Rückblick, Teil zwei – das Mittelfeld
10. Juni 2013
„Dem Stümperer Nummer eins gibst du eine Eins – ich kann es nicht glauben.“
Sagte heute ein eigentlich ganz netter „Matz abber“ zu mir – und ich wusste selbstverständlich sofort, wen er gemeint hatte. „Natürlich“, habe ich geantwortet, „weil sich dieser Mann um das HSV-Team verdient gemacht hat wie kein anderer HSV-Profi. Und zwar auf dem Rasen und auch ansonsten überall. Das sogar schon seit Jahren, auch in jenen Zeiten, in denen es besonders schlecht lief.“ Und nebenbei, so ganz nebenbei bemerkt, ist Heiko Westermann ja auch noch aktueller deutscher Nationalspieler. Und diese deutsche Nationalmannschaft steht in der Weltrangliste immer noch auf Rang zwei. Okay, ich weiß, ich weiß (habe ich auch dem Matz abber gesagt), Bundestrainer Joachim Löw hat keine Ahnung vom Fußball, das weiß ja jeder. Der hat es doch sogar gewagt, zuletzt mal vier HSV-Spieler gegen Ecuador einzusetzen – man, was ist dieser Löw nur für ein Nichtskönner. Wie kann denn der „Bundes-Sepp“ nur vier HSVer einsetzen? Viel besser wäre es doch gewesen, zwei von Werder und zwei von 96 zu bringen . . . Oder zwei Braunschweiger und zwei vom Millerntor. Statt diese HSV-Hamburger, von denen die meisten ja ohnehin nur Stümperer sind . . .
Ich kann es nicht mehr ab, muss ich zugeben. Ich kann es nicht mehr ab und werde mich auch nie dran gewöhnen. Und jedes Mal tut es mir wieder aufs Neue weh. Wie hier HSV-Spieler vom HSV–Anhang, von den eigenen Fans, immer und immer wieder in der Luft zerrissen werden – ich kann es nicht mehr hören und lesen. Auch deshalb, ich gestehe, freue ich mich auf Mitte/Ende September, dass ich damit dann nicht mehr konfrontiert werde. Ich habe ein solches Anti-Fan-Verhalten noch nie erlebt, ich kannte es auch in dieser krassen Form nicht – und ich werde aus auch nie akzeptieren. Natürlich soll jeder seine eigene Meinung haben, ich verlange auch nicht, dass jeder HSV-Fan dem guten Westermann eine Eins gibt, auch nicht, dass ihn ein jeder ins Herz schließt oder liebt, aber tolerant sollte jeder sein – und auch ein bisschen mit Fußball-Verstand gesegnet. Dann nämlich würde man nicht nur die gestümperten Fehlpässe registrieren, sondern die vielen Balleroberungen sehen, die vielen gewonnenen Kopfballduelle beachten und die unzähligen Rettungsaktionen, der der Ex-Kapitän immer dann unternehmen muss, wenn einem Mitspieler ein Fehler unterlaufen ist. Dann riskiert der Herr Westermann stets Kopf und Kragen und schont sich nicht. Und er spielt selbst dann noch, wenn er eigentlich nicht spielen dürfte – zum Beispiel mit einem Muskelfaserriss. 34 Einsätze kann kein anderer vorweisen – beim HSV. Aber gut. Ende. Und jeder so, wie er es will.
Bei der Gelegenheit: ich muss mich entschuldigen. Ich hatte Milan Badelj und Ivo Ilicevic unterstellt, bei Kroatiens 0:1-Niederlage gegen Schottland dabei gewesen zu sein – das ist eine Falschmeldung, und diese nehme ich mit dem größten Bedauern zurück. Beide HSV-Spieler haben an diesem Qualifikationsspiel nicht (!) teilgenommen – sie waren lediglich als Zuschauer auf der Bank dabei. Sonst hätten die Kroaten doch bestimmt auch gewonnen, oder?
Aktuell gibt es immer noch nichts Neues. Heung Min Son wartet weiter auf Chelsea und Andre Schürrle, und Marcus Berg auf die Eulen in Athen. Oder war es Panathinaikos? Ja, doch, Pana war es.
Ansonsten freue ich mich auf morgen (Dienstag), denn dann wird Oliver Kreuzer seinen Dienst beim HSV aufnehmen. Es gibt viel zu tun, ich hoffe er packt es zügig an . . .
So, und dann wäre ich auch schon beim zweiten Teil. Der Saisonbilanz. Heute ist das Mittelfeld „dran“! Los geht es:
Milan Badelj
war die Entdeckung der Saison. Ich habe noch die Worte von Carl-Edgar Jarchow im Ohr, denn der HSV-Boss sagte im Herbst: „Milan Badelj spielt so über die Maßen gut, dass ich schon die Befürchtung habe, dass er uns am Saisonende gleich wieder weggekauft wird.“ Die Befürchtung, lieber Herr Jarchow, ist jetzt unbegründet, denn der gute Milan hat dann nach starker Hinrunde auch stark nachgelassen. Was viele auch darauf zurückführen, dass er im Sommer 2012 keine Pause hatte. Mag sein, ich kann das nicht ausschließen. Aber ich hoffe, dass Badelj jetzt – nach einer gewissen pause – doch wieder an jene Leistungen anknüpfen wird, die ihn in Hamburg zum Shootingstar haben werden lassen. Note drei.
Tomas Rincon
kam erst in der Rückrunde mehrfach zu Einsätzen und gehörte immer zu jenen HSV-Profis, die zuverlässig und solide „arbeiteten“. Enttäuscht hat „Popeye“ nie – mich jedenfalls nicht, obwohl er in Länderspiel-Einsätzen für Venezuela meistens zu den besten Spielern auf dem Platz gehört. Insofern gibt es bei ihm noch Luft nach oben – wenn er denn in Hamburg bleibt. Ich könnte mir sehr wohl vorstellen, dass ihm jetzt doch mal nach einer Luftveränderung ist. Und irgendwie würde ich es ihm sogar gönnen – es muss ja nicht die Bundesliga sein, in der er dann ganz groß heraus kommt . . . Note vier.
Dennis Aogo
konnte nicht an seine (guten und teilweise sehr guten) Leistungen der Vorsaison anknüpfen. Das, obwohl er ja auf der zunächst ungewohnten Mittelfeld-Position doch hin und wieder ganz starke Spiele abgeliefert hat. Besonders zu Anfang dieser Zeit. Irgendwie aber stagnierte er dann im Frühjahr, er konnte seine 100 Prozent nie wieder erreichen. Dass er zuletzt seine Länderspiel-Einsätze elf und zwölf feiern konnte, das freut mich aber sehr für ihn – und vielleicht gibt es ihm ja auch wieder jenen Auftrieb, dass er zur alten Stärke zurückfinden wird. Ich wünsche es ihm, denn er hat – egal wie gut oder schlecht es für ihn auch auf dem Platz lief – stets viel für diese Mannschaft getan. Note vier.
Ivo Ilicevic
kam nach langer Verletzungszeit erst gegen Saisonende zurück und zu einigen Kurz-Einsätzen. Den Durchbruch hat er immer noch nicht geschafft, und ich hatte ja schon eine Phase, in der ich ihm diesen Durchbruch auch nicht mehr zugetraut hatte – nun schwanke ich. Gebe ich gerne zu. Im Training nämlich hat dieser Ilicevic teilweise Dinge drauf, die einfach klasse sind. Wenn er das nur einmal in einem Spiel . . . Er steht sich meiner Meinung nach zu sehr selbst im Wege, weil es ihm nicht gelingt, alles für den HSV (meinetwegen auch für die Raute) zu geben. Wenn er sich mit dem Club zu 100 Prozent identifizieren würde, sich dementsprechend auch ins Zeug legen würde, dann könnte es doch noch was werden. Zweifel aber bleiben. Und diese Zweifel sind nicht von der kleinen Art. Noch Note fünf.
Petr Jiracek
kam auch erst gegen Ende der Saison in Fahrt – die lange Verletzungspause verhinderte, dass der HSV-Anhang den „wahren Jira“ sehen und bejubeln konnte. Und wenn wir ehrlich sind, dann haben wir alle den „wahren Jira“ auch immer noch nicht im HSV-Trikot gesehen. Da muss schon noch viel mehr kommen. Und ich glaube, dass das auch in der nächsten Spielzeit kommen wird. So er dann zum Einsatz kommen wird. Wenn Thorsten Fink auf den Tschechen baut, dann, so glaube ich fest, dann wird er es ihm auch mit guten Leistungen danken. Hatte ich doch gegen Ende der Saison schon den (kleinen) Verdacht, dass die HSV-Mannschaft mit Petr Jiracek schon etwas gefestigter wirkte – als vorher ohne ihn. Note vier.
Jacopo Sala
war jener Jüngling, der einst die Bayern ganz kräftig erschreckte. Kann sich noch jemand erinnern? Einige sind bestimmt noch dabei. Seit diesem 2. Februar 2012 ist es still um den Italiener geworden. Nach dem 1:0-Führungstor gegen die Bayern (Endstand 1:1 – durch Olic) hatte jeder (Zweite?) darauf gehofft, dass Sala nun ein aufgehender Stern in der Liga wird – aber dann kam da nicht mehr viel. Heute steht er bei 20 Einsätzen – und immer noch bei diesem einen – aber durchaus spektakulären – Tor. Ich habe nicht mehr viel Hoffnung, dass da noch viel mehr kommen wird, denn den Willen, sich im Training durch überdurchschnittliche Leistungen aufzudrängen, den kann ich so gut wie nie erkennen. Im Gegenteil, Sala wirkt eher so auf mich, als wenn er schon ein wenig resigniert hätte. Note fünf.
Tolgay Arslan
war eine der großen und guten Entdeckungen der Hinrunde. Und das auf der Sechs! Für mich wäre das undenkbar gewesen, aber er hat mich überzeugt – und den Trainer und die meisten Fans. Hut ab. Das kann er also auch. Leider musste er nach guten und teilweise starken Leistungen dann auch den „Van der Vaart“ geben, also vorgezogen zentral spielen, und schwupps war er die Sechs wieder los. Schade. Vielleicht wäre sonst sein Stern vollends aufgegangen. Bleibt mir nur, darauf für diese Saison zu hoffen. Note vier.
Rafael van der Vaart
kam als großer Hoffnungsträger, und es ging ja mit ihm auch (steil?) bergauf. Dennoch, fußballerisch ist er – keine Frage – hinter den Erwartungen aller zurückgeblieben. Auch er hatte sicherlich mehr von sich erwartet, er hat es jedenfalls oft genug gesagt. Dass sein Förderer (und Geldgeber) Klaus-Michael Kühne inzwischen (im Abendblatt-Interview) gesagt hat, dass sich „van der Vaart den allgemeinen Leistungen des HSV angepasst“ hätte, spricht Bände. Dennoch muss ich sagen, war die Verpflichtung des Niederländers von enormer Wichtigkeit, denn er hat dafür gesorgt, dass seine Kollegen alle eine Schippe mehr drauf gelegt haben. Und auch viel konzentrierter trainiert haben. Note vier.
Per Ciljan Skjelbred
kam zurück wie Kai aus der Kiste. Den Norweger hatten sie alle schon abgeschrieben (auch ich!), er war praktisch schon aussortiert, und dann dieses Comeback! Großartig. Auch wenn er – wie der gesamte HSV – eine stete Berg- und Talfahrt hinlegte, also ziemlich unkonstant spielte. Trotz allem, er ist eine erfreuliche Figur in diesem HSV geworden, feierte nun sogar seine Rückkehr in die norwegische Nationalmannschaft. Obwohl, das wissen wir, das ja nicht so viel bedeuten muss. Note vier.
Gojko Kacar
war mit einem Male „über“. Im Winter sollte er zu Hannover 96, das zerschlug sich, seit dieser Zeit (spätestens) spielte er keine Rolle mehr. Erst als zum Schluss ein gewisser Mangel an Abwehrspielern bestand, da durfte der Serbe dann doch noch mal für Minuten ran. Was seine Situation beim HSV aber keinen Deut verbesserte – Kacar ist nach wie vor „über“ und soll gehen. Schon jetzt, wo kein Ball mehr rollt, wurde er quasi aussortiert. Note fünf.
Robert Tesche
war zuletzt an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen – und stieg mit dem Aufsteiger wieder ab. Immerhin, er war dort in der Rückrunde Stammspieler. Nun kehrt er zurück, weil er dem neuen Zweitliga-Club doch zu teuer geworden ist. Ja, in Hamburg sind die Spieler, auch die, die regelmäßig draußen sitzen und „über“ sind, noch wahre Könige, denn sie alle werden königlich bezahlt. Dem Vernehmen nach zahlt zum Beispiel Eintracht Frankfurt, in der Bundesliga leicht etwas vor dem HSV platziert, ein Viertel von den HSV-Gehältern. Hier wird eben jeder fürstlich und überfürstlich belohnt, auch unser „Zehner“ – der Robert. Deswegen will er ja auch noch nicht weg – der Vertrag läuft. Und zwar sehr gut. Note fünf.
So, kurz noch zur kommenden Saison. Der HSV hat bislang 27 000 Dauerkarten für die Spielzeit 2013/14 in der Fußball-Bundesliga verkauft. Von den 57 000 Stadionplätzen sollen 30 000 als Saisontickets angeboten werden. Das Jahresabonnement kostet zwischen 198 Euro im Stehplatzblock und 788 Euro im besten Sitzplatzbereich. Für eine Dauerkarte müssen abhängig von der Kategorie zwischen zehn und 61 Euro mehr als im Vorjahr berappt werden. Tickets in der Komfortklasse Business werden unverändert für mindestens 3500 Euro pro Spieljahr angeboten. Am 18. Juni beginnt der freie Verkauf.
Am Dienstag, also morgen, beginnt um acht Uhr der Dauerkartenvorverkauf für die HSV-Mitglieder. Als Mitglied kann man maximal eine Dauerkarte für die Saison 2013/2014 erwerben. Mit Beginn des freien Vorverkaufs (18. Juni) können dann bis zu vier Dauerkarten erworben werden.
Folgende Blöcke stehen im Mitglieder-Vorverkauf zur Verfügung:
Osttribüne: 1A, 2C, 3C, 4C, 5C und 7A
Westtribüne: 17C, 18C, 19C, 20C und 21A/B/C
Südtribüne: 9A/B/C, 10A/B/C und 11A/B/C.
Bei den Einzeltickets sind die Preise für die nächste Saison stabil geblieben. Im Stehplatzbereich wurden die verschiedenen Kategorien (12, 14, 16, 19 Euro) auf einheitlich 16 Euro festgelegt. Die neue Bundesliga-Saison beginnt am zweiten August-Wochenende.
PS: HSV-Mittelfeldspieler Christian Nørgaard hat mit dem dänischen U-19-Nationalteam die EM-Endrunde verpasst. Die Dänen unterlagen im entscheidenden Qualifikationsspiel dem gleichaltrigen Team aus Portugal mit 0:1. Die Endrunde findet vom 20. Juli bis 1. August in Litauen statt.
18.38 Uhr