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Viel Lob für Nationaltorwart Rene Adler

7. Februar 2013

Er gehörte zu den Gewinnern des Länderspiels, keine Frage. Alle hatten sie 2:1 gegen Frankreich gewonnen, selbstverständlich, aber Rene Adler konnten einen ganz besonderen Sieg feiern. 812 Tage nach seinem letzten Länderspiel, einem 0:0 in Schweden, stand der HSV-Schlussmann wieder einmal zwischen den Pfosten der deutschen Nationalmannschaft. Welch ein Erfolgserlebnis. Zu dem er viele Glückwünsche erhielt. Nicht nur, weil er sehr gut gehalten hatte, sondern weil er sich vor dem Spiel und nach dem Schlusspfiff kollegial und fair verhalten hatte. Für diesen Adler gab es an diesem besonderen Mittwoch sehr viel Lob. Es stellte sich für mich so dar, als würde ihm ganz Fußball-Deutschland zu Füßen liegen. Ein Beispiel von vielen: Im „Sportschau-Club live“ von ARD-Moderator Alexander Bommes sagte Dortmunds Kapitän Sebastian Kehl: „Ich freue mich riesig mit Rene, er hat es verdient, dass man ihn nun feiert, sich nach einer so langen Verletzungspause wieder so in die Nationalmannschaft zu spielen – und ich weiß wovon ich spreche – das verdient allerhöchste Anerkennung.“ In der Tat.

Adler wurde am Abend danach auch deswegen gelobt, weil er so bescheiden geblieben ist.Nach dem Länderspiel sprach mein Kollege Alexander Laux (stellvertr. Ressortleiter Sport beim Hamburger Abendblatt) mit dem Nationaltorwart. Adler verriet über seine Gefühle: „Es war im letzten halben Jahr sowieso alles ein bisschen viel. Da weiß man natürlich vom Kopf her, dass es ein Geschenk ist, dass man dieses Länderspiel genießen sollte, aber man kann ja nicht einfach ins Spiel gehen und sagen, ich will das jetzt genießen. Die gesunde Nervosität und Anspannung brauchst du, die hast du auch, und das geht nur mit dem Spielen weg.“

Die Nervosität war Adler nicht anzumerken. Er war ruhig wie immer, so hatte es den Anschein. Und er hielt ja großartig. Wenn es zunächst auch nicht so viel zu tun gab für ihn. Adler gestand: „Im Nachhinein bin ich natürlich froh, dass es so gelaufen ist. Dass wir nicht nur gewonnen, sondern auch ein gutes Spiel gemacht haben. Ich habe ja noch nicht so viele Länderspiele – und gerade in letzter Zeit nicht so viel auf diesem Weltniveau gemacht.“

In seinem elften Länderspiel kassierte er zwar das Führungstor der Franzosen, aber daran hatte der HSV-Keeper keine Schuld. Adler: „Dass ich doch ein Tor kassiert habe, ist Schicksal. Man nimmt sich vor, zu Null zu spielen, aber es kommt eben vor, dass man es nicht schafft. Ich habe immer gedacht: Gerade bei Standards muss man gegen Weltklasse-Teams immer besonders aufpassen. Als der Ball dann im Netz lag, habe ich spontan gedacht, dass es Abseits war. Und ich bin schon erschrocken, dass der Franzose da plötzlich so blank steht. Da kam ich dann auch nicht mehr hin. Aber wir haben es dann gut gemacht, der Trainer hat zu Halbzeitpause gesagt, dass wir das noch umdrehen, und wir waren davon auch überzeugt, als wir aus der Kabine wieder auf den Rasen gingen.“

Rene Adler über den Ausgleich und den Siegtreffer: „Das zeigt ja auch den Charakter der Mannschaft, wie gefestigt die Mannschaft jetzt schon ist. Wir haben uns nicht aus der Bahn werfen lassen, wir haben unseren Stiefel gespielt.“ Und dieser „Stiefel“ sah 90 Minuten lang sehr gut aus. Das war kein übliches Freundschafts-Länderspiel, sondern eines, in dem sich alle (fast alle, außer Gomez und Kroos) darum bemühten, alles für Deutschland zu geben. Adler über sein Empfinden während der 90 Minuten: „Da spielt sich vieles im Kopf ab. Auf diesem Niveau musst du in jeder Sekunde im Spiel sein, es kann ja sein, selbst wenn der Ball in der gegnerischen Hälfte ist, dass einer einen tödlichen Ball spielt. Ohne das vergleichen zu wollen, aber das strengt vom Kopf her mehr an, weil es einfach intensiver ist als ein Bundesliga-Spiel.“

Dabei begann diese Begegnung für ihn doch zunächst ganz ruhig. So richtig viel zu tun gab es für Adler in der Anfangsphase nicht. Er sagt dann auch: „Man ist also Torwart froh, wenn man einmal ins Spiel eingreifen kann, weil es doch schon schwer ist, wenn man keine Ballkontakte hat, aber vom Kopf dabei ist. Man ist nicht richtig drin im Spiel, insofern muss man sich immer auf die nächste Aktion konzentrieren. Jetzt bin ich froh, dass ich den einen oder anderen Ball halten konnte.“

Sein Konkurrent, der auf der Bank saß, hat es gesehen. Und wird sich seine Gedanken gemacht haben. Wobei Manuel Neuer ja schon vorher nicht gerade glücklich, um es einmal harmlos zu sagen, war, dass er pausieren musste. Demnächst wird Adler wieder auf der Bank sitzen, wenn Neuer spielt – und der HSV-Torhüter sagt: „Das ist gar kein Problem. Ich denke es wäre respektlos, irgendetwas zu sagen, ich bin froh, dass ich überhaupt wieder zum Kreis der Nationalmannschaft gehöre. Mein Ziel ist natürlich, dabei zu sein, es macht unheimlich viel Spaß, das ist eine tolle Truppe. Ich weiß, wie meine Rolle ist. Wenn ich dann spielen darf wie heute, versuche ich einfach, einen guten Job zu machen, zu helfen. Heute haben alle zusammen gewonnen, auch die, die nicht gespielt haben. Das nächste Mal spielen wieder andere, da gewinnen wir auch zusammen.“

Es ehrt ihn, wenn er das so sagt. Nach seiner langen, langen Leidenszeit. Er sagt über die Zeit seiner Zwangspause: „Wenn ich mich an mein letztes Länderspiel erinnere, dann muss ich schon sagen, dass sich die Qualität verändert hat. Damals in Schweden, da habe ich zumindest zu Null gespielt. Das kann man aber nicht vergleichen, das war schon eine andere Liga. Frankreich gegen Deutschland ist viel höher anzusiedeln. Die Zuschauer haben ein richtig gutes, schnelles, intensives Fußballspiel gesehen. Damals, in Schweden, war es doch eher taktisch geprägt, gespielt wurde auf einem schlechten Platz, bei eisige Temperaturen, jeder war froh, als das Spiel vorbei war. Heute war es ein Prestigeduell. Da hat man schon gemerkt, dass das kein normales Spiel ist, dass es um mehr geht.“

Und Deutschland hat mit diesem Sieg sicherlich für ein Aufhorchen in Fußball-Europa gesorgt. Nach 1935 (!) der erste deutsche Erfolg in Frankreich. Das registriert auch die Konkurrenz. Die Löw-Mannschaft hat sich entwickelt. Und entwickelt sich immer weiter, wird bestimmt noch besser. Adler: „Der Trainer hat uns immer wieder gesagt, dass er in jedem Spiel absolute Fokussierung, absolute Konzentration verlangt. Vor allem in Testspielen wie nun gegen Frankreich, das sind immer Klassiker, da ist eine gesunde Rivalität vorhanden, da will keiner verlieren. Der Trainer hat uns eingeimpft, dass jeder auf dem Prüfstein steht, dass der Konkurrenzkampf ausgerufen wird, dass wir jeden einzelnen Spieler brauchen. Die Spieler, die spielen dürfen, haben die Chance, sich auf diesem Niveau, auf dieser Plattform zu beweisen – und das ist für die gesamte Entwicklung der Mannschaft gut.“

Adler sagt weiter: „In Paris hat man gesehen, dass wir daran arbeiten, und uns als Mannschaft verbessern. In den zwei Jahren, in denen ich nicht dabei war, hat sich die Qualität gesteigert. Es gibt viele neue Spieler, viele jüngere Spieler, und alles in allem ist die Qualität der Mannschaft noch einmal gestiegen. Leistungsträger haben sich noch weiter entwickelt, noch mehr Erfahrungen gesammelt haben, und Marco Reus und Mario Götze waren noch nicht mal dabei. Die Mannschaft hat auf jeder Position so eine unglaubliche Klasse hat, dass man als Trainer die Qual der Wahl hat.“ Von Bastian Schweinsteiger hat Adler nicht gesprochen, aber auch er hat gefehlt. Immerhin verteilte der HSV-Schlussmann noch ein Lob an einen Gegner vom kommenden Sonnabend: „Was der Gündogan gespielt hat, das war schon aller Ehren wert.“ Schweinsteiger wird sich warm anziehen müssen . . .

Ob Rene Adler allerdings auch tatsächlich am Sonnabend im HSV-Tor stehen kann und wird, bleibt abzuwarten. Abgesehen davon, dass er heute, gemeinsam mit Kapitän Heiko Westermann, zu spät aus Paris nach Hamburg eingeflogen kam, war Pech. Aber der Keeper hatte sich auch ein böses Andenken aus Frankreich mitgebracht: eine Oberschenkelprellung. Verursacht durch einen Tritt von Benzema hat Adler heute nicht mehr trainiert, er hat Schmerzen, ließ sich damit nur pflegen. Ob er am Wochenende fit ist, steht somit noch in den Sternen, mal sehen, wie sich die Verletzung während der nächsten Nacht noch entwickelt.

Es wäre zwar ganz, ganz bitter, wenn Rene Adler, der Held vom 3:2-Hinspiel-Sieg, am Sonnabend ausfiele, aber ein Weltuntergang wäre es auch nicht – haben wir nicht gerade davon geschwärmt, welch guter „zweiter Mann“ Jaroslav Drobny für den HSV ist? Er kann es doch auch immer noch.

Am HSV-Torhüter wird es, so glaube ich, ohnehin nicht groß liegen, wenn es in Dortmund nicht so läuft, wie es sich die Hamburger wünschen. Ich habe Thorsten Fink heute gefragt, was er als Trainer tun könne, dass seine Mannschaft, wie zuletzt in Nürnberg, gegen Bremen und Frankfurt gesehen, nicht wieder die erste Halbzeit verschläft. Fink sagte: „Ich werde auf jeden Fall mit meiner Mannschaft darüber reden. Wir sind, ganz klar, zuletzt am Anfang nicht aus den Startlöchern gekommen, aber das haben wir in dieser Saison ja auch schon anders erlebt. Darüber muss man reden, ich werde die Mannschaft so einstellen, dass wir von Anfang an da sind. Trotzdem erwarte ich nicht nur eine gute Anfangsphase, sondern dass wir 90 oder 92 Minuten Gas geben. Das erwarte ich. Wenn wir alles geben, werden wir vielleicht auch dafür belohnt. Und nur dann wird man auch belohnt.“ Fink weiter: „Wer nicht mutig nach vorne spielt, den möchte ich dann nicht mehr auf dem Platz sehen. Leidenschaft, Mut und Freude möchte ich sehen, von Anfang an. Man kann ja immer mal ein Tor kassieren, aber diese Eigenschaften möchte ich bei jedem sehen.“

Des Trainers Vorstellungen vom Sonnabend-Spiel in Dortmund: „Wir werden versuchen, die Räume eng zu machen, dort, wo die gefährlichen Zonen sind. Weil Dortmund eine sehr clevere Mannschaft ist, da müssen wir versuchen, ihr Spiel zu verhindern. Und das geht nur, indem man die Räume zumacht. Weil man bei Dortmund ja auch nicht nur auf einen Spieler achten muss, sondern auf viele, da macht jeder etwas nach vorne, da ist jeder zu beachten.“ Von seiner Mannschaft erwartet Fink: „Wichtig ist zuerst, dass man die richtige Einstellung mit auf den Platz bringt, dass man von Anfang an auch mutig nach vorne spielt. Mann kann ja nicht so denken: Wenn ich nicht nach vorne gehe, sondern hinten bleibe, dann kassiere ich keine Tore. So geht es nicht. Daran müssen wir denken. Und wenn wir das beherzigen, dann werden wir auch wieder unser Spiel machen. Wir müssen zeigen, was wir können. Es wird sicherlich mal Zeit, dass wir mal wieder ein gutes Spiel sehen, ein richtig gutes Spiel von meiner Mannschaft. In Dortmund wird das natürlich schwieriger, aber immer dann, wenn keiner damit rechnet, werden wir das schaffen. Gehen Sie mal davon aus, dass wir das jetzt am Sonnabend zeigen.“

Das wäre super, Herr Fink!

Erfreulich für den HSV: Artjoms Rudnevs, zuletzt wegen einer Oberschenkelprellung nicht im Training, hat heute das Programm absolviert – dürfte also auch am Sonnabend spielen. Die heute von den Länderspielen zurückgekehrten Nationalspieler sind alle fit, liefen aber nach ihrer Ankunft nur und trainierten noch nicht wieder mit dem Team.

So, auch das gab es heute noch: Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl hat die Spielansetzung in der Fußball-Bundesliga am 16. Februar beim HSV kritisiert. Das sei „eine Katastrophe“, sagt Eberl. Die Borussen bestreiten am 14. Februar ihre erste Begegnung der K.o.-Runde in der Europa League gegen Lazio Rom und müssen zwei Tage danach um 15.30 Uhr in Hamburg antreten.

Und zum Schluss noch dies:

Andere Kontinente, andere Sitten.

Der Afrikanische Fußballverband CAF hat den tunesischen Schiedsrichter Slim Jdidi suspendiert. Grund seien die schlechten Leistungen des Unparteiischen im Halbfinale des Afrika Cups zwischen Burkina Faso und Ghana gewesen, teilte der Verband am Donnerstag mit. „Ich war nicht zufrieden mit dem Niveau des Schiedsrichters“, sagte CAF-Generalsekretär Hicham El Amrani.
Slim Jdidi hatte im Halbfinale am Mittwoch, das Burkina Faso mit 3:2 im Elfmeterschießen gewann, eine Reihe von Fehlentscheidungen gefällt. Dazu gehörte auch die Gelb-Rote Karte für Jonathan Pitroipa (ehemals HSV) wegen einer angeblichen Schwalbe. Die könne nicht zurückgenommen werden, solange der Schiedsrichter seinen Fehler nicht zugebe, erklärte der Verband. Beharrt Jdidi auf seinem Urteil, fehlt Pitroipa Burkina Faso am Sonntag im Finale gegen Nigeria.

PS: Das morgige Abschlusstraining (Freitag) findet wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

18.26 Uhr

8:2 gegen die Polizei – Mancienne stellt sich vor

6. Juli 2011

Eigentlich sollte er um 11 trainieren. Aber nachdem das Training ob der etwas länger gewordenen ersten Einheit auf 12 Uhr nach hinten verschoben worden war, war außer den Auswärtstrikots der Spieler wenig Neues dabei, auch nicht Zugang Michael Mancienne, der sich stattdessen im Kabinentrakt anstrengenden Leistungstests unterziehen musste. „Mir tut schon einiges weh“, klagte der Engländer anschließend – wenn auch nicht ganz ernst gemeint. In England sei er Konditionstraining immer mit dem Ball am Fuß gewohnt gewesen. „Hier wird auch mal nur gerannt. Das ist echt hart – aber auch gut.“ Schließlich holt sich der 23-Jährige (KORRIGIERT! Ich hatte ihn im Zuge der ganzen 19-jährigen Chelsea-Jungs einfach mal vermengt…) in den wenigen Wochen der Vorbereitung die nötige Fitness für die lange Saison – und für das Spiel heute im Norderstedter Edmund-Plambeck-Stadion gegen eine Polizeiauswahl aus Schleswig-Holstein und Hamburg. Angesprochen darauf, dass er laut Traineransage von Beginn an mit Jeffrey Bruma auflaufen soll, entgegnete er sichtlich überrascht: „Das glaube ich noch nicht. Es ist ja erst mein erster Trainingstag.“

Am Ende behielt Mancienne sogar Recht. Oenning beließ es am ersten Tag beim Training, schonte Mancienne ebenso wie gefühlt 99 Prozent des potenziellen Stammpersonals beim Benefizkick gegen die Polizeiauswahl. Somit kam es auch nicht zu dem von Oenning angekündigten ersten Test mit Bruma und Mancienne als Innenverteidigerduo. Stattdessen trafen Son (18., 28., 83., 88.), Ben-Hatira (10., 66., 80.), Behrens (69.) zum 8:2. Ein Test, der sportlich ebenso reiz- und wertlos war wie sozial von Bedeutung. Denn die gesamten Tageseinnahmen kamen der Arche Jenfeld sowie der Jugendarbeit Eintracht Norderstedts zugute. Womit auch neben der legendären Currywurst im Plambeck-Stadion das Relevanteste erwähnt ist. Dass Oenning im ersten Test auf Hamburger (okay, genau genommen Schleswig-Holstein, aber eben ganz nah dran) Boden eine verbesserte U23 aufbot – Geschmackssache. Höhepunkt des Ganzen waren die keinesfalls unverdienten Gegentore für die Polizeiauswahl zum zwischenzeitlichen 2:3 durch Felix Kerch (52.) und Nils Laabs (57.). beim ersten Gegentreffer sah Hesl bei einem Flankenball schlecht aus, beim zweiten Gegentreffer patzte der selbst heute völlig überforderte Lennard Sowah. Die Blamage drohte. Nur 3:2 gegen eine Auswahl aus Sechst-, Siebt- und sogar unterklassigen Fußballern der Polizei. Oder war allein dieser Zwischenstand zur 60. Minute schon eine Blamage?

Ich kann nur weitergeben, was ich mehrfach zu hören bekam. Und da war von „Verarschung“ bis hin zu „Betrug am Kunden“ die Rede. Einzig der launige Auftritt der Polizei sorgte für etwas (Schaden-)Freude.
Die Aufstellung: Hesl – Diekmeier (Sowah 46.), Labus, Sternberg (58., Behrens), Jansen – Besic, Jarolim (58., Ingreso), Nagy (73. Kacar), Bertram – Ben-Hatira, Son.

Nun denn. Ein guter Zweck wurde erfüllt. Belassen wir es am besten dabei.

Netter war zuvor, was Kevin Keegan über Mancienne gesagt hatte. „Mighty Mouse“ hatte den Zugang am Dienstag in den höchsten Tönen gelobt. Worte, die Mancienne sichtlich erfreuten. „Von einem so großen Mann gelobt zu werden macht schon stolz“, sagte Mancienne, der sich selbst . Und da er erst der zweite englische Bundesligaprofi Engländer nach Keegan beim HSV ist, dieser gerade seinen Fußabdruck für den „Walk-of-Fame“ hinterließ, lag die Frage nahe: Schafft er es, in die Fußstapfen Keegans zu treten? „Die sind schon sehr groß“, so Mancienne ehrfurchtsvoll, „aber ich werde es natürlich versuchen und wünsche es mir.“ Dennoch bliebe er vorerst bescheiden und habe lediglich das Ziel, „beim HSV gut zu spielen und viele Spiele zu gewinnen“. Der Rest käme mit der Zeit automatisch.

Dabei ist Mancienne alles andere als unerfahren. 50 Premier-League-Spiele absolvierte der Verteidiger, davon 46 für Wolverhampton und vier für den FC Chelsea. „Der Schritt in ein neues Land ist trotzdem sehr groß“, warnt Oenning vor zu hohen Erwartungen und begründet auch: „Als erstes müssen wir die Sprachbarriere durchbrechen.“ Dafür erhält Mancienne, der bislang kein Wort Deutsch spricht, ab sofort Deutsch-Unterricht. „Ich will die Sprache lernen“, so der Defensivspieler, der seinen Urlaub in Südfrankreich verbracht hatte und überrascht wurde von der royalen Trauung in Monaco. „Plötzlich gab es ein Riesenfeuerwerk“, so Mancienne, „mehr habe meine Freundin und ich davon kaum mitbekommen.“

Mancienne machte bei allem eine gute Figur. Auch verbal. „Er ist ein sehr offener Typ, der auf die Leute zugeht“, lobt Oenning und wird von Mancienne bestätigt: „Ich bin eher der entspannte Typ, freue mich auf meine neuen Kameraden. Ich wurde hier sehr herzlich aufgenommen und habe ein echt gutes Gefühl.“

Das hat auch Oenning. Auch was den neuesten Zugang betrifft, Per Skjelbred. Der Norweger wurde bislang zum 1. Januar 2012 verpflichtet, wäre dann ablösefrei. Dennoch versucht der HSV, den offensiven Mittelfeldspieler schon früher von seinem Heimatverein Rosenborg Trondheim loszueisen. „Rosenborg möchte ihn noch in der Champions-League-Qualifikation einsetzen“, erklärt Oenning, „wir hätten ihn aber gern schon früher hier.“ Ausgeschlossen sei, dass der 24-Jährige bereits mit ins Trainingslager des HSV nach Österreich reist.

Sollte sich der Transfer wider Erwarten nicht bald realisieren lassen, müsste der HSV noch mal auf dem Transfermarkt tätig werden. „Wir haben nie gesagt, dass wir nichts mehr machen“, sagt Oenning. Der Cheftrainer deutete an, dass durch den Verkauf Jonathan Pitroipas (war heute kurz im Stadion, flog aber nachmittags wieder nach Rennes) sowie noch zu verkaufende Spieler wie Alex Silva (Sportchef Frank Arnesen verhandelte gestern und heute vor Ort in Brasilien), Mickael Tavares und Guy Demel finanzielle Mittel in noch unabsehbarer Größenordnung da wären und reinvestiert werden könnten. Meiner Meinung nach sogar müssen.

Denn, und das deutete Jörn Andersen im Abendblatt ja bereits an, Skjelbred gilt zwar als großes Talent – wirklich angekommen ist er aber außer in Norwegens erster Liga noch nicht. Und diese wiederum ist qualitativ nicht mit der deutlich höher einzustufenden Bundesliga zu vergleichen. „Er hatte immer wieder Angebote großer Klubs“, wundert sich selbst Oenning, „und er ist trotzdem nie gewechselt. Bis jetzt zu uns.“ Auch er selbst hätte als Nürnberg-Trainer mal Interesse an dem Norweger bekundet, „zu einem Gespräch kam es aber nie, weil er wohl auch kein gesteigertes Interesse am FCN hatte“, so der HSV-Coach, der Gerüchten widersprach, der 175-Zentimeter-Mann wäre zu langsam: „Er ist kein Sprinter, niemand, den man immer lang schickt. Aber er hat durch seine fußballerischen Qualitäten die Möglichkeit, das Spiel schnell zu machen.“ Klingt ein wenig wie das Gegenteil unseres pfeilschnellen Abganges aus Burkina Faso.

Aber egal, ich bin sehr gespannt. Gespannt, ob der „Box-to-box-Player“, wie ihn Arnesen nannte, die erhoffte Verstärkung ist. Und gespannt drauf, ob der 24-Jährige wirklich noch die Champions-League-Quali für seinen Verein spielen muss, obwohl er gedanklich wahrscheinlich schon beim HSV ist. Das geht selten gut und ist ähnlich wie es einst unser hier immer wieder (zumeist zurecht) gehuldigte Rafael van der Vaart sowie Khalid Boulahrouz machten, als sie sich beim Spielen mit ihrem Kind bzw. beim Warmmachen so verletzten, dass sie für den HSV international nicht auflaufen konnten.

Zeiten, die vorbei sind. Die einen sagen leider – die anderen freuen sich auf den Neuanfang mit jungen Leuten wie Bruma, Mancienne, und Skjelbred.

In diesem Sinne, ich bin ab Freitag für eine Woche im Urlaub – aber der Blogvater ist da und versorgt Euch wie immer mit den wichtigsten Infos aus dem Trainingslager im Zillertal!

Viel Spaß und bis bald!
Euer Scholle

– Training am Donnerstag ist übrigens um 8.30, 11.30 und 16 Uhr.

– Töre musste das Training wegen muskulärer Probleme abbrechen. Und Jacopo Sala muss mindestens vier Wochen mit einem Muskelbündelriss aussetzen, den er sich im Trainingslager zugezogen hatte. „Er hat sich an der Stelle verletzt, an der er schon vorher Probleme hatte“, sagt Oenning, „deshalb werden wir ihn jetzt ganz behutsam aufbauen.

– Sollten Tavares und Demel bis Freitag nicht verkauft sein, werden beide zurück nach Hamburg kommen und das Training in der U23 aufnehmen. Eine Rückkehr zu den Profis ist für beide ausgeschlossen.

Keegan lobt, Skjelbred kommt, Pit ist verkauft

5. Juli 2011

Per Skjelbred (24) also. Der zentrale Mittelfeldspieler von Rosenborg Trondheim hat bereits den Medizincheck in der Hansestadt absolviert. Erfolgreich. Und er reist auch heute wieder ab. Denn: Auch wenn man dem Nationalspieler bei Rosenborg keine Steine in den Weg legen will, haben beide Klubs noch keine Einigung erzielt. Die Norweger wollen nach eigener Aussage erst einen Ersatz an Land ziehen. Zudem soll der einstige Gewinner einer Fußball-Casting-Show (er gewann damals eine Woche Probetraining beim FC Liverpool) erst noch die Qualifikation zur Champions League für die Norweger absolvieren. Als Ablösesumme sind 900000 Euro im Gespräch.

Dennoch dürfte nicht mehr viel schief gehen. Selbst auf der vereinseigenen Homepage Trondheims hat sich der sportliche Leiter der Norweger, Erik Hoftun, schon zu Wort gemeldet. „Wir verhandeln mit dem HSV“, sagt Hoftun, „und wir haben bereits angedeutet, dass wir nicht verkaufen wollen, bis wir einen Ersatz haben. Aber Per hat es verdient und beide Klubs sind sich einig, dass es eine tolle Chance für Per ist. Wir hoffen, dass er in ein par Jahren wieder zu uns zurückkommt.“

Beachtenswert ist insbesondere der Werdegang Skjelbreds. Nachdem er in der Probewoche beim FC Liverpool überzeugt hatte, bot ihm Liverpool einen Jugendvertrag an. Skjelbred lehnte ab und entschloss sich stattdessen für einen Profivertrag bei Rosenborg Trondheim. Dort debütierte er im Juni 2004 als Sechzehnjähriger, absolvierte aber ob der starken Konkurrenz im Mittelfeld lediglich ein weiteres Spiel. Ein Jahr später schaffte er es zum Stammspieler bei Rosenborg und brachte es bislang (hier variieren die Angaben allerdings) auf 12 Länderspiele für Norwegen.

Nichts mehr offen ist bei Jonathan Pitroipa. Am Sonntag war der Burkinabe gen Frankreich geflogen, um dort erfolgreich den Medizin-Check zu absolvieren. Am heutigen Mittwoch unterschrieb der pfeilschnelle Außenstürmer seinen neuen Vertrag bis 2013 plus Option auf ein weiteres Jahr. Dem HSV bleiben 3,5 Millionen Euro Ablöse zuzüglich einer Erfolgsprämie, sollte Rennes sich im Laufe der Saison wieder für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren. „Ich hatte eine tolle Zeit beim HSV“, sagt Pitroipa, „aber ich möchte auch immer spielen. Und das ist in Rennes vielleicht etwas wahrscheinlicher als in Hamburg.“ Immerhin drei Jahre lang hatte Pitroipa vergebens auf einen Stammplatz hingearbeitet. „Es waren drei identische Jahre. Ich habe gespielt – dann wieder nicht – und dann plötzlich doch wieder. Das war nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Und es war nicht das, was der HSV wollte. Deshalb ist die Trennung letztlich die beste Lösung für alle.“ Was Pitroipa unerwähnt ließ ist, dass der HSV mit ihm vorzeitig verlängern wollte, der Außenstürmer aber mit 2,5 Millionen Euro per annum einen deutlich zu hohen Betrag aufrief.

Immerhin kann der HSV so wieder investieren. In Skjelbred – aber womöglich in noch einen weiteren offensiven Spieler. Glaubt man meinen hochgeschätzten und eigentlich immer sehr gut informierten Bild-Kollegen, ist Arnesen noch immer um die Dienste des Schweizers Xherdan Shaqiri vom FC Basel bemüht. Allerdings hatte ich gehört, dass der 19-Jährige sowohl im Gehalt als auch in seinen sportlichen Vorstellungen mit der HSV-Philosophie nicht vereinbar sein soll. Shaqiri soll sogar das Angebot einen Europa-League-Teilnehmers abgelehnt haben, weil er zumindest Champions League spielen will.

Ansprüche, die eine Qualität voraussetzen, die Kevin Keegan in seinen besten Tagen als Aktiver beim HSV allemal hatte. Grund genug, „Mighty Mouse“ dafür zu ehren. Keegan hinterließ dafür heute seinen Fußabdruck im HSV-Museum für den „Walk of Fame“. Dabei war Keegan eigentlich nur nach Deutschland gekommen, um seinen leider noch kranken Freund und früheren Masseur Hermann Rieger zu besuchen. „Hermann war meine erste Bezugsperson, als ich mit 27 Jahren 1977 nach Hamburg kam. Er als Bayer konnte zwar kein Deutsch – das hab’ ich ihm später beigebracht – aber er ist zu mir immer nett gewesen, hat mir geholfen, wie er es mit jedem Menschen um sich herum getan hat. Hermann ist einfach ein besonderer Mensch.“ Worte, denen ich nichts hinzufügen kann und möchte.

Aber der ehemalige Deutsche Meister, der bis 1980 beim HSV spielte, hatte nicht nur für seinen besten Freund Hermann Rieger warme Worte, sondern auch für seinen ehemaligen Klub: „Der HSV hat ein ziemlich junges Team zusammengestellt. Ich wünsche der Mannschaft alles Glück der Welt und bin überzeigt, dass der Verein wieder an alte erfolgreiche Zeiten anknüpfen kann, wenn man hier Geduld hat.“ Das gelte auch für die beiden Neuzugänge Jeffrey Bruma und Michael Mancienne (steigt voraussichtlich morgen ins Training ein). „Die beiden kenne ich vom FC Chelsea. Zwei absolute Glücksgriffe für den HSV. Beide Spieler haben ihr Talent bereits nachgewiesen und machen mit dem HSV den nächsten Step. Sie kommen vom großen FC Chelsea – und sind beim großen HSV. Das ist auch kein zu großer Schritt. Und wenn die Fans, die naturgemäß Erfolg erwarten dürfen, sie sich entwickeln lassen und motivieren, werden sie zwei Verstärkungen bekommen.“

Keegan, der selbst keine Lust mehr auf ein Amt im Profifußball hat („Für mich gibt es inzwischen wichtigere Dinge im Leben“) und sich nur noch als ESPN-TV-Experte an den Wochenenden verdingt, ist gespannt. Er glaubt, dass die Verjüngung der richtige Weg ist, warnt aber auch: „Die Erwartungshaltung in Hamburg ist immer sehr groß. Nur wenn nach außen zu erkennen ist, dass die Mannschaft eine Entwicklung nimmt, reißt sie die Anhänger mit. Und darauf wird es ankommen.“

Worte, die Uli Stein, der sich seinerseits mit seinem Fußabdruck verewigte, nur unterstreichen kann. „Die Vorbereitung zählt nichts, auch nicht ein 1:5 gegen Wolfsburg. Vielmehr muss man abwarten, wie schnell die Mannschaft zusammenwächst. Denn der Saisonstart hat es in sich.“ An der Zusammenstellung des Kaders hat Stein nichts zu kritisieren. Im Gegenteil: „In den letzten Jahren hat man immer viele Stars geholt, ist aber nie eine Mannschaft geworden. Jetzt muss man eine gesunde Mischung finden aus jungen Spielern und dem Korsett erfahrener Profis, die den Rest führen. Und davon hat der Klub noch genügend.“ Zwar kenne er den neuen offensiven Mittelfeldspieler des HSV aus Norwegen auch noch nicht, „aber so ist auch die Erwartungshaltung nicht so hoch. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: der HSV gehört unter die ersten Sechs. Jedes Jahr. Aber als Fan verzeihst du der Mannschaft Fehler eher, wenn Du siehst, dass da gewillte Junge Spieler auf dem Platz alles geben und sich entwickeln. Und dafür ist es beim HSV vielleicht genau der richtige Zeitpunkt.“

Ebenso wie für Jaroslav Drobny, den der ehemalige Deutsche Meister mit dem HSV für einen würdigen Rost-Nachfolger hält. „Drobny ist ein Top-Mann, ein guter Torwart. Ich habe nie verstanden, weshalb der HSV vor der letzten Saison Rost hatte und damals trotzdem noch Drobny holte. Aber jetzt ist Drobny allemal in der Lage, in die Fußstapfen von Rost zu treten und ein Teil des erfahrenen Korsetts zu sein.“

In diesem Sinne, wenn so viele Ex-Weltklassespieler und Deutsche Meister so positiv gestimmt sind, muss doch was dran sein. Oder?

Scholle
19.40 Uhr

P.S.: Kleine Anekdote noch vom Keegan-Besuch: Im Sommer 2008 schien ein Wechsel Skjelbreds zu Newcastle United bereits sicher. Hätte damals nicht der damalige Newcastle-Manager – Kevin Keegan – einen Tag vor Ablauf des Transferfensters das Angebot zurückgezogen. „Daran erinnere ich mich nicht“, sagte Keegan heute. Erst als ihn norwegische Kameraleute auf den 24-Jährigen ansprachen, schien er sich zumindest an den Spieler zu erinnern. „Der HSV ist eine große Möglichkeit für ihn. Er ist 24, ein großes Talent – und der HSV ein Riesenklub. Allein die vielen Zuschauer werden ihn schon motivieren und eine tolle Entwicklung nehmen lassen.“

P.P.S.: Training ist morgen um 8.30 Uhr (wahrscheinlich nur Laufen) und um elf Uhr auf dem Platz. Am Abend um 18.30 Uhr spielen die Oenninger dann im Plambeck-Stadion in Norderstedt gegen eine Polizeiauswahl aus Hamburg und Schleswig-Holstein.

1:5 gegen Wolfsburg – Arnesen vor Schwerstarbeit

3. Juli 2011

Frank Arnesen war müde. Nach einer langen Nacht, die in der Imtech-Arena mit dem Box-Kampf Klitschos gegen David Haye seinen Höhepunkt fand, hatte der 54-Jährige nur wenig Schlaf gefunden. „Ich war ein wenig enttäuscht von Haye“, fand Arnesen, „denn Wladimir hat den Kampf von Anfang bis Ende kontrolliert. Aber für mich als Box-Fan war das dennoch eine begeisternde Erfahrung, sowas in unserem Stadion mitzuerleben.“ Dass er dadurch erst um 1.30 Uhr ins Bett kam und sich schon am heutigen Morgen wieder um das Tagesgeschäft kümmern musste – für Arnesen normal. „Viel Schlaf bekomme ich im Moment eh nicht.“

Top des Tages war für den dänischen HSV-Sportchef heute Jonathan Pitroipa, der um 16 Uhr gen Frankreich geflogen ist, um sich dort bei seinem potenziell neuen Arbeitgeber Stade Rennes vorzustellen. Arnesen: „Er bleibt auch am Montag noch dort, um sich alles anzusehen und letzte Details zu klären.“ Zwischen dem HSV und den Franzosen ist die Ablösesumme (3,5 Millionen Euro) geklärt, einzig um etwaige Leistungsprämien wird noch verhandelt. Dennoch gibt sich Arnesen optimistisch. „Wir haben lange mit Rennes gesprochen, uns vorher auch mit Pit intensiv unterhalten.“ Ergebnis sei gewesen, dass der HSV den Burkinaben abgeben wolle, Pitroipa selbst gehen will und Rennes großes Interesse hat. „In den nächsten zwei bis drei Tagen werden wir ein endgültiges Ergebnis haben“, kündigt Arnesen an.

Etwas weiter davon entfernt ist Arnesen bei Guy Demel („Aus England kommt das bisher beste Angebot“) sowie mit Alex Silva. Der Brasilianer hat noch immer keinen neuen Verein gefunden, der bereit ist, die kolportierten vier bis fünf Millionen Euro Ablösesumme für den Innenverteidiger zu zahlen. „Ich werde voraussichtlich am Dienstag nach Brasilien fliegen und mich dort mit Silva sowie seinem Berater Juan Figer treffen“, sagt Arnesen, der weiter einen Verkauf des 25-jährigen Innenverteidigers priorisiert.

Lieber gestern statt morgen würde Arnesen den Vertrag mit Mladen Petric verlängern. Und geht es nach dem Dänen, so dürfen die HSV-Fans sich berechtigte Hoffnungen auf einen Verbleib des Torjägers machen. „Ich habe mich vor drei Tagen mit Mladens Berater Volker Struth getroffen und ein sehr, sehr gutes Gespräch geführt. Ich bin optimistisch, dass wir weiterkommen. Mladen will noch ein paar Tage nachdenken, aber auch er war sehr positiv. Alles geht in eine sehr gute Richtung, ich bin sehr zufrieden“, sagt Arnesen. Petric wurde dabei eine absolute Führungsrolle in Aussicht gestellt, zudem geht der HSV finanziell bis an seine Grenzen. „Mladen ist ein großer Spieler, da müssen wir an unser Limit gehen“, sagt Arnesen, der sich in den nächsten Tagen auch um den noch immer gesuchten offensiven Mittelfeldspieler kümmern will und wird. „Wir haben einige Kandidaten und sind mit dem Topkandidaten schon weit“, frohlockt der Däne, der ein Ergebnis in den nächsten sieben Tagen für wahrscheinlich hält. Arnesen weiter: „Der Spieler will zu uns, der Verein kann sich vorstellen, ihn abzugeben. Aber endgültig geklärt ist der Deal noch nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in den nächsten sieben Tagen eine Entscheidung haben.“

Entschieden ist dagegen das Spiel gegen Wolfsburg. Klar mit 1:5 sind die Oenning-Mannen vor offiziell 4600 Zuschauern (Freikarten führten zu einem deutlich besser gefüllten Flensburg-08-Stadion) unter die Räder gekommen. Wobei es zur Halbzeit noch 1:1 stand und auch nicht annähernd so deutlich war, wie man es anhand der Aufstellung vor der Partie hätte vermuten können. Ohne acht potenzielle Stammspieler hatte der HSV „nach einer anstrengenden Trainingswoche“ (Oenning) in den zweiten 45 Minuten nichts mehr entgegenzusetzen. Heung Min Son hatte den HSV in der achten Minute in Führung geschossen, Lakic hatte in der 15. Minute ausgeglichen. Scheidhauer (46.), Mandzukic und zweimal Tuncay Sanli (74., 85.) trafen in der zweiten Hälfte für die Niedersachsen.

Und während zumindest die Offensive in Ansätzen mit schnellem Spiel in die Spitze zu gefallen wusste, schwamm die Defensive immer wieder. Diekmeier, der heute schwache Westermann, ein mit zunehmender Spieldauer immer überforderterer Sternberg und Jansen auf links bekamen die Wölfe nur schwer in Griff. Zudem griff das 4-3-3-System mit Jarolim und Besic nicht. Im Gegenteil, gerade der sehr bemühte Besic brachte die eigene Abwehr mit Fehlpässen immer wieder in Bedrängnis. „Das Ergebnis ist für mich Nebensache“, maß Oenning der Niederlage nicht zu viel Wert bei.

Dennoch sah auch Oenning, dass die Mannschaft so noch nicht bundesligatauglich ist. „Für uns dürfte die Bundesliga morgen noch nicht beginnen“, so der HSV-Coach, „diese Niederlage war für unsere jungen Spieler eine direkte Rückmeldung.“ Womit insbesondere Sternberg, Ben-Hatira, die eingewechselten Ingreso, Nagy und Töre gemeint sein dürften. Letztgenannter war noch vor dem Spiel von Arnesen persönlich in Schutz genommen worden, nachdem er im Trainingslager mit der einen oder anderen Diva-Phase für Aufsehen gesorgt hatte. „Töre ist ein Türke und hat rote Haare – das sagt doch schon, dass er spezial ist“, sagt Arnesen, „er muss sich ganz sicher erst einmal gewöhnen, sich mit seinem neuen Umfeld anfreunden. Klar ist, dass wir ihn führen müssen, dass er unsere Hilfe und die der erfahreneren Spieler braucht. Aber er ist ein super Typ, der außergewöhnliches Talent hat. Und das dürfen wir ihm nicht nehmen.“ Nun gut, es ist erst eine Woche absolviert, zu früh um den Stab über Töre zu brechen.

Im Spiel heute konnte der Deutsch-Türke allerdings nichts bewirken. Im 4-3-3-System ab der 55. Minute für den heute sehr offensiven Kacar eingewechselt, versuchte sich Töre zuerst auf der Zehn, anschließend als Son-Ersatz in der Spitze. Alles ohne Torschussvorlage geschweigen denn einen eigenen Abschluss.

Allerdings reihte sich Töre damit nur in eine sehr passive, ideen- und teilweise kraftlos wirkende Vorstellung seiner neuen Mannschaft ein. „Man hat erkannt, dass wir noch lange nicht auf Niveau sind“, resümierte Oenning, „wir gehen momentan auf der Felge.“ Deshalb soll die Mannschaft am Montag und Dienstag frei bekommen, um zu regenerieren. Und für den einen oder anderen Nachwuchsspieler dürfte die Zeit wichtig sein, um neue Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten. „Unsere Mannschaft war heute sehr jung und unerfahren“, nahm Oenning sein Team am Ende ein wenig in Schutz. Viel mehr geärgert habe ihn die zweifellos überharte Gangart der Wolfsburger beim Sparda-Cup. Insbesondere das üble und allemal rotwürdige Foul von Dejagah gegen den besten HSVer, Tolgay Arslan, sorgte überall für Unverständnis. Und da sich auch Westermann (Tritt in die Wade) sowie Son (Schlag aufs Schienbein) verletzten, hatte die hohe Niederlage einen noch bittereren Beigeschmack. „Bislang waren wir unfallfrei durch die Woche gekommen“, so Oenning, „deshalb sind diese unnötigen Verletzungen, die alle nach Foulspielen zustande kamen, umso ärgerlicher.“

Insgesamt ein ärgerlicher Ausklang einer bis dahin sehr intensiven Trainingswoche für den HSV, die ob der fehlenden Spieler (Petric, Guerrero sowie den noch nicht eingesetzten Elia, Aogo, Bruma, Mancienne, Tesche und Sala (Muskelbeschwerden) noch nicht allzu viel Aussagekraft hat. Denn klar ist, zumindest wenn man den Worten Arnesens glauben darf, dass die Mannschaft spätestens zum Trainingslager im Zillertal in der kommenden Woche (9. Bis 16. Juli) ein anderes Gesicht haben dürfte.

In diesem Sinne, es geht weiter.

HSV gegen Wolfsburg: Drobny – Diekmeier, Westermann (70. Nagy), Sternberg, Jansen – Besic, Kacar (55. Töre), Jarolim – Ben-Hatira, Son (81. Ingreso) Arslan (78. Bertram).

Scholle

Sylt steht im Zeichen der Neuen

29. Juni 2011

45 Minuten Laufen am Morgen, 2 Stunden und 15 Minuten beim Training um zehn Uhr auf dem Platz und eine knackige 120-Minuten-Einheit am Nachmittag – Michael Oenning hält, was er versprochen hatte: er macht die Mannschaft fit. Und obwohl es harte Einheiten sind, ist den jungen Spielern (so pauschal darf man inzwischen über diesen verjüngten HSV sprechen) das Lachen noch nicht vergangen. Mit Schuld daran ist auch ein Neuer. Sein Name: Frank „Funny“ Heinemann, seines Zeichens neuer Cotrainer und Bochumer Urgestein. Und ein lustiger, sehr positiver Typ. Zumindest erzählt man sich das über den 46-Jährigen, der 2009 für vier Bundesliga- und ein DFB-Pokalspiel sogar als Cheftrainer des Relegationsverlierers aus dem Ruhrpott agierte.

Uns gegenüber zeigte sich Heinemann zielsicher und selbstbewusst. Dass er seit seinem abrupten Karriereende 1995 (Kreuzbandriss) bislang nicht über die Rolle des Interims-Cheftrainers hinauskam, stört ihn nicht. Im Gegenteil. Heinemann ist zufrieden mit dem, was er gemacht hat – und vor allem mit dem, was er aktuell macht. „Es fühlt sich echt gut an, beim HSV zu arbeiten. Ich bin gern beim HSV.“ Menschlich sei er bereits voll angekommen, „von vielen netten Menschen sehr freundlich aufgenommen“, wie er es selbst formuliert.

Und das, obwohl der neue HSV-Cotrainer zuvor eine herbe Enttäuschung verkraften musste. Nach 35 Jahren beim VfL Bochum, für den er in der Jugend und im Profibereich kickte und arbeitete, wurde ihm im März von der VfL-Führung mitgeteilt, dass er als Jugendchef nicht mehr gebraucht würde. Sechs Jahre lang hatte er zuletzt immer nur Einjahresverträge unterschrieben und ritt demnach durchgehend auf der sprichwörtlichen Rasierklinge in einem Metier, das bekannt ist für viele Personalwechsel. „Aber für mich ist das kein Problem mehr, ich schaue nicht zurück“, sagt Heinemann.

14 Jahre lang hatte er als Cotrainer beim VfL gearbeitet. Er erlebte zuerst Toppmöller und anschließend Middendorp, Dietz, Zumdick, Schafstall, noch mal Dietz, Neururer und Koller mit. „Alles sehr unterschiedliche Typen, von denen ich gelernt habe“, sagt Heinemann und umgeht die Antwort auf die Frage, mit wem er nicht klarkam, sehr gekonnt: „Es war nicht nur leicht, aber Loyalität ist für mich oberstes Gebot.“ Auch deshalb betonte er, dass er nicht nach Hamburg gekommen sei, um irgendwann Oenning zu beerben. „Ich kann mit dem Amt des Cotrainers gut leben“, sagt Heinemann, „auch, weil ich weiß, dass dort meine Qualitäten liegen. Ich brauche keine Öffentlichkeit, selbst wenn mich die Öffentlichkeit als Hütchenaufsteller sieht. Denn die, die nahe dran sind, wissen, dass Fußball mehr ist als die 90 Minuten auf dem Platz und die Trainingseinheiten. Man ist mit dem Cheftrainer mehr zusammen als mit seiner eigenen Frau. Und ich bringe mich ein.“

Auch bei den neuen, jungen Spielern. Als Nachwuchschef des VfL hatte er lange Zeit „von der U9 bis zur U23“, wie er selbst sagt, zu tun. „Dabei habe ich viel über den Umgang mit den verschiedenen Generationen gelernt.“ Eine Erfahrung, die er beim Umbruch zu jungen Spielern auch beim HSV einbringen will. „Ich bin nicht der Spion des Trainers und auch kein Spieler. Ich bin dazwischen und weiß, dass wir nur dann Erfolg haben können, wenn wir eine positive Stimmung reinkriegen. Das muss nicht bedeuten, dass wir zusammen Quatsch machen. Aber wir müssen zusammen Spaß daran haben, zusammen Erfolg zu haben. Und das versuche ich zu forcieren.“

Klingt gut. Und der Gedanke dahinter ist es ganz sicher auch. Ob Heinemann noch mehr Hilfe anbieten kann? Ob er als Ex-Nachwuchschef des VfL nicht vielleicht das eine oder andere Riesentalent aus Bochum nach Hamburg lotsen könnte? Heinemann lacht: „Da sind schon ein paar interessante Spieler dabei, über die wir uns hier auch unterhalten.“

Die wiederum gibt es beim HSV auch. Neben den mitgereisten Amateuren sind das auf Sylt insbesondere die beiden Zugänge vom FC Chelsea, Jacopo Sala und Gökhan Töre. Beide wussten bei den spielerischen Übungen mit ihren überdurchschnittlichen technischen Fähigkeiten zu überzeugen. Und auch anschließend, im Gespräch, gaben sich beide mit überaus gesundem Selbstbewusstsein keine Blöße. Einsätze in der U23 des HSV? „Nee“, so Töre, „ich bin hier, um von Beginn an in der ersten Mannschaft zu spielen.“ Und während Sala nur zustimmend nickte, legte Töre nach. Er habe zwei harte Jahre in England hinter sich, weil er dort allein gelebt hatte. 13 Mal war er für die erste Mannschaft nominiert, saß auf der Bank. Aber eben immerhin im Kader. „Aber nicht zu spielen macht auch keinen Spaß.“ Gleiches gelte für die erste Nominierung für die türkische A-Nationalelf, wo er 90 Minuten zusah. „Viele hatten gedacht und gesagt, ich würde spielen. Aber am Ende war der Druck auf den Trainer zu groß.“ Inzwischen überlegt Töre laut, ob er für die Türkei oder den DFB spielen soll.

Und während Töre Mesut Özil zu seinen Freunden zählt („Mit ihm zusammen habe ich vor ein paar Tagen noch auf Ibiza Urlaub gemacht“), gilt das auch für Sala. Beide HSV-Neuzugänge kennen sich seit zwei Jahren, spielten zusammen bei der zweiten Mannschaft des FC Chelsea zusammen. Heute sind sie beide aus den gleichen Gründen („Frank Arnesen hat uns überzeugt“) in Hamburg, beide planen den sofortigen Start in die erste Mannschaft. Und während Töre schon A-Nationalelf-Ambitionen hegt, hofft der schlaksige Offensivspieler darauf, sich beim HSV und in der italienischen U21 festsetzen zu können.

Egal wie, mit Töre und dem der deutschen Sprache noch nicht mächtigen Sala hat der HSV zwei ambitionierte Jungspieler geholt. Zwei der Sorte, die den arrivierten Spielern nicht nur Druck machen sollen und können, sondern zwei von der Sorte, die Hoffnung machen.

Mehr als Hoffnung verbreiten will indes die neue Nummer eins des HSV, Jaroslav Drobny. Der 31-Jährige ist endlich da, wo er sich schon vor einem Jahr gewähnt hatte. Allerdings blieb Frank Rost damals entgegen aller Erwartungen in der HSV-Führung trotz der Drobny-Verpflichtung beim HSV und erteilte Drobny eine bittere Lehre. „Ein Jahr auf der Bank mache ich nicht noch mal“, sagt Drobny heute und will es damit mit Rückblicken belassen. Zu tief sitzt der Stachel der Enttäuschung darüber, dass er zugesagt hatte, nachdem ihm die Nummer eins beim HSV angeboten – und von Rost sowie Trainer Armin Veh letztlich doch wieder entrissen worden war. „Ich wollte immer nur die Nummer eins sein. Und jetzt bin ich es. Das eine Jahr war schlecht, aber es hat mich stärker gemacht. Jetzt endlich die Eins zu sein, ist auf jeden Fall ein deutlich besseres Gefühl“, so der Tscheche.

In den bisherigen Einsätzen ohne die Sicherheit, dass ihm Trainerteam und Mannschaft zu 100 Prozent vertrauen, fühlt Drobny sich von Oenning voll akzeptiert und gefördert. „Ich werde der Mannschaft helfen. Ich will in den Phasen, wo wir Druck ausstehen müssen, hinten Sicherheit geben. Ich will wieder eine Stütze der Mannschaft sein.“ Indem er die Mannschaft auch verbal führt? Zuletzt wurde dem Rechtshänder vorgeworfen, er sei auf und neben dem Platz zu ruhig. Ob sich das jetzt ändert? „Ich werde auch heute keine Show fabrizieren“, sagt Drobny, „ich rede mit den Spielern. Ich kann auch laut werden. Ich sage auch in der Kabine klar meine Meinung – aber ich schreie nicht auf dem Platz, damit die Kameras es einfangen und mich zum Wortführer machen. Ich erwarte von meinen Mitspielern Respekt und dass jeder versucht, ein Teil einer Mannschaft zu sein. Und genau so verhalte ich mich auch.“

Wie konsequent Drobny sein kann, bewies er zuletzt, als er eine Einladung zur tschechischen A-Nationalelf ablehnte. „Ich wollte nicht zur Nationalmannschaft, weil ich beim HSV nicht die Nummer eins war. Das habe ich dem Nationaltrainer auch so gesagt.“ Eine Situation, die sich verändert hat. „Klar, aber erst einmal will ich ein paar Spiele machen. Gerade der Saisonauftakt ist wichtig. Für mich – und für uns als Mannschaft genauso. Der Rest kommt später.“

Später kommen auch Elia, Pitroipa, Aogo, Petric und Bruma, der heute erfolgreich seinen Medizincheck absolviert hat. Während Petric verletzungsbedingt erst am 6. Juli wieder ins Mannschaftstraining einsteigen soll, werden auch die anderen vier am Sonntag beim ersten Härtetest gegen den VfL Wolfsburg um 17 Uhr in Flensburg noch nicht eingesetzt. Ganz im Gegensatz zu Drobny und vor allem die „Jungstars“ Sala und Töre.

In diesem Sinne, hoffen wir, dass hinter den markigen Worten Salas und Töres auch die entsprechende Qualität für die Bundesligasaison steckt. Zuzutrauen ist es ihnen allemal.

Scholle

19.25 Uhr

P.S.: Im Nachmittagstraining ging es übrigens gut zur Sache. Verbal und körperlich. Dabei mussten sich insbesondere der etwas zu verspielte Ben-Hatira sowie Töre Kritik vom Trainer Oenning gefallen lassen. Und als Töre selbst auf die Aufforderungen Oennings nicht so recht reagieren wollte, nahm sich auch noch Kapitän Heiko Westermann den Deutsch-Türken zur Brust. Auf jeden Fall, das bleibt festzuhalten, ist Töre ein – diplomatisch formuliert – offenbar sehr stolzer Spieler, den es zu führen gilt.

P.P.S.: Dann gab es heute noch ein paar Gerüchte. So soll der HSV angeblich an Hoffenheims David Alaba interessiert sein. Mediendirektor Jörn Wolf maß dem Ganzen null Prozent Wahrheitsgehalt bei. Ebenfalls unwahr ist, dass Aufsichtsrat Jörg F. Debatin nach seinem Aus als UKE-Chef auch aus dem HSV-Aufsichtsrat zurücktritt.

19.25 Uhr

Der erste Tag auf Sylt – hart für die Mannschaft

28. Juni 2011

26 Grad, Sonne, ein 5-Sterne-Plus-Hotel und das Meer direkt vor dem Fenster – für die Spieler könnte alles so schön sein im Trainingslager auf Sylt. Wäre da nicht der Fußball. Oder besser gesagt, die Notwendigkeit einer Grundlagenausdauer. Und so setzte Trainer Michael Oenning heute gleich mal ein Zeichen, indem er seine noch nicht vollständige Mannschaft von 16 Uhr bis 18.40 Uhr trainieren ließ. Und das „Schönste“ daran: Ganz zum Schluss kamen die langen, harten Pulsläufe. Das heißt, jeder Spieler durfte nur bis zu einer bestimmten Pulsfrequenz (meistens zwischen 120 und 140) laufen. War der Puls niedriger, musste mehr Tempo gemacht werden. War er höher, musste verlangsamt werden.

Egal wie, hieran lässt sich auch der Fitnesszustand eines jedem gut messen. Und ganz vorne weg lief – nein, nicht David Jarolim – es war Muhamed Besic. Jaro kam immerhin als Vierter. Allerdings, über die Letzten verliere ich hier noch kein Wort, da die Vorbereitung gerade erst begonnen hat. Das macht erst am Ende der Vorbereitung Sinn.

Fit ist auf jeden Fall Wolfgang Hesl, der sich heute zu uns in die Presserunde begab. Der Keeper hatte sich unmittelbar vor der Abfahrt noch mit Trainer Michael Oenning und Sportchef Frank Arnesen unterhalten und den beiden sportlich Verantwortlichen mitgeteilt, dass er die Rolle als Ersatztorwart des als Nummer eins gesetzten Jaroslav Drobny annehmen wolle. Der letztjährig an den österreichischen Bundesligisten SV Ried verliehene Torwart sprach dabei von einer Entscheidung, die schon lange feststand, was mich zunächst ein wenig überraschte – was sich später aber in Persona Michael Oenning erklärte. Der machte nämlich kein Geheimnis daraus, dass er kein großer Fan von Hesl ist. Zumindest war klar herauszuhören, dass der HSV-Trainer dem Rückkehrer nahezu alle Hoffnungen genommen hat. „Was nützt alles andere als die Wahrheit“, fragt Oenning und fügt hinzu: „Ich habe ihm klar gesagt, dass ich ihm wenig Hoffnung machen kann, dass ich ihm wenig anbieten kann.“

Worte, die bei Hesl angekommen sind, die ihn auch sichtlich nachdenklich gestimmt haben – die aber seine grundsätzliche Entscheidung nicht verändert haben. „Die Entscheidung für den HSV war zu 99 Prozent eine Herzensangelegenheit. Ich habe vor sieben Jahren beim HSV unterschrieben mit dem Ziel, die Nummer eins zu werden. Und ich mache nichts Halbes – deshalb werde ich hier mein Bestes geben.“ Zumindest bis zu seinem Vertragsende 2012.

Allerdings, und das ist nicht auszuschließen, könnte auch noch ein Torhüter kommen. „Ich habe gehört, dass sie noch einen jungen Deutschen suchen“, sagt Hesl und gibt sich selbstbewusst: „aber den haben sie mit mir. Jetzt brauchen sie keinen mehr.“ Dennoch, und gerade hier wird das Verhältnis bzw. die Wertschätzung Oenning/Hesl deutlich, der Trainer widerspricht: „Nein, es ist definitiv so, dass wir noch einen jungen, deutschen Torwart mit Perspektive holen. Wenn nicht dieses Jahr, dann in der neuen Saison.“ Was dann aus Hesl werde? „Wenn ein anderer Verein kommt, der Wolle haben will, müssen wir gucken.“

Punkt. Und jetzt können Wetten abgeschlossen werden, ob Hesl wirklich die Saison als Nummer zwei durchzieht. Ich kann es mir unter den Voraussetzungen schwer vorstellen, weiß aber auch, dass Hesl ein besonders willensstarker Spieler ist. Das machte er uns heute sehr deutlich. „Ich weiß, dass ich mich gedulden muss, bis zu diesem einen Moment. Aber genau zu diesem Zeitpunkt X werde ich da sein. Auf jeden Fall fällt das Argument jetzt weg, dass man mich noch nicht als dauerhafte Nummer eins kennt. Ich habe bei Ried bewiesen, dass ich das Niveau habe.“

Klar ist auf jeden Fall, dass das Trainingslager auf Sylt hart wird. Morgens um sieben Uhr steht ein 45-Minuten-Lauf oder eine Fahrradtour an, ehe nach dem Frühstück um zehn Uhr auf dem Platz Kraft gesammelt wird „für eine lange, harte Saison“, wie Oenning es formuliert. Zudem wird am Nachmittag um 16 Uhr auf dem Platz gearbeitet. Und wie wir gesehen haben, manchmal auch so lang, dass der Blog abschließend erst zu derart später Stunde verfasst werden kann.

Was gibt es noch zu erzählen, außer, dass das Mannschaftshotel „A-rosa“ unfassbaren Luxus bietet und es den Spielern in der kurzen Zeit ohne Training gut geht? Von hier eher wenig. Obwohl, doch, mit einigen Gerüchten können wir aufräumen. Wie mit dem, dass dem HSV Diego angeboten wurde. „Er wurde mir weder angeboten, noch hätte ich ihn haben wollen“, so Oenning ebenso deutlich wie Ex-HSV-Trainer Martin Jol zur Frage, ob er sich Guy Demel bei seinem neuen Klub FC Fulham vorstellen könne? „Martin hat gesagt, dass er die Mannschaft verjüngen will und Guy nicht in seine Planungen passen würde“, so Demels Berater Matthias Timm.

Und eine schöne, schmerzhafte aber eben auch sehr lustige Anekdote erzählte uns Oenning heute. So hatte der HSV im vergangenen Jahr in Längenfeld eine längere Fahrradtour gemacht. Dabei kam es beim ersten Sammelpunkt zu einem üblen Sturz von Heung Min Son, der sich beim Bremsen überschlug. „Was er uns nicht erzählt hatte“, so Oenning, „war, dass er gar kein Fahrrad fahren konnte. Er hatte es noch nie gemacht und keiner hat es bemerkt. Bis er sich eben übel hinlegte.“ Dennoch, und das stellte Oenning lobend hervor, „als Autodidakt hat er sich richtig gut geschlagen“. Und inzwischen habe der Südkoreaner die Kunst des Zweiradfahrens erlernt.

Bleibt mir nur noch übrig, Euch allen einen schönen Abend zu wünschen. Für morgen habe ich mich mit Jaroslav Drobny verabredet, mit dem ich über ihn selbst, über die schwierige alte Saison und vor allem natürlich über die Situation als neue Nummer eins sprechen werde.

Bis morgen! Dann hoffentlich ein wenig früher…

Scholle

P.S.: Die Mannschaft reist am Sonnabend nach Hamburg zurück, um sich gemeinsam den Box-Kampf Klitschkos anzusehen. „Eine teambildende Maßnahmen “, so Oenning, der noch weitere Aktionen zur Vertiefung des Mannschaftsgefühls geplant hat.

P.P.S.: Eljero Elia, Jeffrey Bruma, Jonathan Pitroipa und Michael Mancienne und Dennis Aogo sind ebenso wie der verletzte Mladen Petric nicht mit auf Sylt und werden auch am Sonntag im ersten Härtetest gegen den VfL Wolfsburg in Flensburg nicht spielen.

Oenning: Kein Wort über Guy – und kaum Stürmer da

24. Juni 2011

Michael Oenning ist entspannt. Zum einen, weil er seinen (kurzen) Urlaub genießen konnte, zum anderen, weil „die Kaderplanung im Fluss ist“, wie der HSV-Coach versichert. „Wir fangen jetzt am Sonntag mal an und harren der Dinge, die da noch kommen.“ Beruhigend hierbei ist für mich erst einmal: es kommen noch Dinge. „Frank Arnesen weiß, was er macht“, lobt Oenning und beruhigt mich, „und bislang ist der Transfermarkt noch gar nicht richtig in Bewegung gekommen.“

Es wird also noch einiges passieren. Am Sonntag ist das zwar nur ein leichtes, nettes und mit Frei-Würstchen garnierter Aufgalopp eines Teils der Mannschaft, „aber ich freue mich, dass es endlich losgeht“, sagt Oenning, der eine Art Mängelverwaltung erwartet. Erst am Montag stoßen Marcell Jansen (landet erst Sonntagabend aus dem USA-Trainingslager) und Jeffrey Bruma (wenn er seinen Vertrag unterschrieben hat) dazu. Am Donnerstag folgt dann noch Eljero Elia, womit Oenning in den ersten Testspielen zumindest eine Alternative mehr für den Sturm hat. Dort fehlen Mladen Petric und Marcus Berg nach ihren Verletzungen noch einige Wochen (Petric 14 Tage, Berg voraussichtlich sechs Wochen) zudem ist Paolo Guerrero beim Südamerika-Cup. „Natürlich wäre es schön, wenn alle drei gesund hier wären, aber sie kommen ja. Und bis dahin haben wir ja auch Alternativen. Und für die ist das ‘ne Chance.“

Allerdings gilt das für nicht allzu viele. Heung Min Son, sowie die Aushilfsstürmer Eljero Elia und Änis Ben-Hatira sollen in den ersten Testspielen die Offensive richten. Und nicht zu vergessen: Tolgay Arslan, der wieder in Hamburg ist, bei dem aber noch nicht endgültig klar ist, ob er noch mal verliehen oder gar verkauft wird.

Wobei die Anzahl der Stürmer ja auch gar nicht so entscheidend sein muss, sollte die von Arnesen unlängst angesprochene Systemumstellung auf 4-3-3 vollzogen werden. Dann würden voraussichtlich Elia und Pitroipa auf den Außenbahnen nur noch einen zentralen Stürmer bedingen. Wie genau das aussieht, werden wir wahrscheinlich beim ersten richtigen Test am 3. Juli in Flensburg gegen Wolfsburg sehen, während am 1. Juli auf Sylt gegen eine Nordfriesland-Auswahl wahrscheinlich noch ziemlich bunt gewürfelt gespielt wird. „Es gibt keinen Anlass zu Sorgen“, sagt Oenning und wirkt motiviert: „Wir haben eine Menge Rückenwind, den wir mitnehmen wollen“,

Kein Wort wollte Oenning indes über Guy Demel verlieren. Mit dem hatte ich gestern gesprochen und für die Print-Ausgabe des HA ein Interview geführt. Hauptthema war natürlich die Ursache für das Zerwürfnis von Guy mit Oenning. Und während Guy bis heute nicht wissen will, weshalb der Trainer ihn aussortiert und damals als „lustlos“ betitelt hatte, sagte Oenning nur: „Das Thema ist für mich schon seit einigen Wochen keins mehr. Wenn Guy sich über die Presse äußern will, soll er das machen. Aber das ist nicht mein Weg.“

Muss es auch nicht. In diesem Fall stehen Aussage gegen Aussage. Während Guy nur mannschaftsdienlich gedacht haben will, als er unmittelbar vor der Abfahrt gegen Leverkusen absagte, hat Oenning Züge bei dem Ivorer ausgemacht, die er als schädlich oder zumindest nicht mehr passend für den HSV ansieht. Logische Konsequenz ist die Trennung. Wobei Guy weiß, dass auch er einen Fehler gemacht hat. Das sagt er auch. Allerdings war ihm am wichtigsten, den Fans mitzuteilen, wie sehr er die Zeit in Hamburg genossen hat. Und ich glaube, das ist ihm gelungen.

Was den Rest betrifft: ich bin mir sicher, dass es nicht allein dieser eine Vorfall war, der zum Zerwürfnis zwischen Trainer und Spieler geführt hat. Guy galt noch bei jedem Trainer als schwierigerer Typ, weil er enorm sensibel ist. Geistig wie körperlich…
Aber auch das sollte jetzt egal sein. Das Thema ist so gut wie durch. Im Guten, wie ich hoffe. Denn auch Guy hat sich in den letzten Jahren mehr als verdient gemacht. Bei allem, was man ihm jetzt vielleicht vorwerfen mag, er war ein Teil des großen Aufschwungs von 2005 bis heute. Und sobald sich ein Verein gefunden hat, der noch rund 1,5 Millionen Euro auf den Tisch legt, kann Guy gehen. Dem Vernehmen nach gibt es im Moment die interessantesten Offerten aus England. Aber fix ist hier noch (lange) nichts.

Gleiches gilt bei Pitroipa. Denn obwohl der Außenspieler von Stade Rennes seit Wochen umworben wird und die Franzosen unlängst angekündigt hatten, ein verbessertes Angebot zu unterbreiten, hat beim HSV noch niemand ein offizielles Angebot erhalten. Im Gegenteil. Bei der Interessenbekundung, die Arnesen bestätigt hatte, sollen bislang Zahlen von 1,5 bis zwei Millionen Euro im Raum gestanden haben. Zahlen, für die der HSV noch nicht einmal das Faxgerät anschalten würde. Im Gegenteil: Oenning plant aktuell mit Pitroipa, sieht den Burkinaben als Alternative für den Sturm, solange die erste Reihe noch fehlt.

In die erste Reihe will auch unbedingt Wolfgang Hesl. Der zuletzt verliehene Torwart soll vom österreichischen SV Ried nach Hamburg zurückkehren. Zumindest dann, wenn er sich dem sportlichen Vergleich mit dem von Trainer und Sportchef öffentlich bereits mehrfach favorisierten Jaroslav Drobny stellen will. „Ich habe mich mit ihm getroffen“, sagt Oenning, „und wir hatten ein längeres, nettes, ehrliches Gespräch.“ Ob Hesl bleibt? „Darüber soll er sich jetzt erst einmal Gedanken machen. Wir haben uns vereinbart, in zwei Tagen noch mal über das Thema zu sprechen und uns bis dahin Gedanken zu machen.“

Wäre ich Hesl, und ich kenne Wolfgang als sehr loyalen, ehrgeizigen Menschen, ich würde alles daran setzen, den HSV zu verlassen und woanders als Nummer eins anzuheuern. So oft wie Arnesen und Oenning zuletzt betont hatten, dass Drobny die Eins wird, hat Hesl nur im Verletzungsfall des Tschechen realistische Chancen. Und darauf wird er nicht spekulieren. Im Gegenteil: ich bin mir relativ sicher, dass Hesl bei Arnesen und Oenning eine Vertragsauflösung oder wenigstens einen Leihtransfer als Lösung vorschlagen wird.

Ansonsten kamen zuletzt mal wieder Gerüchte auf, der HSV sei an dem Talent Shaqiri dran. Das stimmt. Es stimmte zumindest, denn der Schweizer gilt beim HSV noch immer als ein Spieler, der helfen würde. Allerdings ist der 19-Jährige zu teuer. „Er ist für uns wohl kaum zu bezahlen“, sagt Oenning, der in der Schweizer Zeitung „Blick“ noch etwas offensiver zitiert worden war. Oenning dazu: „Eun alter Bekannter hatte mich angerufen und gefragt, was ich von dem Spieler halte. Darüber, dass wir ihn aktuell verpflichten wollen, habe ich nie gesprochen. Im Gegenteil: Shaqiris Position auf der Außenbahn ist nicht unsere Priorität. Wir suchen weiter in der zentrale einen- wie Frank so schön formulierte – Box-to-Box-Spieler.“ Soll heißen: einen zentral offensiven Spieler.

In diesem Sinne, ansonsten war es heute mal wieder ein sehr ruhiger Tag beim HSV (O-Ton Jörn Wolf: „Es ist wirklich gar nichts passiert“). Morgen meldet sich Dieter wieder bei Euch.

Habt ‘nen schönen Freitagabend,

Scholle
19.10 Uhr

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