Archiv für das Tag 'Rahmen'

Dies und das zum Wochenende

23. März 2013

Es ist nur ein Gerücht, wirklich nur ein Gerücht, dass das deutsche Fernsehen am Dienstag statt der Riesen-Partie gegen Kasachstan aus dem Volkspark überträgt. Live natürlich. Gezeigt werden soll die Fußballtennis-Partie zwischen HSV-Torjäger Artjoms Rudnevs und HSV-Co-Trainer Nikola Vidovic. Über fünf Sätze. Die Übertragung vom Kunstrasen-Platz neben der Arena soll bereits eine Stunde vor dem ersten Ballwechsel erfolgen, Anpfiff ist dann zur besten Sendezeit, nämlich um 20.30 Uhr. Schiedsrichter ist HSV-Co-Trainer Patrick Rahmen, Ballholer links ist HSV-Co-Trainer Frank Heinemann, Ballholer rechts ist HSV-Torwart-Trainer Ronny Teuber, Fifa-Beobachter ist Urs Meier (Schweiz), kommentiert wird das Match von „Altmeister“ Rolf „Töppi“ Töpperwien, das Moderatoren-Team besteht aus Carmen Thomas und Dieter Thomas Heck. Gegen Mitternacht ist dann auch noch ein Torlattenschießen zwischen Thorsten Fink und Frank Arnesen geplant; Deutschland gegen Dänemark – also bitte, liebe Fußball-Fans, nichts vornehmen an diesem Dienstag, es geht rund.

Und zwar in etwa so rund, wie es gestern in Astana bei der WM-Qualifikation auch rund ging. Da wurde zur besten Sendezeit über Stunden ein öffentliches Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gezeigt. Mit Werbeblöcken zwischendurch, versteht sich. Wirklich über Stunden. Und dann so, wie es immer ist, wenn „Klein“ gegen „Groß“ spielt: Nur nicht verletzen, nur kein Risiko eingehen, nur nicht verausgaben, nur keinen Schritt zu viel. Und daran wurde sich auch strikt gehalten. Oder profihaft.

Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw hatte in der Woche vor dem Spiel noch gesagt, dass diese „Kleinen“ doch besser eine Vor-Qualifikation bestreiten sollten, bevor sie dann auf die „Großen“ losgelassen werden. Kasachstan aber, das hat Löw extra betont, wurde von diesem Vorschlag ausgenommen. Kasachstan ist vielleicht nicht klein genug, oder von den Kleinen ein etwas Größerer. Ach, Herr Löw, warum? Weil Sie wussten, dass das deutsche Fernsehen, genauer das ZDF, das DFB-Training aus und gegen Kasachstan immerhin durch eine über dreistündige Live-Übertragung würdigt?
“Es war nicht so einfach gegen Kasachstan”, sagte Torwart Manuel Neuer nach dem Spiel. Natürlich war es nicht leicht: Anstoß um Mitternacht, dann in einer “Halle” auf Kunstrasen, und dazu auch noch ohne Stürmer – das ist schon hart. Wobei ich glaube, dass der Flug noch nachts aus Astana wohl das Härteste an diesem Trip war – Landung gegen 5.30 Uhr.
Im Radio, welcher Sender auch immer, habe ich heute gehört, dass der Sprecher von einem “Gurkenspiel” gesprochen hat. Mein Freund Klaus hat zur Halbzeit abgeschaltet und ist in die Kneipe gegangen. Kommentar: “Unerträglich.” Das war schon hart – das über Stunden ertragen zu müssen.

Auch wenn es schwer fällt, es geht nun noch einmal in die Wunde: Das war am Freitag ein ganz, ganz bitterer Fußball-Abend. In etwa so wie HSV gegen Augsburg. Nur gab es diesmal drei Punkte für den „Großen“. Gut daran war wohl nur, dass jeder deutsche Spieler sein Trikot nicht waschen lassen musste – verschwitzt oder dreckig war keiner.

Und während des “Spiels” habe ich so bei mir gedacht: Wenn die deutsche Nationalmannschaft im Schongang noch einen Gang nach dem anderen zurückschalten kann, dann dürfen die restlichen HSV-Profis, die noch in Hamburg verblieben waren, das doch auch. Dann dürfen die eben auch mal einen Kurz-Urlaub einschieben. Alles nur von wegen der Verletzungsgefahr. Eigentlich dürfte sich ja jetzt kein HSV-Profi, der in der Heimat geblieben ist, an diesem Wochenende verletzen. Eigentlich. Ich gehe davon aus. Obwohl wir das ja auch schon alles anders erlebt haben. Zum Beispiel dann, wenn da mal ein junger Vater sein Baby hebt und sich dadurch “Rücken” einfängt . . . Aber das wollen wir jetzt auch nicht verschreien.

Zum Thema Training und Nationalmannschaft zurück. Ich weiß gar nicht, ob ich das hier schon einmal geschrieben habe (falls ja, sage ich schon mal sorry!), aber es gab vor vielen Jahren mal eine heftige Diskussion zwischen Karl-Heinz Riedle, Rudi Assauer und mir. Auf Eurosport. Ich hatte dabei gewagt zu behaupten, dass früher, vor der Klinsmann-Ära beim DFB, nur „pille-palle“ bei der Nationalmannschaft trainiert wurde: kurz aufwärmen, ein kleines Spielchen, das war es. DFB-Kapitän Philipp Lahm hat es einst sogar in seinem Buch bestätigt, aber „Kalle“ Riedle protestierte ganz heftig („Wir haben früher auch hart trainiert, aber hallo.“) und nahm sich dazu Assauer als Beistand. Wobei der frühere Schalker Manager ja nie in der Nationalmannschaft gespielt hat. Aber das nur am Rande. Früher war das jedenfalls alles viel gemütlicher beim DFB. In etwa so, wie die 90 Trainings-Minuten gegen Kasachstan . . .

Zum HSV. Da hat „Scholle“ ja zuletzt viel über die Jugend berichtet. Und gestern ja auch mit Horst Hrubesch gesprochen. Dazu noch eine kleine Ergänzung: Am Montag, beim Oddset-Talk im Hotel „Le Royal Meridien“, war auch unser „Matz-abber“ „Eiche“ mit von der Partie (als Zuschauer), und er fragte Hrubesch nach der Talkrunde explizit zum HSV: „Kommen Sie noch einmal zum HSV zurück?“ Hrubesch antwortete nur kurz und knapp – und ehrlich: „Nein, nein, das ist vorbei.“ Weil das „Kopfball-Ungeheuer“ am 17. April 62 Jahre jung wird, dazu noch einen Drei-Jahres-Vertrag mit dem DFB abschließen wird – und dann in den verdienten Ruhestand gehen will. Wer also – wie ich – immer noch darauf gehofft hatte, dass sich Horst Hrubesch eines (nahen) Tages für seinen HSV entscheiden würde, das kann sich nun jeder abschminken. Das Thema ist durch. Ich glaube, zu 100 Prozent.

Ganz nebenbei: Wer an diesem Wochenende ein wenig Zeit hat, der sollte sich einmal das Video vom Oddset-Talk ansehen. Es sind dort von den Talk-Gästen einige gute Sachen gesagt worden – und brisante dazu. Das Video ist hier am Dienstag reingestellt worden.

Ja, und dann gibt es noch einen Rückblick auf das vergangene Wochenende. Dazu gab es nämlich eine bemerkenswerte Mail eines „Matz-abbers“, die ich hier – verkürzt (und gelegentlich korrigiert) – einmal veröffentlichen möchte:

Ich sehe als Pflicht der hiesigen Journalisten, dass endlich einmal bei Thorsten Fink hinterfragt wird, warum die Aufstellungen so frühzeitig bekanntgegeben werden…?! in Einzelfällen einem Spieler das Vertrauen auszusprechen, mag ja noch hilfreich und aus Sicht des Trainers verständlich sein, aber was eine vorzeitige Festlegung des (Stamm-)Personals sowie der taktischen Ausrichtung angeht, hat doch diese Woche eindrucksvoll bewiesen: Nämlich, dass dies mehr als kontraproduktiv fürs eigene Team ist. Und dabei ist nur zweitrangig zu bewerten, dass der Gegner vorab alle Informationen frei Haus erhält und sich explizit auf Stärken / Schwächen des HSV vorbereiten kann.

Warum hat sich Beister denn hängen lassen? Was überhaupt nicht hinterfragt wurde, sondern einfach nur als (angebliches) Faktum dargestellt wurde. Er wusste – wie alle anderen Spieler und den Fans – schon vor (!) dem Oslo-Spiel bereits, dass er nicht in der Startelf gegen Augsburg stehen würde. das ist anhand der Interviews und kolportierten Worte Finks belegbar. Konkurrenzkampf…? Fehlanzeige…!

Warum hat Arslan denn so ein bescheidenes Spiel gemacht…?! Sicher, er hätte unbekümmert aufspielen können, aber eben genauso nicht, denn bis 45 Minuten vor Spielbeginn wusste TA nicht, dass er in der Startelf steht. Auch bei ihm war die Anspannung spätestens seit dem „Dienstag-Gebet” des Trainers weg. Er wusste ja, wie das Mittelfeld besetzt sein würde, zumal es in den vergangen Tagen / Wochen auch keine Anzeichen gab, dass er nunmehr spielen würde. Spätestens durch Sons Versetzung ins Mittelfeld war klar, dass er schon einmal gar nicht spielen (Stammelf) würde – zumal ja auch noch Skjelbred das Puffer dazwischen war…! Mental war TA somit sicher schon bei der U-21, aber nicht beim Gegner aus Augsburg.

Und nun soll mir keiner damit kommen, dass es „doch Profis” seien, die immer bereit sein müssten. Das hat nichts mit „Profitum” zu tun, sondern ist eine menschliche Regung, dass man nicht bei 100 Prozent ist, wenn einem tage- / wochenlang suggeriert wurde, nicht gebraucht zu werden…!!!

Zu Maximilian Beister habe ich schon genug geschrieben, dieses Thema hat sich für mich (vorerst jedenfalls) erledigt. Zu Tolgay Arslan werde ich gleich noch einmal etwas sagen, aber zunächst mal zur allgemeinen Problematik. Nämlich der früh veröffentlichten HSV-Mannschaftsaufstellung.

Um ganz ehrlich zu sein, überrascht es mich auch, dass sich Thorsten Fink meistens schon sehr, sehr früh in alle seine Karten gucken lässt. Vielleicht gab es da mal eine Ausnahme, nämlich vor dem Stuttgart-Spiel, als da doch noch etwas geheim geblieben ist, aber ansonsten ist der HSV-Coach schon sehr offen. Mir fehlt ein Beispiel zu ihm. Huub Stevens war genau das Gegenteil – so denke ich rückblickend. Und Armin Veh kam Fink schon am nächsten, der heutige Frankfurter Trainer war oft auch sehr ehrlich – zu ehrlich. Weil ich auch denke, dass es dem Gegner schon mal ganz gut tun würde, wenn er die HSV-Aufstellung erst mit der Hereingabe des Spielberichtsbogens (in die Kabine) erfährt.

Und für die eigenen Spieler, da liegt unser „Matz-abber“ schon ganz richtig, ist es natürlich auch viel besser, wenn die Spannung bis zum Freitag (vor einem Spiel am Sonnabend) erhalten bliebe – bis dann der Kader bekannt gegeben wird. Bei Felix Magath, so erinnere ich mich, geschah das freitags so, dass er den Kader an die Tafel in der Kabine schrieb. Und Ende. Keine Erklärungen an die Spieler, erst recht keine Erklärungen an die Presse-Vertreter. Und das ist nämlich auch ein Punkt: Die Pressevertreter wollen immer alles ganz genau wissen. Ganz genau. Und sie bohren dann auch so lange, bis ihnen die Aufstellung für das kommende Wochenende auf dem Tablett serviert wird. Vom Trainer. Und da auch Thorsten Fink eine ganz ehrliche Haut ist, legt er alle (fast alle) Geheimnisse offen.

Wobei eines auch zu beachten wäre: Spätestens im Abschluss-Spielchen, in dem sich dann die „gedachte“ Aufstellung einspielen soll, weiß jeder Spieler, was die Stunde geschlagen hat. Das passiert nicht selten auch schon donnerstags, sodass dann auch schon die „Spannung“ raus sein könnte.

Zusammenfassend denke ich aber, dass Thorsten Fink besser beraten wäre, wenn er die Aufstellung etwas länger für sich behalten würde. Auch wenn er dadurch vielleicht ein bisschen Ärger mit den Presse-Vertretern bekommen würde. Aber meinen Kollegen möchte ich diesbezüglich gerne zurufen: Früher war es ein Sport, mit seinen (ins Blaue getippten) HSV-Aufstellungen richtig zu liegen, da wurden auch die „Richtigen“ gezählt – und wenn man „gewonnen“ hatte, dann wurde es der Konkurrenz (-Zeitung) auch noch unter die Nase gehalten. Das war doch aber viel besser, als jetzt immer zu 100 Prozent richtig zu liegen – weil die Informationen ja zeitig und aus erster Hand kommen. Und, um ehrlich zu sein, mir ist kein einziger Fall bekannt, in dem sich ein Leser deshalb bei der Zeitung (und/oder dem Reporter) beschwert hat, weil vor dem Spiel in der Aufstellung noch Dennis Aogo stand, plötzlich aber Tomas Rincon auf dem Rasen stand. Oder liege ich da so falsch?

Zu Tolgay Arslan. Mir tut es weh, wenn ich – wie nach dem Augsburg-Spiel passiert – lesen muss, dass er deswegen so schwach spielt, weil er verunsichert ist, dass er Zweifel hat, dass er stets vom Schlechtesten ausgeht. Er hat es den Kollegen der Bild nach der 0:1-Niederlage offenbart. Es wird schon so sein, wie er sagt, aber dass er so stark verunsichert ist, dazu hätte es eigentlich nicht kommen dürfen. Arslan hat aber viel, viel Pech gehabt. Er kam auf der „Sechs“ was kaum einer für möglich gehalten hätte, ganz groß raus. Ich hielt es sogar für total unmöglich, aber Arslan hat stark gespielt und auf diesem ungewohnten Posten seinen Mann gestanden, alle überzeugt. Er galt als der Aufsteiger der Saison. Und mitten in sein Glück hinein verletzte sich Rafael van der Vaart, sodass Tolgay Arslan diesen Posten (des Niederländers) übernehmen musste. Und schon war die „Sechs“ weg. Bitter für ihn, viel Pech für ihn. Und wenn er dann, als van der Vaart wieder spielte, von der Bank ins Spiel kam, dann brachte er nicht annähernd mehr die guten und großartigen Leistungen, die er vorher gebracht hatte. Und dann geht es vielleicht noch zwei, drei Spiele gut (weil der Trainer Arslan auch nicht fallen lassen wollte – das war gut!), aber nicht viel länger. Dann ist „Mann“ draußen. Auch einer, der vorher (ein paar Wochen vorher) noch eine Stütze war. So schnell geht es eben – und das nicht nur im Profi-Fußball, aber eben auch dort . . .

Thorsten Fink wurde in dieser Woche zu Tolgay Arslan gefragt, speziell zu den Selbstzweifeln des Spielers. Der Trainer antwortete: „Ich finde das gut. Aber ich finde auch, dass er Selbstvertrauen haben könnte, denn er ist ein Super-Spieler, er hat einen Super-Schritt nach vorne im letzten Jahr gemacht. Und dann kam das, was oftmals einem jungen Spieler passiert, wenn er einen riesigen Schritt nach vorne gemacht hat, dann fällt er in ein kleines Loch. Wenn man dann meint, weil es einem vorher ja gut gegangen ist, etwas weniger machen zu können . . .“ Dann brach Thorsten Fink ab. Und fuhr nach zwei, drei Sekunden fort: „Anscheinend hat es Tolgay jetzt, das entnehme ich seinen Aussagen, kapiert, dass man mehr machen muss. Nach oben kommen ist einfach, aber man ist auch schnell wieder unten. Sich oben zu halten, das es sehr schwierig, und das muss er nun auch mitmachen. Das machen ja viele junge Spieler mit. Aber ich denke, deshalb werte ich seine Aussagen als positiv, er weiß jetzt, was er wieder besser machen muss. Er kann Selbstvertrauen haben, er ist ein guter Spieler – er hat uns in der Hinrunde weit nach vorne gebracht. Mit weit nach vorn gebracht.“

Thorsten Fink ergänzt noch: „Tolgay ist einer der jungen Leute, auf die ich in Zukunft baue, er ist einer der jungen Wilden, einer aus der Rasselbande, die ich in der Zukunft gerne hätte. Talente, die Selbstvertrauen haben, die aber trotz allem weiter an sich arbeiten. Tolgay gehört dazu.“ Fink dann in seinem Resümee: „Reden ist immer gut, machen ist aber immer besser.“

Das “Reden” war darauf bezogen, dass sich Tolgay Arslan ja in der Zeitung offenbart hatte.

Ein anderes Thema. “Scholle“ hatte es bei „Matz ab“ geschrieben, im Hamburger Abendblatt erschien es auch. Dass Michael Mancienne gesagt hat, dass der HSV unter die ersten vier Clubs der Bundesliga gehört. Dazu gab es einen Leserbrief, den ich auch noch gerne veröffentlichen möchte. Es schrieb Friedrich L. aus Hamburg:

Lieber Herr Mancienne, der HSV gehört genau dorthin wo er jetzt steht und eher noch
weiter ins Mittelfeld. Wer oben mitspielen will, muss nicht nur mental dazu in der Lage
sein, sondern auch spielerisch. Dazu gehört zum Beispiel in jedes Spiel mit der richtigen
Einstellung zu gehen und die Motivation nicht nur bei den Top Vereinen abzurufen. In jedem Zirkus wird täglich trainiert, auch montags! Die Artisten beim HSV halten dieses aber für nicht erforderlich. Um im oberen Viertel eine Rolle zu spielen bedarf es einer anderen Einstellung aller Verantwortlichen in allen Belangen. Ein Blick zu den europäischen Top
Vereinen um zu sehen wie dort gearbeitet wird, ist bestimmt hilfreich die Wünsche des
HSV und Fans zu befriedigen.

Zu diesem Thema habe ich in den vergangenen Jahren schon sehr viel geschrieben, deswegen lasse ich das nun einmal unkommentiert. Soll sich jeder das denken, was er möchte – und eventuell seine Lehren daraus ziehen.

Und dann möchte ich schnell noch einmal auf die ARD-Sendung „Beckmann“ zurückkommen. Da hatte Schiedsrichter Babak Rafati seine Angriffe gegen die Schiedsrichter-Chefs Herbert Fandel und Hellmut Krug verteidigt: „Das sind keine Vorwürfe, sondern ich habe alles, was ich erlebt habe, im Detail beschrieben.“ Der 42-Jährige bekräftigte, dass er sich über längere Zeit von Herbert Fandel „menschenunwürdig, sehr kalt und persönlich verletzend“ behandelt gefühlt habe – „man hat mich systematisch gemobbt.“

Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter betont, dass er niemanden die Schuld an seinem Suizidversuch vor 16 Monaten gebe. „Ich sehe niemanden als Täter und mich selbst als Opfer. Darum geht es mir gar nicht. Mir geht es einfach darum, diese Missstände in diesem Bereich, in dem ich tätig war, aufzudecken. Was in dieser Nacht passiert ist, muss ich mir ganz allein zuschreiben. Diese Tat wollte ich mir antun – und niemand anders. Allerdings wolle er zeigen, „was passieren kann, wenn man mit Menschen so umgeht“, wie es Fandel getan habe, so Rafati.

Ich finde es jammerschade, dass es so gekommen ist, dass es nun diese Eskalation gibt. Alles höchst, höchst bedauerlich. Es war ein schwerer Fehler, dass Rafati dieses Buch schreiben musste. Er hätte schweigen sollen, in meinen Augen sogar schweigen müssen. Nun aber geht es weiter. Damit ist das Ende der Fahnenstange nicht erreicht, dieses Buch, diese Anschuldigungen werden ein Nachspiel haben, davon bin ich restlos überzeugt. Mal abwarten, ob es auch so eintritt. Ich glaube aber nicht, dass sich das die Herren Fandel und Krug gefallen lassen werden. Wir werden sehen.

Ich habe hier schon geschrieben (und bekannt), dass ich mich mit Babak Rafati sehr gut verstanden habe. Grundsätzlich aber muss doch festgehalten werden: Rafati war in seinen letzten beiden Jahren als Schiedsrichter umstritten. Und er wurde, wie abartig das auch immer ist, zweimal von den BL-Profis zum schlechtesten Unparteiischen der Liga „gewählt“. Da ist es doch völlig klar und logisch, dass auch Männer wie Fandel und Krug, die Chefs von Rafati, einmal ein „ernstes Wort“ mit ihrem „Sorgenkind“ reden würden. Jeder Chef würde es mit seinem offensichtlich schwachen oder überforderten Angestellten machen. Und gegebenenfalls dann sogar die Reißleine ziehen. Aber das haben Fandel und Krug ja nicht mal gemacht . . .

Und dass Fandel folgenden Satz gesagt hat: „Babak, jeder kann sich Fehler erlauben, nur du nicht“, das war in der Schiedsrichterei allgemein bekannt. Es war aber nicht so gemeint, damit Rafati unter Druck zu setzen, sondern ihm zu vermitteln, dass er sich stets um bessere Leistungen bemühen solle – um nicht aus der Ersten Liga abzusteigen.

Babak Rafati, zu dem ich nach seinem Suizidversuch keinen Kontakt mehr hatte, sucht für sich ganz gewiss eine Erklärung für das Geschehene, aber dabei hat er in meinen Augen leider einen Irrweg eingeschlagen. Ich glaube eher, dass er mit dem ganzen Druck, der auf jedem BL-Schiedsrichter lastet, nicht (mehr) zurechtgekommen ist. Und damit meine ich nicht den Druck, der von Fandel und Krug ausging, sondern jenen Druck, der von der Öffentlichkeit (den Medien) und den Fans kommt und gemacht wird. Woche für Woche. Damit muss man erst einmal klarkommen. Erst recht dann, wenn man (höchst) sensibel ist – oder sogar auch krank. Ich hoffe nur, dass sich Babak Rafati, den ich als großartigen und humorvollen Menschen kennengelernt habe, noch besinnt, bevor es ganz zu spät ist. Obwohl es eigentlich schon viel zu spät ist . . .

PS: Ich kenne auch Herbert Fandel und Hellmut Krug persönlich, mit Krug bin ich (fast) befreundet, würde ich sagen. Das schreibe ich nicht, um damit anzugeben, sondern um zu sagen: Ich bin von diesen beiden Herren menschlich absolut überzeugt. Und man kann es mir glauben, dass ich auch ganz andere Charaktere in diesem Fußball-Geschäft kennengelernt habe, um die ich noch heute lieber einen ganz großen Bogen mache. Fandel und Krug gehören nicht zu dieser Kategorie, sie sind okay. Ich wurde das nach den Veröffentlichungen von Rafati von mehreren Freunden und Bekannten gefragt, wie ich Krug und Fandel einschätze, aber ich habe allen gesagt, dass ich an ihnen keine Seite oder Facette entdeckt habe, die mich zu dem Schluss kommen ließ: „Menschenunwürdig, sehr kalt und persönlich verletzend.“

Natürlich, das will ich nicht verhehlen, wir haben uns stets nur privat unterhalten, und nicht von Schiedsrichter zu Schiedsrichter-Boss, aber kann man sich nicht auch so ein Bild von Menschen machen? Ich lasse nichts auf Krug und Fandel kommen – so wie ich vorher auch nichts auf Babak Rafati habe kommen lassen. Egal, wie oft mir Kollegen und Fans eingeredet hatten, wie schlecht der Mann aus Hannover doch pfeift. Das habe ich stets ausklammern können. Weil er in meinen Augen ein feiner Mensch, ein ganz netter Kerl war – vielleicht ja auch noch ist.

Aber ein Buch muss sich ja auch verkaufen . . .

18.29 Uhr

Fink: „Man kann ja auch Größe zeigen.“

29. Oktober 2012

Dass der Trainer nun eine ganz besonders gute Geburtstagslaune hatte, das kann ich nicht bestätigen. Thorsten Fink wurde heute 45 Jahre alt, aber irgendwie hatte er etwas ausgemacht, was ihm ansonsten kaum einmal etwas ausgemacht hatte: Kritik. Der Coach haderte mit seiner Aussage, dass er mit dem HSV in dieser Saison „unter die Top ten“ kommen will: „Das wurde mir dann so ausgelegt, dass wir Platz zehn haben wollen. So ist das doch nicht. Ergäbe sich am Saisonende Platz acht oder neun, so könnte ich mich damit natürlich auch anfreunden.“ Um das einmal klarzustellen. Aber auch um die Laufleistung und die Kondition ging es Fink, dessen Mannschaft beim 2:0-Sieg in Augsburg starke 124 Kilometer gelaufen war. Thorsten Fink sagte in die Runde: „Wenn schon oft geschrieben wird, dass wir zu wenig laufen, dann können Sie jetzt auch mal schreiben, dass die Mannschaft in Top-Kondition ist.“

Dass der HSV-Trainer aber dennoch nicht nur durchgehend schlecht drauf war an diesem Montag, davon zeugt diese Meldung: Der Trainer denkt über eine Begnadigung von Slobodan Rajkovic nach. Tolle Meldung. Nicht dass ich Rajkovic unbedingt wieder zurück in der Bundesliga-Mannschaft sehen will, aber ich finde, dass sich Sportler irgendwann auch einmal wieder die Hand geben sollten und sich versöhnlich zeigen sollte. So groß der Mist auch gewesen ist. Den Rajkovic gebaut hat.

Die Frage habe ich nicht dem Trainer gestellt, sondern der Kollege Sebastian Wolff vom Kicker. Anlass muss wohl die Regionalliga-Premiere von Rajkovic bei der Zweiten des HSV im Spiel gegen den VfB Lübeck gewesen sein. Thorsten Fink hatte diese Partie nicht gesehen, aber seine Assistenten Patrick Rahmen und Ronny Teuber. „Ist Rajkovic für das morgige Testspiel des HSV gegen den Oberliga-Klub Halstenbek-Rellingen eine Option, oder nicht“, fragte Wolff. Fink: „Ich möchte da nicht nur an mich denken, deswegen werde ich die Situation noch einmal mit dem Verein analysieren, ich persönlich bin niemand, der nachtragend ist. Das habe ich auch schon vorher gesagt. Es ist okay, dass er sich bei mir entschuldigt hat, und nun werde ich, werden wir sehen, was für den Verein das Beste ist. Und dann werden wir zusammen entscheiden. Ich werde ich noch mal mit dem Frank darüber reden, vielleicht sogar heute noch.“

Mit Frank war natürlich Sportchef Arnesen gemeint. Es kommt Bewegung in die Sache, wobei ich nicht glaube, dass das nur etwas mit dem Lübeck-Spiel zu tun hat. Der HSV muss ja auch sehen, dass ein Spieler wie Slobodan Rajkovic nicht in der Versenkung (sprich Regionalliga) verschwindet, denn dazu hat ein Mann wie der Innenverteidiger doch schon einen zu großen Wert. Ist Rajkovic wieder bei der Mannschaft (den Profis), dann ist er mit Sicherheit auch viel, viel besser zu verkaufen. Entweder im Winter – oder zur neuen Saison. Und – natürlich – wenn es Rajkovic selbst will. Im vergangenen Sommer wollte er (noch) nicht.

Ganz klar ist, und das muss ich hier noch einmal unmissverständlich zum Ausdruck bringe: Rajkovic hat nicht nur Mist gebaut, sondern Bockmist. Es ist mit das Härteste, was sich ein HSV-Spieler in den vergangenen 30 Jahren herausgenommen hat. Das musste hart bestraft werden, und es wurde hart bestraft. Aber nun, so denke ich, ist auch die Zeit gekommen, wo der Klub und der Trainer, der ja der Leidtragende war (mit dem Rajkovic-Abendblatt-Interview), über eine Begnadigung nachdenken könnten. Und es wird ja auch getan. „Wir schauen mal, wir werden reden“, sagt Thorsten Fink und ergänzt: „Wie gesagt, es kann nicht jeder irgendwelche Dinge machen, sich dann entschuldigen und meinen, dass alles wieder gut ist. Er hat sich entschuldigt, er hat mir einen Brief geschrieben und die Bitte geäußert, dass er sich mal mit mir unterhalten wolle – ich habe ihm aber noch nicht geantwortet. Ich werde sicherlich noch mal mit ihm reden – und dann schauen wir mal.“ Fink unmissverständlich: „Ich will das Beste für den Klub. Und ich will natürlich auch Ruhe in der Mannschaft haben, das ist ja auch wichtig. Und: Ich glaube, dass es schwieriger ist, jemanden zurückzuholen, wenn es schlechter läuft, als jetzt. Wenn man ihn zurückholt, wenn es sportlich nicht läuft, dann heißt es von außen: ‚Jetzt wird er weich, weil es so schlecht läuft.’ Deswegen blieb mir bislang auch nichts anderes möglich.“ Fink auch noch weiter: „Ich habe mich ja auch zum Anfang zu dieser Aussage hinreißen lassen, dass er nie wieder unter meiner Leitung spielen wird. Das weiß ja jeder – aber man kann ja auch Größe zeigen, ich überlege mir das.“

Slobodan Rajkovic, der gegen den Viertliga-Vertreter Lübeck ein überragendes Spiel gemacht hat (in meinen Augen), wird ganz genau und immer noch wissen, was er da angestellt hat. Und er wird sich sicherlich schon viele, viele Male selbst verflucht haben, dass es so gekommen ist, wie es nun ist. Das hat natürlich ganz allein er zu verantworten. Ich hoffe nun aber trotz allem, dass Fink diese Größe zeigen wird. Obwohl ich über einen Zusatz des Trainers immer noch grübele: „Und ich will natürlich auch Ruhe in der Mannschaft haben, das ist ja auch wichtig.“ Heißt das vielleicht, dass es Unruhe gäbe, wenn Rajkovic wieder zurück käme? Dass Rajkovic vielleicht zu viele Spieler gegen sich hat? Mal sehen, wie sich dieses Thema weiterhin entwickeln wird. Zumal der HSV ja auch genügend Innenverteidiger hat: Heiko Westermann, Michael Mancienne, Jeffrey Bruma und Paul Scharner. Deswegen müsste der HSV in Sachen Rajkovic ganz sicher nicht „einknicken“. Aber eben aus humanitären Gründen . . .

Um schnell noch einmal auf das morgige Spiel zu kommen: Um 18 Uhr soll gegen HR gespielt werden, und zwar werden die Spieler zum Zuge kommen, die gegen Augsburg nicht gespielt haben. Damit sie Spielpraxis bekommen – und somit fit sind, wenn sie bei den Profis benötigt werden. Thorsten Fink: „Ich möchte nicht nur immer gegen die eigene U-23 spielen, ich möchte aber auch nicht groß reisen. Deswegen nun dieses Testspiel hier bei uns.“

Zum 45. Trainer-Geburtstag hatte der Kollege Matthias Linnenbrügger („Welt“) dem Coach einen kleinen „Kasten“ Bier mitgebracht. Thorsten Fink bedankte sich und sagte: „Die Mannschaft hatte mir ja mit den drei Punkten von Augsburg schon ein schönes Geschenk gemacht. Und vielleicht kommen am Wochenende ja noch einmal drei oder ein Punkt dazu, wenn wir gegen die Bayern spielen. Man hat ja gesehen, dass das nicht unmöglich ist, warum sollen wir das nicht schaffen? Wir sind natürlich klarer Außenseiter, aber Leverkusen hat es am Sonntag vorgemacht – warum sollte uns so etwas nicht auch gelingen können?“

Ja, warum eigentlich nicht? Thorsten Fink, der ehemalige Bayern-Profi: „Es ging zuletzt bei uns in die richtige Richtung, 13 Punkte aus den letzten sechs Partien, das ist ja – aber wir haben auch gesehen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben. Wir haben im Defensivverhalten große Probleme, es gab einige Schwächen im Abwehrverhalten, das hat Augsburg wieder gezeigt. Wir haben ordentlich gespielt, aber nicht gut. Wir haben zwar auch gute Phasen in diesem Spiel gehabt, 15 Minuten in der ersten Halbzeit, zehn Minuten in der zweiten Halbzeit, aber es gab auch große Mängel in unserem Spiel. So standen wir immer noch zu weit von unseren Gegenspieler weg. Wir müssen mutiger werden, mehr noch von hinten heraus spielen, nicht zu viele lange Bälle spielen – da haben wir noch viel Arbeit vor uns.“

In der Tat. Auswärts in Fürth gewonnen, daheim gegen Stuttgart verloren. Auswärts in Augsburg gewonnen, und dann daheim gegen den Rekordmeister? Setzt der HSV die Achterbahnfahrt fort? In der vergangenen Saison spielte der HSV in Hamburg gegen die Bayern großartig (unter der Regie von Fink) und schaffte ein 1:1. Das war zu jener Zeit auch schon ein kleines Wunder, auf jeden Fall eine große Überraschung. Aber noch immer spielt der HSV nicht konstant genug. Selbst in einem Spiel gibt es so manches Wellental – wie in Augsburg. Gute Phase, schlechte Phasen. Fink: „Deswegen stehen wir auf dem siebten Tabellenplatz und nicht auf dem ersten oder zweiten. Das ist normal, das ist die Qualität, die wir im Moment haben. Wir sehen daraus, dass wir noch Arbeit vor uns haben, dass nicht alles schon perfekt ist – das dauert halt. Ich trete deshalb immer auf die Bremse.“

Es geht um die Zielsetzung in dieser Saison. Nur ein Mittelfeldplatz für den HSV, oder doch mehr? „Alle möglichen Leute möchten, dass wir von der Europa League als Saisonziel sprechen, aber ich werde nicht darüber sprechen“, sagt Thorsten Fink und fügt an: „Ich kann jeden nur warnen, gleich wieder von höheren Zielen zu sprechen. Wir habe in Fürth gewonnen, wir haben in Augsburg gewonnen, aber wir haben dabei immer gezeigt, dass wir einiges noch viel besser machen können.“ Und müssen. Wenn es wieder in Richtung Spitze gehen soll. Und zwar dauerhaft. Nicht nur eine Nacht (wie diesmal Platz vier). Fink: „Es fehlen noch Automatismen, aber wir sind auf einem guten Weg. Es braucht seine Zeit, und dazu muss man mit einem Team auch mal länger arbeiten. Wir sind in der Lage, jede Mannschaft zu schlagen, das haben wir gegen Dortmund und Hannover bewiesen, und wir haben gegen Mannschaften, die von unten kommen, Charakter gezeigt und das Richtige gemacht.“ Thorsten Fink sagt dann aber auch: „Dass wir zwischendurch aber auch mal wieder verlieren werden, dass ist doch aber auch klar. Trotz allem sollte man das dann nicht alles so negativ sehen. Und ich sage auch, dass man nun nicht alles nur positiv schreiben sollte – es gibt noch viel Arbeit. Auch wenn die Entwicklung in den letzten sechs Wochen schon gut war. Wir müssen aber unser Defensivverhalten verbessern, daran müssen wir arbeiten – und damit ist nicht nur die Viererkette gemeint, sondern das gesamte Defensivverhalten der Mannschaft.“

Vor Wochen hatte Fink dem HSV schon prophezeit, dass es trotz des mageren Saisonstarts schon bald wieder bergauf gehen würde. Das ist eingetreten. „Wir waren damals nicht euphorisch, wir waren auch nicht unrealistisch – das sind unsere Ziele. Wir wollten als HSV ja nicht auf Platz 15 oder 16 bleiben, auf denen wir damals waren, sondern wir wollen ins gesicherte Mittelfeld“, so Thorsten Fink. Was für einige (oder viele?) HSV-Fans offenbar nicht ganz nachvollziehbar ist. Auf der Fahrt heute in den Volkspark telefonierte ich (mit Freisprechanlage) mit einem Edel-Fan und Dauerkarten-Inhaber, und der befand: „Der HSV ist großes Risiko gegangen, hat noch tolle Leute gekauft – damit muss es um Platz fünf gehen, ganz klar. Nichts anders.“

Damit habe ich Thorsten Fink konfrontiert, und er antwortete: „Natürlich, ganz klar. Letzte Woche, beim Fan-Talk in der Arena, da haben mir diese Leute noch vorgehalten, was alles noch nicht in Ordnung ist, wo unsere Mängel liegen, und nun muss es schon Platz fünf sein, natürlich. Es könnte selbstverständlich passieren, es ist ja nichts ausgeschlossen – wenn wir einen sensationellen Lauf bekommen, auch noch mehr Glück als im Moment. Aber ich meine, dass das nicht passieren muss. Es war doch zu oft schon unser Fehler: Wenn es mal bei uns nach einem Aufwärtstrend aussah, dann wurde gleich wieder von der Europa League gesprochen. Das möchte ich jetzt vermeiden. Und deshalb sollte im Moment – jedenfalls in dieser Beziehung – jeder auch ganz ruhig bleiben.“ Fink hält den Ball flach – und er tut gut daran.

Zumal es nun gegen die übermächtigen Bayern geht. Vor einer solchen Partie täte (zu viel) Übermut sicherlich überhaupt nicht gut. Denn die Münchner haben eine großartige Offensive – und der HSV, wie eben gelesen, eine nicht so gute Defensive. Obwohl der HSV natürlich den besseren Torwart in seinen Reihen hat, das muss mal gesagt werden (dürfen). Rene Adler für Deutschland. Er wird es am Sonnabend zeigen. Ganz sicher.

PS: Morgen geht es im Volkspark rund. Um 10 Uhr wird trainiert, und um 15 Uhr oder um 15.30 Uhr (das wusste Thorsten Fink noch nicht so genau) auch noch einmal. Mit Ausnahme jener Spieler, die dann um 18 Uhr gegen HR spielen werden. Übrigens: Bei HR gibt es einige Ex-HSVer: Trainer Thomas Bliemeister (Vater des Son-Beraters), Co-Trainer Vahid Hashemian und Torwart Claus Reitmaier.

18.46 Uhr

Magath akzeptiert HSV-Angebot für Jiracek – und Doll plädiert für van der Vaart

24. August 2012

Thomas Doll ist ein Mann, mit dem ich mich sehr gern unterhalte. Soweit ich mich zurückerinnern kann, gab es nie zwei Tage in Folge, an denen Thomas Doll, der nicht mehr Dolly genannt werden mag, schlechte Laune hatte. Zumindest ließ er das sein Umfeld nie spüren. Spieler bekamen nach miesen Leistungen ihr Fett weg, klar. Aber sie wurden auch in den Arm genommen und aufgebaut, wenn es mal nicht so lief. Und Unbeteiligte traf die zeitweilige Wut des ehemaligen HSV-Profis und -Trainers eigentlich nie. Seine Wutrede in Dortmund („Da lach’ ich mir den Arsch ab“) ist unvergessen – ebenso wie seine tollen Jahre beim HSV. Und damit meine ich nicht nur unsere Erinnerungen, sondern vor allem die von Doll selbst. Immer wieder, wenn er über den HSV spricht, ist er begeistert und betont, wie sehr ihn die Zeit in Hamburg geprägt und an den Klub gebunden hätte. Und ich bin mir ganz sicher, dass der ehemalige Nationalspieler nicht zweimal überlegen müsste, wenn ihm beim HSV irgendwann einmal der Trainerposten ein zweites Mal angeboten würde.

Allerdings ist das Thema nicht aktuell. Dafür aber Rafael van der Vaart, den Doll 2005 zusammen mit Sportchef Dietmar Beiersdorfer in Sechs-Augen-Gesprächen (wenn Sylvie nicht dabei war…) zum Wechsel nach Hamburg überredete. Und noch heute schwärmt Doll für van der Vaart, legt dem HSV den Wechsel der ehemaligen Nummer 23 (ist nach Rajkovic’s Suspendierung eh wieder frei…) dringend ans Herz – vorsichtig formuliert. „Das wäre genial, dieser Transfer würde den ganzen Verein, die ganze Mannschaft mitreißen“, schwärmt Doll, „van der Vaart ist ein Gewinn, als Spieler und als Persönlichkeit. Ich hoffe und wünsche mir, dass dieser Transfer über die Bühne geht.“

Laut englischen Medien wird daraus nichts mehr. Heute vermeldete das englische Internetportal „MailOnline“, dass sich der Deal mit van der Vaart nach Hamburg bereits zerschlagen hätte. 9,5 Millionen Pfund seien ausgehandelt gewesen, ehe der nicht namentlich benannte HSV-Boss mitgeteilt habe, dass es ohne die Hilfe von Klaus Michael Kühne nicht ginge und der HSV daher Abstand nehmen müsste von der Rückholaktion van der Vaarts. Eine Meldung, die anschließend noch angereichert wurde mit Statements von Tottenhams Trainer Andre Villas-Boas, der auf van der Vaart zählen würde und ihn als „extrem wichtigen Spieler für die Mannschaft“ bezeichnete.

Meldungen, die beim HSV nicht bestätigt wurden. Im Gegenteil: Beim HSV heißt es weiterhin, dass an der Rückkehr van der Vaarts mit Hochdruck gebastelt wird. Die Finanzen machten es schwerer, aber es würde zumindest versucht.

Ein Umstand, der Doll ein breites Grinsen aufs Gesicht zaubert. Dass der HSV kein Geld hat, weiß Doll. Das war im Jahr 2005 nicht groß anders. Damals schaffte es der HSV dennoch, für rund neun Millionen Euro Nigel de Jong, Thimothee Atouba, Guy Demel und Rafael van der Vaart nach Hamburg zu lotsen. Eine Bilanz, die zeigt, was trotz kleinen Geldbeutels möglich ist. Und auch deshalb plädiert Doll dafür, jedes halbwegs überschaubare Risiko einzugehen, wenn die Chance besteht, van der Vaart nach Hamburg zu lotsen. „Klar, van der Vaart ist teuer, aber man sollte finanziell alles reindrücken, was zur Verfügung steht, um das zu realisieren. Wenn Rafael kommt, dann ist es egal, ob sonst noch etwas passiert. Rafael ist ein Spieler, der es gewohnt ist, Verantwortung zu übernehmen. Das würde er schultern, keine Frage. Ich bin sicher, dass er es allen zeigen wollen würde, in ihm den Richtigen geholt zu haben.“ Mehr noch, so Doll, der niederländische Nationalspieler würde den HSV mit einem Schlag eine Klasse stärker machen. „Er ist ein Spieler, der den Rhythmus bestimmt, der sich auch in brenzligen Situationen nicht versteckt, der nie die Ruhe und die Übersicht verliert. An ihm könnte sich jeder orientieren. So einen Mann im Team zu haben, wäre gerade für die vielen jungen Leute enorm wichtig.“
Zu denen dürfte der erfahrene Nationalspieler Petr Jiracek, 26, nicht mehr zählen. Inzwischen scheint der Wechsel des Tschechen zum HSV nur noch eine Frage der Zeit – und des Geldes. Der HSV erhöhte sein Angebot um 500000 auf vier Millionen Euro. VfL-Trainer und Sportchef Felix Magath willigte grundsätzlich ein. Zumindest ist der ehemalige HSV-Profi, -Manager und –Trainer, der deutlich intensiveren Kontakt zum HSV hatte als ihm nachgesagt wurde, einverstanden. Jetzt geht s nur noch darum, dass Magath zu den vier Millionen Euro Ablösesumme noch zusätzliche Klauseln in den Ablösevertrag einbauen möchte, die den Niedersachsen weitere Euro im Falle des HSV-Erfolges garantieren. Es ist also nur noch eine Frage der zeit (und des Geldes…) bis Jiracek, der schon nicht mehr mit der Wolfsburger Mannschaft nach Stuttgart reist, in Hamburg vorgestellt wird.

Und das ist ein Deal, über den ich mich freuen würde. Dabei ist es mir auch egal, dass nicht der HSV den Spieler sondern der Spieler den HSV gefunden hat. Mehr noch: es spricht doch für Jiracek, dass er ein mögliches Angebot aus Sevilla für den HSV vernachlässigt und trotz erhöhten Drucks von Magath bei seiner Entscheidung bleibt, zum HSV zu wechseln. „Jiracek ist einer, der ein ganz Großer werden kan2, hatte mir David Jarolim vor der EM über seinen Landsmann gesagt. Theodor Gebre Selassie, der jetzt bei Werder spielt sowie Pilar (Wolfsburg, Kreuzbandriss) und Jiracek hatte der ehemalige HSV-Kapitän bei den Tschechen hervorgehoben – und damit recht behalten. Alle drei überzeugten. Pilar wahrscheinlich am stärksten, aber auch Jiracek steuerte zwei Treffer bei und fiel durch seinen unermüdlichen Einsatz und seine Zweikampfstärke auf. Kurzum: das ist ein richtig Guter für den HSV. Sollte jetzt noch van der Vaart dazukommen – kaum auszudenken, wie schnell sich in Hamburg die Stimmung drehen würde.

Für das Spiel gegen Nürnberg dürfte das Ganze jedoch noch keine allzu großen Auswirkungen haben. Dort wird der HSV noch mit dem „alten“ Personal antreten. Voraussichtlich so: Adler – Diekmeier, Mancienne, Bruma, Aogo – Skjelbred, Westermann – Sala, Son, Jansen – Berg. Ergo: mit nur einem Neuen, wobei Trainer Fink auch in Karlsruhe kurzfristig auf Beister zurückgriff. Dennoch erscheint die o.g. Aufstellung sehr wahrscheinlich, da Fink selbst sie unter der Woche so im Training hatte üben lassen.

Bleibt die Frage: was dürfen wir von dem Saisonauftakt erwarten? In unserer traditionellen Tipprunde tippe ich wie schon in den 408 anderen Bundesligaspielen seit 2000 natürlich auf HSV-Sieg. Was hab ich von einem richtige Tipp, wenn der HSV verliert?

Richtig, keinen Spaß.

In diesem Sinne, hoffen wir, dass mein Tipp wenigstens tendenziell richtig ist und der HSV in den nächsten Tagen personell nachlegt. Dann könnte die Aufstellung für das Spiel in Bremen schon etwas anders aussehen: Adler – Diekmeier (oder Lam), Bruma (Mancienne), Westermann, Aogo – Beister (ich würde bei entsprechender Trainingsleistung auch Ilicevic rechts aufbieten), Badelj, Jiracek, Jansen – van der Vaart – Son (Berg). Aber egal, bis dahin erst einmal volle Konzentration auf die Partie gegen Nürnberg. Die wird schwer genug.

Bis morgen!
Scholle

P.S.: Etwas überraschend reiste Trainer Thorsten Fink am Vorabend des eigenen Bundesligaauftaktes zum Auftaktspiel nach Dortmund „Den nächsten Gegner beobachten“, so Fink, der mit Cotrainer Patrick Rahmen um 16.30 Uhr das Stadion eilig verließ.

In eigener Sache: Zum Saisonstart gibt es für alle Abendblatt-Leser einen besonderen Preis zu gewinnen. Mit der Imtech AG verlost das Hamburger Abendblatt zwei Business-Seats für ein HSV-Heimspiel der Wahl. Der besondere Clou: Der Gewinner erhält am Vortag des Spiels eine exklusive Führung durch das gesamte Stadion – auch in den Bereichen, die öffentlich nicht zugänglich sind. Rufen Sie bis zum 28. August, 10 Uhr, die Abendblatt-Gewinnhotline Tel. 0137/808 40 11 60, Stichwort: „Imtech“ (50 Ct./Anruf aus dem Festnetz) an und nennen Sie das Stichwort sowie Namen, Telefonnummer und Adresse. Teilnahme ab 18. Mitarbeiter und Angehörige der Axel Springer AG (und deren Töchter) und von der Imtech AG sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Der Gewinn kann nicht bar ausgezahlt werden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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