Archiv für das Tag 'Rahmen'

Ein Trainerwechsel mit Geschmäckle…

23. März 2015

Eigentlich müsste man heute mal einen Tag lang nur durchatmen und all das auf sich wirken lassen, was beim HSV so gesagt und entschieden wird. Aber so funktioniert’s leider nicht. Ihr habt Anspruch auf den heutigen Blog. Und der kommt hier, wenn auch ein wenig Skepsis-durchsetzt…

Angefangen hatte alles mit der Niederlage am Freitag. Oder besser: Laut Peter Knäbel mit der 81. Minute. Da sah Cléber gelbrot und das Unheil nahm seinen Lauf. Der HSV verlor, die direkte Konkurrenz gewann und der HSV steht (immerhin noch) auf einem Relegationsplatz. Das sei einer der Gründe gewesen, weshalb man von seinem absolut ernsthaften angenommenen Plan, an Zinnbauer bis mindestens Saisonende festzuhalten, abgewichen ist. Wie fest Knäbel überzeugt gewesen ist? „Ich hatte sogar schon Urlaub gebucht.“ Den muss er jetzt aufschieben. Ebenso wie seine Vieraugen-Gespräche mit den Spielern, deren Verträge im Sommer auslaufen.

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Die wird an seiner Stelle Dietmar Beiersdorfer führen, was auch besser sei, sagte mir heute ein Kollege. Immerhin gerät Knäbel so nicht in die Konfliktsituation, einem Spieler erst sagen zu müssen, dass es im Sommer nicht weitergeht und ihn im nächsten Moment mit allen seinen Qualitäten für den Abstiegskampf mobilisieren zu müssen. Und ich frage: Wirklich nicht?

Doch!

Denn alle Spieler wissen sehr wohl, dass die Sätze – auch wenn sie von Beiersdorfer ausgesprochen werden – letztlich dennoch die Entscheidungen von Knäbel oder zumindest von beiden zusammen sind. Die Bande, die andere Trainer mit ihren Spielern knüpfen können („Nicht meine Entscheidung, ich hätte Dich sehr gern behalten“), fällt auf jeden Fall weg. Wobei ich mich grundsätzlich über derart klare Verhältnisse freue. Denn eines ist klar: Diese Trainerentlassung trägt viele Namen. Auch die von vielen Spielern. Immer wieder werden Namen genannt, die den Trainer angeblich nicht mehr unterstützt hätten. Leider auch von einigen, die in der Stammelf zu finden sind. Ich werde sie hier natürlich ohne endgültigen Beweis nicht nennen, aber ich werde es auch nicht als allzu unnormal dramatisieren. Denn in einem Profikader herrscht kein Deut mehr Selbstreflexion als in unteren Amateurmannschaften. Von daher ist das Motto: „Wenn der Trainer mich nicht mag, mag ich ihn auch nicht und kritisiere“ nur normal. Nicht gut – aber leider normal. Und dass jemand aktiv in einer Bundesligapartie gegen Zinnbauer gespielt haben könnte, vermag ich nicht zu glauben. Ich möchte es schon gar nicht.

Häufiges Bild in der ersten Einheit auf dem Platz: Peter Knäbel erklärt der versammelten Mannschaft, was er erwartet

Häufiges Bild in der ersten Einheit auf dem Platz: Peter Knäbel erklärt der versammelten Mannschaft, was er erwartet

Wie sich die Mannschaft letztlich unter Knäbel verhält, vermag ich nicht zu beurteilen. Auch nicht, wie Knäbel öffentlich angenommen wird. Was man alles liest und hört lässt Böses erahnen. Demnach gab es tatsächlich selten einen Trainerwechsel, der weniger Mut machte. Auch die PK heute konnte nicht restlos vom Gegenteil überzeugen. Peter Knäbel ist zwar zweifellos ein ausgewiesener Fachmann, der als Fußballlehrer mit allen fachlichen Zutaten für den Trainerposten ausgerstattet ist – allein seine praktische Umsetzung kennt keiner wirklich. Und während Jimmy Hartwig dem NDR heute ein Interview gab, indem er sich und seine 83er Kollegen mal vollmundig mit den Worten vertrat, man würde sich für diesen HSV nur noch schämen, kam von Ottmar Hitzfeld eine weitaus dezidiertere Meinung. Der ehemalige Schweizer Nationaltrainer hatte mit Knäbel zuletzt erfolgreich für den Schweizer Fußballverband zusammengearbeitet und gegenüber Sky gesagt: „Es ist ein hohes Risiko, dem Knäbel sich unnötig aussetzt. Er ist glaubwürdig und kann argumentieren. Er hat eine hohe Fachkompetenz, doch ich habe ihn nie als Trainer erlebt. Ich weiß nicht, wie er gegenüber der Mannschaft auftritt, wie er die Taktik bespricht. Er kann sicher die Theorie perfekt, doch die Frage ist, wie er es praktisch umsetzt.“

Und damit hat er recht.

Denn obwohl Dietmar Beiersdorfer heute eine Jobgarantie aussprach („Peter wird auch in der kommenden Saison unser Direktor Profifußball sein“), wäre auch Knäbel mehr als angeschlagen, wenn er die Mannschaft als erster Trainer der Vereinsgeschichte in die zweite Liga führte. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass Knäbel den Kader für den Wiederaufstieg ohne jeglichen Widerstand aus den eigenen Reihen zusammenbasteln dürfte. Aber okay, ich halte es da mal mit Dietmar Beiersdorfer, der heute betonte, den Begriff „Zweite Liga“ gar nicht erst in den Mund nehmen zu wollen und setze auf den Klassenerhalt.

In Leverkusen wird sich zum ersten Mal zeigen, ob der Trainerwechsel mindestens kurzweiligen Erfolg mit sich bringt. Wie der zustande kommt – völlig egal. Hauptsache er kommt. Mir wäre dann sogar egal, dass ich die Logik des Vorstandes nicht nachvollziehen kann. Zuletzt wurde immer wieder betont, wie nah man mit Zinnbauer zusammenarbeiten würde, was für ein tolles Team man miteinander darstellte. Knäbel besprach sich vor jedem Spiel mit dem beurlaubten HSV-Trainer, während Peters als Zinnbauers persönlicher Coach galt. Dass man auf der einen Seite aber Patrick Rahmens Beurlaubung mit der Nähe zu Zinnbauer und dem gewünschten „klaren Schnitt“ begründet und zeitgleich einen anderen, ebenso Nahestehenden zum Chef macht – ich kann es nur so deuten, dass die passende Alternative von außen fehlte. Ich befürchte wie so einige im Umfeld, dass sich der HSV von dem Wunsch leiten ließ, im Sommer vielleicht doch noch Wunschtrainer Thomas Tuchel holen zu können. Und für vorerst acht Spiele wollte sicher keiner übernehmen. Zumal sich das Tuchel-Gerücht auch außerhalb Hamburgs bereits herumgesprochen hat.

 

Kurz vor seiner Rückkehr: Marcelo Diaz (l.) mit Rehatrainer Markus Günther

Kurz vor seiner Rückkehr: Marcelo Diaz (l.) mit Rehatrainer Markus Günther

 

Dieser Trainerwechsel hat zweifellos Geschmäckle. Auf der einen Seite betonen alle Beteiligten, dass jetzt vor allem Mut zu Entscheidungen gefordert ist, auf der anderen Seite wirkt diese Trainerentscheidung – wie die für Slomka zu Saisonbeginn und zuletzt auch für Zinnbauer – eher wie eine Kompromisslösung. Und ich kann nur hoffen, dass sich Peter Knäbel, der von seinen Vorstandskollegen und Bernhard Peters gefragt wurde, nicht selbst überschätzt hat und der Nächste in einer unendlich scheinende Reihe gescheiterter HSV-Trainer wird.

Dafür gilt von meiner Seite: Erst anschauen, wie gearbeitet wird – dann beurteilen. Peter Knäbel ist der neue Trainer – und das wird sich jetzt auch nicht mehr ändern. Von daher gilt: Knäbel muss von uns allen eine faire Chance bekommen, das zu zeigen, was er heute ankündigte.

Heute im Training unterbrach Knäbel oft, versammelte die verbliebenen Nicht-Nationalspieler um sich herum und erklärte, was er sehen wollte. Ein Stilmittel, das alle neuen Trainer anwenden, um sich der Mannschaft auch praktisch vorzustellen. Mutiges, schnelles Spiel nach vorn stand dabei auf dem Plan. In einer vorgegebenen Zeit sollten die Angriffe abgeschlossen werden – beginnend beim Keeper. Am Ende stand dann noch eine kleine Spaßgeschichte mit Elfmeterschießen und Liegestütze als Strafe für die Verlierer an. Nach 87 Minuten war Schluss. Morgen geht es um zehn Uhr mit einem Laktattest weiter. Um 14 Uhr wird auf dem Platz trainiert.

Ebenfalls weiter geht auch die Suche nach einem neuen Cotrainer. In den nächsten Tagen, so könnt Ihr es auf dem PK-Video hören, soll der neue Assistent von Knäbel präsentiert werden. Zlatan Bajramovic schaute sich heute Nachmittag zwar das Training an, ist aber nicht im Gespräch. Ebenso wenig wie Marc Fascher, der heute zufällig auf der Geschäftsstelle auftauchte. Auch der ehemalige Hamburger Amateur- und heutige RWE-Trainer ist daher kein Thema – außer bei seinem aktuellen Arbeitgeber, wo er nicht sonderlich wohl gelitten ist und durch den zeitlich eher unglücklichen gewählten Besuchstermin beim HSV ganz sicher nicht beliebter geworden ist, wie nachzulesen ist.

 

Und obwohl ich (fast) alles geschrieben habe, was mach belastet, habe ich irgendwie Magenschmerzen, wenn ich an den Rest der Saison denke. In diesem Sinne hoffe ich, dass mir Peter Knäbel diese in den nächsten Tagen nehmen kann.

Scholle

P.S.: Joe Zinnbauer , Patrick Rahmen und die HSV-Führung haben sich übrigens darauf verständigt, in zwei Wochen noch einmal zu sprechen. Dabei soll es auch darum gehen, ob Zinnbauer wieder in seine alte Rolle als Cheftrainer der U23 zurückkehrt. Sowohl Verein als auch Zinnbauer und Rahmen erbaten sich dafür eine entsprechende Bedenkzeit.

Arslan ist weg, noch kein Neuer da – Guerrero-Comeback unwahrscheinlich

26. Januar 2015

Dietmar Beiersdorfer hatte Grund zum feiern – und auch wieder nicht. Denn während der Vorstandsboss beim Boulevard ob der Millionenspritzen der HSV-Milliardäre Klaus Michael Kühne und Alexander Otto als „Dukaten-Didi“ Renaissance feiert, hat er sportlich noch lange nichts verbessert. Im Gegenteil. Bisher steht nur der Abgang von Tolgay Arslan zu Besiktas Istanbul (500000 Euro Ablöse und Beteiligung am Weiterverkauf) fest, den es nun doch zu Besiktas zieht. Und das, obwohl er bei Trabzonspor (Arsenal London war keine ernsthafte Option) dem Vernehmen nach bis zu drei Millionen Euro netto per annum hätte verdienen können. Via facebook verkündete er: „Ich freue mich, euch berichten zu können, dass ich einen Vertrag bei Besiktas Istanbul unterzeichnet habe. Letzten Endes konnte ich trotz verlockender Angebote nur auf mein Herz hören und das schlägt für Besiktas!!! Ich möchte mich aber vor allem auch bei dem HSV und seinen Fans für die unglaublichen Jahre mit vielen Höhen und Tiefen bedanken. Vielen Dank für eure Unterstützung – Hamburg ist und bleibt mein zu Hause und ich werde euch immer in meinem Herzen behalten!
Euer Tolgay“. Um 16.30 Uhr hob der defensive Mittelfeldspieler dann per Flieger gen Istanbul ab. Alles Gute Tolgay!

 

Arslan musste gehen, nachdem Trainer Joseph „Joe“ Zinnbauer unmissverständlich klar gemacht hatte, dass Arslan bei ihm nicht spielen würde. Einzig die Frage nach dem „Warum?“ wurde nie wirklich erklärt. Und auch Tolgay äußerte sich nicht. Dabei soll der junge Mittelfeldspieler im Zuge der Enttäuschung nur kurz nach Amtsübernahme Zinnbauers gemeckert haben. Dabei schimpfte Arslan dem Vernehmen über das neue System Zinnbauers, das ihn zum Reservisten degradierte. Pech für Arslan war in diesem Fall, dass im Nebenraum Cotrainer Patrick Rahmen saß und alles mit anhören konnte. Seither soll das Verhältnis Arslan/Zinnbauer nachhaltig beeinträchtigt gewesen sein – vorsichtig formuliert…

 

Wobei, glaubt man den schnellen italienischen Medien, hatte der HSV schon Ersatz, als es Arslan per Flieger in die Türkei zog. Gegen Mittag sollen sich demnach der HSV und Inter Mailand auf einen Wechsel des Serben Zdravko Kuzmanovic geeinigt haben. Das aber dementierte der HSV umgehend. Noch.

 

Nicht geleugnet – aber auch betont „nur Alternative“ ist Paolo Guerrero. Bislang zumindest. Wobei ich noch immer ein bekennender Fan seines Fußballs bin und glaube, dass der Peruaner genau der Typ Spieler ist, den der HSV für vorn sucht. Technisch stark kann kaum einer besser den Ball festmachen und verteilen als er. Allerdings würde es mich wundern, wenn Guerrero selbst kann sich vorstellen, wieder nach Deutschland zu wechseln. Allerdings würde ich mich wundern, wenn es der HSV schaffte, den 31-Jährigen finanziell glücklich zu machen, ohne sich zu verheben. Rund drei Millionen Euro im Jahr soll der 31-Jährige bei Corinthians kassieren. Und die Brasilianer wollen den ehemaligen HSVer unbedingt halten.

 

Aber wie dem auch sei, heute passiert eher nichts mehr. Zumindest kommt kein Neuer. Dennoch rechnen beim HSV intern alle fest damit, dass die benötigten Verstärkungen bis zum Transferende am 2. Februar kommen. Dass Dietmar Beiersdorfer den Wunschkandidaten Josip Drmic bereits mehr oder weniger abschreibt („Es würde mich sehr wundern, wenn er zu uns wechselt“) werte ich nicht als Aufgabe. Der HSV will und muss Bayer Leverkusen klar machen, dass sie die Entscheidung des Werksklubs nicht über Wohl und Wehe des HSV entscheidet, und dass der HSV Alternativen hat. Daher wird Guerrero, den Leverkusen übrigens mit der Begründung ablehnte, dass Drmic ja bleiben würde, nicht abgehakt – aber intern eben auch nur als B-Lösung betrachtet.

 

Immer erste Kategorie war David Jarolim. Menschlich wie sportlich war er ein Vorzeigeprofi. Heute war der Tscheche in Hamburg, um sich sportärztlich untersuchen zu lassen. Und der ehemalige Sechser nutzte die Gelegenheit, um noch einmal in eigener Sache für sein Abschiedsspiel am 28. März zu werben – obgleich das kaum nötig ist. Und er freut sich: „Natürlich hast du am Anfang immer Angst, dass die Leute es nicht annehmen. Umso mehr freue ich mich, dass jetzt so viele Tickets abgesetzt wurden. Es wird einer der emotionalsten Augenblicke, die ich je in diesem tollen Stadion erleben durfte.“

Anbei ein Videointerview mit Jarolim im (entschuldigt bitte!) unüblichen Hochformat…

Der Sportdirektor von Mlada Boleslav hat es geschafft, dass bereits mehr als 21000 Tickets abgesetzt sind. Als Fünftbeliebtester HSVer aller Zeiten wählten ihn die Leser der „BILD“ zuletzt. „Das fühlt sich gut an“, so Jarolim, dem der HSV immer wieder nahegelegt hatte, ihn im eigenen Nachwuchs unterbringen zu wollen. Als Trainer. „Ich werde das jetzt auch machen“, so Jarolim, „allerdings erst einmal bei uns im Klub. Ich bleibe Sportdirektor und werde zusätzlich die Woche die U19 von Boleslav trainieren, um erste Erfahrungen zu sammeln. Ich will meine Lizenzen erwerben – dann schaue ich weiter.“

 

 

Allerdings, einmal hier, kam Jaro nicht umhin, sich auch zum HSV zu äußern. „Ich glaube, dass der HSV die richtigen Leute auf den wichtigen Positionen hat und dass sie die Situation erkannt haben. Deshalb bin ich auch optimistisch. Es wird wieder eine schwierige Saison, aber sie wird nicht noch mal so schlimm wie die letzte Saison.“ Dass der HSV noch in dieser Wintertransferphase Verstärkung braucht – auch Jaro sieht es so. Obwohl er überlegt, etwas anderes zu sagen, gibt er zu: „Wenn die Möglichkeit besteht, jemanden zu bekommen, der helfen würde, dann sollte man es machen.“ Ob er Guerrero empfehlen würde? „Das kann ja nicht klappen – der hat doch Flugangst…“, scherzte Jarolim, um dann hinzuzufügen: „Paolo ist ein super Fußballer. Helfen könnte er immer.“

 

Womit ich noch einmal kurz auf die Mitgliederversammlung eingehen will. Die hat gezeigt, was eine Person des Vertrauens bewirken kann. Wobei es sicher mindestens zwei waren, die der Versammlung zu einem friedlichen Verlauf verholfen haben, wie wir ihn schon Ewigkeiten nicht mehr miterleben durften. Immerhin in einer finanziell und sportlich derart angespannten Situation – das war für mich dann doch überraschend. Aber nehmen wir die auf deutlich zu persönlicher Ebene geführten Reden von und gegen Manfred Ertel mal aus, war es letztlich ein sehr erfreulicher Sonntag. Die Verantwortlichen der Campus-Anleihe wurden zwar unter dem Eindruck der Zehn-Millionen-Spende von Alexander Otto unverdient wenig in die Verantwortung genommen – andererseits hätte es mehr als neuen Ärger dadurch auch nicht gegeben. Moralisch verheerend sind die Herren Jarchow, Hilke, Arnesen und Scheel rechtlich abgesichert – das Kleingedruckte macht’s möglich.

 

Dennoch war bei der Veranstaltung ein Hauch von Einigkeit zu spüren, die dieser Verein dringend benötigt. Und Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer ist das Gesicht der Neuausrichtung – zusammen mit Otto. Und Klaus Michael Kühne natürlich. Wobei die beiden Millionen-Unterstützer unterschiedlicher kaum sein könnten. Hier Otto, der bewusst zurückhaltend agiert und keine Anteile zeichnen sondern in letzter Instanz dem Amateursport helfen will. Und auf der anderen Seite Kühne – der Mann, der sein Darlehen lang und hart verhandelte, ehe er es in Anteile umwandelte und der gern öffentlichkeitswirksam sagt, was er denkt. Aber – in diesem Fall sollte man es nur so nehmen, wie es im Moment ist: als unfassbar große Hilfe für die Konsolidierung des HSV. Den Dank haben sich die beiden Milliardäre verdient.

 

In diesem Sinne, der Testspieler Innocent Emeghara wird nicht genommen, Ivo Ilicevic darf vorerst ebenso bei den Profis weiter mittrainieren, wie die U23-Youngster Philipp Müller, Ahmet Arslan und Nils Brüning (Marcos, Götz und Gouaida bleiben natürlich auch). Pierre Michel Lasogga ist wieder einsatzbereit, hat aber morgen frei, da kein Training ist.

 

Bis dahin, Scholle

 

P.S.: Angeblich ist Mpoku (Standard Lüttich) in Deutschland zu Verhandlungen. Und Inter Mailands Trainer Roberto Mancini soll sich nun doch gegen die Abgabe Kuzmanovics entschieden haben. Diese Gerüchte habe ich deshalb ins „P.S.“ gestellt, weil sie in fünf Minuten wieder überholt sein werden. Wetten dass…?

Die U23 begeistert auf dem Platz – und daneben fast noch mehr

16. November 2014

Sie haben einen Lauf. Und er besonders: Ahmet Arslan ist der Führende in der Scorerliste der Regionalliga Nord. Auch am gestrigen Sonnabend beim 2:2 gegen den VfB Lübeck steuerte er mit der Flanke zum 1:0 von Francis Adomah wieder einen Assist bei. Zufrieden war er aber trotz eines neuen Regionalligarekordes (17 Spiele ungeschlagen gab’s noch nie, wurde mir berichtet) nicht. „Ich war nicht gut. Das war eines meiner schwächeren Spiele für den HSV“, so der Rechtsfuß, den ich heute bei seiner Familie in Lübeck erreicht habe. Mutter kochte gerade Abendbrot, Ahmet wartete auf selbiges. „In Hamburg gibt’s zu Hause in meiner WG nicht wirklich abwechslungsreiches Essen“, lacht der Youngster, der mit seinem U23-Kollegen Ronny Marcos zusammenwohnt. Nudeln seien da schon die fortgeschritteneren Gerichte. Umso wertvoller sind da Heimatbesuche.

Und dafür hat Arslan heute Zeit. Erst am Dienstag geht es wieder ins Mannschaftstraining. „Die Pause tut echt gut“, sagt der Deutsch-Türke nach der intensivsten Woche seiner Karriere, wie er sagt. Zwei Testspiele bei den Profis, ein Laktattest am Montag, zweimal Doppelschichten und am Sonnabend das Spiel gegen starke Lübecker – das schlaucht. „Ich war tatsächlich schon im Spiel nicht mehr so frisch, wie ich es gewohnt war“, so Arslan selbstkritisch. Das liege daran, dass er bei den Profis noch mehr Gas gibt. „Ich habe nie Motivationsprobleme. Aber man will sich bei den Profis natürlich noch mehr profilieren und ist entsprechend noch mal 10 oder 20 Prozent heißer. Leider gab es die Quittung für mich am Sonnabend gegen Lübeck.“ Zum Assist hat’s dennoch gelangt.

13 Tore und 13 Assists – der Bestwert aller Regionalliga-Nord-Kicker. Aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, wenn es nach Arslan geht. Der 20-Jährige hat (s)eine Karriere geplant. Wie der Plan aussieht? „Es gibt einfach keinen. Das ist er. Ich bin einfach kein Überflieger. Wo der eine oder andere mit seinem außergewöhnlichen Talent einige Karrierestufen überspringt, gehe ich langsam die Treppe hoch. Stufe für Stufe. Das dauert zwar länger – aber das Ziel erreiche ich eben nur so.“

Vernünftige Worte, die ich vor vier Jahren von seinem Namensvetter Tolgay Arslan gehört und aufgeschrieben habe. Insgesamt war ich sehr erstaunt, wie bodenständig und vernünftig der aktuell gefeierte Rechtsaußen der U23 ist. „Dafür kann ich nichts. Daran sind meine Eltern schuld“, lacht Arslan, der einen steinigen Weg hinter sich hat. „Ich war nie das Toptalent. In keiner meiner Mannschaften. Im Gegenteil, ich hatte früher Übergewicht und war nicht allzu schnell.“ Ein Zustand, den er sichtbar verbessert hat. Mit Sondertraining und einer Menge Disziplin. Aber auch mit viel Hilfe. „Mein Berater ist ein sehr guter Ratgeber, ihm vertraue ich. Als der HSV vor einem Jahr bereits anfragte, hat er gesagt, dass ich das noch nicht packe und lieber mit Lübeck in der Oberliga spielen soll. Und im Nachhinein war das sicher die richtige Entscheidung. Ich habe ein fantastisches Fußballjahr mit dem VfB, wo ich einen ganz wichtigen Schritt hinter mir und habe parallel mein Abi gemacht.“

Über die Durchschnittsnote schweigt Arslan. Aber er hat die schulische Ausbildung erfolgreich hinter sich und just mit seiner mündlichen Prüfung am 18. Juni ging es nach Hamburg. „Ich hatte am selben Tag Trainingsauftakt. Und seither lerne ich jeden Tag mehr über Fußball. Der HSV war und ist für mich die absolut richtige Wahl.“ Dass er jetzt schon bei den Profis mittrainiert sei ein Traum, der war wird. Auf die Pauke hauen will er dennoch nicht. Im Gegenteil, Arslan ist eher der Typ Leisetreter. Vom Aufstieg und Meisterschaft mit der U23 würde er noch nicht reden wollen. Dafür schwärmt er lieber von den hiesigen Bedingungen für junge Talente. „Wir bekommen von allen Seiten nützliche Tipps. Erst von Joe Zinnbauer, der alles andere ist, nur kein Regionalligatrainer. Ihn als Trainer gehabt zu haben und aktuell wieder zu haben, ist ein Glücksfall. Dazu kommen so erfahrene Leute wie Peters, Knäbel, Rahmen und Beiersdorfer, die nichts sagen, was nicht Hand und Fuß hat.“

Nach dem Derbysieg gegen St. Paulis U23 seien Patrick Rahmen, Zinnbauer und Bernhard Peters in die Kabine gekommen, hätten gratuliert. „Und dann gab es noch ein paar Tipps, was wir nach dem guten Spiel noch besser machen können und sollen“, erinnert sich Artslan, „und beim Perspektivspieler-Training taucht der Boss (Peters, Anm. d. Red.) persönlich auf und motiviert uns. Ich weiß von einigen Freunden, die in den letzten Jahren hier gespielt haben, dass das früher nicht so war. Da hörte man immer, der HSV würde Spieler auf einen Haufen schmeißen und so lange sieben, bis ein Talent gefunden ist. Heute hat man in Hamburg einen nachvollziehbaren und für uns alle erkennbaren Plan. So groß wie heute war die Chance noch nie für Talente, sich beim HSV zu entwickeln.“

Mit sieben Jahren zog Arslan zusammen mit seinen Eltern aus Bayern in den hohen Norden nach Lübeck. Er wechselte vom TSV Ottobeuren zu Phönix Lübeck, ehe er mit 17 Jahren in die U19 des VfB Lübeck wechselte. „Auch da musste ich mich gedulden und anderen den Vortritt lassen. Ich habe erst in meinem zweiten A-Jugend-Jahr bei der Liga mittrainieren dürfen. Und da war der VfB in die Oberliga abgestiegen“, so Arslan, der gleich bei seiner ersten Einheit mit den VfB-Profis einen Schlüsselmoment erlebte. „Damals nahm mich ein erfahrener Spieler auf dem Weg zum Trainingsplatz kurz zur Seite und sagte mir: ‚Verpiss dich sofort in die Kabine oder ich trete dich aber sowas von um’. Das werde ich nie vergessen. Zumal er keine fünf Minuten im Abschlussspiel brauchte, um seine Drohung in die Tat umzusetzen. Das war eine schmerzhafte Erfahrung für mich – zumal ich mir eh nie zu schade war, die Bälle und sonstiges Trainingsmaterial zu tragen. Aber sie war auch lehrreich.“

Bei den HSV-Profis sei das allerdings anders gewesen. „Die Spieler hier sind cooler, sie gönnen es uns. Man merkt den Spielern an, dass sie uns helfen wollen. Und dass sie sich für uns freuen, wenn wir gut spielen und trainieren.“ Vor allem sein Namensvetter sei hier hervorzuheben. „Er ist für uns Junge da. Er hilft überall, wo er kann. Als ich ihm von einem guten Freund und HSV-Fan berichtet habe, der im Sommer vor einem Jahr einen tragischen Unfall hatte und seither querschnittsgelähmt ist, hat er sich sofort ein Trikot geschnappt, es unterschrieben und ist mit mir zu ihm gefahren, um es meinem Kumpel zu schenken. Der war völlig baff u d hat sich tierisch gefreut. Aber auch Lewis Holtby ist unfassbar. Vor dem möchte ich den Hut ziehen. Er kommt immer wieder zu uns, spricht viel mit uns. Er gibt uns Tipps und motiviert uns mit Worten wie ‚Macht so weiter! Ihr seid kurz davor, den Durchbruch zu schaffen!’. Das ist schon einmalig, so intensiv und gut hätte ich die Aufnahme oben bei den Profis nie erwartet.“ Motivationsspritzen, die fruchten. „Ich habe immer schon nebenbei geackert, aber hier macht das Schinden auch noch richtig Spaß.“

Ein Jahr hat sich der 20-Jährige ausschließlich dem Fußball verschrieben und sein eigentlich angedachtes Studium der Wirtschaftswissenschaften noch mal ausgesetzt. „Ich will die Zeit nutzen, um noch mehr als sonst zu trainieren. Ich will es hier schaffen“, sagt Arslan und ich muss zugeben, dass mich die U23 nicht nur auf dem Platz begeistert, sondern fast noch mehr daneben. Kapitän Sven Mende und Gideon Jung hatten wir bei uns in der Sendung und beide bestachen mit Sachlichkeit und Bodenständigkeit, während parallel etliche Mannschaftskameraden zusammen die Profis über Großbild verfolgten und dies auch regelmäßig machen. „Wir haben einen sehr guten Teamgeist“, sagt Arslan, „weil wir wissen, dass wir über den Erfolg auch alle einzeln besser zur Geltung kommen. Keiner nimmt sich zu wichtig. Dieses aus Nachwuchsteams oft sehr typische Individualisten-Gehabe gibt es bei uns nicht. Vielleicht ist das einer der Schlüssel zum Erfolg.“

Auf jeden Fall ist zu sehen und herauszuhören, dass sich der HSV im Nachwuchsbereich stark entwickelt. Zumindest auf oberster Ebene. Mit vernünftigen, extrem ehrgeizigen, talentierten und aussichtsreichen Nachwuchsspielern wie Ahmet Arslan, dem ich den Durchbruch tatsächlich gönne.

In diesem Sinne, morgen ist trainingsfrei. Dennoch melde ich mich gegen 19 Uhr wieder bei Euch! Bis dahin!

Scholle

Neuer Vertrag – jetzt muss Zinnbauer nachziehen

27. Oktober 2014

Kein Knäbel, kein Beiersdorfer auf der Empore – und mehr oder weniger am Rande vermeldete Mediendirektor Jörn Wolf, dass der Vertrag mit Josef „Joe“ Zinnbauer modifiziert worden worden ist. Das war anders als sonst, ohne großes Posieren. Einfach normal. Und ich finde den Rahmen so völlig in Ordnung. Denn an diesem Vorgang ist wirklich nichts überraschend. Gar nichts. Deshalb kann ich dieses „Hat der HSV denn gar nichts gelernt?“ auch wirklich nicht nachvollziehen.

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Was denn ist seltsam daran, dass ein beförderter Mitarbeiter seine Bezüge angehoben bekommt? Nichts. Und mehr ist tatsächlich nicht passiert. Nicht einmal eine Verlängerung ist vorgenommen worden. Und wisst Ihr was? Weil es außergewöhnlich ehrliche Verhandlungen waren, verstehe ich die angeschobene Diskussion noch weniger. Zumal Zinnbauer dem Vernehmen nach sogar weniger für sich als für seinen Stab verhandelt haben soll. Das aber mit Erfolg. Auch Cotrainer Patrick Rahmen als Co-Trainer, Stefan Torwarttrainer Wächter und Stefan Schümann als Athletik-Trainer bekamen angepasste Verträge. „Wir bewerten die Entwicklung als eine Leistung des gesamten Trainerteams. Aus diesem Grund sind die drei weiter als fester Bestandteil des Trainerteams der Bundesligamannschaft engagiert“, argumentierte Peter Knäbel auf hsv.de. Was anderes kann der Sportdirektor nach den Unterschriften natürlich auch nicht sagen. Klar.

Zinnbauer bleibt also Trainer bei den Profis. Antizyklisch stattet der HSV ihn in einer Phase mit einem Profivertrag aus, die für den HSV schnell auch nicht schlechter aussehen kann. Gegen Bayern am Mittwoch im Pokal kann man hoffen – aber nur wenig erwarten. Danach kommt am Sonnabend Leverkusen – und danach geht es gegen Wolfsburg auswärts um dringend benötigte Punkte. Alles Spiele, in denen der HSV nominell eher der Außenseiter ist. Und gerade dieses Vertrauen imponiere ihm, sagte Zinnbauer heute. Und ich glaube bei ihm tatsächlich daran, dass er diesen Vertrauensvorschuss zurückzahlen will. Weil er ein ehrlicher Arbeiter ist. So soll er auch bei seiner Antrittsrede seinem Team um die Mannschaft herum gesagt haben, dass er auf sie setzen würde und ihnen allen vertrauen würde. Zinnbauer stattet seinen Stab mit Freiheiten aus, die motovieren sollen. Allerdings sagte er in derselben Ansprache auch ganz deutlich, dass eine mögliche Entlassung für ihn auch für den Rest Konsequenzen haben würde…

Okay, dieser Vorgang ist nicht jedermanns Sache. Zugegeben. Aber mir gefällt Zinnbauers Art an sich. Vor allem die, mit der Mannschaft zu arbeiten. Heute ließ er die Mannschaften „positiv reden“ gegen „negativ reden“ spielen. Soll heißen: Die einen durften nur positiv mit den Mitspielern kommunizieren, die anderen nur negativ. „Weil mir die Mannschaft in Berlin zu ruhig war“, so Zinnbauer, der darin auch einen gewissen Unterhaltungswert zur Stimmungshebung erkannt haben will. Soll heißen: Zinnbauer fordert mehr Eigeninitiative der Spieler ein. Genau das, was in den letzten Jahren gefehlt hat. Und er nimmt sich selbst nicht zu wichtig. Bei den Vertragsverhandlungen verzichtete er darauf, große Gehaltserhöhungen zu fordern, er regelte eine etwaige Abfindung im Vorwege und nutzte die Situation des HSV insgesamt nur in einem Punkt zu seinem Vorteil: zum verdienten Vorteil. Er bestand auf sein Team.

Zinnbauer beweist damit, dass er der Teamplayer ist, von dem man nachsagt, er sei es und den er von Spielerseite einfordert. Und das nachhaltig.

Und ich hoffe, dass Zinnbauer jetzt auch zeigt, dass er wirklich keinen übersteigerten Wert auf große Namen legt. Bei den Bayern („Das sind auch nur Gegenspieler auf dem Platz“) bekannte er sich heute schon dazu – in Sachen Rafael van der Vaart hoffe ich auf den nächsten Schritt. Damit fordere ich nicht, dass der Niederländer auf die Bank gehört. Aber ich hoffe ganz stark, dass Zinnbauer einen Plan hat. Einen kurzfristigen. Denn die letzten beiden Spiele haben wenig Anlass gegeben, an einen van der Vaart zu glauben, der dieser Mannschaft die entscheidenden Impulse geben kann. Dass durch diese Personalie auch noch der für mich bis dato wichtigste Offensivspieler draußen bleiben musste war umso schlimmer.

Zinnbauer müsse sich entscheiden. Es könne nur einer spielen, titelte die „Bild“, was vielerorts als anmaßend empfunden wird. Allerdings habe ich diese Diskussion schon verlassen, als die „Bild“ das erste Mal mit dem Slogan titelte „Bild Dir Deine Meinung“. Aber gut, das ist nebensächlich. Entscheidender ist, dass es mitnichten nur einen von beiden auf dem Platz geben kann. „Lewis kann sicher auch auf der Acht spielen“, sagte Zinnbauer heute, unmittelbar nachdem er verkündet hatte, dass es für Valon Behrami mit dessen Einsatz gegen Bayern am Mittwoch ehr nicht gut aussieht und die Frage nach dessen Vertreter gestellt wurde. Nun habe ich heute Nachmittag gehört, dass die medizinische Abteilung noch daran glaubt, den Schweizer pünktlich von dessen Muskelproblemen befreien zu können – aber wichtiger war mir, dass Zinnbauer Holtby nicht automatisch für van der Vaart opfert, wen dieser auch nur gesund ist. Denn das wäre eine Katastrophe.

Nein, Zinnbauer täte gut daran, sich weiterhin an den Trainingseindrücken zu orientieren. Und da liegen einige Meter zwischen Holtby und van der Vaart. Noch zumindest. Denn auch ich will so konsequent sein, van der Vaart eine echte Chance zu geben. Zumal ich glaube, dass es seine letzte in Hamburg ist. Und nachdem Zinnbauer sich vor einigen Wochen dazu entschlossen hatte, van der Vaart mit Hilfe 110-prozentiger Rückendeckung noch einmal zu Höchstleistungen anzutreiben, blieb und bleibt ihm nichts anderes übrig, als den angefangenen Weg fortzusetzen. Ein Abbruch desselbigen wäre auch ein vorzeitiges Ende der van-der-Vaart-Ära.

Und vielleicht ist gerade so ein Spiel wie das jetzt gegen die übermächtigen Bayern geeignet, um noch einmal etwas zu testen. Denn klar ist, das bestätigte Zinnbauer heute auf der PK, dass die Bundesliga Priorität hat. Und dort muss der HSV mächtig aufpassen, in den nächsten Wochen nicht noch tiefer in den Tabellenkeller zu rutschen. Experimente sind dort definitiv nicht mehr angebracht. Im Gegenteil: Nachdem sich der HSV bei seinem Trainer festgelegt hat und damit allen „Thomas-Tuchel-kommt-dann-eben-erst-2015“-Diskussionen ein Ende gesetzt hat, könnte, nein sollte der neue Cheftrainer nachziehen. Das gilt vielleicht noch nicht gegen Bayern – aber spätestens für danach sollte es eine klare Linie geben. Entweder dann mit einem stark verbesserten van der Vaart – oder eben ohne ihn in der Startelf. Hauptsache ohne einen besseren Spieler zu opfern.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

P.S.: Wohl erst nach dem ausverkauften Pokalspiel am Mittwoch wird Dennis Diekmeier wieder fit sein. Und ich bin gespannt, wie sich sein Vertreter, „Mr. Cool“ Ashton Götz, gegen Namen wie Thomas Müller, Robben, Ribery, Götze und Co. schlagen wird.

Beiersdorfer lobt Zinnbauers Arbeit: “Es ist eine Entwicklung zu erkennen”

29. September 2014

„Joe hat dafür gesorgt, dass wir wieder eine Mannschaft auf dem Platz haben, die sich auch als solche präsentieren. Es ist endlich wieder Stimmung im Team, Emotionen in der Kabine. Unser Trainer macht da einen sehr guten Job.“ Worte des Vorsitzenden des Tabellenletzten in der Bundesliga nach einer enttäuschenden Niederlage gegen Eintracht Frankfurt. Stärkende Worte für den Trainer, der einen Punkt aus drei Spielen holen konnte.

Und genau so muss es sein!

Ruhe bewahren und auf das Wesentliche konzentrieren. Und Dietmar Beiersdorfer ist zweifellos bekannt für seine Ehrlichkeit, für Geradlinigkeit, Nachdenklichkeit und seine Ruhe in Entscheidungen – eher nicht für Überschwänglichkeit. Trotz der enttäuschenden Serie von nur einem Punkt und gerade erst einem Tor aus drei Partien beschränkt sich Beiersdorfer auch diesmal auf das Augenscheinliche – auf die Entwicklung der letzten tage und Wochen. „Ich glaube, wir haben gesehen, dass wir diese Woche sehr intensiv an Möglichkeiten gearbeitet haben, auch Tore zu erzielen. Wir hatten noch keinen Modus, ein Tor zu erzielen. Das war besser“, sieht Beiersdorfer Fortschritte unter Zinnbauer und führt weiter aus: „Das war im Ansatz besser und auch das Tor war sehr schön herausgespielt. Das sind Sachen, die Früchte tragen.“

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Stimmt. Dass dennoch die Punkte- und Tabellensituation nicht außer Acht gelassen werden kann, weiß der HSV-Vorstandsboss. Auch deshalb wird er sich weiter intensiv mit der Mannschaft befassen und noch diese Woche vor der Mannschaft sprechen. Und das nicht mit einer Brandrede. Die sei auch gar nicht nötig, angesichts der Art und Weise, wie die Mannschaft aktuell auftritt. „Das ist spontan. Unsere Punktesituation ist natürlich sehr enttäuschend. Aber es geht mir jetzt darum, Orientierung zu geben. Und das muss ich. Wir müssen uns austauschen, das ist wichtig. Der Trainer macht einen sehr, sehr guten Job und hat der Mannschaft beigebracht, leidenschaftlich zu kämpfen. Das sieht man. Aber wir machen eben noch zu viele Fehler. Die müssen wir abstellen.“

Dietmar Beiersdorfer findet die Mitte aus Lob für und Tadel. „Es gibt nichts zu beschönigen. Wir haben zwei Punkte aus sechs Spielen und sind Letzter. Wir wissen, dass es schwierig wird. Aber der Mannschaft jetzt mitzuteilen, dass es für uns diese Saison nur ums Überleben geht, halte ich nicht für richtig. Wir glauben an die Rahmenbedingungen, die wir geschaffen haben – und an die, die wir noch schaffen werden. Wir müssen hier jetzt eine Siegermentalität entwickeln. Die ist zwar schon besser geworden, aber sie hat noch nicht gereicht, um zu gewinnen. Objektiv beurteilt hätten wir das Spiel gewinnen müssen, haben es aber nicht. Auch wenn man so ein Tor alle zwei, drei Jahre mal kriegt, darf man nicht alles auf Pech schieben. Wir habe uns das selbst zuzuschreiben. Wir hätten das Spiel vorher entschieden müssen und/oder nicht in Rückstand geraten dürfen.“

Der Interviewteil mit den elektronischen Medien (anschließend sprachen wir als Printmedium noch) mit Beiersdorfer:

Und dafür sei unbeirrt weiterhin harte Arbeit notwendig. „Wir haben natürlich noch nicht die Abläufe, die Laufwege, die Passwege, die wir auch brauchen, um inhaltlich ein Spiel zu gewinnen. Es geht natürlich immer auch um Einsatz und Mannschaftsgefüge. Er gibt der Mannschaft Power, er ist leidenschaftlich, engagiert. Das hat Hand und Fuß, was er den Spielern erzählt. Aber es geht eben auch um Lösungen“, so Beiersdorfer – und die habe die Mannschaft noch nicht gefunden. Auffällig hierbei: Die Gegentore fielen jeweils unmittelbar vor dem Ende der jeweiligen Spielhälfte: in der 44. und dann in der 90. Minute. „An den Lösungen haben wir stark gearbeitet, was auch deutlich zu erkennen war. Wir haben es nur nicht durchgezogen bis zum Ende. Und das ist bitter bestraft worden.“

Helfen soll dem jungen Cheftrainer sowie dem HSV allgemein der neue Direktor Profifußball, Peter Knäbel. „Es ist immer wichtig, dass man einen Direktor Profifußball bei der Mannschaft hat, um auch da zu sehen, wie die Abläufe sind, was man noch verbessern und was man noch feinjustieren kann. Vor allem auch, was man überhaupt erst einmal justiert – und da gibt es noch eine Menge Arbeit“, so Beiersdorfer, der zumindest hierfür in Knäbel die Lösung gefunden haben will. „Es ist wichtig, dass eine Person da ist, die smart ist, die Erfahrung sowie die nötige Kompetenz hat, um zu sehen, welche Abläufe und Prozesse einer Leistungsentwicklung hier entgegenstehen – und welche sie eben fördern. Deshalb wird Peter Mitte der Woche zu uns stoßen.“

Die offene Frage ist und bleibt jedoch: Was hat man an Rahmenbedingungen geschaffen und was davon kann sofort helfen?

Denn Soforthilfe braucht das Team. In Zinnbauer ist ein Motivator gefunden, der die Mannschaft zum Team formt. Mit Patrick Rahmen ein Cotrainer, der schon zu Zeiten bei Thorsten Fink der Taktiker gewesen sein soll. Zudem soll jetzt Peter Knäbel die Mannschaft auf herz und Nieren analysieren. „Aktuell machen kann man, dass man einen Menschen ganz nah an die Mannschaft stellt, der eben auch Einfluss hat, der mit den Spielern spricht und Trainern Feedback gibt und versucht, den Prozess der Entwicklung zu vertiefen und zu beschleunigen. Und ich glaube, das ist unabhängig davon, ob er morgen kommt oder schon zwei Jahre da ist. Wenn er ein Guter ist.“ Und das soll Knäbel sein.

Beim Schweizer Fußballverband gilt der ehemalige St.-Pauli-Profi als DER Entwickler der letzten Jahre. Zusammen mit Ottmar Hitzfeld wird Knäbel der maßgebliche Anteil an den erfolgreichen Nachwuchsteams sowie der Entwicklung der A-Nationalelf zugestanden. Beim HSV soll Knäbel inhaltlich der Mannschaft und dem Trainer helfen, zudem alle sonstigen Aufgaben eines Sportdirektors übernehmen. Also auch Vertragsverlängerungen. Ob sich Beiersdorfer komplett aus dem sportlich operativen Bereich zurückzieht? „Nein“, antwortet Beiersdorfer schnell und bestimmt, „Wir wollen im Sport vielmehr ein starkes Dreigestirn bilden mit Bernhard Peters, Peter Knäbel und mir.“ Soll heißen, Peters kümmert sich um die Entwicklung des Nachwuchses und der Trainer, Knäbel ist bei der Entwicklung der Profimannschaft immer hautnah dran, kümmert sich um alles, was ei Sportdirektor in seinem Arbeitsprofil hat.

Und bei allem, was neu wird und noch werden soll, und das Gefühl hatte ich trotz aller Enttäuschung auch gestern nach Schlusspfiff schon: Diese Mannschaft hat wieder Profil. Endlich wieder. Denn allein das ist schon eine große Steigerung zur Vorsaison. Und jetzt ist auch noch der Stab komplett – sagt Beiersdorfer. Also kann es ja endlich in die Vollen gehen…

Auf jeden Fall aber ist es an der Zeit, in Ruhe und nachhaltig die Baustellen anzugehen, die sportlich noch immer da sind. Dass Knäbel alles umwirft und nach seinem Gusto neu macht, ist ausgeschlossen. „Es ist ja was zu erkennen in den letzten Wochen“, so Beiersdorfer, der auch über sich bzw. ältere Äußerungen von sich („Zinnbauer ist unser Trainer. Bis auf weiteres.“) schmunzeln kann: „Zinnbauers Arbeit trägt Früchte. Von daher wird das nicht thematisiert. Bis auf weiteres…“

Neu war zuletzt auf jeden Fall die Umstellung von Heiko Westermann als Rechtsverteidiger für Dennis Diekmeier. Dass dies mit Muskelproblemen zusammenhänge, wie einige vermuteten, wurde nicht bestätigt. Vielmehr war es eine rein taktische Maßnahme Zinnbauers, um so mit der Hereinnahme von Cléber noch mehr Kopfballstärke auf dem Platz zu haben. Ob das jetzt gut war oder nicht ist hypothetisch. Zumindest aber hat der HSV kein Kopfballgegentor gefangen.

Und während weiter unklar ist, wer letztlich gegen Dortmund die rechte Bahn verteidigt, ist ebenso unklar, was der HSV wert ist. 300 Millionen Euro hatte die „BILD“ heute vermeldet, Beiersdorfer dementiert nicht, mahnt aber auch: „Der Bewertungsprozess ist noch nicht abgeschlossen und es gibt von daher auch keine Zahlen zu verkünden“, so Beiersdorfer über den Wert, der letztlich für Investor Klaus Michael Kühne und dessen mögliche Umwandlung seines 25-Mio-Darlehens wichtig wird.

Wichtig für mich wird sein, wie sich die Verletzten zurückmelden. Marcell Jansen ist weiterstgehend wiederhergestellt und dürfte in Dortmund sicher wieder zum Kader gehören. Bei Rafael van der Vaart ist das noch offen, obgleich der Kapitän am morgigen freien Dienstag individuell und am Mittwoch wieder voll mit der Mannschaft trainieren soll. Und zumindest bei van der Vaart sehe ich das Potenzial, das dem HSV-Spiel zuletzt gefehlt hat: der letzte Pass. Von daher hoffe ich, dass Zinnbauer am Wochenende beim BVB wieder auf seinen Kapitän zurückgreifen kann, den ich mir vor dem für mich auffälligsten Hamburger der Zinnbauer-Zeit, Lewis Holtby, sehr gut in der Startelf vorstellen kann.

Bis dahin. Morgen ist trainingsfrei, am Mittwoch geht es parallel zu der offiziellen Präsentation von Peter Knäbel um 15 Uhr an der Arena weiter.

Scholle

Zinnbauer sorgt für frischen Wind beim HSV

17. September 2014

„Er ist für mich ein super Trainer, und ich hoffe, dass er die ersten Punkte für den HSV holt.“ Das sagte der ehemalige HSV-Profi Hakan Calhanoglu nach dem Champions-League-Spiel von Bayer Leverkusen beim AS Monaco über die Berufung von Josef Zinnbauer zum Hamburger Cheftrainer.

Etwa zur gleichen Zeit saß Jürgen „Kloppo“ Klopp am Dienstag in Dortmund nach dem 2:0-Sieg über Arsenal London bei der Pressekonferenz und sagte und fragte in die Runde: „Ich freue mich sehr für Joe Zinnbauer, dass er Trainer des HSV geworden ist – hat jemand von Euch mal die Handy-Nummer, damit ich ihn anrufen kann, um zu gratulieren?“

 


 

Ja, so geht es dann doch auch. Man muss nicht alles nur schlecht machen oder schlecht reden, man könnte auch ein wenig Hoffnung aus dem Trainerwechsel beim HSV schöpfen. Hoffnung und Zuversicht. Den ersten Tag hat Zinnbauer nun hinter sich, und er hat ihn mit Bravour gemeistert. Er kam zwar exakt 30 Minuten zu spät auf den Trainingsrasen am Volkspark, aber nur deshalb, weil seine „Neu-Jahrs-Ansprache“ wohl einen Tick länger gedauert hatte. Zinnbauer kam mit Co-Trainer Patrick Rahmen und Torwarttrainer Stefan Wächter die „Show-Treppe“ im Süden des Stadions herunter, und unten durchschritten die drei Musketiere dann ein Spalier aus Fans und Medien-Vertretern. Die HSV-Anhänger applaudierten – es muss dem neuen Chef-Trainer heruntergegangen sein wie Öl. Genau fünf Minuten später erschien die Mannschaft. Sie ging auch durch das Spalier, aber ohne Beifall. Der muss sich erst wieder erarbeitet werden.
Übrigens: Zu spät wird Joe Zinnbauer wohl nie, denn er ist nicht nur fünf Minuten vor der Zeit da, sondern fast fünf Stunden . . . Heute fuhr er bereits um 7 Uhr vor den Eingang des Stadions, was noch verschlossen war – aber „Joe hat ja Schlüssel“. Und gestern, als er noch bei der U23 im Amt war, betrat er um 14 Minuten vor Zwölf das Stadion – das Training war für 15.30 Uhr terminiert. So ist der neue Mann des HSV.

 

Wer mehr über Joe Zinnbauer wissen will, oder fast alles, der sollte sich das hier eingebaute Video von seiner Vorstellung heute zur Mittagszeit ansehen (bitte die Play-Liste darunter beachten!). Und wer das wagt, der wird feststellen, dass an diesem Mann nichts Künstliches dran ist, sondern nur Normalität. Dieser Trainer ist authentisch, frisch, fromm, frei und von der Leber weg. Einfach erfrischend, dieser Typ. Und wenn er damit auch bei seiner Mannschaft „landen“ kann, wenn er seine etwas trockenen Profis, von denen viele, viel zu viele schon mit lethargischen Zügen über den Rasen traben, sich von dieser emotionalen Art auch nur etwas mitreißen oder anstecken lassen, dann wird dieser HSV auch wieder auf die Beine kommen. Habt Vertrauen.

 

Wie die beiden großen Agenturen den ersten Tag von Joe Zinnbauer erlebt haben, möchte ich Euch auch noch zukommen lassen, damit das Bild dann noch ein wenig runder wird. Zuerst der Beitrag der Deutschen Presse-Agentur:

HSV-Coach Zinnbauer: „Ich will die Zügel in der Hand haben“

Aufgezeichnet von Christopher Weckwerth

Der neue HSV-Trainer Josef Zinnbauer steht vor seinem Debüt in der Bundesliga: Nach fast 20 Jahren in Amateurligen wittert der 44-Jährige seine Chance, sich im Profibereich zu etablieren.

Josef Zinnbauer ist der neue Trainer beim Fußball-Bundesligist Hamburger SV. Gleich im ersten Training mit der Profimannschaft am Mittwochvormittag gab der bisherige U23-CoachdesHSV lautstark den Ton vor:„Ich will die Zügel in der Hand haben“, erklärte der 44-Jährige anschließend auf einer Pressekonferenz in der Arena. Frage: Was für ein Trainertyp sind Sie? Antwort: Ich bin sehr leidenschaftlich und akribisch. Disziplin ist mir wichtig, ich will schon die Zügel in der Hand haben. Wenn man in Hamburg Trainer ist, sollte man alles ins Zeug legen – ich denke, das habe ich mit der U23 gemacht.
Frage: Haben Sie Respekt vor dem Sprung aus der vierten in die erste Liga? Antwort: Ich bin kein Neuling als Trainer. Ich bin im 26. Lebensjahr in das Geschäft eingestiegen, auch wenn es unterklassig war. Als Zweitligaspieler bei Mainz 05 habe ich auch als Profi auf dem Rasen gestanden – das ist nichts Neues für mich. Respekt habe ich natürlich, das ist doch klar. Aber vor 50 000 Zuschauern zu spielen, darauf freue mich, da sollte man keine Angst vor haben. Das ist doch geiler, als wenn ich vor zehn Leuten stehe. Ich habe Bock auf die erste Liga.
Frage: Wie schätzen Sie Ihre neue Mannschaft ein? Antwort: Mein erster Eindruck ist positiv. Stärken und Schwächen richten sich meiner Meinung nach danach, wie man spielen lässt. Ich will eine eigene Philosophie einbringen. Man kann die Schwächen auch verstecken. Ich habe aber auch der U23 viel zu verdanken: Da sind Spieler drin, die wir hoffentlich mal in der Bundesliga sehen.
Frage: In Mainz haben Sie an der Seite von Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp gespielt. Haben Sie noch Kontakt? Antwort:Ja, ich habe ihm neulich noch bei Whatsapp geschrieben. Schon damals in Mainz hat Kloppo gesagt: Wir zwei Blinden können nicht Fußball spielen, aber vielleicht packen wir es ja als Trainer . . .

 

Und beim Sport-Informations-Dienst war zu lesen:

 

„HSV-Joe“ Zinnbauer schießt scharf: „Ich kenne kein Pardon“

Emotionen ins Team bringen und vor allem Druck machen: Mit drastischen Maßnahmen will Josef Zinnbauer als neuer Cheftrainer des Hamburger SV den Profis des sieglosen Tabellenletzten Beine machen – auch schon gegen Bayern München.

Emotional, ehrgeizig, energisch – mit dieser erfrischenden Mischung will Josef Zinnbauer als 17. Cheftrainer binnen 13 Jahren Bundesliga-Schlusslicht Hamburger SV aus dem Tabellenkeller holen. „Ich habe Bock auf die 1. Liga. Es ist doch viel schöner, vor 50 000 statt vor 500 Zuschauern zu spielen“, sagte der 44-Jährige am Mittwoch bei seiner Präsentation in der Hansestadt.
Der einstige Zweitliga-Profi machte unmissverständlich deutlich, dass unter ihm ein anderer Wind wehen wird als bei seinem glücklosen Vorgänger Mirko Slomka, der am Montag nach drei Spielen ohne Sieg und ohne einen einzigen Torerfolg beurlaubt worden war: „An der Qualität der Mannschaft liegt es nicht. Man muss Emotionen reinbringen und am Kopf ansetzen. Wenn nur drei von elf Spielern da nicht mitziehen, funktioniert es einfach nicht.“
Der 44-Jährige, der bereits seit 18 Jahren als Coach arbeitet, hat das beste Druckmittel für lethargische Profis in der Hand. Das von ihm betreute U23-Team führt mit acht Siegen aus acht Spielen die Tabelle der Regionalliga Nord souverän an. So mancher Nachwuchsakteur wirft schon begehrliche Blicke Richtung Erstliga-Kader.
Und darf sich offenbar berechtigte Hoffnungen machen. Zinnbauer: „Wenn es oben nicht läuft, hole ich mir meine jungen Spieler dazu. Da kenne ich kein Pardon. Ich habe ihnen gesagt, dass mein Wechsel in die erste Liga eine große Chance für mich, aber eben auch für sie ist.“

 

Soweit die beiden Agenturen. Wie gesagt, Ihr selbst könnt Euch ein Bild vom neuen HSV-Trainer machen, indem Ihr das Video (plus Play-Liste) von der PK anklickt. Es lohnt sich.

 

Kurz noch zum Training. Rafael van der Vaart, Ivo Ilicevic und Marcell Jansen nahmen nicht daran teil, weil sie verletzt sind. Jansen betrat um 11.26 Uhr den Trainingsplatz und joggte, arbeitete dann aber auch kurz mit Reha-Trainer Markus Günther, der zuvor mit Slobodan Rajkovic beschäftigt war – anschließend gingen alle drei Männer im Volkspark laufen. Beim Profi-Training waren dafür auch drei Spieler aus der Zweiten dabei: Ashton Götz (er wird der erste Spieler sein, der den Sprung zu den Profis schaffen wird – ist meine Überzeugung!), Tolcay Cigerci und Ronny Marcus. Auch die Nachmittagsschicht begann mit einiger Verspätung, denn zuvor hatte es in der Kabine eine Video-Vorführung gegeben. Eine Art Folter-Training . . .

 

Im obligatorischen Trainingsspielchen gegen Ende der Einheit spielte A gegen B – und in dem A-Team standen drei ganz interessante Männer: Jaroslav Drobny im Tor, davor in der Innenverteidigung Heiko Westermann (neben Johan Djourou) und davor, auf der Sechs, Tolgay Arslan. Hat wahrscheinlich noch nichts zu sagen, aber es fand dennoch viel Beachtung. Am Nachmittag wurde dann sehr, sehr ideenreich trainiert, mit Spaß und Freude an der Sache. Eine Übung war so angelegt, dass die Spieler mit Ball und Tennisball zugleich “spielen” mussten . . . So etwas Kreatives gab es im Volkspark schon seit Jahr und Tag nicht mehr.

 

Die Kritiken, die Joe Zinnbauer, der seit 1980 nunmehr mein 27. HSV-Trainer ist (allerdings mit Ralf Schehr, Holger Hieronymus und Frank Arnesen) nach und für seinen ersten Tag bekommen hat (Fans und Kollegen), waren durchweg positiv, meistens überaus positiv. Es weht, so war zu vernehmen, jetzt ein viel frischerer Wind durch den Volkspark, die Stimmung ist plötzlich eine ganz andere. Bleibt nur zu hoffen, dass das auch bei der Mannschaft so aufgenommen und dann auch gelebt wird.

 

Das hofft natürlich – und in erster Linie – auch Club-Chef Dietmar Beiersdorfer, der sich ganz hinten in der letzten Reihe die erste Pressekonferenz von Joe Zinnbauer ansah und anhörte. Der „Didi“ wirkt auf mich etwas (sehr) gestresst, die Turbulenzen der vergangenen 48 Stunden zeigen sich in seinem Gesicht, er hat Augenränder. Natürlich. So etwas geht ja nicht spurlos an einem Menschen vorbei. Er muss schließlich innerhalb von wenigen Stunden allerhand Männern erklären, dass sie in Zukunft keine Rolle mehr beim HSV spielen werden – und gehen müssen. Ganz sicher keine angenehme Aufgabe – und so etwas dann am Fließband. Ich stellte gestern ja noch die Frage, was aus Liga-Betreuer Thomas Westphal wird, den Mirko Slomka im Sommer von Hannover 96 losgeeist hatte, heute sagte Beiersdorfer nur ganz kurz: „Er bleibt beim HSV.“ Was in diesen schweren Zeiten ja gewiss keine Selbstverständlichkeit ist . . .

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird im Volkspark um 15.30 Uhr (nicht, wie zuerst gemeldet, um 10 Uhr!) trainiert.

 
17.15 Uhr

Der HSV wagt den ganz großen Schnitt!

16. September 2014

Der HSV hat den totalen Umbruch gewagt. Ein mutiger Schritt, aber auch ein sinnvoller Schachzug, jetzt ist wirklich alles neu, was im seit Jahren schwächelnden Profi-Bereich zu erneuern war. Nach Chef-Coach Mirko Slomka mussten heute auch seine Assistenten ihre Koffer packen, das sind Nestor El Maestro, Zlatan Bajramovic, Fitness-Coach Nikola Vidovic und Torwarttrainer Ronny Teuber. Bei Bajramovic besteht noch die Möglichkeit, dass er wieder in den Nachwuchsbereich des HSV, aus dem er kam, zurückgehen wird. Das ist sicherlich der größte Schnitt, den der HSV gemacht hat, aber jetzt sind (fast) alle Posten in diesem neuen HSV tatsächlich neu besetzt, sodass nun tatsächlich von einem Neubeginn zu sprechen ist.

 


 

Um das gleich vorweg zu sagen: Ich finde diesen Schritt nicht nur mutig, wie eingangs schon geschrieben, sondern großartig. Was und wen hat der HSV nicht schon alles an Trainern hierher geholt? Es waren namhafte Männer dabei, sogar einen Vizeweltmeister hatten wir hier – nur gebracht haben sie alle nicht das, was sich die Verantwortlichen von ihnen erhofft hatten. Und mit ihnen hatten auch die vielen, vielen HSV-Fans gehofft, dass es nun irgendwann einmal wieder kontinuierlich bergauf gehen würde, das Gegenteil war der Fall.

 

Jetzt hat der HSV einen relativ unbekannten Mann geholt, und bewegt sich damit auf den Spuren des SC Freiburg, des FC Augsburg, der TSG Hoffenheim und Hannover 96, denn die Herren Tuchel, Weinzierl, Gisdol oder auch Torkut kamen damals, als sie Cheftrainer ihrer Clubs wurden, für die meisten Experten und Fans überraschend zu ihren Jobs. Diese Trainer aber hatten im jeweiligen Nachwuchsbereich schon aufhorchen lassen, indem sie gute Leistungen und Erfolge vorzuweisen hatten. Auf dieser Linie liegt nun auch der 44-jährige Josef „Joe“ Zinnbauer, der die U23 des HSV zu neuem Leben erweckt hat. Acht Spiele in der Regionalliga, acht Siege – das ist sensationell. Und alle Welt schwärmt von Joe Zinnbauer.

 

Sicherlich ist es ein wenig kurios, dass dieser Zinnbauer noch vom ehemaligen Sportchef Oliver Kreuzer aus Karlsruhe geholt worden ist, aber solche Geschichten schreibt eben der Fußball, und ganz besonders der Hamburger Fußball, der des HSV. Für mich ist das aber kein Grund, an Zinnbauer zu zweifeln oder zu mäkeln – der Mann kann es in meinen Augen, und er wird es hier beweisen. Egal, ob nun das erste Spiel, am Sonnabend gegen den FC Bayern, in die Hose gehen sollte. Der HSV geht einen Weg, der so noch nur vor einigen Jahren mal beschritten worden ist (Gerd-Volker Schock, Benno Möhlmann, Felix Magath), der aber absolut vernünftig ist. Zumal der Club kaum über die Finanzen verfügt, Mirko Slomka und einen anderen Chef-Coach über Jahre zu bezahlen. Slomkas Vertrag läuft noch bis Sommer 2016, muss also noch irgendwie weiter bezahlt werden, und diese Summe wird sicher in den siebenstelligen Bereich steigen. Der Vertrag von Zinnbauer läuft erst einmal unbefristet weiter, er wird sicherlich finanziell etwas angehoben – und bei Erfolg sicherlich auch dann befristet werden. Aber alles zu seiner Zeit.

 

Kurios ist an diesem Neuaufbau des HSV, dass mit Patrick Rahmen ein Mann an Zinnbauers Seite (als Co-Trainer) kommen wird, der seinerzeit noch von Thorasten Fink an die Elbe geholt worden war. Rahmen war erst kürzlich als Chef-Trainer des Nachwuchsbereiches des HSV eingestellt worden – und dieses Amt behält er – quasi nebenbei – auch weiterhin inne. Neuer Fitness-Coach wird Carsten Schünemann, neuer Torwarttrainer wird der frühere HSV-Keeper Stefan Wächter. Neuer Chef-Trainer der U23 wird der bisherige Coach der U16, Daniel Petrowsky, an seiner Seite bleibt Soner Uysal der Co-Trainer.

 

Was aus Thomas Westphal wird, den Mirko Slomka in diesem Sommer aus Hannover zum HSV (als Mannschafts-Betreuer) geholt hat, ist noch unklar. Wie schön, dass Joe Zinnbauer nicht auch noch zehn Mann oder mehr im Schlepptau hat – es würde wieder kosten und kosten und kosten. So gesehen ist Zinnbauer wirklich eine Billig-Lösung, aber das ist wahrlich nicht böse gemeint – der Mann könnte (und wird in meinen Augen) ein Glückgriff für den HSV werden. Auch wenn er am Sonnabend natürlich gleich vor einer ganz schwierigen Aufgabe stehen wird. Und dann am Mittwoch später noch einmal, mit der Auswärtspartie in Mönchengladbach.

 

Für Abendblatt-Blogs


 

Wer sich von Euch noch kein Bild von Joe Zinnbauer machen kann, aber gerne etwas mehr von ihm erfahren oder sehen möchte, der kann das bei „Matz ab live“ – wir hatten ihn am 18. August in der Sendung – nach dem Pokalspiel in Cottbus. Es ist sehenswert, ganz sicher, das haben mir damals gleich mehrere Matz-abber bestätigt. Morgen, am Mittwoch, wird Zinnbauer sein erstes Training bei den HSV-Profis leiten. Ganz sicher unter großer Beobachter der HSV-Fans.

 

Und wer ganz genau informiert sein will, was sich heute im Volkspark getan hat, wie sich das alles entwickelt hat – der sollte sich hier und jetzt auch die Pressekonferenz mit Club-Chef Dietmar Beiersdorfer ansehen. Es lohnt sich. Viel Spaß damit – und einen schönen Feierabend.
Und: Nur der HSV!

 

18.25 Uhr

 
Spät in der Nacht, von den Moderatoren geschickt, möchte ich einmal einen Beitrag von “Sfegthzt” veröffentlichen, heute geschrieben. Und dickes Kompliment von mir – selten mal etwas Besseres gelesen. Treffer! Das hier trifft den Nagel genau auf die Birne. Vielen Dank dafür:

Also manchmal ist es echt zum Kotzen hier.
Ist mir vollkommen egal ob ich jetzt gesperrt werde, aber was hier für Dummpfeifen ihren Blödsinn absondern ist Wahnsinn.
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Warum muss jeder neue Spieler, jeder Neue Trainer absolut jeder der irgendwas beim HSV macht immer gleich kaputtgeschrieben werden?
.
Alle wollten Slomka raus haben. Jetzt ist er weg. Alle wollten Tuchel. Tuchel aber nicht.
Jetzt bringt der HSV einen jungen Konzepttrainer mit sehr großem Potenzial zur 1. Mannschaft und plötzlich ist er der größte Stümper aller Zeiten,
kann nicht, wird von Spielern ausgelacht etc. Sag mal tickt ihr noch richtig?
.
Hannover, Freiburg, Mainz (2mal), Hoffenheim und was weiß ich noch wer haben doch vorgemacht wie Klasse so etwas funktionieren kann.
Aber nein die HSV Fans sind zu gut und kompetent für einen Regionalligatrainer oder was?
Die dümmsten Fans der Liga sind wir. Ohne Spass.
.
Was spricht dagegen Zinnbauer die faire Chance zu geben, die er verdient?
.
Notfalls kann man später nochmal reagieren wenn es überhaupt nicht funktioniert (was sicher nicht passiert) und dann vielleicht einen Kandidaten holen
der den hochwohlgeborenen HSV Fans besser gefällt. Vielleicht eine Mutation aus Tuchel, Klopp, Heynckes, Happel und Jesus persönlich. Aber der würde
sicherlich auch gleich wieder ans Kreuz genagelt.
.
Und falls die Spieler den Trainer nicht ernst nehmen sollten, dann gehören die Spieler fristlos entlassen und auf Schadensersatz wegen
Arbeitsverweigerung verklagt. Nichts anderes. Das sollen Profis sein und keine Kindergartentruppe aus Hollywood

Gute Nacht. Oder für den Mittwoch: Guten Morgen!

Beiersdorfer forciert Druck auf Mirko Slomka – Tah nach Düsseldorf ***Aktualisiert: Badelj nach Florenz, Holtby zum HSV****

31. August 2014

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HSV bestätigt: HSV-Mittelfeldspieler Milan Badelj befindet sich auf dem Weg nach Florenz zum Medizincheck. Geht alles glatt, dann wechselt der Kroate für vier Millionen Euro nach Italien.
Dietmar Beiersdorfer im NDR-Sportclub: „Lewis Holtby kommt Montag zum Medizincheck nach Hamburg!”
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Alles zurück auf Start. Nichts scheint besser zu sein als in der Vorsaison. Zumindest was DIESE HSV-Mannschaft angeht. Das ist die Erkenntnis, die sicher viele Fans und auch die Verantwortlichen des HSV aus der desolaten 0:3-Pleite gegen den SC Paderborn gezogen haben. Genau ein Spiel lang hielt die Illusion, dass die erfolglose Mannschaft von 2013/2014 nun 2014/2015 vielleicht doch, ausgestattet mit besserer Physis und mit Rückhalt aus dem Verein, zu besseren Leistungen imstande ist. Die Partie gegen einen natürlich auch unbeschwerten Aufsteiger aus Paderborn zeigte das Gegenteil.

Dietmar Beiersdorfer, der Vereins-Vorsitzende, hat heute in – für seine Verhältnisse – deutlichen Worten gesagt, was aus seiner Sicht Sache ist: „Wir haben ja schon analysiert vor der Saison. Es war und ist klar, dass wir Akzente und Inputs setzen müssen. Wir hatten natürlich wenige neue Spieler auf dem Rasen. Aber man hat gesehen, dass die Konstellation der Mannschaft in Teilen verändert werden muss. Das wird unsere Aufgabe sein.“ Unsere Aufgabe, sagt Beiersdorfer, und meint vor allem die Aufgabe von Trainer Mirko Slomka.

Wie schon in Köln, als es funktioniert hat, baute der Coach auch gegen Paderborn – bis auf Valon Behrami – auf Spieler, die den Absturz der vergangenen Spielzeit mitgestaltet haben. Gestern klappte das Kartenhaus zusammen. „Natürlich sind wir überaus unerfolgreich“, so Dietmar Beiersdorfer. „Wir haben lange Zeit kein Spiel gewonnen. Wir haben uns gut vorbereitet und sind fit und körperlich deutlich besser in Form als vergangene Saison. Trotzdem müssen wir die Überlegungen der Sommerpause umsetzen -da ist auch der Trainer gefordert. Aber dennoch werden wir in Ruhe und mit dem richtigen Fokus versuchen, den Finger in die Wunde zu legen. Weil es einfach sein muss. So wie gestern dürfen wir uns nicht präsentieren.“

Klarer Auftrag also an Mirko Slomka: Neue Spieler in die Mannschaft.

Dass es ansonsten, und sowieso bei weiter fehlendem Erfolg, auch an den Stuhl des Trainers geht, liegt auf der Hand. Saison übergreifend saß Mirko Slomka 15 Spiele auf dem HSV-Trainerstuhl. Seine Bilanz: drei Siege, drei Unentschieden, neun Niederlagen. Beiersdorfer: „Wir sind gestern durch den Boden gegangen. Das haben wir uns so nicht vorgestellt. Als Verantwortlicher ist man da geschockt. Aber den Schwung, den ich auch gespürt habe, müssen wir trotzdem aufnehmen. Wir haben Akzente gesetzt – das muss einfließen in den Club. Man braucht aber auch Zeit, um einen Output zu sehen.“ Was lange schlecht war, ist nach Beiersdorfers Überzeugung nicht von einen Tag auf den anderen Tag ins Lot zu bringen: „Wir stecken nicht den Kopf in den Sand und auch nicht den Sand in den Kopf. Wir waren nicht davon ausgegangen, Paderborn aus dem Stadion zu fegen. Aber dennoch darf man nie und nimmer hier 0:3 gegen Paderborn verlieren. Das, was ich gesagt habe, dass wir wieder Stolz erarbeiten wollen und aufrecht gehen, ist somit unterminiert. Wir müssen Reaktionen zeigen, das weiß der Trainer, und er wird Reaktionen folgen lassen.“

Für Abendblatt-Blogs



 

Was den Zeitfaktor angeht, glaubt Beiersdorfer, dass der lange Weg des HSV nach unten auch einen langen Weg zurück nach oben nach sich zieht. Die Frage ist bei diesen Worten natürlich, ob dieser lange Weg nach oben dauerhaft mit oder ohne Mirko Slomka gegangen wird. Slomka hatte gestern nach dem Abpfiff eingeräumt, zu „Null komma null“ mit einer solch schwachen Leistung gerechnet zu haben. „Wir wollten uns gut präsentieren und haben die Fans brutal enttäuscht.“

Was nun die angesprochenen Veränderungen in der Startelf schon beim nächsten Spiel in Hannover am 14. September angeht, darüber kann ab jetzt kräftig spekuliert werden. Ostrzolek auf links, Müller im Mittelfeld, Cleber in der Deckung – diese drei Alternativen bieten sich heute schon an. Weiteres hängt davon ab, ob bis Montagmittag die gewünschten Verpflichtungen unter Dach und Fach sind. Während der Vater von Julian Green auf ESPN bereits das Leihgeschäft zwischen Bayern München und dem HSV bestätigte (ohne Kaufoption), gibt es in Sachen Lewis Holtby aktuell noch keinen Vollzug zu melden.

Gestern hatte ich zwischenzeitlich die Information erhalten, die Sache sei fix, der HSV könnte Holtby sogar kaufen. Das wird sich allerdings nicht realisieren lassen. Es geht weiter um ein Leihgeschäft. Aus HSV-Sicht am liebsten mit einer Kaufoption. Heute saß Lewis Holtby jedenfalls noch beim Heimspiel von Tottenham Hotspur gegen den FC Liverpool auf der Bank der Londoner und sah von dort aus eine 0:3-Heimniederlage.

Neue rein, „alte“ raus. Im Mittelfeld müssen sich wohl Milan Badelj und Tolgay Arslan Sorgen um ihre Position in der Startelf machen. Das war gestern gar nichts und ist für mich nahezu unverständlich, weil beide in Köln noch gut drauf waren. Wo ist innerhalb einer Woche die Spritzigkeit geblieben? Ist sie in den Treppenläufen am Mittwoch hängen geblieben? Schwer vorstellbar. Auch Marcell Jansen kam nicht richtig ins Tempo. Und was Rafael van der Vaart angeht: Bei seiner Verletzung handelt es sich um eine Waden-Zerrung, die sicher eine mehrwöchige Pause nach sich ziehen wird. Und Pierre Michel Lasogga ist immer noch nicht in Wettkampfverfassung. Kurzum: Zu viele Baustellen, um sich gegen Paderborn besser aus der Affäre zu ziehen.

Dietmar Beiersdorfer sieht in der Leistung gestern immer wieder eine Parallele zur Vorsaison. „Man hat den Eindruck, dass die Mannschaft bei Misserfolgserlebnissen zu alten Verhaltensmustern zurückkehrt. Das war schon im Test gegen Lazio Rom erkennbar. Und auch gestern wieder.“ Auch diese Beobachtung rechtfertigt den Wunsch nach „neuen Akzenten“ – auch um die Spieler der Vorsaison zu entlasten und ihnen den Druck zu nehmen. „Vielleicht war es ja dieser Druck, den das Team auch gestern gespürt hat“, mutmaßt Beiersdorfer.

Mehr, vielleicht schon neue Transfer-Entwicklungen, gibt es von Dietmar Beiersdorfer heute Abend ab 22.45 Uhr als Studiogast im NDR-Sportclub.

Zurück zu Holtby: Seine Verpflichtung, wenn sie denn über die Bühne geht, würde genau in die Transfer-Strategie passen, die Dietmar Beiersdorfer seit Anfang Juli in Hamburg verfolgt. Im „Bild“-Interview gestern hat er noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, wie ungewöhnlich die Situation im Sommer 2015 sein wird, wenn insgesamt elf Spielerverträge auslaufen. Zu diesem Zeitpunkt ist es vielleicht möglich, aber keineswegs sinnvoll, alle elf Positionen auf einmal auszutauschen. Also baut Beiersdorfer vor.

Cleber wurde schon jetzt verpflichtet, um ihm ein Jahr Eingewöhnungszeit zu bieten, damit der HSV auf der Innenverteidiger-Position nicht unter Druck gerät, wenn die Verträge von Heiko Westermann und Slobodan Rajkovic auslaufen. Zu derart fürstlichen Beträgen wie aktuell (jeweils über zwei Millionen Euro Jahresgehalt) werden diese Verträge ganz sicher nicht verlängert. Ebenso ist die Verpflichtung von Matthias Ostrzolek zu betrachten. Vielleicht spielt er im Moment noch nicht so viel (hat auch im Training nicht immer den besten Eindruck hinterlassen, dafür ist er nach seiner Einwechslung gestern ordentlich marschiert), aber der Kauf vom FC Augsburg ist jetzt schon ein Signal an Marcell Jansen, dass mit dessen Vertragsende 2015 ein Nachfolger parat steht.

Nun also Holtby, der in ähnlicher Weise auf Rafael van der Vaart wirken soll. Ob alle neuen Leute die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen werden, ist natürlich noch nicht abzusehen. Aber zumindest baut der HSV vor. Freilich ändert das nichts daran, dass die wirtschaftliche Situation des Vereins – bzw. der AG – als höchst problematisch beschrieben werden muss. Der Gehaltsetat liegt schlappe zehn Millionen Euro über den Ursprungsplanungen. Im Grunde ist der Weg Beiersdorfers bislang nur durch Klaus-Michael Kühne möglich.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf einen häufig geäußerten Vorwurf gegen Kühne eingehen. Oft wird behauptet, Kühne habe eben nicht nur das Wohl des HSV, sondern vornehmlich sein eigenes im Auge. Vermeintlicher Beleg: Der hohe Zinssatz von vier Prozent, mit dem er sich sein jüngstes 17-Millionen-Euro-Darlehen absichern ließ. Die Zinsen, das lesen wir jeden Tag überall, seien schließlich günstiger im Moment.

Das gilt allerdings vielleicht für einen kleinen Privat-Kredit, der durch einen solventen Kunden gut abgesichert ist. Ein marodes Unternehmen, dass jahrelang in den Roten Zahlen gelandet ist, und dass zum Überleben auf eine Finanzspritze von außen angewiesen ist, das erhält eben nicht mal so eben 17 Millionen Euro mit 1,5 Prozent verzinst. Im Gegenteil: Der Zinssatz, dem Kühne dem HSV abnimmt, ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen in Ordnung.

Und er gibt dem HSV Handlungsspielraum, den er ansonsten kurzfristig nicht gehabt hätte. Mit dem Darlehen von Kühne hat der HSV die Chance, sich kurzfristig sportlich zu konsolidieren und damit langfristig auch die wirtschaftliche Seite in den Griff zu bekommen. Wie dringend nötig das ist, zeigt auch der Sechs-Millionen-Vorschuss von adidas zur Lizenz-Sicherung. Neben der inhaltlichen Notwendigkeit, die die HSV-Verantwortlichen veranlasst haben, das Konzept des „Campus“ zu überdenken, kommt als Mitnahmeeffekt der verzögerte Baubeginn samt hinausgezögerter Investition hinzu. Auch hier werden Kosten aufs kommende Geschäftsjahr verschoben. Auch dann wird nicht alles Gold sein beim HSV, aber doch wird die Zeit bis zum Ende der hohen Ratenzahlungen für den Stadionkredit geringer. Ab 2017 kann der Club hier mit deutlich weniger Ausgaben planen. Bis dahin könnten sich dann auch die ersten Maßnahmen im Nachwuchsbereich rechnen, die nun formuliert wurden.

Bei allen Prognosen gibt es viele Unbekannte, aber nach allem, was wir von anderen Vereinen in Deutschland oder im europäischen Ausland wissen, ist der HSV tatsächlich auf dem richtigen Weg. Der HSV hat den Vorteil eines wirtschaftlich potenten Umfelds, extrem treuer Anhängerschaft und großer Bedeutung in der Stadt. Hin und wieder wird ja darauf hingewiesen, dass der Zug nach oben abgefahren sei. Bayern, Dortmund, Leverkusen, Wolfsburg, evtl. Leipzig – da ginge von Haus aus mehr. Das ist aktuell ganz sicher so, aber die Pfunde, mit denen der HSV wuchern kann, sind auch nicht schlecht. Es braucht einiger richtiger strategischer Entscheidungen und ein wenig Glück.

Diese Eigenschaften sind der alten Führung abzusprechen. Zwar liegen noch keine Zahlen für das Geschäftsjahr 2013/14 vor. Und, wie ich höre, wird es auch keine abschließenden Zahlen geben, die einen einfachen Vergleich mit den Geschäftsergebnissen der Vorjahre zulassen. Der Grund ist ganz einfach der, dass die Ausgliederung des Fußball-Profi-Bereichs in eine AG rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres gelten wird. Insofern fließen in den Abrechnungen von e.V. und AG Zahlen zusammen, die andere Berechnungsgrundlagen haben werden als in der Vergangenheit. Klar ist allerdings, dass es nach alter Rechnung ein erneutes erhebliches Minus-Budget gegeben hätte. Interne HSV-Berechnungen sprechen von Zahlen um fünf Millionen Euro – Verlust, versteht sich.

Kurz vor dem Ende der Transferfrist hat sich Jonthan Tah übrigens noch auf die Socken nach Düsseldorf gemacht. Dort hat er am Sonntag allerdings noch keinen Medizin-Check absolviert. Dennoch: Verlaufen die Gespräche erfolgreich, so wird Tah für ein Jahr an die Fortuna verliehen.

Nach dem 0:3 gegen den SC Paderborn hat ein Besuch der HSV-U-23-Mannschaft heute jedem Fan gutgetan. Die Mannschaft von Trainer Joe Zinnbauer gewann gleich mit 3:1 gegen den Lüneburger SK. Trainer bei den Lüneburgern übrigens der ehemalige HSV-Profi Elard Ostermann, der auch in der Hamburger Amateur-Szene wohlbekannt ist. Der HSV schaffte jedenfalls den sechsten Sieg im sechsten Spiel – eine unfassliche Geschichte nach der zittrigen Vorsaison. Das Resultat täuschte ein wenig über das Chancen-Verhältnis hinweg, denn die Gäste hatten gute Möglichkeiten, scheiterten aber immer wieder am starken HSV-Keeper Alexander Brunst. Auffälligster Feldspieler war Tolcay Cigerci, der sich mit einem Tor und vielen guten Offensiv-Aktionen empfahl. Das wird auch dem neuen Sportdirektor Bernhard Peters nicht verborgen geblieben sein. Der neue sportliche Leiter des Nachwuchszentrums, Patrick Rahmen, war heute übrigens beim Spiel der HSV-B-Jugend in Cottbus.

So spielte der HSV II: Brunst – Götz, Jung, Kim, Marcos – Arslan (90. Derflinger), Masek, Mende (68. Jordan), Gouaida – Cigerci (86. Adomah), Brüning
Tore: 1:0 Cigerci (27.), 2:0 Arslan (40.), 3:0 Brüning (45.), 3:1 Alawie (72.)

Die Profis haben morgen trainingsfrei. Einige sind zu Länderspielen unterwegs – der Rest der Truppe bestreitet in dieser Woche Freundschaftsspiele in Neumünster (Donnerstag) und Danzig (Freitag).

Und dann, nach dem länderspielfreien Wochenende, geht’s in die Hannover-Woche. Allein schon deshalb wird Fußball-Deutschland auf Mirko Slomka blicken. Gelinde gesagt, wird es ein ganz wichtiges Spiel dort für den Trainer des HSV.

Lars
18.41 Uhr

Van Marwijk: “Die Situation ist schlecht”

25. September 2013

Die gute Phase begann für Oliver Kreuzer schon früher. Seit seinem ersten Treffen mit Bert van Marwijk am vergangenen Mittwoch war er sich sicher, dass er den neuen Trainer gefunden hatte. Ebenso van Marwijk, der sich von einer SMS seines Beraters am vergangenen Sonnabend sogar so in die Irre hatte führen lassen, dass er frühzeitig seinen Wechsel nach Hamburg bekanntgab. „Ich habe um 20 Uhr eine SMS bekommen. Er hat mir geschrieben, dass sich der Aufsichtsrat am Mittag vor dem Spiel gegen Werder Bremen getroffen hatte und alles klar ist. Und wenn alles klar ist, ist alles klar – dachte ich“, so der sichtbar gut aufgelegte Bert van Marwijk heute bei seiner Präsentation. Und während der neue HSV-Cheftrainer die Lacher der gefühlt 1000 Journalisten im seit ewiger Zeit mal wieder prall gefüllten HSV-PK-Raum auf seiner Seite hatte, runzelte Kreuzer die Stirn. Mit einem Lächeln im Gesicht sagte er: „Als ich am Sonntag davon gehört habe, habe ich mir schon Gedanken gemacht. Es war ja noch nichts fix. Irgendwie passte das ja rein“, so der Sportchef anschließend.

Rein in die bisherigen Chaos-Tage beim HSV, meinte Kreuzer. Dabei sollen genau die mit der Verpflichtung des knorrigen, erfahrenen, deutsch sprechenden und Bundesliga kennenden Holländers ad acta gelegt werden. „Er wird hier keine Wunder vollbringen“, warnt Kreuzer vor zu hohen Erwartungen. Der Niederländer selbst jedoch freut sich fast darüber, gleich von Beginn an in Hamburg unter Druck zu stehen. „Ich freue mich über Druck. Druck ist gut für die Motivation.“ Allerdings habe er bei diesem HSV zunächst andere Prioritäten. Sein Assistent Roel Coumans (BvM: „Er ist vielseitig, war ein guter Profi, ein Physio, ein Cotrainer und Videoanalyst“) soll in den nächsten Tagen Psychotests mit den Spielern machen, van Marwijk selbst wolle zunächst alles etwas beobachten, ehe es am Donnerstag in einem Geheimtraining um taktische Finessen geht. Welches System er bevorzugt? „Ich spiele das System, das die Qualität der Mannschaft hervorgibt. Ich präferiere das 4-3-3-System, aber ich fand die Aufstellung gegen Fürth gestern schon sehr gut. Kompliment an den Trainer.“

An Cardoso und Otto Addo, die heute schon wieder die U23 trainieren. „Er hat seine Sache richtig gut gemacht“, lobte auch Kreuzer Cardosos zweite Interimsphase in der der einstige Mittelfeldregisseur endlich seinen ersten Heimsieg einfahren konnte. Gegen Fürth habe Kreuzer vor allem die Aufstellung gefallen. Insbesondere, weil Hakan Calhanoglu dabei war. „Ich habe immer gesagt, dass Hakan den Unterschied machen kann.“ Ob er das zuletzt auch gegenüber Fink gesagt hatte? Kreuzer überlegt kurz, zuckt mit den Achseln und legt lieber in Sachen Komplimente nach: „Hakan hat gezeigt, was er kann – und zugleich, was er nicht ist. Er ist kein klassischer Zehner, eher einer, der über die außen kommt, der mit seinen Szenen Spiele verändert. Wie gegen Fürth. Vor dem Tor, das durch seinen Freistoß fiel, hätte er uns fast schon in Führung gebracht mit einem Freistoß an den Pfosten. Hakan kann extrem wichtig für uns werden. Wenn wir ihn richtig einsetzen.“

Zumal ein Rafael van der Vaart nicht jünger wird. Und nicht lauter. Denn einmal dabei, fuhr Kreuzer direkt Wort, Aufklärung zu betreiben: „Rafael ist ein Spieler, der positiv auffällt, wenn eine Mannschaft gut spielt.“ Worte, die van Marwijk eins zu eins bestätigte. Der Niederländer hatte zuletzt 2010 als damaliger Bondscoach van der Vaart in seiner Mannschaft. Einen Disput von damals haben beide inzwischen beigelegt und van Marwijk und van der Vaart freuen sich aufeinander. „Rafael ist ein Liebhaber“, sagt van Marwijk – und wieder hatte der neue HSV-Trainer die Lacher auf seiner Seite – „des Fußballs“, legte der Coach später nach. „Ich mag solche Spieler. Aber wenn es nicht gut läuft in einer Mannschaft ist es schwer für solche Spieler“ Kreuzer ergänzte: „Er ist eben nicht der, der den Hebel umlegt und vorwegmarschert, wenn es nicht läuft. Bei ihm kommt es darauf an, seine Qualitäten herauszukitzeln. Und dafür ist ein Bert van Marwijk sicher nicht falsch bei uns.“

Hoffentlich.

Wobei van Marwijk bei seinem ersten Auftritt einen wirklich guten Eindruck machte. Er wirkte gefasst, nicht zu euphorisch und dabei immer so, als hätte er sich schon etwas länger mit dem HSV beschäftigt. Und er analysierte die Situation deutlich: „Die Situation ist nicht gut. Sie ist sogar schlecht. Wir sind 16. und haben die meisten Gegentore. Das erste Spiel am Sonnabend wird für uns und für mich ganz wichtig sein. Da gewinnen, nur das ist mein kurzfristiges Ziel. Jetzt von Platz eins bis sechs zu reden geht eh nicht.“ Obgleich auch er den HSV mittelfristig dort oben ansiedelt sieht van Marwijk andere Dinge im Vordergrund: „Es kann nur darum gehen: wir müssen da unten weg. Schnell.“

Weg ist per sofort auch Patrick Rahmen. Der Cotrainer von Thorsten Fink wird nicht übernommen von van Marwijk. Dafür aber der Rest des Trainer- und Betreuerteams, zu dem van Marwijk dem Vernehmen nach auch Andy Möller holen wollte. Ob das stimmt? „Ja, ich kenne Andy“, so van Marwijk, „und ich hätte ihn gern dabei gehabt. Aber der Verein hat mir gesagt, dass das im Moment nicht geht.“ Aus finanziellen Gründen, so eine Erklärung, die van Marwijk wenigstens für die fernere Zukunft noch hoffen lassen. Ebenso wie auf seinen Schwiegersohn Mark van Bommel. Warum er den Ex-Bayern-Profi nicht im Schlepptau hat? „Er will noch ein Jahr nichts machen, dann seinen Trainerschein machen. Vielleicht kommt er ja in ein paar Jahren. Dann ja vielleicht schon mit Andy zusammen…“ Wobei die Wahrscheinlichkeit gen null tendiert, dass es so kommt.

Kommen wird der nächste Gegner. Und das etwas schneller als es van Marwijk recht ist. Der Niederländer hätte gern ein paar mehr Tage Zeit gehabt, um sich an die Mannschaft zu gewöhnen, in sie reinzuhören. Auch in die vier Aussortierten. Gut möglich, dass der eine oder andere Verbannte wieder zur Mannschaft stößt. „Es war Berts ausdrücklicher Wunsch, den wir ihm zugestanden haben“, so Kreuzer, der ein Comeback der Geächteten zuvor kategorisch abgelehnt hatte, sogar gegen den Wunsch von Fink. „Es heißt nicht, dass sie wieder dabei sind“, so Kreuzer, „aber es kann passieren.“

Und so sehr ich mich für die Spieler freue, so sehr wundert mich diese Entscheidung. Immerhin war es auch vorher nicht der Trainer, der die Spieler aussortiert hatte sondern Kreuzer, der aus Prinzip auf die Einhaltung seiner Ansage bestanden hatte. „Ein neuer Trainer hat neue Vorstellungen“, so Kreuzers Erklärung, weshalb er von seinem Prinzip abrückt, „und auf die werden wir eingehen.“ Aha.

Nun denn, gut für Rajkovic, Mancienne, Kacar und Tesche. Wobei ich hier eine Wette halten würde, dass van Marwijk lediglich Rajkovic (sobald er fit ist), den er schon aus dessen Zeit in Holland kennt, begnadigen wird. Auch ein Mancienne ist noch im Bereich des Vorstellbaren – die zwei anderen eher nicht.

Interessant auch, weil entscheidend für dessen Verbleib in Hamburg wird sein, wie van Marwijk mit Artjoms Rudnevs umgeht. Der Lette, letzte Serie immerhin mit zwölf Treffern der beste HSV-Schütze neben dem Neu-Leverkusener Heung Min Son, spielte zuletzt weder bei Fink noch bei Cardoso eine große Rolle. Und es steht für ihn fast zu befürchten, dass das zunächst einmal so weitergeht. Immerhin lobte van Marwijk die Startelf-Auswahl Cardosos.

Zurecht, wie ich finde. Denn neben der Hereinnahme Calhanoglus war auch die Kombination des Deutsch-Türken links mit Beister über rechts, Lasogga im Sturm-Zentrum und van der Vaart dahinter belebend, wie ich fand. „Wir haben offensiv schon eine Schritt nach vorn gesehen“, lobte Kreuzer, den das nicht verwundert hatte. Und auch van Marwijk scheint an der Formation nicht viel verändern zu wollen. „Eigentlich spiele ich am liebsten ein 4-3-3-System“, so der Trainer, „ich mag offensiven Fußball, aber ich will eine Ordnung erkennen können.“ Das umzusetzen sei eine besonders große Herausforderung für den Trainer, der unter dem zaghaften Applaus der rund 400 Trainingskiebitze heute um 15.04 Uhr das erste Mal den HSV-Trainingsplatz an der Imtech-Arena betrat. „Gut. Es ist ein gutes Gefühl“, so die Antwort van Marwijks auf die Frage eines Fans, wie er sich gerade fühle.

Ich persönlich fühle mich ganz gut. Endlich mal wieder. Weil van Marwijk einen stabilen Eindruck macht und damit der fragilen HSV-Mannschaft vielleicht genau die Sicherheit verleihen kann, die fehlte. Den gut und verdient herausgespielten Sieg gegen Fürth im Rücken könnte das funktionieren. Besser, als ich es noch in der vergangenen Woche befürchtet hatte…

Nachdem heute 72 Minuten locker mit den Ersatzleuten trainiert wurde, ist morgen Geheimtraining. So geheim, dass auch wir nicht rein dürfen. Das ist ärgerlich für uns – aber ganz ehrlich: Ich find es gut, weil es gut ist für die Mannschaft.

Mehr als Okay ist für mich die Besetzung der „Matz-ab-live-Couch“ im Champs am Sonnabend. Dort treffe ich (leider noch ohne Dieter) auf die beiden Profis Sven Neuhaus und Dennis Diekmeier. Sendebeginn ist um 20.30 Uhr, also 15 Minuten nach dem ersten Auswärtssieg der Saison…

In diesem Sinne, hoffen wir, dass der übliche Effekt bei Trainerwechseln in Hamburg greift, van der Vaart zumindest sportlich wieder Verantwortung übernimmt, Calhanoglu weiter in der Startelf steht und der HSV samt van Marwijk diesen Enthusiasmus in Frankfurt und danach konservieren kann.

Bis morgen!
Scholle

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