Archiv für das Tag 'Öztunali'

Die Feiertage beim HSV fallen sicher kürzer aus

22. Dezember 2014

So, es ist Zeit für einen umfassenden Jahresabschluss. Beim HSV auf der Geschäftsstelle sitzen die Granden zusammen und beraten ihre Möglichkeiten. Mindestens ein neuer Stürmer soll es werden – mindestens drei Abgänge werden erwartet. Wobei, bei dem Neuen soll es sich nach Möglichkeit um einen talentierten Youngster drehen, den man in Hamburg zum großen Stürmer aufbaut. So, wie es dem Vernehmen nach der frisch eingebürgerte Däne Pione Sisto vom FC Midtjylland werden könnte. Oder wie man es sich vor Jahren auch von Levin Öztunali im offensiven Mittelfeld versprach.

Obwohl: Wirklich auch Öztunali?

Ich sage eher nein. Denn der junge Mittelfeldmann hat sich seinerzeit trotz der Bemühungen des HSV gegen seine Heimatstadt entschieden. Dass er sich damit auch gegen den Klub seines Opas entschieden hatte, okay – aber ich finde diesen Umstand ehrlich gesagt unerheblich. Dieser Fakt sollte höchstens familienintern zum Thema werden. Der Rest muss sportlich abgewogen werden. Und deshalb war für mich damals wie heute nur interessant, ob er es schaffen könnte und dann, weshalb sich Öztunali eben nicht für den HSV entschieden hat. Was der ehrenwerte Opa dazu sagt ist mir dabei ebenso wichtig wie die Meinung von Mama Ilicevic, ob ihr Sohn im Winter wechseln oder doch besser bleiben sollte. Und das meine ich absolut nicht despektierlich dem HSV-Idol gegenüber – sondern mal völlig losgelöst von allen unerheblichen Emotionen drumherum.


Nein, Levin Öztunali muss individuell und komplett losgelöst von allen familiären Umständen analysiert werden. Sollte er anschließend sportlich tatsächlich als Hilfe eingestuft werden können, muss der SV aktiv werden. So wie vor dessen Wechsel zu Bayer Leverkusen. Damals wollte der HSV den Youngster halten, musste sich aber dem Familienentscheid und somit dem finanziell sehr verlockenden Angebot Bayer Leverkusens beugen. Der Werksklub hatte damals „intensiv“ nachgeholfen, die Meinung des Vaters in Richtung Bayer zu lenken. Mit Erfolg. Während Sohnemann Levin sportlich den Durchbruch verpasste, ist Vater Mete beim Champions-League-Teilnehmer angestellt. Dass damals Handgelder geflossen sein sollen – so what…?! Bei welchem ablösefreien Wechsel (und selbst bei den meisten anderen) läuft das nicht so?

Nein, damals ist einiges zwischen den Öztunalis und dem HSV kaputtgegangen. Von beiden Seiten. Und dennoch bin ich mir sicher, dass der HSV Levin auf dem Schirm hat und über dessen Leistungsstärke im Klaren ist. Dass man sich aktuell dennoch nicht bemüht hat, sollte man nicht gleich als Versäumnis werten. Das kann sportlich durchaus sehr nachvollziehbar begründet sein. Immerhin hat Levin seinen Durchbruch bei Bayer in 18 Monaten nicht geschafft. Ob es an der übermächtigen Konkurrenz oder seiner mangelnden Entwicklung liegt, weiß ich nicht. Aber sechs Kurzeinsätze waren es für den einstigen HSV-Junioren-Nationalspieler in dieser Saison. Erst. Was nicht für ihn spricht. Ebenfalls ungewöhnlich: Jetzt leiht ihn sein Klub gleich für lange 18 (!) Monate an Werder Bremen aus. So überzeugt ist man bei Bayer von seinem Youngster offenbar doch (noch) nicht.

Trotzdem, natürlich wäre es eine schöne Geschichte gewesen, wenn der Enkel Seelers in Hamburg dessen Erbe angetreten hätte. Er hat es aber nicht, weil er zum einen noch nicht so weit ist und zum anderen, weil ein anderes Angebot schlichtweg interessanter für ihn und seine Familie war. Punkt. Und damit ist das Thema für mich auch schon durch. Mir bleibt diesbezüglich nur noch zu sagen: Levin, ich wünsche Dir auch weiterhin nur das Beste. Vor allem aber wünsche ich Dir, dass Du es irgendwann schaffst, endlich als der Fußballprofi Levin Öztunali und nicht mehr als „Enkel von Uwe Seeler“ wahrgenommen zu werden. Ob bei Bayer, Werder, HSV oder sonstwo auf diesem Erdball…

Wichtiger ist für mich aktuell, dass der HSV seither gelernt hat, sein Konzept, junge Spieler hochzuziehen, auch mit Leben zu füllen. Während früher Talente wie Sam, Ben-Hatira, Meier sowie Kruse (bei Vier- und Marschlande) und vor allem Choupo-Moting aus den verschiedensten und leider oft vermeidbaren Gründen die Hansestadt verließen, setzt Trainer Joseph „Joe“ Zinnbauer heute auf eben jenen Nachwuchs. Das Jugendkonzept ist nicht mehr nur theoretisch, es wird gelebt. Ashton Götz, Ronny Marcos und Mohamed Gouaida haben sich in den Kader gespielt und werden bei der U23 auch für die Rückrunde als „Abgänge nach oben“ bewertet. Sie haben sich durchgesetzt. Ob sie oben bleiben, hängt an ihnen selbst. Und daran, was der HSV im Winter personell umsetzen kann. Mindestens zwei Spieler sollen gehen wollen (Jansen und Arslan), zwei sollen weg (Ilicevic, Nafiu) und weitere Spieler (Rajkovic, Kacar, Jiracek, Adler) sind verhandelbar.

Sicher los ist der HSV seinen ehemaligen Trainer Mirko Slomka. 1,8 Millionen Euro Abfindung kassiert der im September entlassene Trainer. Viel Geld für einen Verein, der sich gerade neu aufstellen muss, nachdem Klaus-Michael Kühne seine Anteilsoption verstreichen ließ und den HSV um 25 Millionen (zzgl. 4% Zinsen/anno) ärmer macht. Und dass die HSV-verantwortlichen dennoch optimistisch sind, die Lizenz in der kommenden Saison zu erhalten, hat einen einfachen Hintergrund: Offenbar rechnen beim HSV alle damit, dass Kühnes Rückzug der Türöffner für andere Investoren/Gönner/strategische Partner) sei. Viele potenziell interessierte Unternehmer seien bislang immer zurückgeschreckt, wenn es hieß, dass Kühne mit an Bord sei. Alexander Otto beispielsweise soll seit Bekanntwerden der Kühne-Absage durchaus überlegen, ob er beim HSV einsteigt. Selbst der HSVPlus-Gegner Eugen Block hat sein Interesse signalisiert, beim HSV einzusteigen. Allerdings, bevor hier jetzt verfrühter Jubel aufkommt: Bei Otto stecken die Gespräche noch in den Kinderschuhen. Und bei Block ist es bislang lediglich ein intern bekannt gemachtes Interesse. Gespräche über Anteilsverkäufe an den Hamburger Geschäftsmann gab es noch nicht. Zumindest aber gibt es Alternativen zu Kühne, dessen Beweggründe ich nach wie vor nicht nachvollziehen kann. Aber ich klammere das Thema weiterführend heute lieber noch mal aus. Das ist ein Thema für einen eigenen Blog. Sicher auch schon in den nächsten Tagen.

Bis dahin könnt Ihr und werden wir diskutieren, inwieweit Manfred Ertels Antrag für die MV im Januar Sinn macht. Der ehemalige AR-Vorsitzende fordert, dass in Zukunft automatisch der Präsident des e.V. auch AR-Vorsitzender der AG. wird. Soll heißen, Jens Meier würde fortan Karl Gernandt ersetzen. Und so sehr ich davon ausgehe, dass in den nächsten Tagen wieder mächtig viel über vereinspolitische Themen diskutiert wird. muss ich zugeben, ich halte den Vorschlag für durchaus sinnvoll. Schon allein, weil ich unter den aktuellen Voraussetzungen den Vorsitz Gernandts weiterhin für unglücklich halte. Aber was meint Ihr?

Auf jeden Fall wird es beim HSV auch über die eigentlich so besinnlichen Feiertage nur sehr bedingt ruhig werden. “Wer braucht schon viel Akku”, hatte Zinnbauer gefragt. Jetzt wissen wir auch, warumm. In diesem Sinne, wir bleiben dran, Ihr hoffentlich auch. Bis morgen,

Scholle

Nicht im P.S., aber thematisch als alleinigen Punkt hinten möchte ich doch noch mal zwei Dinge loswerden. Erstens war ich am Sonntag sehr berührt von der Nachricht, dass Udo Jürgens gegangen ist. Der Mann, den ich auf einer Postkarte im Flurbereich meiner Oma jahrelang sah und bei ihr im Wohnzimmer zuerst hören musste und später dann hören durfte. Heute lief bei mir „Der Mann mit der Mütze geht nach Haus“, als ich von den Mopo-Kollegen erfuhr, dass Fritz Sdunek gestorben ist. Zwei Tage, an denen wir zwei ganz Große ihres Faches gehen lassen mussten – sie aber dennoch nie vergessen werden. Ich zumindest nicht.

Kreuzer: „Unser Nachwuchs ist nicht so schlecht wie sein Image!“

13. Oktober 2013

Ein freies Wochenende für die Profis, diesmal zwei ganz legale und unumstrittene freie Tage – Erholung pur beim HSV, auch wenn neun Nationalspieler mit ihren Teams rund um den Erdball unterwegs sind. Richtig viele von ihnen haben am Freitag ja nicht gespielt. Nur Rafael van der Vaart (8:1 gegen Ungarn) für die Niederlande und Marcell Jansen standen 90 Minuten auf dem Rasen. Dazu kamen sechs Minuten für Petr Jiracek beim 4:1 der Tschechen auf Malta. Alle anderen, Westermann, Adler, Drobny, Djourou (mit der Schweiz für die WM qualifiziert) und Calhanoglu saßen draußen. Jacques Zoua spielt erst heute Abend mit Kamerun gegen Tunesien. Aber auch in Ordnung: so können sich nicht viele verletzen und geht am Dienstag bei der nächsten WM-Quali-Runde alles gut, kann Bert van Marwijk mit voller Mannschaft aufs Bundesliga-Spiel gegen den VfB Stuttgart am kommenden Wochenende gucken.

Ich hatte mich eigentlich gefreut auf die U 23 des HSV und das Spiel gegen Oldenburg, das dann ja wegen des kurzen aber heftigen Regens ausgefallen ist (dadurch ist das Team auf einen Abstiegsplatz zurück gefallen). Schon vorher hatte ich mich telefonisch mit Oliver Kreuzer verabredet, um mit ihm einmal einen Bereich zu durchleuchten, für den er bislang noch keine Zeit hatte, seit er beim HSV unter Vertrag ist: den Nachwuchs.

„Ich habe wirklich noch keine Gelegenheit gefunden, mir ein Spiel der U 19 oder U 17 anzugucken“, sagte Kreuzer. „Es war einfach zu viel los in den ersten Monaten. Die Transferphase, dann der Trainerwechsel. Aber jetzt hoffe ich, mich mehr in diesen Bereich einzuarbeiten.“ Generell hat Oliver Kreuzer ganz klare Vorstellungen, wie er die Talentschmiede des Vereins gestalten möchte. Und auch seine Einschätzungen zum Status quo sind sehr interessant. „Der HSV-Nachwuchsbereich hat ein schlechtes Image. Das habe ich schon mitbekommen“, so Kreuzer. „Aber in den vergangenen Jahren wurde hier längst nicht so schlecht gearbeitet, wie es immer heißt. Es sind viele Spieler aus dem Nachwuchs des HSV hervor gegangen, die den Weg in den Profifußball gefunden haben. Wenn dies nicht in Hamburg geklappt hat, liegt es nicht an den Verantwortlichen beim Nachwuchs, sondern an den Verantwortlichen für den Profibereich. Die jungen Spieler, die gegangen sind, sind nicht aus Unzufriedenheit mit dem Nachwuchsbereich des HSV gegangen.“

Klare Ansage von Kreuzer, die den Fakten zunächst standhält. Beim Durchforsten der Bundesliga und der Zweiten Liga bin ich auf Anhieb auf 17 Spieler gestoßen, die einmal in Ochsenzoll die Raute getragen haben. Sidney Sam, Heung Min Son, Levin Öztunali (alle Bayer Leverkusen), Eric-Maxim Choupo-Moting, Dani Schahin (beide Mainz 05), Tunay Torun (VfB Stuttgart), Änis Ben-Hatira (Hertha BSC), Alexander Meier (Eintracht Frankfurt), Raphael Wolf (Werder Bremen), Ken Reichel (Eintracht Braunschweig), Wofgang Hesl, Tom Mickel (beide SpVgg Greuther Fürth), Rouwen Hennings (Karlsruher SC). Dazu kommen die vier beim HSV, also Tolgay Arslan, Maximilian Beister, Zhi Gin Lam und Jonathan Tah. Darüber hinaus gibt es einige, die in der U 23 des HSV waren, als sie irgendwo anders dem Jugendbereich entstiegen sind. Karim Guede (SC Freiburg), Deniz Dogan (Braunschweig), Rene Klingbeil (Erzgebirge Aue) oder Charles Takyi (Energie Cottbus) gehören dazu. Im Einzelfall kann man sich unterhalten, wie groß der Einfluss der HSV-Coaches auf die Entwicklung dieses oder jenes Spieler war, ob nicht zum Beispiel ein Arslan sein Rüstzeug viel eher in Dortmund erhalten hat – am Ende bleibt doch aber eine beachtliche Liste.

„Es ist einfach, die HSV-Nachwuchsarbeit pauschal in einen Topf zu schmeißen und abzuqualifizieren. Einer sagt, hier herrscht Chaos, der nächste transportiert es weiter – so entsteht auch ein Bild, und zwar ein zu negatives“, meint Kreuzer. Man könnte auch sagen, dass aus dem Vereins-Nachwuchs angesichts ziemlich chaotischer Rahmenbedingungen noch eine überraschend hohe Anzahl von Spielern nach oben gekommen ist. Mit Stefan Böger, Stephan Hildebrandt, Jens Todt, Paul Meier, Bastian Reinhardt und zuletzt Michael Schröder waren eine Unzahl Nachwuchsleiter am Ruder, das ist das Kernproblem. „Hier muss Kontinuität rein“, weiß Oliver Kreuzer. „Jeder Chef setzt andere Prioritäten und hat unterschiedliche Ideen.“ Aktuell sieht er das Duo Schröder und Dieter Gudel jedenfalls auf einem guten Weg.

Beim Blick auf die jüngere Vergangenheit, die unter Sportchef Frank Arnesen, fällt Kreuzer ein zwar vorsichtiges, aber doch deutlich negatives Urteil, ohne nachkarten zu wollen. „Ich stecke da nicht zu einhundert Prozent im Detail, war ja auch nicht dabei in der letzten Saison. Aber es scheint mir zu viel Unruhe gewesen zu sein, weil viele Trainer mit ihren Verträgen lange in der Schwebe hingen. Das geht natürlich nicht.“ Ganz konkret ärgert sich Oliver Kreuzer, dass Levin Öztunali nicht in Hamburg gehalten wurde. „Ich glaube nicht, dass dem HSV viele Topspieler aus den eigenen Reihen durch die Lappen gegangen sind. Nach dem, was ich gehört habe, bildet Öztunali da eine Ausnahme. Ihn hätte man wohl halten können und auch müssen.“ Im Streit, auch mit dessen Großvater Uwe Seeler, ist Öztunali bekanntlich zu Bayer Leverkusen gegangen und hat dort im Alter von 17 Jahren auch schon einige Bundesliga-Einsätze hinter sich. Kreuzer: „Keine Ahnung, wer da genau welche Rolle gespielt hat. Aber wenn man verschiedene Leute nicht verärgert hätte, wäre es machbar gewesen, Öztunali zu halten.“

Das ist dem HSV und Frank Arnesen bei Jonathan Tah gelungen. „Er ist natürlich ein Glücksgriff“, freut sich Kreuzer. „Ein guter Junge, der zeigt, dass in unserer Nachwuchsarbeit auch eine Menge richtig läuft.“ Ohnehin, so der Sportchef, zeigten auch aktuelle Ergebnisse, dass einem für die Zukunft nicht bange sein müsse. „Unsere U 18, U 17 und U16 stehen in ihren Ligen top da. In der U 17 haben wir zum Beispiel sechs Nationalspieler. Aber darüber berichtet natürlich keiner…“ Stattdessen stehen die älteren Jahrgänge im Vordergrund. Die U 19 von Otto Addo und auch die U 23 von Rodolfo Cardoso krebsen am Tabellenende herum. „Im Mittelpunkt steht der Ausbildungsaspekt“, hält Kreuzer dagegen. „Es kann immer mal wieder Jahrgänge geben, in denen es nicht so gut aussieht. Außerdem sind in unserer U 19 viele jüngere Spieler, das erschwert gute Ergebnisse.“

Was die Zukunft von Rodolfo Cardoso angeht, sieht Kreuzer die Zeit der Entscheidung noch nicht gekommen. Im Moment ackert der Argentinier in Köln an seiner Fußball-Lehrer-Lizenz (bzw. gerade in Hamburg im Praktikum unter Bert van Marwijk), danach werde man weitersehen, so Oliver Kreuzer.

Auf dem ersten Treffen mit allen HSV-Scouts vor einigen Wochen hat Kreuzer seine Philosophie dargestellt. „Ich habe gesagt, dass wir versuchen müssen, die Jungs in den ‚goldenen Jahren’ zu uns zu bekommen. Also Spieler zwischen 12 und 14, ab diesem Alter können wir sie hervorragend ausbilden.“ Im Vordergrund, auch das hat Kreuzer den Scouts mitgeteilt, steht dabei der Hamburger und der norddeutsche Raum. „Es muss unser Anspruch sein, hier führend tätig zu werden.“ Außerdem sollen HSV-Trainingslager in Süddeutschland durchgeführt werden, um sich auch dort zu positionieren.

Eine zentrale Rolle soll in Zukunft der HSV Campus spielen. Das neue Nachwuchszentrum neben dem Stadion im Volkspark soll 2015 in Betrieb gehen. „Dann entsteht eine viel größere Nähe zwischen Profis und Nachwuchs. Der Sportchef oder auch der Trainer können viel einfacher mal bei der Jugend zugucken, die Wege sind kürzer. Davon verspreche ich mir sehr viel“, sagt Oliver Kreuzer. Kommen die Baugenehmigungen demnächst, dann soll im Februar 2014 der Spatenstich für dieses Projekt erfolgen.

Soweit also Oliver Kreuzer, dessen Aussagen durchaus als Gegenpunkt zu Thomas von Heesen verstanden werden können, den ich hier vorgestern zitiert habe. Ich bin gespannt, wie Ihr Kreuzers Einschätzungen und Vorstellungen beurteilt. Vieles ist noch Theorie, klar, kann es zu diesem Zeitpunkt aber auch nur sein. Da kann man ihm nur viel Glück bei der Umsetzung wünschen.

Vorgestern hat die HSV-Führung auf der eigenen Homepage eine Erklärung abgegeben. Vielleicht haben einige von Euch das schon gelesen – falls nicht, hier ist sie:

Gemeinsame Erklärung zur Strukturdebatte

Aufsichtsrat und Vorstand des HSV erklären gemeinsam, dass sie in ihrer Eigenschaft als Organe des Vereins keinerlei Stellungnahmen zu derzeit diskutierten Modellen für eine Strukturänderung des HSV abgeben werden. Beide Gremien sind sich einig darüber, dass die Entscheidung hierüber ausschließlich beim obersten Organ des Vereins, der Mitgliederversammlung, liegt.
Der Vorstand wird sich im Rahmen seiner operativen Verantwortung grundsätzlich intern mit fachlichen Fragen aller angedachten Modelle zur Strukturänderung beschäftigen, um so bestmöglich auf Fragen der Mitglieder auf der Mitgliederversammlung im kommenden Januar vorbereitet zu sein.

Sollte in der Vergangenheit durch persönliche Äußerungen einzelner Vorstandsmitglieder der Eindruck entstanden sein, der Vorstand habe sich bereits für oder gegen ein Modell oder eine Struktur ausgesprochen, so ist dies falsch.

Als ich diese Sätze gelesen habe, habe ich mich doch stark gewundert. Manfred Ertel, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, hat lange Interviews zu diesem Thema gegeben. Sein Kollege Jürgen Hunke hat vor zehn Tagen ein eigenes, neues Strukturmodell zum Besten gegeben. Und auch Carl Jarchow, der Vereins-Boss, hat klar Stellung bezogen. Alle anderen dürfen das jetzt nicht mehr? Oder bedeutet der Einschub am Anfang („… in ihrer Eigenschaft als Organe…“), dass sich doch alle äußern dürfen, aber nur mit einer Privat-Meinung, nicht aber stellvertretend für Aufsichtsrat oder Vorstand? Hat irgendwer je bestritten, dass am Ende die Mitglieder entscheiden werden?

Ich denke, dass viele der Amtsinhaber durch ihre ganz spezielle Kenntnis und Sichtweise des Vereins die Debatte über eine mögliche Reform beleben könnten. Es geht doch bitteschön nicht um einzelne Personen, sondern um eine grundsätzliche Ausrichtung des Vereins. Da müssen die Experten von innen doch nicht zwingend den Experten von außen das Feld überlassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ausreicht, alles erst am 19. Januar 2014 auf der Mitgliederversammlung zu besprechen. Dafür ist das Thema, sind die Modelle, doch zu vielschichtig. Und überhaupt: was soll das, das eigene Schweigen anzukündigen? Keiner wird gezwungen, sich zu äußern – das war bislang nicht so und wäre bis zum Januar nicht anders. Wie auch immer, bis dato – entschuldigung, dieser Seitenhieb muss sein – sind noch alle Ankündigungen des Aufsichtsrates, dass Ruhe einkehre und nicht mehr vielstimmig nach außen kommuniziert werde, gescheitert.

Morgen kommt wieder Leben auf den Trainingsplatz neben dem Stadion. Um 15 Uhr geht’s los, wahrscheinlich wieder mit Kerem Demirbay, der seinen Muskelfaserriss überstanden hat. Scholle ist auch dabei. Dann beginnt die Stuttgart-Woche. Zur sportlichen Situation des HSV nach dem 5:0 in Nürnberg hat sich Uwe Seeler auf der Frankfurter Buchmesse geäußert: „Siege geben ja Selbstvertrauen. Nur: Man darf das nicht überbewerten, man muss es so nehmen wie es ist und jetzt nachlegen gegen Stuttgart. Ich hoffe sehnlichst, dass da jetzt wieder ein bisschen mehr Ruhe einkehrt und der neue Trainer Bert van Marwijk den Verein wieder ins ruhige Wasser bringt. Der neue Trainer hat eine klare Vorstellung, die er durchsetzen muss. Er hat ja viel Erfahrung.“ Ein besonderes Lob von Uns Uwe erhielt Hattrick-Schütze Pierre Michel Lasogga. „Der ist ein Bombentyp“, sagte Seeler.

Einen schönen Restsonntag wünscht
Lars

Adler will fliegen – schon in Jena

31. Juli 2013

Viel los war heute wahrlich nicht. Neben zwei Zuschauern, einem Jogger, einem Fahrradfahrer und einer Gruppe Behinderter saßen da noch drei Kollegen und ich. Zwei Fotografen dokumentierten die verwaiste Fußballlandschaft an diesem herrlichen Mittwochnachmittag abseits der Imtech-Arena. Obwohl, da waren natürlich noch die beiden Hauptakteure auf dem großen Trainingsplatz: Torwarttrainer Ronny Teuber und das größte Fragezeichen im HSV-Kader, Rene Adler. Spielt er am Sonntag schon in Jena mit? Oder pausiert er weiterhin und es wird sogar eng bis zum Saisonauftakt am 11. August beim FC Schalke? „Ich habe Schmerzen“, sagt Adler heute nach rund 80 Minuten Einzeltraining. Allerdings relativeierte Adler seine Aussage sofort wieder: „Schmerzen, wie sie nach so anstrengenden Einzeltrainings normal sind. Diese Einheiten sind deutlicu intensiver als normales Mannschaftstraining.“

Kein Zweifel, Adler, der am Dienstag im Sky-Interview klar formulierte, dass man in dieser Saison mehr von der Mannschaft verlangt als in der abgelaufenen Saison, ist heiß. Sehr heiß sogar. „Aber nicht so heiß, dass ich übermotiviert wieder einsteige und dann ausfalle“, verspricht er. Stattdessen warte er jeden Tag ab, wie sich die anstrengenden Einheiten auf seinen Körper auswirken. „Erst, wenn es keinen Zweifel mehr gibt, steige ich wieder voll ein.“ Und das am liebsten mit einem „Tunneler“ bei seinem Kollegen Dennis Diekmeier. „Ich freue mich auf den ersten Kreis, den ich wieder mitspiele und auf den ersten Ball, den ich Dennis durch die Beine schiebe. Das könnt ihr gern so aufschreiben.“

Adler wirkt locker. Motiviert und fokussiert. Er weiß, dass die nächsten Tage für ihn ganz wichtig sind, dass er eine Saison vor sich hat, in der vieles funktionieren muss. Immerhin steht neben dem großen Ziel Europapokal mit dem HSV auch eine WM vor der Tür. „Wir haben viele Nationalspieler aus vielen Nationen, die dahin wollen. Und wir alle wissen, dass wir dafür Erfolg als Mannschaft brauchen. Haben wir den, ist das auch für den Einzelnen klar von Vorteil.“ Eine Gleichung, die ich andersrum aufgezäumt hätte (bessere Leistung als Mannschaft – mehr Erfolg – bessere Bewertungen von außen – bessere Chancen, für die jeweilige Nationalelf berufen zu werden) – aber egal. Geht auch so. Denn, und da bin ich mir mit Adler zu 100 Prozent einig: „Am Ende geht alles nur über die Mannschaft!“

Und die Stimmung ist gut. Im Training wechseln sich rassige Zweikämpfe und umkämpfte Spiele mit entspannten Pausen ab. Es wirkt sehr ehrgeizig – und zumeist harmonisch. „Das ist es auch“, sagt Adler und bezieht insbesondere auch die Spieler mit ein, die weiterhin verkauft werden sollen. „Es gibt da keine Stinkstiefel, alle verhalten sich wie Profis. Obwohl es eine alles andere als leichte Situation für sie ist, lässt sich keiner hängen.“

Zudem ist die Stimmung insgesamt besser als in der abgelaufenen Saison. „Da war es auch gut, aber diesmal haben wir klare Ziele für uns“, sagt Adler. „Ohne da irgendeinen falschen Druck zu machen, haben wir intern das klare Ziel ausgegeben, nach Europa zu kommen. Das ist sicherlich nur ein Ziel und kein Versprechen. Aber wir können versprechen, dass wir immer 100 Prozent geben – und mehr. Wenn wir so kämpfen wie im letzten Spiel gegen Leverkusen, dann springt der Funke über aufs Publikum und umgekehrt. Das in der Mehrzahl der Spiele und dazu unsere spielerische Klasse, die wir jetzt haben – dann können wir nur nach Europa fahren.“

Oha. Sehr optimistisch. Und mutig. Aber das ist Adler. Auch, was seine persönliche Prognose anbelangt. Denn obwohl Trainer Thorsten Fin am Dienstag unmissverständlich sagte, Adler bräuchte mindestens ein Spiel, bevor er ihn zum Bundesligaauftakt gegen Schalke in den Kasten stellt, sieht Adler das etwas anders. Ob er auch ohne ein Spiel vorweg quasi per Kaltstart in die Bundesliga gehen könnte? „Klar, das hab ich schon häufiger machen müssen. Ich habe keine Angst davor.“ Dennoch setzt Adler darauf, vor dem Spiel in Gelsenkirchen Matchpraxis zu sammeln. „Es wäre nicht schlecht, schon am Wochenende zu spielen und wieder das Gefühl für das Spiel zu gewinnen.“ Nicht, dass er das unbedingt bräuchte, dafür hätte er in seinem Leben schon genug Bälle gehalten. Nein, dass er es kann weiß er. Aber allein fürs Selbstvertrauen sei das wichtig. „Es reicht manchmal schon aus, dass man plötzlich bemerkt, wie zuvor schmerzhafte Bewegungen wieder reibungslos gehen.“ Wie heute im Training? „Ungefähr so“, lacht Adler, der einst in Leverkusen mehr oder weniger per Kaltstart seine Bundesliga-Premiere feierte, als er den rotgesperrten Jörg Butt vertreten musste.

Apropos Bayer Leverkusen: Bei dem Werksklub startet Levin Öztunali gerade durch. Und ich befürchte, dass alle Kritiker der letzten Monate Recht behalten werden und sich der HSV in kürzerer zeit mächtig in den Allerwertesten beißen wird. Weil für einen Verbleib des allseits anerkannt größten Talentes innerhalb des Klubs schlichtweg nicht genug getan wurde. Dabei hätte ein Jahresgehalt von Kacar locker gereicht, um Öztunali für die nächsten Jahre zu binden und zu fördern. Und dieses Versäumnis heben auch die Transfers wie Nörgaard etc. nicht auf. Nicht einmal der Verbleib von Tah. Aber das nur am Rande.

Mehr gab es heute nicht. Außer die Ansage von Marcell Jansen, dass er am Feitag wieder ins Training einsteigen wolle. Das wiederum würde Fink nicht richen, um den Linksfuß gegen Jena aufzustellen. “Wenn Marcell nicht vor Freitag trainieren kan, beginnt Dennis Aogo hinten links.” Wie heute in Dresden. Aber davon gibt es nachher noch mehr zu lesen…

Für mich soll es das erst einmal gewesen sein. Nachher, im Anschluss an den Benefizkick von Rafael van der Vaart und Co. in Dresden, meldet sich Dieter mit einem kleinen Update bei Euch. Ich wünsche Euch bis dahin einen schönen Abend und freue mich auf morgen!

Scholle

Son ist weg – und wer wird ihm folgen?

13. Juni 2013

Nun ist es also vollbracht: Heung Min Son wechselt zu Bayer Leverkusen. Doch noch. Und der HSV ist nicht traurig, im Gegenteil, jetzt kommt endlich mal wieder Geld in die Kasse. Ein großartiger Coup, das muss man dem HSV lassen, denn Son kommt aus der „eigenen“ Jugend und bringt die dringend erforderlichen und somit auch erhofften Millionen. Schlecht an diesem Deal ist allerdings, dass der HSV nur noch diesen einen Son hatte. Mal abgesehen von Rene Adler, der natürlich noch immer unverkäuflich ist, unverkäuflich sein muss. Weil der den Laden hinten noch so dicht gehalten hat, dass es keine 100 Gegentore gab, sondern nur 53. Die Frage wird aber in näherer Zukunft sein: Wen verkauft der HSV demnächst, wenn plötzlich und völlig überraschend festgestellt wird, dass schon wieder kein Geld in der Kasse liegt? Da ist außer Adler keiner. Vielleicht wird es Hakan Calhanoglu, wenn der HSV Glück hat, aber wenn Calhanoglu nicht? Dann wird es eng. Die guten Spieler, die ihren Wert hatten und die den HSV Jahr für Jahr gerade und soeben noch über Wasser hielten, die sind mit der Zeit alle veräußert worden. Es gibt jetzt keinen mehr, für den der HSV noch eine große oder sogar zweistellige Millionensumme kassieren könnte – deswegen könnte schon bald wieder Holland voll in Not sein. Was heißt voll? In allerhöchster Not sein! Spätestens dann, wenn am Ende der nächsten Spielzeit kein internationaler Wettbewerb erreicht wurde – so es denn so kommt. Wobei irgend ein internationaler Wettbewerb schon gar nicht mehr ausreichen würde, denn eigentlich müsste es schon die Champions Legaue sein . . .

Und das könnte ja sogar möglich sein, keine Frage. Der HSV war ja schon in der gerade beendeten Bundesliga-Spielzeit nahe dran. Wenn wir uns noch erinnern: Beim Schalke-Rückspiel am 28. April 2013 (!) führte der HSV schnell 1:0 – und hätte mit einem Auswärtssieg sogar einen Champions-League-Platz erklimmen können, nämlich Rang vier. Hätte. Es kam anders, es gab in Gelsenkirchen eine hammerharte 1:4-Pleite. Und am Ende, das wissen wir alle, gab es sogar nicht mal die Europa League. Vier Jahre ist der HSV nun schon „europalos“, und lange, da muss man kein Prophet sein, kann sich das der Club von der Rothenbaumchaussee nicht mehr leisten. Und damit will ich – um Gottes Willen – kein Miesmacher sein. Man muss – oder sollte – aber nur mal den nackten Tatsachen ins Auge blicken, dann kann man auch als der allergrößte HSV-Fan zu keinem anderen Schluss kommen.

Gespannt bin ich, was Heung Min Son tatsächlich in die Kassen gespielt hat. Laut Agentur sollen es zehn Millionen sein. In Leverkusen lachen sie über diese Zahl. Lauthals sogar. Aber sie sagen natürlich nicht, was da genau von Rhein zur Elbe fließt. Meine Kollegen im westdeutschen Raum lachen ebenfalls. Über unsere Naivität hier im Norden. Zehn Millionen? Für Son? Nie im Leben. Allerhöchstens acht. Wurde mir gesagt. Und bei diesen acht Millionen verdient vielleicht auch noch der Berater – oder sogar die Berater – kräftig mit. Profi-Fußball. Das ist schon ein ganz böses Geschäft. Oder eher ein lachhaftes Geschäft? Uns Uwe Seeler hat dazu heute etwas gesagt, das wird am Ende meines Textes stehen. Ja, genau, Uwe Seeler. Der Mann, der den HSV groß geschossen und geköpft hat, der den HSV zu Weltruhm geführt hat – und sich – ganz nebenbei – auch noch. Uwe Seeler, der mehrfach Fußballer des Jahres war (welcher HSV-Profi der Neuzeit war das auch?), der Hamburgs Ehrenbürger ist, der immer noch Vorbild für Millionen ist und der geliebt auf der ganzen Welt geachtet und geliebt wird von vielen Fans. Nicht von allen, das weiß ich seit Matz ab, aber von den meisten. Und deswegen freut es mich, wenn sich dieser Uwe Seeler zu seinem HSV äußert. Wer ist nicht lesen mag, der sollte dann aufhören, wenn es gegen Ende dieses Artikel geht.

Zurück aber zur Aktualität. Wie eminent wichtig Son für den HSV – in seiner jetzigen Rolle – gewesen ist, das dokumentieren die HSV-Stimmen nach dem vollzogenen Wechsel.
„Son war ein wichtiger Spieler für den HSV“, sagt der neue Sportchef Oliver Kreuzer der Deutschen Presse-Agentur DPA. Und: „Man müsse aber neben dem sportlichen Wert des Spielers auch immer die wirtschaftliche Komponente für den Verein sehen.“ Sicherlich. HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow befand: „Natürlich ist es sehr schade, dass uns Heung Min Son verlässt, aber wir haben immer betont, dass er entweder den Vertrag verlängert oder wechseln muss. Seinen Vertrag einfach so auslaufen zu lassen, das kam nie infrage.“ Natürlich. Weil da ja immer noch am Saisonende die Zahl 24 im Raume stand. Millionen. Minus. Gegen die hat sich Jarchow immer massiv gewehrt, und nun hat er Recht behalten. Glückwunsch! Die 24 ist vom Tisch. Dank Son, und dank der Verlängerung mit Vermarkter Sportfive, um den vor Jahren noch ein kilometerweiter Bogen gemacht werden sollte. Damaliges und ehemaliges Motto: „Der Vertrag läuft bald aus, und was die für uns machen, dass können wir selbst erledigen . . .“ Natürlich. Könnten. Groß genug ist der Personalstand des HSV, aber diese Angestellten kassieren eben nur Löhne und bringen keine Millionen (wie Sportfive) in die Kasse.

Und wo ich gerade dabei bin: Hieß es nicht vom (neuen) Aufsichtsrat: „Wir werden nicht den Fehler machen und unsere besten Spieler verkaufen . . ?“ Nein. Und es wurde ja auch Wort gehalten, denn: Es sind ja nicht „die“ Spieler verkauft, sondern nur „ein“ Spieler. Die anderen sind alle noch da. Und einige davon schon viel zu lange. Aber bei diesen großartigen Gehältern – da würde selbst ich nicht freiwillig gehen. Und ich verdiene bei Springer unheimlich gut . . .

Heung Min Son hat in Leverkusen für fünf Jahre unterschrieben. „Wir haben von Beginn an deutlich gemacht, dass ein Wechsel André Schürrles zum FC Chelsea nur in Verbindung mit einer sportlich adäquaten Alternative umsetzbar ist. Diese Alternative haben wir nun in Person von Heung Min Son unter Vertrag genommen. Somit steht aus unserer Sicht einem Transfer André Schürrles nach England nichts mehr im Wege“, sagt Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und fügte ergänzende hinzu: „Mit Heung Min Son haben wir einen Spieler verpflichtet, der trotz seiner Jugend beim HSV bereits zu den Leistungsträgern gehörte. Son passt genau in unser Anforderungsprofil als junger, noch sehr entwicklungsfähiger Profi mit internationalen Ansprüchen. Bei Bayer kann Son seine eigenen, hochgesteckten Ziele am besten realisieren.“ Und Bayer-Sportdirektor Rudi Völler befand zufrieden: „Heung Min Son ist genau der Spielertyp, den wir für unsere junge Mannschaft gesucht haben. Er ist schnell, beweglich, technisch stark und hat einen tollen Torabschluss. Er wird uns helfen, unsere Ziele in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League zu erreichen.“

Natürlich, Herr Völler, natürlich. Die Großen fressen die Kleinen, so geht es im Profi-Fußball zu – eiskalt. Es regieren die Millionen. Euro. Nicht Fans. Und der HSV wird ja auch bald in die Rolle eines „Großen“ aufrücken können, dann nämlich, wenn Roque Santa Cruz für Millionen verpflichtet wird. Oder werden sollte. Nein, das war um es gleich einmal aufzuklären, natürlich etwas (viel) Sarkasmus.

So, nun zu Uwe Seeler, den ich nach wie vor so verehre wie keinen anderen Fußballer. Meine Nummer zwei wäre, das nur nebenbei bemerkt, Günter Netzer, dann käme – von den ganz Großen – Uli Hoeneß. Das aber nur am Rande. Jetzt zu „uns Uwe“:

Für das deutsche Idol Uwe Seeler hat die Kommerzialisierung des Fußballs den Charakter des Spiels verdorben. „Das ist kein Fußball mehr“, sagte der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft in einem Interview mit dem Express über die Entwicklung des Sports zu einem Teil der Unterhaltungsbranche: „Das ist Party und Geschäft.“ Sorgen macht sich der 76-Jährige um seinen Bundesliga-Stammverein HSV. „Ich habe große Angst davor, dass der HSV vor die Wand knallt“, sagte Seeler hinsichtlich der HSV-Probleme im sportlichen und wirtschaftlichen Bereich.

Nach dem Amtsantritt von Oliver Kreuzer als Nachfolger des nach Saisonschluss entlassenen Sportdirektors Frank Arnesen allerdings blickt der ehemalige HSV-Boss mit mehr Zuversicht in die Zukunft: „Ich hoffe nur, dass die Verantwortlichen jetzt mit Vernunft agieren und die Probleme in den Griff bekommen.“

Mit Neugier verfolgt Seeler die Laufbahn seines vom HSV zu Bayer Leverkusen wechselnden Enkels Levin Öztunali und will im Fall einer Nominierung des U17-Nationalspielers für den Erstliga-Kader der Rheinländer auch ins Leverkusener Stadion kommen: „Warten wir einmal ab, wie er sich entwickelt. Er ist sehr ehrgeizig, fleißig und charakterlich einwandfrei. Wenn es so weit sein sollte, werde ich natürlich im Stadion sitzen.“

Dann ist da noch ein “Matz-abber”, der sich um den Namen “Matz ab” sorgt:

Sehr geehrter Herr Matz,

mein Herz schlägt, genau wie bei Ihnen, für den HSV. Bin 69 Jahre alt ,ein frustrierter Anhänger, weil ich neidisch immer auf andere Klubs schaue und jedes Jahr hoffe das es hier wieder endlich bergauf geht. Diese anderen Vereine schaffen es, mit weniger Mitteln viel zu erreichen.

Ich lese fast immer den HSV Blog. Schade das Sie im September in Rente gehen. Dann wird es ja auch das beliebte „Matz ab” unter diesem Namen nicht mehr geben. Bei uns an der Küste gibt es ein Slogan, der an manchen Speiselokalen prangt: Scholle satt. Deshalb nur so eine Idee: Sollte Herr Scholle diese Sendung leiten: „Scholle-sat“.
Freundliche Grüße aus Büsum, Volker S.

PS: Klingt gut, Ich würde es so schreiben: „Scholle satt“ = Scholle Schreibt Alles Tatsächlich Täglich.
Ich hatte schon vorgeschlagen: „Scholz – was soll’s“. Aber das trifft es nicht, es wird und soll aber ja auch bei „Matz ab“ bleiben.

PSPS: Wo ich gerade selbst das Wort Büsum lese. Es ist für mich schon erstaunlich, woher mir die „Matz abber“ alle schreiben. Unglaublich sogar. Früher habe ich ja mal veröffentlicht, woher die Einsendungen beim „Matz-ab-Gewinnspiel“ so kamen, auch unglaublich – aus der ganzen Welt. Toll, einfach nur toll. Und bei der Gelegenheit, heute erhielt ich einen – sorgenvollen – Brief aus Boston, in dem es um die neuen Strukturen des HSV geht, die nun kommen müssten, wenn nicht ein großes Unglück geschehen soll. Unglück gleich Abstieg, wenn ich das mal so sagen darf.
Kurzum: Lieber Marco Me., ich möchte hiermit sagen: Brief ist angekommen, vielen Dank.

Und dann habe ich noch etwas ganz zum Schluss:

Die Schiedsrichter-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat Dr. Felix Brych zum „Schiedsrichter des Jahres” 2012/2013 gewählt, bei den Frauen geht die Auszeichnung an Dr. Riem Hussein. Mit der Wahl würdigt die Kommission herausragende Leistungen in der vergangenen Saison.
Felix Brych hat 2012/2013 in der Bundesliga 18 Spiele gepfiffen. In der Champions League kommt er auf vier Einsätze, darunter das Viertelfinale zwischen Real Madrid und Manchester United. Von der Fifa wurde der 37-Jährige für den vorläufigen Kader der WM 2014 in Brasilien nominiert, beim Confederations Cup 2013 in Brasilien ist er einer von vier Unparteiischen aus Europa.

Warum ich das veröffentliche? Weil ich mich mit Dr. Brych freue – es hat den Richtigen getroffen. Er macht national und international einen ausgezeichneten Job. Und ist, das am Rande, ein toller Sportsmann und Mensch. Herzlichen Glückwunsch!

Und dann noch dies – ein Trost. Anderen geht es auch nicht so sehr gut . . .

Ausverkauf in Schottland: Der Fußball-Traditionsklub Hearts of Midlothian hat aufgrund großer finanzieller Schwierigkeiten seinen gesamtem Kader zum Verkauf gestellt. „Wir würden uns Angebote für jeden unserer Spieler anhören, auch für unsere größten Talente, um die notwendigen Zahlungen tätigen zu können“, teilte der Erstligist aus Edinburgh am Donnerstag auf seiner Internetseite mit.

Vielleicht ist ja sogar etwas für den HSV dabei? Eines der großen Talente eventuell?

17.06 Uhr

Hrubesch und Jahn: In der HSV-Nachwuchsarbeit fehlt es an Ehrlichkeit und Kompetenz

22. März 2013

Nichts. Kein Spieler, kein Funktionär, kein Training – beim HSV passiert aktuell nichts. 15 Akteure schnüren ihre Fußballschuhe für ihr jeweiliges Land – der Rest macht frei. Michael Schröder nicht. Der muss arbeiten. Und das nicht zu knapp. Der neue Nachwuchsleiter tritt ein hartes Erbe an. Und dafür bedarf es eigentlich Tage, die 25 Stunden haben. Und er braucht Hilfe von außen, von Leuten, die in diesem Bereich lange arbeiten und die Hamburg kennen. So einer wäre Horst Hrubesch. Das HSV-Idol der Achtzigerjahre war am Montag zu Gast in Hamburg. Einige Blogger waren beim Oddset-Talk mit dem Hamburger Fußballverband und Dieter Matz auch dabei. Und die meisten haben sich immer wieder gefragt: Warum hat er HSV nie versucht, Horst Hrubesch zum HSV zu lotsen? Zumindest habe ich mir und den HSV-Verantwortlichen genau diese Frage schon des Öfteren gestellt.

Immerhin verfügt Hrubesch, der von 1978 bis 1983 beim HSV spielte und Torschützenkönig („Banane Manni – ich Kopf – Tor“) der Saison 1981/1982 wurde, arbeitet mit einer Unterbrechung seit 1998 für den Juniorenbereich des DFB. Die kurze Ära als Co-Trainer von Erich Ribbeck bei der EM 2000 lasse ich mal unerwähnt… Egal wie, auf jeden Fall aber ist Hrubesch seit nunmehr fast 15 Jahren als Angestellter des DFB für den bundesdeutschen Nachwuchs zuständig. Hrubesch war dabei, als der DFB zusammen mit der DFL 2000 das neue Jugendkonzept (Verpflichtung der Bundesligisten zur Errichtung von Leistungszentren sowie Gründung der bundesweiten DFB-Stützpunkte) verabschiedete. Und er ist beim HSV noch immer sehr nah. Obgleich es ihm nicht leicht gemacht wird.

Was im ersten Moment parteiisch aufgeschrieben wirkt, ist tatsächlich meine Überzeugung. Und die habe ich in nunmehr dutzenden Gesprächen mit den verschiedenen Verantwortlichen, von dem viel zu früh verstorbenen Werner Hackmann, Holger Hieronymus, über Bernd Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer bis zum heutigen Klubboss Carl Jarchow samt Frank Arnesen gewonnen. Alle wie sie da waren und noch immer sind, haben die Sinnhaftigkeit erkannt, mit ehemaligen Größen den Nachwuchsbereich qualitativ anzuheben. Nur erkennbar gemacht hat bislang keiner was. Oder besser: es wurde zu wenig gemacht. Horst Hrubesch beispielsweise wurde nur einmal um Rat gebeten. „Dietmar Beiersdorfer hat mich mal gefragt, ob ich dem HSV helfen würde. Ich habe natürlich ja gesagt und wir haben gesprochen.“ Allerdings genau einmal. Ansonsten gab es nur losen Kontakt. Ausgenommen diesen einen Anruf von Hoffmann vor den Halbfinals in der Europa League, über den Hrubesch heute lieber nicht mehr sprechen will…

Nein, als Übergangslösung ist Hrubesch nicht zu haben. Im Gegenteil. Das einstige Kopfballungeheuer setzt auf Konstanz, hofft genau darauf auch bei seinem HSV. „Es ist nicht wichtig, ob ich da bin oder jemand anders“, sagt Hrubesch, „es zählt nur, dass der Verein eine einheitliche Philosophie vertritt. So, wie es am Anfang der Saison 2011/2012 wirkte. Von Oenning bis hin zu Fink setzte der Verein auf junge Trainer und junge Spieler.“ Ein Umstand, der ebenso aus der Not heraus geboren war, wie er Hrubesch gefiel. „Es wirkte einheitlich und klar. Aber diesen Weg muss man klarer gehen, der muss deutlicher erkennbar werden.“ Rafael van der Vaart, Milan Badelj und Petr Jiracek passten da nicht sofort ins Bild, das sich weiter verziehen könnte. Hrubesch: „Jetzt muss der HSV zu Bayern und hat danach auch noch einige unangenehme Aufgaben vor sich. Welchen Weg geht der HSV, wenn er sich nicht international qualifiziert?“

Horst Hrubesch macht sich Sorgen. Das bundesweit kolportierte Bild vom HSV („Ich beurteile das natürlich nur als Außenstehender“) gefällt ihm nicht. Gerade das Thema Nachwuchsarbeit, sein Steckenpferd, bereitet ihm Kopfzerbrechen. „Ich frage mich oft: Was passt da überhaupt?“ Insbesondere der Fall Levin Öztunali habe ihn wieder aus allen Wolken gerissen. „Dass der Junge ein richtig Guter ist, war lange vorher bekannt. Trotzdem hat sich der HSV erst spät bemüht. Dass der Spieler dann aber, wo sein Vertrag am Saisonende ausläuft, für einen anderen Club entscheidet, halte ich für völlig legitim. Nicht aber, ihn fortan vom Spielbetrieb auszuschließen. Da verstehe ich Uwe, dass er sauer wird. Mit dieser Art habe ich auch ein Problem. Welches Elternteil vertraut diesem Verein – bei der heutzutage so großen Konkurrenz – denn seinen Jungen an, wenn so etwas passiert? Da herrscht einfach kein Vertrauen. Da fehlt mir Ehrlichkeit.“

Die Vertrauensbasis zerstört ist auch zwischen dem HSV und dem Hamburger Fußballverband. Vor knapp zwei Jahren hatte sich der HSV von der Abstellung seiner Spieler für das Verbandstraining losgesagt – und war damit auf Konfrontationskurs mit Verbandstrainer Uwe Jahn gegangen. „Ich habe viel unternommen, Gespräche gesucht und geführt – alles erfolglos. Jetzt führe ich keine Gespräche mehr, sofern der HSV kein Interesse daran annonciert.“ Einzig mit einigen Trainern aus dem HSV-Nachwuchsbereich habe sich das Verhältnis normalisiert, dort würden Spieler das Verbandstraining besuchen dürfen. „Aber ansonsten verhält sich der HSV äußerst ungeschickt“, so Jahn, der vor allem mangelnde Kompetenz beim HSV ausgemacht hat. „Mir fehlt bei den handelnden Personen die Kompetenz und vor allem die Kenntnis, bei den Jugendlichen Prognosen zu stellen.“ Umso bitterer sei es, dass sich der HSV durch sein Abkanzeln auch die Hilfe der Verbandstrainer nimmt. „Die Ausbildung ist lückenhaft. Mentale Ausbildung kaum gegeben“, kritisiert Jahn Dinge, die inzwischen allseits bekannt sind. Dabei sieht sich der HSV doch korrekterweise als Wirtschaftsunternehmen. Er handelt nur nicht danach. Denn in jedem größeren Unternehmen würde eine Analyse der Schwachstellen vorgenommen und dort investiert, wo die Prognose am besten ist.“ Insofern wundere es ihn nicht, dass der HSV seinen Nachwuchsetat weiter zusammenkürzt. „Und das in einer finanziell derart angespannten Phase, wo der HSV quasi verpflichtet ist, insbesondere diesen Bereich zu stärken.“

Von Außenstehenden ist tatsächlich nur sehr wenig Gutes zu hören über den HSV-Nachwuchs. Und auch ehemalige Mitarbeiter sprechen von eher wachsenden Problemen. Die Hoffnung, dass Michael Schröder diesen Problemberg beheben kann, ist bei vielen nur gering. Und das weniger, weil man es dem Ex-Profi nicht zutraut. Jahn: „Nein, beim HSV fehlt eine klare Philosophie, die vom Präsidenten oder in diesem Fall vom Vorstandsvorsitzenden mitgeteilt und ausgegeben wird. Und vor allem muss der Club zu dieser Philosophie stehen. Und das ist nicht der Fall. Wie sonst ist es zu erklären, dass seit Jahren aus Hamburg kaum mehr was kommt? Aktuell haben wir noch Jonathan Tah in der U17, der beim HSV spielt. Anschließend wird es in den Nationalmannschaften aber schon sehr dünn.“ Dass dies zu Zeiten Beiersdorfer/Hoffmann anders war, will Hrubesch nicht gelten lassen. „Damals hat man sich die Talente aus Berlin geholt, eingekauft. Aber ausgebildet wurden die nie in Hamburg. Der HSV hat es nicht geschafft, Spieler wie Sam, Beister, Ben-Hatira, Torun und Schahin auszubilden. Das mussten sich die Spieler alle woanders holen.“ Wenn er eine Frage frei hätte, was er die HSV-Verantwortlichen fragen würde: „Ganz einfach, ich würde fragen, was der HSV vorhat und wie er das erreichen will…“

Eigentlich wollte ich heute Michael Schröder zu all diesen Punkten befragen. Immerhin hat er eine faire Chance absolut verdient. Und wer weiß, vielleicht hat der sympathische Ex-HSV-Profi ja genau diese Baustellen auf dem Zettel und sucht nach Lösungen. Zuzutrauen ist es ihm allemal. Leider konnte ich ihn nicht erreichen. Aber das werde ich nachholen. Ganz klar. Zum einen, um die Berichterstattung zu einem derart wichtigen Thema wie der Nachwuchsarbeit nicht einseitig werden zu lassen. Zum anderen aber, weil ich die Hoffnung (so naiv das sein mag) einfach nicht aufgeben will, dass die seit etlichen Jahren bekannten Probleme irgendwann auch beim HSV angegangen werden. Ob mit oder ohne Hrubesch, das ist mir dabei fast egal. Es geht um die Sache. Ich habe es nur satt, dass alle immer alle Probleme erkennen – aber niemand etwas dagegen unternimmt. Der HSV muss endlich einen starken Mann in den Vorstand holen, der die Nachwuchsarbeit zur Chefsache erklärt und der die Nachwuchsphilosophie vorgibt und vorlebt. Einen, der den Weg konsequent durchsetzt und dabei die nötige Zeit und vor allem die nötige Rückendeckung im Vorstand hat. Es wäre ein Anfang – auch, wenn das nur der erste Schritt von vielen wäre…

So, damit schließe ich den ‚Dreiteiler Nachwuchsarbeit’ und übergebe an Dieter, der morgen wieder für Euch da ist. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende und hoffe, dass wir in den Spielen der deutschen Nationalmannschaft gezeigt bekommen, wie schön es aussehen kann, wenn Talente optimal gefördert werden…

In diesem Sinne, schönes Wochenende,
Scholle

Wieso lässt Veh solchen Fußball spielen?

4. Februar 2013

Fix was los im Postfach. Da rappelt es im Karton. Ich bin begeistert. Zuschriften, Mails, Telefonate ohne Ende – herrlich. Fußball-Hamburg diskutiert über Levin Öztunali und die Folgen eines Wechsels. Und alles so unglaublich sachlich, das hätte ich nie für möglich gehalten. Traumhaft. Und so respektvoll – in Richtung Uwe Seeler, das hatte ich gar nicht erwartet. Toll. Es müssen das Mittelstürmer-Idol ja doch noch viele, viele „Matz-abber“ spielen, schießen, kämpfen und meckern gesehen haben. Ich habe das auch, deswegen trage ich einen Mann, der so viel, so unglaublich für den deutschen, für den Hamburger und für den HSV-Fußball getan hat, auch immer noch auf Händen. Das wird, das möchte ich jedem anderen Seeler-Fan sagen, auch bis an mein Lebensende so bleiben. Und da wäre es mir egal, ob mir der Ehrenspielführer die Freundschaft kündigen würde, oder nicht. Übrigens bin ich kein Duz-Freund von Uwe Seeler – und noch ein „übrigens“: Macht euch keine Gedanken, ich glaube alles das, was ich über Uwe Seeler geschrieben habe, es ist mein voller Ernst! Und ich glaube es nicht nur, ich bin davon restlos überzeugt. Und habe dabei null Promille im Blut. Auch keine andere Droge, bevor es einer schreibt und vermutet.

Zum Thema Öztunali erhielt ich, wie geschrieben, viele, viele Mails. So auch diese, die nun folgt. Die gab es gleich mehrfach, ich habe mich entschieden, diese Version zu veröffentlichen:

Sehr geehrter Herr Matz,

natürlich verfolge ich auch mit etwas „Trauer“ den Verlauf um den Seeler-Enkel.
Nicht nur, dass ich aus rein romantischen Gründen einen Verbleib von Levin Öztunali (LÖ) gerne gesehen hätte, sehe ich vielmehr den bevorstehenden Bruch mit „Uns Uwe“ selber als Problem an. Könnten Sie bitte, wenn Sie das nächste mal Kontakt mit Uwe haben ihm folgenden Bericht vorlegen?

Bayer verliert den Kampf um Sarr.

Enttäuschung und Frustration bei Bayer 04 Leverkusen: Das umworbene Verteidiger-Talent Marian Sarr verlässt den Werksklub und wechselt zu Borussia Dortmund. Für Geschäftsführer Holzhäuser bietet der Vorfall Anlass zur Generalkritik. Bayer 04 Leverkusen verliert eines seiner Top-Talente. Wie der Klub am Mittwoch bestätigte, wechselt Marian Sarr in der Winterpause zu Borussia Dortmund. „Es war keine einfache Entscheidung für uns. Hätte man auf Vertragserfüllung bestehen sollen, vielleicht sogar müssen? ?Leverkusen erhält für den Junioren-Nationalspieler eine Ablösesumme. Über die Höhe wollte der Klub nichts sagen. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ist Leverkusen außerdem an der weiteren Entwicklung des Spielers finanziell beteiligt, wenn diese positiv verlaufen sollte. So wird zum Beispiel ein weiterer Betrag fällig, wenn Sarr in der Bundesliga zum Einsatz kommen sollte …

Mod-Edit: Auch Dieter darf keine kompletten Texte zitieren ohne Einverständnis des Urhebers. Den kompletten Artikel findet ihr hier (danke auch an den Schenefelder für den Link): http://www.ksta.de/bayer-04/verteidiger-talent-bayer-verliert-den-kampf-um-sarr,15189374,21183104.html

Vielleicht beruhigt Herr Seeler sich dann ja etwas, wenn er realisiert, dass der Club, zu dem sein Enkel jetzt wechselt, genauso „armselig“ und „seelenlos“ ist!?

Vielleicht greifen Sie selber diese Geschichte in Ihrer Berichterstattung mal mit auf!?

Außerdem finde ich es ziemlich merkwürdig, wie ungescholten Mete Öztunali aus dieser Geschichte herauskommt. Man muss sich mal vor Augen halten, dass dort ein bezahlter Angestellter des HSV in der Öffentlichkeit schlecht über seinen Arbeitgeber berichtet!?
Ein Mann, dessen Aufgabe es war junge Leute zum HSV zu lotsen, ihnen zu erklären, dass der HSV für die Förderung seiner Karriere das Beste sei!

Und das sag ich, als einer, der seinerzeit mit Mete im Tor bei TuRa Harksheide den Aufstieg in die Landesliga schaffte. Ich bin sehr enttäuscht von ihm!

(Der Name des Absenders ist mir bekannt, ich möchte ihn zu seinem Schutz nicht veröffentlichen!)

Zum Thema Öztunali gab heute auch HSV-Sportchef Frank Arnesen noch folgendes Statement heraus:

Wir haben Levin Öztunali die größtmögliche sportliche Perspektive beim HSV geboten. Ab Sommer hätte er voll bei den Profis mit trainiert. Darüber hinaus haben wir ihm ein wirtschaftliches Angebot unterbreitet, dass es in dieser Form für einen Nachwuchsspieler beim HSV noch nicht gegeben hat. Dass Levin und seine Familie sich dennoch entschieden haben, in der Zukunft einen anderen Weg einzuschlagen und den HSV zu verlassen, respektieren wir. Möglicherweise lastet außerhalb Hamburgs als Uwe Seelers Enkel ein geringerer Druck auf ihm.

Es ist nicht richtig, dass Levin daraufhin vom Trainings-und Spielbetrieb des HSV suspendiert wurde. Allerdings ist es gängige Praxis und Teil unserer Ausbildungsphilosophie, dass Spieler mit weiterlaufenden Verträgen vorrangig gefördert und eingesetzt werden, was bislang nur nie öffentlich thematisiert wurde. Unser Vorgehen habe ich Levins Vater Mete Öztunali heute in einem persönlichen Gespräch erläutert, um möglicherweise entstandene Missverständnisse zu klären. Ich werde auch noch mit den betreffenden Trainern unseres Nachwuchsleistungszentrums Kontakt aufnehmen, um den weiteren Umgang mit Levin genau abzustimmen.
Nach einem Telefonat mit Levins zukünftigem Club Bayer Leverkusen, haben wir mit der Familie ebenfalls die bestehende Möglichkeit erörtert, einen sofortigen Wechsel in die Wege zu leiten. Diese Möglichkeit wurde aber von der Familie abgelehnt, da Levin bis zum Sommer in Hamburg bleiben möchte.

So, so viel für heute zum Thema Öztunali und Seeler. Die Zeitungen morgen werden wieder voll davon sein, und deswegen möchte ich euch auch nicht damit überfrachten. Alles hat ein Ende – nur die Frankfurter Wurst hat zwei . . . Um damit einen eleganten Überganz zu schaffen und noch einmal kurz auf das „Matz-ab-live“-Video hinzuweisen. Diesmal, falls es sich noch nicht herumgesprochen hat, mit Kult-Masseur Hermann Rieger und Ex-Torwart Jürgen Stars. Beiden sei an dieser Stelle noch einmal gedankt, Hermann war wegen der späten Sendung erst um kurz vor Mitternacht daheim, das nenne ich Einsatz. Und zu „Starski“ Stars möchte ich noch eines sagen: Er war Ersatztorwart beim HSV, „nur“ Ersatztorwart, aber allen diejenigen, die ihn nie zwischen den Pfosten haben fliegen sehen, sei gesagt: Stars war ein wirklich starker Keeper, ich habe zum Schluss oft auch gegen ihn gespielt, da war er stets der Beste seiner Mannschaft. Und er hat nicht umsonst noch zum Schluss seiner Karriere in Kanada und Amerika gespielt. Das möchte ich nur noch schnell anfügen, weil Ersatztorwart so „niedrig“ klingt. Schließlich hatte er einen so guten Mann wie Rudi Kargus vor sich – jahrelang.

Apropos jahrelang. Heute hat Lotto King Karl Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch unserer einzigartigen „Perle“, die ja auch schon seit Jahren für uns singt. Lotto, Du bist ein ganz Großer, Du bist auch ein ganz großer HSV-Fan, ich hoffe, dass Du noch viele Jahrzehnte auf dieser gelben Knaack-Bühne im Norden der Arena stehen wirst (gemeinsam mit Carsten Pape) und über Hamburg und den HSV singen wirst. Bleib schon gesund, alles Gute!

Noch einmal möchte ich – aus gegebenem Anlass – auf das Frankfurt-Spiel zurückkommen. Weil es etliche „Matz-abber“ gibt, die darauf hinwiesen, dass der jetzige Eintracht-Coach ja vor nicht allzu langer Zeit einmal auch HSV-Trainer war. Armin Veh. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Veh ist hier einst „vom Hof gejagt“ worden. Wie so viele andere. Und nun lässt dieser Mann, dem so viele Fans vorgeworfen haben, keine Ahnung zu haben („Armin Veh-ler“), einen solchen Fußball spielen. Wie geht das? In diese Geschichte hinein soll, so einige User, auch die Vertragsverlängerung (um zwei Jahre!) von Bruno Labbadia mit dem VfB Stuttgart bestens passen. Darüber möchte ich mich aber am liebsten ein wenig ausschweigen, nur kurz und knapp sagen: Es soll ja auch Menschen geben, die aus ihren Fehlern lernen können, um dann die nötigen Konsequenzen zu ziehen . . .

Zu Armin Veh habe ich eine etwas umfassendere Meinung. Der Mann kam nach Hamburg, als hier schon längst herum war, dass er gar nicht erste Wahl gewesen sei. Da wurden viele andere Namen gehandelt – vorher. Und dann war es plötzlich Veh. Und es rankte sich genau darum auch ein Gerücht (das Veh wohl gekannt hatte): Auf dem Weg zu einem anderen Trainer (Robin Dutt?) landete die HSV-Führung in einem Hotel in Freiburg. Und dort lief ihnen der Manager von Armin Veh über den Weg. Man unterhielt sich, man tauschte sich aus – und man hatte urplötzlich einen ganz anderen Trainer, als den, der eigentlich geplant und m Visier war.

Wenn man als Coach dann unter solchen Umständen zum HSV kommt, hat man schon einen etwas anderen Start. Ich hatte aber immer das Gefühl, dass Armin Veh einen guten Job macht, und dass er sehr wohl sehr viel von seinem Job versteht. Das Training war okay, der Umgang mit der Mannschaft auch. Nur mit der „oberen Etage“ hatte Veh so seine Probleme, die langsam aber stetig zunahmen. Da ging ihm oft einiges nicht schnell genug, nicht professionell genug – und einiges ging überhaupt nicht, was er natürlich monierte. Darüber hat er oft geklagt und genörgelt, anfangs noch ziemlich leise und auch etwas versteckt, dann immer offener. Das ist aber seine Art. Mit der die HSV-Oberen jedoch nicht unbedingt so gut klar kamen. Eher war das Gegenteil der Fall.

Aber wer sich erinnert: Armin Veh hat auch zu seinen Frankfurter Zeiten (schon vor einem Jahr, schon vor dieser Saison) oft gemeckert. Hier fehlten ihm Leute, da auch. Und alles ging ihm, wie in Hamburg, nicht schnell genug. Nur schluckte man in Frankfurt diese Kritik (wohl eher zähneknirschend, wenn ich so an Heribert Bruchhagen denke), während man in Hamburg von Mal zu Mal entsetzter reagierte. Die HSV-Oberen mochten diese Ironie und auch diese gewisse Art von Pessimismus, was Veh durchaus oft ausstrahlte, überhaupt nicht. Zudem hatte der damalige HSV-Coach auch – nach Meinung der Führung (auch nach Meinung der Medien) – zu oft, viel zu oft sogar, davon gesprochen, am Ende der Saison nicht mehr HSV-Trainer sein zu wollen . . . Auch deswegen kam es zum Bruch. Weil „der“ HSV letztlich vermutete, dass Armin Veh nicht mehr mit vollem Herzen hinter dieser ganzen Sache stehen würde. Als dann dem HSV am 12. März 2011 das katastrophale 0:6 in München passierte, da musste Armin Veh dann – für keinen kam es unerwartet – gehen.

Kurios an der damaligen Situation: Co-Trainer Michael Oenning übernahm den Veh-Posten – und zog im Training sofort mächtig an (obwohl man das als trainer gegen Saisoenende eigentlich nicht machen sollte). Aber Oenning hatte da ganz offenbar die größten Defizite des HSV gesehen. In der Laufbereitschaft. Und wenn man jetzt die Frankfurter laufen sieht . . . Unfassbar ist das für mich. Unfassbar.

Wenn ich meine Meinung noch kurz dazugeben dürfte: Ich hatte mit Armin Veh ein gutes Einvernehmen, fast hätte ich ein ausgezeichnetes geschrieben. Ich mochte (und mag) den Menschen und den Trainer Veh, er hatte durchaus gute und sehr gute Ansichten über den Fußball, er war stets kooperativ, ehrlich, geradeaus und offen, er griff so gut wie nie zu einer Lüge (auch nicht in Not), und er hätte wohl, wenn man ihm die nötige Rückendeckung „von oben“ gegeben hätte, auch noch viel erreicht mit dem HSV. Vielleicht nicht so viel, wie jetzt mit der Frankfurter Eintracht, aber er hätte bestimmt schon etwas mehr „Grund in diese Mannschaft“ (von damals!) bekommen. Davon bin ich immer noch überzeugt. Dass auch ein Armin Veh nicht immer alles richtig gemacht hat (und gewiss auch nicht immer richtig lag), das ist natürlich klar. Aber: Wer macht denn keine Fehler?

Mich wurmt nur, dass er jetzt einen so tollen und großartigen Fußball in und mit Frankfurt spielen lässt. Das gebe ich zu. Wieso? Das frage ich mich schon. Wieso mit einer solchen „No-name“-Mannschaft? Oder vielleicht gerade deshalb? Armin Veh hat nun Spieler, die (noch?) keine Stars sind, die kein Star-Gehabe an sich haben, die ihrem Trainer noch glauben, wenn der ihnen sagt, dass Fußball ein Laufspiel sei. In dieser Frankfurter Mannschaft gibt es, so versicherten mir am Sonnabend einige hessische Kollegen, keinen einen bequemen Spieler, keinen Mann, der sich zu schade dafür wäre, für den Nebenmann einige Schritte mehr zu machen. Spieler solcher Art aber hatte der HSV zu Veh-Zeiten durchaus. Und sogar nicht wenige. Es ist doch so, wir kennen das alle: Wenn in Hamburg ein HSV-Profi, der so an 22. oder 23. Stelle in der Mannschafts-Hierarchie steht, nachts um drei Uhr bei Rot über die Ampel fährt, heißt es am nächsten Tag garantiert: „HSV-Star sieht Rot – auf der Flucht durch Stadt“. Wobei die Benotung auf „HSV-Star“ liegt. Hier ist jeder sofort und automatisch mit der Unterschrift unter den Profi-Vertrag ein „Star“. Und solche Spieler genießen dann schon gewisse Privilegien. Und dann wird man auch schon mal etwas bequemer. Dann muss man eben nicht jeden Lauf selbst erledigen, sondern lässt die anderen mal für sich laufen. Mann ist ja „Star“.
Ja, so versuche ich mir schon seit vielen Jahren das HSV-Spiel zu erklären. Und wenn ich jetzt an diese Frankfurter denke, wie die liefen, rannten, sprinteten, wie die Hasen, dazu mit Liebe, Lust, Spaß, Leidenschaft und Herz, dann fehlt mir in Hamburg schon seit langer Zeit sehr, sehr viel. Ich kann nur jeden (auch jeden „Matz-abber“) bitten oder raten, sich das Spiel vom Sonntag, wenn es denn technisch geht, noch einmal anzusehen. Und genau darauf zu achten, wie bei den Frankfurtern Fußball gespielt wurde – und beim HSV Fußball gearbeitet wurde. Tut euch das noch einmal an. Und achtet mal darauf, wie die Post bei Frankfurt abging, und wie sich der HSV vergeblich versuchte, das Spiel nach vorne zu quälen. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Und wenn dazu der HSV-Kapitän Heiko Westermann (nach dem Spiel) die mangelnde Laufbereitschaft seines Team anprangerte, zudem sagte, dass man sich ja „so viel vorgenommen habe, aber nichts davon wurde in die Tat umgesetzt“, dann wissen wir, warum es so ist – wie es ist. Guckt euch dieses Frankfurt-Spiel noch einmal an, und euch wird ein Lichtlein aufgehen. Ganz sicher. Diese 90 Minuten sind ein Lehrbeispiel dafür, wie man es macht (die Eintracht), und wie man es nicht macht (der HSV). Und man weiß am Ende, dass Fußball tatsächlich ein Laufspiel ist. Laufen mit Köpfchen. Im richtigen Moment gemeinsam Gas geben, nachrücken, anbieten, hinterlaufen . . . Wollen. Ganz einfach wollen. Und zwar alle zehn Feldspieler. Beim HSV „parken“ mir einige zu viel und zu lange.

So, noch eine personelle Meldung: Artjoms Rudnevs erlitt am Sonnabend eine Muskelquetschung im Oberschenkel und muss zwei Tage Pause einlegen. Wenn die Nationalspieler wieder in Hamburg sind (Donnerstag), dann darf auch der Torjäger wieder einsteigen.

Ja, dann ist da noch dieses eine Länderspiel. Frankreich – Deutschland am Mittwoch. Mit HSV-Keeper Rene Adler im Tor (und Heiko Westermann auf der Bank). Über das Torwart-Comeback schreibt heute mein geschätzter Kollege Jens Mende von der Deutschen Presse-Agentur:

Rene Adler verzog keine Miene. Und aus der Reserve locken ließ sich der Torwart vom HSV erst recht nicht. Ein neuer Torwart-Zoff? Gewiss nicht. Ruhig, fast schon monoton beantwortete der Schlussmann die Fragen zu seiner erstaunlichen Rückkehr ins Tor der Fußball-Nationalmannschaft.

Als „sensationelle Geschichte“ empfindet Adler seinen Einsatz am Mittwoch (21 Uhr/ARD) gegen Frankreich, den ihm Bundestrainer Joachim Löw versprochen hat. Das schon. Aber aus den für ihn so wichtigen 90 Minuten eine Kampfansage an Stammkraft Manuel Neuer zu machen, hält Adler für unangemessen – trotz der gereizten Kommentare des Münchner Konkurrenten zu der vertauschten Aufgabenverteilung in Paris.

„Ich freue mich, wenn ich spielen kann. Ich denke, dass das eine Spiel nicht viel ändern wird an der Rollenverteilung. Das nehme ich mit und genieße es“, sagte Adler in Frankfurt. Neuers Nörgelei („Bei einem solchen Spiel wäre ich gerne dabei gewesen.“) und direkte Stichelei („Ich habe seine Entwicklung nicht verfolgt, weil ich bei Bayern München spiele.“) wollte Adler nicht kommentieren. „Ich habe das gar nicht mitgekriegt. Es ist sein gutes Recht. Ich bin nicht in der Position, das zu bewerten“, sagte Adler. Mit einem Typ wie ihm ist ein Torwart-Kampf wie vor der Heim-WM 2006 zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann nicht vom Zaun zu brechen.

Es waren die kleinen Bemerkungen in Nebensätzen, die am Montag die Bedeutung seines elften Länderspiels für ihn preisgaben. Auf Routine und „sein Schema“ habe er gesetzt, als die frohe Kunde von Löw am Freitag kam: „Um das alles nicht so hoch zu hängen“. Dennoch wurden vom HSV-Betreuerstab gleich Videosequenzen über Franck Ribéry und Karim Benzema zusammengestellt. Bei der Nationalmannschaft folgt weiteres Gegnerstudium. Nichts soll ihn am Mittwochabend im Stade de France überraschen können.

Adler hat in seinen Torwartjahren schon viel erlebt. Kurz vor der WM 2010 kam durch eine Rippenverletzung das Aus. Neuer zog an ihm vorbei. In Leverkusen ging es bergab. Erst der Wechsel zum HSV im Sommer 2012 brachte die Wende. Im deutschen Tor stand er letztmals am 17. November 2010 beim 0:0 in Göteborg gegen Schweden.

Viel hat sich für Adler in seinem Leben seither verändert. Er wirkt ungewöhnlich ruhig für das aufgeregte Fußball-Geschäft. Nur eines ist gleich geblieben. Eigene Patzer wie kürzlich im Nordderby gegen Werder Bremen kann er nicht vertragen. „Ich ärgere mich nach wie vor über Fehler. Das ist in mir, das ist der sportliche Ehrgeiz, der mich treibt.“ Das klingt dann doch ein bisschen nach Oliver Kahn.

Und noch einmal das Thema Torwart:

Der tschechische Nationaltorwart Petr Cech fehlt beim Länderspiel seines Verbandes gegen die Türkei am Mittwoch in Manisa. Die Nummer eins des FC Chelsea hatte sich bei der 2:3-Niederlage gegen Newcastle United den kleinen Finger gebrochen. Ihn wird Jan Lastuvka von Dnjepropetrowsk bei der Vorbereitung auf die Qualifikation zur Fußball-WM 2014 im Tor ersetzen, und der der Reservetorwart des HSV, Jaroslav Drobny (33), rückt in den Kader auf.

Und dann gab es heute noch diese dpa-Meldung:

Die Verluste der Fußballvereine in Europa sind auf ein Rekordniveau von insgesamt 1,7 Milliarden Euro gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Fünf-Jahres-Analyse des europäischen Fußball-Verbandes, die die Uefa am Montag vorstellte. Der Studie zufolge sind auch die Spielergehälter in Europa im Verlauf dieser Zeit um 40 Prozent auf insgesamt 8,6 Milliarden Euro gestiegen.

„Ohne eine Verhaltensänderung steigt die Gefahr der Pleite für die Vereine“, sagte Uefa-Präsident Michel Platini. Der Franzose nannte die Einhaltung des sogenannten „Financial Fair Play“ der Uefa deshalb auch überlebensnotwendig für die europäischen Fußball-Clubs. „Eine Beschränkung der Kosten ist und bleibt die größte Herausforderung für die Vereine“, sagte Platini. Die Uefa hat mit dem „Financial Fair Play“ ein Lizenzierungsverfahren für die Europacup-Wettbewerbe beschlossen. Es soll die große Verschuldung vieler Clubs stoppen.

PS: Am Dienstag wird im Volkspark – mit natürlich dezimierten Kader – um 15 Uhr trainiert.

PSPS: Wenn alles klappt, wird hier das Moderatoren-Team demnächst noch ein, zwei Fotos vom “Matz-ab-Baby” veröffentlichen. Es ist “Scholles” Lia Sophie, die am 29. Januar geboren wurde.

18.36 Uhr

Foto

Jarchow: „Manchmal zahlen wir auch zu gut.“

3. Februar 2013

„Wir haben absolut zu wenig investiert in der ersten Hälfte. Frankfurt hat mehr investiert, war einfach geiler und giftiger, war auch von der Laufbereitschaft her besser. Das ist eine Riesenenttäuschung – jetzt können wir uns wieder hinten anstellen.“ Das Resümee von HSV-Kapitän Heiko Westermann nach der ernüchternden 0:2-Heimpleite gegen Eintracht Frankfurt.

Und Trainer Thorsten Fink befand: „Wir haben ja auch nicht großartig von Europa geträumt.“

Andere schon. Träumen ist ja erlaubt, heißt es doch immer so schön. Und ich kenne viele Fans, die davon träumen . . .

Aber die HSV-Spieler denken und glauben wohl nicht zu sehr an Europa und ihre Chance, die sie ja durchaus hätten. Sonst würden sie doch ganz anders auftreten, oder? Erste Halbzeit in Nürnberg schwach, erste Halbzeit gegen Bremen schwach, und nun auch erste Halbzeit gegen Frankfurt schwach. Was ist da los? Meine Kumpels „Franky“ und „Olli“ haben mir heute diese Frage gestellt: „Wieso reißen sich Mannschaften wie Fürth und Augsburg so den Hintern auf, und der HSV nicht? Für Fürth und Augsburg geht es um den Klassenerhalt, für den HSV ginge es um Europa. Ginge. Aber davon ist nichts zu sehen. Und ein bekannter „Matz-abber“ hat mir heute am Vormittag gesagt: „Ist es dir eigentlich schon mal aufgefallen: Egal, ob es um etwas geht, oder es nur ein ganz einfaches und normales Bundesliga-Spiel geht – der HSV spielt immer gleich. Fast emotionslos. Es gibt keinen Unterschied zwischen einem Spiel um Platz fünf oder um Platz zehn.“

Unverständlich ist es allemal. Warum kann sich diese HSV-Mannschaft – aber es gab fast immer solche HSV-Mannschaften, davon mal abgesehen – nicht einmal einig sein: „Wir gehen jetzt auf den Rasen und laufen unsere Gegner um und dumm. Wir rasen, sprinten, kämpfen, geben alles, als ginge es um unser Leben.“ Und dann? Nichts! Querpässe, Rückpässe, Schlafwagen-Fußball. Lothar Matthäus, der Sky-Experte, stellte zur Pause völlig richtig fest: „Der HSV macht es den Frankfurtern ja auch immer leicht. Der HSV ist im Aufbau so langsam, dass sich die Eintracht-Spieler auch immer in aller Ruhe wieder nach hinten auf ihre Positionen begeben können. Da gibt es keinen einzigen Überraschungs-Moment.“ Völlig richtig, Herr „Loddar“. Es geht so oft immer wieder zurück. Fast so, als wolle sich jeder Hamburger sagen: „Abwarten, immer mit der Ruhe, wir haben noch Zeit genug, um unsere Tore zu schießen . . .“

Kompliment, was der Armin Veh aus dieser No-name-Mannschaft aus Hessen gemacht hat! Dickes Kompliment sogar. Ich hoffe, dass das jeder, der in der Arena sah, auch wahrgenommen hat. Das ist das Werk von Armin Veh-ler, wie es an diesem Wochenende rund um die Arena immer wieder zu hören war. Veh-ler. Ja, ich denke mal, dass dieser Armin Veh doch nicht ganz so schlecht ist, wie viele hier in Hamburg – etwas arrogant und hochnäsig – denken, denn: Jeder Frankfurter Spieler, ich wiederhole jeder, wusste genau, was er zu tun und was er zu lassen hatte. Diese Mannschaft stand wie eine eins, da griff ein Rädchen in das nächste. Und da wurde gelaufen. Mensch, was wurde da gelaufen! Herrlich anzusehen. Hinten und vorne waren die Hessen, blitzartig, da marschierte jeder munter rauf und runter. Beim HSV? Fehlanzeige. Lange Zeit jedenfalls. Heiko Westermann hat die fehlende oder mangelnde Laufbereitschaft völlig berechtig angeprangert. Das ist doch alles viel zu statisch, ohne großes Leben. Langweilig, wie mir heute ein HSV-Fan schrieb. Von der Einsatzbereitschaft eines Heung Min Sons, der von der ersten Sekunde an voll da war, einmal abgesehen.

Nein, da muss man sich keinen Sand in die Augen streuen, das, was der HSV über weite Strecken anbietet, das ist der reinste Schlafwagen-Fußball – oder Sommer-Fußball im Februar. Und so spielt eben ein Tabellenneunter. Und ganz sicher keine Mannschaft, die sich anschicken will, um Europa aufzumischen. Es fehlt die Lust, die Leidenschaft, das Engagement – und auch das Miteinander. Wohl auch deshalb, weil einige Spieler (zurzeit) ihre Form suchen, weil sie viel zu viel mit sich ganz allein beschäftigt sind. Rafael van der Vaart ist ein Beispiel dafür, Milan Badelj, der seine fünfte Gelbe sah und nun am Sonnabend in Dortmund fehlen wird, ebenfalls.

Schnell mal die Statistik des Spiels:

Der HSV lag in Sachen Torschüssen mit 23:16 vorn, führte auch nach Eckbällen 7:6 und nach Flanken mit 13:8. In Ballkontakten lag der Verlierer mit 60:40 vorn, in den Fouls mit 17:10. Gewonnene Zweikämpfe verlor der HSV mit 42:58 Prozent. Das ist hart. Die meisten Ballkontakte, und auch das spricht für sich: Westermann mit 110. Der beste Frankfurter: Schwegler mit 62. Die zweikampfstärksten Spieler: Dennis Diekmeier (64 Prozent) und der Frankfurter Anderson (80 Prozent).

„Immer, wenn es um was geht, versagt ihr“, hallte es von den Rängen der mit 52 523 Zuschauern gut gefüllten Arena. Wie schön, dass es friedlich blieb. So muss es sein. Aber zurück zum Wesentlichen: „Frankfurt war besser, abgeklärter und reifer“, erkannte Fink. Und Rene Adler befand: „Es wird immer viel von Konstanz gesprochen. Wir müssen nach einem Derbysieg einfach mal nachlegen. Da müssen wir effektiver sein und knallhart die Sache ausnutzen. Daran sieht man, dass wir noch relativ grün sind und eine relativ junge Mannschaft haben.“ Dass sich der eine oder andere HSV-Profi über den schlechten Zustand des Rasen ausließen, nahm Adler zähneknirschend zur Kenntnis: „Die 20-jährigen Jungs sollten sich nicht über den Rasen beschweren, sondern sich auf das Spiel konzentrieren. Wenn sie so arbeiten würden, wie unsere Platzwarte, dann hätten wir weniger Probleme.“
Rene – so ist es! Treffer!

Nicht ganz so gut hat Nationaltorwart Manuel Neuer eine “Vorlage” verwandelt. Dass Adler am Mittwoch im Länderspiel gegen Frankreich im deutschen Tor stehen soll und wird, fíndet der Bayern-Schlussmann nicht wirklich prickelnd.Und weil das so ist, mault er auch – öffentlich – über diese Entscheidung. Unverständlich, denn man sollte doch mal fair bleiben. Auch Neuer. Er war damals die Nummer zwei hinter Adler (der sich bekanntlich schwer verletzte), und hat trotz allem Neuer auch gelegentlich gespielt. Und genau so läuft es nun umgekehrt – was bei Torhütern ja grundsätzlich problematisch ist. Und unverdient ist es schon gar nicht. Ich würde Neuer jetzt raten: Weiter beleidigt rummaulen – und dann von Rücktritt reden. Dann wäre das Problem vom Tisch . . .

So, zurück zum Frankfurt-Spiel. Einige sprachen danach ja Klartext. So auch Carl-Edgar Jarchow. Der HSV-Chef war heute zu Gast beim „Sport1-Doppelpass“. Er sagte . . .

…über die Leistungsträger Heung-Min Son und Rafael van der Vaart:

„Ich gehe davon aus, dass wir den Vertrag von Heung-Min Son in nächster Zeit verlängern. Wir wissen, was wir an ihm haben und sind nicht weit weg von den internationalen Plätzen. Wieso sollten wir ihn da abgeben? Bei Rafael van der Vaart haben wir jemanden gebraucht, der den anderen die Verantwortung abnimmt. Wenn man sich die Entwicklung in der Hinrunde anschaut, dann hat er das auch geschafft. Er ist noch nicht bei 100 Prozent, aber die wird er in den nächsten Wochen wieder erreichen.“

… über die finanziellen Altlasten in Hamburg:

„Vielleicht haben wir unseren Spielern manchmal zu viel Geld gezahlt. Darüber hinaus haben wir es im Sommer nicht geschafft, den Kader zu verkleinern, weil wir uns für die sportliche Entwicklung entschieden haben. Mit Rafael van der Vaart und Milan Badelj haben wir noch zwei Spieler dazu genommen, was sich negativ auf die Gesamtbilanz ausgewirkt hat. Das war natürlich nicht gut für die Kadergröße. Die Basis ist aber gelegt und wir haben trotzdem das Budget um 10 Millionen Euro gesenkt.“

…über die aktuelle Lage beim HSV:

„Wir müssen beachten, wo wir herkommen. Wir haben uns in den letzten Monaten stabilisiert. Wir hatten gestern die Chance auf Platz fünf zu springen, aber wir müssen sehen, dass wir einfach noch nicht so weit sind. „Ich bin ja nicht hier, um etwas schön zu reden: Mir fehlte in der ersten Halbzeit die Körperspannung. Ich finde aber auch, dass die Frankfurter gestern einfach gut waren.“

…über den Abgang von HSV-Talent und Uwe Seeler-Enkel Levin Öztunali:

„Wir haben ihm ein Angebot gemacht, wie wir es noch nie einem Nachwuchsspieler gemacht haben. Er wollte aber zu Bayer Leverkusen gehen. Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Wir haben alles probiert. Bei uns ist aber in der Jugendförderung in den letzten Jahren nicht alles richtig gelaufen – das muss man eingestehen.“

Mir gefiel besonders ein Jarchow-Satz sehr gut: „Manchmal zahlen wir auch zu gut.“

Großen Zoff gibt es auch in einer anderen Sache, und zwar um den Wechsel des Uwe-Seeler-Enkels Levin Öztunali nach Leverkusen. Seeler ist sauer. Das war ja schon am Freitag erkennbar, als ich mit dem Mittelstürmer-Idol sprach. Heute legte „uns Uwe“ noch einmal in Bild und Mopo nach. „Es ist armselig, was mit meinem Enkel passiert ist. Die ganze Sache hat nichts mit Geld zu tun. Ich kenne die Hintergründe. Beim HSV reagiert man oft viel zu spät. Ich stehe voll und ganz hinter Levins Entscheidung. Sie ist reiflich überlegt“, sagte Seeler. Und in Richtung von Sportdirektor Frank Arnesen sagte der 76-Jährige: „Er sollte sich gut überlegen, was er so von sich gibt.“ Weil Arnesen vor der Entscheidung von Öztunali gesagt hatte: „Es liegt an Levin, ob er sich für die Ausbildung und Familie oder fürs Geld entscheidet.“

Der Transfer zu Bayer schlägt in Hamburg hohe Wellen – noch immer. Und das ist keine Überraschung, schließlich geht es nicht um irgendeinen x-beliebigen Nachwuchskicker, sondern um den Enkel von Uwe Seeler. Der Juniorennationalspieler darf nicht einmal mehr in der U19 des HSV spielen, trainiert nur noch in der U17 des Clubs. „Über die Suspendierung ärgere ich mich am meisten. Das geht gar nicht“, schimpfte Opa Seeler. Die Gründe für den Wechsel lägen allein in der sportlichen Perspektive begründet, hätten mit Geld nichts zu tun. Der HSV müsse seine Nachwuchsförderung grundlegend überdenken. In Leverkusen soll Öztunali 1,7 Millionen Euro bis 2018 verdienen.

Frank Arnesen sagte (auf Sky) zu dieser ganzen Thematik: „Wir haben fünf andere große Spieler, die zu uns kommen. Du kannst nicht alle Kämpfe gewinnen – und den um Levin haben wir verloren. Wenn er nach Leverkusen gehen will, dann ist das seine Wahl. Ich bin nicht enttäuscht, weil wir ihm eine Perspektive geboten haben. Und es war seine Entscheidung. Wenn wir das nicht getan hätten, wäre ich enttäuscht gewesen.“

Ich bin über diesen Weggang schwer enttäuscht. Und alle, die das nicht nachvollziehen können, möchte ich sagen: Es geht hier um den Enkel von Uwe Seeler. Und auch um einen Jugendnationalspieler. Von dem alle, die beim HSV in Ochsenzoll tätig sind (oder sich dort bestens auskennen) unisono sagen: „Dieser Levin Öztunali ist das größte Talent, das der HSV in den letzten fünf Jahrzehnten in seinen Reihen hatte, für ein solches Talent hätte man beim HSV Kopfstände machen müssen.“

Das denke ich auch.

Denn ist es nicht so:
Uwe Seeler ist weltweit ein großer und gefeierter Star, er ist wirklich überall beliebt und bekannt, wo es Fußball gibt. Er ist ein Star und trotzdem immer auf dem Boden geblieben, er ist kein arroganter Profi, sondern stets ein Mensch zum Anfassen geblieben .Er ist in Deutschland ein unglaublich populärer Held – und in Hamburg natürlich erst recht. Er ist das sportliche Aushängeschild dieser Stadt, es gibt hier keinen Größeren, es hat nie einen Größeren gegeben. Das mögen diejenigen, die Uwe Seeler nie haben spielen sehen, anders sehen, aber sie sollten nicht einfach überheblich und abwertend abwinken, sondern mir glauben – es ist so. Nichts davon ist übertreiben. Uwe Seeler ist auch heute noch bei Jung und Alt dermaßen beliebt, dass es für Hamburg vergleichsweise keinen anderen Star gibt. Auch nicht nur annähernd.

Und genau deswegen hätte der HSV Uwe Seeler einbinden müssen, einbinden müssen in den „Kampf“ um Levin. Egal, ob Uwe Seeler das nun gewollt hätte, oder auch nicht. Der HSV hätte sich mit Uwe Seeler an den Tisch setzen müssen, denn: Seeler ist ein Vollblut-HSVer, er liebt diesen Verein, er hat nie einen anderen Club gehabt, hat viele Millionen links liegen lassen, und er will auch mit Sicherheit niemals etwas Schlechtes für den HSV, für seinen HSV. Und ganz sicher auch nichts Schlechtes für seinen Enkel. Und genau das wäre die ideale Basis gewesen, auf der man sich hätte treffen und einigen können – nein, einigen müssen. Ganz klar, ich sage müssen. Und da hat der HSV versagt. Absolut versagt. Das sage ich auch ganz deutlich. Es geht hier nicht um einen x-beliebigen 16-jährigen Fußballer, es geht um die Familie Seeler. Uwe Seeler ist eine Hamburger und natürlich auch eine HSV-Institution, er hätte deshalb unbedingt mit ins Boot genommen werden müssen. Das hat der HSV versäumt, deswegen gibt es nun diesen Ärger. Ärger, der schon in der Entstehung hätte verhindert werden müssen. Denn es geht hier nicht um die Familie Erich Meier oder Max Müller, es geht hier immer noch um Uwe Seeler. Das hätte beachtet werden müssen.Unbedingt.

Ohnehin bin ich schon seit Jahren der Meinung, dass dieser HSV sich schon viel zu lange geleistet hat, einen Helden wie Uwe Seeler links, ganz links sogar liegen zu lassen. In anderen Vereinen werden Größen dieser Art, wenn sie die dann überhaupt haben, hofiert, gefeiert, verehrt und in irgendeiner Form auch immer wieder mal eingebunden – beim HSV passiert nichts. Der Schleswig-Holsteinische Fußball-Verband hat seine Sportschule in Malente erst kürzlich nach Uwe Seeler benannt, und der HSV? Eine solche lebende Legende wäre für viele, viele andere Clubs ein wahrer Glückfall, aber Hamburg tritt in dieser Beziehung sein Glück mit Füßen. Aber ganz kräftig.
Und Ende.

PS: Morgen (Montag) kein Training im Volkspark.

17.57 Uhr

Riesiger Wirbel um Uwe Seelers Enkel

1. Februar 2013

Der HSV spielt an diesem Sonnabend gegen Eintracht Frankfurt, da geht es für die „Rothosen“ um sehr viel. Nicht nur darum, die Siegesserie in Heimspielen auszubauen, sondern vielmehr auch darum, den Anschluss an die nationale Spitze zu schaffen. Oder sich die Chance zu erhalten, mit der Spitze auf Sichtweite zu stehen. HSV gegen Frankfurt ist für mich das Top-Spiel des Sonnabends, aber heute ging es rund um den Volkspark kaum einmal um diese Partie. Es ging vielmehr um den 16-jährigen Levin Öztunali, um den Enkel von Uwe Seeler. Der Jugendnationalspieler wird, anders als sein Opa, der nie den Club verlassen hat, dem HSV den Rücken kehren und für Bayer Leverkusen spielen. Dort erhielt das große Talent , das auch von Bayern München und ausländischen Vereinen umworben wurde, einen Vertrag bis 2018. Ein echter Hammer, ein spektakulärer Wechsel, der noch in Tagen für viel Wirbel in Hamburg sorgen wird. Für den HSV eine große, eine deftige Niederlage, denn wenn ein Spieler hier hätte unbedingt gehalten werden müssen, dann wäre es nur einer gewesen: Levin Öztunali.

Eines vorweg: Ich kenne im HSV keinen Jugendtrainer, auch keinen Mann, der mit dem Ochsenzoll-Nachwuchs in Verbindung steht, der nicht davon überzeugt ist, dass Levin Öztunali vor einer ganz großen Karriere als Profi-Fußballer steht. Die meisten, die ich sprach, sind überzeugt: „Das ist seit vielen, vielen Jahren das größte Talent, dass der HSV hatte.“ Hatte – das ist nun das Stichwort. Die Enttäuschung innerhalb des Clubs ist groß, bei den Leuten der Nachwuchs-Abteilung ist sie riesig. Dieser Verlust hätte unbedingt vermieden werden müssen. Nicht nur deshalb, weil es um Uwe Seelers Enkel geht, sondern auch – ganz nüchtern und pragmatisch betrachtet – auch aus finanziellen oder wirtschaftlichen Gründen, denn: Sollte Öztunali tatsächlich ein solcher „Kracher“ auch in der HSV-Bundesliga-Mannschaft geworden (wie es ihm so viele Experten zutrauen), denn wären auch Club wie Real Madrid, FC Barcelona, Manchester United oder Paris St. Germain aufmerksam geworden – und hätten dem HSV viel Geld bezahlt. So aber verlässt nun mit Öztunali auch ein Stück „Lebensversicherung“ des HSV den Verein. Sehr, sehr schade drum.

Und noch bin ich mir nicht sicher, ob dieser Transfer nicht doch noch – in irgendeine Richtung – personelle Konsequenzen innerhalb des HSV haben wird. Aber das wird man abwarten müssen. Sportchef Frank Arnesen jedenfalls sagte heute: „Es ist schade, dass die Entscheidung so gefallen ist, aber wir können uns nichts vorwerfen, denn wir haben alles versucht, diesen Wechsel zu verhindern. Levin standen bei uns alle Türen offen, aber er wollte einen neuen Verein.“ Der Däne weiter: „Natürlich bin ich enttäuscht, aber so ist das Leben – und das Leben geht weiter. Es geht ein 16-jähriger Spieler, ich bin froh, dass wir noch viele andere Talente bei uns haben, wir haben ja mindestens acht große Talente, die uns noch viel Freude machen werden.“

Laut Arnesen hat der HSV auch in allen anderen Punkten, nicht nur in sportlicher Hinsicht, alles getan, um Levin Öztunali zu halten. Alles in Sachen Schule und Ausbildung, und wohl auch in finanzieller Hinsicht. 500 000 Euro soll, ich wiederhole: soll, der HSV geboten haben. So viel wie noch keinem anderen Talent. So war zu hören. Ich weiß nicht, ob das den Tatsachen entspricht, denn ich bin nicht bei den Verhandlungen gewesen. Es wird so erzählt. Deswegen gebe ich das unter Vorbehalt weiter. Geld, so der Vater von Levin Öztunali, soll aber nicht ausschlaggebend gewesen sein. Mete Öztunali sagt: „Die Zahlen sind bei diesem Wechsel nicht ausschlaggebend für uns. Der HSV wusste, dass es da den einen oder anderen Club noch für uns gibt. In Sachen sportlicher Perspektive haben sie den Trainer vorgeschickt, das ist auch okay, aber uns hat eben sportlich etwas anderes überzeugt.“ Bayer Leverkusen. Für diesen Club wird Levin Öztunali künftig spielen. Vater Mete über den neuen Verein seines Sohnes: „Die kümmern sich nicht nur um das Sportliche, sondern auch um Schule und Ausbildung. Levin soll nach seinem Abi ja auch eine Ausbildung machen, und da ist er bei Bayer in den besten Händen.“ Der frühere Torwart von TuRa Harksheide weiter: „Auch sportlich dort stimmt alles. Wenn ich so auf die Aufstellung von Bayer sehe, dann spielen selbst in der Europa League 19-Jährige mit, und das ist doch für uns ein gutes Zeichen. Da wird nicht nur von Nachwuchsförderung geredet, sondern es wird auch gezeigt und in die Tat umgesetzt. Das ist eine überzeugende sportliche Perspektive, überzeugender als die des HSV, auch deswegen haben wir dort zugesagt.“

Für den jungen Mann bestimmt nicht so ganz verkehrt, dass Leverkusen keine große Medien-Stadt ist. Auch das spielte eine Rolle – sagt der Vater: „Wir denken, dass die Stadt Leverkusen vom Medien-Aufkommen her nicht vergleichbar ist mit anderen großen Städten. Levin wird immer der Enkel von Uwe Seeler bleiben, das ist uns schon klar, aber in Großstädten wird er sicher mehr Beachtung finden. Zum Beispiel München. Das wäre sicherlich schwerer für ihn geworden. Jetzt haben wir uns für das Überschaubare entschieden, er wird sich in Leverkusen mit mehr Ruhe entwickeln können.“

Das ist wohl so. Denn auch Mete Öztunali weiß: „In Hamburg wäre die Last für Levin von Jahr zu Jahr größer geworden, das ist doch klar, alle hätten auf den Enkel von Uwe Seeler geblickt und ihn immer damit verglichen. Wir erhoffen uns, dass er in Leverkusen entspannter Fußball spielen kann, und dass er auch in Ruhe seine Schule beenden wird. Das wäre in Hamburg alles sicherlich ganz anders gewesen.“ Der Vater des großen Talentes ist von der Vorgehensweise des HSV nicht überzeugt, um es einmal milde auszudrücken. Er sagt auch: „Ein Spruch von Frank Arnesen war in den letzten Wochen auch nicht besonders hilfreich – das habe ich ihm auch schon selbst gesagt. Der Sportchef hat kürzlich gesagt: ‚Er würde sich freuen, wenn sich Levin für die Ausbildung und für die Familie entscheidet, und nicht für das Geld.’ Als ich das monierte, hat er mir gesagt, dass er das nicht so gemeint hat. Ich habe mich aber bei ihm bedankt, dass er mit dieser Aussage noch zusätzlich Druck aufgebaut hat.“

Der Kampf wurde hinter den Kulissen ausgetragen, oft schien es so, als würde der HSV die besten Karten haben. Aber das schien nur so, wie wir jetzt wissen. Papa Öztunali sagt: „Wir haben uns komplett zurückgehalten in den letzten Wochen, haben uns total verschanzt. Jetzt aber ist es entschieden, und wir erhoffen uns von dem Schritt Ruhe, sehen für unseren Sohn sportlich beste Perspektiven, das hat uns überzeugt. Und nun sollte es auch gut sein.“

Ist es aber nicht. Ganz sicher nicht. Denn der HSV hat Levin Öztunali mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb (trainieren darf er bei der U 17) freigestellt. Mete Öztunali: „Das soll ein Vorstandentscheid sein. Die Begründung: Andere Vereine machen das mit den Spielern, die wechseln werden, auch so. Und Levin dürfte wohl auch schon gehen, wenn Leverkusen sich beim HSV-Sportchef melden würde . . .“

Dieser Punkt bringt den Opa aber auf die Palme. Uwe Seeler: „Dass Levin nicht mehr spielen darf, das macht mich fassungslos. Dafür finde ich gar keinen Ausdruck, da fehlen mir die Worte. Er ist doch ein ordentlicher Junge, Levin hätte doch bis zum Schluss alles für seine Mannschaft gegeben.“ Deutschlands Ehrenspielführer weiter: „Aber wenn sie meinen, das so machen zu müssen, dann ist es eben so – ich kann darüber nur lachen. Wir haben das zur Kenntnis genommen – alles andere muss der HSV wissen, was er macht.“ Dann ergänzt Seeler noch: „Der HSV hätte mal lieber die letzten zehn Jahre wissen sollen, was er macht, da hätte mal alles andere besser gemacht werden sollen, dann wäre das in Ordnung gewesen . . .“

Zum Wechsel seines Enkels sagt Uwe Seeler: „Das hat alles seine Gründe. Und wenn man zu spät aufwacht, dann ist das eben so. Der HSV sollte jetzt nicht die Schuld bei anderen suchen. Der HSV wusste, was Sache ist, der muss jetzt nicht auf andere ablenken.“ Auf meine Frage, ob er jetzt nicht enttäuscht sei, dass sein Enkel schon mit 16 Jahren den HSV verlässt, Uwe Seeler aber immer geblieben ist, sagte das Mittelstürmer-Idol: „wenn ich dem HSV immer treu geblieben bin, dann muss das ja nicht heißen, dass mein Enkel auch Zeit seines Lebens nur für den HSV spielt. Das alles muss ja stimmig sein, das muss man mal ganz klar sagen.“

Und, Herr Seeler, wird Ihr Verhältnis zum HSV nun leiden? Uwe Seeler vielsagend: „Das weiß ich nicht. Das werden wir sehen. Ich finde, dass mein Enkel das Recht haben sollte, sich für den Verein zu entscheiden, für den er spielen will. Ich jedenfalls akzeptiere das. Und trotz allem bleibe ich natürlich HSVer, werde auch weiter die Spiele besuchen.“ Dann fügt er hinzu: „Wie es weitergeht, das wird auch vom HSV abhängen. Je nachdem, was die Herren dort meinen . . . Ich werde mir schön das Spiel gegen Eintracht Frankfurt ansehen, und dann werden wir mal weitersehen.“

Das klingt alles nicht unbedingt so positiv, wie es zu Beginn dieses Freitags noch schien. Ich kann nicht beurteilen, wie genau was gelaufen ist – mich macht es nur tieftraurig, dass es nun zum Bruch gekommen ist. Frank Arnesen beteuert: „Wir haben wirklich alles, alles getan. Auch Thorsten Fink hat alles gegeben, hat dem Jungen alles genau von A bis Z erklärt, wie was laufen soll und kann. Wir alle haben das Äußerste gegeben, wir haben alles getan was machbar ist, aus wirtschaftlicher Sicht hat es beim HSV noch nie ein so gutes Angebot für einen Nachwuchsspieler gegeben – mehr kann man nicht machen. Warum Levin dann trotz allem gegangen ist, das weiß ich nicht, das muss er ganz allein beantworten.“

Ein spektakulärer Wechsel, der noch einige Fragen aufwerfen wird. Mal sehen, was da noch alles so kommt . . .

Aber erst einmal kommt Frankfurt. Morgen um 18.30 Uhr. Und der HSV brennt. Die Spieler jedenfalls. Das ist in diesen Tagen auch immer wieder im Training zu beobachten. Frank Arnesen: „Unsere Führungsspieler sind heiß, denn sie wissen, dass sie zuletzt nicht in Bestform waren – und trotzdem haben wir gewonnen. Als Mannschaft hat uns das sehr viel gebracht, wir haben viel Selbstvertrauen mitgenommen – alle sind heiß, und ich bin davon überzeugt, dass wir ein sehr, sehr gutes Spiel sehen werden. Frankfurt spielt auf Angriff, sie sind immer mit vielen Spielern in der Vorwärtsbewegung, das wird schon interessant.“ Im Training heute hat sich Rafael van der Vaart eine Mauer aufgebaut – und immer wieder Freistöße geschossen. Und zwar von links und von rechts. Meine Herren, es waren viele bildschöne Treffer dabei. So manche Kugel flog in den Winkel, völlig unhaltbar für Sven Neuhaus. Und auf einem anderen Tor wurden Flanken von links und rechts geübt. Mit den nötigen Abschlüssen in der Mitte. Mir gefiel dabei ein Kopfballtor (!) von Tolgay Arslan (gegen Rene Adler) am besten, der Mittelfeldspieler wurde danach selbst von den Kollegen umjubelt und gefeiert. Wohl auch deshalb, weil Arslan bislang ja nicht unbedingt als Kopfball-Ungeheuer aufgefallen ist. Und er köpfte sogar noch ein zweites Mal ein . . .

Mit von der Partie war heute wieder Marcell Jansen. Ob er spielt, steht allerdings noch nicht fest. Frank Arnesen: „Jetzt sah alles gut aus, aber wie wird seine Nacht? Und wie fühlt er sich morgen? Das wird man abwarten müssen.“ Ansonsten stünde Petr Jiracek parat, der Tscheche ist erstmalig wieder im Kader. Nicht dabei ist Ivo Ilicevic, der heute nur kurz in der Arena war, aber wegen einer Bauchmuskelzerrung ausfällt. Nicht im Kader ist Gojko Kacar.

So, ein ereignisreicher Tag. Das Training fand erst um 15.30 Uhr statt, deswegen nun alles erst mit einiger Verspätung. Ich hoffe aber sehr, dass ihr damit leben könnt. Wie sagte Frank Arnesen noch zum Öztunali-Wechsel: „Leben geht weiter . . .“ So ist es.

PS: Morgen wird es nach dem HSV-Spiel wieder “Matz ab live” geben. Unsere Gäste sind Kult-Masseur Hermann Rieger und der frühere HSV-Torwart Jürgen “Starski” Stars.

Es geht endlich wieder los!

18. Januar 2013

Ganz ehrlich: es langt. Und diesmal meine ich nicht die Berichterstattung über die van der Vaarts, sondern die Winterpause. Ich habe keine Lust mehr, über die Wintervorbereitung zu sprechen. Es darf jetzt endlich wieder losgehen. Und ich bin mir ganz sicher, dass auch die Spieler samt Trainerstab diese Meinung teilen. Zumindest machte Fink in den letzten Gesprächen einen gelangweilten Eindruck. Und das, obwohl der HSV-Coach stets bemüht ist, auch auf die dümmsten Fragen nett zu antworten. Ich nehme mich da mal nicht aus…
Aber im Ernst, ich muss heute nicht mehr über Aufsichtsräte berichten und auch nicht mehr schreiben, dass es eine tolle Vorbereitung mit Top-Bedingungen war. Und so spektakulär auch die Verpflichtung eines Josep „Pep“ Guardiola sein mag – im Moment interessiert mich auch das nur am Rande. Immerhin steht der HSV vor seinem ersten Rückrundenspiel. Und das mit großen Zielen. Immerhin sollen es in der Rückrunde mindestens noch mal 24 Punkte werden – was einen internationalen Rang bedeuten könnte. „Jetzt schon wieder irgendwelche großen Ziele auszurufen – ich halte es für falsch“, sagt HSV-Kapitän Westermann und hat grundsätzlich Recht. Allerdings sollte der HSV durchaus Ansprüche stellen – vor allem an sich selbst. Wie zum Beispiel einen Sieg im nächsten Spiel. Und das findet in Nürnberg statt. Gegen Franken, die dem HSV im Hinspiel eine bittere Niederlage in einem der schlechtesten Bundesligaspiele dieser Saison beigefügt haben. „Das wir etwas gutzumachen haben wissen alle“, sagt Fink, der beim FCN auf seinen ehemaligen Bayern-Kumpel Michael Wiesinger trifft – aber auch das interessiert nicht mehr wirklich, oder?

Egal wie, interessanter dürfte sein, wie lange Rafael van der Vaart zum Rückrundenauftakt durchhält. Denn klar ist, dass der Niederländer fit ist und beginnt. „Alles super“, so van der Vaart heute nach dem Training. Wie lange er durchhalten kann? Van der Vaart lacht. „Bis zum Ende, wenn es nötig ist. Abwarten.“ Und während einer meiner Kollegen – wie ich ihn kenne war das sicherlich nicht seine Idee – nach der Besonderheit von van der Vaarts Bart fragte, fragte eine anderer Kollege nach der Besonderheit Nürnberg. Denn die Franken waren es, die Rafael van der Vaart am 6. August 2005 als ersten Bundesligagegner kennenlernte. Gutes Omen für Sonntag: Damals gewann der HSV durch die Treffer von Emile Mpenza und Sergej Barbarez (2) deutlich mit 3:0 und van der Vaart wurde in der 71. Minute ausgewechselt. „Das war ein gutes Spiel von uns“, erinnert sich van der Vaart, „Sergej war super.“

Wer am Sonntag den Sergej macht steht ebenfalls fest. Zumindest, wer ihn machen könnte. Und obwohl ich mit der Fink’schen Wahl Rudnevs/Son zufrieden bin, muss ich ganz ehrlich sagen, dass im Moment ausgerechnet der Angreifer punktet, der bei Fink so gar keine Rolle spielt: Marcus Berg. Der Schwede, der gegen Hertha am Mittwoch doppelt traf, traf auch heute im Training wieder. Und obwohl ich das schon einmal gesagt habe: Berg ist der Stürmer im Team, der mit Sicherheit vor dem gegnerischen Keeper am coolsten ist. Allein, er muss erst einmal in diese Situation kommen…

Und das wird er am Sonntag höchstens als Einwechselspieler. Denn Fink lässt wie erwartet beginnen. Auch wieder mit Marcell Jansen, der zuletzt wegen eines Trainingsunfalls pausierte. Jansen war es auch, der in der Winterpause davon sprach, dass der HSV ob seiner Ausgaben einen höheren Anspruch als Platz zehn haben müsste. „Ich meinte damit, dass ich es Mannschaften gibt die vor uns stehen, obwohl sie einen deutlich geringeren Etat haben“, so Jansen, der sich gern einmal über das reine Spielen hinaus mit dem HSV beschäftigt. So zuletzt bei der Mitgliederversammlung, in der Jansen Dr. Hartmann unterstützte und ein Bild mit ihm postete. Apropos Posten: Zuletzt teilte Jansen via facebook (oder war es Twitter?) mit, seine Freundin habe ihn zum Schauen des Dschungelcamps verdonnert. Umso glücklicher dürfte Jansen jetzt sein. Immerhin kann er mit seinem Zimmernachbarn Sven Neuhaus (ist für den angeschlagenen Drobny im Kader) das Fernsehprogramm frei wählen und muss sich nicht den Z-Promi-Mist auf RTL ansehen.

Ansehen könnt Ihr Euch indes am Sonntag eine neue Ausgabe von „Matz Ab! Live“. Diesmal senden wir nicht aus dem beliebten Champs in Bönningstedt sondern aus dem Elysee. Hintergrund ist, dass die Sendung in der Rückrunde von unserem neuen Partner „Block House“, zu dessen Unternehmensgruppe auch das Grand Elysee gehört, präsentiert wird. Beginn der Sendung ist wie immer gegen 17.30 Uhr.

Aber zurück zum Spiel. Das soll der erste Schritt in eine bessere Zukunft sein. Während Frank Arnesen weiter bemüht ist, Spieler zu verkaufen (laut griechischen Medienberichten soll Marcus Berg bei Panathinaikos Athen auf dem Zettel stehen) und die Jugend mit Jonathan Tah, Levin Öztunali sowie Heung Min Son langfristig an den HSV zu binden, setzt Fink auf neuen Feinschliff. Beim heutigen Training wurden noch einmal insbesondere Laufwege einstudiert, Fink unterbrach immer wieder das Training und stellte seine Mannschaft. Besonders auffällig: die Einsatzfreude aller – wirklich aller! – Spieler auf dem Trainingsplatz. Und auch Petr Jiracek, der gegen Nürnberg laut Fink noch nicht zum Kader gehören wird, wusste zu gefallen. Technisch stark und ballsicher präsentierte sich der Linksfuß beim Spiel auf verkürztem Feld zusammen mit am auffälligsten im B-Team. „Es ist toll, wieder gesund zu sein“, so Jiracek, der sich sportlich für eine schnelle Rückkehr in den Kader empfehlen konnte und dem einzig das ärztliche Veto noch im Wege steht. „Aber bis Bremen kann das schon ganz anders aussehen“, scherzte Jiracek.

Die Voraussetzungen sind gut. Der HSV hat eine gute Vorbereitung hinter sich, einige Erfolgserlebnisse im Rücken und kann auf fast alle Stammkräfte zurückgreifen. „Wir können jetzt zeigen, das wir aus unseren Fehlern gelernt und uns weiterentwickelt haben“, sagt Jansen, der vom Start in Nürnberg abhängig macht, wohin die Reise in dieser Saison geht. Ob er an den internationalen Wettbewerb glaubt? „Das hängt von unserem Start ab. Ich habe schon viele Vorbereitungen mitgemacht, in denen wir alle Gegner weggerammt haben und dann ging es in der Liga schief. Deshalb warte ich ab, wie wir beginnen.“ Nach den ersten drei Spielen könne man sich erneut hinsetzen und über realistische Ziele sprechen. Bis dahin sei insbesondere die schwache zweite Halbzeit ggen Hertha BSC am Mittwoch wichtig, „weil wir da gesehen haben, was wir nicht machen dürfen“, so Jansen, „das war der Dämpfer im richtigen Moment“.

Hoffen wir es. Denn mit einem Sieg in Nürnberg und den Heimspielen gegen nicht zu unterschätzende aber absolut schlagbare Bremer und Frankfurter zu Hause ist für den HSV einiges drin. Und ganz ehrlich: was würden wir uns freuen, den HSV nach langer Zeit mal wieder gut in die Serie starten zu sehen…

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Dieter ist allerdings für Euch dabei und versorgt Euch anschließend mit den wichtigsten Infos. Ich melde mich erst am Sonntag wieder. Nach dem 3:1-Auftaktsieg (Tore: van der Vart, Rudnevs, Son) in Nürnberg in der ersten Sendung „Matz Ab! Live“. Bis dahin wünsche ich Euch ein schönes Wochenende und sage: Zum Glück geht es endlich wieder los. Und: Ich wette, 2013 wird ein deutlich erfolgreicheres HSV-Jahr als 2012. Wettet jemand dagegen?

Scholle

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