Archiv für das Tag 'Pirlo'

Nach der EM ist vor dem HSV! Und: Beister und Westermann kommen zu “Matz ab live”

29. Juni 2012

Das ist mal n mächtiger Kater. Und den habe ich, obwohl ich gestern Abend wie immer nur Hefe alkoholfrei getrunken habe. Und trotzdem schmerzt dieser Kater mehr als nach ’nem Abend in der russischen Kaserne – denn dieser Kater hat einen sportlichen Hintergrund. Wie immer nach Deutschland-Niederlagen bei großen Turnieren ist für mich der Tag danach der schlimmste im Turnier. Der allerschlimmste…. Zumal dann, wenn sich eine Mannschaft selbst schlägt, wie wir es gestern gemacht haben. Ein kurzer Rückblick sei erlaubt….

Das ging schon bei der Nationalhymne los. Mein Freund Carsten Wittiber sagte da schon: „Guck dir mal den Buffon an! Wie der das Lied voller Inbrunst brüllt! Da wird einem doch schon klar, dass wir nicht gewinnen. Unsere Deutschen sind still, die singen gar nicht mit. Da ist gar keine Spannung. Und die Italiener brüllen ihre Nationalhymne.“ Sein Paradebeispiel blieb Buffon, der quasi aus Polen bis nach Rom zu schreien schien: „Seht her, ich mache das für Italien.“ Aber okay, ich bin kein Nationalist und es sollte jedem selbst überlassen sein, wie er mit seiner Herkunft umgeht. Aber es war zumindest ein erstes kleines Indiz in dem Spiel.

Wobei das mit dem „erstes“ nicht ganz richtig ist. Das erste Indiz für unsere Niederlage war natürlich die kuriose Aufstellung. Da geht der ach so selbstbewusste Topfavorit plötzlich vor Italien auf die Knie und stellt um. Defensiv wohlgemerkt. Kroos gegen Pirlo und Boateng, der offensiv vielleicht der harmloseste Deutsche ist (selbst Neuers Vorstöße versprühten mehr Gefahr…) war auf rechts fast immer allein. Dabei hatten Marco Reus, Andre Schürrle und auch Klose zuvor angedeutet, dass sie offensiv belebend sind. Klose zu bringen war richtig – aber dafür Gomez rauszunehmen falsch. Plötzlich war nicht mehr Gomez allein gegen drei, sondern Klose – spätestens da wussten die Italiener, dass diesen Deutschen zu viel Respekt vor ihrer Routine haben

So viel zum Kater, so viel zum Ärger über das Spiel, das als eine der unnötigsten Niederlagen meiner noch jungen EM-Geschichte hängenbleiben wird. Aber, um noch mal einen fürs Phrasenschwein rauszuholen: Nach der EM ist vor dem HSV.

Das wäre es zwar mit einer Finalteilnahme am Sonntag auch unmittelbar gewesen, aber okay. Wir haben in Hamburg größere Baustellen als die in der Deutschen Nationalelf. Vor allem haben wir ein paar mehr. Und es geht am Montag schon los. Trainingsauftakt ist um 15 Uhr an der Imtech-Arena. Dabei werden wir René Adler erstmals sehen, ebenso wie Artjoms Rudnevs. Beide Spieler muss ich sagen, machen auf mich einen guten, einen kernigen Eindruck. Adler, weil er trotz seiner jungen 27 Jahre schon als erfahrener Spieler durchgeht und mir bei unseren Telefonaten zuletzt imponiert hat. Der ehemalige Nationaltorhüter scheint jemand zu sein, der zu dem steht, was er sagt, macht und entscheidet. Beispiel: In Interviews, gerade wenn sie so lang sind wie das mit ihm, werden normalerweise anschließend bei der Autorisierung immer noch mal Änderungen vom Interviewten vorgenommen. Das ist nicht ungewöhnlich, das ist normal.

Anders bei Adler.

Wenn er etwas ändern wollte, dann lediglich in der Formulierung – nicht aber im Kontext. „Ich weiß, was ich sage und schweige lieber, als irgendwas Falsches zu sagen. Und wenn ich mal was Falsches sage, stehe ich dazu.“ Klingt gut.

Über Rudnevs weiß ich noch nichts persönlich, ich habe ihn noch nicht sprechen können. Aber ich habe mich mit verschiedenen Leuten über ihn unterhalten. Und das ausschließlich positiv. Überall, selbst bei denen, die es tendenziell nicht so gut mit dem HSV meinen, gilt Rudnevs als großes Talent. Sollte sich das ebenso bestätigen, wie die charakterliche Beschreibung von Frank Arnesen („Artjoms steht zu 100 Prozent hinter seiner Entscheidung, zum HSV zu kommen. Er will hier unbedingt was bewegen“), dann dürfen wir uns auf einen Typen freuen, der uns vielleicht ebenso viel Freude macht wie einst Olic.

Viel Freude erwarte ich auch von Maximilian Beister. Der Junge hat schon in Düsseldorf gezeigt, was er kann. Er hat Tempo, den Zug zum Tor, und er ist frech. Er traut sich was. Ergo: Maxi spielt das, was uns gestern gegen Italien fehlte.

Dass seine Leistungen in der Zweiten Liga nicht sofort 1:1 in der Ersten Liga umzusetzen sind, ist klar. Das soll und darf auch niemand erwarten. Aber ich glaube, dass allein schon die Mentalität von Maxi ein Qualitätsmerkmal ist, das uns berechtigt hoffen lässt. „Für mich folgt der nächste Schritt“, sagt Beister, „und das wird ein großer. Ich weiß, dass es schwerer wird. Ich weiß aber auch, dass ich mich durchsetzen werde.“ Gut so. So soll es sein. Mutig nach vorn gedacht. Und wenn es mal hakt – dann wird trainiert. Plötzlich auf der Bank zu sitzen bedeutet eben nicht sofort, dass man es nicht kann. Das wissen wir seit gestern auch von Schweini, der angeblich keine Probleme gehabt hätte, auch mal auf der Bank zu sitzen (warum sagt er es erst nach dem Ausscheiden?). Obwohl er vorher bei seiner Pressekonferenz betont hatte, „ich bin 100-prozentig fit“… Na gut, ich schweife wieder in die Vergangenheit ab und ärgere mich.

Dabei ist der Blick nach vorn sehr wohl spannend. Zum einen, weil wir am Sonntag, am letzten Tag vor dem Saisonauftakt des HSV, den HSV-Kapitän Heiko Westermann im Anschluss an das Finale bei „Matz ab live“ im Champs begrüßen dürfen. Zum anderen, weil das noch nicht alles ist. Auch Maximilian Beister wird kommen und somit seinen ersten öffentlichen Auftritt in Hamburg feiern. Bei uns im Blog! Ich freue mich auf zwei sehr interessante Gäste, mit denen wir über das Finale, über das Auftreten der Deutschen und natürlich viel über die bevorstehende HSV-Saison sprechen werden.

Zum anderen ist der Blick nach vorn spannend, weil es beim HSV noch eine Latte Personalien zu klären gibt. Was wird aus Jaroslav Drobny? Was passiert bei Paolo Guerrero, der intern einen sportlich hohen Stellenwert genießt aber schlichtweg im Gehalt zu teuer ist? Nach dem SSC Neapel soll jetzt auch Valencia Interesse haben. Dazu Espanyol Barcelona, die sich allerdings ob eigener Finanzprobleme vorerst aus dem Rennen verabschiedet haben dürften.

Es sind noch mehr Namen zu nennen, allerdings wurde das hier schon x-fach geschrieben. Und da es tatsächlich keine Bewegung gibt, belasse ich es bei diesen paar Zeilen darüber.

Wobei, am Ende möchte ich dann doch noch mal zwei große Komplimente loswerden. Das erste noch mal rückwirkend an den begeisternden Fußball, den die Deutschen exklusive Halbfinale gespielt haben. In der Qualifikation haben sie komplett überzeugt, Portugal, Holland, Dänemark und Griechenland waren chancenlos. Und das mit der jüngsten Truppe des Turniers – das lässt einiges erhoffen für 2014. Und, wer sieht es nicht auch so? Weltmeister werden ist noch ne Ecke geiler als Europameister…

Und mein zweites Kompliment geht an Lotto King Karl. Der Mann ist als Gesprächsgast nicht nur eine Bank, er ist auch wohltuend ausgeglichen in seinen Analysen. Dass unser Stadionsprecher und HSV-Hymnen-Sänger zudem ein Pfundskerl ist, wissen seit gestern auch die 500 Gäste im Champs. Okay, nicht alle. Aber sicher ein ganz großer Teil, denn Lotto musste gestern nicht nur etliche Autogramme schreiben und Fotos machen – er unterhielt sich auch extrem geduldig mit jedem Gast, der ihn etwas fragte. Und das nicht oberflächlich, wie man es von dem einen oder anderen Sternchen gewohnt ist. Nein, Lotto hört zu, er fragt seinen Gegenüber, antwortet ausführlich und vermittelt seinen Gesprächspartnern das Gefühl, sehr persönlich zu sein. Im positiven Sinne. Wahrscheinlich passen er und Dieter deshalb so gut zusammen – privat wie in der Sendung. Obwohl sie beide noch eine gemeinsame Leidenschaft zu BU verbindet. Denn während Dieter dort seine Hochzeit als Fußballer verlebte, wurde Lotto stets von seinem Vater mit ins kleine, traditionsreiche Stadion von Barmbek-Uhlenhorst geschleppt. Seither lieben beide den Klub. Allerdings nicht ganz so sehr wie den HSV…

In diesem Sinne, nach der EM ist vor dem HSV. Und der wird uns in den nächsten Wochen auf Trab halten. Wie? Darüber werden wir am Sonntag 15 Minuten nach Spielschluss des Finales mit Heiko Westermann und Maximilian Beister sprechen. Live im Champs – live hier im Blog. Und vor allem: mit einem Hinweis, in welchem Blog ihr die Fragen stellen könnt, die ich dann versuchen werde, an die beiden Gäste weiterzuleiten…! Versprochen!

Bis morgen! Dann wieder mit Dieter. Wir sehen/hören uns am Sonntag!

Scholle