Archiv für das Tag 'Pitroipa'

Das Transferkarussell nimmt Fahrt auf

20. Juni 2011

Sie lieben ihn alle. Was mich und viele von Euch mit Sicherheit nicht verwundert. Aber ich wollte es hier mal anbringen, weil sich mein Kollege Reinhard Franke von der Münchner „AZ“ so euphorisch bei mir bedankte. Zum einen, weil wir in der Zeit, wo Collos Wechsel bekannt wurde, gut zusammengearbeitet haben. Zum anderen aber, weil Collo jetzt Münchener ist. Er hat sich bei mir quasi stellvertretend für das „Ziehenlassen“ bedankt. „Ein sensationeller Typ“, schwärmt Franke, „einen so netten Kerl hatten wir hier lange nicht mehr.“ Und da Collin nachweislich auch ein guter (für die Zweite Liga allemal ein sehr guter!) Spieler ist, passt bei 1860 München alles.

Schon als Collin um 9.15 Uhr zusammen mit seinem alten HSV- und neuen 1860-Kameraden Benny Lauth das Trainingsgelände betrat, warteten die Fans, die zum Trainingsauftakt des aufstrebenden Zweitligisten gekommen waren. Sie mussten sich allerdings zuerst noch gedulden, denn vor dem ersten Training der neuen Saison musste Collo noch seinen Einjahresvertrag mit Option auf ein weiteres Jahr unterschreiben. Als das erledigt war, ging es für den ehemaligen Publikumsliebling des HSV gleich in die Vollen: 1860-Trainer Reiner Maurer hatte Zirkeltraining angesetzt. Und er zeigte sich begeistert vom Transfer des 32-Jährigen. „Collin ist vielseitig einsetzbar und hat in der Bundesliga wie international schon eine Menge Erfahrungen sammeln können. Er ist die ideale Ergänzung für unser junges Team.“ Wobei Maurer „Ergänzung“ nicht mit „Reserve“, sondern mit „passend zum Rest“ verstanden wissen will.

Nun ist er also weg. Und ich freue mich für Collo, weil er sich – wie viele andere Ex-HSVer auch, klar! – hier acht jahrelang tadellos verhalten hat. Und wenn es etwas Gerechtigkeit in dem sonst so skrupel- und herzlosen Profigeschäft gibt, dann die, dass Collo einen guten Verein gefunden hat und hoffentlich noch ein, zwei schöne und erfolgreiche Jahre als Spieler absolviert. Und darauf deutet im Moment alles hin.

Hinweise auf einen möglichen Vereinswechsel gab und gibt es bei Eljero Elia naturgemäß immer. Der Niederländer wird aktuell dem Vernehmen nach von Chelsea und Juventus Turin umworben. Als mögliche Ablösesummen lassen die italienischen wie englischen Berichte (Internet und Tageszeitungen) 15 Millionen Euro verlauten. Eine Summe, die für den HSV verführerisch ist, die aber meines Erachtens nach nicht annähernd ausreicht. Wenn ich höre, dass Chelski für rund 30 Millionen Euro gerade Alexis Sanchez verpflichtet hat, kann ein mögliches Angebot – beim HSV will noch niemand etwas aus England gehört haben – für einen Vizeweltmeister über gerademal die Hälfte der Sanchez-Summe nicht mehr als ein schlechter Witz sein.

Wer Sanchez ist? Eine berechtigte Frage. Sanchez ist ein 22-Jähriger Außenstürmer, der auch bei Inter Mailand auf dem Zettel stand, für die allerdings zu teuer war. Und Sanchez gilt ob seiner noch jungen 22 Lenze als Toptalent. Als einer, der seinen großen Tag erst noch vor sich hat.

Ebenso Elia. Hoffe ich jedenfalls. Denn wirklich große Tage durfte einer unserer größten Hoffnungsträger bislang nur in der niederländischen Nationalelf feiern. Aber, und davon bin ich weiterhin überzeugt, hat Elia etwas Seltenes, das gewisse Extra. Eben das Außergewöhnliche, das ihn vom durchschnittlich starken Fußballer abhebt: er kann Spiele durch individuelle Aktionen in jedem Moment allein entscheiden. Und diese Qualität kostet in der Regel weit mehr als 15 Millionen Euro. Zumindest dann, wenn derart potente Klubs wie Chelsea oder auch Juve anklopfen…

Dennoch, noch ist nichts passiert. Michael Oenning plant den Saisonauftakt ohne weiteren prominenten Abgang mit Eljero Elia. Zumal Chelsea jetzt gerade anfängt, richtig einzukaufen und noch nicht einmal klar ist, wer neuer Trainer wird. Zwar ist der Porto-Trainer André Villas-Boas der Top-Kandiadat – allein Einigung konnte bislang noch nicht erzielt werden. Und demnach stehen noch sehr viele Kandidaten auf Ambramowitschs Zettel, von denen sich der Neue die seiner Meinung nach Geeignetsten aussuchen wird.

Übrigens, und das nur mal so am Rande erwähnt, weil bei meinen Elia-Recherchen gehört: Sicher ist, dass Didier Drogba Chelsea trotz Vertrages bis 2012 verlassen soll. Allein sein Brutto-Gehalt von geschätzten 15 Millionen Pfund schreckte bislang alle Interessenten ab. Bis jetzt Paris Saint Germain Interesse an dem 33-Jährigen bekundete. Dort soll Leonardo neuer Trainer bei Paris werden. PSG hatte zuletzt eine Investorengruppe aus Katar als Geldgeber gewinnen können und bläst jetzt zum großen Angriff. Zudem soll Chelsea bereit sein, den Ivorer ablösefrei ziehen zu lassen, um ihn so von der Gehaltsliste zu bekommen.

Also: Chelsea darf nicht ausgeschlossen werden, ist aber alemal unbestätigt. Und Juve ist wahrscheinlich der Klub auf der Welt ist, der als einziger in jeder Wechselperiode an bislang allen Aktiven auf diesem Fußballplaneten dran war. Zumindest wenn man den seriösen italienischen Zeitungsberichten glauben darf…

Nein, in Hamburg ist man berechtigterweise noch ganz ruhig. Zwar wird Guy Demel aller Voraussicht nach am Sonnabend in Hamburg eintreffen und am Sonntag mittrainieren, allerdings hat sich nichts an der gemeinsamen Meinung von Klub und Spieler geändert, wonach er gehen darf/soll/wird.

Gleiches gilt Jonathan Poitroipa. Bis auf das „soll“. Der Burkinabe steht weiter kurz vor seinem Transfer zu Stade Rennes. Obgleich sich jetzt noch ein spanischer Klub gemeldet hat. Ich habe versprochen, den Namen nicht zu schreiben, was allerdings auch nicht ganz so schlimm ist, weil die Franzosen, die ihr Angebot auf fünf Millionen Euro Ablösesumme anheben wollen, weiterhin als Wunschverein Pitroipas und demnach als Topfavorit auf eine Verpflichtung des pfeilschnellen Außen gelten.

Und der HSV? Ob es neue Namen gibt? Leider keine bestätigten. Auch Jermaine Jenas von den Tottenham Hotspurs will vom HSV niemand offiziell bestätigen. Zwar berichtet das englische Blatt „People“, dass neben dem FC Fulham und Galatasaray Istanbul der HSV in Person von Frank Arnesen bei dem 28-jährigen zentralen Mittelfeldspieler mit Vertrag bis 2013 angeklopft hat. Der 21-malige englische Nationalspieler ist bei den Spurs im zentralen Mittelfeld lediglich Ersatz und soll für acht Millionen Euro gehen können. Ein Betrag, den der HSV – einen Pitroipa-Verkauf vorausgesetzt – stemmen könnte. Zumal der Transfer von David Rozehnal in Frankreich schon als perfekt und in Hamburg als fast sicher bestätigt wurde und auch Alex Silva in den nächsten Tagen verkauft werden soll. Und obwohl brasilianische Zeitungen von einem Besuch Juan Figers bei Arnesen für morgen berichten und dies vom HSV dementiert wird, gilt der Transfer von Silva als unverändert höchstwahrscheinlich.

Alles Transfers, die Arnesen noch zögern lassen, in welcher Preisklasse er für das offensive Mittelfeld einkaufen kann/darf/will. Und by the way, einen zentralen Mann von den Spurs zu holen, der dort unter anderem von einem EX-HSVer namens Rafal van der Vaart verdrängt wurde, wäre zumindest nominell zumindest anfänglich etwas seltsam, wünschen sich doch hier (fast) alle nichts sehnlicher als das Original zurück…

In diesem Sinne, es wird noch viel passieren, das scheint klar. Und das ist für mich bis auf weiteres erst einmal eine gute Nachricht.

Euch allen einen schönen Abend und bis Mittwoch (morgen ist Dieter da),

Scholle

19 Uhr

Pagelsdorf: guter Blick, klasse Händchen

18. Juni 2011

Wenn der „kleine Dribbelkünstler“ in der kommenden Saison auf „Lang-Hafer-Joris“ trifft, wenn dazu Ruud „van the man“ den Prominentenanstoß ausführen wird – dann wäre ich gerne im Stadion. Es kommt mir zwar alles sehr spanisch vor, aber diese Konstellation zeigt mir vor allem eines: Es kommt doch noch Bewegung in die Geschichte. Ich freue mich, dass der Neuanfang des HSV mit dem Verkauf von Mathijsen immer konkreter wird, ich freue mich auch für Mathijsen, denn nun wird er es nicht mehr nötig haben, die Bälle zwecks eines geeigneten Spielaufbaus 80 Meter nach vorne und damit ins Nirwana zu kloppen. Ab sofort übernehmen die Malaga-Profis schon in der eigenen Hälfte die Bälle von Mathijsen, der von den besseren Mitspielern in Spanien sicher nur profitieren kann. Und wenn ich so an seinen 30-jährigen Nebenmann Martin Demichelis denke – das wird eine Top-Abwehr, mit der spielt man (in Malaga) sicher um die Meisterschaft mit.

Aber gut, es ist so wie es ist. Und der HSV hat es ja auch genau so gewollt, als man Joris Mathijsen zu verstehen gab, dass er sich einen neuen Arbeitgeber suchen dürfe. Um es noch einmal klar zu sagen: Ich habe das absolut befürwortet. Jetzt dürfen sich eben die jungen Hüpfer – geführt von Heiko Westermann – versuchen. Und auch darauf haben wir ja irgendwie gehofft.

Um noch einmal auf Malaga zu kommen: Ich weine ja dem anderen „Hamburger“ die eine oder andere Träne hinterher: Ruud van Nistelrooy. Mit ihm werde ich noch lange nicht fertig sein, denn es war schon ein herausragendes Erlebnis, mit ihm zu tun zu haben. Fußballerisch war das zuletzt zwar nichts mehr, aber der Mensch van Nistelrooy – erste Sahne. Es gibt im Fußball-Geschäft nur wenige Menschen, denen ich an den Lippen hänge – weil sie nicht nur etwas zu sagen haben, sondern weil sie nur Super-Sachen zum Besten geben. An erster Stelle möchte ich für mich Günter Netzer nennen, dann kommt eine gewisse Zeit nichts, dann folgen in meiner persönlichen Hitliste Uli Hoeneß und, Ihr werdet vielleicht überrascht sein, aber es ist so: Thomas von Heesen. Was er mir über Fußball erzählt hat und immer noch erzählen kann, das ist großartig. Das aber nur mal am Rande.

Auf Platz vier folgt van Nistelrooy. Tolle Ansichten, keine Hirngespinste, kein Überflieger, nicht den kleinsten Hauch von Arroganz, sondern eher bescheiden und zurückhaltend – das hat einfach nur Spaß gemacht, diese Zusammenarbeit. Und für mich auf meine alten Tage noch einmal ein echte Highlight. Danke Ruud! Und viel Erfolg in Malaga, obwohl ich da so meine Zweifel habe.

Übrigens habe ich in den letzten Monaten zwei ausführliche Mails unterschlagen, die ich aus den Niederlanden erhalten hatte. Es schrieb mir ein Freund der Familie van Nistelrooy, der mich so darüber aufklärte, wie das mit Ruud, Real Madrid und dem HSV wirklich gelaufen ist. Ich habe davon extra null Gebrauch gemacht, weil dann hier im Blog so der Teufel los gewesen wäre, wie in der nun ablaufenden Woche. Nur so viel möchte ich verraten: Als Ruud van Nistelrooy zum HSV wechselte, soll er sich –mündlich – das Versprechen geben lassen haben, dass falls Manchester United oder Real kommen und ihn haben möchten, dass er dann (natürlich gegen eine entsprechende Ablöse) gehen könne. Dieser Absprache konnte man beim HSV damals beruhigt zustimmen, denn wer kauft noch einen „älteren Herren“, der zudem oft verletzt ist? Als dann Real tatsächlich kam, konnte oder wollte man sich beim HSV nicht mehr an die mündliche Vereinbarung erinnern.
Wobei ich bewusst keine Namen nennen möchte . . . Wegen des Teufels . . . Es ist ja auch Schnee von gestern. Mathijsen und van Nistelrooy genießen nun die spanische Sonne, und allein deshalb beneide ich sie.

Und noch ein Name eines Ex-HSVers ist mir in dieser Woche auf komische Art und Weise untergekommen: Jörg Butt. Der heutige Bayern-Torwart ist in England, so wurde es nun von einer Zeitung veröffentlicht, eine „unerwünschte Person“. Ich weiß allerdings nicht, warum? Ich kann mir da auch keinen Reim drauf machen. Für mich ist Jörg Butt einer der nettesten und liebenswürdigsten Profis überhaupt. Ich habe in den fast 32 Jahren HSV-Reporter viele, viele Spieler kommen und gehen sehen, Butt ist unter jenen Profis, die von mir am meisten geschätzt werden, ganz sicher unter den ersten fünf. Wenn nicht unter den ersten drei. Und das ist (auch) keine Provokation – von wegen: „Lass den Torwart gleich zu Hause . . .“

Um es noch einmal zu sagen: Als Butt damals den HSV verließ, ging er total sauer. Er war als kleiner, unbekannter Torwart vom VfB Oldenburg gekommen, war eigentlich nur die Nummer drei des HSV, wurde dann aber die Nummer eins. Und das hätte er gerne seinen Vertrag etwas aufgestockt gehabt – verständlich. Und als diese Zahlen dann plötzlich in einer Hamburger Zeitung „angeprangert“ standen, da hatte er die Nase voll vom HSV – und ging. Und? Wer hätte das denn nicht gemacht.

Aber das ist natürlich auch noch der viel, viel ältere Schnee . . .

So wie die Trainer-Serie, die ich vor ein paar Tagen begonnen habe, die ich nun aber nicht so akribisch fortsetzen möchte. Denjenigen Usern, die mich ob der schonungslosen Offenheit bepöbelt haben (was ich mittlerweile – ganz ehrlich – mit ganz großer Gelassenheit ertrage!), denen möchte ich sagen: Stimmt alles nicht, was ich geschrieben habe, war alles gelogen. Ich habe deshalb nicht nur – völlig berechtigt – Eure Schmähungen erhalten und gelesen, ich habe auch 18 Gegendarstellungen erhalten. Damit beschäftigt sich nun mein Anwalt. Eines noch: Wer meine sofortige Entlassung fordert, der sollte nicht mir schreiben (das liegt eigentlich auf der Hand!), denn ich kann mich nicht selbst entlassen, der sollte dann doch besser an den Springer Verlag oder an das Hamburger Abendblatt schreiben.
Danke.

Kurz noch zur Trainer-Serie: 1997/98 übernahm Frank Pagelsdorf vom Duo Magath/Schehr. Und der damalige Präsident Uwe Seeler gab „Pagel“ die Aufgabe, eine total neue Mannschaft aufzubauen. Es rollten die Köpfe. Doch so richtig gut ab ging es erst in der Saison 1999/00, als neben anderen Mehdi Mahdavikia, Niko Kovac und Roy Präger kamen, und Rodolfo Cardoso aus Argentinien zurückkehrte. Das war die Champions League. Und das nicht nur, weil die Mannschaft überragende Namen an Bord hatte, sondern weil die Mannschaft eine Mannschaft war.

Das hatte Pagelsdorf sehr gut hinbekommen, er hatte einen guten Blick und ein meistens erstklassiges Händchen für neue Spieler (für damals noch relativ wenig Geld). Wenn ich es bei Egon Coordes lobend erwähnt habe, so muss ich das auch bei Pagelsdorf tun. Sein Training war – vor allen Dingen in den ersten Jahren – sehr gut. Auch bei ihm fanden sich viele Hamburger Amateurtrainer in Ochsenzoll ein, um sich etwas abzuschauen. Das ist für mich immer auch ein Zeichen, dass sicher in der Stadt herumgesprochen hat, dass beim HSV „vernünftig“ trainiert wird.

Mein Verhältnis zu Frank Pagelsdorf war professionell-gut, so war es, wenn ich mir das erlauben darf zu sagen, wohl mit den meisten Kollegen von mir. Für mich ist „Pagel“ einer der besten HSV-Trainer, die ich mit und bei dem Klub erlebt habe. Dass es hin und wieder auch Ärger gab (auf den ich jetzt aber nicht mehr näher eingehen werde), das liegt in der Natur der Sache. Aber auch längst der Schnee von gestern – oder vorgestern.

Am 15. September 2001 musste Frank Pagelsdorf den HSV verlassen, nach einem 3:3 daheim gegen Mönchengladbach zog die Führung die Reißleine. In sechs Bundesliga-Spielen hatte es nur einen Sieg gegeben (2:0 gegen Stuttgart), das genügte den Hamburger Ansprüchen (natürlich, bin ich versucht zu schreiben) nicht. Für ihn übernahm Holger Hieronymus, der dann erst einmal Co-Trainer Armin Reutershahn (Freundschaftsspiel gegen Braunschweig, 1:4) und drei Tage später (5. Oktober 2001) Kurt Jara Platz machte. Mit dem Österreicher gab es dann im Freundschaftsspiel gegen Eintracht Frankfurt einen 3:0-Sieg.

So, das war die Sache mit dem Trainer für heute. Aktuell gibt es vom HSV heute nichts, es ist Wochenende. Vielleicht nur die Tatsache, dass sich die Trennung von Jonathan Pitroipa immer mehr abzeichnet, Stade Rennes will den „schmalen Dribbelkünstler“ wohl unbedingt haben. Ich hätte, offen gesagt, nichts dagegen. Wer sich daran erinnern kann: „Piet“ kam am letzten Tag der Saison (am Tag nach dem Gladbach-Spiel) gleich mit drei großen Tüten beladen aus der Kabine, darin waren offenbar alle seine persönlichen Sachen. Damals habe ich schon gesagt: Das sieht ganz nach einem endgültige Abschluss aus – und so wird es nun kommen.

Aktuell kann ich nu vom Verbandstag des Hamburger Fußball-Verbandes berichten. Weil dort der Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes sprach, Wolfgang Niersbach. Er machte das locker-leicht aus der Hüfte, ohne einen Spickzettel – er weiß immer ganz genau, wovon er spricht. Und alles hat immer Sinn und Verstand. Für mich jedenfalls. Und ich schreibe hier ja auch ein wenig darüber.

Niersbach sprach u. a. über die vielen, vielen Talente in Deutschland, die nicht so einfach vom Himmel fallen. Er sagte: „Früher haben wir Deutsche neidisch zu den Fußballschulen nach Frankreich geblickt, und sprachen auch voller Neid und Anerkennung von der Talentschmiede, die Ajax Amsterdsam weltberühmt gemacht hat. Das hat sich lange verändert. Heute müssen wir nicht nach Frankreich oder Amsterdam fahren, heute kommen sie uns an den Grenzen entgegen, weil sie zu uns kommen um zu fragen, wie wir das machen.“

So ändern sich die Zeiten. Niersbach nicht ohne Stolz: „Was wir hier aufgebaut haben, das kann sich nicht nur sehenlassen, das ist vorbildlich. 130 Stützpunkte haben wir im ganzen Land verteilt, darunter sechs in Hamburg. Dort werden die Zehn- bis 14-Jährigen zusätzlich zu ihrem Vereinstraining geschult, und zwar von qualifizierten Trainern. Das ist wirklich eine wunderbare Geschichte. Und die besten Spieler kommen dann nicht nur in unsere Auswahlmannschaften, die mit der U 15 beginnt, sie gehen auch in die Leistungszentren der Lizenzvereine, wo sie optimal betreut werden. Und sie kommen in die Eliteschulen. Hier in Hamburg gibt es das Gymnasium Heidberg, dort hat zum Beispiel Nationalspielerin Kim Kulig vom HSV ihr Abitur gebaut, und auch Eric-Maxim Choupo-Moting.“

Wolfgang Niersbach nennt noch weitere Beispiele: „Mario Gomez und Sami Khedira haben solche Eliteschulen besucht, um nur zwei Namen zu nennen – alle Spieler, die heute in der Nationalmannschaft spielen, haben einen solchen Weg hinter sich. Darauf können wir stolz sein, es hat sich in den letzten Jahren viel beim DFB getan. Deutschland hat mittlerweile perfekte Strukturen, obwohl man sich, das gebe ich auch zu, innerhalb solcher Strukturen auch immer noch weiter verbessern kann. Man kann zum Beispiel immer noch qualifizierte Trainer anstellen, aber insgesamt ernten wir nun die Früchte unserer Arbeit.“ Dann ergänzte Niersbach noch: „Unsere Nationalmannschaft hat bei der WM 2010 in Südafrika nicht nur wegen des dritten Platzes begeistert, sondern auch dadurch, dass sie hervorragenden Fußball gespielt hat. Und das war damals die jüngste deutsche WM-Mannschaft aller Zeiten. Und zuletzt, der Sieg in Baku, war die jüngste deutsche Nationalmannschaft aller Zeiten.“

20 Millionen Euro lässt sich der DFB das Thema Ausbildung pro Jahr kosten, das Geld ist sinnvoll investiert – und hat sich schon bezahlt gemacht. Der DFB hat 6,8 Millionen Mitglieder (1,2 Millionen davon sind weiblich), es wird in den nächsten Jahren mit acht Millionen gerechnet. „Unser Fußball ist stark, unser Fußball wird stark bleiben, und unser Fußball bleibt auch Woche für Woche spannend“, versprach Wolfgang Niersbach und lobte zum Abschluss extra und ganz besonders alle Ehrenämtler. Und dann schloss der Generalsekretär mit einem Spruch des zeitgenössischen Philosophen Mehmet Scholl, der über die Kameradschaft in einer Mannschaft einst sagte: „Kameradschaft ist, wenn der Kamerad schafft.“

Für seine launige und hoch interessante Rede erntete Niersbach viel Beifall.

PS: Seit Monaten habe ich mich nicht mehr zu meiner persönlichen Situation geäußert, ich wollte es auch nicht mehr (will mich jetzt wieder dran hakten), möchte mich aber nicht nur über den Pöbel äußern, sondern auch ausdrücklich allen danken, die mir Lob und viele dankenden Worte schenkten. Das tat sehr gut! Danke!

17.42 Uhr

Collo zu 1860, Mathijsen weg, Rennes legt nach ***aktualisiert mit Stimmen von Collo****

17. Juni 2011

Eine überwältigende Reaktion. 90 Prozent Ablehnung wurden errechnet. Der Blog wurde als der schlechteste von allen betitelt, begleitet von Beleidigungen einiger. So funktioniert anonymes Posting, und das muss ich mir – darauf war und bin ich tatsächlich eingestellt – gefallen lassen. Schlechte Nachrichten führen fast immer dazu, dass hier Verschwörungstheorien gepaart mit Beleidigungen, aber eben auch gehaltvolle Kritik Eurerseits angeführt werden. Letzterem stelle ich mich. Dennoch, jetzt hier in die Diskussion einzusteigen und alles neu aufzurollen machte keinen Sinn. Die Zeit wird die Antworten bringen und Zahlen offenbaren. Warten wir darauf.

Deshalb beschäftigen wir uns doch mit anderen Dingen. Damit zum Beispiel, dass Collin Benjamin bereits seinen Medizincheck in München absolviert hat und in der kommenden Saison aller Voraussicht nach nur ein- statt 17-mal am Millerntor auflaufen soll – und das als Spieler der Löwen von 1860 München, bei denen der 32-Jährige Anfang nächster Woche für ein Jahr Jahre unterschrieben soll. “Wir hatten ein sehr gutes Gespräch”, bestätigte 1860-Sportdirektor Florian Hinterberger, “wir werden uns Anfang kommender Woche noch mal hinbsetzen und sprechen. Klar ist, beide Seiten haben großes Interesse an einer Zusammenarbeit.”

******AKTUALISIERUNG*********

Collo selbst habe ich gerade eben sprechen können. Er wirkte begeistert und tatenfreudig. Collin: “Ich werde, wenn ich am Wochenende nicht tot umfalle, am Montag bei 1860 meine erste Trainingseinheit absolvieren. Ich hatte eine Woche Kontakt und habe mir alles sehr genau angehört. Der Klub vermittelt Aufbruchstimmung und ich möchte zusammen mit einigen anderen, erfahreneren Spielern dazu beitragen, dass die Löwen an alte Erfolge anknüpfen. Auf jeden Fall, und das hat mich letztlich überzeugt, ist bei 1860 München wieder richtig Leben drin. Ich freue mich auf die neue Aufgabe.”

Dass er gern in Hamburg geblieben wäre, daraus macht er kein Geheimnis. München sei zwar auch eine sehr schöne Stadt, “aber an Hamburg kommt in Deutschland einfach nichts ran”. Auch deshalb werden seine Frau und Kinder zunächst in Hamburg bleiben. “Ich werde mich heute Abend und am Wochenende mit meiner Frau abstimmen und besprechen. Ihre Meinung ist mir sehr wichtig. Aber wenn alles normal läuft, unterschreibe ich zunächst für ein Jahr. Und klar ist auch – ich werde wiefder nach Hamburg zurückkehren. Früher oder später…”

Auf jeden Fall zum Spiel bei Pauli. Denen war Collo sogar angeboten worden. Allerdings lehnten Manager Helmut Schulte und der neue Trainer Andre Schubert letztlich ab, weil Collo nicht in die neue (Alters-)Struktur passt. Und ohne dem Nachbarn etwas Böses zu wollen, hoffe ich, dass der FC schon bald merkt, was für einen Fehler er gemacht hat. Spätestens dann, wenn Collo am Millerntor in hellblau-weiß aufzieht…

Abgelehnt hat der HSV unterdessen den Halbbruder von Guy Demel. Der heißt Yannik Sagbo, ist Stürmer, 22 Jahre alt, wurde gerade für die Nationalmannschaft der Elfenbeinküste berufen und stürmt auf Leihbasis 8er gehört dem AS Monaco) für den französischen Zweitligisten FC Evian, der gerade den Aufstieg in die erste Liga realisieren konnte. Neun Ligatore in 31 Spielen erzielte der 1,83-Meter-Mann, dessen Bruder den HSV auf jeden Fall verlasen will und soll. Im gestrigen Treffen der Berater Demels mit Sportchef Frank Arnesen einigten sich die Parteien darauf, weiter nach einem Verein zu suchen, der die vom HSV gewünschte Ablösesumme bezahlen will. Sollte sich hierbei nichts finden, wird Demel am 26. Juni zum Trainingsauftakt erscheinen und vorab ein klärendes Gespräch mit Trainer Michael Oenning führen. Dabei wird zwar keine Versöhnung erwartet/bezweckt, dafür aber der professionelle Umgang miteinander. Immerhin haben beide Seiten noch bis zum Ende der Transferfrist am 31. August Zeit.

Frank Arnesen ist unterdessen dieses Wochenende noch mal mit seiner Familie unterwegs, ehe es „ab Montag keine Familie mehr gibt“, wie Arnesen mit einem Augenzwinkern ankündigt. Zuletzt hatte sich der Däne bei der U-21-EM umgesehen, dort auch das tschechische Talent Jan Lecjaks angesehen. Der Linksverteidiger aus Pilsen ist aktuell an den RSC Anderlecht ausgeliehen, die gerade eine Kaufoption über 900000 verstreichen ließen. Allerdings gilt der 19-Jährige beim HSV nur als möglicher Backup, sollte Marcell Jansen entgegen aktueller Erwartungen doch noch den Klub wechseln.

Bei Jonathan Pitroipa gibt es indes neue Bewegung. Der schnelle Außenstürmer wird von Stade Rennes umworben: Die Franzosen sind sogar bereit gewesen, bis zu 4,5 Millionen Euro für den Burkinaben zu zahlen. Allerdings lehnte der HSV ab, forderte mindestens sechs Millionen Euro. Jetzt sollen die Franzosen ihr Angebot aufstocken wollen. Demnach soll der HSV in den nächsten Tagen ein verbessertes Ablöseangebot erhalten, zudem Leistungsprämien zugesichert bekommen für den Fall, dass sich Rennes für den internationalen Wettbewerb qualifiziert.

Klar ist, und damit gehe ich heute aus diesem Blog raus und wünsche ich schon mal vorab ein schönes Wochenende, klar ist, dass Joris Mathijsen zu Malaga wechselt. Heute unterschrieb der Niederländer einen Vertrag bis 2013, nachdem auch letzte Details zwischen dem HSV und den Spaniern geklärt worden waren. Mathijsen, der 2006 zum HSV wechselte und in 210 Spielen (davon 148 x Bundesliga) sieben Tore erzielte, bringt dem HSV rund 1,5 Millionen Euro Ablösesumme ein. Der 31-Jährige, der vor fünf Jahren von AZ Alkmaar zum HSV gewechselt war, folgt damit seinem Landsmann und Freund Ruud van Nistelrooy, der wie er von Rodger Linse beraten wird, an die Südspitze Spaniens. „Wir wünschen Joris für die kommenden sportlichen Aufgaben beim FC Malaga und für seine private Zukunft alles Gute“, sagt Sportchef Arnesen zum Abschied. Worte, denen ich mich anschließen möchte. Wer in fünf Jahren 148 Ligaspiele absolviert, also aufgerundet 30 von 34 Spielen pro Saison im Schnitt, der hat sich definitiv um den Verein verdient gemacht und einen würdigen Abschied verdient.

In diesem Sinne, Joris und Euch alles Gute,

Scholle

16.30 Uhr

Lasst uns dem Umbruch eine echte Chance geben…

16. Juni 2011

Es klang alles gut. „Die Zahlen lassen es zu, optimistisch in die Zukunft zu blicken“, hatte Ernst-Otto Rieckhoff nach der Aufsichtsratssitzung am, Mittwoch gesagt. Mehr gäbe es von seiner Seite nicht zu berichten. Von rund drei Millionen Euro Minus für das abgelaufene Geschäftsjahr war die Rede. Eine Summe, die angesichts des teuren Kaders und des Nichterreichens eines internationalen Wettbewerbes auf den ersten Blick auch nicht verwundern. Und da der Aufsichtsratsvorsitzende hinzufügte, dass die Zahlen für die Zukunft Optimismus verbreiten könnten, schien alles im Lot. Eben so, wie wir es alle gern hätten – und einige hier auch mit Vehemenz behaupten und verteidigen.

Dennoch, und ich weiß, damit mache ich mir hier keine Freunde, die Wahrheit ist leider nicht so rosig, wie es zu vermuten wäre. Der Aufsichtsrat versucht, Ruhe in den Verein zu bringen, setzt auf Zeitgewinn. Es wird gehofft, dass durch Erfolge in der kommenden Saison (Finanz-)Löcher gestopft werden können, die abzusehen sind, aber unerwähnt bleiben. Und um hier eins klarzustellen: mit einem Konzept im Hinterkopf ist das wahrscheinlich auch die taktisch cleverste Lösung.

Aber eben eine, über die sich alle bewusst sein müssen und die nicht – wie hier von immer denselben Leuten wieder – verkannt werden darf. Dieser Verein steht finanziell nun mal am Scheideweg. Das ist ein unbestrittener Fakt. Und je früher das allen klar wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass auf die neuen Umstände passend reagiert werden kann.

Wie es der HSV mit seiner Transferpolitik längst tut. Deshalb werden teure Spieler abgegeben, verkauft und dafür junge, talentierte und vor allem kostengünstige Spieler geholt. Der HSV reagiert und macht auch kein Geheimnis daraus, dass „in Zukunft kleinere Brötchen gebacken werden müssen“, wie Vorstandsboss Carl-Edgar Jarchow vor Wochen bereits verkündet hatte.

Aber es gibt in meinen Augen einfach noch zu viel Augenwischerei. Von drei Millionen Euro Minus zu sprechen und dabei die 12,5 Millionen Euro von Kühne unerwähnt zu lassen, die auch einen Teilverkauf von Transferechten nach sich ziehen, ist trügerisch. Zudem für die neue Saison die bislang 14 Millionen Euro eingesparte Gehälter einzuberechen und die Verkäufe von David Rozehnal, Alex Silva, Guy Demel und Joris Mathijsen vorauszusetzen, ist zwar legitim, aber gefährlich weil spekulativ. Zumal dann, wenn die Spieler nicht das erlösen, was sich der Verein von ihnen erhofft hat. Bestes und aktuellstes Beispiel dafür ist Joris Mathijsen, der 2006 für sechs Millionen aus Alkmaar verpflichtet worden war und statt der erhofften zwei bis drei Millionen Euro dem Vernehmen nach nur 1,5 Millionen Euro einbringt. Zudem steht der Abgang von Demel zwar für beide Seiten fest, eine finanzielle Lösung hierbei ist aber weiter nicht in Sicht. Denn während Mathijsen heute in Malaga unterschrieb, trafen sich Demels Berater und HSV-Sportchef Frank Arnesen in Hamburg. Wieder ohne Ergebnis.

Rund zwei Millionen fordert der HSV für den Ivorer, der defensiv vielseitig einsetzbar ist und von französischen Erstligisten umgarnt wird. Eine Summe, die man sich beim HSV für David Rozehnal als Ablöse erhofft hatte. Der Tscheche, an dem sein Leihklub OSC Lille interessiert ist, wurde allerdings intern bereits abgewertet. Der 2009 für sechs Millionen Euro eingekaufte Innenverteidiger wird den HSV verlassen und weniger als eine Million Euro an Ablösesumme einbringen. So teilte es der Vorstand seinen Kontrolleuren mit.

Wer genau hinsieht, merkt, dass sich Transfererlöse generell zurückentwickeln. Das ist also kein Fehler der aktuellen HSV-Führung, und kein HSV-typisches Problem, sondern eine allgemeine Tendenz. Bei Mathijsen macht der HSV 4,5 Millionen Minus, bei Rozehnal mehr als fünf Millionen. Und auch für Silva, der 2008 knapp sieben Millionen Euro kostete und bislang eine Million Euro Leihgebühr einbrachte, wird mit einem Minus eingeplant.

Auch deshalb ist beim HSV derzeit kein Spieler mehr „absolut unverkäuflich“. „Wir wollen Pitroipa nicht abgeben“, sagte Jarchow gestern, angesprochen auf ein 4,5-Millionen-Angebot von Stade Rennes, „aber klar ist auch, dass es auch für uns eine Grenze des Vertretbaren gibt.“ Wie ich gehört habe, liegt die aktuell bei geforderten sechs Millionen Euro. Womit der HSV dem Trend entgegenwirken könnte: Immerhin kam Pitroipa 2008 ablösefrei aus Freiburg…

Allerdings, und das ist die Überleitung zum hoffnungsvollen Teil, es können eben nicht nur Spieler abgegeben werden. Es müssen auch qualitativ ebenbürtige geholt werden, um das Saisonziel, um Platz sechs zu spielen, auch realistisch bleiben zu lassen. Und hier liegt der Fokus auf Frank Arnesen, der weder von Dieter noch von mir angegriffen wurde und wird, ehe die Saison ein ganzes Stück weit gespielt ist und genug Erkenntnisse liefert, die Neuen zu bewerten. Im Gegenteil, allen Vorwürfen von einigen Euch zum Trotz, sorge ich mich eher. Ich befürchte einfach, dass die Erwartungen an Arnesen zu groß werden. Denn, und das ist die Schnittmenge dessen, was mir alle mit den aktuellen Zahlen befassten Entscheidungsträger mitteilten, die finanzielle Situation des HSV übt großen Druck auf den sportlichen Bereich aus. Alle wissen, dass sie irgendwann Farbe bekennen müssen und die Zahlen 2011/2012 offenlegen müssen. Ergo: sportlicher Erfolg muss her. Und dieser Bereich wird – gefühlt – momentan fast (ein bisschen Trainer Michael Oenning ist auch dabei) allein von Arnesen vertreten.

Ich würde mich freuen, auch für den Frieden hier im Blog, wenn endlich die finanzielle Situation des HSV offengelegt wird. Ich habe heute mit mehreren Aufsichtsräten gesprochen und alle waren sich einig, dass das die beste Lösung wäre. Allerdings, und das schränkte ein Teil der Gesprächspartner ein. Könnte die gutgemeinte Ehrlichkeit zu negativen Reaktionen führen. „Wir müssen doch aufpassen, dass wir auch für die kommende Saison genug Karten verkaufen“, sagte mir ein Aufsichtsrat und erklärte für mich absolut nachvollziehbar: „Wenn wir alles offenlegen, könnte das abschreckend wirken. Es würden doch eh nur Schreckensszenarien gezeichnet. Und am Ende entsteht eine Art Depression. Das können wir nicht riskieren.“ Schon deshalb gab es gar keine andere Möglichkeit, als nach der Aufsichtsratssitzung auf Optimismus zu machen. „Unser Ziel muss dennoch sein, intern schonungslos ehrlich zu sein und danach zu handeln.“

Und ganz ehrlich: DAS ist ehrlich!
Und ein guter Anfang.

In diesem Sinne, es müssen Fakten geschaffen werden. Wie gestern. Da teilte Interims-Vorstandsboss Jarchow denm Kontrolleuren mit, dass er seinen Job gern fest und nicht mehr übergangsweise machen wolle. Er beendete Spekulationen – und stieß damit auf Zuspruch.

Zudem, und das ist mein absolut ehrlich und mit den besten Absichten geäußerter Appell an uns alle hier im Blog: lasst uns auch hier die Realitäten anerkennen und benennen, damit umgehen und gemeinsam das Beste daraus machen. Ich glaube, nur so hat der Umbruch des HSV eine echte Chance.

Scholle

19.30 Uhr

P.S.: Einen neuen Anfang könnte es übrigens bald für Collin Benjamin geben. Der Namibier steht bei Zweitligist 1860 München ganz hoch im Kurs. So verlautbaren es zumindest meine Münchner Kollegen. Collo selbst war heute (für mich) leider nicht zu erreichen. Sobald ich was höre, reiche ich es hier nach…

Magath oder Sidka – das war hier die Frage

15. Juni 2011

Vielen Dank für die vielen Reaktionen auf den Artikel über Benno Möhlmann. Für „Matz ab“ gibt es keine Sommerpause, da wird von allen Seiten, von allen Ecken und Ende gepowert. Manchmal etwas überraschend für mich, aber so ist es im Fußball nun einmal. Da gibt es neben tollen Toren und Volleyschüssen auch Querschläger, Pressschläge, Fallrückzieher und falsche Einwürfe. Danke für alles.

Den folgenden Artikel habe ich heute aus den Agenturen übernommen. Ich stelle ihn mal ohne Kommentar hier hinein – fast ohne Kommentar: Fand es nur interessant, wie es Kollegen der schreibenden Zunft sehen.

Danach folgt dann noch etwas zu meiner Trainer-Serie:

Hamburg (dapd). Hundertdreizehn! So lautet die Antwort auf die Frage: Wie viele Minuten kamen in der vergangenen Rückrunde HSV-Spieler zum Einsatz, die aus der eigenen Jugend stammen? Diese 113 Minuten verteilen sich auf die drei Kurzeinsätze von Tunay Torun am 27., 30. und 31. Spieltag. Der türkische Stürmer wechselt in diesem Sommer übrigens nach Berlin zu Aufsteiger Hertha BSC. Soviel zum Thema Nachwuchsarbeit beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV.

Während in der abgelaufenen Saison bei fast allen Konkurrenten junge, deutsche Spieler um die 20 für Aufsehen gesorgt haben, sucht man unter den Stammkräften des Erstliga-Dinos seit Jahren vergebens Nachwuchskräfte aus eigenem Anbau. Stattdessen bekamen immer wieder Altstars wie Zé Roberto (36) oder Ruud van Nistelrooy (34) die Gelegenheit, ihre Rente aufzubessern, während ihr Stern sank. Das alles soll und muss nun anders werden. Soll, weil die neue sportliche Leitung um Sportdirektor Frank Arnesen und Trainer Michael Oenning es so will. Und muss, weil schlicht und ergreifend das Geld fehlt und den Verantwortlichen gar keine andere Wahl bleibt. „Zur neuen Saison werden wir Etat und Gehaltskosten herunterfahren müssen“, kündigte Vorstandschef Carl E. Jarchow bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Frühjahr an.

Chelsea-Talente statt überteuerte Alt-Stars

Zumindest was den Altersdurchschnitt angeht, ist der HSV unter dem neuen Sportchef Frank Arnesen auf einem guten Weg. Zé Roberto, van Nistelrooy sowie Torwart-Oldie Frank Rost (37) oder auch Collin Benjamin (32) haben keine neuen Verträge bekommen. Weitere Trennungen im Bereich der Topverdiener sind angedacht. So gehören auch die Verteidiger Guy Demel (30) sowie die zuletzt verliehenen David Rozehnal (30) und Alex Silva (26) zu den Profis, die man bis zum 30. August gerne verkaufen würde. Da ihre Verträge 2012 enden, brächten sie nämlich kommenden Sommer kein Geld mehr in die klammen Kassen.

Ersatz hat Arnesen längst im Auge oder gar schon besorgt: Der Däne lässt ganz einfach die guten Kontakte zu seinem ehemaligen Arbeitgeber spielen. Beim englischen Vizemeister FC Chelsea war er als Nachwuchsleiter, Chefscout, Chefanalytiker und Sportdirektor tätig, bevor er nun beim HSV anheuerte. Arnesen holt also nicht die Katze im Sack, wenn er die Talente des Londoner Klubs reihenweise nach Hamburg lotst. Drei an der Zahl sind es bereits, der vierte soll kommende Woche folgen: Nach dem Italiener Jacopo Sala (19), dem Türken Gökhan Töre (19) und dem Engländer Michael Mancienne (23) wird wohl auch der Holländer Jeffrey Bruma (19) ab der kommenden Saison nicht mehr für die Blues, sondern für die Rothosen auflaufen.

Letzter HSV-Titel bald ein Vierteljahrhundert her

Der Verjüngungs- und Sparkurs ist also eingeschlagen beim Hamburger SV. Junge, deutsche Spieler, mit denen sich die Fans identifizieren können, fehlen weiterhin. Aber auch das soll sich ändern: „Ich will die U23-Mannschaft näher ans Stadion bringen“, sagt Arnesen. „Wann immer es möglich ist, soll die Nachwuchsmannschaft zeitgleich mit den Profis auf dem Nebenplatz trainieren. Jeder, der auf dem Nebenplatz trainiert, will auf den Hauptplatz – und von da in die Arena.“

Aber dieser Prozess braucht Zeit, Michael Oenning wird Geduld verlangen können. Auch der Trainer gilt in Hamburg als Billig-Lösung, schließlich konnte die Mannschaft unter dem ehemaligen Assistenten von Armin Veh in einem schwachen Saison-Endspurt nicht überzeugen: Nach seinem Debüt-Erfolg gegen Köln (6:2) gab es in den letzten sieben Spielen keinen Sieg mehr (fünf Unentschieden und zwei Niederlagen) und nur klägliche drei Tore. Am Ende fand sich der HSV auf Platz acht wieder – schlechter beendete man zuletzt die Saison 2001/02.

HSV kommenden Sommer ein Vierteljahrhundert ohne Titel

Die kommende Spielzeit wird also voraussichtlich mal wieder zu einer Leidenszeit für die nach Erfolgen lechzenden HSV-Fans – aber das sind sie ja gewohnt. 2006 schaffte man zuletzt die Qualifikation zur Champions League – und ging in der Gruppenphase als Tabellenletzter kläglich unter. Der bisher letzte Titel, der DFB-Pokalsieg 1987, wird Ende der kommenden Saison ein Vierteljahrhundert her sein. Und dass dann bereits ein weiterer hinzukommt, damit rechnen selbst die treuesten Fans nicht.

So, das war der DAPD-Artikel. Nun setze ich, Dieter Matz, die Trainer-Serie fort.

Heute geht es weiter mit Felix Magath. Wobei ich einen kleinen Umweg über Bremen gehe. Heute rief mich ein glühender Werder-Fan an, der in Hamburg lebt und mit mir befreundet ist. Der sagte mir (auch ein wenig vorwurfsvoll?): „Wenn man deine Nähkästchen liest, dann könnte man auf den Gedanken kommen, dass du jeden zweiten HSV-Trainer mit verpflichtet hast . . .“ Ich dazu: „Wieso, nur weil ich ein wenig bei Willi Reimann und Gerd-Volker Schock nachgeholfen habe . .?“ Schon wieder beim Lügen erwischt. Ehrlich. Denn bei Magath war ich ja auch involviert. Ich schrieb es schon einmal, aber – wie gesagt – es gibt ja täglich neue „Matz-ab“-Leser, die sollen auch ins rechte Bild gesetzt werden.

Eines Tages, es war ein Montag, klingelte in der Redaktion das Telefon. Jürgen Hunke: „Dieter Matz, Sie kennen doch Gott und die Welt, ich suche einen Trainer für den HSV, der die Amateure trainiert, der aber auch gleichzeitig Co-Trainer von Benno Möhlmann ist. Wüssten Sie da einen?“ Ich: „Natürlich, Felix Magath.“ Hunke: „Wieso Magath?“ Ich: „Weil Sie doch erstens Alt-HSVer wieder in den Verein holen wollen, und weil Magath zweitens die Raute im Herzen trägt, und weil er drittens mit einer No-name-Mannschaft des FC Bremerhaven große Erfolge feiert.“ Hunke: „Dann geben Sie Magath meine Nummer, er möge mich mal anrufen.“

Ich aufgelegt – und gleich wieder aufgenommen. Magath angerufen: „Felix, Hunke such einen Trainer für die Amateure und einen Co für Benno Möhlmann, du sollst ihn mal anrufen.“ Magath: „Das mache ich nicht. Hunke und ich, das passt nicht.“ Ich: „Felix, was kennst du denn von Hunke? Und: Überlege doch mal: Wer ist jetzt Trainer des HSV?“ Magath: „Benno Möhlmann.“ Ich: „Und wer ist HSV-Trainer, wenn der Klub mal in eine Krise gerät? Immer der Assistent. Erst einmal jedenfalls.“ Magath: „Okay, gebe mir die Nummer . . .“

Magath rief Hunke an, beide trafen sich am folgenden Freitag, beide Herren riefen mich nach dem Treffen an und sagten unisono: „Am Montag wird der Vertrag gemacht.“ So lief das. Jahre später, genau bei der WM 2002 in Japan und Südkorea, traf ich vor einem WM-Stadion zufällig die DFL-Delegation. Mit dabei waren Dr. Koch (heute DFB-Vize), Harald Strutz (Präsident Mainz 05), und, und, und. Und Heribert Bruchhagen. Der nahm mich dann vor versammelter „Mannschaft“ in den Arm und sagte „Wisst ihr, dass Dieter Matz mir einst die erste richtig schmerzhafte Niederlage als HSV-Manager beigebracht hat?“ Sie wussten natürlich nichts. Ich wusste auch von nichts – und war echt erstaunt, als Bruchhagen verriet: „Als wir damals einen Trainer für die Amateure und zugleich einen Assistenten für die Profis gesucht haben, schlug Dieter Matz Felix Magath vor, ich schlug Wolfgang Sidka vor – und der Matz-Vorschlag wurde genommen.“ Das war auch absolutes Neuland für mich, aber man lernt ja bekanntlich nie aus.

Am 6. Oktober 1995 wurde Felix Magath HSV-Trainer, er löste Möhlmann ab. Übrigens, das nur zum Thema Neueinkäufe. In der Saison, nur als Beispiel (und das ist keine Attacke gegen den damaligen und auch nicht gegen den heutigen Sportchef) die Verpflichtungen der Saison 1995/96: Hiemann (Chemnitz), Kmetsch, Jähning (Dresden), Claaßen (Wilhelmshaven), Hollerbach (Kaiserslautern), Riegel, Siedschlag, Salihamidzic (eigene Amateure), Ostermann (Lurup) und Henchoz (Xamax Neuchatel). Namen, die jeden HSV-Kenner noch heute in Euphorie ausbrechen lassen.

„Matz, du bist und bleibst ein Amateur.“ So sagte es Magath mir immer dann, wenn ich ihn auf eine gewisse Art und Weise (leicht) korrigieren wollte. Über diese Versuche aber kam ich nie hinaus, da ließ der gute Felix nicht mit sich spaßen. Mehr möchte ich zu Felix Magath eigentlich nicht schreiben, es ist doch schon alles gesagt und geschrieben worden. Wir waren Stammtisch-Brüder, und als solche gewannen wir (aber nur fünf Brüder von zwölf) an einem zweiten Weihnachtsfeiertag einmal 22 500 Mark im Lotto. Das war mein (unser) nächster Urlaub.

Felix Magath musste am 18. Mai 1997 seinen Hut nehmen, ausschlaggebend war eine empfindliche 0:4-Heimpleite gegen den 1. FC Köln. Mit dieser Pleite geriet der HSV in arge Abstiegsnöte, doch Interims-Coach Ralf Schehr, der „alte“ Concorde, rettete mit zwei ungeschlagenen Spielen (2:1 gegen Dortmund, 1:1 in Düsseldorf) die Klasse. Schehr war einst Hamburgs Verbandstrainer, bevor er die HSV-Amateure übernahm, unter seiner Regie erwarb ich die Trainer-B-Lizenz. Was ich ihm bis heute (leicht) übel nehme ist die Tatsache, dass meine Prüfung (in Ochsenzoll) abnahm und mir nur eine „Zwei minus“ gab. Mit dem Hinweis: „Thema leicht verfehlt.“ Ich hätte, um die A-Lizenz erwerben zu können, aber eine glatte Zwei haben müssen. Die A-Lizenz hatte mir Ralf Schehr damit aber verwehrt. Das nur am Rande.

So, und alle die bis jetzt bis hierhin gelesen haben, noch drei aktuelle HSV-Nachrichten:
Joris Mathijsen wird ganz heiß in Spanien gehandelt, Malaga und van Nistelrooy locken wohl sehr vehement, ich gehe davon aus, dass der Niederländer den HSV verlassen wird.
Zudem wird Jonathan Pitroipa (HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow: „Wir wollen ihn nicht unbedingt abgeben“) wird mit Frankreich und Stade Rennes in Verbindung gebracht. Und hinter Eljero Elia ist immer noch, und zwar vehement, Juventus Turin hinterher.

Es tut sich also noch allerhand.

16.29 Uhr

Arnesen krempelt die Ärmel auf

18. Mai 2011

Er war kurz da und ist schon wieder weg. Aber das auch nur ganz kurz. Am Montag kehrt Frank Arnesen wieder nach Hamburg zurück, und von diesem Tag an, dem 23., Mai 2011, ist er dann auch in Amt und Würden, dann ist er tatsächlich der neue HSV-Sportchef. Bevor der Däne sich wieder nach London aufmachte, gab es für die Medien der Hansestadt noch die Gelegenheit, einige Fragen zu stellen. Geduldig stellte sich Arnesen den Reportern, er ist schon „voll drin“ in seiner Aufgabe, und ich habe einen wirklich guten Eindruck von diesem Mann. Er weiß genau, wovon er spricht, er weiß genau, was er will – und was nicht. Und er weiß auch, dass er etwas kann. Das sind keine Luftblasen, die Arnesen da von sich gibt, der Mann denkt sorgfältig nach, was er sagt, und es hat alles Hand und Fuß, was er so von sich gibt. Und selbst wenn er spontan antwortet, dann wird eines ganz offensichtlich: Dieser Mann ist Fußballer durch und durch, er kann auf einen riesigen Erfahrungsschatz zurückgreifen – und er weiß, was in Hamburg von ihm erwartet wird. Egal ob nun Strohhalm, Heilsbringer oder Hoffnungsträger – Frank Arnesen wird dem HSV helfen müssen, er hat sich darauf von A bis Z eingestellt. Und ich glaube nach diesem Treffen auch, dass er dem HSV helfen kann, helfen wird.

Kurz bevor unser Gespräch beendet war, gab es noch für mich ein besonderes Aha-Erlebnis. Es ging um Paolo Guerreros Verletzung, wie lange der Peruaner ausfallen wird, ob der HSV-Stürmer doch zur Copa America fliegen muss. Arnesen: „Wir werden die nächsten zwei Wochen abwarten, wie sich das alles entwickelt, dann werden wir miteinander sprechen.“ Eventuell, wenn Guerrero tatsächlich von Peru angefordert wird, muss ein HSV-Arzt mitfliegen, um dann vor Ort mit den Kollegen der Peruanischen Nationalmannschaft zu beraten, ob ein Einsatz sinnvoll ist. Dann sagte Arnesen etwas für mich Überraschendes und auch höchst Erfreuliches: „Wir sind ja schon früher in Peru gewesen, als Paolo seinen Kreuzbandriss hatte. Wir kennen die Leute, die Ärzte, wir haben ein gutes Verhältnis zu ihnen aufgebaut, wir haben sehr gute Beziehungen – und diese Erfahrungen brauchen wir auch diesmal, um Guerrero wieder fit zu bekommen.“
Habt Ihr auf die Feinheiten geachtet? Arnesen hat „wir“ gesagt. „Wir“ in einem Zusammenhang, den er gar nicht kennt, nicht kennen kann. Guerreros Kreuzbandriss liegt schon über eineinhalb Jahre zurück, aber „wir kennen die Leute, wir kennen die Ärzte . . .“ Kompliment, Herr Arnesen, Sie, „wir“ und der HSV – das ging aber fix! Und fängt schon viel versprechend an.

Und bewegt hat Frank Arnesen (als Chelsea-Mitarbeiter) auch schon einiges – in Hamburg. Der HSV sucht im Moment einen neuen Co-Trainer, im Gespräch ist ein Deutscher. Der wird Rodolfo Cardoso ersetzen, der wieder zurück zur Regionalliga-Mannschaft gehen wird. Und noch etwas wird neu sein beim HSV 2011: Das Team von Cardoso wird in Zukunft parallel zur Profi-Mannschaft trainieren – jedenfalls so oft es geht. Weg von Ochsenzoll, ran an die Arena. Durch die Nähe soll der Übergang der Talente in den Profi-Bereich leichter gemacht werden, sie stehen mehr unter Beobachtung – und sie können, je nach Bedarf, auch unkompliziert mal am Training der Profis teilnehmen. Eine sinnvolle Erneuerung. Arnesen: „Als wir jung waren, haben wir doch auch immer zu den Profis aufgeschaut, so wird die Kluft zwischen den Talenten und der ersten Mannschaft verringert, der Übergang wird damit leichter gemacht.“ Es sollen auch künftig schon B-Jugendliche zeitweise bei den Profis mittrainieren.

Am Dienstag hatte Frank Arnesen eine Gesprächsrunde mit dem Aufsichtsrat. Der Sportchef: „Ich hatte natürlich schon öfter solche Gespräche, aber noch nie mit zwölf Mann. Das war eine neue Erfahrung für mich, aber ich muss sagen, es war sehr interessant, und es war auch sehr positiv. Mir wurden sehr viel Fragen gestellt, und das mag ich sehr gerne.“ Erst hatte Michael Oenning seine Vorstellungen präsentiert (ein Rückblick und ein Ausblick), dann kam Frank Arnesen. Es wurde über jeden Spieler gesprochen – auch über noch anstehende Wechsel, auch über die Neuen. Arnesen: „Es war wirklich ein sehr positives Gespräch.“

Bastian Reinhardt wird sich künftig mehr um die Jugend, mehr um die Talente des HSV kümmern, er wird eine Art Vermittler spielen zwischen Jung und Alt. „Diese Position war Bastians Wunsch, ich glaube, er wird eine sehr gute Rolle für uns spielen können. Ich habe ihnen kennen gelernt, er ist ehrgeizig, er ist jung, er will – und er wird wichtig für uns werden“, sagt Arnesen, der die alte Scouting-Abteilung um Michael Schröder (noch oder vorerst) behalten will. Der Däne will alles zusammenfügen, und er will abwarten, wie sich diese Arbeit entwickelt. Klappt es gut, werden wohl alle beim HSV bleiben, klappt es nicht, werden doch noch Köpfe rollen: „Wir sind ein Team. Und ich werde mir das in Ruhe anschauen. Wir brauchen Qualität, und wenn wir Qualität haben, dann wollen wir die auch behalten. Auch gute Leute, die bleiben wollen, werden wir behalten. Ich werde mir die nächsten Monate genau ansehen, das ist mein Job, und wenn ich das Gespür habe, dass da ein guter Mann mit uns gehen will, dann geht er auch mit. Ich habe das Gefühl, dass es im Scouting-Bereich eine sehr gute Atmosphäre herrscht, dass die Leute da wollen. Wir müssen zusammenarbeiten, und ich habe dafür ein sehr gutes Gefühl.“

Dass nun (fast) alle HSV-Hoffnungen auf Frank Arnesen ruhen, das weiß der Däne. Und er geht locker damit um. Er sagt: „Ich bin es gewohnt, dass die Leute sehr viel von mir erwarten. Ich war Fußballer, dann Trainer, dann viele Jahre beim PSV Eindhoven, Tottenham und Chelsea, ich kann mit dem Druck leben, es ist ja doch immer wieder dasselbe. Es ist nun eine neue Herausforderung für mich, und darauf freue ich mich. Aber ich hoffe, dass die Hoffnungen der Hamburger nur zeitlich begrenzt auf meinen Schultern liegen, denn die Nummer eins müssen die Spieler sein.“ Aber davon gibt es zurzeit nicht mehr so viele. Und vielleicht werden es ja noch viel weniger, wenn ich so an Mladen Petric, Joris Mathijsen, Jonathan Pitroipa oder auch Robert Tesche denke. Da kann noch so viel passieren.

Dennoch sagt Arnesen, dass der HSV noch einige sehr gute Spieler in seine Reihen weiß. „Da sind sehr viele gute junge Spieler, die wir noch haben.“ Dann verrät der Sportchef: „Wir brauchen einen Innenverteidiger, wir wissen auch, dass wir einen Mittelfeldspieler brauchen – wir müssen auch wissen, dass noch der eine oder andere Spieler noch von sich aus gehen wird. Darauf müssen wir vorbereitet sein, darauf müssen wir reagieren können, und daran wird jetzt gearbeitet. Ganz klar aber ist, dass wir neue Spieler brauchen.“

Er hat sich alle letzten HSV-Spieler auf DVD’s angesehen, er weiß, wo der Hebel anzusetzen ist, Frank Arnesen ist „schon voll drin“. Er sagt: „Wir wollen das Beste für den Klub, und ich denke, dass wir Anfang August auch eine gute Mannschaft haben werden. Noch haben wir alle Zeit, um gute Spieler für uns zu finden, um alles zu bekommen, was wir wollen.“ Und die Zielsetzung? Arnesen: „Platz sechs oder sieben, darüber möchte ich nicht sprechen. Ich spreche über den ganzen Prozess, den wir nun vor uns haben, über neue Strukturen. Um gute Resultate zu bekommen, muss man stark sein. Und stark müssen nicht nur die Spieler sein, sondern alle, das gesamte Umfeld. Wenn alles bei 100 Prozent ist, die Spieler, die Trainingsbedingungen, die Stadt, das Stadion, der Vorstand, die Trainer, und haben wir einen guten Plan, dann kommt auch das Resultat. Wenn wir jetzt Saisonziele nennen, dann fangen wir bei Z an, wir müssen aber erst einmal mit dem A beginnen. Und alles muss zusammenarbeiten, wir müssen ein Team werden. Alle.“

Und wer kommt? Namen wie Geal Kalkuta, Patrick van Aanholt und Jeffrey Bruma werden gehandelt. Arnesen wollte dazu nicht Stellung nehmen, sagte nur in einem Nebensatz: „Bruma ist ein Thema, aber ob er kommen wird? Ich weiß es nicht.“ Es hängt doch auch am lieben Geld. Und davon hat der HSV nicht mehr ganz so viel. Ob noch Geld in die Kasse kommen wird, hängt auch von den Verkäufen ab. Petric, Mathijsen, Pitroipa. Arnesen, speziell auf Mladen Petric angesprochen, sagt aber auch: „Ich hoffe sehr, dass er bleiben wird. Ich werde mit ihm sprechen. Ganz klar, wir werden alles tun, um die besten Spieler zu behalten.“

20 Spieler, dazu vier hungrige Talente, mit diesem Kader will der HSV, so sagte es einst Trainer Michael Oenning, in die neue Saison gehen. Frank Arnesen: „Da bin ich mir mit dem Trainer absolut einig: 24 Spieler, darunter drei Torhüter, vielleicht auch 25 Spieler – so sollte das aussehen.“ Der Sportchef will in Zukunft ganz nah an der Mannschaft sein, will auch mit ins Trainingslager – aber er wird nicht auf der Bank sitzen: „Das ist nicht mein Platz.“ Das überlässt er dem Trainer. Und über den schwärmt Arnesen schon: „Ich habe ein sehr gutes Gefühl, die Zusammenarbeit mit Michael Oenning war in den letzten zwei Monaten schon sehr gut. Ich bin dafür da, ihn zu 100 Prozent zu unterstützen.“ Dass der Veh-Nachfolger in seinen acht Begegnungen als HSV-Chef-Trainer nur einen Sieg landen konnte, das ficht Arnesen nicht an: „Das muss man über die gesamte Saison sehen. Und wenn ich so an die letzte Minute gegen Dortmund denke, an das 1:1 gegen Leverkusen – das waren Spiele, da hatten wir Pech, die hätten auch gewonnen werden können . . . Ich habe die Spiele analysiert, und ich habe dabei festgestellt, dass die Spieler unter der Regie von Michael Oenning wollten. Sie wollten spielen, sie wollten arbeiten, sie wollten gewinnen. Und manchmal hat man eben mehr Glück, manchmal nicht.“

Auch darüber, dass der HSV in der jetzigen Phase ziemlich „klamm“ ist, sprach Frank Arnesen: „Ganz klar, wir haben im Moment nicht gerade die beste Phase, das wissen wir. Damit habe ich aber keine Probleme, das ist eine Herausforderung für mich. Ich habe gespürt, dass der gesamte Verein sehr positiv ist, das habe ich auch bei dem Gespräch mit dem Aufsichtsrat gemerkt. Und ich bin mir sicher, dass wir noch das eine oder andere werden machen können.“ Will er zaubern? Arnesen: Ich glaube, dass wir mit meinen Kontakten, mit Intelligenz, mit gutem Scouting, mit einem guten Auge alle zusammen auch etwas Gutes machen können.“ Heißt das auch, dass der HSV mehr leihen als kaufen wird? Arnesen: „Das kann es heißen. Wenn gute Spieler da sind, die uns helfen können, die wir aber nicht bezahlen können, dann werden sie ausgeliehen – damit haben wir, es wurde darüber gesprochen, keinerlei Probleme. Und ich in jetzt im Vorstand, ich muss auch an die finanzielle Seite des Klubs denken, und das werde ich auch selbstverständlich tun.“

Frank Arnesen nimmt seine Arbeit beim HSV nun runde sechs Wochen eher auf als geplant, aber dafür muss keine „Ablöse“ an Chelsea zahlen. Die Engländer zeigten sich spendabel. Immerhin hat der Däne ja auch schon in den vergangenen Wochen – nebenbei – immer für den HSV gearbeitet. Auch wohl deswegen identifiziert er sich schon so sehr mit der Raute: „Der HSV war einst die Nummer eins in Europa, die Stadt ist super, das Klub-Umfeld ist hervorragend, der Name HSV ist top – da müssen wir wieder hinkommen. Das ist mein absolutes Ziel. Ich will, dass der HSV wieder mehr gewinnt als verliert. Und hier stimmt das gesamte Umfeld. Hamburg hat es verdient, dass der HSV dort wieder hinkommt, wo er einst war.“ Und er fügt hinzu: „Kontinuität ist dabei sehr wichtig, Kontinuität und Qualität. Und es muss einen guten Aufbau im Verein von unten geben.“

Letzeres dauert aber. Oder kann dauern. Aber es gibt in der Bundesliga schon lange keine Zeit mehr. Schon gar nicht in Hamburg. Das weiß auch Arnesen: „Das wissen wir das ist der Fußball. Dazu müssen wir den Verstand gebrauchen, damit müssen wir umgehen, das ist normal. Der Druck von außen wird groß sein, aber wir alle in Hamburg wollen gewinnen, dafür werden wir arbeiten.“

Wenn es geht, wird sich der HSV auch demnächst wieder einen dänischen Spieler holen. Und auch einen schwedischen. Dieser Name steht schon fest: Marcus Berg. Arnesen: „Er ist unser Spieler, er kommt von PSV Eindhoven zurück. Das steht fest.“ Heute wurde der Stürmer in Schweden an der Hüfte operiert, diese Operation könnte sich auch auf die Vorbereitungsphase auswirken. Nämlich dann, wenn die Schmerzen noch bis in den Juli und August anhalten sollten. Weil es diese Umstände gibt, deswegen steht auch für mich fest, dass Berg auf jeden Fall nach Hamburg zurückkehren wird, denn welcher Verein verpflichtet schon einen kranken Spieler?

Meine letzte Frage an Frank Arnesen: Vor etwas mehr als einem Jahr hatte der alte HSV-Vorstand davon gesprochen, nur noch Spieler „mit Charakter“ verpflichten zu wollen. Was hält der neue Sportchef davon? Er sagt: „Wir arbeiten nach fünf Dingen: technisch-taktisch, physisch, mental, medizinisch und dazu die Lebensweise. Darauf achten wir bei jedem Spieler, das sehen wir uns unter diesen Gesichtspunkten ganz genau an. Charakter muss ein jeder haben, aber es gibt eben auch Spieler, die dazu extrovertiert oder introvertiert sind, das ist dann die Persönlichkeit des Spielers. Wichtig ist, dass ein Spieler den Charakter hat, um zu gewinnen, und wir brauchen, das steht auch fest, Führungsspieler.“
Und weil er das weiß, wird er auch dementsprechend auf dem Markt zuschlagen, davon bin ich überzeugt. Frank Arnesen weiß, ich schrieb es eingangs, ganz genau, was er will. Und was nicht.

Die nächsten Wochen und Monate werden es zeigen, ob ich den Dänen zu viel zugetraut und auch zugemutet habe.

PS: In diesem Artikel ist ein Foto eingeklinkt, es zeigt den Gewinner des Rost-Trikots, es ist Andre Wolff aus Haselund im Kreise seiner Lieben. Nochmals herzlichen Glückwunsch.

18.54 Uhr

Analyse Teil drei: Ze hinterlässt eine Lücke

18. Mai 2011

Bevor es hier bei „Matz ab“ am Abend zu Sportchef Frank Arnesen geht, der noch einmal kurz in der Stadt war und für ein Interview zur Verfügung stand, geht es noch mit der Saisonbilanz weiter. Die restlichen Mittelfeldspieler stehen auf dem Programm.

Los gehts!

Jonathan Pitroipa: hat am Sonntag seine Sachen gepackt. Das heißt, ihre Sachen haben alle HSV-Spieler gepackt, weil es ja in die Sommerpause geht. Da werden dann die Sachen, die im Spind hängen und dort nicht über Wochen bleiben sollen, mitgenommen. Das ist so Sitte. Aber wer genau hinsah, der wird festgestellt haben, dass der gute „Piet“ gleich zwei prall gefüllte Plastiktüten voller Klamotten an sein Auto schleppte. Mehr als jeder andere Kollege. Als ich das sah, da dachte ich spontan bei mir: „Hey, das sieht aber ganz nach Abschied aus . . .“ Ich könnte mir vorstellen, dass Pitroipa seine Sachen für immer gepackt hat – und dass der 1. FC Köln ruft. Sein alter Trainer Volker Finke. Traurig würde mich dieser Wechsel nicht machen, denn „Piet“ hat eine schlechte Saison gespielt. In jener Verfassung, in der er sich zuletzt präsentierte, wird er kein Verlust sein. Der Mann kann zwar laufen und dribbeln, aber eben keine Tore machen. Das wird wohl immer sein Problem bleiben. Für mich ist Pitroipa einer der größten Flops dieser Saison, wobei es sicher auch daran lag, dass ihm die Trainer zu Beginn des Jahres kein Vertrauen mehr entgegenbringen wollten – die Geduld war ganz offenbar irgendwann am Ende. Piet in Zahlen…
…Spielminuten:
1817
Tore: 2
Schüsse aufs Tor: 11
Schüsse neben das Tor: 13
Torvorlagen: 6
Pässe: 663
Passgenauigkeit in %: 80%
Flanken: 64
Flankengenauigkeit in %: 23%
Dribblings: 139
Erfolgreiche Dribblings in %: 53%
Verteidigung: Tacklings: 37
Gewonnene Tacklings in %: 86%
Fouls: 29
Abseits: 14
Gelbe Karten: 1
Rote Karten: 0

Tomas Rincon: Der Fighter explodierte erst zum Saisonende. Das heißt, man ließ ihn erst dann explodieren. Was wohl auch daran lag, weil „Popeye“ kein Offensivspiel hat. Rincon schafft es kaum einmal, eine vernünftige Aktion in der Offensive zu starten, geschweige denn in die Nähe zu kommen, um endlich einmal ein Tor zu machen. Nur kämpfen, grätschen, kloppen und beißen langt eben auch in der Bundesliga nicht (mehr). Bei allem Engagement, Rincon wird an sich arbeiten müssen, wenn er weiterhin eine Chance haben möchte. Ich halte ihn für sehr wohl talentiert, aber in dieser Saison trat er auf der Stelle. Sein Trost, den er sich kürzlich selbst zusprach: „Ich bin ja noch jung.“ Der 23-Jährige blieb in der Saison 2010/11 weit hinter den Erwartungen, im letzten Spiel gegen Mönchengladbach war er zwar nicht schlecht, aber viele seiner Aktionen sahen auch ein wenig hölzern und wenig geschmeidig aus. Da hat Rincon verloren. “El Gringo” in Zahlen…Spielminuten: 1160
Tore: 0
Schüsse aufs Tor: 0
Schüsse neben das Tor: 5
Torvorlagen: 0
Pässe: 518
Passgenauigkeit in %: 79%
Flanken: 22
Flankengenauigkeit in %: 27%
Dribblings: 21
Erfolgreiche Dribblings in %: 67%
Verteidigung: Tacklings: 54
Gewonnene Tacklings in %: 85%
Fouls: 26
Abseits: 0
Gelbe Karten: 2
Rote Karten: 0

Piotr Trochowski: Der „kleine Dribbelkünstler“ aus Billstedt, der Mann mit dem Super-Schuss (ich musste es noch einmal loswerden!), wandert nach Spanien aus. Und ich drücke ihm für das Abenteuer Sevilla ganz fest beide Daumen. Ich hoffe für „Troche“, dass er die richtigen Berater mitnimmt, und ich hoffe für ihn, dass er einen Trainer bekommt, der seine Stärken schätzt und darauf baut. Wir werden es aus der Ferne beobachten – ich werde es sogar sehr genau beobachten. Trochowski gehört in Hamburg zu den großen Verlierern dieser Saison, weil er in der Rückrunde kaum noch benötigt wurde. Kurios ist aber schon, dass ihm sowohl von Armin Veh als auch von Michael Oenning immer beste Trainingsleistungen und eine Super-Einstellung bescheinigt wurden. Bekommt Trochowski in Spanien wieder Selbstvertrauen, besinnt er sich dazu auf seine Stärken und stellt sein oftmals umständliches Spiel (ein Kreisel zu viel) ein, dann kann er in Sevilla nicht nur Stammspieler werden, dann kann er auch wieder in die deutsche Nationalmannschaft zurückkehren. Ich wünsche es ihm. Alles Gute, „Troche“. Trochowski in Zahlen…
… Spielminuten:
1228
Tore: 2
Schüsse aufs Tor: 5
Schüsse neben das Tor: 10
Torvorlagen: 0
Pässe: 860
Passgenauigkeit in %: 86%
Flanken: 75
Flankengenauigkeit %: 25%
Dribblings: 35
Erfolgreiche Dribblings in %: 54%
Verteidigung: Tacklings: 15
Gewonnene Tacklings in %: 73%
Fouls: 20
Abseits: 0
Gelbe Karten: 2
Rote Karten: 0

Zé Roberto: der Brasilianer wird ganz sicher eine Lücke hinterlassen. Das sage ich, obwohl ich mit dem HSV gehe, dass dem „Altmeister“ kein Zwei-Jahres-Vertrag mehr gegeben worden ist. Eine absolut richtige Entscheidung. Fußballerisch aber wird der „große Ze“ schon fehlen, es war stets eine Augenweide, ihm zuzusehen. Und es wird dem HSV sicher sehr, sehr schwer fallen, diese Lücke adäquat zu schließen. Ich fürchte sogar, es wird nicht gelingen. Festgehalten werden muss aber auch, dass es einige Spiele in dieser Saison gab, in denen Ze Roberto „nicht zu sehen“ gewesen ist. Lag es am Alter? Ich glaube es eher nicht. Meine Ursachenforschung sieht anders aus: Es fehlte Ze Roberto an Mitspielern, die ihm das Wasser reichen konnten, mit denen er auf einer Wellenlänge lag, mit denen er Lust gehabt hätte, so richtig schön und gut zu spielen. Rings um ihn herum war einfach zu viel Mittelmaß, und das dürfte ihm letztlich den Nerv geraubt haben. Sollte ich Ze Roberto eine abschließende Benotung für diese und seine letzte HSV-Saison geben müssen, so wäre es eine Drei minus. Zé in Zahlen…
…Spielminuten:
2745
Tore: 1
Schüsse aufs Tor: 4
Schüsse neben das Tor: 8
Torvorlagen: 9
Pässe: 1476
Passgenauigkeit in %: 85%
Flanken: 176
Flankengenauigkeit %: 34%
Dribblings: 91
Erfolgreiche Dribblings in %: 58%
Verteidigung: Tacklings: 92
Gewonnene Tacklings in %: 80%
Fouls: 29
Abseits: 3
Gelbe Karten: 5
Rote Karten: 0

So, die Saisonbilanz des HSV wird natürlich mit dem Sturm (und auch mit den Offiziellen drum herum) fortgesetzt. Heute am Abend wird aber, wie eingangs schon versprochen, noch Frank Arnesen zu Wort kommen.

Und jetzt habe ich noch eine kleine Meldung, die ich für sehr interessant halte. Hat zwar nur indirekt mit dem HSV zu tun, aber immerhin könnte es passieren, dass es in nächster Zeit mal ein Zusammentreffen gibt, denn: Der HSV hatte in der abgelaufenen Saison ja häufig Schiedsrichter, die erst am Anfang ihrer Erstliga-Karriere stehen:

Fifa-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus darf sich nach der Frauen-WM in Deutschland (26. Juni bis 17. Juli) Hoffnungen auf einen Aufstieg in die Fußball-Bundesliga machen. Die 32-Jährige aus Hannover hat nach Informationen des Sport-Informations-Dienstes (SID) beste Chancen, im Sommer von der Schiedsrichter-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für die kommende Spielzeit in der Bundesliga nominiert zu werden. „Bibiana Steinhaus hätte den Bundesliga-Aufstieg zu 100 Prozent verdient. Und nach der WM wäre auch der ideale Zeitpunkt, sie erstmals in der Bundesliga einzusetzen. Ich bin mir sicher, dass sie das schafft. Denn ich muss ganz klar sagen, dass Bibiana das absolute Aushängeschild im Schiedsrichterwesen der Frauen ist“, sagte WM-OK-Präsidentin Steffi Jones.

Die Kommission um DFB-Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel (Kyllburg) wird in der Sommerpause entscheiden, welche Schiedsrichter in der kommenden Saison im Oberhaus pfeifen. „Ob Frau oder Mann, alle Schiedsrichter haben die gleichen Chancen. Es zählen einzig und allein Leistung und Persönlichkeit, wenn es um die Frage geht, wer in die Bundesliga aufsteigt“, sagt Fandel. Steinhaus ist seit 1995 Schiedsrichterin und leitet seit der Spielzeit 2007/2008 Spiele der Zweiten Liga. In der gleichen Saison wurde sie erstmals als Vierte Offizielle in der Bundesliga eingesetzt. Am 10. August 2008 pfiff sie als erste Frau ein DFB-Pokalspiel (TSG Neustrelitz – 1860 München).

„Wir Schiedsrichter sind Sportler. Und jeder Sportler möchte natürlich in der höchstmöglichen Klasse aktiv sein“, sagte Steinhaus zu einer möglichen Zukunft in der Bundesliga.

Willkommen /demnächst) in Hamburg, Frau Steinhaus.

13.09 Uhr

Petersen entscheidet sich kommende Woche

9. Mai 2011

+++++++Korrektur Gehalt Guerrero++++++++

Oha, es geht schon wieder los. Rafael van der Vaart wird diskutiert. Ein Name, der letzte Saison (dank Kühne und wegen Kühne) beim HSV intern diskutiert wurde. Aber auch ein Name, der sich nicht realisieren ließ, weil der Spieler selbst sich einen Wechsel nach Hamburg in der letzten Konsequenz und trotz seiner Liebesschwüre nicht vorstellen konnte. Ihm fehlte damals schon der internationale Wettbewerb als sportliche Perspektive. Ein hinderlicher Umstand, den der HSV auch heute noch nicht beheben konnte und der die Wahrscheinlichkeit auf das Comeback des Niederländers – so gern auch ich ihn hier sehen würde – in weite Ferne rückt. Und das gilt sogar für den Fall, dass das Geld, das aktuell obendrein fehlt, da wäre…

Aber gut, derart gute Spieler sollten immer eine Rolle spielen und diskutiert werden. So wie Nils Petersen, der es in der laufenden Saison auf bereits 24 Tore bringt. Und der dem Vernehmen nach nicht abgeneigt sein soll, die HSV-Offerte anzunehmen. Trotz mitbietender Konkurrenz des FC Bayern. „Nils wird sich Anfang kommender Woche entscheiden, wo und wie es für ihn weitergeht“, sagt Lars-Wilhelm Baumgarten, Petersen Berater. Demnach spiele bei dem 22-Jährigen nicht das monetäre sonder die sportliche Perspektive die primäre Rolle. Und da hat der HSV zwar weniger zu bieten als der FC Bayern, allerdings wären Petersens Chancen auf einen Stammplatz in Hamburg deutlich höher. Und die sportlich bessere Perspektive gegenüber Freiburg bietet der HSV mit seinem Umfeld noch immer. Gute Chancen also. Und das, obwohl Interims-Klubboss Carl Jarchow zuletzt immer wieder einen Stürmer als Neuzugang ausgeschlossen hatte.

Wer ist eigentlich dieser Petersen?

Ich habe bei einem Kollegen aus der Lausitz nachgefragt, der auf meine Frage hin regelrecht ins Schwärmen geriet. „Ein super Typ, sportlich wie menschlich. Ein junger Spieler mit einem klaren, ehrlichen und ambitionierten Karriereplan. Der lässt sich nicht von dem einen oder anderen Euro mehr locken, der weiß immer, was er will.“ Und Petersens Berater Baumgarten ergänzt: „Nils hat Geduld. Er hat ein halbes Jahr bei Pele Wollitz nur auf der Bank gesessen und trotzdem weitergemacht ohne zu murren. Er weiß, dass er seine Chance nutzte, sobald er sie kriegt. Deshalb hat er Geduld.“ Umgemünzt auf die aktuelle Interessentenlage könnte das bedeuten: zunächst zum HSV, dort Erstligareife erwerben und gegebenenfalls weiter zu einem noch ambitionierteren Klub.

Über seinen Heimatklub FC Einheit in Wernigerode kam Nils Petersen zum VfB Germania Halberstadt, der gerade den Regionalligaaufstieg mit Andreas Petersen, seinem Vater von Nils, perfekt machte. Anschließend ging es in die Jugend von Carl Zeiss Jena Sportinternat, ehe er 2008/2009 zu Energie Cottbus wechselte und sich dort über die zweite Mannschaft (13 Spiele/5 Tore) in die Zweitligamannschaft hochdiente.

Nach anfänglichen Problemen setzte sich der 1,88 Meter-Mann aktuelle deutsche U-21-Nationalspieler auch hier durch und bringt es inzwischen auf stolze 34 Treffer in 54 Spielen. Eine Quote, die Begehrlichkeiten bei Bundesligaklubs weckte und Angebote nach sich zog. Dennoch verlängerte Petersen in Cottbus im Februar vorzeitig bis 2014, um so im Falle eines Wechsels seinem Klub noch eine Millioneneinnahme zu generieren. Dem Vernehmen nach soll sich Petersen in den Kontrakt eine Ausstiegsklausel mit der festgeschriebenen Ablösesumme von rund drei Millionen Euro vertraglich garantiert haben lassen.

Eine Summe, die für den HSV machbar ist. Und ein Spieler, der Sinn macht. Denn zum einen will sich der HSV mit dem im Gehalt deutlich zu teuren Paolo Guerrero (rund 4,6 Millionen Euro) trennen, zum anderen ist der Klub von einer Einigung mit Mladen Petric weiter denn je entfernt. Zwar beteuern alle Beteiligten immer wieder, den Kroaten definitiv nicht abgeben zu wollen, allerdings gilt das eher deswegen, weil es bislang kein geeignet hohes Angebot für den Linksfuß gibt. Deshalb gilt auch die Devise: „Warum Petric für Kleines abgeben, wenn der Ersatz teurer wird?“.

Ergo: Petric bleibt. Ebenso wie die Frage, was der HSV im Falle eines ausbleibenden Angebotes für Guerrero macht. Dann stünden mit eben jenem Peruaner, dem Südkoreaner Heung Min Son, Petric, dem Rückkehrer Marcus Berg und Petersen plötzlich fünf Stürmer im Kader. Einer zu viel, wobei ich die offensiven Außen Eljero Elia und Jonathan Pitroipa noch nicht einmal mit einberechnet habe. Dabei hatte zuletzt Trainer Michael Oenning immer wieder betont, den Kader quantitativ ausdünnen und durch ständiges Hochziehen von Amateuren auffüllen zu wollen. Sogar von gemeinsamen Trainingszeiten nebeneinander an der Imtech-Arena war die Rede.

Aber gut, abwarten. Wie immer bedarf es eines Anstoßes personeller Natur, damit eine Kettenreaktion ausgelöst wird. Dabei ist eigentlich nie die Frage, ob es passiert, sondern wann es passiert. Ginge es nach Jarchow, könnte es noch diese Woche losgehen. So soll sich der Klubboss zumindest auf dem „Volksparkett“ (www.hsv-Volksparkett.de) geäußert haben, einer sehr gelungenen Veranstaltung der HSV-Abteilung Supporters und des HSV-Fanprojektes. Er sei optimistisch, vielleicht schon bis zum letzten Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach am Sonnabend einen ersten Transfererfolg vermelden zu können. Dafür soll der HSV übrigens sogar wieder in Brasilien scouten, was der geschasste Bernd Hoffmann nach den Flops mit Thiago Neves und Alex Silva einst kategorisch ausgeschlossen hatte.

Da es Petersen nach Aussage seine Beraters diese Woche noch nicht sein soll, also jemand anderes. Hier im Blog wird Maik Franz diskutiert. Und das verständlicherweise sehr kontrovers, denn der hitzköpfige Abwehrspieler zählt zu den polarisierendsten Spielern der Liga. Immer provokativ und an der Grenze der Legalität agierend kann man dem 29-Jährigen eines nie absprechen: den unbedingten Willen. Iron-Maik, wie er sich selbst nennt, ist allerdings, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, ein richtig sympathischer Typ. Außerhalb des Wettkampfes zumindest. Als ich das letzte Mal, das war vor dem peinlichen 2:5 im Pokal in Frankfurt, mit ihm sprach, sagte er: „Ich bin kein Kind von Traurigkeit, das weiß ich. Ich teile gern aus, spiele immer am Limit, aber ich jammere auch nicht, wenn ich härter angegangen werde. Deshalb komme ich mit meinem Image, das ganz sicher nicht zu einhundert Prozent meinem Wesen entspricht auch klar. Mehr noch: als Fußballer fasse ich das sogar als Kompliment auf.“

Franz ist bei allem, was man ihm vorhalten mag, ein Spieler, der für seinen Verein immer alles gibt. Und ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass so einer beim HSV, wo man Charakterstärke nicht zwingen im Überfluss zu sehen bekommen hat, schnell zum Publikumsliebling werden kann. Er ist eben der Typ, den man als Gegner hasst und als eigenen Spieler liebt.
Dass sich der HSV nach Aussage von Franz-Berater Jörg Neubauer noch nicht gemeldet hat, ist dabei kein sicheres Indiz – immerhin steht Franz schon seit mehreren Jahren auf der Wunschliste des HSV.

In diesem Sinne, heute war trainingsfrei, morgen wird um 10 und um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Bis morgen,
Scholle (18.47 Uhr)

P.S.: Dennis Diekmeier ließ sich heute an seinem freien Tag an seiner lädierten Wade behandeln und soll den Planungen entsprechend am Mittwoch wieder voll mittrainieren.

P.P.S.: Die PK von Klitschko und Haye habe ich sehr wohl auf dem Schirm, allerdings vernachlässige ich sie wie alle anderen künftigen Events in der Arena, die nichts mit dem HSV zu tun haben. Nur falls sich jemand fragt, warum ich darüber kein Wort schreibe…

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