Archiv für das Tag 'Ochs'

Heese: “Es ist jetzt ein anderer Geist drin!”

15. Mai 2015

Zursicher

Mal sehen, was die Affen morgen so machen. Mit Affen sind die Spieler des VfB Stuttgart bezeichnet worden – von ihrem Trainer, ging ja auch Land auf, Land ab in den Zeitungen rauf und runter. So ist Huub Stevens eben. Was er auf der Zunge hat, muss raus. Und er hat es diesmal bestimmt auch deshalb rausgelassen, weil er mit dieser Beleidigung auch noch seinem letzten Spieler sagen will, dass hier allerhöchste Konzentration angesagt ist. Niemand darf auch nur einen Millimeter nach lassen, das wollte Stevens erreichen. Und er hatte auch deshalb die ganz Aufmerksamkeit, weil beim VfB Stuttgart, der ansonsten oft abgeschottet (also ohne Fans) trainiert, am Vatertag jeder Fan willkommen war. Stevens wollte mit seiner Härte auch demonstrieren, dass der Fokus nur auf diesem Abstiegs-Endspiel zu liegen hat. Ganz Stuttgart redet seit Tagen nur noch von dem Spiel gegen den HSV, das Stadion ist mit 60 000 Zuschauer seit Wochen ausverkauft – und 6000 Hamburger werden versuchen, sich in diesem Hexenkessel Gehör zu verschaffen. Und obwohl die Schwaben ja noch immer Tabellenschlusslicht sind, herrscht am Neckar große Zuversicht, dass der VfB an diesem Sonnabend gegen 17.20 Uhr den HSV um einen Punkt hinter sich gelassen hat. Es ist für das Ländle das Spiel der Spiele, und der Optimismus ist deswegen so groß, weil der VfB zuletzt stets gute oder sogar beste Leistungen gezeigt hat.

 
Was die meisten VfB-Fans aber in dieser Situation oft verschweigen: Der Tabellenletzte hat seit September 2013 (!) kein zweites Spiel in Folge mehr gewonnen. Seit September 2013! Und zuletzt siegte der VfB bekanntlich 2:0 gegen Mainz 05. Hält diese Negativserie an? Oder schafft es der HSV, so wie er es leider schon so oft geschafft hat, diese Serie zu durchbrechen – und das Schlusslicht so wieder aufzubauen? Was für Stuttgart außerdem ein Horror-Szenario ist, das ist die Tatsache, dass ausgerechnet Bruno Labbadia dem VfB den Gnadenstoß versetzen könnte. Jener Labbadia, der einst sehr wohl Erfolge mit dem VfB vorweisen konnte, der dann aber trotz allem, da gibt es sicher Parallelen zum HSV, vor die Tür gesetzt worden war, weil sich die Verantwortlichen und die Fans mehr erhofft hatten. Heute gibt es in Stuttgart nicht wenige, die meinen, dass die Labbadia-Gegner von damals heute sehr wohl Abbitte leisten müssten, denn nach dem damaligen Abgang des Trainers ist beim VfB nichts besser geworden. Im Gegenteil.

 

Im Ländle regnete es heute, am Sonnabend aber soll die Sonne scheinen. In Hamburg ist es genau umgekehrt. Mal sehen, wie sehr die Punkteverteilung dafür sorgt, dass in einem Fan-Lager so oder so die Sonne scheinen wird. Wir hoffen natürlich, dass es hier trotz des Regens reichlich Sonnenschein geben wird . . .
Beim VfB Stuttgart sind, um mal die sportliche Seite zu beleuchten, alle Mann an Bord. Diejenigen Spieler, die leicht angeschlagen in die Woche gegangen waren, wurden oftmals geschont, mussten nicht immer alle Einheiten mitmachen. Morgen aber wird jeder von ihnen bei 100 Prozent sein. Und besonders auf die Offensive hoffen die Schwaben. Die behaupten, dass es noch nie einen Tabellenletzten in der Bundesliga gegeben hat, der auf eine solche Super-Offensive setzen und bauen und hoffen kann. Vorne sind drei blitzgefährliche Angreifer unterwegs: In der Mitte der ehemalige Millerntor-Bomber Ginczek, links der Sprinter Kostic, rechts der unberechenbare Harnik, und dahinter der schnelle und technisch versierte Didavi, der nach einer längeren Verletzungspause jetzt wieder zur alten Form zurückkehren will – und schon auf dem besten Wege ist. Er wird der HSV-Defensive extrem viele Kopfschmerzen bereiten – neben den Stürmern.

 

Beim HSV herrschte heute nicht nur wegen des guten Wetters beste Stimmung. Bis auf Valon Behrami und Nicolai Müller konnten alle Spieler trainieren. Eine Stunde gab es Programm. Nach dem Aufwärmen folgte ein Spiel fünf gegen fünf gegen fünf. Und danach gab es reichlich Standards. Eckstöße, Freistöße, von links und von rechts zur Mitte gebracht. Meistens von Rafael van der Vaart geschlagen, aber auch Lewis Holtby und Ivo Ilicevic versuchten sich. Mit den Standards wurde ein wirklich lange Zeit verbracht. Zum Schluss folgte Spaß-Training. Die Spieler durften, so sah es aus, das machen, wozu sie Lust hatten. Lange Pässe, kurze Pässe, Torabschlüsse – Flanken. Wobei auch Bruno Labbadia tüchtig mitmischte. Der Coach schlug die Bälle aus dem Anstoßkreis heraus auf die linke Seite, wo Matthias Ostrzolek die Kugel meistens mit der Brust stoppte – um dann aus dem Lauf heraus zu flanken. In der Mitte hatte dann die Angreifer ein Spielchen mit Torwart Jaroslav Drobny zu laufen. Vorher wurde angesagt, wie viele Tore sie aus acht Flanken machen – und der oder die Verlierer mussten danach Liegestütze absolvieren. Da es ein nicht-öffentliches Training war, sah ich nicht alles, gefühlt würde ich sagen, dass die Angreifer mehr Liegestütze machen mussten. Und um ehrlich zu sein, ich habe Drobny nicht am Boden gesehen. Wer Rene Adler dabei vermisst: Der Stammkeeper war nach einer Stunde in die Kabine gegangen, nur mal so, es sah nicht danach aus, als drücke Adler auch nur ein kleiner Schmerz.
Übrigens sah Club-Chef Dietmar Beiersdorfer heute dem Training zu, nach dem Ende der Einheit ging er dann mit einer asiatischen Delegation (sah nach einem jungen Spieler aus) in das Umkleidehaus im Volkspark.

 

Aus dem Kader, der heute trainiert hat, blieben der Brasilianer Cleber, Julian Green und auch Maximilian Beister zu Hause.
Schiedsrichter der Partie in Stuttgart wird der Berliner Manuel Gräfe sein, in meinen Augen eine sehr gute Ansetzung, er ist mit dem Münchner Dr. Felix Brych der zurzeit beste deutsche Unparteiische. Aber – man soll den Tag nie vor dem Abend loben. Habe ich zuletzt wahrscheinlich das eine oder andere Mal zu viel gemacht. Deswegen halte ich jetzt mal den Ball flach. Obwohl ich, wenn ich bei Schiedsrichter bin, gleich an Rafael van der Vaart denke, denn der hat bislang neun Gelbe Karten „eingefahren“. Sieht er in Stuttgart noch einmal Gelb, dann fand am Neckar das Abschiedsspiel des „kleinen Engels“ statt. Das wäre doch auch dramatisch. Nicht für jeden HSV-Fan, aber auf jeden Fall für van der Vaart selbst.

 

Aber der Niederländer könnte sich ja auch in Sachen Härte oder auch mit verbalen Entgleisungen zurückhalten, dann passiert eben nichts. Hoffentlich. Ich sprach heute noch mit einem ehemaligen HSV-Spieler, der sich in Sachen Zurückhaltung nie besonders zurückhielt. Sein damaliger Trainer Klaus Ochs hat über ihn einst gesagt: „Auf dem Platz ist er ein Ekel.“ Es geht, einige haben es schon erraten, um Horst Heese. Der heute 71-Jährige lebt schon seit Jahrzehnten in Belgien, verfolgt den HSV, für den er einst „nur“ 41 Spiele bestritt, aber immer noch ganz genau – über das Bezahlfernsehen. Heese wurde damals im Winter 1972 verpflichtet und absolvierte sein erstes Spiel für den HSV am 16. Dezember 1972, bei seinem Debüt gab es eine 0:1-Niederlage – und der HSV stand damals auf dem letzten Tabellenplatz. Trotzdem gab es ein Happy end, dank Heese, der in der HSV-Geschichte den Platz eins als HSV-Retter einnimmt. Er riss die gesamte Mannschaft damals mit, und das waren immerhin Spieler wie Rudi Kargus, Peter Hidien, Manfred Kaltz, Peter Nogly, Klaus Zaczyk, Georg Volkert, Ole Björnmose, Willi Schulz, „Bubi“ Hönig, Caspar Memering, und, und, und.

 

Horst Heese hat in der jüngeren Vergangenheit schon oft um und mit dem HSV gezittert. Diesmal aber schien er mir optimistischer zu sein, denn er sagte: „Das sieht doch jetzt schon wieder viel besser aus, als noch vor ein paar Wochen. Das ist ja jetzt eine ganz andere HSV-Truppe, die kämpfen und hängen sich voll rein – das sieht gut aus, in meinen Augen.“ Den Umschwung hat Bruno Labbadia gebracht, das sieht auch Heese so, denn er befindet: „Sicher hat Bruno viel bewirkt, aber wenn man auf einen schwachen Trainer folgt, dann muss man kein Super-Trainer sein. Da hätte kommen können, wer will, es waren vorher zu viele schwache Trainer da. Wenn die Jungs merken, da vorne steht einer, der versteht sein Handwerk, der hat selbst gespeilt, der weiß wie es geht, dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Aber wenn du da vorne ein paar Flaschen vor der Mannschaft stehen hast, in kurzen Sprinterhosen, dazu mit fünf Handys durch die Luft wirbeln, dann wissen die Spieler doch gleich Bescheid. Der kann denen doch gar nichts erzählen, und wie soll das denn funktionieren?“ Heese: „Wenn wir damals gemerkt haben, dass wir eine Flasche vor uns haben, dann haben wir den sofort auf die Rolle genommen. Wenn der in kurzen Hosen vor uns stand, haben wir schon gegrinst, wenn der dann noch seine Stutzen irgendwie schief angezogen hatten, dann war die Sache für uns gleich klar, was wir da für einen vor uns hatten . . . Wenn du aber einen Trainer hast, der selbst an der Front war, dem nimmst du doch eher ab, was er da erzählt. Und von den schwachen Trainern hatte der HSV zuletzt leider einfach zu viele.“

 

Horst Heese sagt über die heutige HSV-Truppe, und das ist aus seinem Munde gewiss ein riesiges Kompliment: „Jetzt ist wieder ein anderer Geist drin. Und wenn du den Bruno Labbadia siehst, das ist echt, das ist authentisch, er lebt das vor, was da jetzt passieren muss. Die anderen Trainer haben, wenn die Kameras auf sie zukamen, ein verzweifeltes Gesicht gemacht, haben ein wissenschaftliches Gesicht gemacht, oder sie haben ihre Notizblöcke vollgeschrieben. Da waren viele Schauspieler am Werk. Aber Gott sei Dank, sie tanzten nur einen Sommer. In Hamburg jedenfalls.“

 

Horst Heese appelliert – auch für die Zukunft des HSV – an die Ehemaligen des HSV: „Da sind doch so viele Pragmatiker, die müssten mal den Mund aufmachen. Damit die Knalltüten ausgespielt haben, damit der HSV endlich mal einen vernünftigen Trainer bekommt. Diejenigen, die noch den engen Draht zum HSV haben, sollten schon mal häufiger den Mund aufmachen.“ Aber, das vermute ich, es haben in der Vergangenheit vielleicht schon oft den Mund aufgemacht, doch es passierte nichts, ihre Tipps verhallten mehr oder weniger ungehört im Volkspark.

 

Und wie ist Horst Heese mit dem Punkt „Härte“ zurzeit mit den HSV-Spielern zufrieden? Heese: „Das könnte ruhig noch etwas mehr sein, ganz klar. Wobei man Härte nicht mit Unfairness verwechseln darfst. Aber es geht doch jetzt um alles. Man darf nicht von hinten zutreten, du kannst ja auch einen Gegner von vorne stören. Aber du musst fit sein, immer eisern und hart am Mann sein. Heute sieht man auch keine Schnitte, wenn man nicht hundertprozentig fit ist. Dann bist du im heutigen Tempo-Fußball total daneben. Und man muss auch immer schön aufpassen, dass man nicht zu viele Freistöße vor dem eigenen Strafraum verursacht, das kann sich dann auch schnell rächen, wenn der Gegner da Spezialisten hat, die solche Standards zu nutzen verstehen. Also, mehr Härte ja, aber keine Fouls.“
Mal sehen, wie das denn morgen in Stuttgart so laufen wird – in der HSV-Defensive.

 

Ich habe übrigens in die Programm-Zeitschrift „Hör zu“ geblickt, wie der Prominente (jede Woche ein anderer) den Spieltag, besonders den HSV getippt hat. Diesmal ist das Joscha Kiefer (Soko 5113) gewesen, und der tipp Stuttgart – HSV auf 4:0. Oha, ein dickes Ding! Und eine Woche weiter tippt Lukas Hundt (Akte Ex) den HSV gegen Schalke 04 auf 1:0. Mal abwarten, wie sich das alles (schon an diesem Spieltag) da unten entwickelt.

 

So, zwei Personalien habe ich noch:

Lotto King Karl eröffnet an diesem Sonnabend im Stadtpark die Open-Air-Saison – und ich wünsche dem Kult-Sänger und seiner Band alles Gute, viel Glück – und gutes Wetter. Und Euch, die Ihr dabei seid, viel Spaß.

Dann hat sich heute Joe Zinnbauer bei NDR2 zu Wort gemeldet. Der Trainer, der im Moment nicht groß arbeitet, kann sich durchaus vorstellen, dass er in der nächsten Spielzeit wieder die U23 (spielt am Sonnabend um 14 Uhr in Lübeck um Punkte) trainieren wird. Mich würde das sehr freuen, gebe ich zu, denn der „Joe“ hatte diese Truppe doch märchenhaft ins Laufen gebracht. Vielleicht schafft er das denn ja noch einmal, ich glaube, dass die meisten Spieler nichts dagegen hätten. Ich drücke ihm die Daumen, dass es noch einmal weitergehen wird mit ihm – beim HSV.

 

Und wie es dann in der Bundesliga weitergehen wird, das kann man dann wahrscheinlich schon morgen von 17.20 Uhr an etwas klarer sehen, auch wenn bestimmt noch nicht alles restlos geklärt sein wird. Davon gehen ich mal verstärkt aus Drückt dem HSV tüchtig die Daumen, dass auch diesmal das Abstiegsgespenst in andere Städte abzischt. Hat doch 2014 bestens geklappt – oder?

 

In diesem Sinne, kommt gut rein in den 33. Spieltag – und bleibt positiv!

Dieter.

 

18.46 Uhr

…schärfere Töne vor dem Derby + Choupo bleibt…

31. Januar 2011

++++++ Choupo wechselt nicht, er bleibt in Hamburg+++++++

So oft wie sein Handy heute in der einen Stunde klingelte, klingelt meins am ganzen Tag. Und ich zähle mich schon zu den Viel-Telefonierern. „Da wollen einige noch auf den letzten Drücker was haben“, scherzte Bastian Reinhardt heute Vormittag, als er sich unseren Fragen stellte. Immerhin war dort auch noch offen, was aus Choupo-Moting würde, den bis zuletzt der 1. FC Köln und Premier-League-Klub West Bromwich umworben hatten. Aber zu dieser Personalie am Ende hoffentlich mehr.

Bastian Reinhardt wirkte den Umständen entsprechend gelassen. Er drückte gefühlte 300 Anrufe in den rund 60 Minuten mit uns unbeantwortet weg und schien trotz des letzten, eigentlich für seine Hektik bekannten Transfertages extrem entspannt zu sein. Mit einem einfachen Hintergrund: die Personalie Choupo lag nicht mehr in seinen Händen und gekauft werden sollte niemand mehr. Obwohl Trainer Armin Veh jüngst seinen Wunsch wiederholt hatte, für die Innenverteidigung, in der Gojko Kacar für seine Rote Karte aus Nürnberg ein Spiel Sperre aufgebrummt bekam, noch einen Neuen gebrauchen zu können. „Wir wollten wenn nur einen holen, der uns auch perspektivisch verstärkt. Und der Markt gibt eine solche Verstärkung nicht her“, erklärte uns Reinhardt.

Also auch nicht Ochs, den Frankfurt ob eines Millionen-Lochs im Etat verkaufen will/muss?

„Nein“, so Reinhardt, „Ochs ist ein guter Spieler, ganz klar. Aber er ist für uns nicht machbar.“ Soll heißen: zu teuer. Rund sechs Millionen Euro sollen die Hessen als Ablösesumme aufgerufen haben, woraufhin nur noch Schalke mitbot. Allerdings mussten sich auch die sich immer wieder überraschend solvent gebenden Gelsenkirchener irgendwann geschlagen geben. Ochs bleibt in Frankfurt.

Und das ist die neue Chance für den HSV! Denn das Frankfurter Eigengewächs hat für den Sommer eine festgeschriebene Ablösesumme von drei Millionen Euro im Vertrag. Hier wird derjenige das Rennen machen, der am Ende am meisten Handgeld bietet – ohne Ochs zu nah treten zu wollen, aber so funktioniert das Geschäft Fußball-Bundesliga nicht nur bei ihm.

Also abwarten. Ein wenig Hoffnung bleibt uns entsprechend wenigstens für die neue Saison, dass der HSV nach 20 Spielen ohne Diekmeier und ebenso vielen mehr oder weniger schwachen Spielen seiner Vertretungen (Rincon, Tesche, Demel) die Baustelle Rechtsverteidiger behebt. Denn hier besteht Handlungsbedarf. Das wollte Reinhardt zwar nicht öffentlich sagen, aber seine Gestik verriet, dass auch er es so sieht.

Womit ich bei einem generell schwierigen Thema bin. Denn seit einigen Wochen laufen beim HSV schon die Planungen für die kommende Saison. 20 Spielerverträge laufen aus, hinzu kommen die auszuhandelnden Verträge mit Neuzugängen. Ich will jetzt gar nicht erst das Fass aufmachen, dass bzw. ob Reinhardt durch die ganze Sammer-Posse so geschwächt wurde, dass er diese Aufgabe nicht mehr optimal ausfüllen kann. Im Gegenteil: Bastian Reinhardt ist der Sportchef – das ist der Status Quo. Punkt. Und Reinhardt gibt sich betont selbstbewusst („Das ist meine Aufgabe, ich soll sie ausführen und ich werde das schaffen“). Nein, viel schwieriger empfinde ich, dass der HSV noch immer nicht geklärt hat, wer in der kommenden Saison die sportliche Leitung beim HSV hat, denn Armin Vehs Vertrag läuft aus. „Wir werden uns mit dem Trainer zu gegebener Zeit zusammensetzen“, so die kurze Antwort des Sportchefs. Ob er es nicht als suboptimal ansieht, wenn zuerst die Mannschaft und anschließend der Trainer bestimmt werden? Immerhin ist es der Trainer, der mit der Mannschaft zusammenarbeiten und sein Konzept umsetzen soll. „In Zukunft werden wir als Verein mehr über seine Spieler bestimmt. Der Verein entscheidet, wer geholt und wer abgegeben wird. Aber da sind die Unterschiede zwischen den Trainern und ihren Systemen eh nicht so gravierend.“

Dafür aber dürfte es, sollte sich der HSV von Veh trennen, eine deutlich verringerte Auswahl an Kandidaten geben. Denn es wird sicher nicht nur ein Trainer am Ende seinen Kader lieber selbst (zumindest maßgeblich) zusammenstellen wollen. Immerhin wird er am Ende am Abschneiden gemessen.

Nun denn, bis der Trainer 2011/2012 feststeht, kümmern sich Reinhardt und seine Scoutingabteilung Christofer Clemens sowie Michael Schröder um die Kadergestaltung.

Und die sehen nur noch zwei, drei Spieler mit auslaufenden Verträgen vor, deren Verbleib in Hamburg gewünscht ist. „Das war vor dem Nürnberg-Spiel noch anders, da waren es deutlich mehr“, scherzt Reinhardt. Etwas ernster wird Reinhardt dann, auf Namen wie Zé Roberto, Ruud van Nistelrooy und Frank Rost angesprochen. Während er bei den ersten beiden „Oldies“ die Zukunft ziemlich offen sieht, hatte der HSV zuvor zumindest bei Rost immer von dessen letzter Saison gesprochen, dafür mit Jaroslav Drobny sogar den designierten Nachfolger bereits verpflichtet. Doch jetzt scheint sich das Blatt gewendet zu haben. Zumindest deutet Reinhardt das an. Ob er sich vorstellen kann, mit Rost zu verlängern? „Ich kann mir vieles vorstellen“, umgeht Reinhardt eine direkte Antwort, um dann doch klarer zu werden: „Frank ist ein wichtiger Faktor innerhalb der Mannschaft. Ich werde mit ihm darüber sprechen.“ Obwohl der HSV Rost bereits vor sechs Monaten dessen Karriereende in Hamburg angedeutet hatte? Reinhardt: „Ja, Frank hatte sich zuletzt ja auch anders geäußert, dass er weitermachen will.“

Im Gegensatz zur Kaderplanung werden die täglichen Probleme noch komplett mit Veh, Oenning und Co. besprochen. So auch die Minusleistung in Nürnberg, die Reinhardt an Ungeduld und einer schwachen Offensive festmachte. „Wir haben in der ersten Halbzeit die Ordnung defensiv gehabt. Das war wie zuvor auf Schalke und gegen Frankfurt gut. Aber wir haben irgendwann völlig unsere Ordnung verloren. Das war in den ersten beiden Spielen der Rückrunde auch nicht überragend, aber da haben wir Geduld gehabt und irgendwann ein Tor gemacht. Diesmal hatten wir offensiv keinen Handlungsplan, da waren keine Automatismen zu erkennen. Wir hatten gegen Nürnbergs Kampf und deren läuferischen Aufwand keine Mittel. Hier haben wir taktisch ganz sicher noch Nachholbedarf.“

Oha. Ein Vorwurf, den sich Mannschaft und Trainer gleichermaßen anheften dürfen.

Auch insgesamt scheinen vor dem zweiten Derby der Saison andere, schärfere Töne beim HSV angeschlagen zu werden. Verantwortlich dafür ist nicht allein das schwache Nürnberg-Spiel, sondern vielmehr auch das glückliche 1:1 aus dem Hinspiel am Millerntor. „Wir wissen, dass wir mit einem Sieg gegen St. Pauli eine deutlich positivere Grundstimmung reinkriegen können“, plädiert Reinhardt, der sich an zu wenig Motivation im Hinspiel erinnert: „Wir werden jetzt keinen Böller in der Kabine zünden oder dergleichen“, sagt Reinhardt, „aber ich werde mit den Trainern darüber sprechen, was wir vor diesem wichtigen Spiel noch anders machen können. Da müssen alle brennen.“

Angst, mit seinen Kampfaufforderungen vielleicht zu viel Feuer in das eh schon brisante Stadtderby reinzubringen, hat Reinhardt nicht. „Im Hinspiel war es ein Kuschelkurs, der vor dem Hintergrund der Übergriffe auf dem Altonaer Bahnhof auch angebracht war.“ Zur Erinnerung: Damals hatten HSV-Fans St.-Pauli-Anhänger attackiert. „Aber das haben wir diesmal nicht. Jetzt steht ein Spiel an, das vielleicht das wichtigste Spiel der Saison ist. Es geht um die Vormacht in Hamburg. Das Spiel müssen wir gewinnen.“

Worte. Bislang sind es nur Worte. Und das bleibt so, bis am Sonntag das Spiel abgepfiffen ist.

Hoffentlich denken alle – nein, das ist völlig naiv. Hoffentlich denken wenigstens die Spieler, die auflaufen so, wie Bastian Reinhardt es sich wünscht. Dann hätten sie höchstwahrscheinlich auch keine Probleme mit dem kleinen Nachbarn…

Und zum Schluss noch eine gute Nachricht: Dieter ist wieder da! Ab Dienstag, dem Beginn des kürzesten Monats im Jahr, sitzt der Hausherr gut erholt wieder an seinem Schreibtisch und informiert Euch über den täglichen Wahnsinn im Volkspark. Mir bleibt bis zu meiner nächsten Vertretung nur noch übrig, mich bei Euch für den tollen Januar zu bedanken. Ihr habt mir viele neue Standpunkte nähergebracht, mich mit Euren Posts sehr gut unterhalten und den einen oder anderen sehr interessanten Denkanstoß gegeben. Es gab berechtigte Kritik, etwas weniger berechtigte und sogar das eine oder andere sehr nette Lob. Ich für meinen Teil hatte jedenfalls einen Riesenspaß mit Euch und freue mich – auch für ihn! – schon auf Dieters nächsten Urlaub!

In diesem Sinne: Nur der HSV! Und auf bald!

Euer Scholle

P.S.: Bei Choupo gibt es noch keine Entscheidung. Was bedeutet, dass der FC Köln raus ist – denn die Kölner hätten bis 18 Uhr zuschlagen müssen. Anders ist dies bei West Bromwich, die Engländer haben noch bis 24 Uhr Zeit, den Kameruner von der Transferliste zu nehmen. Sollte hier noch was passieren, werde ich diesen Artikel noch mal updaten (cooles Wort…)!

P.P.S.: TV-Tipp: Heute Abend sind Bastian Reinhardt und St. Paulis Sportchef Helmut Schulte bei HH1 in der Sendung „Rasant“ ab 20.15 Uhr zu Gast. Könnte interessant werden.

Immer mehr Fragen – immer weniger Antworten…

30. Januar 2011

Mich tröstet das nicht. Keine Werder-Niederlage oder dergleichen ersetzt ein gutes Spiel des HSV. Und während es bei mir eigentlich immer unmittelbar nach einem schwachen Spiel am schlimmsten ist und die Zeit die eine oder andere Wunde heilt, ist es diesmal andersrum. Mich nervt, dass der HSV seine Chance so fahrlässig liegengelassen hat. Und zu allem Überfluss habe ich mir vorhin auch noch Stuttgart angesehen, das eine ganz bittere Niederlage gegen alles andere als starke Freiburger zu verkraften hat. Und obwohl die Schwaben durch den Abstiegskampf insgesamt sicherlich noch größere Sorgen als wir haben, muss ich sagen, dass ich als VfB-Fan zumindest heute weniger sauer wäre, denn als HSVer. Denn die Schwaben wollen wenigstens, die arbeiten Fußball, die kämpfen. Sie scheitern – wie Harnik vor dem leeren Tor – immer wieder an sich selbst, aber sie versuchen es wenigstens. Ihnen kann man mangelnde Qualität anlasten, aber nicht, dass sie sich verweigern.

Genau diesen Vorwurf müssen sich allerdings die HSV-Profis für den unwürdigen Auftritt gegen schwache Nürnberger gefallen lassen.

Hier im Blog herrscht, das ist deutlich an Euren Kommentaren zu erkennen, tiefer, festsitzender Frust. Zu viel Kredit hat sich der HSV in den letzten 18 Monaten verspielt, als dass so eine Niederlage als Ausrutscher hingenommen wird. Und ganz ehrlich, es war auch diese Saison nicht der erste derartig lust- und emotionslose Auftritt. Insofern sind nahezu alle Eure Vorwürfe berechtigt. Die Frage ist allerdings, warum ist das so? Wieso werden bei dem immer wieder berechtigt hoch gelobten Kader inzwischen schon Spieler hervorgehoben, weil sie einfach nur eine Menge Kilometer abreißen? Sind unsere Ansprüche schon so niedrig? Warum gibt’s beim HSV zum Beispiel keinen Maik Franz (den sehe ich gerade wieder auf dem Platz, wie er Idrissou mit zweifelhaften Methoden entnervt)? Oder zumindest einen, der die Mannschaft wachrüttelt – egal, ob durch sportliche oder verbale Impulse? Oder erreicht der Trainer samt seinem Team nicht die Mannschaft?

Fragen, auf die es Antworten zu finden gilt, wenn man in der kommenden Saison nicht neuerlich enttäuscht werden will.

Allerdings, und deswegen habe ich es gestern noch vorsichtig formuliert, noch habe ich die Hoffnung, dass sich die Mannschaft über ihre fußballerische Qualität über die letzten 14 Spiele hinwegrettet – und dann der nötige Umbruch eingeläutet wird. Damit der HSV in seinem Kreativbereich nicht mehr allein von der Tagesform des immer launischer werdenden Zé Roberto abhängig ist. So sehr ich den Brasilianer schätze, er geht mir zu oft einfach mit unter. Er war in Nürnberg zweifellos noch der Einäugige unter den Blinden – aber eben auch nicht annähernd so mitreißend, wie man es von einem Mann seiner Qualität erwarten darf. Gleiches gilt für einen Ruud van Nistelrooy. Real Madrid hin oder her.

Ich erspare es mir und Euch, jetzt hier auf alle Spieler einzeln einzugehen. Dabei würde auch sehr wenig Positives herumkommen. Aber eben auch nichts, was wir an dieser Stelle nicht schon hundert Mal gesagt haben. Allein der Gedanke daran, ermüdet schon…

Nein, es bringt nichts. Wir müssen uns mit der Situation arrangieren. Und die besagt, dass am kommenden Wochenende das vielleicht brisanteste Spiel der Saison ansteht: das Derby gegen St. Pauli im eigenen Stadion. Hier ein Sieg und alle Gemüter dürften sich wieder etwas beruhigen. Zumindest bis zum nächsten „Rückfall in alte Zeiten“, wie Trainer Armin Veh das Nürnberg-Spiel beschrieb.

Allerdings: „Alte Zeiten“? Wie kommt Veh auf „alt“?

Das Nürnberg-Spiel hatte ich in der Hinrunde gefühlt jedes zweite Wochenende. Da hatte sich abgezeichnet, dass diese Mannschaft in sich nicht einig ist. Die Qualität jedes einzelnen werde ich auch heute nicht in Frage stellen. Die ist da. Aber nach den beiden Arbeitssiegen gegen Schalke und Frankfurt hatten viele – auch ich – gehofft, dass die Mannschaft über Erfolge gefestigter wird. Vergebens?

Der Mannschaft fehlen auf jeden Fall die Ideen. Gegen Mannschaften, die sich hinten reinstellen gelingt quasi nichts. Das war in der Hinrunde so – das ist es auch jetzt. Schalke wollte mitspielen – und das Spiel wurde interessant. Aber schon Frankfurt war zäh, für die Mannschaft wie den Betrachter. Der HSV schafft es einfach nicht, sich gegen destruktiv agierende Teams Torchancen zu erarbeiten. Die Außen funktionieren offensiv momentan nicht, ein Elia beispielsweise war gegen die Franken bei nicht mehr als 20 Prozent dessen, was er kann und beim HSV nicht zeigt. Pitroipa überrascht weniger die Gegner als sich selbst. Flanken kommen von beiden nicht – womit ein Ruud van Nistelrooy in der Mitte hängt. Wie es besser geht, hat zuletzt Ben-Hatira gezeigt, der mit aller Macht versuchte, nahezu jeden Ball auf den ehemaligen Welttorjäger zu spielen.

Aber ok, neben den Außen gibt es noch das zentrale Mittelfeld, das zwar defensiv vernünftig arbeitet, aber offensiv nahezu wirkungslos ist. Zé Roberto deutet zwar immer wieder an, was er drauf hat, aber er zeigt es nie komplett. Er füttert uns an und lässt uns dann verhungern. Warum auch immer.

Etwas Leid taten mir gestern Westermann und Kacar. Beide hatten die klare Ansage, alles wegzuräumen, und wenn dies mit Befreiungsschlägen passiert. Und sie erfüllten ihre Aufgaben in der ersten Halbzeit ordentlich, obwohl Guy Demel altgewohnte Schwächen im Stellungsspiel zeigte. Der Ivorer zeigte auf, dass es fast fahrlässig von der Vereinsführung ist, auf dieser Position bislang nichts unternommen zu haben. So fiel das erste Gegentor, so werden leider auch noch mehr fallen, wenn sich der verletzungsanfällige Demel nicht plötzlich schwer verbessert.

Apropos Rechtsverteidiger: Ochs wechselt zu Schalke 04. Ein Typ, der als loyal und vorbildlich in Sachen Einstellung zählt und außergewöhnlich konstant sein hohes Niveau hält. Warum also kommt der Frankfurter nicht zum HSV? Eine Frage, die ich morgen Bastian Reinhardt stellen werde. Der Sportchef stellt sich morgen unseren Fragen. Und ich verspreche, ich habe einige, die ich stellen werde und deren Antworten ich Euch morgen mitteilen werde. Denn für heute fällt mir nichts mehr ein. Ich habe immer mehr Fragen – und immer weniger Lösungsansätze. Mal sehen, vielleicht bin ich morgen schlauer…

In diesem Sinne, seid besser drauf als ich. Bis morgen!

19.45 Uhr

P.S.: Bei Choupo gibt es noch nichts Neues. Im Gegenteil, inzwischen messen die HSV-Verantwortlichen dem Szenario, dass der Kameruner bleibt, die höhere Wahrscheinlichkeit bei. Allerdings, das kann ich Euch glücklicherweise versprechen, zumindest in dieser Frage werde ich morgen eine hundertprozentig korrekte Antwort finden 😉

Heese: “Dieser HSV spielt herzlosen Fußball”

19. Dezember 2010

Fußball? Geht noch nicht so richtig wieder. Obwohl ich mir alles am Sonnabend angesehen habe, und jetzt auch die Zweite Liga parallel läuft. In der Redaktion, wohl gemerkt. Wenn mich aber Kolleginnen und Kollegen auf Fußball ansprechen, winkte ich (noch) ab. Und speziell diese drei großen Buchstaben sollten noch unerwähnt bleiben . . . Ich bin immer noch auf der Suche, welches Spiel der Hinrunde schlechter war: St. Pauli, Dortmund oder Mönchengladbach. So langsam tendiere ich zu letzterem Auftritt, obwohl auch die anderen beiden Partien als Grottenkicks in die Geschichte eingegangen sind. Und nun, wo in dem kurzen Winterpäuschen die Weichen für 2011 und für die Rückrunde gestellt werden (müssen), rätsele ich, was dem Klub am besten hilft. Es wird ja vor allen Dingen ein Innenverteidiger gesucht, aber ist es das allein? Nur ein Abwehrspieler? Für mich fehlt ein anderer Mann. Und der fehlt viel dringender. Und vom Typ her habe ich ihn an diesem Wochenende gefunden. Es müsste einer vom Typ Horst Heese kommen. Die jungen Anhänger werden ihn kaum kennen, die älteren Fans aber gewiss: Heese ging in der Saison 1972/73 als Retter des HSV in die Geschichte ein.

Der Mann ging dorthin, wo es wehtat. Er schonte weder sich, noch seine Gegenspieler. Heese wurde im Winter 1972 von Eintracht Frankfurt verpflichtet, der HSV stand seinerzeit auf dem letzten Tabellenplatz in Liga eins. Der Abstieg drohte. Auch deshalb, weil in der Mannschaft kein Leben herrschte. Es gab zwar einige klangvolle Namen in diesem Team, aber es griff kein Rädchen ins nächste. Manfred Kaltz, Franz-Josef „Bubi“ Hönig, Willi Schulz, Klaus Zaczyk, Peter Nogly, Ole Björnmose, Caspar Memering, Peter Hidien und die Torhüter Arkoc Özcan und Rudi Kargus – das waren doch gute Leute. Aber es stimmte in dieser Truppe nicht. Trainer Klaus Ochs stand vor einem Rätsel. So ähnlich, wie es sich heute für Armin Veh darstellt. Der HSV von 1972 und von 2010 ist durchaus vergleichbar, auch wenn die Zeiten im Fußball längst ganz, ganz andere geworden sind – und natürlich nicht mehr vergleichbar sind. Nur eines zählt noch immer: Teamgeist. Damit kann immer noch etwas, immer noch viel erreicht werden.

Horst Heese kam damals, zeigte Herz, Leidenschaft, ging voran – und riss alle aus ihrem Dornröschenschlaf. Heese war robust, kernig, ein Grob-Techniker und ein Kämpfer vor dem Herrn, der zudem nicht auf den Mund gefallen war. Wo auch immer etwas zu sagen war, Heese war dabei. Und er erinnert sich an die damaligen Probleme: „Georg Volkert war ein riesiger Spieler, aber er hatte in Hamburg mit den Fans zu kämpfen, weil er dem Helden Charly Dörfel den Posten weggenommen hatte. Zudem gab es in dieser HSV-Mannschaft einige Spielerfrauen, die sich untereinander nicht grün waren. Sie sprachen nicht miteinander, also sprachen auch die entsprechenden Ehemänner nicht miteinander. Und in einem solchen Klima kann sich kein Teamgeist entwickeln.“

2010 ist es ähnlich. Auch wenn die Probleme ganz sicher andere sind, denn ich denke mal, dass sich Spielerfrauen von heute gar nicht mehr groß untereinander kennen.

Horst Heese hatte damals die Situation erkannt, und er handelte so, wie er es als Teamplayer immer gewohnt war: „Der Willi Schulz und ich, wir waren Typen aus dem Westen, wir haben dann den Laden aufgemischt. Und irgendwie waren alle anderen Mitspieler froh, dass wir die Initiative ergriffen haben. Wir haben Kerle aus den Kollegen gemacht: Da wurde fortan nicht mehr, wenn es kalt war, mit Strumpfhosen gespielt, es gab auch keine Handschuhe, im Gegenteil, da wurden die Ärmel aufgekrempelt – es ging nur noch zur Sache.“ Heese holte den HSV von ganz unten raus, weil er vorbildlich voran marschierte: „Ich habe den Mitspielern gezeigt, dass man mit dem entsprechenden Willen wirklich Berge versetzen kann.“ Undenkbar für die heutige Zeit: Es wurde sogar ein Mannschaftsabend eingeführt. Einmal in der Woche, immer montags, trafen sich alle HSV-Profis in der Kneipe von Arkoc Özcan. Da wurde gesprochen, gesabbelt, geflachst – und gesungen. In der Tat: Sogar Trainer Klaus Ochs erschien gelegentlich mit der Gitarre, und dann ging es hoch her. Heese erinnert sich: „Wenn Willi Schulz ‚Hoch auf dem gelben Wagen’ sang, hatten wir Hochstimmung.“ Der HSV landete letztlich noch auf Rang 14.

Und heute? Horst Heese lebt nach wie vor in Eupen (Belgien). Und er ist nach wie vor mit dem HSV verbunden. Er telefoniert noch oft mit früheren Mitspielern, er ist im ost-belgischen HSV-Fan-Klub Ehrenmitglied, und er sieht sich „seinen“ HSV stets im Fernsehen an. So wie am Freitag. Den Kick in Mönchengladbach. Sein Urteil fällt dramatisch schlecht aus: „Diese Vorstellung war erschreckend. In dieser Mannschaft steckt kein Leben. Wenn sich der eine oder andere Spieler mal aufregt, dann nur über den Schiedsrichter. Aber das eigene Unvermögen wird stets außer Acht lassen. Das ist peinlich.“ Heese weiter: „Dabei stecken doch so viele tolle und große Namen in diesem Kader. Eine solche Mannschaft hätte ich gerne mal trainiert, aber ich hatte nur Gurkentruppen . . .“

Horst Heese ist aber noch nicht am Ende mit seiner gnadenlosen Beurteilung des HSV 2010/11: „Ich habe das Gefühl, dass sich einige Spieler für Weltklasse-Profis halten, da spielen viele Leute, die denken, dass sie Weltmeister sind. Dabei sind die meisten Nieten . . .“ Und: „Da ist keine Seele im Team erkennbar, da zeigt kaum einer Herz für die Raute, wenn es zur Sache gehen müsste, lassen sie lieber den Nebenmann machen. Das nenne ich Dienst nach Vorschrift. Wenn ich allein den Torjubel sehe. Das ist doch keine echte Freude, das kann mir doch niemand erzählen. Das ist doch alles viel zu künstlich.“ Harte Worte, aber Horst Heese hat in seinem Leben niemals Kompromisse gemacht. Er sagt auch: „Die Spieler scheint auch gar nicht zu interessieren, ob sie Siegprämien kassieren können oder nicht. Die scheinen es gar nicht mehr nötig zu haben, auf Prämienjagd zu gehen, denn die verdienen ihre Millionen ja auch schon als festes Gehalt. Die haben heute doch gar keine Zukunftsängste mehr, wenn der HSV absteigen sollte, dann spielen sie eben woanders. Ganz bitter ist das.“

Dann führt Horst Heese noch ein Beispiel an, das dem einen oder anderen von Euch gewiss nicht gefallen wird: „Ich habe auch St. Pauli gegen Mainz gesehen. Die Braunen haben gekämpft wie die Löwen. Im Gegensatz zum HSV. Die Stanislawski-Truppe war immer in Bewegung, die sind hinter jedem Ball her marschiert. Ich will es mal so sagen: St. Pauli spielt mit Herz, der HSV spielt herzlos.“

Was aber kann er dem HSV raten, damit es in der Rückrunde wieder bessere Spiele und vor allem auch erfolgreichere gibt? Heese, der am 31. Dezember 67 Jahre alt wird: „Der HSV muss irgendwann einmal konsequent sein, er muss sich von dem einen oder anderen Spieler trennen, ganz klar. Diese Saison muss der Klub abhaken, und dann muss mit dem Rasieren begonnen werden. Und zwar rigoros. Die Stinkstiefel müssen aussortiert werden. Dringend. “ Hat er Namen auf Lager? Heese: „Der erste Spieler, der bei mir fliegen würde, wäre Paolo Guerrero. Was spielt der eigentlich? Der trabt doch nur noch wie eine Diva über den Platz. Weiß der eigentlich, was Einsatz ist? Wenn ich sein Spiel sehen, macht mich das zornig.“

Er sorgt sich um den HSV, das gibt Horst Heese zu. Aber er sieht auch durchaus noch gute Ansätze, die ihm Hoffnung auf Besserung machen. Kürzlich waren Ruud van Nistelrooy und Heung Min Son zu Gast in seinem belgischen HSV-Fan-Club. Heese begeistert: „Diese beiden Jungs passen super in die Welt. So wie die hier aufgetreten sind, war das beste Werbung für den HSV. Nett, sympathisch, offen. Einige Fans hatten Tränen in den Augen. Son und van Nistelrooy hätten auch bestens in unsere damalige Truppe gepasst . . .“ Heese weiter: „Deswegen verstehe ich das nicht, dass diese HSV-Mannschaft keine Einheit ist. Mit solchen tollen Typen müsste das doch eigentlich klappen können . . .“ Wobei Horst Heese auch noch anmerkt: „Die heutigen HSV-Spieler haben doch den Himmel auf Erden: Hamburg ist eine tolle Stadt, hat der HSV Erfolg, wird jeder Spieler gefeiert. Dazu dieses hervorragende Trainingszentrum am Stadion – schade, schade, dass man daraus nicht mehr macht.“

Aber vielleicht kommt das ja noch. Wenn der HSV einen wie ihn, einen wie Horst Heese findet. Und nicht nur einen Innenverteidiger.

Und auch das möchte ich Euch an diesem vierten Advent nicht vorenthalten:

Sergej Barbarez kritisiert bei „LIGA total!“ die Situation beim HSV:

Sergej Barbarez, früher Spieler und Aufsichtsratsmitglied beim HSV, äußerte sich heute zur Situation bei seinem ehemaligen Klub. Er sagte über die öffentlich geäußerte Kritik von Aufsichtsratsmitglied Peter Becker an HSV-Sportchef Bastian Reinhardt: „Natürlich war ich verwundert ? wie jeder andere! […] Wenn das Ergebnis nicht stimmt, kommen auch andere zu Wort. Jeder weiß: Wenn Aufsichtsratswahlen sind, dann ist schon viel los in Hamburg. Auch jetzt, wo 21 Leute für vier Plätze kandidieren. Da muss man sich schon was ausdenken. Und dass das auf Kosten des Sportdirektors geht, das darf natürlich nicht passieren.“

Der Bosnier weiter: „Man muss eine Linie fahren. Leider läuft das in Hamburg nicht in diese Richtung. Deswegen passieren auch so viele Sachen und man hat kaum Ruhe.“ Barbarez auf die Frage, ob HSV-Boss Bernd Hoffmann insbesondere für die Fans das Hauptproblem sei: „Für die Fans, natürlich. Zumindest für die meisten Fans. Man sieht die Reaktionen, man sieht, dass sie nicht zufrieden sind mit dieser Arbeit.“ Der 39-Jährige Ex-Torjäger mit abschließendem Blick auf die bevorstehende Mitgliederversammlung: „Ich glaube, es wird turbulent am 9. Januar.“
In diesem Falle muss Sergej Barbarez aber auch eigentlich kein Prophet sein.

Aber, das ist nun wieder meine Einschätzung, es dürfte auch schon vorher reichliche Turbulenzen geben. Zum Beispiel in der Trainerfrage. Keine Angst, ich stehe immer noch zu 100 Prozent zu Armin Veh, daran wird sich auch nichts ändern. Ich weiß aber nicht, ob er noch immer hundertprozentig Lust auf diesen HSV hat. Weil auch Veh inzwischen längst erkannt haben dürfte, auf welch ein Abenteuer er sich da im Sommer 2010 eingelassen hat. Aber genau das ist auch der Ansatz für mich, dass ich auch sage: Gerade deswegen müsste Veh mindestens noch ein Jahr blieben, damit er spätestens im Sommer 2011 die längst überfälligen Konsequenzen zieht. Sonst kommt wieder ein neuer Trainer, der erst kurz vor dem Winter weiß, wo die Kandidaten sind, auf die er sich nicht verlassen kann . . . Und schon beginnt dieses Spielchen wieder von vorn. Das sollte allen eine Warnung sein. Jedes Jahr einen neuen Trainer, und der HSV wird es nie schaffen, wieder ganz nach oben zu kommen.
Das wäre mein Weihnachtswunsch 2010 in Sachen Fußball (und HSV).

16.18 Uhr

Frankfurt wird ein harter Gang

26. Oktober 2010

Klaus Toppmöller zum 1. FC Köln? Dieses Gerücht hält sich seit ein paar Tagen sehr hartnäckig. Und ich muss zugeben, mit vielem hatte ich bei den Rheinländern gerechnet, aber damit nicht. Nicht, dass ich Toppi nicht mag, im Gegenteil. Klaus Toppmöller ist ein sehr, sehr netter Kerl. Ein Fußballverrückter, das mag ich. Aber er war eben auch sehr lange raus. So lange, dass ich nicht mehr an sein Comeback in der Ersten Bundesliga geglaubt hatte.

Zumal Toppi seit seinem Engagement beim HSV bundesweit nicht den allerbesten Ruf genießt, hier ewig nicht als Trainer gehandelt wurde. Ihm wurde unterstellt, Trainingseinheiten nicht vorbereitet zu haben. Und er soll das eine oder andere Mal lieber in seiner Heimat bei seiner eigenen Sportsbar in Rivenich geblieben sein, als in Hamburg zu trainieren. Vorwürfe, die ich nicht bestätigen kann, die aber aus dem Klubumfeld kamen und sich lange hielten. Wobei, sicherer als diese Behauptungen ist sein Engagement in Köln ja nicht. Auch das ist noch ein Gerücht. Ein ebenso hartnäckiges wohlgemerkt. Aber mich würde es eh freuen, den alten Lehrmeister mit der unbekümmerten Schnauze bald wieder zu sehen. Am liebsten schon am Sonnabend gegen den HSV.

Gleiches gilt im Übrigen für Heribert Bruchhagen, den ich für einen exzellenten Mann seines Faches halte. Ich hatte mich letzte Saison einmal lange mit dem Vorstandsvorsitzenden unseres morgigen Pokalgegners unterhalten. Damals hatte sein Trainer Michael Skibbe öffentlich gerade mächtig Stimmung gegen ihn und den gesamten Vorstand gemacht. Ich hatte ihn daraufhin gefragt, warum er sich das alles gefallen lässt. Warum er seinen Coach noch nicht vor die Tür gesetzt hat. Immerhin wäre ein solches Szenario in Hamburg undenkbar. Oder kann sich jemand vorstellen, was passieren würde, wenn ein HSV-Trainer öffentlich Bernd Hoffmann attackiert?

Nun denn, Bruchhagen blieb am Telefon gelassen, er lachte sogar. Und er hat ganz trocken geantwortet: „Weil Skibbe seinen Job einfach gut macht. Der Rest ist mir egal.“ Punkt. Und Bruchhagen hatte Recht, er bewies sogar richtig Weitblick, indem er sein eigenes Ego beispielhaft weit zurückstellte. Heute hat die Eintracht eine starke Mannschaft zusammen. Hinten spielen sie gewiss nicht den filigransten Fußball mit Maik Franz und Marco Russ. Aber sie stehen unheimlich kompakt. Sie schöpfen ihre Möglichkeiten aus. Auch dank Skibbe.

Zudem haben sie mit Patrick Ochs den Außenverteidiger der Liga, den ich dem jeweiligen HSV-Sportchef schon seit Jahren ans Herz lege. Bislang allerdings noch ohne Erfolg. Leider. Denn erstens hat der HSV meines Erachtens noch immer rechts in der Viererkette Nachholbedarf. Und zweitens wird Ochs, der als tadelloser Charakter und als Teamplayer gilt, von Jahr zu Jahr besser. Achtet mal darauf.

Egal wie, wir haben in Hamburg auch gute Leute. Sehr viele, sehr gute sogar, auch wenn mit David Jarolim, und Ruud van Nistelrooy zwei der besten ausfallen, zudem auch der zuletzt gut spielende Collin Benjamin (Knieprobleme) passen muss. Allerdings, das Thema hatten wir ja vor den letzten beiden Spielen zur Genüge: der HSV hat auch mit diesen Ausfällen noch eine Mannschaft, die sich namentlich großartig liest. Und, das nur für die Statistiker unter uns: Unter Florian Meyer als Schiedsrichter – der gute Mann pfeift uns auch morgen – hat Mladen Petric drei Tore in vier Spielen geschafft. Der Kroate gilt ohnehin als Garant in DFB-Pokalspielen: zehn Tore steuerte der Mann mit der Rückennummer zehn in seinen insgesamt 14 Pokalspielen bei. Und er ist morgen von Beginn an dabei.

So viel zum Thema Statistiken. Das soll erstmal reichen. Denn gerade der Pokal hat – wieder fünf Euro ins Phrasenschwein, ich weiß! – seine eigenen Gesetze, Statistiken zählen hier nicht. Zum Glück – denn in zwei Duellen mit den Frankfurtern verloren wir beide. Und beide Male in Frankfurt.

Und damit sich dies nicht wiederholt, wird es in Frankfurt darauf ankommen, wieder so kompakt wie zuletzt zu stehen. Und zwar besser als am zweiten Spieltag, wo wir in der Commerzbank-Arena mit einer gehörigen Portion Glück 3:1 gewonnen haben. Hintergrund: Die Frankfurter hatten damals vor dem Ausgleich mehrfach gute Gelegenheiten, das zweite Tor nachzulegen. Sie vergaben ihre Möglichkeiten aber kläglich. Wobei ich mir damals sicher war, nach einem zweiten Gegentreffer wäre der HSV in diesem Spiel wahrscheinlich nicht mehr zurückgekommen. Und auch diesmal wird es ein ganz harter Gang.

Auch wenn sich seither einiges verändert, vieles verbessert hat. Damals standen wir hinten beispielsweise nicht so gut, wie in den letzten beiden Spielen nach der Systemumstellung Vehs. „Das ist normal“, bestätigt Heiko Westermann, „Joris und ich waren anfangs noch nicht so eingespielt. Jetzt schon.“ Zudem lässt HSV-Trainer Veh im Mittelfeld wieder mit einer Raute spielen, wobei Tomas Rincon als reiner Abräumer agiert, anders als die eher über das Spielerische kommenden Jarolim und Zé Roberto zuvor als „Doppelsechs“. „Das kommt der gesamten Defensive zugute“, lobt Westermann den zweikampfstarken Venezolaner, „wir haben es in den letzten beiden Spielen besser umgesetzt, weil wir alle besser defensiv arbeiten.“

Auch weil es defensiv so gut aussah, versuchte Armin Veh heute alles. Alles, um nach dem sicheren Ausfall von Benjamin, der schon im Training aussetzte, nicht noch mehr in der Viererkette verändern zu müssen. Ein Vorhaben, das heute fast schon dramatische Züge annahm. Denn bereits nach fünf Minuten, als gerade einmal ein paar harmlose Warmmachübungen absolviert worden waren, wollte Marcell Jansen das Training abbrechen. Erst eine längere Unterredung mit dem Trainerteam sowie ein Gespräch zwischen Jansen, Veh und Mannschaftsarzt Nikolai Linewitsch brachte die Wende. Jansen wechselte die Schuhe und trainierte durch. Dabei schonte er seinen linken Fuß, agierte insgesamt sehr vorsichtig und schoss nur mit der linken Innenseite (der kleine Zeh ist gebrochen) oder dem rechten Fuß. Er reist zwar trotzdem mit nach Frankfurt, dennoch dürfte sein Einsatz morgen zumindest fraglich sein.

Offen wäre auch, wer für Jansen nach dem Langzeitausfall von Dennis Aogo hinten links ran dürfte? Muhamed Besic, dem Veh zuletzt attestiert hatte, er sei für die Viererkette schon „eine echte Alternative“? Oder zieht Veh lieber Zé Roberto wieder zurück? Im letztgenannten Fall müsste das linke Mittelfeld neu besetzt werden. Alternativen hierfür gibt es mit Maxim Choupo-Moting, Änis Ben-Hartira oder auch Gojko Kacar. Wobei, und das macht diese Auflistung deutlich – Veh müsste links Kompromisse eingehen.

Rechts hingegen nahm heute schon Guy Demel seine zuletzt an Benjamin verlorene Position in der Viererkette ein. Und er machte es zumindest im Training, das Veh in die Imtech-Arena verlegt hatte, recht ordentlich. Allerdings dürfte der HSV-Trainer insbesondere von Demel nach dessen zuletzt gezeigten schwachen Vorstellungen in Frankfurt mehr als von anderen erwarten. Fraglich bleibt für mich, wie der (oftmals zu) sensible Ivorer mit diesem Druck umzugehen weiß.

Etwas überraschend war nicht nur für mich, dass Petric, obwohl Ruud van Nistelrooy wegen seiner Knieprobleme definitiv ausfallen wird und auch im Training dementsprechend nicht mitwirkte, im Abschlusstraining zuerst nur in der B-Elf agierte. Erst zum Abschlussspiel beorderte Veh seinen Angreifer ins A-Team. Ich glaube, nachdem sich Petric nach dem untersagten Wechsel gen VfB Stuttgart häufiger das Recht herausgenommen hatte, seine Interessen öffentlich zu machen und den Verein eben so zu kritisieren, will Veh ihm zeigen, wer am längeren Hebel sitzt. Und dafür lässt der erfahrene Trainer keine Gelegenheit aus. Auch heute nicht.

Trotzdem, oder besser: schon deshalb erwarte ich für morgen auch bei dem technisch brillanten Linksfuß eine Reaktion. Er ist zu stolz, um seinen Kritikern neue Nahrung zu geben. Er muss einfach ein gutes Spiel machen, um allen zu zeigen, wie wichtig er ist. Auch wenn er selbst von dem ganzen Trouble offiziell gar nichts wissen will, sich bedeckt hält. „Ich denke nicht zurück und auch nicht daran, was im Winter passieren könnte“, hakt Petric alle schwelenden Gerüchte ab. Zwar gibt er zu „in einer wirklich schwierigen Situation“ zu stecken. „Aber ich habe mich bislang mein ganzes Leben durchkämpfen müssen. Aufgeben gibt es für mich nicht.“

Schon gar nicht vor seinen ersten Einsatz von Beginn an seit dem Wolfsburg-Spiel am fünften Spieltag. „Mich interessiert nur dieses Spiel, sonst wirklich gar nichts.“ Auch nicht, dass sich heute wieder Stuttgarts Manager Jochen Schneider zur Personalie Petric geäußert hat. „Ausschließen kann ich hier nichts“, war dessen Antwort auf die Frage, ob sich die Schwaben im Winter erneut um eine Verpflichtung von Mladen Petric kümmern würden. „Das ist mir egal“, so Petric, „ich bin einfach erstmal nur froh, wieder auf dem Platz zu stehen. Und ich freue mich darüber, wieder ganz vorne spielen zu dürfen.“

Stattdessen freut sich Petric auf einen alten Bekannten: Theofanis Gekas. Mit dem Griechen hat er zwar noch nie in einem Team gespielt, dafür aber vor drei Jahren im Hotel im Griechenland-Urlaub gewohnt. „Wir haben ein paar Mal gequatscht und die Nummern ausgetauscht. Seitdem haben wir Kontakt“, so Petric.

Gute Nachrichten gab es vom HSV-Team-Oldie Zé Roberto. Der Mittelfeldchef konnte nach seinem grippalen Infekt heute wieder voll mitmachen. Zwar wirkte er noch lange nicht so spritzig wie zuletzt und hatte ungewöhnlich viele Stockfehler bei ungewöhnlich wenigen Ballkontakten, allerdings ist Zé auch dafür bekannt, sich seine Kräfte auf die Pflichtspiele hin ausgerichtet sehr gut einteilen zu können.

Insofern bin ich heute insgesamt sicherlich nicht euphorisch. Ich würde auch lügen, wenn ich behaupten würde, so optimistisch zu sein wie vor den letzten beiden Spielen gegen Mainz und Bayern München. Aber ich hoffe auf eine Reaktion der Mannschaft. Sie kann, und das ist das (wohl einzig) Positive an solch schwierigen Personalsituationen, in Frankfurt zeigen, inwieweit sie schon als Einheit funktioniert.

Und das mit folgender, möglicher Startelf: Drobny – Demel, Westermann, Mathijsen, Jansen – Pitroipa, Rincon, Trochowski, Zé Roberto – Guerrero, Petric. Immer noch eine sensationelle erste Elf, oder?? Aber das hatte ich ja schon…

In diesem Sinne: Nur der HSV!

16.32 Uhr

In eigener Sache
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