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Es geht wieder los – Slomka bittet zum Training

18. Juli 2014

Morgen, genau an diesem Sonnabend, 19. Juli, beginnt die zweite Trainings-Dekade des HSV. Um 15 Uhr bittet Trainer Mirko Slomka seine Mannen im Volkspark zum zweiten Aufgalopp, und wenn ich mich nicht verhört habe, dann spricht der Coach davon, dass es noch härter wird als zum Auftakt. Und was habe ich gemacht, als ich das hörte? Einen Luftsprung! Einen? Drei, vier! Eigentlich springe ich immer noch. Endlich spricht ein Trainer von „Härte“ im Training und in der Vorbereitung. Schluss mit dem Pille-Palle-Training. Mirko Slomka, der von Beginn an die gravierenden Defizite in Sachen körperlicher Fitness seines Teams erkannt und auch sofort reagiert hatte, gibt weiter Gas. Und das ist auch gut so. Der HSV hat doch namentlich eine gute Truppe beisammen, das kann doch keiner bestreiten, diese Truppe muss nur gut oder bestens trainiert werden, um Leistungen zu bringen – und nun ist offenbar ein Trainer am Ruder, der das auch in die Tat umsetzen wird. An diesem Sonnabend werden dann auch die WM-Fahrer Johan Djourou und Milan Badelj wieder ins Training einsteigen. Fehlen eigentlich nur noch zwei, drei, vier neue Spieler, die der HSV noch dringend benötigt. Um in Richtung Mittelfeld durchstarten zu können.

Durchstarten ist das Stichwort. Das gilt ja nicht nur für die HSV-Profis, das gilt im Grunde genommen für den gesamten Verein. Es gibt viel zu tun, sehr viel aufzuholen, und es ist nun endlich mal an der Zeit, dass da vernünftig und mit Plan angepackt wird. Und da habe ich, das schrieb ich gestern bereits, ein wirklich gutes Gefühl. Deswegen werte ich es auch als sehr gutes Zeichen, dass Bernhard Peters, der beim HSV vom 1. August an als Direktor den Nachwuchsbereich unter Kontrolle bekommen soll, heute bereits einmal sein neues Umfeld inspiziert hat. Der Noch-Hoffenheimer sah sich auch die „Talentschmiede“ Ochsenzoll an. Die Meldung (der Bild), dass Peters bis Ende des Jahres noch in beratender Funktion für die TSG 1899 tätig sein wird, schockt übrigens niemand im HSV. Darunter, so die einhellige Meinung im Volkspark, wird die Arbeit von Bernhard Peters für den HSV nicht leiden. Und auch ich gehe davon aus, denn der ehemalige Hockey-Nationaltrainer ist ein Mann, der anpackt und der etwas erreichen will. Halbe Sachen sind seine Sache nicht. Geht davon aus.

Ansonsten hat sich auch heute wieder nicht so wirklich etwas im HSV getan. Die Sache mit den Neuverpflichtungen dauert noch, da müssen wir alle noch ein wenig Geduld aufbringen. Aber sind wir das nicht schon aus den letzten Jahren gewöhnt? Ich meine ja. Laut Mopo soll ja ein „alt-bekannter“ HSVer im Anmarsch sein: David Jarolim. Der Tscheche hat es in seinem Vertrag stehen, dass er irgendwann einmal als Jugendtrainer (oder in ähnlicher Funktion) beim HSV einsteigen kann. Und wird. Wann das so ist, ist allerdings noch offen. Dietmar Beiersdorfer hatte bis vor wenigen Tagen noch nicht mit „Jaro“ gesprochen, ich denke ja auch, dass das dann eher auch in den „Beritt“ von Bernhard Peters fallen dürfte. Gut finden würde ich es natürlich, wenn ein alter Fahrensmann für David Jarolim, der die Raute stets in seinem Herzen trug, wieder nach Hamburg zurückkehren würde.

Dann gab es ja noch das Gerücht, dass Slobodan Rajkovic in ein Tauschgeschäft verwickelt sein soll. Damit habe ich beim HSV nachgefragt – es ist nichts dran. Die Antwort, die ich erhielt, war eher ein wenig schroff: „Totaler Blödsinn.“ Denke ich ja auch, denn welcher verein bemüht sich jetzt um einen Spieler, der nicht vor Ende des Jahres fit ist? Dieser verein dürfte dann wohl aktuell keinerlei Sorgen haben . . . Nein, nein, ich glaube auch, dass das eine Voll-Ente ist. Dazu passend ist auch das Gerücht, das es um den Dribbelkünstler Hiroshi Kiyotake (24) vom 1. FC Nürnberg gibt. Der HSV soll dran sein, der HSV soll Interesse haben. Was ich mir sogar vorstellen könnte, denn bei seinem ersten Auftritt in Hamburg bot der Japaner eine so großartige Vorstellung, dass ich ihn am liebsten hierbehalten hätte. Ging leider nicht. Und nun soll er fünf Millionen Euro kosten, das ist schon hammerhart. Wobei, das muss ich auch zugeben, Kiyotake meiner Meinung nach nie wieder an jene Leistung herangekommen ist, die er einst im Spiel beim und gegen den HSV gezeigt hatte.

Apropos Leistung: Hakan Calhanoglu hat mal wieder etwas zum Besten gegeben. In der Bild. Der junge Mann ist das unermüdlich. Er hat sich über die HSV-Fans beklagt: „Man hat mich beschimpft und gemobbt, obwohl ich so viel für den Verein getan habe . . .“ Mir wären fast die Tränen gekommen. Ehrlich. Er hat so viel für den HSV getan. Und der HSV? Hat der nicht auch etwas für ihn getan? Immerhin pünktlich das Gehalt überwiesen. Und das dürfte mehr sein, als ein Karstadt-Verkäufer, ein Installateur, ein Versicherungsmakler, ein Maler oder ein Bäcker verdient, gewesen sein. Und all diese Leute haben auch so viel für ihren Arbeitgeber getan – weil es ihre Pflicht ist. So funktioniert das mit der Arbeit. Nur so. Und der HSV hat immerhin dafür gesorgt, dass ein Hakan Calhanoglu vom Karlsruher SC in die Erste Bundesliga kommen konnte, und dass dieser junge Mann davon träumen darf (kann ihm ja niemand verbieten), eines Tages ein so großer Fußballer wie Messi oder Cristiano Ronaldo zu sein.

Nein, irgendwann ist auch mal Schluss mit lustig. Irgendwann sollte auch ein Berater, der Millionen verdient, in beratender Funktion einschreiten und seinem Mandanten nahelegen, besser mal den Mund zu halten. Es ist doch wesentlich besser, Taten sprechen zu lassen, als sich immer nur zu beklagen. Dass die HSV-Fans sauer auf einen Spieler sind, der sogar davon sprach, bei einem Abstieg in die Zweiten Liga weiterhin für die Raute kicken zu wollen, ist doch klar. Sonnenklar. So ging es letztlich fast jedem Spieler, der es in Hamburg vorzog, das Weite zu suchen – ein Beispiel von vielen ist der Name Daniel van Buyten. Ob sich ein Jung-Millionär allerdings so weit herunterlassen kann, um sich in die Lage eines kleinen HSV-Fans, der seinen Verein ohne jeden Kompromiss liebt, zu versetzen? Da glaube ich fehlt es dann doch. An allem.

Ein anderes Thema. Der Rücktritt aus der Nationalmannschaft von Kapitän Philipp Lahm. Ich denke ja auch, dass mindetens noch ein weiterer Spieler folgen wird – wenn nicht noch mehr. Ich rechne auch mit dem Abschied von Miroslav Klose. Und dann denke ich sofort auch an den HSV. Wenn Dennis Diekmeier und Pierre-Michel Lasogga (den viele ja schon für die WM 2014 auf dem Zettel hatten) nun ordentlich Gas geben, auch ordentlich Gas geben können, weil sie bestens trainiert werden (ja, ich bohre weiter in dieser Wunde herum!), dann könnten sie doch eines Tages für Deutschland auflaufen. Könnten. Ich will da nicht zu viel hineingeheimnissen – aber möglich wäre es immerhin. Weil es ansonsten ja nicht mehr so viele Kandidaten gibt – bislang jedenfalls nicht. Aber, das stimmt natürlich auch, einige Talente sollten es nicht mehr allzu lange auf ihre Entdeckung warten, denn dann läuft man die Gefahr, als „ewiges Talent“ in die Geschichte einzugehen. Thomas von Heesen, der ja hier mitliest, weiß wovon ich spreche . . . Leider. Ich hätte ihm eine Karriere in der Nationalmannschaft gewünscht und auch zugetraut, allein sie blieb ihm versagt.

Ich komme für heute zum Schluss. Und da kommt mir noch eine wunderschöne und zudem eine etwas andere Fußball-Geschichte in den Sinn. Eine HSV-Geschichte. Die Alt-Liga der Rothosen flog kürzlich zum Saisonabschluss in die Türkei. Mit von der Partie der frühere HSV-Meisterspieler von 1960, Erwin Piechowiak. Der heute 77-Jährige Norderstedter hatte bis weit über 70 Jahre für die Alt-Liga des HSV gespielt (und für die Senioren von TuRa Harksheide), dann aber krankheitsbedingt einige Rückschläge erlitten. Erwin Piechowiak, ein fantastischer Mensch, muss mehrmals in der Woche zur Dialyse – und dann in die Türkei? Es wurde, weil „Old Erwin“ nur Freunde hat, alles von den alten HSVern gemanagt. Piechowiak flog – beinahe möchte ich schreiben natürlich – mit in die Türkei, und wurde dort dann zur Analyse gefahren, wenn es sein musste. So viel Zeit muss sein.
Und ich finde, dass das doch wirklich eine Klasse-Geschichte ist. Was Freundschaft und Kameradschaft im Fußball doch so alles bewirken kann. Herzlichen Glückwunsch allen Beteiligten, die das bewerkstelligt haben – vorbildlich.

Ganz zum Schluss noch ein ganz anderes Thema. Im Moment wohl auch ein wenig (oder ein wenig mehr) aktuell. Es geht um HSVer, die ihrem Verein den Rücken kehren. Aus dem Westen der Republik erhielten wir nun folgende Mail, die wir hier veröffentlichen möchten. Weil ich trotz allem der Meinung bin, dass man zu seinem Club stehen sollte, und dass man erst einmal abwarten sollte, wohin sich der Verein mit der neuen AG tatsächlich bewegt. Und damit meine ich nicht allein den sportlichen Erfolg (oder Misserfolg), sondern die gesamte Situation im HSV. Manche sehen das anders, einige haben es anders gesehen und haben sich davon gemacht – hier nun gibt es ein neues Beispiel davon. Obwohl ich jeden bitten möchte, nicht zu voreilig zu handeln, obwohl ich jedes Mitglied darum bitten möchte, dem neuen HSV wenigstens eine kleine Chance zu geben. In dem nun folgenden Fall ist es wohl zu spät – schade. Sehr schade.

Hier nu die Mail, die vornehmlich an den HSV gerichtet ist:

Ich leite diese Mail an Euch weiter, damit Ihr seht, warum vielleicht noch mehr HSVer austreten, damit vielleicht zu diesem Thema ein kleiner Blog veröffentlich wird. Es dreht sich mir hauptsächlich um den Umgang mit Menschen, die noch einen Vertrag haben, in diesem Fall bis 2016.
Auch Euch einen schönen Gruß aus Bocholt von Klaus W.

Sehr geehrte Herren vom Vorstand der Fußball AG HSV.

Schweren Herzens habe ich mich nach einigen Nächten “Überschlafen” entschlossen, aus ” meinem ” ehemaligen HSV auszutreten! Es kann doch nicht sein, wie man beim HSV mit Menschen umgeht. Erst wurde Herr Kreuzer, weil Er günstig war, vom Drittligisten KSC geholt um dem HSV nach besten Wissen zu dienen. Man kann doch nicht allen Ernstes verlangen, das Er bei 100 Millionen Verbindlichkeiten des HSV z. B. Messi, Ronaldo und Thomas Müller vielleicht für insgesamt 3 Mill. zum HSV holt. Der Mann hat aus Unerfahrenheit den Transfer durch T. Fink (Zoua) und durch B. v Marwijk (Bouy und noch einen Holländer) leider zugestimmt. Das war natürlich ein großer Fehler, den Er auch selber einsieht. Schade. Er hat aber auch den Vertrag mit Calhanoglu im Februar bis 2018 verlängert, sodass der HSV dadurch 14,5 Mill. eingenommen hat. Außerdem hat Er, nach Aussagen von Herrn Lasogga, durch die Verhandlungsführung mit sich und seiner Mutter, den Wunschstürmer des HSV an den Verein gebunden. Nun kommt Herr Beiersdorfer und fängt mit Herrn Kreuzer die Kaderplanung an und von Heute auf Morgen heißt es: Wir brauchen dich nicht mehr! Nee, Leute, so geht man nicht mit Menschen um!!! Im Profifußball vielleicht doch? Ich weiß es nicht. Darum möchte ich zu dem nächstmöglichen Termin meine Mitgliedschaft kündigen.
Ich bin jetzt 72 Jahre alt und war seit 56 Jahren mit ganzem Herzen HSVer. Ob im Volkspark oder im restlichen Deutschland (hauptsächlich im Westen, da ich in Bocholt wohne), Ich war sehr oft dabei. Schade! Mein Verstand sagt zum HSV nein, aber mein Herz sagt weiterhin ja zum HSV.
Mit freundlichen Grüßen aus Bocholt von Klaus W.

Das war es heute von mir, ich wünsche Euch und Euren Lieben einen schönen Feierabend und ein wunderschönes Wochenende.

Dieter

17.54 Uhr

Zum Wechsel: Zwei Fragen – zehn Antworten

31. Dezember 2011

Ob es das auch in 50 Jahren noch gibt? Sie sitzen bei jedem Heimspiel auf der Tribüne im Volkspark und verfolgen „ihren“ HSV ganz genau. Sie – das sind die Meisterspieler von 1960. Fast alle der Altmeister sind immer da, wenn es um Bundesliga-Punkte geht. Sie tragen die Raute fest im Herzen, sie sind damals alle Hamburger gewesen, und sie sind es bis heute geblieben. Und sie machen sich natürlich auch ihre Gedanken, warum der HSV so steht, wie er im Moment steht. Und sie machen sich ihre Gedanken, wie es wieder nach oben gehen könnte.
Ich habe Verteidiger Erwin Piechowiak, Rechtsaußen Klaus Neisner, Torwart Horst Schnoor, Mittelläufer und Kapitän Jochen Meinke sowie Linksaußen Gert „Charly“ Dörfel jeweils zwei Fragen zum aktuellen HSV gestellt, und sie haben mit ihren Antworten gezeigt, dass sie immer noch voll auf Ballhöhe sind.

Herr Schnoor, was hat Ihnen in 2011 an Ihrem HSV nicht gefallen?

Horst Schnoor: „Es war uns ja klar, dass es einen Umbruch wird geben müssen, aber dass dieser dann so riesig ausfallen würde, das hat mich doch ein wenig verwundert. In dieser Form war das wohl einzigartig. Wie alle hoffe ich natürlich auch, dass der HSV 2012 nicht absteigen wird. Dass es überhaupt dazu gekommen ist, das ist wohl dem Umstand zu verdanken, dass es zu lange dieses Chaos um den fehlenden Sportchef gegeben hat. Das war Punkt eins. Punkt zwei war das große Hick-Hack um den designierten Sportchef Urs Siegenthaler. Mein Gott, war das ein großer Zirkus. Und dieses Theater passte nun mal so gar nicht zum HSV, das war einfach unmöglich. Und hat dem Klub zudem viel, viel Geld gekostet. Da ist Geld zum Fenster hinausgeworfen worden, für nichts und wieder nichts – schlicht eine Katastrophe.

Und zudem hatte ich von Trainer Armin Veh immer den Eindruck , dass er gar keine rechte Lust hatte, hier Trainer zu sein. Der wollte, so hatte es den Anschein, immer nur weg. Als dann Michael Oenning kam, da hatte ich die Hoffnung, dass es wieder bergauf gehen würde, aber das hielt nur ein paar Wochen an. Leider.“

Und, Herr Schnoor, gab es denn auch noch etwas Positives, was Sie mit in das neue Jahr nehmen werden?

Horst Schnoor: „Ja, das gibt es. Ich bin doch angetan vom neuen sportlichen Duo Frank Arnesen/Thorsten Fink. Die arbeiten doch sehr vielversprechend miteinander. Arnesen gefällt mir außerordentlich gut, der wirkt auf mich immer freundlich und ruhig, strahlt aber Fußball-Sachverstand aus, und er weiß offenbar was er will. Und Fink ist selbstbewusst und schwungvoll, der packt die Sachen mutig an – der passt sehr gut zum HSV.

Und dann der Jahresabschluss. Mein Gott, wie wäre es gewesen, wenn wir das Pokalspiel in Stuttgart gewonnen hätten – und wir hätten es ja gewinnen müssen. Dieser Sieg hätte dem Verein – nicht nur finanziell – sehr gut getan. Aber immerhin hat die Mannschaft gezeigt, wie gut sie spielen kann, sie war ja die meiste Zeit überlegen, sodass man für das neue Jahr durchaus guter Hoffnung sein kann, dass es wieder in Richtung gesichertes Mittelfeld geht.“

Herr Meinke, was hat Ihnen in 2011 an Ihrem HSV nicht gefallen?

Jochen Meinke: „Die Einstellung einiger Spieler. Das muss ich sagen, die hat mir nicht gefallen. Einige waren mir einfach zu lahm, zu wenig engagiert. Die haben nach dem Motto gespielt: ‚Komm ich nicht heute, dann komm ich eben morgen.’ So geht es nicht. Das war in meinen Augen Lari-Fari-Fußball. Ich war, nach der Entlassung von Armin Veh, auch dafür, dass Michael Oenning eine Chance erhalten sollte, aber als ich dann gesehen habe, dass er gegen Mönchengladbach zu Hause nur eine Spitze aufbietet, da war ich einfach nur bedient und entsetzt. Das geht doch gar nicht.

Als dann Thorsten Fink übernahm, da gab es zwar auch nicht auf Anhieb einen Sieg, es gab daheim nur ein 1:1 gegen Wolfsburg, aber da stand dann doch plötzlich eine ganz andere HSV-Mannschaft auf dem Rasen. Die Spieler haben sich bewegt, die wollten, hatten Biss – es hatte sich über Nacht vieles geändert. Das hat mir gezeigt, dass es doch anders, doch besser geht. Ich frage mich nur, warum ging es nicht schon früher? Jetzt sehe ich eine HSV-Mannschaft, die mit Begeisterung spielt – unter Veh und Oenning habe ich viel zu viele schlechte Spiele gesehen.

Eigentlich habe ich jetzt keine Befürchtungen mehr in Sachen Abstieg, auch wenn der Start 2012 schwer werden wird – aber ich traue dieser Mannschaft durchaus zu, auch gegen Dortmund und in Berlin etwas zu holen.“

Und, Herr Meinke, gab es denn auch noch etwas Positives, was Sie mit in das neue Jahr nehmen werden?

Jochen Meinke: „Ja, die Entwicklung unter Fink, habe ich gerade schon gesagt. Dazu dann auch die neue Ruhe im Verein – diese Entwicklung ist erstaunlich. Ebenso erstaunlich ist für mich, dass ich schon seit Wochen nichts mehr aus dem Aufsichtsrat gehört habe. Was ist da passiert?

Zudem finde ich, dass Carl-Edgar Jarchow einen sehr guten Job macht. Er wird natürlich auch gut unterstützt von Frank Arnesen und Thorsten Fink. Die Entwicklung der letzten Monate zeigt mir insgesamt, dass der HSV wieder auf dem richtigen Weg ist – bis auf die Ergebnisse. Da waren natürlich einige überlegen geführte Spiele dabei, in denen wir große und tolle Torchancen hatten, die mussten ganz einfach gewonnen werden. Immerhin aber haben wir gezeigt, dass wir wieder Fußball spielen können.“

Herr Piechowiak, was hat Ihnen in 2011 an Ihrem HSV nicht gefallen?

Erwin Piechowiak: „Dieses lange Theater um Bernd Hoffmann. Dadurch ist eine enorme Unruhe in den Verein gekommen, die den gesamten Klub zu lange beschäftigt hat. Es gab in der Klub-Führung zu viele selbstherrliche Entscheidungen, und da muss ich auch dem Aufsichtsrat eine Mitschuld geben, denn er hat das alles mitgetragen oder abgesegnet. Zum Beispiel der Sturz von Dietmar Beiersdorfer. Der Sportchef hatte ja gut mit Hoffmann zusammengearbeitet, und als der Boss dann zu viel Einfluss wollte, da hat Beiersdorfer Hilfe beim Aufsichtsrat gesucht, doch der ließ ihn eiskalt abblitzen. Die haben ihn hängen lassen, einfach hängen lassen. Ich weiß, dass das schon lange her ist, aber es hat sich auch immer noch, bis in dieses Jahr hinein, ausgewirkt.
Im Aufsichtsrat sitzen Männer, die dort nach dem Motto mitmachen: ‚Mehr Schein als sein.’ Da sind mir zu viele Eitelkeiten im Spiel, das passt nicht zum HSV.

Dann auch diese ständigen Trainerwechsel, die haben sich auch ganz sicher auf die Leistungen der Mannschaft niedergeschlagen. Der Umbruch musste sein, keine Frage, aber er ist mir ein wenig zu groß geworden. Ich habe, muss ich außerdem gestehen, meine Zweifel an Mladen Petric. Ich habe ihn nicht gesehen, als die Mannschaft schlecht spielt, da hätte er mal Verantwortung übernehmen können, ja sogar müssen. Das erwarte ich von einem Führungsspieler ganz einfach. Oder sollen das die jungen Leute machen? Mir war Petric auch in einigen Spielen zu faul. Und wo ich gerade dabei bin: Marcell Jansen wird überschätzt, oder er überschätzt sich selbst. Der kann doch mehr, als er zuletzt gezeigt hat. Da ist noch jede Menge Luft nach oben. Auch auf der Sechser-Position hat mich bislang keiner überzeugt, weder Gojko Kacar noch Robert Tesche. Schade ist es um Jarolim, aber er hat natürlich auch oft genug keinen ganz klaren Ball nach vorne gespielt.

Auch von Dennis Aogo erwarte ich mehr. Der hat zwar eine positive Ausstrahlung, keine Frage, aber erst aktueller deutscher Nationalspieler, da muss schon noch etwas mehr kommen.

Und, Herr Piechowiak, gab es denn auch noch etwas Positives, was Sie mit in das neue
Jahr nehmen werden?

Erwin Piechowiak: „Ja, gibt es. Mir gefällt Frank Arnesen, der hat eine positive Ausstrahlung, der ist null überheblich, der strahlt nur Positives aus, der Däne ist ein ganz großer Gewinn für den HSV. Endlich haben wir auf dieser Position Ruhe. Und im Zusammenspiel haben Carl-Edgar Jarchow und Arnesen auch Ruhe in den gesamten Verein gebracht. Sie setzen, ich beziehe da auch den Trainer mit ein, positive Signale nach aus. Zu den Fans, zu den anderen Bundesliga-Klubs, zu allen. Diese drei Herren sind meine Hoffnungsträger.

Thorsten Fink vermittelt mir den Eindruck, dass er sehr harmonisch mit der Mannschaft umgeht, dass er und das Team eine Einheit sind. Das passt, weil er auch weiß, dass er trotzdem immer wieder Leistungen sehen will, sehen muss. Ich glaube, dass der HSV am Saisonende einen guten Mittelfeldplatz belegen wird. Trotz des schwierigen Starts, den wir 2012 haben werden. Aber letztlich sind jetzt alle Spieler wieder stabiler geworden. Wenn ich so an Jaroslav Drobny erinnern darf, dieser arme Kerl. Der spielet ja zunächst hinter einer Abwehr, die keine Abwehr war. Das war ja der reinste Schweizer Käse, Loch an Loch. Jetzt sind alle besser geworden – und Drobny auch.

Zudem muss ich die jungen Leute mal loben. Jeffrey Bruma und Gökhan Töre, die gefallen mir sehr. Und Tomas Rincon ohnehin, den fand ich früher schon gut, weil der so schön bissig und giftig war. Nur dass er jetzt den Spielmacher macht, das gefällt mir nicht so gut – aber auf dieser Position hat der HSV ja ohnehin Schwierigkeiten, ein solcher Mann fehlt. Rincon kann das nicht.“

Herr Neisner, was hat Ihnen in 2011 an Ihrem HSV nicht gefallen?

Klaus Neisner: „Die Spieler, das habe ich von Anfang an moniert, laufen mir zu wenig, und es wurde mir auch zu wenig Fußball gespielt. Die vielen langen Bälle, die einfach planlos nach vorne gedroschen werden, die kommen doch immer gleich wieder zurück in die Hälfte des HSV. Das verstehe ich nicht, so sieht doch kein erfolgreicher Fußball aus.
Was mir ebenso nicht gefiel: Es wurde mir viel zu früh in dieser Saison von Abstieg gesprochen. Was sollte das? Man kann doch in Dortmund und in München verlieren, was hat das mit Abstieg zu tun? Das verunsichert nur eine Mannschaft, die Spieler begehen individuelle Fehler – und genau das haben wir dann auch gesehen. In den Spielen gegen Hertha und Köln waren schon einige Klopse dabei, die sonst nicht zu sehen gewesen wären – wahrscheinlich jedenfalls. Und wenn der HSV zum Beispiel diese beiden Spiele gewonnen hätte, dann stünde er wesentlich besser in der Tabelle – und seinerzeit hätte niemand vom Abstieg erzählt.“

Und, Herr Neisner, gab es denn auch noch etwas Positives, was Sie mit in das neue Jahr nehmen werden?

Klaus Neisner: „Thorsten Fink hat der Mannschaft schnell Selbstvertrauen eingeimpft. Das war wichtig und gut. Wir kennen das doch alle die Situation, wenn es mal schlecht läuft. Dann will doch kaum einer den Ball haben, das wird dann ein Versteckspiel. Nach dem Motto: ‚Kamerad, mach du den Fehler – ich mache ihn liebe nicht.’ Das aber ist jetzt deutlich besser geworden, es wird von einigen Spielern jetzt deutlich mehr Verantwortung übernommen. Das war in Hannover so gut zu sehen, da hat der HSV sehr gut gespielt, ist nur durch ein Jahrhundert-Tor um den Sieg gebracht worden. Und auch in Stuttgart war das Spiel sehr gut, dass wir da nicht gewonnen haben, das tat sehr weh.

Viel wird nun vom Start in die Rückrunde abhängen Drei Klatschen zu Beginn wären nicht so sehr hilfreich, aber daran glaube ich auch nicht. Ich habe sogar eine Wette laufen, dass der HSV am Ende noch einen Platz in der Europa League innehaben wird. Das sind doch nur acht Punkte, die uns bis dahin fehlen . . .“

Herr Dörfel, was hat Ihnen in 2011 an Ihrem HSV nicht gefallen?

Gert Dörfel: „Viele Köche verderben den Brei, sagt man ja, und das war beim HSV auch so. Mir ist das ein wenig zu viel Vettern-Wirtschaft, deswegen ist der Klub nie auf einen Nenner gekommen. Die vielen Aufsichtsräte haben dem HSV nicht gut getan, der Klub wurde früher mit weniger Leuten geführt – aber besser. Einst mit den Brüdern Mahlmann und Mechelen, später mit Klein, Happel, Netzer. Jetzt ist der HSV zuletzt nach unten durchgestartet, und zwar mit allen Facetten – und dabei haben alle von ganz oben geträumt. So waren ja auch die Ziele ausgegeben worden. Da waren aber zu viele Leute am Werk, die im Fußball eigentlich nichts zu suchen haben. Weil sie ganz einfach keine Ahnung davon haben. Und die, die Ahnung im Verein haben und hätten, die werden seit Jahren untergebuttert. Das ist schlechter Stil. Erfahrene Leute wie Seeler, Meinke oder auch Schnoor, auf die hätte man besser mal hören sollen, oder solche Leute wie Magath und Nogly, die wüssten wie es geht, werden aber nicht gehört, weil sich andere mit ihren Eitelkeiten stets durchgesetzt haben.

Und sportlich muss ich dem HSV vorwerfen, dass er im Mittelfeld einfach zu schlecht aufgestellt ist. Daran vor allem krankt das Spiel – schon viel zu lange. Ich finde ja auch, dass gute Leute wie zuletzt van der Vaart zu schnell verkauft werden. Und früher auch schon: Mussten so gute Leute wie von Heesen, Bein, Doll und viele andere wirklich immer verkauft werden? Das war tödlich.

Und, Herr Dörfel, gab es denn auch noch etwas Positives, was Sie mit in das neue Jahr nehmen werden?

Gert Dörfel: „Das Trio Jarchow, Fink und Arnesen finde ich gut, dieses Dreieck funktioniert offenbar. Ich glaube zwar nicht daran, dass diese Herren noch die ganz große Sause im Jahr 2012 starten werden, aber der HSV wird wohl auf einem gesicherten Mittelfeldplatz enden. Fink versucht ja emsig, wieder eine Linie in den Laden zu bekommen, und es ist ja auch Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Ein, zwei Leute aus dieser Mannschaft sind ja auch recht ordentlich, ich finde den Gökhan Töre zum Beispiel gut, der hat gute Ansätze.

Aber der beste Mann steht für mich ja zwischen den Pfosten: Jaroslav Drobny. Der kam zurück wie Phönix aus der Asche. Zu Beginn hatte er sich von seiner schlechten Abwehr anstecken lassen, und zwar vom allgemeinen Abwärtstrend im HSV. Jetzt aber ist Drobny ganz groß, und ich drücke ihm die Daumen, dass er auch 2012 seine überragende Form bestätigen kann.“

So,
Prost Neujahr!

Es kamen noch einige Beiträge von Euch, und das ist auch gut so. Vielen Dank für Eure Treue und Mitarbeit. Drei Sachen hat das Moderatoren-Team noch einmal herausgepickt:

Von „altona”:

@Dieter und Scholle !

Ich wünsche Euch beiden einen guten Rutsch und einen erfolgreichen Start ins neue Jahr. Ich persönlich wünsche mir genau so viel Aktualität für 2012
wie bisher, viel besser geht’s nicht. An den Inhalten scheiden sich bekanntlich die Geister. Das ist gut so und muss auch so bleiben. Ihr werdet es
nicht schaffen, es allen Recht zu machen. Mögen sich auch im kommenden Jahr 2012 möglichst viele Fans und Leser an Euren Beiträgen reiben und diese
durch kluge und witzige Kommentare bereichern. Immer wieder werden ja auch aus dem Leserkreis News gepostet, die – weil gerade frisch im Internet
gefunden – zuerst nur hier und nirgendwo anders zu finden sind. Dies ist ein Zeichen großer Akzeptanz und sicher auch ein Alleinstellungsmerkmal des
Matz-Ab-Blogs. Bitte behaltet auch Eure “Dickfelligkeit” bei, die ihr Euch in den letzten Monaten erarbeitet habt, denn nichts wäre schlimmer, als
wenn ihr in Euren Beiträgen Stellung zu Kommentaren einiger Leser beziehen würdet, in denen den Verfassern mehrfach der Finger auf der Tastatur
verrutscht ist. Nimmt es mit Humor, hier hilft manchmal auch ein wenig Lockerheit und Toleranz, manche Auswüchse der Verbitterung zu ertragen. Bitte
bewahrt Euch – wie bisher auch – eine gewisse Neutralität und Objektivität und lasst Euch auch in 2012 nicht vor den Karren Einzelner, insbesondere
aus dem Kreis der “Zwölf” zur Durchsetzung ihrer Einzelinteressen spannen. Was wäre die HSV-Welt ohne Euch? Der Blog hat sich seit seinem Bestehen zu
einer festen Instanz des HSV etabliert und gäbe es ihn nicht, bestünde so eine Art Vakuum und man müsste ihn schnellstens erfinden. In diesem Sinne –
macht weiter so, herzliche Neujahrsgrüße auch an das “Moderatorenteam”.

Und dann zum Jahreswechsel noch etwas zum Schmunzeln:

von „Bernado Romeo MS“:

„tja Dieter; mit Troche ist es doch so, wie bei vielen anderen: Nicht konstant genug!!!!!!! Da jagt man solche halt schnell vom Hof. Nicht zu vergessen
sein 2:2 aus leicht abseitsverdächtigter Position, welches uns zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb berechtigte…leider aber zu wenig von
solchen Aktionen. Spielte selten durch bei diversen Trainern. Das sagts doch.“

Darauf „Eiches“ Antwort:

Bernado Du Lappen;-)
1. Nicht schnell vom Hof, sondern nach 6 Jahren!
2. Nicht 2:2, sondern 2:3
3. Nicht abseitsverdächtig, sondern total und absolut Abseits!
.
Weitere Fragen? Keine?
.
Guten Rutsch und Gruß an die Holde daheim.

Dem kann ich mich nur anschließen. Nicht dem Lappen, sondern den Gruß an alle „Matz-abber“ und den guten Rutsch. „Scholle“ hat mich angerufen und ausdrücklich darum gebeten, auch in seinem Namen ein herzliches Dankeschön an alles auszurichten, und gleichzeitig alles Gute für 2012 zu wünschen.
Beide tun wird das jetzt. Es war ein turbulentes Jahr, für den HSV, für Euch, für uns. Es ging teilweise drunter und drüber, nicht immer wurde guter oder bester Fußball geboten, nicht immer wurde hier der beste Ton getroffen.
Nun ist 2011 gelaufen, und wir bedanken uns trotz allem recht herzlich. Weil es hier so viele gute Menschen gibt, die diesen Laden auch mit Menschlichkeit unterstützen, ihn damit auch am Leben erhalten.
Danke, danke, danke dafür. Ich weiß, wir wissen es, zu schätzen.

Feiert schön, treibt es nicht zu bunt (Alkohol!) – und dann auf ein Neues in 2012. Ich hoffe mit Euch, dass es mit dem HSV wieder (oder weiter) bergauf gehen wird – und dass auch „Matz ab“ weiterhin bestehen bleibt und von Euch weiter so gut angenommen wird.
Wir, „Scholle“ und ich, werden unser Bestes geben.

Darauf trinken wir. Einen!

Prost Neujahr!

16.09 Uhr