Archiv für das Tag 'Otto'

Es bleibt dabei: Campus soll kommen

10. Juli 2014

Tag Nummer sechs in China ist der Abreisetag. Die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka wird darüber nicht ganz böse sein, denn neben den neuen Eindrücken in Fernost war es auch eine anstrengende Tour, wie mir Alexander Laux, der fürs Abendblatt vor Ort ist, heute noch einmal versicherte. Zwei lange Flüge, zwei Testspiele in feucht-schwülem Klima, dazu eine Reihe von Trainingseinheiten und PR-Terminen. Eine reine Lustreise war das nun ganz sicher nicht bei teilweise gefühlten 46 Grad Celsius, wie es in Guangzhou offiziell hieß. Außerdem „musste“ das Team ja am Mittwochmorgen um 4 Uhr auch noch aus dem Bett, um Deutschland gegen Brasilien zu gucken….

Zum Abschluss ging es deswegen heute auch etwas lockerer zu. Fitness-Coach Nikola Vidovic ließ die Spieler nicht im Freien schwitzen, sondern verlegte die Abschluss-Einheit in den Hotel-eigenen Swimming Pool im „Hilton Foshan“. Dabei konnten sich diejenigen HSV-Profis von der Arbeit im Becken befreien, die es schafften, das 25-Meter-Becken komplett durchzutauchen. Keine einfache Aufgabe, einige haben es dennoch geschafft und anschließend zugesehen, wie der Rest der Truppe unter Vidovic im Wasser ackern musste. Ab 13 Uhr Ortszeit hatte die Mannschaft dann komplett frei, konnte sich noch einmal in der Stadt umgucken, ehe um 21 Uhr chinesischer Zeit die Fahrt zum Flughafen anstand. Geht mit der Zwischenlandung alles glatt, dann landet der HSV um 7.40 Uhr morgen früh in Fuhlsbüttel.

Von dort geht es übrigens direkt in die Ferien. Wie angekündigt, wird es anschließend eine freie Trainingswoche geben, ehe Mirko Slomka seine Mannen am Sonnabend, den 19. Juli, wieder zum zweiten Teil der Saison-Vorbereitung im Volkspark empfängt. In diesen freien Tagen, so die Ansage der Coaches, sollen die Profis allerdings nicht nur auf der faulen Haut liegen, sondern sich durchaus sportlich betätigen. Gewünscht sind keine langen Ausdauereinheiten (die Werte sollen hier durch die Bank gut sein), sondern Sportspiele, denn ab kommendem Wochenende wird Spritzigkeit und Explosivität auf dem Stundenplan stehen.

Vor dem Rückflug nach Deutschland hat Slomka angedeutet, dass dieser zweite Vorbereitungsteil sehr wohl „krasser und intensiver“ werden wird als der erste. Und der hatte es ja schon in sich: extreme Trainingsbedingungen in China, die vielen 1000-Meter-Tempoläufe, der Drill-Parcourt im Trainingslager in Glücksburg. „Wir haben schon auf verschiedene Art und Weise Grenzerfahrungen gemacht“, sagte Slomka.

Sorgen bereitet aktuell nur ein Spieler: Ivo Ilicevic – wieder einmal. Der Kroate musste wegen einer Oberschenkel-Verhärtung kürzer treten. Keine schlimme Sache, aber die Anfälligkeit des schnellen Außenstürmers für Muskelverletzungen scheint einfach nicht zu beheben zu sein. Er wurde vorsichtshalber aus dem Trainingsbetrieb genommen, um nicht noch eine ärgere Verletzung zu provozieren. Auf jeden Fall soll Ilicevic am 19. Juli mit voller Kraft dabei sein.


Mirko Slomka hat gute Hoffnung, dass sein Team dann durch den einen oder anderen neuen Spieler verstärkt werden kann. „Finanziell hangeln wir uns am Limit entlang, das ist ja bekannt“, so Slomka. Wichtig wäre in diesem Zusammenhang, dass auch noch weitere Spieler den Verein verlassen, damit der Gehaltsetat endlich merklich entlastet wird. Dieser Posten war und ist aktuell immer noch die wirtschaftliche Achillesferse des HSV.

In diesem Zusammenhang wird Slomka in der kommenden Woche auch weitere Gespräche mit dem neuen starken Mann, Dietmar Beiersdorfer, führen. „Didi ist ja sowieso genau der richtige für den HSV“, freut sich der Trainer. „Er hat bei seiner Vorstellung schon gesagt, dass er den HSV wieder als Fußball-Verein führen möchte. Das ist der richtige Ansatz.“ Dass die personellen Planungen in enger Abhängigkeit stehen von der Partnerschaft mit Gönner Klaus-Michael Kühne, ist Slomka natürlich klar. Und Slomka sagt: „Ich bin nicht sein erster Ansprechpartner, das sind natürlich Vorstand und Aufsichtsrat. Aber ich würde Herrn Kühne trotzdem gern mal kennen lernen. Für mich ist es wichtig, was der Verein nun tut und sagt, und wie es weitergeht.“

Abschließend hat Mirko Slomka auch noch einmal von einem Telefonat mit Hakan Calhanoglu berichtet. Der junge Türke, der inzwischen munter in Leverkusen kickt, hat den HSV-Trainer angerufen. „Er hat sich entschuldigt, dass er nicht zurückgerufen hat“, berichtet Slomka. „Er meinte, die Situation sei einfach schwierig für ihn gewesen.“ Slomka, milde gestimmt, hält Calhanoglu immer noch für einen außergewöhnlichen Spieler, der seinen Weg gehen werden. Nur eine Bewertung gibt der HSV-Trainer über den Ex-HSV-Spieler ab: „Er hätte sich dem HSV gegenüber klarer verhalten sollen.“

So, nachdem Scholle gestern und vorgestern das Thema HC9 schon zwei Mal beerdigt hat, tue ich das heute auch noch ein drittes Mal – aller guten Dinge…..

Heute ist auch Tag drei von Dietmar Beiersdorfer beim HSV. Seine vielbeachtete Vorstellung gestern ist hier ausführlich beschrieben und kommentiert worden. Hier und anderswo wurde nach den teilweise sehr emotionalen Worten Beiersdorfers oft gesagt, er sei kein großer Redner. Welche Kriterien gelten für diese Beurteilung? Mag sein, dass nicht alles geschliffen rüberkam. Aber das ist auch gar nicht das oberste und wichtigste Kriterium, um eine Botschaft glaubhaft zu hinterlegen. Didi hat aus seinem Herzen und mit seiner HSV-Begeisterung gesprochen. Und dass dies authentisch war, hat, so glaube ich, jeder im Presseraum des Stadions gespürt und bestimmt auch fast jeder vor dem Bildschirm.

Mir hat es ungeheuer gut gefallen, wie er bemüht war um jedes richtige Wort, um jedes Bild, dass seine Gefühlslage beschreiben und die Mission, in der er sich sieht, ausdrücken sollte. Dietmar Beiersdorfer ist kein Schwätzer aus dem Rhetorik-Seminar.

Ab und an könnte er etwas zuverlässiger bei den Journalisten zurückrufen, aber diese „Schwäche“ hat Didi auch schon als Sportchef gehabt. Oder sieht dies hier jemand von Euch etwa als „Stärke“?

Wie auch immer – Dietmar Beiersdorfer hat auch das Thema „Campus“ angeschnitten. Er hat sich voll hinter dieses Projekt gestellt, das der Verein ja mit seiner Anleihe in Höhe von 17,5 Millionen Euro finanzieren möchte. Ist das Campus-Geld mittlerweile schon versickert in den löchrigen HSV-Kassen? Wird der Baubeginn künstlich verzögert? Hatte von Beginn an gar niemand die ehrliche Absicht zu bauen, sondern sah der HSV-Vorstand dies nur als verzweifelte Methode, um schnell an Geld zu kommen?

Keine dieser Fragen wird vom HSV-Vorstand glaubhaft beseitigt werden können, ehe nicht tatsächlich die ersten Bauarbeiten vor der Südost-Ecke des Stadions erkennbar sind. Ich habe mich heute bei einigen HSVern umgehört, um aus ihrer Sicht den Stand der Dinge zu erörtern. Fest steht, dass aktuell vorbereitende Bau-Maßnamhem getroffen werden. Wer zuletzt mal am Stadion war, hat dort Bagger stehen sehen, die Wege aufgerissen haben. Hier werden bereits die Versorgungsleitungen vorbereitet, die vor jedem Bau angelegt werden müssen.


Bis Steine liegen, dauert es noch einige Monate. Die Verträge mit dem General-Unternehmer sind noch nicht unterzeichnet. Das soll demnächst erfolgen, so dass dann auch ein zuverlässiger Zeitplan entstehen kann. Wird nun aber auch Zeit, und nicht zuletzt deswegen hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Ex-Aufsichtsrats-Boss Alexander Otto, dessen Architekten den Campus entworfen haben, sich nun auch mit Geld-werten Mitteln am Campus beteiligt. In jedem Fall hat der HSV im Etat für die Saison 2014/15 einen erheblichen Millionenbetrag für die ersten Baumaßnahmen eingeplant. Und die werden auch investiert, unabhängig davon, das wurde mir heute nochmal versichert, ob dieser Etat etwa durch höhere Spielergehälter belastet wird als vorgesehen.

Formal muss der HSV dann noch Ausweichflächen schaffen oder finden für die insgesamt siebeneinhalb Fußballfelder, die am Ende für die Profis und den Nachwuchs zum Trainieren zur Verfügung stehen sollen.

Also: Was diese Planungen angeht, geht es beim HSV voran. Spät zwar, aber spätestens im Herbst, wenn ja nun wirklich Steine zu sehen sein werden, können wir ganz leicht überprüfen, ob der Absicht Taten gefolgt sind. Eine Bemerkung am Rande: Noch immer hat der HSV, gegen dessen alten Vorstand ja ein Ermittlungsverfahren erwirkt wurde wegen angeblichen Betrugs im Zusammenhang mit der Campus-Anleihe, offenbar keine Fragen der Staatsanwaltschaft bzw. auch keine konkreten Angaben über etwaige Vorwürfe erhalten. Scheint, dass dieses Verfahren nicht gerade mit verschärfter Eile geführt wird. Das kann dem HSV nur Recht sein, im Moment kann sich der AG-Vorstand über mangelnde Arbeit nicht beklagen.

Soweit für heute, liebe HSV-Freunde, noch zwei Tage bis zum WM-Finale!
Gruß von Lars

P.S: Aktuelle Transfergerüchte: HSV ist dran am Nürnberger Mittelfeldspieler Hiroshi Kiyotake vom 1. FC Nürnberg (Bild); HSV ist dran am belgischen Rechtsverteidiger Luis Pedro Cavanda von Lazio Rom (Zeitungen in Italien). Für beide Nachrichten habe ich keine Bestätigung bekommen, aber klar ist, dass die Anzahl der Meldungen zunimmt, seit Beiersdorfer im Amt ist.
P.P.S.: Herzlichen Glückwunsch, lieber Scholle, zum Geburtstag! Wohin sollte ich alle Matz-abber noch mal für die Feier schicken???

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