Archiv für das Tag 'Pegelow'

Tag eins nach dem Klassenerhalt: Mächtig was los im Volkspark! *** HSVPlus-Pressekonferenz im Video***

19. Mai 2014

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Pressekonferenz der Initiative HSVPlus


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Der Tag nach dem Klassenerhalt – es ist für mich eigentlich ein richtig schöner Tag, da ich jetzt erst so richtig anfange zu realisieren, welch Kelch da an uns vorbeigeschummelt wurde. Dafür reichte ein Blick in die Augen der Verantwortlichen, die wie ich erst heute zugegeben haben, dass auch sie zwischenzeitlich massive Zweifel am Klassenerhalt hatten. Dass ich es nicht zugegeben habe – logisch, oder? Das war Zweckoptimismus in Reinkultur – eben so, wie ihn Slomka in Perfektion vorgelebt hat. Und am Ende hat es seinen Zweck ja erfüllt.


Egal wie, die schonungslose Analyse der Fehler beginnt heute. Beim HSV ganz sicher, dafür haben sich Slomka und Kreuzer schon für heute verabredet. Und auch im Blog sollte es heute losgehen – dachte ich zumindest bis Hakan Calhanoglu den Mund aufmachte. „Ich würde mich freuen, wenn der Verein mir meinen Wunsch erfüllt“, so der Mittelfeldmann, der anschließend auf Nachfrage etwas genauer wurde: „Mein Wunsch steht fest. Und mein Berater hat ihn formuliert.“ Also Leverkusen? „Ja“, so Calhanoglu, der seinen Vertrag Anfang des Jahres noch bis 2018 vorzeitig verlängert hatte.

Warum dieser schnelle Sinneswandel? Geld. Und angeblich sportliche Perspektive. Es ist nicht mehr und nicht weniger als das immer üblicher werdende Verhalten immer mächtiger werdender Spieler und deren Berater – gerade dann, wenn ein verein in derartige Schieflage geraten ist wie der HSV. Dass Bayer anfängt, hier einen halbtoten HSV bereits zu fleddern – für Außenstehende mag das unmoralisch wirken. Im Bundesligageschäft heißt das dann „professionell“. Zumindest aus Sicht der Leverkusener. Die Werksklubverantwortlichen hoffen auf ein Schnäppchen, was nur jetzt noch machbar ist, wo Calhanoglu erst angedeutet hat, wozu er fähig sein könnte. Dass er – so sehe ich das sicher nicht allein – aus dem Spiel heraus noch nicht annähernd die Dominanz hat um sich jetzt schon in der Champions League zu wähnen – egal. Dass er davon träumt („Jeder Spieler möchte gern Champions League spielen und das haben wir mit dem HSV nicht geschafft“) ist legitim. Aber den „nächsten Schritt“, wie Calhanoglu hofft, kann er auch in Hamburg machen, wo er schier unantastbarer Stammspieler ist und wohl auch bleiben würde.

Am Ende, unmittelbar vor seiner Abfahrt Richtung türkische Nationalelf, sagte Calhanoglu dann auch: „Wenn der HSV mich nicht gehen lässt, bleibe ich hier.“ Klar, dafür gibt es ja einen bis 2018 gültigen Vertrag. Und Calhanoglu betonte zuletzt immer wieder, sich beim HSV richtig wohl zu fühlen. Sollte er bleiben, hoffe er sogar darauf, „nächste Saison um die Europa League zu spielen“.

Die Frage ist nur, ob der HSV dazu überhaupt im Stande ist. Nach jetzigem Stand würde ich das nicht nur bezweifeln, ich würde es sogar ausschließen. Solange es eine Restchance gibt, dass sich strukturell und dementsprechend vor allem auch personell nichts verändert, ist dieser Klub weiter auf dem Sinkflug – obgleich die Bruchlandung gerade noch gelungen schien, droht neues Ungemach. Auch Pierre-Michel Lasogga wollte (und konnte) sich heute noch nicht dazu äußern, ob er denn bleibt. „Wenn Pierre uns signalisiert, dass er bleiben möchte, bin ich sicher, dass wir eine Chance haben, ihn auch zu halten“, hatte Kreuzer auf der Pressekonferenz (siehe Video) gesagt, und somit dem Angreifer den Ball des Handelns zugespielt. Der allerdings nahm den Steilpass nicht auf. „Ich werde jetzt erst einmal alles verarbeiten und anschließend in Ruhe eine Entscheidung treffen“, sagte Lasogga unmittelbar vor seiner Abfahrt vom Stadion. Ob es sein letzter Tag beim HSV sei? „Jetzt erst einmal ja“, scherzte der Angreifer, dem aus der Bundesliga Angebote vorliegen, den sein Noch-Arbeitgeber Hertha BSC wieder zurückhaben will und der auch auf der Insel Interesse geweckt hat. Und insbesondere Letzteres scheint Lasogga zu interessieren. „Ich habe immer schon, seit ich ein kleines Kind bin, gesagt, dass ich gern einmal in der Premier League spielen will.“ Dass er mit seiner körperbetonten, kampfstarken Art in die zudem finanziell potente und sportlich hochkarätige Premier League passt – es spricht vieles für einen Wechsel des HSV-Retters nach England. Leider.

Und wie so oft zuletzt komprimieren sich bei mir mal wieder alle Hoffnungen auf den kommenden Sonntag. Leider muss ich sagen. Denn wenn auch nur die Hälfte dessen stimmt, was im Vorfeld kolportiert wird, wird es bitter. Denn, so habe ich mir von vielen Seiten inzwischen bestätigen lassen, egal wie viele Mitglieder am Sonntag HSVPlus wählen, sobald HSVPlus gewählt ist, wird die Gegenseite die Wahl anfechten. Und das kann letztlich auf rechtlicher Ebene lange dauern – und dem HSV mächtig schaden. Denn eines ist klar, dieser HSV hängt seiner Zeit hinterher. Strukturell – aber vor allem personell. Und zwar auf allen Ebenen. „Wir haben schon viel Zeit verloren und müssen jetzt mächtig Gas geben, um eine Mannschaft zu formen, die ein komplett anderes Gesicht zeigt als in dieser Saison“, sagt Sportchef Oliver Kreuzer, der sich zwar optimistisch gibt aber selbst noch nicht weiß, ob er nach Montag überhaupt noch als Sportchef eingeplant ist. Ihr seht, es hakt an allen Ecken. Während die zwei Spieler der Saison, Calhanoglu und Lasogga wegzubrechen drohen, ist noch kein Neuer da.

Trotzdem, wenn ich gefragt werde, sage ich immer, der HSV sei bei allem Dusel NICHT zu Unrecht in der Klasse geblieben – sofern er jetzt die richtigen Schlüsse zieht. Heute war die erste große Gelegenheit, damit anzufangen. Allerdings ruft Tag eins nach dem Klassenerhalt bei mir gleich erste Zweifel hervor, ob alle Verantwortlichen erkannt haben, worum es hier geht und wie knapp der HSV am größten anzunehmenden Unfall vorbeigeschrammt ist. Aber lest selbst, was Dieter zu berichten weiß:


Während im Volkspark über die sportliche Zukunft – und rückblickend über diese Saison – gesprochen wurde, fand zeitgleich im Hotel Grand Elysee eine Pressekonferenz der besonderen Art statt. Jürgen Hunke und Co stellten dabei unter dem Namen „HSV Allianz“ ein neues Konzept vor. Noch einmal ein neues Konzept, obwohl am Sonntag, bei der mit riesiger Spannung erwarteten Mitgliederversammlung in der Arena, nur über „HSVPlus“ abgestimmt werden soll. Überrascht hat dabei nicht das Konzept, überrascht haben dabei ganz besonders zwei Herren, die mit auf dem Podium saßen: Elysee-Hausherr Eugen Block und der Rekordspieler des HSV, Manfred Kaltz. Das ist erst einmal eine Ansage.

Für die Einladung zur Pressekonferenz zeichneten Rainer Ferslev, Jürgen Hunke und Dr. Andreas Costard verantwortlich: „Wir haben uns in den letzten Monaten in Form eines „Runden Tisches“ mit vielen Fragen geplanter Satzungsänderungen beschäftigt. Dieses Ergebnis möchten einige Vertreter der HSV-Allianz mitteilen. Wir haben bisher keine öffentliche Stellungsnahmen und Aktivitäten unternommen, solange die sportliche Situation des HSV nicht entschieden war.“ Nun ist sie entschieden, und deshalb stellte sich die neue HSV-Allianz auch einmal vor: „Sie besteht aus Förderern des HSV, ehemaligen Spielern des HSV, ehemaligen Präsidenten des HSV, Mitgliedern des Seniorenrates, ehemaligen Vorsitzenden des Ehrenrates, Rechnungsprüfern des HSV (immer des HSV, natürlich), dazu Initiatoren der Aktion Rautenherz und der Aktion Zukunft mit Tradition.“

Das, was sich dann im Hotel Elysee tat, konnte sich sehen und hören lassen. Das war gut strukturiert und wurde auch bestens „verkauft“. Kein Vergleich mehr mit dem letzten Auftritt Jürgen Hunkes bei der Mitgliederversammlung, als er für seine Aktion „Zukunft mit Tradition“ sprach – und nicht zu „Potte“ kam, immer um den heißen Brei herumredete. Diesmal kam Hunke auf den Punkt. Und er gab zu, dass er inzwischen umgedacht hat. Er ist nicht mehr gegen eine Ausgliederung: „Die muss sein.“ Hunke ist dagegen, dass die Raute und das Stadion verkauft werden: „Das wäre eine historische Fehlentscheidung.“ Und um die zu verhindern, reicht die HSV-Allianz der Initiative „HSVPlus“, die vom ehemaligen HSV-Aufsichtsrats-Chef Ernst-Otto Rieckhoff angeschoben wurde und wird, dem Vernehmen nach die Hand. Es soll noch einmal an einem „Runden Tisch“ nach einer gemeinsamen Lösung gesucht werden.

Denn noch gebe es drei wesentliche Probleme, die Dr. Costard nannte: „Erstens verlieren die Mitglieder ihre Rechte, zweitens werden Finanzinvestoren und Rendite-Jägern, die den HSV missbrauchen könnten, Tür und Tor geöffnet, und drittens gibt es da den geplanten Verkauf der Arena und der Raute.“ Das war und ist geraume Zeit bekannt (und wird von HSVPlus-Gegnern immer wieder als Hauptargumente genannt), aber es musste wohl doch noch einmal gesagt werden.

Letztlich kommt die „HSV-Allianz“ zwar spät zum Zuge, aber nun sind die Mitglieder dran, sie werden darüber zu befinden haben, wohin der Weg des HSV gehen soll . . . Das vom HSV-Vorstand dazu vorbereitete Papier über die Abstimmung von „HSVPlus“ nannte Rainer Ferslev „Dreck“ und „eine riesige PR-Maschinerie“. Zudem befand er: „Der Vorstand kämpft nicht um die Raute, aber die Raute ist Mythos.“ Und er legte den Machern von „HSVPlus“ nahe, die „HSV-Allianz“ mit ins Boot zu nehmen: „Umarme deinen Feind . . .“

Eugen Block sagte bei dieser PK in Richtung des amtierenden Vorstandes: „Diese Leute können nicht mit Geld umgehen, die müssen sofort weg von der Kasse…“ Zudem hieß es: „Das, was uns von HSVPlus vorliegt, ist mit heißer Nadel gestrickt worden, und das geht bei einer so großen Herz-Operation nicht. Da muss nachgebessert werden, es darf bei einem so großen und wichtigen Eingriff keinen Schnellschuss geben.“ Und Block sagte auch: „Die Finanzierung, die Ernst-Otto Rieckhoff vorhat, die ist hochbrisant und gefährlich.“ Deswegen plädiert die HSV-Allianz jetzt dafür: „Abstimmung vertagen, zusammensetzen und dann gemeinsam um eine noch bessere Lösung ringen.“

Wie der HSV künftig zu Geld für seine Profi-Abteilung kommen will, blieb noch offen, Block sagte aber in Richtung des bisherigen Geldgebers Klaus-Michael Kühne:“ Eine AG sollte breit aufgestellt sind, und dann brauchen wir das Geld des Herrn Kühne nicht unbedingt.“ Zur Unterstützung meldete sich Manfred Kaltz, der Angst hat, „dass der HSV verramscht wird“, zu Wort: „Der Verein und die Fans werden von HSVPlus nicht mitgenommen.“ Und, Kaltz weiter: „Wir haben uns früher den Arsch aufgerissen, haben Leistung gebracht und hatten Erfolge – dann kommt das Geld von ganz alleine.“

Das ist ja auch mal eine Methode.

Was noch gefordert wurde von der HSV-Allianz – ganz interessant: Alle Gremien im HSV, Vorstand und Aufsichtsrat, sollten sofort zurücktreten. Jürgen Hunke, noch Mitglied des Aufsichtsrates, ging dabei voran: „Ich bin dazu bereit.“ Aber die anderen Räte? Ganz sicher nicht. Oder? Es geht doch letztlich immer nur um die Sicherung des eigenen Pöstchens . . .

Fazit der PK: Den Allianz-Herren geht es nicht um die Verhinderung von „HSVPlus“, sondern lediglich um eine Vertagung der für Sonntag geplanten Abstimmung. Aber, wie schon geschrieben: Jetzt sind die HSV-Mitglieder gefordert. Und was die Macher von „HSVPlus“ zu all dem, was da heute im Elysee vom Stapel gelassen wurde, sagen, das werden wir am Dienstag erfahren. Denn da folgt die Pressekonferenz von Ernst-Otto-Rieckhoff und Co.

Mein persönliches Fazit: Ich glaube, dass dem HSV noch eine große Zerreißprobe bevorsteht. Und ob die immer schmerzfrei und ohne bleibende Schäden zu hinterlassen abgeschlossen wird, ist eine der Fragen, die sich vielleicht nicht einmal an diesem Sonntag klären lassen wird. Denn wenn ich allein an die 50 und mehr gestellten Satzungs-Änderungs-Anträge denke, wird mir nicht nur schlecht, dann zweifle ich daran, ob es mit dem HSV nach dem 25. Mai 2014 einträchtig weitergehen kann. Diese Anträge sind alle nur gestellt, um diese Versammlung zu torpedieren, und das allein ist in meinen Augen nur Wahnsinn. Demokratie sieht dann doch wohl etwas anders aus, aber natürlich wollen diejenigen, die bisher in Ober-, Unter, Quer, Links- und Rechts-Ausschüssen sitzen, weiterhin ein gewichtiges Wort in ihrem HSV mitsprechen, dazu natürlich auch alle anderen Gremien, die sich nun der „HSV-Allianz“ angeschlossen haben (siehe oben). Alle sehr, sehr wichtig, alle haben diesen und ihren HSV bislang so gut geführt, dass der Club nun dort steht, wo er am Sonntag in Fürth stand. Aber gut, wir werden sehen, was aus den drei großen Hamburger Buchstaben nun wird. Alle haben ihre Argumente, jetzt ist wieder einmal die Basis gefragt.

Apropos. Bei der Gelegenheit wollen wir uns von „Matz ab“ für die vielen, vielen Mails, SMSe, Anrufe und Briefe ganz herzlich bedanken. Es war an diesem Montag bei allen, bei „Scholle“, Lars Pegelow und mir die Hölle los. Mein altes, mein altertümliches Handy, konnte keine Nachrichten mehr aufnehmen (sorry bei denen, die es noch versucht haben!), das galt für Anrufe (auf der Box) und für SMS. Heute klappte das mit den Anrufen (sogar Frau Barbara Ertel-Leicht vom VfL Wolfsburg aus der Presse-Abteilung gratulierte – einfach nur toll!) wieder fast normal, aber auch nur fast. Ich werde versuchen, mich bei allen zu melden, aber das könnte noch etwas dauern.

Trotz allem noch einmal: danke, danke, danke! Ihr seid Weltklasse. Und wir haben uns am Sonntag nach dem Spiel auch darauf verständigt, dass wir „schon eine tolle Matz-ab-Familie geworden sind“. Mit „Papa Benno“ an der Spitze! Dieses Lob gilt natürlich auch für alle anderen Bilderbuch-„Matz-abber“, von denen ich am Sonnabend einen ganz besonderen vergessen habe (Asche auf mein Haupt!), nämlich Aufkleber-Uwe. Ihm haben wir Banner und Aufkleber zu verdanken, zudem lebt Uwe, der natürlich mächtig mitgezittert hat, im tiefen Westen den HSV tagtäglich pur! Herzliche Grüße – und immer wieder herzlichen Dank für Deine große Unterstützung, lieber Uwe!

So, nun bin ich am Ende, „Scholle“ wird dieses Werk zusammenführen – und dann bleibt uns nur noch, Euch einen wunderschönen Abend zu wünschen. Ohne jede Dramatik, ohne große Spannung, ohne Zitterei. Einfach nur mal wieder einen ruhigen Feierabend genießen. Ein kurzes Dankeschön noch schnell an Britta Kehrhahn, die uns heute mit Mitschnitten der “Allianz”-PK tüchtig aushalf, einen Dank auch an Sergej Barbarez und Frank “Macke” Mackerodt – ihr wart fantastische Gäste bei „Matz-ab-live“, es gab viel Lob, auch von unseren Chefs. Und kurz auch noch ein Schlenker zu Lotto King Karl (und seinen Barmbek Dreamboys), der am Sonntag gleich zweimal seine Perle im Volkspark gesungen hat (einmal vorher, einmal nachher!). Wir wünschen Dir, Lotto, und Deinen Kumpels bei der heute in München beginnenden Deutschland-Tournee alles, alles Gute. Prost, Lotto! Und Prost Loide – wie Lotto immer sagt.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird sicher nicht weniger los sein als heute.

Scholle und Dieter

P.S.: Wie wir eben erfahren haben, wird auch Cotrainer Roger Stilz, desen Vertrag ausläuft, den HSV verlassen. “Ich bin dem HSV dankbar für das Vertrauen, das ich hier gespürt habe. Es war eine sehr intensive, lehrreiche Zeit für mich, an die ich mich immer gern erinnern werde.” Dennoch plant der ehemalige Kicker des SC Victoria seinen künftigen Weg bei einem anderen Klub, den er uns beizeiten mitteilen werde. Alles Gute, Roger!

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