Vorbereitung noch das Spiel beim Hamburger Oberliga-Klub Altona 93. Es gab jetzt vom 6. Juli an 13 Spiele, die von den HSV-Leistungen her sehr durchwachsen waren, die aber (immerhin) sechs Siege und vier Unentschieden brachten. Hier noch einmal alle Partien auf einen Blick:

1860 Rosenheim – HSV 2:2
Zillertal-Auswahl – HSV 0:10
Terek Grozny – HSV 2:2 (wetterbedingt vorzeitig beendet)
Holstein Kiel – HSV 1:1
FC Suwon Samsung II (Südkorea) – HSV 0:6
FC Groningen – HSV 1:2
Seongnam Ilhwa Chunma (Südkorea) – HSV 0:1
FC Barcelona II – HSV 2:1
Eintracht Norderstedt – HSV 0:6
Borussia Dortmund – HSV 1:0 (zweimal 30 Minuten)
FC Bayern – HSV 1:0 (zweimal 30 Minuten)
Nordsjaelland – HSV 0:0
RCD Mallorca – HSV 0:1.

In einem abschließenden Resümee muss festgestellt werden, dass nicht viele Spiele dabei waren, in denen der HSV voll überzeugt hat. Im Gegenteil. Aber, und so hat es Trainer Thorsten Fink immer wieder betont, wichtig ist, dass der HSV zum Punktspiel-Start bei 100 Prozent ist – und das hat der HSV-Coach ja auch quasi versprochen. Fink sagte wörtlich: „Was nützt es, wenn man in der Vorbereitung nur gewinnt, in der Bundesliga dann aber verliert? Wir werden zum Bundesliga-Start zu 100 Prozent da sein.“ Eine Frage mit einer deutlichen Antwort. Und wenn dann der HSV in der Bundesliga erfolgreich spielt, dann denkt ganz bestimmt keiner mehr an diese etwas holprige Vorbereitung zurück. Auch ich nicht. Versprochen.

So, ansonsten gab es an diesem Sonntag Dütt und Datt.

Wie zum Beispiel die Meldung, dass sich Markus Babbel, der Hoffenheimer Trainer, darüber beklagt hat, dass nicht der Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw seinem Keeper Tim Wiese eine Absage für das Argentinien-Länderspiel (am Mittwoch in Frankfurt/M.) erteilt habe, sondern „nur“ der Co-Trainer und der Torwarttrainer (Hansi Flick und Andreas Köpke). Auch das ist nachvollziehbar. Denn erstens überrascht es mich, dass nun Hannovers Zieler die Nummer zwei ist, und dann wäre es ganz sicher besser gewesen, wenn Löw das selbst verkündet hätte. Da bin ich ganz auf Babbels Seite, denn er ist ein feinfühliger, ehrlicher und eher zurückhaltender Mensch, der immer weiß, was er sagt und wie er sich zu verhalten hat. Babbel, der ehemalige HSV-Spieler (den ich immer sehr geschätzt habe!), ist ganz sicher kein Besserwisser und auch kein Lautsprecher, der Mann ist einfach nur klasse – ein ganz feiner Mensch.
Und dass er Wiese zum TSG-Kapitän gemacht hat, das hat Babbel sicherlich nicht getan, um den HSV-Anhang zu ärgern, das spricht vielmehr und irgendwie auch für Wiese, der bei anderen Klubs (und den dazugehörigen Fans) ja nicht sonderlich beliebt ist. Wiese soll aber, so hat es mir mein alter Freund Harald Stenger (der nun als Medien-Direktor des DFB aufhören muss) oft genug bestätigt, gar nicht so ein „Stinkstiefel“ sein, für den er vor allem wohl in Hamburg gehalten wurde – und wird.
Aber, das zum Abschluss, macht ein Trainer einen „Quertreiber“ wirklich sehenden Auges zum Kapitän?

Und wo wir gerade bei Torhütern sind: Jens Lehmann hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet. Und in meinen Augen ganz gute Dinge von sich gegeben. Die Agentur dapd schreibt:

Der ehemalige Fußball-Nationaltorwart Jens Lehmann hat sich verwundert über Matthias Sammers Wechsel zu Bayern München geäußert. „Ich war überrascht“, sagte Lehmann der „Bild am Sonntag“. Sammer habe seinen Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) im vergangenen Jahr verlängert und von Werten wie Loyalität gesprochen. „Und auf einmal werden diese Werte innerhalb von ein paar Stunden anders beurteilt und ausgelegt.“

In der Verpflichtung des 44-Jährigen als neuen Bayern-Sportvorstand sieht Lehmann zudem erhöhtes Konfliktpotenzial beim Rekordmeister. Er betonte aber: „So, wie ich ihn erlebt habe, streitet Matthias Sammer mit den Leuten, die unter ihm sind. Er streitet nicht mit den Leuten, die über ihm stehen.“

Lehmann und Sammer kennen sich unter anderem durch ihre gemeinsame Zeit bei Borussia Dortmund. Sammer führte den BVB 2002 als Trainer zur Meisterschaft, Lehmann stand damals im Tor.

Eine interessante Meinung von Lehmann. Und die rief bei mir noch einmal die damalige Wechsel-Posse Sammers zum HSV ins Gedächtnis zurück. In der Tat, damals, als Sammer sich für den DFB entschied (obwohl er beim HSV schon zugesagt hatte), sprach der Sport-Direktor viele hehre Worte. Die aber wohl dann doch nicht mehr ganz so hehr sind, wenn der große FC Bayern ruft . . . Aber ist ja ohnehin abgehakt, dieses Thema, ich fand es nur ganz interessant, wie ein Großer des deutschen Fußballs darüber denkt – und es dann auch offen ausspricht.

Zum Thema Nationalmannschaft gab es dann heute auch noch folgenden Meldung (dapd), wobei es hier um den FC Bayern geht:

Bayern München wird das Supercup-Duell mit Borussia Dortmund ohne Bastian Schweinsteiger antreten. Der Nationalspieler, der zuletzt mit Sprunggelenksproblemen zu kämpfen hatte, trainierte zwar am Samstag wieder. Trainer Jupp Heynckes verzichte im Supercup aber vorsichtshalber auf ihn, teilte der Verein vor dem Heimspiel am Sonntag (20.00 Uhr) mit. Dagegen soll Stürmer Claudio Pizarro nach seinen Hüftproblemen wieder in den Kader zurückkehren.

Wir erinnern uns: Schweinsteiger wurde bei der EM trotz seiner fehlenden Fitness immer tapfer mit durchgeschleppt. Nach der EM bestritt Schweinsteiger kein Pflichtspiel mehr, und er ist trotz allem immer noch nicht fit für den FC Bayern! Das hätte ich auch mit einem dicken Fragezeichen versehen können, denn ganz offenbar ist da doch etwas ganz Gravierendes falsch gelaufen. Schweinsteiger hätte, ich schrieb es während der EM, gar nicht (mehr) auflaufen dürfen (und sollen), aber da war wohl falsch verstandene „Liebe“ zwischen Trainer und Spieler mit im Spiel (während ich das schreibe, verwandelt der ehemalige HSV-Spieler Christian Rahn, ja der „alte“ Rahner, gerade einen Elfmeter zum 1:0 für Regensburg gegen Duisburg – Glückwunsch!).

Apropos Ehemaliger: Auch ihn gib es noch, wie der Sport-Informations-Dienst berichtet:

Der frühere Fußballer des Jahres Ailton war bei seinem Debüt beim Sechstligisten Hassia Bingen gleich der Matchwinner. Der 39-Jährige kam gegen die SpVgg Ingelheim in der 68. Minute ins Spiel und erzielte vor 1300 Zuschauern beide Treffer (84./90.) zum 2:0-Erfolg. „Kugelblitz bleibt Kugelblitz. Mein Antritt ist Explosion“, sagte der frühere Bremer der Rhein-Zeitung. Nach Angaben der Zeitung war bereits nach dem ersten Tor ein Kamerateam auf den Platz gelaufen.

Dschungelcamp-Teilnehmer Ailton tingelt seit 2009 durch die deutschen Amateurligen. Zunächst beim in die Niederrheinliga abgestürzten Ex-Pokalsieger KFC Uerdingen, ein Jahr später beim Bremer Regionalligisten FC Oberneuland und schließlich beim niedersächsischen Siebtligisten VfB Peine.

Ja, der liebe, gute, dicke Ailton, der hier noch in Hamburg aufdribbeln durfte, obwohl er seine Zukunft schon lange hinter sich hatte. Wenn ich an ihn denke, dann nicht nur wegen der tausendprozentigen Chance gegen Werder, die dem HSV Millionen gekostet hat, sondern an seine Extravaganz. Der führte sich hier beim HSV oft so wie ein König auf. Da musste man anklopfen, bevor man ihn ansprechen durfte. Es fehlte nur noch eine Sänfte, auf der ihn die Mitspieler auf den Rasen zu tragen hätten. Ja, es gab schon Typen hier . . . Trainer Thomas Doll verzweifelte damals an dem „Dicken“, weil der stets versprach, im Hotel im Kraftraum zu arbeiten, um den Rückstand in Sachen körperlicher Fitness so schnell wie möglich aufzuarbeiten. Aber denkste Kraftraum, Ailton legte die Beine hoch und ließ den lieben Fußball-Gott einen guten Mann sein.

Dann ganz kurz noch ein kleiner Schwenker in die Zweite Liga. Zum 1. FC Köln. Zwei Spiele, zwei Punkte – ein Fehlstart? Mir tut der ehemalige HSV-(Jugend-)Spieler Holger Stanislawski etwas Leid. Der EFFZEH jagt Podolski, Novakovic und alles was sonst noch stürmen kann vom Hof, und jetzt fragt sich „ganz Köln“, warum der Klub keine Tore schießt? Kommt mir irgendwie bekannt vor.

So, und nun trifft noch ein „Ehemaliger“ in der Zweiten Liga. Änis Ben-Hatira, der ein unwahrscheinlich breites Kreuz bekommen hat (alles Muskeln!), schießt Hertha BSC gerade beim FSV Frankfurt mit 1:0 in Führung. So schießt das Leben . . .

Und dann gab es da noch diesen Bericht von „Malle BZ“:

HSV-Hooligans vs. Helmuts

Gestern Nacht soll es laut Zeugenberichten in der Schinkenstraße am Ballermann zu einer massiven Schlägerei zwischen HSV-Fans und den Sonnenbrillenverkäufern gekommen sein. Die HSV-Supporter feierten in den dort liegenden Biergärten ausgelassen und wurde immer wieder von den dreisten Schwarzafrikanern bedrängt, etwas aus dem Angebot zu kaufen. Irgendwann gegen 2 Uhr muss die Stimmung dann aber ziemlich schnell umgeschlagen haben, nachdem es immer wieder zu Beleidigungen von Seiten der „Helmuts“ kam.

Die Situation eskalierte und einige Dutzend HSV´ler teilten massive Ohrfeigen an die immer mehr werdenden Schwarzen aus. Eine Massenkeilerei quer über die Schinkenstrasse entstand, es flogen Bierkrüge und Tische. Die Lage beruhigte sich erst, als eine große Anzahl Polizisten am Schlachtfeld auftauchte und die Lager spaltete. Auf Seiten der Sonnenbrillenverkäufer soll es zu einigen Verletzten gekommen sein, die in mehreren Krankenwagen abtransportiert wurden.

PS: Nicht vergessen, am Montag kein Training im Volkspark.

16.26 Uhr

Viele Fragen zu Elia

23. März 2010

Elia, die Ärzte und der Frust. Die Wellen schlagen hoch. Die Verletzung (Knochenabsplitterung) soll der Niederländer, so Trainer Bruno Labbadia, schon im Sommer gehabt haben. Das sagte der Coach vor dem Schalke-Spiel. Ich sage nun: Wenn Elia diese Verletzung schon gehabt hat, dann ist es aller Ehren wert, dass er damit noch Spieler der Hinrunde werden konnte. Jetzt muss ich auch lesen, dass sich die vorhandene Verletzung durch den Tritt des Mainzers Noveski verschlimmert hat. Das Mainz-Spiel war am 28. November, und wir erinnern uns doch alle: Elia war am 20. Dezember, im Heimspiel gegen Werder Bremen, wieder einmal einer der besten HSV-Profis. Trotz dieser Verletzung. Und dann der Hammer: Beim Weihnachtsurlaub in der Heimat hatte Elia wieder Schmerzen, begab sich in die Obhut eines Arztes – ich glaube, es war der Arzt der Nationalmannschaft. Und dieser legte den Knöchel für einige Tage in Gips. Beim türkischen Trainingslager in Belek, Anfang Januar, joggte Elia zuerst nur, bevor er später ins Mannschaftstraining einstieg. Die Verletzung schien kein Thema mehr zu sein. Zumal Bruno Labbadia immer sagte: „Eljero hat zwar noch Schmerzen, aber es kann nichts passieren.“

Elia spielte stets nur schlecht, aber keiner machte sich so richtig Gedanken über die Frage warum? Was ich mich aber auch frage: Wenn der HSV-Stürmer um die Weihnachtszeit in der Heimat erneut untersucht wurde (und es wurden ja Maßnahmen ergriffen), warum merkte es denn spätestens in den Niederlanden keiner, was wirklich ist? Auch in den Niederlanden alles nur schlechte Ärzte? Wie die in Hamburg? Ganz sicher nicht. Zuerst will ich einmal sagen: Ich möchte eines auf keinen Fall sein: Mannschaftsarzt. Schon gar nicht beim HSV. Ich habe hier schon einige Ärzte erlebt, die hatten es immer verdammt schwer. Schrieben sie zu schnell krank, bekamen sie Ärger mit den Trainern. Übersahen sie etwas (Schlimmes), bekamen sie Ärger mit dem Spieler, mit dem Trainer und der Klub-Führung. Und: Wer auch immer danach gefragt hat, HSV-Spieler (und andere auch) haben freie Arzt-Wahl und fliegen schon seit Jahrzehnten immer durch die Welt, um sich vom Arzt ihres Vertrauens untersuchen, behandeln oder operieren zu lassen. Alles völlig normal, alles völlig legal. Felix Magath flog als Spieler immer zu Professor Klümper in den Süden, und als Felix Magath später Trainer des HSV war, schickte er auch viele seiner Spieler zu Professor Klümper in den Süden – obwohl der HSV natürlich in Hamburg einen Mannschaftsarzt hatte. Alles ganz normal.

Wenn Elia mit der Verletzung schon immer Sommer nach Hamburg kam, wenn der Tritt von Noveski die Sache noch verschlimmert haben soll – warum wurde es bei der Kernspintomographie in Hamburg übersehen? Und warum fanden die niederländischen Ärzte Weihnachten nichts? Ich kann es Euch nicht erklären, ich bin kein Arzt, ich habe auch keine Aufnahmen des lädierten Knöchels gesehen. Ich weiß nur, dass die HSV-Verantwortlichen zu Weihnachten bass erstaunt darüber waren, dass Elia seinen Knöchel in den Niederlanden hatte still legen lassen. Und alle, auch viele HSV-Fans, fragten sich: Wie kann es angehen, dass Elia gegen Werder Bremen ein so gutes Spiel hinlegt, und nun mit einem Male einen ganz kaputten Knöchel hat? Auf jeden Fall ein äußerst mysteriöse Geschichte. Die vielleicht ihr Ende noch lange nicht gefunden hat.

Mein Bauchgefühl sagt mir übrigens, dass Eljero Elia – trotz seines Vertrages bis 2014 (nicht 2012, dankele Ollile) – nur einen Sommer in Hamburg getanzt hat. Ich sehe ihn Mitte 2010 zu einem anderen Klub dribbeln – Knöchel hin, Knöchel her. Wie gesagt, nur mein Bauchgefühl, also noch keine Panik, dass schon wieder ein Star weg ist.

Apropos Star. Ruud van Nistelrooy soll in der Kabine mit Tunay Torun gerangelt haben. Was heißt soll, er hat. Diese Tatsache allein würde rechtfertigen, dass Bruno Labbadia den Weltstar ab sofort zum Kapitän beruft. Alle Achtung! Da kommt doch Freude bei jedem Vollblut-Fußballer auf wenn er sieht, dass auch Wrestler nun prädestiniert sind, nach ihrem ersten Kampf schon Spielführer des HSV zu werden. Aber nun gut, es darf ja ruhig diskutiert werden, denn auf eine solche Idee würde Labbadia ohnehin nie kommen – völlig zu Recht, ganz nebenbei bemerkt. Und noch eines: Hat eigentlich mal einer danach gefragt, wie eine solche Geschichte zu meinen Kollegen der Bild-Zeitung kommt? Meines Wissens war gerade zu diesem Zeitpunkt keiner von ihnen in der Kabine, als dort gerangelt wurde . . .

Wo ich denn gerade bei „Van the man“ bin. Er ist natürlich ein sehr netter, umgänglicher und liebenswerter Mensch. Der Typ „Schwiegermutters Liebling“. Aber er kann eben auch anders (wer nicht?). Auf dem Platz kennt er keinen Verwandten, da geht es, da geht er zur Sache, immer den direkten Weg zum Tor. Geht es da aber einmal nicht nach seiner Fasson, flippt er auch schon mal aus. Piotr Trochowski hat es beim Spiel gegen Hertha BSC erlebt: In der 70. Minute eingewechselt, so bekam er Minuten danach einen Pass von Ruud van Nistelrooy auf die halbrechte Position. „RvN“ ging danach steil, wollte den Ball am oder im Hertha-Strafraum wieder in den Fuß serviert bekommen, doch Trochowski schoss selbst – weit vorbei. Und dann ging die Pöbelei los. Aber wie! Van Nistelrooy brüllte Trochowski an, so lange und so laut, bis der deutsche Nationalspieler eine abwertende Handbewegung machte – frei nach dem Motto: „Du kannst mich mal . . .“

Natürlich wäre es besser gewesen, wenn Trochowski in dieser Szene den Ball gepasst hätte. Aber er gab sich in dieser Szene eben auch einmal egoistisch, denn ein Tor hätte ihm in seiner verfahrenen Situation sehr gut getan (da hat er mein vollstes Verständnis). Und so ganz nebenbei bemerkt: Van Nistelrooy wäre nicht van Nistelrooy, wenn er nicht in über 1000 Spielen ebenso egoistisch gehandelt hätte – auf dem Acker. Wenn er eine Möglichkeit zum Schießen sieht, dann schießt er. Dann, wenn er ein eigenes Tor wittert, dann ballert er auch los. Ohne Rücksicht auf Verluste. Oder auf umstehende Schmollende. Oder gar Wütende. In der Mitte wartet dann vielleicht auch mal der eine oder andere Mitspieler vergeblich auf die Kugel, aber das ist dann eben so. Ich weiß nicht, warum ich jetzt gerade an Mladen Petric denke . . . Ich schrieb es hier bereits: Die Harmonie zwischen Petric und van Nistelrooy könnte besser sein. Zurzeit ist sie für mich in etwas so, wie die Harmonie zwischen Joris Mathijsen und David Rozehnal. Es gibt also im Zwischenmenschlichen innerhalb des HSV-Teams noch einige Luft nach oben.

Schnell zu „Isa“, der danach fragte, wie ich heute dazu stehen würde, dass Ruud van Nistelrooy – entgegen meiner Empfehlung an den Trainer – doch von Anfang an gegen Schalke spielte. Du lieber Vater, Isa, Du wirst sicher Verständnis haben, dass ich nichts mehr dagegen sagen werde. Labbadia hat alles richtig gemacht (ich schrieb es schon aus anderen Gründen). Ich habe ja auch nicht gesagt, dass ich mich erschießen werde, sollte „RvN“ von Beginn an spielen, ich habe nur gesagt, dass ich, wenn ich HSV-Trainer wäre, es nicht machen würde. Der Grund: Der Niederländer hatte zuvor schon dreimal von Beginn an gespielt – und war zum Schluss immer mächtig abgetaucht, stand kurz vor dem Heldentod. So ist er aber, der HSV-Trainer Labbadia, und so ist er, der B-Lizenz-Trainer Matz, der beim HSV nichts sagen hat (zum Glück!) – es gibt eben doch unterschiedliche Sichtweisen. Und im Scherz: Ich bin Bruno Labbadia deswegen kein bisschen böse . . .

Wobei ich auch durchaus, um das Thema zu wechseln, nicht überlesen habe, dass Ihr Petric im Moment nicht so ganz bei 100 Prozent seht. Ich kann dem nicht widersprechen, aber: Eine solche Phase hatte der Kroate schon einige Male. Und just zu dem Zeitpunkt, als er am meisten Prügel (von den Fans) bezog, feierte er eine glanzvolle „Wiederauferstehung“ – indem er Tore schoss. Deswegen würde ich ihn auch in der jetzigen Phase ganz und gar nicht abschreiben, denn schon im nächsten Spiel könnte er wieder explodieren. Und dann haben ihn wieder alle ganz furchtbar lieb – und überhaupt. Um Petric mache ich mir deswegen keine Sorgen, nur um die gewisse Disharmonie, die im HSV-Sturm herrscht. Aber auch die wird der Trainer sicher in den Griff bekommen . . . Wenn es denn überhaupt eine (diese) Disharmonie geben sollte.

So, ich merke schon wieder, dass ich auch heute viel zu lang werde. Das muss ich aber schnell noch loswerden: Jonathan Pitroipa tat mir nach seinem 2:2-Tor gegen Schalke sehr leid, denn er konnte sich nicht freuen. Da war nichts von Jubel zu sehen. Er schoss den Ball ins Tor, alle feierten ihn, aber er schlich mehr oder weniger „bedröppelt“ zur Mitte. Schade. Aber Fans sind eben manchmal gnadenlos. Ich finde es trotz allem bedauerlich, dass sich ein Hamburger Spieler nach seinem (so wichtigen) Tor nicht freuen kann. Und ich würde mich schon sehr freuen, wenn das die HSV-Fans einmal (bald?) ändern könnten. Das hätte was!

Weil ich immer gefragt wurde (und nichts geschrieben hatte): Ich fand die Rettungsaktion von Tomas Rincon gegen Schalke, als er auf dem Rasen liegend den Ball von der Torlinie köpfte, einfach nur großartig und spektakulär. Unglaublich, diese Szene wird noch in Jahrzehnten in jedem Bundesliga-Rückblick zu sehen sei – ein Novum. Und ich behaupte auch: das kann nur er. Ich glaube es war Lotto King Karl, mit dem ich darüber sprach. Er sagte: „Rincon war da die Reinkarnation eines Maulwurfs.“ Hallo? Sollten die Maulwürfe tatsächlich wieder Einzug in den Volkspark gehalten haben? Die waren doch einst unter Protest gegen die Mehdi-Mahdavikia-Eckstöße alle ausgezogen. Und sie, die stets von den Ecken rasiert wurden, ließen sich auch nach dem Weggang des Iraners nicht überreden, wieder Einzug in den Arena-Rasen zu halten, denn die Eckstöße blieben ja (in der Mehrzahl jedenfalls) so katastrophal flach und schlecht . . .

Und nun lande ich noch ein zweites Mal bei Piotr Trochowski. Weil ich gerade daran denke, dass die Profis am Montag und am Dienstag frei hatten. Ihnen sei es gegönnt. Am Mittwoch geht es dann um 15 Uhr im Volkspark weiter. Der B-Lizenz-Trainer Matz aber befürwortet ja schon seit Jahr und Tag, wirklich seit vielen, vielen Jahren, dass sich jene Spieler, die sich verbessern wollen (und müssen), doch verstärkt um ein Individual-Training bemühen sollten. Es soll ja nicht, um Gottes Willen nicht, Kondition gebolzt werden, es soll doch nur an den Schwächen gearbeitet werden. Dafür, dass sich das lohnen würde, gibt es für mich immer noch zwei Parade-Beispiele. Thomas von Heesen nahm sich einst, völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit, einen Privat-Coach namens Rainer Sonnenburg. An jenen Nachmittagen, an denen der HSV nicht trainierte, trainierten von Heesen und Sonnenburg in der Jahn-Kampfbahn in Winterhude. Erst als von Heesen besser und besser wurde, erkundigten sich die Journalisten nach dem Grund. Der hieß Sonnenburg. Und das zweite Beispiel heißt Patrick Owomoyela. Der spielte beim Lüneburger SK, wollte aber noch hoch hinaus – und verpflichtete gleich zwei Privat-Trainer: den ehemaligen Schwimm-Bundestrainer Dirk Lange und den heutigen Torwart-Trainer des FC St. Pauli, KaPe Nemet. Und was kam dabei heraus? Owomoyela wurde deutscher Nationalspieler und spielt schon seit Jahren in der Ersten Liga.

Das sei jedem Profi, der auf der Stelle tritt, der merkt, dass noch mehr in ihm steckt, dringend zur Nachahmung empfohlen. Es gab in der Vergangenheit einige HSV-Spieler, die auf diesem (Um-)Weg eine große oder größere Karriere hätten machen können, aber sie machten es nicht. Und beim HSV sah parallel dazu auch niemand, dass an den speziellen Defiziten des Spielers zu arbeiten sei, um ihn zu verbessern – auch zum Wohle des Vereins. Paradebeispiel ist für mich immer noch Christian Rahn, Nationalspieler unter Rudi Völler, heute bei Greuther Fürth in der Zweiten Liga. Ich behaupte einmal: Hätte Christian Rahn, der nach vorne alles konnte (vergleichbar mit Marcell Jansen), seine defensiven Defizite dank eines Privat-Trainers behoben, wäre er noch heute in Liga eins. Und vielleicht auch in der Nationalmannschaft. Aber: Jeder ist seines Glückes Schmied. Was auch auf die Vereine – und den HSV – zutrifft.

So, es ist wieder viel zu viel geworden. Kurz will ich noch auf meine Nachbarin eingehen. „Eva“ hatte gefragt, wie es um Wolfgang Hesl steht? Offenbar gut, denn der Vertrag wurde verlängert. Hätte das der HSV getan, wenn er nicht von den Künsten des zweiten Mannes überzeugt wäre? Für mich hat Hesl in dieser Saison einen Sprung nach vorne gemacht, er ist besser und selbstbewusster geworden. Ob es reichen würde, eines Tages Frank Rost abzulösen? Da bin ich, gebe ich ehrlich zu, überfragt. Hesl fliegt schön, hat super Reflexe, hat auch starke Momente im Spiel eins gegen eins – aber er ist mir (im Moment) noch nicht laut genug. Ich vermisse bei ihm, dass er seine Vorderleute mal so richtig zusammenstaucht, zusammendonnert. Okay, das kann er sich als Ersatzkeeper vielleicht noch nicht erlauben (so wie Frank Rost es natürlich macht), aber ab und an sollte er schon mal lautstark dazwischenfahren. Das fehlt ihm noch. Aber vielleicht kommt es ja auch noch, nämlich dann, wenn er mal ins kalte Wasser geschmissen wird. Ich erinnere mich noch an den Kölner Harald Schumacher, der seinen Trainer Hennes Weisweiler oft zur Weißglut getrieben hat – und plötzlich, quasi über Nacht, wurde der „Toni“ dann einer der besten Torhüter der Welt. Auch so kann es gehen. Noch ein Satz zur Nummer drei: Ich halte auch von Tom Mickel einiges, der Mann hat ebenfalls viel Talent.

Kurz noch ein Querverweis in redaktioneller Sache: In der Straubhaar-Kolumne im Abendblatt-Internet berichtet unser Korrespondent aus Washington auch über einen HSV-Spieler. Die Kolumne trägt den lustigen Titel: Wer macht für Piotr Trochowski den Schwarzenbeck?

18.06 Uhr

Wiedersehen macht Freude

6. Januar 2010

Martin Bader beim HSV! Der Manager des 1. FC Nürnberg war am Mittwoch auf der Trainingsanlage des HSV, allerdings gemeinsam mit seinem Trainer-Duo Dieter Hecking/Armin Reutershahn. Die „Clubberer“ hatten an diesem Nachmittag frei, und Reutershahn schlug den Trip zum HSV vor. „Es ist immer wieder schön, alte Freunde zu treffen“, sagte Reutershahn, der lange mit Osteopath Thomas Marquard plauderte. Es war überhaupt viel los an diesem Tag: Christian Rahn, jetzt bei Greuther Fürth, sah auf einen Sprung vorbei, unterhielt sich lange Zeit mit HSV-Physiotherapeut Uwe Eplinius. Zudem war der ehemalige Aachener Trainer Jürgen Seeberger als Zaungast zu sehen.

Als eine Art Fortbildung? Armin Reutershahn sagte mir: „Das ist doch ideal hier in der Türkei. Im Moment sind hier 50 Klubs, die sich auf die Rückrunde vorbereiten, allein sieben aus Deutschland. Da würde ich auch hierher reisen, um von anderen Trainern etwas zu lernen.“

Es gibt hier in diesen Tagen ein großes Wiedersehen von ehemaligen Hamburgern. Neben Rahn und Reutershahn sind im Umkreis von wenigen Kilometern noch Miso Brecko (1. FC Köln), Björn Schlicke (MSV Duisburg), Änis Ben-Hatira (MSV Duisburg), Mehdi Mahdavikia (Eintracht Frankfurt); Heribert Bruchhagen (Eintracht Frankfurt), Eric-Maxim Choupo-Moting und – natürlich – sein Vater (!) vom 1. FC Nürnberg sowie Macauley Chrisantus vom Karlsruher SC hier. Zudem reisten am späten Abend auch noch Thomas Doll und sein Assistenten Ralf „Katze“ Zumdick mit Genclerbirligi an. Und am Donnerstag trifft der HSV ja bekanntlich auf den türkischen Tabellenvierten Kayserispor, bei dem mit Ömer Sismanoglu (FC St. Pauli) und Umur Kocin (HSV II) auch zwei Hamburger spielen.

Zurück zum Nachmittags-Training. Hecking beobachtete die Einheit ganz genau. Scherzte in Richtung Reutershahn: „Die HSV-Spieler verballern ja mehr Torchancen, als unsere jungen Spieler – und mit denen meckern wir dann . . .“ Der ehemalige Bundesliga-Stürmer Dieter Hecking befand dann über den neuen Ball: „Mit dem hätte auch ich ganz sicher mindestens ein Bundesliga-Tor erzielt.“ Sein Pech: Er hat es nur auf ein Eigentor in der Ersten Liga gebracht.

Immerhin drückt Dieter Hecking dem HSV im ersten Spiel gegen den SC Freiburg die Daumen: „Wir helfen dem HSV mit einem Sieg gegen Schalke, und der HSV hilft uns mit einem Heimsieg – das hätte doch was, oder?“ Wer hätte etwas dagegen? In Hamburg schon mal keiner.

Gegen Kayserispor stehen dem HSV im Moment nur zehn Feldspieler aus dem Profi-Kader zur Verfügung. Neu angeschlagen sind nun auch noch Mickael Tavares (Verhärtung im Oberschenkel) und Robert Tesche, der am Nachmittag einen Schlag auf den Oberschenkel bekommen hatte, die Einheit abbrechen musste und mit einem dicken Eisverband in Richtung Hotel ging. Dennoch bleibt Trainer Bruno Labbadia die Ruhe selbst: „Das ist doch alles normal. Aber die Mannschaft gegen Kayserispor stellt sich somit von ganz allein auf.“ Es werden alle Profis spielen, die fit sind. Der eine oder andere junge Spieler dürfte dann im Laufe des Spiels eingewechselt werden.

So richtig konnte sich in diesen Tagen von Belek noch niemand aus der Rasselbande in den Vordergrund spielen, es bietet sich kein Talent zwingend für das Profi-Team an. „Die jungen Spieler müssen erst noch die robuste Spielweise bei den Profis annehmen“, sagt Bruno Labbadia. Auch deswegen befand der HSV-Coach (total unaufgeregt): „Es wäre schon schön, wenn wir noch den einen oder anderen Spieler mehr hätten.“ Also auch einen Neuzugang. Oder auch zwei?

Ich lege mich da schon mal fest: Es wird sich noch etwas tun, davon bin ich fest überzeugt, denn mit einer so dünnen Spielerdecke wie zurzeit kann der HSV unmöglich in die Rückrunde gehen. Oder er geht es, schminkt sich aber schon jetzt alle hochgesteckten Ziele ab. Übrigens: Es tut sich ja auch noch viel bei anderen Bundesliga-Klubs. Dieter Hecking verriet, dass auch der „Club“ noch einmal zuschlagen wird, und – viel interessanter – dass Schalke 04 mit Kevin Kuranyi und Rafinha noch zwei „Kracher“ an den FC Sunderland verlieren könnte. Könnte. So sagt es ein Gerücht aus Gelsenkirchen.

Zum Test am Donnerstag: Es dürfte gegen die Türken ein recht schweres Spiel (19.30 Uhr, live auf Eurosport) werden. So wie eigentlich immer, wenn es in einem Trainingslager gegen eine vermeintlich „kleinere, namenlosere“ aber total heiße Mannschaft geht. „Ich erwarte einen sehr gut organisierten Gegner, das wird ein Top-Test für uns – auch im Hinblick auf Freiburg. Die werden wohl ähnlich spielen, auf Konter warten“, sagt Labbadia.

Apropos warten: Es geht ja auch immer noch darum, wann Ze Roberto nach Hamburg kommen wird. Das soll jetzt am Dienstag geschehen. Am Sonntag kehrt die Mannschaft aus der Türkei zurück, am Montag ist dann trainingsfrei – am Dienstag soll Ze Roberto „heimkehren“. Lassen wir uns mal überraschen.

Zwei Dinge in eigener Sache zum Schluss. Ich bin vielfach ob meiner Flusigkeit kritisiert worden, es gab zu viele Rechtschreibfehler. Das stimmt, ich gehe da tief in mich. Aber die Fehler sind deshalb geschehen, weil ich Euch so schnell wie möglich mit Neuigkeiten aus der Türkei versorgen wollte. Und das alles zwischen Vor- und Nachmittags-Training, zwischen Terminen und Terminabsprachen mit Spielern. Gestern zum Beispiel das Interview am Mittag mit Tunay Torun, am Abend dann ein Interview mit Piotr Trochowski (das folgt hier noch in der Nacht zu Donnerstag), ganz spät dann ein Treffen mit Bastian Reinhardt, der uns, der für „Matz ab“ ja noch eine Gastkolumne schreiben wird. Das ist versprochen, das hält der „Basti“ auch.

Und kurz noch einmal zu Frau M. Da wurde ich vielfach aus Eurem Kreis kritisiert, weil ich geschrieben hatte, dass ich sie hier in Belek nicht vermissen würde. Das stand zwar tatsächlich so in meinem Bericht, war aber nicht so gemeint – das war zum über „Fünf-Ecken-Denken“ gedacht. Das auch zur Erklärung für Frau M., die nicht sonderlich begeistert über meine Ausdrucksweise war.

In Belek um 18.36 Uhr (in Hamburg um 17.36 Uhr)

Das Reizthema

26. November 2009

Die Geister die ich rief . . . Schade, schade, dass ich so viel Häme, Sarkasmus, so viel Böses und so viel Bitterkeit am Morgen lesen muss.  Ich bin enttäuscht und entsetzt zugleich, es tut mir weh. So war „Matz ab“ eigentlich nicht gedacht, aber im Moment sieht es wohl so aus, als würden diese gegenseitigen Vorwürfe überhand nehmen. Da ich nicht mit jedem von Euch korrespondieren kann, da ich aber auch schon einige Male erklärt hatte, dass mir die privaten Plaudereien nicht so auf den Zeiger gehen, wie einigen anderen in diesem Blog, hatte ich gehofft, das würde sich regeln. Denkste. Und ich mittendrin statt nur dabei. Es gab in dieser Nacht auch etliche gute Vorschläge – in jede Richtung. Täglich, wirklich täglich begegnen mir Leute, die „Matz ab“ lesen, die aber nur meine Kommentare lesen. Weil sie zu mehr keine Zeit haben, haben wollen, weil sie dieses Private nicht lesen mögen. Das ist eine Einstellung.

Eine andere wird mir auch täglich mitgeteilt: Sie lesen meine Kommentare, und sie lesen jene Kommentare, die über drei, vier oder fünf Zeilen hinausgehen. Auch eine Einstellung. Und nach wie vor ist es doch so, dass niemand gezwungen wird, das Private zu lesen. Denen, die sich darüber aufregen, denen möchte ich sagen, dass ich mich allein darüber freue, dass sie dabei sind und meine Kommentare lesen. Und dann selbst in die Tasten hauen und eine Reaktion schicken, oder abschalten und später wieder mal reinklicken.

Im Übrigen finde ich „Eiche Noglys“ Vorschläge gut und für überdenkenswert, denn: Wenn diese „Dampfplauderer“ bis 18 Uhr abschalten und abstinent bleiben, dann wäre doch der Tag für alle anderen gerettet. Oder? Ich weiß, es gab den Einwand, dass viele erst um 18 Uhr nach Hause kommen und dann lesen. Warum lesen sie nicht meinen Kommentar, dann lesen sie die Kommentare die bis 18 Uhr eingegangen sind – und danach wird dann eben gefiltert. Drei-, Vier- oder Fünfzeiler gehen ins Kröpfchen, die längeren gehen ins Töpfchen. Frei nach Aschenputtel.

Um es noch einmal zu sagen: Ich bin ein humorvoller Mensch, ich habe schon oft laut los gelacht, wenn ich hier allein vor meiner Kiste saß, aber es gibt eben auch Beiträge, die ich schnell wieder vergesse. Allen aber, wirklich allen sei an dieser Stelle noch einmal gesagt: Dieser Blog wurde ins Leben gerufen, weil sich HSV-Freunde und -Fans hier treffen sollten. Das muss nicht nur auf eine Art geschehen, das kann auch vielschichtig sein. Und dazu gehört vor allem eines: TOLERANZ. Ich, das sage ich ehrlich und voller Überzeugung, wusste nicht, was nach dem 7. August 2009 (Start von „Matz ab“) auf mich zukommen würde, ich war erst überrascht, dann begeistert. Diese Begeisterung wird nun schon seit geraumer Zeit von einem gewissen Misstrauen begleitet, denn keiner weiß, wie sich das hier alles entwickeln wird. Denkt jeder an seinen Klub, denkt jeder nur an seinen HSV, dann wird dieser Blog nicht verkümmern. Dazu gehört aber auch eine gewisse Blog-Disziplin, und die lege ich nun hiermit jedem, wirklich jedem ans Herz.

Tut mir Leid, wenn das nun ausuferte, aber auch ich mache mir Gedanken zu diesem Thema, und zwar nicht erst seit heute.
Gestern hatte ich von einem Reizthema gesprochen, damit war aber nicht meine jetzt verfasste Einleitung gemeint.

Ich stand am Dienstag beim Training, vor mir die Rentner, die immer da sind, bei Wind und Wetter. Und von denen einige immer höchst erregt auf den HSV eindreschen. Von wegen was alles falsch läuft jetzt. Und wenn Mann da zu hört, dann läuft vieles bis alles falsch. Und trotzdem gab es ein Aha-Erlebnis für mich. Es gab aus Richtung der Rentner-Gang Lob für Piotr Trochowski. Lautes Lob sogar, er müsste es eigentlich einige Male (wohlwollend) zur Kenntnis genommen haben, denn er schlug von einem Punkt Freistöße vor das Tor, der nur fünf, sechs Meter von den Rentner entfernt war. Und diese Freistöße waren so gut, dass „Troche“ Lob erhielt. War eine neue Erfahrung für mich.

Beim Verlassen des Platzes sagte aber ein Fan schon wieder: „Na gut, schießen kann er ja, aber sonst nichts.“ Wie bitte? Sonst nichts? Trochowski kann am Ball alles, er kann so dribbeln, wie kaum ein Zweiter (abgesehen von Ze Roberto) in dieser HSV-Mannschaft. Die Antwort des Nörglers: „Wenn Trochowski mehr könnte, dann würde er jetzt, wo so viele Ausfälle zu beklagen sind, endlich einmal Verantwortung übernehmen, er würde die Mannschaft führen und mitreißen – aber da kommt nichts.“

Es wird wohl ewig so bleiben: An Piotr Trochowski scheiden sich die Geister. Und irgendwie glaube ich, dass „Troche“ in Hamburg doch auf keinen grünen Zweig mehr kommt. Was ich für äußerst schade hielte, denn für mich ist er eindeutig einer der besten Fußballer in diesem Team. Mit teilweise überragenden Fähigkeiten. Die er, ich höre Euch jetzt schon wieder aufstöhnen, natürlich nicht immer einbringt – beim HSV. Oder auch viel zu wenig. Das gebe ich ja zu. Aber: Nicht jeder Fußballspieler hat auch die Fähigkeiten zu einem Führungsspieler.

Was ich dem Nörgler auch noch mit auf den Heimweg gab: Trochowski steht im Jahre 2009 an dritter Stelle jener deutschen Nationalspieler, die die meisten Länderspielminuten in diesem Jahr absolviert haben. Der Bronzeplatz kommt doch nicht daher, dass Bundestrainer Joachim Löw, ich wiederhole mich da, ein so „Nachtblinder“ ist, dass er Piotr Trochowski vom HSV so mir nichts dir nichts von einem Länderspiel ins nächste schleppt. Ein Bundestrainer hat viele Millionen Kollegen in diesem Lande, die würde dem guten Löw doch schon lange die Freundschaft gekündigt haben, wenn er so über Monate daneben liegen würde. Und Ihr könnt ganz sicher sein: Wenn ihm Millionen „Bundestrainer“ die Freundschaft kündigen würden, dann hätte auch schon lange der Deutsche Fußball-Bund reagiert – auch mit einer Kündigung.

Haben denn jene deutschen Nationalspieler des HSV in der Nationalmannschaft so gespielt, dass sie sich als Führungskräfte erwiesen hätten? Ganz sicher nicht. Jörg Albertz war einer aus der Neuzeit (der Nationalmannschaft). Ich erinnere mich genau: Sein Debüt gab er einst in Porto gegen Portugal. Berti Vogts brachte ihn zur zweiten Halbzeit. Und fortan prasselten heftige Worte der Kollegen von links, rechts, von hinten und von vorne auf mich ein: „Was spielt der denn für einen Mist?“ Das war noch gemäßigt. Albertz war in der Nati ein ganz schlechter Mitläufer, und beim HSV? Hat er da oft Verantwortung übernommen?
Ingo Herztzsch debütierte bei Rudi Völler. Der Innenverteidiger war in der Nati ein Mitläufer, und beim HSV ein Spieler, der seinen Dienst gut und zuverlässig erledigt hat – aber eine Führungskraft war er nie.

Und Christian Rahn? Bei ihm lief es doch genau so ab wie bei Hertzsch. Einzig der von mir nicht sonderlich geliebte Sven Kmetsch spielte beim HSV einst – für ganz kurze Zeit – eine dominierende Rolle, aber das war es dann auch schon.

Nun ist Jerome Boateng neu bei Joachim Löw, und ich bin gespannt, wohin der Weg von Boateng führen wird. Er ist noch so jung, steht erst am Anfang der Karriere, er kann sich immer noch zu einer Führungspersönlichkeit entwickeln. Das entwickelt sich aber nicht, indem Mann es will, sondern das entwickelt sich von allein, durch die Hierarchie in der Mannschaft (des HSV), durch Erfolgserlebnisse, durch gestärktes Selbstvertrauen, durch Anerkennung von innen und außen. Hat man die, und zwar über einen längeren Zeitraum, dann kann man auch den Mund aufmachen, dann kann man ein Team motivieren, lenken, mitreißen, führen.

Piotr Trochowski ist in meinen Augen ein hervorragender Fußballer, aber er ist nicht die geborene Führungsperson. Deswegen sollten alle einmal die Ansprüche an ihn herunterschrauben. Und ihn so sein Spiel machen lassen, wie er es kann, wie er es will. Zudem müssen doch die ewigen Trochowski-Kritiker eines in den letzten Wochen bemerkt haben: „Troche“ redet doch gar nicht mehr so viel, er ignoriert auch schon mal diese oder jene Kamera, er gibt nicht immer jedes gewünschte Interview. Und davon, dass er eigentlich bei Arsenal London, Real Madrid oder beim FC Barcelona besser aufgehoben wäre, davon hat er doch schon seit jetzt vielen Monaten nichts mehr gesagt. Deswegen sollten ihm seine Kritiker auch irgendwann einmal in nächster Zeit verzeihen, sollten sie sich mit ihm arrangieren. Vielleicht wird er dann, wenn er die Zuneigung von allen spürt, auch so gut, dass ihn dann alle, wirklich alle lieb schätzen und mögen. So wie jene Rentner, die eigentlich mehr meckern als loben. Aber sie loben eben auch mal.

PS: Auch von mir alles, alles Gute, LoNY.

11.31 Uhr