Archiv für das Tag 'Olic'

Son und Rudnevs beginnen beim “Auftakt der Finalspiele”

2. Mai 2013

Und plötzlich war sie wieder da, die Personalnot. Dachte ich. Denn nachdem Milan Badelj heute gar nicht erst auf dem Platz mittrainieren konnte, musste sein Vertreter Dennis Aogo das Training früher abbrechen. Zudem fehlte Marcell Jansen, den muskuläre Probleme im Rückenbereich heute kürzertreten ließen. Personalnot vor dem Spiel gegen Wolfsburg?

Mitnichten. Glücklicherweise.

Denn alle drei Spieler wurden vorsorglich geschont. „Wir haben alle Mann dabei“, freut sich Trainer Thorsten Fink, dem lediglich der Langzeitverletzte Marcus Berg nicht zur Verfügung stehen wird. Ansonsten aber sind alle dabei. Auch Maximilian Beister wieder, der bis Mittwoch noch Antibiotika schlucken musste. „Man darf bei Maxi nicht vergessen, dass er jetzt fünf, sechs oder sieben Wochen raus war. Aber auf jeden Fall sehr lang. Da ist es schwer, gleich wieder das nötige Tempo zu haben.“ Allerdings spräche nicht viel gegen einen Teileinsatz des zuletzt Rotgesperrten. „Damit hätte ich keine Probleme“, so Finks Worte, die auch für Ivo Ilicevic zählen. Denn selbst der Kroate, bei dem sich Fink vor ziemlich genau einer Woche noch sehr skeptisch bezüglich einer Kadernominierung geschweige denn eines Kurzeinsatzes zeigte, ist plötzlich näher dran, als erwartet. „Ivo ist ein Typ Spieler, den wir so nicht haben“, zählt Fink die Vorzüge des Offensivmannes auf. „Gut möglich, dass er für 20 Minuten am Schluss kommt.“

Es sind noch drei Endspiele. So ist die einhellige Meinung von Verantwortlichen, Trainerteam und Spielern. Drei Endspiele, in denen es nur noch um ein großes, inzwischen auch vom Trainer laut formuliertes Ziel geht: die Europa League. Ein Ziel, das der Mannschaft bis vor kurzem „zu viel Druck“ auferlegen würde, wie Fink sagte. Ob der Druck jetzt anders oder gar geringer ist? „Der Druck ist gar nicht so das Problem, das ist eh nur Gerede“, sagt Marcell Jansen, der sich mit guten Leistungen auch für die USA-Reise der Nationalelf nach Saisonende (19 Mann fehlen wegen CL-Endspiel etc.) empfehlen will, „es ist eine Kopfsache. Es werden im Moment bei uns auf dem Platz einfach zu viele falsche Entscheidungen getroffen. Uns fehlt es an Cleverness. Das ist weniger der Druck – das ist eher fehlende Konzentration.“

Ein Problem, das der HSV nicht exklusiv hat. „Keiner will so recht“, nennt Marcell Jansen den Kampf um die Europa-League-Plätze, „das ist eine Qualitätsfrage. Bei uns – und bei den anderen. Klar ist aber auch, dass wir etliche große Gelegenheiten liegengelassen haben, zuletzt sogar Platz vier auf Schalke. Das darf uns jetzt nicht mehr passieren.“ Schon deshalb geht Jansen noch einen Schritt weiter und macht aus dem „Finalspiel“ ein Charakterspiel. „Wir müssen jetzt sehen, was wir falsch gemacht haben und alles deutlich besser machen. Immerhin haben wir auch auf Schalke nicht durch einen überstarken Gegner sondern durch eigene Fehler das Spiel verloren. Durch Unkonzentriertheiten.“

Ebenso wie durch fehlenden Glauben und Leidenschaft für das Ziel. Nicht selten wirkt das HSV-Spiel sehr agil, die Spieler topfit und das Laufpensum höher als beim Gegner. Allein eine Schlüsselszene – von einem Gegentor bis hin zu einer banalen Gelben Karte – recht oft aus, um das komplette HSV-Spiel aus den Angeln zu heben. Plötzlich geht kaum noch was, es werden Fehler gemacht und der Gegner gewinnt Oberhand. Manchmal führt das zu kleinen Katastrophen wie auf Schalke – andere Male zu bitterbösen Niederlagen wie das 2:9 in München oder die unnötigen Punktverluste gegen Fürth, Freiburg und Augsburg. „Wir können fast jeden schlagen“, sagt Jansen, „aber das komische an dieser Saison ist – wir können auch gegen fast jeden verlieren.“

Das Problem: Es darf jetzt nicht mehr verloren werden, der HSV braucht aus den letzten drei Spielen drei Siege, um so gut wie sicher international dabei zu sein. Auch gegen den VfL Wolfsburg am Sonntag, der laut Fink vielleicht das Team der Stunde in der Bundesliga ist. Seit sieben Spielen ist das Team von Trainer Dieter Hecking, den ich persönlich für einen sehr guten Trainer halte, ungeschlagen. Wesentlichen Anteil daran hat auch einer, den ich am liebsten nie aus Hamburg hätte ziehen lassen: Ivica Olic. Der Kroate ist trotz seiner offenkundig ramponierten Kniegelenke (Knorpelschäden auf beiden Seiten) ein Vorbild an Einsatz. Mit weniger Talent als die meisten Kicker ausgestattet, weiß Ivi mit unfassbarer Laufbereitschaft und Einsatz zu überzeugen. Er hat nicht die besseren Szenen, weil er sie besser ausspielt, sondern weil er einfach nie aufgibt und so pro Spiel immer mehr Szenen als alle anderen hat. Und bei der hohen Anzahl von Szenen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass dabei Tore rumkommen. So wie in den letzten acht Spielen, in denen der Linksfuß sieben mal traf und sogar den zuvor hoch gefeierten Angreifer Bart Dost zum Bankdrücker degradierte. Sein Saisonziel hat er dennoch verpasst. „Anfang der Saison habe ich gesagt, dass ich 15 Tore machen möchte, aber jetzt ist es etwas zu spät. Es läuft gut. Ich versuche, in den restlichen drei Spielen Gas zu geben. Für mich ist wichtig, dass die Mannschaft gewinnt, aber wenn ich meine Chancen bekomme, versuche ich noch ein paar Tore zu machen.“

Letztes Jahr hat der sympathische Angreifer mit dem FC Bayern in beiden Spielen gegen den HSV getroffen. Sollte er diesmal wieder treffen, will er still feiern. Aus Respekt „seinem HSV“ gegenüber. „Groß jubeln werde ich aus Respekt vor den Fans nicht. Aber jetzt bin ich in Wolfsburg und wir brauchen auch Punkte. Dem HSV drücke ich dann in den nächsten zwei Spielen die Daumen.“

Olic selbst denkt noch gern an seine zweieinhalb Jahre beim HSV zurück, die ihn und seine Familie entscheidend geprägt haben. „Es ist immer schön, hier wieder her zu kommen. Ich hatte eine super Zeit in Hamburg. Eppendorf war mein Pflaster, auch als ich später in Flottbek gewohnt habe, zog es mich immer in diesen Stadtteil zurück. Zudem ist die Atmosphäre im Stadion toll, die Fans sind einmalig. So wie in Hamburg wurde ich noch nie geliebt“, gesteht der 33-Jährige, dessen jüngster Sohn Luka immer noch im HSV-Trikot rumläuft. „Er hat das HSV-Blut in sich, das wird sich wohl auch nicht mehr ändern.“ Ob er sich ärgert, dieses Jahr nicht mehr beim FC Bayern zu spielen, der so gut wie alles gewinnen kann, was es für eine Vereinsmannschaft zu gewinnen gibt? Nein, Olic setzt andere Prioritäten: „Ich bin kein Typ, der sich längere Zeit ruhig auf die Ersatzbank setzen kann. Ich muss zu den ersten zwölf, 13 Spielern des Teams gehören und das war in München leider nicht mehr der Fall.“

Das Duell bei seinem Ex-Klub ist für Olic tatsächlich noch etwas Besonderes. Er verfolge den Werdegang des HSV noch sehr intensiv und fühle sich dem Klub sehr verbunden, sagt Olic. Worte, die von den meisten Spielern über ihren Exklub kommen können und oft nicht mehr als hohle Phrasen sind. Aber in diesem Fall sind es Worte, die ich glaube. Weil sie von Olic kommen. So auch über den HSV. „Der HSV spielte zuletzt mal gut, mal etwas schlechter. Ich denke, es wird ein gutes Spiel von beiden Mannschaften. Wir brauchen beide die Punkte, aber es wird nicht einfach dort.“

Hoffentlich. Zumal der HSV am Sonntag mit Heung Min Son und Artjoms Rudnevs vermehrt auf die eigene Offensive setzen will. Beide werden von Beginn an auflaufen, kündigte Fink heute an. Allein, ob er mit zwei Spitzen oder mit dem Südkoreaner Son auf der rechten Außenbahn spielen will, ließ Fink offen.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird wieder um zehn Uhr trainiert und es sollen alle Feldspieler bis auf Marcus Berg dabei sein können. Dieter wird ebenfalls dort sein und Euch an gewohnter Stelle berichten.

Scholle

P.S.: Ein Video von der PK – Danke dafür ganz herzlich an Benjamin Protz, der mit meinem Handy gefilmt hat, während ich mitgeschrieben habe – ist wieder auf unserer neuen Facebook-Seite (www.facebook.com/groups/matzab) zu sehen. Viel Spaß dabei!

Jiracek – weniger Worte, mehr Taten

17. April 2013

Die gute Nachricht vorweg: Alle Vereine der ersten und zweiten Bundesliga haben die Lizenz erhalten. Also auch der HSV. Und das sogar ohne Auflagen. Ein gutes Zeichen für die kommende Saison? Zumindest kein schlechtes. Denn der HSV kann ohne Rücksicht auf Vorgaben des DFB die Kaderplanung vorantreiben. „Dafür müssen wir aber noch immer erst verkaufen“, sagt Sportchef Frank Arnesen, während Fink schon höhere Ziele hat. „Ich will hier nicht die verkauft haben, die uns weiterbringen. Würde ich das wollen, wäre ich hier fehl am Platz.“ Vielmehr soll in der kommenden Saison das vorhanden sein, was dieses Jahr noch fehlt: eine Mannschaft, die mit dem Druck, etwas erreichen zu können, umgehen kann. Und dafür bedarf es Neuer. Auch wenn Fink eine Antwort darauf lediglich mit einem vielsagenden Grinsen beantwortet.

Einer von den Neuen könnte Petr Jiracek sein – der zumindest ein gefühlter Neuzugang ist. Der Tscheche ist nicht mehr zu stoppen – hoffe ich. Von Fink zunächst als etwas zu wild eingestuft, wusste der Linksfuß seine zweifellos vorhandene Kampfkraft in Mainz eindrucksvoll unter Beweis zu stellen. „Er zieht seine Nebenleute mit“, lobte Fink am Dienstag und gestand ein, dass Jiracek seine Sache sogar besser gemacht habe, als er selbst dachte. Dabei muss ich sagen, dass ich zwar nicht überrascht war, wie hilfreich sich Jiraceks Einsatz auf die Grundeinstellung der Mannschaft auswirkt. Allerdings fand ich den sympathischen Ex-Wolfsburger auch noch nicht so stark wie ich ihn von der EM in Erinnerung habe. Da wirbelte er mit einem unmenschlichen Laufpensum und einer durchaus sehr robusten, stabilen Zweikampfführung die Gegner durcheinander. Dass er heute davon noch ein wenig entfernt ist, völlig normal. Aber er kann es – und das zeigt er im Training.

Zumal nach knapp sechs Monaten ohne Startelf. „Das war auch für mich eine schwierige Zeit“, gesteht der tschechische Nationalspieler, der sich in den letzten drei Monaten wieder ans Team heran zu kämpfen versuchte. Ohne durchschlagenden Erfolg. Gezweifelt an sich oder seiner Entscheidung, nach Hamburg zu wechseln, habe er aber nie. Im Gegenteil. „Ich fühle mich in Hamburg sehr wohl“, sagt Jiracek, der jetzt mehr will. Mit einem breiten Grinsen reagiert der Tscheche auf die Mitteilung von Jörn Wolf, dass der Trainer bereits gesagt habe, dass er mit ihm sehr zufrieden war. „Wenn der Trainer zufrieden ist, bin ich das auch.“

Das nenne ich Gehorsam. Vorbildlich in seiner Arbeitsauffassung, mannschaftsdienlich und selbstlos – und dazu noch bescheiden. Nicht ein lautes Meckern war in den letzten Monaten von Jiracek zu hören, obgleich er selbst sagt: „Seit drei Monaten bin ich schon bei 100 Prozent.“ Einzig sein Deutsch ist das seiner Meinung nach noch nicht – weshalb er sich heute so schnell wie möglich aus dem Interview ziehen wollte.

Es gelang ihm auch. Allerdings nicht, ohne noch einmal genau zu erklären, wo er am liebsten spielt. Das sei natürlich in erster Linie auf dem Platz. Aber wenn er es sich aussuchen könnte, würde er sich eher im defensiven Mittelfeld einordnen. „Ich habe meine ganze Karriere bisher eher defensiv gespielt. Aber ich kann auch woanders spielen. Daher ist es mir wirklich egal.“ Mir auch, zumal ich glaube, dass Jiracek über die Spiele kommend noch sehr viel mehr zeigen wird als zuletzt in Mainz. Heute im Training glänzte der Linksfuß zunächst als Passgeber – und später auch als Goalgetter. Das vor allem, weil er nie aufgibt. Er hat das Olic-Gen. Der Kroate war beim HSV sicher nicht der beste Fußballer (auf jeden Fall technisch lange nicht so versiert wie Jiracek), allerdings wusste der heutige Wolfsburger über ein Mehr an Aktionen immer wieder zu gefallen. Olic lief jedem auch noch so aussichtslosen Ball nach und hatte einfach mehr Aktionen. Viele davon verpufften. Aber einige wenige waren dann auch überragend. Und ich glaube, Jiracek kann genau das – zuzüglich seiner fußballerischen Vorzüge – auch. Ich freue mich jedenfalls sehr darauf den Jiracek zu sehen, den ich von der EM in Erinnerung habe.

Ansonsten war es heute ruhig. Einzig die Richtigstellung der Grill-Geschichte. Die ist lange nicht geheim, sondern öffentlich. Es ist allerdings auch weniger ein Grillfest für jeden, der ne Wurst will, denn vielmehr das Zusammenkommen von Mannschaft und Fans zwecks kritischen Austausches. Einlass am Sonntag ist ab 12 Uhr auf der Westplaza der Imtech Arena. Die Mannschaft stößt nach dem Vormittagstraining dazu, hat aber ihr Vorhaben umschrieben und auf www.hsv.de („…wir möchten uns stellen und mit euch reden. Das 2:9 von München lässt sich natürlich nicht wegdiskutieren, klar. Aber das entbindet uns ja nicht davon, den Schulterschluss mit euch zu suchen und trotz dieses besch… Tages in München weiterhin um eure Unterstützung zu werben“) veröffentlicht. Im Grunde genommen machen Mannschaft und Anhänger das, was wir am Freitag im „1887“ in Norderstedt vorhaben. Sich zusammensetzen, austauschen, kritisieren, loben und mit Ideen füttern, wie das Miteinander weiterhin funktionieren kann und sich darüberhinaus noch verbessern lässt. Und während ich mir bei uns sicher bin, dass das reibungslos klappen wird, habe ich beim HSV kaum mehr Bedenken. Immerhin zeigen Spiele wie das gestrigen Bayern-Spiel, welche Übermacht der Hoeneß-Klub aktuell darstellt. Es beruhigt nicht, es erklärt sicher auch keine neun Gegentore – aber es relativiert zumindest ein wenig. Und zum anderen haben die Kicker selbst das beste Mittel gegen Ärger und Frust in den Beinen. Und mit einem Sieg gegen Düsseldorf würden derartig viele Hoffnungen geweckt und genährt, dass die Stimmungslage sicher nicht darauf angelegt wird, drei Wochen zurückzublicken.

Ansonsten, also für den fast ausgeschlossenen Fall eines zwei- oder dreifachen Punktverlustes – könnte es allerdings tatsächlich auch ungemütlich werden. Immerhin wäre es das vierte Heimspiel ohne Sieg bei Gegnern, gegen die man im eigenen Stadion durchaus jeweils drei Punkte einplant. Aber okay, das hatten wir gestern schon. Und vor allem: Diesmal wird zuhause gewonnen. Warum? „Weil wir in Mainz gesehen haben, was wir können“, so Fink, „und genau das werden wir gegen Düsseldorf noch einmal abrufen.“

In diesem Sinne, bis morgen. Vielleicht habe ich dann mehr Glück als zuletzt und kann Euch mit den Einschätzungen des Hamburgers im Düsseldorfer Cheftrainersessel beglücken, der gestern und heute leider nicht erreichbar sein wollte. Ich bleibe auf jeden Fall dran.

Bis morgen,
Scholle

Jansen hat alles richtig gemacht

24. März 2013

Das ist der Hammer! Marcell Jansen, vom HSV in den „Urlaub“ geschickt, weilt nun bei der deutschen Nationalmannschaft. Es gibt offenbar nichts, was es nicht gibt. Mit allem hätte ich gerechnet, aber nicht damit. Nun gut, ich werde meine Worte vom Freitag (im Hamburger Abendblatt) nicht selbst fressen: ich freue ich. Für Jansen und den HSV. Und eines muss ja auch festgehalten werden: Jansens Strategie hat sich voll bezahlt gemacht. Aber wie voll. Er wollte bim HSV hinten links spielen, wollte auch nicht mehr nach vorne (links), als Dennis Aogo wieder gesund war – weil Marcell Jansen eben auch „Mister Cleverle“ ist. Hinten links wird in Deutschland gesucht, fast so wie eine „Blaue Maurizius“. Er konnte sich ausrechnen, dass es nicht über das Mittelfeld zurück ins Nationalteam gehen würde, sondern nur über hinten links. Treffer. Was nun in Dennis Aogo, der letzte HSV-Profi, der für Deutschland hinten links spielte, nun vorgeht, würde ich zwar gerne wissen, aber er wird es mir bestimmt nicht verraten. Du wenn ja, dann nur privat. Das ist eine Geschichte wie Vettel und Webber . . .

Und: Das ist nun kein Flachs, was ich schreibe. Marcell Jansen, beim HSV ja auch eine zeitlang immer wieder mal verletzt, ist beim DFB nach wie vor hoch angesehen. Ganz hoch. In der DFB-Zentrale in Frankfurt haben sie immer, auch wenn es keiner so richtig bemerkt haben sollte, ein Auge (oder sogar mehrere) auf den HSV-Profi geworfen. Wann immer ich mit einem Angestellten des DFB telefonierte oder unter vier Augen sprach, alle lobten sie Marcell Jansen. Einer sagte mir stets am Ende unserer Unterhaltung: „Und behandle mir den Marcell pfleglich, er ist ein feiner Kerl . . .“ Ein anderer erkundigte sich nach einem Gespräch stets und ständig, wie es „dem Marcell zurzeit geht“, fragte auch, wie der HSV-Profi denn in Form sei? Deswegen kommt die Nominierung eigentlich doch nicht so, wie ich sie im ersten Moment empfunden habe – nämlich aus heiterem Himmel.

Kurz für die Statistiker: Marcell Jansen hat bereits 36 Einsätze für die A-Mannschaft gehabt, war WM- und EM-Teilnehmer (WM 2006 und 2010, EM 2008). Sein letztes Länderspiel bestritt er am 3. September 2010 in und gegen Belgien, Deutschland siegte damals durch ein Tor von Klose 1:0. Allerdings spielte Jansen nur bis zum Seitenwechsel, dann kam für ihn – Heiko Westermann.

Nein, um das noch einmal – ganz ehrlich und abschließend – zu sagen: ich freue mich. Ich habe mich schon am Freitag gefreut, als im ZDF die DFB-Ersatzbank gezeigt wurde, auf der Rene Adler und Heiko Westermann saßen. Toll, habe ich so beim mir gedacht, besonders toll für die Jungs, toll auch für den HSV, natürlich auch toll für den HSV-Anhang. Und das trifft nun auch auf den 27-jährigen Jansen zu. Ganz nebenbei wird ihm das noch mehr Selbstvertrauen geben, und er wird sich, so denke ich, beim HSV nun noch mehr reinhängen, damit diese (Nach-)Nominierung kein Einzelfall bleibt. So ähnlich ist es ja zuletzt auch mit Heiko Westermann gelaufen – und schwupps bist du wieder Nationalspieler. Toll!

Und so ganz nebenbei: Wenn Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag im Rückspiel gegen Kasachstan (20.45 Uhr in Nürnberg) nur die „Reservisten“ einsetzen würde, weil von den Arrivierten doch ohnehin nur wieder Dienst nach Vorschrift zu erwarten ist, dann würde es am Ende ein 8:0 für Deutschland geben. Spielen aber die „Stars“ – und sie werden natürlich spielen, wer sonst (?) – dann dürfte wohl nur ein mageres 2:1 (fast hätte ich geschrieben: ein mageres 2:1-chen) zu erwarten sein. Wg. Schonung – oder Voll-Schonung – für das Wochenende und den Bundesliga-Endspurt. Ich bin sowieso davon überzeugt, dass sogar der HSV gegen Kasachstan hoch gewinnen würde. Selbst auf Kunstrasen. Weil die Mannschaft von Thorsten Fink doch nach und aus den Flops gegen Fürth und Augsburg gelernt hat . . . Oder zumindest gelernt haben dürfte.

Apropos Fink. Der HSV-Coach zeigte sich über die Nominierung seines Schützlings Jansen erfreut: „Für Marcell freue ich mich sehr. Er hat es sich durch sehr gute Leistungen bei uns verdient. Das ist ja auch eine Form der Anerkennung.“
Ganz sicher.

Jetzt eine Ergänzung um 18.50 Uhr:
Jansen hat alles richtig gemacht – so lautet heute die Zeile; Matz hat alles falsch gemacht, denn ich hatte hier geschrieben, dass Marcell Jansen gegen Bayern mit noch mehr Selbstvertrauen auflaufen wird. Irgendwann vielleicht schon, nur nicht am nächsten Sonnabend, denn da fehlt er wegen einer Gelb-Sperre.
Ich Doofkopp. Und danke “Eiche”.

Dennoch zum Spiel in München, wo die Bayern tatsächlich schon ihre Meisterschaft feiern könnten. Der HSV ist doch zu allem fähig, negativ wie positiv. Das zeigen auch die Spiele, die die Hamburger in München, beim Rekordmeister, abgeliefert haben. Gegen Ende des letzten Jahrtausends war an der Isar nicht so viel zu holen für die Hansestädter, aber es gab auch mal ein kurzes Zwischenhoch. Das begann, als der HSV am 4. März 2006 mit 2:1 gewann, die Tore erzielten Guy Demel (!) und dann auch noch Nigel de Jong (!). Letzterer sogar Sekunden vor Schluss. In der folgenden Spielzeit gab es noch einen 2:1-Sieg des HSV in München, am 28. April 2007 trafen Rafael van der Vaart und der eingewechselte Paolo Guerrero.

An dieses Spiel habe ich ganz besondere Gedanken, ich werde es nicht so schnell vergessen. Weil ich danach dem HSV-Trainer Huub Stevens zum ersten und zum einzigen Mal die Hand gegeben habe. Aufgezwungen habe ich sie ihm regelrecht aufgezwungen, denn er gab ja keinem Hamburger Journalisten die Hand. Damals aber, nach diesem Auswärtssieg, musste es sein – dachte ich mir. Stevens sah mich zwar total „verdaddert“ an, aber er hatte keine Chance, meiner Hand zu entgehen: „Herzlichen Glückwunsch, Trainer, mit diesem Erfolg haben Sie dem HSV die Bundesliga gerettet. Ich hätte es nie geglaubt, dass das noch etwas wird, deswegen umso mehr der Glückwunsch, er kommt von Herzen.“

Es folgten nach diesem (für mich) „historischen“ Sieg noch zwei Unentschieden in München. Am 24. Februar 2008 traf Ivica Olic – und es gab ein 1:1 (wie schon im Hinspiel), und in der Saison 08/09 glichen Piotr Trochowski und Paolo Guerrero nach einem 0:2-Rückstand noch aus. Dieser Punkt wurde noch wie ein Auswärtssieg gefeiert, aber danach ging es bergab. Mit dem HSV. Am 12. März 2010 hieß es nach 90 fürchterlichen Minuten 6:0 für Bayern – es war das letztes Spiel von Armin Veh als HSV-Trainer. Im August 2011 folgte in München ein sattes 5:0 für die Bayern, es trafen, was besonders bitter war, auch Daniel van Buyten und Ivica Olic gegen „ihre“ Hamburger. Und die bislang letzte Partie zwischen dem HSV und dem Meister 2013 endete in Hamburg am 3. November 2012 mit einem eindeutigen 0:3 – nun folgt das Rückspiel.

Alles drin? Oder ist der HSV doch nur wieder Kanonenfutter? Weil die Bayern doch Meister werden könnten – der frühestes (März-)Meister der Bundesliga-Geschichte. Aber vielleicht laufen ja Rene Adler und Heiko Westermann, die aktuellen deutschen Nationalspieler, zu so großer Form auf, dass es – wie in Dortmund – eine Sensation gibt. Wer weiß?

Und sollte sich ein aktueller HSV-Spieler tatsächlich für die Vereins-Historie interessieren, dann wird er auch noch auf den 24. April 1982 stoßen. Das Spiel der Spiele zwischen Bayern München und dem HSV. 1:3 lagen die Hamburger zurück, dann trat Thomas von Heesen in der eigenen Hälfte (vor dem Strafraum) zu einem unwiderstehlichen Solo an – 2:3. Und es folgten zwei große Auftritte von Horst Hrubesch, die schließlich noch einen 4:3-Sieg für den HSV ergaben. Wahnsinn! Dieser Erfolg löste an der Elbe fast ein Erdbeben aus. Der HSV war Meister (so gut wie, er wurde dann Meister) – ja, das waren noch Zeiten. Damals hat der HSV allen bewiesen, dass man selbst nach einem fast unaufholbaren Rückstand noch bei den Bayern siegen kann – das wäre doch mal ein Versuch wert, dieses Kunststück 2013 nachzuahmen.

Kurz noch zu einem Auftritt des DFB-Präsidenten.

Wolfgang Niersbach, der deutsche Fußball-Boss, war am heutigen Sonntag zu Gast im „Volkswagen-Doppelpass“ auf „Sport 1“ und hat sich unter anderem zu den Vorwürfen von Ex-Schiedsrichter Babak Rafati, der Zukunft des Bundestrainers sowie den Fehlern der Fifa bei der WM-Vergabe geäußert. Die wichtigsten Aussagen anbei:

Wolfgang Niersbach über . . .

… die neuen Vorwürfe von Ex-Schiedsrichter Babak Rafati:

„Wir sind natürlich betroffen. Im Umfeld haben wir uns immer wieder die Frage gestellt: Hätten wir etwas merken müssen? Wir haben nichts wahrgenommen, was auf eine ernsthafte Erkrankung hätte hindeuten können. Alle Schiedsrichter, die nahe an ihm dran waren, sowie die Schiedsrichterführung besaßen wirklich keine Indizien, dass Babak Rafati während seiner aktiven Karriere diese Probleme hatte, die er heute beschreibt. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Leistung der Schiedsrichter jedes Wochenende beurteilt wird. Alle sagen übereinstimmend, dass es nicht das gegeben hat, was Rafati als Mobbing oder unerträglichen Druck beschrieben hat. […]

Wir standen im stetigen Kontakt zu seinem Anwalt und haben immer Hilfe angeboten. […] Ich hätte mir im Nachklapp gewünscht, dass er diese Vorwürfe uns gegenüber klar artikuliert, ehe er mit dieser Verspätung jetzt über eine Buchveröffentlichung kommt. […] Ich hätte mir gewünscht, dass er zu uns Kontakt aufgenommen hätte. Das ist nicht passiert. Ich sage ganz deutlich und klar: Herbert Fandel an der Spitze und mit ihm Helmut Krug und Michael Fröhlich erledigen ihre Aufgabe immer höchst verantwortungsvoll und auch sensibel. […] Ich kann nur anbieten, dass er selbstverständlich gerne Kontakt zu uns haben kann, betone aber im gleichen Atemzug, dass in unserer Schiedsrichterführung, wie ich informiert bin, mit der nötigen Sensibilität gearbeitet wird.“

Und Wolfgang Niersbach bei „Sport 1“ über die WM-Vergabe:

„Aus meiner Sicht sind gravierende Fehler gemacht worden. Der größte war, dass man die Vergabe 2018 und 2022 gekoppelt hat, was es vorher noch nie gab. Das war eine Steilvorlage für Absprachen nach dem Motto: Gib du mir deine Stimme, und so weiter. Nach meiner Einschätzung ist es nicht nur das Klima: Katar ist auch einfach ein kleines Land. Die Entscheidung, die WM dahin zu geben, ist momentan Fakt. Ich sehe auch diese Fragestellungen. Nur haben wir uns auch an diesen Fakten zu orientieren. Es ist Aufgabe der Fifa zu beleuchten, ob es da wirklich Unregelmäßigkeiten gegeben hat. Ich weiß es nicht. […] Wenn es bei dieser Entscheidung bleibt, dann muss man eine Formel finden, um von dem Sommer wegzukommen. Diese Hitze hält man nicht aus. Warum hat man das nicht berücksichtigt?“

Zu letzterem Punkt gab es heute auch diese Meldung des Sport-Informations-Dienstes:

Fifa-Präsident Joseph S. Blatter hält sich in Bezug auf eine Verlegung der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar vom Sommer in den Winter weiter zurück. Möglicherweise droht nämlich in diesem Fall eine Klage der Mitbewerber USA, Südkorea, Japan oder Australien. „Wenn Katar mit einer solchen Anfrage kommt, dann wird das Fifa-Exekutiv-Komitee darüber beraten. Bisher ist eine Terminänderung jedoch nur Vermutung. Für uns als Fifa-Exekutive – und da bin ich ja der Chef – steht die WM in Katar, immer noch im Juni/Juli“, sagte der 77 Jahre alte Weltverbands-Chef im Bild-Interview.

Zur Frage nach einer möglichen Klage der Mitkonkurrenten Katars sagte der Fifa-Chef: „Dann könnte das Fifa-Exekutiv-Komitee ein Problem haben, aber wir halten uns an die Fakten.“ Eine Verlegung der WM-Endrunde 2022 in den Winter würde die Voraussetzungen der Vergabe vor knapp 28 Monaten in Zürich infrage stellen. Katar erhielt am 2. Dezember 2010 bei der Abstimmung im Exekutivkomitee der Fifa in Zürich im vierten Wahlgang den Zuschlag. Mit 14:8 Stimmen setzte sich das Emirat am Persischen Golf gegen die USA durch. Für Katar stimmte unter anderem Uefa-Präsident Michel Platini. Australien schied in der ersten Wahlrunde aus, im zweiten Urnengang traf es Japan. Südkorea musste bei der dritten Abstimmung die Segel streichen.

Katar hatte am vergangenen Freitag erstmals Signale für eine Verlegung in den Winter gesandt. „Viele Faktoren sprechen dafür, die WM im Winter auszutragen. Wir sind bereit, das WM-Turnier im Sommer oder im Winter auszurichten. Unsere Planung wird das nicht beeinträchtigen“, hatte das lokale Organisationskomitee mitgeteilt. Spieler und Funktionäre aus aller Welt hatten sich zuletzt dafür ausgesprochen, in dem Emirat aufgrund akuter Gesundheitsgefährdung nicht im brütend heißen Sommer zu spielen.

Vor allem Platini setzte sich zuletzt vehement für eine Verlegung in den Winter ein. Bisher planen die Organisatoren, die Stadien während der WM herunterzukühlen, um die Temperatur erträglich zu halten. Im Sommer sind Temperaturen an die 50 Grad Celsius in Katar an der Tagesordnung.

PS: Ich bin mir sicher: Wenn es am Nordpol so viele Milliardäre geben würde wie in Katar, dann würde auch am Nordpol eine Fußball-WM stattfinden. Vielleicht ist es ja im Jahre 2038 soweit. Und es wäre dabei auch völlig egal, ob dann auf Eisschollen gespielt werden müsste, oder im Juni bei acht Meter hohem Schnee – pro Quadratmeter. Hauptsache die Kohle stimmt. Bei wem auch immer. Über Eis und Schnee, wie man das alles auftauen könnte, darüber müssten sich dann alle mal viel, viel später Gedanken machen.
Nein, nein, das sind schon alles großartige und vor allem weitsichtige Herren, die so etwas veranstalten . . .

PSPS: Morgen, am Montag, wird um 15 Uhr im Volkspark trainiert. Ohne Hitze, ohne Eis, ohne Schnee. Rasenheizung!

17.19 Uhr

Nächste Einträge »