Archiv für das Tag 'Pegelow'

„Moin, Labbadia hat wohl dazu gelernt.“

26. Juli 2015

In einer lauen Sommernacht 2015, die soll es schon gegeben haben, stieg ja kürzlich ein Pärchen über den Zaun einer Badeanstalt. Die Frau benutzte anschließend die große Rutsche – und landete nach einer rasanten Abwärtsbewegung recht unsanft in einem großen Becken – es war nämlich kein Wasser drin. So in etwa komme ich mir heute vor: Der HSV kommt aus dem zweiten Trainingslager zurück, und an diesem Wochenende genießen die Spieler zwei freie Tage, bevor es am Montag um 14 Uhr im Volkspark weitergehen wird. Die Frau mit der „Trockenübung“ erlitt übrigens einen Beinbruch, der mir hoffentlich erspart bleibt – nach dieser und meiner „Trockenübung“. Außer der Tatsache, dass der HSV nicht tätig ist, kann man ja sagen, dass es trotz allem bergauf geht – in Sachen Fußball. Die Zweite Liga spielt wieder, die Dritte Liga spielt wieder, und auch die Regionalliga hat den Betrieb wieder aufgenommen. Im Fernsehen gab es reichlich Fußball live zu sehen – alles wird gut. Das gilt auch für die Zweite des HSV, der ich ja eine schwere Saison prophezeit habe. Der Auftakt aber ist richtig gut gelungen, Lars Pegelow hat darüber ja schon gestern geschrieben. 2:1 in Goslar, das kann sich wahrlich sehen lassen. Glückwunsch an Joe Zinnbauer und das gesamte Team!

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Labbadia: „Man darf nie aufgeben. Nie!“

14. Mai 2015

Das war mal ein ganz besonders schöner Vatertag. Oder? Schön ist eigentlich falsch, es war ein ungewöhnlicher Vatertag. Weil ich den HSV trainieren hören konnte. Was für ein besonderes Erlebnis. Ich hörte den HSV, konnte ihn aber nicht sehen. Geheimtraining heißt das Zauberwort. Es wurde nicht hinter den weißen Lappen geübt, sondern in der Arena, und die war hermetisch abgeriegelt. Alles ganz geheim, wie der HSV am Sonnabend in Stuttgart gewinnen will. Und wenn es denn so kommt, dann finde ich auch jedes Geheimtraining der Welt völlig gerechtfertigt. Völlig. So aber, zwei Tage vor dem Abstiegs-Endspiel am Neckar, kann ich Euch nicht berichten, wie das Training gelaufen ist, wer gut war, war schlecht war, wer laut war, wer früher vom Platz ging – null. Immerhin sickerte durch, dass Petr Jiracek heute nicht trainieren konnte, weil er seit dem gestrigen Training einen so dicken großen Zeh hat, dass er nicht in einen Fußballstiefel hinein kam. Soll aber wohl morgen, wenn wieder ganz geheim trainiert wird, wieder behoben sein. Ebenfalls nicht trainiert haben – jedenfalls nicht im Stadion – heute Valon Behrami und Nicolai Müller. Beide werden wohl auch bis zum Saisonende, das ja ohnehin ganz nah ist, ausfallen – bei Müller ist es ja schon seit einer Woche beschlossen und verkündet.
Dagegen kehrte heute der Brasilianer Cleber wieder ins Mannschaftstraining zurück. Ob der Innenverteidiger in Stuttgart schon wieder mit von der Partie ist, ließ sich Trainer Bruno Labbadia noch offen: „Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht, ob wir ihn in Stuttgart oder erst gegen Schalke brauchen, das wissen wir nicht – das, was wir heute von ihm gesehen haben, das war ordentlich, nun müssen wir abwägen, ob es schon sinnvoll ist, ihn mit nach Stuttgart zu nehmen.“ Ich denke und behaupte einmal: nein. Cleber wird noch ein Woche auf die Wiese gehen müssen, ehe er wieder dabei ist. Wenn überhaupt. Das kommt auch auf den Ausgang des Stuttgart-Spiels an.

 

Kurz noch zum Thema Behrami zurück. Der Schweizer liegt seit einigen Wochen flach, Knie- und Oberschenkel-Probleme. Bruno Labbadia zu seinem vielleicht schwierigsten Patienten: „Seine Probleme rühren her von seiner Operation, die er im Winter hatte, und sie sind eine Folge davon, dass er nicht die Zeit und die Möglichkeit hatte, das aufzuarbeiten. Da kommen viele Dinge zusammen, das ist sehr schade, aber wir müssen das akzeptieren. Wir müssen jetzt so mit ihm arbeiten, dass wenn wir ihn doch noch brauchen, er notfalls doch noch einsteigen könnte – aber im Moment ist das schwer.“

 

Auf der faulen Haut, das muss ich noch schnell einfügen, habe ich trotz allem während des Geheimtrainings zwischen zehn Uhr und 11.30 Uhr nicht gelegen, ich habe mir das Training der U23 „reingezogen“. Die Regionalliga-Truppe von Rodolfo Cardoso und Soner Uysal spielt an diesem Sonnabend in Lübeck um Punkte. Nur um Punkte, nicht um die Meisterschaft, dieses Ziel wurde ja am vergangenen Wochenende durch eine 0:2-Heimniederlage gegen Havelse verspielt. Und ich hatte den Eindruck, dass vor allem Uysal immer noch stocksauer darüber ist, dass die Meisterschaft so leichtfertig verspielt wurde. Aber so is Lebbe. So richtig aufgefallen ist mir bei diesem Training keiner, es waren ja auch die besten Leute beim gleichzeitigen Profi-Training beschäftigt . . . Für einige Minuten sah auch Sport-Chef Bernhard Peters dem bunten Treiben im Volkspark zu. Und Helm-Peter, der total enttäuscht war, dass er den Profis nicht mal durch ein Loch im Kunststoffzaun mit einem Auge folgen durfte. Aber es gibt ja Schlimmeres.

 

 

Zum Spiel gegen Stuttgart. Ich gebe zu, dass ich nicht besonders optimistisch bin. Das ist bei mir eigentlich ein ganz normaler Vorgang, diesmal aber wird dieser noch durch zwei Dinge etwas negativ beeinflusst. Erstens hat der HSV zuletzt gegen Freiburg wieder einmal, bis auf zehn Minuten in der Schlussphase, seine hässliche Fratze gezeigt, und zweitens befindet sich der VfB Stuttgart, auch wenn das die Ergebnisse nicht unbedingt belegen, seit einigen Wochen in einer konstant guten Form. Und die Schwaben haben nach dem 2:0 gegen Mainz ihr zweites Heimspiel in Folge, das halte ich für den jetzigen Stand der Meisterschaft, also zwei Spieltag vor Schluss, als etwas ungewöhnlich, aber es ist wohl vom Terminplaner her nicht anders möglich. Und da zuletzt, also am vergangenen Wochenende, in Stuttgart die „Hölle los war“, beim Spiel gegen Mainz, wird das auch für den HSV nicht so sonderlich leicht, dort gegen zwölf Mann zu bestehen. Wer sich erinnern kann: Die Super-Stimmung beim VfB wurde am vergangenen Montag von allen Zeitung und Illustrierten besonders hervorgehoben.

 

Leicht wäre das Spiel ohnehin nicht geworden, aber so wird es noch etwas schwerer. Für den HSV. Vermute ich jedenfalls. Und wenn ich so an Martin Harnik denke, den Hamburger im VfB-Trikot, dann wird mir sowieso schon immer leicht „schwummerig“, denn der Österreicher trifft ja ganz besonders gerne gegen den HSV, der einst sein Talent (bei Vier- und Marschlande) nicht erkannt (oder verschmäht) hatte. Sei es wie es sei, auf Harnik bin ich besonders gespannt – und Matthias Ostrzolek dürfte es bereits jetzt ähnlich ergehen. Da wird der ehemalige Augsburger schon mal sein Gesellenstück schmieden können, wenn er Harnik an die Kette legen würde. Wird aber haarig, keine Frage.

 

Und wer spielt beim HSV? Rene Adler im Tor, keine Frage. Die Viererkette davor bleibt auch unverändert, und auch die beiden Sechser dürften im Team bleiben: Gojko Kacar und Rafael van der Vaart. Dann aber wird es schon weniger mit den Stammplätzen. Ich denke mal, ohne dass ich ihn heute auf dem Rasen gesehen habe, dass Lewis Holtby wohl eher auf der Bank wird Platz nehmen müssen. Seine Vorstellung gegen Freiburg war doch viel zu wenig, als dass er noch einmal die Chance von Beginn an erhalten müsste. Ein Mittelfeld mit Zoltan Stieber, Ivica Olic und Marcell Jansen hätte gewiss seinen Reiz, allerdings würden sich dann dort gleich drei „Linksfüßer“ die Ehre geben, und ob das so spannend ist? Ich weiß es nicht. Aber Bruno Labbadia wird es wissen, das verriet er uns heute schon nach dem Training. Er hat die Aufstellung schon im Kopf, aber soweit geht die Liebe eben doch nicht, als dass er sie uns schon in die Blöcke diktieren würde. Geduld ist angesagt. Ich könnte mir trotz der Vorbehalte gegen drei „Linksfüßer“ vorstellen, dass es so kommen wird – und vorne soll und wird sich dann Pierre-Michel Lasogga versuchen.

 

Klingt doch auch nicht schlecht, diese Aufstellung. Aber im Ernst, so richtig schlecht klang die HSV-Aufstellung auch während dieser Saison eigentlich nie, und trotz allem wurde teilweise ein so finsterer Fußball zum Abgewöhnen dargeboten. Es kommt eben auf die Tagesform der Helden an – und auf die mentale Verfassung. Abstiegskampf wird im Kopf entschieden, heißt es ja so schön schon seit Wochen, nun wollen wir alle mal hoffen, dass die HSV-Jungs – alle – ihre Köpfe dafür frei haben. Nur mal so zur Erinnerung: Stuttgart als Schlusslicht hat 30 Punkte auf dem Konto, der HSV als Tabellenvierzehnter 32 Punkte. Sollten der VfB gewinnen . . .
Dann müsste der HSV wohl ganz auf die eine Woche später folgende Heim- und Schlusspartie gegen Schalke 04 setzen. Wirklich nur mal so am Rande. Damit sich alle, wirklich alle mental auf die Begegnung mit den Schwaben einstellen.
Meine Kollegen sind übrigens fast alle sehr bis verhalten optimistisch. Am meisten wurde ein 2:2 getippt, wobei ich mich frage, wer denn zwei Tore . . . Nun gut, auch das gab es ja zuletzt. Sohar einmal ein 3:2. „Helm-Peter“ wurde heute vom NDR-Hörfunk nach seinem Tipp gefragt – und was sagte er? Na klar, 2:2. Sollte es so kommen, werde ich ihm (im Picknick und beim nächsten Geheimtraining) eine Currywurst mit Pommes spendieren, damit er immer gut gestärkt auf seinem Drahtesel nach Hause strampeln kann.

 

Apropos Geheimtraining. Bruno Labbadia erklärte den Rückzug ins Stadion heute wie folgt: „Wir wollten einmal in der Abgeschiedenheit einige Dinge abtrainieren, vor allem auch die Ruhe genißene, die dazugehört – gerade am Vatertag.“ Auf Stuttgart bezogen sagte der HSV-Coach: „Wir sehen das Spiel als weitere Chance, unsere Situation weiter zu verbessern. Wir haben uns mit den letzten drei Spielen eine gute Ausgangsposition geschaffen, die wollen wir nun weiter verbessern.“ Co-Trainer Eddy Sözer und Sport-Direktor Peter Knäbel haben ja vor einer Woche den VfB gegen Mainz 2:0 gewinnen sehen und konnten mit Sicherheit live und vor Ort einige wichtige Eindrücke mit nach Hamburg bringen. Was, darüber allerdings schwieg der Trainer: „Sie haben mir berichtet, dass der VfB ein ordentliches Spiel gemacht hat – aber wir kennen den VfB ja auch, wir wissen, was auf uns zukommen wird, aber wir konzentrieren uns letztlich auf uns selber.“

 

Mein „Sky“-Kollege Sven Töllner sprach bei seiner Frage an den HSV-Trainer von einem „glücklichen Punktgewinn gegen Freiburg“ (so hätte ich es ganz sicher auch formuliert – weil es ganz glücklich war!), aber Bruno Labbadia stellte das 1:1 für sich in ein rechtes Licht: „Es war ein erkämpfter Punkt!“ Wie dem auch sei. Ich will das Spiel gegen Freiburg auch nicht im Nachhinein noch einmal von allen Seiten beleuchten, für mich war es einfach nur schlecht (vom HSV), und zwar erschreckend schlecht. Bis auf die Schlussphase. Und ich glaube, dass auch alle HSV-Verantwortlichen gut daran täten, wenn sie diese 90 Minuten aus dem vorletzten Heimspiel der Saison so oder ähnlich negativ einschätzen oder einstufen würden. Alles andere wäre Augenwischerei.
Bruno Labbadia relativierte aber aus seiner Sicht: „Das sieht man nicht nur bei uns, dass es da Schwankungen gibt, das ist auch bei anderen Mannschaften zu sehen. Ich habe zum Beispiel Kaiserslautern gegen St. Pauli gesehen, da lagen die Lauterer plötzlich 0:1 zurück und es ging nicht mehr viel. Das war bei uns ebenfalls so: Wir hätten das 1:0 gegen Freiburg machen können, kriegst aber das 0:1 und dann passieren solche Spiele. Dann, mit dem 1:0 im Rücken, macht es der Gegner auch gut, und dann gibt es solche Spiele. Freiburg hat es dann auch richtig gut gemacht, wir nicht – aber das haben wir ja auch zugegeben. Und ich habe einige Sachen bei uns gesehen, die nicht so liefen, wie wir uns das vorgestellt hatten.“ Dass es doch noch ein 1:1 gab, lag vornehmlich daran, dass Labbadia voll auf Offensive setzte und noch jeden Stürmer einwechselte, den er noch hatte. Auch wenn Maximilian Beister vielleicht einige Minuten zu spät kam, wie etliche Kollegen noch am Sonntag bemerkten.

 

Immerhin konnte Bruno Labbadia als Coach doch noch etwas Positives aus dem Freiburg-Spiel mitnehmen: „Es hat uns gezeigt, dass wir immer wieder aufstehen können. Dass wir zwar mal kurz am Boden liegen, dass wir mal Rückschläge erleiden, aber dass wir immer wieder dagegen an arbeiten, das hat uns dieses Spiel gezeigt, aber auch schon die Spiele davor. Wir sind zuletzt immer wieder aufgestanden, und das bringt uns dann auch eine gute Stimmung in die Mannschaft. Man darf nie aufgeben. Nie.“

 

Keine Frage (die am Rande eines Trainingstages immer mal wieder aufkommt!) spielt übrigens für den Trainer, ob Rafael van der Vaart auch in Stuttgart wieder zur Auflaufformation gehören wird: „Rafa hat sich gleich zu Anfang im Training gezeigt, dass er dem Verein und der Mannschaft helfen will. Das haben wir aufgenommen. Dann haben wir ihn auf verschiedenen Positionen eingesetzt, aber ganz klar ist er derjenige, der für mich auf der Acht spielen könnte – weil er eine gewisse spielerische Qualität bei uns reinbringt.“
Jetzt spielt der „kleine Engel“ aber auf der Sechs, doch auch das sieht der Trainer nur positiv: „Er hat das dort mit Gojko Kacar gemeinsam, was die Arbeit betrifft, was die Kompaktheit betraf, sehr gut gemacht. Und von dem her ist es gut, dass der Kapitän zuletzt solche Leistungen gebracht hat.“ Bruno Labbadia dann noch zum Abschluss über van der Vaart: „Ich glaube, dass er sich als Kapitän von seinem Verein einfach nur gut verabschieden will, und dazu kann er selbst viel beitragen.“ Mit einem Spiel mit Herz und Leidenschaft. Und das wird der Niederländer auch, bei aller Kritik, die es immer wieder mal für ihn gibt, auch am Sonnabend wieder an den Tag legen.

 

Apropos Tag. Bruno Labbadia befand über sein Wirken im Moment (weil er von den meisten neutralen Beobachtern gelobt wird): „Der Abstiegskampf hat mich zu einem kompletteren Trainer gemacht. Das ist eine ganz andere Art, zu arbeiten, aber ich brauche es nicht jeden Tag.“

 

Das Schlusswort zum Vatertag, aber eher schon im Hinblick auf Stuttgart, kam auch noch von Labbadia, der befand: „Wir haben uns zuletzt eine Ausgangslage geschaffen, von der wir vor einigen Wochen nur geträumt haben. Diesen Weg müssen wir jetzt weiter gehen. Das ist ein Kraftakt, aber es hilft nichts, es sind ja nur noch zwei Spiele.“

 

Und für die gilt:

Verlieren verboten!

 

Nur der HSV!

 

PS: Nachdem Lars Pegelow gestern so gefeiert wurde, weil er an Carl-Edgar Jarchow (der an diesem Freitag seinen letzten offiziellen HSV-Tag hat) gedacht hat, möchte ich mich auch noch kurz daran versuchen – und mir meine Belobigungen dafür abholen. Schon jetzt dafür ein herzliches Dankeschön!

Da ich weiß, dass im Hause Jarchow auf jeden Fall einer bei Matz ab mitliest, mache ich das mal so:

„Lieber Herr Jarchow, Sie haben gewiss keine schöne zweite HSV-Zeit (nach der Aufsichtsrat-Tätigkeit) gehabt, im Gegenteil, Ihr Wirken gestaltete sich äußerst zäh und wenig erfolgreich. Ich habe Ihnen immer gesagt, dass ich Ihren Mut bewundert habe, dass Sie dieses Amt übernommen haben. Kaum ein anderer HSVer hätte das gemacht. Und obwohl Sie ziemlich schnell wussten, was Sie da übernommen hatten, verlängerten Sie auch noch. Warum auch immer, spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte ich, Dieter Matz, das Handtuch geworfen.
Sie hatten in meinen Augen nie eine richtige, eine faire Chance, den HSV wieder nach oben zu führen, weil die Club-Kasse chronisch leer war. So ist es, die Ausnahme heißt Klaus-Michael Kühne, bis heute geblieben – und nun wollen wir mal sehen, wie sich der HSV in Zukunft so machen wird.

Auf jeden Fall waren Sie immer ein fairer Gesprächspartner, und obwohl Sie mitunter recht heftig kritisiert und attackiert wurden, haben Sie immer Rede und Antwort gestanden, ohne ausfällig oder beleidigt zu sein. Das war hanseatisch stark und immer Erste Liga!
Das muss Ihnen erst einmal – vor allem über eine so lange Zeit – einer nachmachen. Natürlich haben Sie auch manchen Fehler gemacht, ganz klar – aber wer macht die nicht? Diejenigen, die nun am meisten in die Luft gehen, die sollten sich vielleicht selbst einmal fragen, ob das alles so richtig ist, wie sie ihren Weg gehen – oder bislang gegangen sind . . .

Alles Gute für Ihren weiteren Weg, ich freue mich, dass Sie zum Hamburger Fußball-Verband gehen werden – ich bin dann ein „Untergebener“ von Ihnen.

Dieter Matz

 

18.04 Uhr

Abschied von 2014 – nicht ohne Stefan de Vrij…

31. Dezember 2014

Es ist der 31. Dezember, das bedeutet Abschied nehmen. Abschied nehmen von einem sportlich enttäuschenden Jahr für den HSV. Und es bedeutet, Abschied zu nehmen von einem Jahr mit neuen Rekordzahlen in Sachen Matz-Ab-Blog. So viele Leser und insbesondere Zuschauer bei den Matz-ab-Live-Sendungen hatten wir noch nie. Wir bewerten die Zahlen zwar definitiv nicht über, aber sie sind für uns Mandat und Verpflichtung zugleich, diesen Blog in Zukunft nicht minder aufwändig zu betreiben. Danke dafür!

Auch für mich heißt es heute, Abschied zu nehmen. Allerdings nur vom Jahr 2014 und nicht in der Form, wie es gestern ein anonymer Blogger hier versuchte, als Fakt zu posten. Der-/diejenige schrieb gestern, ich würde heute bekanntgeben, dass ich ab dem 2. Januar einen neuen Arbeitgeber hätte und hier aufhöre. Und – für die einen klingt das wahrscheinlich wie eine Drohung, für die anderen vielleicht eher positiv: Dem ist NICHT so. Ich werde weiterhin mit viel Freude an dieser Stelle meine Blogs verfassen, mich über Eure Kommentare freuen und ärgern, mich mit Blogger-Meinungen auseinandersetzen, mich über den HSV ärgern und freuen sowie in den Sendungen live diskutieren. Kurzum: Ich werde (wie Lars und Dieter sowieso) weiterhin alles geben, damit Ihr immer auf dem aktuellsten Stand der Dinge bleibt. Nur eines werde ich nicht mehr: Ich werde mich nicht mehr rechtfertigen, wenn irgendeine Eintagsfliege irgendwas behauptet. Das ist dieses mal eine Ausnahme. Weil ich es selbst versprochen hatte.  Leider.

Und es ist schon lange her, dass ich über den niederländischen Nationalspieler Stefan de Vrij schreib. Genau genommen schrieb ich damals am 8. Juli:

Der niederländsiche Nationalspieler entschied sich gegen einen Wechsel zum  HSV und für Lazio Rom.

Stefan de Vrij entschied sich gegen den HSV und für Lazio Rom.

In Hamburg traf sich der HSV-Boss am Wochenende mit Huub Stevens’ Sohn Maikel, der auch mal für den HSV gearbeitet hat und zu dem Beiersdorfer ebenso wie zum Vater ein exzellentes Verhältnis pflegt. Dabei soll es, so habe ich es jetzt gehört, um den niederländischen Nationalspieler Stefan de Vrij gegangen sein, den Spielerberater Maikel Stevens vertritt. Der 22-Jährige passt voll in das von Slomka, Kreuzer und Beiersdorfer vor zwei Wochen erstellte Anforderungsprofil: Er ist mit 22 Jahren noch jung, er ist als Nationalspieler aber erfahren. Er ist 1,89 Meter groß, kopfball- und zweikampfstark, schnell – und er wäre damit sicher ein Führungsspieler beim HSV. Problem ist, dass der Niederländer einen Marktwert von für den HSV ohne Kühne unrealistischen sechs Millionen Euro hat. Das Gute ist, sein Vertrag beim holländischen Erstligisten Feyenorord Rotterdam läuft in einem Jahr aus.

Und daran ist tatsächlich nicht ein Wort falsch. In dem hier reingestellten Video bestätigt das Dietmar Beiersdorfer, der damals federführend sportlich Verantwortliche (Knäbel war noch nicht im Amt). Er bestätigt den Kontakt zu de-Vrij-Berater Maikel Stevens und auch das ernsthafte Interesse an dem Abwehrspieler de Vrij. Ich habe ihm damals vor Zeugen (Mediendirektor Jörn Wolf und Lars Pegelow, der das Video drehte, waren auch dabei) noch mal den Text vom 8. Juli in ungekürzter Schriftform vorgelegt und ihn gefragt, ob er in der besagten Textpassage irgendetwas findet, was nicht der Wahrheit entspricht.

 

Dietmar Beiersdorfer kurze, eindeutige Antwort: “Nein.”

 

 

Und dafür muss ich Dietmar Beiersdorfer, der in diesem (und vor allem dem heutigen) Blog mitliest, ausdrücklich danken! Denn es ist alles andere als selbstverständlich, dass ein Vorstandsboss des HSV so ein Interna öffentlich bestätigt. Ich behaupte sogar, dass das ansonsten kein Vorstandsboss irgendeines Bundesligaklubs machen würde. Schon gar nicht als Zeuge. Warum auch? Andere Journalisten interessiert es gar nicht, ob anonym im Netz irgendwer irgendwas über sie behauptet. Sich wehren kann man eh kaum. Ich schere mich normal auch nicht darum, wenn andere Blogger nimmermüde ihre Lügen verbreiten. Nur dieses eine Mal konnte ich nicht aus meiner Haut. Wieder: Leider. Wobei, so rechtfertige ich das für mich, in der Form wurde bislang auch noch kein mir bekannter Kollege (von ernstgenommenen Bloggern) verleumdet.

 

Wollte den Niederländer Stefan de Vrij im Sommer 2014 nach Hamburg lotsen: HSV-Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer

Wollte den Niederländer Stefan de Vrij im Sommer 2014 nach Hamburg lotsen: HSV-Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfe

Dieser Fall gestaltete sich auch sonst in einigen Punkten anders. Diesmal hatte ich nach genau genommen zwei Verteidigern gefragt. Neben de Vrij, der mir offiziell bestätigt wurde, hatte ich damals nach Wollscheid gefragt, der mir gegenüber aber deutlich dementiert wurde. Nach meinen Nachfragen wurde ich von HSV-Seite gebeten, den Namen de Vrij noch möglichst klein zu halten, da die eh nicht besonders große Chance, den Nationalspieler nach Hamburg zu bekommen, noch kleiner würde, wenn ich die Geschichte nicht – wie geschehen – im Konjunktiv sondern als Fakt aufgeschrieben hätte. So war es handwerklich alles sauber.

Als dann aber am 13. Juli, dem WM- Finaltag, plötzlich der Blogger „Denyo Kindvall“ die besagte Lüge über mich und diese Story so verbreitete, dass sie sogar im bundesweit millionenfach beachteten „BILD-Blog“ auftauchte und via social media weiterverbreitet wurde, sah ich Handlungsbedarf. Leider.

Denn heute weiß ich, dass ich es damals schlichtweg hätte ignorieren müssen. Ich hatte meine Wut damals aber nicht ausreichend unter Kontrolle. Ich rief umgehend bei Beiersdorfer an und bat ihn, mir die Zitate offiziell zu geben, damit ich mich diesem Vorwurf maximal glaubwürdig entledigen kann. Beiersdorfer sagte zu – allerdings unter der Prämisse, dies erst dann machen zu können, wenn der de-Vrij-Wechsel (wohin auch immer) feststeht. So kam es letztlich zu dieser Ausnahme, die mich zu 100 Prozent entlastet. Und die ist jetzt da. Verspätet.

Apropos: Dass aber ein Teil der Glaubwürdigkeit auf dem Weg bliebe, weil ich länger als angekündigt gebraucht habe, halte ich für widersinnig. Zumindest habe ich in meinem Jura-Studium seinerzeit etwas anderes gelernt. Gibt es Beweise für einen Freispruch, gilt dieser. Wann auch immer. Im schnellen Verfahren ebenso wie in einem über Jahre geführten Verfahren. In beiden Fällen sogar uneingeschränkt. Ergo: Kritik nehme ich natürlich als berechtigt an – eine (Teil-)Verurteilung jedoch nicht.

Und so schön es (vor allem aus sportlicher Sicht für den HSV) gewesen wäre, wenn der Niederländer letztlich hier gelandet wäre, de Vrij ging bekanntermaßen zu Lazio Rom. In dem hier reingestellten Videointerview, das ich so im September nach etlichen Anläufen führen konnte, bestätigt Beiersdorfer sowohl das offizielle Interesse an de Vrij als auch die Kontaktaufnahme diesbezüglich mit Maikel Stevens. Er nennt sogar den entscheidenden Grund („Finanziell out of reach“), weshalb der Defensivmann letztlich bei Lazio und nicht in Hamburg landete.

 

 

Und Beiersdorfers Bestätigungen sind mehr als ausreichend. Glaubwürdiger als er, der die Kontaktaufnahme tätigte und die Verhandlungen führte, kann keiner sein. Das hätte ich im September so reinstellen können. Dennoch wollte ich mehr.

Schon wieder: Leider.

Denn das war der Faktor, der letztlich die große Verzögerung bis heute nach sich zog. Ich wollte auch Maikel Stevens’ Aussagen dazu bekommen und mit Beiersdorfer ein längeres Gespräch mit mehreren Themen und der klaren Stellungnahme zu de Vrij führen. Erst das Einschreiten meiner Blogkollegen hielt mich davon ab. Sie rieten mir, das Video in den Blog zu stellen und das Thema damit endgültig abzuhaken. Aber ich wollte diesen Blogger ausfindig machen und habe alle mir zur Verfügung stehenden Mittel bemüht. Das allerdings gestaltete sich entgegen erster, deutlich optimistischerer Ansagen unserer IT-Fachleute so schwer, dass es am Ende nicht mehr sicherzustellen war und ist. Zum letzten Mal heute: LEIDER.

Aber das perfideste an dieser Geschichte war für mich, dass selbst die, die hier immer wieder eine Klarstellung von mir eingefordert haben, nicht bereit waren, mir den Verfasser „Denyo Kindvall“ mit natürlichem Namen zu benennen. Obwohl wenigstens eine Bloggerin (zumindest war der Blogger-Name weiblich) behauptete, ihn zu kennen, ließ sie meine Nachfragen unbeantwortet – während sie sich nicht zu schade wahr, zeitgleich gegen mich zu hetzen und die Aufklärung einzufordern..

Nun gut, dass sich der Verleumder selbst nicht meldet, war mir eigentlich von Beginn an klar. Nachdem ich klargemacht hatte, gegen diesen Blogger vorgehen zu wollen, ist er weder hier noch irgendwo sonst wieder aufgetaucht. Klar, dass er nicht die Traute hatte, sich bei mir zu melden, um die Sache friedlich aus der Welt zu schaffen. Er hat seinen viel zitierten Beitrag (http://hypocomm.blogspot.de/2014/07/stefan-de-vrij-zum-hsv-oder-so.html?m=1) sogar umgehend gelöscht, nachdem ich mit Konsequenzen für diese Art der Verleumdung gedroht hatte. Dieser „Denyo Kindvall“ ist nichts anderes, als ein Wichtigtuer, der einen Tag für Schlagzeilen sorgen wollte und dann Angst bekam, als er überhaupt erst die Folgen dessen erahnen konnte. Aber, das muss ich zugeben: Sein größter Erfolg liegt darin, dass ich darauf eingegangen bin…

Nun gut, so funktioniert das Netz leider auch. Möchtegern-Aufklärer und Couch-Blogger ohne Zugang zum HSV feiern einen anonymen Lügner ohne auch nur den Hauch eines Beweises für dessen Aussagen. Auch hier. Sie setzen Behauptungen unreflektiert in die Welt, wie sie abstruser nicht sein können. Und der größte Teil von Ihnen wird nicht einmal jetzt den Schneid geschweige denn den Anstand und/oder das Ehrgefühl haben und sich für ihre Vorverurteilung und Verbreitung der widerlegten Lüge entschuldigen.

UND: Ich persönlich brauche sie von diesen Bloggern ebenso wenig wie diese Blogger selbst. Wer mir in der Sache de Vrij trotz Beiersdorfers klarer Aussagen nicht glauben will, den lade ich nur allzu sehr von Herzen dazu ein, diesen Blog zu meiden. Denn der- oder diejenige will definitiv nicht die Wahrheit lesen, schreiben oder hören – dieser Person geht es lediglich darum, Ärger zu machen.

Dennoch, und so will ich das Jahr 2014 blogtechnisch dann auch beenden: Ich entschuldige mich noch mal für die Verzögerung und vor allem für meine übereilige Ankündigung, alles mit Ende der Transferperiode aufzuklären. Das war so gar nicht zu halten, da es nicht alles allein in meiner Macht lag. Ich hoffe aber auch, dass dieses Beispiel Warnung genug ist, wie schnell man in Verruf gerät, ohne sich sofort wehren zu können. Denn gerade in meinem Beruf ist es wichtig, Quellen zu haben, die glaubwürdig sind und die mir vertrauen. Dazu gehört natürlich, dass diese Quellen von mir niemals preisgegeben werden.

In diesem Sinne, bis morgen. Dann mit dem ersten Blog im Jahr 2015 – in dem „Jahr des neuen HSV“. Hoffentlich.

Euch allen bis dahin einen feierlichen Übergang. Rutscht gut rein, bleibt dem HSV weiter gewogen, unterstützt ihn so enthusiastisch und leidenschaftlich wie immer, freut und leidet hier im Blog mit uns – aber vor allem: bleibt gesund. Alle. Auch die, die mir vielleicht nicht (mehr) glauben.

Euch allen nur das Beste,
Scholle

Ilicevic oder Badelj? Oder am Ende doch Rudy?

22. August 2014

Gegen Mittag sollte er vorgestellt werden. Um 13.30 Uhr war er für das Abschlusstraining eingeplant. Und aus beidem wurde – nichts. Somit wird der neue Innenverteidiger des HSV auch nicht am Sonnabend in Köln mit dabei sein. Und das, obwohl sich der HSV mit dem abgebenden Klub Corinthians Sao Paulo einig ist und Cléber Janderson Pereira Reis den Medizincheck in Hamburg am Donnerstag bestanden hatte. Am Ende aber scheiterte die schnelle Integration in den Tagesablauf an einem Schriftstück der Brasilianer.

In Köln werden an seiner Stelle erneut Johan Djourou und Heiko Westermann in der Innenverteidigung beginnen. Letztgenannter hat nach einer für ihn schwierigen Vorbereitung inzwischen schon Bastian Reinhardts Spitznamen „Der Überleber“ übernommen. Ebenso wie der heutige Niendorfer, wurde auch Westermann Jahr für Jahr aus der Startelf verdrängt – um letztlich dann doch wieder zu spielen. „Ich mache mir darüber keine Gedanken mehr“, sagt Westermann, „weil ich es nur bedingt ändern kann. Meine Aufgabe ist auf dem Platz und darauf konzentriere ich mich.“ Dass mit Cléber ein neuer Mann geholt wurde störe ihn ebenso wenig. Es würde eh nichts bringen.

 

Nichts bringen – das ist heute ein gutes Stichwort. Denn als ich heute beim Trainingsplatz stand, erzählte mir eine junge Frau, dass vor einiger Zeit (im Juni) irgendwelche Idioten das Grab ihres viel zu früh verstorbenen Bruders geschändet hätten. Das allein ist schon dramatisch. Allerdings setzt die Tatsache, dass hier irgendwelche Idioten St.-Pauli-Aufkleber (St.Pauli-Fans gegen Rechts) auf den Grabstein auf dem HSV-Friedhof geklebt haben, dem Ganzen die Krone der Geschmacklosigkeit auf.

Ohne Worte.

Nachdem das Gröbste bereits abgekratzt war. Für diese Kriminellen fehlen mir die Worte…

Natürlich müssen das keine St.-Pauli-Fans gewesen sein. Aber egal wer das auch immer war, als erklärter Pazifist wäre ich geneigt, in diesem Fall eine Ausnahme zu machen. Was muss in den Hirnen solcher Leute los sein? Wie viel Hohlraum würde Gunther von Hagens bei diesen Kreaturen in den Köpfen wohl vorfinden? Wissen diese Idioten überhaupt, wie man selbständig atmet? Das und noch viele andere Fragen hätte ich, die alle in die eine selbe Richtung gingen. Aber lassen wir das. Es ist sinnlos.



Etwas gedacht hat sich dagegen heute Mirko Slomka bei seinem Abschlusstraining. 20 Akteure waren auf dem Platz – und Valmir Nafiu absolvierte ein Einzeltraining mit Markus Günther. Ergo: es wurde zehn gegen zehn gespielt. Eine Position in der vermeintlichen A-Elf blieb also offen. Adler – Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek – Arslan, Behrami, van der Vaart, Jansen – Lasogga – das war die vermeintliche A-Elf, die das Abschlussspiel auch gewann und die Frage offen ließ, wer aus der B-Elf noch dazukommen wird, wenn es morgen darum geht, nach 2010 (damals 2:1 gegen schalke, 2x van Nistelrooy) mal wieder ein Auftaktspiel zu gewinnen.

Kandidaten gibt es für mich tatsächlich drei, wobei ich zwei in die engere Wahl nehmen will: Milan Badelj und Ivo Ilicevic. „Ich bin gesund, ich fühle mich gut“, sagte Ilicevic nach dem Training, „ich könnte spielen.“ Gleiches gilt für Milan Badelj, über dem noch immer der Schatten schwebt, letztlich doch noch verkauft zu werden. Gleiches gilt für meinen dritten Kandidaten: Artjoms Rudnevs, an dem Danzig bislang jedoch nur an einem Leihgeschäft Interesse bekundet hat.

Für Abendblatt-Blogs


Sollte Badelj ins Team rücken, würde Slomka Tolgay Arslan erneut auf der rechten Bahn spielen lassen. So, wie heute im Abschlusstraining. „Ich kann es nicht sagen“, so Arslan auf die Frage, ob er mit der rechten Außenbahn in Köln rechnen würde, „ich lasse mich überraschen und freue mich darüber, wenn ich beginnen kann.“ Verdient hätte er es sich nach seinem belebenden Kurzauftritt in Cottbus. Im Gegensatz zu Badelj, der in Cottbus ebenso wie Behrami fast nie ins Spiel fand. Möglich wäre aber auch, dass Slomka auf das Tempo von Rudnevs setzt und den Letten auf der rechten Bahn beginnen lässt. Wie zuletzt ab der zweiten Halbzeit in Cottbus.

Vorn beginnt auf jeden Fall Pierre Michel Lasogga, dem ich in Cottbus noch (erwartungsgemäß) Anpassungsprobleme attestiert hatte, der aber unter der Woche sehr gut trainiert hat. Lasogga ist unverzichtbar und hat im Laufe der Trainingswoche das gerechtfertigt, was Slomka über ihn sagt: „Seine Körperlichkeit, seine Präsenz und seine Torgefahr brauchen wir. Er ist für mich einer, der keinen langen Anlauf braucht – ihn werfe ich einfach rein.“ Ergo, im zweiten Pflichtspiel nach seiner Verletzungspause dürfte der Angreifer allemal akklimatisiert sein.

Und das muss er auch, denn mit dem 1. FC Köln trifft der HSV auf einen Gegner, der defensiv zuletzt sehr stabil stand. In den letzten 34 Zweitligaspielen kassierte die Mannschaft von Trainer gerade einmal 20 Gegentore kassiert. Und davon zehn Prozent im letzten Spiele gegen den FSV Frankfurt, als man bereits eine Woche zuvor mit der ganzen Stadt den Titel und den Aufstieg gefeiert hatte. „Defensiv ist Köln gewohnt stark“, mutmaßt Slomka, während Stöger die Offensive seiner Mannschaft anpreist. „Wenn es möglich ist, wollen wir aktiv sein. Wir haben die Spieler dafür, die eher die Qualität mit dem Ball haben. Wir werden versuchen, offensiver aufzutreten. Eckbälle und Standards werden wir vermeiden müssen. Das ist eine große Stärke der Hamburger.“ Wer beim 1. FC Köln anfängt, ließ Stöger, der im Pokalspiel am vergangenen Wochenende wild durchgewechselt hatte, offen. „Der Gegner muss ja nicht alles wissen.“

Doch, sollte er. Und der HSV versucht das auch. Wie ich die HSV-Spielanalysten (Matze, alles Gute…!) kenne, wissen sie auch nahezu alles und stellen die Mannschaft detailliert auf den euphorisierten Aufsteiger ein. Dabei bekommen die Spieler einzeln CDs von ihrem potenziellen Gegenspieler und etwaigen Stärken wie Schwächen. Insbesondere vor Angreifer Ujah warnte Slomka, womit ich wieder bei den Innenverteidigern bin, auf die es morgen maßgeblich ankommen wird. Denn in Köln wird es eine erste Tendenz geben, ob der HSV sein Defensivproblem (75 Gegentreffer in der abgelaufenen Saison) in Teilen oder gänzlich wegtrainieren konnte. Und das noch ohne Cléber. Und ohne Tah. Und ohne Kacar, den bis zu seiner Verletzung großen Gewinner der Vorbereitung.

In diesem Sinne, Daumen drücken! Es wird ein schwieriger Auftakt. Zum einen trifft man auf euphorisierte Aufsteiger, zum anderen weiß man noch nicht genau, wo man steht. Ob das anschließend besser zu benennen ist, weiß ich nicht. Aber wie immer wird es im Anschluss an das Spiel unser Matz ab live geben. Diesmal sind die beiden Ex-HSV-Profis und Fußballexperten Andreas Fischer und Stefan Schnoor zu Gast. Sendebeginn ist wie immer 15 Minuten nach Schlusspfiff. Ach ja, und dann noch im Abspann eine Ankündigung für alle, die vom HSV nicht genug kriegen können! Aber lest selbst…

Bis morgen!
Scholle

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV gemacht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ startet am kommenden Montag (25. August). Jede Ausgabe kostet nur 0,89 Cent im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

Tag eins nach dem Klassenerhalt: Mächtig was los im Volkspark! *** HSVPlus-Pressekonferenz im Video***

19. Mai 2014

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Pressekonferenz der Initiative HSVPlus


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Der Tag nach dem Klassenerhalt – es ist für mich eigentlich ein richtig schöner Tag, da ich jetzt erst so richtig anfange zu realisieren, welch Kelch da an uns vorbeigeschummelt wurde. Dafür reichte ein Blick in die Augen der Verantwortlichen, die wie ich erst heute zugegeben haben, dass auch sie zwischenzeitlich massive Zweifel am Klassenerhalt hatten. Dass ich es nicht zugegeben habe – logisch, oder? Das war Zweckoptimismus in Reinkultur – eben so, wie ihn Slomka in Perfektion vorgelebt hat. Und am Ende hat es seinen Zweck ja erfüllt.


Egal wie, die schonungslose Analyse der Fehler beginnt heute. Beim HSV ganz sicher, dafür haben sich Slomka und Kreuzer schon für heute verabredet. Und auch im Blog sollte es heute losgehen – dachte ich zumindest bis Hakan Calhanoglu den Mund aufmachte. „Ich würde mich freuen, wenn der Verein mir meinen Wunsch erfüllt“, so der Mittelfeldmann, der anschließend auf Nachfrage etwas genauer wurde: „Mein Wunsch steht fest. Und mein Berater hat ihn formuliert.“ Also Leverkusen? „Ja“, so Calhanoglu, der seinen Vertrag Anfang des Jahres noch bis 2018 vorzeitig verlängert hatte.

Warum dieser schnelle Sinneswandel? Geld. Und angeblich sportliche Perspektive. Es ist nicht mehr und nicht weniger als das immer üblicher werdende Verhalten immer mächtiger werdender Spieler und deren Berater – gerade dann, wenn ein verein in derartige Schieflage geraten ist wie der HSV. Dass Bayer anfängt, hier einen halbtoten HSV bereits zu fleddern – für Außenstehende mag das unmoralisch wirken. Im Bundesligageschäft heißt das dann „professionell“. Zumindest aus Sicht der Leverkusener. Die Werksklubverantwortlichen hoffen auf ein Schnäppchen, was nur jetzt noch machbar ist, wo Calhanoglu erst angedeutet hat, wozu er fähig sein könnte. Dass er – so sehe ich das sicher nicht allein – aus dem Spiel heraus noch nicht annähernd die Dominanz hat um sich jetzt schon in der Champions League zu wähnen – egal. Dass er davon träumt („Jeder Spieler möchte gern Champions League spielen und das haben wir mit dem HSV nicht geschafft“) ist legitim. Aber den „nächsten Schritt“, wie Calhanoglu hofft, kann er auch in Hamburg machen, wo er schier unantastbarer Stammspieler ist und wohl auch bleiben würde.

Am Ende, unmittelbar vor seiner Abfahrt Richtung türkische Nationalelf, sagte Calhanoglu dann auch: „Wenn der HSV mich nicht gehen lässt, bleibe ich hier.“ Klar, dafür gibt es ja einen bis 2018 gültigen Vertrag. Und Calhanoglu betonte zuletzt immer wieder, sich beim HSV richtig wohl zu fühlen. Sollte er bleiben, hoffe er sogar darauf, „nächste Saison um die Europa League zu spielen“.

Die Frage ist nur, ob der HSV dazu überhaupt im Stande ist. Nach jetzigem Stand würde ich das nicht nur bezweifeln, ich würde es sogar ausschließen. Solange es eine Restchance gibt, dass sich strukturell und dementsprechend vor allem auch personell nichts verändert, ist dieser Klub weiter auf dem Sinkflug – obgleich die Bruchlandung gerade noch gelungen schien, droht neues Ungemach. Auch Pierre-Michel Lasogga wollte (und konnte) sich heute noch nicht dazu äußern, ob er denn bleibt. „Wenn Pierre uns signalisiert, dass er bleiben möchte, bin ich sicher, dass wir eine Chance haben, ihn auch zu halten“, hatte Kreuzer auf der Pressekonferenz (siehe Video) gesagt, und somit dem Angreifer den Ball des Handelns zugespielt. Der allerdings nahm den Steilpass nicht auf. „Ich werde jetzt erst einmal alles verarbeiten und anschließend in Ruhe eine Entscheidung treffen“, sagte Lasogga unmittelbar vor seiner Abfahrt vom Stadion. Ob es sein letzter Tag beim HSV sei? „Jetzt erst einmal ja“, scherzte der Angreifer, dem aus der Bundesliga Angebote vorliegen, den sein Noch-Arbeitgeber Hertha BSC wieder zurückhaben will und der auch auf der Insel Interesse geweckt hat. Und insbesondere Letzteres scheint Lasogga zu interessieren. „Ich habe immer schon, seit ich ein kleines Kind bin, gesagt, dass ich gern einmal in der Premier League spielen will.“ Dass er mit seiner körperbetonten, kampfstarken Art in die zudem finanziell potente und sportlich hochkarätige Premier League passt – es spricht vieles für einen Wechsel des HSV-Retters nach England. Leider.

Und wie so oft zuletzt komprimieren sich bei mir mal wieder alle Hoffnungen auf den kommenden Sonntag. Leider muss ich sagen. Denn wenn auch nur die Hälfte dessen stimmt, was im Vorfeld kolportiert wird, wird es bitter. Denn, so habe ich mir von vielen Seiten inzwischen bestätigen lassen, egal wie viele Mitglieder am Sonntag HSVPlus wählen, sobald HSVPlus gewählt ist, wird die Gegenseite die Wahl anfechten. Und das kann letztlich auf rechtlicher Ebene lange dauern – und dem HSV mächtig schaden. Denn eines ist klar, dieser HSV hängt seiner Zeit hinterher. Strukturell – aber vor allem personell. Und zwar auf allen Ebenen. „Wir haben schon viel Zeit verloren und müssen jetzt mächtig Gas geben, um eine Mannschaft zu formen, die ein komplett anderes Gesicht zeigt als in dieser Saison“, sagt Sportchef Oliver Kreuzer, der sich zwar optimistisch gibt aber selbst noch nicht weiß, ob er nach Montag überhaupt noch als Sportchef eingeplant ist. Ihr seht, es hakt an allen Ecken. Während die zwei Spieler der Saison, Calhanoglu und Lasogga wegzubrechen drohen, ist noch kein Neuer da.

Trotzdem, wenn ich gefragt werde, sage ich immer, der HSV sei bei allem Dusel NICHT zu Unrecht in der Klasse geblieben – sofern er jetzt die richtigen Schlüsse zieht. Heute war die erste große Gelegenheit, damit anzufangen. Allerdings ruft Tag eins nach dem Klassenerhalt bei mir gleich erste Zweifel hervor, ob alle Verantwortlichen erkannt haben, worum es hier geht und wie knapp der HSV am größten anzunehmenden Unfall vorbeigeschrammt ist. Aber lest selbst, was Dieter zu berichten weiß:


Während im Volkspark über die sportliche Zukunft – und rückblickend über diese Saison – gesprochen wurde, fand zeitgleich im Hotel Grand Elysee eine Pressekonferenz der besonderen Art statt. Jürgen Hunke und Co stellten dabei unter dem Namen „HSV Allianz“ ein neues Konzept vor. Noch einmal ein neues Konzept, obwohl am Sonntag, bei der mit riesiger Spannung erwarteten Mitgliederversammlung in der Arena, nur über „HSVPlus“ abgestimmt werden soll. Überrascht hat dabei nicht das Konzept, überrascht haben dabei ganz besonders zwei Herren, die mit auf dem Podium saßen: Elysee-Hausherr Eugen Block und der Rekordspieler des HSV, Manfred Kaltz. Das ist erst einmal eine Ansage.

Für die Einladung zur Pressekonferenz zeichneten Rainer Ferslev, Jürgen Hunke und Dr. Andreas Costard verantwortlich: „Wir haben uns in den letzten Monaten in Form eines „Runden Tisches“ mit vielen Fragen geplanter Satzungsänderungen beschäftigt. Dieses Ergebnis möchten einige Vertreter der HSV-Allianz mitteilen. Wir haben bisher keine öffentliche Stellungsnahmen und Aktivitäten unternommen, solange die sportliche Situation des HSV nicht entschieden war.“ Nun ist sie entschieden, und deshalb stellte sich die neue HSV-Allianz auch einmal vor: „Sie besteht aus Förderern des HSV, ehemaligen Spielern des HSV, ehemaligen Präsidenten des HSV, Mitgliedern des Seniorenrates, ehemaligen Vorsitzenden des Ehrenrates, Rechnungsprüfern des HSV (immer des HSV, natürlich), dazu Initiatoren der Aktion Rautenherz und der Aktion Zukunft mit Tradition.“

Das, was sich dann im Hotel Elysee tat, konnte sich sehen und hören lassen. Das war gut strukturiert und wurde auch bestens „verkauft“. Kein Vergleich mehr mit dem letzten Auftritt Jürgen Hunkes bei der Mitgliederversammlung, als er für seine Aktion „Zukunft mit Tradition“ sprach – und nicht zu „Potte“ kam, immer um den heißen Brei herumredete. Diesmal kam Hunke auf den Punkt. Und er gab zu, dass er inzwischen umgedacht hat. Er ist nicht mehr gegen eine Ausgliederung: „Die muss sein.“ Hunke ist dagegen, dass die Raute und das Stadion verkauft werden: „Das wäre eine historische Fehlentscheidung.“ Und um die zu verhindern, reicht die HSV-Allianz der Initiative „HSVPlus“, die vom ehemaligen HSV-Aufsichtsrats-Chef Ernst-Otto Rieckhoff angeschoben wurde und wird, dem Vernehmen nach die Hand. Es soll noch einmal an einem „Runden Tisch“ nach einer gemeinsamen Lösung gesucht werden.

Denn noch gebe es drei wesentliche Probleme, die Dr. Costard nannte: „Erstens verlieren die Mitglieder ihre Rechte, zweitens werden Finanzinvestoren und Rendite-Jägern, die den HSV missbrauchen könnten, Tür und Tor geöffnet, und drittens gibt es da den geplanten Verkauf der Arena und der Raute.“ Das war und ist geraume Zeit bekannt (und wird von HSVPlus-Gegnern immer wieder als Hauptargumente genannt), aber es musste wohl doch noch einmal gesagt werden.

Letztlich kommt die „HSV-Allianz“ zwar spät zum Zuge, aber nun sind die Mitglieder dran, sie werden darüber zu befinden haben, wohin der Weg des HSV gehen soll . . . Das vom HSV-Vorstand dazu vorbereitete Papier über die Abstimmung von „HSVPlus“ nannte Rainer Ferslev „Dreck“ und „eine riesige PR-Maschinerie“. Zudem befand er: „Der Vorstand kämpft nicht um die Raute, aber die Raute ist Mythos.“ Und er legte den Machern von „HSVPlus“ nahe, die „HSV-Allianz“ mit ins Boot zu nehmen: „Umarme deinen Feind . . .“

Eugen Block sagte bei dieser PK in Richtung des amtierenden Vorstandes: „Diese Leute können nicht mit Geld umgehen, die müssen sofort weg von der Kasse…“ Zudem hieß es: „Das, was uns von HSVPlus vorliegt, ist mit heißer Nadel gestrickt worden, und das geht bei einer so großen Herz-Operation nicht. Da muss nachgebessert werden, es darf bei einem so großen und wichtigen Eingriff keinen Schnellschuss geben.“ Und Block sagte auch: „Die Finanzierung, die Ernst-Otto Rieckhoff vorhat, die ist hochbrisant und gefährlich.“ Deswegen plädiert die HSV-Allianz jetzt dafür: „Abstimmung vertagen, zusammensetzen und dann gemeinsam um eine noch bessere Lösung ringen.“

Wie der HSV künftig zu Geld für seine Profi-Abteilung kommen will, blieb noch offen, Block sagte aber in Richtung des bisherigen Geldgebers Klaus-Michael Kühne:“ Eine AG sollte breit aufgestellt sind, und dann brauchen wir das Geld des Herrn Kühne nicht unbedingt.“ Zur Unterstützung meldete sich Manfred Kaltz, der Angst hat, „dass der HSV verramscht wird“, zu Wort: „Der Verein und die Fans werden von HSVPlus nicht mitgenommen.“ Und, Kaltz weiter: „Wir haben uns früher den Arsch aufgerissen, haben Leistung gebracht und hatten Erfolge – dann kommt das Geld von ganz alleine.“

Das ist ja auch mal eine Methode.

Was noch gefordert wurde von der HSV-Allianz – ganz interessant: Alle Gremien im HSV, Vorstand und Aufsichtsrat, sollten sofort zurücktreten. Jürgen Hunke, noch Mitglied des Aufsichtsrates, ging dabei voran: „Ich bin dazu bereit.“ Aber die anderen Räte? Ganz sicher nicht. Oder? Es geht doch letztlich immer nur um die Sicherung des eigenen Pöstchens . . .

Fazit der PK: Den Allianz-Herren geht es nicht um die Verhinderung von „HSVPlus“, sondern lediglich um eine Vertagung der für Sonntag geplanten Abstimmung. Aber, wie schon geschrieben: Jetzt sind die HSV-Mitglieder gefordert. Und was die Macher von „HSVPlus“ zu all dem, was da heute im Elysee vom Stapel gelassen wurde, sagen, das werden wir am Dienstag erfahren. Denn da folgt die Pressekonferenz von Ernst-Otto-Rieckhoff und Co.

Mein persönliches Fazit: Ich glaube, dass dem HSV noch eine große Zerreißprobe bevorsteht. Und ob die immer schmerzfrei und ohne bleibende Schäden zu hinterlassen abgeschlossen wird, ist eine der Fragen, die sich vielleicht nicht einmal an diesem Sonntag klären lassen wird. Denn wenn ich allein an die 50 und mehr gestellten Satzungs-Änderungs-Anträge denke, wird mir nicht nur schlecht, dann zweifle ich daran, ob es mit dem HSV nach dem 25. Mai 2014 einträchtig weitergehen kann. Diese Anträge sind alle nur gestellt, um diese Versammlung zu torpedieren, und das allein ist in meinen Augen nur Wahnsinn. Demokratie sieht dann doch wohl etwas anders aus, aber natürlich wollen diejenigen, die bisher in Ober-, Unter, Quer, Links- und Rechts-Ausschüssen sitzen, weiterhin ein gewichtiges Wort in ihrem HSV mitsprechen, dazu natürlich auch alle anderen Gremien, die sich nun der „HSV-Allianz“ angeschlossen haben (siehe oben). Alle sehr, sehr wichtig, alle haben diesen und ihren HSV bislang so gut geführt, dass der Club nun dort steht, wo er am Sonntag in Fürth stand. Aber gut, wir werden sehen, was aus den drei großen Hamburger Buchstaben nun wird. Alle haben ihre Argumente, jetzt ist wieder einmal die Basis gefragt.

Apropos. Bei der Gelegenheit wollen wir uns von „Matz ab“ für die vielen, vielen Mails, SMSe, Anrufe und Briefe ganz herzlich bedanken. Es war an diesem Montag bei allen, bei „Scholle“, Lars Pegelow und mir die Hölle los. Mein altes, mein altertümliches Handy, konnte keine Nachrichten mehr aufnehmen (sorry bei denen, die es noch versucht haben!), das galt für Anrufe (auf der Box) und für SMS. Heute klappte das mit den Anrufen (sogar Frau Barbara Ertel-Leicht vom VfL Wolfsburg aus der Presse-Abteilung gratulierte – einfach nur toll!) wieder fast normal, aber auch nur fast. Ich werde versuchen, mich bei allen zu melden, aber das könnte noch etwas dauern.

Trotz allem noch einmal: danke, danke, danke! Ihr seid Weltklasse. Und wir haben uns am Sonntag nach dem Spiel auch darauf verständigt, dass wir „schon eine tolle Matz-ab-Familie geworden sind“. Mit „Papa Benno“ an der Spitze! Dieses Lob gilt natürlich auch für alle anderen Bilderbuch-„Matz-abber“, von denen ich am Sonnabend einen ganz besonderen vergessen habe (Asche auf mein Haupt!), nämlich Aufkleber-Uwe. Ihm haben wir Banner und Aufkleber zu verdanken, zudem lebt Uwe, der natürlich mächtig mitgezittert hat, im tiefen Westen den HSV tagtäglich pur! Herzliche Grüße – und immer wieder herzlichen Dank für Deine große Unterstützung, lieber Uwe!

So, nun bin ich am Ende, „Scholle“ wird dieses Werk zusammenführen – und dann bleibt uns nur noch, Euch einen wunderschönen Abend zu wünschen. Ohne jede Dramatik, ohne große Spannung, ohne Zitterei. Einfach nur mal wieder einen ruhigen Feierabend genießen. Ein kurzes Dankeschön noch schnell an Britta Kehrhahn, die uns heute mit Mitschnitten der “Allianz”-PK tüchtig aushalf, einen Dank auch an Sergej Barbarez und Frank “Macke” Mackerodt – ihr wart fantastische Gäste bei „Matz-ab-live“, es gab viel Lob, auch von unseren Chefs. Und kurz auch noch ein Schlenker zu Lotto King Karl (und seinen Barmbek Dreamboys), der am Sonntag gleich zweimal seine Perle im Volkspark gesungen hat (einmal vorher, einmal nachher!). Wir wünschen Dir, Lotto, und Deinen Kumpels bei der heute in München beginnenden Deutschland-Tournee alles, alles Gute. Prost, Lotto! Und Prost Loide – wie Lotto immer sagt.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird sicher nicht weniger los sein als heute.

Scholle und Dieter

P.S.: Wie wir eben erfahren haben, wird auch Cotrainer Roger Stilz, desen Vertrag ausläuft, den HSV verlassen. “Ich bin dem HSV dankbar für das Vertrauen, das ich hier gespürt habe. Es war eine sehr intensive, lehrreiche Zeit für mich, an die ich mich immer gern erinnern werde.” Dennoch plant der ehemalige Kicker des SC Victoria seinen künftigen Weg bei einem anderen Klub, den er uns beizeiten mitteilen werde. Alles Gute, Roger!

Aktualisiert: Tesche-Wechsel geplatzt! Und: Horst Heese: “Die verstecken sich alle!”

31. Januar 2014

******ACHTUNG, WICHTIG!*****
Manchmal muss man sich ehrlich schämen. Da erreicht mich heute Vormittag die Nachricht, dass Eva mit fiesen, beleidigenden Mails bombardiert wird. Von dem einen war das zu erwarten. Aber dass es da mehrere gibt, kann ich nicht fassen. HSV-Fans beleidigen sich untereinander? Weil Eva sich mit fremden Federn schmückt?

BITTE?!?! GEHTS DENN NOCH??

Es steht in diesem Blog für alle nachlesbar, dass Eva mich bat, den Brief, den sie ebenso wie ich für eine sehr gute Sache halten, zu veröffentlichen. Für diesen Tipp war ich Ihr dankbar, daher habe ich sie im Blog nur zu gern erwähnt. Mit keinem einzigen Wort aber haben weder Eva noch ich jemals behauptet, der Brief sei von ihr verfasst. Also, bitte: Erst lesen, kurz drüber nachdenken – und dann kommentieren. Danke. Und entschuldige bitte, Eva!

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Es war in dieser Saison 1989/90, als der HSV am 29. Spieltag auf dem vorletzten Platz der Bundesliga rangierte. Damals trugen Spieler wie Richard Golz, Carsten Kober, Hans-Werner Moser, Dietmar Beiersdorfer, Ditmar Jakobs (neun Spiele lang), Holger Ballwanz, Thomas von Heesen, Armin Eck, Harald Spörl, Michael Schröder, Detlev Dammeier, John Jensen, Jan Furtok, Andreas Merkle, Nando und Oliver Bierhoff die Raute auf ihrer (Trikot-)Brust. Trainer waren Willi Reimann, der nach 21 Spielen von Gerd-Volker Schock abgelöst wurde. Und es gab einen HSV-Spieler namens Sascha Jusufi. Der kam eines Tages nach dem Training in Ochsenzoll laut fluchend und schimpfend aus der Kabine. „Was ist los, Sascha?“ Der Mittelfeldspieler: „Das ist mir alles zu lasch hier, es krempeln nicht alle die Ärmel auf. Das habe ich mal etwas lauter gesagt, denn ich habe keine Lust, auf jener Spieler-Liste zu stehen, die den HSV erstmals in seiner Bundesliga-Geschichte haben absteigen lassen. Ich erwarte von jedem, dass er nun einen Schlag mehr reinhaut, wir müssen endlich kämpfen, kämpfen, kämpfen. Wir müssen uns mit allen Mitteln gegen den Abstieg wehren. Mit allen Mitteln.“

Matz_ab_ankuendigung_1730_Uhr

Der HSV hielt bekanntlich doch noch die Klasse, lief noch auf Rang elf ein, fünf Punkte Vorsprung auf den vorletzten Tabellenplatz. Das war knapp. Und glücklich. So wie in der Saison 1972/73. Da taumelte der HSV monatelang auf dem letzten und vorletzten Platz herum, dann durfte doch noch gefeiert werden (den Nicht-Abstieg), denn dank „Retter“ Horst Heese lief der HSV noch auf Platz 14 ein. Drei Punkte vor einem Abstiegsplatz!

Mit Horst Heese sprach ich heute über den heutigen HSV, den er – in Ost-Belgien wohnend – immer noch sehr genau verfolgt. Drei Spiele seines Ex-Clubs hat er live im Stadion gesehen, die anderen im Bezahl-Fernsehen. Horst Heese (70) über seine derzeitige Stimmungslage: „Ich habe enorme Angst vor dem Abstieg des HSV, muss man doch. Weil keiner Verantwortung übernimmt, da schwimmen alle nur im seichten Gewässer mit, keiner geht nach vorne und reißt die anderen mit – Motto: ‚Jetzt geht es rund!’ So einen Mann sehe ich weit und breit nicht beim HSV – leider. Die verstecken sich alle. Alle.“

Können aber diese HSV-Profis, die nun den Karren aus dem Dreck ziehen sollen, noch das Kämpfen lernen? Heese: „Aber natürlich. Es geht doch innerhalb des Clubs um viele Arbeitsplätze dafür muss doch gekämpft und geackert werden. Obwohl die Spieler heutzutage ja gar keine Existenzängste haben müssen, die steigen ab und haben innerhalb von wenigen Tagen einen neuen Verein. Selbst die schlechtesten Spieler finden wieder einen neuen Arbeitgeber – das macht mich oft fassungslos.“

Woran aber liegt es seiner Meinung nach, dass der HSV so abgestürzt ist? Horst Heese: „Das liegt einzig und allein an der Zusammenstellung des Kaders. Da ist arglos gehandelt worden, da wurden sich von irgendwelchen Spielervermittlern Leute aufs Auge gedrückt worden, die gar nicht zusammenpassen. Diese Jungs arbeiten doch nicht zusammen, da ist jeder froh, wenn der Ball, weg ist. Jeder verdrückt sich so schnell er nur kann – furchtbar.“ Heese weiter: „Es gibt in diesem Team ja auch keine Hierarchie. Wenn ich da an den Kapitän Rafael van der Vaart denke, der hat mehr mit seinen Frauen als mit Fußball zu tun. Dabei hat der die Marschrichtung vorzugeben. Passiert aber nicht.“

Heese ging damals als Zugang gleich voran. Mit Leistungen, und auch verbaler Natur. Er sagt: „Da musste erst einmal in der Mannschaft aufgeräumt werden. Wir hatten Klasse-Spieler, aber es gab keine Spannung. Da habe ich dann einigen Jungs mal die Köpfe gewaschen – und dann ging es. Da ging es auch im Training zur Sache, da haben dann einige gespürt, wie es ist, wenn man zur Sache kommt. Und so sprang der Funke dann über.“

Auch taktisch ist der HSV schlecht aufgestellt. Heese: „Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen sind viel zu groß, die Viererkette steht zu weit auseinander, der Abstand zwischen der Viererkette und den anderen Mannschaftsteilen ist zu groß – da kann jeder Gegner schön bequem aufspielen, da wird kaum einer gestört. Das sind elementare taktische Fehler, und ich kann mir auch gut vorstellen, dass daran gar nicht gearbeitet wird . . .“ Einmal Training am Tag. Wissenschaftlich erwiesen, dass das reicht – so der Trainer Bert van Marwijk. Und lieber mal nur einmal am Tag, dafür aber intensiver – so der Sportchef. Wobei „intensiver“ ja dehnbar ist. Horst Heese: „Ich habe gelesen, dass die Spieler einen zu großen Druck verspüren, jetzt muss man mir nur noch was vom Bio-Rhythmus erzählen, dann falle ich tot um. Die Spieler sollten sich mal andere Sportler ansehen, was die für einen Druck haben, dann wissen sie, woran sie noch zu arbeiten haben.“

Sportchef Kreuzer hatte zu Jahresbeginn darüber philosophiert, dass der Trainer seine Spieler künftig „härter anfassen“ wird. Aber denkste! Es wird weiter gepudert und mit Pampers gearbeitet. Heese: „Ich will gar nicht von früher sprechen, darüber lachen die Jungs ja heute nur, obwohl wir auch Fußball gespielt haben. Wir haben aber einst sieben Mal die Woche trainiert. Da ging dienstags die Post so etwas von ab, da waren die Zehnkämpfer Wanzen dagegen. Mensch, was will man in zwei, drei Einheiten trainieren? Da vergeht allein durch das Aufwärmen schon eine halbe Stunde. – Wahnsinn alles.“

Horst Heese über dieses Übel: „Diese Laschheit ist tödlich. Und das sieht man ja auch, diese HSV-Mannschaft hat ja nichts drauf. Die Spieler können gar kein Pressing spielen, die pumpen doch gleich . . . Man kann doch nicht immer nur die weiche Welle fahren. Die müssten Kilometer machen, die müssten rennen bis die Hacken brennen.“

Denkt Horst Heese an das morgige Spiel, dann wird ihm schlecht. Er glaubt an nichts Gutes mehr. „Wenn da morgen keine richtige Ansprache kommt, dann ist dieser Club zum Tode verurteilt. Da kann man den HSV lieben, da kann man HSV-Fans sein, da kann man dem HSV die Daumen drücken – wenn da keine vernünftige Absprache kommt, dann wird sich nichts ändern. Schluss, aus. Entweder ändert sich der Trainer, aber der verdrückt sich hinterher nach Holland und hat nichts mehr mit dem HSV zu tun. Dann ist das Thema für ihn erledigt. Er nimmt das Geld, und weg. Nach mir die Sintflut.“ Heese weiter: „Da hat auch die Führung des HSV versagt, denn da wurden und werden Trainer genommen, die einfach nicht passten. Wie zuletzt Thorsten Fink, der kommt zu einem Verein wie den HSV und hat keine Erfahrung. Schlimm.“

Zum Thema Umbruch hat Horst Heese auch noch seine persönliche Meinung: „Der HSV hat, durch den ganzen Chelsea-Mist, zwei Jahre an Aufbau-Arbeit verloren. Die Spieler aus London haben Plätze besetzt, die der HSV mit Amateuren hätte besetzen können. Das wäre besser gewesen. Zwei Jahre Aufbau-Arbeit sind verloren, dank Frank Arnesen. Dabei gibt es doch Spieler, die es könnten, die muss man nur suchen. Bei HSV aber wurde die bequeme Tour gefahren. Ein Toni Kroos oder ein Bastian Schweinsteiger sind doch auch nicht vom Himmel gefallen. Man muss aber schon suchen, in den Schoß fallen einem solche Talente nicht. Aber beim HSV denken sie schon seit Jahren so, das zieht sich durch den Club wie ein roter Faden. Da müsste meiner Meinung nach mal zusammengefegt werden – und dann müssten Köpfe rollen. Wobei ich nicht vom Vorstand spreche, da gibt es genügend andere Leute, die nichts machen oder nichts können.“

Wie wahr. Und genau deswegen zittern wir nun alle – wieder einmal um den HSV.

Ich gebe aber heute zu, dass ich seinerzeit, als es wieder einmal eine Minute vor Zwölf war, und zwar am 31. Januar 2007, so fest mit dem Abstieg des HSV gerechnet habe, wie vielleicht noch nie. Das erste Spiel des Jahres endete 1:1 in Bielefeld, dann gab es ebenfalls ein 1:1 zu Hause gegen Cottbus. Das war für mich das Ende – Abstieg. Thomas Doll wurde entlassen, es kam Huub Stevens. Der Retter. Der ließ die Null stehen – und gewann dann auch häufig. Ich habe es oft genug geschrieben: Stevens ist nicht mein Freund, wird es auch nie – aber für diese Leistung hätte man ihm eigentlich ein Denkmal setzen müssen. Neben dem Uwe-Seeler-Fuß. Und wer wird in diesem Jahr der Retter des HSV? Ich sehe noch keinen einzigen. Weit und breit nicht. Ich habe nur Angst. Und die ist längst so groß, wie im Januar 2007 – oder sogar noch größer. Ich gehe vom Schlimmsten aus, denn diese Mannschaft mag ja gute Fußballer in ihren Reihen haben, aber kämpfen kann sie nicht. Und da keiner von außen mit bestem Beispiel voran geht, wird sie es auch nicht mehr lernen.

Ich habe heute auch mit Bundesliga-Profi Nummer eins gesprochen. Harry Bähre, der war als Typ „Terrier“ ein echter und harter Kämpfer, will sich jedoch aus dem aktuellen Geschehen strikt heraushalten. Er sagte aber immerhin: „Ich mache mir, wie alle HSVer die ich kenne, ganz, ganz große Sorgen um den Club, denn so schlimm war es noch nie – obwohl es einige Male schon echt sehr schlecht um den HSV bestellt war.“ Ansonsten aber schweigt Harry Bähre. Es ist wohl die Angst, die ihn lähmt.

Was mich an der heutigen so prekären Lage des HSV stört: Wo gibt es denn noch einen Sascha Jusufi? Einen Profi, der sich wehren will, der dafür auch mal unbequem den eigenen Kollegen gegenüber wird? Der Tacheles spricht, der auf dem Rasen zur Sache geht, der Gras frisst? Solche Typen gibt es heutige nicht mehr. Auf jeden Fall nicht mehr beim HSV. Ich sehe ein solches Vorbild schon seit Jahren nicht mehr in diesem HSV. Und das ist das Gefährliche. Zumal sich der Club (wahrscheinlich wohl aus finanziellen Gründen? Ein Scherz!) nicht erlauben konnte, einen Typen wie Horst Heese zu verpflichten. Leider, Leider. Es wäre so schön gewesen, und es wäre gewiss auch ein kleiner Strohhalm gewesen. Wäre.

So wird sich der HSV an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen müssen. Ob ausgerechnet gegen Hoffenheim die Wende eingeläutet wird? Beim letzten Aufeinandertreffen in Sinsheim gab es einen 4:1-Erfolg des HSV. Das macht schon mal Mut. Am 11. Mai 2013 schossen Heung Min Son, Dennis Aogo, Petr Jiracek und Artjoms Rudnevs den Sieg heraus – drei Spieler davon spielen zurzeit nicht mehr für den HSV, einer (Jiracek) spielt, obwohl ihm eigentlich mal kämpferische Qualitäten nachgesagt wurden, nur eine Nebenrolle in Hamburg. In den bisherigen fünf Spielen zwischen Hoffenheim und dem HSV gab es drei Heimsiege und ein Unentschieden. Diesmal prallen die beiden Schießbuden der Liga aufeinander, denn die TSG hat bereits 42 Gegentreffer, der HSV bringt es „nur“ auf 41. Schlechtere Vereine gibt es in dieser Statistik nicht. Die Null muss stehen? Das wäre wohl ein kleines Fußball-Wunder, oder sogar ein größeres, wenn das morgen klappen sollte – oder überhaupt noch einmal in dieser Spielzeit.

Beim HSV gibt es personell noch einige Wackelkandidaten. Fest steht: Johan Djourou blieb in Hamburg zurück, wird also ein weiteres Mal fehlen. Beim heutigen Vormittags-Training war in Sachen Aufstellung nichts zu erkennen, im Abschlussspielchen standen sich zwei bunt durcheinander gewürfelte Mannschaften gegenüber. Pech für den HSV, dass Marcell Jansen mit einer Knie-Prellung auszufallen droht. Für ihn gäbe es zwei Kandidaten, die einspringen könnten: Slobodan Rajkovic und Zhin Gin Lam. Letzterer hat heute erstmalig in dieser Woche mit der Mannschaft trainiert, Rajkovic wäre plötzlich und unerwartet mittendrin statt nur dabei.

Und das erinnert mich dann an die erste kostenlose Vorführung des HSV gegen Hoffenheim – und zwar am 26. Oktober 2008 in Mannheim. Trainer Martin Jol hatte – im Übermut (?) – Joris Mathijsen als Linksverteidiger aufgeboten, Innenverteidiger waren Alex Silva und Bastian Reinhardt. Alle drei Herren wurden schwindelig gespielt, und nicht nur die. Nach 35 Minuten hieß es bereits 3:0 – es war ein Desaster. Auch deshalb, weil Mathijsen von innen nach außen gedrückt worden war. Das konnte er nun ganz und gar nicht. Und Rajkovic? Ich habe nichts gegen „Slobo“, aber Linksverteidiger? Da habe ich aber meine ganz großen Zweifel.

Auf der Sechs wird es diesmal wohl das Duo Bouy/Badelj geben – Tolgay Arslan bleibt draußen. Ich bin gespannt, ob Quasim Bouy die Sechs kann, aber er soll es ja offenbar können. Grundsätzlich ist mir die HSV-Sechs aber stets zu offensiv besetzt, nur wer erkennt das, wer hat es in den letzten Jahren erkannt? Keiner! Ja, und dann gibt es noch die linke Offensiv-Position: Hakan Calhanoglu oder Ivo Ilicevic? Das Rennen ist völlig offen. Ich würde mich (anstelle des Trainers) für Calhanoglu entscheiden, aus dem Bauch heraus. Und vorne Jacques Zoua. Oder Zoua raus, „Calle“ vorne und Ilicevic links. Wobei rechts Ola John wirbeln soll. Hoffentlich tut er es, hoffentlich hat er sich vom HSV-Virus noch nicht packen lassen.

Übrigens hat ein „Matz-abber“ heute beim Training einen interessanten Vorschlag gemacht: „Rafael van der Vaart sollte eine Verletzung bekommen oder kriegen, damit er mal eine schöpferische Pause einlegen kann. Weil er zuletzt ohnehin nicht viel gebracht hat . . .“ Es darf diskutiert werden.

So, dann hat heute Patrick Owomoyela noch einen Vertrag beim HSV unterschrieben: für die Zweite. Der Kontrakt läuft bis zum Sommer 2014.

Dann gibt es noch in eigener Sache zu berichten:

Der „Matz-ab“-Schreiber Lars Pegelow sitzt am Sonntag beim Doppelpass auf „Sport1“, die Sendung beginnt elf Uhr Und der „Matz-ab“-Schreiber Dieter Matz ist am Sonntag zu Gast bei „0800 – Du bist dr@uf!“, von 21.30 Uhr bis 23 Uhr auf Sky Sport News HD. Die HSV Fans können bei der Sendung von Maik Nöcker live mitdiskutieren, via Telefon, kostenfrei unter 08000 366466. Oder Twitter mit #ssnhd oder direkt an @Sky_MaikN.

Und wer immer mehr HSV braucht und will: Sportchef Oliver Kreuzer sitzt am Sonntag von 18 Uhr an vor dem Mikrofon von NDR 90,3, die Sendung „Sportplatz Hamburg“ wird von Britta Kehrhahn moderiert.

Bereits am Sonnabend, nach dem Schlusspfiff in Sinsheim, werden wir mit „Matz ab live“ über das Spiel sprechen, unsere Gäste sind Lotto King Karl (der zurzeit allerdings ein wenig schwächelt – ich drücke ihm und uns die Daumen, dass er rechtzeitig gesund wird!) und der frühere Volleyball-Bundestrainer (und heutige „Matz-abber“) Olaf Kortmann. Wir würden uns freuen, wenn Ihr einschalten würdet. Vielen Dank dafür.

Und dann noch ein Hinweis: „Scholle“ wird diesen Text noch ein wenig ergänzen – hat er gesagt. Das sollte zeitnah geschehen. Also immer noch einmal hier hineinschauen. Danke. Bis morgen.

***Ergänzung***
Robert Tesche steht – mal wieder – dem Vernehmen nach kurz vor einem Wechsel ins Ausland. Noch ist der Transfer aber nicht beschlossen. Sollte sich hier noch etwas tun, melde ich mich noch mal.

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Aktualisiert

Laut Tesches Berater Roland Kopp hat sich der Wechsel des HSV-Mittelfeldspielers zerschlagen. Die Engländer – es war von Wigan Athletic die Rede – hätten ihr Interesse zurückgezogen.

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Und dann bat mich Eva noch, einen offenen Brief hier reinzustellen. Oder besser gesagt, den Text und einen wichtigen Link dazu. Und das mache ich gern, weil es eine gute Sache ist. Und weil ich mir sicher bin, dass diese Mannschaft Hilfestellung von außen unbedingt braucht, da sie sich selbst momentan nicht helfen kann. Daher, hier der Text:

Verschwört Euch gegen die Umstände, die sich gegen Euch verschworen haben! Überwindet gemeinsam alle Widerstände!
Liebe Mannschaft!
Lieber Bert, Rafael, René, Jaroslav, Sven, Florian, Michael, Heiko, Johan, Lasse, Jonathan, Slobodan, Marcell, Dennis, Zhi Gin, Tomás, Milan, Matti, Gojko, Ouasim, Tolgay, Kerem, Robert, Petr, Hakan, Ivo, Ola, Pierre-Michel, Maxi, Jacques, Valmir
seit dem Wochenende wissen alle HSVer, was die Stunde geschlagen hat. Die Lage ist ernst, sehr ernst.
Gemeinsam können wir, Ihr Spieler und wir Fans, das Ruder herumreißen.
Ihr seid die Mannschaft des HSV. Wir sind die leidenschaftlichen Fans. Gemeinsam sind wir ein TEAM!!!
Lasst es uns gemeinsam anpacken.
Der Verein befindet sich im Umbruch.
Lasst uns daraus eine positive Aufbruchstimmung machen.
Teilt uns mit, wie wir Fans Euch unterstützen, Euch helfen können.
Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Kurz – aber präzise. Wer diesen Brief an die Mannschaft unterschreiben will, kann das hier tun:

wir-sind-ein-team@gmx.de

Und ich bin auf die Reaktion der Mannschaft gespannt. Schon in Hoffenheim werden wir sehen können, ob diese Mannschaft noch ein Team ist. Denn wenn stimmt, was mir heute in einem langen Telefonat erzählt wurde, steht diese Mannschaft ziemlich hilflos da. Aufgeteilt in Grüppchen. Mit einem Kapitän, der intern Gift und Galle spucken soll. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Frust ausschließlich dazu führt, dass Rafael van der Vaart vorwegmarschiert…

In diesem Sinne, auch von mir noch mal: Euch allen einen schönen Freitagabend und hoffentlich bis morgen, wo wir nach dem ersten, kleinen schritt in die richtige Richtung bei Matz ab live darüber diskutieren, wie gut van der Vaart doch noch sein kann.

Oder so ähnlich zumindest.

Scholle

Es geht los: Die Woche der Wahrheit

12. Januar 2014

Mann oh Mann, so ein schönes Wetter und dann doch wieder nicht besonders viel Gutes zu schreiben. Wie auch? Geht ja um den aktuellen HSV. Und der hat gerade den GAU im Angriff erlebt. Rudnevs verliehen und keine Kohle für einen Ersatz. Sagte zumindest der Vorstand der auf eine schwarze Null in der Bilanz aus ist. Zuletzt hatte man Transfers für den Winter ohne vorausgehende Verkäufe ausgeschlossen. Das bestätigte Kreuzer heute gegenüber „Sky News“ noch mal: „Eigentlich ist das so, dass wir normalerweise keine Transfers angestrebt haben in der Winterpause.“

Das dürfte sich aber spätestens durch die schlimme Verletzung von Maxi Beister (Maxi, auch auf diesem Wege noch mal Gute Besserung!!!) geändert haben. Denn nachdem auch Lasogga mit Knieproblemen ausgefallen war, stand Trainer Bert van Marwijk schon im Test gegen Vitesse Arnheim (0:0) plötzlich nur noch Jacques Zoua zur Verfügung. Das wiederum ist ein GAU – und es sind nur noch zwei Wochen bis zum Liga-Rückrundenauftakt gegen Schalke. „Wir tun gut daran, da in der Offensive noch mal zu handeln“, sagt Kreuzer und erhält moralisch Unterstützung von Hamburgs Sturmlegende Uwe Seeler: „Natürlich ist der erste Gedanke der, dass man einen Neuen holen muss“, so Seeler, „aber ich werde meinem verein nie dazu raten, jetzt einfach einen zu holen, um einen Neuen zu haben. Aktionismus bringt da nichts. Im Gegenteil. Sollte nichts gehen, muss der Verein auch mal das Vertrauen haben und in seinen Nachwuchs zu setzen. Wozu spielen denn unsere Regionalligaspieler bei uns? Die sind doch alle mal geholt worden, weil man ihnen den Schritt nach oben zutraut.“ Seeler weiß um die bedrohliche Lage und ist bemüht, sich nicht zu sehr in die Diskussion um Strukturen einzubringen. Dafür sagt er aber im Hinblick auf einen Neueinkauf klar: „Der Neue muss besser sein, als das, was hier ist.“

Nur wie soll das gehen? Ohne Geld? Der erste Impuls in so einem Moment ist (für mich auf jeden Fall) mal wieder: HSVPlus muss kommen. Und ich glaube, auch Oliver Kreuzer sieht das inzwischen so. Obgleich er es nicht so klar formulieren darf, deutet er es gegenüber „Sky Sport News HD“ an: „Die Mitgliederversammlung ist momentan das große Thema in Hamburg, die Strukturreform. Ich will mich hier gar nicht groß äußern eine Woche vor der Veranstaltung“, so Kreuzer, um dann doch preiszugeben, dass neben Hilke und Jarchow auch er zu den Befürwortern von HSVPlus gehört: „Natürlich, Kapital tut einem Verein immer gut und alle wissen, dass wir in einer schwierigen Situation sind. Warten wir mal ab, was nächste Woche herauskommt. Dann schauen wir weiter.“ Soll heißen, es geht nur mit neuem Geld weiter. Und mit dem Konzept, das bei diesem hochverschuldeten Traditionsklub ob finanziell hochpotenter Unterstützer schnell neues Geld einbringen kann. So viel, dass der HSV die nötigen Soforthilfen holen kann, wobei die Betonung auf „SOFORT“ liegt. Denn Zeit bleibt nicht mehr viel. Am 31. Januar muss alles über die Bühne gebracht sein. Und dem HSV fehlt es an Qualität. Hinten wie vorne.

Denn obwohl Lasogga am Montag wieder ins Training einsteigen soll, droht auch Arslan weiter auszufallen. Der Mittelfeldspieler leidet an Adduktoren- und Leistenproblemen, muss weiter kürzertreten. Trainer Bert van Marwijk hat die Situation erkannt (wie im Foto zu erkennen…) und schlägt Alarm: „Nun kann es auch noch sein, dass Arslans Verletzung länger dauert. Wenn man alles zusammen sieht, dann haben wir schon ganz große Probleme im Moment.“ Größere als fast alle Bundesligisten – Braunschweig mal ausgenommen. Denn die haben zwar die richtige Einstellung zur Liga gefunden – aber schlichtweg noch weniger Qualität im Kader.

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Mehr Qualität haben zweifellos Frankfurt und Schalke. Van Marwijk hatte sich am Sonnabend das Testspiel des nächsten Bundesligagegners gegen die Hessen angesehen – und er war erstaunt. „Ich habe gesehen, dass Frankfurt gleich zwei Bundesligamannschaften aufbieten könnte, wir dagegen nicht mal eine. Das ist die Realität.“ Bittere Worte. Zumal bei Frankfurt der ehemalige HSV-Trainer Armin Veh als Verantwortlicher selbst jetzt nicht müde wird, nach noch mehr Qualität zu rufen. Das zeigt nur, wie weit hinten dieser HSV im Moment zu sein scheint.

Abstiegskampf heißt das Zauberwort, mal wieder. Und van Marwijk sowie seine Führungsspieler van der Vaart und Adler zuletzt werden nicht müde, die Situation schonungslos anzusprechen. Beim Trainer hört man inzwischen schon eine Art Frust heraus. „Wenn es hier einer nicht begriffen haben sollte, dass es hier gegen den Abstieg geht, dann gehört der nicht in die Bundesliga. Aber ich gehe davon aus, dass es jeder begriffen hat.“

Kleine Brote backen statt unrealistische Träume pflegen. Es ist zumindest der erste kleine Schritt in die richtige Richtung. „Wir müssen jetzt so schnell wie möglich so viele Punkte holen, dass wir wieder ruhig atmen können“, sagt van Marwijk der allerdings erneut betonte, dass das mit dem aktuellen Kader schwer wird und er unbedingt einen neuen Angreifer braucht. „Ich habe in dieser Woche ja schon sehr deutlich gesagt, was ich will. Es ist eigentlich deutlich für jeden. Und selbst die, die es vorher noch nicht verstanden haben, für die ist es jetzt deutlich.“ Wen er damit meint, lasse ich jeden selbst interpretieren.

Klar ist dagegen, dass der MV am 19. Januar eine immer größere Bedeutung zuteil wird. Morgen und am Dienstag sitzen die drei Konzeptträger Rieckhoff, Ertel und Hunke jeweils auf großen Bühnen und diskutieren das Thema. Quasi als Warmup für die Woche der Wahrheit. Und Matz ab ist jeweils mittendrin. Zunächst bei „rasant“ auf HH1 am Montag (s. dazu auch Textende). Dort stellen ab 20.15 Uhr Blogvater Dieter Matz und Moderator Uli Pingel die Fragen, ehe am Dienstag ab 17 Uhr (ausgestrahlt wird um 20 Uhr auf NDR 90,3) im NDR-Funkhaus in der Rothenbaumchaussee unser Lars (als NDR-Reporter) und Abendblatt-Vizesportchef Alexander Laux den drei Protagonisten im Rahmen des 11. Sportforums (Kooperation von NDR 90,3 sowie dem Abendblatt und Matz ab) auf die Zähne fühlen und die finale Phase einläuten.

Es steht uns tatsächlich eine Woche bevor, die diesen Verein verändern wird. So oder so. Und ganz ehrlich – ich hoffe „so“. Ihr könnt mir glauben, ich bin grundsätzlich eher ein Spießer und mag Tradition, gerade im Fußball. Aber eben nur so lang, wie es nicht Existenz bedrohend wird. Und die Existenz des HSV ist in der jetzigen Form stark gefährdet, das weiß nun auch der letzte Träumer. Der Abstiegskampf ist eingeläutet. Und sollte am 19. Januar tatsächlich HSVPlus scheitern, wäre es das dann wohl auch mit den Helfern. So, wie einst mit Eugen Block, als die Mitglieder den honorigen Hamburger Geschäftsmann 1997 bei der Wahl für den Aufsichtsrat am Supporter und späteren Vorstand Christian Reichert scheitern ließen. „Das war damals eines der ersten Zeichen dafür, was auf den Verein zukommt“, hatte mir 2007 Udo Bandow in einem sehr netten, sehr ausführlichen Gespräch unmittelbar nach seinem freiwilligen Rücktritt gesagt. Der Aufsichtsratsvorsitzende aus besseren Zeiten machte sich damals schon Sorgen um die Struktur. Wie berechtigt die waren, bewahrheitet sich gerade. Umso ärgerlicher, dass er das Gremium nicht noch etwas länger angeführt hat. Zumal ich mir sicher bin, dass er mit seiner sachlichen, diplomatischen Art das Erfolgsduo Hoffmann/Beiersdorfer 2009 dazu bewogen hätte, zusammen weiter zu machen…

Aber okay, es ist ja noch alles drin.

Jeweils 20 Minuten Redezeit bekommen die Konzepte auf der Mitgliederversammlung am Sonntag, von der wir mit Live-Schalten hier im Blog berichten werden. Dieter und ich werden versuchen, Euch per Liveticker und eben jenen Video-Liveschalten immer so nah wie möglich am Geschehen zu halten – wenn Ihr nicht eh vor Ort seid, was ich natürlich noch viel mehr hoffe. Und, wie angekündigt noch ein Nachklapp zu „rasant“-Sendung am Montagabend: Wer im Publikum sitzen will, die/der sollte sich möglichst schnell bei Sport@Hamburg1.de bewerben. Einige wenige Plätze gibt es noch. Viel Erfolg!

In diesem Sinne, Euch und uns allen noch einen schönen Restsonntag. Bis morgen,
Scholle

***Aktualisiert****Auch Kühne bekennt sich klar zu “HSVPlus” – Adler reist ab

7. Januar 2014

Der HSV ist weit weg und doch auch hier sehr präsent. Präsenter sogar als sportliche Themen sind derzeit alle Strukturdebatten. Zuletzt hatte sich Peter Nogly öffentlich zu HSVPlus bekannt und auch das Stürmeridol der Achtzigerjahre, Horst Hrubesch, hat seine Haltung für HSVPlus noch einmal verdeutlicht und sich als Unterstützer klar bekannt. Ebenso wie heute Klaus Michael Kühne. Der Multimilliardär und HSV-Fan äußerte sich erstmals öffentlich in der Strukturdebatte – und bekennt sich hierbei klar zum Strukturmodell “HSVPlus”:

Aufgrund vielfältiger Journalistenanfragen möchte ich einmalig die folgende Stellungnahme zur HSV-Reform abgeben:
Zu den seit Herbst vergangenen Jahres in der Öffentlichkeit bekannt gewordenen und diskutierten Reform- und Strukturierungskonzepten für den Hamburger Sport-Verein e.V. (HSV) habe ich mich bisher nicht geäußert. In Gesprächen mit einigen der beteiligten Persönlichkeiten habe ich mich jedoch über den Sachverhalt informiert und bin nach gründlicher Abwägung zu der Auffassung gelangt, dass die Initiative “HSVPLUS” die beste Alternative zur bisherigen Vereinsstruktur darstellt. Deshalb kann ich mir vorstellen, dieses Konzept als strategischer Partner in größerem Umfang zu unterstützen. Ich verbinde dies mit der Erwartung, dass zur Stabilisierung und Weiterentwicklung des Vereins auch andere maßgebliche Partner herangezogen werden.
Im Gegensatz zu “HSVPLUS” gehen mir andere Reformmodelle nicht weit genug, und ich kann sie daher auch nicht unterstützen. Es erscheint mir wichtig, dass der Verein wesentlich besser geführt wird. Er befindet sich in einer Negativspirale, die nur durch fundamentale Änderungen in der Grundstruktur und einhergehend mit der Neubesetzung wichtiger Schlüsselfunktionen in der Vereinsführung durchbrochen werden kann.
Die als weniger radikal empfundenen Strukturmodelle haben ebenso wie die aktuelle Vereinsform zu Mittelmaß geführt und schrecken Persönlichkeiten, die dem HSV gut tun könnten, davon ab, sich dort zu engagieren. Ein Aufsichtsgremium, zusammengesetzt aus vielen Menschen, aber davon zu wenigen, die von dem, was sie verantwortlich kontrollieren
sollen, etwas verstehen, führt zu keiner hohen Qualität in den nachgelagerten Organen. Die sportlichen und finanziellen Ergebnisse der letzten Jahre beweisen dies.

Das Profifußballgeschäft muss vom Amateursport strukturell getrennt werden und sollte sich einer einfachen Erfolgsformel unterordnen:
Strikte Leistungsorientierung in allen Bereichen, die besten Spieler auf dem Platz, der beste Trainer auf der Bank und die besten Manager in den Vorstand. Kontrolliert von einem aus Sport- und Wirtschaftsexpertise zusammengesetzten Aufsichtsrat, der unabhängig und professionell agiert sowie ausschließlich dem nachhaltigen Wohl und Erfolg des Traditionsklubs HSV verpflichtet ist.

Es ist meine feste Überzeugung, dass nur unter dieser Voraussetzung überhaupt Partner gefunden werden können, die wie ich bereit wären, sich mit maßgeblichen Beträgen am ausgegliederten Lizenzspielerbereich zu beteiligen. Als Fußballbegeisterter und HSV-Fan sehe ich mein eventuelles Engagement nicht unter Renditeaspekten, vielmehr betrachte ich meine Investitionen in den Verein als eine Fördermaßnahme, um seinen Profifußball wieder auf die Erfolgsspur zu führen. Zugleich liegt mir viel daran, mich für meine Heimatstadt Hamburg zu verwenden und viele HSV-Anhänger froh und glücklich zu machen.

Im Übrigen ist es nicht meine Absicht, mir mit einem möglichen finanziellen Beitrag Einfluss am Fußballgeschehen des HSV zu verschaffen. Die Einflussnahme von strategischen Partnern ist im “HSVPLUS”-Konzept ohnehin auf ein Minimum beschränkt. Der HSV soll durch seine Fans und Mitglieder repräsentiert werden und nicht durch etwaige Kapitalgeber. Allerdings benötigt der Verein im Millionengeschäft Profifußball neben sportlicher Kompetenz auch das Wissen und die Kontakte von Wirtschaftsexperten in seinen maßgeblichen Organen.

Ich wünsche der “HSVPLUS”-Reform vollen Erfolg, damit Hamburg baldmöglichst in die glorreichen Zeiten des Spitzenfußballs zurückkehren kann.

Klare Worte von Herrn Kühne, die ich zu 100 Prozent unterstütze. Und um einem Missverständnis hier noch mal vorzubeugen: Richtig ist, dass wir hier im Blog exklusiv über die Grundschuld, die sich Kühne hat eintragen lassen, berichtet haben.

Sportlich gibt es eine schlechte Nachricht aus Indonesien: Rene Adler ist in wenigen Stunden schon auf dem Weg zurück nach Hamburg. Anhaltende Fußprobleme zwangen den Nationaltorhüter bislang zur Pause. Einzig leichtes Lauf- und Passtraining war drin. An Mannschaftstraining ist derzeit jedoch nicht zu denken. Deshalb reiste Adler nach den 20 Stunden nach Jakarta, dem Weiterflug nach Malang jetzt wieder nach Hamburg. Der Keeper des HSV fliegt Mittwochmorgen von Abu Dhabi nach München zu Dr. Stefan Hinterwimmer, der ihn auch bei seiner Knieverletzung behandelt hat: „Er kennt meinen Körper ganz genau. Er bremst mich auch mal, wenn ich eigentlich spielen will.“

Das wollte er bereits. Vergeblich. „Es ist jetzt genau vier Wochen her, dass ich mir diese saublöde Verletzung zugezogen habe. Die Ärzte und ich hätten gedacht, dass es schneller geht. Wir dachten, dass die zehn Tage Urlaub nach der zweiwöchigen Pause reichen würden. Aber gleich im ersten Training hatte ich noch Schmerzen. Es tut mehr weh, als ich es gehofft hatte.“ Weil er zu früh begonnen hat? „Das erste Training kam vielleicht einen Tick zu früh, der Fuß hat dann reagiert. Das hatten die Ärzte und ich so nicht erwartet. Aber lamentieren hilft ja nicht.“

Zumal Adler weiterhin darauf hofft, zum Rückrundenauftakt gegen Schalke wieder fit zu sein. Um das zu sichern, wähnt Adler seine Chancen in Hamburg, wo er im “Athleticum” des UKE sein Rehatraining unter ärztlicher Aufsicht absolvieren wird, größer. Grund, jetzt schon aufzugeben, bestehe nicht. Sagt Adler: „Wir müssen jetzt einen kühlen Kopf bewahren. Ich lass mich jetzt in Hamburg behandeln und muss eben hoffen, dass es täglich besser wird.“ Ausgeschlossen ist glücklicherweise eine Operation, die eine langfristige Pause nach sich zöge. „Eine OP brauche ich definitiv nicht.“

Ein Trip nach Indonesien und zurück – die Zeit hätte Adler in Hamburg bereits zur Konzentrierten Reha-Arbeit nutzen können. Doch Adler unterscheidet zwischen dem sportlichen und kameradschaftlichen Teil der Reise. Gute 20000 Flugmeilen im Gepäck sagt er: „Natürlich bin ich irgendwie traurig. Schon in der Vorbereitung zur Hinrunde konnte ich ja nicht so richtig mitmachen. Und jetzt werde ich wieder ausgebremst. Aber ich konzentriere meine Gedanken jetzt auf das Positive. Deshalb bin ich gar nicht so böse, dass ich jetzt die Kilometer geschrubbt habe. Es war wichtig, eng bei der Mannschaft zu sein. Hier wollten wir alle ein bisschen enger zusammenrücken. Und ich glaube nicht, dass die Reise den Fuß unbedingt schlechter gemacht hat. Aber ich habe momentan einfach kein gutes Gefühl. Es wird schon besser, aber eben nicht gut genug.“

Gerüchte, Adler würde seinen Abflug vom HSV zu einem anderen Klub vorbereiten, erstickt der Keeper im Keim: „Es ist schon eine schwere Knöchelverletzung. Die Kapsel ist lädiert und ein Band ist gerissen. Für Prognosen ist es noch zu früh. Bis Schalke haben wir ein bisschen Zeit.”

Die hat und bracht auch Trainer Bert van Marwijk, wie er zuletzt widerholt betont hatte. Gerade einmal 60 Prozent des Vereines würde er kennen, 100 müssten es schnellstmöglich werden. Und dazu zählt er auch seine Mannschaft. Im ersten Test in Indonesien überzeugte der HSV keinesfalls. Und der Trainer quittierte das magere 2:2 gegen Arema Cronus mit mürrischen Zitaten direkt nach dem Spiel. Einen ganzen Tag später sagt er: Bert: „Auch in so einem Spiel lernt man die Spieler besser kennen.“ Und: “Nach so einer Reise kann man nicht viel mehr erwarten.“

Umso glücklicher ist der Niederländer, jetzt endlich im “echten” Trainingslager angekommen zu sein. Denn am Dienstagabend landete die Mannschaft in Abu Dhabi, wohnt dort in den Fünfsterne-Tempel (http://www.shangri-la.com/abudhabi/traders/). Vor dem Abflug sagte der HSV-Trainer: „Ich bin froh, dass wir jetzt nach Abu Dhabi reisen – aber dort müssen wir uns auch erst mal erholen. Man sagt ja, dass man einen Tag Erholung pro Stunde Zeitunterschied braucht, diese Zeit haben wir aber nicht. Jeder hat ja einen anderen Rhythmus. Meine Frau hat schon einen Jetlag bei der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit.“ Dennoch, die Aussicht, endlich ein paar Tage konzentrierter Trainingsarbeit auf dem Platz ohne störende Flüge stimmt van Marwijk positiv. Zwar werde er die ersten Tage vorsichtiger trainieren wollen, um Verletzungen vorzubeugen. Dennoch: „Wenn das Wetter, der Platz und die Atmosphäre gut sind, dann geht es uns auch gleich viel besser.“

Angst, dass die „richtige“ Vorbereitungszeit bis Schalke nicht reicht, hat der HSV-Coach nicht. „Ich habe keine Angst und ich bin auch nicht besorgt, dass wir gegen Schalke nicht fit sein werden. Ich habe ja nun oft genug gesagt, dass ich den Trip nach Indonesien für nicht optimal halte. Aber man wird durch so eine Reise auch härter und stärker. Auch solche Umstände haben Vorteile, der Mannschaftsgeist wird beispielsweise gefördert.“

Die Spieler scheinen von dem harten Trip bislang nicht abzuschrecken. Im Gegenteil. Allzu oft reist man sicherlich in seinem Leben nicht nach Indonesien. Auch Jansen: nicht, der von den Umständen begeistert ist: „Ich war extrem positiv überrascht wie freundlich alle zu uns waren. Aber es war auch wirklich sehr anstrengend. Fünf Flüge für ein einziges Spiel sind schon heftig. Ich bin froh, wenn wir in Abu Dhabi normal trainieren können. Trotzdem war es auf eine gewissen Art und Weise ein geiler Trip.“

Vor allem für die beiden Nachwuchskicker Nils Brüning und Dominik Jordan, die ihr erstes Trainingslager mit dem HSV absolvieren. Aber auch für einen vergleichsweise erfahrenen Spieler wie Dennis Diekmeier, der nach vier Monaten Pause sein Comeback feierte. „So ein Trip nimmt einen schon ganz schön mit. Aber für mich ist es einfach nur ein geiles Gefühl, wieder voll mitmischen zu können.” Daher war für den Rechtsverteidiger das Ergebnis zunächst auch sekundär. “Alles hat gehalten, das ist erstmal wichtig. Das war ein wichtiger Schritt für mich. Und in Abu Dhabi können wir wieder richtig Gas geben.“ Schon am Freitag geht es im Zayed Sports City Stadium in Abu Dhabi gegen Vitesse Arnheim (wer einen Stream dazu weiß – bitte posten!!). Mit Diekmeier. Unklar ist nur, ob van Marwijk wieder komplett durchwechselt. dafür will der Trainer die nächsten tage abwarten, wie sich die Spieler im Training präsentieren.

In diesem Sinne, im Anhang findet Ihr übrigens noch einen Veranstaltungshinweis, dem ich Euch nahelegen möchte! Bis morgen!

Scholle

Anhang:

Sportlich ist der HSV nur noch unteres Mittelmaß in der Fußballbundesliga, wirtschaftlich sieht es nicht besser aus. Am 19. Januar soll auf einer großen Mitgliederversammlung des Vereins über Zukunfts-Modelle entschieden werden. Ausgliederung der Profi-Fußballer oder doch nur Satzungsänderungen – was wollen die Mitglieder auf dieser Versammlung der Superlative?

Wie ist der HSV zu retten?

Einige Tage vorher diskutieren wir im 31. “Hamburger Sportforum”, einer Kooperation zwischen NDR 90,3, dem Hamburger Abendblatt und Matz ab, über die Zukunft des HSV: Am kommenden Dienstag, den 14. Januar, begrüßen die Moderatoren Lars Pegelow (NDR 90,3) und Alexander Laux (Hamburger Abendblatt) diese drei Gäste:

Otto Rieckhoff, der das Modell “HSV-Plus” vertritt
Manfred Ertel, Vorsitzender des HSV-Aufsichtsrates und Anhänger der “HSV-Reform”
Jürgen Hunke, Aufsichtsratsmitglied und Initiator von “Tradition mit Zukunft”

Tickets dafür werden via Abendblatt.de verlost. Wie genau das aussieht, und wo Ihr Euch bewerben müsst, kann ich Euch morgen verraten. Auf jeden Fall aber werden die Karten, sofern die Anzahl der Besucherwünsche das Kontingent übersteigt, offen verlost. Alle haben also die gleiche Chance, daran live teilzunehmen. Alle, die keine Tickets bekommen haben oder aus anderen Gründen nicht live dabei sein können, die können sich das Spektakel am Abend gemütlich vom PC aus ansehen. “Matz ab live” wird die gesamte Sendung per Videao-Stream hier übertragen. Ich freue mich darauf.

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