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Adler will fliegen – schon in Jena

31. Juli 2013

Viel los war heute wahrlich nicht. Neben zwei Zuschauern, einem Jogger, einem Fahrradfahrer und einer Gruppe Behinderter saßen da noch drei Kollegen und ich. Zwei Fotografen dokumentierten die verwaiste Fußballlandschaft an diesem herrlichen Mittwochnachmittag abseits der Imtech-Arena. Obwohl, da waren natürlich noch die beiden Hauptakteure auf dem großen Trainingsplatz: Torwarttrainer Ronny Teuber und das größte Fragezeichen im HSV-Kader, Rene Adler. Spielt er am Sonntag schon in Jena mit? Oder pausiert er weiterhin und es wird sogar eng bis zum Saisonauftakt am 11. August beim FC Schalke? „Ich habe Schmerzen“, sagt Adler heute nach rund 80 Minuten Einzeltraining. Allerdings relativeierte Adler seine Aussage sofort wieder: „Schmerzen, wie sie nach so anstrengenden Einzeltrainings normal sind. Diese Einheiten sind deutlicu intensiver als normales Mannschaftstraining.“

Kein Zweifel, Adler, der am Dienstag im Sky-Interview klar formulierte, dass man in dieser Saison mehr von der Mannschaft verlangt als in der abgelaufenen Saison, ist heiß. Sehr heiß sogar. „Aber nicht so heiß, dass ich übermotiviert wieder einsteige und dann ausfalle“, verspricht er. Stattdessen warte er jeden Tag ab, wie sich die anstrengenden Einheiten auf seinen Körper auswirken. „Erst, wenn es keinen Zweifel mehr gibt, steige ich wieder voll ein.“ Und das am liebsten mit einem „Tunneler“ bei seinem Kollegen Dennis Diekmeier. „Ich freue mich auf den ersten Kreis, den ich wieder mitspiele und auf den ersten Ball, den ich Dennis durch die Beine schiebe. Das könnt ihr gern so aufschreiben.“

Adler wirkt locker. Motiviert und fokussiert. Er weiß, dass die nächsten Tage für ihn ganz wichtig sind, dass er eine Saison vor sich hat, in der vieles funktionieren muss. Immerhin steht neben dem großen Ziel Europapokal mit dem HSV auch eine WM vor der Tür. „Wir haben viele Nationalspieler aus vielen Nationen, die dahin wollen. Und wir alle wissen, dass wir dafür Erfolg als Mannschaft brauchen. Haben wir den, ist das auch für den Einzelnen klar von Vorteil.“ Eine Gleichung, die ich andersrum aufgezäumt hätte (bessere Leistung als Mannschaft – mehr Erfolg – bessere Bewertungen von außen – bessere Chancen, für die jeweilige Nationalelf berufen zu werden) – aber egal. Geht auch so. Denn, und da bin ich mir mit Adler zu 100 Prozent einig: „Am Ende geht alles nur über die Mannschaft!“

Und die Stimmung ist gut. Im Training wechseln sich rassige Zweikämpfe und umkämpfte Spiele mit entspannten Pausen ab. Es wirkt sehr ehrgeizig – und zumeist harmonisch. „Das ist es auch“, sagt Adler und bezieht insbesondere auch die Spieler mit ein, die weiterhin verkauft werden sollen. „Es gibt da keine Stinkstiefel, alle verhalten sich wie Profis. Obwohl es eine alles andere als leichte Situation für sie ist, lässt sich keiner hängen.“

Zudem ist die Stimmung insgesamt besser als in der abgelaufenen Saison. „Da war es auch gut, aber diesmal haben wir klare Ziele für uns“, sagt Adler. „Ohne da irgendeinen falschen Druck zu machen, haben wir intern das klare Ziel ausgegeben, nach Europa zu kommen. Das ist sicherlich nur ein Ziel und kein Versprechen. Aber wir können versprechen, dass wir immer 100 Prozent geben – und mehr. Wenn wir so kämpfen wie im letzten Spiel gegen Leverkusen, dann springt der Funke über aufs Publikum und umgekehrt. Das in der Mehrzahl der Spiele und dazu unsere spielerische Klasse, die wir jetzt haben – dann können wir nur nach Europa fahren.“

Oha. Sehr optimistisch. Und mutig. Aber das ist Adler. Auch, was seine persönliche Prognose anbelangt. Denn obwohl Trainer Thorsten Fin am Dienstag unmissverständlich sagte, Adler bräuchte mindestens ein Spiel, bevor er ihn zum Bundesligaauftakt gegen Schalke in den Kasten stellt, sieht Adler das etwas anders. Ob er auch ohne ein Spiel vorweg quasi per Kaltstart in die Bundesliga gehen könnte? „Klar, das hab ich schon häufiger machen müssen. Ich habe keine Angst davor.“ Dennoch setzt Adler darauf, vor dem Spiel in Gelsenkirchen Matchpraxis zu sammeln. „Es wäre nicht schlecht, schon am Wochenende zu spielen und wieder das Gefühl für das Spiel zu gewinnen.“ Nicht, dass er das unbedingt bräuchte, dafür hätte er in seinem Leben schon genug Bälle gehalten. Nein, dass er es kann weiß er. Aber allein fürs Selbstvertrauen sei das wichtig. „Es reicht manchmal schon aus, dass man plötzlich bemerkt, wie zuvor schmerzhafte Bewegungen wieder reibungslos gehen.“ Wie heute im Training? „Ungefähr so“, lacht Adler, der einst in Leverkusen mehr oder weniger per Kaltstart seine Bundesliga-Premiere feierte, als er den rotgesperrten Jörg Butt vertreten musste.

Apropos Bayer Leverkusen: Bei dem Werksklub startet Levin Öztunali gerade durch. Und ich befürchte, dass alle Kritiker der letzten Monate Recht behalten werden und sich der HSV in kürzerer zeit mächtig in den Allerwertesten beißen wird. Weil für einen Verbleib des allseits anerkannt größten Talentes innerhalb des Klubs schlichtweg nicht genug getan wurde. Dabei hätte ein Jahresgehalt von Kacar locker gereicht, um Öztunali für die nächsten Jahre zu binden und zu fördern. Und dieses Versäumnis heben auch die Transfers wie Nörgaard etc. nicht auf. Nicht einmal der Verbleib von Tah. Aber das nur am Rande.

Mehr gab es heute nicht. Außer die Ansage von Marcell Jansen, dass er am Feitag wieder ins Training einsteigen wolle. Das wiederum würde Fink nicht richen, um den Linksfuß gegen Jena aufzustellen. “Wenn Marcell nicht vor Freitag trainieren kan, beginnt Dennis Aogo hinten links.” Wie heute in Dresden. Aber davon gibt es nachher noch mehr zu lesen…

Für mich soll es das erst einmal gewesen sein. Nachher, im Anschluss an den Benefizkick von Rafael van der Vaart und Co. in Dresden, meldet sich Dieter mit einem kleinen Update bei Euch. Ich wünsche Euch bis dahin einen schönen Abend und freue mich auf morgen!

Scholle

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