Archiv für das Tag 'Olic'

Wie gern würd’ ich einfach mal abschalten…

21. April 2014

Trainingsfrei. Dier Mannschaft soll durchatmen. Und wir sollten das auch einmal versuchen. Ich für meinen teil kann das arbeitsbedingt nur teilweise, aber ich kann von mir behaupten, die Leidenschaft für den HSV noch nicht verloren zu haben. Das gilt für den Verein wohlgemerkt – weniger für die Mannschaft. Denn auch zwei tage nach dem Spiel gegen Wolfsburg kann ich mich nicht damit anfreunden, was diese Mannschaft auf dem Platz angeboten hat. Wäre es das erste Mal – okay. Aber nach einem katastrophalen Spiel wie dem in Hannover muss man von dieser Mannschaft gegen Wolfsburg einen komplett anderen Auftritt erwarten dürfen. Dass selbst der dann gegen starke Niedersachsen verloren gehen kann – klar. Aber in der jetzigen Situation ein Spiel so abzuschenken und nachher noch von guten 25 Minuten in der zweiten Halbzeit zu sprechen kriege ich nicht untergebracht. Mir wird immer bewusster, was ich vorher zu verdrängen versuchte: Diese Mannschaft hat weder die Qualität noch den Charakter, die Bundesliga von sich aus zu halten. In dieser Mannschaft sind diejenigen, die sich verantwortlich fühlen und für Wiedergutmachung stehen in der absoluten Minderheit. Und das k…. mich an.

Dass diese Art von außen vorgelebt wurde und wird macht das alles nicht leichter. Mein Doppelpass-Auftritt war letztlich wie ein Spießrutenlauf. Immer wieder musste ich den anderen Experten erläutern, was alles falsch läuft. Und diese Fragen endeten auch nach drei Stunden noch nicht – wie auch? Es gibt einfach zu viele berechtigte Ansätze bei einer kompletten Fehleranalyse.

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Schlimmer noch. Selbst ein tatsächlich extrem höflicher Mensch wie Stefan Reuter sorgte für einen Steilpass zur Verarsche des HSV. Worauf sich Augsburg besonders einstellen müsse im anstehenden Spiel gegen den HSV wollte der FCA-Sportchef wissen. „Auf nichts“, so die Antwort von Mario Basler, der sich die Partie des HSV gegen Wolfsburg komplett angesehen hatte. „Ich hatte sicher auch mal Auftritte, die lustlos wirkten“, gab das enfant terrible früherer Tage zu, „aber da haben mich zehn andere aufgefangen. Beim HSV ist es andersrum: Da versuchen ein, zwei Leute, die Bocklosigkeit der anderen aufzufangen. Das kann nicht gutgehen“, so die Analyse des einstigen Europameisters.

Und auch wenn es hier kaum jemanden überrascht: Das fiel sogar einem auf, der sich ansonsten herzlich wenig Gedanken macht. Auch nicht über den HSV. Und das erschreckte mich zusätzlich.

Vor zwei Jahren war es Hertha BSC. Die Berliner schienen zehn Spieltag vor Saisonende gerettet und punkteten anschließend fast gar nicht mehr. Ebenso wie der HSV, der sich mit Flattersiegen gegen Kaiserslautern und Hannover letztlich doch den Klassenerhalt sicherte. Damals ergab die Fehleranalyse, man müsse einen Neustart wagen, auf junge Talente setzen, sich von arrivierten, teuren Spielern trennen. Dass nur wenige Monate und einen Saisonfehlstart später Rafael van der Vaart für 15 Millionen Euro verpflichtet wurde – es ist nur eines von gefühlt Millionen Indizien für die Unwissenheit der Entscheidungsträger. Und dieses Unwissen ist tatsächlich die einzige Konstante der letzten Jahre.

Wenn ich dann höre, dass ein Alexander Esswein im Winter für Null zum FC Augsburg wechselt, zu jenem Verein, der mit gerade einmal 18 Millionen Euro (HSV: mehr als 40 Mio) um den Einzug in die Europa League spielt, dann frage ich mich: Wo war unser Sportchef? Reuter sagte mir, dass er im Feilschen um Esswein keine Konkurrenz aus Hamburg hatte – dabei brauchten wir im Winter dringend einen Stürmer. Wenn dieser zudem jung und im Gehalt günstig ist, warum wurde da nicht zumindest angefragt? Gleiches gilt für Ivica Olic. Ich hatte Oliver Kreuzer vor unserem Interview in der vergangenen Woche gefragt, ob Ivica in Hamburg ein Thema war. Er sagte mir, dass dem nicht so war. Weil Olic im Gehalt zu teuer ist. Und das stimmt. Dem Vernehmen nach soll Olic sechs Millionen Euro beim VfL verdienen. Dass der Kroate seit seinem Wechsel zum FC Bayern nicht müde wird, seine Liebe zum HSV zu betonen, hat hier niemanden aufmerksam werden lassen.

„Ich wusste oft, dass wir keine Chance haben. Und trotzdem bin ich die großen Spieler angegangen. Denn nur wenn Du in oberen Etagen anfängst zu suchen, hast du die Chance, einen überraschenden Transfer zu schaffen“, hatte mir Dietmar Beiersdorfer einst im Interview gesagt, nachdem er den damaligen Weltklassespieler Rafael van der Vaart nach Hamburg gelotst hatte. Ein Vorgehen, dass in Hamburg der Vergangenheit angehört. Ebenso wie überraschend gute Transfers. Ivica Olic jedenfalls, der entscheidende Angreifer des VfL beim 3:1 in Hamburg, wurde nicht angesprochen. „Ich habe kein Mitleid“, so die herzlose Antwort des Linksfußes direkt nach dem Sieg in Hamburg. Der Hintergrund dürfte jedem hier jetzt bewusst werden. Ebenso wie der für die Verpflichtung der zwei uneigennützigen van-Marwijk-(Fehl-)Empfehlungen Bouy und John…

Es ist so bitter! Dieser HSV gibt sich in fast allen Bereichen der Lächerlichkeit preis. Wie gern würde ich einfach alles abschalten und diesen HSV so verfolgen, wie es diese Konstellation verdient hat. Einfach nichts an mich heranlassen und mir nicht lange, ansonsten schöne Ostertage von einer unfassbar leblosen Niederlage versauen lassen. Wie einfach wäre es für mich, Niederlagen wie die der Braunschweiger zu verarbeiten. Die geben immer alles – und können einfach nur zu wenig, weil ihre Mittel arg beschränkt waren und sind. Der HSV indes hat einen Gehaltsetat von noch immer über 40 Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie die Niedersachsen.

Aber ich kann nicht anders, weil ich nicht will, dass dieser HSV absteigt. Obwohl dieser Verein, der Bundesliga-Dino, seit Jahren nur noch verwaltet wird. Entwickelt wird hier seit Jahren nichts mehr, stattdessen werden alle Neubauten eingerissen und teure Abfindungen bezahlt. Nur ein Rechenbeispiel: Olic’s Gehalt muss der HSV inzwischen an Abfindungen bezahlen. Für Trainer, die hier gescheitert sind und dafür viel Geld bekommen haben. Und ich behaupte, dass der HSV mit einem ablösefreien Esswein (Jahresgehalt 750000 Euro) statt Zoua (kostete 650000 und verdient 800000 im Jahr) sowie einem Olic in der Offensive neben Lasogga nicht um den Abstieg spielen würde.

Aber viel schlimmer als dieser theoretische Ansatz wiegt für mich die Tatsache, dass hier in Hamburg Campus-Gelder in Abfindungen, in die Bilanz und in Beleuchtungsanlagen für den Rasen gesteckt werden anstatt in Spieler. Weil der HSV keinen Plan hat. „Unser Erfolg rührt nicht aus den letzten Jahren“, hat mir Reuter gesagt, als ihn alle gerade für die aktuellen Erfolge feiern wollten. „Unser Erfolg fing im Jahr 2000 an, als unser Präsident Walther Seinsch den Plan fasste, in die Bundesliga aufzusteigen. Seitdem wird in Augsburg ein Konzept gelebt, an das ich mich halte. Zum einen, weil ich überzeugt davon bin, zum anderen, weil es Seinsch’s Bedingung war, als ich anfing.“

Merkt Ihr das? Selbst ein Bundesliga-Novize wie Augsburg ist dem HSV strukturell um Ewigkeiten voraus. Und diese Erkenntnis tut weh. In Augsburg ist es der 72-Jährige Seinsch, der ununterbrochen an der Klubspitze agiert. Der FCA hat einen starken Mann – der HSV nicht. Unser Klub ist in der Gänze nicht unwesentlich kleiner“, versucht Reuter den HSV noch zu verteidigen, „da lassen sich Entscheidungen schneller abstecken. Wenn wir einen Spieler halten, verkaufen oder verpflichten wollen, sitzen der Trainer, Seinsch und ich zusammen und entscheiden. Alle haben ein Vetorecht und wir versuchen uns zu überzeugen. Aber klar ist, dass wir nur dann etwas machen, wenn wir alle zusammen überzeugt sind.“ Ein Beispiel, das hier in Hamburg fast undenkbar ist. Dafür wechseln allein die Trainer schon viel zu oft…

Das wiederum liegt an der Führungslosigkeit dieses Vereines, weshalb ich seit Wochen versuche herauszufinden, wer bei HSVPlus letztlich diese unumstritten Persönlichkeit werden soll. Bernd Hoffmann wird hier im Blog immer wieder genannt, scheint aber bei den Strukturreformern keine Mehrheit zu bekommen. Zumal Dietmar Beiersdorfer für die sportlichen Geschicke weiterhin einer der Topkandidaten ist. Und dass es eine Reunion von Hoffmann und Beiersdorfer geben wird ist ausgeschlossen.

Als die HSVPlusser dem aktuellen Vorstandsvorsitzenden ein Organigramm vorlegten und ihn fragten, wo er sich in Zukunft sehen würde, deutete Carl Jarchow dem Vernehmen nach ohne zu zögern auf den Posten des Vorstandsbosses der neuen AG und musste feststellen, dass die Initiatoren ihn da nicht sehen. Joachim Hilke, der sich bereits seit einigen Monaten intensiv mit den Initiatoren von HSVPlus austauscht, galt lange Zeit als einer der Kandidaten für den Vorstandsvorsitz. Auch, weil der bislang noch einzige potenzielle strategische Partner, Klaus-Michael Kühne, in Hilke seinen einzigen Gesprächspartner im aktuellen Vorstand hat. Inzwischen gilt diese Lösung maximal noch als Übergangslösung.

Wie bereits geschrieben, ist Oliver Bierhoff der Wunschkandidat von HSVPlus. Auch, weil Holger Hieronymus abgesagt hat. Allerdings ist die Lösung mit dem bis 2016 beim DFB angestellten Nationalmannschafts-Manager fast so unwahrscheinlich wie die Doppelspitze Beiersdorfer/Hoffmann.

Immer unwahrscheinlicher wird zudem, dass die komplette Veranstaltung am 25. Mai über die Bühne gehen kann. Neben drei Aufsichtsratskandidaten sind auch rund 50 (!!) Änderungsanträge eingegangen. Zudem steht die wichtigste Wahl der Vereinsgeschichte an. Eine Menge Holz für einen Tag. Und für den einen oder anderen HSVPlus-Gegner sicherlich nicht die schlimmsten Aussichten… Wobei: Hinzu kommt noch die Aussprache, die wahrscheinlich endlos geführt werden könnte, angesichts der Fehler der letzten Monate und Jahre. Naja, auf jeden Fall werde ich mir für den 25. Mai nichts anderes vornehmen…

In diesem Sinne, morgen geht’s wieder auf den Platz. Hoffentlich auch für Marcell Jansen, Rafael van der Vaart, und Milan Badelj.

Scholle

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