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Rückblick, Teil zwei – das Mittelfeld

10. Juni 2013

„Dem Stümperer Nummer eins gibst du eine Eins – ich kann es nicht glauben.“
Sagte heute ein eigentlich ganz netter „Matz abber“ zu mir – und ich wusste selbstverständlich sofort, wen er gemeint hatte. „Natürlich“, habe ich geantwortet, „weil sich dieser Mann um das HSV-Team verdient gemacht hat wie kein anderer HSV-Profi. Und zwar auf dem Rasen und auch ansonsten überall. Das sogar schon seit Jahren, auch in jenen Zeiten, in denen es besonders schlecht lief.“ Und nebenbei, so ganz nebenbei bemerkt, ist Heiko Westermann ja auch noch aktueller deutscher Nationalspieler. Und diese deutsche Nationalmannschaft steht in der Weltrangliste immer noch auf Rang zwei. Okay, ich weiß, ich weiß (habe ich auch dem Matz abber gesagt), Bundestrainer Joachim Löw hat keine Ahnung vom Fußball, das weiß ja jeder. Der hat es doch sogar gewagt, zuletzt mal vier HSV-Spieler gegen Ecuador einzusetzen – man, was ist dieser Löw nur für ein Nichtskönner. Wie kann denn der „Bundes-Sepp“ nur vier HSVer einsetzen? Viel besser wäre es doch gewesen, zwei von Werder und zwei von 96 zu bringen . . . Oder zwei Braunschweiger und zwei vom Millerntor. Statt diese HSV-Hamburger, von denen die meisten ja ohnehin nur Stümperer sind . . .

Ich kann es nicht mehr ab, muss ich zugeben. Ich kann es nicht mehr ab und werde mich auch nie dran gewöhnen. Und jedes Mal tut es mir wieder aufs Neue weh. Wie hier HSV-Spieler vom HSV–Anhang, von den eigenen Fans, immer und immer wieder in der Luft zerrissen werden – ich kann es nicht mehr hören und lesen. Auch deshalb, ich gestehe, freue ich mich auf Mitte/Ende September, dass ich damit dann nicht mehr konfrontiert werde. Ich habe ein solches Anti-Fan-Verhalten noch nie erlebt, ich kannte es auch in dieser krassen Form nicht – und ich werde aus auch nie akzeptieren. Natürlich soll jeder seine eigene Meinung haben, ich verlange auch nicht, dass jeder HSV-Fan dem guten Westermann eine Eins gibt, auch nicht, dass ihn ein jeder ins Herz schließt oder liebt, aber tolerant sollte jeder sein – und auch ein bisschen mit Fußball-Verstand gesegnet. Dann nämlich würde man nicht nur die gestümperten Fehlpässe registrieren, sondern die vielen Balleroberungen sehen, die vielen gewonnenen Kopfballduelle beachten und die unzähligen Rettungsaktionen, der der Ex-Kapitän immer dann unternehmen muss, wenn einem Mitspieler ein Fehler unterlaufen ist. Dann riskiert der Herr Westermann stets Kopf und Kragen und schont sich nicht. Und er spielt selbst dann noch, wenn er eigentlich nicht spielen dürfte – zum Beispiel mit einem Muskelfaserriss. 34 Einsätze kann kein anderer vorweisen – beim HSV. Aber gut. Ende. Und jeder so, wie er es will.

Bei der Gelegenheit: ich muss mich entschuldigen. Ich hatte Milan Badelj und Ivo Ilicevic unterstellt, bei Kroatiens 0:1-Niederlage gegen Schottland dabei gewesen zu sein – das ist eine Falschmeldung, und diese nehme ich mit dem größten Bedauern zurück. Beide HSV-Spieler haben an diesem Qualifikationsspiel nicht (!) teilgenommen – sie waren lediglich als Zuschauer auf der Bank dabei. Sonst hätten die Kroaten doch bestimmt auch gewonnen, oder?

Aktuell gibt es immer noch nichts Neues. Heung Min Son wartet weiter auf Chelsea und Andre Schürrle, und Marcus Berg auf die Eulen in Athen. Oder war es Panathinaikos? Ja, doch, Pana war es.
Ansonsten freue ich mich auf morgen (Dienstag), denn dann wird Oliver Kreuzer seinen Dienst beim HSV aufnehmen. Es gibt viel zu tun, ich hoffe er packt es zügig an . . .

So, und dann wäre ich auch schon beim zweiten Teil. Der Saisonbilanz. Heute ist das Mittelfeld „dran“! Los geht es:

Milan Badelj
war die Entdeckung der Saison. Ich habe noch die Worte von Carl-Edgar Jarchow im Ohr, denn der HSV-Boss sagte im Herbst: „Milan Badelj spielt so über die Maßen gut, dass ich schon die Befürchtung habe, dass er uns am Saisonende gleich wieder weggekauft wird.“ Die Befürchtung, lieber Herr Jarchow, ist jetzt unbegründet, denn der gute Milan hat dann nach starker Hinrunde auch stark nachgelassen. Was viele auch darauf zurückführen, dass er im Sommer 2012 keine Pause hatte. Mag sein, ich kann das nicht ausschließen. Aber ich hoffe, dass Badelj jetzt – nach einer gewissen pause – doch wieder an jene Leistungen anknüpfen wird, die ihn in Hamburg zum Shootingstar haben werden lassen. Note drei.

Tomas Rincon
kam erst in der Rückrunde mehrfach zu Einsätzen und gehörte immer zu jenen HSV-Profis, die zuverlässig und solide „arbeiteten“. Enttäuscht hat „Popeye“ nie – mich jedenfalls nicht, obwohl er in Länderspiel-Einsätzen für Venezuela meistens zu den besten Spielern auf dem Platz gehört. Insofern gibt es bei ihm noch Luft nach oben – wenn er denn in Hamburg bleibt. Ich könnte mir sehr wohl vorstellen, dass ihm jetzt doch mal nach einer Luftveränderung ist. Und irgendwie würde ich es ihm sogar gönnen – es muss ja nicht die Bundesliga sein, in der er dann ganz groß heraus kommt . . . Note vier.

Dennis Aogo
konnte nicht an seine (guten und teilweise sehr guten) Leistungen der Vorsaison anknüpfen. Das, obwohl er ja auf der zunächst ungewohnten Mittelfeld-Position doch hin und wieder ganz starke Spiele abgeliefert hat. Besonders zu Anfang dieser Zeit. Irgendwie aber stagnierte er dann im Frühjahr, er konnte seine 100 Prozent nie wieder erreichen. Dass er zuletzt seine Länderspiel-Einsätze elf und zwölf feiern konnte, das freut mich aber sehr für ihn – und vielleicht gibt es ihm ja auch wieder jenen Auftrieb, dass er zur alten Stärke zurückfinden wird. Ich wünsche es ihm, denn er hat – egal wie gut oder schlecht es für ihn auch auf dem Platz lief – stets viel für diese Mannschaft getan. Note vier.

Ivo Ilicevic
kam nach langer Verletzungszeit erst gegen Saisonende zurück und zu einigen Kurz-Einsätzen. Den Durchbruch hat er immer noch nicht geschafft, und ich hatte ja schon eine Phase, in der ich ihm diesen Durchbruch auch nicht mehr zugetraut hatte – nun schwanke ich. Gebe ich gerne zu. Im Training nämlich hat dieser Ilicevic teilweise Dinge drauf, die einfach klasse sind. Wenn er das nur einmal in einem Spiel . . . Er steht sich meiner Meinung nach zu sehr selbst im Wege, weil es ihm nicht gelingt, alles für den HSV (meinetwegen auch für die Raute) zu geben. Wenn er sich mit dem Club zu 100 Prozent identifizieren würde, sich dementsprechend auch ins Zeug legen würde, dann könnte es doch noch was werden. Zweifel aber bleiben. Und diese Zweifel sind nicht von der kleinen Art. Noch Note fünf.

Petr Jiracek
kam auch erst gegen Ende der Saison in Fahrt – die lange Verletzungspause verhinderte, dass der HSV-Anhang den „wahren Jira“ sehen und bejubeln konnte. Und wenn wir ehrlich sind, dann haben wir alle den „wahren Jira“ auch immer noch nicht im HSV-Trikot gesehen. Da muss schon noch viel mehr kommen. Und ich glaube, dass das auch in der nächsten Spielzeit kommen wird. So er dann zum Einsatz kommen wird. Wenn Thorsten Fink auf den Tschechen baut, dann, so glaube ich fest, dann wird er es ihm auch mit guten Leistungen danken. Hatte ich doch gegen Ende der Saison schon den (kleinen) Verdacht, dass die HSV-Mannschaft mit Petr Jiracek schon etwas gefestigter wirkte – als vorher ohne ihn. Note vier.

Jacopo Sala
war jener Jüngling, der einst die Bayern ganz kräftig erschreckte. Kann sich noch jemand erinnern? Einige sind bestimmt noch dabei. Seit diesem 2. Februar 2012 ist es still um den Italiener geworden. Nach dem 1:0-Führungstor gegen die Bayern (Endstand 1:1 – durch Olic) hatte jeder (Zweite?) darauf gehofft, dass Sala nun ein aufgehender Stern in der Liga wird – aber dann kam da nicht mehr viel. Heute steht er bei 20 Einsätzen – und immer noch bei diesem einen – aber durchaus spektakulären – Tor. Ich habe nicht mehr viel Hoffnung, dass da noch viel mehr kommen wird, denn den Willen, sich im Training durch überdurchschnittliche Leistungen aufzudrängen, den kann ich so gut wie nie erkennen. Im Gegenteil, Sala wirkt eher so auf mich, als wenn er schon ein wenig resigniert hätte. Note fünf.

Tolgay Arslan
war eine der großen und guten Entdeckungen der Hinrunde. Und das auf der Sechs! Für mich wäre das undenkbar gewesen, aber er hat mich überzeugt – und den Trainer und die meisten Fans. Hut ab. Das kann er also auch. Leider musste er nach guten und teilweise starken Leistungen dann auch den „Van der Vaart“ geben, also vorgezogen zentral spielen, und schwupps war er die Sechs wieder los. Schade. Vielleicht wäre sonst sein Stern vollends aufgegangen. Bleibt mir nur, darauf für diese Saison zu hoffen. Note vier.

Rafael van der Vaart
kam als großer Hoffnungsträger, und es ging ja mit ihm auch (steil?) bergauf. Dennoch, fußballerisch ist er – keine Frage – hinter den Erwartungen aller zurückgeblieben. Auch er hatte sicherlich mehr von sich erwartet, er hat es jedenfalls oft genug gesagt. Dass sein Förderer (und Geldgeber) Klaus-Michael Kühne inzwischen (im Abendblatt-Interview) gesagt hat, dass sich „van der Vaart den allgemeinen Leistungen des HSV angepasst“ hätte, spricht Bände. Dennoch muss ich sagen, war die Verpflichtung des Niederländers von enormer Wichtigkeit, denn er hat dafür gesorgt, dass seine Kollegen alle eine Schippe mehr drauf gelegt haben. Und auch viel konzentrierter trainiert haben. Note vier.

Per Ciljan Skjelbred
kam zurück wie Kai aus der Kiste. Den Norweger hatten sie alle schon abgeschrieben (auch ich!), er war praktisch schon aussortiert, und dann dieses Comeback! Großartig. Auch wenn er – wie der gesamte HSV – eine stete Berg- und Talfahrt hinlegte, also ziemlich unkonstant spielte. Trotz allem, er ist eine erfreuliche Figur in diesem HSV geworden, feierte nun sogar seine Rückkehr in die norwegische Nationalmannschaft. Obwohl, das wissen wir, das ja nicht so viel bedeuten muss. Note vier.

Gojko Kacar
war mit einem Male „über“. Im Winter sollte er zu Hannover 96, das zerschlug sich, seit dieser Zeit (spätestens) spielte er keine Rolle mehr. Erst als zum Schluss ein gewisser Mangel an Abwehrspielern bestand, da durfte der Serbe dann doch noch mal für Minuten ran. Was seine Situation beim HSV aber keinen Deut verbesserte – Kacar ist nach wie vor „über“ und soll gehen. Schon jetzt, wo kein Ball mehr rollt, wurde er quasi aussortiert. Note fünf.

Robert Tesche
war zuletzt an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen – und stieg mit dem Aufsteiger wieder ab. Immerhin, er war dort in der Rückrunde Stammspieler. Nun kehrt er zurück, weil er dem neuen Zweitliga-Club doch zu teuer geworden ist. Ja, in Hamburg sind die Spieler, auch die, die regelmäßig draußen sitzen und „über“ sind, noch wahre Könige, denn sie alle werden königlich bezahlt. Dem Vernehmen nach zahlt zum Beispiel Eintracht Frankfurt, in der Bundesliga leicht etwas vor dem HSV platziert, ein Viertel von den HSV-Gehältern. Hier wird eben jeder fürstlich und überfürstlich belohnt, auch unser „Zehner“ – der Robert. Deswegen will er ja auch noch nicht weg – der Vertrag läuft. Und zwar sehr gut. Note fünf.

So, kurz noch zur kommenden Saison. Der HSV hat bislang 27 000 Dauerkarten für die Spielzeit 2013/14 in der Fußball-Bundesliga verkauft. Von den 57 000 Stadionplätzen sollen 30 000 als Saisontickets angeboten werden. Das Jahresabonnement kostet zwischen 198 Euro im Stehplatzblock und 788 Euro im besten Sitzplatzbereich. Für eine Dauerkarte müssen abhängig von der Kategorie zwischen zehn und 61 Euro mehr als im Vorjahr berappt werden. Tickets in der Komfortklasse Business werden unverändert für mindestens 3500 Euro pro Spieljahr angeboten. Am 18. Juni beginnt der freie Verkauf.
Am Dienstag, also morgen, beginnt um acht Uhr der Dauerkartenvorverkauf für die HSV-Mitglieder. Als Mitglied kann man maximal eine Dauerkarte für die Saison 2013/2014 erwerben. Mit Beginn des freien Vorverkaufs (18. Juni) können dann bis zu vier Dauerkarten erworben werden.
Folgende Blöcke stehen im Mitglieder-Vorverkauf zur Verfügung:
Osttribüne: 1A, 2C, 3C, 4C, 5C und 7A
Westtribüne: 17C, 18C, 19C, 20C und 21A/B/C
Südtribüne: 9A/B/C, 10A/B/C und 11A/B/C.

Bei den Einzeltickets sind die Preise für die nächste Saison stabil geblieben. Im Stehplatzbereich wurden die verschiedenen Kategorien (12, 14, 16, 19 Euro) auf einheitlich 16 Euro festgelegt. Die neue Bundesliga-Saison beginnt am zweiten August-Wochenende.

PS: HSV-Mittelfeldspieler Christian Nørgaard hat mit dem dänischen U-19-Nationalteam die EM-Endrunde verpasst. Die Dänen unterlagen im entscheidenden Qualifikationsspiel dem gleichaltrigen Team aus Portugal mit 0:1. Die Endrunde findet vom 20. Juli bis 1. August in Litauen statt.

18.38 Uhr

Rost über die deutsche Torwart-Szenerie

25. März 2013

Liebe „Matz-abber“,

sorry für die Verspätung, aber es gab hier heute wichtige Gespräche mit der Chefredaktion über und mit „Matz ab“, und diese Gespräche haben doch länger gedauert, als ich es dachte.
Deswegen heute auch mal eine etwas verkürzte Ausgabe, ich hoffe, dass ihr einmal damit leben könnt.

Es hat an diesem Montag ein starkes Interview mit Frank Rost gegeben, der ehemalige HSV-Keeper stand bei „Sport 1“ vor Kamera und Mikrofon und hat dabei, wen wird es überraschen (?), einige bemerkenswerte Dinge gesagt.

Hier einmal die wichtigsten Sachen aus diesem Interview, dass uns „Sport 1“ zur Verfügung gestellt hat.

Frank Rost über …

… das Torhüter-Ranking in der Nationalmannschaft: „Ich bin zwar kein Bundestrainer, aber für mich wäre ter Stegen ganz klar die Nummer 1 in Deutschland! Er hat eine super Ausstrahlung – ich hoffe, dass er so bleibt, wie er ist. Er ist ein super Fußballer, macht kaum einen Fehler, ist immer anspielbar, auch unter Druck, er verliert nie die Nerven. Darüber hinaus ist er ein guter Torhüter: Er bringt alles mit, kommt auch bei Ecken raus. Für mich ist er einer der komplettesten Torhüter, die ich in den letzten Jahren gesehen habe.“

… den HSV: „Realistisch eingeschätzt muss die Mannschaft eigentlich – wenn man das am Etat messen würde – im internationalen Geschäft tätig sein, um diesen monetären Aufwand zu rechtfertigen.“

… den Kampf des HSV um einen Platz im internationalen Geschäft und das anstehende Spiel bei den Bayern: „Es ist ein Schneckenrennen, keiner will die Schwächen des anderen wirklich ausnutzen. […] Am Wochenende in München hat der HSV nichts zu verlieren, jeder erwartet einen Sieg der Bayern – eine optimale Ausgangsposition!“

… HSV-Sportdirektor Frank Arnesen: „Ich weiß nicht, was er vorhat. Ich hatte mal einen Gesprächstermin – den hat er abgesagt. Ich habe dann nie mehr einen neuen bekommen. Das ist aber typisch für den HSV, liegt nicht nur an Arnesen: Spieler, die Verdienste haben, will man gar nicht haben. Aber das sehe ich ganz entspannt. Im Fußball kommen immer mehr Leute aus dem Marketing, aus der Wirtschaft und aus der Politik. Und Leute, die den Sport gelebt haben, werden immer weniger. Bayern ist da eine Ausnahme, auch Dortmund.“

… Hoffenheims Torhüter Tim Wiese: „Er hat nicht gut gehalten und muss akzeptieren, dass er mal auf der Bank sitzt. Mich irritiert nur, dass alles in den Medien ausdiskutiert wird, dass nachgetreten wird. Das Sportliche wird mit dem Privaten vermischt. Ich kenne ihn nicht persönlich. Das wünscht man keinem, dass es so abläuft. Er hat sicher keine goldenen Löffel geklaut. Jeder, der Fußballinsider ist, weiß, wie die Verhältnisse in Hoffenheim sind – deswegen wundert mich gar nichts mehr!“

… seine weitere Lebensplanung: „Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich irgendwann mal für einen Fußballklub arbeiten möchte. Nur nicht um jeden Preis. Ich muss nicht alles gutheißen, was der Mainstream denkt. Das gehört auch dazu und heißt ja nicht, dass ich kein Teamplayer bin – das habe ich schließlich jahrelang gemacht.“

… die gestiegen Personalkosten in der Bundesliga: „Alle in der Bundesliga sind am rödeln, dass sie ihre Kosten runter kriegen. Es wird immer schwerer, Sponsoren zu finden, die den Sport unterstützen. Die Bundesliga hat in den letzten Jahren ein Raubrittertum an den Tag gelegt. Es wurde immer mehr Geld ausgegeben für Spieler, die von der Qualität nicht unbedingt besser waren – das rächt sich jetzt. Viele Vereine müssen einfach reduzieren. Das ist aber auch eine Chancen für die Spieler, die hungrig sind.“

So, das war Frank Rost. Ein Mann der klaren Worte. So ist er, so wird er auch wohl immer sein. Ich wünsche ihm (recht bald) einen Posten in der Bundesliga, es wird sicherlich den einen oder anderen Verein geben, der sich beizeiten beim ehemaligen Nationalkeeper melden werden. Obwohl mir da in diesem Moment auch der Name Uli Stein in den Kopf kommt. Der Uli, ein Weltklasse-Torwart und auch einer, der immer die (gelegentlich unbequeme) Wahrheit auf den Lippen trug, wäre auch so gerne mal Manager oder Sportdirektor in der Bundesliga geworden, aber es gab keine entsprechenden Angebote. Deshalb bin ich mal gespannt, wie der Weg von Frank Rost verlaufen wird . . .

Leicht enttäuscht war und bin ich, das muss ich gestehen, über die Einschätzung von Marc-Andre ter Stegen (als Nummer eins Deutschlands). Da muss der gute Frank Rost wohl einige Fehler des Mönchengladbachers nicht gesehen haben. Für mich wären die die drei Keeper, die jetzt bei der Nationalmannschaft und vor ter Stegen sind, auf jeden Fall besser, dazukämen noch Leute wie Bernd Leno (Leverkusen) und Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt), der sic ja leider die hand gebrochen hat. Und dann auch noch der Düsseldorfer Fabian Giefer. Alle in meinen Augen besser als ter Stegen, obwohl ich auch eingestehen muss, dass ich natürlich viel, viel weniger Ahnung vom Torwartspiel habe, als Frank Rost. Deswegen ist es wohl auch eine kleine Anmaßung, dass ich mir dieses Urteil erlaube, aber das ist nun mal so. Es musste raus.

Themenwechsel. Gespannt bin ich nicht nur, wie sich das mit Frank Rost entwickelt (Bezüglich der Bundesliga), sondern auch in einem anderen Fall: Maximilian Beister. Eigentlich wollte ich über den nun gesperrten HSV-Profi nicht mehr so viel schreiben, weil doch schon (fast) alles geschrieben wurde, aber nach dem U-21-Länderspiel in Israel hat sich die Lage ein wenig geändert, denn: Beister wurde, obwohl fast der ganze Kader zum Einsatz gekommen ist, nicht mal eingewechselt. Tolgay Arslan spielte die ersten 45 Minuten, aber „Maxi“ Beister fand keine Berücksichtigung. DFB-Trainer Rainer Adrion ließ den Hamburger auf der Bank, und nun darf gerätselt werden: War das ein Denkzettel, geschah das aus Form-Gründen, oder passte Beister ganz einfach nicht zu diesem Spiel?

Die Frage ist aber auch, wie Maximilian Beister das einordnen wird? Er konnte ja schon beim HSV zuletzt mit einer Roll als Ersatzspieler nicht so recht etwas anfangen, und nun auch noch beim DFB. Und wer weiß, wie es mit der U 21 noch weitergehen wird. Im Sommer findet die EM in Israel statt, und „Maxi“ Beister gehört zur deutschen Mannschaft. Was aber ist dann, wenn der Hamburger seine Fünf-Spiele-Sperre in der Bundesliga abgebrummt hat? Er hat dann erstens keine Spielpraxis, und zweitens müsste ihn Thorsten Fink in den restlichen Spielen wohl och kräftig einsetzen, damit er diese Spielpraxis noch bekommt. Was aber ist dann, wenn Fink Beister nicht mehr so recht auf dem Zettel hat? EM dann ohne den HSV-Angreifer? Das wäre in der Tat ein ganz schwerer Schlag – für einen unbedachten Tritt aus dem Frust heraus.

Das wird noch eine spannende Geschichte, die sich da bis zum Ende der Saison abspielen wird.

Ansonsten war heute im Volkspark erneut herzlich wenig los. Erst liefen die wenigen HSV-Profis durch den Wald, anschließend ging es auf den Platz, dort gab es ein Kreisspiel und dann ein kleines Match auf noch kleiner Tore. Dabei waren Per Ciljan Skjelbred, Michael Mancienne, Dennis Aogo, Dennis Diekmeier, Christian Norgaard, Gojko Kacar, Sven Neuhaus und Jaroslav Drobny. Nur gelaufen ist (auf dem Platz) heute Ivo Ilicevic, nicht dabei war Artjoms Rudnevs, der leicht erkrankt ist (wie seine gesamte Familie).

Morgen, am Dienstag, wird im Volkspark um 10 Uhr trainiert.

Dann war ich heute noch wegen eines Matz-ab-Treffens unterwegs, doch das gestaltete sich doch ein wenig schwieriger, als ich gedacht hatte. Auf der Suche nach einer Lokalität bin ich noch nicht so recht fündig geworden – weil so etwas nun schriftlich laufen muss. Fest steht (für mich), dass wir das versprochene Matz-ab-Treffen am 19. April durchführen wollen – am Freitag vor dem Sonnabend-Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf. Den Termin könnt ihr euch schon einmal vormerken, ich denke, dass ich noch zeitig einen Raum finden werde – sollte es in der Raute, die meine Nummer eins ist, nicht klappen (können).

So, und nun raus damit – und euch und euren Lieben noch einen schönen Feierabend.

19.29 Uhr

“Die Nummer eins im Norden sind wir!”

24. Januar 2013

„Artjoms Rudnevs hat keine Angst. Er springt positiv brutal in den Ball.“
Diese Aussage von HSV-Trainer Thorsten Fink, der über die Vorzüge seines lettischen Stürmers sprach, wurde von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zum Spruch des Tages gewählt.

Hoffentlich springt der gute „Rudi“ auch am Sonntag wieder „positiv brutal“ und zugleich erfolgreich in den Ball – und macht mindestens ein Tor. Vielleicht sogar das Siegtor!? Wäre nicht ganz unwichtig, denn es geht ja im Nordderby gegen den ewigen Rivalen von der Weser. Und darum, wer die Nummer eins im Norden wird und ist. Noch ist es, wenn man mal ganz relaxt auf die Tabelle blickt, der HSV. „Die Nummer eins im Norden sind wir!“ Auch wenn es noch natürlich sehr eng ist, aber das kann sich an diesem Wochenende ja schon ändern. In Hannover spielen sie gegen Wolfsburg unentschieden, und der HSV gewinnt – das wäre doch schon mal eine Hausnummer.

Die Voraussetzungen sind gut – für den HSV. Werder dürfte noch damit zu tun haben, die 0:5-Klatsche gegen Dortmund zu verdauen, und der HSV hat mit einer erstklassigen (oder auch nur guten) Leistung in der zweiten Halbzeit in Nürnberg bewiesen, dass er weiß, worum es geht. Und auch wie es geht. Da zudem bis auf Michael Mancienne personell aus dem Vollen geschöpft werden kann, stünde einem ersten Sieg des HSV über die Bremer kaum etwas im Wege. Und Thorsten Fink, der als Hamburger bislang drei Anläufe nahm, gegen Werder zu gewinnen, aber jedes Mal verlor, sehnt sich – ebenso wie Sportchef Frank Arnesen – nach einem HSV-Dreier gegen Werder.

„Ich will dieses Spiel am Sonntag auf jeden Fall gewinnen, weil ich endlich auch mal dieses Derby gewinnen möchte. Es geht ja auch darum, dass wir uns nach oben weiter festsetzen können, dass wir Bremen auf Distanz halten – und wir die ganze Region ist es auch wichtig, dass man dieses Heimspiel gewinnt. Und wir sind in letzter zeit ja sehr heimstark . . .“ Fink sagte weiter: „Wir haben zudem keine personellen Probleme, den Ausfall von Mancienne werden wir verkraften können, denn wir haben gute Leute dahinter.“ So wie Jeffrey Bruma, der in Nürnberg für Mancienne gekommen ist und seine Sache auch gut machte. Bruma gibt mir, vielleicht ja nicht nur mir, Rätsel in der Art auf, dass er eigentlich alle und auch allerbeste Voraussetzungen hätte, Stammspieler als Innenverteidiger des HSV zu sein. Bislang hat er das nicht geschafft, weil da in meinen Augen immer ein „kleiner Tick“ fehlte.

Und zwar in Sachen Engagement. Bruma versucht es immer auf die coole Art, zu cool für mich. Wenn er mehr Herz zeigen würde, wenn er deutlich mehr für die Mannschaft (und die Gemeinschaft) geben würde, dann wäre er aus der Mannschaft nicht zu verdrängen. Weil er eigentlich alles kann. Wenn ihm das (alles) einmal jemand unter vier Augen erzählen würde, damit er sich dann zu seinem Vorteil verändern würde, dann wäre der HSV (und auch Jeffrey Bruma) sicherlich einen großen Schritt weiter. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass Bruma auf den Spuren von Gökhan Töre weilt. Auch in diesem deutsch-türkischen Fall droht ein großes Talent seine rosige Zukunft leichtfertig zu verschleudern. Aber vielleicht wacht Bruma ja auch genau jetzt, wo er eine erneute Chance der Bewährung erhält, endlich einmal auf – und zeigt alles, was er kann. Und lässt eben genau jene kleine Unkonzentriertheit weg, die er fast immer mal in einem Spiel gezeigt hat.

Thorsten Fink sagt, dass er in Richtung Sonntag keine große Veranlassung hat, die Mannschaft groß umzukrempeln. Das ist sicherlich auch richtig so. Eine Frage aber wird der Trainer noch zu beantworten haben: Tolgay Arslan oder Per Ciljan Skjelbred? Arslan wurde in Nürnberg, weil er gelb-rot-gefährdet war, in der 38 Minute vom Rasen genommen. Eine Vorsichtsmaßnahme. Skjelbred kam und machte seine Sache auf Anhieb nicht nur gut, sondern auch ein wenig besser als Arslan. Noch aber hat der Deutsch-Türke einen kleinen Bonus, einen (hauchdünnen?) Vorsprung gegenüber dem Norweger. Den hat sich Arslan durch gute und sehr gute Leistungen in der Hinrunde erarbeitet. Und es ehrt Fink, wenn er deshalb an dem Mittelfeld-Talent festhält. Noch. Ich glaube ja, dass Arslan gegen Werder von Beginn an spielen wird – doch der Druck wird nicht klein sein für ihn. Skjelbred wird auf der Bank sitzen und auch seinen Einsatz warten – ja, er wird brennen. Thorsten Fink zur Problematik Arslan/Skjelbred: „Per ist drauf und dran, in die Mannschaft zu kommen, aber ich überlege noch, ob ich das schon am Wochenende machen werde – weil Tolgay sich in der Hinrunde sicherlich einiges Gutes erspielt hat. Und wir brauchen ihn, gerade auch dann, wenn Rafael van der Vaart einmal ausfallen sollte. Ich schaue mal, will mich aber noch nicht festlegen“

Wobei Arslan natürlich auch ein wenig in der Zwickmühle steckt. Die beständig guten Leistungen, auf die der Coach jetzt verweist, die hat er – zur Überraschung vieler Experten (auch für mich!) – auf der „Sechs“ gezeigt. Da aber spielt längst Milan Badelj, sodass Arslan nun „rechtsdraußen“ sein Glück versuchen muss. Unglückliche Geschichte, denn ich denke mal, dass das nicht unbedingt sein Spiel ist. Auf der Sechs, obwohl ich ihm das in dieser Form nicht zugetraut hatte, hat er das Spiel des Gegners teilweise mit Auge, teilweise auch recht aggressiv zerstört. Arsan sah dabei das Spiel auf sich zukommen, eroberte den Ball und wusste zugleich bestens, wie er den Spielaufbau in die richtigen Bahnen lenken konnte. Genau das hat ihn zentral (auf der „Sechs“) ausgezeichnet. Rechtsdraußen aber ist ein anderes Spiel. Das konnte er zwar einst ganz gut, aber die „Sechs“ konnte er in dieser Saison am besten. Da hatte er seine beste Phase beim HSV. Nun bleibt aber abzuwarten, wie sich das alles für ihn weiter entwickeln wird. Skjelbred sitzt ihm im Nacken, Arslan könnten den Atem des Norwegers spüren – ob das bei dieser ohnehin nicht so ganz glücklichen Konstellation förderlich für ein gutes und selbstbewusstes Spiel ist? Ich habe da meine Zweifel.

Viel wird natürlich auch davon abhängen, ob der HSV es diesmal schaffen wird, von Beginn an Leben zu zeigen. „Wir haben in der zweiten Halbzeit zwar ordentlich gespielt, trotzdem müssen wir lernen, von Anfang an das zu machen, was wir in Nürnberg im zweiten Durchgang gemacht haben. Wenn wir das begreifen, mit Spaß und Freude, trotzdem aber auch aggressiv zu spielen, dann wird die Mannschaft noch das eine oder andere Spiel gewinnen – und am Sonntag erst einmal das wichtigste Spiel für uns“, sagte Thorsten Fink. Trotz der 0:5-Pleite gegen Dortmund wird dieses Spiel nicht leicht für den HSV. Fink: „Das weiß doch jeder. Das wird nicht einfacher durch dieses 0:5. Wir müssen dem Gegner zeigen, dass wir gut drauf sind. Sind wir am Anfang aber zaghaft, dann wird Werder Selbstvertrauen aufbauen können – und dann wird es schwer. Werder hat mit Thomas Schaaf einen sehr erfahrenen Trainer, er wird seine Mannschaft sicherlich heiß machen – wir müssen es schaffen, heißer als Werder zu sein.“

Noch nicht mit von der Partie am Sonntag wird wohl Petr Jiracek sein. Der Tscheche trainiert erst seit einer Woche mit der Mannschaft und wird sich auch weiterhin in Geduld üben müssen. Fink: „Er ist weiter an die Mannschaft herangerückt, aber er braucht auch noch Spielpraxis. Er war ja lange verletzt. Aber er wird in Zukunft sicherlich noch ein wertvoller Spieler für uns, nur hat er ja auch große Konkurrenz bei uns im Mittelfeld. Und wenn er jetzt schon dabei wäre, wäre das gegenüber den anderen Spielern auch ein bisschen ungerecht, denn die haben alle gut trainiert und befinden sich auch in einer bessere Verfassung. Jira muss noch einige Trainingseinheiten absolvieren, um wieder in den Kader zu rutschen.“

Schade eigentlich.

Nach dem Heimspiel gegen Werder wartet bekanntlich eine Woche später Eintracht Frankfurt (am 2. Februar) im Volkspark als Gegner. Und danach geht es für viele Spieler auf Länderspiel-Reisen. Bislang sind sieben HSV-Spieler in dieser Zeit zu ihren Nationalmannschaften gerufen worden: Heung-Min Son soll mit Südkorea am 6. Februar gegen Kroatien spielen, Jeffrey Bruma trifft mit der niederländischen U-21-Mannschaft auf Kroatien, Tomas Rincon absolviert mit Venezuela vom 3. bis zum 7. Februar einen Lehrgang in Spanien, Jaroslav Drobny und Petr Jiracek sind vom tschechischen Nationaltrainer zum Spiel gegen die Türkei (6. Februar) eingeladen worden, Christian Nörgaard spielt mit Dänemarks U 19 am 5. Februar gegen England, und der derzeit verletzte Jacopo Sala ist für Italiens U 21 gegen Deutschland (6. Februar) vorgesehen.

Und am 6. Februar wird die deutsche Nationalmannschaft zudem ein Freundschaftsländerspiel in Paris gegen Frankreich bestreiten, und da könnte dann Torhüter René Adler dabei sein. Apropos Adler. Ich traf heute am Gänsemarkt Andreas Köpke. Der deutsche Torwart-Bundestrainer besucht derzeit den Norden, besuchte in Hamburg Freunde (wird also kein Torwart-Trainer beim HSV – nein, ein Scherz!) und ist morgen bei seinen Eltern in Kiel zu Gast – und sieht sich am Sonntag HSV gegen Werder an. Auch sicherlich deshalb, um die Form von Adler zu überprüfen. Ich habe dem „Andy“ Köpke von Adler vorgeschwärmt („Bester Einkauf seit Jahrzehnten“) – hoffentlich zweigt es der HSV-Keeper dann auch am Sonntag. Aber da bin ich mir eigentlich absolut sicher, dass er das tun wird.

Auf dem Gang in die Redaktion habe ich noch kurz über Andreas Köpke nachgedacht. Wir kennen uns schon lange, lange. Als er noch das Tor von Holstein Kiel hütete. Da war es einst gute Sitte, dass die Holsteiner in Quickborn ihr Trainingslager aufschlugen – und denn gegen den Namensvetter Holstein ein Testspiel austrugen. Ich saß in der Hoffnung, dass sich mal ein Quickborner vor das Köpke-Tor verirrte, immer neben dem Kieler Tor – und hatte viel, viel Zeit, mit dem Keeper zu plaudern . . . Bei der Nationalmannschaft trafen wir uns dann später wieder. Erst als Torwart Nummer eins, dann als Trainer. Köpke ist klasse. Das nur mal am Rande. Und ich frage mich seit heute, was eigentlich aus Holstein Quickborn geworden ist. Man, mit dieser Super-Sportanlage, mit diesen engagierten Funktionären? Wie geht so etwas? Aber damit nun auch genug.

Noch einmal kurz zurück zum HSV. Auch Rafael van der Vaart hat in Hamburg noch nie gegen Werder (wie unangenehm!) gewinnen können. Er will das natürlich ändern, denn er sagt: „Wir sind im Moment besser, ich habe deshalb gute Hoffnungen, dass wir gewinnen werden.“

Das ist doch mal ein gutes Schlusswort!

PS: Morgen wird im Volkspark um 10 Uhr geübt.

19.12 Uhr

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