Archiv für das Tag 'Otto'

Beiersdorfer: “In der Krise herausragend gearbeitet”

14. Juni 2015

War toll.
Diese Mitgliederversammlung des HSV. Großartig war es sogar. Und trotz der Probleme, die es hin und wieder mal gegeben haben soll, in dieser Saison, muss festgestellt werden: „Es ist alles auf den Weg gebracht. Wir müssen nur Geduld aufbringen.“ Alles super. Oder wie es ein Redner ausdrückte. „Friede, Freude, Eierkuchen.“ Und im Prinzip: Die Experten haben schuld. Natürlich. Und mit Experten ist vornehmlich die Presse gemeint – logisch. Wenn die sich mal damit beschäftigen würden, oder beschäftigt hätten, woher der HSV 2015, Relegations-Teilnehmer, einst gekommen ist, dann würden die, nämlich diese Experten, sich mit Kritik gewaltig zurückhalten. Ganz gewaltig sogar. Es ist nämlich nicht alles so schlecht, wie es gemacht wird – oder wurde. Der HSV ist weiter erstklassig, es geht ihm gut – und, das ist mein Fazit, und nun müssen wir mal abwarten, wie es weiter bergauf geht. Die Weichen, so war heute zu vernehmen, sind dafür gestellt, nur geht das alles nicht so schnell, wie viele es erhofft hatten, wie viele gewollt hatten. Das dauert. Und das Schöne an dieser Situation ist ja das, dass wir nun alle abwarten können, wie schön und gut es tatsächlich demnächst laufen wird. Versprochen ist ja viel, und versprochen ist ja versprochen. Jetzt dürfte, muss, müsste oder sollte auch mal etwas geliefert werden . . . Zum Beispiel Platz zwölf. Oder so. Den ganzen Beitrag lesen »

Die Hoffnung des HSV? Der liebe Gott und ein Wunder

17. Mai 2015

Das, was keiner will, ist eingetreten. Der HSV hat sein Schicksal nicht mehr in der eigenen Hand. Ebenso wie das eigene 1:2 beim VfB Stuttgart waren die Siege des SC Freiburg und Hannover 96 für diese Konstellation verantwortlich. Vielleicht wirft die Haltung der Bayern im Breisgau Fragen auf, aber am Ende bekommt der HSV, was er verdient. Und das ist nach diesem desaströsen Spiel in der Mercedes-Benz-Arena der vorletzte Tabellenplatz und die Gewissheit, dass nicht einmal ein Sieg am letzten Spieltag gegen Schalke den Klassenerhalt – oder wenigstens die Relegation – aus eigener Kraft sichern würde.

Umfrage: Hält der HSV die Klasse, und was, wenn nicht?

„Wir haben eine Ausgangslage, die sich drastisch verschlechtert hat“, stellte Trainer Bruno Labbadia klar. „Dabei war uns ja von Beginn an klar, dass wir bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt spielen würden. Allerdings haben wir uns die gute Position, die wir uns erarbeitet haben, kaputt gemacht.“ Und wie sie das gemacht haben. Gegen 15.45 Uhr stand der HSV mit eineinhalb Beinen in der Bundesliga, am Ende steht die Mannschaft mit eineinhalb Beinen im Unterhaus. „Es war ein Matchball, den wir vergeben haben“, setzte Vereinsboss Dietmar Beiersdorfer drauf. „Die Leistung war enttäuschend. Das war schwach und zu wenig.“ Weitere Analysen über die Hintergründe dieses Auftritts lieferten die Verantwortlichen nicht. Im Grunde war das auch schnell zu erkennen. Ich will mich auf wenige Dinge beschränken, die alle miteinander zu tun haben.

Das erste Mal hatte ich an diesem Nachmittag in Stuttgart ein ungutes Gefühl, als die HSV-Profis mit den T-Shirts zum Warmlaufen auf den Rasen marschierten. „Wir schaffen es!“ stand darauf. Allzu große Sicherheit, die Bekanntgabe einer Hoffnung als Tatsache, die die Spieler am Ende eingeholt hat. Ein Ergebnis sollte man erst nach vollbrachter Arbeit verkünden – nicht schon vorher. Besser haben es die Stuttgarter Fans gemacht, die ihre Mannschaft mit einem großen „Niemals-aufgeben“-Plakat begrüßt haben. DAS war das eigentliche Motto. Und der VfB hat es deutlich besser umgesetzt als der HSV.

Es war beängstigend mit anzusehen, wie der HSV nach 25 Minuten aufgehört hat, an dieser Partie teilzunehmen. Mit dem Stuttgarter Ausgleich, dessen Zustandekommen vielleicht glücklich war, erlahmte alles bei den Hamburgern. Rajkovic und Djourou fanden keine Anspielstationen mehr, weil sich alle Mittelfeldspieler verkrümelten. Wo war van der Vaart? Wo war Kacar? Was war mit den Flügeln Jansen und Ilicevic, die nicht zu sehen waren? Es war so viel Angst im Spiel, dass alle nur noch weggerannt sind.

Einige Spieler verdienen besondere Beachtung. Rafael van der Vaart zum Beispiel hat 90 Minuten nach einer Gelbe Karte gebettelt. Fouls, Geschimpfe, Nicklichkeiten. Immer wieder sprach Schiedsrichter Manuel Gräfe beschwichtigend mit ihm – aber in der Nachspielzeit konnte er nicht mehr anders. Nach einer weiteren Meckerei gab’s endlich die 10. Gelbe Karte und damit die Sperre gegen Schalke. Van der Vaart hat sich dazu gestern nicht mehr geäußert, aber das hatte schon schwer den Anschein, als ob er diese Verwarnung provoziert hätte. Ein schlimmes Verhalten.

Pierre Michel Lasogga durfte nach dem frühen Zusammenprall mit seinem Kollegen Ivica Olic bis zur 59. Minute weiterwurschteln. Der Bursche gehörte aber sofort ausgewechselt, er torkelte nur über den Rasen. Es war keine Kopfverletzung, sondern eine Schulterprellung, wie heute diagnostiziert wurde. Trotzdem: Bei Lasogga ging gar nichts, der HSV auch aus diesem Grund quasi eine Stunde lang nur zu zehnt. Bruno Labbadia versicherte heute nochmals, dass er seinen Angreifer immer wieder gefragt habe, ob es weitergehe. Lasogga sagte ja – eine Fehleinschätzung.

Am Ende fehlte der gesamten Mannschaft Spannkraft. Nichts war zu spüren von dem Willen, sich gegen den Abstieg zu stemmen. Die meisten Zweikämpfe gingen flöten, es war eine Selbstaufgabe. Das, was Bruno Labbadia mühsam an Streichhölzchen aufgebaut hatte in den vergangenen Wochen zu einem ansehnlichen Türmchen, fiel durch einen Windhauch zusammen. Es war nicht mehr als ein Windhauch, denn natürlich war auch Stuttgart zunächst total unsicher. Zwar stürmten sie in den ersten fünf Minuten, aber nach dem 0:1 durch Kacar schossen die Schwaben die einfachen Pässe ins Seitenaus oder die steilen Schläge ins Nirvana. Bis sie merkten, dass sie vom HSV nichts zu befürchten hatten. 10:1 Schüsse aufs Tor – so sah es am Ende aus. Die Partie hätte 5:1 ausgehen müssen, wenn Rene Adler nicht so viel gehalten hätte.

„Als wir gekommen sind, waren wir Tabellenletzter“, so Bruno Labbadia heute. „Da hätte niemand mehr einen Pfifferling auf uns gesetzt. Natürlich hatten wir nicht gedacht, dass wir diesen Rückschlag erleiden würden. Aber trotzdem haben wir noch eine Möglichkeit. Wir müssen nicht jammern, sondern an uns glauben. Wir müssen Schalke schlagen, und dann werden wir sehen, was passiert.“

Dietmar Beiersdorfer wurde heute mehrfach gefragt nach seinen Fehlern in dieser Saison. Die Ernennung von Peter Knäbel zum Cheftrainer zum Beispiel. Beiersdorfer wehrte all diese Fragen ab und verwies auf die nächste Woche, wenn die Saison vorbei ist. „Es ist unsere Aufgabe, im Management intern über alle Szenarien zu sprechen. Das tun wir schon länger. Aber unsere Aufgabe und unser Ziel ist es vorher, das Spiel gegen Schalke zu gewinnen und die Möglichkeiten zu haben, drin zu bleiben.“ Dies kann ich im Moment nachvollziehen. Beiersdorfer bringt es heute nichts, Selbstzerfleischung zu betreiben oder auch nur den nachvollziehbaren Wunsch der Öffentlichkeit nach Benennung der Schuldigen zu befriedigen. In den kommenden sechs Tagen geht es nur um das Schalke-Spiel.

Vielleicht geht es danach noch um die Relegationsspiele – das weiß der Fußballgott. Auf den wird es übrigens auch wieder ankommen. Dessen ist sich Zoltan Stieber sicher, der beim Blick auf die Konstellation keine anderen Ratschläge mehr hat: „Wir müssen alles geben gegen Schalke und gewinnen. Hoffen wir, dass der liebe Gott auch mit uns ist.“ Ähnlich formulierte es Rene Adler: „Wir haben jetzt noch ein Spiel und können die Tabelle auch lesen. Die Situation ist beschissen. Aber wir können es noch schaffen. Ich glaube, dass wir Schalke schlagen, und mit ein bisschen Hoffen und Bangen – vielleicht gibt es noch ein Wunder.“ Oder hat der HSV im vergangenen Jahr alles Glück der Welt aufgebraucht?

Und wie soll diese Truppe, die in Stuttgart offenkundig unter dem Druck zusammen gebrochen ist, den noch viel größeren Druck des kommenden Spiels meistern? Diese Frage ist nicht zu beantworten. Hoffnung gibt es nur, weil es in dieser Saison ab und an geklappt hat. Dietmar Beiersdorfer: „Wir haben schon mal ähnlichen Druck gehabt gegen Augsburg. Das war auch ‚letzte Ausfahrt Klassenerhalt‘. Das hat die Mannschaft hervorragend gemacht. Man muss das Positive sehen. Wenn man nicht dran glaubt, wird es auch nichts. Wir werden bis zum Schlusspfiff kämpfen. Das ist unsere Pflicht und unsere Leidenschaft.“ Na ja….

Als besondere Maßnahme prüft der Verein nun ein erneutes Trainingslager. Die Entscheidung, ob das kurzfristig zu realisieren ist, steht zur Stunde noch aus. Jedenfalls würde Labbadia nach dem trainingsfreien Montag ab Dienstag gern mit seinen Profis eine Luftveränderung vornehmen. Klar ist, dass es nicht erneut nach Rotenburg gehen wird, wo er den HSV bereits nach seinem Amtsantritt zusammengesammelt hatte.

Hoffnung hat übrigens auch Peter Knäbel – das sagte er gestern im ZDF-Sportstudio: „Die Relegation zu gewinnen, wäre für uns wahrscheinlich auch schon ein Erfolg. Wir haben es fast in eigener Hand. Bei den ganzen Entwicklungen dieses Spieltages sehen wir, dass es auch schnell mal in die andere Richtung gehen kann.“ Knäbel war heute übrigens zur Spielbeobachtung in Braunschweig, wo der mögliche Hamburger Relegationsgegner Karlsruher SC mit 2:0 gewann.

Und nun noch ein Wort mehr oder weniger in eigener Sache. Am vergangenen Mittwoch habe ich ein paar Absätze zu Carl Jarchow geschrieben, der aus dem HSV-Vorstand ausgeschieden ist. Die Pawlowsche Reaktion bei einigen Kommentaren hätte ich mir denken können. „Gefälligkeitsjournalismus“ hier – „die Presse ist Teil des Problems“ da.

Habe ich geschrieben, dass Jarchows Vertragsverlängerung 2012 ein Fehler war? Ja, das habe ich geschrieben. Habe ich geschrieben, dass Jarchow viele sportliche und wirtschaftliche Fehler begangen hat? Ja, das habe ich geschrieben. Habe ich geschrieben, dass der Verein nach seiner Amtszeit schlechter dastand als vorher? Komisch, das habe ich ja auch geschrieben.

Ich lasse mir ungern das Wort im Mund herum drehen und insofern waren einige der Kommentare aus meiner Sicht reichlich daneben. Ich habe hier schon vor einigen Wochen ausführlich zur Campus-Peinlichkeit Stellung bezogen. Dieses Projekt wurde damals von Jarchow/Hilke angeschoben, und dass es primär eine Geld-Beschaffungsmaßnahme war – dieser Eindruck ist wohl kaum zu leugnen. Gut verpackt mit einem neuen Nachwuchsprojekt, zugegeben, aber die Umplanungsmaßnahmen, die durch Bernhard Peters und Co. vorgenommen wurden, zeigen, dass das ursprüngliche Konzept auch inhaltlich nicht durchgetaktet war. Inhaltlich – das war nicht die Priorität. Aber: Jarchow und alle anderen im HSV waren und sind dafür rechtlich nicht zu belangen gewesen. Das ist Stand heute Tatsache.

Diese Zusammenhänge, und dass Alexander Otto den Granden den Allerwertesten gerettet hat mit seiner 10-Millionen-Euro-Zuwendung, das wurde auch hier von Scholle, Dieter und mir thematisiert. Als ich geschrieben habe, dass Jarchow gut aus seiner HSV-Vorstands-Zeit herausgekommen ist, wurde das hier ebenfalls als Medien-Problem dargestellt. Nach der Devise: Ihr habt ihn aber auch schön in Frieden gelassen.

Wer bitteschön hat Carl Jarchow, der jahrelange Minus-Zahlen als Vorstands-Vorsitzender zu verantworten hatte, denn vor allem in Frieden gelassen? Das waren die HSV-Mitglieder selbst, von denen einige mich nun hier kritisiert haben. Jarchow hat nicht eine einzige kritische Nachfrage erhalten auf der Mitgliederversammlung im Januar. Da war nicht die Rede davon, dass der Verein reihenweise Rote Zahlen geschrieben hat und die Campus-Millionen versickert sind. Von der Frage, ob die einzelnen Vorstände denn überhaupt entlastet werden – auch Joachim Hilke hätte diese Frage treffen können – war ebenfalls nichts zu hören. Gar nichts.

Was mir wichtig ist und war bei der Betrachtung Jarchows und vieler anderen, deren Wirken für den HSV am Ende in einem negativen Licht stand: Sie alle wurden auch von bestimmten Leuten, namentlich vom Aufsichtsrat, eingesetzt. Wenn Jarchow gescheitert ist, dann ist auch der alte Aufsichtsrat gescheitert. Führungskräfte in Unternehmen haben EIN wesentliches Instrument zur Steuerung der ganzen Firma, und das ist die Personalauswahl. Ist also Jarchow gescheitert, dann spricht das gegen diejenigen, die ihn ins Amt gehoben haben. Analog heute: Zeigt sich, dass Dietmar Beiersdorfer, wie von Scholle am Montag geschrieben, eigentlich kein Vorstands-Vorsitzender ist, dann geht diese Kritik in erster Linie an das Gremium, das Beiersdorfer bestellt hat. Und schon wären wir bei Karl Gernandt und seinem Team.

Zurück zu Jarchow. Zu guter letzt wurde nämlich angezweifelt, dass Jarchow für die Ausgliederung war. War er aber. Nicht als jemand, der sie initiiert hätte oder angeschoben. Das waren andere – das war die Gruppe HSV-Plus um Otto Rieckhoff. Aber dass Jarchow dessen ungeachtet dafür war, ist einfach Fakt. Das haben mir alle möglichen Menschen aus dem Verein bestätigt. Vermutlich wird mir nun auch noch weiter vorgehalten, ich habe HSV-Plus nicht gewollt. Ich verweise höflich auf eine „Matz-ab-live“-Sendung vom September 2013. Hier habe ich deutlich gesagt, die Ausgliederung muss kommen. Zu diesem Zeitpunkt war HSV-Plus gerade ein paar Tage auf dem Markt. Dass ich diese Haltung anschließend nicht marktschreierisch vor mir hergetragen habe wie andere, liegt wohl daran, dass ich Journalist bin. Aber egal, ob jemand aus meiner Sicht schlechte Arbeit geleistet hat – Kritik unter der Gürtellinie wird es von mir nicht geben.

Im übrigen: Welche Gefälligkeit sollte ich wohl von Carl Jarchow erwarten, wenn er Vize-Präsident des Hamburger Fußball Verbandes ist? VIP-Karte fürs Oddset-Pokal-Endspiel?

Noch sechs Tage bis zum Schalke-Spiel.

Lars
18.00 Uhr

Hilfe! Labbadia will nichts ändern!

1. Mai 2015

Wenn am Sonntag gegen halb drei in der Mainzer Coface-Arena die Mannschaftsaufstellungen vor der Bundesliga-Partie von Mainz 05 gegen den HSV verteilt werden, dann wissen alle Hamburger Fans schon, ob’s was werden kann. Im Training hat sich auch heute angedeutet, dass Coach Bruno Labbadia die elf Spieler auf den Rasen lässt, die beim 3:2 gegen Augsburg in der Startelf standen. Wahrscheinlich weiß Labbadia nicht, dass statistisch alles gegen ihn spricht, wenn er dabei bleibt. In dieser Saison hat der HSV immer verloren, wenn der jeweilige Trainer einer Elf vertraute.

Allein vier Mal in dieser Saison ist eine unveränderte HSV-Formation in ein Stadion eingelaufen. Die eindeutige Bilanz: vier Niederlagen. So vertraute Trainer Mirko Slomka am 2. Spieltag gegen den SC Paderborn den Spielern, die in der Woche zuvor ein 0:0 zum Saison-Auftakt in Köln geholt hatten. Das Ergebnis war desaströs, der HSV ließ sich beim 0:3 gegen den Aufsteiger geradezu vorführen.

Joe Zinnbauer ist anschließend drei Mal gescheitert, wenn er versucht hatte, absolute Konstanz in die Mannschaft zu bekommen. Auf sein 0:0 zum Start gegen die Bayern folgte mit selber Elf ein 0:1 in Mönchengladbach. Später holte die Fighter-Truppe, die Leverkusen 1:0 niederrang, eine 0:2-Pleite in Wolfsburg ab. Und schlimm wurde es kurz vor Ende der Hinrunde. 0:0 in Freiburg – der Lohn für eine passable Leistung war Bewährung beim nächsten Heimspiel gegen Stuttgart – das Vertrauen des Trainers wurde mit einer schwachen Leistung und einer 0:1-Niederlage verspielt.

Und hier die komplette Liste der Startelf-Veränderungen in dieser Saison:

  • 1. Spieltag: 0:0 in Köln
  • 2. Spieltag: 0:3 gegen Paderborn (0 Veränderungen)
  • 3. Spieltag: 0:2 in Hannover (7)
  • Trainerwechsel Slomka / Zinnbauer
  • 4. Spieltag: 0:0 gegen die Bayern (2)
  • 5. Spieltag: 0:1 in Mönchengladbach (0)
  • 6. Spieltag: 1:2 gegen Frankfurt (1)
  • 7. Spieltag: 1:0 in Dortmund (2)
  • 8. Spieltag: 1:1 gegen Hoffenheim (2)
  • 9. Spieltag: 0:3 bei Hertha (2)
  • 10. Spieltag: 1:0 gegen Leverkusen (2)
  • 11. Spieltag: 0:2 in Wolfsburg (0)
  • 12. Spieltag: 2:0 gegen Bremen (1)
  • 13. Spieltag: 1:3 in Augsburg (3)
  • 14. Spieltag: 2:1 gegen Mainz (5)
  • 15. Spieltag: 0:0 in Freiburg (1)
  • 16. Spieltag: 0:1 gegen Stuttgart (0)
  • 17. Spieltag: 0:0 in Schalke (4)
  • 18. Spieltag: 0:2 gegen Köln (5)
  • 19. Spieltag: 3:0 in Paderborn (2)
  • 20. Spieltag: 2:1 gegen Hannover (1)
  • 21. Spieltag: 0:8 bei den Bayern (2)
  • 22. Spieltag: 1:1 gegen Mönchengladbach (7)
  • 23. Spieltag: 1:2 in Frankfurt (1)
  • 24. Spieltag: 0:0 gegen Dortmund (4)
  • 25. Spieltag: 0:3 in Hoffenheim (2)
  • 26. Spieltag: 0:1 gegen Hertha (4)
  • Trainerwechsel Zinnbauer / Knäbel
  • 27. Spieltag: 0:4 in Leverkusen (2)
  • 28. Spieltag: 0:2 gegen Wolfsburg (5)
  • Trainerwechsel Knäbel / Labbadia
  • 29. Spieltag: 0:1 in Bremen (2)
  • 30. Spieltag: 3:2 gegen Augsburg (3)

In dieser Statistik, die natürlich auch eine Spielerei ist (Verletzungen und Sperren finden keine Berücksichtigung) fallen zudem die beiden Ausschläge nach oben auf. Mirko Slomka hat bei seinem letzten Versuch, in Hamburg noch alles zu retten, Risiko gewählt. Nach dem 0:3 gegen Paderborn krempelte er das Team fast komplett um, was ihm anschließend in Hannover nicht den gewünschten Erfolg brachte. Ebenfalls sieben Änderungen nahm Joe Zinnbauer nach dem 0:8-Debakel bei den Bayern vor, was im nächsten Spiel wenigstens zu einem Teilerfolg führte.

Klar ist jedenfalls: Aufpassen, Herr Labbadia, ein und dieselbe Elf des HSV hat in dieser Saison noch nie in zwei Spielen hintereinander überzeugt.

Zum Alltag der Bundesliga-Mannschaft. Trainer Bruno Labbadia hat am Vormittag zur 90-Minütigen Einheit auf dem Rasen gebeten. Auch wenn das Training hinter den Planen stattfand, war doch deutlich zu hören, dass Labbadia immer wieder unterbrochen hat und geradezu penibel genau darauf achtete, dass seine taktischen Vorgaben erfüllt sein müssen. Verschieben, Löcher zulaufen, Räume ausfüllen. Da muss jeder Einzelne genau aufpassen, sonst stimmt das gesamte Gefüge nicht. Im Grunde ist diese Art von Training Taktik-Grundlage für eine Saison-Vorbereitung. Was dabei herauskommt, würde man als Labbadias Handschrift bezeichnen, so wie sie im Sommer 2009 deutlich wurde, als der Coach mit einer unzweifelhaft stärkeren HSV-Mannschaft Tabellenführer der Bundesliga wurde. Das ist übrigens keinem anderen Trainer in Hamburg nach ihm gelungen.

Was die Aufstellung angeht, müssen sich Valon Behrami nach seiner Rot-Sperre sowie Lewis Holtby nach seiner Gelb-Sperre weiter offenbar hinten anstellen. Ivo Ilicevic bleibt vermutlich im Team, wobei er meiner Auffassung nach ein erster Wackelkandidat wäre. Holtby über die linke Seite oder Marcell Jansen – das wären die Alternativen. Übrigens trainierte Maximilian Beister, über den in den vergangenen Wochen so viel geschrieben wurde, bei den Profis mit und darf sich Hoffnungen auf eine Kader-Nominierung machen. Das trifft zunächst nicht auf die jungen Ashton Götz, Mohamed Gouaida und Ronny Marcos zu, die gestern beim 1:2 der U 23 in Meppen auf dem Rasen standen und heute nur leicht ausliefen.

Nach dem Mannschaftstraining und den taktischen Spielen stand noch der Torabschluss auf dem Programm. Offenbar hat Labbadia vor, Mainz über deren rechte Abwehrseite zu knacken. Matthias Ostrzolek haute die (guten) Flanken rein, in der Mitte profilierten sich insbesondere Pierre Michel Lasogga und Heiko Westermann mit kernigen Abschlüssen. Knifflig wurde es nur einmal: Ivica Olic war im „Dreikampf“ mit zwei Gegenspielern am rechten Fuß getroffen worden und humpelte danach vom Trainingsplatz. „Ist aber kein Problem“, sagte Olic anschließend, so dass sein Einsatz in Mainz wohl nicht gefährdet ist.

Heute habe ich die Bundesliga-Studie der DFL 2015 in die Hände bekommen. Die Studie ist zwar bereits im Januar erschienen, doch sie enthält viele interessante Daten. Generell ist da von der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung der gesamten Liga und auch der 2. Bundesliga die Rede. Und es wird deutlich, dass der HSV zu den Vereinen gehört, die die Statistik noch deutlich nach unten zerren. Vieles im wirtschaftlichen Konstrukt des HSV ist ungesund. In Relation viel zu hohe Personalkosten, eine viel zu niedrige Eigenkapitalquote (11,5 % gegenüber 35,3 % in der Bundesliga) – nur fünf von 18 Bundesligisten haben zuletzt Rote Zahlen geschrieben. Mit einem Minus von 6,6 Millionen Euro gehörte der HSV natürlich dazu. Aber darauf wollte ich nicht hinaus, das ist überwiegend bekannt, und nicht zuletzt durch den Einstieg zweier Aktionäre (Klaus-Michael Kühne und Helmut Bohnhorst) sowie der Campus-Spende von Alexander Otto werden sich die Zahlen zum 30.6.2015 deutlich verschieben. Dennoch: Der “Bundesliga-Report 2015” ist lesenswert, ich kann sie jedem empfehlen, der sich bis Sonntagnachmittag langweilt.

Morgen trainiert die Mannschaft noch einmal ohne Öffentlichkeit. Dieter hält Euch dann über das Tagesgeschehen auf dem Laufenden. Sonntag um 15.30 Uhr ist Anpfiff in Mainz – und in „Matz ab live“ begrüßen wir direkt anschließend Thomas von Heesen als Gast. Das solltet Ihr Euch vormerken.

Lars
18.15 Uhr

Peter Knäbel verzichtet auf Youngsters – Alexander Otto gibt keine weiteren Millionen

3. April 2015

Mit teilweise strahlenden Gesichtern, scherzend und entspannt kamen die HSV-Profis heute von ihrem Abschlusstraining aus dem Stadion, um sich in ihrem Zelt neben der Arena zu duschen. Knapp 90 Minuten dauerte die finale Einheit vor dem Kick in Leverkusen – und erst nachdem die Profis guter Dinge vom Rasen gingen, schlichen Trainer Peter Knäbel und der Vereins-Vorsitzende Dietmar Beiersdorfer in ein Gespräch vertieft hinterher.

In der Reihe „Dieses Spiel ist das wichtigste der Rückrunde“ folgt nun etwa der fünfte Teil, wobei die Partie nach dem Trainerwechsel in Hamburg zweifelsohne ganz entscheidenden Charakter besitzt. Dass der HSV dabei mit drei Punkten aus dem Westen zurückkehrt, ist gar nicht einmal notwendig, um noch einmal Schwung zu bekommen im Abstiegskampf. Klar, nur Punkte zählen, aber an den anstehenden Aufgaben morgen und dann anschließend gegen Wolfsburg und in Bremen könnte sich auch manch anderer Bundesligist überheben.

Es kommt auch darauf an, dass das Team Vertrauen fasst in die Marschroute und die Spielweise, die Peter Knäbel vorgibt. Und zwar möglichst flott, denn ansonsten werden die TV-Kameras in den nächsten Wochen wieder damit beginnen, das Ticken der ewigen Bundesligauhr im Stadion bis zum Erbrechen zu drehen und zu thematisieren – so kurz vor dem möglichen Ende.


 

Vertrauen gewinnen – das würde sich vor allem zeigen in einem gelungeneren Offensivspiel. Unter Joe Zinnbauer gab es zwar Auswärtsspiele, in denen die Mannschaft vorbildlich verteidigte. So viele Spieler wie möglich hinter den Ball, wenn der Gegner angreift. Das ging gut, zumindest bis zum Bayern-Spiel. Was nun fehlt ist, dass sich die Herren Profis nicht wieder ins Hemd machen, wenn ein Mitspieler ihnen die Kugel zuschiebt. Dass Passwege gegangen werden und damit Angebote ausgegeben werden zum Zuspiel – dass endlich wieder Verantwortung übernommen wird auf dem Platz. Und zwar nicht nur, wenn’s einigermaßen läuft und es noch 0:0 steht, sondern auch wenn man etwas schiefgeht. Von wegen zu instabil – das hatte Knäbel vor einer guten Woche noch nach dem 0:0 im Test in Osnabrück noch bemängelt. Stabilität und Sich-wehren-wollen – das bitteschön wollen alle HSVer sehen. Und das ist notwendig, um im Abstiegskampf zu bestehen.

Rene Adler steht also im Tor. Knäbel hält den ehemaligen deutschen Nationaltorwart also für stabil genug, den Abstiegskampf zu meistern. Das größere Potential besitzt er im Vergleich mit Drobny, jetzt muss er Nerven zeigen und ein Rückhalt sein – so wie Drobny vergangenes Jahr. Zuletzt hatte der Tscheche nicht unbedingt begeistert, wenngleich ihm seine Rote Karte aus dem Hoffenheim-Spiel aus meiner Sicht nicht anzulasten ist. Nichtsdestotrotz: Adler ist wieder da – ausgerechnet in Leverkusen bei seinem Ex-Klub.

Auffällig auch, dass Peter Knäbel keinen der jungen mehr dabei hat, auf die Joe Zinnbauer gesetzt hatte. Gouaida – leicht angeschlagen. Götz und Marcos – gehen zur U 23. Von Julian Green ist auf der Internetseite des HSV schon gar nicht mehr die Rede. Weder im Profi-Kader noch bei der U 23. Übrigens ist auch Maximilian Beister nicht mit dabei, obwohl Knäbel insgesamt sogar 19 Spieler nominiert hat und dementsprechend einen von ihnen kurzfristig streichen muss.

Ob Beister darüber akut überrascht ist – dazu gab es keinen Kommentar. Dafür veröffentlichte HSV-Total heute ein Interview mit Beister, in dem sicher nicht von einer Streichung aus dem Kader ausgegangen worden war: „Ich bin jetzt seit dreieinhalb Monaten dabei und fühle mich soweit ganz gut. Wenn ich von Anfang an spiele, möchte ich das Vertrauen zurückgeben mit guter Leistung. Wenn der Trainer mich aufstellt, bin ich bereit.“ Das sagte Beister, der nach seinem Kreuzbandriss noch nicht wieder zu einer festen Größe geworden ist, vor der Kader-Bekanntgabe. Weder bei Zinnbauer, und auch nicht jetzt bei Knäbel, kommt der Lüneburger Jung wie erhofft zum Zuge. Ich finde das überraschend, denn der Trainer des HSV hat zwar eine prominent besetzte Ersatzbank in Leverkusen, aber keine echte Alternative als Flügelstürmer – wenn die Aufstellung so kommt, wie es das Training gestern und vorgestern erahnen ließ.

So könnte der HSV in Leverkusen spielen: Adler – Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek – Behrami, Jiracek – Müller, Stieber, Ilicevic – Olic
Außerdem im Kader: Drobny, Diaz, Lasogga, Rudnevs, Holtby, van der Vaart, Kacar, Rajkovic

Zu einem anderen Thema – es betrifft noch einmal das Interview des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Karl Gernandt. Eine Passage daraus hat nun eine Reaktion von Alexander Otto hervorgerufen, der ja mit zehn Millionen Euro den Bau des Campus-Projektes unterstützt, und die der Klarstellung bedarf. Im Zusammenhang mit der finanziellen Situation des HSV hatte Karl Gernandt einen Satz gesagt, der missverständlich rüberkam. Es ging um den Einstieg der Geldgeber Otto, Klaus-Michael Kühne und eines dritten „Aktionärs“, wie Gernandt sagte (hierbei soll es sich um einen Kredit in Höhe von acht Millionen Euro handeln).

Gernandt hatte wörtlich gesagt: „Es ist in unserer Situation umso anerkennenswerter, dass Klaus-Michael Kühne, Alexander Otto und ein dritter Mann, der nicht genannt werden will, die Schatulle aufmachen und sagen: ich bin bereit, ordentliche Beträge auf den Tisch zu legen, ohne eine Gegenleistung zu fordern.“

Diese Aussage ist in dem Gesprächzusammenhang teilweise so verstanden worden, als ob die Herren zusätzlich zu ihrem bekannten Engagement weiteres Geld geben, um im Sommer anstehende Transfers zu ermöglichen. Zuletzt war ja im Zusammenhang mit einer möglichen Tuchel-Verpflichtung von 25 Millionen Euro Investitionen in die Mannschaft die Rede gewesen.

„Dass Alexander Otto sich in dieser Weise engagiert, kann ich dementieren“, sagte mir nun Rando Aust, der Sprecher von Otto. „Das würde auch nicht zum Engagement von Herrn Otto in der Sportförderung passen.“ Heißt also: Kein Geld für Tuchel oder die Mannschaft von dem Hamburger Unternehmer. Wer das Interview von Karl Gernandt komplett hört, der ahnt, dass dies vom Aufsichtsrats-Boss auch nicht gemeint gewesen sein mag – sondern es sich nur um eine Beschreibung der bisherigen Investitionen der drei potenten Herren gehandelt hat. Dennoch: Die Formulierung, insbesondere weil es in dem Interview bis dahin um Thomas Tuchel ging, lässt auch eine andere Deutung zu, die nun also von Otto-Seite zurechtgerückt wurde.

Diese Information ist wichtig, denke ich, denn wenn im Paket Tuchel zusätzlich zu dem von den „Bild“-Kollegen gespielten 12,8 Millionen Euro Gehalt für den potentiellen neuen Coach für die nächsten vier Jahre noch eine Anschubfinanzierung fürs Team in der Größenordnung 25 Millionen Euro genannt wird, dann bleibt die Frage offen: Woher soll das Geld kommen? Zumal Karl Gernandt im selben Interview zugibt, dass die Suche nach weiteren Investoren einen Rückschlag erlebt hat durch die aktuelle „Krise“, wie er es nannte: „Der eine oder andere mögliche Investor zieht sich im Moment zurück und sagt: Ich möchte eigentlich nicht einen Zweitligaklub unterstützen.“

Wichtig ist die Klarstellung sicher auch für die Verhandlungssituation des HSV. Sollte irgendein anderer Verein, an den Dietmar Beiersdorfer mit der Frage nach einem Spielertransfer herantritt, denken, dass Hamburg geschröpft und ausgereizt werden könne, weil im Hintergrund die Millionen nur so fließen, dann irrt er eben.

Letzter Auszug zum Thema Geld, selbst wenn das alles seit Tagen unter ndr.de nachzuschauen ist – aber es passt hier in den Zusammenhang. Gernandt zum Trikotsponsor „Emirates“: „Ich bin ziemlich sicher, dass wir mit unserem Trikotsponsor in Kürze soweit sein werden [den Vertrag zu verlängern – Matz ab]. Auch mit anderen Partnern – die Verträge sich verhandelt. Das passt alles.“

Morgen spielt der HSV in Leverkusen. Anschließend möchten Dieter und Scholle in „Matz ab live“ am liebsten über eine faustdicke Überraschung reden. Der frühere HSV-Volleyballtrainer Olaf Kortmann, heute als Mentalcoach aktiv, wird einer der Gäste sein.

Lars
18.00 Uhr

Zinnbauer vor dem Aus – Knäbel war das Spiel zu „wirr“

21. März 2015

Heute wird es keine Entscheidung geben über die Zukunft von Joe Zinnbauer beim HSV. So viel vorweg – aber das Wochenende ist noch lang. Denn ungeachtet des Zeitplans steht fest: Acht Spiele vor dem Ende dieser Bundesliga-Saison, die ähnlich desaströs zu werden scheint wie die vorige, ist die Zeit von Rettungsankern und Strohhalmen gekommen. Ein Trainerwechsel steht vor der Tür.

Manager Peter Knäbel, der sonst recht deutlich hinter Zinnbauer stand, ist von seiner ursprünglichen Wortwahl deutlich abgewichen. Das betrifft den Auftritt der Mannschaft: „Es gab viel zu viele Phasen, in denen wir zu wenig klar waren im Aufbauspiel und keine Struktur hatten. Als wir mit zwei Stürmern gespielt haben, hat die Mannschaft nicht so umgeschaltet, dass die zwei Stürmer in Szene gesetzt wurden. In der zweiten Halbzeit war es, je länger es dauerte, wirr.“ Wo Knäbel sonst davon gesprochen hatte, sehr zufrieden mit Joe Zinnbauer zu sein, sagte er jetzt im Hinblick auf das Krisengespräch, das vermutlich am morgigen Sonntag ein Ergebnis haben wird: „Das allerwichtigste ist, welche Maßnahmen man trifft, um in den folgenden acht Spielen die Klasse zu halten. Es sind Fakten auf dem Tisch, es ist eine Situation zu klären. Das muss man in aller Nüchternheit tun und in aller Verantwortung für den Hamburger Sport Verein.“

Was ich jetzt hier schreiben könnte aktuell zum Hertha-Spiel, das ist auch an dieser Stelle schon tausend Mal geschrieben worden. Kampf und Einsatz waren zu Beginn da, wie so oft. Dann gelingt kein Tor, wie so oft. Dann zieht sich die Mannschaft zurück, wie so oft. Dann wird es planlos, wie so oft. Dann fällt das entscheidende Gegentor, wie so oft. Aus diesem Teufelskreis ist der HSV in dieser Saison nur sporadisch ausgebrochen – und wenn, dann nur unter allerhöchstem Einsatz und gelegentlich an der Grenze der Legalität.

Dass dies so gekommen ist, sorgt in der Führungsetage des Vereins für Ratlosigkeit. Eigentlich, so war man doch überein gekommen, hat man einen jungen und frischen Trainer geholt. Unverbraucht in der Bundesliga noch dazu. Die Mannschaft wurde aufgepeppt mit Lasogga, Holtby, Ostrzolek, Müller, Cleber, Olic und Diaz. Dazu frisches Blut mit Gouaida, Götz und Marcos. Und zwei Torhüter auf Top-Niveau, Adler und Drobny. Doch: Es passt alles nicht!

Nur zu gern hätten die Verantwortlichen den Schwung mitgenommen aus dem vergangenen Sommer und der Umwandlung des Profi-Fußball-Bereichs in eine AG. Doch das hat nicht funktioniert. Warum nur? Selbst Finanz-Spritzen im Winter durch Klaus-Michael Kühne und Alexander Otto, selbst etwas fürs Herz, die bevorstehende Rückkehr des „Volksparkstadions“, bewirken nichts. In einer Mannschaft, die vom vermeintlichen Können der einzelnen Spieler auf einem ganz anderen Tabellenplatz stehen müsste, als sie das aktuell tut.

Warum also all dies? Johan Djourou hat ja recht, wenn er die Leistung gegen Hertha BSC skizziert: „Das ist nicht genug von uns. Zuhause gegen einen direkten Konkurrenten müssen wir einfach mehr tun. Es ist nicht gut genug!“ Und beim Blick auf den Spielplan wird einem sowieso Angst und Bange. Die nächsten Gegner heißen Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg. „Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben“, sagte Außenverteidiger Dennis Diekmeier, gegen Hertha sogar noch einer der Schlechtesten. „Die Mannschaft will und hält zusammen.“ Nun ja…

Ungeachtet struktureller Defizite, die die Arbeit der mittleren und fernen Zukunft betreffen, wird die HSV-Führung nun Handlungsfähigkeit in der Gegenwart nachweisen und der Notwendigkeit nachkommen, einen Cheftrainer zu präsentieren, der den Klassenerhalt schaffen soll. Joe Zinnbauer könnte in diesem Fall zur U 23 zurückkehren. Dort ist der Posten für die kommende Saison noch nicht besetzt. Und da Zinnbauer ohnehin einen Vertrag beim HSV bis 2016 besitzt, wäre diese Variante denkbar. Dass Dennis Diekmeier unmittelbar nach dem Ende des Hertha-Spiels davon sprach, die Mannschaft stehe voll und ganz hinter Zinnbauer, weil er immer Einsatz zeige, wird sich schnell überholt haben. Zinnbauer erreicht die Mannschaft nicht mehr, sie vertraut seinen Maßnahmen nicht. Diese These hat Mental-Trainer Olaf Kortmann vor einigen Wochen bereits in einem Interview genannt. Er scheint Recht zu haben.

Was mit Zinnbauer geschieht, ist bis hierhin noch Kaffeesatzleserei. Genauso gibt es noch keine konkreten Erkenntnisse, wer den Kahn wieder flott machen kann. Labbadia, Jol, von Heesen – das sind die Namen, die die Runde machen. Ich werde mich jetzt nicht ergehen in Prozentzahlen, wer wie wahrscheinlich ist. Nur eines vielleicht: Die heiße Spur soll nicht zu von Heesen führen.

In der aktuellen Lage muss das Dreigestirn beim HSV, zu dem noch Sportdirektor Bernhard Peters gehört, darauf setzen, dass dieser Club vor allem ein Trainerproblem hat. Dass ein Magier kommt und den verunsicherten Hanseaten die Laufwege zeigt, die zum Tor führen. Viele, die in den vergangenen Wochen und Monaten beim Training oder auch im Trainingslager dabei waren, haben beobachten können, wie intensiv Joe Zinnbauer gerade am schnellen Offensiv-Spiel gearbeitet hat. Aber ob ihm nun durch Verletzungen das Stammpersonal nicht ausreichend zur Verfügung stand oder die Übungen einfach nicht zur Umsetzung reichten – es nützt alles nichts: Die desaströse HSV-Offensive konnte Zinnbauer nicht beleben. Die Zahlen sind eine Katastrophe. Es sind die Zahlen eines Absteigers. Erst 16 Tore geschossen in 26 Partien. Aktuell auch wieder 315 Minuten ohne Treffer. Das ist alles an Harmlosigkeit nicht zu überbieten.

Während ich diese Zeilen geschrieben habe, konnten der VfB Stuttgart und der SC Freiburg ihre Bundesliga-Spiele des Nachmittags gewinnen. Paderborn hat einen Punkt geholt. Auch das noch. Der HSV ist erneut auf den Relegationsrang 16 zurückgefallen.

Gestern nach der Niederlage gegen Hertha habe ich einen extrem genervten HSV-Fan getroffen. „Das ist doch alles Verarschung hier mit dem HSV“, schimpfte er. „Voriges Jahr zittern wir so sehr, dass es wehtat. Wir haben so schlimm gelitten wie noch nie und alles gegeben für den HSV. Wir dachten, dass es ein Wunder ist, dass wir es geschafft haben. Das würde uns so schnell nicht wieder passieren und uns könnte nichts so schnell umhauen. Und was ist? Jetzt daddeln die sich wieder dem Abstieg entgegen, so als habe es die Erfahrung in Fürth nicht gegeben. Verarschung!“

Menschenskinder, nächste Woche ist das Abschiedsspiel von David Jarolim. Wem ist wohl aktuell zum Feiern zumute?

Heute hatte die Mannschaft trainingsfrei. Morgen stehen einige Lauftests für Spieler auf der Tagesordnung, ehe am Montag eine Doppelschicht ansteht. Joe Zinnbauer leitet sie – Stand jetzt. Der Sonntag wird daran wahrscheinlich etwas ändern. Darüber hält Euch Dieter dann auf dem Laufenden.

Lars
18.05 Uhr

Olympia legt vor – der HSV MUSS nachziehen…

16. März 2015

Als wir am Sonnabend die Sendung produzierten, sprangen wir von einem Déja-vu ins nächste. Thematisch. Zu sehen war das Ganze zwar erst sehr spät – aber das ist ein anderes, ebenfalls eher unerfreuliches Thema. So, wie es der HSV seit geraumer Zeit auch ist. „Es ist und bleibt eine Qualitätsfrage beim HSV“, hatte Stefan Schnoor klar formuliert. Und damit hatte er zwar nichts Neues gesagt – aber eben die Wahrheit. Genauso wie Heiko Westermann in dem „kicker“-Interview heute. Der Innenverteidiger sprach viele Dinge an und zeigte sich dabei wohltuend selbstkritisch. Vor allem, wenn es um die Mannschaft ging. Und dennoch möchte ich sagen:

Es reicht jetzt auch langsam.

Inzwischen ist alles gesagt worden – und fast alles wie bei unserer Sendung sogar schon mehrfach. Teilweise sogar so oft von ein und derselben Person, dass man befürchten muss, selbige sei unbelehrbar. Die Mannschaft sollte sich jetzt, gerade mal neun Spieltage vor Schluss, ausschließlich auf die Saison konzentrieren. Auch Heiko Westermann. Denn obwohl ich seinen Wutausbruch verstehen konnte und inhaltlich für ebenso wenig falsch halte wie den Großteil des Interviews, ist auch von seiner Seite jetzt mehr als genug gesagt worden. Zumal es mir bei dem ansonsten immer so ruhig wirkenden 31-Jährigen so vorkommt, als versuche er jetzt das nachzuholen und anzusprechen, was er seit langer, langer Zeit in sich hinein gefressen hat. Allerdings kommt das zu einem Zeitpunkt, der ungeeignet ist. Vorsichtig formuliert. Denn er wie alle anderen Spieler und Verantwortlichen haben den Karren mal wieder tief in den Dreck gefahren und sollten alle Kraft darauf verwenden, selbigen wieder herauszuziehen. Und klar ist: Nur mit einsichtigen Worten allein gelingt das nie. Ansonsten wäre der HSV heute wahrscheinlich schon Meister. Und mit irgendwelchen Prognosen in die ferne Zukunft gerichtet gelingt das Minimalziel Klassenerhalt noch weniger. Denn dass der HSV, einmal ins Rollen gekommen, kaum noch aufzuhalten ist – es wäre schön. Aber es gibt wirklich weniges, wovon dieser Verein aktuell entfernt ist…

Aber gut, in Phasen der Vertragsverlängerungen bringen sich Spieler in Position. Verbal und auf dem Platz. Bei Rodolfo Cardoso sagte man immer, dass er nur noch Jahresverträge bekommen darf, weil er immer während der Vertragsverhandlungen sein ganzes Potenzial ausspielte. Das gilt für Westermann zweifellos mit am wenigsten. Er gibt immer alles. Zuletzt auch gut. Daher sollte er das weitermachen und den Rest jetzt lassen. Er hat wie alle anderen genug geredet, jetzt muss gemacht werden.



Vor allem, da mit Hertha BSC eines dieser so genannten Sechs-Punkte-Spiele bevorsteht. Gegen jene Berliner, die gerade dem FC Schalke in letzter Sekunde einen Punkt überlassen mussten. Einen für die Gelsenkirchener verdienten Punkt – aber eben bitter für Hertha. Und die dadurch verkürzte Trainingswoche beinhaltet neben erhofften Comebacks auch veränderte Trainingszeiten. Morgen zum Beispiel wird um acht Uhr ein Lauf absolviert, ehe es um 10.30 Uhr auf den Platz geht. Am Mittwoch und Donnerstag wird sogar komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Und ich hoffe, es werden Dinge geübt und für das Freitagsspiel einstudiert, die der Offensive guttun. Denn eines ist klar: Gegen Hertha kann der HSV, das hat selbst Westermann erkannt, nicht genau so destruktiv auftreten wie gegen die Großen – und wie gegen Hoffenheim. Denn so kann man kein Tor schießen.

Nur damit hier keiner etwas falsch versteht: Ich bleibe dabei, dass dieser HSV derzeit im Konzert der Fußball spielenden Mannschaften nicht mitmischen kann und sollte, weil dafür die Sicherheit und das Zutrauen fehlt. Destruktiv und auf Konter ausgelegt sein, das ist ein probater Weg, sich mühsam Punkt für Punkt zu ergattern, wenn es gegen Teams wie Dortmund, Bayern, Leverkusen, Wolfsburg oder auch Mönchengladbach geht. Aber in allen anderen Spielen muss der HSV seinen eigenen Offensivdrang am Gegner gemessen aufdrehen. Soll heißen: Gegen Hertha nur auf Konter zu spielen wäre falsch. Denn die Berliner sind in einer ähnlich schwachen Verfassung wie der HSV und wären mit einem Punkt in Hamburg wahrscheinlich zunächst einmal zufrieden. Immerhin würden sie den HSV so weiter hinter sich halten.

Nein, gegen Hertha muss der HSV gewinnen. Zinnbauer dem vernehmen nach auch, aber darauf gebe ich nichts mehr. Denn während aus dem Umfeld immer wieder Trainerdiskussionen lanciert werden, zeigt sich die Vereinsführung durchgehend klar, mit Zinnbauer weiter zu arbeiten. Von daher werde 9ch hier einen Teufel tun, und nach Wutausbrüchen, Interviews und den eh für Unruhe sorgenden Vertragsgesprächen in der Länderspielpause einen weiteren, unnützen Nebenkriegsschauplatz aufmachen.

Wobei, mit einer Ausnahme. Ich weiß nicht, wer von Euch den Sportclub im NDR Fernsehen mit Mirko Slomka gesehen hat. Aber jeder sollte bei einer Äußerung aufgeschreckt worden sein. „Ich hätte im Juli freiwillig gehen sollen“, hatte Slomka gesagt. Ein Satz von jemandem, der den Verein keine zwei Monate später auf knapp zwei Millionen Euro Abfindung verklagte – alle Achtung! Dabei war im schon im Juli klar, dass er in Hamburg nicht die Wunschlösung ist. Er wusste, dass es sehr schnell vorbei sein kann und ist dieses Risiko, was er jetzt meint, nicht erkannt zu haben, sehr wohl ganz bewusst eingegangen, weil er wusste, dass er so wenigstens mit einer hohen Abfindung rechnen kann. Bei einem freiwilligen Rücktritt hätte er – wenn überhaupt – maximal einen Bruchteil der letztlich rund zwei Millionen Euro bekommen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Aber zurück zum Wesentlichen. Neben der DOSB-Entscheidung für Olympia 2024, die gerade parallel in der O2-World pro Hamburg verkündet wurde, ist das aktuell für mich die Offensive des HSV. Ivica Olic ackert in jedem Spiel seine Kilometer ab, aber er schießt nicht aufs Tor. Das schafften zuletzt in Hoffenheim erwähnenswert nur Zoltan Stieber und Innenverteidiger Cléber nach einem Standard. Ansonsten kommt einfach nichts. Die Außenverteidiger brechen auch bei Kontern nicht bis zum gegnerischen Sechzehner durch. Und auch die Mittelfeldspieler bringen keine Flanken in die gefährliche Zone. Dieser HSV hat noch immer nicht die Balance aus stabiler Defensive und ausreichendem Offensivdrang gefunden.

Und bei aller Treue zum System, daran wird Zinnbauer feilen müssen. Massiv. Vielleicht ja mit einer Umstellung. Fakt ist: Gegen Hertha sollen alle Offensivkräfte wieder einsetzbar sein. Maxi Beister und Pierre Michel Lasogga sollen schon morgen wieder voll mittrainieren und Nicolai Müller ist nach abgesessener Sperre wieder dabei. Zudem stoßen am Mittwoch Johan Djourou und spätestens am Donnerstag Heiko Westermann und Slobodan Rajkovic zum Team, wie der HSV mitteilt. Soll heißen: Zinnbauer hat wirklich (bis auf Drobny) alle Mann an Bord. Und das gegen einen Gegner, der geschlagen werden muss, wenn man den Klassenerhalt schaffen will.

Dafür müssen aber Tore geschossen werden, und der torgefährlichste Spieler des HSV derzeit ist Zoltan Stieber. Jener Mann, der bei einer Systemumstellung auf zwei Angreifer geopfert werden müsste. Meine ich. Denn Fakt ist: Stieber ist ohne direkten Gegenspieler wirkungsvoll, verschafft sich gute Schusspositionen und schafft es quasi als einziger, gefährliche Torschüsse gen gegnerisches Tor zu feuern. Allerdings müsste er bei zwei Angreifern entweder wieder auf die linke Außenbahn oder ins zentrale Mittelfeld zurück – beide Positionen bringen direkte Gegenspieler mit sich. Und dafür hat Stieber in meinen Augen noch kein ausreichendes Durchsetzungsvermögen. Dennoch, ihn draußen zu lassen wäre hart für den Ungarn. Denn mit Blick auf die komplette Rückrunde zählt er für mich zu den Besseren.

Für Zinnbauer dürften am Freitag einige schwierige Entscheidungen anstehen. Einzig die in Sachen Rafael van der Vaart scheint gefallen zu sein. Er sei „ein Opfer des Systems“ hatte Zinnbauer nach dem Hoffenheim-Spiel gesagt und ich glaube, dass die lauter werdenden Stimmen Recht behalten, die sagen, dass der Niederländer in der bevorstehenden Länderspielpause gen USA abgegeben wird. Ein trauriger Abschied unter traurigen Umständen. Aber er wird sich darüber hoffentlich nie beschweren. Immerhin ist er dafür mitverantwortlich. Als Kapitän und Führungsspieler zweifellos.

In diesem Sinne, morgen wird um 10.30 Uhr an der Arena trainiert. Bis dahin,

Scholle

P.S.: Den ersten Sieg gegen Berlin haben wir mit der Olympiabewerbung geschafft, und dafür gratuliere ich neben allen Hamburgern und Hamburgerinnen insbesondere dem Chefinitiator Alexander Otto. Und ich will jetzt nicht sagen, dass ein Dreier am Freitag wichtiger ist als der Sieg heute – aber…

Drei Bewerbungsspiele für Zinnbauer

4. März 2015

Joe oder nicht Joe – das ist hier die Frage. Über den Trainer des HSV wird in diesen Tagen kräftig gestritten, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Namen anderer Trainer gespielt werden. Labbadia, Keller, Tuchel. Das ist nicht unnormal bei einem Verein, der den sportlichen Ansprüchen – vor allem seinen eigenen – nicht genügt, braucht aber nur dann Beachtung zu finden, wenn aus dem Verein selbst Hinweise über Unzufriedenheit mit dem Amtsinhaber kommen.

Zu Beginn der Arbeit von Joe Zinnbauer hat Vereinschef Dietmar Beiersdorfer mit dem Einschub, der Coach bleibe „bis auf Weiteres“, Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Ein paar Wochen später erhielt Joe Zinnbauer dann eine Vertragsanpassung. Aus dem Trainer der U-23-Nachwuchsmannschaft wurde offiziell ein Bundesliga-Trainer. Darüber regten sich hinter den Kulissen auch wieder einige Experten auf, dabei ist es doch normal – und zwar nicht nur für einen Fußball-Trainer, sondern für jeden Angestellten irgendeines Unternehmens -, dass der Arbeitsvertrag sich auf das Tätigkeitsfeld bezieht, dass auch wirklich beackert wird.

Nun ist Joe Zinnbauer kein etablierter Profi-Coach. Es kam und kommt immer wieder zu Nachfragen nach seiner Perspektive beim HSV. Die Verantwortlichen mühen sich redlich, keine Trainerdebatte aufkommen zu lassen – und sich gleichzeitig nicht insoweit festzulegen, dass eine unbedachte Äußerung später mal auf sie zurückfallen könnte. Dass Bruno Labbadia, Thomas Tuchel und eventuell auch Jens Keller mal intern diskutiert wurden, muss da nicht stören. Umso überraschender diese Meldung heute, die sich auf einen Sport-Bild-Bericht bezieht:

Die Verantwortlichen des Hamburger SV wollen spätestens Anfang April die Entscheidung über die weitere Zusammenarbeit mit Trainer Josef Zinnbauer treffen. «Wir haben mit Joe in Dubai vereinbart, dass wir uns in der Länderspielpause zusammensetzen und seine Zukunft beim HSV über die Saison hinaus besprechen», sagte HSV-Fußballdirektor Peter Knäbel der «Sport Bild». (Mittwoch). «Planungssicherheit ist für beide Seiten wichtig.» Zinnbauers Vertrag beim Bundesliga-15. laufe bis 2016. Auch mit den langjährigen Führungsspielern Rafael van der Vaart, Heiko Westermann, und Marcell Jansen werde man ernste Gespräche führen, kündigte er an.

Für Abendblatt-Blogs


Mit anderen Worten: Zinnbauer hat zwar einen Vertrag bis 2016, es ist aber nicht einmal ausgemacht, dass er im Sommer 2015 noch Trainer bleibt – ansonsten müsste man sich Anfang April ja gar nicht zusammen setzen. Anders formuliert: Zinnbauer hat noch drei Spiele, um nachhaltig Werbung in eigener Sache zu betreiben. Dass der Coach hohe Wertschätzung bei Peter Knäbel & Co. besitzt, wurde zuletzt häufig öffentlich erklärt. Der Hinweis auf das anstehende Gespräch trägt allerdings nicht wirklich zur Vertrauensbildung bei. Natürlich ist Planungssicherheit wichtig, wie Peter Knäbel sagte. Aber besteht die nicht eigentlich schon in der momentanen Vertragslage? Hier ist es nun wirklich zu einem unbedachten Halbsatz gekommen, der den Manager des Vereins spätestens nach einer weiteren Niederlage – zum Beispiel in drei Tagen gegen Borussia Dortmund – einholen könnte.

Letztlich ist das Alltagsgeschäft schon schwierig genug. Gute Nachricht des heutigen Trainingstages: Auch Lewis Holtby ist wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen, wenngleich er sieben Wochen nach seinem komplizierten Schlüsselbeinbruch noch nicht alle Übungen mitmachen durfte, in denen es um Körperkontakt ging. Aber immerhin. Dafür wurde Pierre Michel Lasogga auf dem Trainingsgrün weiterhin vergebens gesucht.

Die Frage vor dem Dortmund-Spiel ist nun: Wieviele der Gegenesen wird Joe Zinnbauer tatsächlich bringen? Cleber, Behrami und Jansen böten sich an. Nach dem Bayern-Desaster scheint Ronny Marcos sich hinten anstellen zu müssen, darüber hinaus ist Matthias Ostrzolek als linker Verteidiger gesperrt. Vieles deutet auf das Comeback von Marcell Jansen auf dieser Position hin. Ob es für Valon Behrami reicht, ist schwer abzusehen. Auch heute war der Schweizer dabei, trabte jedoch vor seinen Kollegen zurück in die Kabine. Offenbar eine Vorsichtsmaßnahme, nachdem Behrami gestern im Testkick gegen die eigene U 23 mitgemischt hatte. Dieter hat Behramis Leistung in diesem Test gestern sehr kritisch gesehen. Ich habe mich spontan an den Saisonbeginn erinnert. Behrami hat da mindestens eine Handvoll Spiele gebraucht, ehe er zu einem Stabilisator im Mittelfeld wurde. Er verlor Zweikämpfe, produzierte Fehlpässe. Und auch jetzt braucht er Zeit, um wieder reinzukommen. Doch: Zeit hat der HSV nicht mehr. Es sind nur noch elf Spiele.

Dies muss überhaupt nicht als Kritik an dem Schweizer mit kosovarischen Wurzeln verstanden wissen. Es ist absolut normal. Und selbst gestandene HSV-Profis hatten in der Vergangenheit Probleme mit ihren ersten Spielen.- Daniel van Buyten war unbestritten einer der besten HSV-Verteidiger der vergangenen Dekade. Mindestens. Aber seine ersten fünf Spiele damals ab 2004: in jedem Spiel ging ein Gegentor auf seine Kappe. Übrigens auch beim legendären, weil verschobenen Pokalspiel in Paderborn. Und das Gegentor verursachte van Buyten ganz ohne Hilfe des „Unparteiischen“ Robert Hoyzer.

Sollte Behrami jedenfalls dennoch dabei sein gegen Dortmund – und an seiner Bedeutung fürs Team haben weder Trainer Zinnbauer noch Manager Knäbel einen Zweifel gelassen – dann könnte es Petr Jiracek treffen, der auf die Ersatzbank muss. Ein Weg zurück für Rafael van der Vaart erkenne ich im Moment nicht. In diesem Zusammenhang sei noch einmal nachgetragen, dass die Verantwortlichen von Sporting Kansas City inzwischen hoffnungsvolle Gespräche mit Rafael van der Vaart über einen Wechsel in die USA bestätigt haben.

Bleibt die Frage, ob Cleber oder Heiko Westermann für den verletzten Slobodan Rajkovic in die Innenverteidigung rückt. Den Trainingseindrücken folgend, könnte Westermann die Nase vorn haben. Eventuell kommt Dortmund für den Brasilianer Cleber noch eine Woche zu früh. Unter Umständen spielt es den Hamburgern in die Karten, dass Dortmunds Marco Reus nicht spielen kann. Das ist noch offen, nachdem der Nationalspieler gestern beim 2:0 im DFB-Pokal bei Dynamo Dresden angeschlagen ausgewechselt werden musste. Hier der aktuelle Reus-Stand:

Fußball-Nationalspieler Marco Reus hat sich im Pokal-Achtelfinalspiel von Borussia Dortmund beim Drittligisten Dynamo Dresden am Dienstagabend nur leicht verletzt. Es handele sich um einen «Pferdekuss» im Oberschenkel, erklärte BVB-Sprecher Sascha Fligge am Mittwoch. Die Verantwortlichen würden nun Tag für Tag schauen, wie sich der Bluterguss bei Reus entwickelt. Ob er im Bundesligaspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim Hamburger SV eingesetzt werden kann, ist noch nicht ganz klar.

Zum Schluss möchte ich Euch noch das Hamburger Abendblatt von morgen ans Herz legen. Kai Schiller hat dort ein hochinteressantes Interview geführt mit dem Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, Garrelt Duin, zugleich einem glühenden HSV-Fan. Duin beobachtet von Düsseldorf aus die Geschicke seines Vereins im hohen Norden und ist insbesondere mit der wirtschaftlichen Seite sehr unzufrieden. So ist er äußerst unglücklich mit der Rolle von Investor Klaus-Michael Kühne: „Sich nur auf Herrn Kühne zu verlassen, halte ich für sehr unklug. Niemand weiß doch, wann Herr Kühne sich mal wieder räuspert und mit einigen Bemerkungen wieder mal den ganzen Verein in Schutt und Asche legt. So eine Konstellation gibt es bei keinem anderen Club – und ich halte dies für extrem problematisch.“ Sehr kritisch sieht Wirtschaftspolitiker Duin auch die Campus-Anleihe, die – wie mittlerweile bekannt ist – komplett im laufenden Betrieb des HSV versickert ist. Der Campus-Bau kann nur durch eine Zehn-Millionen-Euro-Spende von Alexander Otto realsiert werden. „Wenn ein Unternehmen in der freien Wirtschaft mit den Geldern einer Anleihe derart umgehen würde, dann gäbe es sicherlich sehr viel größeren Ärger als es beim HSV bislang gab“, sagt Duin dazu.

Es ist ja auch wirklich erstaunlich, wie leicht die HSV-Mitglieder ihren Vorstand aus dieser Nummer herausgelassen haben. Keine weiteren Nachfragen auf der Mitgliederversammlung im Januar, keine Probleme mit der Entlastung. Der Wunsch nach Friede war zu groß. 17,5 Millionen Euro – dieser Betrag wurde mal eben aufgefressen, kein einziger Cent ging in den „Campus“. Rechtlich mag das in Ordnung sein, auch hat die Staatsanwaltschaft sich gegen die Aufnahme eines Verfahrens gegen den ehemaligen Vorstand ausgesprochen. Am Komplett-Versagen der Herren Jarchow und Hilke in erster Linie ändert das in diesem Punkt allerdings gar nichts. Aber, wie gesagt, mehr dazu morgen in dem kompletten Interview mit Garrelt Duin – aus einer sehr spannenden Perspektive, wie ich finde.

Übrigens stellt sich nach wie vor die Frage, wo denn eigentlich die Zahlen des HSV für das abgelaufene Jahr 2013/14 bleiben. Immer noch wird in der Öffentlichkeit mit der alten Zahl von 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten hantiert, die sich auf den Stichtag 30. Juni 2013 bezieht. Wie hoch sind die Schulden zum 30. Juni 2014 gewesen? Etwa um die 120 Millionen? Der HSV-Vorstand ist hier in der Bringschuld, das verlangt das Aktienrecht.

******ERGÄNZUNG (23.30 Uhr). Inzwischen liegt die Konzernbilanz vor. Danke an “revolu” für den Hinweis. Demnach hat der HSV zum 30. Juni 2014 Verbindlichkeiten von 90,5 Millionen Euro, also weniger als die in den Raum gestellten 100 oder gar 120 Millionen. Auffällig bei den Zahlen: Der HSV hat sein Anlagevermögen (Vorjahr 36 Millionen aus Spielerwerten) drastisch auf 71,3 Millionen gesteigert durch die Neu-Einführung eines “Markenwertes” (41,2 Millionen), den es vorher nicht gab******

Morgen wird um 15.30 Uhr an der Arena trainiert.

Lars
18.20 Uhr

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