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Van der Vaart will aufholen – HSV will Angreifer Pinilla

26. Juni 2014

Ok, der Wille zählt. Auch wenn das Wetter mal nicht so mitmacht. Denn nachdem am Vormittag eine lockere Einheit Fußball-Tennis (oder war es ob des hohen Netzes schon Fußball-Volleyball-) gespielt worden war, sollte es nach dem heftigen Kraft- und Ausdauerzirkel vom Mittwoch heute zum Segeln gehen. Allerdings fiel diese nett gemeinte Abwechslung ins Wasser. Buchstäblich. Denn ebenso wie in Recife, dem Spielort der deutschen Nationalelf heute gegen die USA, schüttete es in Glücksburg wie aus Eimern. Konsequenz: Statt zu segeln, gab Trainer Mirko Slomka seinen Jungs frei. Und ich habe mich gehütet, einen zu stören…


In Ruhe gelassen wurde bis heute, wo er nach Glücksburg nachreiste, auch Rafael van der Vaart, der eine Woche länger als der Rest pausieren durfte. Verletzungsbedingt hieß es. Auch zuvor von Hollands Nationaltrainer Louis van Gaal. Allerdings habe ich am Montag einen Anruf eines niederländischen Kollegen der „voetbal international“ bekommen, dem „kicker“ der Niederlande. Und der Kollege, der zugleich auch die Nationalmannschaft der Niederlande betreut, war sich sicher, dass van der Vaart von van Gaal mit einem „Gentlemen’s Agreement“ aus der Nationalelf entlassen worden war. „Es ist hier kein Geheimnis mehr, dass van der Vaart einfach nicht fit genug war und man mit der vorgeschobenen Verletzung nur sein Gesicht wahren wollte“, so der Kollege, der mich bat, das Thema hier für ihn zu recherchieren.

Allerdings ist das für mich kein Thema. Denn was ändert es im Nachhinein noch? Dass van der Vaart – wie alle seine Kollegen auch – in der abgelaufenen Saison nicht fit genug war, ist bestätigt. Und angesichts des temporeichen Spiels der Niederlande bei hohen Temperaturen muss man kein lizenzierter Fußballlehrer sein, um zu wissen, dass van der Vaart dafür nicht die körperliche Verfassung hat. Insofern: Er ist nicht dabei. Punkt.

Und dieses „hat nicht die Verfassung“ ist bewusst im Präsenz gewählt, weil „hatte“ eine Besserung voraussetzen würde. Und die ist nicht da. Wie auch? Bislang durfte der Kapitän ja wie eingangs beschrieben, pausieren. Und er nutzte die Zeit für einen Mallorca-Trio, während die Kollegen in Hamburg und jetzt in Glückstadt gequält werden. Und ich frage mich: Warum? Warum darf gerade der vermeintlich unfitteste Spieler pausieren, während die anderen ackern? Und vor allem: Warum ist es nicht van der Vaarts höchsteigenes Interesse, den Fitnessteil komplett mitzumachen. „Weil er den nicht durchhalten und sich outen würde“, scherzte mein Kollege Alexander Laux – und hat Recht.

Dass van der Vaart seinen Körper „selbst am besten“ kennen würde, gilt nicht mehr. Denn die Erklärung für etwaige Sonderpausen van der Vaarts fruchtete nicht, im Gegenteil: Van der Vaart verpasste es, sich spielfit zu bekommen. Und ganz ehrlich: „Ein Trainingsweltmeister war ich nie – und werde ich wohl auch nicht“, hatte van der Vaart schon als Jungspund bei seinem ersten HSV-Engagement 2005 zugegeben. Und das hat sich eben nie geändert. Von daher wäre ich – und vielleicht er selbst auch am Ende – sehr froh, wenn Slomka ihn künftig etwas enger führen würde. Mit weniger Pausen. Denn ansonsten wird das wieder nichts. „Wir haben noch sechs intensive Wochen vor uns“, sagt Trainer Mirko Slomka, der dem Vernehmen nach weiter auf van der Vaart als Führungsspieler setzen will. Und das, obwohl genau für die Position des Halbstürmers hinter Lasogga noch ein Spieler gesucht wird.

Wobei natürlich zuallererst die Personalie Lasogga geklärt werden muss. Noch immer beharrt Hertha BSC auf der Fabel-Ablöseforderung von 12 Millionen Euro, sagte mir mein stets top informierter Berliner Kollege Uwe Bremer heute. Und in den Gesprächen mit Uwe mischt sich inzwischen immer mehr Parteilichkeit. Ich sage beispielsweise, Lasogga sei nicht mehr als sechs Millionen Euro Ablösesumme zuzüglich etwaiger Erfolgsprämien wert. Er hält dagegen und behauptet, Hertha hätte ja keine Not einen so guten Stürmer abzugeben. Dass er dabei vergisst, dass Hertha-Coach Jos Luhukay Lasogga gar nicht als Ramos-Ersatz sieht und auf der Position gern noch jemanden holen will – egal. „Ihr Hamburger seid Euch immer ’nen Tick zu früh sicher, alles zu durchblicken“, konterte mich Bremer – und brachte mich kurz zum Nachdenken. Allerdings nur sehr kurz – dann durchblickte ich seine Taktik…

Aber im Ernst: Bremer ist ein sehr netter Kollege, der aus der Hauptstadt über Hertha BSC für die Berliner Morgenpost bloggt. Und er hat guten Kontakt zur Familie Lasogga, die ihm mitteilte, dass eine Einigung noch nicht in Sicht sei, obwohl Pierre Michel Lasogga nur zu gern zum HSV stoßen würde. „Sollte es bis Dienstag keine Einigung geben, wird er hier aber trainieren“, so Bremer, der selbiges aus der Geschäftsführung der alten Dame gehört hatte.

Apropos gehört: Heute hört und seht Ihr – sofern denn gewollt – wieder eine Live-Sendung „Matz ab“ aus dem Champs. Kurz vor dem Spiel, in der Halbzeit und natürlich ausführlich nach dem Spiel werden wir heute mit dem ehemaligen Profi Jürgen Stars (spielte unter anderem in den USA) sowie dem ehemaligen HSV-Trainer Michael Oenning über das letzte Gruppenspiel der Deutschen, die für mich absolut nicht zu hoch angesetzte Neun-Spiele-Sperre für Beißer Suarez sowie natürlich auch über den HSV sprechen.

So, das soll der etwas verkürzte Blog für heute gewesen sein. Ich hoffe, wir sehen uns nachher (als Gruppensieger)! Viel Spaß beim Spiel! Deutschland!!!!

Scholle

P.S.: Angeblich ist der HSV an Mittelstürmer Mauricio Pinilla (Chile) von US Cagliari interessiert. „Ich werde ins Ausland gehen“, kündigte Pinilla in Brasilien, wo er mit der Nationalmannschaft bislang für Furore sorgt, an. Der 30-Jährige soll allerdings neben dem HSV auch bei Eintracht Frankfurt auf dem Wunschzettel stehen.

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