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Viel Lob für Nationaltorwart Rene Adler

7. Februar 2013

Er gehörte zu den Gewinnern des Länderspiels, keine Frage. Alle hatten sie 2:1 gegen Frankreich gewonnen, selbstverständlich, aber Rene Adler konnten einen ganz besonderen Sieg feiern. 812 Tage nach seinem letzten Länderspiel, einem 0:0 in Schweden, stand der HSV-Schlussmann wieder einmal zwischen den Pfosten der deutschen Nationalmannschaft. Welch ein Erfolgserlebnis. Zu dem er viele Glückwünsche erhielt. Nicht nur, weil er sehr gut gehalten hatte, sondern weil er sich vor dem Spiel und nach dem Schlusspfiff kollegial und fair verhalten hatte. Für diesen Adler gab es an diesem besonderen Mittwoch sehr viel Lob. Es stellte sich für mich so dar, als würde ihm ganz Fußball-Deutschland zu Füßen liegen. Ein Beispiel von vielen: Im „Sportschau-Club live“ von ARD-Moderator Alexander Bommes sagte Dortmunds Kapitän Sebastian Kehl: „Ich freue mich riesig mit Rene, er hat es verdient, dass man ihn nun feiert, sich nach einer so langen Verletzungspause wieder so in die Nationalmannschaft zu spielen – und ich weiß wovon ich spreche – das verdient allerhöchste Anerkennung.“ In der Tat.

Adler wurde am Abend danach auch deswegen gelobt, weil er so bescheiden geblieben ist.Nach dem Länderspiel sprach mein Kollege Alexander Laux (stellvertr. Ressortleiter Sport beim Hamburger Abendblatt) mit dem Nationaltorwart. Adler verriet über seine Gefühle: „Es war im letzten halben Jahr sowieso alles ein bisschen viel. Da weiß man natürlich vom Kopf her, dass es ein Geschenk ist, dass man dieses Länderspiel genießen sollte, aber man kann ja nicht einfach ins Spiel gehen und sagen, ich will das jetzt genießen. Die gesunde Nervosität und Anspannung brauchst du, die hast du auch, und das geht nur mit dem Spielen weg.“

Die Nervosität war Adler nicht anzumerken. Er war ruhig wie immer, so hatte es den Anschein. Und er hielt ja großartig. Wenn es zunächst auch nicht so viel zu tun gab für ihn. Adler gestand: „Im Nachhinein bin ich natürlich froh, dass es so gelaufen ist. Dass wir nicht nur gewonnen, sondern auch ein gutes Spiel gemacht haben. Ich habe ja noch nicht so viele Länderspiele – und gerade in letzter Zeit nicht so viel auf diesem Weltniveau gemacht.“

In seinem elften Länderspiel kassierte er zwar das Führungstor der Franzosen, aber daran hatte der HSV-Keeper keine Schuld. Adler: „Dass ich doch ein Tor kassiert habe, ist Schicksal. Man nimmt sich vor, zu Null zu spielen, aber es kommt eben vor, dass man es nicht schafft. Ich habe immer gedacht: Gerade bei Standards muss man gegen Weltklasse-Teams immer besonders aufpassen. Als der Ball dann im Netz lag, habe ich spontan gedacht, dass es Abseits war. Und ich bin schon erschrocken, dass der Franzose da plötzlich so blank steht. Da kam ich dann auch nicht mehr hin. Aber wir haben es dann gut gemacht, der Trainer hat zu Halbzeitpause gesagt, dass wir das noch umdrehen, und wir waren davon auch überzeugt, als wir aus der Kabine wieder auf den Rasen gingen.“

Rene Adler über den Ausgleich und den Siegtreffer: „Das zeigt ja auch den Charakter der Mannschaft, wie gefestigt die Mannschaft jetzt schon ist. Wir haben uns nicht aus der Bahn werfen lassen, wir haben unseren Stiefel gespielt.“ Und dieser „Stiefel“ sah 90 Minuten lang sehr gut aus. Das war kein übliches Freundschafts-Länderspiel, sondern eines, in dem sich alle (fast alle, außer Gomez und Kroos) darum bemühten, alles für Deutschland zu geben. Adler über sein Empfinden während der 90 Minuten: „Da spielt sich vieles im Kopf ab. Auf diesem Niveau musst du in jeder Sekunde im Spiel sein, es kann ja sein, selbst wenn der Ball in der gegnerischen Hälfte ist, dass einer einen tödlichen Ball spielt. Ohne das vergleichen zu wollen, aber das strengt vom Kopf her mehr an, weil es einfach intensiver ist als ein Bundesliga-Spiel.“

Dabei begann diese Begegnung für ihn doch zunächst ganz ruhig. So richtig viel zu tun gab es für Adler in der Anfangsphase nicht. Er sagt dann auch: „Man ist also Torwart froh, wenn man einmal ins Spiel eingreifen kann, weil es doch schon schwer ist, wenn man keine Ballkontakte hat, aber vom Kopf dabei ist. Man ist nicht richtig drin im Spiel, insofern muss man sich immer auf die nächste Aktion konzentrieren. Jetzt bin ich froh, dass ich den einen oder anderen Ball halten konnte.“

Sein Konkurrent, der auf der Bank saß, hat es gesehen. Und wird sich seine Gedanken gemacht haben. Wobei Manuel Neuer ja schon vorher nicht gerade glücklich, um es einmal harmlos zu sagen, war, dass er pausieren musste. Demnächst wird Adler wieder auf der Bank sitzen, wenn Neuer spielt – und der HSV-Torhüter sagt: „Das ist gar kein Problem. Ich denke es wäre respektlos, irgendetwas zu sagen, ich bin froh, dass ich überhaupt wieder zum Kreis der Nationalmannschaft gehöre. Mein Ziel ist natürlich, dabei zu sein, es macht unheimlich viel Spaß, das ist eine tolle Truppe. Ich weiß, wie meine Rolle ist. Wenn ich dann spielen darf wie heute, versuche ich einfach, einen guten Job zu machen, zu helfen. Heute haben alle zusammen gewonnen, auch die, die nicht gespielt haben. Das nächste Mal spielen wieder andere, da gewinnen wir auch zusammen.“

Es ehrt ihn, wenn er das so sagt. Nach seiner langen, langen Leidenszeit. Er sagt über die Zeit seiner Zwangspause: „Wenn ich mich an mein letztes Länderspiel erinnere, dann muss ich schon sagen, dass sich die Qualität verändert hat. Damals in Schweden, da habe ich zumindest zu Null gespielt. Das kann man aber nicht vergleichen, das war schon eine andere Liga. Frankreich gegen Deutschland ist viel höher anzusiedeln. Die Zuschauer haben ein richtig gutes, schnelles, intensives Fußballspiel gesehen. Damals, in Schweden, war es doch eher taktisch geprägt, gespielt wurde auf einem schlechten Platz, bei eisige Temperaturen, jeder war froh, als das Spiel vorbei war. Heute war es ein Prestigeduell. Da hat man schon gemerkt, dass das kein normales Spiel ist, dass es um mehr geht.“

Und Deutschland hat mit diesem Sieg sicherlich für ein Aufhorchen in Fußball-Europa gesorgt. Nach 1935 (!) der erste deutsche Erfolg in Frankreich. Das registriert auch die Konkurrenz. Die Löw-Mannschaft hat sich entwickelt. Und entwickelt sich immer weiter, wird bestimmt noch besser. Adler: „Der Trainer hat uns immer wieder gesagt, dass er in jedem Spiel absolute Fokussierung, absolute Konzentration verlangt. Vor allem in Testspielen wie nun gegen Frankreich, das sind immer Klassiker, da ist eine gesunde Rivalität vorhanden, da will keiner verlieren. Der Trainer hat uns eingeimpft, dass jeder auf dem Prüfstein steht, dass der Konkurrenzkampf ausgerufen wird, dass wir jeden einzelnen Spieler brauchen. Die Spieler, die spielen dürfen, haben die Chance, sich auf diesem Niveau, auf dieser Plattform zu beweisen – und das ist für die gesamte Entwicklung der Mannschaft gut.“

Adler sagt weiter: „In Paris hat man gesehen, dass wir daran arbeiten, und uns als Mannschaft verbessern. In den zwei Jahren, in denen ich nicht dabei war, hat sich die Qualität gesteigert. Es gibt viele neue Spieler, viele jüngere Spieler, und alles in allem ist die Qualität der Mannschaft noch einmal gestiegen. Leistungsträger haben sich noch weiter entwickelt, noch mehr Erfahrungen gesammelt haben, und Marco Reus und Mario Götze waren noch nicht mal dabei. Die Mannschaft hat auf jeder Position so eine unglaubliche Klasse hat, dass man als Trainer die Qual der Wahl hat.“ Von Bastian Schweinsteiger hat Adler nicht gesprochen, aber auch er hat gefehlt. Immerhin verteilte der HSV-Schlussmann noch ein Lob an einen Gegner vom kommenden Sonnabend: „Was der Gündogan gespielt hat, das war schon aller Ehren wert.“ Schweinsteiger wird sich warm anziehen müssen . . .

Ob Rene Adler allerdings auch tatsächlich am Sonnabend im HSV-Tor stehen kann und wird, bleibt abzuwarten. Abgesehen davon, dass er heute, gemeinsam mit Kapitän Heiko Westermann, zu spät aus Paris nach Hamburg eingeflogen kam, war Pech. Aber der Keeper hatte sich auch ein böses Andenken aus Frankreich mitgebracht: eine Oberschenkelprellung. Verursacht durch einen Tritt von Benzema hat Adler heute nicht mehr trainiert, er hat Schmerzen, ließ sich damit nur pflegen. Ob er am Wochenende fit ist, steht somit noch in den Sternen, mal sehen, wie sich die Verletzung während der nächsten Nacht noch entwickelt.

Es wäre zwar ganz, ganz bitter, wenn Rene Adler, der Held vom 3:2-Hinspiel-Sieg, am Sonnabend ausfiele, aber ein Weltuntergang wäre es auch nicht – haben wir nicht gerade davon geschwärmt, welch guter „zweiter Mann“ Jaroslav Drobny für den HSV ist? Er kann es doch auch immer noch.

Am HSV-Torhüter wird es, so glaube ich, ohnehin nicht groß liegen, wenn es in Dortmund nicht so läuft, wie es sich die Hamburger wünschen. Ich habe Thorsten Fink heute gefragt, was er als Trainer tun könne, dass seine Mannschaft, wie zuletzt in Nürnberg, gegen Bremen und Frankfurt gesehen, nicht wieder die erste Halbzeit verschläft. Fink sagte: „Ich werde auf jeden Fall mit meiner Mannschaft darüber reden. Wir sind, ganz klar, zuletzt am Anfang nicht aus den Startlöchern gekommen, aber das haben wir in dieser Saison ja auch schon anders erlebt. Darüber muss man reden, ich werde die Mannschaft so einstellen, dass wir von Anfang an da sind. Trotzdem erwarte ich nicht nur eine gute Anfangsphase, sondern dass wir 90 oder 92 Minuten Gas geben. Das erwarte ich. Wenn wir alles geben, werden wir vielleicht auch dafür belohnt. Und nur dann wird man auch belohnt.“ Fink weiter: „Wer nicht mutig nach vorne spielt, den möchte ich dann nicht mehr auf dem Platz sehen. Leidenschaft, Mut und Freude möchte ich sehen, von Anfang an. Man kann ja immer mal ein Tor kassieren, aber diese Eigenschaften möchte ich bei jedem sehen.“

Des Trainers Vorstellungen vom Sonnabend-Spiel in Dortmund: „Wir werden versuchen, die Räume eng zu machen, dort, wo die gefährlichen Zonen sind. Weil Dortmund eine sehr clevere Mannschaft ist, da müssen wir versuchen, ihr Spiel zu verhindern. Und das geht nur, indem man die Räume zumacht. Weil man bei Dortmund ja auch nicht nur auf einen Spieler achten muss, sondern auf viele, da macht jeder etwas nach vorne, da ist jeder zu beachten.“ Von seiner Mannschaft erwartet Fink: „Wichtig ist zuerst, dass man die richtige Einstellung mit auf den Platz bringt, dass man von Anfang an auch mutig nach vorne spielt. Mann kann ja nicht so denken: Wenn ich nicht nach vorne gehe, sondern hinten bleibe, dann kassiere ich keine Tore. So geht es nicht. Daran müssen wir denken. Und wenn wir das beherzigen, dann werden wir auch wieder unser Spiel machen. Wir müssen zeigen, was wir können. Es wird sicherlich mal Zeit, dass wir mal wieder ein gutes Spiel sehen, ein richtig gutes Spiel von meiner Mannschaft. In Dortmund wird das natürlich schwieriger, aber immer dann, wenn keiner damit rechnet, werden wir das schaffen. Gehen Sie mal davon aus, dass wir das jetzt am Sonnabend zeigen.“

Das wäre super, Herr Fink!

Erfreulich für den HSV: Artjoms Rudnevs, zuletzt wegen einer Oberschenkelprellung nicht im Training, hat heute das Programm absolviert – dürfte also auch am Sonnabend spielen. Die heute von den Länderspielen zurückgekehrten Nationalspieler sind alle fit, liefen aber nach ihrer Ankunft nur und trainierten noch nicht wieder mit dem Team.

So, auch das gab es heute noch: Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl hat die Spielansetzung in der Fußball-Bundesliga am 16. Februar beim HSV kritisiert. Das sei „eine Katastrophe“, sagt Eberl. Die Borussen bestreiten am 14. Februar ihre erste Begegnung der K.o.-Runde in der Europa League gegen Lazio Rom und müssen zwei Tage danach um 15.30 Uhr in Hamburg antreten.

Und zum Schluss noch dies:

Andere Kontinente, andere Sitten.

Der Afrikanische Fußballverband CAF hat den tunesischen Schiedsrichter Slim Jdidi suspendiert. Grund seien die schlechten Leistungen des Unparteiischen im Halbfinale des Afrika Cups zwischen Burkina Faso und Ghana gewesen, teilte der Verband am Donnerstag mit. „Ich war nicht zufrieden mit dem Niveau des Schiedsrichters“, sagte CAF-Generalsekretär Hicham El Amrani.
Slim Jdidi hatte im Halbfinale am Mittwoch, das Burkina Faso mit 3:2 im Elfmeterschießen gewann, eine Reihe von Fehlentscheidungen gefällt. Dazu gehörte auch die Gelb-Rote Karte für Jonathan Pitroipa (ehemals HSV) wegen einer angeblichen Schwalbe. Die könne nicht zurückgenommen werden, solange der Schiedsrichter seinen Fehler nicht zugebe, erklärte der Verband. Beharrt Jdidi auf seinem Urteil, fehlt Pitroipa Burkina Faso am Sonntag im Finale gegen Nigeria.

PS: Das morgige Abschlusstraining (Freitag) findet wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

18.26 Uhr

8:2 gegen die Polizei – Mancienne stellt sich vor

6. Juli 2011

Eigentlich sollte er um 11 trainieren. Aber nachdem das Training ob der etwas länger gewordenen ersten Einheit auf 12 Uhr nach hinten verschoben worden war, war außer den Auswärtstrikots der Spieler wenig Neues dabei, auch nicht Zugang Michael Mancienne, der sich stattdessen im Kabinentrakt anstrengenden Leistungstests unterziehen musste. „Mir tut schon einiges weh“, klagte der Engländer anschließend – wenn auch nicht ganz ernst gemeint. In England sei er Konditionstraining immer mit dem Ball am Fuß gewohnt gewesen. „Hier wird auch mal nur gerannt. Das ist echt hart – aber auch gut.“ Schließlich holt sich der 23-Jährige (KORRIGIERT! Ich hatte ihn im Zuge der ganzen 19-jährigen Chelsea-Jungs einfach mal vermengt…) in den wenigen Wochen der Vorbereitung die nötige Fitness für die lange Saison – und für das Spiel heute im Norderstedter Edmund-Plambeck-Stadion gegen eine Polizeiauswahl aus Schleswig-Holstein und Hamburg. Angesprochen darauf, dass er laut Traineransage von Beginn an mit Jeffrey Bruma auflaufen soll, entgegnete er sichtlich überrascht: „Das glaube ich noch nicht. Es ist ja erst mein erster Trainingstag.“

Am Ende behielt Mancienne sogar Recht. Oenning beließ es am ersten Tag beim Training, schonte Mancienne ebenso wie gefühlt 99 Prozent des potenziellen Stammpersonals beim Benefizkick gegen die Polizeiauswahl. Somit kam es auch nicht zu dem von Oenning angekündigten ersten Test mit Bruma und Mancienne als Innenverteidigerduo. Stattdessen trafen Son (18., 28., 83., 88.), Ben-Hatira (10., 66., 80.), Behrens (69.) zum 8:2. Ein Test, der sportlich ebenso reiz- und wertlos war wie sozial von Bedeutung. Denn die gesamten Tageseinnahmen kamen der Arche Jenfeld sowie der Jugendarbeit Eintracht Norderstedts zugute. Womit auch neben der legendären Currywurst im Plambeck-Stadion das Relevanteste erwähnt ist. Dass Oenning im ersten Test auf Hamburger (okay, genau genommen Schleswig-Holstein, aber eben ganz nah dran) Boden eine verbesserte U23 aufbot – Geschmackssache. Höhepunkt des Ganzen waren die keinesfalls unverdienten Gegentore für die Polizeiauswahl zum zwischenzeitlichen 2:3 durch Felix Kerch (52.) und Nils Laabs (57.). beim ersten Gegentreffer sah Hesl bei einem Flankenball schlecht aus, beim zweiten Gegentreffer patzte der selbst heute völlig überforderte Lennard Sowah. Die Blamage drohte. Nur 3:2 gegen eine Auswahl aus Sechst-, Siebt- und sogar unterklassigen Fußballern der Polizei. Oder war allein dieser Zwischenstand zur 60. Minute schon eine Blamage?

Ich kann nur weitergeben, was ich mehrfach zu hören bekam. Und da war von „Verarschung“ bis hin zu „Betrug am Kunden“ die Rede. Einzig der launige Auftritt der Polizei sorgte für etwas (Schaden-)Freude.
Die Aufstellung: Hesl – Diekmeier (Sowah 46.), Labus, Sternberg (58., Behrens), Jansen – Besic, Jarolim (58., Ingreso), Nagy (73. Kacar), Bertram – Ben-Hatira, Son.

Nun denn. Ein guter Zweck wurde erfüllt. Belassen wir es am besten dabei.

Netter war zuvor, was Kevin Keegan über Mancienne gesagt hatte. „Mighty Mouse“ hatte den Zugang am Dienstag in den höchsten Tönen gelobt. Worte, die Mancienne sichtlich erfreuten. „Von einem so großen Mann gelobt zu werden macht schon stolz“, sagte Mancienne, der sich selbst . Und da er erst der zweite englische Bundesligaprofi Engländer nach Keegan beim HSV ist, dieser gerade seinen Fußabdruck für den „Walk-of-Fame“ hinterließ, lag die Frage nahe: Schafft er es, in die Fußstapfen Keegans zu treten? „Die sind schon sehr groß“, so Mancienne ehrfurchtsvoll, „aber ich werde es natürlich versuchen und wünsche es mir.“ Dennoch bliebe er vorerst bescheiden und habe lediglich das Ziel, „beim HSV gut zu spielen und viele Spiele zu gewinnen“. Der Rest käme mit der Zeit automatisch.

Dabei ist Mancienne alles andere als unerfahren. 50 Premier-League-Spiele absolvierte der Verteidiger, davon 46 für Wolverhampton und vier für den FC Chelsea. „Der Schritt in ein neues Land ist trotzdem sehr groß“, warnt Oenning vor zu hohen Erwartungen und begründet auch: „Als erstes müssen wir die Sprachbarriere durchbrechen.“ Dafür erhält Mancienne, der bislang kein Wort Deutsch spricht, ab sofort Deutsch-Unterricht. „Ich will die Sprache lernen“, so der Defensivspieler, der seinen Urlaub in Südfrankreich verbracht hatte und überrascht wurde von der royalen Trauung in Monaco. „Plötzlich gab es ein Riesenfeuerwerk“, so Mancienne, „mehr habe meine Freundin und ich davon kaum mitbekommen.“

Mancienne machte bei allem eine gute Figur. Auch verbal. „Er ist ein sehr offener Typ, der auf die Leute zugeht“, lobt Oenning und wird von Mancienne bestätigt: „Ich bin eher der entspannte Typ, freue mich auf meine neuen Kameraden. Ich wurde hier sehr herzlich aufgenommen und habe ein echt gutes Gefühl.“

Das hat auch Oenning. Auch was den neuesten Zugang betrifft, Per Skjelbred. Der Norweger wurde bislang zum 1. Januar 2012 verpflichtet, wäre dann ablösefrei. Dennoch versucht der HSV, den offensiven Mittelfeldspieler schon früher von seinem Heimatverein Rosenborg Trondheim loszueisen. „Rosenborg möchte ihn noch in der Champions-League-Qualifikation einsetzen“, erklärt Oenning, „wir hätten ihn aber gern schon früher hier.“ Ausgeschlossen sei, dass der 24-Jährige bereits mit ins Trainingslager des HSV nach Österreich reist.

Sollte sich der Transfer wider Erwarten nicht bald realisieren lassen, müsste der HSV noch mal auf dem Transfermarkt tätig werden. „Wir haben nie gesagt, dass wir nichts mehr machen“, sagt Oenning. Der Cheftrainer deutete an, dass durch den Verkauf Jonathan Pitroipas (war heute kurz im Stadion, flog aber nachmittags wieder nach Rennes) sowie noch zu verkaufende Spieler wie Alex Silva (Sportchef Frank Arnesen verhandelte gestern und heute vor Ort in Brasilien), Mickael Tavares und Guy Demel finanzielle Mittel in noch unabsehbarer Größenordnung da wären und reinvestiert werden könnten. Meiner Meinung nach sogar müssen.

Denn, und das deutete Jörn Andersen im Abendblatt ja bereits an, Skjelbred gilt zwar als großes Talent – wirklich angekommen ist er aber außer in Norwegens erster Liga noch nicht. Und diese wiederum ist qualitativ nicht mit der deutlich höher einzustufenden Bundesliga zu vergleichen. „Er hatte immer wieder Angebote großer Klubs“, wundert sich selbst Oenning, „und er ist trotzdem nie gewechselt. Bis jetzt zu uns.“ Auch er selbst hätte als Nürnberg-Trainer mal Interesse an dem Norweger bekundet, „zu einem Gespräch kam es aber nie, weil er wohl auch kein gesteigertes Interesse am FCN hatte“, so der HSV-Coach, der Gerüchten widersprach, der 175-Zentimeter-Mann wäre zu langsam: „Er ist kein Sprinter, niemand, den man immer lang schickt. Aber er hat durch seine fußballerischen Qualitäten die Möglichkeit, das Spiel schnell zu machen.“ Klingt ein wenig wie das Gegenteil unseres pfeilschnellen Abganges aus Burkina Faso.

Aber egal, ich bin sehr gespannt. Gespannt, ob der „Box-to-box-Player“, wie ihn Arnesen nannte, die erhoffte Verstärkung ist. Und gespannt drauf, ob der 24-Jährige wirklich noch die Champions-League-Quali für seinen Verein spielen muss, obwohl er gedanklich wahrscheinlich schon beim HSV ist. Das geht selten gut und ist ähnlich wie es einst unser hier immer wieder (zumeist zurecht) gehuldigte Rafael van der Vaart sowie Khalid Boulahrouz machten, als sie sich beim Spielen mit ihrem Kind bzw. beim Warmmachen so verletzten, dass sie für den HSV international nicht auflaufen konnten.

Zeiten, die vorbei sind. Die einen sagen leider – die anderen freuen sich auf den Neuanfang mit jungen Leuten wie Bruma, Mancienne, und Skjelbred.

In diesem Sinne, ich bin ab Freitag für eine Woche im Urlaub – aber der Blogvater ist da und versorgt Euch wie immer mit den wichtigsten Infos aus dem Trainingslager im Zillertal!

Viel Spaß und bis bald!
Euer Scholle

- Training am Donnerstag ist übrigens um 8.30, 11.30 und 16 Uhr.

- Töre musste das Training wegen muskulärer Probleme abbrechen. Und Jacopo Sala muss mindestens vier Wochen mit einem Muskelbündelriss aussetzen, den er sich im Trainingslager zugezogen hatte. „Er hat sich an der Stelle verletzt, an der er schon vorher Probleme hatte“, sagt Oenning, „deshalb werden wir ihn jetzt ganz behutsam aufbauen.

- Sollten Tavares und Demel bis Freitag nicht verkauft sein, werden beide zurück nach Hamburg kommen und das Training in der U23 aufnehmen. Eine Rückkehr zu den Profis ist für beide ausgeschlossen.

Keegan lobt, Skjelbred kommt, Pit ist verkauft

5. Juli 2011

Per Skjelbred (24) also. Der zentrale Mittelfeldspieler von Rosenborg Trondheim hat bereits den Medizincheck in der Hansestadt absolviert. Erfolgreich. Und er reist auch heute wieder ab. Denn: Auch wenn man dem Nationalspieler bei Rosenborg keine Steine in den Weg legen will, haben beide Klubs noch keine Einigung erzielt. Die Norweger wollen nach eigener Aussage erst einen Ersatz an Land ziehen. Zudem soll der einstige Gewinner einer Fußball-Casting-Show (er gewann damals eine Woche Probetraining beim FC Liverpool) erst noch die Qualifikation zur Champions League für die Norweger absolvieren. Als Ablösesumme sind 900000 Euro im Gespräch.

Dennoch dürfte nicht mehr viel schief gehen. Selbst auf der vereinseigenen Homepage Trondheims hat sich der sportliche Leiter der Norweger, Erik Hoftun, schon zu Wort gemeldet. „Wir verhandeln mit dem HSV“, sagt Hoftun, „und wir haben bereits angedeutet, dass wir nicht verkaufen wollen, bis wir einen Ersatz haben. Aber Per hat es verdient und beide Klubs sind sich einig, dass es eine tolle Chance für Per ist. Wir hoffen, dass er in ein par Jahren wieder zu uns zurückkommt.“

Beachtenswert ist insbesondere der Werdegang Skjelbreds. Nachdem er in der Probewoche beim FC Liverpool überzeugt hatte, bot ihm Liverpool einen Jugendvertrag an. Skjelbred lehnte ab und entschloss sich stattdessen für einen Profivertrag bei Rosenborg Trondheim. Dort debütierte er im Juni 2004 als Sechzehnjähriger, absolvierte aber ob der starken Konkurrenz im Mittelfeld lediglich ein weiteres Spiel. Ein Jahr später schaffte er es zum Stammspieler bei Rosenborg und brachte es bislang (hier variieren die Angaben allerdings) auf 12 Länderspiele für Norwegen.

Nichts mehr offen ist bei Jonathan Pitroipa. Am Sonntag war der Burkinabe gen Frankreich geflogen, um dort erfolgreich den Medizin-Check zu absolvieren. Am heutigen Mittwoch unterschrieb der pfeilschnelle Außenstürmer seinen neuen Vertrag bis 2013 plus Option auf ein weiteres Jahr. Dem HSV bleiben 3,5 Millionen Euro Ablöse zuzüglich einer Erfolgsprämie, sollte Rennes sich im Laufe der Saison wieder für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren. „Ich hatte eine tolle Zeit beim HSV“, sagt Pitroipa, „aber ich möchte auch immer spielen. Und das ist in Rennes vielleicht etwas wahrscheinlicher als in Hamburg.“ Immerhin drei Jahre lang hatte Pitroipa vergebens auf einen Stammplatz hingearbeitet. „Es waren drei identische Jahre. Ich habe gespielt – dann wieder nicht – und dann plötzlich doch wieder. Das war nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Und es war nicht das, was der HSV wollte. Deshalb ist die Trennung letztlich die beste Lösung für alle.“ Was Pitroipa unerwähnt ließ ist, dass der HSV mit ihm vorzeitig verlängern wollte, der Außenstürmer aber mit 2,5 Millionen Euro per annum einen deutlich zu hohen Betrag aufrief.

Immerhin kann der HSV so wieder investieren. In Skjelbred – aber womöglich in noch einen weiteren offensiven Spieler. Glaubt man meinen hochgeschätzten und eigentlich immer sehr gut informierten Bild-Kollegen, ist Arnesen noch immer um die Dienste des Schweizers Xherdan Shaqiri vom FC Basel bemüht. Allerdings hatte ich gehört, dass der 19-Jährige sowohl im Gehalt als auch in seinen sportlichen Vorstellungen mit der HSV-Philosophie nicht vereinbar sein soll. Shaqiri soll sogar das Angebot einen Europa-League-Teilnehmers abgelehnt haben, weil er zumindest Champions League spielen will.

Ansprüche, die eine Qualität voraussetzen, die Kevin Keegan in seinen besten Tagen als Aktiver beim HSV allemal hatte. Grund genug, „Mighty Mouse“ dafür zu ehren. Keegan hinterließ dafür heute seinen Fußabdruck im HSV-Museum für den „Walk of Fame“. Dabei war Keegan eigentlich nur nach Deutschland gekommen, um seinen leider noch kranken Freund und früheren Masseur Hermann Rieger zu besuchen. „Hermann war meine erste Bezugsperson, als ich mit 27 Jahren 1977 nach Hamburg kam. Er als Bayer konnte zwar kein Deutsch – das hab’ ich ihm später beigebracht – aber er ist zu mir immer nett gewesen, hat mir geholfen, wie er es mit jedem Menschen um sich herum getan hat. Hermann ist einfach ein besonderer Mensch.“ Worte, denen ich nichts hinzufügen kann und möchte.

Aber der ehemalige Deutsche Meister, der bis 1980 beim HSV spielte, hatte nicht nur für seinen besten Freund Hermann Rieger warme Worte, sondern auch für seinen ehemaligen Klub: „Der HSV hat ein ziemlich junges Team zusammengestellt. Ich wünsche der Mannschaft alles Glück der Welt und bin überzeigt, dass der Verein wieder an alte erfolgreiche Zeiten anknüpfen kann, wenn man hier Geduld hat.“ Das gelte auch für die beiden Neuzugänge Jeffrey Bruma und Michael Mancienne (steigt voraussichtlich morgen ins Training ein). „Die beiden kenne ich vom FC Chelsea. Zwei absolute Glücksgriffe für den HSV. Beide Spieler haben ihr Talent bereits nachgewiesen und machen mit dem HSV den nächsten Step. Sie kommen vom großen FC Chelsea – und sind beim großen HSV. Das ist auch kein zu großer Schritt. Und wenn die Fans, die naturgemäß Erfolg erwarten dürfen, sie sich entwickeln lassen und motivieren, werden sie zwei Verstärkungen bekommen.“

Keegan, der selbst keine Lust mehr auf ein Amt im Profifußball hat („Für mich gibt es inzwischen wichtigere Dinge im Leben“) und sich nur noch als ESPN-TV-Experte an den Wochenenden verdingt, ist gespannt. Er glaubt, dass die Verjüngung der richtige Weg ist, warnt aber auch: „Die Erwartungshaltung in Hamburg ist immer sehr groß. Nur wenn nach außen zu erkennen ist, dass die Mannschaft eine Entwicklung nimmt, reißt sie die Anhänger mit. Und darauf wird es ankommen.“

Worte, die Uli Stein, der sich seinerseits mit seinem Fußabdruck verewigte, nur unterstreichen kann. „Die Vorbereitung zählt nichts, auch nicht ein 1:5 gegen Wolfsburg. Vielmehr muss man abwarten, wie schnell die Mannschaft zusammenwächst. Denn der Saisonstart hat es in sich.“ An der Zusammenstellung des Kaders hat Stein nichts zu kritisieren. Im Gegenteil: „In den letzten Jahren hat man immer viele Stars geholt, ist aber nie eine Mannschaft geworden. Jetzt muss man eine gesunde Mischung finden aus jungen Spielern und dem Korsett erfahrener Profis, die den Rest führen. Und davon hat der Klub noch genügend.“ Zwar kenne er den neuen offensiven Mittelfeldspieler des HSV aus Norwegen auch noch nicht, „aber so ist auch die Erwartungshaltung nicht so hoch. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: der HSV gehört unter die ersten Sechs. Jedes Jahr. Aber als Fan verzeihst du der Mannschaft Fehler eher, wenn Du siehst, dass da gewillte Junge Spieler auf dem Platz alles geben und sich entwickeln. Und dafür ist es beim HSV vielleicht genau der richtige Zeitpunkt.“

Ebenso wie für Jaroslav Drobny, den der ehemalige Deutsche Meister mit dem HSV für einen würdigen Rost-Nachfolger hält. „Drobny ist ein Top-Mann, ein guter Torwart. Ich habe nie verstanden, weshalb der HSV vor der letzten Saison Rost hatte und damals trotzdem noch Drobny holte. Aber jetzt ist Drobny allemal in der Lage, in die Fußstapfen von Rost zu treten und ein Teil des erfahrenen Korsetts zu sein.“

In diesem Sinne, wenn so viele Ex-Weltklassespieler und Deutsche Meister so positiv gestimmt sind, muss doch was dran sein. Oder?

Scholle
19.40 Uhr

P.S.: Kleine Anekdote noch vom Keegan-Besuch: Im Sommer 2008 schien ein Wechsel Skjelbreds zu Newcastle United bereits sicher. Hätte damals nicht der damalige Newcastle-Manager – Kevin Keegan – einen Tag vor Ablauf des Transferfensters das Angebot zurückgezogen. „Daran erinnere ich mich nicht“, sagte Keegan heute. Erst als ihn norwegische Kameraleute auf den 24-Jährigen ansprachen, schien er sich zumindest an den Spieler zu erinnern. „Der HSV ist eine große Möglichkeit für ihn. Er ist 24, ein großes Talent – und der HSV ein Riesenklub. Allein die vielen Zuschauer werden ihn schon motivieren und eine tolle Entwicklung nehmen lassen.“

P.P.S.: Training ist morgen um 8.30 Uhr (wahrscheinlich nur Laufen) und um elf Uhr auf dem Platz. Am Abend um 18.30 Uhr spielen die Oenninger dann im Plambeck-Stadion in Norderstedt gegen eine Polizeiauswahl aus Hamburg und Schleswig-Holstein.

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