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Peter Knäbel verzichtet auf Youngsters – Alexander Otto gibt keine weiteren Millionen

3. April 2015

Mit teilweise strahlenden Gesichtern, scherzend und entspannt kamen die HSV-Profis heute von ihrem Abschlusstraining aus dem Stadion, um sich in ihrem Zelt neben der Arena zu duschen. Knapp 90 Minuten dauerte die finale Einheit vor dem Kick in Leverkusen – und erst nachdem die Profis guter Dinge vom Rasen gingen, schlichen Trainer Peter Knäbel und der Vereins-Vorsitzende Dietmar Beiersdorfer in ein Gespräch vertieft hinterher.

In der Reihe „Dieses Spiel ist das wichtigste der Rückrunde“ folgt nun etwa der fünfte Teil, wobei die Partie nach dem Trainerwechsel in Hamburg zweifelsohne ganz entscheidenden Charakter besitzt. Dass der HSV dabei mit drei Punkten aus dem Westen zurückkehrt, ist gar nicht einmal notwendig, um noch einmal Schwung zu bekommen im Abstiegskampf. Klar, nur Punkte zählen, aber an den anstehenden Aufgaben morgen und dann anschließend gegen Wolfsburg und in Bremen könnte sich auch manch anderer Bundesligist überheben.

Es kommt auch darauf an, dass das Team Vertrauen fasst in die Marschroute und die Spielweise, die Peter Knäbel vorgibt. Und zwar möglichst flott, denn ansonsten werden die TV-Kameras in den nächsten Wochen wieder damit beginnen, das Ticken der ewigen Bundesligauhr im Stadion bis zum Erbrechen zu drehen und zu thematisieren – so kurz vor dem möglichen Ende.


 

Vertrauen gewinnen – das würde sich vor allem zeigen in einem gelungeneren Offensivspiel. Unter Joe Zinnbauer gab es zwar Auswärtsspiele, in denen die Mannschaft vorbildlich verteidigte. So viele Spieler wie möglich hinter den Ball, wenn der Gegner angreift. Das ging gut, zumindest bis zum Bayern-Spiel. Was nun fehlt ist, dass sich die Herren Profis nicht wieder ins Hemd machen, wenn ein Mitspieler ihnen die Kugel zuschiebt. Dass Passwege gegangen werden und damit Angebote ausgegeben werden zum Zuspiel – dass endlich wieder Verantwortung übernommen wird auf dem Platz. Und zwar nicht nur, wenn’s einigermaßen läuft und es noch 0:0 steht, sondern auch wenn man etwas schiefgeht. Von wegen zu instabil – das hatte Knäbel vor einer guten Woche noch nach dem 0:0 im Test in Osnabrück noch bemängelt. Stabilität und Sich-wehren-wollen – das bitteschön wollen alle HSVer sehen. Und das ist notwendig, um im Abstiegskampf zu bestehen.

Rene Adler steht also im Tor. Knäbel hält den ehemaligen deutschen Nationaltorwart also für stabil genug, den Abstiegskampf zu meistern. Das größere Potential besitzt er im Vergleich mit Drobny, jetzt muss er Nerven zeigen und ein Rückhalt sein – so wie Drobny vergangenes Jahr. Zuletzt hatte der Tscheche nicht unbedingt begeistert, wenngleich ihm seine Rote Karte aus dem Hoffenheim-Spiel aus meiner Sicht nicht anzulasten ist. Nichtsdestotrotz: Adler ist wieder da – ausgerechnet in Leverkusen bei seinem Ex-Klub.

Auffällig auch, dass Peter Knäbel keinen der jungen mehr dabei hat, auf die Joe Zinnbauer gesetzt hatte. Gouaida – leicht angeschlagen. Götz und Marcos – gehen zur U 23. Von Julian Green ist auf der Internetseite des HSV schon gar nicht mehr die Rede. Weder im Profi-Kader noch bei der U 23. Übrigens ist auch Maximilian Beister nicht mit dabei, obwohl Knäbel insgesamt sogar 19 Spieler nominiert hat und dementsprechend einen von ihnen kurzfristig streichen muss.

Ob Beister darüber akut überrascht ist – dazu gab es keinen Kommentar. Dafür veröffentlichte HSV-Total heute ein Interview mit Beister, in dem sicher nicht von einer Streichung aus dem Kader ausgegangen worden war: „Ich bin jetzt seit dreieinhalb Monaten dabei und fühle mich soweit ganz gut. Wenn ich von Anfang an spiele, möchte ich das Vertrauen zurückgeben mit guter Leistung. Wenn der Trainer mich aufstellt, bin ich bereit.“ Das sagte Beister, der nach seinem Kreuzbandriss noch nicht wieder zu einer festen Größe geworden ist, vor der Kader-Bekanntgabe. Weder bei Zinnbauer, und auch nicht jetzt bei Knäbel, kommt der Lüneburger Jung wie erhofft zum Zuge. Ich finde das überraschend, denn der Trainer des HSV hat zwar eine prominent besetzte Ersatzbank in Leverkusen, aber keine echte Alternative als Flügelstürmer – wenn die Aufstellung so kommt, wie es das Training gestern und vorgestern erahnen ließ.

So könnte der HSV in Leverkusen spielen: Adler – Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek – Behrami, Jiracek – Müller, Stieber, Ilicevic – Olic
Außerdem im Kader: Drobny, Diaz, Lasogga, Rudnevs, Holtby, van der Vaart, Kacar, Rajkovic

Zu einem anderen Thema – es betrifft noch einmal das Interview des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Karl Gernandt. Eine Passage daraus hat nun eine Reaktion von Alexander Otto hervorgerufen, der ja mit zehn Millionen Euro den Bau des Campus-Projektes unterstützt, und die der Klarstellung bedarf. Im Zusammenhang mit der finanziellen Situation des HSV hatte Karl Gernandt einen Satz gesagt, der missverständlich rüberkam. Es ging um den Einstieg der Geldgeber Otto, Klaus-Michael Kühne und eines dritten „Aktionärs“, wie Gernandt sagte (hierbei soll es sich um einen Kredit in Höhe von acht Millionen Euro handeln).

Gernandt hatte wörtlich gesagt: „Es ist in unserer Situation umso anerkennenswerter, dass Klaus-Michael Kühne, Alexander Otto und ein dritter Mann, der nicht genannt werden will, die Schatulle aufmachen und sagen: ich bin bereit, ordentliche Beträge auf den Tisch zu legen, ohne eine Gegenleistung zu fordern.“

Diese Aussage ist in dem Gesprächzusammenhang teilweise so verstanden worden, als ob die Herren zusätzlich zu ihrem bekannten Engagement weiteres Geld geben, um im Sommer anstehende Transfers zu ermöglichen. Zuletzt war ja im Zusammenhang mit einer möglichen Tuchel-Verpflichtung von 25 Millionen Euro Investitionen in die Mannschaft die Rede gewesen.

„Dass Alexander Otto sich in dieser Weise engagiert, kann ich dementieren“, sagte mir nun Rando Aust, der Sprecher von Otto. „Das würde auch nicht zum Engagement von Herrn Otto in der Sportförderung passen.“ Heißt also: Kein Geld für Tuchel oder die Mannschaft von dem Hamburger Unternehmer. Wer das Interview von Karl Gernandt komplett hört, der ahnt, dass dies vom Aufsichtsrats-Boss auch nicht gemeint gewesen sein mag – sondern es sich nur um eine Beschreibung der bisherigen Investitionen der drei potenten Herren gehandelt hat. Dennoch: Die Formulierung, insbesondere weil es in dem Interview bis dahin um Thomas Tuchel ging, lässt auch eine andere Deutung zu, die nun also von Otto-Seite zurechtgerückt wurde.

Diese Information ist wichtig, denke ich, denn wenn im Paket Tuchel zusätzlich zu dem von den „Bild“-Kollegen gespielten 12,8 Millionen Euro Gehalt für den potentiellen neuen Coach für die nächsten vier Jahre noch eine Anschubfinanzierung fürs Team in der Größenordnung 25 Millionen Euro genannt wird, dann bleibt die Frage offen: Woher soll das Geld kommen? Zumal Karl Gernandt im selben Interview zugibt, dass die Suche nach weiteren Investoren einen Rückschlag erlebt hat durch die aktuelle „Krise“, wie er es nannte: „Der eine oder andere mögliche Investor zieht sich im Moment zurück und sagt: Ich möchte eigentlich nicht einen Zweitligaklub unterstützen.“

Wichtig ist die Klarstellung sicher auch für die Verhandlungssituation des HSV. Sollte irgendein anderer Verein, an den Dietmar Beiersdorfer mit der Frage nach einem Spielertransfer herantritt, denken, dass Hamburg geschröpft und ausgereizt werden könne, weil im Hintergrund die Millionen nur so fließen, dann irrt er eben.

Letzter Auszug zum Thema Geld, selbst wenn das alles seit Tagen unter ndr.de nachzuschauen ist – aber es passt hier in den Zusammenhang. Gernandt zum Trikotsponsor „Emirates“: „Ich bin ziemlich sicher, dass wir mit unserem Trikotsponsor in Kürze soweit sein werden [den Vertrag zu verlängern – Matz ab]. Auch mit anderen Partnern – die Verträge sich verhandelt. Das passt alles.“

Morgen spielt der HSV in Leverkusen. Anschließend möchten Dieter und Scholle in „Matz ab live“ am liebsten über eine faustdicke Überraschung reden. Der frühere HSV-Volleyballtrainer Olaf Kortmann, heute als Mentalcoach aktiv, wird einer der Gäste sein.

Lars
18.00 Uhr

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