Archiv für das Tag 'Nürnberg'

Ivica Olic: “Mir tut es weh . . .”

20. April 2014

„Wir dürfen heute enttäuscht sein, aber morgen müssen die Köpfe wieder oben sein. Wir müssen alles dafür tun, dass wir gestärkt in die nächste Woche gehen, wir müssen uns top vorbereiten auf das Spiel in Augsburg. Wir haben schon vor dem Spiel gegen Wolfsburg beschlossen, dass wir einen Tag früher anreisen zu diesem vorletzten Auswärtsspiel, noch einen Tag früher als sonst, wir werden in Augsburg trainieren, und wir wollen und werden dabei sein, wenn am Sonnabend die anderen Club in der Bundesliga spielen, um dann am Sonntag entsprechend nachlegen zu können.“ Sagt HSV-Trainer Mirko Slomka. Und er lässt bei diesen Sätzen keinerlei Zweifel daran aufkommen, ob er noch an die Klassenerhalt des HSV glaubt. Der Coach gibt sich kämpferisch, er beißt noch, er gibt nicht auf – aber reicht das? Sportchef Oliver Kreuzer hat seine Art des Kampfgeistes so formuliert: „Wir fahren nach Augsburg, um dort zu siegen, mit aller Brutalität wollen wir dort gewinnen. Und aus die Maus.“

Schön gesagt. Mich erinnert das an jene Phase, als der HSV noch zehn Spiele vor sich hatte. Damals hatte Kreuzer vorgerechnet: „Aus diesen zehn Partien brauchen wir fünf Siege, um sicher zu sein, dass wir nicht absteigen.“ Jetzt stehen noch drei Begegnungen an – nur noch drei. Und aus den vorangegangenen Spielen wurde gerade einmal zwei Siegchen geholt. Und von den drei Partien, die nun noch kommen geht es zweimal auswärts um die Wurst (Augsburg und Mainz), dazu kommen die Bayern nach Hamburg. Welch eine Ehre. Die großen Bayern. Das letzte Heimspiel der Saison. Geht es nach vielen Experten (heute beim Sport1-Doppelpass) und auch nach vielen, vielen HSV-Fans, ist der Dino bereits abgestiegen. Und wenn man hört, wie sehr nun der mit 3:1 siegreiche VfL Wolfsburg schon fast als „Übermannschaft“ in den Fußball-Himmel gehoben wird (Slomka: „Wolfsburg hat eine Riesen-Klasse“) – wie soll das erst gegen die Bayern werden? Sind die nicht sogar noch etwas besser als die VW-Werkself?

Für Abendblatt-Blogs


Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich immer noch zuletzt.

Nur auf was oder wen fußt diese Hamburger Hoffnung denn jetzt überhaupt noch? Nach der achten Heimniederlage (von insgesamt 18 in dieser Saison!) gab es Mitleid vom Gegner – das ist fast das Schlimmste, was einem passieren kann. Ivica Olic, zugegeben nicht ganz ein „Gegner“, befand nach dem Spiel mitfühlend: „Es ist sehr schade, so ein Verein, eine solche Stadt und so tolle Fans – es tut mir weh. Ich habe hier mit die schönste Zeit meiner Karriere erlebt. Deswegen wünsche und hoffe ich, dass der HSV in der Bundesliga bleibt. Aber was die Mannschaft zuletzt gezeigt hat, ich weiß nicht, ob das reicht – ganz ehrlich, ich habe große Sorge. Sie müssen alles geben, alle müssen kämpfen, um doch noch den Abstieg zu vermeiden.“

Das, lieber „Ivi“, wissen viele schon seit Wochen. Es wissen nicht alle, aber immerhin einige. Und es werden bis zum letzten Spieltag auch noch einige mehr sein, da bin ich mir sicher. Nur ob es dann auch wirklich alle sind, das weiß ich natürlich nicht. Wenn ich das erste Tor schon nach 90 Sekunden sehe, dann fehlt mir jegliches Verständnis. So sieht es wohl auch Ivo Ilicevic: „Wenn man das Tor nach zwei Minuten sieht, das ist einfach zu einfach. Da läuft einer in der zweiten Minute ganz allein auf unser Tor zu und kann den Ball einschieben – und dann läuft man gleich einem Rückstand hinterher. Und das ist nicht so einfach, das ist sogar extrem schwer, weil Wolfsburg natürlich auch eine gute offensive Qualität hat. Zweite Halbzeit haben wir es zwar etwas besser gemacht, aber nach dem 0:3 war es natürlich extrem schwer für uns.“

Uns Heiko Westermann analysierte nach dem Spiel: „Wenn man natürlich so anfängt, nach 90 Sekunden schon das 0:1 . . . Wir haben in der ersten Hälfte vier, fünf katastrophale Fehler gemacht, die Wolfsburg eiskalt bestraft hat. Ansonsten haben wir in der zweiten Halbzeit versucht, aber wir haben, das muss man auch sagen, gegen ganz starke Wolfsburger gespielt haben. Und das wir nicht die Möglichkeiten hatten mit unserem Kader, diese VfL-Mannschaft zu bezwingen. Aber wir stehen noch auf dem Relegationsplatz, wir haben auch keine fünf Punkte Abstand noch oben, wir können noch die Klasse direkt halten. Und solange diese Möglichkeit besteht, muss da auch jeder dran festhalten.“

An diesem frühen Gegentor bissen sich nachher alle fest. Auch Oliver Kreuzer argumentierte: „Bei diesem 0:1 war unsere Defensive unorganisiert.“ Dann sucht der Sportchef dafür nach Gründen. Wieso war die Defensive schon nach Sekunden unorganisiert? Das allein ist doch ein Skandal. Kreuzer findet aber reale Gründe dafür: „Da stellst du den Heiko Westermann wieder ins Zentrum, der hat die letzten fünf oder sechs Spiele Linksverteidiger gespielt, dann stellst du Jiracek nach links – du hast also fast alle umgebaut. Und bis das alles richtig funktioniert hat, stand es schon 0:1. Wie Wolfsburg die Schnittstelle in der Mitte genau getroffen hat.“ Kreuzer nach einer kurzen Pause weiter: „Natürlich hast du den Ball vorher verloren, aber trotzdem, wenn du einigermaßen organisiert bist, dann passiert so etwas nicht. Aber das sind die Dinge, die ich schon angesprochen habe, irgendwie ist es dann einmal zu viel . . .“

Die vielen Verletzten. Natürlich, es fehlt mehr als eine halbe Stamm-Formation, aber das geht anderen Vereinen gelegentlich auch mal so. Und irgendwie kommt man doch bei all diesen Problemen, die der HSV jetzt hat, immer wieder auf die – so sehe ich das – hirnlose Kader-Zusammenstellung. Ich hätte, um es mal auf die Spitze zu treiben, noch einen Innenverteidiger mehr verpflichtet, und vielleicht auch noch den einen oder anderen Spieler mehr ohne Spielpraxis. Das hat gut funktioniert. Zumal sie alle, wirklich alle und jeder, in der Winterpause gesagt haben: „Wir holen nur dann Spieler, wenn die uns sofort helfen.“ Sie haben sich alle, und auch ein jeder, daran gehalten. Bewundernswert. Nein, meine Freunde, wenn hier nicht der Wurm drin ist, wo dann?

Kreuzer glaubt aber immer noch an das Gute im Profi-Fußball – speziell des HSV: „Okay, man muss die Ergebnisse des Sonntags abwarten, aber im Prinzip ist es doch so, dass wir noch nicht abgeschlagen sind. Und die vier Vereine, die dort unten stehen, haben immer noch alle Möglichkeiten. Deswegen wäre es doch Wahnsinn, wenn man da etwas abschenken würde. Abschenken geht gar nicht, das werden wir auch nicht. Wir werden alles geben.“

Das klingt wie immer. Das hören wir schon seit Monaten. Warum aber hat der Abstiegskandidat HSV zum Beispiel nicht auch alles gegeben? Wenn man dort unten steht, dann muss man sich den Hintern aufreißen wollen, und zwar mit der ersten Spielminute an. An nichts anderes darf ein Profi dann noch denken – aber es wird dann doch verschlafen. Pomadig und überheblich und lässig.

Wir werden also wieder einmal alles geben. Nur, und da sind wir wieder bei der alles entscheidenden Frage: reicht das? 18 Niederlagen sprechen eine deutliche Sprache. 18! Mehr hat nur der Tabellenletzte. Und irgendwelche Vereine müssen ja nun mal absteigen. Mir stimmt die Mentalität in dieser HSV-Truppe nach wie vor nicht. Slomka hatte „Herz“ angekündigt, aber hatten alle dieses „Herz“ – und wer kann dazu noch erstliga-reif Fußball spielen? Hakan Calhanoglu befand ehrlich: „Wir haben viele Zweikämpfe verloren, zudem hat die Laufbereitschaft hat nicht so gut gestimmt – das sind die Punkte, die zu dieser Niederlage geführt haben.“

Mirko Slomka ist um seinen Job nicht zu beneiden. Er will auch alles geben. Und dabei weiß er erstens, dass die Qualität nicht reicht, und er weiß zweitens, dass er jetzt trainieren, trainieren und trainieren kann, es würde nichts helfen. Jetzt ist der Psychologe Slomka gefragt. Und als ein solcher redet der Coach ja auch schon seit Wochen mit Engelszungen auf seine Spieler ein. Er will sie stark reden. Aber ob dazu noch die Zeit besteht? Ich fand es aber schon grenzwertig, wenn Mirko Slomka von den Schocks des HSV vor dem Spiel sprach. „Nachmittags erkrankte uns Jonathan Tah, das war ein erster Schock, und dann verletzte sich kurz vor dem Spiel Johan Djourou, sodass wir umbauen mussten – das war Schock Nummer zwei. Es folgte Schock Nummer drei, nämlich das schnelle Gegentor nach 90 Sekunden.“

Mag ja sein, aber Tah als „Schock“ zu bezeichnen, wo er doch bislang unter Slomka kaum zum Einsatz gekommen war, wo Tah doch zuletzt gar keine Rolle – auch aus Verletzungsgründen – mehr gespielt hatte! Nein, dieser „Tah-Schock“ war ein wenig zu hoch gegriffen – und sah dann doch wieder nur nach „schönreden“ aus. Wer suchet, der findet. Man muss nur erfinderisch sein. Slomka befand: „Die Umstellungen kurz vor Spielbeginn, die tun einfach nicht gut.“ Klar. Dennoch darf man so stehen, wie es sich für eine Profi-Mannschaft eigentlich gehören müsste. Und Slomka suchte natürlich nach einem Strohhalm – und fand ihn dann auch: „Nach dem 0:3 hatten wir, und das macht mir große Hoffnungen auf die nächsten Partien, eigentlich unsere beste Phase. Gerade nach diesem schnellen 0:3. Das zeigt, dass die Mannschaft einen großen Charakter hat, dass sie Willensstärke hat.“ Natürlich. Man muss es nur oft genug wiederholen.

Dass der HSV gerade jetzt so viele Verletzte hat, das, so vermuten einige Experten (und Fans?), könnte auch daran liegen, dass Mirko Slomka plötzlich sein Trainingspensum angezogen hat. Trainiert Slomka zu hart? Er wehrt sich: „Ich hatte gerade in den letzten 14 Tagen das Gefühl, dass wir nicht genug getan haben. Dass wir mal eine Einheit gerade deswegen, weil wir diese Probleme haben, mal lockerer angegangen sind. Ich glaube nicht, dass wir zu hart trainieren, im Gegenteil, wir müssen weiter hart arbeiten, um dran bleiben zu können, und wir müssen uns gut vorbereiten. Dass es jetzt einige Verletzte bei uns gibt, das liegt auch daran, dass man da unten steht. Da gibt es häufiger mal Probleme, weil es weh tut, zu Hause zu verlieren, weil es weh tut, immer wieder dagegen anzukämpfen, dass weiß jeder, der mal Fußball gespielt hat.“

Und dann noch zwei Personalien. Im Fernsehen (und wohl nicht nur dort) haben sie sich ja auf Heiko Westermann „eingeschossen“, weil er an den drei Gegentoren eine Mitschuld trug – tragen sollte. Slomka dazu: „Heiko hat eine starke Partie gezeigt, hat auch im Aufbau viele gute Szenen gehabt.“

Und dann die „unterirdische“ Vorstellung von Jacques Zoua. Slomka: „Jacques arbeitet viel für uns, er versucht die Bälle da vorne festzumachen – und es ist ja auch immer eine Frage der Alternative. Und Mattia Maggio hat ja in Hannover zuletzt eine Halbzeit gespielt, aber er hat uns nicht so überzeugt, dass wir nun sagten, dass er deutlich mehr Spielminuten benötigt.“ Das entscheidet, so geht es im Fußball überall, eben immer in erster Linie der Trainer. Wobei ich nichts gegen Mirko Slomka sagen will, denn der „arme Mann“ hat nun wirklich keine Schuld an dieser HSV-Talfahrt. Dafür müssten ganz andere Leute den Kopf hinhalten.

Immerhin: Heute lässt (oder ließ) der HSV die Zweitliga-Partie Paderborn gegen Greuther Fürth beobachten. Wg. einer eventuellen Relegation . . . Da geht noch was. Slomka: „Wenn wir dann am Ende diese beiden Spiele machen dürfen, so muss man es ja fast schon sagen, dann wollen wir gut vorbereitet sein.“ Im ZDF sagte Slomka zu der Frage, ob er sich damit beschäftig hat, dass er der erste HSV-Trainer ist, der absteigt? Der Coach: „Dann werde ich auch der erste HSV-Trainer sein, der mit der Mannschaft aufsteigt.“

Aber vorher gibt es ja noch einige Spielchen – genau drei. Und dann eventuell die Relegation. Denn Nürnberg, das hat diese 1:4-Niederlage heute gegen Leverkusen bewiesen, ist leistungstechnisch mit dem HSV auf Augenhöhe. Ich hoffe ganz stark darauf, dass das so bleibt und der Club am Ende zusammen mit Braunschweig absteigt, während der HSV gegen Paderborn (oder doch den FCK?) die zweite Chance nutzt. Mehr dürfte auch nicht mehr drin sein. Stuttgart jedenfalls, das ist wenig überraschend für mich, ist seit heute weitgehend raus aus dem Absteigskampf. Zumindest dann, wenn sie das 3:0 (Stand 18.46 Uhr) halten…

18.46 Uhr

Lasogga will mehr Verantwortung übernehmen

27. März 2014

Der Tag danach tut in dieser Saison fast immer weh. Mehr noch als das Spektakel an sich zum Zeitpunkt des Abpfiffes. Denn wie so oft wurde mir auch heute noch mal klar, wie groß die Chance war, sich einiger Sorgen zu entledigen. Oder besser: Sich dem Klassenerhalt zu nähern. Und nachdem HSV-Trainer Mirko Slomka die vergebene Chance ebenso klar erkannt hatte wie Freiburgs Trainer Christian Streich dem HSV eine sportlich deutliche Überlegenheit attestiert hatte, setzte heute auch Kreuzer an. „Wir waren die bessere Mannschaft und hätten den Sieg sicherlich verdient gehabt“, so der HSV-Sportchef, der nach eigenen Angaben versuchte, das Positive aus der gefühlten Niederlage zu ziehen: „Man hat gesehen, dass die Mannschaft unter Mirko den Kampf angenommen hat – sie belohnt sich nur noch nicht. Aber das wird passieren.“

Nur wann?

Denn viel Zeit bleibt nicht mehr und mit Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, dem 1. FC Nürnberg, VfB Stuttgart und jetzt dem SC Freiburg hatte der HSV es zuletzt gegen direkte Konkurrenten in der Hand, sich abzusetzen. Mehr als der Aufstieg auf einen Relegationsplatz – zudem punktgleich mit dem 17. und nur noch drei Punkte vor dem 18. aus Braunschweig – wurde es nicht. Und jetzt kommen mit Gladbach, Leverkusen, Hannover und Wolfsburg vermeintlich größere Kaliber auf den HSV zu, beginnend auf dem Bökelberg am Sonntag beim Ex-(und bald-wieder-?)Klub von Marcell Jansen, der die HSV-Situation kurz und knackig mit „sehr beschissen“ umschreibt. „Wir müssen jetzt vielleicht die Größeren schlagen. Wir haben noch so viele Schlachten. Wir haben die Qualität, Dreier zu holen.“ Wann er wieder dabei sein kann, ist noch unklar. Ebenso wie seine persönliche Situation. Im Sommer könnte der Linksfuß für die festgeschriebene Ablösesumme von fünf Millionen Euro wechseln – beim Abstieg ein mehr als wahrscheinliches Szenario.


Oliver Kreuzer, seit Juni 2013 Sportchef des HSV

Aber auch das ist momentan nebensächlich. Das große Ganze schlägt das Einzelschicksal. Und das Ziel Klassenerhalt erlaubt keine Ablenkungen. So sieht es auch Kreuzer: „Für uns muss es unerheblich sein, ob eine Mannschaft wie Freiburg oder Leverkusen kommt. Es darf uns nicht mal interessieren, ob wir auswärts auf den Achten oder den 17. treffen. Und genau so bereitet unser Trainer die Mannschat vor“, sagt Kreuzer, dem eine gewisse Ratlosigkeit anzumerken ist. Denn wenn selbst die Spiele nicht mehr gewonnen werden, in denen man – wie gegen Freiburg – die aktivere, bessere Mannschaft ist, dann frustriert das. Und dieser Frust raubt Selbstvertrauen. Ich glaube, jeder, der mal mit aller Kraft gegen etwas angekämpft hat und nicht so recht voran kam, der weiß, was ich meine.

Allein es auszusprechen lohnt nicht. Ebenso wenig wie über die oft zitierte Auswärtsschwäche zu sprechen. Immerhin liegt der letzte Sieg in der Fremde nunmehr eine halbe Saison zurück. Am zehnten Spieltag wurde 3:0 gewonnen – in Freiburg. „Das wissen wir sehr wohl“, so Kreuzer, „aber immer wieder darüber zu sprechen macht das Ganze nur unnötig wichtig und präsent in den Köpfen der Spieler. Das ist wie eine selbsterfüllende Prophezeiung, daher meiden wir hier den Blick zurück. Denn der Glaube ist definitiv da. Wir konzentrieren alles auf das, was wir im Moment anstellen und erreichen können.” Und dauf die positiven Aspekte der letzten Wochen. Kreuzer: “Wir nehmen mit, dass wir defensiv stabiler geworden sind und inzwischen nur noch ein Tor pro Spiel im Schnitte kassieren. Das gibt der Mannschaft unglaublich Sicherheit. Und wir nehmen mit, dass wir gegen Freiburg über 20 Torschüsse hatten, davon allein zehn von Pierre-Michel Lasogga.“

Ohne die nötigen Punktgewinne bleiben Kreuzers Worte unbestätigte Theorie, ganz klar. Frei nach dem Motto „der Veranstalter lobt die eigene Veranstaltung“ versucht sich der HSV-Sportchef in Zweckoptimismus. Und man mag es ihm noch nicht einmal übel nehmen. Immerhin wird auch Kreuzer am Saisonende für alles Geschehene eine Hauptverantwortung übernehmen müssen. Und das weiß er auch. Auch deshalb freut sich der Sportchef besonders über die Rückkehr Lasoggas. Denn wie wichtig der ist, hat das Freiburg-Spiel erneut gezeigt. Gleich alle ersten sieben (!) Chancen des HSV hatte der aus Berlin geliehene Angreifer, der zuletzt drei Spiele in Folge ausgefallen war. Und Lasogga hatte es auch auf dem Fuß, den HSV in Führung zu bringen. Via Bundesliga.de sagte er: „Wir haben das Spiel gemacht, aber verpasst, unser Tor in der ersten Hälfte zu machen. Die Freiburger haben eine Torchance und nutzen sie. Wir konnten uns erst nach dem Rückstand belohnen, doch nicht den verdienten Sieg einfahren. Aber wir haben gezeigt, dass wir den Kampf annehmen. Ich glaube an die Mannschaft“, so der Angreifer.

Als sehr gut möglich gilt, dass Slomka in Gladbach erneut mit zwei Angreifern agiert. Das hatte gegen Freiburg nach Anfangsschwierigkeiten gut geklappt. Jacques Zoua verstand es, Wege für Lasogga zu gehen, die diesem Freiräume schafften. Zoua war es auch, der meines Erachtens nach den größeren Anteil am Ausgleich hatte, obgleich die Statistik Rafael van der Vaart den Assist zuschreibt. Dabei war es Zoua, der den Ball festgemacht und für den Abschluss aufgelegt hatte. „Jacques und Pierre zusammen war eine gute Variante“, befindet Kreuzer und ich gebe ihm Recht. Denn obgleich Zoua vor jeder Saison in einer Kaderplanung einer guten Mannschaft keinen Platz finden darf, ist er jetzt da und offenbar besser als die anderen Alternativen Slomkas. Zoua haut sich inzwischen zweifellos rein und liefert all das ab, was er abliefern kann: Er macht die Bälle fest, er verlängert sie per Kopf und er legt Torschüsse auf. Und er hat es sich so tatsächlich verdient, dabei bleiben zu dürfen.

Selbst jetzt, wo der HSV durch die fünfte Gelbe von Milan Badelj erneut umbauen muss, ist die Raute im Mittelfeld mit zwei Spitzen davor für Kreuzer eine mehr als denkbare Variante. „Milan ist schon extrem wichtig für uns, er ist unser Spielmacher aus der Defensive heraus. Wir wissen schon ganz genau, was wir an ihm haben. Aber Tolgay kann die Sechs auch allein spielen und Hakan ihn auf rechts ersetzen. Es ist am Ende natürlich die Entscheidung des Trainers. Aber ich bin mir sicher, dass er es ähnlich sieht.“

Zumal sich Lasogga sichtbar wohler fühlte mit Zoua neben sich und van der Vaart dahinter. „Es war auch eine gute Variante, dass Jacques neben mir gespielt hat“, so Lasogga, „dadurch hatte ich viele zweite Bälle und konnte oft zum Abschluss kommen. Ich habe mich gefühlt, als wäre ich gar nicht weggewesen. Das hat mir gut getan und hat sicherlich auch der Mannschaft gut getan.“

Und wer auch immer jetzt hier anfängt, eine Grundsatzdiskussion über die aktuelle Kaderzusammenstellung zu führen, dem sei gesagt: Sobald der Klassenerhalt gesichert ist, MUSS das ein Thema werden. Und das wird es auch – mit allen Konsequenzen. Aber tatsächlich auch erst dann. Bis dahin kann es nur den Weg geben, die vorhandenen Spieler so zu stärken, wie es hur irgendwie möglich ist, um den GAU noch abzuwenden. Von daher ist für mich bis dahin auch das zweifellose Schönreden der Offiziellen nachzuvollziehen. Es ist zweckmäßig. Auch in Sachen Rafael van der Vaart. Dem versuchten Slomka, Kreuzer und Co. Den Assist anzudichten, um auch statistisch mal wieder was Gutes zu haben außer weite Laufwege (in gleichbleibendem Tempo). „Rafael wird von Spiel zu Spiel besser“, so Slomka.

Das ist für mich ehrlich gesagt nicht erkennbar. Im Gegenteil, in meinen Augen stagniert van der Vaart auf schwachem Niveau. Leider. Allerdings unterscheidet ihn eine ganz wesentliche Sache von den anderen HSV-Spielern im Offensivbereich – Lasogga mal ausgenommen: Bei van der Vaart weiß man, dass er es vor nicht allzu langer Zeit noch konnte. Und das lässt hoffen. Den Fan, den Mitspieler und ganz offensichtlich auch den Trainer, der weiter an seinem Kapitän festhält und ihn starkredet.

Van der Vaart hat den Fuß für den entscheidende Pass oder bestenfalls sogar ein entscheidendes Tor. Das sagt auch Slomka und ich will ihm einfach glauben. Weil uns nicht viel sonst bleibt. „Rafael bekommt von uns alle Hilfe. Er hat keine einfache Zeit. Er war verletzt, krank und braucht Rhythmus. Er muss weiter hart trainieren und an sich glauben – dann platzt auch bei ihm irgendwann mal der Knoten“, prophezeit Kreuzer. Wie das passieren soll? „Entweder über einen entscheidenden Pass oder ein Freistoßtor. Klar ist aber, wir lassen ihn jetzt nicht fallen.“ Natürlich nicht. Warum auch?

Wobei glücklicherweise in Sachen Hoffnungsträger Ersatz da ist. Denn sollte van der Vaart seiner zugedachten Führungsrolle weiterhin nicht gerecht werden können, ist ja immer noch Lasogga da. Und der freut sich über die ihm zugeschriebene Wichtigkeit für den HSV: „Es heißt ja immer, dass die älteren, erfahrenen Spieler die Verantwortung übernehmen müssen. Aber auch wenn ich erst 22 Jahre alt bin, so macht es mir Spaß, vorne weg zu gehen. Das ist für mich kein negativer Druck, sondern positiver. Ich freue mich, dass die Mannschaft und vor allem die Fans an mich glauben.“

Der Typ ist einfach erfrischend! Lasogga sieht den Fußball so herrlich einfach. Der 22-Jährige ist ja auch bekannt dafür, sich Dinge nicht übermäßig kompliziert zu denken, sondern einfach zu machen. „Seine fußballverrückte Art steckt an“, sagt beispielsweise Heiko Westermann und ich hoffe nur, dass das in den kommenden Wochen auch für van der Vaart gilt. Vielleicht wird er dann ja tatsächlich zu dem Garanten für den Klassenerhalt, der er vor zwei Jahren schon ob seiner Präsenz gewesen sein soll.

In diesem Sinne, die letzten sieben Spiele stehen vor der Tür und die Mannschaft braucht jede erdenkliche Hilfe. Oder besser gesagt: Rückendeckung. Nicht nur vom Vorstand und dem Trainerteam sondern ganz sicher und vor allem auch von den Fans. Zusammenhalten, durchmarschieren, zusammen die Klasse halten und meinetwegen auch kurz feiern, um anschließend gnadenlos abzurechnen und diesen Verein neu zu gestalten – dieser Plan ist ein in meinen Augen alternativloser Plan.

Und der wird morgen weiter verfolgt. Um 15 Uhr wird an der Arena trainiert. Ich melde mich danach bei Euch! Bis dahin,

Scholle

Wie Jogi Löw dem HSV zum Klassenerhalt verhilft

18. März 2014

Er war noch nicht da. Zumindest nicht auf, dafür aber neben dem Platz: Pierre-Michel Lasogga. Der Angreifer, der sich am Montag in München noch einmal bei Dr. Müller-Wohlfahrt untersuchen ließ, konnte noch nicht voll einsteigen und absolvierte lediglich ein individuelles Programm mit Rehatrainer Markus Günther. Neben der allgemeinen Stärkung der Rumpfmuskulatur standen für den Torjäger heute Behandlungen, etwas Krafttraining und ein Waldlauf an. „Pierre macht alles, was er machen kann und geht an seine Grenzen“, sagt Trainer Mirko Slomka, der die Hoffnung auf einen Einsatz des Topstürmers am Sonnabend in Stuttgart noch nicht aufgegeben hat. „Die Chancen liegen bei 50:50“, so der HSV-Coach, „wir werden alles versuchen, dass er diese Woche noch ins Mannschaftstraining einsteigen kann.“ Allerdings gilt weiterhin, dass nichts riskiert wird. „Es ist deutlich besser und wir arbeiten gemeinschaftlich aber behutsam daran, ihn wieder auf den Platz zu bekommen. Wir werden den Muskel dabei ganz genau beobachten und hoffen, dass er bald wieder dabei ist.“


Hier der Mobil-Player:


Das müsste er allerdings auch, um schon am Wochenende in Stuttgart wieder dabei sein zu können, mit der Mannschaft trainieren. Eine Deadline gibt es dennoch seitens Slomka nicht. „Nein, Pierre ist einer, der nicht viel Zeit braucht, um wieder in die Mannschaft zu finden. Wichtiger dabei ist nur, dass er sich gut fühlt und keine Probleme mehr hat. Dann kann er uns sicher auch helfen.“ Ob die Verletzung tatsächlich nur eine extrem hartnäckige Verhärtung ist? Slomka weicht ein wenig aus, sagt aber: „Aus meiner Sicht ist es sicher auch eine leichte Zerrung gewesen, sonst hätte er nicht so lange pausieren müssen. Aber die Behandlung hat angeschlagen und ich hoffe, wir hoffen, dass Pierre diese Woche noch zurückkehren kann.“

Dem schließe ich mich nur zu gern an. Wobei ich dabei bleibe, dass Jacque Zoua am Sonntag seine Sache relativ betrachtet sehr gut gemacht hat. Er hat einfach das gemacht, was er kann, wobei Slomka mit dem Kameruner noch nicht gänzlich zufrieden ist. „Jacques war viel unterwegs, hat Kilometer abgerissen und gekämpft – aber kann noch mehr. Ich habe ihm gesagt, dass er nie stehen darf. Leider kam das noch vor. Ich weiß allerdings, dass er noch mehr kann, die Innenverteidiger noch konsequenter unter Druck setzen kann. Und daran messe ich ihn. Er muss auch an seine Grenze gehen.“

Harte Worte, denen heute Taten vorausgegangen waren. Denn die Spieler mussten heute wieder lange Wege machen. Im Spiel zunächst drei (Defensive) gegen vier (Offensive) auf mehr als dem halben Platz ebenso wie bei den extensiven 100-Meter-Läufen (2×50) anschließend. Auffällig hierbei: Hakan Calhanoglu legte ein enormes Durchschnittstempo an den Tag, während sein sportlich einst als Ziehvater angedachter Kapitän das Schlusslicht bildete: Rafael van der Vaart. „Er ist mit seinen Läufen aber im vorgegebenen Zeitlimit geblieben“, so Slomka, der weiterhin versucht, seinen Kapitän sportlich in die Spur zu kriegen. „Rafael hat eine Woche lang mit andauerndem, hohen Fieber pausiert und ist am Sonntag weite Wege gegangen.“ Dass die Kondition nicht für 90 Minuten gereicht habe, sei vorher ziemlich klar gewesen. „Daher kann ich nur sagen: Ich wünsche mir einen Kapitän genau so, dass er mir ein Zeichen gibt, wenn der Akku leer ist.“ So geschehen in der 82. Minute gegen Nürnberg. „Es ist besser für uns alle, wenn ein frischer Spieler kommt. Ich hatte von beginn an damit gerechnet, dass Rafa sich irgendwann meldet. Jetzt hat er so lang durchgehalten und bis dahin sein läuferisches Potenzial abgerufen.“ Stimmt. Gelaufen ist van der Vaart erneut relativ viel. Allerdings fehlen dem Niederländer die Läufe im hohen Tempo. Umso besser, das Slomka darauf im Training verschärften Wert legt. Und dass van der Vaart dann hinterherläuft, wundert Slomka nicht. „Er musste schon knapsen, ganz klar. Aber es ist umso wichtiger, dass er die Läufe mitmacht und durchzieht. Er war immer absolut im Zeitlimit – die anderen waren einfach nur zu schnell. Insofern ist alles in Ordnung.“

Gefallen hat Slomka gegen Nürnberg auch die Torschussquote. 26 Torschüsse sind eine überdurchschnittlich gute Quote. Zum Vergleich: Der alles und jedes Team dominierende FC Bayern München brachte es auf 23 Torschüsse. Gegen den BVB hatte der HSV 13, gegen Werder 11, gegen Frankfurt 15 und jetzt 26 Torschüsse – für Slomka das logische Ergebnis bei drei extravagant guten Schützen wie van der Vaart, Ilicevic und allen voran Calhanoglu auf der einen Seite. Auf der anderen Seite aber sieht Slomka seine Taktik aufgehen: Kampfbetontes Auftreten mit schnellem Umschalten nach der Balleroberung. „Bis auf Bayern München ist es in der Liga bei fast allen zu sehen, dass die meisten Großchancen aus Ballgewinnen im Gegenpressing resultieren, die dann mit schnellem Umschalten ausgenutzt werden. Dafür muss aber jede Mannschaft auch bereit sein, unnötige Wege zu gehen, unnötige Sprints zu machen. Nur so schaffen wir Räume für die Mitspieler, die nachkommen. Das haben wir in der letzten Partie über die Außenverteidigerposition gesehen. Da wurden Freiräume geschaffen durch Laufverhalten der Offensivspieler. Durch ihre Läufe wurden Freiräume für die nachrückenden Defensivspieler geschaffen. Auch auf der Sechs durch Tolgay Arslan, der immer wieder durchgestartet ist und Bälle im vorderen Drittel erlaufen, erarbeitet hat. Da müssen wir jetzt nur noch gezielter abschließen.“

Dass es erfolgversprechend ist, darin ist sich Slomka sicher. „Ich hab es ja initiativ für mich als wesentlichen Bestandteil der Deutschen bei der WM in Südafrika gesehen. Die Deutschen haben das fast bis zur Perfektion gespielt“, so Slomka, der bekanntermaßen sehr gut mit Bundestrainer Joachim Löw befreundet ist. 20 Spiele hat er in Südafrika gesehen – auch die Deutschen. Anschließend gab es Besprechungen mit Löw und dessen Assistenztrainer Hansi Flick, die ebenso wie Slomka von Harun Arslan betreut werden. Und er hat für seine Spielphilosophie einiges mitnehmen können. „Ich habe mich mehrfach mit Jogi Löw ausgetauscht und man sieht bei international großen Spielen auch in der Champions League immer wieder, dass die Aktionen nach Ballgewinnen, das Sprintverhalten mit schnellen Läufen nach vorn einfach grundsätzlich für Erfolg stehen. Und das kann man gern auch auf den HSV anwenden. Denn wir haben die Spielertypen dazu.“ Selbst die sprinttechnisch etwas schwächeren Spieler seien zumindest handlungsschnell.

Klingt ebenso gut wie einfach. Wobei Slomka nichts von einem sich verselbständigenden Aufwind hören will. Im Gegenteil. Immer wieder mahnt er zu frühe Zufriedenheit an. „Gerade Nürnberg hat gezeigt, was passiert, wenn man einmal kurz locker lässt. Da waren wir uns zu sicher, und dann passieren Fehler. Wäre dem nicht so gewesen, hätten wir sicher 2:0 gewonnen. Aber die Mannschaft macht auf mich nicht den Eindruck, schon zufrieden zu sein. Das sieht man auch im Training: Die Mannschaft marschiert, sie will, sie sind gierig. Das macht gerade besonders viel Spaß.“

Wobei Spaß sicher nicht wichtig ist angesichts der weiterhin brisanten Tabellensituation vor einer maßgeblich entscheidenden Woche. Erst Stuttgart mit neuem Trainer Huub Stevens und neuem Elan, dann unter der Woche am Mittwoch zu Hause gegen Freiburg. „Das ist für mich die aktuell wichtigste Woche, weil wir jetzt das wirklich nur kleine Zwischenziel, dass wir über dem Strich stehen, ab sofort verteidigen müssen. Schwierig wird es nur, weil viele im Umfeld in Hamburg immer sehr schnell schwärmen. Dabei ist es nach wie vor eine massive Drucksituation. Es ist ganz eng in der Tabelle und alle unter 30 Punkte müssen sich noch mal Gedanken machen, dass sie reingeraten können. Siehe Frankfurt. Die dachten sicher, sie schlagen Freiburg und sind erst einmal sicher. Aber das sind sie nicht.“ Noch weniger der HSV selbst, der am Sonnabend auf den VfB mit dem Rückkehrer Ibisevic und einem neuen Trainer trifft. „Das ist sicher nicht unwichtig. Huub Stevens ist ein sehr erfahrener Trainer und ich bin mir sicher, dass die Ordnung und Disziplin, die bei uns gegen Dortmund entscheidend war, in Stuttgart auf uns wartet. Die haben die gleichen Themen wie wir vor kurzem – und ein Huub Stevens versteht es wunderbar, die Euphorie mitzunehmen. Deswegen ist es sehr schwer, in Stuttgart etwas mitzunehmen. Aber wir wollen unsere Leistung gegen Nürnberg bestätigen.“

Mit viel Kampf, hoher Laufbereitschaft – aber auch spielerischer Qualität. „Ich habe vor Nürnberg schon gesagt, dass wir das kämpferische Element brauchen, um uns hier einen Vorteil zu erarbeiten. Aber im Hinblick auf unsere spielerischen und taktischen Möglichkeiten müssen wir auch die beachten. Ich glaube, dass wir nicht nur kämpfen können, sondern es auch viele Spiele geben wird, in der der HSV dominant auftritt. Daher müssen wir neben dem läuferischen ganz sicher auch den spielerischen Aspekt fordern und fördern.“

Überzeugende Worte gab es in Hamburg in den letzten Wochen, Monaten und Jahren immer wieder. Allein überzeugende Taten gab es selten. Schon deshalb ist der Nürnberg-Auftritt einer, der hoffen lässt. „Wenn wir nur die grundlegenden Dinge aus diesem Spiel in den restlichen Saisonspielen konservieren können, haben wir es selbst in der Hand“, ist sich Sportchef Oliver Kreuzer schon nach dem FCN-Spiel sicher gewesen. Und ich stimme ihm zu. Weil das Training endlich die Leistung auf dem Platz erklärt.

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um zehn und nachmittags unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

P.S.: Gefehlt haben heute übrigens auch Heiko Westermann, Rene Adler und Johan Djourou. „Heiko hat muskuläre Probleme, Rene Hüftprobleme und Johan Ärger mit dem rechten Oberschenkel“, so Slomka, ehe er teilweise Entwarnung gab: „Es handelt sich bei Rene und Heiko aber um Vorsichtsmaßnahmen. Das ist eher unproblematisch. Wir wollen nichts unnötig riskieren. Einzig bei Johan müssen wir abwarten, was die Röntgenaufnahmen uns zeigen. Es scheint nicht zu schlimm zu seien, allerdings wollen wir die Ergebnisse der Untersuchung abwarten.“

Lasogga hat erneut Probleme und droht auszufallen – sagt Slomka

11. März 2014

Der Campus könnte verspätet gebaut werden – so hatten wir es Euch am vergangenen Freitag hier schon berichtet. Und heute wurde ich gefragt, weshalb wir dieses Thema nicht deutlich größer gemacht hätten. Meine Antwort:

Weil es mich null überrascht.

Denn allen, die sich hier im Blog bewegen und/oder sich ansonsten mehr mit dem HSV beschäftigen, dürfte inzwischen klar sein, dass der HSV die Campus-Millionen zu großen Teilen benutzt hat, um Löcher in der eigenen Bilanz zu stopfen und liquide zu bleiben. So hoffte der Vorstand, dass man das geliehene Geld schon irgendwie aufholt. Und: Platz sechs war ja auch vom Vorstand und in diesem Fall vom Vorsitzenden Carl Jarchow als Ziel verkündet worden. Sogar wiederholt. International sollte es werden. Der HSV träumte schon von Zusatzeinnahmen. Dass jetzt allerdings sportlich der Einbruch hingenommen werden musste und der HSV tatsächlich um die Klasse fürchten muss – es war unerwartet. Und es kostet Geld, das man kurzerhand bei der Campus-Anleihe abzieht.

Nur zurückzahlen kann es der HSV derzeit noch nicht. Im Gegenteil, vor einer Woche hatten wir hier über die Missstände im Nachwuchsbereich berichtet – und nähren das nun weiter mit der Campus-Geschichte. Das bizarre an der Situation: Durch den Campus sollten die Bedingungen für die HSV-Jugend verbessert werden – jetzt wird es zum Boomerang. Denn die vom Vorstand für die eigene Misswirtschaft abgezogenen Millionen aus dem Bauprojekt für die Jugend sollen jetzt zu Teilen sogar von selbiger bezahlt werden, indem wieder zehn bis 15 Prozent vom Sparten-Etat eingespart werden.

Welche Konsequenz das alles hat?

Vorerst keine. Der Aufsichtsrat hat das abgelaufene Geschäftsjahr bereits abgesegnet sowie dem neuen Budgetplan vor der Saison zugestimmt. Eine schwarze Null wurde erwartet – und dürfte schwer zu erreichen sein, sollte tatsächlich einer der Campus-Anleihen-Zeichner gegen eine Zweckentfremdung der bezahlten Millionen klagen. Wie aussichtsreich diese Klage ist, vermochte mir noch keiner zu beantworten und ich weiß es selbst auch nicht. Allerdings soll sie kommen, die Klage. Und aus dem Vorstand wurde mir versichert, dass im Prospekt der Anleihe seinerzeit geschrieben stand, dass die Gelder für den Campus genommen werden sollen, aber unter Umständen auch anderweitig eingesetzt werden können. Und solange der Verein die anfallenden und versprochenen Zinsen zahlen kann, sei eine Klage eher wenig beunruhigend.

Es bleibt in jedem Fall abzuwarten. Wobei, und das war mein Zusatz bei der oben erwähnten Antwort, in der aktuell so prekären Situation verkraftet der HSV keine weiteren Störfeuer. Daher wären alle Seiten gut beraten, sich zumindest noch ein paar Wochen um wichtigere Dinge zu kümmern, ehe es wieder um die Suche nach den Schuldigen der Misere geht. Zumal Adler warnt: „Diese Saison war brutal unruhig. Wir haben versucht, alles auszublenden. Aber auch wir sind nur Menschen und ein paar Prozentpunkte überträgt sich diese Unruhe auch auf uns“, weiß der Keeper zu berichten, schiebt aber auch sofort nach: „Inzwischen sehe ich uns als physisch und mental stabil. Es gab sicher einige, die sich der Tragweite des Abstiegskampfes nicht bewusst waren, weil sie es so noch nie mitgemacht hatten. Aber auch die haben es inzwischen gut angenommen. Wir alle haben den Abstiegskampf inzwischen angenommen. Wir müssen das beibehalten und unsere einfachen Fehler noch abstellen – dann wird es klappen.“ Gegen Dortmund habe man relativ wenig zugelassen und sowohl gegen Werder wie auch gegen Frankfurt kaum gegnerische Chancen zugelassen. Allerdings holte man so auch nur vier Punkte aus drei Spielen. „Das ist zu wenig, und das wissen wir“, sagte Adler im Anschluss an seine Interviewrunde, „aber wir ergeben uns nicht mehr. Da gab es Spiele, die so wirkten, wie zum Beispiel gegen Hoffenheim. Aber das passiert uns nicht mehr. Wir sind wieder da.“

Er auch. Nach einer langen Durststrecke mit deftigen Patzern ist Rene Adler seit dem BVB-Spiel wieder ein zuverlässiger Rückhalt. Und er hofft auf die WM. „Ich war selbst nicht zufrieden mit mir“, gibt Adler zu und bekräftigt, von Bert van Marwijk seinerzeit gebeten worden zu sein, wieder zu spielen, obgleich er erst drei Tage im Mannschaftstraining war und sich nicht topfit fühlte. „Ich habe mich damals aber bereiterklärt, weil ich helfen wollte.“ Mit fatalen Folgen. Die Niederlage in Brauschweig verschuldete der Keeper maßgeblich. Und anschließend musste van Marwijk gehen. Ober an sich gezweifelt habe? „Nein, ich habe immer gewusst, dass ich es kann und bin ruhig ruhig geblieben.“ Ob vielmehr der Trainerwechsel letztlich verantwortlich war für seine Rückkehr zur alten Form? „Die Abwehr ist das Produkt der ganzen Mannschaft. Wenn schon vorn die Wege gegangen werden, die weh tun und das Mittelfeld den einen Schritt mehr macht als normal, dann profitiert die Abwehr – und damit auch ich. Und das ist der Fall.“

Das 3:0 gegen den BVB sei das Paradebeispiel dafür: „Da sind Leute wie beispielsweise Tomas Rincon und Petr Jiracek so viele Wege mehr gegangen, da haben wirklich alle mit- und füreinander gespielt, sodass wir hinten davon profitieren konnten.“ Inwieweit der Trainer dabei eine Rolle spielt, wollte Adler bewusst unbeantwortet lassen, um im Umkehrschluss nicht den in dieser Serie geschassten Fink und van Marwijk Fehler zu unterstellen. „Nur so viel, der Trainer hat viele Missstände gerade heraus angesprochen. Und wir haben verstanden.“

Hoffentlich.

Sich auskuriert haben auf jeden Fall Rafael van der Vaart und Lasse Sobiech. Beide trainierten heute voll mit und sollen auch am Wochenende wieder zum Kader stoßen. Eben das sollte auch Pierre-Michel Lasogga, der zu Wochenbeginn dafür noch ein wenig geschont werden sollte. Allerdings hat der Angreifer seit heute wieder Probleme. Bei einem leichten Lauftraining verspürte Lasogga erneut Schmerzen und musste sich anschließend behandeln lassen. „Es sieht aktuell nicht so aus, als ob er gegen Nürnberg spielen kann“, sagte ein offenbar besorgter Trainer Mirko Slomka.

Ehrliche Sorge oder pokert der HSV-Trainer vor dem Abstiegskrimi gegen den FCN? Ich vermag es nicht abschließend zu beurteilen.
Ich hoffe aber, dass er pokert. Denn wie wichtig ein echter Angreifer für den HSV ist, hat das chancenarme Spiel gegen Frankfurt gezeigt. Ich glaube auch, dass Slomka in Sachen Lasogga lieber die Hoffnungen gering hält um am Sonntag nur noch positiv überraschen zu können. Denn jetzt die ganze Woche die Hoffnung zu schüren und am Ende ohne Lasogga dazustehen ist der deutlich weniger effektive Umgang mit der Personalie. Zumal auch Lasoggas Ersatz Zoua tagtäglich vor Augen geführt bekäme, dass er jede Sekunde wieder auf die Bank rotieren kann. Und dieses Feingefühl, diese psychologische Petitesse, die traue ich HSV-Trainer Slomka durchaus zu.

Heute noch nicht dabei war Petr Jiracek. Der Tscheche hat noch immer muskuläre Probleme, hofft aber, noch rechtzeitig fit zu werden: „Ich werde auf jeden Fall alles dafür tun, um bis zum Wochenende wieder fit zu werden“, so die wenig überraschende Ansage des Kämpfers, der allerdings in Ivo Ilicevic einen starken Konkurrenten hat, der nach seinem starken Spiel gegen Frankfurt leichte Vorteile genießt und nach langer Pause wieder topfit wirkt. Allerdings braucht Jiracek nur einmal auf die Liste der Verwarnungen beim HSV zu schauen, um erahnen zu können, wann er spätestens wieder gebraucht wird. Denn sowohl Arslan (neun Gelbe) als auch Milan Badelj (vier Gelbe) wären bei der nächsten Verwarnung gesperrt…

In diesem Sinne, zum Glück sind es noch ein paar Tage bis zum Nürnberg-Spiel. Zeit genug, um Verletzte fit zu bekommen und im Training an der Abstimmung der Viererkette beim Herauslaufen zu arbeiten. Denn das hat dem HSV zuletzt wichtige Punkte gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf gekostet. Vielleicht ja schon morgen. Da wird um 10 und um 15 Uhr an der Arena trainiert. Bis dahin,

Scholle

Adler: “Wir haben den Abstiegskampf angenommen”

11. März 2014

Nachdem die Videokameras aus waren, erzählte Rene Adler uns noch, dass er die HSV-Mannschaft als stabili einstufen würde. Stabil im physischen (“Wir haben den Abstiegskampf angenommen”) ebenso wie im mentalen Bereich. “Wir lassen uns nicht mehr so schnell aus der Bahn werfen.”

Adler versprüht Optimismus. Und ehrlich gesagt, klingt das alles tatsächlich so, wie es klingen muss, um als HSV-Fan wieder Hoffnung haben zu dürfen. Bleibt zu wünschen, dass sich Adlers Worte denn auch bewahrheiten. Aber hört selbst:

Ich setze auf Calhanoglu – und Ihr?

4. Oktober 2013

Fußball. Fußball? Jaaaa, endlich wieder Fußball! Heute Abend schon geht es los mit dem Kracher Hannover gegen Hertha BSC – und wisst Ihr was: so wichtig Vereinspolitik auch ist, – vor allem in der jetzigen Phase, ich bin trotzdem immer wieder froh, wenn mich der Fußball auf dem Rasen mal von dem Geschachere im Umfeld ablenken kann. Umso trauriger war ich über die Nachricht, dass heute geheim trainiert wird. Einmal in der Woche soll das künftig so sein – für uns verwöhnte Hamburger ein Schlag ins Kontor. Bislang durften wir noch jeder Einheit beiwohnen – wenn auch nicht über jede berichten. „Das ist völlig normal“, verteidigt Bert van Marwijk seine Maßnahme, „mir geht es dabei auch darum, dass die Mannschaft und ich einmal in Rhe und noch konzentrierter trainieren können.“

Vor allem taktische Dinge sollten es sein. Aufstellungstechnisch wollte van Marwijk bislang gar nicht erst groß den Geheimniskrämer mimen. Im Gegenteil. Schon früh stand fest, dass der HSV in Nürnberg mit exakt der Startelf beginnen wird, die in Frankfurt einen Punkt ergatterte. „Es gibt keinen Grund für mich, viel zu ändern“, so van Marwijk, der noch immer damit beschäftigt ist, seiner Mannschaft neues Selbstvertrauen einzuhauchen. „Natürlich ist die Mannschaft nicht von jetzt auf gleich selbstbewusst, eine gewisse Verunsicherung ist da“, sagt der HSV-Trainer mit den großen Zielen.

Eines dieser Ziele ist mir sehr sympathisch, weil ich es in Hamburg lange vermisste: EIN Spielsystem. Van Marwijk will mit seiner neuen Mannschaft ein einziges Spielsystem so lange einstudieren, bis es die Mannschaft aus dem Effeff kennt und spielt. „Wenn wir das darauf haben, müssen wir beim Einstellen auf den Gegner nur noch Details verändern. Das macht es für alle leichter.“ Stimmt. Auf jeden Fall ist es bei einer verunsicherten Mannschaft wie diesem HSV der schnellste Weg, wieder etwas Sicherheit ins Spiel zu bekommen. „Der Trainer hat einen klaren Plan, das ist zu erkennen“, lobt Pierre Michel Lasogga, der in seinen bisher fünf Wochen schon den dritten HSV-Trainer erlebt. Was für eine Quote…

Apropos Quote, drei Pflichtspiele und zwei Tore – bei Lasogga läuft’s. „Er gefällt mir bis jetzt“, lobt selbst der mit Komplimenten eher sparsame van Marwijk und schränkt ein: „Bis jetzt. Er ist ein guter Junge, der unglaublich viel arbeitet. Alle, die ihm im Weg sind, sind ihm egal. Er geht da durch. Solche Stürmer mag ich.“ Noch zumindest. Denn solange er keinen anderen Stürmertypen parat hat (Beister spielt weiterhin auf rechts), muss er so spielen. Die Alternativen Artjoms Rudnevs und Jacques Zoua sind eben nicht jene feinen Fußballtechniker, wie sie sich van Marwijk für die Zukunft auch beim HSV wünscht. „Der Trend geht zum spielenden Mittelstürmer“ hatte der Niederländer bei seinem Antritt gesagt – und ich erinnere mich an einen Blog, den ich vor einem Jahr circa geschrieben habe. Damals hatte ich mich zuvor mit einem Sportwissenschaftler unterhalten, der gerade Spielsysteme wissenschaftlich analysierte – und bis heute noch macht, wie ich gehört habe. Damals sagte er voraus, dass sich der Fußball weg vom Stoßstürmer und hin zu einem variablen Mittelfeld entwickelt. So wie mit Messi in Barcelona, zeitweise bei der spanischen Nationalelf oder auch mit Götze beim BVB. „Wäre Götze von Beginn an gesund gewesen, würde Pep Guardiola heute wahrscheinlich mit ihm allein vorne drin spielen“, vermutet van Marwijk und mir kommt sofort der Gedanke: Super! Dann nehmen wir Mandzukic und Pizarro… Okay, unrealistisch hoch zehn. Aber schön wär’s…

Beim HSV steht dieser Änderung eine veraltete Vereinsstruktur und etliche Millionen Euro Minus auf dem Konto gegenüber. „Der HSV ist handlungsunfähig“, hatte Ernst Otto Rieckhoff im Zuge der Präsentation von HSVPlus erklärt – und nur verhaltenen Widerstand aus der Vorstandsetage des HSV bekommen. Und van Marwijk ist derjenige, der jetzt mit dem vorhandenen Material das Maximun herausholen soll. Wobei, auch der Begriff „Maximum“ ist relativ, denn inzwischen haben beim HSV alle verstanden, dass es hierbei nicht um Platz sechs gehen kann, sondern zunächst darum, die Abstiegszone zu verlassen und am besten ein sicheres Punktepolster nach unten zu schaffen.

Und dabei ist das Duell für den Tabellen-16. gegen den Tabellen-15. aus Nürnberg am Sonntag ganz sicher ein Fingerzeig. Und van Marwijk holt auch gleich aus, spricht von einem sehr schweren Spiel, um dann das Phrasenschwein zu bedienen. „Auch wenn es sicher schwer wird, Nürnberg ist trotzdem noch kein Bayern München.“ Auch hier liegt der neue Trainer richtig. Wahnsinn. Wie er die Mannschaft auf den Gegner vorbereitet? „Die Frage nach taktischen Vorgaben ist eine, die ich nicht beantworte. Die Mannschaft erfährt ein paar Stunden vor Spielbeginn, wer spielt. Früher nicht.“

Für viele Journalisten ist das nach dem redseligen, offenherzigen Thorsten Fink ein Schritt zurück. Und ich kann nur hoffen, dass es genau das ist, was die Mannschaft jetzt braucht, um sich besser zu konzentrieren und vor allem, um wieder etwas mutiger zu werden. „Er ist auf jeden Fall der starke Mann, den wir brauchen“, beruhigt mich Rene Adler, der heute ebenso wie Marcell Jansen von Bundestrainer Joachim Löw für die Länderspiele gegen Irland am kommenden Freitag (11. Oktober, 20.45 Uhr live in der ARD) in Köln und gegen Schweden (15. Oktober, 20.45 Uhr live im ZDF) in Stockholm ins DFB-Aufgebot berufen wurde. Glückwunsch dazu!

Einen herzlichen Glückwunsch möchte ich heute auch an Michael Mancienne richten. Der Junge hat sich trotz ausbleibender Angebote nicht unterkriegen lassen und beim HSV in jeder Trainingseinheit Vollgas gegeben. Was normalerweise beim Profi vorauszusetzen ist, ist schon schwierig, wenn man vom Trainer die Garantie hat, eh keine Rolle zu spielen. Egal was man macht. „Michael hat sich nichts anmerken lassen und immer alles gegeben“, lobte zuletzt auch Oliver Kreuzer den Engländer, der jetzt aufgrund der Verletztenlage sogar wieder im Kader steht. Dafür dürfte Zhi Gin Lam (Kniereizung) ausfallen. Mit den drei restlichen Ausortierten (Kacar, Tesche, Rajkovic) will sich van Marwijk in der kommenen Woche unterhalten. „Ich nutze die Länderspielpause, um das zu machen“, verspricht der Niederländer, dem es offensteht, die Aussortierten wieder in den Kader zu berufen. Eben so, wie jetzt mit Mancienne geschehen.

Und bevor hier jetzt die Diskussion nach Sinn- oder Unsinnigkeit des Sinneswandels bei Kreuzer hochkommt, nur eine Theorie: Vielleicht hofft van Marwijk ja so, die Spieler noch mal ins Schaufenster stellen zu können und mit ihnen am Ende doch noch etwas Geld zu verdienen, das der HSV und er so dringend benötigen. Vielleicht nutzen Ktreuzer und van Marwijk die Gunst eines Trainerwechsels, was bei Kreuzers und Finks öffentlich getätigter Aussagen nicht mehr glaubhaft zu verkaufen gewesen. Da hätten alle gewusst, dass der HSV seine Aussortierten feilbietet…

Auffallen will wieder Lasogga. Der im liebreizenden Ruhrpott (Herne) aufgewachsene Vollblutfußballer freut sich nach seiner langen Verletzungspause wieder zur Startelf zu gehören. „Ich habe in Hamburg einen guten Start gehabt und mit meinen Toren etwas helfen können. Aber bei 100 Prozent bin ich ganz sicher noch nicht. Im Gegenteil, ich bin noch ganz frisch und hab’ noch viel vor“, so die sympathische Hertha-Leihgabe. Insbesondere für das Zusammenspiel mit Hakan Calhanoglu, der seine beiden Tore vorbereitete, erhofft sich Lasogga für die Zukunft Großes: „Jeder weiß, dass Hakan eine ganz besondere Schusstechnik hat.“ Zwar könne man das Antizipieren bei Standards nicht lernen, „das habe ich so im Gefühl“. Dennoch sei Calhanoglus Schusstechnik für jede Abwehr ein Problem – und für jeden Angreifer Freude pur: „Davon werde ich sicherlich noch profitieren. Davon wird die ganze Mannschaft noch profitieren. Wir können froh sein, so einen Mann zu haben.“

Stimmt – vor allem auf dem Platz. Denn obwohl Calhanoglu noch sichtbare Anpassungsprobleme an die Bundesliga hat, finde ich es gut, dass Cardoso und jetzt auch van Marwijk ihn spielen lassen. Nur so bekommt das Talent die nötige Praxis, die nötige Härte und passt sich dem höheren Tempo an und beginnt, sein zweifellos überdimensionales Potenzial abzurufen. „Er ist kein typischer Zehner“, sagt Kreuzer, „er macht nicht 90 Minuten das Spiel. Aber er entscheidet es mit ein, zwei oder sogar drei Szenen gerne mal. Und darauf kommt es an.“ Stimmt. Wie sonst wenn nicht über Spiele soll Calhanoglu sich entwickeln? Und bei der Aussicht auf einen so sensationellen Kicker habe ich absolut keine Probleme, das eine oder andere schwächere Spiel des Deutsch-Türken in Kauf zu nehmen. Im Gegenteil.

In diesem Sinne, ich setze auf Calhanoglus Schusstechnik in Nürnberg – und diesmal völlig überraschend auf einen HSV-Sieg. Zudem hoffe ich, dass Ihr alle bei der Analyse im Anschluss an das Spiel am Sonntag dabei seid. Sendebeginn von “Matz ab live” aus dem Champs ist gegen 17.45 Uhr.

Bis morgen. Dann mit Lars!
Scholle

So könnte der HSV in Nürnberg beginnen: Adler – Westermann, Tah, Djourou, Jansen – Badelj, Arslan – Beister, van der Vaart, Calhanoglu – Lasogga.

Nachtrag:
Zuletzt waren vermehrt Stimmen aufgekommen, dass die Protokolle der Mitglieder- und Abteilungsversammlungen unvollständig waren. Insbesondere Wortmeldungen mit Kritik am Aufsichtsrat und insbesondere dessen Vorsitzenden Manfred Ertel seien oft nicht schriftlich festgehalten worden. Derartige Beschwerden liegen mir in schriftlicher Form vor und ich habe dazu auch versucht, Protokollführer Oliver Scheel zu erreichen – leider erfolglos. Allerdings nicht, weil er es nicht will und mich wegdrückt, sondern weil wir uns tatsächlich mehrfach telefonisch verpasst haben. Herr Scheel hat es des Öfteren probiert, ich habe zurückgerufen – aber es hat nicht gepasst. Ihr werdet Verständnis dafür haben, dass ich im Sinne einer objektiven Darstellung mit der Veröffentlichung der Beschwerden abwarte, bis ich die Gegenseite gehört habe. Zumal das nicht allzu lange dauern dürfte. Danke!

Finks Startelf für Nürnberg steht – mit van der Vaart

17. Januar 2013

Wie bitter für die beiden Journalisten, wenn sie denn welche sind. Und über den sehr geschätzten Radio-Hamburg-Moderator John Ment, über dessen Fips-Asmussen-Humor ich des Öfteren gut lachen kann, konnte ich heute nur schmunzeln. Da kündigte das Radio-Hamburg-Urgestein heute doch tatsächlich voller Inbrunst an, dass sein Sender zwei Kollegen vor den Wohnungen von Sylvie und Rafael van der Vaart postiert hätte und wies auf deren spannende Erlebnisberichte hin. Was folgte war an Langeweile nicht zu überbieten, so sehr sich die beiden Mitarbeiter auch um eine spannende Erzählweise bemühten. Sylvie sei irgendwann gegen vier nach Hause gekommen, Rafael schon vorher. Wow!! Das war der erste Hammer.

Und der zweite folgte. Denn Rafael bekam Besuch von Boulahrouz’-Exfrau, deren Namen ich mir ob mangelnder Bedeutung für den HSV gar nicht erst merke. Und was bitte macht der HSV-Profi? Er fährt zu seiner Noch-Ehefrau. HAMMER! Wann gab’s sowas schon?

Und: Radio Hamburg war dabei! Investigativ wie man es sich nur wünschen kann… Da bin ich tatsächlich fast durchgedreht am Radio. Allerdings nicht vor Spannung – sondern Scham. Da trennen sich ein Fußballer und seine bekannte Frau und alles dreht durch. Warum bitte?, frag ich mich mal wieder und bekomme die Antwort von einer sehr guten Bekannten, die alles andere als oberflächlich ist – und wahrscheinlich deshalb ihr Statement nicht öffentlich mit ihrem Namen kennzeichnen mag: „Weil es die Leute tatsächlich interessiert. Die Leute lesen, schauen und hören sich sowas an. Ich auch.“

Na gut, mag sein. Dann bin ich offensichtlich kein Teil der „Leute“.

Im Gegenteil, ich freute mich heute vielmehr über die Tatsache, dass van der Vaart normal mittrainieren und dabei einen sehr guten Eindruck hinterlassen konnte. Beim Spiel auf sechs kleine Tore war der Niederländer stets Anspielpunkt seiner Mannschaft, die sich am Ende den orange gekleideten Kollegen geschlagen geben musste. „Stand heute könnte er spielen“, so Trainer Thorsten Fink, der seinen Top-Feldspieler beim Test gegen Hertha BSC (2:1) am Mittwoch auf Anraten der Mannschaftsärzte noch schonte. „Unsere Ärzte hatten noch kleinere Restbedenken. Und manchmal muss ein Trainer auch auf seine Ärzte hören. Aber heute sieht das gut aus. Wir werden vor dem Spiel noch mal die Muskulatur checken und dann sehen, ob Rafael 60 Minuten oder ganz durchspielen kann.“ Entscheidend aber wird auch das Okay des Spielgestalters sein. Fink: „Rafael kennt seine Muskulatur gut genug und hatte schon häufiger vergleichbare Verletzungen. Er wird wissen, wann es geht.“

Klar aber ist in jedem Fall, dass van der Vaart beginnen wird, wenn nichts mehr passiert. Wie sonst auch legte sich Fink bereits früh auf seine Startelf fest. Die letzte Frage, wer vorn im Angriff beginnen würde, beantwortete Fink heute klar: „Artjoms Rudnevs und Heung Min Son werden vorne beginnen. Obwohl es Maxi Beister genauso verdient hätte.“ Folglich wäre die Startelf: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Arslan, Badelj, van der Vaart, Aogo – Son, Rudnevs. Wobei ich nach dem Spiel gestern gegen Hertha kurzzeitig den Gedanken hatte, Fink könnte trotz wiederholt anderslautender Aussagen Per Skjelbred für Arslan aufstellen. Aber dem scheint nicht so. „Sollte Rafa ausfallen, würden wir wie zuletzt mit Per beginnen“, so Fink, „aber wenn Rafa dabei ist, muss Per zunächst auf die Bank.“ So bitter das für den formstarken Norweger auch sei.

Denn auch Skjelbred brennt vor Ehrgeiz. Im Training heute ging es (mal wieder) ordentlich zur Sache. Selbst der noch nicht zu 100 Prozent genesene Petr Jiracek, der gegen Nürnberg noch nicht zum Kader gehören wird, grätschte und zog die gesamte Einheit mit höchstem Einsatz durch. „Bei uns merkt man, dass Feuer drin ist, dass alle spielen wollen“, lobt Mannschaftskapitän Heiko Westermann, der aber warnt: „Die zweite Halbzeit gegen Hertha war ein schönes Warnzeichen für uns“, so Westermann über den schwachen Auftritt der vermeintlichen A-Elf gegen den Zweitligisten. „Wir haben da grundlegende Dinge einfach nicht gemacht. Bei uns fehlten Kampf, Leidenschaft und Einsatz.“ Und gerade bei den widrigen Bodenverhältnissen und dem Ausblick, auf einen Abstiegskandidaten zu treffen, sei eine radikale Steigerung dieser Eigenschaften bei ihm und seinen Kollegen nötig: „Das wird ein schweres Spiel, ein kampfbetontes. Denn auch wenn wir spielerisch besser besetzt sind, das interessiert am ersten Spieltag niemanden. Da muss man dann auch mal den Ball hinten rausschlagen anstatt immer wieder hintenrum zu spielen.“

Stimmt. Wobei der Anspruch des HSV bei seinem technisch sehr starken Mittelfeld auch ist, guten Fußball zu spielen, wie Fink betont: „In erster Linie wollen wir guten Fußball spielen“, so Fink, der für den Rückrundenauftakt das klare Ziel Auswärtssieg ausgibt, aber auch warnt: „Wir hatten eine hervorragende Vorbereitung, alles hat perfekt gepasst. Gerade in Abu Dhabi. Die Mannschaft scheint sich entwickelt zu haben.“ Aber sie zeige eben auch alte Schwächen auf. Wie beim letzten Test – einer allerdings nur fast misslungenen Generalprobe. „Wir haben gegen Hertha gesehen, dass es nur mit 100 Prozent Konzentration geht. Und die brauchen wir immer.“

Auch bei den Standards, die von allen Beteiligten immer wieder nach vorn geschoben werden, wenn es darum geht zu erklären, welchen Fortschritt man im Winter gemacht habe. „Wir haben auf dem Platz viele Feinheiten abgestimmt und trainiert. Wir sind, denke ich, gut vorbereitet. Gerade bei Standards sollte es jetzt endlich besser werden“, sagt HSV-Kapitän Heiko Westermann.

Na dann, warten wir es ab. Die neue Variante sieht unter anderem den Kapitän auf dem ersten Pfosten den Ball verlängern. Gegen Austria Wien gelang dies – allerdings mit Hilfe eines österreichischen Abwehrspielers, der den Ball an die eigene Latte verlängerte. „Standards waren in der Hinrunde nicht wirklich unsere Stärke“, so Fink vor der Winterpause – heute scheint er zufriedener. „Wir haben sehr gut gearbeitet. Auch in Hinblick auf unsere Standards konnten wir in Abu Dhabi sehr viel erarbeiten“, so der HSV-Coach.

Viel Arbeit vor sich hat auch noch Frank Arnesen. Der Sportchef, der aktuell die Vertragsverlängerungen von Heung Min Son ebenso vorantreibt wie die der umworbenen Top-Talente Levin Öztunali und Jonathan Tah („Wir führen sehr gute Gespräche, ich bin sehr positiv“) wirkt derzeit ein wenig gehetzt. Immerhin muss er im Winter 6,4 Millionen Euro einsparen. Durch die Abgabe von Tom Mickel und Robert Tesche konnte der HSV-Sportchef jedoch gerade – und da muss ich mich korrigieren – 700000 Euro einsparen. 200000 Euro davon bei Mickel, 500000 bei Tesche, der von Düsseldorf das Gehalt für die komplette Rückrunde erhält. Das wiederum sind nur 400000, an denen ich mich gestern orientiert hatte. Allerdings sind es „nur 400000“, weil Tesche auf einen Teil – ergo auf 100000 Euro – seines Gehaltes verzichtet hat. „Er hat Abstriche hingenommen, um spielen zu können“, so Arnesen, „das zeugt von sportlichem Ehrgeiz.“ Auch wenn es eine ganze Zeit gedauert hat, bis sich diese Eigenschaft bei Tesche gemeldet hat…

Melden möchte ich auch eine erstaunliche Geschichte. Zumindest für mich erstaunlich, weil ich nicht dachte, dass das geht. Als wir am Sonnabend die Sendung zum Austria-Spiel vorbereitet haben, hat mir HSV-Mitarbeiter Carlo Dannies erzählt, er würde sich von seinem Handy im Auto immer Matz ab vorlesen lassen. Zuerst war ich baff, weil ich nicht wusste, dass wir Podcasts anbieten. Sie also kann man sich den Blog vom Handy vorlesen lassen? Die Erklärung: Dannies hat ein Iphone. Er kopiert den Blog-Text auf folgende Seite

http://www.experto.de/b2b/computer/gadgets/von-iphone-und-ipad-markierte-texte-vorlesen-lassen.html

Dort ertönt dann die Stimme, die den Text vorliest. Eine gute Idee wie ich finde…

Noch besser fände ich allerdings, wenn der HSV am Sonntag den guten Vorbereitungsergebnissen ein gutes Liga-Ergebnis folgen lässt. Alle sind fit – bis auf Paul Scharner (Schleudertrauma). Was also sollte noch schiefgehen? Ich bin optimistisch und tippe auf einen 3:1-Sieg, der sich allerdings ändern könnte, sollte morgen (um 15 Uhr an der Imtech-Arena) oder am Sonnabend beim geheimen Abschlusstraining noch etwas passieren. Ich drücke die Daumen, dass dem nicht so ist…

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Rest-Donnerstag, bis morgen,
Scholle

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