Archiv für das Tag 'Norgaard'

Adler will fliegen – schon in Jena

31. Juli 2013

Viel los war heute wahrlich nicht. Neben zwei Zuschauern, einem Jogger, einem Fahrradfahrer und einer Gruppe Behinderter saßen da noch drei Kollegen und ich. Zwei Fotografen dokumentierten die verwaiste Fußballlandschaft an diesem herrlichen Mittwochnachmittag abseits der Imtech-Arena. Obwohl, da waren natürlich noch die beiden Hauptakteure auf dem großen Trainingsplatz: Torwarttrainer Ronny Teuber und das größte Fragezeichen im HSV-Kader, Rene Adler. Spielt er am Sonntag schon in Jena mit? Oder pausiert er weiterhin und es wird sogar eng bis zum Saisonauftakt am 11. August beim FC Schalke? „Ich habe Schmerzen“, sagt Adler heute nach rund 80 Minuten Einzeltraining. Allerdings relativeierte Adler seine Aussage sofort wieder: „Schmerzen, wie sie nach so anstrengenden Einzeltrainings normal sind. Diese Einheiten sind deutlicu intensiver als normales Mannschaftstraining.“

Kein Zweifel, Adler, der am Dienstag im Sky-Interview klar formulierte, dass man in dieser Saison mehr von der Mannschaft verlangt als in der abgelaufenen Saison, ist heiß. Sehr heiß sogar. „Aber nicht so heiß, dass ich übermotiviert wieder einsteige und dann ausfalle“, verspricht er. Stattdessen warte er jeden Tag ab, wie sich die anstrengenden Einheiten auf seinen Körper auswirken. „Erst, wenn es keinen Zweifel mehr gibt, steige ich wieder voll ein.“ Und das am liebsten mit einem „Tunneler“ bei seinem Kollegen Dennis Diekmeier. „Ich freue mich auf den ersten Kreis, den ich wieder mitspiele und auf den ersten Ball, den ich Dennis durch die Beine schiebe. Das könnt ihr gern so aufschreiben.“

Adler wirkt locker. Motiviert und fokussiert. Er weiß, dass die nächsten Tage für ihn ganz wichtig sind, dass er eine Saison vor sich hat, in der vieles funktionieren muss. Immerhin steht neben dem großen Ziel Europapokal mit dem HSV auch eine WM vor der Tür. „Wir haben viele Nationalspieler aus vielen Nationen, die dahin wollen. Und wir alle wissen, dass wir dafür Erfolg als Mannschaft brauchen. Haben wir den, ist das auch für den Einzelnen klar von Vorteil.“ Eine Gleichung, die ich andersrum aufgezäumt hätte (bessere Leistung als Mannschaft – mehr Erfolg – bessere Bewertungen von außen – bessere Chancen, für die jeweilige Nationalelf berufen zu werden) – aber egal. Geht auch so. Denn, und da bin ich mir mit Adler zu 100 Prozent einig: „Am Ende geht alles nur über die Mannschaft!“

Und die Stimmung ist gut. Im Training wechseln sich rassige Zweikämpfe und umkämpfte Spiele mit entspannten Pausen ab. Es wirkt sehr ehrgeizig – und zumeist harmonisch. „Das ist es auch“, sagt Adler und bezieht insbesondere auch die Spieler mit ein, die weiterhin verkauft werden sollen. „Es gibt da keine Stinkstiefel, alle verhalten sich wie Profis. Obwohl es eine alles andere als leichte Situation für sie ist, lässt sich keiner hängen.“

Zudem ist die Stimmung insgesamt besser als in der abgelaufenen Saison. „Da war es auch gut, aber diesmal haben wir klare Ziele für uns“, sagt Adler. „Ohne da irgendeinen falschen Druck zu machen, haben wir intern das klare Ziel ausgegeben, nach Europa zu kommen. Das ist sicherlich nur ein Ziel und kein Versprechen. Aber wir können versprechen, dass wir immer 100 Prozent geben – und mehr. Wenn wir so kämpfen wie im letzten Spiel gegen Leverkusen, dann springt der Funke über aufs Publikum und umgekehrt. Das in der Mehrzahl der Spiele und dazu unsere spielerische Klasse, die wir jetzt haben – dann können wir nur nach Europa fahren.“

Oha. Sehr optimistisch. Und mutig. Aber das ist Adler. Auch, was seine persönliche Prognose anbelangt. Denn obwohl Trainer Thorsten Fin am Dienstag unmissverständlich sagte, Adler bräuchte mindestens ein Spiel, bevor er ihn zum Bundesligaauftakt gegen Schalke in den Kasten stellt, sieht Adler das etwas anders. Ob er auch ohne ein Spiel vorweg quasi per Kaltstart in die Bundesliga gehen könnte? „Klar, das hab ich schon häufiger machen müssen. Ich habe keine Angst davor.“ Dennoch setzt Adler darauf, vor dem Spiel in Gelsenkirchen Matchpraxis zu sammeln. „Es wäre nicht schlecht, schon am Wochenende zu spielen und wieder das Gefühl für das Spiel zu gewinnen.“ Nicht, dass er das unbedingt bräuchte, dafür hätte er in seinem Leben schon genug Bälle gehalten. Nein, dass er es kann weiß er. Aber allein fürs Selbstvertrauen sei das wichtig. „Es reicht manchmal schon aus, dass man plötzlich bemerkt, wie zuvor schmerzhafte Bewegungen wieder reibungslos gehen.“ Wie heute im Training? „Ungefähr so“, lacht Adler, der einst in Leverkusen mehr oder weniger per Kaltstart seine Bundesliga-Premiere feierte, als er den rotgesperrten Jörg Butt vertreten musste.

Apropos Bayer Leverkusen: Bei dem Werksklub startet Levin Öztunali gerade durch. Und ich befürchte, dass alle Kritiker der letzten Monate Recht behalten werden und sich der HSV in kürzerer zeit mächtig in den Allerwertesten beißen wird. Weil für einen Verbleib des allseits anerkannt größten Talentes innerhalb des Klubs schlichtweg nicht genug getan wurde. Dabei hätte ein Jahresgehalt von Kacar locker gereicht, um Öztunali für die nächsten Jahre zu binden und zu fördern. Und dieses Versäumnis heben auch die Transfers wie Nörgaard etc. nicht auf. Nicht einmal der Verbleib von Tah. Aber das nur am Rande.

Mehr gab es heute nicht. Außer die Ansage von Marcell Jansen, dass er am Feitag wieder ins Training einsteigen wolle. Das wiederum würde Fink nicht richen, um den Linksfuß gegen Jena aufzustellen. “Wenn Marcell nicht vor Freitag trainieren kan, beginnt Dennis Aogo hinten links.” Wie heute in Dresden. Aber davon gibt es nachher noch mehr zu lesen…

Für mich soll es das erst einmal gewesen sein. Nachher, im Anschluss an den Benefizkick von Rafael van der Vaart und Co. in Dresden, meldet sich Dieter mit einem kleinen Update bei Euch. Ich wünsche Euch bis dahin einen schönen Abend und freue mich auf morgen!

Scholle

Nie zu früh zufrieden sein . . .

28. Juli 2013

Nur 25 000 Zuschauer, obwohl Inter Mailand da war. Das war schon enttäuschend zu sehen. Und irgendwie kann ich auch die Ernüchterung des HSV verstehen, denn die Herren haben sich – nach dem Nordcup vor einigen Tagen – auch diesmal Mühe gegeben, um den Fans einen Fußball-Leckerbissen zu präsentieren. Aber, und das muss ich auch ganz klar und sofort anfügen: Ich habe auch Verständnis für die, die daheim geblieben sind, denn:

Im vergangenen Jahr war der FC Barcelona da, mit der C-Truppe. In diesem Jahr war der FC Barcelona da, bei den Bayern. Mit der B-Truppe – und eine Halbzeit Messi. Das will kein Fan sehen, die fühlen sich nämlich auf den Arm genommen. Und solange sich die Vereine nicht solidarisch erklären, dass sie mit der bestmöglichen Mannschaft antreten werden, wenn es zu solchen Freundschafts- oder Testspielen kommt, solange werden die Stadion auch nur halbvoll sein.

Ein weitere Grund, warum die Arena so leer war: Live-Übertragung im Fernsehen. Bei diesem Wetter bleiben dann doch viele lieber daheim, denn der Weg zum Kühlschrank und zum kalten Bier ist bekannt und sehr kurz, und beim Trinken kann Mann die Beine hochlegen.

Boris Becker hat es ja kürzlich auf den Punkt gebracht, als er davon sprach, man solle nicht jede Busfahrt eines Bundesliga-Clubs live übertragen (gemeint waren wohl die Bayern), aber ich weiß nicht, ob solche Forderungen nicht in ein Ohr rein und aus dem anderen Ohr gleich wieder raus sind? Der HSV wurde übertragen, dann anschließend das 9:0 von Schalke gegen eine Scheich-Betriebsauswahl, am Abend dann – natürlich – das Super-Cup-Finale zwischen Bayern und Dortmund, zudem live auf Sky die Zweite Liga: erst Aue gegen Sandhausen, dann KSC gegen Pauli. Das alles zusammen ist doch mal ein Angebot – wer soll da noch ins Stadion gehen, Geld ausgeben, um sich eventuell zu ärgern, weil die Leistungen nicht stimmen – und bei der An- und Abfahrt dann eventuell noch in einen wunderschönen Stau am Elbtunnel (und sonst irgendwo) geraten.

Und noch einen Grund gibt es, und auch der muss noch kurz angesprochen werden: Mir haben viele „Matz-abber“ auch schlicht und einfach erklärt, dass sie immer noch ein wenig HSV-müde sind. Weil das eben kein Spitzenfußball ist, was da von den Rothosen gespielt wird – trotz des namhaften Gegners. Oder besser: Trotz des namhaften Clubs, der entweder mit der oder mit jener Mannschaft kommt, gerade wie es den Herren in den Kram passt. Vielleicht schreiben ja mal ein paar „Matz-abber“ darüber, warum sie nicht in den Volkspark gepilgert sind, um sich Inter Mailand und den HSV anzusehen.

Um schnell noch einmal auf den deutschen Super-Cup zu kommen:

Der FC Bayern hat ja auch sehr viel zurück gespielt, aber das ist vielleicht der neue Trend in der Liga. Vorgegeben – natürlich – vom HSV, denn der spielt schon seit Jahren so. Nun sogar die Bayern. Die Spanier nennen es – eingedeutscht: Tiki-Taka. In München nennen sie es wohl demnächst, bei dem Hype um Guardiola, „Pepi-Paka“. Und beim HSV müsste es dann „Finki-Fanka“ heißen. Das Kind muss doch einen Namen haben.
Also, ich war beim Zurückspielen. Dabei haben die Bayern ihren Torwart, das war satt Manuel Neuer diesmal Tom Starke, gelegentlich richtig schön schwindelig gespielt. Allein Lahm und van Buyten hatten wohl (gefühlt) jeweils 40 Rückpässe zum Torwart! Das sah stark aus. „Pepi-Paka“ eben. Und apropos Starke. Der ehemalige HSV-Torwart sah ja nicht immer so gut aus (nicht nur beim 0:1), und deshalb muss man schon sagen: Es gibt einen Punkt, da ist der HSV dann doch den großen Bayern klar überlegen. Das ist die Position des zweiten Torhüters. Mit Jaroslav Drobny, dem großen Schweiger, hat der HSV eindeutig den besseren Ersatztorwart. Das hat der Tscheche auch gestern erneut und eindrucksvoll bewiesen. Ich weiß nicht, ob sich der „FC PepGuardiola“ (oder wie der ZDF-Poschmann so lässig und weltmännisch und oberlehrerhaft sagte: „Guuhhooohhhuuuuhhaardioolaa“ – hat der Posch-Mann genervt!) nach diesem 2:4 gegen Dortmund nicht doch noch schnell nach einem neuen zweiten Mann zwischen den Pfosten umsehen wird. Überall gibt es die Doppelbesetzung mit zwei Weltklasse-Spielern, nur im Tor nicht. Und diese Position ist ja auch nicht ganz so unwichtig, wie mir scheint. Zudem haben die Bayern in ihrer Portokasse ganz sicher noch die eine oder andere Million, um noch einmal zuschlagen zu können – auf dem Transfermarkt.

Das will der HSV ja auch noch. Ohne die eine oder andere Million noch in der Porto-Kasse zu haben. Dass Christian Norgaard nun nach Dänemark wechseln wird (oder soll), dürfte die finanzielle Situation beim HSV nicht großartig und nachhaltig tangieren. Im Sturm soll ja noch etwas passieren – obwohl da gegen Inter ja durchaus etwas passiert ist. Artjoms Rudnevs hat getroffen. Und er hatte dazu noch einige gute und große Chancen auf dem Schlappen – der Junge scheint doch wieder zu kommen. Und wenn ich sehe (und höre), wie der Lette fast enthusiastisch gefeiert wurde, erst bei seinem Tor, dann bei seiner Auswechslung, dann glauben auch die Fans weiter und zu 100 Prozent an ihn. Glückwunsch. Damit wäre doch das Problem eigentlich gelöst. Denn Jacques Zoua ersetzt Heung Min Son, und dazu hat der HSV ja auch noch Maximilian Beister. Da aber ja meistens doch nur mit einer Spitze gespielt wird, dürfte die Wahl auf Artjoms Rudnevs fallen. Bei einer solch großen Beliebtheit des Torjägers wäre der HSV doch dumm, wenn er noch Geld für einen weiteren Stürmer ausgeben würde – zumal es ja Geld wäre, das der Club ja gar nicht hat.

Die Fans waren ja zufrieden – nicht nur mit Rudnevs. Viel Beifall gab es nach dem Schlusspfiff des guten Schiedsrichters Florian Meyer (der seinen internationalen Platz übrigens freiwillig an Deniz Aytekin abgetreten hat, so etwas gibt es auch noch!). Und allgemein herrschte beim HSV eine rundherum große und volle Zufriedenheit. Sportchef Oliver Kreuzer hatte „ein starkes Spiel des HSV“ gesehen, und auch Trainer Thorsten Fink war zufrieden. Er resümierte nach dem 1:1: „Wir haben eine ordentliche Leistung gezeigt, Inter Mailand ist ja eine taktisch sehr gute, spielerisch gute und dazu auch clevere Mannschaft, aber dennoch haben wir die Italiener weitgehend im Griff gehabt – bis auf die ersten Minuten. Das waren ja die ersten Aktionen des Spiels, da dürfen sie einfach nicht rauskommen, da hinten links – ansonsten war ich mit der Defensivleistung meiner Mannschaft zufrieden. Auch mit der Offensiv-Leistung, denn wir hatten ja einige gute Chancen, wir haben auch über die Außenpositionen Akzente gesetzt und viel gemacht – spielerisch war das teilweise schon sehr gut anzusehen. Deswegen kann man heute zufrieden sein. Aber es war ein Freundschaftsspiel, die Zuschauer waren auch zufrieden und haben geklatscht, letztlich aber zählt es erst beim ersten Pflichtspiel – und das ist das DFB-Pokalspiel in Jena.“

Das steht am kommenden Sonntag auf dem Programm, vorher, am Mittwoch, gastiert der HSV noch zu einem Benefizspiel bei Dynamo Dresden.

Über das Rudnevs-Tor befand Thorsten Fink: „Ich bin über jedes Stürmer-Tor froh, es ist mir immer lieber – weil jedes Tor ja Selbstvertrauen gibt. Und dann kommen auch die Diskussionen nicht immer auf, wie lange ein Stürmer nicht getroffen hat. Jetzt hat ein Stürmer getroffen, deswegen tut das dem Stürmer und auch der Mannschaft sehr gut.“

Den HSV-Fans hat es auf jeden Fall schon mal sehr gut getan, sie waren voll zufrieden: „Ruuuuhhuuuudnevs, Ruuuuuhhuuudnevs.“ Was ein Tor doch so auslösen kann.

Ich denke aber generell, dass ich das Wort „zufrieden“ schon viel zu oft in dieser Vorbereitungsphase gehört habe. Selbst nach einem 1:3 gegen West Ham United herrschte ja voll Zufriedenheit, denn der HSV war spielerisch die bessere Mannschaft, war in beiden Halbzeiten überlegen. Ob es dann trotz der Niederlage gut ist, wenn man „zufrieden“ ist – und es dann auch noch öffentlich sagt, das wage ich zu bezweifeln. Irgendwie besteht doch die Gefahr, dass man die eigenen Spieler einlullt. Die verlieren (oder spielen nicht gerade berauschend), und trotzdem sind die Verantwortlichen zufrieden. Wie sieht das dann am 11. August auf Schalke aus? Der HSV verliert 1:3, aber alle sind zufrieden, weil der HSV spielerisch die bessere Mannschaft war?

Mir hat als Spieler ein Trainer gefallen, wenn er trotz eines Sieges in einem Vorbereitungsspiel jene Punkte kritisch angesprochen hat, die noch deutlich verbesserungsfähig waren. Und dass dieser HSV, auch dieser HSV (!), noch Punkte hat, die zu verbessern wären, davon gehe ich mal ganz verstärkt aus. Man sollte, das gilt generell für das Leben, nie zu früh zufrieden sein, das könnte sich schnell rächen. Und wenn ein Trainer – auch öffentlich – diese oder jene spielerischen Missstände innerhalb seiner Mannschaft betont, so weckt er damit die Aufmerksamkeit seiner Spieler. Sagt er aber immer wieder, dass er zufrieden sei, dann können die sich ja beruhigt zurücklegen, sich auf die Schultern klopfen und sich sagen: „Siehst du, wir haben zwar nicht gewonnen, aber anscheinend haben wir alles richtig gemacht – selbst der Alte ist zufrieden mit uns . . .“

Thorsten Fink, das will ich aber nicht verheimliche, hat nach dem 1:1 gegen Inter auch gesagt: „Wir wollen das alles nicht überbewerten, Inter ist erst seit zehn Tagen im Training. Wir müssen noch zulegen, ein wenig mehr Frische zeigen, wir müssen auch noch effektiver im Abschluss werden, denn die eine oder andere gute Chance hatten wir und haben sie liegen gelassen, und dann müssen wir die eine oder andere Unkonzentriertheit noch abstellen.“

Drei Dinge habe ich noch, bezogen auf das Mailand-Spiel, anzumerken.

Rafael van der Vaart trat erneut nicht übermäßig oft oder viel in Erscheinung, obwohl ich den Verdacht hatte, dass er um die 50. bis 65. Minute herum leicht zulegen konnte. Insgesamt aber ist es immer noch viel zu wenig. Deswegen war ich auch enttäuscht, als ich vor dem Spiel die Aufstellung in Händen hielt: Kerem Demirbay und Hakan Calhanoglu nur auf der Bank. Schade, schade. Wenn nicht jetzt, wann dann? Gerade Demirbay hatte bislang eine sehr gute Vorbereitung gespielt, ihn, einer der jungen Wilden im HSV, hätte ich gerne mal über 90 Minuten gegen eine so ausgebuffte Mannschaft wie Inter gesehen. Thorsten Fink aber vertraute den „Alten“, setzte lieber auf das Bewährte. Das ist seine Linie, er ist der Boss, er hat das Sagen – ich denke aber, dass ein „junger Sprinter“ dem HSV-Spiel ganz gut getan hätte, ganz gut tun würde. Aber was (noch) nicht ist, kann ja noch werden. Und irgendwann wird ein Trainer ja auch mal zu seinem Glück gezwungen, wer weiß?

Mit Lasse Sobiech stand so nur ein „Neuer“ in der Anfangsformation des HSV. Und der junge Innenverteidiger hatte einige Szenen, in denen er nicht gerade souverän wirkte. Nervosität? Kann sein. Es war ja kein leichtes Spiel und kein leichter Gegner. Dennoch wird er zulegen müssen, wenn er seinen Platz in der Mannschaft beanspruchen will. Dann muss er besser sein, als diejenigen, die nun den HSV verlassen sollen. Dazu, fällt mir jetzt gerade ein, zählt ja auch immer noch Paul Scharner. Auch ein Beispiel, dass man nicht immer dann kaufen sollte, wenn man mal eine Idee hat. Warum hat der finanzschwache HSV den Scharner Paul überhaupt gekauft? Weil Bedarf bestand? Den sah ich damals nicht, den sehe ich heute erst recht nicht. Aber das nur mal am Rande.

Der dritte Punkt ist der Torwart. Rene Adler fehlte lange verletzt, ist nun wieder im Training. Reicht das bis zum Schalke-Spiel? Ich glaube nicht. Ich erinnere mich noch an das 1:5 von Hannover, als Adler einen rabenschwarzen Tag hatte. Damals hatte er ein Spiel zuvor verletzungsbedingt gefehlt, natürlich auch wenig Training gehabt – und dann das Debakel. Für ihn und für den HSV. Deswegen denke ich, dass Drobny auch auf Schalke beginnen wird, denn der Tscheche ist voll im Saft, Adler hat noch schwer aufzuholen. Und tut sich und seiner Karriere (in der Nationalmannschaft) sicherlich keinen Gefallen, wenn er nur mit 70 oder 80 Prozent zwischen die Pfosten geht. Thorsten Fink sagt zu diesem Punkt (ob Drobny oder Adler?) diplomatisch: „Es kommt darauf an, wie viel Zeit Rene Adler braucht. Diese Zeit gebe ich ihm natürlich. Er sagt mir, wenn er sich hundertprozentig fit fühlt, wenn er sich gut fühlt, dann soll er auch spielen, das ist ganz klar. Letztlich aber braucht er auch ein bisschen Training, um Spielpraxis für Pokal und Meisterschaft zu haben.“
Das wird Rene Adler aber wohl auch wissen – und bestens einschätzen können.

PS: Training morgen (am Montag) nicht.

PSPS: Den deutschen Fußball-Frauen herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der Europameisterschaft! So ersatzgeschwächt, und trotzdem gewonnen – das ist hervorragend. Und: Bei solchen Schiedsrichter-Leistungen (die Elfmeter!) in der Männer-Bundesliga würde ich mit Fußball aufhören – und zwar sofort.

17.53 Uhr

Djourou: “Ich bin ein weißer Schwarzer”

4. Juli 2013

Zuerst einmal: Hallo. Und: schön, wieder da zu sein. Wobei, ich fühle mich nicht so, als wäre ich weg gewesen. Zumindest ist beim HSV alles beim Alten. Spieler, die verkauft werden sollen sind noch nicht verkauft. Nein, sie mosern sogar rum. Und der Aufsichtsrat zerpflückt sich mal wieder selbst nach allen Regeln der Kunst. Diesmal sogar in einem Maß, wie es das bislang noch nie gegeben hat. „Wir haben eine Konstellation gefunden, die uns das gemeinsame Arbeiten erleichtern wird“, hatte Manfred Ertel unmittelbar nach den letzten Wahlen gesagt. Und davon ist mal so gar nichts übrig geblieben. Im Gegenteil. Inzwischen ist der Aufsichtsratsvorsitzende selbst die Zielscheibe der Hetzer aus den eigenen Reihen und spricht offen von “Intrigen”gegen ihn. Aber seht selbst:

Und während Mursi inzwischen widerwillig kapitulieren musste, wehrt sich Ertel weiterhin tapfer. „Man kann schon den Eindruck gewinnen, dass hier aus einer Minderheitenposition heraus eigene Politik betrieben wird und handelnde Personen diskreditiert werden sollen“, so der „Spiegel“-Redakteur im Interview mit meinem Kollegen Alex Laux. „Den Versuch, den Vorstand in seiner Existenz zu erschüttern, verurteile ich aufs schärfste. Und ich werde mich dagegen wehren, meine persönliche und berufliche Integrität durch üble Nachrede erschüttern zu lassen. Vor solchen Niederträchtigkeiten zu kapitulieren und ihren Urhebern den Verein zu überlassen, kommt aber nicht infrage.“

Als wäre das Gremium so wichtig. Nein. Dieser Aufsichtsrat bietet die volle Breite an Unfähigkeit. Und ich lege mich fest: Diese Konstellation wird letztlich dafür verantwortlich sein, dass der Rat quantitativ verschlankt wird. Womit der „Club der Ahnungslosen“, wie die wohl erfolgloseste Startelf der Bundesliga von der „Bild“ genannt wird, zumindest eine gute Veränderung bewirkt hätte…

Aber egal, weg vom Peripheren – anders sollte man diesem Aufsichtsrat nicht mehr begegnen – und hin zum Sportlichen. Leider auch mit zwei Negativmeldungen zu Beginn. Denn während Christian Norgaard heute im Training übel umknickte und mit dem Golf-Cart abtransportiert werden musste, meldete sich Dennis Aogo bereits am Mittwoch verletzt. Der Linksallrounder wurde am Tag vor seinem persönlichen Trainingseinstieg zur Kernspin geschickt. Ergebnis: Zerrung in der linken Wade. „Er hat sich beim Lauftraining verletzt“, sagt Trainer Thorsten Fink, der Aogo wohl ebenso wenig wie Norgaard und Rene Adler (Knieprobleme) mit ins am Freitag beginnende Trainingslager nach Österreich nehmen wird. „Ich gehe davon aus, dass nach Rene auch diese beiden fehlen werden.“

Fink selbst war dennoch alles andere als schlecht drauf. Obgleich ihm der Verein durch seine internen Querelen sicher nicht in die Karten spielt. Immerhin muss noch ein Stürmer her. Und zwar nicht irgendeiner, sondern einer, der für zehn Tore aufwärts garantiert. „Wir können gut arbeiten“, versucht Fink, Fahrt aus diesem Thema zu nehmen, „und das werden wir auch weiter können.“

Muss ja auch. Zumal jetzt fünf intensive Tage anstehen im österreichischen Mayrhofen. Dort will sich Fink dem Vernehmen nach besonders um die Integration der Neuen bemühen und vermehrt Wert auf taktische Details legen. Das morgige Spiel in Innsbruck gegen eben Innsbruck nimmt Fink nicht allzu ernst. Dafür fehlen einfach noch zu viele Spieler. „Wir messen dem Spiel den Trainingsfaktor bei. Auf das Ergebnis achten wir dabei erst auf den zweiten Blick“, so Fink, der morgen auch Tomas Rincon wieder im Training begrüßen will.

Fehlen werden in Innsbruck Rajkovic, Arslan – aber nicht van der Vaart. Obwohl der heute im Training fehlte. Der Kapitän, den Fink diese Serie verstärkt in die Pflicht zu nehmen scheint, reiste in die Heimat, um dort an einem Geburtstagskick für seinen Entdecker und Förderer Sjaak Swart teilzunehmen. Mit der Erlaubnis von Fink, der auch sagt: „Rafael war in seinem gesamten Auftreten sehr wichtig für uns in der vergangenen Saison. Aber ich erwarte im zweiten Jahr noch mehr von ihm.“

Ich auch. Vor allem, dass er als Kapitän nicht mit Übergewicht in die Saison geht. Denn genau das war es, was ihm Kritiker immer wieder vorwarfen. Zumal van der Vaart nicht zu den Fleißigsten außerhalb der vorgegebenen Trainingseinheiten gehört. Aber egal wie, als Kapitän muss er nicht der Mann im Team sein mit der hochrangigsten Karriere. Vielmehr muss er als Respektsperson anerkannt werden – was zweifellos der Fall ist. Aber Rafael wirkte auch in der vergangenen Saison nicht immer taufrisch auf mich. Zunächst hoffte ich auf eine vorübergehende Phase. Aber irgendwie passt es nicht ins Bild, dass er zur Vorbereitung – so ehrlich er es dann auch zugibt – mit Übergewicht ankommt. Das sollte einem Kapitän nicht passieren.

Zumal auch Neue dabei sind. Wie zum Beispiel Johan Djourou. Der Schweizer war heute bei uns in der Runde und hinterließ einen guten Eindruck. Und das auf mich, weil der Innenverteidiger sehr selbstbewusst auftrat, ohne arrogant zu wirken. Er stellte große Forderungen an sich und den HSV – und wirkt überzeigt von seiner Entscheidung, nach Hamburg zu kommen. Zumal ihm ein alter Bekannter den entscheidenden Tipp gab: „Mein Freund Vincent Kompany hat mir erzählt, dass der HSV eine große Nummer ist und weit hinter dem eigenen Anspruch herhinkt. In England kennen wir vor allem Bayern und Dortmund, klar. Aber der HSV ist schon die Nummer drei. Dieser Verein hat alles, was man braucht“, sagt Djourou, der über sich selbst sagt: “Ich bin an der Elfenbeinküste geboren worden, aber mit 15 Monanten schon nach Europa gekommen. Ich bin ein eher weißer Schwarzer.”

Forsche Töne des Neuen, der in Hannover schwach begann, woran ich mich noch genau erinnere. Ich habe die ersten beiden Spiele von Hannover tatsächlich gesehen und war erschüttert. Da kommt einer mit über 100 Premier-League-Spielen und ist so übel. Da ging gar nichts. Anschließend jedoch wurde Djourou in Hannover zum absoluten Leistungsträger. Und genau das soll er auch in Hamburg werden. Und genau das will er auch. „Ich will der Mannschaft etwas geben, was sie vorher nicht hatte. Meine Qualität ist das Spiel hinten raus. In England bei Arsenal hattest Du auch als Verteidiger immer den Ball. Das war in Hannover anders. Da habe ich mein Zweikampfverhalten verbessert. Und jetzt habe ich beides.“

Hoffentlich. Denn das brauchen wir hier genauso sehr wie einen richtig guten Stürmer – und schweigende Aufsichtsräte…

In diesem Sinne, morgen melde ich mich aus Innsbruck im Anschluss an das erste Testspiel dieser Vorbereitung bei Euch, das auf hsv.de übrigens übertragen wird. Bis morgen!

Scholle

P.S.: Glückwunsch, Sabine Lisicki!! Das war/ist ganz großes Tennis!!!!!

Rückblick, Teil zwei – das Mittelfeld

10. Juni 2013

„Dem Stümperer Nummer eins gibst du eine Eins – ich kann es nicht glauben.“
Sagte heute ein eigentlich ganz netter „Matz abber“ zu mir – und ich wusste selbstverständlich sofort, wen er gemeint hatte. „Natürlich“, habe ich geantwortet, „weil sich dieser Mann um das HSV-Team verdient gemacht hat wie kein anderer HSV-Profi. Und zwar auf dem Rasen und auch ansonsten überall. Das sogar schon seit Jahren, auch in jenen Zeiten, in denen es besonders schlecht lief.“ Und nebenbei, so ganz nebenbei bemerkt, ist Heiko Westermann ja auch noch aktueller deutscher Nationalspieler. Und diese deutsche Nationalmannschaft steht in der Weltrangliste immer noch auf Rang zwei. Okay, ich weiß, ich weiß (habe ich auch dem Matz abber gesagt), Bundestrainer Joachim Löw hat keine Ahnung vom Fußball, das weiß ja jeder. Der hat es doch sogar gewagt, zuletzt mal vier HSV-Spieler gegen Ecuador einzusetzen – man, was ist dieser Löw nur für ein Nichtskönner. Wie kann denn der „Bundes-Sepp“ nur vier HSVer einsetzen? Viel besser wäre es doch gewesen, zwei von Werder und zwei von 96 zu bringen . . . Oder zwei Braunschweiger und zwei vom Millerntor. Statt diese HSV-Hamburger, von denen die meisten ja ohnehin nur Stümperer sind . . .

Ich kann es nicht mehr ab, muss ich zugeben. Ich kann es nicht mehr ab und werde mich auch nie dran gewöhnen. Und jedes Mal tut es mir wieder aufs Neue weh. Wie hier HSV-Spieler vom HSV–Anhang, von den eigenen Fans, immer und immer wieder in der Luft zerrissen werden – ich kann es nicht mehr hören und lesen. Auch deshalb, ich gestehe, freue ich mich auf Mitte/Ende September, dass ich damit dann nicht mehr konfrontiert werde. Ich habe ein solches Anti-Fan-Verhalten noch nie erlebt, ich kannte es auch in dieser krassen Form nicht – und ich werde aus auch nie akzeptieren. Natürlich soll jeder seine eigene Meinung haben, ich verlange auch nicht, dass jeder HSV-Fan dem guten Westermann eine Eins gibt, auch nicht, dass ihn ein jeder ins Herz schließt oder liebt, aber tolerant sollte jeder sein – und auch ein bisschen mit Fußball-Verstand gesegnet. Dann nämlich würde man nicht nur die gestümperten Fehlpässe registrieren, sondern die vielen Balleroberungen sehen, die vielen gewonnenen Kopfballduelle beachten und die unzähligen Rettungsaktionen, der der Ex-Kapitän immer dann unternehmen muss, wenn einem Mitspieler ein Fehler unterlaufen ist. Dann riskiert der Herr Westermann stets Kopf und Kragen und schont sich nicht. Und er spielt selbst dann noch, wenn er eigentlich nicht spielen dürfte – zum Beispiel mit einem Muskelfaserriss. 34 Einsätze kann kein anderer vorweisen – beim HSV. Aber gut. Ende. Und jeder so, wie er es will.

Bei der Gelegenheit: ich muss mich entschuldigen. Ich hatte Milan Badelj und Ivo Ilicevic unterstellt, bei Kroatiens 0:1-Niederlage gegen Schottland dabei gewesen zu sein – das ist eine Falschmeldung, und diese nehme ich mit dem größten Bedauern zurück. Beide HSV-Spieler haben an diesem Qualifikationsspiel nicht (!) teilgenommen – sie waren lediglich als Zuschauer auf der Bank dabei. Sonst hätten die Kroaten doch bestimmt auch gewonnen, oder?

Aktuell gibt es immer noch nichts Neues. Heung Min Son wartet weiter auf Chelsea und Andre Schürrle, und Marcus Berg auf die Eulen in Athen. Oder war es Panathinaikos? Ja, doch, Pana war es.
Ansonsten freue ich mich auf morgen (Dienstag), denn dann wird Oliver Kreuzer seinen Dienst beim HSV aufnehmen. Es gibt viel zu tun, ich hoffe er packt es zügig an . . .

So, und dann wäre ich auch schon beim zweiten Teil. Der Saisonbilanz. Heute ist das Mittelfeld „dran“! Los geht es:

Milan Badelj
war die Entdeckung der Saison. Ich habe noch die Worte von Carl-Edgar Jarchow im Ohr, denn der HSV-Boss sagte im Herbst: „Milan Badelj spielt so über die Maßen gut, dass ich schon die Befürchtung habe, dass er uns am Saisonende gleich wieder weggekauft wird.“ Die Befürchtung, lieber Herr Jarchow, ist jetzt unbegründet, denn der gute Milan hat dann nach starker Hinrunde auch stark nachgelassen. Was viele auch darauf zurückführen, dass er im Sommer 2012 keine Pause hatte. Mag sein, ich kann das nicht ausschließen. Aber ich hoffe, dass Badelj jetzt – nach einer gewissen pause – doch wieder an jene Leistungen anknüpfen wird, die ihn in Hamburg zum Shootingstar haben werden lassen. Note drei.

Tomas Rincon
kam erst in der Rückrunde mehrfach zu Einsätzen und gehörte immer zu jenen HSV-Profis, die zuverlässig und solide „arbeiteten“. Enttäuscht hat „Popeye“ nie – mich jedenfalls nicht, obwohl er in Länderspiel-Einsätzen für Venezuela meistens zu den besten Spielern auf dem Platz gehört. Insofern gibt es bei ihm noch Luft nach oben – wenn er denn in Hamburg bleibt. Ich könnte mir sehr wohl vorstellen, dass ihm jetzt doch mal nach einer Luftveränderung ist. Und irgendwie würde ich es ihm sogar gönnen – es muss ja nicht die Bundesliga sein, in der er dann ganz groß heraus kommt . . . Note vier.

Dennis Aogo
konnte nicht an seine (guten und teilweise sehr guten) Leistungen der Vorsaison anknüpfen. Das, obwohl er ja auf der zunächst ungewohnten Mittelfeld-Position doch hin und wieder ganz starke Spiele abgeliefert hat. Besonders zu Anfang dieser Zeit. Irgendwie aber stagnierte er dann im Frühjahr, er konnte seine 100 Prozent nie wieder erreichen. Dass er zuletzt seine Länderspiel-Einsätze elf und zwölf feiern konnte, das freut mich aber sehr für ihn – und vielleicht gibt es ihm ja auch wieder jenen Auftrieb, dass er zur alten Stärke zurückfinden wird. Ich wünsche es ihm, denn er hat – egal wie gut oder schlecht es für ihn auch auf dem Platz lief – stets viel für diese Mannschaft getan. Note vier.

Ivo Ilicevic
kam nach langer Verletzungszeit erst gegen Saisonende zurück und zu einigen Kurz-Einsätzen. Den Durchbruch hat er immer noch nicht geschafft, und ich hatte ja schon eine Phase, in der ich ihm diesen Durchbruch auch nicht mehr zugetraut hatte – nun schwanke ich. Gebe ich gerne zu. Im Training nämlich hat dieser Ilicevic teilweise Dinge drauf, die einfach klasse sind. Wenn er das nur einmal in einem Spiel . . . Er steht sich meiner Meinung nach zu sehr selbst im Wege, weil es ihm nicht gelingt, alles für den HSV (meinetwegen auch für die Raute) zu geben. Wenn er sich mit dem Club zu 100 Prozent identifizieren würde, sich dementsprechend auch ins Zeug legen würde, dann könnte es doch noch was werden. Zweifel aber bleiben. Und diese Zweifel sind nicht von der kleinen Art. Noch Note fünf.

Petr Jiracek
kam auch erst gegen Ende der Saison in Fahrt – die lange Verletzungspause verhinderte, dass der HSV-Anhang den „wahren Jira“ sehen und bejubeln konnte. Und wenn wir ehrlich sind, dann haben wir alle den „wahren Jira“ auch immer noch nicht im HSV-Trikot gesehen. Da muss schon noch viel mehr kommen. Und ich glaube, dass das auch in der nächsten Spielzeit kommen wird. So er dann zum Einsatz kommen wird. Wenn Thorsten Fink auf den Tschechen baut, dann, so glaube ich fest, dann wird er es ihm auch mit guten Leistungen danken. Hatte ich doch gegen Ende der Saison schon den (kleinen) Verdacht, dass die HSV-Mannschaft mit Petr Jiracek schon etwas gefestigter wirkte – als vorher ohne ihn. Note vier.

Jacopo Sala
war jener Jüngling, der einst die Bayern ganz kräftig erschreckte. Kann sich noch jemand erinnern? Einige sind bestimmt noch dabei. Seit diesem 2. Februar 2012 ist es still um den Italiener geworden. Nach dem 1:0-Führungstor gegen die Bayern (Endstand 1:1 – durch Olic) hatte jeder (Zweite?) darauf gehofft, dass Sala nun ein aufgehender Stern in der Liga wird – aber dann kam da nicht mehr viel. Heute steht er bei 20 Einsätzen – und immer noch bei diesem einen – aber durchaus spektakulären – Tor. Ich habe nicht mehr viel Hoffnung, dass da noch viel mehr kommen wird, denn den Willen, sich im Training durch überdurchschnittliche Leistungen aufzudrängen, den kann ich so gut wie nie erkennen. Im Gegenteil, Sala wirkt eher so auf mich, als wenn er schon ein wenig resigniert hätte. Note fünf.

Tolgay Arslan
war eine der großen und guten Entdeckungen der Hinrunde. Und das auf der Sechs! Für mich wäre das undenkbar gewesen, aber er hat mich überzeugt – und den Trainer und die meisten Fans. Hut ab. Das kann er also auch. Leider musste er nach guten und teilweise starken Leistungen dann auch den „Van der Vaart“ geben, also vorgezogen zentral spielen, und schwupps war er die Sechs wieder los. Schade. Vielleicht wäre sonst sein Stern vollends aufgegangen. Bleibt mir nur, darauf für diese Saison zu hoffen. Note vier.

Rafael van der Vaart
kam als großer Hoffnungsträger, und es ging ja mit ihm auch (steil?) bergauf. Dennoch, fußballerisch ist er – keine Frage – hinter den Erwartungen aller zurückgeblieben. Auch er hatte sicherlich mehr von sich erwartet, er hat es jedenfalls oft genug gesagt. Dass sein Förderer (und Geldgeber) Klaus-Michael Kühne inzwischen (im Abendblatt-Interview) gesagt hat, dass sich „van der Vaart den allgemeinen Leistungen des HSV angepasst“ hätte, spricht Bände. Dennoch muss ich sagen, war die Verpflichtung des Niederländers von enormer Wichtigkeit, denn er hat dafür gesorgt, dass seine Kollegen alle eine Schippe mehr drauf gelegt haben. Und auch viel konzentrierter trainiert haben. Note vier.

Per Ciljan Skjelbred
kam zurück wie Kai aus der Kiste. Den Norweger hatten sie alle schon abgeschrieben (auch ich!), er war praktisch schon aussortiert, und dann dieses Comeback! Großartig. Auch wenn er – wie der gesamte HSV – eine stete Berg- und Talfahrt hinlegte, also ziemlich unkonstant spielte. Trotz allem, er ist eine erfreuliche Figur in diesem HSV geworden, feierte nun sogar seine Rückkehr in die norwegische Nationalmannschaft. Obwohl, das wissen wir, das ja nicht so viel bedeuten muss. Note vier.

Gojko Kacar
war mit einem Male „über“. Im Winter sollte er zu Hannover 96, das zerschlug sich, seit dieser Zeit (spätestens) spielte er keine Rolle mehr. Erst als zum Schluss ein gewisser Mangel an Abwehrspielern bestand, da durfte der Serbe dann doch noch mal für Minuten ran. Was seine Situation beim HSV aber keinen Deut verbesserte – Kacar ist nach wie vor „über“ und soll gehen. Schon jetzt, wo kein Ball mehr rollt, wurde er quasi aussortiert. Note fünf.

Robert Tesche
war zuletzt an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen – und stieg mit dem Aufsteiger wieder ab. Immerhin, er war dort in der Rückrunde Stammspieler. Nun kehrt er zurück, weil er dem neuen Zweitliga-Club doch zu teuer geworden ist. Ja, in Hamburg sind die Spieler, auch die, die regelmäßig draußen sitzen und „über“ sind, noch wahre Könige, denn sie alle werden königlich bezahlt. Dem Vernehmen nach zahlt zum Beispiel Eintracht Frankfurt, in der Bundesliga leicht etwas vor dem HSV platziert, ein Viertel von den HSV-Gehältern. Hier wird eben jeder fürstlich und überfürstlich belohnt, auch unser „Zehner“ – der Robert. Deswegen will er ja auch noch nicht weg – der Vertrag läuft. Und zwar sehr gut. Note fünf.

So, kurz noch zur kommenden Saison. Der HSV hat bislang 27 000 Dauerkarten für die Spielzeit 2013/14 in der Fußball-Bundesliga verkauft. Von den 57 000 Stadionplätzen sollen 30 000 als Saisontickets angeboten werden. Das Jahresabonnement kostet zwischen 198 Euro im Stehplatzblock und 788 Euro im besten Sitzplatzbereich. Für eine Dauerkarte müssen abhängig von der Kategorie zwischen zehn und 61 Euro mehr als im Vorjahr berappt werden. Tickets in der Komfortklasse Business werden unverändert für mindestens 3500 Euro pro Spieljahr angeboten. Am 18. Juni beginnt der freie Verkauf.
Am Dienstag, also morgen, beginnt um acht Uhr der Dauerkartenvorverkauf für die HSV-Mitglieder. Als Mitglied kann man maximal eine Dauerkarte für die Saison 2013/2014 erwerben. Mit Beginn des freien Vorverkaufs (18. Juni) können dann bis zu vier Dauerkarten erworben werden.
Folgende Blöcke stehen im Mitglieder-Vorverkauf zur Verfügung:
Osttribüne: 1A, 2C, 3C, 4C, 5C und 7A
Westtribüne: 17C, 18C, 19C, 20C und 21A/B/C
Südtribüne: 9A/B/C, 10A/B/C und 11A/B/C.

Bei den Einzeltickets sind die Preise für die nächste Saison stabil geblieben. Im Stehplatzbereich wurden die verschiedenen Kategorien (12, 14, 16, 19 Euro) auf einheitlich 16 Euro festgelegt. Die neue Bundesliga-Saison beginnt am zweiten August-Wochenende.

PS: HSV-Mittelfeldspieler Christian Nørgaard hat mit dem dänischen U-19-Nationalteam die EM-Endrunde verpasst. Die Dänen unterlagen im entscheidenden Qualifikationsspiel dem gleichaltrigen Team aus Portugal mit 0:1. Die Endrunde findet vom 20. Juli bis 1. August in Litauen statt.

18.38 Uhr

Rost über die deutsche Torwart-Szenerie

25. März 2013

Liebe „Matz-abber“,

sorry für die Verspätung, aber es gab hier heute wichtige Gespräche mit der Chefredaktion über und mit „Matz ab“, und diese Gespräche haben doch länger gedauert, als ich es dachte.
Deswegen heute auch mal eine etwas verkürzte Ausgabe, ich hoffe, dass ihr einmal damit leben könnt.

Es hat an diesem Montag ein starkes Interview mit Frank Rost gegeben, der ehemalige HSV-Keeper stand bei „Sport 1“ vor Kamera und Mikrofon und hat dabei, wen wird es überraschen (?), einige bemerkenswerte Dinge gesagt.

Hier einmal die wichtigsten Sachen aus diesem Interview, dass uns „Sport 1“ zur Verfügung gestellt hat.

Frank Rost über …

… das Torhüter-Ranking in der Nationalmannschaft: „Ich bin zwar kein Bundestrainer, aber für mich wäre ter Stegen ganz klar die Nummer 1 in Deutschland! Er hat eine super Ausstrahlung – ich hoffe, dass er so bleibt, wie er ist. Er ist ein super Fußballer, macht kaum einen Fehler, ist immer anspielbar, auch unter Druck, er verliert nie die Nerven. Darüber hinaus ist er ein guter Torhüter: Er bringt alles mit, kommt auch bei Ecken raus. Für mich ist er einer der komplettesten Torhüter, die ich in den letzten Jahren gesehen habe.“

… den HSV: „Realistisch eingeschätzt muss die Mannschaft eigentlich – wenn man das am Etat messen würde – im internationalen Geschäft tätig sein, um diesen monetären Aufwand zu rechtfertigen.“

… den Kampf des HSV um einen Platz im internationalen Geschäft und das anstehende Spiel bei den Bayern: „Es ist ein Schneckenrennen, keiner will die Schwächen des anderen wirklich ausnutzen. […] Am Wochenende in München hat der HSV nichts zu verlieren, jeder erwartet einen Sieg der Bayern – eine optimale Ausgangsposition!“

… HSV-Sportdirektor Frank Arnesen: „Ich weiß nicht, was er vorhat. Ich hatte mal einen Gesprächstermin – den hat er abgesagt. Ich habe dann nie mehr einen neuen bekommen. Das ist aber typisch für den HSV, liegt nicht nur an Arnesen: Spieler, die Verdienste haben, will man gar nicht haben. Aber das sehe ich ganz entspannt. Im Fußball kommen immer mehr Leute aus dem Marketing, aus der Wirtschaft und aus der Politik. Und Leute, die den Sport gelebt haben, werden immer weniger. Bayern ist da eine Ausnahme, auch Dortmund.“

… Hoffenheims Torhüter Tim Wiese: „Er hat nicht gut gehalten und muss akzeptieren, dass er mal auf der Bank sitzt. Mich irritiert nur, dass alles in den Medien ausdiskutiert wird, dass nachgetreten wird. Das Sportliche wird mit dem Privaten vermischt. Ich kenne ihn nicht persönlich. Das wünscht man keinem, dass es so abläuft. Er hat sicher keine goldenen Löffel geklaut. Jeder, der Fußballinsider ist, weiß, wie die Verhältnisse in Hoffenheim sind – deswegen wundert mich gar nichts mehr!“

… seine weitere Lebensplanung: „Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich irgendwann mal für einen Fußballklub arbeiten möchte. Nur nicht um jeden Preis. Ich muss nicht alles gutheißen, was der Mainstream denkt. Das gehört auch dazu und heißt ja nicht, dass ich kein Teamplayer bin – das habe ich schließlich jahrelang gemacht.“

… die gestiegen Personalkosten in der Bundesliga: „Alle in der Bundesliga sind am rödeln, dass sie ihre Kosten runter kriegen. Es wird immer schwerer, Sponsoren zu finden, die den Sport unterstützen. Die Bundesliga hat in den letzten Jahren ein Raubrittertum an den Tag gelegt. Es wurde immer mehr Geld ausgegeben für Spieler, die von der Qualität nicht unbedingt besser waren – das rächt sich jetzt. Viele Vereine müssen einfach reduzieren. Das ist aber auch eine Chancen für die Spieler, die hungrig sind.“

So, das war Frank Rost. Ein Mann der klaren Worte. So ist er, so wird er auch wohl immer sein. Ich wünsche ihm (recht bald) einen Posten in der Bundesliga, es wird sicherlich den einen oder anderen Verein geben, der sich beizeiten beim ehemaligen Nationalkeeper melden werden. Obwohl mir da in diesem Moment auch der Name Uli Stein in den Kopf kommt. Der Uli, ein Weltklasse-Torwart und auch einer, der immer die (gelegentlich unbequeme) Wahrheit auf den Lippen trug, wäre auch so gerne mal Manager oder Sportdirektor in der Bundesliga geworden, aber es gab keine entsprechenden Angebote. Deshalb bin ich mal gespannt, wie der Weg von Frank Rost verlaufen wird . . .

Leicht enttäuscht war und bin ich, das muss ich gestehen, über die Einschätzung von Marc-Andre ter Stegen (als Nummer eins Deutschlands). Da muss der gute Frank Rost wohl einige Fehler des Mönchengladbachers nicht gesehen haben. Für mich wären die die drei Keeper, die jetzt bei der Nationalmannschaft und vor ter Stegen sind, auf jeden Fall besser, dazukämen noch Leute wie Bernd Leno (Leverkusen) und Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt), der sic ja leider die hand gebrochen hat. Und dann auch noch der Düsseldorfer Fabian Giefer. Alle in meinen Augen besser als ter Stegen, obwohl ich auch eingestehen muss, dass ich natürlich viel, viel weniger Ahnung vom Torwartspiel habe, als Frank Rost. Deswegen ist es wohl auch eine kleine Anmaßung, dass ich mir dieses Urteil erlaube, aber das ist nun mal so. Es musste raus.

Themenwechsel. Gespannt bin ich nicht nur, wie sich das mit Frank Rost entwickelt (Bezüglich der Bundesliga), sondern auch in einem anderen Fall: Maximilian Beister. Eigentlich wollte ich über den nun gesperrten HSV-Profi nicht mehr so viel schreiben, weil doch schon (fast) alles geschrieben wurde, aber nach dem U-21-Länderspiel in Israel hat sich die Lage ein wenig geändert, denn: Beister wurde, obwohl fast der ganze Kader zum Einsatz gekommen ist, nicht mal eingewechselt. Tolgay Arslan spielte die ersten 45 Minuten, aber „Maxi“ Beister fand keine Berücksichtigung. DFB-Trainer Rainer Adrion ließ den Hamburger auf der Bank, und nun darf gerätselt werden: War das ein Denkzettel, geschah das aus Form-Gründen, oder passte Beister ganz einfach nicht zu diesem Spiel?

Die Frage ist aber auch, wie Maximilian Beister das einordnen wird? Er konnte ja schon beim HSV zuletzt mit einer Roll als Ersatzspieler nicht so recht etwas anfangen, und nun auch noch beim DFB. Und wer weiß, wie es mit der U 21 noch weitergehen wird. Im Sommer findet die EM in Israel statt, und „Maxi“ Beister gehört zur deutschen Mannschaft. Was aber ist dann, wenn der Hamburger seine Fünf-Spiele-Sperre in der Bundesliga abgebrummt hat? Er hat dann erstens keine Spielpraxis, und zweitens müsste ihn Thorsten Fink in den restlichen Spielen wohl och kräftig einsetzen, damit er diese Spielpraxis noch bekommt. Was aber ist dann, wenn Fink Beister nicht mehr so recht auf dem Zettel hat? EM dann ohne den HSV-Angreifer? Das wäre in der Tat ein ganz schwerer Schlag – für einen unbedachten Tritt aus dem Frust heraus.

Das wird noch eine spannende Geschichte, die sich da bis zum Ende der Saison abspielen wird.

Ansonsten war heute im Volkspark erneut herzlich wenig los. Erst liefen die wenigen HSV-Profis durch den Wald, anschließend ging es auf den Platz, dort gab es ein Kreisspiel und dann ein kleines Match auf noch kleiner Tore. Dabei waren Per Ciljan Skjelbred, Michael Mancienne, Dennis Aogo, Dennis Diekmeier, Christian Norgaard, Gojko Kacar, Sven Neuhaus und Jaroslav Drobny. Nur gelaufen ist (auf dem Platz) heute Ivo Ilicevic, nicht dabei war Artjoms Rudnevs, der leicht erkrankt ist (wie seine gesamte Familie).

Morgen, am Dienstag, wird im Volkspark um 10 Uhr trainiert.

Dann war ich heute noch wegen eines Matz-ab-Treffens unterwegs, doch das gestaltete sich doch ein wenig schwieriger, als ich gedacht hatte. Auf der Suche nach einer Lokalität bin ich noch nicht so recht fündig geworden – weil so etwas nun schriftlich laufen muss. Fest steht (für mich), dass wir das versprochene Matz-ab-Treffen am 19. April durchführen wollen – am Freitag vor dem Sonnabend-Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf. Den Termin könnt ihr euch schon einmal vormerken, ich denke, dass ich noch zeitig einen Raum finden werde – sollte es in der Raute, die meine Nummer eins ist, nicht klappen (können).

So, und nun raus damit – und euch und euren Lieben noch einen schönen Feierabend.

19.29 Uhr

“Die Nummer eins im Norden sind wir!”

24. Januar 2013

„Artjoms Rudnevs hat keine Angst. Er springt positiv brutal in den Ball.“
Diese Aussage von HSV-Trainer Thorsten Fink, der über die Vorzüge seines lettischen Stürmers sprach, wurde von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zum Spruch des Tages gewählt.

Hoffentlich springt der gute „Rudi“ auch am Sonntag wieder „positiv brutal“ und zugleich erfolgreich in den Ball – und macht mindestens ein Tor. Vielleicht sogar das Siegtor!? Wäre nicht ganz unwichtig, denn es geht ja im Nordderby gegen den ewigen Rivalen von der Weser. Und darum, wer die Nummer eins im Norden wird und ist. Noch ist es, wenn man mal ganz relaxt auf die Tabelle blickt, der HSV. „Die Nummer eins im Norden sind wir!“ Auch wenn es noch natürlich sehr eng ist, aber das kann sich an diesem Wochenende ja schon ändern. In Hannover spielen sie gegen Wolfsburg unentschieden, und der HSV gewinnt – das wäre doch schon mal eine Hausnummer.

Die Voraussetzungen sind gut – für den HSV. Werder dürfte noch damit zu tun haben, die 0:5-Klatsche gegen Dortmund zu verdauen, und der HSV hat mit einer erstklassigen (oder auch nur guten) Leistung in der zweiten Halbzeit in Nürnberg bewiesen, dass er weiß, worum es geht. Und auch wie es geht. Da zudem bis auf Michael Mancienne personell aus dem Vollen geschöpft werden kann, stünde einem ersten Sieg des HSV über die Bremer kaum etwas im Wege. Und Thorsten Fink, der als Hamburger bislang drei Anläufe nahm, gegen Werder zu gewinnen, aber jedes Mal verlor, sehnt sich – ebenso wie Sportchef Frank Arnesen – nach einem HSV-Dreier gegen Werder.

„Ich will dieses Spiel am Sonntag auf jeden Fall gewinnen, weil ich endlich auch mal dieses Derby gewinnen möchte. Es geht ja auch darum, dass wir uns nach oben weiter festsetzen können, dass wir Bremen auf Distanz halten – und wir die ganze Region ist es auch wichtig, dass man dieses Heimspiel gewinnt. Und wir sind in letzter zeit ja sehr heimstark . . .“ Fink sagte weiter: „Wir haben zudem keine personellen Probleme, den Ausfall von Mancienne werden wir verkraften können, denn wir haben gute Leute dahinter.“ So wie Jeffrey Bruma, der in Nürnberg für Mancienne gekommen ist und seine Sache auch gut machte. Bruma gibt mir, vielleicht ja nicht nur mir, Rätsel in der Art auf, dass er eigentlich alle und auch allerbeste Voraussetzungen hätte, Stammspieler als Innenverteidiger des HSV zu sein. Bislang hat er das nicht geschafft, weil da in meinen Augen immer ein „kleiner Tick“ fehlte.

Und zwar in Sachen Engagement. Bruma versucht es immer auf die coole Art, zu cool für mich. Wenn er mehr Herz zeigen würde, wenn er deutlich mehr für die Mannschaft (und die Gemeinschaft) geben würde, dann wäre er aus der Mannschaft nicht zu verdrängen. Weil er eigentlich alles kann. Wenn ihm das (alles) einmal jemand unter vier Augen erzählen würde, damit er sich dann zu seinem Vorteil verändern würde, dann wäre der HSV (und auch Jeffrey Bruma) sicherlich einen großen Schritt weiter. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass Bruma auf den Spuren von Gökhan Töre weilt. Auch in diesem deutsch-türkischen Fall droht ein großes Talent seine rosige Zukunft leichtfertig zu verschleudern. Aber vielleicht wacht Bruma ja auch genau jetzt, wo er eine erneute Chance der Bewährung erhält, endlich einmal auf – und zeigt alles, was er kann. Und lässt eben genau jene kleine Unkonzentriertheit weg, die er fast immer mal in einem Spiel gezeigt hat.

Thorsten Fink sagt, dass er in Richtung Sonntag keine große Veranlassung hat, die Mannschaft groß umzukrempeln. Das ist sicherlich auch richtig so. Eine Frage aber wird der Trainer noch zu beantworten haben: Tolgay Arslan oder Per Ciljan Skjelbred? Arslan wurde in Nürnberg, weil er gelb-rot-gefährdet war, in der 38 Minute vom Rasen genommen. Eine Vorsichtsmaßnahme. Skjelbred kam und machte seine Sache auf Anhieb nicht nur gut, sondern auch ein wenig besser als Arslan. Noch aber hat der Deutsch-Türke einen kleinen Bonus, einen (hauchdünnen?) Vorsprung gegenüber dem Norweger. Den hat sich Arslan durch gute und sehr gute Leistungen in der Hinrunde erarbeitet. Und es ehrt Fink, wenn er deshalb an dem Mittelfeld-Talent festhält. Noch. Ich glaube ja, dass Arslan gegen Werder von Beginn an spielen wird – doch der Druck wird nicht klein sein für ihn. Skjelbred wird auf der Bank sitzen und auch seinen Einsatz warten – ja, er wird brennen. Thorsten Fink zur Problematik Arslan/Skjelbred: „Per ist drauf und dran, in die Mannschaft zu kommen, aber ich überlege noch, ob ich das schon am Wochenende machen werde – weil Tolgay sich in der Hinrunde sicherlich einiges Gutes erspielt hat. Und wir brauchen ihn, gerade auch dann, wenn Rafael van der Vaart einmal ausfallen sollte. Ich schaue mal, will mich aber noch nicht festlegen“

Wobei Arslan natürlich auch ein wenig in der Zwickmühle steckt. Die beständig guten Leistungen, auf die der Coach jetzt verweist, die hat er – zur Überraschung vieler Experten (auch für mich!) – auf der „Sechs“ gezeigt. Da aber spielt längst Milan Badelj, sodass Arslan nun „rechtsdraußen“ sein Glück versuchen muss. Unglückliche Geschichte, denn ich denke mal, dass das nicht unbedingt sein Spiel ist. Auf der Sechs, obwohl ich ihm das in dieser Form nicht zugetraut hatte, hat er das Spiel des Gegners teilweise mit Auge, teilweise auch recht aggressiv zerstört. Arsan sah dabei das Spiel auf sich zukommen, eroberte den Ball und wusste zugleich bestens, wie er den Spielaufbau in die richtigen Bahnen lenken konnte. Genau das hat ihn zentral (auf der „Sechs“) ausgezeichnet. Rechtsdraußen aber ist ein anderes Spiel. Das konnte er zwar einst ganz gut, aber die „Sechs“ konnte er in dieser Saison am besten. Da hatte er seine beste Phase beim HSV. Nun bleibt aber abzuwarten, wie sich das alles für ihn weiter entwickeln wird. Skjelbred sitzt ihm im Nacken, Arslan könnten den Atem des Norwegers spüren – ob das bei dieser ohnehin nicht so ganz glücklichen Konstellation förderlich für ein gutes und selbstbewusstes Spiel ist? Ich habe da meine Zweifel.

Viel wird natürlich auch davon abhängen, ob der HSV es diesmal schaffen wird, von Beginn an Leben zu zeigen. „Wir haben in der zweiten Halbzeit zwar ordentlich gespielt, trotzdem müssen wir lernen, von Anfang an das zu machen, was wir in Nürnberg im zweiten Durchgang gemacht haben. Wenn wir das begreifen, mit Spaß und Freude, trotzdem aber auch aggressiv zu spielen, dann wird die Mannschaft noch das eine oder andere Spiel gewinnen – und am Sonntag erst einmal das wichtigste Spiel für uns“, sagte Thorsten Fink. Trotz der 0:5-Pleite gegen Dortmund wird dieses Spiel nicht leicht für den HSV. Fink: „Das weiß doch jeder. Das wird nicht einfacher durch dieses 0:5. Wir müssen dem Gegner zeigen, dass wir gut drauf sind. Sind wir am Anfang aber zaghaft, dann wird Werder Selbstvertrauen aufbauen können – und dann wird es schwer. Werder hat mit Thomas Schaaf einen sehr erfahrenen Trainer, er wird seine Mannschaft sicherlich heiß machen – wir müssen es schaffen, heißer als Werder zu sein.“

Noch nicht mit von der Partie am Sonntag wird wohl Petr Jiracek sein. Der Tscheche trainiert erst seit einer Woche mit der Mannschaft und wird sich auch weiterhin in Geduld üben müssen. Fink: „Er ist weiter an die Mannschaft herangerückt, aber er braucht auch noch Spielpraxis. Er war ja lange verletzt. Aber er wird in Zukunft sicherlich noch ein wertvoller Spieler für uns, nur hat er ja auch große Konkurrenz bei uns im Mittelfeld. Und wenn er jetzt schon dabei wäre, wäre das gegenüber den anderen Spielern auch ein bisschen ungerecht, denn die haben alle gut trainiert und befinden sich auch in einer bessere Verfassung. Jira muss noch einige Trainingseinheiten absolvieren, um wieder in den Kader zu rutschen.“

Schade eigentlich.

Nach dem Heimspiel gegen Werder wartet bekanntlich eine Woche später Eintracht Frankfurt (am 2. Februar) im Volkspark als Gegner. Und danach geht es für viele Spieler auf Länderspiel-Reisen. Bislang sind sieben HSV-Spieler in dieser Zeit zu ihren Nationalmannschaften gerufen worden: Heung-Min Son soll mit Südkorea am 6. Februar gegen Kroatien spielen, Jeffrey Bruma trifft mit der niederländischen U-21-Mannschaft auf Kroatien, Tomas Rincon absolviert mit Venezuela vom 3. bis zum 7. Februar einen Lehrgang in Spanien, Jaroslav Drobny und Petr Jiracek sind vom tschechischen Nationaltrainer zum Spiel gegen die Türkei (6. Februar) eingeladen worden, Christian Nörgaard spielt mit Dänemarks U 19 am 5. Februar gegen England, und der derzeit verletzte Jacopo Sala ist für Italiens U 21 gegen Deutschland (6. Februar) vorgesehen.

Und am 6. Februar wird die deutsche Nationalmannschaft zudem ein Freundschaftsländerspiel in Paris gegen Frankreich bestreiten, und da könnte dann Torhüter René Adler dabei sein. Apropos Adler. Ich traf heute am Gänsemarkt Andreas Köpke. Der deutsche Torwart-Bundestrainer besucht derzeit den Norden, besuchte in Hamburg Freunde (wird also kein Torwart-Trainer beim HSV – nein, ein Scherz!) und ist morgen bei seinen Eltern in Kiel zu Gast – und sieht sich am Sonntag HSV gegen Werder an. Auch sicherlich deshalb, um die Form von Adler zu überprüfen. Ich habe dem „Andy“ Köpke von Adler vorgeschwärmt („Bester Einkauf seit Jahrzehnten“) – hoffentlich zweigt es der HSV-Keeper dann auch am Sonntag. Aber da bin ich mir eigentlich absolut sicher, dass er das tun wird.

Auf dem Gang in die Redaktion habe ich noch kurz über Andreas Köpke nachgedacht. Wir kennen uns schon lange, lange. Als er noch das Tor von Holstein Kiel hütete. Da war es einst gute Sitte, dass die Holsteiner in Quickborn ihr Trainingslager aufschlugen – und denn gegen den Namensvetter Holstein ein Testspiel austrugen. Ich saß in der Hoffnung, dass sich mal ein Quickborner vor das Köpke-Tor verirrte, immer neben dem Kieler Tor – und hatte viel, viel Zeit, mit dem Keeper zu plaudern . . . Bei der Nationalmannschaft trafen wir uns dann später wieder. Erst als Torwart Nummer eins, dann als Trainer. Köpke ist klasse. Das nur mal am Rande. Und ich frage mich seit heute, was eigentlich aus Holstein Quickborn geworden ist. Man, mit dieser Super-Sportanlage, mit diesen engagierten Funktionären? Wie geht so etwas? Aber damit nun auch genug.

Noch einmal kurz zurück zum HSV. Auch Rafael van der Vaart hat in Hamburg noch nie gegen Werder (wie unangenehm!) gewinnen können. Er will das natürlich ändern, denn er sagt: „Wir sind im Moment besser, ich habe deshalb gute Hoffnungen, dass wir gewinnen werden.“

Das ist doch mal ein gutes Schlusswort!

PS: Morgen wird im Volkspark um 10 Uhr geübt.

19.12 Uhr

Der Kacar-Wechsel könnte noch platzen

3. Januar 2013

Jetzt könnte es doch noch eng werden. Für Gojko Kacar und den HSV. Denn der fast schon als „perfekt“ gemeldete Wechsel des Mittelfeldspielers zu Hannover 96 könnte jetzt doch platzen – oder bereits geplatzt sein. Denn die Niedersachsen haben nun (erst einmal) André Hoffmann vom abstiegsgefährdeten Zweitliga-Klub MSV Duisburg verpflichtet. Der U19-Nationalspieler erhält bei 96 einen Vertrag bis 2016 und kostet „nur“ 800 000 Euro. Der defensive Mittelfeldspieler kam in der Hinrunde der Zweiten Liga zu 13 Einsätzen für die „Zebras“ und kann – wie Kacar – auch als Innenverteidiger eingesetzt werden. Hoffmann hat sieben Spiele für die deutsche U-19-Nationalmannschaft absolviert und gehört zum Kader der U-20. Jetzt will Hannover nur noch einen Spieler verpflichten, und dabei geht es um Gojko Kacar und den Schweizer Innenverteidiger Johan Djourou vom FC Arsenal. Gut möglich, dass die Entscheidung darüber doch nicht bis zum 4. Januar fallen wird – am 5. Januar fliegt 96 ins Trainingslager, da sollten die Neuzugänge eigentlich dabei sein.

Ob sich Kacar verpokert haben könnte? Darüber ließe sich trefflich spekulieren, aber das wird natürlich geheim gehalten. Es kann vermutet werden – oder auch nicht. Ein Gerücht, dass zurzeit zwischen Hannover und Hamburg hin und her geschoben wird, besagt, dass es letztlich – oder bislang – an der zu hohen Abfindungsforderung, die Kacar vom HSV haben wollte, gescheitert ist. Das kann sein, muss aber auch nicht. Für den HSV auf jeden Fall keine angenehme Situation, besonders nicht für Sportchef Frank Arnesen, der ja die hohe Summe von 6,4 Millionen Euro bis zum Beginn der Rückrunde eingespart haben sollte. Der Däne wusste im fernen Abu Dhabi nichts von der Verpflichtung Hoffmanns (zu 96), wollte aber auch nichts davon wissen, dass damit die Wechselabsichten Kacars endgültig geplatzt sind.

Zum heutigen Start in Abu Dhabi. Der Flug verlief problemlos, die Ankunft aber erfolgte nach Mitternacht. Erst gegen drei Uhr waren die Spieler in dem Fünf-Sterne-Hotel, das zwei Jahre alt ist und keine Wünsche offen lässt. Nach einem kleinen Snack ging es auf die Zimmer zum Schlafen. Morgens gab es dann um zehn Uhr das erste lockere Training, und die zweite Einheit erfolgte am Nachmittag um 16 Uhr. Tagsüber herrschten 23 Grad, die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite, nachmittags zogen während des Trainings einige Wolken auf – und es wurde etwas kühler. Hervorragende Bedingungen (so lobten auch die meisten Spieler) aber für ein Training, das heute vornehmlich aus kleinen Spielchen bestand.

Bis auf Petr Jiracek, der mit Reha-Coach Markus Günther lief, und der 18-jährige Nachwuchsmann Valmir Nafju (wurde vom FC Basel verpflichtet), waren alle Spieler auf dem Platz. Auch in der Ferne blicken natürlich viele Augen nur auf Rafael van der Vaart. In Hamburg ist die Ehe-Krise des niederländischen Paares immer noch das Gesprächsthema Nummer eins, in Abu Dhabi ebenfalls. Für das gesamte HSV-Team schon eine besondere Situation. Über die Trainer Thorsten Fink verriet: „Wir sprechen mit Raffa, er geht sehr professionell mit seiner Situation um. Wir sind für ihn da, wenn er uns braucht. Im Fußball kann man sich gut ablenken. Manche haben nicht viel, er hat die Mannschaft und den Fußball.“

Allgemein – und zu den Bedingungen in der Wüste – befand Thorsten Fink: „Die Plätze sind bundesligatauglich, ich bin damit sehr zufrieden.” Er will seinen Spielern während des Trainingslagers maximal einen Nachmittag (wahrscheinlich am Sonntag) freigeben.

Vom Abendblatt vor Ort ist Chefreporter Kai Schiller, und der sagte mir über das Spielchen am Nachmittag: „Mir gefielen eben vor allem Rafael van der Vaart, der viele glänzende Pässe aus seinem linken Fuß hervorzauberte, und dazu auch Tolgay Arslan, der einmal mehr sehr, sehr bissig wirkte.“ Dass nicht alles gleich nach Wunsch funktionierte, das sahen die Trainingskiebitze an den Reaktionen von Heiko Westermann. Der Kapitän war einige Male sehr unzufrieden mit seinen Vorderleuten, schimpfte mehrfach recht lautstark und drosch einmal den Ball mit Vehemenz – und vor Wut – in die Botanik.
Aber gut Ding will eben Weile haben – auch in Abu Dhabi.

Morgen, am Freitag, stehen ebenfalls zwei Einheiten auf dem Programm. Und falls bis zum Wochenende nicht doch noch ein weiterer Gegner für ein Testspiel gefunden wird (es wird wohl noch daran gearbeitet), findet am Montag das erste Spiel statt. Es geht dann gegen den usbekischen Meisterschafts-Dritten Lokomotiv Tashkent. Einen Tag später folgt die Partie gegen den saudi-arabischen Vertreter Al-Shabab FC, und das letzte Spiel der „Wüsten-Tour“ findet dann in Dubai einen Tag vor der Rückreise statt, es geht gegen den Bundesliga-Achten Borussia Mönchengladbach (der sich dort auf Bundesliga-Werbe-Tour befindet). Am 12. Januar erfolgt dann der Auftakt im Volkspark, wenn der österreichische Spitzen-Klub Austria Wien zu Gast ist (dieses Spiel wird live im Dritten Programm übertragen).

Kurz noch eine Personalie: In Sachen Robert Tesche hat sich bislang noch nichts Neues ergeben. Und irgendwie bin ich (und bleibe ich) skeptisch, ob sich daran noch etwas ändern wird. Welcher Klub (vor allem dann, wenn es sich um einen Zweitliga-Vertreter handelt) ist denn schon bereit und auch in der Lage, ein „fürstliches“ Gehalt – wie es der Erstliga-Vertreter HSV zahlt – zu bieten? Und finanzielle Abstriche nimmt wohl jeder Mensch, da ist Tesche keine Ausnahme, nicht ganz so gerne hin. Es sei denn, er will als Fußball-Profi auch wieder mal mitspielen dürfen . . .

Nach wie vor finde ich aber gut, dass der HSV es vorgezogen hat, auf junge Spieler wie Matti Steinmann oder auch Christian Nörgaard zu setzen – und sie deshalb auch mit in die Sonne genommen hat. Solche Talente, so sie sich denn später einmal behaupten und durchsetzen können, sind die Zukunft des Klubs. Und sie wurden ja auch von Scouts für förderungswürdig gehalten und einst zum HSV gelockt.

17.26 Uhr

Der Hammer: Tesche und Kacar aussortiert ***ERGÄNZT von Scholle, 3.53 Uhr***

31. Dezember 2012

Das war Premiere. Am 31. Dezember war ich noch nie bei einem HSV-Training. Aber diesmal. Und lausig kalt war es, stürmisch dazu. Dass sich jedes Flugzeug, das sich über den Volkspark hinwegquälte, oben hielt, ist irgendwie immer wieder ein kleines Wunder. Dass mein rechtes Ohr nicht abgefallen ist, auch. Weil von rechts dieser schlimme Wind, der eigentlich ja schon ein Orkan ist, kam. Egal. Die HSV-Spieler, die gestern ihren Laktattest schon hinter sich gebracht hatten und deswegen heute für fast zwei Stunden auf den Acker mussten, um zu ackern, mussten diese schlechten äußeren Bedingungen ja auch überstehen. Und ich kann versichern, es hat auch ein jeder überstanden. Und wenn ich vom 31. Dezember – und noch nie – geschrieben habe: Co-Trainer Frank Heinemann kam mir, als er den Trainingsplatz abschloss, entgegen und sagte: „Ein frohes neues Jahr – ach, Mann, ist ja noch gar nicht so weit. Ich wünsche einen guten Rutsch. Ein frohes neues Jahr habe ich gestern schon immer in der Kabine gesagt – aus Macht der Gewohnheit. Weil es doch ungewöhnlich ist, dass die Winterpause noch im alten Jahr beendet wird . . .“ Stimmt. Aber watt mutt, datt mutt.

Und wo ich gerade schon mal dabei bin:

Ich wünsche allen Matz-abbern und ihren Lieben einen wunderschönen, nicht allzu stürmischen Rutsch ins neue Jahr, und dann für 2013 alles erdenklich Gute. Vor allem Gesundheit. Und dazu Erfolg im Job und im Privatleben, dass jeder absolut zufrieden oder sogar glücklich ist. Und dass, das kommt natürlich noch hinzu, der HSV allen seinen Fans und Anhängern in diesem Jahr endlich einmal mehr Freude bereitet, als Verdrossenheit. Ich drücke die Daumen – und bin, was den Aufschwung des HSV betrifft, durchaus optimistisch. Sehr sogar. Die Weichen für mehr Erfolg(e) sind gestellt, nun müssen es die Angestellten nur noch umsetzen. Aber wer mich fragt, der bekommt in diesen Tagen stets zu hören: „Ihr werdet es sehen, der HSV wird 2013 eine bessere Rolle spielen, als in den Jahren zuvor. Davon bin ich restlos überzeugt.“

Und irgendwie scheinen ja auch die meisten Verantwortlichen im Klub gelernt zu haben. Jedenfalls werden in den letzten Stunden des Jahres 2012 noch – in meinen Augen – sehr gute, vor allen Dingen richtungsweisende Maßnahmen getroffen. Weil alle, na ja, fast alle, inzwischen begriffen haben, dass es so ja auch nicht weitergehen darf. Neue Männer braucht das Land – so hieß ja einst ein deutscher Schlager, aber beim HSV wird es bekanntlich keine neuen Männer geben. Soll heißen, dass es in diesem Winter (zu 99 Prozent) keinen einzigen neuen Spieler mehr geben wird. Wozu auch? Der HSV hat eine perspektivisch sehr gute Mannschaft. Die muss sich nun zusammenraufen und es zeigen, wie gut sie tatsächlich ist. Und zu eventuellen Neueinkäufen hat Trainer Thorsten Fink gesagt: „Es wird die deswegen nicht geben, weil wir die Mittel dazu gar nicht haben.“ Ist schon klar. Inzwischen haben auch das die meisten (Fans) schon kapiert.

Aber zurück zu den neuen Maßnahmen, die jetzt noch getroffen wurden:

Irgendwie erwartet, vielleicht von vielen Anhängern sogar erhofft, ist folgende Entscheidung: Robert Tesche wird am Mittwoch nicht mit nach Abu Dhabi fliegen. Der Mittelfeldspieler wurde – so nenne ich das mal – „aussortiert“. Weil, so sehe ich das, er irgendwie doch „über ist“. Er hat es noch nicht bemerkt, der HSV jetzt aber (endlich) doch, und deswegen bleibt der 25-jährige ehemalige Bielefelder in der Heimat, während sich die Kollegen in der Sonne auf die Rückrunde vorbereiten. Vielleicht, und so werte ich das einmal, ist es auch ein letztes Zeichen an Tesche, sich in dieser Wechselperiode doch noch einen neuen Verein zu suchen. Statt den Renten-Vertrag beim HSV in aller Stille nur auszusitzen. Eventuell trägt ja diese harte Maßnahme (so sehe ich das mal) dazu bei, dass Tesche die Augen geöffnet werden. Er hat in Hamburg keine fußballerische Zukunft mehr, weil der HSV erstens genügend Mittelfeldspieler hat, und zweitens einige jüngere und talentiertere Mittelfeldspieler nachrücken, von hinten Druck machen. Zum Beispiel Matti Steinmann (wird am 8. Januar 18 Jahre alt) und Christian Nörgaard (18). Abschließend stelle ich in Sachen Tesche fest: Er hat hier genügend Chancen von allen Trainern bekommen, auch von Thorsten Fink, aber er hat diese Chancen nicht nutzen können. Nun überholt ihn seine Situation – auch das ist im Profi-Fußball nichts Außergewöhnliches, aber es gibt mit Sicherheit auch schönere Facetten des Sports.

Die zweite Maßnahme: Gojko Kacar, der mit Hannover 96 über einen Vereinswechsel verhandelt, wird ebenfalls nicht mit ins Trainingslager fliegen. Gestern erschien Kacar (wird am 23. Januar 26) zum Trainingsauftakt noch mit einem rauschigen Vollbart, heute war er glatt rasiert wie ein Baby-Popo – der Bart ist ab. Vielleicht sein Zeichen an Hamburg, dass er sich mit einem Wechsel an die Leine schon arrangiert hat. Genügend Zeit, um seine Situation beim HSV zu überdenken, hat er nun allemal, und genügend Zeit, um mit den Niedersachsen zu verhandeln, bleibt ihm nun auch noch. Es ist wohl das richtige Zeichen, das der HSV ihm mit dieser Nichtteilnahme an der Abu-Dhabi-Reise gegeben hat. Die Zeichen stehen eindeutig auf Trennung. Und das dürfte nicht nur für den HSV von Vorteil sein, sondern auch für Kacar, der bei 96 endlich wieder einmal aufblühen könnte. Dort wollen sie ihn, dort hat er eine neue Aufgabe – oft ist das hilfreich in diesem schwierigen Geschäft.

Insgesamt bedeuten diese beiden Fälle für mich, dass es beim HSV ab sofort härte Zeiten geben wird. Nicht nur für alle Abteilungen, sondern ab sofort auch für die Profis. Es wird härter und professioneller – der richtige Weg. Nur in Watte packen geht eben nicht. Und ist hier schon viel zu lange geschehen.

Kurz noch zum heutigen Training. Es wurde (ohne Thorsten Fink, der die Tests drinnen leitete) alles mit dem Ball gemacht, zum Schluss auch noch das obligatorische Abschlussspielchen. Bei diesem gefiel mir – auch das muss mal gesagt werden – Zhi Gin Lam sehr gut, der nicht nur einige Tore erzielte, sondern auch gut verteidigte. Überwiegend rechts. Ein Hinweis darauf, dass er – falls Jeffrey Bruma doch noch gehen würde – rechts ein Ersatz (oder Vertreter) für Dennis Diekmeier benötigt werden würde? Wie gesagt, Lam machte das heute sehr, sehr ordentlich. Auffällig an dieser Einheit ebenfalls: Sven Neuhaus war der lauteste Mann auf dem Rasen, er dirigierte seine Vorderleute und motivierte sie unheimlich engagiert. Gefiel mir. Das schönste Tor des Tages schoss Jacopo Sala, der den Ball an Neuhaus vorbei in den oberen linken Torwinkel zirkelte. Ein „Tor des Monats“, es erhielt von Fans und den Kollegen viel Beifall, eigentlich hätte der Italiener danach vom Platz gehen können, besser geht nämlich nicht. Und dann soll, es wurde mir nur von „Gobi“ berichtet, Michael Mancienne eine neue Frisur haben. Ohne Zopf. Sage ich unter Vorbehalt, weil die meisten Spieler heute – wegen des Orkans – Mützen trugen, sodass die Haarpracht nicht zu erkennen war.

Nicht zu sehen waren heute zudem einige Spieler, die in den Katakomben der Arena ihre Tests zu absolvieren hatten. Der erste Mann am frühen Morgen war Heung Min Son, der bereits um acht Uhr auf der Matte zu stehen hatte. Bis nachmittags um drei Uhr sollen diese Tests gehen, danach wird es dann auch Zeit, sich auf die Silvester-Fete vorzubereiten. Oder? Übrigens: Petr Jiracek lief mit Reha-Coach Markus Günther durch den Volkspark, und Rene Adler lief allein um das Stadion herum (durch den Wald). Weil er über Weihnachten ein wenig erkältet war. Adler wurde, das nur ganz nebenbei, von den Kollegen der Bundesliga zum besten Torwart der Hinrunde gewählt (im Kicker). Eine tolle Wahl, zu der ganz Hamburg sicher nur zustimmend nicken wird.

So, nun bin ich am Ende für dieses Jahr. Es hat mir in diesen zwölf Monaten wesentlich mehr Spaß gemacht, für den „Matz-ab-Blog“ zu schreiben, weil mir das Moderatoren-Team in den meisten Fällen den Rücken frei gehalten hat. Dafür ganz, ganz herzlichen Dank. Und dazu ein Dank an alle, die sich für diesen Blog stark gemacht haben, die sich teilweise Kratzer und auch blaue Augen geholt haben, um diese gute Idee zu verteidigen. Dazu mein besonderer Dank vor allen Dingen an die weiblichen Matz-abber – ihr seid klasse! Danke, danke, danke – an alle. Auch an jene, die ich gestern und heute beim Training traf, die mich ansprachen und sich bei mir (und “Scholle”) für diesen Matz-ab-Blog bedankt haben. Es gibt ja so viele Leute, die hier nur lesen, aber nicht schreiben – und auch keine Kommentare (mehr) an sich heran lassen . . .
Ich glaube, wir sind auf einem ganz guten Weg – wie auch der HSV. Und wer die Matz-ab-Neujahrsansprache noch nicht gesehen hat, der sollte sich diese zehn Minuten durchaus mal gönnen, denn ich verrate dabei einige höchst interessante Zahlen. Zahlen, die ich so nicht geahnt und auch nicht für möglich gehalten hätte. Auch dafür an dieser Stelle noch einmal meinen ganz herzlichen Dank.

Und nun wünsche ich euch eine wunderschöne Feier. Haut rein!

Alles Gute in 2013 für euch!

Es grüßt euch Dieter (der das auch im Namen von „Scholle“ sagt).

***ERGÄNZUNG: Und Das macht der Scholle gern auch noch persönlich. Ich bedanke mich für ein sehr intensives, interessantes, kontroverses aber immer auch konstruktives Jahr im Blog und wünsche mir für 2013, dass es genau so weitergeht. Bleibt dabei, bleibt so kritsich, bleibt so fruendlich und bleibt so kreativ – aber vor allem: belibt gesund! LG, Scholle****

15.11 Uhr

Arslan – der Aufsteiger im Mittelfeld

22. Dezember 2012

Teil zwei der Hinrunden-Bilanz, diesmal ist das breit gesetzte Mittelfeld dran. Wobei ich mir Heung Min Son bis morgen aufsparen werde, weil ich ihn eher als Stürmer sehe, denn als Mittelfeldmann. Und einen Mann, auf den ich mich schon sehr freue, muss ich leider noch total außen vor lassen, das ist der Karlsruher Hakan Calhanoglu. Der Türke ist für den Sommer 2013 verpflichtet worden, es gab zuletzt schon Stimmen in Hamburg zu hören, die es befürworten würden, wenn das große Talent noch eine weitere Saison beim KSC verbleiben würde, aber da stimme ich nicht mit ein. Diejenigen, die so etwas denken, glauben fest daran, dass er es nicht auf Anhieb schaffen wird, sich in Hamburg zu behaupten – weil die Konkurrenz gerade im Mittelfeld so riesig sein. Allein an Rafael van der Vaart, Petr Jiracek und Milan Badelj vorbei zu ziehen, sei unmöglich. Ich sage: abwarten! Ich traue Calhanoglu alles zu, auch dass er zur großen Überraschung der Saison 2013/14 wird.
So, und los geht es nun mit jenen Mittelfeldmännern, die bereits beim HSV sind. Die Reihenfolge habe ich willkürlich gewählt.

Jacopo Sala schien einst auf einem sehr guten, nein auf einem guten Weg zu sein. Und dann kam der Knick. Bislang ist der Italiener noch nicht wieder aus der Versenkung aufgetaucht, dazu müsste wohl auch ein keines Umdenken bei ihm erfolgen. Er „hing“ zuletzt sehr oft mit Jeffrey Bruma herum, zwei Leidensgenossen, die sich eventuell zu trösten versuchen, die mir aber (ich schrieb es schon bei dem Niederländer) zu oft ein wenig „in die falsche Richtung“ lachen. Soll heißen, dass sie eher schon ein wenig resignieren – sie „blödeln“ gemeinsam, statt Gas zu geben. Deswegen glaube ich nicht mehr, dass Sala noch einmal kommen wird – obwohl ich froh wäre, wenn es dann doch ganz anders käme. Denn Fußball spielen, das kann der Italiener ganz sicher. Aber mit dem Ball umgehen ist eine Sache, die richtige Einstellung auf den Rasen zu bringen, die andere. Letzteres stimmt bei ihm leider nicht (mehr).

Tomas Rincon startete mit einer langwierigen Verletzung in die Saison, war dadurch schon mal schwer gehandicapt. Den Rückstand holte er nicht mehr auf, auch wenn er zuletzt zu einigen Einsatz gekommen ist. Ich hatte mir, nach seiner sehr guten Copa America, viel von „Popeye“ erhofft, aber er konnte es nicht zeigen. Insgesamt denke ich, dass Rincon beim HSV schon mal besser gespielt hat. Dabei traute ich ihm mal zu, in Hamburg eine Art „Mini-Gattuso“ werden zu können – von dieser Hoffnung bin ich aber schon seit längerer Zeit weit entfernt. Das wird vielleicht auch deshalb nichts mehr, weil Rincon sich zu sehr auf das Zerstören festgelegt hat – und ein solcher Spielertyp ist im heutigen, modernen Fußball eigentlich kaum noch zu finden. Schade eigentlich.

Tolgay Arslan war der Aufsteiger der Saison. Es ist schon rauf und runter geschrieben worden, ich kann mich dem nur noch einmal anschließen. Und ich muss zugeben, dass ich ihm die „Sechs“ niemals zugetraut habe. Nie. Weil Arslan für mich ein schön spielender „Daddelbruder“ war, in diese Schublade hatte ich ihn schon immer gesteckt. Dass er, wie er nun zeigt, auch beißen kann, dass er ein defensives Auge hat – alle Achtung und ein riesiges Kompliment, ich hätte es nicht gedacht. Nur muss er jetzt so weiter „beißen“, nicht ausruhen, nicht zurücklehnen und glauben, dass man es schon geschafft hätte. Das wäre genau so tödlich, wie noch sein gelegentlicher Hang zum „Abheben“. Nach zwei, drei gelungenen Szenen packt er die Trickkiste aus: Hacke, Spitze, eins, zwei, drei. Lässig, ganz lässig, nachlässig. So aber geht es nicht, weil man sich das in der Bundesliga einfach nicht erlauben kann. Es ist zu durchschaubar. Und durch solche überheblichen Aktionen reißt Arslan mit dem Hintern wieder alles um, was er sich vorher mit den Füßen erarbeitet hat.

Robert Tesche ist für mich ein Glückspilz. Dass ihm sein Vertrag noch einmal verlängert wurde, das ist für mich – und nicht nur für mich – noch immer unfassbar. Es zeigt aber, dass auch ein Sportchef (und ein Trainer?) nicht unfehlbar sind. Der Spatz in der Hand, und der Tesche auf dem Platz – das muss wohl das Motto damals gewesen sein. Hier irrte der Herr Arnesen. Robert Tesche trainiert zwar in den meisten Fällen gut, oftmals sogar sehr gut, aber auf dem Rasen bei Bundesliga-Spielen konnte er diese Leistungen nie, wirklich nie wiederholen. Leider. Ihm fehlt die Einstellung zum Profi-Fußballer, der richtige Biss – er hat auch, so sehe ich das, nicht das nötige Fußball-Temperament.

Ivo Ilicevic war einst meine ganz große HSV-Hoffnung. Weil er in Kaiserslautern Spitzen-Leistungen gebracht hat, weil ihn einst auch der große FC Bayern auf dem Zettel hatte – aber denkste! Bislang kam nicht vom kleinen Flügelflitzer, ich befürchte, dass er als eines der größten HSV-Missverständnisse in die Bundesliga-Geschichte eingehen wird. Leider, leider, ich hätte ihm in Hamburg die Karriere als „Überflieger“ gegönnt. Heute denke ich aber, dass dieses Thema abgehakt ist. Deswegen täte ihm ein Vereinswechsel bestimmt gut, eine neue Herausforderung könnte ihn noch einmal anstacheln, sein wahres Können zu zeigen. Könnte.

Per Ciljan Skjelbred schien lange auf dem falschen Weg – warum auch immer? Es kam nicht, von ihm hieß es im Volkspark schon sehr, sehr oft: „Fehleinkauf.“ Dabei hatte sich Frank Arnesen einst so viel von dem kleinen Norweger versprochen. Zuletzt, erst zuletzt, hat es der Blonde aus dem hohen Norden wenigstens ansatzweise gezeigt, was in ihm steckt, was in ihm stecken könnte. Zufall? Kann ich nicht glauben, aber im letzten Spiel des Jahres, beim 0:3 gegen Leverkusen, spielte Skjelbred so – ja, so wie immer, so wie vorher. Und so reicht es nicht. Nicht in der Bundesliga, nicht beim HSV. Er sollte sich mit einem Tapetenwechsel anfreunden, ich denke, es ist für ihn der bessere Weg. Vielleicht zurück in die Heimat, wo er wieder regelmäßig zum Einsatz kommen wird.

Christian Nörgaard galt und gilt als großes Talent, bislang konnte er es nicht unter Beweis stellen. War zuletzt auch lange verletzt, obwohl es sicher nichts an seiner Situation geändert hätte – er konnte sich bislang noch nicht in den Vordergrund spielen oder sich aufdrängen. Doch von solchen Talenten hat der HSV schon so viele gehabt, und einige von ihnen haben dann doch noch ihr Glück woanders gefunden. Deswegen habe ich immer noch die Hoffnung, dass es Nörgaard eines Tages doch noch schaffen kann. Abschreiben werde ich ihn noch lange nicht.

Gojko Kacar dagegen steht wohl vor dem Gang zu einem anderen Verein. Hannover 96? Die Bild schrieb ja heute, dass es für ihn nur 500 000 Euro geben würde, aber diese Summe ist lachhaft. Auch deshalb, weil der HSV vor zweieinhalb Jahren noch 5,5 Millionen an Hertha BSC bezahlt hat. Kacar hat hier viel Pech gehabt – und er hat ganz sicher auch nicht so gut gespielt, wie einst in Berlin. Das HSV-Phänomen. Mir gefiel der Serbe in seiner Hamburger Zeit als Innenverteidiger am besten, weil er gut zerstören kann, weil er eng und mutig am Mann arbeitet, weil er kopfballstark ist, und weil er den Ball auch einigermaßen nach vorne spielen kann. Er wirkt gelegentlich langsam, auch gedanklich, aber trotz allem hat er seine Qualitäten. Und deswegen hoffe ich, dass ihn der HSV nicht verschenken wird – auch wenn dadurch ein (nicht zu kleines) Gehalt eingespart werden könnte.

Matti Steinmann ist auch ein Talent wie Christian Nörgaard, doch um das vielleicht größte HSV-Talent derzeit (so hieß es im Herbst immer wieder) ist es ruhig geworden. Nicht nur wegen der Verletzung zuletzt. Steinmann treibt seine schulische Ausbildung voran (auch wichtig!), konnte deswegen nicht oft mit den Profis trainieren – verlor vielleicht auch deshalb seine Form in der Regionalliga-Mannschaft. Sah ich ihn dort, dann habe ich ihn nicht allzu oft in Erscheinung treten sehen – eher war das Gegenteil der Fall. Aber, wie im „Fall Nörgaard“ gebe ich die Hoffnung noch nicht auf, vielleicht entwickelt sich da ja noch was. Vielleicht. Obwohl das schon sehr bald passieren müsste.

Milan Badelj kam, sah und siegte. Er war auf Anhieb eine große Verstärkung, und die Einschätzung, die hier bei „Matz ab“ erst vor einigen Tagen Horst Hrubesch über den Mittelfeldspieler abgab, teile ich absolut und zu 100 Prozent. Stark am Ball, hervorragendes Auge, er antizipiert großartig, und er kann den klugen, den überraschenden und öffnenden Pass spielen. Im HSV haben sie ja Angst davor, dass er schon bald von einem „Großen“ geschluckt werden könnte, doch diese Angst habe ich im Moment noch nicht. Weil Badelj da doch ein wenig Tempo fehlt – für den ganz großen europäischen Spitzen-Fußball.

Petr Jiracek hat sich leider zu einem Pechvogel entwickelt. Erst die unberechtigte Rote Karte am dritten Spieltag in Frankfurt, dann die schwere und langwierige Schambein-Verletzung das ist bitter, ganz bitter. Zumal dann, wenn man ihn immer noch bei der EM 2012 vor Augen hat, wie er durch das Mittelfeld der Tschechen wirbelte. Hoffentlich hat er seine Leidenszeit bald beendet, und bleibt er dann verletzungsfrei, dann wird er auch schon bald (und auf Dauer) eine dominierenden Rolle im HSV-Mittelfeld spielen können. Davon bin ich restlos überzeugt. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch bei mir.

Rafael van der Vaart ist für mich der „Retter“ des HSV. Wieso das? Werden sich jetzt sicher einige (oder viele) fragen, aber das will ich erklären. Wir alle haben uns um diesen (schwachen) HSV große (Abstiegs-)Sorgen gemacht, bevor der „kleine Engel“ wieder zurück an die Elbe gekommen ist. Als er aber wieder im Volkspark aufdribbelte, da rissen sich fortan sämtliche Mitspieler (viel mehr) zusammen, sie trainierten konzentrierter, spielten viel besser (Paradebeispiel Arslan!) – weil sich niemand eine Blöße vor dem großen „Raffa“ geben wollte. Der hätte sonst ja mal in die Runde fragen können: „Was ist das denn für einer? Wer hat den verpflichtet, was will denn der HSV mit dem?“ Van der Vaart hat für einen Ruck in diesem angeschlagenen HSV gesorgt, und das ist ihm hoch anzurechnen. Auch wenn er mich fußballerisch noch nicht voll überzeugen konnte. Er selbst hat mal in der Bild über sich gesagt: „Ich spiele bislang nur Bild-Note vier.“ Stimmt, Volltreffer! Aber das liegt auch am System, auch an den Nebenspielern. Wenn ein Rafael van der Vaart mehr grätschen muss, als sich um den Spielaufbau verdient zu machen, dann weiß man, dass etwas falsch läuft. Der Niederländer verrichtet mehr „Drecksarbeit“ als erwartet – und ihm sicher auch lieb ist. Aber das im Moment eben noch in dieser HSV-Mannschaft erforderlich. Vielleicht ändert sich das noch (oder bald?), woran ich allerdings nicht glaube – aber eigentlich war doch der „Raffa“ von dem Herrn Kühne als Spielgestalter, als Regisseur gedacht und eingekauft worden. Eigentlich. Aber im Fußball, oder auch im Fußball, kommt es gelegentlich mal anders als man denkt – und beim HSV erst recht.

So, morgen ist dann die Hamburger Offensiv-Abteilung dran – und danach wird auch über die Offiziellen (Vorstand, Trainer, AR) – wie versprochen – geschrieben. Zunächst aber wünsche ich euch und euren Lieben einen schönen vierten Advent.

Und, ganz schnell noch, auch heute wieder ein großes und herzliches Dankeschön für die viele Weihnachtspost, die Frau M. und mich erreicht hat. Ihr seid großartig, vielen, vielen Dank!

16.49 Uhr

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