Archiv für das Tag 'Petric'

Jarolim: “Wir holen noch elf Punkte!”

21. April 2015

Die Ruhetage beim HSV sind für mich zuletzt eher quälend gewesen. Nicht, weil ich kein Training beobachten und mit dem Trainer etc. sprechen kann. Nein, irgendwie habe ich zurzeit das Gefühl, dass dieser freie Tag anders genutzt werden könnte. So wie heute, um ehrlich zu sein. Denn heute waren einige Profis trotz ihres freien Tages richtig fleißig. Marcelo Diaz beispielsweise absolvierte erneut eine individuelle Einheit und soll nach Möglichkeit noch in dieser Woche wieder ins Training einsteigen. Noch etwas schneller war Dennis Diekmeier unterwegs. Der Rechtsverteidiger absolvierte schon intensive Läufe. Dennoch soll sich der Rechtsverteidiger mit seinem Comeback noch etwas gedulden. Sein Einsatz gegen Augsburg ist eher unwahrscheinlich. Ausfallen wird sicher Cléber Reis (Kapselriss). Und um derartigen Verletzungen vorzubeugen absolvierten René Adler, Valon Behrami und Rafael van der Vaart am trainingsfreien Dienstag ein leichtes regeneratives Programm im provisorischen Trainingszentrum. Nicht dabei war Pierre Michel Lasogga, obgleich ihm Trainer Bruno Labbadia zuletzt noch etwas fehlende Praxis attestiert hatte. Schade eigentlich – den Stürmer mit Nachholbedarf hätte ich am ehesten erwartet…

Apropos Labbadia, wenn es in diesen Tagen irgendeinen Funken Hoffnung gibt, dann ist er dafür verantwortlich. „Bruno Labbadia ist definitiv einer meiner Toptrainer gewesen“, erinnert sich der ehemalige HSV-Vorzeigeprofi David Jarolim an die Saison 2009/2010 zurück. „Seitdem Bruno Labbadia wieder da ist, habe ich tatsächlich ein viel besseres Gefühl“, so der einstige HSV-Kapitän, der weiterhin auf Nichtabstieg setzt. „Gegen Augsburg gewinnt der HSV am Sonnabend 1:0“, ist sich Jarolim sicher. Und eigentlich wäre es auch eine sichere Sache, immerhin wollte er am Sonnabend als Glücksbringer live vor Ort sein. Daraus wird aber nicht, da das Ligaspiel seines tschechischen Klubs auf Sonnabend gelegt wurde.

 

„Wenn ich mit meinen Kindern da war, haben wir nie verloren. Und wenn es nach mir ginge, wäre ich die letzten fünf Spiele immer live dabei“, so Jarolim, der trotz seiner Abwesenheit auf elf Punkte aus den verbliebenen fünf Partien tippt. Nach dem Sieg gegen Augsburg gibt’s ein 1:1 gegen Mainz, einen 2:1-Sieg gegen Freiburg, ein 1:1 in Stuttgart und ein 1:0-Sieg am letzten Spieltag in der Imtech-Arena gegen Schalke. „Super, oder?“, lacht Jarolim. Allerdings ohne die Tipps zu revidieren, wie er ausdrücklich wiederholt.

schätzen sich: Ex-HSV-Kapitän David Jarolim (l.) und HSV-Trainer Bruno Labbadia - hier in der Saison 2009/2010

Schätzen sich: Ex-HSV-Kapitän David Jarolim (l.) und HSV-Trainer Bruno Labbadia – hier in der Saison 2009/2010

Auch Jarolim hält große Stücke auf Labbadia. „Unter ihm hatten wir am Anfang einen tierischen Lauf, haben den besten Fußball seit langer Zeit gespielt und haben am Ende trotz der vielen verletzten Spieler und der schwierigen Umstände ohne echt gesunden Stürmer noch das Halbfinale in der Europa League erreicht. Dass der Trainer trotzdem gehen musste, lag dann an Dingen drumherum, die nicht normal waren.“

 

Unter anderem auch daran, dass es sich Labbadia mit dem einen oder anderen großen Namen (u.a. Zé Roberto, van Nistelrooy, Petric) in der Mannschaft verscherzt hatte. Und das, weil er das Leistungsprinzip gnadenlos angesetzt hatte. Namen zählten nicht. Und ich für meinen Teil weiß noch, dass einer der Stammspieler Labbadia mir gegenüber zu seinem bis dahin besten Trainer gekürt hatte. Bis er nach einer Verletzung nicht automatisch wieder ins Team rückte. Plötzlich hatte Labbadia seiner Aussage nach „keine Ahnung“ mehr – was mir ehrlich gesagt gefiel. Dennoch musste Labbadia am Ende nach einer außergewöhnlich fragwürdigen Niederlage in Hoffenheim gehen.

 

„Dass er zurück ist, ist richtig und gut“, lobt Jarolim die Entscheidung des Vorstandes. Sie sei zwar etwas spät gefallen – aber sie sei wichtig. „Er gibt mir ein besseres Gefühl und ich weiß noch, dass bei ihm jedes Training mit dem bevorstehenden Spiel zu tun hatte. Labbadia hat in der Woche immer genau das trainiert, was er am Wochenende sehen wollte. Er beherrschte es, der Mannschaft Automatismen beizubringen und hatte immer einen Plan.“ Ein Vorbild für den angehenden Trainer? „Von ihm habe ich auf jeden Fall eine ganze Menge mitnehmen können.“ Dennoch, das weiß auch Jarolim, den Rest dieser Saison kann Labbadia nur noch verwalten. „Er hat nicht die Zeit, hier viel Neues einzustudieren. Aber er wird erkennen, wen er gebrauchen kann, wer wirklich will und fit ist.“

 

Dass er will, kann man Pierre Michel Lasogga nicht absprechen. Aber er kann noch nicht so, wie er will und wie es alle erwarten. Auch deshalb lässt Labbadia keine Gelegenheit aus, den Toptorjäger der Vorsaison starkzureden. „Wir brauchen ihn, ganz klar“, sagt Labbadia und Jarolim stimmt zu: „Wenn der HSV den Fußball spielt, der zu Flanken und Pässen in den Sechzehner führt, kann es schnell was werden. Ein Tor, und der Knoten könnte platzen“, sagt Jarolim. „Ich weiß, wie das ist. Plötzlich wird alles, was einen vorher runtergezogen hat, umgekehrt und es läuft. Das kann einen tierischen Lauf geben, das entwickelt eine tolle Dynamik. Und das braucht diese Mannschaft.“

Jarolim, der sich momentan als Seelsorger für seinen Freund Ivica Olic (Jarolim: „Er ist nicht gut drauf, er leidet. Aber er wird am Ende noch sehr wichtig“) verdingt, glaubt tatsächlich an den Nichtabstieg. Und ich will ihm für heute mal folgen. Einen Tag lang mal Hoffnung zwischen vielen Tiefschlägen seitens eines erfahrenen Profis zu erfahren – das tut selbst einer geschundenen Reporterseele mal ganz gut. Daher belasse ich es heute mal damit und sage: Danke Jaro! Auf dass Du Recht behältst…

 

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen (Champions-League?)Abend, bis morgen! Da wird um 10 und um 15.30 trainiert.

 

Scholle

Alle hoffen – und Gernandt spricht Klartext

29. März 2015

Das war doch mal wieder ein schöner Tag, den die über 32 000 Zuschauer da im Volkspark erlebt haben. Freude pur – und zwar überall. Und ich habe so viele Fans und Autogrammjäger nach dem Spiel gesehen, wie schon seit Jahren nicht mehr. Die „alten Herren“ ziehen eben immer noch. Und die „guten, alten Zeiten“ waren an diesem Nachmittag allgegenwärtig. Auf den Tribünen und auch in den Kabinen. Gemeinsam mit meinen Kollegen haben wir festgestellt, dass es nicht nur schöne Zeiten waren, die wir mit diesen „Jungs“ erlebt haben, sondern dass diese Herren auch fast alle das Herz an der rechten Stellen haben, dass sie immer noch voll in diese Welt passen, dass fast ein jeder absolut in Ordnung ist, geblieben ist. Und dass die ehemaligen HSV-Profis nicht nur über ihre tollen Zeiten in Hamburg sprechen, sondern dass sich ein jeder auch große Sorgen um den Ex-Club macht. Dass der HSV mit 5:7 gegen die tschechische Auswahl verlor, war an diesem Tag total nebensächlich, es war rundherum ein gelungenes Fest, in deren Mittelpunkt David Jarolim stand, der zur Recht lautstark und lange gefeiert wurde – er hat es sich verdient.

 

Nach dem Abschiedsspiel befand „Jaro“ zur aktuellen Situation seines HSV: „Die Jungs werden, davon bin ich absolut überzeugt, alles geben. Das sind alles Profis, sie werden es schaffen – und ich werde in den letzten Spielen dabei sein und ihnen die Daumen drücken.“

 

Das sagt Jarolim. Ihn haben die Fans sofort wiedererkannt, natürlich. Bei einem ehemaligen Kollegen hatten sie aber allergrößte Schwierigkeiten – wie ich gestern bereits schrieb. Tomas Ujfalusi, einst schlank und mit langen Harren, trat absolut gegenteilig auf. Und er gab zu: „95 Prozent der Leute hier haben mich nicht wiedererkannt. Ich habe mir vor zwei Tagen eine Glatze schneiden lassen. Ich wollte das schon lange Zeit. Ich habe nun Jahrzehnte lange Haare gehabt, jetzt wollte ich mal etwas anderes machen. Aber ich werden mir nun wohl einen neuen Pass machen lassen müssen, sonst werde ich es schwer haben, in andere Länder zu reisen.“

 

Über die schwere Lage seines ehemaligen Vereins befand der Tscheche: „Die Jungs schaffen das. Ansonsten wäre es sehr schade. Auch für mich. Für alle. Der HSV ist doch als einziger Club von Anfang an dabei und noch nie abgestiegen. Die müssen etwas ändern, so darf es nicht weitergehen. Der HSV ist doch ein Club, der eigentlich immer unter den besten fünf Vereinen der Bundesliga stehen müsste. Aber das braucht jetzt sicher einige Zeit. Nur absteigen darf der HSV nicht. Obwohl der HSV heute auch verloren hat . . .“

 

Mit ihm. Er hatte doch eine Halbzeit für den HSV, eine Halbzeit für das Dream-Team ge-spielt: „Ich habe einen Punkt geholt, denn zur Pause stand es immerhin 3:3“, sagt Ujfa-lusi scherzend. Er war einst Kapitän des HSV, daran erinnert er sich. Trainer Klaus Toppmöller hatte ihn dazu gemacht. Und der frühere tschechische Nationalspieler erinnert sich: „Ich war 14 Tage Kapitän, das stimmt, aber ohne gespielt zu haben, weil ich verletzt war.“ Und als er wieder fit war, wechselte er nach Italien . . . Und Daniel van Buyten wurde sein Nachfolger als HSV-Spielführer.

 

Erstaunlich, wie gut Ujfalusi immer noch Deutsch spricht. Wie geht das? Er erklärt: „Ich lese viele deutsche Zeitungen und Illustrierten. Ich will diese Sprache weiter beherrschen, sonst waren die dreieinhalb Jahre in Hamburg doch umsonst.“

 

Er lebt jetzt in Prag und wird dem Fußball nun als Spielerberater erhalten bleiben: „Ich will meine Kontakte nutzen, die ich zu vielen Ligen habe.“ Das wird er sicherlich auch so großartig tun, wie er einst als Profi auf dem Platz gewirkt hat. Ihn wiederzutreffen, war ein echtes Erlebnis, absolutes ein Highlight.

 

Das galt auch für Mladen Petric. Der Schweizer zur Lage des HSV und wie die Spieler nun reagieren sollten: „Nicht verzweifeln, trotz allem selbstbewusst auftreten und an sich selbst glauben.“ Petric wurde hier ebenfalls lautstark gefeiert, und er sagte über sich und Hamburg: „Ich hatte hier eine überragende Zeit, die Zeit beim HSV gehört zu den schönsten in meiner Karriere. Dass die Fans mich gefeiert haben, war ein sehr schönes und emotionales Gefühl, ich habe das sehr genossen. Das war ganz einfach fantastisch. Unwahrscheinlich schön, so etwas zu erleben, dass zu spüren, dass die Fans mich so sehr ins Herz geschlossen haben. Und es freut mich auch, dass die Zuschauer heute ihren Spaß hatten.“

 

Dann fügte er noch hinzu: „Ich habe das letzte Spiel gegen Hertha gesehen, das war schwierig, da hätte der HSV wenigstens einen Punkt holen müssen. Das Gute aber an der jetzigen Situation ist, dass sie es noch selbst in der Hand haben.“ Woran liegt es seiner Meinung nach, dass der HSV solche Schwierigkeiten hat? Petric: „Es liegt nicht daran, dass die Stürmer in jedem Spiel drei, vier Hundertprozentige versieben. So weit kommt der HSV ja meistens gar nicht.“

 

Dennoch ist er optimistisch: „Ich hoffe, dass der HSV, der ja schon die letzten beiden Jahre immer im Abstiegskampf war, so viel Erfahrung dabei gesammelt hat, dass er davon nun profitieren kann. Die Situation ist sicher nicht leicht, ich glaube noch an ein gutes Ende.“

 

Dass in seinem Herzen noch immer eine kleine Raute steckt, dass verriet er dann, als er sagte: „Ich verfolge den HSV aus der Ferne ausführlich, sehe mir fast alle Spiele an. Die Lage mit dem neuen Trainer kann ich nicht beurteilen, aber Didi Beiersdorfer wird schon das Richtige machen, davon bin ich überzeugt, obwohl es schwierig für ihn ist. Er hat ja aber schon so viele gute Dinge für den HSV gemacht – und ich hoffe, dass noch alles gut wird.“
 

Mladen Petric machte an diesem Sonnabend einen rundherum zufriedenen Eindruck. Ihm geht es in Athen sehr gut, er hat mit Panathinaikos viel Erfolg, steht mit dem Traditions-Club zurzeit an zweiter Stelle: „Ich fühle mich dort super, ich bin glücklich, es läuft wunderbar – es stimmt alles, wahrscheinlich werde ich noch ein Jahr verlängern.“ Er stürmt gemeinsam mit Marcus Berg, den der HSV einst für zwölf Millionen (und mehr) gekauft hatte, dann nach Athen verschenkte! Petric: „Ich spiele hinter Marcus Berg, ich setze ihn mit meinen Vorlagen ein – wir verstehen uns prächtig. Er hat mittlerweile neues Selbstvertrauen, schießt viele Tore, es funktioniert gut mit uns.“

 

Zu Mladen Petric sagte mir der frühere HSV-Torwart Horst Schnoor (Meister-Keeper von 1960) nach dem Spiel etwas ganz Interessantes: „So einen, wie den Mladen Petric, den haben wir heute nicht in der Mannschaft. Wenn ich könnte, würde ich den sofort zurückholen. Und dazu den langen Jan Koller, der hat ja auch unfassbar gut gespielt – mit seinen mittlerweile 42 Jahren. Unfassbar.“

 

In diese Kategorie fiel wohl auch der Einsatz von Martin Groth, der auf der Rückreise von Sylt nach Hannover (mit seiner Familie) nur mal vorbeigucken wollte, und dann mitspielen durfte, musste: „Ich hatte dann schon Vorfreude gehabt, und es war nett, alte Gesichter wieder zu sehen. Obwohl ich nur gegen David Jarolim gespielt habe damals, nie miteinander.“ Natürlich verfolgt Groth den HSV noch aus der Ferne, und er sagt: „Ich verfolge den Club natürlich noch mit dem größten Interesse, ich hatte ja eine tolle Zeit hier. Und ich hoffe, dass das nicht eintritt, dass jetzt schon viele Leute wieder befürchten . . .“
Wir hoffen mit.

 

Der Rostocker Stefan „Paule“ Beinlich befand nach dem Spiel: „Es war wie ein Klassentreffen, das ist wunderschön, macht einfach nur Spaß. Nicht nur miteinander zu spielen, sondern auch zu klönen – wir waren ja, logisch, die Besten, das ist doch klar.“

 

Das dachte wohl auch Thomas Doll, der von den Fans großartig aufgenommen und begrüßt worden war. Der Trainer von Ferencvaros Bu-dapest sagte: „Es ist immer wieder großartig, in dieses tolle Stadion einzulaufen, das ist schon beeindruckend, einfach nur großartig. Super, die Spieler von früher zu treffen – und man trifft sich natürlich immer wieder gerne.“ Und wie denkt er über den HSV 2015? Das wurde er von unserem Matz-ab-Kollegen Lars Pegelow, der heute einen sehr guten Eindruck im „Doppelpass“ von Sport1 hinterließ, gefragt. Und Doll tat sich zunächst schwer: „Jetzt gebe ich meinen Senf auch noch dazu, okay: Sie werden in der HSV-Führung schon wissen, was sie machen. Peter Knäbel war ja eng an der Mannschaft dran, bekommt mit Peter Hermann eine sehr guten, einen absoluten Top-Mann an seine Seite. Trotz allem wird es schwierig, in den letzten acht Spielen noch etwas zu bewegen – aber sie werden schon wissen was sie machen.“

 

Dass an diesem Wochenende vier Spieler, nämlich Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Ivo Ilicevic und Gojko Kacar erfuhren, dass sie am Saisonende den HSV verlassen müssen, rückte Doll ins rechte Licht: „Für die Jungs ist es bitter, natürlich, aber sie werden alles geben, werden sich reinhauen, sie wollen auch nicht als die Spieler in die HSV-Geschichte eingehen, die als erste mit dem Club abgestiegen sind. Das ist der größte Ansporn für sie, ganz sicher.“

 

Zur Trennung von den vier „Altinternationalen“ äußerte sich auch Club-Chef Dietmar Beiersdorfer: „Wir haben mit Rafael und Marcell gesprochen, die Situation ist bei beiden fast identisch, sie können sich vorstellen, noch einmal ins Ausland zu gehen. Und es gibt im Fußball ja immer mal einen Zyklus, wo es gut zusammenpasst . . . Wir haben hier nun aber viele neue Dinge angestoßen, da gehört es für uns dazu, der Mannschaft ein neues Gesicht zu geben. Das wird nun geschehen, und wir glauben, dass wir das richtig gemacht haben.“

 

Mit Slobodan Rajkovic und Heiko Westermann sprachen Beiersdorfer und Peter Knäbel ebenfalls. Beiersdorfer: „Wir haben uns vertagt, weil es bei ihnen fehlende Planungssicherheit gibt. Erste Liga, zweite Liga? Das ist ja nicht geklärt. Deswegen können wir jetzt keine Entscheidungen treffen, das haben wir ihnen erklärt. Natürlich wir nehmen wir damit in Kauf, dass sie wechseln, sollten sie andere Angebote von anderen Vereinen haben. Dass sie dann auch wechseln, das ist dann ihre Sache, und ansonsten werden wir uns am Ende der Saison wieder zusammensetzen. Anders geht es für uns im Moment nicht.“

 

Dann gab „Didi“ Beiersdorfer auch noch zu: „Nach Hertha waren wir down, das ist doch klar, ist nicht einfach, einen Trainer freizustellen – bei dieser prekären Situation. Wir sind aber überzeugt, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Peter Knäbel ist sehr klar in seiner Ansprache, er vereinfacht einige Situationen, denn am Schluss ist Fußball doch nicht so kompliziert, wie er oft dargestellt wird.“
Hoffen wir das Beste.

 

Zu diesem Thema hat sich an diesem Wochenende dann auch Aufsichtsrats-Chef Karl Gernandt geäußert. Im NDR-Sportclub live sagte die „rechte Hand“ von HSV-Investor Klaus-Michael Kühne einige Dinge, die in der Freizügigkeit doch etwas überraschten. Zum Beispiel dies: „Wir wussten, dass es ein schwieriger Weg wird. Aber dass wir jetzt in einer wirklichen Existenzfrage stecken, haben wir uns überhaupt nicht vorstellen können. Das ist worst case, was wir hier zurzeit erleben.” Mit dem Trainerwechsel von Joe Zinnbauer zu Peter Knäbel soll nun der Abstieg verhindert werden. Gelingt dies, hat der HSV bereits die große Lösung parat: Die Option mit Thomas Tuchel als neuer Coach sei „sehr, sehr intensiv und detailliert durchdekliniert”, sagte Gernandt.

 

Der frühere Mainzer Trainer Thomas Tuchel steht beim HSV also tatsächlich hoch im Kurs. Karl Gernandt spricht im exklusiven Sportclub-Interview über die aktuellen Sorgen und Wünsche beim Bundesliga-Drittletzte: „Wir versuchen einen Trainer zu finden, der für einen langfristigen und sehr soliden Aufschwung steht. Wir wollen den HSV da hinbringen, dass sich Menschen innerhalb des HSV weiterentwickeln und nicht von außen kommen.” Der HSV sei bereit, „ein Konzept mit Tuchel zu gehen” – und hat mit den angekündigten Trennungen von Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Ivo Ilicevic uns Gojko Kacar bereits erste Weichen für die Zukunft gestellt. „Am Ende entscheidet Herr Tuchel, was er macht”, erklärte der 54-Jährige. Der Wunschcoach würde den HSV allerdings wohl nur in der Bundesliga betreuen. „Zweite Liga? Das ist schwer vorstellbar”, sagte Tuchel in der „Zeit”.
 

Dass Tuchel viel Geld kosten würde, ist der HSV-Führung klar. Doch die Mittel und die Bereitschaft, dieses Geld auch auszugeben, scheint beim HSV vorhanden zu sein. „Thomas Tuchel kostet viel Geld. Ob er teuer ist, muss man rausarbeiten. Wenn er es wert ist, ist er nicht teuer”, sagte Gernandt. Im Gegensatz zur sportlichen Misere fühlen sich die Verantwortlichen wirtschaftlich gut aufgestellt: „Die Sponsoren zeichne eine große Vereinstreue aus“, betonte Gernandt. Klaus-Michael Kühne, Alexander Otto und ein dritter Investor, der nicht genannt werden will, seien bereit, „ordentliche Beträge” auf den Tisch zu legen – und das, ohne Gegenleistungen dafür zu verlangen. „Von der finanziellen Seite her bin ich zufrieden mit dem, was wir in den vergangenen neun Monaten hinbekommen haben”, erklärte Gernandt: „Das passt alles. Das einzige, was nicht passt, ist unser Tabellenplatz.”
 

Acht Spiele hat Interimstrainer Knäbel nun noch Zeit, den ersten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte zu verhindern, darunter die schweren Partien in Leverkusen, gegen Wolfsburg und das Nordderby in Bremen. „Wenn Peter Knäbel derjenige ist, der die Uhr im Stadion abstellt, wird sein Gesicht mit einer solchen Niederlage zusammengebracht. Es wird dann schwer, wieder positive Strahlkraft rauszuholen”, weiß Gernandt um das Risiko: „Auf der anderen Seite weiß jeder, dass er den Job für acht Spiele hat und er jemand ist, der vom ersten Tag an funktioniert. Wir haben kein Problem, was das Trainingskonzept angeht, wir müssen die Mannschaft erreichen.” Der Aufsichtsratschef hofft inständig, dass alle Spieler mitziehen. „Es ist 30 Sekunden vor zwölf. Wir müssen mit Sicherheit noch mehr als sechs Punkte holen, ansonsten weiß ich nicht, wie wir uns retten sollen. Wir haben schwierige Spiele vor uns.” Und wenn der Tag X am Ende doch kommt? „Dann muss man in die Hände spucken und verdammt hart weiterarbeiten”, so Gernandt.
 

Bei NDR-Moderator Alexander Bommes ist am heutigen Sonntag auch noch Dietmar Beiersdorfer zu Gast, die Sendung im Dritten beginnt um 22.30 Uhr.

 

PS: Heute war trainingsfrei, morgen ist ebenfalls kein Training im Volkspark angesetzt.

 

PSPS: Ich danke Lars Pegelow für die tolle Zusammenarbeit, das hat ganz fein gepasst – trotz des Doppelpasses.

 

18.37 Uhr

David Jarolim beim 5:7 herzlich gefeiert

28. März 2015

Endlich einmal HSV-Tore im Volkspark! „An Tagen wie diesen“ sangen die „Toten Hosen“, aber an diesem Sonnabend herrschte im Volkspark alles andere als „tote Hose“. David Jarolim bat zu seinem Abschiedsspiel, und viele, viele kamen. 32 000 Zuschauer waren dabei, und etliche Stars aus Tschechien und vom HSV. Das Jaro-Dream-Team aus Tschechien siegte 7:5, aber das Resultat war ganz sicher unwichtig. Es war eine schöne Abschiedsparty für einen großen HSV-Spieler, der hier immer alles gegeben hat. Und der vielleicht auch irgendwann noch einmal nach Hamburg zurückkehren wird, um beim HSV zu arbeiten. „Diesen Tag werde ich niemals vergessen“, sagte „Jaro“ bei seiner kleinen Dankesrede, und er versprach: „Ich werde versuchen, bei den letzten Spielen das HSV in dieser Saison dabei zu sein um die Daumen zu drücken.“ Alle Zuschauer feierten den Helden des Tages, besonders der Norden – und dafür danke ich ganz besonders, denn „Jaro“ hat es hier auch einst anders kennengelernt. Dabei viel mir heute vorher und auch nachher der große Udo Lattek ein, der einst beim „Doppelpass“ über David Jarolim gesagt hatte: „Ich kann ihn nicht ab, er provoziert, spielt zu oft foul – aber als Trainer hätte ich dieses Schlitzohr liebend gerne in meiner Mannschaft gehabt. So einen brauchst du.“ Mehr Lob geht doch fast gar nicht.

 

Beim Einlaufen der Spieler gab es viel Beifall der 32 000 Zuschauer. Jeder Profi wurde herzlich begrüßt. Lauter wurde es bei Mehdi Mahdavikia, und ganz laut wurde es bei Thimothee Atouba, der geradezu enthusiastisch gefeiert wurde. Atouba! Er tanzte hier nur ganz kurz auf, aber ihn lieben sie hier noch immer. Weil er Dinge drauf hat, die kein anderer macht. Besonders laut wurde es dann aber, als der Mann des Tages einlief – mit seinen Kindern an der Hand und auf dem Arm: David Jarolim. Der Norden sang, alle Zuschauer standen auf. Lotto King Karl und Carsten Pape sangen „Hamburg meine Perle“, und HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer hielt eine kurze, aber unheimlich warmherzige Rede: „David, Du bist ein großartiger Mensch mit einem ganz feinen Charakter, Du warst immer ein vorbildlicher Spieler.“ Dem war nichts hinzuzufügen. Und nicht wenige auf der Tribüne hatten den Eindruck, dass der Vereins-Chef bei seinen Sätzen kurz davor war, die eine oder andere Träne zu verdrücken . . .

 

Mein persönliches Highlight an diesem Nachmittag, und es war nicht nur meines, heißt aber nicht in erster Linie Jarolim, auch nicht Atouba, sondern Tomas Ujfalusi. Nein, nein und noch einmal nein, ich hätte ihn nicht erkannt. Und ich konnte es eine Halbzeit lang nicht glauben, dass der etwas rundliche Herr mit dem etwas mehr an Bauch, mit ohne Haare auf dem Kopf, dafür sehr, sehr viel am Kinn, dass der wirklich unser „Ujfi“ ist. Nein, und irgendwie kann ich es immer noch nicht fassen. Obwohl ich ihn schon eine Stunde vor dem Spiel in den Katakomben sah – und mich fragte, wer dieser Mann denn ist? Aber er war es tatsächlich, auch wenn der neben mir sitzende „Scholle“ es bis zum Schlusspfiff nicht glauben wollte.

 

Während des Spiels, das von Radio-Hamburg-Moderator John Ment kommentiert wurde, wurde übrigens Ballermann-Musik gespielt. „Schatzi schenk mir ein Foto“, und zum Beispiel: „Atemlos“. Ob der HSV den Antrag stellen wird, künftig auch während der Bundesliga . . . Nein, lassen wir das. Denn diese Musik war ja auch gewöhnungsbedürftig.
Das Spiel wurde geleitet von Schiedsrichter Babak Rafati aus Hannover – er hatte ein leichtes Amt, es gab weder Fouls noch Meckereien.

 

Die erste Möglichkeit der Partie hatte David Jarolim, der plötzlich allein vor Stefan Wächter stand – aber den Ball nicht stoppen konnte! Wie bitter war das denn?! Kurz darauf hatte Atouba einen bühnenreifen Auftritt, als er drei Tschechen an der linken Eckfahne vorführte. Er hat es eben immer noch nicht verlernt.

 

Bis zur 11. Minute hieß es 0:0 im Volkspark (wie sonst?), dann aber fielen die Tore. Lukas Jarolim schoss das 1:0 für das Dream-Team, nachdem zuvor Wächter noch großartig einen Fallrückzieher von Koller gehalten hatte. Für das 1:1 zeichnete Mladen Petric verantwortlich. Koller traf zum 1:2, Wildcard-Spieler Norman Lessmann glich aus. Noch einmal Lukas Jarolim und auch noch einmal Mladen Petric, der immer noch schlitzohrig über den Platz läuft und Torchancen erahnt, sorgten für das 3:3 zur Halbzeit.
Der HSV hatte mit Stefan Wächter (Claus Reitmaier), Guy Demel, David Rozehnal, Tomas Ujfalusi, Thimothee Atouba, Mehdi Mahdavikia, Stefan „Paule“ Beinlich, Thorsten Fink, Thomas Doll, Mladen Petric und Norman Lessmann begonnen.

 

Im zweiten Durchgang kam dann folgende HSV-Mannschaft zum Zuge: Reitmaier (Drobny),Demel (Martin Groth), Milan Fukal, Bastian Reinhardt, Atouba (Dennis Aogo), David Jarolim, Rodolfo Cardoso, Marcel Meyer (mit Wildcard), Lessmann, Sergej Barbarez und Vahid Hashemian. Interessant: Martin Groth sollte eigentlich gar nicht spielen, war ohne Fußball-Klamotten nach Hamburg gekommen, aber plötzlich durfte er dabei sein. Weil doch einige angekündigte Spieler nicht gekommen waren.

 

Für die erst- und einmalige HSV-Führung in diesem Spiel sorgte Wildcard-Spieler Marcel Meyer, der das 4:3 markierte. Koller, Poborsky, Kuka und Wildcard-Spieler Stefan Kück schossen dann die Tore für den Sieger, für den HSV verkürzte David Jarolim nur noch per Elfmeter, den Ujfalusi an ihm verschuldet hatte – das war ja wohl auch Pflicht. 5:7 hieß es am Ende, aber diese HSV-Niederlage tat ausnahmsweise einmal nicht weh.
Als Trainer fungierten an diesem Tag übrigens Bruno Labbadia, Ralf Zumdick, Klaus Augenthaler und Vater Karel Jarolim. Im Dream-Team standen so bekannte Stars wie Koller, Poborsky, Kuka, Nikl, Smicer und Tyce.

 

Und während es nach diesem Spiel noch an der Alster weitergeht und ging, geht es für einige HSV-Spieler nun auch offiziell nicht mehr weiter. Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Ivo Ilicevic und Gojko Kacar erhielten nun vom HSV die Mitteilung, dass der Club künftig ohne sie plane. Dietmar Beiersdorfer: „Sie haben es sportlich aufgenommen, und alle haben ihre persönlichen Belange hintenangestellt – denn alle wollen, dass der HSV nicht absteigt. Dafür werden sie noch bis zuletzt alles geben.“

Toi, toi, toi.

 

PS: Morgen, am Sonntag, sitzt nach “Scholle” ein weiterer Mann von “Matz ab” beim Doppelpass vom Sport1: Lars Pegelow gibt sich die Ehre. Alles Gute, mein Lars!

 

PPS: Heute gibt es keine Matz-Ab-Live-Sendung.

17.16 Uhr

Es weihnachtet noch immer sehr

26. Dezember 2013

Es passt nicht ganz zum festlichen Anlass, denn es weihnachtet ja noch immer sehr – aber was Wahrheit ist, das soll auch Wahrheit bleiben.

„Das tut mir leid, die Fans zahlen für eine solche Scheiße auch noch Geld.“

Mit diesem Spruch hat es Rene Adler in die ZDF-Sprüche-Sammlung der Hinrunde geschafft. Der Nationalkeeper, der diesen Satz nach dem 1:5-Debakel gegen Hoffenheim gesagt hatte, ist damit der einzige Hamburger, der in diesem „erlauchten“ Kreis aufgenommen worden ist – auch eine Ehre. Anderweitig sind HSV-Profis oder die „Rothosen“ allgemein ja kaum einmal ganz vorne zu finden. Mal abgesehen davon, dass der HSV in der Statistik „Rückpässe“ bereits nach nur 17 Spielen die Deutsche Meisterschaft errungen hat – keine andere Mannschaft kann in diesem Punkt den Hamburgern das Wasser reichen. Oder den Titel abspenstig machen. Ja, von dieser Hinrunde bleiben einmal mehr viele, viele „großartige“ Eindrücke.

Kurz vor dem Heiligabend hatten wir, die Hamburger Medien-Vertreter, ja noch die Weihnachtsfeier mit dem HSV. Vorstand, Trainer-Team und die Presse-Abteilung waren anwesend, und was mir jetzt gerade einfällt, was ich an dieser Stelle eigentlich gar nicht schreiben wollte, was aber nun doch raus muss: Ich habe bei meiner Rede, die ich als Dienstältester halten durfte (oder musste), ganz vergessen, mich im Namen der Kollegen bei der Presse-Abteilung um Medien-Direktor Jörn Wolf herum für die Zusammenarbeit in diesem Jahr zu bedanken. Das hole ich hiermit nach. In der Hoffnung, dass mir ein solcher Fauxpas im nächsten Jahr, so ich dann noch immer Dienstältester sein sollte, nicht wieder passiert.

Was ich aber hauptsächlich von der Weihnachtsfeier schreiben wollte war dies: Irgendwann zu vorgerückter Stunde kamen wir auf Trainer zu sprechen. Trainer, die sich in Hamburg versucht haben. Davon gibt es ja enorm viele. Dass wir uns über diese Fußballlehrer unterhielten, lag vielleicht auch daran, dass Bert van Marwijk, der im Gegensatz zu seinem Kollegen und Landsmann Louis van Gaal kein „Feier-Biest“ sein soll, immer noch „da war“ – womit wir (fast) alle gar nicht gerechnet hatten. Der Niederländer hörte allerdings nicht zu, als wir an unserem Tisch (und auch am Nebentisch) über eine besondere Spezies von Menschen sprachen und diskutierten: „Wer war eigentlich der schlechteste HSV-Trainer in der Bundesliga-Geschichte?“

Nach einigen Minuten hatten wir „ihn“. Und es herrschte Einigkeit. Nachdem zuvor einige Namen „gehandelt“ wurden: Michael Oenning (3/11 – 9/11), Bruno Labbadia (7/09 – 4/10), Klaus Toppmöller (10/03 – 10/04), Kurt Jara (10/01 – 10/03), Egon Coordes (3/92 – 9/92) und Josip Skoblar (7/87 – 11/87), das waren die Kandidaten, aber „gekrönt“ wurde dann doch ein anderer: Rudi Gutendorf, vom 1. Juli 1977 bis 27. Oktober 1977 HSV-Trainer, weil Dr. Peter Krohn es so wollte. Nur einer von vielen, vielen Irrtümern. Mein persönlicher Tipp aber wäre Labbadia gewesen, das gebe ich zu. Jörn Wolf, den ich hiermit schon das zweite Mal erwähne (und er will es überhaupt nicht!), behauptet ja bis heute und bis übermorgen, dass ich deswegen auf Labbadia so schlecht zu sprechen bin, weil er mir seine Telefonnummer nicht gegeben hat – aber das ist Blödsinn. Labbadia war zwar der erste HSV-Coach seit Ernst Happel (von dem ich die Festnetz-Nummer aus seiner Wohnung im Lütjenmoor in Norderstedt hatte – er hatte sie mir gegeben), der mir die Handy-Nummer nicht gegeben hatte, aber das war mir wurscht, weil eine solche Aktion ganz einfach zu ihm passte.

Ich kam aus einem anderen, nein, zwei anderen Gründen nicht mit ihm klar. Erstens redete, redete, redete und redete er beim Training so viel, dass es denen drinnen und den draußen auf den Geist ging. Selbst bei minus sechs, sieben oder mehr Grad, es wurde geredet. Weil Labbadia alles ganz genau wusste – obwohl er Nationalspieler trainierte (Ze Roberto, Mladen Petric zum Beispiel), die wesentlich mehr erlebt hatten, als ihr Trainer. Es gab Spieler, die die Augen verdrehten – ob der Reden. Und die hinterher mit uns darüber sprachen (hinter der vorgehaltenen Hand), dass wir ja selbst sehen würden, was da läuft, was da nicht läuft, wie es eigentlich laufen müsste. Nein, die großen Reden des Bruno L. trieben mich an den Rand des Wahnsinns.

Und dann gab es da eine Geschichte, über die ich bisher geschwiegen habe – eine Art Nähkästchen. Viele von Euch werden sich an einen der wenigen großen Tage erinnern, die der HSV in den vergangenen Jahren doch hatte – tatsächlich. Das war am 23. August 2009, das Auswärtsspiel in Wolfsburg. Es war der vierte Spieltag der Saison, der HSV war immer noch ungeschlagen – und führte in Wolfsburg nach sieben Minuten durch Tore von Paolo Guerrero und Eljero Elia 2:0. Als es in Halbzeit zwei plötzlich 2:2 hieß, legte der HSV wieder zu und gewann nach Treffern von Mladen Petric und Romeo Castelen 4:2. Ganz Hamburg lag sich in den Armen. Das war Fußball! Das war endlich einmal wieder ein Spiel, in dem Super-Fußball geboten worden ist, und zwar vom HSV. Das war ein Wahnsinns-Spiel, das war Spitzenklasse.

Wir warteten danach in Ruhe und Freude im Presseraum des VfL auf die Pressekonferenz. Wow, dieses Spiel – traumhaft! Plötzlich stand – oh, schon wieder – dann Jörn Wolf neben mir und sagte: „Kommst du mal bitte mit, Bruno möchte dich sprechen.“ Oha, das musste ja ganz etwas Besonderes gewesen sein, wenn mich der HSV-Trainer nach einem solchen Titan-Spiel sprechen will. Vorbei an allen Ordnern (an denen ich sonst natürlich nie vorbeigekommen wäre) nahm mich der HSV-Mediendirektor mit bis vor die HSV-Kabine: „Warte kurz hier.“ Natürlich. Drinnen hörte ich fröhliche und laute Stimmen, die Freude über den Sieg und dieses tolle Spiel war bis draußen zu vernehmen – und zu spüren. Und dann kam er, Bruno Labbadia.

Und es haute mich um, was er von mir wollte: „Dieter, du hast heute einen Artikel über mich im Abendblatt gehabt, in dem du mich mit Felix Magath vergleichst. Schreibe so etwas nie wieder. Weil das Mist ist. Ich möchte nie mit Felix Magath verglichen werden, weil ich ein ganz anderer Typ bin. Also, klar? Nie wieder mit Felix Magath vergleichen.“

Wie bitte?

Aber klar, natürlich klar.

Ich war fassungslos. Das blieb so auf der Rückfahrt, das blieb so in den nächsten Tagen – im Prinzip hält das bis heute an. Da hat ein Trainer ein solches Erfolgserlebnis, da spielt die Mannschaft eines Mannes so guten Fußball, wie man ihn lange nicht mehr gesehen hatte – und dann hat dieser Trainer nur Minuten nach einem solchen Triumph nichts anderes zu tun, als zu sagen, dass er nie wieder mit Felix Magath verglichen werden wolle. Oha. Dieser Stachel muss wohl tief gesessen haben. Aber egal, ich kann so etwas bis heute nicht verstehen. Wenn Labbadia es mir in den folgenden Tagen gesagt hätte – alles okay, aber nur Minuten nach einem solchen Super-Auftritt, und selbst dann, wenn er nur jubelnde Spieler um sich herum hat . . . Mir fehlen die Worte. Immer noch. Aber so ist er.
Obwohl ich das Ganze nun auch nicht wieder so hochsterilisieren möchte . . .

Ganz anderes Thema. Lars hat ja schon aus der neuesten „supporter news“ zitiert, Ausgabe Dezember. Da geht es, wie zuletzt überwiegend, um die Strukturen des HSV. Diesen Pass möchte ich jetzt aber nicht aufnehmen, ich glaube ohnehin, dass wer jetzt nicht weiß, wie er sich am 19. Januar entscheiden muss, der wird es dann auch nicht wissen. Das wäre dann die Sache mit Hopfen und Malz . . . Nein, ich möchte mich mit zwei Artikeln von Ulie Liebnau auseinandersetzen. Beziehungsweise, ich möchte sie loben. Als ich das gelesen habe, dachte ich auf Anhieb: „Aber hallo, so etwas hast du ja in diesem Blatt noch nie gelesen.“ Das nie mag nicht stimmen, aber es kam auf jeden Fall sehr überraschend für mich. Und nochmals: Kompliment.

Auf Seite 51 geht es unter der Überschrift „Zurechtgerückt“ und „Scheinheilig. Die Dritte“ auch um die Strukturen, über die Ulie Liebnau in der sn-Ausgabe 74 geschrieben hatte: „Wir brauchen keine Strukturveränderungen und auch keine scheinheiligen, eitlen Selbstdarsteller!“ Das brachte, neben anderen, auch Jürgen Hunke auf den Plan, der darauf antwortete: „Wer mich richtig kennenlernt weiß, dass ich alles zum Wohle des Vereins mache.“

Daraufhin trafen sich Ulie Liebnau und Jürgen Hunke – und das Fazit nach diesem Treffen lautete (U. L.): „Ich habe Jürgen Hunke als Menschen kennengelernt, der sich in der Vergangenheit erfolgreich für den HSV eingesetzt hat und der sich auch heute noch hoch motiviert für das Wohl des Vereins engagiert. Dass seine dynamischen, wortreichen und immer auf Überzeugung ausgerichteten Auftritte auch Verwunderung, Widerstand und vielleicht auch Neid, erzeugen können, ist nachvollziehbar, ihn aber in die Gruppe der „scheinheiligen, eitlen Selbstdarsteller“ zu stecken, wird ihm nicht gerecht. Auf mich wirkte Jürgen Hunke authentisch.“

Das, lieber Ulie Liebnau, zeugt von menschlicher Klasse, das ist einfach nur gut. Trotz allem möchte ich mich noch einmal überrascht äußern, so etwas hätte ich in den „sn“ nicht erwartet. Ulie Liebnau schreibt dann noch weiter: (Nachtrag in Klammern: Mein Urteil über Jürgen Hunke habe ich revidiert. Offen bleibt für mich die Beurteilung derer, die sich zur Zeit um den HSV Sorgen machen und mit großem Einsatz öffentlich für eine radikale Struktur-Änderung einsetzen. Aber das ist ein anderes Thema.)

In der Tat.

Der Sinneswandel in Sachen Jürgen Hunke aber ist immer noch großartig. Hier wurde erst etwas in den Raum gestellt (vielleicht auch auf Jürgen Hunke bezogen, vielleicht), dann zog sich ein Mann (Jürgen Hunke) den Schuh an – und es wurde miteinander gesprochen. Ich wette, dass es den meisten Leuten, die teilweise so blindwütig auf Jürgen Hunke eindreschen und ihn ins Abseits stellen (teilweise sogar vernichten), nach einem persönlichen Gespräch (mit J. H.) ganz anders denken würden. So wie Ulie Liebnau jetzt. Dass Ulie Liebnau das so offen zugibt – hervorragend. Ganz, ganz stark. Ich jedenfalls, da bin ich auf der Linie von Liebnau, habe Jürgen Hunke schon vor Jahrzehnten so kennengelernt. Der Mann geht seinen Weg, der kennt mitunter auch nicht links und rechts – aber der HSV steht in seinem Fokus. Jürgen Hunke ist gewiss nicht einfach, aber er selbst hat es sich auch nie einfach gemacht. Er ging auch dann seinen Weg, wenn er genau wusste, dass es höchst unangenehm für ihn werden könnte. Das habe ich stets an ihm geschätzt – und werde es auch immer schätzen. Unabhängig einmal davon, ob er mit seinem Struktur-Veränderungs-Modell nun richtig liegt – oder nicht. Mir wäre in diesem Fall wohler, und mehr sage ich zu dieser Struktur-Vielfalt auch nicht, wenn sich HSVPlus und Hunke am Ende einigen und dann auch vereinigen könnten. Damit es nicht noch eine weitere Spaltung in und zu diesem Thema gibt, dann die könnte letztlich alles zunichte machen.

Und noch einmal Ulie Liebnau. Und auch dafür ein dickes Kompliment. Auf Seite 66 der „sn“-Dezember-Ausgabe schreibt er unter der Überschrift: „Scheiß Sankt Pauli?“, dass beim gemeinsamen Feiern mit der Mannschaft und den Fans der Nordtribüne (nach dem 3:1-Sieg über Hannover 96) auch jemand etwas nicht so sehr Freundliches gerufen hätte. Nämlich „Scheiß Sankt Pauli!“ Und dass die Nordtribüne zurückgebrüllt hätte: „Scheiß Sankt Pauli!“

Liebnau schließt seinen Kommentar wie folgt ab: „Nun gut, ich bin schon etwas älter als der Durchschnitt der Brüller und hab’ mal gelernt, dass bei Hunden der Kleinere den Großen ankläfft, nicht umgekehrt. Und darum frag ich euch HSV-Begeisterte: Habt ihr das nötig, den kleineren Hamburger Verein zu beleidigen?“

Wenn das keine Realsatire ist, und davon gehe ich in diesem Moment einmal aus, dann ist auch das klasse. Weil ein solcher (kleiner) Beitrag auch zum Nachdenken anregt. Was hat, das habe ich mich schon immer gefragt, Sankt Pauli bei einem HSV-Spiel zu suchen, wenn Sankt Pauli gar nicht beteiligt ist?

Dass Ulie Liebnau dazu anregt, sich einmal zu hinterfragen, passt bestens in diese Tage – vor dem 19. Januar. Wir alle sollten uns einmal hinterfragen, ob dieses oder jenes (im Streit der Strukturen) nötig ist, nötig wird? Letztlich muss der Verein, unser HSV, eine demokratische Wahl (und nicht nur die eine, hoffentlich) überstehen, ohne Schaden zu nehmen, ohne auseinander zu brechen. Darüber sollten sich spätestens jetzt einmal alle Gedanken machen, die bislang ganz scharfe Geschütze aufgefahren haben.

Ich frage jeden, der in diese Richtung tendiert:

Habt Ihr das nötig?

So, nun werde ich mir in Ruhe den englischen Fußball ansehen, West Ham United (ohne Guy Demel) gegen Arsenal (mit Mertesacker und Özil) – ganz ohne Fußball geht es ja nicht . . .
Lasst das Weihnachtsfest schön, ruhig und stressfrei ausklingen, dann haben diese Tage ihren Sinn erfüllt.

16.15 Uhr

Tolgay Arslan macht es Spaß, “da vorne ein bisschen rumzudödeln!”

1. Dezember 2013

Das eine Abend-Spiel ist mit zumindest überwiegend positiven Eindrücken verarbeitet – da steht das nächste schon an für die Jungs vom HSV. Trainer Bert van Marwijk hat mit den Spielern am 1. Advent die Bundesliga-Partie in der Volkswagen Arena (1:1) besprochen und analysiert. Jetzt geht der Blick nach vorn, und das lohnt sich allemal.

Ich freue mich richtig auf diesen Pokalabend am Dienstag ab 19 Uhr. Das Stadion ist fast ausverkauft. Es kommt ein anderer Traditionsverein in den Volkspark, der 1. FC Köln. Und ich glaube, dass dieser Gegner dem HSV gerade gelegen kommt, um in die Runde der letzten acht einzuziehen. Es ist eigentlich mal wieder Zeit für ein richtiges Fußballfest.


Beim Training heute Vormittag war außerhalb nicht viel los. Ein paar Fans waren nur da – und immerhin bekamen sie Rafael van der Vaart wieder auf dem Trainingsplatz zu sehen. Beim Übungsspiel zehn gegen zehn mischte er munter mit – allerdings als neutrale Figur auf dem Rasen. Er war immer bei der Mannschaft, die gerade den Ball hatte. Freier Mann sozusagen. Probleme mit seinem lädierten rechten Fuß waren nicht zu erkennen.

Trotzdem sagte van der Vaart hinterher, dass es nicht für einen Einsatz gegen Köln reichen würde. „Mir geht es sehr gut“, so der Niederländer, „aber Köln kommt zu früh“. Das würde bedeuten, dass Rafael van der Vaart dann am Sonnabend in der Bundesliga gegen den FC Augsburg zurückkehren wird. Jedenfalls bewahrheitet sich, was Trainer und Sportchef schon unmittelbar nach der Verletzung gesagt hatten. Vier Wochen werde der Ausfall des „kleinen Engels“ nicht dauern.

Und es bewahrheitet sich auch, was wir schon über seine Verletzung im Allgemeinen berichtet haben. Der kolportierte Bänderanriss innen und außen kann es unmöglich gewesen sein – da haben sich in der Diagnose Altschäden und akute Symptome unübersichtlich vermischt.

Gegen den VfL Wolfsburg hat Tolgay Arslan die van-der-Vaart-Rolle meistens eingenommen. Im Scherz darauf angesprochen, dass sich van der Vaart nach Arslans starker zweiter Hälfte bei den Wölfen ja erst wieder ins Team spielen müsse, lachte der Deutsch-Türke: „Nein, nein. Der Rafa ist eine feste Größe. Den brauchen wir dringend. Wir freuen uns alle, dass er schneller zurückkommt, als fast alle vermutet haben.“

Seine neue offensive Rolle, die ja eigentlich eine ganz alte ist, weil Tolgay Arslan sie vor Jahren noch gespielt hat, gefällt ihm. „Das hat Spaß gemacht in Wolfsburg, da vorn ein bisschen rumzudödeln. Der Trainer gibt mir auch das Vertrauen, das ist ganz wichtig für mich. Es gibt keinen Anschiss, wenn mal etwas schief geht. Er gibt uns mit, dass wir uns in der Offensive austoben können – auch mal mit einem Dribbling.“

Was die Analyse des Wolfsburgs-Spiels angeht, bringt es Arslan auf den Punkt. „Zwei Punkte haben wir verschenkt, aber denen wollen wir jetzt nicht mehr hinterher trauern. Ein paar Sachen müssen wir taktisch verbessern, Konzentration und Einstellung von der ersten Minute an bringen, und zwar zu 100 Prozent, und dann gewinnen wir auch die nächsten Spiele.“

Wobei der nächste Gegner, der 1. FC Köln, auf keinen Fall unterschätzt werden dürfe. „Die spielen nächstes Jahr eine Liga höher, da gehören sie auch hin“, so Arslan über den Tabellenführer der Zweiten Liga. Die haben ein paar richtig gute Kicker.“ Was, so Arslan, aber nichts daran ändere, dass sein HSV Favorit ist und diese Rolle auch durchdrücken muss.

Überhaupt, der Pokal. „Das ist ein geiler Wettbewerb. Ich habe es schon erlebt damals in Aachen, als wir erst im Viertelfinale gegen die Bayern ausgeschieden sind. Aber im Pokal passieren auch außergewöhnliche Dinge – das müssen wir Dienstag verhindern.“

Was die Aufstellung angeht, deutet sich keine Veränderung an. Im Training blieb von Formation und System alles wie in Wolfsburg. Allein Heiko Westermann musste beim Training passen und brauste nach der Behandlung seines immer noch schmerzenden rechten Knies schnell davon, während die anderen noch auf dem Trainingsrasen standen.

Eine echte Alternative für Westermann gibt es ja auch nicht, selbst wenn ihn Michael Mancienne dort im Training vertrat. Aber wie Westermann ist Mancienne gelernter Innenverteidiger und hat dort seine Stärken. Es wäre gut, würde Westermann gegen Köln Unterstützung bekommen und das sogenannte „Doppeln“ häufiger praktiziert werden. Allein gegen einen dribbelstarken Außenstürmer, wie in Wolfsburg Daniel Caligiuri, sah Westermann oft alt aus. Darauf muss die gesamte Mannschaft reagieren.

Was den DFB-Pokal angeht, wird es ja langsam wieder Zeit, dass der HSV auf sich aufmerksam macht. Der letzte Pokalsieg aus dem Jahr 1987 ist mehr als ein Vierteljahrhundert her. In diesem Jahrtausend hat der HSV bei 13 Versuchen lediglich einmal das Halbfinale erreicht. Das endete dann auch noch sportlich-tragisch mit der 2:4-Niederlage nach Elfmeterschießen gegen Werder Bremen.

Maximilian Beister, damals Zuschauer, kann sich noch gut an diese Partie im Frühjahr 2009 erinnern. „Die Stimmung damals im Stadion wird niemand vergessen, der dabei gewesen ist. Ich auch nicht. Es gibt solche Pokalspiele, die können in die Geschichte eingehen. Hoffentlich schaffen wir das auch bald.“

Zurück zur Pokal-Historie. Abgesehen von 2009 hat der HSV zuletzt auch nur ein weiteres Mal das Viertelfinale erreicht. 2008 war der VfL Wolfsburg Endstation (1:2 nach Verlängerung). Weitere vier Male in diesem Jahrtausend hat der HSV überhaupt das Achtelfinale geschafft. Ansonsten war immer vorher Schluss. Und damit es sich auch gelohnt hat, dass ich mir die Statistik der vergangenen Jahre angeguckt habe, hier noch ein paar Zahlen aus den DFB-Pokalspielen des HSV seit 2000:

Es gab in diesem Zeitraum 21 Siege und 13 Niederlagen (darunter allerdings auch das verschobene Hoyzer-Spiel 2004 beim SC Paderborn). Drei Mal stand der HSV in einem Elfmeterschießen, gewann nur 2009 gegen Fortuna Düsseldorf und verlor im selben Jahr gegen den VfL Osnabrück (dazu das angesprochene Werder-Drama). Sieben Mal ging es für die Hamburger in die Verlängerung, nur zwei Mal ging der HSV anschließend als Sieger vom Platz. Erfolgreichste HSV-Pokal-Torjäger waren Mladen Petric und Ivica Olic (je 8 Tore), Rafael van der Vaart und Piotr Trochowski (je 5) sowie Ruud van Nistelrooy, Sergej Barbarez, Raphael Wicky, Mehdi Mahdavikia und Bernardo Romeo (je 3). Mangels großer Erfolge fallen in diese Zeit einige legendäre Niederlagen. Wie angesprochen Werder Bremen 2009, Paderborn einige Jahre zuvor. Dazu 2006 ein 3:4 nach Verlängerung bei den Stuttgarter Kickers, als die Mannschaft vom damaligen Trainer Thomas Doll die Partie schon im Sack hatte.

Alles in allem ist die jüngere Pokal-Geschichte wirklich keine Hamburger Erfolgsgeschichte. Vielleicht zahlt es sich eines Tages aus, dass Maximilian Beister als Jugendlicher einige Male beim DFB-Pokalfinale in Berlin als Zuschauer war. „Ehe ich als 14-Jähriger zum HSV gewechselt bin, war ich eigentlich regelmäßig zum Endspiel in Berlin“, erzählte Beister heute. „Sechs oder sieben Mal war ich da. Ich kenne die Stimmung, sie ist einfach sehr schön“, so Beister mit einem Glänzen in den Augen. Zur Partie am Dienstag gegen den 1. FC Köln sagt Beister: „Auch dieses Spiel ist so etwas wie ein Finale. Man hat an diesem Abend nur diese eine Chance. Das Stadion wird brennen, es ist fast ausverkauft, und die Leute werden bestimmt sehr euphorisch sein. Und ich hoffe, dass uns diese Stimmung auch beflügeln wird.“

Beister ist ein richtiger Pokalfan. „Wir müssen die Chance, die wir haben, nutzen. Man braucht etwas Losglück, dann kann man viel erreichen in diesem Wettbewerb. Das sollten wir beherzigen gegen den 1. FC Köln.“ Ähnlich wie Tolgay Arslan beschwört Beister die nötige hohe Konzentration. „Von der ersten Minute an müssen wir wach sein. Wir dürfen kein bisschen nachlassen, kein Prozent runtergehen. Köln ist nicht zu unterschätzen, sie sind eigentlich kein Zweitligist. Das 3:0 bei St. Pauli hat gezeigt, dass sie Qualität haben.“

Wach sein, aufmerksam sein, von Beginn an ernsthaft zur Sache gehen – diese Dinge hat Bert van Marwijk den Spielern also in der Besprechung heute Vormittag eingeimpft. Am Dienstag um 19 Uhr ist Anpfiff, und dann werden wir erleben, wie das Team diese Vorgabe umsetzen kann. Möglich sollte es doch zumindest sein.

Geht es nach Hakan Calhanoglus Selbstverständnis, dann wird es klappen. Er wurde zu Köln gefragt und seiner Einschätzung von deren Zweitliga-Sieg am Millerntor: „Wir sind nicht St. Pauli. Wir sind der HSV.“

Ein schönes Schlusswort. Bis morgen, Training dann um 15.30 Uhr.
Lars

Oliver Kreuzer: “Wir reden nichts schön . . .”

26. August 2013

Beim HSV wird jetzt schon eine 0:1-Niederlage wie ein Sieg gefeiert, nur deshalb, weil es nur ein 0:1 und kein 1:5 war. Das sagen Spötter – und zwar landauf, landein. „Falsch“, sagt HSV-Sportchef Oliver Kreuzer, „wir feiern keine Niederlage, und wir reden auch nichts schön. Ich bleibe dabei, wir reden nichts schön. Aber es ist doch normal: Wenn man 1:5 verliert, und dann hat man in der folgenden Woche solche Probleme – das geht doch an keiner Mannschaft spurlos vorüber. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass wir in Berlin nach anfänglichen Schwierigkeiten besser ins Spiel gekommen sind. Eigentlich hätten wir da einen Punkt verdient gehabt. Und mit etwas mehr Abschlussglück und mit etwas mehr Zielstrebigkeit holen wir auch einen Punkt dort.“ Kreuzer weiter: „Dann haben wir zwar immer noch keinen Sieg, aber nach Hoffenheim musst du doch auch die kleinen Dinge aufgreifen, um voran zu kommen. So wissen wir natürlich selbst: Drei Spiele, ein Punkt – große Kacke. Ja, das wissen wir selbst. Aber wir feiern jetzt keine Niederlage, feiern auch keine Wiederauferstehung. Nein, es war ein Trend zu sehen, und diesen Trend müssen wir gegen Braunschweig intensivieren.“

Kreuzer ging auch kurz noch einmal auf die vergangene Woche ein, als der HSV Gesprächsthema Nummer eins in Fußball-Deutschland war: „Was da passiert ist, ist eigentlich nicht förderlich für einen Fußball-Verein, auch nicht für eine Fußball-Mannschaft. Das waren Dinge, die nichts mit dem Fußball zu tun hatten, aber es waren Dinge, die uns und die Mannschaft natürlich begleitet haben. Das soll aber keine Entschuldigung sein für die Niederlage in Berlin.“ Und, um gleich in die Zukunft zu blicken: „Wir wollen am Sonnabend gegen Braunschweig gewinnen, ganz klar, deswegen hoffen wir auch auf Ruhe in dieser Woche, damit wir uns ruhig und konzentriert auf dieses Spiel vorbereiten können.“

Speziell zu Kühne sagte Kreuzer: „Ich hatte vor drei Wochen ein sehr angenehmes Gespräch mit dem Herrn Kühne, deswegen hat mich diese Pauschal-Kritik an alle Leute im Verein geärgert. Man kann immer diskutieren über Struktur-Änderungen, das ist in Ordnung, aber ob man das in dieser Form machen muss, darüber kann man auch diskutieren, doch ich fand es komplett unangebracht, dass er auf einzelne Personen losgeht, die er gar nicht kennt, deren Arbeit er aus der Distanz gar nicht beurteilen kann.“

Drei Spiele, ein Pünktchen – träumt der HSV immer noch international? Oder werden die Ansprüche nun doch schon zurückgeschraubt? Kreuzer: „Das wollen wir noch nicht, ich glaube, die Mannschaft hat diese Qualität. Wenn wir nach dem 3:3 gegen Schalke gegen Hoffenheim gewonnen hätten, dann hätte das alles eine gewisse Eigendynamik abgenommen – leider lief es nicht so, leider sind wir gegen Hoffenheim untergegangen. Und dann hatten wir diese schwere Woche, dann das Spiel in Berlin, in dem die Mannschaft zunächst noch unter dem Einfluss des 1:5 stand. Trotz allem bin ich der Meinung, dass wir in Berlin eine Leistungssteigerung in allen Bereichen haben erkennen lassen.“

Ich bleibe dabei: Wenn der gute „Rudi“ Artjoms Rudnevs eine oder zwei von seinen drei Groß-Chancen genutzt hätte, dann hätte der HSV nie verloren. Vielleicht auch deshalb will der HSV die Suche nach einem neuen Angreifer noch einmal verstärken. Plötzlich und unerwartet hatte ja Club-Chef Carl-Edgar Jarchow am Sonntag beim NDR-Sportclub live zu diesem Thema gesagt:

„Wir würden sicherlich gerne noch einen weiteren offensiven Spieler verpflichten. Wir wären sicherlich dazu in der Lage, aber wir haben uns gewisse Budgetziele gesetzt . . .“

Was Jarchow sonst noch gesagt hat, könnt Ihr im weiteren Verlauf dieses Berichtes lesen.

Interessant aber war, dass der HSV „dazu in der Lage wäre“. Das hieß doch in den letzten Wochen ganz anders: Erst verkaufen, um Geld zu haben für einen neuen Stürmer. Und noch immer sind Robert Tesche, Gojko Kacar, Michael Mancienne und Slobodan Rajkovic nicht verkauft beziehungsweise nicht verschenkt worden – und trotz allem „in der Lage“? Was ist über Nacht passiert? Ein Lottogewinn? Oder hat Klaus-Michael Kühne doch noch ein Einsehen gehabt? Ich bin gespannt, wie sich diese Suche und das Bezahlen eines neuen Stürmers noch entwickelt. Eren Derdiyok (Hoffenheim) könnte der „Neue“ sein, Julian Schieber (BVB) oder auch Patrick Helmes (Wolfsburg II), vielleicht auch Ciprian Marica (zuletzt Schalke 04). Mladen Petric ist es nicht, das steht fest. So gut wie, denke ich mal, man soll im Fußball ja nie nie sagen.

Oliver Kreuzer zur Stürmer-Suche: „Wir werden heute im Verein beraten, was machbar ist. Wir brauchen in der Offensive noch einen guten Mann, nicht allein deswegen, um dem Rudi Druck zu machen, sondern auch deshalb, um dem Trainer eine Alternative anzubieten. In Berlin saß kein Stürmer mehr auf der Ersatzbank, und da ist es für einen Trainer schon wichtig, wenn man gegen Ende des Spiels noch einmal Druck machen will, dass man dann noch eine Alternative hat.“ Kreuzer sagt dann noch zwei wichtige Dinge: „Die Zeit drängt. Und ein neuer Stürmer würde absolut Sinn machen. Absolut Sinn machen, keine Frage. Denn wenn man keinen Stürmer mehr holen würde, begibst du dich natürlich in gefährliche Situationen. Es kann doch mal sein, dass sich der Rudi für acht Wochen verletzt, oder er kassiert eine dumme Karte. Und dann hätte man keine Alternative, und das halte ich für gefährlich. Man würde den Erfolg gefährden, denn um Spiele zu gewinnen, braucht man Tore . . .“

Auch auf der Abgabenseite will der HSV in dieser Woche – natürlich – noch etwas tun. Gut sieht es – so der Sportchef – bei Robert Tesche aus, dem ein Angebot aus Deutschland vorliegen soll, und gut sieht es auch bei Gojko Kacar aus, der beim russischen Tabellenletzten Tom Tomsk im Gespräch sein soll. Michael Mancienne möchte gerne gehen, Slobodan Rajkovic möchte gar nicht so gerne gehen – offenbar ist der HSV-Vertrag doch zu gut.

Dass diese „aussortierten“ Spieler eventuell doch noch einmal eine Rolle beim und für den HSV spielen könnten, verneint Oliver Kreuzer strikt: „Das wäre grundverkehrt, da macht man sich als Verein auch lächerlich. Man muss jetzt dazu stehen, denn wir haben beschlossen, dass wir unseren Weg ohne diese Spieler gehen – da gibt es auch kein Zurück mehr.“ Das wäre also endgültig geklärt.

So, dann noch einmal zurück zum vergangenen Sonntag. Da war der HSV-Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow zu Gast im NDR Sportclub live und gab ein ausführliches Interview zur Lage des HSV. Er sagte dabei über . . .

. . . Trainer Thorsten Fink:
Er hat noch Kredit, keine Frage.

… zu möglichen Verpflichtungen:
Wir würden sicherlich gerne noch einen weiteren offensiven Spieler verpflichten. Wir wären sicherlich dazu in der Lage, aber wir haben uns gewisse Budgetziele gesetzt, wir wollen keinen Verlust machen, insofern werden wir versuchen, unseren Kader in den nächsten Tagen noch zu verkleinern. Auf alles andere sind wir vorbereitet.

… zum Kühne-Interview im Hamburger Abendblatt:
Seine Vorschläge, das ist seine private Meinung, die kann er gerne äußern. Ich werde das nicht befeuern, indem ich dazu Stellung nehme. Man sollte ganz deutlich sagen, der HSV ist kein Verein, der sich von außen hineinregieren lässt, sondern der Vorstand ist für den Trainer zuständig und der von den Mitgliedern gewählte Aufsichtsrat für den Vorstand und so wird es auch bleiben. Die Frage einer veränderten Struktur werden wir intern besprechen und als Vorstand auch begleiten.
Der HSV wäre schlecht beraten, wenn er sich von außen unter Druck setzen ließe von einer einzelnen Person, die sagt, wenn ihr das und das macht, dann kriegt ihr mein Geld. Wenn wir uns in diese Abhängigkeit begeben, wären wir schlecht beraten.

Zu Wort kam in der Sendung auch der ehemalige HSV-Präsident Dr. Wolfgang Klein. Er sagte im NDR Sportclub-Interview …

… zur Reaktion von HSV-Sportdirektor Kreuzer auf die Kühne-Kritik:
Ich finde es schlicht und ergreifend dumm. Das spricht nicht unbedingt für Herrn Kreuzer. Darüber gibt es ja hoffentlich keine Debatte, dass Herr Kühne für den HSV bisher weit mehr geleistet hat als Herr Kreuzer. Und Herr Kreuzer schneidet sich damit möglicherweise Investitionsmöglichkeiten ab, um die Mannschaft zu verstärken. Ich hoffe, dass das nicht geschieht, aber die Gefahr ist groß. Wenn man so unüberlegt reagiert, dann ist das einfach dumm.

… zur Personalie Carl-Edgar Jarchow:
Er hat seine eigene Position geschwächt, indem er auf die Frage zur Strukturreform sinngemäß gesagt hat: Das ist nicht mein Bier, das ist Sache der Mitglieder. Wenn man das vergleicht mit einem mittelständischen Unternehmen, dann möchte man wissen, was mit dem Geschäftsführer eines solchen Unternehmens wäre, wenn der sich so äußern würde.
Er muss sich hinterfragen, was überhaupt seine Aufgabe ist. Was eigentlich notwendig ist für den HSV. Und wenn er nicht einsieht, dass er sich selbst stark machen muss für die Strukturreform, für die Ausgliederung des Profi-Fußballs, dann hat er auch keine Position mehr nach einer Strukturreform im HSV.

… zum Image des HSV:
Ich kenne keinen in Deutschland, der ein bisschen Ahnung vom Fußball hat, der sagt, der HSV hätte noch bis Ende letzten Jahres ein positives Image gehabt. Ich kenne keinen Spielerberater, der gerne mit dem HSV verhandelt, ich kenne keinen Spieler, der von sich aus gerne zum HSV kommen würde, und ich kenne auch keinen Sportchef und keinen Aufsichtsratskandidaten, der bei dieser Struktur wirklich gern mit dem HSV spricht. Und das sage ich eben. Die notwendige Grundlage für eine verbesserte Situation ist einfach die Strukturreform.“

… zur Strukturreform:
Ich habe die große Hoffnung, dass in der Mitgliederversammlung im Januar bereits sehr ernsthaft nicht nur über die Strukturreform geredet wird, sondern dass wir sogar eine Dreiviertelmehrheit zusammenkriegen. Und das würde die Ausgliederung des Fußballbereichs bedeuten. Ich verwende das Wort Ausgliederung ganz bewusst. Ich weiß, beim HSV soll man nur Strukturreform sagen, aber ich weiß nicht, warum dieses alberne Unterscheiden notwendig sein soll.“

Ja, ich will Euch nicht langweilen, aber ich werde mit Mails und sonstigen Nachrichten-Formen zugeschmissen. Ist ja auch logisch. Ich wurde u. a. gefragt, ob ich meine Telefonnummer nicht preisgeben könne, weil es so einfacher wäre, Probleme zu besprechen. Andere „Matz-abber“, so ist hier zu lesen (stimmt ja!), hätten meine Nummer ja auch. Da bitte ich um Nachsicht, dass ich meine Handy-Nummer nicht öffentlich machen möchte. Diejenigen, die sie haben, die waren wohl einst mal Matz-ab-Gewinner und wurden von mir angerufen, oder sie hatten die Nummer schon früher, bevor ich mit „Matz ab“ losgelegt habe. Wenn ich aber meine Nummer hier nennen würde – ich würde kaum noch zu anderen Arbeiten kommen, ganz sicher. Deswegen bitte ich um Verständnis, dass nicht . . .

Dann bekam ich auch einige Leserbriefe, die so begannen:

Ich bin mal gespannt, ob Sie den Mut finden oder haben, meine Zuschrift zu veröffentlichen . . .

Darauf bin ich nicht so sehr gespannt, denn das ist für mich die denkbar schlechteste Variante, einen Leserbrief zu beginnen. Wenn ein Brief gut ist, wenn dazu auch die Chance besteht, es vom Platz her zu veröffentlichen, dann wird er auch hier gezeigt. So wie die, die nun noch folgen. Wer sich gelangweilt fühlt, sollte nun „abschalten“, aber ich denke, es sind ganz lesenwerte Beiträge aus unserer Mitte. Und noch ein kurzer Hinweis: Ein User schrieb mir, dass Günter Netzer mein Favorit Nummer eins sei. Das stimmt grundsätzlich, denn ich hänge, wo immer Netzer auch etwas sagt, stets an seinen Lippen. Der Mann ist Weltklasse. Aber ich habe niemals behauptet, er sei ein Mann für den HSV, Netzer sei der Mann, der den HSV aus dem Sumpf führen kann. Da muss ein Missverständnis vorliegen, so etwas habe ich nie geschrieben und nie behauptet.

Nun aber der erste Beitrag aus unserer Mitte:

Einen Funken Hoffnung bitte!!!
Sehr geehrter Herr Matz, für uns alle als HSVer sind es wieder mal schwere Tage… und alle sind sicherlich froh um jeden kleinen Hoffnungsschimmer. Daher möchte ich eine Frage an Sie richten. Generell ist es ja mehr als lobenswert, wenn bei unserem Verein auch mal passiert, ohne das dies direkt in den Medien breitgetreten wird. Daher ist es für Sie natürlich auch wohl sehr schwierig meine Frage betreffend eine Antwort zu formulieren, da ja eigentlich im besten Fall alles hinter verschlossenen Türen eingetütet werden soll, bevor es nach außen dringt. Fragen muss ich trotzdem: Sie haben wiederholt angedeutet, dass “etwas Großes” passieren kann/soll/wird… ehemalige HSV-Größen und ein paar Millionen von Herrn Kühne könnten dabei eine Rolle spielen.

Meine Frage: läuft die Planung nach aktueller Kenntnis weiterhin? Und wann ist ENDLICH!!! mit einer entsprechenden Entscheidung zu rechnen? Ich frage mich ernsthaft wie es nur sein kann, dass eine Kapazität des deutschen Fußballs wie Felix Magath mit seiner Geschichte in unserem Verein im AR keine Mehrheit finden kann. Gut, die Probleme sind mir bekannt… aber generell ist es einfach unfassbar. Zwischen den Zeilen ist ja sehr deutlich zu lesen, dass Magath nur zu gerne zur Verfügung stehen würde. Wenn ich zudem lese, dass Horst Hrubesch sagt er würde, unter den richtigen Voraussetzungen, gerne helfen und in der angespannten finanziellen Situation in entsprechender Konstellation auch von Herrn Kühne eine weitere “Schenkung” erfolgen könnte, dann frage ich mich: wann geht da jemand mal richtig in die Offensive, wann passiert da was?

Magath könnte als einer der wenigen für etwas Ruhe in der Presselandschaft UND im Verein sorgen, Hrubesch kennt alle Talente im deutschen Fußball… all das muss man ja keinem erzählen… wie soll und kann das laufen? Verschiedene Personen müssten ja letztlich freiwillig zum Wohle des Vereins zurücktreten, um den Weg frei zu machen. Magath & Co. werden es sicher nicht auf eine “Kampfabstimmung” ankommen lassen, die haben sie nämlich nicht nötig… und sie würden “es” nur machen, wenn eine Ausgliederung erfolgt?! Also müsste der aktuelle Vorstand diese durchbringen. Das Interesse daran erscheint mir von dort jedoch insgesamt sehr vage. Und eine Ausgliederung hätte wohl entweder nur dann, oder zumindest weit größere Chancen, wenn Magath und andere namentlich sich dann auch zur Verfügung stellen würden. Offiziell, nicht so schemenhaft wie bisher. Vielleicht können Sie ja aus ihrer Sicht, ohne vielleicht zu viel zu verraten, zumindest mal skizzieren, wie sich die Angelegenheit darstellen könnte.
Ich bin gespannt…
Danke und Gruß, Sascha

Zur allgemeinen Lage des HSV erhielt ich – schätze ich mal – weit über 100 Mails, und täglich kommen mehr. Hier nur ein Exemplar davon:

Guten Tag.

Seit zwei drei Tagen kämpfe ich mit mir, ob ich mich in dieser Angelegenheit auch zu Wort melden soll. Ich wollte allerdings in keinem Fall einen Matz-ab-Kommentar verfassen, denn in diesem Forum geht es ja hauptsächlich um Rechthaberei – mir allerdings ist das nicht das Wichtigste.

Ich will auch nicht groß meine Meinung zu den vielen aktuellen Affären des HSV darlegen, ich möchte nur einmal darauf hinweisen, wie dies Theater in anderen Gegenden Deutschlands – in meinem Fall in Frankfurt am Main – ankommt. Der HSV und seine Protagonisten verkommen hier zur Lachnummer der Nation. Es wird schon nicht mehr über die HSV-Eklats berichtet, nein, sie werden nur noch glossiert. Speziell in Frankfurt steigt das Ansehen Armin Vehs, der ja von sich aus nicht mehr beim HSV bleiben wollte, bevor er entlassen wurde.

Wenn tatsächlich die zwei freien Tage bereits vorher, vermutlich in allgemeiner Erwartung eines sicheren Sieges, gewährt wurden, dann ist es sicherlich wenig verwerflich, dass diese Tage von zwei wahrscheinlich daran unbeteiligten Ersatzspielern verplant wurden. Der Flug nach Mallorca ist nur knapp eine Stunde länger als der nach München, wo der Trainer die zwei freien Tage bei seiner Familie verbracht habe, hieß es in den hiesigen Zeitungen.
Natürlich tragen auch die Medien in Hamburg dazu bei, und ich frage mich wirklich, warum es notwendig ist, alles, wirklich aber auch alles breitzutreten. Wenn ich beispielsweise an Wochenenden meinem Basketballverein hinterherfahre, obwohl ich auch andere Dinge zu tun hätte, schreibt kein Mensch darüber. Wenn Vertragsverhandlungen unterbrochen werden – ein völlig normaler Vorgang – dann wird drei Tage lang ein Trara gemacht. Warum kann die Presse nicht auch einmal einvernehmlich sagen: „Das ist nun eigentlich Privatsache und keiner Berichterstattung wert?”

Wenn sich also noch mehr Deutsche außerhalb Hamburgs bestens amüsieren sollen, dann sollte sowohl der HSV als auch die Hamburger Presse so weitermachen, auch die Kabarettisten und Satiriker werden sich sicher freuen, während die Fans sich schämen.

Soweit das Stimmungsbild aus Frankfurt, kann gerne auch an die Herren Matz und Scholle weitergegeben werden – was vermutlich aber nicht nötig sein wird, da ich vermute, dass sie bestens informiert sind.

Klaus G.

Dann zu den neuen Strukturen, die kommen müssen und sollten, wenn der HSV weiterhin in der Ersten Liga spielen soll. Es ist nur ein Ausschnitt aus einer längeren Mail:

. . . .Ich finde es aber schade, so hab ich das Gefühl, das du ein wenig in der Neutralität zu diesem Thema abtauchst und deine täglichen Hoffnungsvolle Worte in Bezug auf:
„Da tut sich was und das ist gut so!“ kaum noch wissen lässt. Zumal es gestern in der Bild am Sonntag eine Steilvorlage von Herrn Netzer gab dieses Thema wieder und wieder zu thematisieren!

Oder ist es mittlerweile (kenne ja die Mails, SMS, etc. nicht an dich) zu heikel geworden, dieses täglich in deinem Blog so rüber zu bringen?

Dazu möchte ich sagen, dass ich nicht müde geworden bin, dass ich aber nicht immer mit dem langweilen möchte, was ich bisher schon geschrieben habe. Tatsache ist, dass es hinter den Kulissen reichlich Betrieb gibt, und schon bald wird der eine oder andere HSVer, der daran beteiligt ist, damit an die Öffentlichkeit treten. Das soll, so wie ich weiß, schon in der kommenden Woche der Fall sein – Ihr werdet es dann von allen Seiten erfahren. Nur Geduld. Aber es tut sich etwas. Etwas Gutes, so denke ich. Auch wenn vom Aufsichtsrat ja der eine oder andere schon tatkräftig dagegen arbeitet, aber das ist ja auch alles eine Sache der Einstellung. Punktspiele auf dem Grandplatz an der Gustav-Falke-Straße, oder weiterhin in der Ersten Liga und im Volkspark, das ist hier die Frage.

PS: Morgen (Dienstag) wird im Volkspark um 10 Uhr trainiert. Um 18.30 Uhr spielt dann der HSV in Heide gegen den „kleinen HSV“ aus der Schleswig-Holstein-Liga.

18.06 Uhr

Adler passt, Jansen will – und der HSV muss

2. August 2013

Der Fankatalog ist da. Viele neue Käufer geworben hat der HSV mit seinen letzten Spielen allerdings nicht. Vier Niederlagen und ein Remis aus den letzten fünf Spielen nach dem zweifellos guten Spiel gegen Anderlecht. Tiefpunkt hierbei war sicherlich das 0:4 in Dresden. „Keiner von uns hat mit so einem Tiefpunkt gerechnet“, sagt HSV-Kapitän Rafael van der Vaart. Und das uUnmittelbar vor dem ersten Pflichtspiel am Sonntag in Jena.

Ein denkbar schlechter Zeitpunkt?

Kann sein – muss aber nicht. Immerhin ist es ein massiver Warnschuss. Schlechter wäre es sicherlich, wenn das alles unmittelbar vor dem ersten Spiel auf Schalke pausiert wäre. „Ist es aber nicht“, sagt Rafael van der Vaart, der sich gestern selbst noch sehr deutlich über die Art und Weise des Spiels beschwert hatte. Man sei einfach scheiße, so die Aussage, die dazu führte, dass wir vom Mod-Team über eine Sperrung seiner Aussagen im hiesigen Blog nachgedacht haben.

Entschlossen haben wir uns letztlich aber dafür, dass wir ihm noch eine Chance geben. Ebenso wie seinen Kollegen, mit denen der HSV-Kapitän am Sonntag in Jena die erste Runde im DFB meistern will. Und wird, wenn es nach ihm geht. „Natürlich fahren wir als haushoher Favorit dahin, müssen das Spiel gewinnen. Aber wir dürfen nicht denken, dass wir dort im Vorbeigehen fünf sechs Tore schießen und locker gewinnen. Das wird – gerade bei den Temperaturen – ein heißer Kampf, den wir nicht verlieren dürfen.“ Stimmt. Ansonsten wäre die immer wieder zitierte gute Stimmung innerhalb der Mannschaft das erste Mal stark angeknackst. Oder? „Warum?“, fragt van der Vaart, „wir lassen uns nicht auf das ein, was andere sagen oder schreiben. Wir haben zum Glück keine Punkte verloren – dafür aber ein Stück unserer Ehre. Und die müssen wir zurückgewinnen.“ Als Team, wie van der Vaart hinzufügt. „Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist immer noch gut. Und das ist wichtig. Wir brauchen den Spaß am Fußball. Und den haben wir noch immer.“

Denn, und das ist ebenso eine Floskel wie offenbar van der Vaarts Ansicht, der Pokal ist der kürzeste Weg zum Ziel des HSV. Und das heißt weiterhin Europa League. „Und da wir dieses Jahr schon nicht in der Woche arbeiten müssen – sollten wir zumindest das eine oder andere Pokalspiel spielen. Der Pokal ist immer noch etwas Besonderes – aber das sagen wir auch jedes Jahr.“

Stimmt. Aber vielleicht stimmt es ja mal. Und zumindest bei van der Vaart bin ich optimistisch. Denn der Niederländer hat seinen Karriereabschluss im Blick. „Eine WM in Brasilien ist schon ein Hammer“, sagt van der Vaart, der von Louis van Gaal für das Länderspiel gegen Portugal nominiert wurde. Aber, und das ist das Gute, van der Vaart ist nicht gesetzt im Oranje-Team. „Das ist bei uns keiner“, sagt der Linksfuß, „wir müssen alle kämpfen, um dabei zu sein. Und ich will dabei sein.“ Ergo: Große Auszeiten kann sich van der Vaart in Hamburg diese Saison nicht leisten.

Apropos leisten: 120 Millionen Euro zahlt Real Madrid für Tottenhams Angreifer Gareth Bale. Unfassbare Summe… Vor allem eine, die der HSV in fünf Jahren gerade mal insgesamt investiert hat. In finanziell guten Zeiten. Heute wartet die Mannschaft weiterhin auf einen neuen Angreifer. Und Mladen Petric auf eine Meldung des HSV: „Der Olli K. hat sich noch immer nicht gemeldet, also kann ich nichts tun. Viel Zeit bleibt nicht mehr… Liebe Grüße Mladen“, schreibt der ehemalige Angreifer des HSV via Facebook und bietet sich an. Und wenn ich höre und lese, dass der HSV tatsächlich wieder Eren Derdiyok in Betracht zieht weiß ich ehrlich gesagt nicht, was bitterer wäre. Einer, der sich selbst anbietet oder einer den der HSV schon abgelehnt hat?

Egal wie, es muss noch ein Stürmer her. Denn wenn diese Vorbereitung etwas deutlich gemacht hat, dann, dass sich noch nicht viel verbessert hat. Defensiv ist man nominell unverändert, solange Johan Djourou ausfällt. Im Mittelfeld hat man sich mit Calhanoglu ein riesengroßes Talent dazu geholt – und im Angriff hat man zunächst einmal 12 Tore in Persona Heung Min Son abgegeben, ohne dafür adäquaten Ersatz zu holen. Denn als solchen kann man Jacques Zoua noch nicht bezeichnen. Ich sage „noch nicht“ im Übrigen, weil Trainer Thorsten Fink heute prophezeite: „Es stimmt, Jacques wirkt ein wenig müde, weil er die ersten zehn Trainingstage nicht mitgemacht hat. Aber von ihm können wir noch deutlich mehr erwarten. Da kommt noch was.“ Nur wann ist die Frage.

In Jena aller Voraussicht nach nicht. Weil er müde ist. Anders als Marcell Jansen, der heute das volle Training absolvierte und anschließend Grünes Licht gab: „Ich hatte keinerlei Probleme. Wenn es morgen genauso gut läuft, bin ich dabei.“ Es sei denn, Trainer Fink macht seine Ankündigung vom Dienstag wahr und lässt Jansen nicht spielen. „Wenn er erst am Freitag ins Training einsteigt, reicht das nicht“, hatte Fink gesagt. Heute hörte sich das anders an. Angesprochen auf Jansen sagte er: „Es sieht sehr gut aus bei Marcell. Er scheint keine Probleme zu haben.“ Ob er in Jena dabei ist, sofern am Sonnabend nichts passiert? Fink: „Davon gehe ich aus.“

Nun denn. Nicht dabei sein wird Rene Adler. Der Keeper fühlt sich noch nicht sicher genug. „Er hat mir gesagt, dass er sich noch nicht sicher genug fühlt“, so Fink, der stattdessen Jaroslav Drobny bringen wird. „Ich brauche noch ein paar Einheiten mit der Mannschaft“, sagt Adler, der ansonsten fit wirkt und selbst sagt: „Es klappt alles schon ganz gut. Aber diesmal entscheidet nicht mein Herz sondern mein Kopf. Es ist vernünftiger, wenn ich kein Risiko eingehe.“ Soll heißen, am Dienstag beim Testspiel in Etelsen ist Adler wieder dabei. „Das wäre gut“, so der Nationaltorhüter, „ich brauche noch ein paar Einheiten, bevor es auf Schalke losgeht.“ Dass er da dabei ist, scheint indes klar.

Klar ist auch, dass dieser heutige Tag der heißeste 2. August seit Wetteraufzeichnungen in Hamburg war. Und sollte es am Sonntag in Jena nur annähernd so heiß sein, dürfte es für den HSV in doppelter Hinsicht ein heißer Ritt werden. Denn noch eine Niederlage darf sich der HSV nicht erlauben. Und damit stoße ich keine Trainerdiskussion an, wie es so viele immer sehr schnell machen. Ich schütze Fink auch nicht vor Kritik, sondern weiß, dass Vorbereitungen ganz selten den anschließenden Saisonverlauf vorhersagen. Nein, ich warte den Saisonstart ab, um abschließend beurteilen zu können, ob sich die Mannschaft entwickelt hat. Bislang war davon wenig zu sehen. Aber das kann ja noch kommen. Nein, das muss jetzt kommen. Schon am Sonntag in Jena.

Bis dahin,
Euer Scholle

P.S.: Wer sich noch ein kurzes Video von van der Vaart heute in der Presserunde ansehen will, kann dies auf unserer Facebookseite (www.facebook.com/groups/matzab) machen.

Calhanoglu – leise Tonart, aber große Ziele

15. Juli 2013

Der erste Titel ist eingesackt – und hoffentlich folgt nicht der zweite für den Verein, der am verzweifelsten nach einem neuen Stürmer sucht. Denn das, was ich heute Morgen in der Bild las, hat mich zunächst umgehauen. Plötzlich ist Mladen Petric wieder ein Thema. Und das, obwohl der Kroate längst als ausgeschlossen galt. Einst nach quälend langen Verhandlungen erstens aus aus finanziellen Gründen und zweitens ob des Umbruchs aussortiert, war der Linksfuß zuletzt Bestandteil der internen Diskussionen. Allerdings hatte sich Sportchef Oliver Kreuzer unmittelbar nach seinem Dienstantritt klar gegen eine Rückholaktion des heute 32 Jahre alten Angreifers ausgesprochen. „Mladen ist bei uns sicher kein Thema.“

Und jetzt doch wieder?

Eher nicht. „Wir haben einige Namen auf dem Zettel“, sagt Sportchef Oliver Kreuzer. Und diese Namen würden nicht öffentlich diskutiert. Allerdings habe sich in den letzten Wochen nichts großartig verändert. Weiterhin gilt es, Spieler abzugeben und das Geld für einen Neuen im Angriff zusammenzubekommen. Soll heißen: ein Mladen Petric wird es aller Voraussicht nach nicht werden.

Egal wie, Lasse Sobiech ist es geworden. Er ist neu dabei. Ebenfalls neu ist Johan Djourou – allerdings ist der nicht dabei am Wörthersee. Der Schweizer laboriert an einer Leistenzerrung und reist erst am Dienstag nach.

Ebenso wie Sobiech, der schon beim Nordcup sein Debüt feiern konnte, ist im zweiten Trainingslager auch Hakan Calhanoglu mit dabei. Als Zuschauer. Erst einmal. Eben jener schmächtige Deutsch-Türke, dem ich zutraue und wünsche, die größte Entdeckung der Saison zu werden. Und das nicht nur auf HSV-Ebene. „Ich habe große Ziele“, sagt auch Calhanoglu (gesprochen: Tschallhanoglu) selbst. Der Mittelfeldmann, der auf den ersten Blick so unscheinbar wirkt, hat es faustdick hinter den Ohren. Glaube ich. Nein: Hoffe ich sogar. Denn was zwischendurch durchklang, lässt einen sehr sympathischen und zugleich äußerst selbstbewussten, ehrgeizigen Mittelfeldspieler vermuten.

In Klagenfurt und auch am Wochenende beim Telekom-Turnier in Mönchengladbach wird Calhanoglu seine Fußballkünste ob anhaltender Rückenprobleme noch nicht präsentieren. Obgleich er selbst gern gegen die Bayern am Sonnabend schon das erste Mal im HSV-Trikot gespielt hätte, wie er sagt. Dennoch, nach 38 Saisonspielen und Länderspielen sowie einer U20-WM mit der Türkei braucht der 19-Jährige erst einmal Ruhe. Aktive Erholung ist angesagt. Und das Kennenlernen der Mannschaft. „Ich bin sehr froh, endlich bei der Mannschaft zu sein“, sagt der Hoffnungsträger und Nachfolger Rafael van der Vaarts. Selbigen hatte Calhanoglu beim Nordcup in der Imtech-Arena kennenlernen dürfen. Und war plötzlich wieder wie ein Kind. „Das war schon ein komisches Gefühl, als er auf mich zukam. Bisher kannte ich ihn ja nur aus dem Fernsehen…“

Weiter als bis zu seinem Trainingseinstand mag Calhanoglu noch gar nicht denken. Bis dahin steht Rehatraining auf dem Terminplan. Und ein höchst unangenehmer Termin. „Ich habe alles versucht, nicht singen zu müssen“, sagt Calhanoglu über das mannschaftsinterne Aufnahmeprozedere. Der Ex-Karlsruher hatte sogar angeboten, zu tanzen – abgelehnt. „Ich werde wohl nicht drumherumkommen“, sagt Calhanoglu, der „Sie liegt in meinen Armen“ von Muhabbet singen will. Kenn ich nicht. Ist aber auch gar nicht so wichtig. Wichtiger ist, den Mittelfeldmann so schnell wie möglich sportlich ankommen zu lassen. Noch ist alles größer, neuer, besser. Sagt Calhanoglu. „Es ist einfach alles anders“, so der Deutsch-Türke, der sich noch nicht entschieden hat, ob er für Deutschland oder die Türkei in der A-Nationalelf spielen will. Bislang hat er nur die Einladung der Türken für das Länderspiel im August gegen Usbekistan. „Ich weiß noch nicht genau, was ich mache. Ich überlege noch“, sagt Calhanoglu, der sich diesbezüglich auch den Rat des HSV-Trainers und vom Sportchef eingeholt hat.

Und wenn ich Calhanoglu richtig einschätze, wird er sich letztlich für die Deutsche Nationalelf entscheiden. Sofern die ihn will. „Mit den Deutschen ist die Wahrscheinlichkeit natürlich höher, dass man Titel gewinnt“, sagt Calhanoglu, dem es darauf sehr wohl anzukommen scheint. „Ich hatte immer sehr große Ziele. Schon als Jugendlicher. Als ich zum KSC kam, wollte ich die Nummer zehn haben – und ich bekam sie.“ Hintergrund: Für den Rechtsfuß ist die Zehn das Symbol für den Spielmacher. Auch deshalb trägt Feinfuß Artjoms Rudnevs eben jene Nummer ja beim HSV…

Aber Spaß beiseite, Calhanoglu legte einen forschen ersten Auftritt hin. Einen überzeugenden. „Ich bin hergekommen, um mich zu zeigen, und der Mannschaft zu helfen, die Ziele zu erreichen.“ Welche das sind? „Für mich die Europa League und ein Platz in der Startelf. Ich will hier das zeigen, was mich in Karlsruhe ausgezeichnet hatte.“ Und das war eine Menge.

Denn bei den Badenern hatte Calhanoglu den Hut auf. Er war Spielmacher und immer wieder der entscheidende Mann auf dem Platz. „Hakan war das herz der Mannschaft“, lobte auch Ex-KSC-Manager Kreuzer, „er war der ausschlaggebende Faktor beim Aufstieg.“ Nun, aufsteigen kann der HSV national nicht mehr, allerdings hat er tabellarisch noch eine Menge Luft. „Man sieht aber bei allem, dass hier riesiges Potenzial im Klub steckt“, sagt Calhanoglu und führt aus: „Die Mannschaft hat sehr viel Qualität dazugewonnen. Das war letztes Jahr etwas anders. Dazu der Aufwand mit dem tollen Hotel und allem drumherum – ich kann nur hoffen, dass wir all das hier jetzt mit in die Saison nehmen.“

Klingt gut. Richtig gut. Ich hatte eher einen schüchternen, ruhigen Neuankömmling erwartet. Calhanoglu indes ist zwar in seiner Art etwas leiser – aber inhaltlich schreit er laut. Der Typ will sich zeigen, will etwas aus sich machen. Und das beim HSV. Perfekt! Genau solche Spieler braucht der HSV jetzt. Und wenn einer sagt, es fehle doch die Identifikation – die fehlt fast allen HSVern. Ich gehe sogar noch weiter und behaupte, dass mindestens 85 Prozent aller Bundesligaprofis nicht mit ihrem Herzen an ihren Arbeitgeber gebunden sind. Und das müssen sie auch nicht, solange sie alles für ihren Klub geben. Und wenn sie das nur für sich und die eigene Karriere machen – solange der Verein davon profitiert ist alles gut. Und genau das glaube ich bei Calhanoglu.

Klar ist auch, dass sich der HSV nach dem bürgerlichen Wohnen im Zillertal am Wörthersee wieder den Luxus vorheriger Trainingslager genießen kann. Im „Lindner Seeparkhotel“ lässt es sich wahrlich gut leben. Neben den geräumigen und modernen Zimmern verfügt das Hotel auch über einen großen Park und 900 Quadratmeter Spa-Bereich. Wobei, bis auf Calhanoglu werden wohl nicht allzu viele Spieler in den Genuss dieser Anlagen kommen…

Egal wie, mächtig Feuer war heute schon beim Training. Allerdings mehr nebenan. Denn während die Spieler ihr Stabi-Programm runterrissen und danach vermehrt taktische Übungen absolvierten, rückten fünf Feuerwehrlöschzüge an. Im direkt an den Trainingsplatz angrenzenden Stadion Klagenfurt hatte ein Container Feuer gefangen. Allerdings hatten die örtlichen Feuerwehrleute alles schnellstens im Griff.

In diesem Sinne, hoffen wir, dass der HSV ähnlich heiß ist wie die hiesigen Temperaturen sowie Container und dass es morgen – nach zwei in meinen Augen vernünftigen Spielen beim Nordcup – gegen den RSC Anderlecht einen weiteren guten Test zu sehen gibt. Wenn auch noch ohne Calhanoglu…

Bis morgen!
Scholle

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