Archiv für das Tag 'Podolski'

Beister kämpft für sein Comeback: “Ich bin voll im Plan!”

28. Dezember 2014

Nun ja, jeden Tag neue Namen. So hatten wir es erwartet, so ist es in fast jeder Transferphase. Ich weiß nicht, wie es Euch dieses Jahr geht, aber gibt es in dieser Winterwechselperiode nicht tatsächlich mehr heiße Gerüchte als normalerweise? Xherdan Shaqiri zu Juventus Turin? Poldi zu Inter? Paulinho zur Hertha? Und zuletzt Hatem Ben Arfa zum HSV – obwohl, Pustekuchen. Da war der Spielerberater schneller als die Vereine. Zumindest hat der HSV den Transfer abgelehnt, noch bevor es zum ersten Treffen kam. Angeblich, weil der exzentrische, eigenwillige französische Nationalspieler schon charakterlich nicht ins HSV-Konstrukt passe. Stattdessen taucht heute der Name Paul-José M’Poku Ebunge auf. Der in Kinshasa geborene Linksaußen steht bei Standard Lüttich noch bis Saisonende unter Vertrag. Allein, dass der HSV tatsächlich – wie in Belgien berichtet – Interesse hat, ist bislang nicht bestätigt.

Zudem ist Marcell Jansen (noch) nicht einmal weg. Der Linksfuß will sich erst kurz nach Jahreswechsel mit seinem Berater Gerd vom Bruch beraten und dabei über das Interesse aus Portugal sprechen. Klar scheint, dass Benfica Lissabon den deutschen Nationalspieler per sofort verpflichten will und der HSV bereits wäre, Jansen für eine geringe Ablösesumme ziehen zu lassen. Auch, um Platz im Kader zu schaffen – quantitativ, aber vor allem etattechnisch. Einzig Jansen selbst scheint noch nicht hundertprozentig überzeigt von seinem Wechsel zum Champions-League-Teilnehmer.

Als Einsparung herhalten könnte auch Slobodan Rajkovic, sagt man. Ebenso wie Ivo Ilicevic, an dem sein Exklub Kaiserslautern Interesse signalisiert haben soll. Beim HSV besteht weiterhin der Wunsch, den im Gehalt mit knapp zwei Millionen Euro per annum teuren und dagegen selten auf dem Platz zu findenden Kroaten abzugeben. Zumindest hat Zinnbauer intern klargemacht, den verletzungsanfälligen Rechtsfuß nicht weiter einzuplanen, weil ihm bei dem 28-Jährigen die Zuverlässigkeit fehlen würde. „Wenn es immer wieder mal beim Spieler zwickt, dann überlegt man natürlich als Trainer“, hatte Zinnbauer unlängst gesagt. Dennoch, Ilicevic selbst scheint nicht wechseln zu wollen. Es sei denn, der HSV gleicht das Minus an Gehaltszahlung beim FCK aus…

M’Poku wäre vielleicht diesbezüglich vielleicht ein guter und gehaltstechnisch günstigerer Ersatz. Allerdings sehe ich den Ersatz eher in den eigenen Reihen: Maximilian Beister. Der Offensivmann ist nach seinem Kreuzbandriss vor einem Jahr und der Meniskus-Operation im September auf bestem Wege zurück in den Kader. Vor der Winterpause konnte er bereits voll mittrainieren. „Da waren auch ordentliche Zweikämpfe dabei“, freut sich der Jung-Unternehmer („Snax-Cup“) über die voranschreitende Genesung.

Nutzt die Winterpause, um nach knapp einem Jahr Pause in der Vorbereitung   wieder voll durchzustarten: Maximilian Beister

Nutzt die Winterpause, um nach knapp einem Jahr Pause in der Vorbereitung wieder voll durchzustarten: Maximilian Beister

Allein sein Kopf macht noch nicht so mit, wie er sollte. „Der Respekt vor einer erneuten Verletzung ist noch nicht ganz gewichen, was die Sache am schwierigsten macht, ehrlich gesagt. Denn es gibt tatsächlich nichts schwierigeres, als den eigenen Instinkt zu überlisten.“ Umso trauriger ist Beister über die Winterpause. Er hätte gern mit der Mannschaft durchtrainiert, um seinem Comeback auf dem Spielfeld näherzukommen.

Bis zum 5. Januar, zum offiziellen Trainingsauftakt an der Imtech-Arena, muss sich Beister nun noch gedulden, was ihm hör- und sichtbar schwerfällt. „Für mich kam die Pause denkbar ungelegen“, so Beister, der seine Ungeduld mit täglichem Aufbautraining im Athleticum des UKE zu, wo er Tag für Tag hart mit den HSV-Physios für seine Rückkehr schuftet, zu kompensieren versucht. „Ich bin laut medizinischer Abteilung voll im Plan und muss irgendwie versuchen, die Pause gut rumzukriegen, um am 5. Januar voll fit einzusteigen.“ Was er für den Kopf macht? „Nichts. Ich glaube, da gibt es auch nichts, was man sich antrainieren kann. Ich muss einfach wieder auf den Platz in die Zweikämpfe kommen und dabei spüren, dass alles hält. Ich muss meinem Körper wieder vertrauen können, dann kommt der Rest von allein.“ Klingt logisch.

Bis dahin wird es beim HSV, davon bin ich fest überzeugt, noch etliche potenzielle Zu- und Abgänge geben, die diskutiert werden. Grundsätzlich könnte man wahrscheinlich fast alle Spieler des HSV nennen. Denn der neue Direktor Sport, Peter Knäbel, steht vor der gleichen schwierigen Aufgabe wie seine Vorgänger im vergangenen Winter und den Wintern davor: Der HSV MUSS verkaufen, um an anderer Stelle nachbessern zu können. „Wir wären auch ohne Verkäufe in der Lage, uns zu verstärken“, sagte Knäbel unmittelbar vor der Winterpause, ergänzte aber sofort: „Allerdings ist das nicht unser Ziel. Wir wollen unseren Kader sukzessive optimieren. Auch dann, wenn wir dafür kleine Schritte nach und nach gehen müssen.“

Und das müssen sie. Sie machen es dem Vernehmen nach auch. Zunächst werden die Verträge der Youngster (A. Arslan und Marcos sind bereits verlängert, Götz und Gouaida sollen in Kürze folgen) über das Saisonende hinaus verlängert werden. Zudem werden talentierte Profis beobachtet und angesprochen. Ganz sicher noch deutlich mehr als bisher genannt wurden. Aber der HSV muss seine Netze auch sehr weit auswerfen, um am Ende mit seinen bescheidenen finanziellen Möglichkeiten überhaupt Ertrag zu haben. Womit auch schnell erklärt ist, weshalb der HSV trotz seines aktuellen Überangebotes in der Verteidigung sowie der bevorstehenden Rückkehr von Jonathan Tah Innenverteidiger Kevin Akpoguma auf dem Zettel haben soll. Der 19-Jährige steht noch bis 2017 bei der TSG Hoffenheim unter Vertrag, woher ihn Bernhard Peters kennt – und offenbar empfehlen kann.

Ok, normalerweise sollte die Verpflichtung eines Innenverteidigers in meinen Augen auch keine Priorität haben, wenn man sich die Liste der Baustellen im HSV-Kader von oben nach unten durchsieht. Aber durch das Interesse des HSV ist zumindest deutlich, dass die Verantwortlichen auch die Defensive für die neue Saison umplanen wollen. Obwohl momentan einzig die Abwehr zufriedenstellend agiert. Bedenkt man aber, dass alle Beteiligten die Rückkehr von Tah als festen Bestandteil der Kaderplanung für die kommende Saison sehen, Johan Djourou gerade erst fest verpflichtet wurde, zudem Cléber Reis frisch eingekauft wurde und der Vertrag mit Heiko Westermann in den nächsten Wochen verlängert werden soll, scheint die Zeit von Gojko Kacar als auch Slobodan Rajkovic im HSV-Dress über den Sommer hinaus immer unwahrscheinlicher – wenn nicht gar ausgeschlossen. Und das ist einerseits logisch, andererseits auch sehr schade, da beide als Prototypen in Sachen gute Einstellung gelten.

In diesem Sinne, heute gab und gibt es definitiv keine Transfers mehr zu vermelden. Ich werde demnach heute auch nicht noch mal den Blog „updaten“ müssen. Hoffe ich…

Bis morgen!

Scholle

EM: Tops und Flops und flotte Sprüche ***Aktualisiert***

1. Juli 2012

****ACHTUNG: Wenn Ihr heute Abend während der Live-Übertragung Fragen stellen wollt, dann macht das bitte in dem Blog, der auch das Video beinhaltet. Dort werden Scholle und ich während der Sendung reinschauen und versuchen, die eine oder andere Frage von Euch an Maxi Beister oder auch Heiko Westermann weiterzuleiten****

Nur der HSV! Noch nicht so ganz, denn es ist ja auch noch ein „bisschen“ EM, vor allen Dingen ist ja auch noch die „Abrechnung“ mit dem Bundestrainer ein Thema – aber mit dem heutigen Beitrag noch einmal EM, und dann ist Schluss. Weil am Montag ja bekanntlich wieder der Ball durch den Volkspark rollt, und das ist dann Thema Nummer eins. Beginn des Auftakt-Trainings ist um 15 Uhr.

Beginnen möchte ich trotz allem mit dem HSV. Noch nicht mit einem neuen Spieler, denn der Sportchef weilt ja nicht in Hamburg, sondern sieht in Kiew das EM-Finale, aber es dreht sich immerhin umeinen einstmals neuen HSV-Spieler. Der User „Jan B.“ hatte gefragt:

„Hab mir gerade die Mopo Liste mal angesehen und unter Macauley Christantus das Statement ‚keine Verwendung’ gefunden. Ich hab mal eine Frage an alle Fußballtrainer hier im Blog: Wie kann es sein das ein U17-Nationalspieler, hinter dem alle namhaften Clubs Europas hinterher waren, plötzlich das Fußball spielen verlernt und als nicht verwendbar abgestempelt wird? Das will einfach nicht in meinen Kopf. Der Junge war höchst veranlagt und hat geknipst zur U17 WM. Die Wahl war damals ziemlich eng zwischen Ihm und Toni Kroos zum Spieler des Turniers (Kroos gewann den Titel). Warum ist der eine einer der besten Fußballspieler Deutschlands und der andere nicht mal ein guter 2.Liga Spieler? Was machen wir falsch?“

Dazu platzierte der „Kieler HSV-Fan“ wohl eine Pressemeldung aus der damaligen Zeit:

„Der Hamburger SV hat sich die Dienste von Macauley Chrisantus gesichert. Der 17-Jährige Nigerianer, der mit sieben Treffern bei der diesjährigen U17-Weltmeisterschaft in Korea Torschützenkönig wurde und maßgeblichen Anteil am Titelgewinn seines Landes hatte, erhält zunächst einen Vertrag als Amateurspieler. Im nächsten Sommer soll der Angreifer einen langfristigen Profivertrag unterschreiben. Christantus spielte bislang beim nigerianischen Verein Abuja FC und wurde bei der U17-WM hinter Toni Kroos zum zweitbesten Spieler des Turniers ausgezeichnet. Im Anschluss lagen dem 1,83 Meter großen Stürmer zahlreiche Angebote von europäischen Topklubs vor.

‚Wir sind froh, ihn von unserem Konzept überzeugt zu haben’, sagte Dietmar Beiersdorfer. Dieses sieht vor, ihn langsam an die Profimannschaft heranzuführen. Am Dienstagvormittag trainierte Chrisantus bereits mit den Profis an der HSH Nordbank Arena.“

Ja, warum setzte sich Chrisantus nicht durch? Eine gute Frage. Ich weiß es noch, als wäre es heute geschehen. Chrisantus kam, und der HSV, speziell Dietmar Beiersdorfer, wurde gefeiert. So, als hätte der HSV eben einen neuen Pele unter Vertrag genommen. Hinter dem jungen Stürmer waren viele Klubs her, auch englische – sogar der FC Chelsea. Und der HSV machte das Rennen. Und dann kam da so gar nichts. Null. Chrisantus zeigte im Training nichts, und er zeigte in der zweiten Mannschaft nichts. Er wirkte im Training mit den Profis wie ein Fremdkörper. Wenn Manfred Kaltz der „Schweiger“ genannt wurde, dann müsste Christantus eigentlich der „Schweiger hoch vier“ genannt werden. Ich weiß bis heute nicht, ob er reden konnte. Und auch nicht, ob er das Lachens fähig war. Deutsch konnte er auch nicht, und er lernte es auch nicht – der vielleicht größte Fehler, sein größtes Handicap. Und wenn du keinen Kontakt zu deinen Kollegen hältst, ihn auch nie willst, dann hast du im Sport, vornehmlich im Mannschafts-Sport, keine Chance, groß heraus zu kommen.

Chrisantus konnte in der Jugend bestimmt sehr gut Fußball spielen, aber man hatte ihm nicht beigebracht, wie es im Profi-Sport zugeht. Und, das muss ich auch dem Verein ankreiden: Immer wieder wurde, nicht nur bei ihm, gesagt: „Wir drängen ihn zum Deutsch-Unterricht.“ Wenn das tatsächlich geschah, dann war das aber auch schon alles. Kontrolliert wurde nämlich so gut wie nie, ob die Spieler denn auch tatsächlich ihre Deutsch-Stunden absolviert haben. Das wurde uns von etlichen Spielern im Laufe der Jahre immer wieder bestätigt. Ein schweres Versäumnis und ein total unprofessionelles Verhalten eines Profi-Sport-Vereins. Da wird viel Geld investiert, um den Spieler zu verpflichten, aber es wird nicht bis zur letzten Konsequenz kontrolliert, ob der Spieler dann auch alle Vereinbarungen einhält. Und die Sprache des Gastgeber-Landes zu lernen, das ist ja wohl mal möglich – man wird ja auch nicht dümmer dadurch. Mein Vorbild ist in diesem Punkt Tomas Rincon, der schon nach kurzer Zeit prächtig Deutsch sprechen konnte.

Dann gab es noch eine Mail zum Thema 1970, Italien gegen Deutschland 4:3.

„Danke Dieter,

endlich können auch mal die Jüngeren nachlesen, dass wir 1970, drei Monate vor meiner Geburt, total verpfiffen worden sind. Wenn über das Spiel geredet oder geschrieben wird, dann wird das immer total verschwiegen. Ich habe mir die Partie zweimal irgendwann zwischen 1990 und 2010 über die volle Spielzeit angesehen und muss sagen, dass ich wirklich selten einen schlechteren Schiedsrichter gesehen habe.

Um auch mal abschweifen zu dürfen: Zum Halbfinal-Rückspiel HSV-Werder (2-3) reden alle Leute immer nur über die Papierkugel. Ich sage dann immer, dass dies nichts (oder fast gar nichts) damit zutun hatte, weil zweitens eine Ecke nicht immer zu einem Tor führen muss und vor allem weil erstens der Spieler Michael Gravgaard beim Stande von 1-2 ein blitzsauberes Kopfballtor erzielt hatte, welches nicht gegeben wurde. Das Spiel wäre dann anders ausgegangen…

Zurück zu 1970: Im Wikipedia-Eintrag ist nichts von diesem unterirdischen Schiedsrichter zu lesen. Ich würde das am liebsten ändern. Aber ich glaube, ich benötige dazu eine Quellenangabe…
BWSG, Henning

So, und dann war der heutige „Doppelpass” auf „Sport 1” ja mit Hamburger „durchsetzt“. Thomas Helmer wohnt hier, Thomas Doll ist immer noch einer von Hamburgs Fußball-Lieblingen, und Marcell Jansen spielt hier, obwohl der neue Vertrag immer noch nicht unterschrieben worden ist.

Wer es nicht mitbekommen hat, hier die wichtigsten Aussagen von Marcell Jansen. Er sagt . . .

…über die Zukunft von Joachim Löw:
„Ich glaube, dass er sich stellt, weil er etwas vorzuweisen hat. Und er war auch für mich einer meiner wichtigsten Trainer in meiner Laufbahn – eine taktische und fußballerische Ausbildung auf einem sehr hohen Niveau. Natürlich verstehe ich die Emotionalität nach dem Spiel, aber Jogi Löw hatte auch bereits als Co-Trainer 2006 eine ganz immens wichtige Position innerhalb der Mannschaft und hat mich persönlich sehr weit gebracht. Natürlich führt jeder Rückschlag dennoch zu Debatten und dazu, noch einen Schritt draufzusetzen. Das muss jetzt das Ziel sein. Jogi Löw ist da auch so ehrgeizig, das anzunehmen. Es ist doch schön, wenn wir jetzt wieder neue Ziele haben.“

…über fehlende Führungsspieler in der deutschen Mannschaft:
„Was fehlt ist die Frage, ist ein Spieler marketingtechnisch so aufgebaut oder ist er von Natur aus so? […] Und das ist der große Unterschied: Ob man sich in der Öffentlichkeit hinstellt und irgendetwas versucht, damit es sich hinterher gut anhört, oder ist man einfach so wie man ist? […] In der eigenen Darstellung muss jeder selbst Verantwortung für sich übernehmen und sich fragen, wie bin ich als Typ und wie möchte ich rüber kommen. Jeder muss da seinen Weg finden und das ist heutzutage allgemein schwierig, weil alles irgendwie vermarktet ist. […] Das ist eine sehr schwierige Diskussion, weil alles seit Jahren als gut und richtig anerkannt wurde. Jetzt sitzen wir heute hier, weil wir einmal nicht gut gespielt haben und verdient ausgeschieden sind. Wo war die Kritik als es noch lief?“

…über deutsche Spieler, die die Nationalhymne nicht mitgesungen haben:
„Wir haben ab 2006 wieder angefangen, eine Euphorie zu entfachen. Das hat gut getan und da ist auch das jetzige Trainerteam dafür verantwortlich, dass das so Schwung aufgenommen hat. […] Klar sind die Spieler dafür verantwortlich, auf dem Platz zu verkörpern, dass sie für unser Land auflaufen. […] Man muss aber aufpassen, dass man da nicht zu viel rein interpretiert. Dennoch muss man versuchen, sich über die Nationalhymne kurz vor dem Spiel noch eine Extra-Motivation zu holen. Ich denke, dass das bei den Jungs aber auch der Fall war.“

…über die Italiener und das heutige EM-Finale:
„Es ist beeindruckend, wie sie mit der Situation umgegangen sind, weil das ja auch ein Riesen-Druck war – gerade ein Buffon, der ja sehr hart kritisiert wurde. […] Wenn Italien in der Lage ist, in Führung zu gehen, können sie es auch schaffen. Wenn nicht, wird es sehr eng. […] Ich bin der Überzeugung, dass es Spanien macht, aber emotional wäre es auch Italien zu gönnen.“

Und Thomas Doll sagte auf Sport 1 . . .

…über die Entwicklung der deutschen Mannschaft:
„Wir sehen unsere Nationalmannschaft sehr gerne Fußball spielen. Wir können uns damit identifizieren und haben in den letzten sechs Jahren Riesen-Sprünge nach vorne gemacht. Nationen wie England und Frankreich wären froh, wenn sie da stehen würden, wo wir jetzt stehen. Und man kann nicht von einem einzigen Spiel ausgehen – auch wenn es das Halbfinale ist – ob Jogi Löw jetzt der richtige Trainer ist oder nicht. Jogi macht einen klasse Job und ist genau der richtige Mann – und auch der richtige Mann für 2014.“

Und noch ein ehemaliger HSVer hat ich zum Thema Nationalmannschaft und EM geäußert: Günter Netzer. Der ehemalige Manager äußerte sich in der „Bild am Sonntag“, und Insider wissen es vielleicht, wie ich denke: Wenn Günter Netzer etwas sagt, dann hat das in meinen Augen Gewicht. Er ist meine absolute Nummer eins in Deutschland. Der Mann ist super, der weiß wovon er spricht, der weiß auch genau, was er sagt. Das ist niemals ein Blabla:

Günter Netzer hat deutliche Kritik an den Führungsspielern und an der Rundumversorgung in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft geübt. Der Ex-Nationalspieler kritisierte nach dem EM-Halbfinale gegen Italien (1:2) in einer Kolumne für die Zeitung „Bild am Sonntag“ besonders Kapitän Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski. Lahm trete vor den Fernsehkameras „rhetorisch brillant“ auf. Aber in dieser Saison bei Bayern München und in der Nationalelf bei der EM habe er abgesehen vom Spiel gegen die Niederlande „gravierende Abwehrschwächen“ gezeigt. „Ihm sind der Drang nach vorne und die Effizienz verloren gegangen“, sagte Netzer. Podolski sei nur noch ein „Nationalspieler von Löws Gnaden“, Schweinsteiger „einfach keine Führungsnatur“.

Netzer hält die von Bundestrainer Joachim Löw gelobte flache Hierarchie für falsch. „Jede Mannschaft braucht eine Hierarchie. Das haben wir gegen Italien nicht gehabt. Dort waren wir nicht in der Lage, diese Aufgaben zu erfüllen“, schrieb Netzer. Die „paradiesischen Zustände“, wie sie dem Team im EM-Quartier Dwor Oliwski geboten wurden, betrachtete Netzer als „ein wenig zu viel des Guten“. Dass Löw von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach das Vertrauen ausgesprochen wurde, begrüßte Netzer aber. „Löw ist unbestritten einer der besten Trainer der Welt“, sagte er (aufgezeichnet von dapd).

Dann gibt es da noch die Tops und Flops der EM

TOPS

Gastfreundschaft: Die Geschichte der Deutschen in Danzig, Warschau, Lwiw oder auch Charkiw ist eine ganz spezielle – aber in der Gegenwart war es beeindruckend, wie freundlich und herzlich die Menschen in Polen und der Ukraine auch ihre deutschen Gäste bei sich willkommen hießen. Doch trug dazu sicherlich auch bei, dass diese Gäste sich bei ihrem Besuch zu benehmen wussten.

Fratelli d’Italia: Gianluigi Buffon singt sie im Gedenken an seine Großeltern, andere hatten andere Motive – aber alle gemeinsam intonierten Italiens Nationalspieler vor jedem Spiel die Hymne ihres Heimatlandes mit solcher Inbrunst, dass ihnen alleine dafür der Titel gebührte.

Die Königlichen: Fast in Mannschaftsstärke war Spaniens Meister Real Madrid im Halbfinale der EM vertreten, angeführt vom endlich einmal auch in Portugals Nationaltrikot überzeugenden Cristiano Ronaldo. Das Team der Vorrunde war hingegen der VfL Wolfsburg mit dem prompt teuer an Bayern München verkauften Dreifachtorschützen Mario Mandzukic sowie Petr Jiracek, der für Tschechien ebenso zweimal traf wie sein Landsmann und künftiger Teamkollege Vaclav Pilar.

Stratege: Der stets adrette Signore Cesare Prandelli pilgerte nach jedem Sieg von Italiens Nationalteam. Mit innerer Ruhe entwickelte er die perfekte Strategie, wie sich Verletzungssorgen und dem Wettskandal in der Heimat trotzen ließ und darüber hinaus die Exzentriker Mario Balotelli und Antonio Cassano ins Team zu integrieren waren.

Sonderpreis: Mit ihrer Version von „Low lie the fields of Athenry“ sorgten die irischen Fußballfans für den Gänsehautmoment dieser EM. „Wir alle waren beeindruckt von diesen Fans. Sie haben die Ergebnisse ihrer Mannschaft wettgemacht“, sagte Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino über die Anhänger der sieg- und punktlosen Iren. Den Sonderpreis der Uefa, den Präsident Michel Platini ihnen auf Beschluss des Exekutivkomitees überreichen wird, haben sie zweifellos verdient. Fraglich ist nur, ob die Uefa sich nicht besser mit drängenderen Problemen beschäftigen sollte, etwa dem Torklau von Donezk. Und damit zu den…

FLOPS

Schummelei: Löw und der Balljunge und die Tränen von Fan Andrea – in mindestens diesen beiden Fällen schummelte die Uefa gewaltig beim weltweiten TV-Signal. Mindestens deshalb, weil wir nicht wissen, welche Szenen uns womöglich noch in aufgezeichneter Form untergejubelt wurden. Hatte Balotelli womöglich in einem ganz anderen Spiel zwei Tore geschossen? Fakt ist: Manipulation und Zensur empören ARD und ZDF – und nicht nur die.

Gastgeber: Vor vier Jahren waren die Ausrichter Österreich und Schweiz zu schwach für ein Weiterkommen, nun scheiterten auch die dank dieser Rolle ins Feld der EM-Teilnehmer gerutschten Polen und Ukraine schon nach der Vorrunde. Ein Gastgeber mit Erfolgsaussichten wäre also mal wieder schön. Ob aber ausgerechnet Frankreich das 2016 gelingen wird? Vielleicht hilft ihnen ja die Aufstockung auf 24 Teams…

Wertloser Weltrekord: Der EM-Titel war das erklärte Ziel, aber wieder einmal reichte es für Deutschlands beste Fußballer nur zum Halbfinale. Joachim Löw verzockte sich bei der Taktik gegen Italien, Bastian Schweinsteiger war zu keinem Zeitpunkt er selbst, Lukas Podolski spielte erst recht ein schwaches Turnier. Der Weltrekord von 15 Pflichtspielsiegen hintereinander ist wertlos, wenn andere das wahre Ziel erreichen und den Titelgewinn feiern.

Rassismus und Randale: Nationalistische Fahnen und Symbole und menschenverachtende Grunzlaute primitiver Fans waren bestimmende Themen der ersten Turnierwoche. Zum Glück nur der ersten Turnierwoche. Danach waren Russland und Kroatien ausgeschieden – und der friedliche Teil der Fans unter sich.

Störenfriede: Für die letzten Ausraster des Turniers sorgten der Trainer der Ukraine, Oleg Blochin, und Frankreichs Stürmer Sami Nasri. Beide bepöbelten ihnen missliebige Journalisten. Echte Störenfriede waren auch die Egoisten in Hollands Team, Klaas-Jan Huntelaar etwa, der sich selbst wichtiger nahm als den Erfolg seiner „Elftal“.

Und um die EM noch abzurunden, es gibt auch noch die Zitate der Fußball-Europameisterschaft

„Da heißt es, Stahlhelm aufsetzen und groß machen.“ (Deutschlands Assistenztrainer Hansi Flick am Freitag in Danzig auf die Frage, ob es wegen der Schusskünste von Cristiano Ronaldo eine Freistoßwarnung an die deutschen Spieler gegen Portugal geben werde)

„Das ist schließlich nicht Andorra. Obwohl: Gegen Andorra triffst du nicht immer so viel ins Netz.“ (Mittelfeldspieler Roman Schirokow nach dem furiosen 4:1 der Russen gegen Tschechien bei der Fußball-EM)

„Vor dieser Pressekonferenz habe ich noch ein Stündchen geschlafen. Ich bin entspannt wie ein kleines Kind, das seine Hausaufgaben gemacht hat.“ (Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli einen Tag vor dem Gruppenspiel gegen Spanien)

„Egoland – Legoland 0:1.“ (Fans der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter über die Leistung ihres Teams bei der EM-Auftaktniederlage gegen Dänemark)

„Ich werde nur die erste Hälfte der Frage beantworten, weil der Übersetzer weg ist. Ich glaube, er ist auf die Toilette gegangen.“ (Frankreichs Fußball-Nationaltrainer Laurent Blanc bei der Pressekonferenz vor dem EM-Spiel gegen England)

„Darf ich es waschen lassen?“ (Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano zu Nationaltorwart Gianluigi Buffon, der ihm nach dem 1:1 gegen Spanien sein verschwitztes Trikot geschenkt hatte)

„Was hat mal ein ganz großer Kollege von mir gesagt, Giovanni Trapattoni: Ein Trainer ist kein Idiot!“ (Bundestrainer Joachim Löw auf die Frage, wie seine Personalentscheidungen zustande kämen, mehr aus Gefühl oder mehr aus Erkenntnissen)

„Ich habe euch nicht gebeten, zu warten.“ (Torschütze Samir Nasri nach der Dopingprobe beim 1:1 gegen England auf die Anmerkung eines Journalisten, man habe zwei Stunden auf ihn gewartet)

„Ich war schon geschockt über Mario, weil ich noch nie gesehen habe, dass er den Ball so mitgenommen hat. Wenn er solche Aktionen öfter hat, muss man aufpassen, dass er nicht nach Brasilien geht.“ (Bastian Schweinsteiger zum ersten Tor von Gomez beim 2:1 gegen die Niederlande)

„Spanien kann praktisch mit geschlossenen Augen spielen.“ (Irlands Trainer Giovanni Trapattoni nach dem 0:4 gegen Spanien)

„Mir blieb nichts anderes übrig, als den Ball reinzuschießen. Ich hätte 80 Meter wieder zurücklaufen müssen.“ (Lars Bender zu seinem Siegtor gegen Dänemark)

„Beim Spiel der Spanier wird nur der Ball müde.“ (Uefa-Präsident Michel Platini über die körperliche Fitness und das schnelle Kurzpassspiel der Spanier)

„Wenn wir jetzt über einzelne Fälle von Schiedsrichterentscheidungen sprechen würden, säßen wir Weihnachten noch hier.“ (Uefa-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina nach dem Torklau von Donezk)

„Bei so einem Spiel dabei zu sein, hätte ich mir allenfalls an der Playstation vorstellen können.“ (Italiens Stürmer Alessandro Diamanti vor dem Viertelfinale gegen England)

„Es ist wie mit einem Ehepaar – wenn du immer alles unter den Teppich kehrst, fliegt das Ganze irgendwann auseinander.“ (Frankreichs Co-Trainer Alain Boghossian über die Auseinandersetzungen nach der 0:2-Niederlage gegen Schweden)

„Wir wissen alle, dass Mario eine schöne Frisur hat. Aber über meine Frisur geht nichts.“ (Marco Reus auf die Frage einer ausländischen Reporterin, ob er wisse, dass seine Frisur noch schöner sei als die von Teamkollege Mario Gomez)

„Ich habe einen Spaten daheim, den könnte ich Jogi Löw schicken, damit er den Maulwurf erschlägt.“ (Hoffenheims Trainer Markus Babbel zur sogenannten Maulwurf-Affäre bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft)

„Das war der schönste Abend meines Lebens.“ (Italiens Stürmerstar Mario Balotelli nach dem 2:1 im EM-Halbfinale gegen Deutschland)

„Wir haben viermal auf die Fresse gekriegt.“ (Mario Gomez nach dem 1:2 gegen Italien im EM-Halbfinale. Mit dem FC Bayern hatte er in dieser Saison dreimal knapp einen Titel verpasst)

„Es gibt keinen Grund, etwas anzuzweifeln.“ (Fußball-Bundestrainer Joachim Löw nach dem EM-Aus gegen Italien)

„Ich habe viel Wodka getrunken.“ (Uefa-Präsident Michel Platini auf die Frage eines Journalisten, was er in den vergangenen Wochen so getan habe, außer EM-Spiele im Stadion zu schauen)

Und einmal EM habe ich noch – für jene, die am Bundestrainer zweifeln:

Die Positive Löw-Bilanz: Nur sechs Pleiten in 50 Pflichtspielen

Ausgerechnet in seinem 50. Pflichtspiel musste Joachim Löw die vielleicht bitterste Niederlage in seiner Amtszeit als Fußball-Bundestrainer hinnehmen. Es war erst die sechste in einem Wettbewerbsspiel. 39 Siege und fünf Unentschieden stehen für den 52-Jährigen zu Buche. Bei allen drei Turnieren als Bundestrainer konnte Löw den letzten oder vorletzten Schritt mit dem DFB-Team nicht machen, zweimal gegen Spanien und jetzt erstmals gegen Italien. Die sechs Pflichtspiel-Niederlagen unter Bundestrainer Löw:

17.10.2007 Deutschland – Tschechien 0:3 EM-Qualifikation *
12.06.2008 Deutschland – Kroatien 1:2 EM-Vorrunde
29.06.2008 Deutschland – Spanien 0:1 EM-Finale
18.06.2010 Deutschland – Serbien 0:1 WM-Vorrunde
07.07.2010 Deutschland – Spanien 0:1 WM-Halbfinale
28.06.2012 Deutschland – Italien 0:1 EM-Halbfinale * Die deutsche Mannschaft hatte sich wenige Tage zuvor für die EM 2008 qualifiziert (dpa).

Und dann auch noch das ganz kurz zum Thema Frauen-Fußball und Abmeldung der HSV-Bundesliga-Mannschaft:

Der Frauenfußball-Bundesligist FCR Duisburg hat nach eigenen Angaben die Insolvenz-Gefahr gebannt. „Nur mit dem unermüdlichen, monatelangem Einsatz aller Verantwortlichen und der Hilfe der treuen Sponsoren konnte die akut drohende Insolvenz jetzt endgültig abgewendet werden“, hieß es in einer Pressemitteilung des Klubs.
Der FCR musste zuletzt personell einen Aderlass verkraften. Neben Nationalspielerin Annike Krahn, die ihren Abschied am vergangenen Donnerstag verkündet hatte, verlassen unter anderem auch die Nationalspielerinnen Alexandra Popp, Luisa Wensing und Simone Laudehr den Klub. Popp und Wensing schließen sich dem VfL Wolfsburg an, Laudehr wechselt zum siebenmaligen Meister 1. FFC Frankfurt. Krahn will ihren neuen Klub in Kürze bekannt geben.
Der Klub kündigte an, dass es aufgrund der angespannten Finanzlage „auch nach der Rettung nicht möglich sein wird, spektakuläre Neuverpflichtungen zu realisieren“. (SID)

So, nun ist auch Schluss mit lustig. Ich mache mich nun vom Acker (aus der Redaktion), weil es ins „Champs“ nach Schnelsen geht, aus dem am Abend „Matz ab live“ mit unseren Gästen Heiko Westermann und Maximilian Beister (und natürlich mit „uns Scholle“) gesendet wird. Ich werde dort eher in „Schweinsteiger-Verfassung“ auflaufen, also höchstens bei 70 bis 80 Prozent, weil ich immer noch leicht angeschlagen bin, aber dann wird es eben „Scholle“ richten müssen. Wird schon. Ich hoffe doch, dass ihr wieder mit von der Partie sein werdet.
Einen schönen Abend für euch und eure Lieben.

17.39 Uhr

Vom “Über-Jogi” zum Sündenbock

30. Juni 2012

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Heißt es im Volksmund. Ist wohl auch was dran. Aber ich kann mich erinnern, dass wir im Kollegenkreis so gut wie fassungslos waren, als wir am Donnerstag von der deutschen Aufstellung für das Italien-Länderspiel erfahren hatten. Und ich bin mir sicher, dass wenn der Bundestrainer seine 20 Millionen „Kollegen“ im Lande gefragt hätte, dass er mindestens zehn Millionen Einsprüche gegen diese Elf geerntet hätte. Wenn nicht noch viele, viele mehr. Nun gut, es ist jetzt ohnehin nicht mehr zu ändern, aber was nun im „Nachhinein“ auf „Jogi“ Löw einprasselt, das hätte ich nicht vermutet. Vor dem Halbfinale wurde er in ganz Deutschland als „Über-Jogi“ gefeiert – und nun hat er mit einem Spiel plötzlich soooooo viele Gegner gewonnen. Eine höchst zweifelhafte „Ehre“. Und wer da nicht alles was zu sagen hat. Ballack, Thon, Schumacher und, und, und. Besonders die ehemaligen Nationalspieler äußern sich ja jetzt sehr, sehr kritisch. Bin gespannt, wann in diese „Hetze“ auch noch der eine oder andere Bundesliga-Trainer mit einsteigen wird.

Mein Freund Klaus ist ja einer von den 20 Millionen Bundestrainern hierzulande. Er sagte mir heute am Telefon: „Ich würde jetzt Matthias Sammer als Bundestrainer bringen. Bei dem wären solche Fehler ganz sicher nicht vorgekommen.“
Mag ja sein, aber dafür passieren dem dann eben andere Fehler. Wer ist schon fehlerfrei? Ein Bundestrainer sicher nicht. In Deutschland gab es jedenfalls noch keinen fehlerfreien Bundestrainer. Um noch einmal kurz meine Meinung in Sachen Italien-Aufstellung einfließen zu lassen: Podolski, Gomez und Kroos hätten bei mir nicht gespielt. Und wenn man ganz, ganz ehrlich ist, dann gehörte auch Schweinsteiger nicht mehr in diese Mannschaft, denn der war bei dieser EM nie bei 100 Prozent. Zu keiner Phase.

Irgendein schlauer Mensch hat kürzlich, weit vor dem Italien-Spiel, zu mir gesagt: „Der hat nach seiner langen und schweren Verletzung beim FC Bayern viel zu früh wieder angefangen. Der sollte gegen diese verdammten zweiten Plätze ankämpfen, aber das ist ja bekanntlich gescheitert. Damit jedoch ist er verheizt worden, sodass er bei dieser EM nur mit höchsten 60 Prozent dabei war.“

Kann ja sein. Eventuell waren bei Schweinsteiger aber auch ganz besonders die drei zweiten Plätze des FC Bayern zu spüren, bei ihm haben sie eventuell doch mehr Wirkung gezeigt, als er, als der DFB und als „Jogi“ Löw zugeben wollen. Natürlich gehört Schweinsteiger in die deutsche Nationalmannschaft, natürlich gehört er auch zu den festen Größen des europäischen Fußballs, aber man muss eben auch mal „nein“ sagen können. Schweinsteiger selbst aber sagte vor dem Italien-Spiel: „Ich bin fit.“ Wie bitte? Durch einen Crash-Kurs? Er mag schmerzfrei gewesen sein, aber ganz sicher nicht fit. Und ich bin gespannt, wie lange es in der kommenden Saison dauern wird, bis der „Schweini“ wirklich wieder zu hundert Prozent fit ist. Aber wenn es ein solches Vertrauensverhältnis zwischen Spieler und Bundestrainer gibt, wie es offensichtlich der Fall ist, dann hätte Löw seinem Star vielleicht in einem Vier-Augen-Gespräch klar machen müssen, dass es für die Mannschaft diesmal besser ist, ohne ihn . . .

Aber das ist vielleicht auch ein wenig zu viel verlangt. Und warum bei Schweinsteiger anfangen, wenn schon Podolski und Gomez „mittun“ dürfen? Ich wurde ja bei „Matz ab“ ausgelacht, als ich kürzlich schrieb, dass mir der FC Arsenal Leid täte. Weil die Engländer einen Mann gekauft haben, der seine Zukunft schon hinter sich hat. Da bin ich auch mal gespannt, wie sich das so auf der Insel entwickelt. Sehr, sehr, sehr gespannt sogar. Ich habe das Gefühl, dass Podolski unter die Denker gegangen ist. Er denkt zu viel über sein Spiel nach, statt wie früher unbekümmert den direkten Weg zum Tor zu suchen. Ich jedenfalls war total entsetzt über diese EM-Vorstellung des Kölners, besonders natürlich über diese 45 Minuten gegen Italien. Außer einem Foul von ihm habe ich nichts gesehen.

Nun gut, jetzt bin ich auch noch einmal mittendrin statt nur dabei. Interessant fand ich, was ZDF-Experte Oliver Kahn (43), Vize-Weltmeister von 2002 und dreimaliger „Welttorhüter des Jahres“, im Gespräch mit Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein zum deutschen Scheitern im EM-Halbfinale gesagt hat. Da war nämlich enorm viel Kluges und Wahres dabei:

„Was ich in den letzten Jahren beobachtet habe, ist so ein bisschen das Verleugnen ganz wichtiger, ganz zentraler Tugenden und Werte, die den deutschen Fußball früher ausgemacht haben – Grundeinstellungen wie Zweikampfhärte, Wille, Leidenschaft, Einsatz. All das hat bei der deutschen Mannschaft diesmal gefehlt. Wir tun so seit einer gewissen Zeit, ca. seit 2006, als bräuchten wir all diese Tugenden nicht mehr, als könnten wir alles immer ganz leicht, spielerisch lösen. Man hat gerade in diesem Spiel gesehen, wie wichtig diese Dinge sind. Eine dieser Tugenden heißt: Verantwortung übernehmen. Wenn es 0:1 oder 0:2 steht, wo ist dann der Spieler, der Verantwortung für das Team übernimmt…?“

Oliver Kahn sagte auch:

„Es ist oft von den ‚flachen Hierarchien’ im deutschen Fußball die Rede. Der Nachteil dabei ist, dass die Spieler nicht zur Verantwortung erzogen werden. Und genau das hat in diesem Spiel letztlich gefehlt. Wir sollten uns auf die alten Tugenden besinnen, die den deutschen Fußball groß gemacht haben. Wir sollten uns Gedanken darüber machen, wie wir die modernen Facetten des Fußball, die Spielphilosophie mit den alten deutschen Tugenden verbinden können.“

Und dann gab es noch eine kleine Kritik an Löw:

„Diesmal hat das Konzept, das der Bundestrainer sich ausgedacht hat, alles andere als funktioniert. Man hat gemerkt, dass die Mannschaft in diesem taktischen System noch nie zusammengespielt hat. Kroos hatte die Aufgabe, Pirlo fast schon in Manndeckung auszuschalten. Das hat dazu geführt, dass sich Özil und Kroos fast immer auf den Füßen gestanden haben. Özil hat auch versucht, das Zentrum zu besetzen. Damit waren zwei in der Mitte, und die ganze rechte Seite blieb dann praktisch frei.“

Dabei waren dem früheren Welttorhüter auch folgende Dinge nicht verborgen geblieben:

„Wenn dann noch solche Fehler im Defensivbereich gemacht werden, eigentlich einfache, unverständliche Fehler, Konzentrationsfehler, dann muss man sich nicht wundern, wenn man gegen so eine hoch motivierte Mannschaft wie die Italiener rausfliegt. Fußball ist ja zunächst einmal ein Fehlervermeidungsspiel. Es geht darum – gerade auf diesem Niveau – so wenig Fehler wie möglich zu machen. Wenn Du natürlich solche Klopse machst wie die deutsche Mannschaft im Defensivbereich, die Italiener geradezu dazu einlädst, die Tore zu erzielen, dann wird es natürlich sehr schwierig.“

Alles war recht ist, aber da hat Kahn schon viel Wahres gesagt. Ich habe ja auch bei „Matz ab live“ unseren Gast Lotto King Karl gefragt, ob Deutschland nicht auch der eine oder andere „harte Hund“ (einer wie der Spanier Ramos, wie van Bommel bei den Niederländern) fehlt? Mein Kollegen „Scholle“ hat mich ausgelacht, als ich meine Bedenken über unsere Innenverteidigung äußerte. Badstuber und Hummels wollen Fußball spielen. Deutschland war und ist stolz darauf, nur noch ganz wenige Fouls zu begehen – aber was nützt einem ein Fairness-Preis, wenn man die großen Titel nicht gewinnt? Balotelli ist eine richtige Kante, der zur Not auch durch Betonwände marschiert – mit dem Kopf voran. „Scholle“ aber sagte zu mir: „Ach was, der Balotelli ist doch auch kein Überflieger, der hat doch keine überragende Saison gespielt. Nein, nein, den legen die Deutschen schon an die Kette . . .“

Wie Kahn schon sagte: deutsche Tugenden. Ich weiß, ich weiß, keiner kann das mehr hören. Aber fehlt uns nicht so einer wie der frühere Stuttgarter „Eisenfuß“ Karlheinz Förster? Oder Jürgen Kohler? Oder ein Willi Schulz? Von dem hieß es stets: „Wer an Schulz vorbeikommt, hat selber schuld.“ So richtige „Hacker“ gibt es doch heute gar nicht mehr. Einen „Treter“, der schon beim Auflaufen die Ellenbogen ausfährt. Der einem Angst und Schrecken einjagt, wenn man ihn nur sieht. Die deutschen Abwehrspieler wollen „nur spielen“. Um keine Freistöße in Tornähe zuzulassen. Mag ja sein, dass so etwas auch ganz gut ist, aber einen Balotelli bekommt man nur zufassen, in dem man ihm auch mal die Kante gibt. Ohne unfair zu sein – einfach nur mit gesunder Härte. Spanien hat diesen Ramos, und der wird dem Balotelli schon zeigen, wo Bartel den Most holt.

Und so sehr ich es auch begrüße, dass in Fußball-Deutschland den jungen Leuten, sogar den ganz jungen Leuten das Fußball „spielen“ beigebracht wird – es dürfte auch schon der eine oder andere Hauch von Härte vermittelt werden. Heute sind die jungen Fußballer, die kurz vor den Bundesligen stehen, alle super und großartig mit viel, viel Technik ausgebildet, aber einen Schuss sollte irgendwann doch auch mal wieder ein Thema werden. Die Mischung macht’s.

Um noch einmal kurz auf Oliver Kahn zurückzukommen: Er war trotz allem nur zweiter Sieger bei dieser EM, denn sein frühere Kollege Mehmet Scholl, der war bei der ARD der große Gewinner dieser EM. Trotz des „Wundlegens“ mit Gomez. Was Scholl alles während dieser Meisterschaft an fußballerischen Weisheiten verkündete, wie er fußballerische Feinheiten aufklärte und erklärte, das war erste Sahne. Der Mann hat es drauf, und ich kann dem großen Trapattoni nur beipflichten: „Scholl wird mal ein großer Trainer.“

Und wo ich gerade bei Irland (Trapattoni) bin. Die Uefa wird den „irländischen“ Fans (würde Rudi Völler sagen, ich kann es mir nicht verkneifen!) einen Sonderpreis verleihen – weil diese Anhänger während der EM-Tage so positiv aufgefallen sind. Die haben gesungen, geschunkelt, gefeiert – obwohl die Iren nur verloren haben. Irlands Ikone Roy Keane waren die grünen Partys nach Niederlagen allerdings ein großer Dorn im Auge. Er sagte während der EM: „Ich denke, die Spieler und Fans müssen ihre Mentalität ändern. Lasst uns nicht gegenseitig verarschen, die Anhänger wollen ihr Team gewinnen sehen. Wir sind ein kleines Land, aber lasst uns hin und wieder nicht nur mit dem Rumgesinge zufrieden geben.“ Was der ehemalige Kapitän der irischen Nationalmannschaft jetzt wohl sagt, dass Irland nun noch einen Preis für das Rumgesinge erhält. Wird Keane eventuell am Fußball generell zweifeln? Vielleicht. Ich aber habe mir damals schon gedacht: Jetzt dürfen die Fans schon nicht mal mehr singen, schunkeln und feiern. Sind zuschlagende Krawall-Brüder denn doch erwünschter? Oder wie kann man sich den idealen Zuschauer denn „schnitzen“? Schlagen sollen sie nicht, singen, schunkeln und feiern sollen sie auch nicht – eines Tages, da bin ich mir sicher, werden wir schon noch den „idealen Fan“ haben. Ob ich das allerdings noch erlebe, das bezweifle ich doch stark.

So, ansonsten bin ich froh, dass wir morgen den letzten EM-Tag vor uns haben. Nicht wegen der EM an sich, nein (es hat doch viel Spaß gebracht), sondern deswegen, weil einen Tag später der HSV in die neue Saison starten wird. Herrlich. Wunderschön. Endlich. Die Bundesliga hat uns wieder. Natürlich nicht gleich und sofort, aber den Hauch davon erleben wir auf jeden Fall schon mal. Und wenn dann noch der eine oder andere neue Spieler nach Hamburg kommen wird, dann sieht die ganz Geschichte ja auch schon wieder viel freundlicher (für den HSV und seinen Anhang) aus.

Zur Erinnerung: Morgen, nach dem EM-Finale zwischen Spanien und Italien, ist „Matz ab live“ wieder in Schnelsen und damit im „Champs“ zu Gast, und wir haben zwei besonders tolle Gäste: HSV-Kapitän Heiko Westermann und HSV-Heimkehrer Maximilian Beister. Ich freue mich – auch auf euch, wenn ihr wieder dabei seid. Ansonsten muss ich zugeben, dass ich gesundheitlich ein wenig schwächele – Magen-und-Darm-Grippe, aber volle Delle, den ganzen Tag im Bett. Und wir hatten so viel Sonne heute. Aber das sind wohl Nachwirkungen des deutschen EM-Aus . . .

Ein schönes Wochenende für alle “Matz-abber”

19.05 Uhr

Italien kommt – Elm noch nicht

25. Juni 2012

Über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten. Über Fußball auch. Das ist mal sicher. Und wenn ich hier meine Meinung verbreite, dann weiß ich, dass es viele, viele Fußball-Fans gibt, die das total anders sehen als ich. Ist doch klar. Und dass es dafür dann auch die eine oder andere Kritik gibt, ist ebenso eindeutig – und das ist auch gut so. Solange es alles sachlich bleibt. Und das bleibt es ja auch größtenteils. Aber ich gebe hier nur das zum Besten, was ich über den Fußball weiß, was und wie ich über ein Spiel denke. Und wenn ich in diesen Tagen etwas härter mit Schweinsteiger, Podolski, Klose und Co ins Gericht gehe, dann ist es deshalb, weil ich so denke. Das kann ich nicht ändern. Das ist meine Meinung. Sonst würde ich es ganz sicher anders schreiben. Ich weiß nur, dass ich es ja meistens gleich dann schreibe, wenn ich etwas sehe. Nicht erst lange rückversichern, wie andere (Experten) darüber denken. Das ist auch im Falle der EM so. Ich weiß aber von vielen Freunden und Bekannten, dass sie oft ähnlich denken wie ich. Vor allem die Hamburger Amateurtrainer, mit denen ich Kontakt habe, denken meistens ähnlich. Und glaubt mir, es sind keine Leute dabei, die ahnungslos sind. Die verstehen alle viel vom Fach (Fußball), haben oft nur das Pech, dass sie niemals Profis waren – und deswegen nicht bei einem Profi-Klub landen, somit auch nicht „groß“ herauskommen können. Das soll aber nicht heißen, dass sie nicht auch Fußball-Experten sind. Und für diese Leute ist es, genau das ist der Kernpunkt, ebenfalls unverständlich, wie zum Beispiel ein Weltkasse-Fußballer wie Bastian Schweinsteiger ein solches Spiel wie gegen Griechenland abliefern kann. Und damit Ende (von meiner Seite aus) mit diesem Thema. Nur eines noch: Immerhin hat der „Schweini“ ja selbst eingeräumt, über seine Fehlpässe entsetzt gewesen zu sein.

Wo ich gerade bei „Experten“ war. Die, die ich gemeint habe (aus dem Amateurbereich), die sind ähnlich frustriert über die Spielerei der Spanier wie ich. Ballbesitz. Das ist ja heutzutage (auch im Amateurfußball) das Zauberwort. Motto: „Wenn wir den Ball haben, dann kann der Gegner keine Tore schießen.“ Schön und gut, es langweilt halt nur. Vor, zurück, quer, zurück, quer – Schlafwagen-Fußball. Spanien kann diese Art von Fußball perfekt, aber er ist eben nicht gerade dynamisch – und damit nicht immer schön anzusehen.
Dazu schrieb der Sport-Informations-Dienst (SID) heute einen mir aus der Seele sprechenden Bericht. In dem auch die „wahren“ Experten ihren Unmut über diese Spielerei kundtun.

„Tiki-Taka“ als Valiumtablette: „Die Spanier wollen einschläfern“

Mitte der zweiten Halbzeit hatte das Publikum die Nase gestrichen voll. Mit Pfiffen und Buhrufen machte ein Großteil der Zuschauer in der Donbass-Arena in Donezk seinem Unmut Luft. „Die Spanier wollten mit ihrer Spielweise die Franzosen und die Zuschauer einschläfern, das ist ihnen leider gelungen. Das war ein Unspiel mit viel Ballbesitz“, nörgelte hinterher Arsene Wenger, Teammanager des FC Arsenal, ein Fußball-Ästhet und ein Lehrmeister des „One-Touch-Football“.

Spanien gewann gegen Frankreich (2:0), aber die Zuschauer fühlten sich wie Verlierer. Sie hatten sich auf ein unterhaltsames Duell zweier Weltklasseteams gefreut. Stattdessen erlebten sie ein nahezu leidenschaftsloses und ermüdendes Ballgeschiebe des Titelverteidigers gegen seelenlose Franzosen. Der Erfolg gibt den Spaniern Recht, sie stehen im Halbfinale der EM gegen Portugal (Mittwoch, 20.45 Uhr/ZDF). Der Nächste, der die Schlaftablette „Tiki-Taka“ verabreicht bekommen soll, ist das personifizierte Aufputschmittel Cristiano Ronaldo.

„Tiki-Taka“ ist die spanische Bezeichnung für Klick-Klack-Kugeln. Und der Begriff beschreibt den spanischen Stil, der vor nicht allzu langer Zeit noch als revolutionär und Nonplusultra des modernen Fußballs gefeiert wurde. Bei der EM hat „Tiki-Taka“ eine einschläfernde Wirkung. Ein „Hallo-Wach“ war dagegen der torlose Schlagabtausch im Viertelfinale am Sonntagabend zwischen Italien und England mit einer Verlängerung und einem Elfmeterschießen (4:2) als Zugabe.

Es gibt nach wie vor Menschen, die sind von den Spaniern beeindruckt. „Wenn man die Raumaufteilung sieht, dann ist das beeindruckend. Genauso, wie sie gegen den Ball arbeiten. Frankreich hat so gut wie keine Möglichkeit gehabt“, sagte der deutsche Mannschaftskapitän Philipp Lahm anerkennend. Erfolgreich und effektiv, aber keineswegs attraktiv sind die Auftritte des Welt- und Europameisters aus Spanien, dessen Fußball-Philosophie auf schneller Balleroberung und viel Ballbesitz basiert, die Gegner zur Verzweiflung treibt und die Zuschauer zunehmend nervt.

„Ballbesitz und Spielkontrolle“, betont Spaniens Vicente del Bosque, seien das Wichtigste. Pass nach hinten, Pass nach vorn, danach zweimal seitwärts und wieder nach hinten – aber nur selten steil in die Tiefe. Anders ausgedrückt: zu viele Ballkontakte, zu wenig Risiko, zu wenig Tempo, zu wenig Torszenen. Kurzum: zu wenig Attraktivität, zu wenig Flair und Fußball-Zauber. Lahm: „Also, das ist schon beeindruckend, wie sie arbeiten, gegen den Ball, wie sie den Gegner vom Tor weghalten, vom eigenen.“

Dabei ergötzen sich die Fans am Spiel des FC Barcelona, der diesen Stil zur Perfektion entwickelt hat. Doch im Gegensatz zum Nationalteam dient dort das schnelle Passspiel um den Strafraum des Gegners, das oft an einen Angriff im Handball erinnert, primär dazu, den Offensivkünstlern wie Lionel Messi oder Cesc Fabregas die beste Position zum erfolgreichen Abschluss zu eröffnen. Del Bosque hingegen ließ die Furia Roja gegen Frankreich sogar ohne Stürmer mit sechs Mittelfeldspielern auflaufen. Die „Blauen“ waren völlig überfordert.

„Spanien wird die Rivalen spielerisch ermüden“, kündigte der ehemalige Nationaltrainer Luis Aragones 2008 schon vor dem Finale gegen Deutschland an – und gewann. Ein probates Gegenmittel gegen das spanische Narkotikum scheint noch immer nicht gefunden.

Nun gut, Spanien bekommen wir erst im Finale. Erst einmal ist Italien angesagt. Und das wird schwer genug. Fußball ist ja kein Wunschkonzert, aber ich hätte lieber gegen die schlaffen Engländer gespielt. Mein Gott, wie sind die in der zweiten Halbzeit über ihren Hintern abgebrochen! Da hat sie eigentlich nur der überragende Abräumer John Terry gerettet. Ich bin mal gespannt, wie die Italiener die Verlängerung verkraften, denn sie stellen die älteste Mannschaft des Turniers. Obwohl Mehmet Scholl, der ARD-Experte, ja gesagt hat, dass die Erholungsphase drei Tage dauert, mit Verlängerung vier. Und abends wird dann am vierten Tag gespielt. Sollte also kein Problem sein für diese italienische Mannschaft, die ja schon recht feinen Fußball spielt . . .

Die machen mir aber schon ein wenig Angst. Auch deshalb, weil Deutschland in einem Turnier-Spiel noch nie gegen Italien gewonnen hat. Obwohl: Am 23. März 1994 hat die deutsche Mannschaft bei einem Dreiländerturnier in der Schweiz mit 2:0 gegen Italien gewonnen. In Zürich. Aber das zählt wohl nicht so ganz . . .

Hier sind mal alle Länderspiele zwischen diesen beiden Nationen aufgeführt. Wobei ich sagen muss, dass ich zwei frühe Begegnungen live miterlebt habe. Das erste Spiel fand am 13. März 1965 im Volksparkstadion statt, als Deutschland ohne einen Hamburger 1:1 spielte. Ich war damals 16 Jahre alt und ich weiß noch genau: Mein Platz war in der Westkurve, und ich entdeckte in diesem Spiel den Außenristpass. Der Italiener Rivera, damals eine große Nummer im europäischen Fußball, schlug auf der halblinken Position (genau auf meiner Höhe) einen Ball über 30, 40 Meter genau in den Lauf eines italienischen Stürmers. Der Ball hatte so viel Effet, dass ich dachte, er würde ins Seitenaus segeln, aber er drehte dann doch genau in den Lauf des Mitspielers, so wie dieser Pass auch angedacht war. Herrlich. Ich staunte minutenlang. Und noch tagelang. Und habe danach immer und immer wieder versucht, auch solche „langen Dinger“ zu schlagen – mit dem Außenrist.
Für alle Experten, die noch mehr über dieses damalige Spiel wissen möchten: Mönchengladbachs Abwehrmann Klaus-Dieter Sieloff erzielte in der 39. Minute das deutsche 1:0 per Elfmeter, der große Sandro Mazzola glich in der 76. Minute aus, als Italien in Unterzahl spielte (Platzverweis für Burgnich). Bei Deutschland spielten neben anderen Tilkowski, Piontek, Höttges, Weber, Küppers, Brunnenmeier, Konietzka und Hornig.

Mein zweites Italien-Länderspiel war dann ein ganz besonderes, denn es war mein erstes als Reporter für das Hamburger Abendblatt. 18. April 1987, ein 0:0 in Köln. Hinter mir saß Harald „Toni“ Schumacher, es war das erste Länderspiel ohne ihn – weil er damals sein Enthüllungsbuch „Anpfiff“ über den deutschen Fußball und über die Nationalmannschaft auf den Markt „geschmissen“ hatte. Das war für den Kölner Keeper der „Abpfiff“ – Rot!

Hier nun die Länderspiele zwischen Deutschland und Italien:

26.11.1939 Berlin Deutschland – Italien 5:2
05.05.1940 Mailand Italien – Deutschland 3:2
30.03.1955 Stuttgart Deutschland – Italien 1:2
18.12.1955 Rom Italien – Deutschland 2:1
31.05.1962 Santiago Deutschland – Italien 0:0 WM-Gruppenspiel
13.03.1965 Hamburg Deutschland – Italien 1:1
17.06.1970 Mexiko-Stadt Italien – Deutschland 4:3 n. V. WM-Halbfinale
26.02.1974 Rom Italien – Deutschland 0:0
08.10.1977 Berlin Deutschland – Italien 2:1
14.06.1978 Buenos Aires Deutschland – Italien 0:0 WM-2. Finalrunde
11.07.1982 Madrid Italien – Deutschland 3:1 WM-Endspiel
22.05.1984 Zürich Deutschland – Italien 1:0
05.02.1986 Avellino Italien – Deutschland 1:2
18.04.1987 Köln Deutschland – Italien 0:0
10.06.1988 Düsseldorf Deutschland – Italien 1:1 EM-Gruppenspiel
25.03.1992 Turin Italien – Deutschland 1:0
23.03.1994 Stuttgart Deutschland – Italien 2:1
21.06.1995 Zürich Deutschland – Italien 2:0
19.06.1996 Manchester Italien – Deutschland 0:0 EM-Gruppenspiel
20.08.2003 Stuttgart Deutschland – Italien 0:1
01.03.2006 Florenz Italien – Deutschland 4:1
04.07.2006 Dortmund Deutschland – Italien 0:2 WM-Halbfinale
09.02.2011 Dortmund Deutschland – Italien 1:1

Daraus lässt sich wahrscheinlich erahnen, wie schwer dieser Kick am Donnerstag wird. Obwohl der Assistent von „Jogi“ Löw, der Hansi Flick, gestern nicht zu Unrecht bemerkte: „Statistik ist ja schön und gut, diesmal treffen aber zwei Mannschaften aufeinander, die nichts mit dieser Statistik zutun haben.“ Fast nichts, jedenfalls.

Zum HSV. Da hielt sich heute bei „Matz ab“ ja das Gerücht, dass der Schwede Rasmus Elm zum HSV kommen wird, kommen könnte. Der EM-Teilnehmer wäre der Kreativspieler, der ja noch dringend gesucht und benötigt wird. Der Mann spielt in den Niederlanden für AZ Alkmaar, er steht wohl auch auf der Liste des HSV, aber ich glaube, dass er erst dann ein Thema werden wird (werden könnte), wenn sich alle anderen Versuche zerschlagen würden, einen anderen „Klassemann“ zu finden und unter Vertrag zu nehmen.

Dann gab es noch die folgende Zuschrift:

„Moin, Moin,

ich würde gerne mal ein Thema anregen, das in den Blogartikeln leider noch gar keine Erwähnung gefunden hat: das meiner Meinung nach problematische Verhalten einiger deutscher Fans.

Besonders negativ aufgefallen ist es mir zuletzt beim Spiel gegen Griechenland. In der zweiten Halbzeit wurde lauthals “Hurra, Hurra, die Deutschen sind da” gesungen, kurz vor Spielende dann auch noch “Sieg! Sieg!”. Auch wenn das sicherlich Standard-Fußballgesänge sind (beim HSV stört mich das “Sieg! Sieg!” auch), halte ich es schon für ziemlich unangebracht, solche Gesänge in Danzig anzustimmen. Jeder Mensch mit angemessener Bildung und Sensibilität sollte da entsprechende Assoziationen sehen. Umso mehr hat es mich gestört, dass mit keinem Wort in der Berichterstattung, die ich verfolgt habe, darauf eingegangen wurde. Und es scheint ja gerade bei Länderspielen der deutschen Mannschaft im Ausland so zu sein, dass dort “Fans” mit zweifelhaften Ansichten Dinge ausleben können, die in Deutschland verboten bzw. geächtet sind (wie Nazi-Gesänge, Hitlergrüße, eindeutige Kleidung o.ä.) ohne dass etwas unternommen wird.

Ich finde, dass es in der Verantwortung des DFB, des Fanclubs der DFB-Elf und vor allem jedem Einzelnen liegt, hier klare Zeichen zu setzen und zu handeln.

Europa- und Weltmeisterschaften sind tolle Turniere und es macht Spaß, mit den Mannschaften mitzufiebern, aber ich denke, dass man sich auch immer über das bewusst sein sollte, was man so von sich gibt. Ich bin auch gespannt, ob jetzt zum Halbfinale wieder der chronische Italien-Hass von 2006 bei so vielen durchkommt, den ich damals schon sehr bedenklich fand. Wenn ich in der S-Bahn eine Horde aggressiv “Deutschland, Deutschland”-gröhlender, mit zahlreichen Flaggen und schwarz-rot-goldenen Utensilien ausgerüsteten Fans sehe, fühle ich persönlich mich da nicht wirklich zugehörig. Das Gefühl, dass das, was 2006 als etwas fröhliches begann, seitdem immer ernster geworden ist, ist glaube ich nicht ganz unbegründet.

Ich würde es gut finden, wenn ihr das Thema im Blog (oder auch im HA) mal ansprecht!

Viele Grüße.“

Ich gebe zu, dass ich um diese Thema gerne einen ganz, ganz großen Bogen machen würde. Einen riesigen Bogen. Denn man kann (ich kann) nur verlieren dabei. Egal, was man auch immer dazu sagt. Generell möchte ich mal schreiben, wie ich diese EM nun wahrgenommen habe. Vorher war ja viel davon zu hören, zu sehen und zu lesen, dass die Hooligans im Osten Europas viel Angst und Schrecken verbreiten würden. Dass es im Osten noch viel, viel härter zugeht, als bei uns. Davon habe ich nichts mitbekommen. Ich habe es vorher wohl auch befürchtet, weil ich auch einige Mal im Osten unterwegs war (und einiges miterlebt habe), aber erfahren und gelesen habe ich in diesen EM-Tagen nichts. Was aber nichts bedeuten muss, denn ich weiß von diversen Großveranstaltungen, dass da der Ball in Sachen Berichterstattung über Schlägereien und sonstige Auseinandersetzungen total flach gehalten wurde. Einiges davon wurde bewusst verschwiegen, um den Hooligans erstens kein Forum zu bieten, zweitens um den anderen Zuschauern nicht noch zusätzlich Angst zu machen.

Man wird aber, so sehr ich jeden „normalen Fan“ verstehe, niemals eine Atmosphäre schaffen können, in der es zu 100 Prozent friedlich zugeht. Das schafft man nie. Denn sonst hätte man es längst geschafft. Selbst wenn es nur noch Sitzplätze in den Stadien geben würde – das würde nichts ändern. Ich habe nun wirklich viele, viele Länderspiele erleben dürfen, und ich habe dabei unglaublich viele handgreifliche und höchst brutale Auseinandersetzungen erlebt. Immer wieder wurde im Vorfeld versucht, all das zu unterbinden. Mit Einreiseverboten, mit einem riesigen Polizeiaufgebot, mit „Fan“-Betreuern und, und, und. Und was hat es bis heute gebracht? Kaum etwas. Ich will bewusst nicht von „nichts“ schreiben, aber der entscheidende Punkt ist doch, dass sich das niemals hundertprozentig unterbinden lässt.

Leider sind da auch immer viele Trittbrettfahrer mit von der Partie, die oftmals gar nicht wissen, was sie machen, was sie da schreien. Sie machen einfach nur mit, weil es in der Gruppe natürlich viel mehr Spaß macht, zu provozieren. Und was machen denn auch schon die Vereine gegen solche „Randalierer“? Stadionverbote! Lächerlich. Das hat doch kürzlich erst Frankfurts Boss Heribert Bruchhagen im Fernsehen erklärt: „In Frankfurt brüsten sich die jungen Fans damit, erst dann ein richtiger Eintracht-Fan zu sein, wenn man mindestens einmal ein Stadionverbot hatte . . .“

Wobei ich einst anmerken muss: „Deutschland, Deutschland“ zu grölen, das finde ich okay. Das sehe ich so wie „HSV, HSV“. Schlimm wird es erst, wenn da gewisse Lieder gesungen werden – aber die werden auch (fast) bei jedem Bundesliga-Spiel gegrölt. Und wird das unterbunden? Nein. Ich durfte mal in einem Zug (nach einem HSV-Spiel) Richtung Hannover fahren, was da gesungen wurde – unfassbar. Aber niemand schritt dagegen ein. Wer auch? Die Polizei? Die kann nicht überall sein. Und die Bahn-Mitarbeiter werden sich hüten, denn die würden so etwas von auf die Glocke bekommen, wenn sie etwas dagegen machen würden.

Und noch eines: Schwarz-rot-goldene Fahnen, Spiegelschoner, Schals, deutsche Trikots und, und, und – was ist daran schlecht? Das hat doch nichts mit „nationalem Denken“ zutun. Da sind so viele Frauen mit ihren schwarz-rot-goldenen Autos unterwegs – alles national denkende Frauen? Da machen wir uns doch lächerlich. In Berlin sollen ja Spiegel abgetreten worden sein, Fahnen an Autos umgeknickt, weil sie angeblich „nationales Denken“ schüren. Das ist doch nur arm und engstirnig, wer so denkt. Ich habe in Hamburg auch viele ausländische Bürger (mit eventuell einem deutschen Pass) gesehen, die deutsche Flaggen an ihren Autos haben. National Denkende? Bestimmt nicht. Da sollte man die Kirche schon mal im Dorf lassen, das ist die Freude pur über eine erfolgreiche Nationalmannschaft. Mehr nicht.

Aber nun bin ich doch ein wenig abgedriftet – was ich gar nicht wollte. Denn diese Thema ist eigentlich viel zu heiß (und zu schwer), um es hier in einigen Zeilen abzuhandeln.

18.41 Uhr

HSV im DFB-Pokal beim KSC

23. Juni 2012

Nun weiß auch Joachim Löw, wie es beim HSV immer gewesen ist – früher. Der Bundestrainer sucht einen „Verräter“, einen Mann in seinem Kader, der Geheimnisse ausplaudert. Geheimnisse, die eigentlich bis zum Anpfiff des Viertelfinalspiels Deutschland gegen Griechenland auch geheim bleiben sollten. Denkste. Stunden vorher war alles schon publik geworden. Einer plaudert nämlich immer. Obwohl ich in diesem Fall sogar den Verdacht habe, dass es gleich mehrere gewesen sind. Aber es ist tatsächlich wie früher beim HSV im Aufsichtsrat. Das, was hinter verschlossenen Türen gesprochen und beschlossen wurde, sollte geheim bleiben, aber es stand bereits am nächsten Tag – natürlich – in den Zeitungen. Gefunden wurden die Plauderer nie. Der Gipfel war: Als AR-Boss Udo Bandow einst eine Sitzung einberief, um den Dampfplauderer zu entlarven, da ließ er von jedem eine Eidesstattliche Erklärung unterschreiben, dass derjenige NICHTS verrate hatte. Natürlich nicht. Denn alle unterschrieben . . . Und es standen auch danach weiterhin fast alle geheimen Beschlüsse tags darauf in der Zeitung – welche auch immer. Löw wird ebenso rätseln – aber er wird nichts finden. Damit muss auch ein Bundestrainer heutzutage immer rechnen. Bitter genug, denn so schneidet sich der Spieler, die Spieler, die Mannschaft bestimmt auch mal ins eigene Fleisch – gegen diese harmlosen Griechen ist es zum Glück noch einmal gut gegangen.

Die Frage, die meine Freunde mir heute immer wieder stellten war die: „Waren wir nun so gut, oder war Griechenland einfach zu schlecht?“ Letzteres war wohl der Fall. Wenn ein (deutscher) Torwart bereits in Halbzeit eins an der Mittellinie auftaucht, dann spricht das doch für sich. Das war auch eine Art von Anti-Fußball, man muss es so krass und so hart formulieren. Aber nun geht für die deutsche Mannschaft die EM ja auch erst richtig los. England oder Italien, das ist nun die Frage. Es ist ja auch diesmal kein Wunschkonzert, aber selbst wenn es eines wäre, ich wüsste nicht, wen ich mir für die Löw-Auswahl wünschen sollte. Italien kann von Haus aus Defensive, hat aber im ersten Spiel (gegen Spanien!) bewiesen, dass die Mannschaft auch offensiv viel gelernt hat. Das 1:1 damals hat mir imponiert, die Spielweise der Italiener sehr gefallen – ich war überrascht. Und England? Seit sich der FC Chelsea gegen Barcelona und gegen die Bayern den Champions-League-Titel ermauert hat, wissen die Engländer, wie man auch zu einem Titel kommen kann. England spielt defensiv fast schon besser als Italien – und die Italiener haben es einst erfunden (nicht die Schweizer!).

Mal abwarten, was sich „Jogi“ Löw im Hinblick auf Donnerstag einfallen lässt. Und ob das dann, was er für das Halbfinalspiel plant, auch tatsächlich bis zum Anpfiff geheim bleibt. Wäre schon wünschenswert. Und ich denke ja, dass der Bundestrainer wieder auf die Formation der ersten drei Begegnungen zurückgreifen wird. Mir wäre wohler dabei, obwohl ich damit auch die „Kröte“ namens Podolski schlucken müsste. Den Noch-Kölner würde ich schon lieber auf der Bank sitzen sehen, dafür wünschte ich mir Marco Reus auf links. Rechts wieder Thomas Müller, in der Mitte Mario Gomez für Miroslav Klose, der bis auf sein Tor zum 3:1 nicht viel auf die Beine gebracht hat. Und sein Tor wurde ihm ja vom griechischen Keeper total geschenkt. Nur deswegen stieg der Schalker Papadopoulos, der zuvor (bei dieser EM) 95 Prozent seiner Kopfballduelle gewonnen hatte, nicht mit Klose in die Luft. Er hat sich auf den Torwart verlassen – und war damit verlassen genug.

Kurz noch einmal zu „Jogi“ Löw und seine überraschende Aufstellung. Ich bin mir sicher, dass der Bundestrainer dass deswegen gemacht hat, weil er sich das gegen diese sturmschwachen Griechen erlauben konnte, und weil er so einige Ersatzleute bei Laune gehalten hat. Es mehrten sich ja die Stimmen, die davon sprachen, dass es sehr unangenehm und ungewohnt sei, nicht von Beginn an (wie in den Heimatvereinen) zu spielen. Nun haben einige gespielt, sie wissen jetzt auch, wie schwer das sein kann – und wenn Löw nun wieder etwas ändert, dann werden sie, die zuletzt dabei waren, ihren Mund eben nicht mehr so voll nehmen. Glaube ich jedenfalls. So hat Löw auf jeden Fall auch einige schon etwas schmollende Ersatzleute wieder ein wenig mehr auf seine Seite gebracht. Er ist eben nicht nur ein Taktik-Fuchs . . . Denn: Gomez, Müller und Podolski wurde nun vor Augen geführt, dass sie ersetzbar sind – die werden sich nun doppelt und dreifach reinhängen. Alles nur zum Wohle des Teams.

Trotz allem – es gab ja nicht nur Erfreuliches in und um dieses Spiel herum. Bastian Schweinsteiger wird wahrscheinlich nie wieder so viele Fehlpässe spielen, wie in diesen 90 Minuten. Das war fast schon unerträglich, dass ihm selbst die einfachsten Pässe (über sechs, sieben Meter) nicht gelingen wollten. Unfassbar. Ähnlich Holger Badstuber, der in Halbzeit eins einen Ball nach dem anderen zum Gegner oder ins Aus beförderte. Das darf in einem „engen“ Spiel niemals passieren, denn dann ist der Ofen aus. Ganz sicher. Zudem ist es ja schön und gut, wenn Andre Schürrle auf links seinen Gegenspieler umkurvt und dann zur Mitte zieht – aber muss er dann immer gleich losballern? Wenn ja, dann sollte er auch immer versuchen, dass Tor zu treffen. Schürrle hatte schon eine extreme Streuung. Und zum Schluss hätte er einige Male super in die Mitte flanken können, weil er dann doch den Platz dazu hatte – aber entweder zauderte er, oder er brach den Versuch einer Flanke schnell wieder ab und legte den Rückwärtsgang ein. Da hätte ich mir schon einen „echten“ Linksfuß gewünscht, der auch flanken kann – es muss doch nicht gleich Podolski sein . . .

Und hinten? Da gibt es auch bei Jerome Boateng, der einst von Hamburg aus in die große und weite Fußballwelt hineinspazierte, noch viel Luft nach oben. Sehr viel sogar. Er wirkt mir immer noch zu sehr so, wie er einst beim HSV begonnen hat: phlegmatisch. Und er war ja auch bei beiden Gegentreffern der Griechen nicht unbedingt im Bilde. Wobei ich sowohl beim ersten als auch beim zweiten Tor den Schiedsrichter nicht unbedingt auf Ballhöhe sah. Beim 1:1 hätte der Slowene Skomina sonst gesehen, dass Torschütze Samaras vorher Boateng im Laufduell am Trikot festgehalten und zurückgezogen hat. Das sah man im Fernsehen ganz deutlich, dadurch geriet der Wahl-Münchner ein wenig außer Tritt und in Rückstand (gegenüber seinem Kontrahenten). Der Grieche verschaffte sich durch das Zupfen einen entscheidenden Vorteil. Hätte der Schiedsrichter eigentlich sehen müssen.

Und beim 2:4? Das war doch ein lächerlicher Elfmeter. Boateng dreht sich zur Seite, wird aus nächster Nähe angeschossen – und der Mann in Schwarz zeigt auf den Punkt. Unfassbar. Unfassbar dumm auch. Ich will hier keine Verschwörungs-Theorie konstruieren, aber ich habe das stete Gefühl gehabt, dass Skomina lange Zeit auf eine solche Situation gewartet hat. Ich kann dazu nur sagen: Wolfgang Stark durfte nach nur einem Fauxpas gleich seine Koffer packen – und der Ungar Kassai, den ich für den zurzeit weltbesten Unparteiischen halte, ebenfalls. Das empfinde ich als ungerecht. Im höchsten Maße sogar. Wobei ich im Fall von Stark denke, dass er auch deswegen seine Koffer packen musste, weil Deutschland ja noch immer im Turnier vertreten ist – und egal wie er das nächste Spiel auch gepfiffen hätte, zu irgendeiner Seite wäre der eine oder andere Pfiff dann doch ausgelegt worden . . .

Aber, um das abschließend zu sagen (und zu fragen): Elfmeter war das doch nicht, oder?

Auch „uns Scholle“ sprach ja bei „Matz ab live“ von einem „lächerlichen“ Strafstoß – ohne dass wir uns abgesprochen hatten. Womit ich bei der gestrigen Sendung bin. Im „Champs“ herrschte eine wundervolle Atmosphäre, und wir hatten mit Tolgay Arslan, der Stunden zuvor gerade einen neuen Vertrag unterschrieben hatte, einen großartigen Gast. Einen Gast. Sonst hatten wir immer zwei, wollen auch immer zwei haben – aber diesmal sagte uns ein Gast ab, und da alle unsere Versuche, einen „Ersatz“ zu bekommen, scheiterten, blieb Arslan eben allein.

Aber, das möchte ich ausdrücklich sagen, das war kein Nachteil. Weder für ihn, noch für uns. Dafür, dass dieser junge Mann erst 21 Jahre alt ist, hat er sich großartig „verkauft“.

Es hat uns wirklich Spaß gebracht, Tolgay, du hast das wirklich bravourös gemacht. Und nochmals ein herzliches Dankeschön für Dein Kommen.

Das war einfach ein gelungener Auftritt – und er war in allen Lagen souverän. Wenn ich dazu dann nur wenig später Marco Reus in Danzig vor der ZDF-Kamera sah, wie der Noch-Gladbacher da ein wenig verlegen herumstammelte (kein Vorwurf, so etwas muss und will gelernt sein), dann war dieser Arslan-Auftritt wirklich gekonnt. Und auch ein Beispiel für alle anderen jungen HSV-Profis, wie man es machen kann – und vor allen Dingen, dass man es machen kann. Wer bei „Matz ab“ auftritt, der lernt etwas fürs Leben, denn der ist dann, wenn das „richtige“ Fernsehen kommt, schon mal gewappnet, dass die Kamera, die da vor dem eigenen Gesicht auftaucht, gänzlich ungefährlich ist. Aber Arslan hat es, nun ist auch Schluss damit (musste ich aber loswerden), wie ein „Alter“ gemacht.

Apropos: Ein „alter Hase“ hat nun ja auch seinen Vertrag verlängert, und zwar Marcell Jansen. Und zwar bis Sommer 2015. Der frühere Nationalspieler soll ja, so wünschen es sich Trainer und Sportchef, Verantwortung übernehmen und in eine Führungsrolle hineinschlüpfen, ich wünsche ihm (und dem HSV) dabei viel, viel Glück. Und dass sich die Verletzungen in Grenzen halten, aber das war in der angelaufenen Saison ja auch lange nicht mehr so schlimm wie einst.

So, ein Schritt in die neue Saison wurde heute schon gemacht, nämlich die erste Runde im DFB-Pokal wurde ausgelost. Der HSV muss zum Zweitliga-Absteiger Karslruher SC. Kein Freilos. Und unter Frank Pagelsdorf gab es dort einst schon mal ein frühes Pokal-Aus für den HSV . . . Gespielt wird entweder am 17. August, am 18. August, 19. August oder am 20. August.

PS: Am Donnerstag, nach dem Halbfinale, sind wir wieder im „Champs“ zu Gast, werden nach dem Spiel dann erneut mit „Matz ab live“ auf Sendung sein. Diesmal hat die Übertragung ja fehlerfrei geklappt, so soll und wird es bleiben. Sicher. Was uns noch gefehlt hat, das waren eure Fragen. Mehr davon. „Scholle“ beobachtet eure Zuschriften genau, ist immer auf „Ballhöhe“ – ihr müsst euch nur trauen.

18.33 Uhr

Castelen wird in Salzburg getestet

18. Juni 2012

Der von uns angemietete Satellit stand uns kurzfristig doch nicht zur Verfügung. Immer dann, wenn unsere Techniker dachten, sie seinen „drin“ im Internet, schmiss man uns wieder raus. Ein Dilemma. Und wohl auch Sabotage. Entweder hat dann noch ein anderer Bieter mehr Geld auf den Tisch gelegt, sodass wir außen vor bleiben mussten, oder der Satellit war vergiftet worden. Ähnlich wie die Spieler der Ukraine, die kürzlich bei einem Deutschland-Aufenthalt, so ihr Trainer Oleg Blochin, mit Lebensmitteln vergiftet worden sind. Aber wir arbeiten dran, bis zum Viertelfinale am Freitag sollen und sollten alle Schwierigkeiten beseitigt sein. Auf jeden Fall war tatsächlich der Wurm bei uns drin – ich hätte es vorher wohl nicht beschreien dürfen. Wer die Sendung dann zeitverzögert trotz allem sah, der wird sich sein Bild davon gemacht haben. Ich war und bin von unseren Gästen noch immer schwer begeistert, denn wohl Carl-Edgar Jarchow als auch Oliver Wurm waren einfach nur klasse. Danke dafür. Jarchow ist in jeder Lage souverän, ist die Ruhe selbst und eine starke Nummer eins des HSV; Wurm ist ein großartiger, enorm kreativer und überragender Kollege, von dem ich denke, dass er eines Tages zum Beispiel auch Nachfolger von Doppelpass-Boss Jörg Wontorra werden könnte. Mir hat diese Sendung und haben diese Gäste trotz aller technischer Probleme auf alle Fälle viel Spaß gemacht.

Zum HSV. Es gibt sie ja doch noch, die (Agentur-)Meldung vom und über den HSV:

„Österreichs Fußball-Meister RB Salzburg testet den früheren HSV-Profi Romeo Castelen. Zum Ende der abgelaufenen Saison hatte der langzeitverletzte Mittelfeldspieler den HSV nach fünfjähriger Zugehörigkeit verlassen. „Romeo Castelen ist ein schneller, quirliger und sehr spielstarker Außenspieler. Wir werden ihn in den nächsten Tagen genau ansehen“, sagte Salzburgs Sportkoordinator Oliver Glasner.

Castelen musste viermal am Knie operiert werden. Für den HSV bestritt der 29-Jährige seit seiner Verpflichtung im Juli 2007 lediglich 28 Pflichtspiele. Einen weiteren Hamburger haben die Salzburger verloren. Der frühere HSV-Co-Trainer Ricardo Moniz trat vor einer Woche aus ‚professionellen Gründen’, wie er mitteilte, zurück.“

Ich würde es dem liebenswerten Romeo ja gönnen, wenn er es sich und allen anderen noch einmal beweisen könnte. Allein mir fehlt der Glaube.

Dann zur EM – und halb zum HSV:

Kroatiens Fußball-Nationaltrainer Slaven Bilic verfolgt den Hype um Trainer Jürgen Klopp vom deutschen Meister Borussia Dortmund amüsiert und mit Ironie. So hieß es heute in der Agentur. Und, nun der wichtigere Teil: Bilic, der nach der EM zu Lokomotive Moskau gehen wird, bestätigte, dass er sich schon lange mit dem Gedanken trug, den Posten als Nationaltrainer abzugeben. „2008 wäre es leicht für mich gewesen, zu gehen. Ein großer Verein wollte mich (der HSV, d. Red.), aber mein Weg war noch nicht zu Ende“, erklärte der 43-Jährige: „Und 2010, nachdem wir die WM-Qualifikation verpasst hatten, konnte ich einfach nicht gehen. Der Verband ist 2006 ein großes Risiko eingegangen, als er mich zum Nationaltrainer gemacht hat. Das habe ich nie vergessen, da hatte ich etwas zurückzuzahlen.“

Noch heute bekomme ich ja Kritik dafür, dass ich seinerzeit im Sport 1-Doppelpass gesagt habe, dass ich glaube (und sicher sei), dass Bilic der neue HSV-Trainer wird. Weil ich es aus „seiner Ecke“ als ziemlich sicher vernommen hatte. Bilic sah sich damals ja auch ein Heimspiel des HSV an, ich sprach ganz kurz mit ihm – und ich war mir schon sicher, dass er kommen würde. Als er dann doch nicht kam, hörte ich später (auch aus seiner Ecke), dass er sich daran gestört hätte, dass sich der HSV-Aufsichtsrat (einige Herren jedenfalls) daran gestört hätte, dass Bilic einen Brillanten im Ohr trug. Ob das tatsächlich der Grund gewesen ist, vermag ich nicht zu sagen, ich habe es mehrfach und tagelang versucht, mit ihm zu telefonieren, aber er ging nicht mehr an sein Handy – selbst dann nicht, als ihm ein Verwandter meine Bitte ausgerichtet hatte. Schicksal.

Zur Gruppe B dieser EM. Ich gebe zu, ich war vorher der größte EM-Pessimist, „uns Scholle“ hat mich mehrfach „zusammenpfeifen“ und zur Ordnung rufen müssen, denn ich sah Deutschland in dieser „Hammer-Gruppe“ nach der Vorrunde nach Hause fliegen. Weil die Vorbereitung ja nun wirklich nicht darauf schließen ließ, dass alle drei Gruppenspiele mit einem deutschen Sieg enden könnten. Und nun fahren die so hoch eingeschätzten Niederländer mit ihrer super Offensive heim – sieg- und punktlos, nur zwei Tore geschossen. Und das ist irgendwie eine kleine Genugtuung, denn wenn ich so an 2000, die EM in Belgien und in Holland, denke, wie früh ich damals meine Koffer packen musste . . . Das war schon deprimierend. Erst sah ich den großen Horst Hrubesch nach der 0:3-Klatsche in Rotterdam gegen Portugal weinen wie einen Schlosshund, dann kam ich hier mit hängenden Ohren in Hamburg an. So, als hätte ich selbst mitgespielt und versagt wie Matthäus, Kahn und Co . . . Zum Glück hat Fußball-Deutschland ja solche Szenarien nicht zu oft erlebt. Und auch jetzt, mit dem Erreichen des Viertelfinals, ist ja wieder ein guter Schritt gemacht worden, ist die Position in der Weltspitze doch schon wieder ein wenig untermauert worden. Gratulation.

Und es geht ja noch weiter. Gegen die Griechen. Ein „Freilos“? Otto Rehhagel warnt ja, und auch wenn ich es nicht glauben will – als Griechenland 2004 Europameister geworden ist, müssen wohl alle Gegner von damals gedacht haben, sie hätten ein „Freilos“ gezogen. Genau deshalb macht es dieses Spiel am Freitag so gefährlich.

Dennoch, das muss ich gestehen, glaube ich nicht daran, dass die Griechen diese gute deutsche Mannschaft stolpern lassen können. Es sei denn, die Löw-Bubis unterschätzen den Gegner – was ja im Fußball auch immer wieder passieren soll.

Und will man dem früheren HSV-Torwart Frank Rost Glauben schenken, so hat Deutschland ja auch noch gar nicht überzeugend gespielt. Sagt eine NDR-Meldung aus:

Der ehemalige Nationaltorhüter Frank Rost ist hart mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ins Gericht gegangen. Dem Radiosender NJoy, bei dem Rost derzeit als EM-Experte gefragt ist, sagte er nach dem 2:1 gegen Dänemark: „ Fußballerisch hat’s mich jetzt nicht vom Hocker gehauen. Es hat kein Kombinationsspiel stattgefunden, so wie wir es sonst von der deutschen Mannschaft gewohnt sind.“ Und Rost setzte trotz des dritten Sieges im dritten Spiel noch einen drauf: „ Du musst halt irgendwas machen und nicht nur hoffen, dass dein Nachbar was macht. Sondern Dich selbst auch mal anbieten. Das hat mir gefehlt.“ Laut Rost muss eine Leistungssteigerung her für die K.O.-Runde: „Überzeugt hat mich bis jetzt noch kein Spiel.“
Nachhören kann man das ganze Interview unter www.ndr.de/sport

Immerhin, und ich finde diese Zahlen erstaunlich, hat das Spiel gegen Dänemark für eine tolle TV-Quote gesorgt:

Das letzte Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft gegen Dänemark hat die bisher höchste Zuschauerquote der Fußball-EM gebracht. 27,65 Millionen Zuschauer verfolgten am Sonntagabend im Ersten den Einzug der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw ins Viertelfinale, das entspricht einem Marktanteil von 74,2 Prozent, wie die ARD mitteilte. Das zweite Gruppenspiel der Deutschen gegen die Niederlande hatten 27,22 Millionen gesehen.

Muss wohl doch etwas dran sein, an diesem DFB-Team.

Auf dem nächtlichen Rückflug aus Lwiw nach Danzig hat DFB-Präsident Wolfgang Niersbach eine Lobeshymne auf die deutschen Fußball-Nationalspieler und Bundestrainer Joachim Löw angestimmt. „Euer Zusammenhalt ist phänomenal. Ich kann euch nur aufrufen, in diesem Geist weiterzumachen. Ihr seid ein fantastisches Team, und ihr sollt wissen, dass ganz Deutschland hinter euch steht. Was ihr geleistet habt, ist außergewöhnlich und alles andere als selbstverständlich“, sagte Niersbach nach DFB-Angaben in seiner von Applaus begleiteten Ansprache über das Bord-Mikrofon.

Niersbach würdigte auch die Verdienste der Sportlichen Leitung um Bundestrainer Löw nach dem 2:1-Sieg gegen Dänemark und Platz eins in der schweren Gruppe B. „Jogi, du hast dich nicht beklagt über manche Schwierigkeiten bei der EM-Vorbereitung. Du hast es mit deiner Art, mit deinem Trainerteam, mit Oliver Bierhoff im Management, durchgezogen. Das ist allererste Klasse“, sagte der DFB-Chef, der anschließend Siegtorschütze Lars Bender („In der entscheidenden Sekunde warst du da“) und Jubilar Lukas Podolski persönlich ansprach. „In deinem Alter 100 Länderspiele erreicht zu haben und dabei 44 Tore erzielt zu haben, da sage ich nur: Das ist klasse. Wir alle sind froh, dass wir einen wie dich in unserer Mannschaft haben.“

Mit lautstarken „Rede, Rede“-Rufen wurde dann Podolski ans Mikrofon gerufen. „Ja, so ist es richtig, zückt alle die Handys und Kameras“, scherzte der Kölner, der seine 100 Spiele als „Wahnsinn“ bezeichnete und schloss: „Danke an alle – und ab ins Finale!“

Podolski rangiert nach seinem 44. Länderspieltor in der ewigen Torjägerliste des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nun nur noch einen Treffer hinter Ex-Kapitän Karl-Heinz Rummenigge (45 Erfolge). Und, was uns Hamburger ja ein wenig trifft: Der 27-Jährige hat nun auch HSV-Legende und Ehrenspielführer Uwe Seeler (43) hinter sich gelassen, „uns Uwe“ bringt es (und brachte es) auf 43 Tore.

Unangefochten in Führung liegt weiterhin Gerd Müller mit 68 Toren in 62 Länderspielen. – Die ewige Torjägerliste des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Überblick:

1. Gerd Müller 68 Tore/62 Länderspiele
2. Miroslav Klose 63/119
3. Joachim Streich 55/102 (DFV)
4. Jürgen Klinsmann 47/108
4. Rudi Völler 47/ 90
6. Karl-Heinz Rummenigge 45/ 95
7. Lukas Podolski 44/100
8. Uwe Seeler 43/ 72
9. Michael Ballack 42/ 98
10. Oliver Bierhoff 37/ 70
11. Ulf Kirsten 34/100 (14/49 DFV, 20/51 DFB)
12. Fritz Walter 33/ 61
13. Klaus Fischer 32/ 45
14. Ernst Lehner 31/ 65
15. Andreas Möller 29/ 85
16. Edmund Conen 27/ 28
17. Mario Gomez 25/ 55
18. Eberhard Vogel 25/ 74
19. Richard Hofmann 24/ 25
20. Lothar Matthäus 23/150
20. Bastian Schweinsteiger 23/ 93

PS: Am 2. Juli trainiert der HSV (schon) wieder. Es sind nur noch 14 Tage – Land in Sicht.

18.01 Uhr

Wie Thorsten Fink über Gomez denkt

14. Juni 2012

Warte, warte noch ein Weilchen, dann . . . Ja, dann werden wir sehen, ob der HSV noch den einen oder anderen Spieler an einen anderen Verein abtreten kann. Die „Welt“ hat kürzlich von den „Ladenhütern“ des HSV geschrieben. Aber wer will schon „Ladenhüter“ haben? Zumal dann, wenn sie von einem Fast-Absteiger kommen? In der Ersten Liga dürften nur Klub Interesse haben, die unten „mitspielen“, und die haben meistens auch kein Geld. Also dürften sich die Ablösesummen in Grenzen halten, mit denen der HSV kalkulieren könnte. Ein Teufelskreis, denn: „Erst verkaufen, dann einkaufen“ – das funktioniert eigentlich ganz anders. Es wird noch eine Zeit verstreichen, ehe es Bewegungen auf dem HSV-Transfermarkt geben wird. Derweil genießen Spieler und Trainer ihren außergewöhnlich langen Sommerurlaub. Und das ist ja auch ganz gut so, gehen die Profis doch dann völlig erholt und ausgeruht wieder an ihre Arbeit.

Gestern waren ja Dennis Aogo und Jörn Wolf bei „Matz ab live“ zu Gast, und ich möchte jenen „Matz-abbern“ danken, die diese Auftritte gelobt haben. Im neuen „Studio, das „Champs“ in Schnelsen, wirkte es alles großzügiger und auch schon etwas professioneller, auch deswegen kamen diese 34 Minuten vielleicht so gut an. Wobei klar festzuhalten ist, dass unsere beiden Gäste wirklich etwa zu sagen hatten – und das auch sehr gut in die Tat umsetzten. Auch an dieser Stelle noch einmal unser Dank an beide Herren. Das lechzt nach einer Wiederholung.

Aber es ist ja EM. Zum Glück. Und da gibt es ja genügend Dinge, die zu kommentieren sind. Ich habe gerade in der „Sport Bild“ gelesen, warum der frühere niederländische Nationaltorwart Hans van Breukelen „die Deutschen nicht mag“: 1.) Die Schwalbe von Hölzenbein im WM-Finale 1974. Ich habe fast geweint. 2.) Die Arroganz der Deutschen. Die meisten grüßen nicht mal. 3.) Deutsche machen sich über uns lustig mit Witzen wie diesem: Holländische Kinder haben so große Ohren, weil ihre Eltern sie daran hochziehen und sagen: „Schau mal, da drüben wohnen die Weltmeister.“

Okay, ich kann ja verstehen, dass der Stachel immer noch tief sitzt. Aber ich möchte mal die drei Gründe aufschlüsseln. Punkt eins: Selbst wenn Hölzenbein zum 1:1-Eöfmeter ein Schwalbe produziert haben sollte, später, als der Frankfurter im WM-Finale von Jansen tatsächlich umgegrätscht wurde, gab es keinen Strafstoß. Also ausgleichende Gerechtigkeit. Punkt zwei, die Arroganz. Soll ich Hans van Breukelen grüßen, wenn ich ihn sehe? Oder Frau Antje? Oder Harry Wijnvoord? Oder Ruud van Nistelrooy? Natürlich, den würde ich grüßen, aber ich würde doch keinen Menschen grüßen, den ich nicht kenne. Es sei denn, dieser Mensch grüßt mich. Dann grüße ich natürlich zurück. Weil mir Arroganz fremd ist. Und Punkt drei? Ich kenne Niederländer, habe aber die großen Ohren nicht gesehen Und Witze über Holland und Holländer? Ich glaube, das gleicht sich auch alles aus, denn auch die Niederländer machen (nicht gerade freundliche) Witze über die Deutschen.

Und bei der Gelegenheit. 26. April 1989, WM-Qualifikationsspiel in Rotterdam, Niederlande gegen Deutschland. Da wurde in der Stadt am Tag vor dem Spiel und am tag des Spiels alles attackiert, was Deutsch sprach. Und an deutschen Autos wurden Scheiben eingeschlagen und Spiegel abgetreten. Und unser riesiges Hotel, ein Glaskasten mitten in der Stadt, wurde mit schweren Seiten beworfen. Ich sehe noch heute unseren früheren Nationaltorwart Hans Tilkowski mit eingezogenem Kopf von der Rezeption in Richtung Fahrstühle flüchten, weil er richtig viel Angst hatte. Aber der eigentliche Höhepunkt folgte erst im Stadion. Wir waren fünf Kollegen, drei aus Hamburg, einer aus Lübeck, einer aus Frankfurt. Wir waren im inneren Ring des Stadions, kurz vor den Aufgängen zu unseren Plätzen. Draußen tobte eine Schlacht, wie ich sie so noch nie erlebt habe – das war wie Krieg. Und wir hatten die Treppe vor Augen, alles schien bestens, als plötzlich ein niederländischer Polizist mit seinem Pferd auf uns von hinten zuritt. Und ohne Vorwarnung zog dieser ältere Herr (Rundschnitt in Augenbrauenhöhe) seinen Gummiknüppel und drosch damit auf unseren ältesten Kollegen, der bundesweit bekannte Hartmut Scherzer, ein. Wir waren fassungslos. Niemand von uns hatte etwas getan oder gesagt, es war einfach nur ein feiger Angriff von hinten, total unbegründet. Da wollte sich ein älterer Niederländern mal kurz an einem älteren Deutschen „rächen“. Ich habe das damals – mehr aus Zufall – fotografiert, Jahre später erschien dieses Foto (oder Fotos) auch in der „Sport Bild“ – im Zusammenhang mit der „deutsch-niederländischen Freundschaft“. Dieser Vorgang ist mir unvergessen, aber er zeigt auch, dass die Dummen eben noch lange nicht aussterben. Siehe Hans van Breukelen. Manche lernen es nie.

Zum Fußball. Mein Freund Peter, ein Freund der Nationalmannschaft (FdN), rief ich heute an und sagte: „Dass Deutschland auch zu zehnt gegen die Niederländer gewinnt, das ist eine ganz wichtige Erkenntnis für mich.“ Wie, zu zehnt? Er: „Na ja, hat der Karnevalsprinz hat doch nun wirklich nicht teilgenommen.“ Aha, es geht also um Podolski. Haut den Lukas. Recht hat er ja, mein Freund, ich habe Podolski ja auch nicht gesehen. Wir haben uns dann aber gefragt, ob es Jogi Löw nicht auch so ergangen ist? Zweite Halbzeit zumindest. Da turnte der Ex-Kölner, den sie am Rein immer mit der Sänfte ins Stadion und zum Training getragen haben, ja auf der gegenüberliegenden Seite der Trainerbank herum. Deswegen, so schlossen wir daraus, konnte in Löw nicht sehen, folglich auch nicht auswechseln. Wer nicht mitspielt, der kann nicht vom Platz geholt werden. Logisch. Deswegen musste erst Mesut Özil (der dann oft vor der Trainerbank aufkreuzte) runter, dann auch noch Thomas Müller. Rechtsdraußen.

An Müller scheiden sich ja die Geister. Ich gebe zu, dass der Bayern-Profi nicht in Bestform zur EM gekommen ist. Aber er ist auch nicht in absolut schlechter Verfassung. Mir gefällt dieser Müller immer noch, gebe ich zu. Weil er viele gute Dinge mit dem Ball anstellt, weil er den Ball auch bestens unter Kontrolle hat – und weil er fleißig nach hinten arbeitet. Das ist vielleicht der Punkt, der bei Podolski zum springenden Punkt wird. Ihm hat man ja oft vorgeworfen, dass er kaum oder nicht nach hinten arbeitet. Jetzt arbeitet er nach hinten, aber er arbeitet kaum noch nach vorne. Wir er vorne geschickt, geht er kurz ab – bis zu jenem Punkt, an dem er den Ball hat. Früher wäre er dann mit dem Kopf durch die Wand Richtung Tor des Gegners marschiert, hätte alles um und dumm gelaufen und geschubst – heute spielt er den Ball gleich wieder zurück, oder er läuft mit der Kugel am Fuß wieder Richtung eigener Hälfte. Völlig harmlos. Und total wirkungslos. Ein Ausfall.

Apropos. Cristiano Ronaldo. Oliver Kahn spricht ja nur die Wahrheit aus: so schlecht wie nie. Zwei Super-Chancen, kein Tor. Der gute „John-Wayne“-Verschnitt (weil er vor seinen Freistößen immer so breitbeinig steht wie die Hollywood-Legende, bevor er aus der Hüfte schoss) läuft in dieser portugiesischen Mannschaft wie ein Fremdkörper herum. Wie einer, der um Liebe bettelt, den aber keiner wirklich lieb hat. Im Gegenteil. Oft habe ich bislang den Eindruck, als würden ihn seine „Kollegen“ ganz bewusst „außen vor“ lassen. Wenn sie ihm den Ball geben, ist er weg – so oder so. Das will keiner so richtig.

Im Gegensatz dazu Mario Gomez. Zwei Chancen, zwei Tore. Das ist der wahre „John Wayne“. Eiskalt. Auch ohne breitbeinig vor dem Ball zu stehen, ohne auf die Anzeigentafel im Stadion zu blicken, ob auch die Frisur noch gut sitzt. Mich würde ein Typ wie Ronaldo in meiner Mannschaft nerven – wenn er keine Leistung bringt und keine Tore schießt. Nur dann, natürlich. Aber an guten Tagen kann er es ja. Ausgerechnet bei dieser EM kann er es aber (noch) nicht. Zurück zu Gomez. „Ich kann die Kritik an ihm nicht verstehen, jund jetzt hat er mit seinen nunmehr drei Toren den Kritikern das Maul gestopft“, sagt HSV-Trainer Thorsten Fink (mit dem „Scholle“ sprach) über den deutschen Torjäger. Und in der Castrol-Analyse werden die Stärken des Münchner Stürmers noch einmal bestens „entlarvt“:

In der Form seines Lebens? Allerdings. Mit Killerinstinkt vor dem gegnerischen Tor? Keine Frage. Aber lauffaul? In diesem Punkt scheiden sich bei Mario Gomez die Geister. Die Analysen von Castrol, offizieller Partner der „UEFA EURO 2012 Statistik“, belegen, dass die Kritik an Deutschlands Torgarant mit der Nummer 23 nicht auf Fakten, sondern auf subjektiven Eindrücken beruht.

Beim 1:0-Sieg der DFB-Elf gegen Portugal hatte Gomez in 80 Spielminuten 8 797 Meter absolviert und gegen die Niederlande waren es bei seiner Auswechslung in der 72. Minute bereits 8 826 Meter. Hochgerechnet auf die volle Spieldauer käme Gomez auf eine Gesamtlaufleistung von knapp 9 896 Metern (gegen Portugal) bis 11 032 Metern (gegen die Niederlande) – und muss so den Vergleich mit anderen Goalgettern nicht scheuen: Der Ukrainer Andrij Schewtschenko brachte es im Spiel gegen Schweden in 81 Minuten Spielzeit auf 8 826 Meter und Zlatan Ibrahimovic in Diensten der Schweden kam über die volle Distanz auf ganze 9 362 Meter. Beide Angreifer stehen in ihrem Land übrigens außerhalb jeder Kritik.

Deswegen war Gomez im Spiel gegen die Niederlande auch der herausragende Akteur mit einer Wertung von 9,43 Punkten. An seiner Effektivität gibt es keinen Zweifel: seine beiden Treffer erzielte der Münchener mit nur drei Schüssen auf das Tor. Als offizielle Analyse der „UEFA EURO 2012 Statistik“ erfasst der Castrol alle Ballkontakte und Aktionen eines Spielers und bewertet, ob sie die Wahrscheinlichkeit eines eigenen Tores erhöhen oder senken. In gleicher Weise werden Punkte für Defensivaktionen vergeben. Aus den gewonnen Daten ergibt sich eine Rangliste mit einer Bewertung von bis zu zehn Punkten – je höher die Punktzahl, desto besser die Leistung.

Auf Rang zwei der Liste landet Holger Badstuber (9,13 Punkte), der vor allem durch seine Balleroberungen auf sich aufmerksam machte. Der stärkste Niederländer war Robin van Persie mit einer Wertung von 9,08. Er überzeugte als Torschütze und Störfaktor im deutschen Spielaufbau. Er war außerdem der lauffreudigste Akteur seines Teams mit einem Pensum von 10 843 Metern. Beim Sieger war die Doppel-Sechs im Mittelfeld wieder fleißig unterwegs: Bastian Schweinsteiger setzte die Bestmarke mit 11 952 Metern vor Sami Khedira mit 11 336 Metern. Insgesamt absolvierte die deutsche Elf rund 106 Kilometer, Holland dagegen nur 104 Kilometer.

Khedira und Schweinsteiger – das waren zwei riesige Stützen in der Sieger-Mannschaft, die ihren Gegenspieler Mark van Bommel und Nigel de Jong (unser Nigel!) klar an die Wand spielten. Real-Spieler Khedira war in der Balleroberung Weltklasse, Schweinsteiger war Lenker, Denker und Kämpfer – wie (fast) zu seinen besten Tagen. Ich würde es ihm und der deutschen Mannschaft (und auch mir) wünschen, dass er noch während dieser EM zur alten Stärke zurückfindet, gegen die Niederlande war er fast schon wieder an jenem Punkt. Oftmals sieht es nicht sonderlich spektakulär aus, wie er etwas macht, aber fast alles ist enorm wirkungsvoll. Wie bei Khedira. Zwei große Trümpfe auf dem Weg zum Titel? Ich hatte ja vorher auf die Niederländer (Egoland) und als Außenseiter auf die Polen getippt, aber die Sache mit dem Tippen ist so eine Sache. Meistens liegt man daneben – ich total. Deswegen sage ich jetzt: unterschätzt mir die Italiener nicht. Die spielen bislang so gut, wie ich sie kaum zuvor mal gesehen habe. Die laufen, die rennen, die spielen kreativ, die kämpfen, die stehen gut, die treten als Einheit auf – da passt alles. Hätte ich vorher nie geglaubt, aber der Wettskandal scheint null Spuren hinterlassen zu haben. Kompliment!

18.59 Uhr

EM-Notizen mit Scholl, Polen und Trompeten

10. Juni 2012

Ist ja EM. Und ich habe gerade – per Zufall und wieso auch immer – in der Redaktion ein altes Bundesliga-Sonderheft in die Hände bekommen. Eines von der Saison 2010/11. Als ich darin blätterte, las ich eine Überschrift von einem Interview mit Rudi Völler. Der Sportchef von Bayer Leverkusen gab da den gewagten Satz von sich: „Michael Ballack wird der ganzen Liga guttun.“ Tat er aber dann doch nicht, wie wir heute wissen. Und dabei hätten viele HSV-Fans den Herrn Ballack doch so gerne in Hamburg und beim HSV gesehen. Aber, und nun zur EM, was stört uns dieses Geschwätz von gestern? Auch die ganz Großen können sich irren. Wie auch die Kleinen: Ich habe mich ja jetzt ein weiteres Mal geirrt, denn ich habe nicht an einen deutschen Sieg gegen Portugal geglaubt. Es war zwar eng, aber die Löw-Truppe hat gewonnen – also lag ich daneben. So geht das im Fußball. 1:0-Siege, so heißt es in unserem Sport, sollen die schönsten sein. Und obwohl es ja viele Sportsfreunde hierzulande gibt, die der deutschen Mannschaft ein schlechtes Spiel attestieren – ich halte dagegen. Deutschland hat das Spiel gemacht, die Portugiesen haben Beton mit ein wenig härterer Härte angemischt.

In der Totalen im Fernsehen sah man es oft eindrucksvoll: alle Portugiesen im und am eigenen Strafraum. Und die Deutschen, die mit vier, fünf, sechs oder gelegentlich mit sieben Mann angriffen, bissen sich immer wieder fest. Räume dicht. Und mit Mann und Maus kann man gegen diese Portugiesen eben nicht stürmen, denn dann läuft man ins offene Messer. Habt ihr noch in Erinnerung, wie Ronaldo einmal Mitte der zweiten Halbzeit auf links abging? Wie Schmidts Katze. Wie von einem anderen Stern. Hat er den Raum, ist er nicht zu stoppen. Deswegen war dieses Spiel so gefährlich für die DFB-Auswahl. Seien wir alle zufrieden, dass es am Ende einen 1:0-Sieg gab – ich hätte auch mit einem 0:0 gut leben können. Zumal es einige deutsche Spieler gab, die lange nicht ihre 100 Prozent abgerufen haben: Lukas Podolski war bei 60 Prozent (höchstens), Bastian Scheinsteiger bei 70 Prozent (höchstens), Philipp Lahm bei 80 Prozent (allerhöchstens – oder allerhöökschtens, wie Löw sagen würde). Da muss es noch einige gewaltige Steigerungen geben. So wie die von Mats Hummels, der der überragende Mann im deutschen Team war. Zum Glück hatte Löw nicht auf per Mertesacker gesetzt – dann hätte ich auch am Bundestrainer arg gezweifelt.

Wobei, das muss ich schon zugeben, ich nach dem Spiel auch noch etwas andere Sorgen hatte. Die mit „Matz ab live“. Da hatten wir ja mit dem ehemaligen HSV-Profi Detlef Spincke und dem Vorstandsmitglied des Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verbandes, Eberhard „Eddy“ Münch (auch Gründungsmitglied Eintracht Norderstedt, Mitglied im DFB-Sozialausschuss, und, und, und), zwei sehr gute, ich möchte fast sagen überragende Gäste, die viele großartige Sachen über den Fußball zu sagen hatten. Aber am Übertragungsort wollte natürlich gefeiert werden. Da kamen sich dann Disk-Jockey, Musik und „Matz ab live“ mitunter – und nach meiner Meinung zu oft – in die Quere. Ich gebe zu, ich wollte schon während der „Sendung“ einige Male hinschmeißen, und ich hatte auch danach einen total dicken Voll-Hals. Das drückt sich dann wie folgt aus: Mikrophon von Kopf und Mund genommen, Lederjacke angezogen, den beiden Technikern des Abendblattes die Hand gegeben (Danke und tschüs) – und weg. Es hat keine Minute gedauert, bis ich das Lokal verlassen hatte und im Auto saß. Und wenn ich zum Schluss gesagt habe, dass das die letzte Sendung gewesen sei, so war das lediglich und nur für diesen Ort gedacht. Wir werden uns etwas anderes einfallen lassen (müssen), so geht es jedenfalls nicht.

Obwohl ich auch zugeben muss, dass ich „volles“ Verständnis habe für die Fans. Die jubeln während des Spiels mit, die haben „VUwe-VUwe-Seelas“ (die Dinger aus Südafrika!), Trompeten, Tröten und Rasseln mitgebracht, die schreien und ein pfeifen und sind – wie wir – in Deutschland–Trikots gekommen, die wollen natürlich feiern. Die wollen dann auch die Sau rauslassen. Nach einem Sieg und zehn Bier. Und dann kommen wir und – bitten um Ruhe. So geht es natürlich auch nicht. Und das müssen wir schon auf unsere Kappe nehmen, ganz klar. Falsch gedacht und falsch geplant.

Obwohl, und dann ist auch Schluss mit diesem Thema, „uns Scholle“ sagt, alles sei vorher – das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis – mit dem Wirt abgesprochen gewesen. Was für mich aber total egal ist. Du kannst einfach keine bierseligen Fans mit einem Knopfdruck abschalten. Ich mag aber, das sei noch gesagt, Wolfgang Petry – auch richtig schön laut. Das war ja unser „Rausschmeißer“. Und Ende.

Zum Fußball. Fast jedenfalls. Ist ja EM. Und Frau M. hat sich natürlich auch Deutschland gegen Portugal angesehen. Wir sprachen spät in der Nacht noch drüber. Sie: „Ich verstehe nicht, dass diese Sache mit Boateng und er Gina-Lisa so im Mittelpunkt steht. Als gäbe es keinen Fußball . . .“ Und was sagst du so zum Spiel? Frau M.: „Cristiano Ronaldo, der gefällt mir. Ein toller Spieler. Und sieht nebenbei auch gut aus. Und dass der ein so großer Star ist, das merkt man ihm nicht an, der meckert doch nie, der ordnet sich total unter – da ist nichts von Star-Gehabe oder Arroganz erkennbar. Toller Mann und toller Spieler.“ Und ein Deutscher? Gibt es auch einen deutschen Nationalspieler, der dir gefällt? Frau M.: „Ja, du wirst es vielleicht nicht glauben, aber das ist der Mesut Özil.“ Wieso der? Frau M.: „Der spielt klasse, wie der mit dem Ball umgehen kann – wie kein anderer Deutscher. Und trotz der Tatsache, dass er ja eigentlich ein Star ist, der bei Real Madrid spielt, ist er immer auf dem Teppich geblieben. Der ist kein Lautsprecher, im Gegenteil, der ist immer still und bescheiden – der gefällt mir in seiner Art einfach, der ist großartig.“

Vielen Dank für diese kleinen weiblichen EM-Randaspekte, Frau M.

Mir hat ja, um beim Thema zu bleiben, stets Mehmet Scholl gut gefallen. Als Spieler, aber auch als ARD-Experte ganz besonders. Er spricht Klartext mit einer gehörigen Portion Schalk im Nacken, mit einer Prise Ironie und mit viel fußballerischem Sachverstand. Gefällt mir, diese Mischung. Während seiner Zeit als Nationalspieler habe ich ihn ja kommen und gehen gesehen (bei der Nationalmannschaft), hatte aber nie auch nur annähernd ein gutes Verhältnis zu ihm. Zum Beispiel gab es mit ihm nie ein Einzelgespräch für mich. Und wenn wir uns mal zufällig im Hotel über den Weg liefen, dann blickte er stets zu Boden – und husch, weg war er. Nicht etwa, weil er so schüchtern war oder ist. Das ist er nämlich ganz sicher nicht Er ist nur ein Mensch, der mit der Presse und den dazugehörigen „Fuzzis“ nicht viel zu tun haben wollte. Deshalb machte er immer einen ganz großen Bogen um uns (Journalisten). Ähnlich wie Oliver Kahn, der ja ohnehin nur mit den ganz großen Illustrierten sprach – wenn er sich überhaupt einmal dazu herunter ließ. Okay, gelegentlich kam er zu Pressekonferenzen, da durfte ich ihm dann auch die eine oder andere Frage stellen – aber das war es dann auch schon. Kurios ist für mich nur, dass zum Beispiel diese beiden medienscheuen Spieler, Kahn und Scholl, jetzt nicht nur die ganz großen Fußball-Experten für ARD und ZDF sind, sondern dass sie auch fleißig Reklame machen. Werbung mit Scholl und Kahn ist „in“, läuft auf allen Kanälen. Ich jedoch frage mich, warum ich ausgerechnet das kaufen sollte, was mir zwei „Jungs“ anpreisen, die mit dem „Fußvolk“ eigentlich nie so richtig etwas zu tun haben wollten. Aber Werbung ist wohl so.

Um auf Mehmet Scholl zurückzukommen: Als ARD-Mann neben dem von mir sehr geschätzten Reinhold Beckmann hat der „liebe Scholli“ die Einsatzbereitschaft von Mario Gomez beim Auftaktsieg der DFB-Elf gegen Portugal hart kritisiert – wie die deutsche Presse-Agentur (dpa) schreibt: „Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wund gelegen hat, dass man ihn wenden muss“, sagte Scholl nach dem Portugal-Spiel in der ARD: „Es war zwischenzeitlich wirklich extrem, wenn man geschaut hat, dass die Mittelfeldspieler, die Abwehrspieler, sie wollten nach vorne spielen, sie wollten in die Spitze spielen. Aber da war keiner. Und das ist immer die Frage, wie lange hält eine Mannschaft so was aus.“

Wenn Gomez dann nicht treffe, gehe die Diskussion los. „Das könnte er ganz einfach vermeiden, in dem er einfach mehr tut fürs Spiel“, befand Scholl und wünschte sich einen lauffreudigeren Auftritt des Angreifers mit einer Torquote von 45 Treffern in 58 Pflichtspielen in dieser Saison.

„Man braucht heutzutage Stürmer, die auch nach hinten laufen. Das gibt es eigentlich im modernen Fußball nicht mehr, dass ein Spieler einfach nur zentral bleibt, keinen Ball kurz haben will, sondern nur irgendwo auf Flanken hofft, oder auf einen Laufweg, der sich auftut hofft, oder auf eine freie Straße, die er benutzen kann. Insgesamt ist das zu wenig“, erklärte Scholl, in der neuen Saison Trainer der Amateure beim Gomez-Club FC Bayern.

Oha. Zwei Münchner bei der EM. Aber diese beiden Münchner werden sich schon demnächst auch wieder beim FC Bayern über den Weg laufen. Wie sie sich dann wohl begegnen werden? Da scheint dicke Luft programmiert zu sein. Wobei ich ganz klar sagen möchte, dass Scholl auch in diesem Fall nicht so falsch liegt. Und ich finde es einfach klasse, dass er es auch schonungslos ausspricht, obwohl er damit einen Vereinskollegen kritisiert. Ohnehin halte ich Scholl in Sachen Experte für den besseren Mann – gegenüber Kahn. Um da mal klar Stellung zu beziehen.

Kurze Randnotiz während der EM: In Polen gibt es ja, von Nationaltrainer Franciszek Smuda eventuell in die Welt gesetzt, das Gerücht, dass nach diesem Turnier die Dortmunder Jakub Blaszczykowski, Lukasz Piszczek und Robert Lewandowski (Manchester United bietet angeblich 18 Millionen Euro für ihn) keine Dortmunder mehr seien werden. Was unglaublich hart für den Meister wäre, keine Frage. Aber es ist eben alles auch eine Sache des Preises. Und der Schmerzgrenze. Dortmund seinerseits soll sich nun auch in den Kampf um Edin Dzeko (Manchester City) eingeschaltet haben – zuletzt waren die Bayern sehr um den ehemaligen Wolfsburger bemüht.
Bin mal gespannt, wie sich das alles entwickeln wird. Piszczek wird mit Real Madrid in Verbindung gebracht, und ich könnte das verstehen. Dieser polnische Verteidiger hat mich in der vergangenen Saison – neben dem Schalker Raul – am meisten beeindruckt, wie er den Platz rauf und runter rennt, wie ihm der Ball gehorcht – klasse, einfach nur klasse. Er spielt mir den Verteidiger schon fast perfekt. Es würde ihm aber bei allen Madrid-Plänen aber wohl doch ein wenig mehr helfen, wenn die polnische Mannschaft wieder ein bisschen besser spielen würde – als die letzten 60 Minuten gegen die Griechen. Mal abwarten, wie sich „ein Drittel Dortmund“ (oder „eine Hälfte Bundesliga“) so entwickelt.

Begonnen habe ich ja mit einem alten Bundesliga-Sonderheft. Aussteigen möchte ich für heute mit der brandaktuellen Schiedsrichter-Zeitung des DFB, das „Offizielle Organ für die Schiedsrichter im deutschen Fußball-Bund“. Die lese ich immer gründlich von vorne bis hinten durch – das ist schon Tradition. Wir bekommen das „grüne Ding“ regelmäßig und kostenlos in die Redaktion – und ich bilde mich auch dadurch immer ein wenig weiter. Zum Beispiel bei kniffligen Regelfragen. Man lernt ja nie aus. Wie wäre es damit: Der Torwart hat den Ball sicher gefangen. Er wirft das Leder zu einem Mitspieler, der im Strafraum steht. Weil der Abwehrspieler einen Gegenspieler hinter sich vermutet, köpft er den Ball in die Arme des Torwarts zurück. Muss der Schiedsrichter eingreifen? Solche Fragen – und noch viel schwerer – finde ich ganz spannend.

Aber zum Kernthema: Ein wenig erstaunt war ich, als ich in der jetzigen Ausgabe 4 (Juli/August – ja, die Unparteiischen sind schon weit vor der Zeit!) auf der Seite 16 ein Foto eines spuckenden Spielers entdeckte – ein Gegenspieler wird angespuckt. Man sieht es in aller Deutlichkeit, nichts wird beschönigt. Und in der Bild-Unterschrift dazu steht dann auch tatsächlich:

Den Gegenspieler anspucken: Die widerlichste aller Unsportlichkeiten muss in jedem Fall mit „Rot“ bestraft werden.

Spontan dachte ich an Christian Lell. Und auch an Paolo Guerrero. Der eine (nämlich der HSV-Spieler) erhält nach einem zugegeben sehr üblen und brutalen Tritt acht Spiele Sperre, der andere, nämlich der Hertha-Spieler aus Berlin, erhält für die „widerlichste aller Unsportlichkeiten“ (so die DFB-Schiedsrichter) fünf Spiele Sperre – er hatte den Düsseldorfer Spieler Assani Lukimya angespuckt. Wahrscheinlich kam in diesem Falle aber noch „strafmildernd“ für den Berliner hinzu, dass er bei diesem chaotischen Relegationsspiel in Düsseldorf auch noch ein zweites Vergehen aufzubieten hatte, denn er hatte ja auch Schiedsrichter Wolfgang Stark beleidigt. Muss nicht zwangsläufig „strafmildernd“ gewesen sein, könnte aber . . .

Nein, ich schrieb es schon kürzlich, als dieses (in meinen Augen) „Skandal-Urteil“ gegen Lell erging – das ist alles nicht mehr normal, was (sich) diese Herren im DFB-Sportgericht leisten. Aber vielleicht wird es uns ja auch mal bei passender Gelegenheit erklärt. Ich bleibe aber dabei: Da wird mit zweierlei Maß gemessen. Vielleicht ja auch einmal in Denkanstoß, jetzt, wo nichts aktuell passiert ist, mal mit dem DFB zu sprechen und zu verhandeln – das ist doch paradox. Den Schiedsrichter verbal attackieren und dazu auch noch den Gegenspieler anspucken – nur fünf Spiele Sperre? Wo leben die denn in Frankfurt? Immerhin, das sei noch erwähnt, der Kontrollausschuss hatte sechs Spiele Sperre für Lell gefordert. Aber auch das, so muss ich es sagen, wäre für mich ein Witz gewesen . . .

Aber wir haben ja EM. Und da gibt es ja durchaus auch viele positive Aspekte. Zum Beispiel die ersten drei Punkte für Deutschland.

Und wir haben ja, fast schon ein wenig nebenbei, auch immer noch ein bisschen HSV. So richtig viel tut sich da im Moment noch nicht, obwohl ich nicht ausschließen will, dass es da schon bald ein „dickes Ding“
Und dann auch noch das vom HSV:

Liebes HSV-Mitglied,

am kommenden Montag, den 11. Juni 2012 beginnt der Dauerkartenvorverkauf für HSV-Mitglieder. Sie als Mitglied können max. eine Dauerkarte für die Saison 2012/2013 erwerben. Ab den freien Vorverkauf (ab 26. Juni 2012) können bis zu zwei Dauerkarten erworben werden.

Folgende Blöcke stehen im Mitgliedervorverkauf zur Verfügung:

Osttribüne: 2 C, 3 C, 4 C, 5 C und 7 A

Westtribüne: 17 C, 18 C, 19, 20 C und 21 A/B/C

Südtribüne: 9 A/B/C, 10 A/B/C und 11 A/B/C

Eine Übersicht der Blöcke finden Sie hier.

Alle anderen Blöcke stehen nicht zur Verfügung. Im freien Vorverkauf werden keine weiteren Blöcke angeboten.

So buchen Sie Ihre Dauerkarte

– im Onlineshop
– telefonisch unter 01805 / 478 478*
– persönlich im HSV Service Center in der Imtech Arena

Alle Informationen zum Dauerkartenvorverkauf erhalten Sie hier.

Ein Verkauf im HSV CITY STORE und im HSV FANSHOP im Herold-Center wird nicht angeboten.

Und dann gibt es da noch eine SID-Meldung, die mich betroffen macht, denn ich schätze diesen Mann sehr, er ist zwar oft sehr locker und leger, aber er ist mit Sicherheit auch ein großer Fußball-Kenner und -Experte:

Fußballtrainer Peter Neururer liegt nach einem am Sonnabend erlittenen Herzinfarkt in einem Gelsenkirchener Krankenhaus im künstlichen Koma. Der 57-Jährige sei mit Freunden auf der Golfanlage Haus Leythe unterwegs gewesen, als er kurz vor Ende der Runde auf der Bahn 17 zusammenbrach. Mitspieler hätten sofort den Notarzt gerufen. Neururer sei dann zunächst ins Krankenhaus Bergmannsheil und von dort ins Marienhospital zum Herzspezialisten Professor Heinrich Blanke transportiert worden.

Gute Besserung, lieber Peter!

Viel Spaß bei den heutigen EM-Spielen.
Und morgen einen guten Start in die neue (EM-)Woche.

16.23 Uhr

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