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Viel Lob für Nationaltorwart Rene Adler

7. Februar 2013

Er gehörte zu den Gewinnern des Länderspiels, keine Frage. Alle hatten sie 2:1 gegen Frankreich gewonnen, selbstverständlich, aber Rene Adler konnten einen ganz besonderen Sieg feiern. 812 Tage nach seinem letzten Länderspiel, einem 0:0 in Schweden, stand der HSV-Schlussmann wieder einmal zwischen den Pfosten der deutschen Nationalmannschaft. Welch ein Erfolgserlebnis. Zu dem er viele Glückwünsche erhielt. Nicht nur, weil er sehr gut gehalten hatte, sondern weil er sich vor dem Spiel und nach dem Schlusspfiff kollegial und fair verhalten hatte. Für diesen Adler gab es an diesem besonderen Mittwoch sehr viel Lob. Es stellte sich für mich so dar, als würde ihm ganz Fußball-Deutschland zu Füßen liegen. Ein Beispiel von vielen: Im „Sportschau-Club live“ von ARD-Moderator Alexander Bommes sagte Dortmunds Kapitän Sebastian Kehl: „Ich freue mich riesig mit Rene, er hat es verdient, dass man ihn nun feiert, sich nach einer so langen Verletzungspause wieder so in die Nationalmannschaft zu spielen – und ich weiß wovon ich spreche – das verdient allerhöchste Anerkennung.“ In der Tat.

Adler wurde am Abend danach auch deswegen gelobt, weil er so bescheiden geblieben ist.Nach dem Länderspiel sprach mein Kollege Alexander Laux (stellvertr. Ressortleiter Sport beim Hamburger Abendblatt) mit dem Nationaltorwart. Adler verriet über seine Gefühle: „Es war im letzten halben Jahr sowieso alles ein bisschen viel. Da weiß man natürlich vom Kopf her, dass es ein Geschenk ist, dass man dieses Länderspiel genießen sollte, aber man kann ja nicht einfach ins Spiel gehen und sagen, ich will das jetzt genießen. Die gesunde Nervosität und Anspannung brauchst du, die hast du auch, und das geht nur mit dem Spielen weg.“

Die Nervosität war Adler nicht anzumerken. Er war ruhig wie immer, so hatte es den Anschein. Und er hielt ja großartig. Wenn es zunächst auch nicht so viel zu tun gab für ihn. Adler gestand: „Im Nachhinein bin ich natürlich froh, dass es so gelaufen ist. Dass wir nicht nur gewonnen, sondern auch ein gutes Spiel gemacht haben. Ich habe ja noch nicht so viele Länderspiele – und gerade in letzter Zeit nicht so viel auf diesem Weltniveau gemacht.“

In seinem elften Länderspiel kassierte er zwar das Führungstor der Franzosen, aber daran hatte der HSV-Keeper keine Schuld. Adler: „Dass ich doch ein Tor kassiert habe, ist Schicksal. Man nimmt sich vor, zu Null zu spielen, aber es kommt eben vor, dass man es nicht schafft. Ich habe immer gedacht: Gerade bei Standards muss man gegen Weltklasse-Teams immer besonders aufpassen. Als der Ball dann im Netz lag, habe ich spontan gedacht, dass es Abseits war. Und ich bin schon erschrocken, dass der Franzose da plötzlich so blank steht. Da kam ich dann auch nicht mehr hin. Aber wir haben es dann gut gemacht, der Trainer hat zu Halbzeitpause gesagt, dass wir das noch umdrehen, und wir waren davon auch überzeugt, als wir aus der Kabine wieder auf den Rasen gingen.“

Rene Adler über den Ausgleich und den Siegtreffer: „Das zeigt ja auch den Charakter der Mannschaft, wie gefestigt die Mannschaft jetzt schon ist. Wir haben uns nicht aus der Bahn werfen lassen, wir haben unseren Stiefel gespielt.“ Und dieser „Stiefel“ sah 90 Minuten lang sehr gut aus. Das war kein übliches Freundschafts-Länderspiel, sondern eines, in dem sich alle (fast alle, außer Gomez und Kroos) darum bemühten, alles für Deutschland zu geben. Adler über sein Empfinden während der 90 Minuten: „Da spielt sich vieles im Kopf ab. Auf diesem Niveau musst du in jeder Sekunde im Spiel sein, es kann ja sein, selbst wenn der Ball in der gegnerischen Hälfte ist, dass einer einen tödlichen Ball spielt. Ohne das vergleichen zu wollen, aber das strengt vom Kopf her mehr an, weil es einfach intensiver ist als ein Bundesliga-Spiel.“

Dabei begann diese Begegnung für ihn doch zunächst ganz ruhig. So richtig viel zu tun gab es für Adler in der Anfangsphase nicht. Er sagt dann auch: „Man ist also Torwart froh, wenn man einmal ins Spiel eingreifen kann, weil es doch schon schwer ist, wenn man keine Ballkontakte hat, aber vom Kopf dabei ist. Man ist nicht richtig drin im Spiel, insofern muss man sich immer auf die nächste Aktion konzentrieren. Jetzt bin ich froh, dass ich den einen oder anderen Ball halten konnte.“

Sein Konkurrent, der auf der Bank saß, hat es gesehen. Und wird sich seine Gedanken gemacht haben. Wobei Manuel Neuer ja schon vorher nicht gerade glücklich, um es einmal harmlos zu sagen, war, dass er pausieren musste. Demnächst wird Adler wieder auf der Bank sitzen, wenn Neuer spielt – und der HSV-Torhüter sagt: „Das ist gar kein Problem. Ich denke es wäre respektlos, irgendetwas zu sagen, ich bin froh, dass ich überhaupt wieder zum Kreis der Nationalmannschaft gehöre. Mein Ziel ist natürlich, dabei zu sein, es macht unheimlich viel Spaß, das ist eine tolle Truppe. Ich weiß, wie meine Rolle ist. Wenn ich dann spielen darf wie heute, versuche ich einfach, einen guten Job zu machen, zu helfen. Heute haben alle zusammen gewonnen, auch die, die nicht gespielt haben. Das nächste Mal spielen wieder andere, da gewinnen wir auch zusammen.“

Es ehrt ihn, wenn er das so sagt. Nach seiner langen, langen Leidenszeit. Er sagt über die Zeit seiner Zwangspause: „Wenn ich mich an mein letztes Länderspiel erinnere, dann muss ich schon sagen, dass sich die Qualität verändert hat. Damals in Schweden, da habe ich zumindest zu Null gespielt. Das kann man aber nicht vergleichen, das war schon eine andere Liga. Frankreich gegen Deutschland ist viel höher anzusiedeln. Die Zuschauer haben ein richtig gutes, schnelles, intensives Fußballspiel gesehen. Damals, in Schweden, war es doch eher taktisch geprägt, gespielt wurde auf einem schlechten Platz, bei eisige Temperaturen, jeder war froh, als das Spiel vorbei war. Heute war es ein Prestigeduell. Da hat man schon gemerkt, dass das kein normales Spiel ist, dass es um mehr geht.“

Und Deutschland hat mit diesem Sieg sicherlich für ein Aufhorchen in Fußball-Europa gesorgt. Nach 1935 (!) der erste deutsche Erfolg in Frankreich. Das registriert auch die Konkurrenz. Die Löw-Mannschaft hat sich entwickelt. Und entwickelt sich immer weiter, wird bestimmt noch besser. Adler: „Der Trainer hat uns immer wieder gesagt, dass er in jedem Spiel absolute Fokussierung, absolute Konzentration verlangt. Vor allem in Testspielen wie nun gegen Frankreich, das sind immer Klassiker, da ist eine gesunde Rivalität vorhanden, da will keiner verlieren. Der Trainer hat uns eingeimpft, dass jeder auf dem Prüfstein steht, dass der Konkurrenzkampf ausgerufen wird, dass wir jeden einzelnen Spieler brauchen. Die Spieler, die spielen dürfen, haben die Chance, sich auf diesem Niveau, auf dieser Plattform zu beweisen – und das ist für die gesamte Entwicklung der Mannschaft gut.“

Adler sagt weiter: „In Paris hat man gesehen, dass wir daran arbeiten, und uns als Mannschaft verbessern. In den zwei Jahren, in denen ich nicht dabei war, hat sich die Qualität gesteigert. Es gibt viele neue Spieler, viele jüngere Spieler, und alles in allem ist die Qualität der Mannschaft noch einmal gestiegen. Leistungsträger haben sich noch weiter entwickelt, noch mehr Erfahrungen gesammelt haben, und Marco Reus und Mario Götze waren noch nicht mal dabei. Die Mannschaft hat auf jeder Position so eine unglaubliche Klasse hat, dass man als Trainer die Qual der Wahl hat.“ Von Bastian Schweinsteiger hat Adler nicht gesprochen, aber auch er hat gefehlt. Immerhin verteilte der HSV-Schlussmann noch ein Lob an einen Gegner vom kommenden Sonnabend: „Was der Gündogan gespielt hat, das war schon aller Ehren wert.“ Schweinsteiger wird sich warm anziehen müssen . . .

Ob Rene Adler allerdings auch tatsächlich am Sonnabend im HSV-Tor stehen kann und wird, bleibt abzuwarten. Abgesehen davon, dass er heute, gemeinsam mit Kapitän Heiko Westermann, zu spät aus Paris nach Hamburg eingeflogen kam, war Pech. Aber der Keeper hatte sich auch ein böses Andenken aus Frankreich mitgebracht: eine Oberschenkelprellung. Verursacht durch einen Tritt von Benzema hat Adler heute nicht mehr trainiert, er hat Schmerzen, ließ sich damit nur pflegen. Ob er am Wochenende fit ist, steht somit noch in den Sternen, mal sehen, wie sich die Verletzung während der nächsten Nacht noch entwickelt.

Es wäre zwar ganz, ganz bitter, wenn Rene Adler, der Held vom 3:2-Hinspiel-Sieg, am Sonnabend ausfiele, aber ein Weltuntergang wäre es auch nicht – haben wir nicht gerade davon geschwärmt, welch guter „zweiter Mann“ Jaroslav Drobny für den HSV ist? Er kann es doch auch immer noch.

Am HSV-Torhüter wird es, so glaube ich, ohnehin nicht groß liegen, wenn es in Dortmund nicht so läuft, wie es sich die Hamburger wünschen. Ich habe Thorsten Fink heute gefragt, was er als Trainer tun könne, dass seine Mannschaft, wie zuletzt in Nürnberg, gegen Bremen und Frankfurt gesehen, nicht wieder die erste Halbzeit verschläft. Fink sagte: „Ich werde auf jeden Fall mit meiner Mannschaft darüber reden. Wir sind, ganz klar, zuletzt am Anfang nicht aus den Startlöchern gekommen, aber das haben wir in dieser Saison ja auch schon anders erlebt. Darüber muss man reden, ich werde die Mannschaft so einstellen, dass wir von Anfang an da sind. Trotzdem erwarte ich nicht nur eine gute Anfangsphase, sondern dass wir 90 oder 92 Minuten Gas geben. Das erwarte ich. Wenn wir alles geben, werden wir vielleicht auch dafür belohnt. Und nur dann wird man auch belohnt.“ Fink weiter: „Wer nicht mutig nach vorne spielt, den möchte ich dann nicht mehr auf dem Platz sehen. Leidenschaft, Mut und Freude möchte ich sehen, von Anfang an. Man kann ja immer mal ein Tor kassieren, aber diese Eigenschaften möchte ich bei jedem sehen.“

Des Trainers Vorstellungen vom Sonnabend-Spiel in Dortmund: „Wir werden versuchen, die Räume eng zu machen, dort, wo die gefährlichen Zonen sind. Weil Dortmund eine sehr clevere Mannschaft ist, da müssen wir versuchen, ihr Spiel zu verhindern. Und das geht nur, indem man die Räume zumacht. Weil man bei Dortmund ja auch nicht nur auf einen Spieler achten muss, sondern auf viele, da macht jeder etwas nach vorne, da ist jeder zu beachten.“ Von seiner Mannschaft erwartet Fink: „Wichtig ist zuerst, dass man die richtige Einstellung mit auf den Platz bringt, dass man von Anfang an auch mutig nach vorne spielt. Mann kann ja nicht so denken: Wenn ich nicht nach vorne gehe, sondern hinten bleibe, dann kassiere ich keine Tore. So geht es nicht. Daran müssen wir denken. Und wenn wir das beherzigen, dann werden wir auch wieder unser Spiel machen. Wir müssen zeigen, was wir können. Es wird sicherlich mal Zeit, dass wir mal wieder ein gutes Spiel sehen, ein richtig gutes Spiel von meiner Mannschaft. In Dortmund wird das natürlich schwieriger, aber immer dann, wenn keiner damit rechnet, werden wir das schaffen. Gehen Sie mal davon aus, dass wir das jetzt am Sonnabend zeigen.“

Das wäre super, Herr Fink!

Erfreulich für den HSV: Artjoms Rudnevs, zuletzt wegen einer Oberschenkelprellung nicht im Training, hat heute das Programm absolviert – dürfte also auch am Sonnabend spielen. Die heute von den Länderspielen zurückgekehrten Nationalspieler sind alle fit, liefen aber nach ihrer Ankunft nur und trainierten noch nicht wieder mit dem Team.

So, auch das gab es heute noch: Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl hat die Spielansetzung in der Fußball-Bundesliga am 16. Februar beim HSV kritisiert. Das sei „eine Katastrophe“, sagt Eberl. Die Borussen bestreiten am 14. Februar ihre erste Begegnung der K.o.-Runde in der Europa League gegen Lazio Rom und müssen zwei Tage danach um 15.30 Uhr in Hamburg antreten.

Und zum Schluss noch dies:

Andere Kontinente, andere Sitten.

Der Afrikanische Fußballverband CAF hat den tunesischen Schiedsrichter Slim Jdidi suspendiert. Grund seien die schlechten Leistungen des Unparteiischen im Halbfinale des Afrika Cups zwischen Burkina Faso und Ghana gewesen, teilte der Verband am Donnerstag mit. „Ich war nicht zufrieden mit dem Niveau des Schiedsrichters“, sagte CAF-Generalsekretär Hicham El Amrani.
Slim Jdidi hatte im Halbfinale am Mittwoch, das Burkina Faso mit 3:2 im Elfmeterschießen gewann, eine Reihe von Fehlentscheidungen gefällt. Dazu gehörte auch die Gelb-Rote Karte für Jonathan Pitroipa (ehemals HSV) wegen einer angeblichen Schwalbe. Die könne nicht zurückgenommen werden, solange der Schiedsrichter seinen Fehler nicht zugebe, erklärte der Verband. Beharrt Jdidi auf seinem Urteil, fehlt Pitroipa Burkina Faso am Sonntag im Finale gegen Nigeria.

PS: Das morgige Abschlusstraining (Freitag) findet wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

18.26 Uhr

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