Archiv für das Tag 'Özil'

Was hat Joe Zinnbauer vor?

21. November 2014

Das war mal eine Nebeleinheit heute Nachmittag. „Verschleierungstaktik“, twitterte der HSV schon am Morgen beim Blick über den diesigen Trainingsrasen heraus. Von „Fog – Nebel des Grauens“ war die Rede – und nicht wenige Zuschauer fragten sich besorgt, wie der Brasilianer Cleber wohl seine mutmaßlich erste Trainingsschicht bei derartigen Bedingungen und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt überstehen würde.

Zumindest die Sorge bezüglich des Südamerikaners war unbegründet. Cleber mischte munter mit, natürlich mithilfe dicker Handschuhe, einer Mütze und der langen Trainingshose. Ihm war sogar großer Einsatz anzusehen und auch anzuhören. Es ist schon jetzt unverkennbar, wenn seine dunkle Stimme über den Trainingsplatz dröhnt. Und die von Cleber war heute bei weitem nicht die einzige. 24 Feldspieler hat Trainer Joe Zinnbauer dabei gehabt, es wurde in verschiedenen Formen auf kleinem Feld geübt. Es war sehr laut und augenscheinlich, dass Zinnbauer zwei Absichten verfolgte.

Für Abendblatt-Blogs


Zum einen deuteten die Übungen auf kleinem Feld immer wieder darauf hin, dass auch übermorgen im Nordderby gegen Werder Bremen ein harter Kampf um jeden Zentimeter im Mittelfeld erwartet wird. Das Spiel eng machen, sich dort zweikampfstark und mit schnellen Zuspielen behaupten. Das erwartet uns alle also am Sonntag ab 15.30 Uhr im ausverkauften Volkspark. Zum zweiten möchte Zinnbauer durch den bewusst großen 24er-Kader den Konkurrenzkampf am Leben halten. Zum vermeintlichen Stamm zählten heute beispielsweise Mohamed Gouaida, Ronny Marcos, Ashton Götz, Julian Green – dafür mussten sich Matthias Ostrzolek oder auch Tolgay Arslan mit einer möglichen Reservisten-Rolle vertraut machen. Rafael van der Vaart könnte sich gegen Bremen im defensiven Mittelfeld wiederfinden.

Es ist kaum zu erwarten, dass Zinnbauer gleich ein ganzes Quartett unerfahrener U-23-Spieler ins Nordderby schicken wird. Aber warum sollte eigentlich nicht Mohamed Gouaida sein Debüt in der Bundesliga geben? Links im Mittelfeld fällt Marcell Jansen aus. Die Variante mit Lewis Holtby hat bei Hertha BSC nicht geklappt. Zoltan Stieber konnte dort ebenfalls noch nicht begeistern und Ivo Ilicevic bleibt fürs erste wegen seiner ständigen Verletzungen und Trainingspausen ein unsicherer Kandidat. Warum also nicht Gouaida, der vergangenen Sonnabend beim 2:2 der U 23 durch ein wundervolles Tor (übrigens nach Doppelpass mit Philipp Müller und nicht Ahmet Arslan, wie ich vergangene Woche irrtümlich geschrieben hatte) den Endstand erzielte? Der Bursche hat schon was, ist schnell und selbstbewusst. 21 Jahre alt ist der Franzose mit tunesischen Wurzeln, der in Straßburg geboren wurde, und den der HSV im Sommer vom SC Freiburg geholt hat.

Abwarten, was Joe Zinnbauer wirklich plant. Wie Ihr auch im Video von der heutigen Pressekonferenz hören könnt, möchte sich der Trainer alle Optionen offen halten. Wobei er auch klar sagt, dass vor den jungen Nachrückern immer noch eine Reihe Älterer steht, die „einen Schritt“ voraus seien. Aber punktuell kann man sicher mit einem jungen die alte Garde aufmischen. Nach den Länderspielen der vergangenen Woche sind vor allem die beiden Schweizer mit leichten Beschwerden zurückgekehrt. Allerdings gab es heute auch gleich Entwarnung. Sowohl Valon Behrami als auch Johan Djourou konnten im Training wieder dabei sein. Ihr Einsatz am Sonntag ist nicht gefährdet.

Auffällig ist ja vor diesem Nordderby, dem 101. Der Bundesliga-Geschichte, dass sich die Protagonisten mit allzu viel Gedröhne zurückhalten. Das mag auch wiederum zwei Gründe haben. Auf der einen Seite polarisiert die Werder-Truppe in Hamburg sicher nicht mehr so wie mit Tim Wiese oder Torsten Frings. Auf der anderen Seite ist die sportliche Lage sowohl an Weser wie an Elbe alles andere als dafür geschaffen, große Töne zu spucken. Wie würde sich das anhören, wenn die HSVer posaunen würden, Werder aus dem Stadion zu pusten? Da muss man nur mal die Heimstatistik rausholen. Und Werder, mit der zweitschwächsten Deckung der Liga, steckt in etwa so tief im Schlamassel wie der HSV.

Der Weg der beiden Vereine in den vergangenen Jahren lief ja parallel nach unten. Werder Bremen stand zwischenzeitlich fünf Mal in Folge in der Champions League. Geblieben ist von entsprechenden Einnahmen und vom hohen Marktwert der Spieler – nichts. Der HSV war internationaler Dauergast in den 2000er Jahren. Davon geblieben ist – noch weniger als nichts. Beide Nordvereine können ruhig als Prototypen herhalten für diejenigen Bundesliga-Vereine, die mit allergrößtem Aufwand und größtmöglichem Transferrisiko ihre Mannschaft aufgepumpt haben. Der sportliche Erfolg gab ihnen kurzfristig recht, doch sportliche Schwächephasen brachten das ganze Konstrukt zum Einsturz. Der HSV überhob sich (und überhebt sich noch) an seinen viel zu hohen Personalkosten. Werder wurde Opfer einiger teurer Transferflops. Als die Zeiten der genialen Spielmacher Micoud, Diego und Özil vorbei war, wurde teuer investiert in Nachfolger (Arnautovic, Carlos Alberto), die die Erwartungen nicht erfüllten. Was in Hamburg aufgefressen wurde durch zahllose Abfindungen, das ging auch an Werder nicht vorüber. Dort hat man darüber hinaus in Steine statt weitere Beine investiert. Das Stadion wurde umgebaut. Nachhaltig und sinnvoll, aber für den Moment ist Werder Bremen sportlich in einer tiefen Delle. Die Truppe ist eindeutig nicht gut, und nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Franco di Santo im Sturm besitzt der HSV ja berechtigte Hoffnungen, diesmal als Sieger vom Platz gehen zu können.

Für Abendblatt-Blogs

Apropos Abfindungen. Vier Stunden tagten die DFB-Schlichter gestern mit den Anwälten des HSV und von Mirko Slomka und Nestor el Maestro. Dann war der Gütetermin friedlich beendet. Mehr als 1,4 Millionen Euro Abfindung wollte allein Slomka haben. Am Ende soll eine Summe von 1,8 Millionen herausgesprungen sein. Damit können wir zusammenfassen, dass der Ex-Trainer von Hannover 96 für seine sieben Monate in Hamburg knapp 2,5 Millionen Euro eingestrichen hat. Das ist etwas weniger als Bert van Marwijk für die knapp sechs Monate seiner Amtszeit erhalten hat. Es ist doch schön zu sehen, wie gnädig der HSV mit seinen leitenden Angestellten umgeht. Nicht, dass daraus nachher noch ein Sozialfall wird.

Aber im Ernst: Was ist da eigentlich los in den verantwortlichen Gremien des HSV? Was haben Anwälte, Vorstände und Aufsichtsräte für löchrige Verträge ausgehandelt? Wieso wird da ständig die Abfindung eingeklagt und nach oben verhandelt? Gibt’s das bei anderen Bundesligisten? Cardoso, Addo, Kreuzer, Slomka, el Maestro, van Marwijk – allein in den vergangenen Monaten? Die Verträge liegen dem HSV natürlich nur intern vor. Aber das hier ganz offensichtlich fehlerhaft gearbeitet wurde, liegt zunächst auf der Hand. Bei Kreuzer, so viel ist klar, hat der neue Aufsichtsrat bei der Vertragsumstellung Kreuzers von e.V. auf AG ein Versäumnis begangen und eine ursprünglich gültige Abfindungsregelung nicht übernommen. Glückwunsch dazu! Alle anderen Dinge, wie auch gestern von Scholle zum Fall Otto Addo beschrieben, sind im einzelnen sicher unterschiedlich. Zwei Prozesse stehen übrigens noch an. Am 1. Dezember geht es vor dem Arbeitsgericht um die fristlose Kündigung von Oliver Kreuzer. Und der Gütetermin mit dem ehemaligen Fitness-Trainer Nikola Vidovic, der heute vor dem Arbeitsgericht sein sollte, wurde kurzfristig verlegt. Dazu diese Mitteilung des Arbeitsgerichts:

Herr Vidovic wurde beim HSV e.V. mit Arbeitsvertrag vom 19. Oktober 2011 befristet bis zum 30. Juni 2014 eingestellt. Dieser Arbeitsvertrag wurde nachfolgend bis zum 30. Juni 2016 verlängert. Herr Vidovic war direkt dem Cheftrainer unterstellt. Das Arbeitsverhältnis ging später auf die HSV Fußball AG über. Mit Schreiben vom 16. September 2014 wurde Herr Vidovic durch die HSV Fußball AG freigestellt und am 22. September zum 31. Oktober 2014 gekündigt. Gegen diese Kündigung wendet sich Herr Vidovic vor dem Arbeitsgericht Hamburg. Weil beide Seiten eine einvernehmliche Regelung derzeit für nicht möglich halten, haben Sie beantragt, den Gütetermin vom 21.11.2014 zu verlegen, und den Kammertermin unmittelbar anzuschließen. Daher hat der Vorsitzende den Termin vom 21.11.2014 aufgehoben und zur mündlichen Verhandlung Termin anberaumt auf den 11. Februar 2015.

Verrückt, diese Prozessflut. Eigentlich kann es nicht im Sinn des Vereins sein, dass die anberaumten Verhandlungen tatsächlich öffentlich stattfinden. Im Zweifel würde wohl nur offenbar, welche Versäumnisse der HSV sich vorzuwerfen hat.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis auf eine neue Sonderausstellung im HSV-Museum. Mit 40 geladenen Gästen wurde vorhin der neue Bereich eingeweiht, der noch bis Ende des Jahres zu sehen sein wird und „Charly“ Dörfel gewidmet ist. „Charly“ selbst war anwesend, und das ist umso erfreulicher, weil der geniale Linksaußen von einst ja gerade einen Krankenhausaufenthalt hinter sich hat. Aber, wie er selbst jetzt wohl sagen würde: „Unkraut vergeht nicht!“ Also: Ein Blick ins Museum lohnt sich mal wieder.

Morgen wird noch einmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Für die Matz-ab-live-Sendung am Sonntag nach dem Nordderby haben Dieter und Scholle den ehemaligen Torwart Sven Neuhaus zu Gast. Ein zweiter Gast folgt wie immer.

Lars
18.52 Uhr

Wenn Stark Elfmeter gegeben hätte . . .

20. Juni 2012

„Vielen Dank für das große Interesse, das Sie an den Schiedsrichtern zeigen.“
„Die zwölf Schiedsrichter, die hier sind, gehören zu den Besten in Europa.“
„Sie haben recht, der Ball war hinter der Linie. Es war ein menschlicher Fehler, verursacht durch einen Menschen.“
„Wenn wir jetzt über einzelne Fälle von Schiedsrichterentscheidungen sprechen würden, säßen wir Weihnachten noch hier.“
Aussagen von Uefa-Schiedsrichter-Chef Pierluigi Collina am Mittwoch in Warschau.

Das Interesse an den Schiedsrichtern dürfte spätestens nach England gegen die Ukraine sprunghaft angestiegen sein. Wobei ich die Diskussion um dieses nicht gegebene Tor irgendwie auch unfair finde. Ich habe nämlich damals, als diese Torschiedsrichter eingeführt wurden, gleich gesagt habe, dass es auch mit diesen Herrn, denen ich den Spaß an diesen Dienstreisen durchaus gönne, zu Fehlentscheidungen kommen wird. Ist doch klar. Der Mann sieht diese Szene auch nur einmal. Soll der innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde sagen: „Ja dieser Ball war ganz drin.“ Das kann der doch gar nicht. Ich habe Gerd Gottlob, den ARD-Kommentator bewundert, dass der gleich gerufen hat: „Dieser Ball war drin!“ Ich habe es vermutet, aber erst später, nämlich dann, als die Szene angehalten wurde, gesehen, dass das tatsächlich ein Tor gewesen ist. Künstlerpech.

Was hätten wir wohl alle gesagt, wenn dieser Torrichter auf Tor entschieden hätte, die Kugel aber tatsächlich nur zu einem Dreiviertel und damit nicht im vollen Umfang „drin“ gewesen wäre? Das Fernsehen hätte das bewiesen, ganz sicher – aber der arme Kerl da an der Seite? Der sieht das doch auch nur einmal, wäre aber total zerrissen worden. Obwohl er natürlich nicht mal eine Zeitlupe oder ein Standbild da draußen hat. Ich behaupte, dass nur eine Spielunterbrechung und der Kamerabeweis helfen können. Und so viele strittige Szenen, ob nun Tor oder kein Tor, gibt es zum Glück ja auch nicht. Was also würde es wohl ausmachen, wenn eine solche Szene tatsächlich „draußen“ noch einmal durchleuchtet wird? Das ist doch nur eine (Verletzungs-)Pause mehr. Und es ist ja so: In einem solchen EM-Turnier geht es doch um Millionen, da wäre es doch nur okay, wenn man sich einer solchen professionellen Hilfe bedienen würde. Das würde nicht mal eine Minute kosten. Und das hätten nicht nur die Mannschaften verdient, sondern auch die Fans. Zudem wäre es ein zusätzlicher Nervenkitzel (wie beim Eishockey), und alle wären zufrieden. Alle. Denn alle, Freund und Feind, wüssten, dass das tatsächlich auch ein reguläres Tor gewesen ist. Oder auch nicht.

Und komme mir dabei niemand mit der „Gleichbehandlung“ im Fußball. Dass Profis und Amateure gleich zu behandeln wären, und dass es dann auch Torkameras bei den Amateuren geben müsste. Hirnrissig ist ein solches Argument, denn der Profi-Fußball hat sich heutzutage doch schon sehr weit, meilenweit von den Amateuren abgesetzt – das gibt es inzwischen doch viel zu viele Unterschiede. Und auf diese Unterschiede nimmt schon lange keiner mehr Rücksicht oder prangert sie an. Nein, solche umstrittenen Tor-Szenen sind nur durch eine Kamera zu lösen. Und da das Fernsehen ja jetzt schon auf der „Torlinie“ steht, wie gestern bewiesen, wäre es doch ganz leicht gewesen, auf Tor zu entscheiden. Anstatt dieses Männlein, das sich Torrichter nennt, den Fußball-Fans in aller Welt zum Fraß vorzuwerfen.

Aber das ist natürlich Sache der Uefa oder auch der Fifa. Und da dauert es manchmal . . . Weil die Herren inzwischen schon mein Alter erreicht haben – oder noch viel älter sind.

Das gilt übrigens auch für das Thema „Wolfgang Stark“. Den möchte ich bei der Gelegenheit einmal in Schutz nehmen. Wer mag nur auf die Idee gekommen sein, Stark für ein Spiel Spanien gegen Kroatien anzusetzen? Auch das war hirnrissig. Und zwar total. Was wäre wohl gewesen, wenn Stark diesen Elfmeter gegeben hätte – und Spanien wäre dadurch ausgeschieden? Dann hätte ganz Spanien „gejubelt“: „Ein deutscher Schiedsrichter eliminiert Spanien und macht den Weg frei für Deutschland.“ So wäre es doch gewesen. Nun schreit „nur“ Kroatien auf, aber die unterstellen Stark ja auch nur „Blindheit“, nicht aber Parteilichkeit.
Aber wenn Spanien wegen des Elfmeters hätte nach Hause fahren müssen, dann wären die Deutschen ganz sicher ihr 17. Bundesland losgeworden: Mallorca. Die Insel hätten sie uns deswegen, nur wegen des Elfmeters, hundertprozentig wieder weggenommen. Kurz und schmerzlos und ohne großartig die Bürokratie zu bemühen – einfach nur wech! Deswegen war es eigentlich nur logisch, dass Wolfgang Stark nicht auf Strafstoß entschieden hat.

Wobei ich von dieser ominösen Lippen-Ableserin doch schon mal ganz gerne erfahren hätte, was der „28. Mann“ da draußen an der Seite, nämlich Florian Meyer (er war wohl der Torrichter auf dieser Seite!?) unmittelbar nach diesem Foul an dem Noch-Wolfsburger Mandzukic in sein Mikrofon (in Richtung Wolfgang Stark) gesprochen hat. Hat er nun gesagt: „Du musst nicht pfeifen, Wolfgang, diesen Tritt hättest auch du überlebt, alles ganz harmlos. “ Oder hat er gesagt: „Wenn ich du wäre, würde ich nun auf den Elfmeterpunkt zeigen – aber ich bin ja nicht du.“ Vielleicht verrät es mir Florian Meyer ja später mal, wenn er, der Mann aus Burgdorf, mal wieder in Hamburg angesetzt ist, um ein HSV-Spiel zu pfeifen. Vielleicht.

Apropos Schiedsrichter. Es sind nur zwölf (erste) Herren in Polen und der Ukraine zugegen. Also zwölf Männer, die das Ding auch tatsächlich pfeifen. Bei der nächsten EM müssen es zwangsläufig mehr werden, dann wird die EM ja kräftig aufgestockt. Dann starten 24 Länder – man gönnt sich ja sonst nichts, bei der Uefa. Dann wird aus einer Europameisterschaft, die bislang fußballerisch wertvoller als jede Weltmeisterschaft war, doch eher ein verwässertes Turnier. Aber da bin ich ja wohl der letzte Mensch, der sich darüber (viel zu spät) aufregt. Aber es geht ja auch nicht um den Fußball an sich, sondern viel mehr ums Geld. Ist schon okay. . . Geld regiert die Welt.

Womit ich zur deutschen Mannschaft kommen möchte. Speziell zu Mesut Özil. Ich kann nämlich nicht begreifen, wieso dem ehemaligen Schalker unterstellt wird, bislang eine schlechte EM gespielt zu haben. Er war zwar in den ersten drei Spielen nie so überragend, wie er es aufgrund seiner überragenden Fähigkeiten hätte sein könnte, aber dennoch gehörte er für mich stets zu den besseren deutschen Spielern. Was dieser Mann an und in den Beinen hat, ist unfassbar. Und dazu hat er es auch im Kopf, denn er denkt vor, legt vor, hat viele, viele kluge Ideen. Ich könnte mit dem Özil, so wie er sich bislang präsentiert hat, sehr gut leben, hoffe aber auch darauf, dass er noch „ein wenig explodiert“ – so wie es der Bundestrainer in Aussicht gestellt hat. Wäre aber ganz sicher nicht verkehrt, wenn dazu dann andere noch viel mehr explodieren würden. Wenn das passieren sollte, dann wäre Deutschland tatsächlich ein heißer Kandidat auf den Turniersieg. Aber bevor Özil explodieren „muss“, da sollten sich andere (Podolski, Gomez, Müller, Schweinsteiger . . .) doch schon mal etwas eher aufgerufen fühlen, ebenfalls noch kräftig zuzulegen.

Auch Toni Kroos gehört zu diesem Kreis, der noch zulegen sollte. Der Bayern-Spieler ist ja bekanntlich sauer über seine Reservistenrolle, aber in meinen Augen hat er nicht den geringsten Grund dazu. Im Gegenteil, Kroos sollte eher in sich gehen. Was er beim letzten Test vor dem EM, dem Länderspiel in Leipzig gegen Israel, geboten hat, das war gar nichts. Für mich war er bei diesem Kick der schlechteste deutsche Spieler, und mit einer solchen Leistung bietet man sich als ein Spieler, der „auf der Kippe steht“, nicht gerade an. Aber damit sind wir schon wieder bei dem leidigen Thema Selbstkritik. Ist leider schon lange zu einer Seltenheit verkümmert, wird auch immer mehr zu einer absoluten Seltenheit.

So, zum Abschluss dann etwas, was ich bei dieser EM noch nicht gesehen habe. Und irgendwie kann ich es auch immer noch nicht glauben. War es tatsächlich so? Oder habe ich etwas verpasst? Seitenwahl beim Spiel England gegen die Ukraine. Die beiden Kapitäne begrüßen die Schiedsrichter um den Ungar Kassai. Timoschtschuk gibt den Unparteiischen die Hand, dann auch Gerrard. Die Wahl wird vorgenommen, die Münze fällt, die Seiten werden verteilt und wer Anstoß hat. Dann gibt Gerrard den fünf Schiedsrichtern noch einmal die Hand – aber Timoschtschuk nicht mehr! Er drehte ab und ging. Lag es daran, dass Timoschtschuk nur der „Ersatz-Kapitän“ für Schewtschenko war und es nicht besser kannte? Oder hatte der Bayern-Profi einfach keine Lust mehr auf diese ganze „Schüttelei“? Denn, und das konnte und kann man während dieser EM sehr gut beobachten: Schon in den Katakomben der jeweiligen Stadien geben sich die Kapitäne und die Schiedsrichter schon mal zu Begrüßung die Hände. Auf dem Platz dann noch zweimal – bis auf Timoschtschuk. Endlich einmal bringt einer den Mut auf, sich zu verweigern – und deshalb bekommt er auch garantiert keinen „Tennisarm“.

So, einen kleinen, ganz, ganz kleinen Abstecher zum HSV habe ich auch noch. In dieser Woche wird noch etwas in Sachen Vertragsverlängerung passieren – aber neue Spieler sind noch nicht in Sicht.

Dafür gibt es ein „dickes Millionen-Ding“ von einem Ex-Hamburger:
Änis Ben-Hatira soll laut Medienberichten beim Absteiger Hertha BSC vor dem Absprung stehen. Der Club Baniyas SC aus Abu Dhabi soll dem Stürmer angeblich sechs Millionen Euro für einen Vier-Jahres-Vertrag geboten haben.
Sechs Millionen. Und immer fein die schöne Sonne auf dem lockigen Haar. Wer würde da schon nein sagen (wollen)? Man muss nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

In diesem Sinne, einen fröhlichen und ruhigen EM-freien Feierabend.

18.09 Uhr

Wie Thorsten Fink über Gomez denkt

14. Juni 2012

Warte, warte noch ein Weilchen, dann . . . Ja, dann werden wir sehen, ob der HSV noch den einen oder anderen Spieler an einen anderen Verein abtreten kann. Die „Welt“ hat kürzlich von den „Ladenhütern“ des HSV geschrieben. Aber wer will schon „Ladenhüter“ haben? Zumal dann, wenn sie von einem Fast-Absteiger kommen? In der Ersten Liga dürften nur Klub Interesse haben, die unten „mitspielen“, und die haben meistens auch kein Geld. Also dürften sich die Ablösesummen in Grenzen halten, mit denen der HSV kalkulieren könnte. Ein Teufelskreis, denn: „Erst verkaufen, dann einkaufen“ – das funktioniert eigentlich ganz anders. Es wird noch eine Zeit verstreichen, ehe es Bewegungen auf dem HSV-Transfermarkt geben wird. Derweil genießen Spieler und Trainer ihren außergewöhnlich langen Sommerurlaub. Und das ist ja auch ganz gut so, gehen die Profis doch dann völlig erholt und ausgeruht wieder an ihre Arbeit.

Gestern waren ja Dennis Aogo und Jörn Wolf bei „Matz ab live“ zu Gast, und ich möchte jenen „Matz-abbern“ danken, die diese Auftritte gelobt haben. Im neuen „Studio, das „Champs“ in Schnelsen, wirkte es alles großzügiger und auch schon etwas professioneller, auch deswegen kamen diese 34 Minuten vielleicht so gut an. Wobei klar festzuhalten ist, dass unsere beiden Gäste wirklich etwa zu sagen hatten – und das auch sehr gut in die Tat umsetzten. Auch an dieser Stelle noch einmal unser Dank an beide Herren. Das lechzt nach einer Wiederholung.

Aber es ist ja EM. Zum Glück. Und da gibt es ja genügend Dinge, die zu kommentieren sind. Ich habe gerade in der „Sport Bild“ gelesen, warum der frühere niederländische Nationaltorwart Hans van Breukelen „die Deutschen nicht mag“: 1.) Die Schwalbe von Hölzenbein im WM-Finale 1974. Ich habe fast geweint. 2.) Die Arroganz der Deutschen. Die meisten grüßen nicht mal. 3.) Deutsche machen sich über uns lustig mit Witzen wie diesem: Holländische Kinder haben so große Ohren, weil ihre Eltern sie daran hochziehen und sagen: „Schau mal, da drüben wohnen die Weltmeister.“

Okay, ich kann ja verstehen, dass der Stachel immer noch tief sitzt. Aber ich möchte mal die drei Gründe aufschlüsseln. Punkt eins: Selbst wenn Hölzenbein zum 1:1-Eöfmeter ein Schwalbe produziert haben sollte, später, als der Frankfurter im WM-Finale von Jansen tatsächlich umgegrätscht wurde, gab es keinen Strafstoß. Also ausgleichende Gerechtigkeit. Punkt zwei, die Arroganz. Soll ich Hans van Breukelen grüßen, wenn ich ihn sehe? Oder Frau Antje? Oder Harry Wijnvoord? Oder Ruud van Nistelrooy? Natürlich, den würde ich grüßen, aber ich würde doch keinen Menschen grüßen, den ich nicht kenne. Es sei denn, dieser Mensch grüßt mich. Dann grüße ich natürlich zurück. Weil mir Arroganz fremd ist. Und Punkt drei? Ich kenne Niederländer, habe aber die großen Ohren nicht gesehen Und Witze über Holland und Holländer? Ich glaube, das gleicht sich auch alles aus, denn auch die Niederländer machen (nicht gerade freundliche) Witze über die Deutschen.

Und bei der Gelegenheit. 26. April 1989, WM-Qualifikationsspiel in Rotterdam, Niederlande gegen Deutschland. Da wurde in der Stadt am Tag vor dem Spiel und am tag des Spiels alles attackiert, was Deutsch sprach. Und an deutschen Autos wurden Scheiben eingeschlagen und Spiegel abgetreten. Und unser riesiges Hotel, ein Glaskasten mitten in der Stadt, wurde mit schweren Seiten beworfen. Ich sehe noch heute unseren früheren Nationaltorwart Hans Tilkowski mit eingezogenem Kopf von der Rezeption in Richtung Fahrstühle flüchten, weil er richtig viel Angst hatte. Aber der eigentliche Höhepunkt folgte erst im Stadion. Wir waren fünf Kollegen, drei aus Hamburg, einer aus Lübeck, einer aus Frankfurt. Wir waren im inneren Ring des Stadions, kurz vor den Aufgängen zu unseren Plätzen. Draußen tobte eine Schlacht, wie ich sie so noch nie erlebt habe – das war wie Krieg. Und wir hatten die Treppe vor Augen, alles schien bestens, als plötzlich ein niederländischer Polizist mit seinem Pferd auf uns von hinten zuritt. Und ohne Vorwarnung zog dieser ältere Herr (Rundschnitt in Augenbrauenhöhe) seinen Gummiknüppel und drosch damit auf unseren ältesten Kollegen, der bundesweit bekannte Hartmut Scherzer, ein. Wir waren fassungslos. Niemand von uns hatte etwas getan oder gesagt, es war einfach nur ein feiger Angriff von hinten, total unbegründet. Da wollte sich ein älterer Niederländern mal kurz an einem älteren Deutschen „rächen“. Ich habe das damals – mehr aus Zufall – fotografiert, Jahre später erschien dieses Foto (oder Fotos) auch in der „Sport Bild“ – im Zusammenhang mit der „deutsch-niederländischen Freundschaft“. Dieser Vorgang ist mir unvergessen, aber er zeigt auch, dass die Dummen eben noch lange nicht aussterben. Siehe Hans van Breukelen. Manche lernen es nie.

Zum Fußball. Mein Freund Peter, ein Freund der Nationalmannschaft (FdN), rief ich heute an und sagte: „Dass Deutschland auch zu zehnt gegen die Niederländer gewinnt, das ist eine ganz wichtige Erkenntnis für mich.“ Wie, zu zehnt? Er: „Na ja, hat der Karnevalsprinz hat doch nun wirklich nicht teilgenommen.“ Aha, es geht also um Podolski. Haut den Lukas. Recht hat er ja, mein Freund, ich habe Podolski ja auch nicht gesehen. Wir haben uns dann aber gefragt, ob es Jogi Löw nicht auch so ergangen ist? Zweite Halbzeit zumindest. Da turnte der Ex-Kölner, den sie am Rein immer mit der Sänfte ins Stadion und zum Training getragen haben, ja auf der gegenüberliegenden Seite der Trainerbank herum. Deswegen, so schlossen wir daraus, konnte in Löw nicht sehen, folglich auch nicht auswechseln. Wer nicht mitspielt, der kann nicht vom Platz geholt werden. Logisch. Deswegen musste erst Mesut Özil (der dann oft vor der Trainerbank aufkreuzte) runter, dann auch noch Thomas Müller. Rechtsdraußen.

An Müller scheiden sich ja die Geister. Ich gebe zu, dass der Bayern-Profi nicht in Bestform zur EM gekommen ist. Aber er ist auch nicht in absolut schlechter Verfassung. Mir gefällt dieser Müller immer noch, gebe ich zu. Weil er viele gute Dinge mit dem Ball anstellt, weil er den Ball auch bestens unter Kontrolle hat – und weil er fleißig nach hinten arbeitet. Das ist vielleicht der Punkt, der bei Podolski zum springenden Punkt wird. Ihm hat man ja oft vorgeworfen, dass er kaum oder nicht nach hinten arbeitet. Jetzt arbeitet er nach hinten, aber er arbeitet kaum noch nach vorne. Wir er vorne geschickt, geht er kurz ab – bis zu jenem Punkt, an dem er den Ball hat. Früher wäre er dann mit dem Kopf durch die Wand Richtung Tor des Gegners marschiert, hätte alles um und dumm gelaufen und geschubst – heute spielt er den Ball gleich wieder zurück, oder er läuft mit der Kugel am Fuß wieder Richtung eigener Hälfte. Völlig harmlos. Und total wirkungslos. Ein Ausfall.

Apropos. Cristiano Ronaldo. Oliver Kahn spricht ja nur die Wahrheit aus: so schlecht wie nie. Zwei Super-Chancen, kein Tor. Der gute „John-Wayne“-Verschnitt (weil er vor seinen Freistößen immer so breitbeinig steht wie die Hollywood-Legende, bevor er aus der Hüfte schoss) läuft in dieser portugiesischen Mannschaft wie ein Fremdkörper herum. Wie einer, der um Liebe bettelt, den aber keiner wirklich lieb hat. Im Gegenteil. Oft habe ich bislang den Eindruck, als würden ihn seine „Kollegen“ ganz bewusst „außen vor“ lassen. Wenn sie ihm den Ball geben, ist er weg – so oder so. Das will keiner so richtig.

Im Gegensatz dazu Mario Gomez. Zwei Chancen, zwei Tore. Das ist der wahre „John Wayne“. Eiskalt. Auch ohne breitbeinig vor dem Ball zu stehen, ohne auf die Anzeigentafel im Stadion zu blicken, ob auch die Frisur noch gut sitzt. Mich würde ein Typ wie Ronaldo in meiner Mannschaft nerven – wenn er keine Leistung bringt und keine Tore schießt. Nur dann, natürlich. Aber an guten Tagen kann er es ja. Ausgerechnet bei dieser EM kann er es aber (noch) nicht. Zurück zu Gomez. „Ich kann die Kritik an ihm nicht verstehen, jund jetzt hat er mit seinen nunmehr drei Toren den Kritikern das Maul gestopft“, sagt HSV-Trainer Thorsten Fink (mit dem „Scholle“ sprach) über den deutschen Torjäger. Und in der Castrol-Analyse werden die Stärken des Münchner Stürmers noch einmal bestens „entlarvt“:

In der Form seines Lebens? Allerdings. Mit Killerinstinkt vor dem gegnerischen Tor? Keine Frage. Aber lauffaul? In diesem Punkt scheiden sich bei Mario Gomez die Geister. Die Analysen von Castrol, offizieller Partner der „UEFA EURO 2012 Statistik“, belegen, dass die Kritik an Deutschlands Torgarant mit der Nummer 23 nicht auf Fakten, sondern auf subjektiven Eindrücken beruht.

Beim 1:0-Sieg der DFB-Elf gegen Portugal hatte Gomez in 80 Spielminuten 8 797 Meter absolviert und gegen die Niederlande waren es bei seiner Auswechslung in der 72. Minute bereits 8 826 Meter. Hochgerechnet auf die volle Spieldauer käme Gomez auf eine Gesamtlaufleistung von knapp 9 896 Metern (gegen Portugal) bis 11 032 Metern (gegen die Niederlande) – und muss so den Vergleich mit anderen Goalgettern nicht scheuen: Der Ukrainer Andrij Schewtschenko brachte es im Spiel gegen Schweden in 81 Minuten Spielzeit auf 8 826 Meter und Zlatan Ibrahimovic in Diensten der Schweden kam über die volle Distanz auf ganze 9 362 Meter. Beide Angreifer stehen in ihrem Land übrigens außerhalb jeder Kritik.

Deswegen war Gomez im Spiel gegen die Niederlande auch der herausragende Akteur mit einer Wertung von 9,43 Punkten. An seiner Effektivität gibt es keinen Zweifel: seine beiden Treffer erzielte der Münchener mit nur drei Schüssen auf das Tor. Als offizielle Analyse der „UEFA EURO 2012 Statistik“ erfasst der Castrol alle Ballkontakte und Aktionen eines Spielers und bewertet, ob sie die Wahrscheinlichkeit eines eigenen Tores erhöhen oder senken. In gleicher Weise werden Punkte für Defensivaktionen vergeben. Aus den gewonnen Daten ergibt sich eine Rangliste mit einer Bewertung von bis zu zehn Punkten – je höher die Punktzahl, desto besser die Leistung.

Auf Rang zwei der Liste landet Holger Badstuber (9,13 Punkte), der vor allem durch seine Balleroberungen auf sich aufmerksam machte. Der stärkste Niederländer war Robin van Persie mit einer Wertung von 9,08. Er überzeugte als Torschütze und Störfaktor im deutschen Spielaufbau. Er war außerdem der lauffreudigste Akteur seines Teams mit einem Pensum von 10 843 Metern. Beim Sieger war die Doppel-Sechs im Mittelfeld wieder fleißig unterwegs: Bastian Schweinsteiger setzte die Bestmarke mit 11 952 Metern vor Sami Khedira mit 11 336 Metern. Insgesamt absolvierte die deutsche Elf rund 106 Kilometer, Holland dagegen nur 104 Kilometer.

Khedira und Schweinsteiger – das waren zwei riesige Stützen in der Sieger-Mannschaft, die ihren Gegenspieler Mark van Bommel und Nigel de Jong (unser Nigel!) klar an die Wand spielten. Real-Spieler Khedira war in der Balleroberung Weltklasse, Schweinsteiger war Lenker, Denker und Kämpfer – wie (fast) zu seinen besten Tagen. Ich würde es ihm und der deutschen Mannschaft (und auch mir) wünschen, dass er noch während dieser EM zur alten Stärke zurückfindet, gegen die Niederlande war er fast schon wieder an jenem Punkt. Oftmals sieht es nicht sonderlich spektakulär aus, wie er etwas macht, aber fast alles ist enorm wirkungsvoll. Wie bei Khedira. Zwei große Trümpfe auf dem Weg zum Titel? Ich hatte ja vorher auf die Niederländer (Egoland) und als Außenseiter auf die Polen getippt, aber die Sache mit dem Tippen ist so eine Sache. Meistens liegt man daneben – ich total. Deswegen sage ich jetzt: unterschätzt mir die Italiener nicht. Die spielen bislang so gut, wie ich sie kaum zuvor mal gesehen habe. Die laufen, die rennen, die spielen kreativ, die kämpfen, die stehen gut, die treten als Einheit auf – da passt alles. Hätte ich vorher nie geglaubt, aber der Wettskandal scheint null Spuren hinterlassen zu haben. Kompliment!

18.59 Uhr

Sylt steht im Zeichen der Neuen

29. Juni 2011

45 Minuten Laufen am Morgen, 2 Stunden und 15 Minuten beim Training um zehn Uhr auf dem Platz und eine knackige 120-Minuten-Einheit am Nachmittag – Michael Oenning hält, was er versprochen hatte: er macht die Mannschaft fit. Und obwohl es harte Einheiten sind, ist den jungen Spielern (so pauschal darf man inzwischen über diesen verjüngten HSV sprechen) das Lachen noch nicht vergangen. Mit Schuld daran ist auch ein Neuer. Sein Name: Frank „Funny“ Heinemann, seines Zeichens neuer Cotrainer und Bochumer Urgestein. Und ein lustiger, sehr positiver Typ. Zumindest erzählt man sich das über den 46-Jährigen, der 2009 für vier Bundesliga- und ein DFB-Pokalspiel sogar als Cheftrainer des Relegationsverlierers aus dem Ruhrpott agierte.

Uns gegenüber zeigte sich Heinemann zielsicher und selbstbewusst. Dass er seit seinem abrupten Karriereende 1995 (Kreuzbandriss) bislang nicht über die Rolle des Interims-Cheftrainers hinauskam, stört ihn nicht. Im Gegenteil. Heinemann ist zufrieden mit dem, was er gemacht hat – und vor allem mit dem, was er aktuell macht. „Es fühlt sich echt gut an, beim HSV zu arbeiten. Ich bin gern beim HSV.“ Menschlich sei er bereits voll angekommen, „von vielen netten Menschen sehr freundlich aufgenommen“, wie er es selbst formuliert.

Und das, obwohl der neue HSV-Cotrainer zuvor eine herbe Enttäuschung verkraften musste. Nach 35 Jahren beim VfL Bochum, für den er in der Jugend und im Profibereich kickte und arbeitete, wurde ihm im März von der VfL-Führung mitgeteilt, dass er als Jugendchef nicht mehr gebraucht würde. Sechs Jahre lang hatte er zuletzt immer nur Einjahresverträge unterschrieben und ritt demnach durchgehend auf der sprichwörtlichen Rasierklinge in einem Metier, das bekannt ist für viele Personalwechsel. „Aber für mich ist das kein Problem mehr, ich schaue nicht zurück“, sagt Heinemann.

14 Jahre lang hatte er als Cotrainer beim VfL gearbeitet. Er erlebte zuerst Toppmöller und anschließend Middendorp, Dietz, Zumdick, Schafstall, noch mal Dietz, Neururer und Koller mit. „Alles sehr unterschiedliche Typen, von denen ich gelernt habe“, sagt Heinemann und umgeht die Antwort auf die Frage, mit wem er nicht klarkam, sehr gekonnt: „Es war nicht nur leicht, aber Loyalität ist für mich oberstes Gebot.“ Auch deshalb betonte er, dass er nicht nach Hamburg gekommen sei, um irgendwann Oenning zu beerben. „Ich kann mit dem Amt des Cotrainers gut leben“, sagt Heinemann, „auch, weil ich weiß, dass dort meine Qualitäten liegen. Ich brauche keine Öffentlichkeit, selbst wenn mich die Öffentlichkeit als Hütchenaufsteller sieht. Denn die, die nahe dran sind, wissen, dass Fußball mehr ist als die 90 Minuten auf dem Platz und die Trainingseinheiten. Man ist mit dem Cheftrainer mehr zusammen als mit seiner eigenen Frau. Und ich bringe mich ein.“

Auch bei den neuen, jungen Spielern. Als Nachwuchschef des VfL hatte er lange Zeit „von der U9 bis zur U23“, wie er selbst sagt, zu tun. „Dabei habe ich viel über den Umgang mit den verschiedenen Generationen gelernt.“ Eine Erfahrung, die er beim Umbruch zu jungen Spielern auch beim HSV einbringen will. „Ich bin nicht der Spion des Trainers und auch kein Spieler. Ich bin dazwischen und weiß, dass wir nur dann Erfolg haben können, wenn wir eine positive Stimmung reinkriegen. Das muss nicht bedeuten, dass wir zusammen Quatsch machen. Aber wir müssen zusammen Spaß daran haben, zusammen Erfolg zu haben. Und das versuche ich zu forcieren.“

Klingt gut. Und der Gedanke dahinter ist es ganz sicher auch. Ob Heinemann noch mehr Hilfe anbieten kann? Ob er als Ex-Nachwuchschef des VfL nicht vielleicht das eine oder andere Riesentalent aus Bochum nach Hamburg lotsen könnte? Heinemann lacht: „Da sind schon ein paar interessante Spieler dabei, über die wir uns hier auch unterhalten.“

Die wiederum gibt es beim HSV auch. Neben den mitgereisten Amateuren sind das auf Sylt insbesondere die beiden Zugänge vom FC Chelsea, Jacopo Sala und Gökhan Töre. Beide wussten bei den spielerischen Übungen mit ihren überdurchschnittlichen technischen Fähigkeiten zu überzeugen. Und auch anschließend, im Gespräch, gaben sich beide mit überaus gesundem Selbstbewusstsein keine Blöße. Einsätze in der U23 des HSV? „Nee“, so Töre, „ich bin hier, um von Beginn an in der ersten Mannschaft zu spielen.“ Und während Sala nur zustimmend nickte, legte Töre nach. Er habe zwei harte Jahre in England hinter sich, weil er dort allein gelebt hatte. 13 Mal war er für die erste Mannschaft nominiert, saß auf der Bank. Aber eben immerhin im Kader. „Aber nicht zu spielen macht auch keinen Spaß.“ Gleiches gelte für die erste Nominierung für die türkische A-Nationalelf, wo er 90 Minuten zusah. „Viele hatten gedacht und gesagt, ich würde spielen. Aber am Ende war der Druck auf den Trainer zu groß.“ Inzwischen überlegt Töre laut, ob er für die Türkei oder den DFB spielen soll.

Und während Töre Mesut Özil zu seinen Freunden zählt („Mit ihm zusammen habe ich vor ein paar Tagen noch auf Ibiza Urlaub gemacht“), gilt das auch für Sala. Beide HSV-Neuzugänge kennen sich seit zwei Jahren, spielten zusammen bei der zweiten Mannschaft des FC Chelsea zusammen. Heute sind sie beide aus den gleichen Gründen („Frank Arnesen hat uns überzeugt“) in Hamburg, beide planen den sofortigen Start in die erste Mannschaft. Und während Töre schon A-Nationalelf-Ambitionen hegt, hofft der schlaksige Offensivspieler darauf, sich beim HSV und in der italienischen U21 festsetzen zu können.

Egal wie, mit Töre und dem der deutschen Sprache noch nicht mächtigen Sala hat der HSV zwei ambitionierte Jungspieler geholt. Zwei der Sorte, die den arrivierten Spielern nicht nur Druck machen sollen und können, sondern zwei von der Sorte, die Hoffnung machen.

Mehr als Hoffnung verbreiten will indes die neue Nummer eins des HSV, Jaroslav Drobny. Der 31-Jährige ist endlich da, wo er sich schon vor einem Jahr gewähnt hatte. Allerdings blieb Frank Rost damals entgegen aller Erwartungen in der HSV-Führung trotz der Drobny-Verpflichtung beim HSV und erteilte Drobny eine bittere Lehre. „Ein Jahr auf der Bank mache ich nicht noch mal“, sagt Drobny heute und will es damit mit Rückblicken belassen. Zu tief sitzt der Stachel der Enttäuschung darüber, dass er zugesagt hatte, nachdem ihm die Nummer eins beim HSV angeboten – und von Rost sowie Trainer Armin Veh letztlich doch wieder entrissen worden war. „Ich wollte immer nur die Nummer eins sein. Und jetzt bin ich es. Das eine Jahr war schlecht, aber es hat mich stärker gemacht. Jetzt endlich die Eins zu sein, ist auf jeden Fall ein deutlich besseres Gefühl“, so der Tscheche.

In den bisherigen Einsätzen ohne die Sicherheit, dass ihm Trainerteam und Mannschaft zu 100 Prozent vertrauen, fühlt Drobny sich von Oenning voll akzeptiert und gefördert. „Ich werde der Mannschaft helfen. Ich will in den Phasen, wo wir Druck ausstehen müssen, hinten Sicherheit geben. Ich will wieder eine Stütze der Mannschaft sein.“ Indem er die Mannschaft auch verbal führt? Zuletzt wurde dem Rechtshänder vorgeworfen, er sei auf und neben dem Platz zu ruhig. Ob sich das jetzt ändert? „Ich werde auch heute keine Show fabrizieren“, sagt Drobny, „ich rede mit den Spielern. Ich kann auch laut werden. Ich sage auch in der Kabine klar meine Meinung – aber ich schreie nicht auf dem Platz, damit die Kameras es einfangen und mich zum Wortführer machen. Ich erwarte von meinen Mitspielern Respekt und dass jeder versucht, ein Teil einer Mannschaft zu sein. Und genau so verhalte ich mich auch.“

Wie konsequent Drobny sein kann, bewies er zuletzt, als er eine Einladung zur tschechischen A-Nationalelf ablehnte. „Ich wollte nicht zur Nationalmannschaft, weil ich beim HSV nicht die Nummer eins war. Das habe ich dem Nationaltrainer auch so gesagt.“ Eine Situation, die sich verändert hat. „Klar, aber erst einmal will ich ein paar Spiele machen. Gerade der Saisonauftakt ist wichtig. Für mich – und für uns als Mannschaft genauso. Der Rest kommt später.“

Später kommen auch Elia, Pitroipa, Aogo, Petric und Bruma, der heute erfolgreich seinen Medizincheck absolviert hat. Während Petric verletzungsbedingt erst am 6. Juli wieder ins Mannschaftstraining einsteigen soll, werden auch die anderen vier am Sonntag beim ersten Härtetest gegen den VfL Wolfsburg um 17 Uhr in Flensburg noch nicht eingesetzt. Ganz im Gegensatz zu Drobny und vor allem die „Jungstars“ Sala und Töre.

In diesem Sinne, hoffen wir, dass hinter den markigen Worten Salas und Töres auch die entsprechende Qualität für die Bundesligasaison steckt. Zuzutrauen ist es ihnen allemal.

Scholle

19.25 Uhr

P.S.: Im Nachmittagstraining ging es übrigens gut zur Sache. Verbal und körperlich. Dabei mussten sich insbesondere der etwas zu verspielte Ben-Hatira sowie Töre Kritik vom Trainer Oenning gefallen lassen. Und als Töre selbst auf die Aufforderungen Oennings nicht so recht reagieren wollte, nahm sich auch noch Kapitän Heiko Westermann den Deutsch-Türken zur Brust. Auf jeden Fall, das bleibt festzuhalten, ist Töre ein – diplomatisch formuliert – offenbar sehr stolzer Spieler, den es zu führen gilt.

P.P.S.: Dann gab es heute noch ein paar Gerüchte. So soll der HSV angeblich an Hoffenheims David Alaba interessiert sein. Mediendirektor Jörn Wolf maß dem Ganzen null Prozent Wahrheitsgehalt bei. Ebenfalls unwahr ist, dass Aufsichtsrat Jörg F. Debatin nach seinem Aus als UKE-Chef auch aus dem HSV-Aufsichtsrat zurücktritt.

19.25 Uhr

Verdient verloren

7. Juli 2010

Rolle rückwärts. Leider. Aber wenn ich nach dem 4:0 gejubelt habe ohne Ende, dann muss nach einer völlig verdienten Niederlage auch ganz sachlich festgestellt werden: Spanien war ein verdienter Sieger.

Deutschland ist vom Anpfiff an nicht ins Spiel gekommen. Das Fünfer-Mittelfeld der Spanier war dominierend, die DFB-Spieler hechelten immer nur der Musik hinterher. Manchmal hatte man das Gefühl, als stünden da zwölf Spanier auf dem Rasen, manchmal sogar 13. Es gab immer eine Anspielmöglichkeit für sie.

Auch deshalb, weil es in der deutschen Mannschaft einige Spieler gab, die nicht annähernd ihre normale Leistung gebracht haben. Für mich stand da an erster Stelle der ehemalige Hamburger Jerome Boateng, der höchst selten mal einen Zweikampf gewann, der kaum eine Flanke unterbinden konnte – der einfach viel zu passiv war. Auffällig zudem, dass er als Rechtsfuß kaum einmal etwas mit dem linken Bein machen konnte.

Sein Ersatzmann war der Hamburger Marcell Jansen, und der war wesentlich besser als sein Vorgänger. Auch wenn ihm nicht alles gelang, so war Jansen in der Schlussphase noch einer der auffälligsten Deutschen. Dass er nach dem Schlusspfiff seinen Mitspielern vehement erklären wollte, woran es gelegen hat, das war nicht untypisch für ihn – so ist Marcell Jansen ganz einfach. Ich denke (natürlich ist man hinterher immer schlauer), dass die deutsche Mannschaft von Beginn an mit Jansen ein besseres Spiel gezeigt hätte. Weil auch von Boateng gar nichts nach vorne kam – von Jansen später sehr wohl.

Reiz-Thema Piotr Trochowski. Ich will nur meine Meinung sagen, damit keineswegs provozieren, aber: Für mich hat „Troche“ in der ersten Halbzeit keinen einzigen Fehler gemacht. Und er verhielt sich geschickt am Ball, verteidigte die Kugel auf engstem Raum, lag bei seinen Abspielen immer richtig – und schoss wenigstens einmal auf das spanische Tor. Dann aber, mit dem Wiederanpfiff, klappte kaum noch etwas. Wieso, weshalb, warum? Ich habe keine Erklärung dafür. Ich habe nur minütlich mit seiner Auswechslung gerechnet – und die kam dann auch prompt.

Allerdings: Trochowski ging mit bedrückter Miene, und die konnte ich sogar nachvollziehen. Neben ihm nämlich gab es zwei Spieler, die wesentlich schlechter waren als er: Mesut Özil und Lukas Podolski. Beides für mich Ausfälle, die größte Enttäuschung Podolski. Symptomatisch für sein Spiel: Sekunden nach dem Schlusspfiff lachte er schon – mit dem Trikot eines Spaniers in der Hand. Stimmt schon, „Poldi“, man muss auch mal vergessen können. Und wenn es nur Sekunden dauert, dass man trauert.

Özil war erst in den letzten zehn Minuten zu sehen. Was mir bei ihm auffiel: Er spielte wie Messi. Genau sogar. Dribbling nach vorne, Ballverlust – stehen bleiben. Nach hinten hat der Bremer so gut wie nichts getan. Und weil er und Podolski da ihren größten Schwächen hatten, konnten die Spanier im Mittelfeld nach Belieben kombinieren, es waren ja kaum deutsche Spieler da (außer Khedira und Schweinsteiger), die dort noch störten.

Mit Unverständnis habe ich den letzten deutschen Wechsel zur Kenntnis genommen: Mario Gomez kam für Khedira. Wieso Gomez? Der hatte nun bis dahin in jedem Kurz-Einsatz maßlos enttäuscht. Wieso er? Und wieso nicht Cacau? Aber ich will gar nicht groß an Bundestrainer Jogi Löw herum nörgeln, es war einer seiner wenigen Fehler bei diesem Turnier.

Pech war ja auch, dass Thomas Müller fehlte, denn er war bislang nicht nur eine echte Waffe, er war DIE deutsche Waffe. Und noch einmal Pech für Deutschland war, dass Spanien ausgerechnet im Halbfinale wieder zur normalen Leistung zurück gefunden hat. Zuvor haben sie nur „rumgegurkt“, diesmal spielten sie ganz, ganz feinen Fußball, ideenreich, schnell und unheimlich kombinationssicher. Pech für Deutschland.

Dennoch muss ich sagen: Diese DFB-Auswahl hat zuvor viel für das Images des deutschen Fußballs getan, der deutsche Fußball hat wieder ein Stellenwert gewonnen. Ich bin ohne große Hoffnungen in diese WM gegangen, ich hatte das Achtel- oder auch das Viertelfinale als Endstation gesehen, aber es gab diese großen und begeisternden Siege gegen England und Argentinien – das waren die wahren Ausrufezeichen dieser Weltmeisterschaft. Da stand plötzlich eine Mannschaft auf dem Rasen, die sich einig war, die miteinander spielte, die willensstark zur Sache ging, und die vor allem spielerisch für viele Glanzpunkte dieses Turniers sorgte.

Deutaschland war einfach klasse in Südafrika. Und sollte es am Sonnabend im Spiel um Platz drei eine Niederlage gegen Uruguay geben, so könnte ich auch damit leben. Unter die ersten vier bei einer WM zu kommen, das ist schon etwas. Uruguay war übrigens schon 1970 der Gegner um WM-Platz drei. Damals waren die Südamerikaner 90 Minuten lang so überlegen, wie Spanien heute – aber Deutschland gewann durch ein Tor von Wolfgang Overath unverdient mit 1;0.

PS: Sonnabend rechne ich fest mit dem ersten WM-Einsatz von Dennis Aogo. Und dann hat der HSV eine ganz, ganz starke WM gespielt.

Gute Nacht. Und nicht zu traurig sein.

23.33 Uhr

Das Wembley-Tor in aller Munde

27. Juni 2010

Übrigens: Am Montag startet der HSV in die neue Saison, um 10 Uhr ist Trainingsauftakt im Volkspark.

Noch ohne Neuling, aber das wird ganz sicher noch. Und es fehlen ja auch noch die HSV-Nationalspieler. Jerome Boateng, Noch-Hamburger, konnte sich im Verlaufe des Spiels steigern, und dann kam Piotr Trochowski. Ich will Euch überhaupt nicht provozieren – aber habt Ihr einen Fehler von ihm gesehen? Er hat den Ball perfekt gehalten, er hat ihn erkämpft (!) und er hat ihn sicher und gut abgespielt. Genau deswegen hat ihn der Bundestrainer (wohl auch) mitgenommen. Als sich „Troche“ einmal die Kugel gegen den „ausgebufften“ Ashley Cole eroberte, und zwar auch mit einem energischen Körpereinsatz, da entfuhr es einem Kollegen in der Redaktion: „Eine solche Szene habe ich von ihm beim HSV nie gesehen . . .“ Alles eine Sache der Ansprache? Ich hoffe, dass Armin Veh es schafft, den Ehrgeiz des deutschen Nationalspielers durch entsprechende verbale Vorstöße und durch Einfühlungsvermögen zu wecken.

Und wenn Veh es nicht unbedingt schafft, dann wird es eben Bastian Reinhardt richten. Der neue Sportchef hat, wenn ich mich richtig erinnere, als er noch HSV-Spieler war, den Nebenmann Trochowski immer so gesehen, wie ich. So, nun bin ich auch schon wieder am Ende mit Trochowski, Ihr müsst gar nicht erst anfangen, mit mir zu granteln . . .

Zum Super-Sieg gegen England. Ich kann es immer noch nicht glauben . . . 4:1. Ich träume. Oder doch nicht?

Es ist ja genügend gesagt und gezeigt worden, mehr muss man ja gar nicht machen. Ich will nur noch einmal auf eine für mich wichtige Szene eingehen: Als der Konter zum 3:1 von Thomas Müller lief, kreuzte Bastian Schweinsteiger – großartig und mutig – den Laufweg des Engländers Johnson. Normal hätte der zu einem taktischen Foul greifen müssen, weil dort drei Deutsche gegen drei Engländer liefen, aber der Abwehrspieler ließ es – und es fiel das Tor. Und kurz darauf auch das 4:1. Mesut Özil lief Cole davon. Früher wäre der Bremer keinen Meter vorbeigekommen, dann hätte er etwas auf die Socken erhalten – aber diesmal nicht. Und das ist, das sage ich ausdrücklich, der strengen Regelauslegung der Fifa zu verdanken. Ich habe die Fifa-Herren schon mehrfach an- und ausgezählt, Ihr habt es teilweise auch schon getan – aber das muss mal gelobt werden. Es geht (in den meisten) Fällen nun fairer zu, denn sonst drohen den Übeltätern (oder den Tretern) schnell Gelbe und auch Rote Karten.

Natürlich stehen die Schiedsrichter trotz allem in der Kritik, sie haben es eben am schwersten von allen. Recht machen können sie es in den meisten Fällen auch nur einer Mannschaft (Nation). Diesmal toben die Engländer. Nach dem vermeintlichen 2:2 von Frank Lampard erhielt ich eine Spontan-SMS von Lotto King Karl: „Nach 44 Jahren die späte Rache für Wembley!“ Ganz, ganz ehrlich, so sehe ich das auch. Auch wenn es nicht unbedingt fair ist. Aber nach diesem nicht gegebenen englischen Tor bin ich in der Redaktion aufgesprungen und habe mich mit jedem abgeklatscht, der es wollte. Irgendwie war ich euphorischer, als bei jedem deutschen Tor.
Wie unfair. Oder? Ich schäme mich auch. Ehrlich. Aber das „Tor“ von 1966 saß bei mir auch noch immer recht, recht tief. Den Namen Tofik Bachramow werde ich bis an mein Lebensende bei mir behalten – auch wenn ich zwischendurch schon mal vom 25. August schreibe, der eigentlich der 25. Juni ist . . .

Übrigens: Der Test mit den Tor-Schiedsrichtern, die in den Spielen der Europa League zum Einsatz kamen, soll ja fortgesetzt werden. Ich warte nur auf die erste Schlafmütze, die am Pfosten steht und dennoch nicht erkennt, dass der Ball drin war.

Dass die Engländer toben, das ist wohl jedem klar. Hier einmal ein paar Auszüge von Ausbrüchen englischer Zeitungen:
„England fliegt nach einer der größten Fehlentscheidungen der Fußball-Geschichte raus“, schreibt die Zeitung Daily Mail in ihrer Online-Ausgabe, „Über der Szene lag der Schatten von 1966“, heißt es in der Sun.

The Sun weiter: „Die Nation betrauert die zerfleischten Löwen. Uruguays Schiedsrichter Jorge Larrionda und seine Assistenten waren beim Schuss von Lampard, der hinter der Torlinie war, blind. Über der Szene lag der Schatten von 1966. Capello sieht dem Ende seiner Karriere als Teammanager Englands entgegen.“

Daily Mail: „England fliegt nach einer der größten Fehlentscheidungen der Fußball-Geschichte raus. Deutschland zerstört die Three Lions 4:1 – mit Hilfe eines Linienrichters aus Uruguay. Millionen englischer Fans sahen ihre WM-Träume platzen, als ihre Mannschaft eine höchst umstrittene Niederlage gegen ihren alten Rivalen kassierte. Immerhin scheint die Sonne noch.“

SkySports: „Zeit zu gehen, Fabio? Das Spiel wurde nicht verloren wegen Larriondas Fehlentscheidung. Es wurde verloren wegen Englands Schwäche in der Abwehr. Die Defensive hat völlig den Überblick verloren. Jetzt stellt sich die Frage: Sollte die FA Capello rauswerfen oder ihm doch noch eine neue Chance geben?“

The Guardian: „Englands WM-Hoffnungen sind nach einer verdienten Niederlage gegen Deutschland beendet.“

Ganz andere Diskussionen wird es nach diesem Turnier geben: Der Fußball-Weltverband Fifa will nach der WM mit Trainern und Spielern über den viel kritisierten Turnier-Ball Jabulani sprechen. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur. „Wir sind nicht taub. Die Fifa ist nicht unempfänglich für Kritik am Ball. Es gibt Regeln für Größe und Gewicht. Aber der Ball muss perfekt sein“, sagte Generalsekretär Jêrome Valcke. Die Aussprache soll bei einem Workshop mit den WM-Coaches und Kapitänen stattfinden. Während des Turniers sei eine Ball-Debatte aber nicht möglich, so Valcke.

Der WM-Ball war von vielen Spielern als zu leicht kritisiert worden. Zudem wurde das Flugverhalten moniert. Auffällig oft kamen die Rügen allerdings von Profis, die von der Sportartikel-Konkurrenz des WM-Ballproduzenten Adidas gesponserte werden. Bei allen großen Turnieren der vergangenen Jahre war das Spielgerät von unzufriedenen Akteuren kritisiert worden.

Aber es geht ja nicht nur um den Ball. Auch die Schiedsrichter stehen im Blickpunkt harter Kritik. Was irgendwie ein wenig unglaublich klingt: Die Fifa gesteht nun sogar Referee-Pannen ein. Es geht um unverständliche Karten-Willkür und unerträgliches Show-Gehabe. Nach langem Schweigen hat nun die Fifa einige erschreckend schwache Auftritte ihrer WM-Referees eingestanden. „Es gab Entscheidungen, die keine guten Entscheidungen waren“, sagte Generalsekretär Valcke. Die für einen Top-Funktionär ungewöhnlich klare Wortwahl macht deutlich, dass auch in der Führungsetage des Fußball-Weltverbands die diffizile Thematik mit Sorge betrachtet wird.

Aus aller Welt hagelt es derweil Kritik an den 29 WM-Unparteiischen. Auch der neue deutsche Referee-Chef, Herbert Fandel, zeigte sich irritiert: „Die Schiedsrichter-Leistungen haben sich stabilisiert, aber es gab eine verblüffende Phase während der WM mit bemerkenswert negativen Leistungen. Das muss man eingestehen.“

„Bei einer Weltmeisterschaft sollen die besten Schiedsrichter pfeifen, die auch in den großen Ligen aktiv sind, und nicht Referees, die irgendwo am Strand pfeifen“, forderte Schweiz-Coach Ottmar Hitzfeld. Neuseelands Kapitän Ryan Nelsen wunderte sich:„Wenn das die besten Schiedsrichter sind, die die Fifa zu bieten hat, dann will ich nicht die schlechtesten sehen.“

Aber: Hat Hitzfeld denn nicht den Spanier Undiano gesehen? Der pfeift in einer der besten Ligen der Welt, obwohl er es besser damit versuchen sollte, den River-Kwai-Marsch (der Colonel-Bogey-Marsch) zu pfeifen. Habe ich diesen Menschen gefressen . . . Immer noch.

Fest steht auch: Sorge sollte die Fifa machen, dass einige haarsträubende Fehlurteile nicht von Referees aus Fußball-Entwicklungsländern getroffen worden. Auch die Top-Schiedsrichter aus Europa und Amerika waren nicht vor Pannen gefeit. Und schlimmer: Die klare Linie fehlte. Spaniens Karten-Meister Alberto Undiano verärgerte in der Partie das DFB-Team mit einem Gelb-Konzert. EM-Final-Referee Roberto Rosetti, der Belgier Frank de Bleeckere oder der Mexikaner Marco Rodriguez stehen längst für ein anderes, unangenehmes Schiri-Verhalten: Mit affektierten Gesten und übertriebenem Gehabe stellen sie sich für den Geschmack vieler Fußball-Fans zu sehr in den Mittelpunkt.

Und noch einmal ein kurzer Abstecher zur WM. Darüber wird morgen bestimmt nichts oder kaum etwas in den Zeitungen zu lesen sein, aber ich finde es ganz interessant, worüber sich die Fifa so alles ihre Gedanken macht:

Keine Strafe, aber Missbilligung durch die Fifa: Nachdem Bundestrainer Joachim Löw die Pressekonferenz vor dem Achtelfinale gegen England geschwänzt hat und bei der englischen Pressekonferenz nur Fragen einheimischer Reporter zugelassen wurden, müssen beide Teams nicht mit Sanktionen durch den Fußball-Weltverband rechnen.
„Es gibt in einem solchen Fall keine disziplinarischen Bestimmungen“, sagte FIFA-Mediendirektor Nicolas Maingot. Allerdings gebe es Richtlinien, an die sich jeder WM-Teilnehmer zu halten habe: „Das Fair Play muss auch außerhalb des Spielfeldes Anwendung finden. Wir haben zur Kenntnis genommen, was passiert ist.“.

Am Sonnabend hatte Löw seinen Torwarttrainer Andreas Köpke zur Pressekonferenz vor dem England-Spiel geschickt und damit die englischen Medienvertreter verärgert. Köpke begründete die Entscheidung mit zeitlichen Engpässen. „Wir konnten heute nicht im Stadion trainieren, sondern mussten auf einen anderen Platz ausweichen. Wenn der Bundestrainer selbst gekommen wäre, hätte das den ganzen Zeitplan durcheinander gebracht“, sagte er. Köpke betonte, dass es sich dabei nicht um einen Protest oder eine Retourkutsche gegen den Weltverband Fifa gehandelt habe. „Auch England durfte nicht im Stadion trainieren, da ja dort gestern noch ein Spiel stattfand“, meinte er. „Es herrscht also Chancengleichheit und ich kann die Entscheidung auch nachvollziehen.“

Für Ärger sorgte auch die offizielle Pressekonferenz der Engländer, bei der nur wenige Fragen auf Englisch erlaubt waren und die für die internationalen Vertreter keine zehn Minuten gedauert hat. Alle englischen Sonntagszeitungen durften anschließend in einem anderen Raum noch weitere Fragen stellen. Das erinnert mich allerdings auch stark an deutsche Umstände . . .

Zurück zum HSV. Morgen Training, zehn Uhr – ohne Neuling. Wie gesagt. Aber es gibt noch zwei neue Spiele. Auf der Rückfahrt von der Insel Sylt (1. bis 4. Juli) wird noch um 17 Uhr in Leck gespielt. Und am 18. Juli spielt der HSV in Flensburg um 17 Uhr gegen Espanyol Barcelona. Die Außerordentliche Mitgliederversammlung findet nun am 13. Juli statt.

Und noch kurz in eigener Sache: Am Montag werden die Meister-Fotos von 1960 (mit den Autogrammen der Spieler) verlost. Ich werde die Namen hier an dieser Stelle nennen, die Gewinner können mir dann Ihre Daten, wohin das Foto zu senden ist, über die Gewinnspiel-Adresse mitteilen.

So, morgen dann wieder mehr HSV, versprochen. Nach dem Auftakt-Training. Aber wenn WM ist, dann muss man eben auch mal etwas WM-lastiger werden – oder? Oder werden dürfen?

PS: Allen Einsendern von Sommergeschichten sei gesagt, dass Ihre Beiträge angekommen sind, aber ich bitte um ein wenig Geduld, es wird von unten nach oben abgearbeitet. Und irgendwie verstärkt sich bei mir dabei das Gefühl, dass wir vielleicht doch einmal ein kleines Büchlein davon machen sollten . . .

20.07 Uhr

Ballack ist immer noch möglich

22. Juni 2010

Der HSV hat immer noch keinen neuen Spieler. Und: Der HSV hat in der nächsten Saison auch keine internationalen Spiele. Aber: Der HSV hat ganz offensichtlich immer noch die besten Fans. Die können nicht nur vergessen und verzeihen, die Anhänger der Rothosen sind auch treu. Bereits jetzt sind nämlich schon 30 000 Dauerkarten verkauft worden. Das, obwohl Ballack, Kacar, Messi, Ronaldo und Co noch gar keinen Vertrag in Hamburg unterzeichnet haben. Nein, nein, halt, das war ein Scherz. Wahr ist aber: Bereits jetzt haben sich damit 95 Prozent der Saisonticket-Besitzer auch für die kommende Saison ihr Abo gesichert. Bis Montag haben die Mitglieder noch Zeit, eine Dauerkarte zu ordern, dann beginnt der freie Verkauf. Um kurz noch einmal darauf zurück zu kommen, dass der HSV noch immer keine Verstärkungen präsentieren konnte: Welcher andere Bundesliga-Klub kann das schon? Okay, die Schalker haben schon einige Neulinge, Werder wohl auch, aber dann ist auch schon Schluss. Vom FC Bayern, der das Training bereits aufgenommen hat, habe ich noch nichts gehört und gelesen. Aber, und das sollte einige Heißsporne unter uns beruhigen, auch kein Wort davon, ob sich die Münchner Fans eventuell schon Sorgen um die sportliche Zukunft des Klubs machen. Und überhaupt: Bei vielen Klubs fehlen doch auch noch die WM-Teilnehmer noch einige Wochen.

Also, ich kann es nur noch einmal wiederholen: keine Hektik. Ich weiß zudem, dass in der Führungsetage des HSV noch große Gelassenheit herrscht. Motto: Keine Panik, es wird schon noch. Das Feld scheint mir bestellt, geerntet wird dann wohl Anfang August. Spätestens. Wobei sich die Sache mit Stefan Reinartz, der von Bayer Leverkusen nach Hamburg wechseln sollte, wohl schon erledigt hat. „Da gibt es keine Chance für keinen anderen Klub. Ich stehe auf den Spieler, wir wollen ihn langfristig an uns binden“, sagte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler der „Bild“. Das klingt nach endgültig.

Dagegen bleibt Schalkes Brasilianer Rafinha aber ein Thema für den HSV. Der Verteidiger wird an diesem Mittwoch zunächst beim Trainingsauftakt in Gelsenkirchen erwartet wird. Ihr habt es gelesen, was Felix Magath bei uns im „Abendblatt“ gesagt hat: „Falsch ist, dass wir Rafinha los werden wollen, richtig ist, dass wir ihn abgeben würden.“

Und da es von Eurer Seite aus auch Erkundigungen im „Fall Ballack“ gab, sei gesagt, dass nach wie vor alles möglich ist. Die Deutsche Presse-Agentur meldete heute: Gute Chancen auf eine Verpflichtung hat Ballacks früherer Klub Bayer Leverkusen. Das klingt nun noch nicht unbedingt nach einem Wechsel zum HSV, aber der Ballack-Berater schaltete sich auch ein. „Der finanzielle Aspekt spielt diesmal nur eine untergeordnete Rolle“, sagte Ballacks Manager Michael Becker, der aber auch gleich anfügt: „Dass der finanzielle Aspekt nur eine untergeordnete Rolle spielt, heißt aber nicht, dass er gar keine Rolle mehr spielt.“ Neben Leverkusen haben auch der VfL Wolfsburg und HSV Angebote für den 33-jährigen Kapitän der Nationalmannschaft abgegeben. Letztere Vereine gelten im Vergleich mit Leverkusen bei einem Ballack-Transfer als finanzkräftiger.
Nach Informationen des „Express“ beläuft sich das Angebot der Rheinländer auf zwölf Millionen Euro für zwei Jahre. Der VW-Klub Wolfsburg soll deutlich mehr geboten haben. „Unsere Zahlen kommen nicht an die vom HSV oder Wolfsburg heran, aber vielleicht sind für Michael ja andere Dinge wichtiger“, wird Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser zitiert. Auch der FC Sevilla und Tottenham Hotspur sollen ihre Fühler nach dem ehemaligen Chelsea-Profi Ballack ausgestreckt haben. „Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich nichts ausschließen, aber Deutschland ist realistisch“, sagt Michael Becker.

Kommen wir zur WM. Dass die Franzosen nach Hause fahren (oder irgendwo hin, wo sie nicht erkannt werden), ist schon ein Hammer, aber so wie die sich in Südafrika präsentiert haben, ist es nur logisch. Ich halte es ja nach wie vor für einen riesigen Fehler, dass Trainer Raymond Domenech noch dabei sein durfte, obwohl bereits seit vielen Wochen feststeht, dass er nach dem Turnier von Laurent Blanc abgelöst werden wird. Eine solche total unübliche Konstellation wird von abgezockten Profis eiskalt ausgenutzt, zumal dann, wenn diese ganze Truppe nie auch nur annähernd als eine Einheit auftrat und dazu ganz erschütternden Fußball spielte. Schade, schade ist es nur um die Iren, die durch die Hand von Henry um diese WM betrogen wurden.

Zum deutschen Spiel am Mittwoch gegen Ghana. Die Partie gegen die Black Stars um Kevin Prince Boateng muss Deutschland gewinnen. Dass mit Bastian Schweinsteiger, Mesut Özil, Sami Khedira, Philipp Lahm und Cacau gleich fünf Spieler bei einer weiteren gelben Karte gesperrt sind, macht die Sache nicht unbedingt leichter. Und auch der brasilianische Referee Carlos Simon, der das Spiel leiten wird, treibt einigen Deutschen doch die eine oder andere Sorgenfalte auf die Stirn. Der Brasilianer ist in seiner Heimat umstritten: Wegen Manipulationsverdachts wurde der Unparteiische 2009 in seinem Land für sechs Wochen gesperrt. Zudem gibt es eine DVD mit Simons Fehlentscheidungen, die der Erstliga-Klub Flamengo Rio de Janeiro 2008 an die Fifa schickte. Der Welt-Fußballverband nominierte den pfeifenden Journalisten trotz allem.

Deutschland machte auch schon so seine Erfahrungen mit Carlos Simon. Bei der WM 2006 leitete der Brasilianer das Achtelfinale gegen Schweden, das die DFB-Auswahl mit 2:0 gewann.

Bundestrainer Joachim Löw sagte zu den bisherigen Leistungen der Unparteiischen bei dieser WM: „Sie zücken sehr schnell Gelbe Karten. Da wäre wirklich etwas mehr Zurückhaltung geboten. Bei schweren Fouls werden dagegen manchmal gar keine Karten gezeigt.“ So ist es. Zum Beispiel im Spiel Brasilien gegen die Elfenbeinküste: Schiedsrichter Lannoy aus Frankreich stand etwa fünf Meter daneben, als Tiote (Elfenbeinküste) dem Brasilianer Elano ganz böse mit gestrecktem Bein gegen das Scheinbein trat, aber es gab nicht einmal einen Pfiff. Elano hatte riesiges Glück, dass sein Scheinbein nur geprellt und nicht gebrochen war.

De Kritik an den Unparteiischen nimmt zu. Auch von Experten, die einst selbst Schiedsrichter waren. Für mich ist es unverständlich, wieso die „Schwarzkittel“ eine erste Woche lang recht gut pfiffen, dann aber ihre Linie verloren. Dazu muss man wissen: Alle Schiedsrichter, die für diese WM auf der Nominierungsleiste standen, die mussten sich seit zwei Jahren (!) auf dieses Turnier vorbereiten. Seit zwei Jahren. Sie mussten trainieren und wurden dabei von am Körper haftenden Computern, die jede Bewegung festhielten, stets und ständig überwacht. Auf diese Art und Weise wurde auch der deutsche Schiedsrichter Wolfgang Stark aus Landshut „gefoltert“. Einige werden sich von Euch zudem erinnern: Stark durfte in dieser Zeit, in diesen zwei Jahren, kein Interview in Sachen WM geben, auch keine Auskünfte über sein Trainingspensum.

Ich sage es ganz ehrlich, ich sage es auch extra hart: Die spinnen, die Herren der Fifa. Die wollen immer alles hundertprozentig machen, aber die wichtigste Sache vergessen sie – oder sie übersehen sie einfach: Es kann doch nicht angehen, dass dieser spanische Schiedsrichter Undiano bei der Partie Deutschland gegen Serbien nach jedem Zweikampf eine Gelbe Karte zückt, und dass auf der anderen Seite solche üblen Tritte wie der von Tiote nicht einmal geahndet werden. Da stimmt die Verhältnismäßigkeit nicht, ihr Herren der Fifa – und genau daran sollte nicht nur gearbeitet werden, sondern daran muss gearbeitet werden. Damit uns allen nicht der Spaß an diesem Sport genommen wird.

Apropos Fifa: Ihr erinnert Euch sicher noch. Da gab es vor einigen Tagen den Streit um die vermeintliche Schleichwerbung, die einigen niederländischen Damen unterstellt worden war. Die zwei verhafteten Holländerinnen wurden nun wieder auf freie Füße gesetzt, die Klage gegen sie fallen gelassen. Sie gehörten einer Gruppe von 36 Frauen an, die den Fifa-Ordnern beim Spiel Niederlande gegen Dänemark dadurch aufgefallen waren, dass an ihren Miniröcken die Werbung der niederländischen Bavaria-Brauerei prangte. Diese Bier-Sorte aber gehört, so das Pech der blonden Damen, nicht zu den offiziellen WM-Sponsoren. Die Fifa erklärte nun, es habe eine außergerichtliche Einigung zwischen ihr und der Brauerei gegeben.

Mit dem eventuell nun eingenommenen Geld (der Brauerei) sollte die Fifa den Schiedsrichtern nun sofort ein paar Brillen spendieren, damit die 23. Männer endlich besser unterscheiden können, was bösartig und was im Eifer des Gefechts und damit unabsichtlich passiert.

Zum Schluss noch etwas in eigener Sache. HK Hans gab einmal mehr den Denkanstoß dazu, er ist der “Erfinder” der wunderschönen Sommergeschichten. Nur mal so am Rande: Früher hat es zu 95 Prozent auch nur einen Bericht pro Tag von mir gegeben, aber eben keine Sommergeschichte dazu. Wir alle sollten es genießen – ich genieße ganz besonders. Aber, zurück zu HK Hans, er fragte mich, was eigentlich mit unseren Damen und mit unseren Jünglingen sei? Keine Lust? Keinen Mut? Nie etwas mit Eurem HSV erlebt? Es wäre wirklich ganz hervorragend, wenn Ihr Matz-ab-Frauen und Ihr Matz-ab-Jünglinge Euch auch einmal aufraffen könntet, noch die eine oder andere Sommergeschichte zu schreiben. Dann wäre das wirklich eine ganz, ganz runde Sache. Also: traut Euch! Ich helfe Euch auch dabei, das ist kein Problem.

21.36 Uhr

In eigener Sache
Pfeil
0  00 : 00 : 00
Tage  Std.  Min.  Sek.