Archiv für das Tag 'Özcan'

Herzlich willkommen, lieber Mats!

10. September 2014

Mats ab! Aus ganz besonderem Grund heute etwas früher. Mats ab!

Jawoll, Mats ab! Mit „s“. Unser „Scholle“ ist heute zum dritten Mal Papa geworden, dazu ihm und der Mutter Sandra alles, alles Gute. Und dem neuen Erdenbürger „Mats Niklas“ möchte ich zurufen: „Viel Erfolg und viel Spaß auf dieser Welt, hau rein, mein Junge, werde ein Super-Fußballer und setze Dich durch in oder auf dieser doch manchmal auch ungemütlichen und ungerechten Kugel. Und werde natürlich HSV-Fan, wie Dein Papa.“ Der teilte übrigens mit, dass es Mutter und Knabe gut gehe – Mats kam heute um 11.33 Uhr zur Welt, fast eine Punktlandung, denn der 9. September war der Stichtag, der Neu-HSVer wog bei seiner Ankunft 3760 Gramm, verteilt auf 53 Zentimeter.
Also, der jungen Familien noch einmal einen ganz besonders herzlichen Glückwunsch, und die „Matz-ab“-Gemeinde sollte heute mal zu einer etwas anderen Feier aufgelegt sein – Prost!

 

Zum Fußball-Alltag:

Das ist leider ein wenig untergegangen, was ich sehr, sehr schade finde: Bei der Feier und der Erweiterung des HSV „Walk of fame“, 2005 erfunden und seitdem organisiert und finanziert vom rührigen Unternehmer Andreas Maske, hielt der Kapitän der HSV-Meistermannschaft von 1960, Jochen Meinke, eine brillante Rede für den posthum geehrten Erwin Seeler. Das Besondere an dieser Rede: Meinke, im HA-Video versehentlich als „Meine“ vorgestellt (sorry!), sprach „freihändig“. Das heißt, ohne jede Unterstützung durch ein Manuskript oder einem Zettel. Frisch, frei und fromm von der Leber weg, der 83-jährige ist immer noch in Weltklasse-Form. Unglaublich, und er erntete für diesen Auftritt nicht nur viel Beifall, sondern Schulterklopfer und von allen Seiten höchstes Lob. Was Jochen Meinke – bescheiden wie er ist – immer weit wegschob von sich: „Ich habe nur das erzählt, was ich mit Erwin Seeler und der gesamten Familie erlebt habe, ich wohnte doch um die Ecke. Und wenn ich ehrlich bin, dann wollte ich noch so viel mehr erzählen, aber ich habe das denn doch weggelassen.“

 


Wie gesagt, sehr schade. Denn für mich, und sicher nicht nur für mich, war dieser Meinke-Auftritt aber ein besonderes Erlebnis und wird es immer bleiben. Weil er einzigartig ist.

 

Die Stimmung ist und soll auch nach Auskunft der Promis in diesem Jahr wieder super gewesen sein. Der frühere Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow lobte: „So harmonisch und stimmungsvoll war es lange nicht mehr, das war eine der schönsten HSV-Versammlungen der vergangenen Jahre.“
Von den „alten Herren“ waren Willi Schulz, Horst Schnoor (mit Ehefrau Gerda), Erwin Piechowiak (mit Ehefrau Mienchen), Klaus Neisner, Harry Bähre, Vereins-Manager Bernd Wehmeyer, Aufsichtsratsmitglied Peter Nogly und der heutige Marketing-Mitarbeiter Sven Neuhaus gekommen, ferner die HSV-Größen Carl-Edgar Jarchow, Oliver Scheel, Dieter Horchler und viele, viele mehr. Zudem natürlich Uwe Seeler (mit Ehefrau Ilka und den Töchtern mit Schwiegersöhnen!), der die Ehrung für seinen Papa „old Erwin“ entgegennahm, und Laudator Rudi Kargus, der seinen Vorgänger und Freund Arkoc Özcan ehrte. Holger Hieronymus ist nun ebenfalls neu verewigt, und auch Bernd Hollerbach, der leider absagen musste, da er daheim in Würzburg an einer schweren Magen-und-Darm-Grippe leidet. Gefehlt hat, neben anderen, diesmal Dr. Peter Krohn. Das Wetter war wohl zu schlecht, denn vorher hatte es lange kräftig geschüttet . . .
Für alle HSVer, die anwesend waren, das muss erwähnt werden, gab es erfreulicherweise keine Diskussion darüber, ob sich hier nun die HSV-AG oder der HSV e.V. getroffen hat – es ging einzig und allein um den HSV. Wie schön. Am Rande sei noch bemerkt, dass sogar zwei Bremer bei der Zeremonie dabei waren: Max Lorenz, seit Jahrzehnten ein ganz, ganz dicker Freund von Uwe Seeler, und der frühere Verteidiger Dieter Zembski, der von der Feier wusste und zufällig (Arbeit) in der Nähe war.

 

Erfreulich an diesem Tag:

Eine Trainer-Diskussion gab es am Rande der Veranstaltung nicht. Die meisten vertraten diese Auffassung: „Wie oft hat der HSV in den letzten Jahren schon den Trainer gewechselt? Das ist doch schon nicht mehr zu zählen. Gebracht hat es nie etwas – nie. Das sollten sich einmal alle überlegen. Es hat dem HSV nur immer viel Geld gekostet. Jetzt sollten die Spieler mal etwas dafür leisten, dass es dem HSV wieder besser geht. Und da ist dann auch der Club gefordert, der sollte endlich mal etwas weniger hohe Gehälter zahlen, dafür ordentliche Prämien, wenn tatsächlich etwas erreicht worden ist. Und zudem sollte nun endlich damit angefangen werden, auf den Nachwuchs zu setzen – die U23 hat ja einen erstaunlichen Weg eingeschlagen.“ Das war so oder so ähnlich an allen Ecken und an den meisten Tischen zu hören.

 

Natürlich waren auch die Kollegen aus der Medienbranche zugegen. Es wurden viele, viele Interviews geführt – das hat Tradition. Am Abend sah und hörte ich dann:
„Der Trainer braucht keine Leute die ihm sagen, wen er aufstellen soll . . .“ Das sagte Holger Hieronymus beim TV-Sender „Hamburg1“. Das war offenbar eine Antwort darauf, dass zuvor in einer Hamburger Zeitung zu lesen gewesen war, dass es aus dem Aufsichtsrat Tipps für Mirko Slomka gegeben hatte, dass nun die „Neuen“ gegen Hannover spielen sollten und müssten. Aber wie bereits geschrieben, es wurde dann keine Trainer-Diskussion vom Zaume gebrochen . . .

 

Zum Sportlichen, und da gibt es aus meiner Sicht recht Erfreuliches zu berichten.
Während die Mannschaft heute frei bekommen hat (nicht weil „Scholle“ Papa geworden ist!), trainierten einige zuletzt angeschlagene Spieler, um doch noch rechtzeitig für das Hannover-Spiel am Sonntag fit zu werden. Rafael van der Vaart ging mit Reha-Trainer Markus Günther zu einer Sonderschicht auf den Platz, Ivo Ilicevic arbeitete im Kraftraum. Auch Slobodan Rajkovic (nach Kreuzbandriss) und Gojko Kacar (nach Außenbandanriss im Knie) schufteten weiter für ein Comeback, Neuzugang Nikolai Müller sowie der erkältete Marcell Jansen fanden sich zur Pflege ein. Dafür, dass das ein freier Tag war, war doch relativ viel im Volkspark los – was mir ausnahmslos gut, nein sehr gut gefällt.

 

Dann las ich heute im Hamburger Abendblatt:
„Dennis Diekmeier lebt seinen Traum“. Und in den verschiedenen Video-Texten eine Aussage von Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw, der über die schlechte Defensive seiner Mannschaft befand: „Wir können uns leider noch keinen Philipp Lahm aus dem Hut zaubern. Die jungen Verteidiger sind sicher talentiert, aber sie brauchen noch ein wenig Zeit, um sich zu verbessern, das wird wohl dauern bis zur nächsten WM. . . .“ Aber dann. Oder: und dann?

 

Das wäre doch genug Ansporn für Dennis Diekmeier. Von dem nach dem Paderborn-Spiel ein großer HSVer mir gegenüber gesagt hat: „Diekmeier war der einzige Hamburger, der auf mich einen absolut fitten Eindruck gemacht hat. Der beackert die rechte Seite fast allein, rast 80 Meter rauf und 80 Meter runter, und das immer wieder. Der scheint mir wirklich voll im Saft zu stehen, vielleicht so wie gut noch nie . . .“

 

Kann schon sein. Aber zu einem Nationalspieler gehört dann doch ein wenig mehr. Unter anderem auch, dass man eine gewisse Defensivstärke besitzt, dass man zweikampfstark ist, dass man weiß, wie man sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat, dazu gehört ferner auch eine gewisse Kopfballstärke. All das ist zu erlernen. Wir hatten beim HSV einst einen talentierten Spieler wie Christian Rahn. Der wurde sogar Nationalspieler (unter Rudi Völler). Aber „Rahner“ hatte ähnliche Schwächen wie Diekmeier nun. Ich empfahl Rahn damals, sich privat einen Trainer zu nehmen, damit er sich verbessert, aber es geschah nichts. Und der HSV-Profi hatte schnell seine Nationalmannschafts-Karriere beendet – und dann auch seine Erstliga-Karriere. Schade drum. Rahn war talentiert, hatte einen sensationellen linken Fuß, konnte gut flanken und super schießen. Nur nach hinten war er verbesserungsfähig, doch weder er noch irgendeiner beim HSV haben daran gearbeitet. Ich sage und behaupte noch heute: „Eine verschenkte Profi-Karriere.“

Heute würde ich auch Dennis Diekmeier einen Privat-Trainer empfehlen, wenn der HSV-Abwehrspieler noch etwas werden will. Und die Chance, dass er noch etwas werden könnte, ist ja so groß wie nie. Nur wird beim HSV wurde daran so gut wie nie gearbeitet, und ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass daran noch einmal explizit gearbeitet wird. Vormittags Training mit der Mannschaft, nachmittags mit einem Trainer (und vielleicht sogar einem „Gegenspieler“, der die Zweikämpfe führt!) auf den Acker. Des wäre ein Anfang. Diekmeier würde sich defensiv bestimmt verbessern, wenn sein Auge, sein Kopfball- und sein Stellungsspiel geschult werden würde.

 

Aber da Individual-Training in der Bundesliga und für die Trainer kaum ein Thema ist, sollte er nun selbst handeln – wenn er noch die ganz große Karriere starten will. Ich kann nur daran erinnern, dass zwei mir bekannte Profis einst „eigenhändig“ Privat-Trainer engagiert – und davon absolut profitiert haben. Dennis Diekmeier wird im Oktober 25 Jahre alt, noch würden ihm alle Türen offen stehen, aber er sollte jetzt wissen, dass er ziemlich bald damit anfangen müsste, etwas für sich zu tun. Andere werden es nicht für ihn erledigen. Die sind alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, so ist das im heutigen Profi-Geschäft.

 

So, bevor ich zum Ende komme, schnell noch einmal der Hinweis in eigener Sache:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV veröffentlicht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, und zwar um 10 Uhr.

 

17.05 Uhr

Ein 1:1 – ein Traum, das Wunsch-Ergebnis!

17. Mai 2014

Jetzt zieht der HSV tatsächlich alle Register. Alle. Nichts wird mehr dem Zufall überlassen, jetzt geht es ans Eingemachte. Das bekam die versammelte Medien-Landschaft zu spüren, denn die erhielt heute, an diesem Vortag des vielleicht wichtigsten Tages der Vereins-Geschichte die Rote Karte unter die Nase gehalten. Ich will nicht meckern, ich will nicht dagegen mosern, der HSV hat im Volkspark das Hausrecht und kann vor die Tür setzen, wen auch immer er will. Am letzten Trainingstag der Saison allerdings mutet es etwas eigenwillig an. Oder auch nur kurios? Während des Geheimtrainings in der Arena erschien plötzlich ein junger Mann und bat uns im Namen des HSV, das Stadion zu verlassen. Auf die Frage, warum, entgegnete er: „Weil das ein Geheimtraining ist, aber jedes Mal doch nichts geheim bleibt, sondern alle die Aufstellung veröffentlichen – sodass dann doch nichts geheim ist.“ Stimmt ja. Keine Frage, aber am letzten Tag? Nun gut, es geht um alles, und dazu gehört wahrscheinlich auch eine solche Aktion. Und, das ist ernst gemeint, ich will nicht klagen, nicht meckern und nicht schimpfen – es ist okay. Und wenn der HSV tatsächlich damit, auch damit, die Erste Bundesliga hält, dann verdient diese Aktion das Prädikat „Weltklasse“.

 

Zum Wesentlichen. Solange wir Medien-Vertreter noch zusehen durften, wurde wie immer trainiert. Aufwärmen, dann Pass-Übungen. Zwei Spieler liefen jeweils mit Ball aufeinander zu, wenn sie auf einer Höhe waren, mussten sie die Kugel den „außen“ wartenden Kollegen in den Fuß spielen – und dann musste der mit dem Ball los . . . Wie gesagt, mehr war dann nicht zu sehen, dann gab es den Platzverweis.

 

Als wir dann vor der Tür waren, bekamen wir immerhin mit, wie sich Rene Adler zu seinem Auto quälte. Der Nationaltorwart wurde von seiner Freundin abgeholt und setzte sich – natürlich – auf die Beifahrerseite. Adler hat einen Bandscheibenvorfall erlitten, und dementsprechend bewegte er sich. Wie ein alter Mann. Ich war total erschrocken. So habe ich einen aktuellen HSV-Torwart noch nie gehen sehen – nur Arkoc Özcan, aber der ist ja auch mittlerweile 75 Jahre alt und gesundheitlich schwer angeschlagen (weil er einst Torwart war!). Auf jeden Fall muss festgehalten werden, dass Adler wirklich krank ist. Das schreibe ich deswegen, weil unter den Fans verschiedentlich schon so hören war, dass sich Adler vor den entscheidenden Spielen „schnell mal vom Acker“ gemacht hätte. Das stimmt garantiert nicht, da tut man dem HSV-Keeper bitter Unrecht.

 

Ansonsten war zu beobachten, dass Ivo Ilicevic mit Reha-Trainer Markus Günther durch den Volkspark gelaufen ist, sodass klar ist, dass der Mittelfeldspieler morgen in Fürth nicht mit von der Partie sein wird. Gleiches gilt für Ola John und Quasim Bouy, beide Winter-Leihgaben wurden aus dem Kader gestrichen und können damit schon heute einen Haken unter ihre Hamburger Zeit setzen. Und tschüs. Und wech. Und vielen Dank noch einmal an Bert van Marwijk und Oliver Kreuzer, dass wir diese beiden Spieler von den Welt-Vereinen Juventus Turin und Benfica Lissabon hier einmal an der Elbe unter die Lupe nehmen durften. Klasse-Aktion von allen, und wenn dann morgen doch noch die Klasse gehalten wird, dann können wir alle auch einen großen Haken unter diese 51. Erstliga-Spielzeit machen.

 

Und wenn nicht? Ich mag gar nicht daran denken. Und sooooooo viele HSV-Fans mit mir. Und nicht nur Fans. Ich habe in den letzten Tagen nach dem 0:0 am Donnerstag mit so vielen Ehemaligen gesprochen, sie sind alle total bedient – und auch fertig mit den Nerven. Niemand mag mehr etwas sagen. Was auch schon? Es ist doch längst alles gesagt. Immer und immer wieder. Die Spieler haben versprochen, sich den Hinter aufzureißen, sie haben es gefühlt vor den letzten 30 Spielen gesagt. Und der Trainer auch. Wenn ich nur an diese Woche denke, an die Schlagzeile der Bild. Slomka: „Ich rette den HSV.“ Da dachte ich sofort an Jürgen Hunke. Als der zum ersten Mal Präsident des HSV war, hat die Bild auch mal eine Aufstellung veröffentlicht. Im Tor: Hunke. In der Viererkette: Hunke, Hunke, Hunke, Hunke. Auf der Doppel-Sechs: Hunke, Hunke. Rechts draußen: Hunke. Links draußen: Hunke. Hinter der Spitze: Hunke. Und als Spitze: Hunke. Das stellte ich mir dann mit Slomka vor: „Ich rette den HSV.“ Mit sechs Glanzparaden, acht Torvorlagen und sieben Treffern! Klasse.

 

Aber vielleicht rettet der Coach, den ich nach wie vor absolut ausnehme, bei diesem riesigen HSV-Dilemma eine Mitschuld zu haben, tatsächlich den HSV. Bis auf eine kleine Tatsache: Westermanns Einwechslung in der 90. Minute (!) gegen Fürth habe ich nicht ganz verstanden. Wollte der Trainer damit Zeit von der Uhr nehmen? Oder hat er schon an ein eventuelles Elfmeterschießen gedacht? Wenn er mit Heiko Westermann noch irgendetwas hätte bewirken wollen, dann wäre diese Einwechslung wahrscheinlich in der 80. Minute wohl etwas sinnvoller gewesen. Aber gut, wie sagte ein früherer HSV-Mittelstürmer einst so treffend: „Das ist allein Sache des Bundestrainers.“ Und noch einmal: Slomka hat keinerlei Verantwortung dafür, dass diese Mannschaft nichts drauf hat. Er wird eines Tages sicherlich sein Unverständnis darüber äußern, dass er einen solchen desolaten HSV her vorgefunden hat. Jetzt – oder auch nur etwas später – kann er es (noch) nicht sagen, denn das wäre ja Kollegen-Schelte, und die betreibt man bekanntlich unter den Trainern nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn man ein Ehrenmann ist.

 

Zurück noch einmal zu den Ehemaligen des HSV. Einige rief ich an, andere meldeten sich besorgt beim mir, um zu erfahren, ob es noch etwas Neues von und bei „ihrem“ Verein geben würde. Neu ist zurzeit nur, dass sowohl Tolgay Arslan als auch Jacques Zoua wieder im Kader sind, also mit in Fürth weilen werden, wenn es um das Überleben des HSV geht.

 

Bei den Ehemaligen, also den Experten, herrscht übrigens die Meinung vor, dass es der HSV morgen nicht schaffen wird. Weil der HSV am Donnerstag nicht nur läuferisch klar schlechter war als der Zweitliga-Dritte, sondern auch spielerisch früh an seine Grenzen gestoßen ist. Für mich aber ist das auch eine Chance für den Bundesliga-Dino. Die Franken müssen jetzt ein Tor schießen (wenn sie sich nicht auf ein Elfmeterschießen verlassen wollen – und wer würde das schon wollen?), wenn sie in Liga eins aufsteigen wollen. Und sie wollen. Garantiert. Aber wenn der HSV noch einmal gut dagegenhält, wenn er noch einmal das Glück auf seiner Seite hat, und wenn er sich noch einmal auf den guten Schlussmann Jaroslav Drobny verlassen kann – dann könnte doch schon ein Hamburger Konter für die Entscheidung sorgen. 1:0 für den HSV, oder auch 1:1. Letzteres Resultat habe ich in den letzten Stunden immer wieder als Wunsch-Ergebnis vernommen. Davon berichtete mir eben auch noch Talent-Chef Michael Schröder, den ich (nach unserem Rausschmiss aus dem Volkspark) noch beim Regionalliga-Spiel Norderstedt – SC Victoria (3:0) traf. Schröder, der „nebenan“ bei der B-Jugend der Eintracht „spioniert“ hatte, sagte mir: „Überall, wohin ich auch höre, sprechen sie nur noch von einem 1:1 in Fürth.“ Weil das doch am ehesten möglich erscheint, oder? Unser „Matz-abber“ „Eiche“, der gerade unser Gast bei „Matz-ab-live“ war, der hat einen anderen Traum ausgeplaudert: „Unserem ehemaligen Keeper Wolfgang Hesl unterläuft ein ganz schwerer Patzer, und damit gewinnt der HSV 1:0.“ Wäre ja auch nicht so schlecht . . .

 

Doch egal wie, ich hoffe letztlich nicht nur auf einen guten sportlichen Ausgang für den HSV, sondern auch auf ein friedliches Ende. Selbst dann, wenn es nicht nach Wunsch aller Hamburger laufen sollte. Geht es letztlich doch negativ aus, dann darf getrost behauptet werden, dass daran nicht nur die beiden Relegationsspiel schuld sind, sondern das Übel in der gesamten Saison zu suchen ist. Geht es positiv aus, was ich natürlich hoffe, dann wird mit einem gewissen Abstand nach den Gründen für die schlechteste Erstliga-Saison des HSV aller Zeiten zu forschen sein. Und das machen dann auch hoffentlich alle, um daraus die entsprechenden Lehren zu ziehen – und wir von „Matz ab“ machen mit.

 

Bei der Gelegenheit möchte ich mich, auch im Namen von „Scholle“ (heute 1:1 mit Niendorf in Curslack-Neuengamme – er hat das 1:1 schon geholt!) und Lars Pegelow bei allen Usern von „Matz ab“ ganz herzlich für die Treue bedanken. Das war unsere fünfte Spielzeit, und wir können feststellen, dass es mit diesem Blog des Hamburger Abendblattes immer weiter bergauf gegangen ist. Wir hatten 2012 fast 20 Millionen Besucher, 2013 waren es schon über 20 Millionen, und „Scholle“ hat mir gerade heute gesagt, dass wir nun schon stramm auf die 30-Millionen-Grenze zumarschieren. Ich habe mich nie so wirklich für diese Zahlen interessiert, weil ich keine „Quoten-Sau“ werden wollte. Ich wollte nie eine hohe Zahl hören, um dann ein Jahr später zu erfahren, dass es steil bergab gegangen ist – aber im Moment ist, wie geschrieben, noch das Gegenteil angesagt. Und das freut uns nicht nur, dafür bedanken wir uns ernsthaft und ehrlich. Ihr macht diesen Erfolg aus, nur Ihr. Danke, danke, danke.

 

Ich, da möchte ich nur mal für mich sprechen, habe durch „Matz ab“ so viele tolle, großartige Menschen kennengelernt – das hätte ich nie für möglich gehalten. Letzter in dieser Reihe ist „Tante Käthe“, der mir am Donnerstag unbedingt die Hand schütteln wollte – und es auch geschafft hat. Er hatte eine Karte für die West-Tribüne (!) und stand mir plötzlich im Osten auf der Presse-Tribüne gegenüber. Super gemacht, „Tante“, und auch Du, das muss ich hier mal sagen, passt großartig in den Reigen jener Menschen, die ich durch „Matz ab“ kennengelernt und schätzen gelernt habe. Bei der Gelegenheit, weil es da in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Gerüchte gegeben hatte: „Eiche“ und ich waren immer im besten Einvernehmen, auch wenn er sich ein wenig rarer im Blog gemacht hatte. Wir hatten immer Kontakt, wir waren nicht eine Sekunde im Bösen (wie uns mal angedichtet worden ist) – das zeigt wohl auch die Tatsache, dass unsere alte „Eiche“ am Donnerstag bei „Matz-ab-live“ zu Gast war. Und für seine Ausführungen mehrheitlich viel Lob erntete. Auch das passt wunderbar zur HSV-„Matz-ab-Familie“.

 

Spezielle Grüße möchte ich schnell noch nach Mülheim (a.d.R.), Essen, Isny, Altenburg, Buxtehude, Delmenhorst (MiF), Schwerin, Norderstedt, Frankfurt (a.M.), Kiel, St.-Peter-Ording, Boston, Houston und in die ganze Welt hinausschicken, ein dickes Dankeschön an alle unsere Gäste bei „Matz-ab-live“ – was wären wir ohne Euch!? Ihr seid alle die Wucht in Tüten! Weltklasse. Bleibt uns bitte gewogen – in welcher Liga auch immer; „Matz ab“ ist ein großer Erfolg, wir werden, Ihr werdet in der gesamten Republik wahrgenommen, das hörte ich beim Länderspiel gegen Polen von vielen, vielen Kollegen aus der ganzen Republik. Weiter so!

 

Und alles, alles Gute für den morgigen Sonntag, den 18. Mai 2014. Es muss ganz einfach klappen, es muss, es muss, es muss!

 

Denkt dran: 1:1 – das ist der Sieg!

 

Und jetzt ist alles gesagt, von nun an sind nur noch die Helden dran!

 

Macht euer Ding!

 

18.18 Uhr

 

PS: Morgen gibt es auch wieder ein “Matz-ab-live”, unsere Gäste sind dann zwei ehemalige Aufsichtsräte, aber natürlich (und zugleich) auch zwei ehemalige HSV-Stars: Sergej Barbarez und Frank “Macke” Mackerodt (langjähriger Kapitän der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft). Wir würden uns, wie immer, sehr freuen, wenn Ihr wieder mit von der Partie sein würdet!

PSPS: Die Zweite des HSV hat an diesem Sonnabend ihr Regionalliga-Heimspiel gegen Cloppenburg mit 0:2 verloren und steht auf dem 14. Tabellenplatz – der VfR Neumünster mit einem Spiel weniger könnte noch vorbeiziehen.

Heese: “Dieser HSV spielt herzlosen Fußball”

19. Dezember 2010

Fußball? Geht noch nicht so richtig wieder. Obwohl ich mir alles am Sonnabend angesehen habe, und jetzt auch die Zweite Liga parallel läuft. In der Redaktion, wohl gemerkt. Wenn mich aber Kolleginnen und Kollegen auf Fußball ansprechen, winkte ich (noch) ab. Und speziell diese drei großen Buchstaben sollten noch unerwähnt bleiben . . . Ich bin immer noch auf der Suche, welches Spiel der Hinrunde schlechter war: St. Pauli, Dortmund oder Mönchengladbach. So langsam tendiere ich zu letzterem Auftritt, obwohl auch die anderen beiden Partien als Grottenkicks in die Geschichte eingegangen sind. Und nun, wo in dem kurzen Winterpäuschen die Weichen für 2011 und für die Rückrunde gestellt werden (müssen), rätsele ich, was dem Klub am besten hilft. Es wird ja vor allen Dingen ein Innenverteidiger gesucht, aber ist es das allein? Nur ein Abwehrspieler? Für mich fehlt ein anderer Mann. Und der fehlt viel dringender. Und vom Typ her habe ich ihn an diesem Wochenende gefunden. Es müsste einer vom Typ Horst Heese kommen. Die jungen Anhänger werden ihn kaum kennen, die älteren Fans aber gewiss: Heese ging in der Saison 1972/73 als Retter des HSV in die Geschichte ein.

Der Mann ging dorthin, wo es wehtat. Er schonte weder sich, noch seine Gegenspieler. Heese wurde im Winter 1972 von Eintracht Frankfurt verpflichtet, der HSV stand seinerzeit auf dem letzten Tabellenplatz in Liga eins. Der Abstieg drohte. Auch deshalb, weil in der Mannschaft kein Leben herrschte. Es gab zwar einige klangvolle Namen in diesem Team, aber es griff kein Rädchen ins nächste. Manfred Kaltz, Franz-Josef „Bubi“ Hönig, Willi Schulz, Klaus Zaczyk, Peter Nogly, Ole Björnmose, Caspar Memering, Peter Hidien und die Torhüter Arkoc Özcan und Rudi Kargus – das waren doch gute Leute. Aber es stimmte in dieser Truppe nicht. Trainer Klaus Ochs stand vor einem Rätsel. So ähnlich, wie es sich heute für Armin Veh darstellt. Der HSV von 1972 und von 2010 ist durchaus vergleichbar, auch wenn die Zeiten im Fußball längst ganz, ganz andere geworden sind – und natürlich nicht mehr vergleichbar sind. Nur eines zählt noch immer: Teamgeist. Damit kann immer noch etwas, immer noch viel erreicht werden.

Horst Heese kam damals, zeigte Herz, Leidenschaft, ging voran – und riss alle aus ihrem Dornröschenschlaf. Heese war robust, kernig, ein Grob-Techniker und ein Kämpfer vor dem Herrn, der zudem nicht auf den Mund gefallen war. Wo auch immer etwas zu sagen war, Heese war dabei. Und er erinnert sich an die damaligen Probleme: „Georg Volkert war ein riesiger Spieler, aber er hatte in Hamburg mit den Fans zu kämpfen, weil er dem Helden Charly Dörfel den Posten weggenommen hatte. Zudem gab es in dieser HSV-Mannschaft einige Spielerfrauen, die sich untereinander nicht grün waren. Sie sprachen nicht miteinander, also sprachen auch die entsprechenden Ehemänner nicht miteinander. Und in einem solchen Klima kann sich kein Teamgeist entwickeln.“

2010 ist es ähnlich. Auch wenn die Probleme ganz sicher andere sind, denn ich denke mal, dass sich Spielerfrauen von heute gar nicht mehr groß untereinander kennen.

Horst Heese hatte damals die Situation erkannt, und er handelte so, wie er es als Teamplayer immer gewohnt war: „Der Willi Schulz und ich, wir waren Typen aus dem Westen, wir haben dann den Laden aufgemischt. Und irgendwie waren alle anderen Mitspieler froh, dass wir die Initiative ergriffen haben. Wir haben Kerle aus den Kollegen gemacht: Da wurde fortan nicht mehr, wenn es kalt war, mit Strumpfhosen gespielt, es gab auch keine Handschuhe, im Gegenteil, da wurden die Ärmel aufgekrempelt – es ging nur noch zur Sache.“ Heese holte den HSV von ganz unten raus, weil er vorbildlich voran marschierte: „Ich habe den Mitspielern gezeigt, dass man mit dem entsprechenden Willen wirklich Berge versetzen kann.“ Undenkbar für die heutige Zeit: Es wurde sogar ein Mannschaftsabend eingeführt. Einmal in der Woche, immer montags, trafen sich alle HSV-Profis in der Kneipe von Arkoc Özcan. Da wurde gesprochen, gesabbelt, geflachst – und gesungen. In der Tat: Sogar Trainer Klaus Ochs erschien gelegentlich mit der Gitarre, und dann ging es hoch her. Heese erinnert sich: „Wenn Willi Schulz ‚Hoch auf dem gelben Wagen’ sang, hatten wir Hochstimmung.“ Der HSV landete letztlich noch auf Rang 14.

Und heute? Horst Heese lebt nach wie vor in Eupen (Belgien). Und er ist nach wie vor mit dem HSV verbunden. Er telefoniert noch oft mit früheren Mitspielern, er ist im ost-belgischen HSV-Fan-Klub Ehrenmitglied, und er sieht sich „seinen“ HSV stets im Fernsehen an. So wie am Freitag. Den Kick in Mönchengladbach. Sein Urteil fällt dramatisch schlecht aus: „Diese Vorstellung war erschreckend. In dieser Mannschaft steckt kein Leben. Wenn sich der eine oder andere Spieler mal aufregt, dann nur über den Schiedsrichter. Aber das eigene Unvermögen wird stets außer Acht lassen. Das ist peinlich.“ Heese weiter: „Dabei stecken doch so viele tolle und große Namen in diesem Kader. Eine solche Mannschaft hätte ich gerne mal trainiert, aber ich hatte nur Gurkentruppen . . .“

Horst Heese ist aber noch nicht am Ende mit seiner gnadenlosen Beurteilung des HSV 2010/11: „Ich habe das Gefühl, dass sich einige Spieler für Weltklasse-Profis halten, da spielen viele Leute, die denken, dass sie Weltmeister sind. Dabei sind die meisten Nieten . . .“ Und: „Da ist keine Seele im Team erkennbar, da zeigt kaum einer Herz für die Raute, wenn es zur Sache gehen müsste, lassen sie lieber den Nebenmann machen. Das nenne ich Dienst nach Vorschrift. Wenn ich allein den Torjubel sehe. Das ist doch keine echte Freude, das kann mir doch niemand erzählen. Das ist doch alles viel zu künstlich.“ Harte Worte, aber Horst Heese hat in seinem Leben niemals Kompromisse gemacht. Er sagt auch: „Die Spieler scheint auch gar nicht zu interessieren, ob sie Siegprämien kassieren können oder nicht. Die scheinen es gar nicht mehr nötig zu haben, auf Prämienjagd zu gehen, denn die verdienen ihre Millionen ja auch schon als festes Gehalt. Die haben heute doch gar keine Zukunftsängste mehr, wenn der HSV absteigen sollte, dann spielen sie eben woanders. Ganz bitter ist das.“

Dann führt Horst Heese noch ein Beispiel an, das dem einen oder anderen von Euch gewiss nicht gefallen wird: „Ich habe auch St. Pauli gegen Mainz gesehen. Die Braunen haben gekämpft wie die Löwen. Im Gegensatz zum HSV. Die Stanislawski-Truppe war immer in Bewegung, die sind hinter jedem Ball her marschiert. Ich will es mal so sagen: St. Pauli spielt mit Herz, der HSV spielt herzlos.“

Was aber kann er dem HSV raten, damit es in der Rückrunde wieder bessere Spiele und vor allem auch erfolgreichere gibt? Heese, der am 31. Dezember 67 Jahre alt wird: „Der HSV muss irgendwann einmal konsequent sein, er muss sich von dem einen oder anderen Spieler trennen, ganz klar. Diese Saison muss der Klub abhaken, und dann muss mit dem Rasieren begonnen werden. Und zwar rigoros. Die Stinkstiefel müssen aussortiert werden. Dringend. “ Hat er Namen auf Lager? Heese: „Der erste Spieler, der bei mir fliegen würde, wäre Paolo Guerrero. Was spielt der eigentlich? Der trabt doch nur noch wie eine Diva über den Platz. Weiß der eigentlich, was Einsatz ist? Wenn ich sein Spiel sehen, macht mich das zornig.“

Er sorgt sich um den HSV, das gibt Horst Heese zu. Aber er sieht auch durchaus noch gute Ansätze, die ihm Hoffnung auf Besserung machen. Kürzlich waren Ruud van Nistelrooy und Heung Min Son zu Gast in seinem belgischen HSV-Fan-Club. Heese begeistert: „Diese beiden Jungs passen super in die Welt. So wie die hier aufgetreten sind, war das beste Werbung für den HSV. Nett, sympathisch, offen. Einige Fans hatten Tränen in den Augen. Son und van Nistelrooy hätten auch bestens in unsere damalige Truppe gepasst . . .“ Heese weiter: „Deswegen verstehe ich das nicht, dass diese HSV-Mannschaft keine Einheit ist. Mit solchen tollen Typen müsste das doch eigentlich klappen können . . .“ Wobei Horst Heese auch noch anmerkt: „Die heutigen HSV-Spieler haben doch den Himmel auf Erden: Hamburg ist eine tolle Stadt, hat der HSV Erfolg, wird jeder Spieler gefeiert. Dazu dieses hervorragende Trainingszentrum am Stadion – schade, schade, dass man daraus nicht mehr macht.“

Aber vielleicht kommt das ja noch. Wenn der HSV einen wie ihn, einen wie Horst Heese findet. Und nicht nur einen Innenverteidiger.

Und auch das möchte ich Euch an diesem vierten Advent nicht vorenthalten:

Sergej Barbarez kritisiert bei „LIGA total!“ die Situation beim HSV:

Sergej Barbarez, früher Spieler und Aufsichtsratsmitglied beim HSV, äußerte sich heute zur Situation bei seinem ehemaligen Klub. Er sagte über die öffentlich geäußerte Kritik von Aufsichtsratsmitglied Peter Becker an HSV-Sportchef Bastian Reinhardt: „Natürlich war ich verwundert ? wie jeder andere! […] Wenn das Ergebnis nicht stimmt, kommen auch andere zu Wort. Jeder weiß: Wenn Aufsichtsratswahlen sind, dann ist schon viel los in Hamburg. Auch jetzt, wo 21 Leute für vier Plätze kandidieren. Da muss man sich schon was ausdenken. Und dass das auf Kosten des Sportdirektors geht, das darf natürlich nicht passieren.“

Der Bosnier weiter: „Man muss eine Linie fahren. Leider läuft das in Hamburg nicht in diese Richtung. Deswegen passieren auch so viele Sachen und man hat kaum Ruhe.“ Barbarez auf die Frage, ob HSV-Boss Bernd Hoffmann insbesondere für die Fans das Hauptproblem sei: „Für die Fans, natürlich. Zumindest für die meisten Fans. Man sieht die Reaktionen, man sieht, dass sie nicht zufrieden sind mit dieser Arbeit.“ Der 39-Jährige Ex-Torjäger mit abschließendem Blick auf die bevorstehende Mitgliederversammlung: „Ich glaube, es wird turbulent am 9. Januar.“
In diesem Falle muss Sergej Barbarez aber auch eigentlich kein Prophet sein.

Aber, das ist nun wieder meine Einschätzung, es dürfte auch schon vorher reichliche Turbulenzen geben. Zum Beispiel in der Trainerfrage. Keine Angst, ich stehe immer noch zu 100 Prozent zu Armin Veh, daran wird sich auch nichts ändern. Ich weiß aber nicht, ob er noch immer hundertprozentig Lust auf diesen HSV hat. Weil auch Veh inzwischen längst erkannt haben dürfte, auf welch ein Abenteuer er sich da im Sommer 2010 eingelassen hat. Aber genau das ist auch der Ansatz für mich, dass ich auch sage: Gerade deswegen müsste Veh mindestens noch ein Jahr blieben, damit er spätestens im Sommer 2011 die längst überfälligen Konsequenzen zieht. Sonst kommt wieder ein neuer Trainer, der erst kurz vor dem Winter weiß, wo die Kandidaten sind, auf die er sich nicht verlassen kann . . . Und schon beginnt dieses Spielchen wieder von vorn. Das sollte allen eine Warnung sein. Jedes Jahr einen neuen Trainer, und der HSV wird es nie schaffen, wieder ganz nach oben zu kommen.
Das wäre mein Weihnachtswunsch 2010 in Sachen Fußball (und HSV).

16.18 Uhr

Sommergeschichte von Andreas

26. Juli 2010

Bastian Reinhardt ist in Längenfeld eingetroffen, Oliver Scheel auch. Zwei vom Vorstand, na bitte. Pünktlich zum Fan-Fest, das heute steigen wird. Das Wetter hat sich etwas gebessert, es ist kühler geworden, aber es regnet nicht mehr. Was den Fotografen sehr gelegen kommt. Besonders unserem “Benno Hafas”, dem rasenden “Matz-ab-Reporter”. Vielen Dank, lieber “Benno”, für Deinen unermüdlichen Einsatz und für die vielen tollen Fotos, es ist einfach nur zu loben – super, super, Du erfreust mit Deinen stets gelungenen Schnappschüssen jeden User.

Zum Fußball. Erstmalig sprach Sportchef Reinhardt über die Transferperiopde, er kam zu dem Fazit: “Wir hatten viel zu tun, aber wir haben das wohl auch ssehr gut hinbekommen. Auch wenn wir noch den einen oder anderen Spieler abgeben werden, so denke ich, dass wir gut gerüstet in die Saison gehen werden. Wir haben die Jungs bekommen, die wir auch haben wollten, es hat Spaß gebracht.”

Auf die Frage, ob es das nun in Sachen Neuneinkäufe war, antwortete Reinhardt: “Es kann natürlich immer mal etwas passieren, aber wir sind sehr gut aufgestellt, und dich dneke, dass es dabei bleiben wird.” Über die beiden zuletzt Verpflichteten, Heiko Westermann und Gojka Kacar, befand “Basti” Reinhardt: “Ich kann nur Gutes über sie sagen, sie werden uns sportlich nach vorne bringen. Auch vom Charakter her passen sie bestens zu uns. Gojko ist ein ruiher Mann, Heiko ist ein Spieler mit Führungsqualitäten, und er ist genau die Personalie, die wir auf dieser Position gesucht haben.”

Als ich vom Training ging, lief mir ein arrivierter HSV-Profi über den Weg – und wir gingen bis ins Hotel Aqua Dome gemeinsam. Das darf ich eigentlich nicht, denn es wurde gesagt, dass wir die Spieler nicht ansprechen sollen. Was aber ist, wenn es umgekehrt ist? Wir sprachen also, und dieser Spieler, den ich nicht ans Messer liefern möchte, weil er sich ja auch über ein Verbot hinwegsetzte, sagte zu mir: “Wir sind besser geworden als letzte Saison, es kann losgehen, wir werden garantiert besser spielen und besser abschneiden als zuletzt.” Davon gehe ich, ganz nebenbei bemerkt, auch aus.

Reinhardt wurde mit der Frage nach dem Abschneiden 2010/11 ebenfalls konfrontiert. Besser? Ist dieser HSV besser als zuletzt? Der Sportchef: “Davon gehe ich aus. Wir haben Jerome Boateng abgegeben, mit Heiko Westermann eine gnaz erfahrenen Mann hinzu bekommen. Ich hoffe sehr, dass sich das auch in den Ergebnisse niederschlägt, ich glaube, dass wir sportlich einen Schritt nach vorne getan haben.”

Zum Thema Marcell Jansen befand Reinhardt: “Ich habe weder etwas von Liverpool noch von seinem Beratre nichts gehört, von daher beschäftige ich mich überhaupt nicht damit. Wir haben auch nicht vor, Marcell abzugeben.”

Zu dem Gerücht, dass Rafael van der Vaart eventuell zu haben sei, dass der ehemalige HSV-Kapitän eventuell nach Hamburg zurückkehren könnte, befand Reinhardt: “Wir sind mit den Planungen am Ende, ich glaube nicht, dass Raffa noch einmal ein Thema für den HSV wird.” Ist wohl realistisch, denn der HSV kann sich einen solchen “Star” doch gar nicht leisten. In Madrid wird dieser “Raffa” fürstlich und mit Millionen entlohnt. Von solchen Summen kann der HSV nur träumen, solche Gehälter wird der HSV erst dann aufbringen können, wenn er fünf Jahre in Folge Champions League gespielt hat. Na gut, vier . . .

Änis Ben-Hatira trainiert übrigens ab heute zur Probe bei West Ham United, und Mickael Tavares wurde bereits vor längerer Zeit nahegelegt, sich einen anderen Arbeitgeber zu suchen. Wer darüber hinaus noch gehen wird, gehen muss, entscheidet sich erst nach dem Trainingsglager.

So, das war es erst einmal. Gleich geht es zum Nachmittags-Training, aber bevor ich mich auf die Socken mache, gibt es shcnell noch eine Sommergeschichte. Diesmal von Andreas aus Hessen. Ein shcöner Bericht, zu dem ich ganz am Ende noch eine Anmerung machen möchte. Vielen Dank, lieber Andreas, für Deine Mühe – und allen “Matz-abbern” viel Spaß beim Lesen.

“Vergangenheitsbewältigung”

Als Fußballfan erlebt man irgendwann eine Initiation, die einen an einen bestimmten Verein bindet, eine Art „Aha-Erlebnis“. Immer wenn mich einer meiner Fußball-Freunde in der Vergangenheit fragte, wieso ich ausgerechnet HSV-Fan sei, erzählte ich bisher folgende Geschichte:

Anfang der 70er Jahre lebte ich noch in Norderstedt, genauer gesagt in Garstedt, im Hirtenstieg. Wir kickten in einer Straßenmannschaft, ich spielte meistens als Torwart. Unser Lieblingsbolzplatz war der Fußballplatz in der Nervenklinik Ochsenzoll (gibts die heute noch? Jawohl!). Um dort zu kicken, mussten wir möglichst unbeobachtet über den hohen Drahtzaun klettern, der entlang einer Straße parallel zum U-Bahnhof Ochsenzoll verlief und die Klinik umgab. Manchmal kamen auch etwas schräge Vögel dazu, die in der Anstalt einsaßen, und wollten unbedingt mitspielen. Wir haben meist etwas missmutig zugestimmt, aber was blieb uns übrig? Nur wegen ein paar „Bekloppten“ (sorry, aber so hieß das damals bei uns) auf einen Platz zu verzichten, der große Tore und manchmal sogar Netze darin hatte? Niemals. Außerdem hat uns nie einer von denen verraten – Hut ab dafür im Nachhinein! Fußballerisch waren die Jungs sicher keine Offenbarung, aber wir waren irgendwie mächtig stolz auf das ganze Drumherum, unseren Mut usw . . .

Es muss dann Anfang der 70er-Jahre gewesen sein: Im Alter von elf oder zwölf Jahren nahm mich mein Vater das erste Mal mit ins Volksparkstadion, wir saßen sogar auf der Haupttribüne, fast auf Höhe der Mittellinie! Wow, das war was! Ein echtes Fußballstadion, wie überwältigend!!! Dazu noch schönes Sommerwetter, zwei gute Teams – Fußballerherz, was brauchst du mehr. Der HSV spielte zur Saisonvorbereitung gegen die russische Nationalmannschaft. Weder das Spiel noch das Ergebnis ist mir in Erinnerung geblieben, wohl aber folgende Szene: Im Verlauf des Spiels hechtete der damalige HSV-Keeper Arkoc Özcan nach einem Ball und landete dabei ganz unglücklich mit dem Kopf am linken Pfosten. Er musste ausgewechselt werden, für ihn kam der blutjunge Rudi Kargus ins Tor!!! Das war zwar zum damaligen Zeitpunkt noch nichts wirklich Besonderes, aber im Nachhinein bei der „Geburtsstunde“ unseres langjährigen Goalies und späteren „Ab-und-zu-Nationaltorwarts“ dabei gewesen zu sein – für mich als Torwart was ganz Besonderes! Und vor allem hat dieses eine Spiel genügt, mein Herz an den HSV zu binden . . .

Meine Besuche im Volksparkstadion wurden dann leider sehr selten – bis eigentlich gar nicht mehr, weil wir nämlich kurz darauf ins Rhein-Main Gebiet umzogen. Ich fand den Ortswechsel unerträglich, hatte lange Jahre schreckliches Heimweh. Man stelle sich das mal vor, ein Norddeutscher unter lauter geschwätzigen und rudelbildungssüchtigen Hessen! Nicht zum Aushalten.

Mein Heimweh nach Hamburg ging so weit, das ich mich vor mir nicht mehr traute, meiner Anhängerschaft zum HSV nachzugehen – zu schmerzhaft war der Verlust der norddeutschen Heimat und das klare Bewusstsein, in den nächsten Jahren keine Möglichkeit zu haben, nach Hamburg ins Stadion zu fahren. So wurde ich zum stillen HSV-Fan, der seine Leidenschaft nur selten nach außen zeigte.

Das besserte sich natürlich mit den Jahren; ich erlebte die goldenen Zeiten unseres so überaus erfolgreichen „Happel-Teams“ aus der Ferne mit und freute mich still vor mich hin. Nach 1983 und dem letzten Titel rückte dann auch meine Anhängerschaft Schritt für Schritt immer mehr in den Hintergrund; ich wurde zu einem in der Ferne so vor sich hin dümpelnden HSV-Fan, der sein Hauptaugenmerk eher auf andere Dinge gerichtet hatte: Beruf (ich bin Musiker), Heim und Familie.

Das änderte sich dann schlagartig im Mai letzten Jahres, genauer gesagt nach dem totalen K.O. in den vier Spielen gegen Bremen. Hatte ich bis dahin in „sicherer Distanz“ zum HSV gelebt, zog mir dieses Desaster wie aus heiterem Himmel völlig die Füße unter dem Boden weg! Ich fühlte eine solche Trauer, Leere und vor allem Mitgefühl mit „MEINEM“ HSV (Mensch, wie lange hatte ich das nicht mehr gesagt!), dass mir sofort klar war: Jetzt musst du was tun, wenn du so fühlst, bist du genau jetzt als Fan mit deiner Leidenschaft gefragt! Also kaufte ich eine Karte fürs Heimspiel gegen Bochum, und fuhr zum Spiel nach Hamburg, um mit den Fans und der Mannschaft zu trauern, sie und uns wieder aufzubauen!

Mann, was waren das für emotionale Momente. Nach über 30 Jahren der erste Besuch im für mich neuen Stadion haute mich völlig um! Ich hatte einen tollen Platz im Block 28B, ganz nah bei den Fans, wurde dann auch gleich (endlich) HSV-Mitglied und hab mich mit allen Utensilien im Fanshop eingedeckt, die man halt so benötigt.

Und belohnt für mein spätes Outing wurde ich dann postwendend auch noch: Keine drei Wochen später saßen meine 10-jährige Tochter Jule und ich in Frankfurt beim Saison-Finale gegen die Eintracht. Als nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich zum 2:2 schon alles verloren schien, schoss Trochowski dieses absurde Siegtor zum 3:2. Seitdem ist Jule glühender HSV- und vor allem Troche-Fan. Wir versuchen so oft es geht, zu den für uns einigermaßen erreichbaren Auswärtsspielen zu fahren, und zwei- bis dreimal pro Spielzeit geht es gemeinsam nach Hamburg ins Stadion – klasse!

Auf die Gefahr hin, das diese Sommergeschichte sehr lang zu werden droht, muss ich noch einmal auf das oben genannte Spiel zurückkommen: In der „Planung“ dieser Sommergeschichte schrieb ich Dieter an und bat ihn um genauere Details zu dem Spiel gegen Russland; hier ein Auszug aus seiner Antwort:

„Ich habe Rudi Kargus angerufen, er sagte mir, dass er NICHT gespielt hat. Er war damals noch Jugendspieler, saß aber zum ersten Mal bei den Profis (und im Volksparkstadion) auf der Bank. Arkoc Özcan ist damals aber nicht ausgewechselt worden, der Rudi weiß genau, dass er nicht zum Einsatz kam. Ich hoffe, es hilft Dir bei Deiner HSV-Vergangenheitsbewältigung.“

Die Bewertung meiner über viele Jahre gewachsenen Verklärung überlasse ich mit einem Schmunzeln Euch; vielleicht war ja einer von Euch damals auch beim Spiel und kann mir mit ein paar Details aushelfen . . .

Für mich bleibt heute eine große Leidenschaft zu einem wunderbaren Verein und das Vergnügen, in einem so einmaligen Blog wie diesem hier dabei sein zu dürfen.

NUR DER HSV!

Andreas Nowak alias Hessen-HSV

PS: Meine Anmerkung. Es ist schon kurios, aber mir ging es nach den verpatzten Werder-Spielen wie Andreas. Am Tag nach der letzten Niederlage marschierte ich zum HSV – und trat dem Klub bei. Ich wollte Flagge zeigen, ganz einfach. Wenn also Andreas eingetreten ist, und ich dann auch – so hatten diese Werder-Pleiten-Spiele doch noch etwas Gutes. Für den HSV – und für uns.

16.43 Uhr

Eine Sommergeschichte aus NRW

26. Juni 2010

Es ist immer wieder erstaunlich, wo die HSV-Fans beheimatet sind, wie sie ihren Klub kennen und lieben gelernt haben – und ebenso erstaunlich ist, dass sich diese Rothosen-Anhänger ganz, ganz emsig an den Sommergeschichten beteiligen. Ich freue mich sehr darüber, ich finde das nicht selbstverständlich und genieße es. Ich hoffe, dass das auch allen „Matz-abbern“ so geht. Vielen Dank den Autoren – und allen viel Spaß beim Lesen.

Und ab:

Vater und Sohn gemeinsam auf HSV Tour

Beginnen möchte ich mit meiner Sommergeschichte zu erzählen, wie ich zum Fußball gekommen bin. Mein Vater, Jahrgang 1939, hätte immer gerne Fußball im Verein gespielt, durfte aber nicht. Daher stand für ihn fest, dass sein Sohn es besser haben und auf jeden Fall im Verein Fußball spielen sollte. So kam es dann, dass ich im Alter von sieben Jahren (Jahrgang 1963) im April 1971 Mitglied bei Altona 93 wurde. Ich begann in der zweiten E-Jugend als linker Verteidiger.

Zur Saison 1974/75 wechselte ich dann zur Groß Flottbeker Spielvereinigung, wo ich dann später bis zur A-Jugend recht ansehnliche Spiele, wie ich meine, als Linksaußen ablieferte. Ich kann mich noch gut an die hervorragend besetzten Pfingstturniere beim SV Munster in der Lüneburger Heide und an internationale Turniere in Dänemark und Norwegen (wo wir 1980 den sog. Scandia Cup gewannen) erinnern. Das waren damals schon tolle Erfahrungen für uns Jugendliche. Und natürlich erinnere ich mich an ein Spiel gegen die zweite B-Jugend des HSV, das wir in Ochsenzoll 2:1 gewannen.

Wie bin ich nun HSV-Fan geworden? Es begann alles mit dem Uwe-Seeler-Abschiedsspiel am 1. Mai 1972, als mein Vater mich das erste Mal mit ins Volksparkstadion nahm. Der HSV u.a. mit Özcan, Schulz, Nogly, Zaczyk, Ripp, Hönig, Björnmose, Volkert und natürlich Uwe Seeler spielte gegen eine Weltauswahl. Da waren die Weltstars von damals zu bewundern: u. a. Pelé, Johan Cruijff, Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Gerd Müller, Karl-Heinz Schnellinger, Eusebio, Bobby Charlton, Bobby Moore, Dennis Law, George Best, Gordon Banks, Paul van Himst, Giacinto Facchetti, Sandro Mazzola, Gianni Rivera und Ferenc Bene. Ich erinnere mich noch genau, dass mein Vater mir eine HSV-Fahne kaufen wollte, aber ich habe mich dann für einen Wimpel vom Abschiedsspiel entschieden, den es heute noch gibt.

Es folgten weitere Spiele im Volkspark, vornehmlich auf der Südtribüne in Begleitung meines Vaters oder sogar meiner Mutter, die ich zum Achtelfinale im Europacup der Pokalsieger 1976 gegen Heart of Midlothian Edinburgh (4:2 für den HSV) für 15 DM eingeladen habe, damit ich ins Stadion durfte, denn alleine ließen sie mich noch nicht gehen. Später ging ich dann regelmäßig mit meinen Kumpels in die Westkurve Block E oder F. Was haben wir nicht für tolle Spiele gesehen, die Eintrittskarten habe ich heute noch, z.B. ein 5:0 gegen die Bayern (Saison 76/77) , das Europapokal-Halbfinale 1977 gegen Atletico Madrid (3:0 für den HSV), das 5:1 gegen Real Madrid im Halbfinale des Europapokals der Landesmeister (Saison 1979/80), ein 4:1 gegen die Bayern (Saison 81/82) und auch das Endspiel um den UEFA-Cup gegen IFK Göteborg (Saison 81/82), das der HSV leider 0:3 verlor.

Schlimme Erinnerungen habe ich an den 9. Juni 1979, als der HSV Meister wurde und die Fans aus der Westkurve den Innenraum stürmten und es bei diesem Stadionunglück viele Schwerverletzte gab.

Dann zog ich nach dem Abitur und der Bundeswehrzeit 1984 zur Berufsausbildung nach München, aber keine Angst, ich bin nicht Bayern-Fan geworden. Ich verfolgte den HSV in den darauf folgenden Jahren eher distanziert aber weiterhin interessiert aus der Ferne und sah auch das ein oder andere Spiel des HSV im Olympiastadion. Ich finde, Bayern-Fan kann jeder sein, denn es ist einfach, für eine Mannschaft zu halten, die fast immer alles gewinnt. Zum richtigen „Fan-Sein“ gehört aber auch, Höhen und Tiefen, Siege und Niederlagen seines Vereins mit zu durchleben. Und wer eben fast nur Siege kennt, der kennt auch dieses Gefühl der Enttäuschung nicht, das eben auch zum Fußball dazu gehört. Es sind ja gerade die Emotionen, positive wie negative, die diesen Sport so besonders machen.

Seit 1996 wohne ich nun in NRW zwischen Aachen und Mönchengladbach, da hat man natürlich ganz viele Auswärtsspiele unseres HSV in gut erreichbarer Entfernung. Die nie ganz verloren gegangen Leidenschaft zum HSV wurde nun sozusagen neu entflammt. Mein Sohn (1993 geboren) spielt selbst auch Fußball und gemeinsam besuchen wir seit einigen Jahren Auswärtsspiele und jedes Jahr werden es mehr. Dieses Jahr waren wir u.a. auch in Eindhoven und in Anderlecht (beides sehr nervenaufreibende Spiele mit positivem Ausgang), für uns ja quasi fast vor der Haustür gelegen.

Eine richtige Achterbahn der Gefühle war natürlich auch das letzte Auswärtsspiel der Saison 2008/09 in Frankfurt mit dem Last-Minute-Tor von Trochowski zum 3:2. Wir versuchen immer, Karten im Stehblock zu bekommen, um die richtige Stadionatmosphäre zu spüren und den HSV entsprechend lautstark anzufeuern. Es ist immer wieder toll mit anzusehen, wie viele HSV-Fans die Mannschaft auswärts unterstützen. Mir macht es riesigen Spaß, mit meinem Sohn gemeinsam auf HSV-Tour unterwegs zu sein und mit unserem Verein mitzufiebern. Besonders freut mich natürlich auch, dass auch mein Sohn die Raute im Herzen trägt. Ist ja nicht immer ganz einfach, wenn die Schulkameraden um einen herum alle für Borussia Mönchengladbach, 1. FC Köln, Bayer Leverkusen oder für S04 und BVB halten.

Da mein Vater noch in Hamburg wohnt, besuchen wir natürlich auch immer wieder mal ein Heimspiel im Volkspark. Einfach ein Genuss! Alleine schon „Hamburg, meine Perle“ mit Lotto ist den Besuch wert.

Wie gut, dass es das Internet gibt! In unserer Zeitung ist ja über den HSV kaum mal was zu lesen, also lesen wir täglich Hamburger Abendblatt online und natürlich Matz ab von Beginn an, auch wenn wir uns an den Diskussionen bisher nicht beteiligt haben. Dieser Blog ist einfach klasse und wir möchten nicht mehr darauf verzichten. Da saugen wir dann alle Informationen rund um den HSV auf. Und wir hören bei den Spielen, die wir nicht besuchen, die Reportagen von NDR 90,3 mit Lars Pegelow.

Natürlich hofften auch wir in den letzten Jahren auf einen Titel. Die Gesamtentwicklung des HSV ist sehr positiv, die letzte Saison war nach dem furiosen Start in der Bundesliga mit Platz 7 letztlich enttäuschend. Aber inzwischen sind wir schon wieder optimistisch gestimmt und freuen uns auf eine hoffentlich erfolgreiche Saison 2010/11 unseres HSV.

Es grüßen Thomas und Thorsten Mäker aus Hückelhoven, NRW

13.50 Uhr

Drei Sommergeschichten

15. Juni 2010

Es ist wieder einmal angerichtet. Drei Geschichten auf einen Streich. Heute werden uns und Euch Sommergeschichten aus der Ferne präsentiert. München, Budapest und Dortmund stehen im Mittelpunkt der Beiträge der „Matz-abber“, ich bin immer wieder fasziniert, wie Ihr zum HSV gekommen seid, wie Ihr für den HSV kämpft, wie sehr Ihr den HSV und seine Raute im Herzen habt. Vorbildlich. Vielen Dank für Eure Mühen – und Euch allen viel Spaß beim Lesen. Jetzt geht es los:

Unser Wicht fährt nach München

Da ich in Baden zu Hause bin, ist es nicht gerade typisch HSV-Fan zu sein. Oft werde ich gefragt: „Wicht, warum bist Du denn eigentlich Hamburger?“
Dazu muss ich sagen, dass ich 1969 das Licht der Welt erblickt habe. Als junger Bursche bin ich, wie fast alle schon im frühen Kindesalter, täglich auf dem Bolzplatz dem runden Leder nachgelaufen. Beim Kicken auf dem Sportplatz musste man natürlich ein Idol haben, und man musste immer sagen, wer man ist und wen man imitiert. Anfangs war das bei mir noch Schorsch Volkert, aber nachdem der zu den Schwaben nach Stuttgart gewechselt und Kevin Keegan zu uns gekommen war, stand für mich fest: Ich bin Keegan.“ Die Rückennummer sieben ist mir sogar bis heute erhalten geblieben.

1980 wurde dann ein Traum für mich wahr. Ich war gerade zehn Jahre alt, zum Geburtstag bekam ich nicht nur ein Trikot geschenkt, sondern ich durfte mit dem größten Bayern-Fan meines Heimatdorfes zum Bundesligaspiel Bayern München gegen den HSV. Obwohl ich erst im November Geburtstag hatte, wurde für mich ein Traum schon im September wahr.

Die Karten versprachen uns: Gegengerade Olympiastadion, genau auf Höhe Strafraum. Zu geil. Mein hellblaues Trikot mit dunkelblauem Schriftzug HSV wurde gar nicht mehr ausgezogen, und so rückte der Tag der Abfahrt immer näher. Ein Tag vor dem Spiel kommt es auf dem Münchner Oktoberfest zu dem berüchtigten Bombenattentat, bei dem einige Menschen ums Leben kommen und unzählige Leute verletzt werden.

Da hat meine Mam die Sache mit meiner Mitfahrt aus Angst abgesagt – und für mich ist natürlich eine Welt zusammengebrochen. Ein Tränenmeer war nichts dagegen, zum ersten Mal in meinem noch jungen Leben wusste ich, was Zorn und Wut bedeuten. Natürlich auf die Bayern, denn die sind ja schuld mit ihrem doofen Oktoberfest. Mein Dad – Fußballer durch und durch – hat sich dann durchgesetzt und meine Mam in einer Nachtsitzung überzeugt: Unser Wicht fährt doch mit nach München. Juhu!

Dann ging es doch noch los. Und ich war mir sicher: Wir fahren einen Sieg in München ein. Leider aber verlief das Spiel dann etwas anders. Weil Augenthaler in der 87. Minute per Kopf noch zum 2:1 für Bayern traf und der zwischenzeitliche Ausgleich von HSV-Talent Werner Dreßel nicht für einen Punkt reichte.

Aber nach dem Spiel wurde es noch einmal spannend. Wir sind unterhalb der Katakomben noch zum Spielereingang gekommen, und plötzlich standen alle meine Idole direkt vor mir: Jupp Koitka, Caspar Memering, Manni Kaltz, Horst Hrubesch, Bernd Wehmeyer, Felix Magath, Jimmy Hartwig und andere mehr. Sie alle haben dann mit einem Kugelschreiber auf meinem Trikot unterschrieben. Was für ein Erlebnis! Tja, ich war da der King. Und die Niederlage war vergessen. Und wenn ich daran dachte, dann war sie – natürlich – total und völlig unverdient. Seit diesem Erlebnis aber war spätestens klar: Raute im Herzen, und zwar für immer und ewig. Und die richtig geilen Jahre sollten ja erst noch kommen. Und: Auf einmal war ich mit meinem HSV-Trikot gar nicht mehr so allein auf den Sportplätzen im Badischen . . .

So langsam wird es aber mal wieder Zeit, dass ich hier mal den einen oder anderen jungen Rotzlöffel mit einer Raute auf dem Trikot auf dem Sportplatz treffe. Denke ich mir.
Viele Grüße aus dem Badnerland, Tommy Vöhl ( alias Wicht )

Die zweite Geschichte:

Ein großartiger Fußballabend in Ungarn

Zum Thema bessere Plätze: 16. August 2007, der HSV spielt in Budapest. Mein Sohn und ich: Nichts wie hin nach Ungarn (von Wien nach Budapest braucht man mit dem Auto etwa zwei Stunden). Wir bestellten also beim HSV über unseren Mitgliedsausweis zwei Tickets für den Gästeblock und bekommen die Auskunft, die Karten könne man dann am Stadion abholen. Okay, wir fahren los (altes Auto ohne Klimaanlage, dafür mit HSV-Sticker), schwitzten lange auf der Autobahn (Stau) und finden dann ewig lang keinen Parkplatz in der Nähe des Stadions. Ich fahre dann zur Tankstelle gleich neben dem Eingang, stelle mich an die freie Zapfsäule, gebe dem Tankwart 20 Euro und sage: „Tschüs, wir müssen jetzt zum Fußball.“ Hat super und ohne Komplikationen funktioniert. Was nicht so gut funktionierte war das Abholen der Tickets. Wir rannten zweimal um das Stadion, alle sprechen nur Ungarisch. Das Abholen der Gästetickets? Nie gehört.

Also was tun? Bis ich dachte: Wozu braucht man eigentlich eine Eintrittskarte? Wir beide hatten ja unseren HSV-Mitgliedsausweis dabei! Also auf die Ehrentribüne, ernstes Gesicht aufsetzen und nichts wie durch. Hat super geklappt, denn wir hatten selten einmal so gute Plätze. Okay, das Spiel war dann durchwachsen, aber ein großartiger Fußballabend war es für uns allemal.

Herzliche Grüße von Andreas Erfurth

Die dritte Geschichte:

So etwas Respektloses

Ich bin Baujahr 1941, als Drittgeborener wurde ich aber von meinem Vater und Opa mütterlicherseits als „Thronfolger” aufgezogen. Das heißt, ich wurde so gut wie die damalige Zeit es zuließ verwöhnt.
Mit sechs Jahren wurde ich in den hiesigen Fußballverein SV Upen (Kreis Goslar) angemeldet. Ich kam in die „Knaben”, Minis gab es noch nicht. Gespielt haben wir in Straßenschuhen, Buffer, wie ihr sie nennt (habe ich von Basti und Benno), gab es zu der Zeit noch nicht. Opa hat aber immerhin schon Lederstollen unter die Sohle genagelt. Die Stutzen musste Oma stricken, Hose und Trikot wurden von der Dorfschneiderin genäht. Und schon ging es los. Was waren das für Zeiten!

Wir hatten einen Rasenplatz am Dorfrand. Die Rasenpflege bestand darin, dass regelmäßig eine Schafherde (400 Tiere) über den „Teppich“ geschickt wurde. Der Vorteil lag auf der Hand – bzw. auf dem Grün: Die Wiese wurde gleichzeitig gestutzt und gedüngt. Diese „Pflege“ fand immer montags statt, damit die Düngung bis zum Wochenende entweder eingezogen oder ausgehärtet war.

Pech hatten wir nur beim Schulsport, der immer so ablief: Unser Lehrer Eduart Wegener (genannt Ede), ein zwei Meter großer Hüne, hatte ein Glasauge. Ede sagte immer: „Jetzt machen wir Sport. „ Und: „Die Mädchen können nach Haus gehen, ihr habt ja doch keine Ahnung von Sport.“ Dann sagte der Herr Lehrer auch: „Wir Jungs gehen auf den Platz und spielen Fußball.“ Gesagt, getan. Ede war mit von der Partie und nicht zu halten. Leider dauerte das Spiel nur fünf Minuten, dann mussten wir den Rest auf Knien liegend das Glasauge suchen. Wie gesagt, der Dünger war frisch . . . Aber ehrgeizig wie wir waren, die Knicker wurde immer gefunden.

Zeitsprung. Am ersten Mai 1962 kam ich berufsbedingt (auch weil ich nicht zur Bundeswehr wollte) nach Lünen in Westfalen. Was für ein Sprung, vom schönen Harz in den Pott. Der Schnee war hier nach zwei Tagen schwarz, so etwas hatte ich überhaupt noch nicht gesehen.

Aber endlich, endlich konnte ich meinen HSV sehen. Damals noch in der Kampfbahn Rote Erde in Dortmund. Leider hatten „wir“ diese Spiele zu jener Zeit meistens verloren. So wie 1964 oder 1965, ich weiß es nicht mehr so genau. Aber auf folgende Begebenheit erinnere ich mich ganz genau (wenn ich daran denke, bekomme ich immer noch einen dicken Hals): Beim HSV spielten u. a noch ein Juhani Peltonen und Arkoc Özcan. Es war noch eine halbe Stunde zu spielen, Dortmund führte 5:1. Da kam ein gewisser Gerd Cyliax, zu der Zeit „linker Läufer”, direkt vor mir an die Seitenbande und hat sich mit uns Fans unterhalten. Nach zwei Minuten meinte ein Fan: „Mensch, Gerd, geh’ auf’s Feld zurück.“ Darauf Cyliax wörtlich: „Lass doch die armen Schweine, die wollen doch auch mal den Ball haben . . . “ Gemeint waren die HSV-Spieler. So etwas Respektloses kann ich bis heute nicht vergessen.

Kurzum, wir haben das Spiel 3:5 verloren, aber der HSV hatte damals in den letzten zehn Minuten so aufgedreht, dass ich heute noch behaupte: Wäre das Spiel noch zehn Minuten länger gegangen, hätten wir gewonnen. Kurios – und unvergessen für mich – war bei diesem Spiel im Westfalenstadion: Immer wenn die Borussia ein Tor schoss, sprang der ganze Block von den Sitzen hoch. Nur der kleine Manni blieb sitzen. Schoss aber der HSV ein Tor, dann sprang der kleine Manni hoch – und wurde vom ganzen Block mit bitterbösen Blicken gestraft. Zudem wollte man mich schon einmal mitten auf der Fußgängerbrücke über die B1 an der Westfalenhalle verhauen. Aus Versehen. Mein Vergehen: Weil es regnerisch war, hatte ich einen blauen Schirm von einem Autoverleiher dabei. Also war ich für die Dortmunder gleich eine „Schalker Sau“.

Für heute beste Grüße, Euer HSVLuenen

Schweißnasse Hände . . .

29. April 2010

Schnell noch ein paar Zeilen vor dem Spiel der Spiele. War schon einmal eines wichtiger? Ich lege mich fest (ein Scherz) – in diesem Jahr noch nicht . . . Ich kann Eure Aufregung und die steigende Nervosität sehr gut verstehen, mir geht es nicht anders. Um es genau zu schildern: Ich bin davon überzeugt, dass es heute gut für den HSV enden wird. Und dann kommt von links ein innerer Einwand dazwischen: „Wieso glaubst du Trottel eigentlich, dass auf einmal alles gut wird? Nur weil Ricardo Moniz nun zwei Tage lang seine heilenden Hände auf die Häupter der Spieler gelegt hat? Träum schön weiter, mein lieber Dieter . . .“ Und Sekunden danach bekommt der Optimismus wieder die Oberhand: „Mach mal halblang, Digger, alles wird gut, es gibt ein wunderschönes und maßgeschneidertes 1:1.“ Nun bin ich gespannt, wer von den Beiden in mir gegen 22.50 Uhr – oder auch eine Verlängerung und ein eventuelles Elfmeterschießen später – richtig liegt. Mensch, meine Hände sind schon wieder schweißnass. . .

Um kurz auf andere Gedanken zu kommen. Nur ein „alter Sack“ wird sich daran erinnern können (natürlich!), was um das erste Europapokal-Spiel des HSV herum geschah. Einen tag vor dem 2. November 1960, dem Spiel im Landesmeister-Wettbewerb bei Young Boys Bern, war keine Aschewolke aus Richtung Island unterwegs, und dennoch flog der HSV nicht in die Schweiz, es ging mit dem zug. Genauer: Es ging mit dem super-modernen TEE nach Bern. Und es ging auch so, denn der HSV siegte beim Meister der Schweiz, der fast identisch war mit der Nationalmannschaft der Eidgenossen, mit 5:0. Es wurde gejubelt. Aber es wurde in Hamburg auch böse gemosert, denn: Der HSV spielet unter Flutlicht zum ersten Mal mit weißen Stutzen. Die blauen Socken mit der schwarz-weißen Krempe blieben im Mannschaftskoffer, was zu Folge hatte, dass an der Elbe die HSV-Oberen total entsetzt waren. Es wurde gemeckert und getadelt, fast hätte es eine Abmahnung für die Mannschaft um Uwe Seeler gegeben, so groß wurde dieses Vergehen bewertet. Schließlich einigte man sich auf einen Kompromiss: Nie wieder weiße Stutzen. Was allerdings nicht lange eingehalten wurde, denn die Öffentlichkeit hatte nichts gegen dieses Weiß, ganz im Gegenteil. Es gab danach Jahre, in denen dieses Weiß ganz einfach zum HSV gehörte.

Ja, Sorgen hatten die damals . . . Andere Zeiten, andere Stutzen. Dann, Jahre später, auch eine kuriose Geschichte. Es gab in der Saison 1968/69 noch den Messepokal. In diesem erreichte der HSV nach Spielen gegen den FC Metz, Slavia Prag und Hibernian Edinburgh (es waren damals genau 6 721 Zuschauer im Volksparkstadion!) das Viertelfinale, trat aber gegen den kommenden Gegner Göztepe Izmir aufgrund von Terminschwierigkeiten nicht mehr an. Wenn so etwas heute passieren würde . . . Nein, natürlich kann so etwas heute nicht mehr passieren, aber dass es damals passiert ist, das ist noch heute ein Hammer. Schließlich spielten in der damaligen HSV-Mannschaft Uwe Seeler, Charly Dörfel, Arkoc Özcan, Willi Schulz, Jürgen Kurbjuhn und „Bubi“ Hönig, um nur einige zu nennen. Dass diese Spieler nicht auf die Barrikaden gegangen sind, wundert mich noch heute. Sehr sogar. Aber: Andere Zeiten, andere Prioritäten.

Noch einmal kurz zu den Zuschauer-Zahlen. In die Geschichte ging auch ein Intertoto-Spiel gegen IFK Göteborg ein. Am Rothenbaum hatten sich am 13. Juni 1970 gerade einmal 2 500 Zuschauer versammelt, die sahen einen 1:0-Sieg des HSV. Noch weniger gab es 1974. Der HSV war in der Intertotorunde über „die Dörfer gezogen“ und gastierte zum Spiel gegen Xamax Neuchatel in Oldenburg. Da verliefen sich dann beim 5:2-Sieg gerade einmal 1 700 Fans. Was allerdings eine riesige Steigerung gegenüber dem Hinspiel war, denn in der Schweiz wollten nur 500 Zuschauer diese Partie sehen.

Wunderschöne Erinnerungen habe ich auch an ein UI-Cup-Spiel auf Island (damals noch ohne Asche-Wolke!). Am Abend vor dem Spiel wurde auf der Insel Mitsommernacht gefeiert – traumhaft. Um 24 Uhr ging hinter den Bergen von Akureyri die Sonne auf, ein solches Schauspiel hatte ich zuvor noch nie gesehen. Tags darauf ging es gegen IF Leiftur Olafsfjördur, 1000 Zuschauer wurden offiziell angegeben, aber es waren vielleicht gerade mal 500. Vielleicht wurden auch die vielen Ziegen, die auf den Bergen und Hängen standen und das Spiel Spiel sein ließen, mitgezählt. Egal: De HSV hat wohl zuvor und auch nie wieder danach so schön gespielt – von der Botanik her. Umgeben von herrlichen und eisbedeckten Gletschern lag malerisch in einer Talsohle der unebene und schräge abfallende Dorfplatz, der lediglich ein Klubheim mit Umkleidekabinen zu bieten hatte. Das eigentliche Dorf Olafsfjördur lag jenseits (und war damit unsichtbar) eines Gletschers. Ein wunderschöner und zugleich skurriler Anblick, denn unter solchen Bedingungen hatte der HSV wohl noch nie ein internationales Pflichtspiel absolvieren dürfen und müssen – aber es gab einen mühevollen 2:1-Sieg. Tore: Dirk Weetendorf und Markus Schopp. Ende gut, alles gut.

Ein 2:1 wäre heute ja auch absolut herrlich, traumhaft, sensationell. Vor ausverkauftem Haus! Die Zeiten haben sich zum Glück geändert. Und während ich doch erneut an ein 1:1 denke, kommt von links wieder der . . . Nein, lassen wir das. 1:1. Alles Gute für den HSV und für Euch, dass Ihr einen wunderschönen Abend haben werdet.

PS: Ich habe eben mit Jörn Wolf (auf der Insel)  kurz vor dem Abendessen um 17.45 Uhr telefoniert, es sind alle Spieler fit – auch Dennis Aogo. Es kann also losgehen – packt es an, Männer!

17.49 Uhr