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Fußball verkehrt: HSV stürmt, Bayern mauert

6. April 2015

Hoffnung?

„Dieter, zeig mir Deinen Strohhalm, mach’ mir irgendwie noch Hoffnung . . .“

 

Das höre ich seit dem 0:4-Debakel von Leverkusen immer wieder.

 

Strohhalm? Hoffnung? Habe ich nicht mehr. Ehrlich. Damit kann ich nicht mehr dienen. Ich bin am Ende aller Träume angelangt. Der HSV blamiert sich von Woche zu Woche mehr, wird zum Gespött in ganz Deutschland, nur in Hamburg haben die Verantwortlichen immer noch nicht kapiert, dass es bereits zehn Minuten nach Zwölf ist. Am vergangenen Sonntag bot ein Zuschauer beim Sport1-Doppelpass per Telefon folgende Wette an: „10 000 Euro, dass dieser HSV in dieser Saison kein Spiel mehr gewinnt . . .“ Ich werde nicht dagegenhalten.

 

 

In diesem Zusammenhang fällt mir ein, was der frühere Nationalspieler Dietmar Hamann (einst FC Bayern und Liverpool) und heutige Sky-Experten nach der Abfuhr gegen Bayer über den HSV gesagt hat: „In der Winterpause habe ich schon gesagt, dass der HSV spielerisch mit die schwächste Mannschaft ist. Ich bin mir sicher, dass der HSV absteigt – und zwar direkt.“ Über die Gründe sagte Hamann: „Der HSV hat jetzt jede Menge Kompetenz mit Beiersdorfer, Peters und Knäbel. Wenn ich dann Zinnbauer im Oktober hole, muss ich mit ihm durch die Saison gehen. Sonst gibt man den Spielern Alibis. Darum hatte ich gedacht, dass man sagt: ‘Der Joe bleibt hier’. Der HSV muss jetzt zeigen, dass man die sportliche Kompetenz auch in Ergebnisse ummünzen kann.“
Noch einer, der den HSV abstürzen sieht, und zwar direkt, nicht über Los. Willkommen im Club, Herr Hamann!

 

Ja, Ratschläge kommen von vielen Seiten, von oben, von unten, von links und von rechts. Aber erstens nehmen die Herren ohnehin nichts an, und zweitens ist jetzt sowieso alles zu spät.

 

Mich hat eine Passage des Blogs von Lars Pegelow gestern besonders beeindruckt, angesprochen. Peter Knäbel, der HSV-Interimscoach, hat bei der Pressekonferenz nach der 0:4-Abfuhr im Beisein seines Kollegen von Bayer Leverkusen auf die Frage, wie er sich in seinem ersten Trainer-Einsatz dort unten an der Außenlinie gefühlt hat, geantwortet: „Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Ich glaube, der Kollege Schmidt hat nicht jemanden gesehen, der so funktioniert wie ein Anfänger. Die Position passt mir, ich habe mich wohl gefühlt da unten.“

 

Er hat sich also wohl gefühlt dort unten. Irgendwie sah man es ihm an. Ich weiß nicht warum (lag es an den Klamotten?), aber ich habe, wenn der HSV-Coach gezeigt wurde, immer an Sepp Herberger jun. gedacht. Aber geht es eigentlich ums „Wohlgefühl“ des HSV-Trainers? Geht es um Peter Knäbel und wie er sich dort fühlt? Nein, darum geht es weiß Gott nicht. Darum geht es zuletzt Es geht um den HSV! Nur um den HSV. Und darum, ob eine HSV-Mannschaft auch so funktioniert, wie sie funktionieren sollte, bevor es auf den Acker geht. Und dieser HSV funktionierte in diesem Jahr höchst selten, seit Wochen überhaupt nicht mehr – und in Leverkusen schon gar nicht.

 

Und dann komme ich mal zum Thema Anfänger. Der Herr Schmidt wird wahrscheinlich ein wenig schmunzeln – vielleicht aber auch ein wenig lachen. Eventuell gibt er ja mal einen kleinen Wink aus Leverkusen herüber, oder lässt einen kleinen Wink geben . . .
Also, Anfänger:

 

Alle Welt ist sauer auf Johan Djourou, weil er einen so schlampigen Pass auf Heiko Westermann gespielt hat. Ich habe hier meine – und etwas andere – Sichtweise auf dieses schon „tödliche“ Gegentor in der siebten Minute.

 

Der HSV steht seit Wochen mit dem Rücken zur Wand. Weiß jeder. Dann kommt ein neuer Trainer, nach eigenem Bekunden kein Anfänger, und sieht folgende großartige Leistung seiner von ihm eingestellten Mannen: Einwurf von Nicolai Müller, der fast an der rechten Eckfahne steht. Er wirft den Ball in Richtung Ivica Olic, aber die Kugel landet bei einem Bayer-Profi – und der schlägt den Ball nach vorn. Sie landet bei Johan Djourou, der gefühlt zehn bis 15 Metern in der Bayer-Hälfte steht. Er passt den Ball auf den neben ihm, auf gleicher Höhe stehenden Heiko Westermann, der nicht an den Ball kommt – und der Konter läuft. Alle laufen sie um ihr Leben, Leverkusener und Hamburger. Hamburger aber nur hinterher. Und drin das Ding.

 

Und wer jetzt ganz genau aufgepasst hat, der wird gemerkt haben, wo hier der Hase im Pfeffer liegt. Wo standen Djourou und Westermann? Bei einem Einwurf an der rechten Eckfahne? Jawollo, sie standen weit in des Gegners Hälfte. Um Leverkusen kaputtzustürmen? Das ist eine der bittersten Leistungen, die der HSV seit langem vollbracht hat. Das ist so etwas von amateurhaft, dass es nur noch blamabel zu nennen ist.

 

Was bitte hat ein Johan Djourou, und was hat ein Heiko Westermann – jeweils als letzte defensive Absicherung – in der Hälfte Leverkusens zu suchen? Nichts! Absolut nichts! Wollte der 16-Törchen-HSV das Team von Bayer Leverkusen in Grund und Boden spielen? Wacht endlich mal auf, Ihr hohen HSV-Herren, wacht endlich auf!

 

Und es gibt ein Parade-Beispiel von diesem Wochenende, wie man es auch machen kann:

 

Der große FC Bayern mauerte an diesem Wochenende in Dortmund. Der Rekordmeister trat ohne Robben, Ribery und Alaba an, dafür aber mit gleich acht Defensivspielern. Und gewann 1:0 in Dortmund. Obwohl München nur etwa 32 Prozent Ballbesitz hatte, und auch nicht allzu viele Tormöglichkeiten. Aber die Bayern ließen eben auch nicht sonderlich viel zu. Zwei Chancen hatte Dortmund, mehr nicht. Weil sich alle Bayern-Spieler an die taktische Marschroute ihres Trainers, der immer noch Pep Guardiola heißt, hielten. Sie hielten sich auch deswegen dran, weil sie sonst von ihrem Trainer „vom Eis gezerrt“ worden wären. So geht es zu bei Rekordmeistern.

 

Der heutige Aufsichtsrat und frühere HSV-Kapitän Peter Nogly, der es einst auf 320 Bundesliga-Spiele für den HSV gebracht hat, verließ 1980 den HSV. Aus Verärgerung. „Mir hatte Branko Zebec die Lust am Fußballspielen genommen“, hat mir Nogly vor einiger Zeit mal verraten. Wie? Lust am Fußballspielen genommen? Nogly: „Weil er mir als Abwehrspieler verbot, über die Mittellinie zu gehen. Und man durfte auch mit keinem Weitschuss versuchen, ein Tor für den HSV zu erzielen. Wenn wir uns widersetzten, dann gab es Ärger ohne Ende!“ Da hat also ein Trainer seinem Abwehrspieler – und das gleich mehrfach und wiederholt – verboten, über die Mittellinie zu gehen? Was sind denn das bloß für Methoden? Das ist ja Fußball aus dem Mittelalter! Heute muss, egal ob man es kann oder auch nicht, mit jedem Gegner mitgespielt werden. Da kann man nicht hinten mal dichtmachen und hoffen, dass vorne der liebe Gott hilft – mit einem Törchen. Das geht nicht. Kürzlich spielte, fällt mir gerade ein, Hertha BSC aber genau so. Nicht in Hamburg beim 1:0-Sieg, nein, da muss man es auch nicht sonderlich herausstellen, sondern zuvor beim 0:0 in Stuttgart. Beim Tabellenletzten. Da wurde gemauert und auf Konter gehofft. Und es hat geholfen – es gab ein wertvolles Pünktchen.

 

Zum Thema Bayern in Dortmund befand übrigens Dietmar Hamann noch beiläufig: „Es war aus der Not geboren, aber das Spiel war richtungsweisend. Pep und die Mannschaft haben gesehen, dass sie nicht immer auf Pressing und Ballbesitz spielen können, wenn sie gegen starke Mannschaften spielen. Gegen Mannschaften wie Barcelona werden sie vielleicht auch so spielen. Das kommt auch Lewandowski entgegen. Wenn sie so spielen, ist er die beste Nummer neun der Welt.“

 

Aus der Not heraus geboren! Als kommender Meister – nicht als kommender Absteiger! Alle Achtung!

 

Und selbst auf die Gefahr hin, dass ich mich nun völlig lächerlich mache, muss ich mal eine Geschichte von mir erzählen. Bevor ich B-Lizenztrainer in den Herrenbereich wechselte, trainierte ich fünf Jugendmannschaften bei drei verschiedenen Vereinen. Die letzte Station war dabei der 1. SC Norderstedt, die C-Jugend. Wir wurde, wie alle meine Jugend-Teams, Staffelmeister und trugen Aufstiegsspiele zur Sonderklasse aus. Schön daran ist ja, dass ich das so schreiben kann, und falls es nicht stimmen würde, gäbe es bestimmt die eine oder andere Stimme, die mich widerlegen würde – falls ich Unsinn schreibe. Ist aber kein Unsinn. Wir gewannen Spiel eins, mussten dann auf neutralem Platz (Hagenbeckstraße) gegen St. Pauli antreten. Die Braunen hatten ihr erstes Spiel 19:0 (!) gewonnen. Hatten wir überhaupt eine Chance? Schon in der Woche bereitete ich die Mannschaft auf „Anti-Fußball“ hin. Und unmittelbar vor dem Spiel beschwor ich die Spieler, sich unbedingt – ein einziges Mal – an diesen „Anti-Fußball“ zu halten. Ich weiß, das ist nicht das Gelbe vom Ei, aber wir wollten uns von St. Pauli nicht überfahren lassen. „So viele Bälle, wie wir sie heute in die Wicken schlagen, können die gar nicht haben. Bei Einwürfen, Anstößen und Freistößen lassen wir uns alle Zeit der Welt . . .“ Und vorne hilft der liebe Gott. Und er half. Einmal waren wir vorne – Tor, 1:0 gewonnen. Und die Väter meiner Spieler trugen mich auf Schultern vom Platz. Aufgestiegen, das nur nebenbei, sind wir aber dennoch nicht!

 

Ja, ja, ich höre es jetzt schon, „das ist Jugend-Fußball – wie bitter und primitiv ist das denn?“. Und: „Bei den Profis geht es eben ganz anders, viel härter zu.“ Stimmt. Ich möchte mit dieser Geschichte ja auch nur andeuten, dass man sich durchaus auf ein Spiel richtig und nach seinen Mitteln (das, was die Mannschaft tatsächlich hergibt!) einstellen kann. Und nicht einfach nur zusehen, wie meine letzten Abwehrspieler weit vorne in der gegnerischen Hälfte herumturnen. Leverkusen hätte mit einer Defensiveinstellung des HSV die Lust am Fußball genommen werden müssen, die einzige Chance in meinen Augen, die der HSV gehabt hätte – aber nein, es muss ja mitgespielt werden. Motto: „So schlecht, wie wir stehen, sind wir ja gar nicht.“ Genauso nämlich dachten die HSV-Trainer einst vor einem 2:9 und auch vor einem 0:8 in München . . . Wahnsinn – Größenwahn(sinn).

 

Übrigens: Eine einzige Chance hatte der HSV in den 90 Minuten von Leverkusen. Das war in der 64. Minute, als Nicolai Müller an Torwart Leno scheiterte. Soviel mal zur Hamburger Offensivleistung.

 

Und da frage ich mich schon und immer noch und immer wieder: Wieso schreitet da eigentlich niemand von den „hohen Herren“ ein? Warum wird nicht vorher mal ein Marschroute abgesprochen – und dann von allen abgesegnet? Das geschieht in fast jedem zweiten oder dritten Amateurverein. Hier wird der Trainer, oder wurde der Trainer, bei fast jedem seiner Schritte in der Kabine verfolgt, auch mit der Videokamera, um ihn zu „coachen“. Was er gut macht, was er falsch macht! Aber um das Wichtigste, nämlich die taktische Auslegung in den jeweiligen Spielen, da wird nichts unternommen. Das ist so lächerlich und soweit von profihaft entfernt, dass es schon komische Züge trägt. Das ist für mich nur unfassbar. Und so spielt dann eben auch nur ein Absteiger, ganz klarer Fall.

 

Wenn Peter Knäbel, gegen den ich als Mensch überhaupt nichts habe, im Gegenteil, wir haben uns all die Jahre sehr, sehr gut verstanden, aber darum geht es ja auch gar nicht. Er könnte bestimmt auch der richtige Sportchef für den HSV sein (ist nachzulesen, ich habe nie etwas anderes geschrieben oder gesagt), wenn Peter Knäbel jetzt sagt, dass er weiß, auf wen er sich verlassen kann, dann hoffe ich mal für ihn, dass er daraus auch die richtigen Konsequenzen zieht – und vor allem ziehen kann! Ich finde, dass das einzig Gute zurzeit ist, dass sich jeder HSV-Fan beizeiten darauf einstellen kann, was nach dieser Saison Fakt sein wird. Da gibt es dann kein plötzliches Erwachen, denn so langsam müsste auch der Letzte wissen, wohin hier der Hase laufen wird.

 

So viel zum Team Anfänger. Tragisch für mich ist nur, dass sich mit diesem 0:4-Desaster von Leverkusen die Geschichte nur wiederholt hat. Als der „große“ (Fehleinkauf) Bert van Marwijk noch die 2:4-Niederlage in Braunschweig einfahren durfte, war das genau ein Spiel zu viel. Das war damals wie heute ein verschenktes Spiel. Und davon darf sich ein abstiegsgefährdetes Team eigentlich keines erlauben. Wieso also spielte der HSV in Leverkusen mit? Leiden die alle dort oben unter Größenwahn? Wie beurteilen die eigentlich die momentane Situation wirklich? „Es gibt noch sieben Spiele, also 21 Punkte zu gewinnen – keine Panik.“ So scheint es wohl zu sein. Und eigentlich ja auch egal, zum Aufwachen ist es ohnehin schon zu spät . . .

 

Herr Tuchel, übernehmen Sie! In Liga zwei.
Und wo ich gerade bei Tuchel bin, der frühere Mainzer (oder er ist ja Noch-Mainzer) hat heute einem möglichen neuen Arbeitgeber abgesagt, nämlich Rasenballsport Leipzig.

 

Ein etwas anders gelagertes Thema: Wer immer noch jammert, wie schlecht es dem HSV (finanziell) geht, und dazu gehöre vor allem auch ich (!!!), der sollte vielleicht doch mal nach Augsburg, Mainz oder auch Freiburg blicken. So gesehen geht es dem HSV nämlich blendend, nur daraus macht er nichts. 33 Millionen wurden vor dieser Saison verschenkt, weil nichts passierte. Und im Winter wurde zugesehen, weiteres Geld zu sparen. Motto: „Das wird schon noch.“ Ich habe an diesem Wochenende auch die Dritte Liga gesehen, da gibt es Vereine, die fünf, sechs oder sogar sieben neue Spieler im Winter geholt haben, aus Angst, nicht abzusteigen. Und diese Neuzugänge spielen auch fleißig. Beim HSV wurden die Augen verschlossen, trotz der – zum Beispiel – einzigartigen Torflaute. Und mit Ivica Olic wurde, so Sportdirektor Peter Knäbel damals, der „Wunschspieler“ verpflichtet. Immerhin.
Er mag ja schlecht trainieren, der Artjoms Rudnevs, aber ich weiß, dass er sich bislang bei keinem Einsatz für den HSV um einen Einsatz gedrückt hat. Er hat sich, wie schlecht auch immer er am Ball war, stets den Hintern aufgerissen. Zuletzt wurde er dafür mit einem Platz (Plätzen) auf der Tribüne „belohnt“. Verkehrte Welt.

 

Zu diesem Thema passt nun bestens die Vorhersage von Dietmar Beiersdorfer: „Wir werden alles dafür tun, damit am Sonnabend gegen Wolfsburg ein Team auf dem Platz steht, das um sein Leben kämpft.“

 

Es kommt mir vor, als wenn ein jeder HSV-Spieler wie zuletzt immer sagt: „Das nächste Spiel ist für uns das wichtigste, da werden wir uns als Mannschaft präsentieren.“ Jo, genau.

 

Bei der Gelegenheit: Mir ist aufgefallen, dass Valon Behrami seit Dortmund-Spiel, in dem er im ganzen Land wegen seiner Fouls angeprangert worden war, nun nur noch handzahm Fußball spielt. Er war zuvor aggressiv, er eroberte viele Bälle, ging kämpferisch voran, weckte auf, motivierte, riss mit – alles vorbei. Wieso?

 

Mein Resümee nach Spiel eins mit dem dritten Trainer der Saison: Wer geglaubt hatte, dass es nur durch Handauflegen mit einem Male eine neue, frische, flott spielende HSV-Mannschaft geben würde, dem ist tatsächlich nicht zu helfen. Peter Knäbel hat gegenüber seinem Vorgänger Joe Zinnbauer nichts (oder kaum etwas) geändert. Wie könnte er auch? Neue Spieler hat auch er nicht zur Verfügung, und wenn er jetzt den Kniff der Kniffe gehabt hätte, dann wäre das eher übel gewesen, denn: Dann hätte er diesen Kniff auch dem guten „Joe“ verraten können, denn dafür wäre ein Sportchef ja eigentlich da gewesen. Es geht, wie schon gesagt, nur um den HSV, und zwar nur.

 

Zum Schluss fällt mir dann auch noch der gute und „ewige Loddar“ ein, Lothar Matthäus. Der hat einst gesagt: „Wir dürfen jetzt nicht den Sand in den Kopf stecken.“

 

So, ich bin, wie eingangs schon geschildert, restlos am Ende. Schönes Rest-Osterfest noch – und einen guten Start in die neue Woche. Ich möchte mich schnell noch bei unseren „Matz-ab-live-Gästen „Lars 49“ und Olaf Kortmann bedanken! Beide Herren sind viel gelobt worden, weil sie viel Kluges gesagt haben – und das freut uns immer wieder sehr, wenn wir das hören. Während einer solchen „Sendung“ bekomme ich zum Beispiel nicht so sehr viel mit, ob das nun gut oder besonders schlecht gewesen ist – diesmal muss es aber, das zeigen mir Mails und Anrufe (und auch Beiträge), gut gewesen sein. Und dazu liegt mir noch auf dem Herzen, dass es in meinen Augen eigentlich egal ist, ob der eine oder andere Gast schon häufig mal bei uns gesessen hat – die Hauptsache ist doch, dass wir vernünftig über das Spiel und den HSV reden, und das haben sowohl „Lars 49“ und auch Olaf Kortmann gemacht. Danke!

 

Und dann zum Schluss noch ein Blick zurück. Gestern endete Lars Pegelow hier mit: „Und für Eure privaten Planungen: Der Saisonstart der Zweiten Bundesliga in der Saison 2015/2016 ist am Wochenende 24. bis 27. Juli.“

Ich sage dazu, dass Ihr Euch mal auf den 27. August einstellen solltet – einen solchen „Leckerbissen“ lässt sich Sport1 doch nicht entgegen. Montags wird für den HSV wohl der häufigste Spieltag werden. . .

Es grüßt der tief frustrierte und immer noch total entsetzte
Dieter.

 

PS: An diesem Dienstag ist ganz bestimmt Training, ich weiß allerdings noch nicht, wann? Gerade steckt mir aber Lars P., dass um 10 und 15 Uhr trainiert werden soll.

 

PSPS: Rafael van der Vaart, der wohl nicht nach Kansas City gehen wird, soll nun mit dem spanischen Club FC Cadiz liebäugeln.

 

17.51 Uhr

von Heesen: „Es ist genügend sportliche Kompetenz vorhanden!“

2. März 2015

Am vergangenen Donnerstag ist Thomas von Heesen aus dem Aufsichtsrat der HSV Fußball AG zurückgetreten. Einer musste raus, das war klar, denn mit Jens Meier als neuem Präsidenten des HSV e.V. stand ein Nachrücker fest. Warum nun aber ausgerechnet von Heesen? Der erfolgreiche Ex-Profi stand wie kein anderer für sportliche Kompetenz im Aufsichtsrat, und dessen Vorsitzender Karl Gernandt hatte einst angekündigt, dass im Austauschfall garantiert keiner der ehemaligen Kicker (von Heesen oder Peter Nogly) ausscheiden würde.

Nun ist es anders gekommen – und immer wieder wird auch hier im Blog diskutiert: Warum wirklich von Heesen? Aus diesem Grund habe ich heute noch einmal mit ihm gesprochen, und von Heesen hat dabei einen völlig aufgeräumten und unaufgeregten Eindruck gemacht. „Der Schritt war intern lange geplant und besprochen“, sagte von Heesen. „Es ist genügend sportliche Kompetenz vorhanden. Das habe ich schon vor Monaten gesagt, und deswegen auch angeboten, dass ich gehe, wenn der e.V.-Präsident nachrückt. Der Vorstand ist mit Dietmar Beiersdorfer, Peter Knäbel und Bernhard Peters sehr gut aufgestellt.“ Anders als bei seiner Amtsübernahme im Juli vergangenen Jahres – sagt von Heesen nicht, aber so war es damals ja.

Auch der Einwand, dass nun mit Nogly lediglich noch ein Mann mit Fußball-Verstand im Aufsichtsrat sitzt, stört von Heesen nicht. „Peter ist ein ausgezeichneter Fußball-Fachmann. Insgesamt ist der HSV gut aufgestellt.“ Im Übrigen bleibe er – Aufsichtsrats-Mandat hin oder her – in stetem und vertrauensvollen Austausch mit Beiersdorfer und Co. Als stillen Abschied vom HSV will er seinen Austritt aus dem Aufsichtsrat also beileibe nicht verstanden wissen. Im Gegenteil: „Wir sind auch über andere Themen im Gespräch“, bestätigt von Heesen. Dabei geht es um eine Verbesserung der HSV-Nachwuchsarbeit, um die Suche nach Sponsoren und Investoren für diesen Bereich. von Heesen will seine ganzen Verbindungen und sein ganzes Know-how einbringen. Und wenn es hier tatsächlich zu einer geschäftlichen Zusammenarbeit kommen sollte, wäre dies mit seiner Mitarbeit im Aufsichtsrat sowieso nicht vereinbar.

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Genügend sportliche Kompetenz vorhanden – ich kann mir denken, dass bei diesem Satz manchem Leser der Atem stockt. Gerade die aktuelle sportliche Entwicklung lässt nicht gerade auf garantierten Fortschritt schließen. Im Vergleich zum Vorjahr weist die Saison 2014/15 erstaunliche Parallelen auf. Sportliche Inkonstanz, Verletzungs-Probleme, fehlende Planungssicherheit. Der HSV – erneut – im Teufelskreis. Wie im Vorjahr werden diejenigen Spieler zu Hoffnungsträgern, die gerade nicht spielen, aber dann doch bitte für die Zukunft Besserung und, ja, Rettung versprechen. Valon Behrami, Cleber, Ivica Olic – das wäre etwas, wenn dieses Trio recht schnell schon wieder mitmischen würde. Am besten bereits am kommenden Sonnabend daheim gegen Borussia Dortmund. Auch Marcell Jansen steht offenbar auf dem Sprung. Stimmt schon, das wäre gut, aber wie hoch können die Erwartungen eigentlich sein? Natürlich haben die drei bereits nachgewiesen, dass sie kicken und sogar führen können. Aber ein Spieler, der aus einer Verletzung kommt, kann nicht gleich führen. Der muss zusehen, dass er seine Aufgaben erfüllt, nicht wegbricht, und dann nach einer gewissen Zeit der Konsolidierung wieder in Führungsaufgaben hineinwächst.

Abgesehen davon, dass die alte Verletzung (oder eine neue) wegen Überbelastung und falsch verstandenem Ehrgeiz nicht wieder aufbricht. Damit hatte der HSV vor Jahresfrist so viel zu tun, dass die halbe Mannschaft angeschlagen übers Feld schlurfte, nicht richtig austrainiert war und in der Endphase der Liga allenfalls auf dem Zahnfleisch ins Ziel kriechen konnte. Auf dem Zahnfleisch – soweit ist es aktuell vielleicht noch nicht. Aber: Olic hat zwei Wochen nicht richtig trainiert. Cleber im Trainingslager in Dubai nicht und nach einer kurzen Pause war er wieder weg. Behrami seit dem Winter nicht. Lasogga immer mal wieder nicht. Überhaupt scheint es immer noch nicht absehbar, wann der 8,5 Millionen-Euro-Einkauf fit zurückkehrt. Die Erfahrungen der vergangenen Monate haben gezeigt: Selbst wenn Lasogga wieder am Mannschaftstraining teilnimmt oder dann auch irgendwann in der Bundesliga aufläuft – die Form der Vorsaison hat er damit noch lange nicht.

Womit wir auch bei der medizinischen Abteilung wären. Es ist im Einzelfall von außen nicht nachzuvollziehen, warum ein Spieler mit was für einer Verletzung wie lange ausfällt. Es gilt nur zu konstatieren, dass der HSV seit Jahren Verletzungsprobleme hat, die andere Vereine nicht haben. In der Wintervorbereitung waren mit Holtby, Cleber, Diekmeier, Ostrzolek, Behrami, Lasogga und Müller viele Stammspieler betroffen. Anschließend haben wir von Rajkovic, Olic, Jiracek, Diaz und Jansen Verletzungsmeldungen gehört. Unfälle waren dabei, logisch, aber immer wieder auffällig viele Muskelverletzungen, die – und auch das ist auffällig – entweder wiederkehren oder oft auch lange dauern. Der HSV ist seit einiger Zeit in einer medizinischen Partnerschaft mit dem UKE. Das mag sich wirtschaftlich rechnen – auch auf anderen Gebieten hat sich der HSV in der Vergangenheit immer wieder von wirtschaftlichen Zwängen treiben lassen. Aber dass es verletzungstechnisch mit dem HSV spürbar aufwärts gegangen wäre – diese Behauptung kann nun wirklich niemand aufstellen. Spieler fahren immer noch zur Behandlung zu Ärzten ihres Vertrauens durchs ganze Bundesgebiet. Das hat’s immer gegeben, natürlich, aber wozu benötige ich dann eine Partnerschaft mit dem UKE?

Der Deal mit dem UKE umfasst einen finanziellen Vorteil durch Minder-Ausgaben für den HSV. Sollte der Verein mit der Zusammenarbeit zufrieden sein, dann muss er den Deal verlängern. Ich denke aber, in diesem Bereich darf man nicht auf Teufel-komm-raus sparen. Die Profis arbeiten doch auf Messers Schneide, so schnell wie möglich so fit wie möglich aus Verletzungen zurückzukommen. DAS ist es am Ende, was sich wirtschaftlich rechnet. Wenn der Verein wegen der Verletzungen von Olic, Jansen und Behrami seine Spiele verliert, dann ist jeder durch die UKE-Zusammenarbeit gesparte Cent für die Katz.

Ich kann die Arbeit des neuen Arztes nicht beurteilen und will sie nicht diskreditieren. Ich weiß auch, dass die Aussage, Olic habe vor dem Gladbach-Spiel von den Ärzten „grünes Licht“ erhalten, um dann nach 20 Minuten erneut verletzt runterzuhumpeln, nicht eins zu eins auf die Mediziner herunterzubrechen ist. Hier ist auch der Spieler gefragt, der seinen Körper einschätzen kann und muss. Auch gehört dazu die Trainingsdosierung. Wir haben ja aus Dubai darüber berichtet, dass Joe Zinnbauer die Einheiten am Ende reduzieren bzw. ganz ausfallen lassen musste, um nicht noch mehr Verletzungen zu riskieren.

Jedenfalls sind dies alles Zutaten für ein strauchelndes Team. Weitere Beispiele: Petr Jiracek war gegen Gladbach sehr stark, in Frankfurt unterläuft ihm vor dem 1:2 ein Anfängerfehler. Johan Djourou war zuletzt konstant in der Deckung, in Frankfurt verursacht er zwei Elfmeter (über die Berechtigung des ersten will ich nicht streiten, doch ging der Aktion ein Stellungsfehler voraus). Artjoms Rudnevs wird immer wieder von den Fans gefordert und gefeiert, wenn er aufläuft. Ertrag aus den letzten Wochen: gleich Null. Matthias Ostrzolek comebackte vor acht Tagen daheim sehr ordentlich, eine Woche später verwachst er total. All dies ist logisch nach Verletzungen oder anderen Zwangspausen – aber es sorgt für Niederlagen, wenn es zu viele Spieler einer Mannschaft betrifft. Besserung in den kommenden Wochen? Ist nicht in Sicht.

Ob die Personalie Rafael van der Vaart in den kommenden Wochen für spürbare Unruhe sorgen wird, ist schwer vorherzusagen. Ich denke, es wird nicht so kommen. Den Kollegen von „Sport 1“ gab van der Vaart heute ein Interview. Hier die entsprechende dpa-Meldung dazu:

Rafael van der Vaart hofft auf seine Rückkehr in die Stammelf des Hamburger SV im Heimspiel am Samstag gegen Borussia Dortmund. «Das wird ein geiles Spiel. Dortmund ist eine Topmannschaft. Wenn man zu Hause gegen Dortmund spielt, muss man alles geben. Im Fußball ist alles möglich. Wir gehen mit Selbstvertrauen rein», sagte der Kapitän des norddeutschen Fußball-Bundesligisten im Interview mit «Sport1». Durch hartes Training wolle er wieder mehr Einsatzzeit bekommen. Im Abstiegskampf glaube er an die mentale Stärke des Tabellen-15. Auf jeden Fall wolle er über die Saison hinaus spielen: «Im Fußball geht alles so schnell. Einen Tag wird man gefeiert, am anderen ist man wieder schlecht. Ich bin noch topfit. Ich möchte noch gern alles geben für den Verein. Alles andere, was die Leute sagen, ist egal. Ich muss nur gute Leistung bringen und dafür werde ich alles geben.»

Dass der Star aus den Niederlanden in der kommenden Saison noch das HSV-Trikot tragen wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Doch egal, ob er dem Drängen von Kansas City oder irgendeinem anderen Team aus Mexiko, Katar oder Italien erliegt – an seiner Person muss sich kein Streit entzünden.

Anders verhält es sich schon in der Trainerfrage. Unabhängig davon, ob Joe Zinnbauer der Mann für die nächsten zehn Jahre ist oder nicht, MUSS sich die Vereinsführung mit aller Macht hinter ihn stellen – so wie es im Moment durch entsprechende Aussagen von Peter Knäbel geschieht. Eine Trainerdebatte, die auch nur den Hauch einer Grundlage durch entsprechende Überlegungen im Verein hat, wäre ein Dolchstoß für ein wackelndes Team.

Durch die fehlende sportliche Entwicklung nach oben schliddert der HSV darüber hinaus in eine unruhige Sommerpause hinein. Das lässt sich jetzt schon sagen, und ich beziehe mich jetzt nur auf den Fall, dass der Abstieg vermieden wird. Andernfalls werden sowieso alle Karten neu gemischt. Doch wie schon im Vorjahr erlebt, fehlt dem Verein Planungssicherheit – vermutlich bis in den Mai hinein. Bis dahin werden sich Debatten nach folgendem Muster wiederholen: Diejenigen, deren Verträge auslaufen, kannst du nicht mehr gebrauchen, denn sie sind mit dem Herzen schon woanders; Ja, aber sollen Erfahrene draußen bleiben, die zumindest mal Klasse hatten?; Was nützt Klasse, wenn sie Jahre her ist?; Schon – aber mit U-23-Spielern bestehst du nicht im Abstiegskampf….

Ich befürchte, dass sich der HSV also im Sommer teuer bei anderen Vereinen bedienen muss, wenn er sich verstärken will. Zu teuer womöglich, das hat Dietmar Beiersdorfer in den beiden Transferphasen, die er bislang zu verantworten hatte, nicht ändern können. In diesem Zusammenhang, und zur richtigen Einordnung, hier die Quintessenz eines Gesprächs, dass ich mit einem hohen Bundesliga-Funktionär in den vergangenen Tagen hatte. Tenor: der HSV ist aktuell kein attraktiver Club mehr für einen Profi, viele andere Vereine haben an sportlichem Konzept, Vertrauensbildung, Perspektive mehr zu bieten – Hamburg punktet vor allem durch die Stadt und durch Geld. Devise: Was du in den vergangenen Jahren an Vertrauen zerstört hast, baust du nicht über Nacht wieder auf. Trotz Kühne, Otto, Didi und Volksparkstadion.

Neben dem negativen Grundtenor dieses Blogs möchte ich aber doch zumindest drei positive Eindrücke aus Frankfurt schildern. Zum Einen hat mir der Auftritt von Mohamed Gouaida im Vergleich zu den Vorwochen wieder besser gefallen, und vor allem beobachte ich sehr intensiv die Entwicklung von Gojko Kacar. Er war jahrelang in der zweiten Reihe, hat aber in dieser Zeit sowohl im Training als auch von der Ersatzbank aus immer wieder angefeuert und motiviert, er ist Ansprechpartner für die HSV-Profis aus seinem Sprachraum und hat darüber hinaus, wie ich finde, jetzt auch wieder fußballerisch gezeigt, dass auf ihn zu zählen ist. Und er verfügt über die richtige Selbsteinschätzung. „Wir waren zu vorsichtig und nicht entschlossen genug“, sagte Kacar unmittelbar nach dem 1:2 von Frankfurt. Selbstkritische Stimmen gingen mir in dem Gemecker über den Schiedsrichter und dem Lamento über vergebene Großchancen dort ansonsten zu stark verloren. Ich finde, Gojko Kacar ist einer derjenigen, deren Vertrag ausläuft, aber über dessen Verlängerung es sich zu angepassten Konditionen auf jeden Fall nachzudenken lohnt.

Dritter positiver Fall ist Zoltan Stieber, der seine steigende Form nicht nur durch sein drittes Rückrunden-Tor untermauern konnte. Gerade bei Stieber und Kacar sieht man, was eine gute und verletzungsfreie Vorbereitungsphase bewirken kann. Aber sie sind leider nur die Ausnahme.

Es bleibt also dabei: Um den Abstiegskampf dieser Saison zu bestehen, wird Joe Zinnbauer weiter brennen müssen und sein Feuer ins Team einpflanzen. Viel mehr Hoffnungen bleiben nicht. Der Spielplan, daheim gegen Dortmund, dann auswärts in Hoffenheim, hört sich nicht gut an.

Nach dem heutigen trainingsfreien Tag geht es morgen um 10 Uhr und um 15 Uhr weiter, wobei das Team erst am Nachmittag auf den Platz gehen wird. Davon und von noch viel mehr wird Euch Dieter berichten.

Lars
18.28 Uhr

Von Heesen tritt zurück – verloren geht er aber nicht

26. Februar 2015

Während HSV-Trainer Joe Zinnbauer im Zuge der Tischtennis-PK noch eine kleine Partie Kleinfeld-Tischtennis spielte, war es bereits verkündet: Thomas von Heesen tritt als Aufsichtsrat zurück und macht Platz für den delegierten Vereinspräsidenten Jens Meier. Eine Lösung, mit der in den letzten Monaten viele gerechnet hatten, die den Verein aber wertvolles Knowhow im Kontrollgremium kostet. Die letzte Patrone aus der einst geforderten Sportlichen Kompetenz: Peter Nogly. Jener Mann, den die HSVPlus-Verantwortlichen im Sommer noch als potenziellen Streichkandidaten gehandelt hatten.

 

Nun also von Heesen. Und das überrascht nicht, wird es doch schon seit Monaten kolportiert. Von den einst angekündigten “mindestens zwei sportlichen Fachleute” ist somit nur noch einer übrig. Nach Hrubesch, Hieronymus und Jakobs ist damit auch der letzte 83er weg.

 

Oder etwa nicht?

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Hinter vorgehaltener Hand wird schon seit Wochen eine große Geschäftsidee als Grund für den Rücktritt gehandelt. Von Heesen und der HSV planen eine Kooperation. Dabei sollen Geldgeber an akquiriert werden, die in potenzielle Nachwuchs-Stars investieren. Dietmar Beiersdorfer, der Vorstandsvorsitzende des HSV, sagte dazu gegenüber „Bild“ vor einigen Wochen: „Es gibt einen Markt von potenziellen Anlegern, die Interesse haben, in Talente zu investieren. In unserer Situation ist man in der Pflicht, sich damit auseinanderzusetzen.“ Und das hat man getan. Erfolgreich offensichtlich – wie der Rücktritt von Heesens vermuten lässt. So vermeidet der Ex-Profi, der insbesondere in Osteuropa sehr eng vernetzt ist, einen Interessenkonflikt.

 

Für den HSV könnte dieser Know-how-Verlust im Kontrollgremium letztlich ein Gewinn werden. Zumindest erhoffen sich das beide Seiten. Der HSV hat somit eine Mischung aus Scout und Sportchef, der auf Provision arbeitet. Ich bin gespannt, was daraus wird. Leider waren Dietmar Beiersdorfer und Thomas von Heesen bis eben noch zu keiner Stellungnahme zu erreichen.

 

Dafür waren die Spieler da – und eine Entscheidung scheint Bestand zu haben: Trotz Komplimente (“Er hat Reaktion gezeigt“) wird Rafael van der Vaart weiter auf der Bank Platz nehmen. Zumindest ließ Trainer Joe Zinnbauer heute so trainieren, wie er auch nach der Auswechslung des verletzten Ivica Olic gegen Gladbach hatte spielen lassen. Mit Kacar und Jiracek im zentralen Mittelfeld hinter Stieber. Und mit Slobodan Rajkovic neben Djourou. Somit gesellt sich am Main auch Westermann wieder zum Kapitän auf die Bank.

 

Ob dort mit Valon Behrami, Cléber und eventuell sogar Ilicevic drei Neue Platz nehmen, ließ Zinnbauer (siehe Video von der PK) noch offen. Er wolle die letzten beiden Trainingseinheiten abwarten, sagte er vor der heutigen Einheit. Und bei der präsentierten sich sowohl Cléber als auch Behrami auffällig fit. Insbesondere der Brasilianer machte einen extrem bissigen, motivierten Eindruck. Dennoch hoffe ich, dass Zinnbauer sein Leistungsprinzip beibehält und die Innenverteidigung der Vorwoche für ihre gute Leistung belohnt. Dass dahinter ein Cléber brennt und ein Westermann heiß darauf ist, seine Kritiker Lügen zu strafen – DAS ist für mich gesunder Konkurrenzkampf. Und nichts anderes.

Fakt ist, dass Zinnbauer eine Aufstellung gefunden hat, die seine Taktik hervorragend umsetzen kann. Auch ohne Ivica Olic, der zumindest am Sonnabend noch verletzt ausfällt. Für ihn wird mit Rudnevs einer der statistisch schnellsten Stürmer der gesamten Liga auflaufen – und der ist für klares Konterspiel zweifellos geeignet. Hinter ihm soll Zoltan Stieber weiter auf Konter lauern, sie mitlaufen und gegebenenfalls auch selbst abschließen – eben so, wie gegen Gladbach.

 

Es wird sicherlich nicht schöner, den HSV derart destruktiv spielen zu sehen. Sagen viele. Und mir ist das ehrlich gesagt gar nicht so klar. Denn mit dieser defensiv orientierten Spielweise schöpft der HSV aus seinen vorhandenen Qualitäten in meinen Augen das Maximum. Auch heute mussten die Spieler wieder intensiv das Verschieben üben. Immer gefordert: Das schnelle Spiel – am besten mit einem kontrolliert langen Ball auf die Stürmer.

 

Kurzum: Beim HSV manifestiert sich der Sinn für die Realität. Hoffnungen auf die Weltklasseform älterer Tage bei van der Vaart sind aufgegeben. Stattdessen setzt Zinnbauer auf die deutlich aggressivere Spielweise von Kacar und Jiracek. Anstatt andauernden den Ballbesitz zu fordern stellt Zinnbauer auf Konterspiel um – Hauptsache hinten zu Null. Dafür werden auch stundenlange Einheiten absolviert, in denen die Mannschaft noch mal das Basiswissen eines jeden Fußballers eingeimpft bekommt. Kurzum: Man ist einfach nicht mehr falsch eitel.

 

Und das ist ein Fortschritt, der hoffen lässt, nicht noch einmal bis zur letzten Sekunde um den Klassenerhalt zittern zu müssen. Der HSV spielt sicherlich kein zuschauerfreundliches 4-4-2-System, aber er spielt endlich wieder einheitlich eines. Und das allein macht das Spiel (wenn die Gladbach-Leistung konserviert wird) für mich schon ansehnlicher als die vielen Spiele, in denen der HSV Dinger zeigen wollte, die dieser Kader schlichtweg nicht (mehr) hergab. Der „Ich-will-ja-kann-es-aber-nicht“-Spielstil ist einem in vielen Teilen hässlichen aber eben pragmatischen Fußball gewichen. Zinnbauer hat alles auf Null gestellt und hat mit dem Gladbach-Spiel den ersten kleinen Fortschritt gemacht. „Das würde ich so noch gar nicht sagen“, hatte mir Kacar gestern gesagt, „denn alles Gute ist erst dann ein Fortschritt, wenn man es wiederholen kann.“ Weise Worte – an die Kacar glaubt: „Wir trainieren gut und unsere Mannschaft weiß, worauf es ankommt. Wir alle haben ein einziges Ziel: Punkten. Egal wie.“

 

Dem Motto schließe ich mich an dieser Stelle gern an. Sehr gern sogar.

 

Und bevor ich den heute etwas kürzeren Blog abschließe, möchte ich noch ein Versäumnis von gestern nachreichen und an einen Mann denken, dem es gerade schlecht geht: Wolfram Wuttke. Der einstige Zehner mit dem Außenrist-Hammer liegt aus noch nicht näher bekannten Gründen im Koma. Und bevor ich hier irgendwelche Gerüchte weitergebe, belasse ich es dabei, dem heute gerade einmal 53-Jährigen von hier aus ausschließlich die besten Genesungswünsche zu schicken. Denn nur darum geht es jetzt.

 

 

In diesem Sinne, morgen wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert, bevor es nach Frankfurt geht. Ich melde mich am Abend bei Euch. Bis dahin,

 

PS: Großer Abend für Tolgay Arslan in der Europa League. Der ehemalige HSV-Spieler schoss gegen den FC Liverpool, der das Hinspiel 1:0 gewonnen hatte, das 1:0 für Besiktas Istanbul. Verlängerung und Elfmeterschießen, Arslan verwandelte den fünften Elfmeter zum 5:4 – und die Engländer verschossen ihren fünften Elfer – die Türken (dank Arslan) weiter. Und Glückwunsch an Tolgay Arslan!

 

Scholle

AKTUALISIERT: Der HSV trennt sich von Slomka

15. September 2014

****Um 15.00 Uhr aktualisiert: Dieter Matz ist live vor Ort:

Für Abendblatt-Blogs


****Um 21.41 Uhr aktualisiert: Der HSV trennt sich per sofort von Mirko Slomka. Nachfolger ist noch offen.***

 

Mirko Slomka ist HSV-Geschichte. Die Club-Oberen haben bis in den Abend hinein getagt, sie haben es sich sicherlich nicht leicht gemacht, aber letztlich haben sie sich dann doch für einen sofortigen Schlussstrich entschieden. Dass Lars Pegelow hier für seine Einschätzung, die sich jetzt ja wohl als sehr richtig herausgestellt hat, beschimpft wurde, ist tragisch, ist aber wohl nicht zu ändern . . . Schade ist es, und auch enttäuschend. Aber egal, Lebbe geht waida.

 

Auch für Mirko Slomka, aber nicht mehr beim HSV. Jedenfalls nicht mehr in der nächsten Zeit. Ich denke mal, dass er den HSV zu einem ganz schlechten Zeitpunkt übernommen hat, als der HSV sowohl sportlich als auch finanziell absolut heruntergewirtschaftet war, aber er wollte wohl schnell wieder einen Job in der Bundesliga, und dann übersieht man das eine oder andere, was man besser doch wahrgenommen hätte. Aber so spielt das Leben als Erstliga-Trainer, und nicht nur dort. Dafür gibt es ja auch jede Menge Schmerzensgeld – in der Bundesliga.

 

Slomka hat sich in Sachen Trainings-Intensität nichts vorzuwerfen, ich habe ihm auch nichts zu kritisieren. Ich werde ihm auch nichts hinterherwerfen, das sollen andere machen. Einzig und allein die Tatsache, dass er für mich nie so richtig in Hamburg angekommen ist, das möchte ich ganz kurz anführen. Stefan Effenberg hat es am Sonntag auf Sky gesagt: „Mirko Slomka hat offenbar keine Freude an seiner Arbeit . . .“ Dieses Empfinden hatte ich auch. Und vielleicht war er auch deshalb nicht unbedingt der 12. Mann seiner Mannschaft. So wie es vielleicht ein Tuchel in Mainz oder ein Weinzierl in Augsburg waren und sind. Vielleicht ist es aber auch nur Slomkas Naturell, dass er gar nicht anders kann, eben weil er so ist. Dennoch hat er es ja durchaus schon bewiesen, dass er Bundesliga-Trainer kann, er hatte auf Schalke und auch in Hannover durchaus gute Erfolge – keine Frage. Deswegen habe ich ihm auch zugetraut, den Job hier so zu erledigen, dass der HSV in dieser Saison nicht in Abstiegsgefahr gerät.

 

Davon gehe ich übrigens immer noch aus. Diese neue Mannschaft wird sich finden und einen „gesunden“ Mittelfeldplatz am Ende einnehmen. Geht davon aus. Und eventuell wäre es sogar mit Slomka möglich gewesen, wenn sich diese neue Mannschaft dann schnell eingespielt hätte.

 

Dass Mirko Slomka nun gehen muss, wird dem HSV wieder einiges an Geld kosten. Vielleicht genau deshalb haben die hohen Herren ja auch so lange getagt, eventuell gab es dabei ja auch eine Standleitung zu Klaus-Michael Kühne . . . Denn der, so glaube ich, wird es nun richten müssen, denn der Club hat sich mit seinen Neuverpflichtungen finanziell so weit aus dem Fenster gelehnt, dass eine Trainer-Entlassung eigentlich völlig ausgeschlossen sein müsste. Eigentlich. Aber Herr Kühne hatte sich ja auch einen anderen Trainer gewünscht, als Herrn Slomka . . .

 

Mein Telefon steht nicht mehr still. Und ständig werde ich gefragt, wer nun kommen wird? Ja wer? Der Name Thomas Tuchel geisterte zuletzt immer häufiger in der Chef-Etage (oder bei jenen Leuten, die dieser nahe stehen) herum. Ich bin gespannt, ob er sich realisieren lassen wird. Er wird ja auch auf Schalke gehandelt, und die spielen noch in der Champions League. Und wenn es nicht Tuchel wird?

 

Keine Ahnung, wirklich keine Ahnung. Als Interims-Lösung könnte (und soll?) Joe Zinnbauer im Gespräch sein, der Coach der Zweiten. Was ich als sehr schade empfinden würde, weil der nun gerade mit (s)einer Mannschaft unterwegs ist, die große Erfolge hat, die einen Super-Fußball spielt, die in der Regionalliga von Sieg zu Sieg eilt. Ihn dort abzuziehen, wo er so gut hinpasst, wäre jammerschade.

 

Wenn ich hier einen oder zwei Namen „reinwerfe“, dann wird der Blog wieder in die Luft gehen – oder auch nur ein wenig explodieren, vielleicht ein wenig mehr, aber ich wage es trotz allem. Thomas Doll steht mit Ferencvaros Budapest zurzeit an zweiter Stelle in Ungarn (nach sieben Spielen). Er hat sich geändert, ist nicht mehr der nette Kumpel von nebenan – und er hat viel Ahnung vom Fußball, hat auch hier schon bewiesen, dass er eine Mannschaft begeistern und führen kann. Und dann geistert in meinem Kopf auch der Name Andrej Panadic herum. Der hat in seiner Heimat seine Trainer-Lizenz als einer der Besten (oder der Beste?) abgeschlossen, er hat während der WM für das Team von Nationaltrainer Niko Kovac gearbeitet – und er hat mir kürzlich einmal gesagt: „Wenn ich Trainer des HSV wäre, ich würde 24 Stunden am Tag für die Mannschaft und den Verein arbeiten. Und ich wüsste, dass ich der Beste bin, ich würde den HSV wieder dorthin führen, wo er einst war – in der Spitze.“

 

Aber wir alle werden es erleben, für wen sich der HSV entscheidet. Vielleicht wird es ja auch ein unbekannter Mann. Die kommen groß in Mode. Wie einst Tuchel, Streich, Weinzierl, Gisdol, Torkut und andere Männer wie eventuell Luhukay und Favre. Es muss ganz sicher nicht immer ein Ex-Nationalspieler oder ein Weltstar sein. Arbeiten muss er können. Und den Willen muss er haben, etwas erreichen wollen mit dem HSV. Eben einer, der 24 Stunden am Tag für den HSV schuftet. Und schuftet und schuftet und schuftet. Apropos: Morgen, an diesem Dienstag, ist trainingsfrei. Noch. Wer weiß, welcher Mann eventuell kommt? Wer weiß es schon? Und wenn dieser Mann dann sofort Gas geben will? Dann muss trainiert werden. Was ich auch so kurz vor dem Bayern-Spiel für sehr gut ansehen würde. Der HSV hat keine Zeit mehr zu verschenken – nicht eine Minute! Packt es endlich alle gemeinsam an, es geht um diesen tollen Verein, um den Dino, um unseren HSV!

Dieter

 

So, hier beginnt nun jener Artikel, den Lars Pegelow hier am frühen Abend hineingestellt hat. Diejenigen, die ihn dafür „gesteinigt“ haben, werden nun vielleicht ein wenig in sich gehen. Vielleicht. Ein wenig.
Und immer dran denken: Nicht Lars Pegelow hat den Trainer entlassen, das war dann doch schon eher der HSV . . .

 

 

Die Frage, die sich alle Trainingsgäste heute Morgen beim HSV gestellt hatten, war: Ist er noch da oder schon weg? Relativ schnell war klar: Er ist noch da. Trainer Mirko Slomka joggte zunächst 20 Minuten mit einigen seiner Stammspieler durch den Volkspark. Nach der Rückkehr kümmerte er sich intensiv um Torwart Jaroslav Drobny, dann beobachtete er das Trainingsspielchen der Reservisten, ehe es für den Immer-noch-Coach des HSV schnellen Schrittes in die Kabine ging. Interviews gab es nicht – weder vom Trainer, noch von den Spielern. Am Nachmittag, weit hinter der Mannschaft, ist Slomka dann vom Hof gebraust.

Damit bestätigte sich auf den ersten Blick, was sich schon am Sonntagabend unmittelbar nach der 0:2-Pleite in Hannover angedeutet hatte. Ad hoc wird der Verein seinen Trainer nicht wechseln. „Natürlich spüre ich das Vertrauen von Dietmar Beiersdorfer. Ich habe mich direkt nach dem Spiel mit ihm unterhalten und keinen anderen Eindruck“, sagte Slomka. Dass generell über seine Position debattiert wird, ist dem 47-Jährigen natürlich klar. „Das ist normal. Ich habe dafür auch großes Verständnis. Erst ein Punkt aus den ersten Partien ist weit unter unseren Ansprüchen. Deswegen kann ich nachvollziehen, dass die Kritiker kommen. Aber ich muss es von mir fernhalten und versuchen, weiter zu arbeiten.“ Soweit also der Stand aus der Sicht von Slomka.

Klingt unaufgeregt, war es hinter den Kulissen aber ganz sicher nicht. Ob es nun eine Krisensitzung gegeben hat oder nicht – klar ist, dass sich der Aufsichtsrat im Laufe des Tages getroffen hat. Das tut er häufiger mal, aber die Trainerfrage stand dort ganz oben auf der Tagesordnung. Und sie wurde auch zusammen mit Vereins-Boss Dietmar Beiersdorfer erörtert, der sich immer schneller mit einem Plan B beschäftigen muss.

Thomas Tuchel hier zu nennen, ist wie Eulen nach Athen tragen – er wäre die langfristige Lösung, die Beiersdorfer auf Dauer sicher anpeilt. Will Tuchel, passt es zusammen, geht es auf die Schnelle – viele Fragen, die schwer zu beantworten sind, ohne komplett ins Reich der Spekulationen zu geraten. Jedenfalls soll es unter den Bossen weitgehende Einigkeit geben, dass der Trainerwechsel ansteht.

Für Abendblatt-Blogs


 

Alternativ zu Tuchel ist auch die Variante einer Übergangslösung im Raum. Huub Stevens, HSV-Retter von 2007, fällt vielen da zunächst ein. Somit würde Tuchel die von ihm offenbar gewünschte Zeit gewährt, um sich einem Neuanfang zu stellen.

Was sich genau in den Köpfen der Verantwortlichen abspielt, darüber fehlen aktuell gesicherte Erkenntnisse. Wann kommt ein Trainerwechsel infrage, noch vor dem Bayern-Spiel? Der Aufsichtsrats-Vorsitzende Karl Gernandt hat Slomka via „Sky“ eine Gnadenfrist von zwei Spielen gegeben. Bayern und Gladbach – und dann also Schluss? Vereins-Boss Beiersdorfer hielt sich gleich komplett zurück. Kein öffentlicher Kommentar. Dabei dürfte es Beiersdorfer zutiefst missfallen, dass um ihn herum und insbesondere aus dem Aufsichtsrat und dessen Umfeld immer wieder Kommentare fallen.

Klaus-Michael Kühne, Karl Gernandt, Peter Nogly. Ich verstehe nicht, warum die Herren nicht verstehen, was sie mit ihren Äußerungen anrichten. Bei allem Respekt vor der Lebensleistung von Kühne; bei allem Respekt vor der Kompetenz von Gernandt; bei allem Respekt vor dem untadeligen Nogly, den ich persönlich sehr schätze: Sollte Dietmar Beiersdorfer nicht den Hals des Jahres haben, völlig verständlich, würde ich mich sehr wundern.

Es geht ja gar nicht so sehr um die inhaltliche Beurteilung der Arbeit von Mirko Slomka – das ist ja nicht das Hauptproblem an den ganzen Aussagen. Es geht einfach darum, dass mit jedem Satz, so wie er in den vergangenen Wochen veröffentlicht wurde, Druck auf Dietmar Beiersdorfer aufgebaut wird. Der Druck auf Mirko Slomka ist nicht der entscheidende Faktor, es geht um den Druck auf den Vorstands-Vorsitzenden. Dies geht bis hin zum Handlungsdruck, dem sich Beiersdorfer ausgesetzt sehen könnte, weil seine Vorgesetzten bzw. der größte Kreditgeber des Vereins ihre Auffassungen nach außen tragen. Und selbst wenn Beiersdorfer diesem Handlungsdruck wiedersteht, gerät er unter Rechtfertigungsdruck. Er muss sich öffentlich rechtfertigen für die Aussagen anderer, wenn er das nächste Mal zu irgendeinem Interview antritt. Beiersdorfer gibt das Tempo nicht mehr vor, das er in solch einer heiklen Frage wie der des richtigen Trainers ganz allein bestimmen sollte.

Am Ende ist es auch eine Frage der Zuständigkeiten. Beiersdorfer hat über Slomka zu entscheiden, nicht Gernandt und/oder sein Gremium. Und natürlich ist auch die Aussage Gernandts inhaltlich ungeschickt, wenn er dem Trainer noch für zwei Spiele eine Jobgarantie ausspricht. Vielleicht hat er dann zehn Tage Ruhe, aber spätestens nach dem Gladbach-Spiel stürzt sich alles auf den Coach.

Welche positiven Auswirkungen soll diese Debatte eigentlich noch auf die Mannschaft haben? Sie spielt ohnehin schon verunsichert, und dann kommen diese Diskussionen hinzu. Das kann nur ins Nichts führen, ist doch logisch.

Kommen wir zum Sportlichen. Durch das 0:2 in Hannover ist der HSV nach vier Jahren mal wieder Letzter in der Bundesliga. Null Tore, ein Punkt, zehn Mal in Folge nicht gewonnen. Alarmierende Zahlen, zumal auch die „neue“ Mannschaft mit ihren sieben Veränderungen keine Sicherheit ausstrahlte bzw. ausstrahlen konnte. Was zu befürchten war, ist in der Anfangsphase eingetroffen. Uneingespielt und unordentlich, teilweise wie Kraut und Rüben auf dem Platz, ging es insbesondere in der ersten halben Stunde im Defensiv-Verhalten los. Nicht einmal Torwart Drobny konnte sich davon komplett frei machen, als er in der zweiten Minute schon um ein Haar das Hannoveraner Führungstor durch einen misslungene Abwehr einer Flanke verursacht hätte.

Das, was noch beim ersten Spiel in Köln funktioniert hat, nämlich bei Ballbesitz des Gegners hinter den Ball zu kommen, fiel in Hannover erstmal aus. Folgerichtig kam es zu den beiden entscheidenden Gegentoren, die der HSV anschließend trotz bester Gelegenheiten nicht ausgleichen konnte. Jaroslav Drobny ist dabei noch von Schuld auszunehmen. Er hat im Großen und Ganzen gut, beim Schuss von Schulz in der zweiten Halbzeit sogar sensationell gehalten.

Außerdem hat Cleber ein ordentliches Debüt gegeben. Im Zweikampf war er sehr stark und konsequent, das war für den Anfang völlig okay. Seine langen Bälle von hinten heraus, Marke „Joris-Mathijsen-Gedächtnis-Medaille“, können allerdings deutlich mehr Präzision vertragen.

Ganz große Schwierigkeiten hatten die beiden zentralen Mittelfeldspieler. Valon Behrami hat dabei in seinem vierten Pflichtspiel zum dritten Mal nicht überzeugt. Als Führungsfigur darf er sich einfach nicht so viele Ballverluste erlauben, die die gesamte Mannschaft in Gefahr bringen. Kampf war ihm nicht abzusprechen, aber immer noch bleibt Luft nach oben. Tolgay Arslan hat in seinem Kurzeinsatz einen wesentlich griffigeren Eindruck hinterlassen als der Schweizer Behrami.

Nachholbedarf hat auch Lewis Holtby. Stellungsfehler vor dem 0:2, ansonsten recht blass geblieben – das war Holtbys 100. Bundesligaspiel. Dabei hat der neue Mann, der aus Tottenham kam, vor dem Spiel und währenddessen auffällig versucht, seine Mitspieler anzutreiben. Er hat angefeuert, in die Hände geklatscht und viel gesprochen. Der Junge, so scheint es, will Verantwortung übernehmen. „Ich kann jeden HSV-Anhänger verstehen, wenn er sauer und frustriert ist“, so Holtby. „Wir müssen Struktur und Kompaktheit schaffen. Zur Trainerdebatte sage ich aber gar nichts. Wir müssen einfach an einem Strang ziehen, mit dem Trainer zusammen die Einheit bilden, um aus dem Schlamassel zu kommen. Wenn wir jetzt alles schlecht reden und uns zur schlechtesten Mannschaft der Welt machen, bringt es uns auch nichts.“

Deutlich an Form zulegen müssen auch noch Nicolai Müller, dessen Fehlschuss kurz nach der Pause an Gonzalo Higuain während des WM-Finals erinnerte, und Julian Green, der bedauerlicherweise Erinnerungen an Ola John hochkommen ließ. Naiv im Dribbling, unzuverlässig im Rückwärtsgang. Das war noch nichts, aber auch hier gilt: es war erst sein erstes Spiel. Nicht das erste Spiel hat Matthias Ostrzolek bestritten. Sein späterer Ersatz Petr Jiracek war jedenfalls besser als der Ex-Augsburger.

Mein Eindruck war, dass die Mannschaft selbst in der zweiten Spielphase, also ab der 30. Minute bis zum Ende, als es kein Hannoveraner Übergewicht mehr gab, dennoch nie zu hundert Prozent an ihre Chance glaubte. Natürlich gab es Aktionen nach vorn und bei günstigem Verlauf wäre auch ein Pünktchen möglich gewesen, aber der HSV hat trotz allem keine Überzeugung ausgestrahlt.

Wie auch? werden Slomka-Befürworter fragen – angesichts der Turbulenzen im Umfeld und angesichts der Hannover-Personalien (Müller vorher lange verletzt, Green, Ostrzolek, Holty und Stieber erstes Mal Startelf, bei Cleber kommen Verständigungsprobleme hinzu). Egal, Schuld des Trainers, halten die Slomka-Gegner bestimmt dagegen, und berufen sich auf die Bilanz Slomkas in Hamburg – drei Siege, drei Unentschieden, zehn Niederlagen. Auweia.

Alles in allem schafft sich der HSV keine Arbeitsatmosphäre, die auch nur den Hauch einer Chance gegen die Bayern ermöglichen dürfte am kommenden Sonnabend. Trainer mehr als angeschlagen, Mannschaft noch nicht eingespielt, Vereinsführung zu geheimen Sitzungen hinter irgendwelchen verschlossenen Türen.

Dass Dietmar Beiersdorfer sich nach dem Hannover-Spiel nicht geäußert hat, ist einerseits problematisch, andererseits nachvollziehbar. Problematisch ist es, weil die Gerüchte ins Kraut schießen. Ein klares Wort schafft Sicherheit, kein Wort schafft Unsicherheit. Das hatten wir doch alles auch schon. Am Tag des Trainingsstarts im Juni hat Klaus-Michael Kühne in einem Abendblatt-Interview erklärt, wie wenig er von Mirko Slomka hält. Und wer stellt sich dann draußen am Trainingsplatz hin, muss noch versuchen, das ganze gerade zu biegen im Sinne des Vereins? Nur Mirko Slomka selbst! Kein Vorstand, kein Aufsichtsrat war da. Unabhängig davon, ob Kühnes Einschätzung stimmt, war das alles ein Akt gnadenloser Selbstvergiftung und trägt bestimmt auch dazu bei, dass es aktuell so bescheiden läuft. Einige Wochen später, als Dietmar Beiersdorfer im Amt war, gab es dann nur eine ziemlich weiche Erklärung, mit Slomka in die Saison zu gehen. Aber das Gewicht einer klaren Gegenrede noch am Tage der Veröffentlichung des Interviews konnte diese Erklärung nicht haben.

Nun wiederholt sich dieses also im Kleinen. Gernandt stellt Slomka de facto ein Ultimatum – das bleibt unwidersprochen stehen.

Dietmar Beiersdorfer, jetzt komme ich zum „nachvollziehbar“, hat 2004 eine ganz ähnliche Situation vorgefunden. Nach einer 0:4-Pleite auf dem Betzenberg stand Trainer Kurt Jara vor dem aus. Am Tag nach der Partie setzte Beiersdorfer, wie er Jahre später einräumte, seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Er stellte sich mit Jara demonstrativ vor die Presse und sagte, man werde gemeinsam ins nächste Spiel gehen. Dieses Bekenntnis überholte sich in Windeseile, schon am nächsten Tag war Klaus Toppmöller verpflichtet. Ich denke, Beiersdorfer will nie wieder derartig auftreten, verbeißt sich nötige Kommentare, um nicht noch einmal innerhalb ganz kurzer Zeit von den eigenen Aussagen eingeholt zu werden.

„Man soll nicht alles so dramatisch sehen“, sagte Ersatzkapitän Johan Djourou nach dem 0:2 in Hannover. Djourou hat nicht recht. Es ist dramatisch.

Morgen ist trainingsfrei, Mittwoch wird zwei Mal trainiert.

Lars
18.51 Uhr

Herzlich willkommen, lieber Mats!

10. September 2014

Mats ab! Aus ganz besonderem Grund heute etwas früher. Mats ab!

Jawoll, Mats ab! Mit „s“. Unser „Scholle“ ist heute zum dritten Mal Papa geworden, dazu ihm und der Mutter Sandra alles, alles Gute. Und dem neuen Erdenbürger „Mats Niklas“ möchte ich zurufen: „Viel Erfolg und viel Spaß auf dieser Welt, hau rein, mein Junge, werde ein Super-Fußballer und setze Dich durch in oder auf dieser doch manchmal auch ungemütlichen und ungerechten Kugel. Und werde natürlich HSV-Fan, wie Dein Papa.“ Der teilte übrigens mit, dass es Mutter und Knabe gut gehe – Mats kam heute um 11.33 Uhr zur Welt, fast eine Punktlandung, denn der 9. September war der Stichtag, der Neu-HSVer wog bei seiner Ankunft 3760 Gramm, verteilt auf 53 Zentimeter.
Also, der jungen Familien noch einmal einen ganz besonders herzlichen Glückwunsch, und die „Matz-ab“-Gemeinde sollte heute mal zu einer etwas anderen Feier aufgelegt sein – Prost!

 

Zum Fußball-Alltag:

Das ist leider ein wenig untergegangen, was ich sehr, sehr schade finde: Bei der Feier und der Erweiterung des HSV „Walk of fame“, 2005 erfunden und seitdem organisiert und finanziert vom rührigen Unternehmer Andreas Maske, hielt der Kapitän der HSV-Meistermannschaft von 1960, Jochen Meinke, eine brillante Rede für den posthum geehrten Erwin Seeler. Das Besondere an dieser Rede: Meinke, im HA-Video versehentlich als „Meine“ vorgestellt (sorry!), sprach „freihändig“. Das heißt, ohne jede Unterstützung durch ein Manuskript oder einem Zettel. Frisch, frei und fromm von der Leber weg, der 83-jährige ist immer noch in Weltklasse-Form. Unglaublich, und er erntete für diesen Auftritt nicht nur viel Beifall, sondern Schulterklopfer und von allen Seiten höchstes Lob. Was Jochen Meinke – bescheiden wie er ist – immer weit wegschob von sich: „Ich habe nur das erzählt, was ich mit Erwin Seeler und der gesamten Familie erlebt habe, ich wohnte doch um die Ecke. Und wenn ich ehrlich bin, dann wollte ich noch so viel mehr erzählen, aber ich habe das denn doch weggelassen.“

 


Wie gesagt, sehr schade. Denn für mich, und sicher nicht nur für mich, war dieser Meinke-Auftritt aber ein besonderes Erlebnis und wird es immer bleiben. Weil er einzigartig ist.

 

Die Stimmung ist und soll auch nach Auskunft der Promis in diesem Jahr wieder super gewesen sein. Der frühere Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow lobte: „So harmonisch und stimmungsvoll war es lange nicht mehr, das war eine der schönsten HSV-Versammlungen der vergangenen Jahre.“
Von den „alten Herren“ waren Willi Schulz, Horst Schnoor (mit Ehefrau Gerda), Erwin Piechowiak (mit Ehefrau Mienchen), Klaus Neisner, Harry Bähre, Vereins-Manager Bernd Wehmeyer, Aufsichtsratsmitglied Peter Nogly und der heutige Marketing-Mitarbeiter Sven Neuhaus gekommen, ferner die HSV-Größen Carl-Edgar Jarchow, Oliver Scheel, Dieter Horchler und viele, viele mehr. Zudem natürlich Uwe Seeler (mit Ehefrau Ilka und den Töchtern mit Schwiegersöhnen!), der die Ehrung für seinen Papa „old Erwin“ entgegennahm, und Laudator Rudi Kargus, der seinen Vorgänger und Freund Arkoc Özcan ehrte. Holger Hieronymus ist nun ebenfalls neu verewigt, und auch Bernd Hollerbach, der leider absagen musste, da er daheim in Würzburg an einer schweren Magen-und-Darm-Grippe leidet. Gefehlt hat, neben anderen, diesmal Dr. Peter Krohn. Das Wetter war wohl zu schlecht, denn vorher hatte es lange kräftig geschüttet . . .
Für alle HSVer, die anwesend waren, das muss erwähnt werden, gab es erfreulicherweise keine Diskussion darüber, ob sich hier nun die HSV-AG oder der HSV e.V. getroffen hat – es ging einzig und allein um den HSV. Wie schön. Am Rande sei noch bemerkt, dass sogar zwei Bremer bei der Zeremonie dabei waren: Max Lorenz, seit Jahrzehnten ein ganz, ganz dicker Freund von Uwe Seeler, und der frühere Verteidiger Dieter Zembski, der von der Feier wusste und zufällig (Arbeit) in der Nähe war.

 

Erfreulich an diesem Tag:

Eine Trainer-Diskussion gab es am Rande der Veranstaltung nicht. Die meisten vertraten diese Auffassung: „Wie oft hat der HSV in den letzten Jahren schon den Trainer gewechselt? Das ist doch schon nicht mehr zu zählen. Gebracht hat es nie etwas – nie. Das sollten sich einmal alle überlegen. Es hat dem HSV nur immer viel Geld gekostet. Jetzt sollten die Spieler mal etwas dafür leisten, dass es dem HSV wieder besser geht. Und da ist dann auch der Club gefordert, der sollte endlich mal etwas weniger hohe Gehälter zahlen, dafür ordentliche Prämien, wenn tatsächlich etwas erreicht worden ist. Und zudem sollte nun endlich damit angefangen werden, auf den Nachwuchs zu setzen – die U23 hat ja einen erstaunlichen Weg eingeschlagen.“ Das war so oder so ähnlich an allen Ecken und an den meisten Tischen zu hören.

 

Natürlich waren auch die Kollegen aus der Medienbranche zugegen. Es wurden viele, viele Interviews geführt – das hat Tradition. Am Abend sah und hörte ich dann:
„Der Trainer braucht keine Leute die ihm sagen, wen er aufstellen soll . . .“ Das sagte Holger Hieronymus beim TV-Sender „Hamburg1“. Das war offenbar eine Antwort darauf, dass zuvor in einer Hamburger Zeitung zu lesen gewesen war, dass es aus dem Aufsichtsrat Tipps für Mirko Slomka gegeben hatte, dass nun die „Neuen“ gegen Hannover spielen sollten und müssten. Aber wie bereits geschrieben, es wurde dann keine Trainer-Diskussion vom Zaume gebrochen . . .

 

Zum Sportlichen, und da gibt es aus meiner Sicht recht Erfreuliches zu berichten.
Während die Mannschaft heute frei bekommen hat (nicht weil „Scholle“ Papa geworden ist!), trainierten einige zuletzt angeschlagene Spieler, um doch noch rechtzeitig für das Hannover-Spiel am Sonntag fit zu werden. Rafael van der Vaart ging mit Reha-Trainer Markus Günther zu einer Sonderschicht auf den Platz, Ivo Ilicevic arbeitete im Kraftraum. Auch Slobodan Rajkovic (nach Kreuzbandriss) und Gojko Kacar (nach Außenbandanriss im Knie) schufteten weiter für ein Comeback, Neuzugang Nikolai Müller sowie der erkältete Marcell Jansen fanden sich zur Pflege ein. Dafür, dass das ein freier Tag war, war doch relativ viel im Volkspark los – was mir ausnahmslos gut, nein sehr gut gefällt.

 

Dann las ich heute im Hamburger Abendblatt:
„Dennis Diekmeier lebt seinen Traum“. Und in den verschiedenen Video-Texten eine Aussage von Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw, der über die schlechte Defensive seiner Mannschaft befand: „Wir können uns leider noch keinen Philipp Lahm aus dem Hut zaubern. Die jungen Verteidiger sind sicher talentiert, aber sie brauchen noch ein wenig Zeit, um sich zu verbessern, das wird wohl dauern bis zur nächsten WM. . . .“ Aber dann. Oder: und dann?

 

Das wäre doch genug Ansporn für Dennis Diekmeier. Von dem nach dem Paderborn-Spiel ein großer HSVer mir gegenüber gesagt hat: „Diekmeier war der einzige Hamburger, der auf mich einen absolut fitten Eindruck gemacht hat. Der beackert die rechte Seite fast allein, rast 80 Meter rauf und 80 Meter runter, und das immer wieder. Der scheint mir wirklich voll im Saft zu stehen, vielleicht so wie gut noch nie . . .“

 

Kann schon sein. Aber zu einem Nationalspieler gehört dann doch ein wenig mehr. Unter anderem auch, dass man eine gewisse Defensivstärke besitzt, dass man zweikampfstark ist, dass man weiß, wie man sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat, dazu gehört ferner auch eine gewisse Kopfballstärke. All das ist zu erlernen. Wir hatten beim HSV einst einen talentierten Spieler wie Christian Rahn. Der wurde sogar Nationalspieler (unter Rudi Völler). Aber „Rahner“ hatte ähnliche Schwächen wie Diekmeier nun. Ich empfahl Rahn damals, sich privat einen Trainer zu nehmen, damit er sich verbessert, aber es geschah nichts. Und der HSV-Profi hatte schnell seine Nationalmannschafts-Karriere beendet – und dann auch seine Erstliga-Karriere. Schade drum. Rahn war talentiert, hatte einen sensationellen linken Fuß, konnte gut flanken und super schießen. Nur nach hinten war er verbesserungsfähig, doch weder er noch irgendeiner beim HSV haben daran gearbeitet. Ich sage und behaupte noch heute: „Eine verschenkte Profi-Karriere.“

Heute würde ich auch Dennis Diekmeier einen Privat-Trainer empfehlen, wenn der HSV-Abwehrspieler noch etwas werden will. Und die Chance, dass er noch etwas werden könnte, ist ja so groß wie nie. Nur wird beim HSV wurde daran so gut wie nie gearbeitet, und ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass daran noch einmal explizit gearbeitet wird. Vormittags Training mit der Mannschaft, nachmittags mit einem Trainer (und vielleicht sogar einem „Gegenspieler“, der die Zweikämpfe führt!) auf den Acker. Des wäre ein Anfang. Diekmeier würde sich defensiv bestimmt verbessern, wenn sein Auge, sein Kopfball- und sein Stellungsspiel geschult werden würde.

 

Aber da Individual-Training in der Bundesliga und für die Trainer kaum ein Thema ist, sollte er nun selbst handeln – wenn er noch die ganz große Karriere starten will. Ich kann nur daran erinnern, dass zwei mir bekannte Profis einst „eigenhändig“ Privat-Trainer engagiert – und davon absolut profitiert haben. Dennis Diekmeier wird im Oktober 25 Jahre alt, noch würden ihm alle Türen offen stehen, aber er sollte jetzt wissen, dass er ziemlich bald damit anfangen müsste, etwas für sich zu tun. Andere werden es nicht für ihn erledigen. Die sind alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, so ist das im heutigen Profi-Geschäft.

 

So, bevor ich zum Ende komme, schnell noch einmal der Hinweis in eigener Sache:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV veröffentlicht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, und zwar um 10 Uhr.

 

17.05 Uhr

Auch Beiersdorfer und Bierhoff wurden kontaktiert

16. April 2014

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23 Uhr. Aktuelle Ergänzung Info-Veranstaltung siehe unten
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Die Kandidaten der Initiative HSVPlus sind raus – und sie rufen allgegenwärtig positive Reaktionen hervor. Auch bei mir. Denn die Zusammensetzung bietet alle Zutaten, die ein erfolgreicher Aufsichtsrat braucht. Sportliche Kompetenz ist mit Thomas von Heesen gegeben und wird von Peter Nogly zweifellos ergänzt. Mit Felix Goedhart und Dieter Becken stehen zwei erfolgreiche Geschäftsmänner für die Überwachung der Finanzen bereit, während mit Bernd Bönte einer der bekanntesten deutschen Sportmanager sein Wissen beim HSV einbringt. Zudem ist Karl Gernandt dabei, der als rechte Hand von Milliardär Klaus-Michael Kühne bekannt ist. Und das Argument, Gernandt sei als Ohr am Gleis für Kühne dabei lasse ich gern gelten – weil ich es nicht für schlimm halte. Im Gegenteil. Es ist üblich und vor allem: Es ist tatsächlich alternativlos. Denn bislang ist Kühne der einzige Kandidat für eine strategische Partnerschaft. Ihn zu verlieren, würde den HSV noch weiter zurückwerfen, als es die Vereinspolitik der letzten fünf Jahre geschafft hat.

Dass Kapital dringend nötig ist, ist ebenso unbestritten wie die finanzielle Potenz Kühnes (Geschätztes Vermögen 7,9 Milliarden Euro). Und Gernandt trifft im Aufsichtsrat auf Kollegen, die wissen, wie man mit solchen Geldgebern umgeht und wie man erfolgreich Unternehmen führt. Eine feindliche Übernahme erscheint mir in diesem Zusammenhang als sehr unwahrscheinlich. Zumal der Aufsichtsrat nicht das operative Geschäft leiten, sondern es kontrollieren soll.

Apropos: Für den operativen Bereich wird weiterhin nach DEN dominanten Figuren gesucht. Angesprochen wurde bereits der noch bis 2015 bei Zenit St. Petersburg unter Vertrag stehende Dietmar Beiersdorfer. Für den sportlichen Bereich. Intern bereits seit längerer Zeit gemunkelt aber noch nicht geschrieben wurde indes, dass auch Oliver Bierhoff angesprochen wurde – als möglicher neuer Vorstandsboss. Der Teammanager der Deutschen Nationalmannschaft und ehemalige HSV-Profi lehnte mit Verweis auf seine Vertragslaufzeit beim DFB (bis 2016) bislang ab. Allerdings könnte sich das Thema bei einem (hoffentlich nicht!!!) enttäuschenden WM-Abschneiden schlagartig aktualisieren.

Allem ist natürlich vorausgesetzt, dass HSVPlus im Mai mit mindestens 75 Prozent der Mitgliederstimmen gewählt wird. Wobei ich das schon allein mangels Gegenvorschläge als ebenfalls absolut alternativlos sehe.

Egal wie, niemand kann garantieren, das sich dieser mögliche, neue Aufsichtsrat nicht auch zerstreitet und plötzlich alles ausartet. Klar! Aber die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Aufsichtsrat deutlich besser funktioniert als der bisherige liegt in meinen Augen bei annähernd 100 Prozent. Relativ betrachtet ist das auch nicht schwer. Aber allein die Zusammenstellung wirkt auf den ersten Blick stimmig.


Mehr Probleme bei einer objektiv guten Zusammenstellung hat bislang noch Trainer Mirko Slomka, da ihm einige wichtige Spieler verletzungsbedingt fehlen. Und während Pierre Michel Lasogga wie von mir befürchtet für diese Saison nicht mehr infrage kommt, hoffen andere. Hakan Calhanoglu war schon heute wieder voll dabei und wirkte, als sei nie was los gewesen. Milan Badelj absolvierte ebenso wie Marcell Jansen ein individuelles Aufbauprogramm mit Rehatrainer Markus Günther, während Heiko Westermann hofft. „Ich werde auch am Donnerstag noch nicht mit der Mannschaft trainieren, dafür aber hoffentlich am Freitag“, so der Abwehrmann, der gegen Hannover bereits nach wenigen Minuten wegen einer alten, aufgebrochenen Verletzung ausgewechselt werden musste. „Ich werde am Ende in Absprache mit dem Trainer entscheiden, ob ich spielen kann oder nicht.“ Dass ihm ein zu früher Einsatz auch die letzte WM-Chance nehmen könnte, ist Westermann egal: „Wir wollen nicht absteigen. Ich auch nicht. Nur darum geht es im Moment.“

Und am Sonnabend kommt mit dem VfL Wolfsburg ein Gegner, der seine Klasse gegen Dortmund am Dienstag eindrucksvoll demonstrierte. Insbesondere offensiv boten die Niedersachsen gegen nicht minder gute Dortmunder ein hochklassiges Fußballspiel. „Das war schon beeindruckend“, sagt Westermann, „gerade vorn war Wolfsburg so stark, dass sie durchaus den einen oder anderen Treffer verdient gehabt hätten. Das wird nicht leicht für uns, ein ganz heißes Match.“ Das Gute daran: Unterschätzen ist diesmal wohl ausgeschlossen. Schnippisch formuliert.

Allerdings auch, weil der Trainer die Ansprache verändert hat, eine härtere Wortwahl nutzte. „Dass nach so einer Partie mal grober miteinander umgegangen wird ist völlig normal“, sagt Westermann, der die Wirkung der Traineransprache mit einem verschmitzten Lächeln wie folgt bewertet: „Das werden wir sehen am Sonnabend im Spiel. Reden allein bringt doch nichts. Wir sind alle heiß auf das nächste Spiel. Sagen wir so: Die Anspannung ist groß.“

Was Hoffnung macht ist die Tatsache, dass die Mannschaft zu Hause seit fünf Spielen ungeschlagen ist. Weshalb es auswärts einfach nicht funktioniert, weiß auch Westermann nicht. Mehr als ein Achselzucken kommt da nicht: „Es ist auch nicht zu erklären, weshalb. Aber für Sonnabend ist die Erkenntnis gut, dass wir zu Hause bislang eine andere Mannschaft sind als auswärts.“ Über alles weitere könne man sich ab Sonntagmorgen Gedanken machen.

Mehr im Blog lesen könnt Ihr heute Abend nach der Infoveranstaltung im Elysée, von der Euch Lars berichten wird. Ich melde mich dann morgen nach dem Nachmittagstraining wieder bei Euch. Bis dahin!

Scholle

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Ergänzung vom Abend, Info-Veranstaltung zum Ausgliederungskonzept. Etwa 250 Vereins-Mitglieder hatten sich im Spiegelsaal des Elysee-Hotels eingefunden, um ihre Fragen zu stellen. Der komplette Vereins-Vorstand, der Finanzchef und ein Jurist antworteten. Hier die Fragen und Antworten, zu denen es im Wesentlichen kam:

Was passiert mit der Raute im Fall der Insolvenz der AG?
Die Raute könnte vom e.V. wieder neu angemeldet werden, sie ist geschützt vor der Insolvenz der AG. Steuerrechtlich ist es allerdings nicht möglich, die Raute nach Ausgliederung im e.V. zu belassen.

Ist es möglich, in der AG eigenmächtig die Raute zu verändern?
Der e.V. bleibt die Muttergesellschaft der AG. Sollte es neue strategische Partner geben, entscheidet immer noch der e.V. als Mehrheitseigner der AG.

Dürfen Fanclubs die Raute weiter nutzen?
Ja, so wie bisher.

Ist die Marke im Insolvenzfall der AG dem Insolvenzverwalter ausgeliefert?
Einen absoluten Insolvenzschutz sieht das deutsche Insolvenzrecht nicht vor. Wir haben das Maximum an Schutz eingebaut. Im Übrigen könnte im Insolvenzfall der AG nur der e.V. wieder eine Bundesliga-Mannschaft anmelden. Im e.V.-Modell hätten wir das gleiche Problem, wenn nicht ein noch größeres.

Kann der e.V. nicht lieber die Marke behalten und per Lizenz an die AG abgeben – und kann nicht ebenso das Stadion beim e.V. bleiben?
Nein, so ist die Ausgliederung nicht tragfähig.

Wie sieht es aktuell mit dem Geld der Campus-Anleihe aus?
Wir haben es teilweise zur Liquiditätssicherung gebraucht, erste Baumaßnahmen eingeleitet, z.B. Bäume gefällt. Außerdem haben wir von dem Geld auch die Anlage zur Bestrahlung des Rasens angeschafft. Generell haben wir das Geld nach dem Projektverlauf eingeteilt und eingeplant. Morgen erhalten wir hoffentlich alle Baugenehmigungen, um weitere Schritte einzuleiten.

Wie ist der e.V. nach der Ausgliederung überlebensfähig?
Der e.V. trägt sich selbst. Im e.V. bleiben Erträge und Aufwendungen wie bisher. Das bleibt für den e.V. auskömmlich. Der e.V. entscheidet über die Ausschüttung von Gewinnen aus der AG auch an sich selbst.

Wie sieht es mit der Vermarktung durch Sportfive aus?
Der Vertrag mit Sportfive läuft bis 2020, es ist eine reine Vertriebspartnerschaft. Wenn wir etwas verkaufen, dann nur nach Zustimmung durch den HSV. Und das bleibt so bis 2020.

Ist ein Geschäft so wie bei Hertha möglich, wo ein Investor in großem Stil eingestiegen ist?
Das ist für den HSV keine erstrebenswerte Transaktion, diese Art Deal wie bei Hertha ist beim HSV nicht erwünscht. Dort ist es Rendite-orientiert – das wollen wir nicht.

Wie steht es künftig mit den Chancen der Amateure, sich zu vermarkten?
Es wird sich nicht so viel ändern. Die Bundesliga-Mannschaft ist der überragende Werte-Treiber des HSV. Sportfive ist unser exklusiver Partner. Es soll keine Kanibalisierungen geben, wenn z.B. Emirates auf der Brust der Bundesliga-Mannschaft ist, und eine andere Airline in einem anderen Bereich werben möchte.

Ist die Raute sicher nach der Ausgliederung?
Ja.

Was sagt imtech dazu, dass die AG sich den Namen „Volksparkstadion“ sichert?
Darüber haben wir nicht mit imtech gesprochen. Wir wollen das aber so machen wie geplant.

Wenn am 25. Mai HSV-Plus gewählt wird – ab wann ist die AG arbeitsfähig?
Wirksam werden die neuen Regelungen ab 1. Juli, das ist die Planung. Wir würden dann die Lizenz für die AG bekommen.

Wie sieht es überhaupt aus mit der Lizenz-Erteilung?
Die DFL tritt erst am Ende des Monats zu diesem Thema zusammen. Im Fall der Zweiten Liga rechnen wir mit einer Lizenz-Erteilung, die an Bedingungen geknüpft sein wird.

Steigt der HSV ab?
Wir gehen nicht davon aus. Wir bleiben in der ersten Liga, wenn wir so auftreten wie gegen Leverkusen – und nicht wie in Hannover.

Gibt es belastbare Zahlen, wie der e.V. finanziell nach einer Ausgliederung aussieht?
Es fließt mehr Geld von der AG in den e.V. als anders herum. Die Paul-Hauenschildt-Anlage bleibt auch im e.V. Für die Nutzung der Anlagen zahlt die AG dann Gebühren an den e.V. Konkret hat der e.V. nach unserer Rechnung Erträge in Höhe von ca.5,3 Millionen Euro, Aufwendungen von knapp 5 Millionen.

Was geschieht mit den Mitgliedsbeiträgen der Supporters?
Die bleiben komplett beim e.V.

Wenn der Campus kommt, nutzt die AG dann Ochsenzoll überhaupt noch?
Die AG wird weiter Ressourcen in Ochsenzoll nutzen. E.V. und AG verpflichten sich gemeinsam der Anlage Ochsenzoll.

Wenn viele Supporters austreten, was nach der Ausgliederung passieren könnte – gibt es Übergangs- oder Bestandsregelungen was finanziellen Ausgleich der Abteilung angeht?
Das ist nicht geplant. Warum sollte das auch geschehen mit den Austritten? Vergleichbare Vereine, die ausgegliedert haben, hatten keine massenweisen Austritte.

Welche Auswirkungen hätte eine e.V.-Pleite auf die AG?
Dieses Szenario ist kaum denkbar.

Wenn HSV-Plus am 25. Mai keine Dreiviertelmehrheit erhält – was passiert dann im Verein?
Der Vorstand ist darauf eingestellt, dass geht es weiter wie bisher.

Es wurden heute sechs Personen vorgestellt, die für den AG-Aufsichtsrat kandidieren– wer bleibt denn noch im Amt?
Nach dem Übergang bleibt der aktuelle Vorstand im Präsidium des e.V. In der AG bleiben Hilke und Jarchow. Was der neue Aufsichtsrat machen würde, ist jetzt nicht zu prognostizieren – alle aktuellen Vorstände haben jedenfalls laufende Verträge.

Die sechs HSV-Plus-Kandidaten: Becken, Bönte, Gernandt, Goedhart, von Heesen, Nogly

16. April 2014

Die Initiative HSV-Plus hat am Mittwochvormittag ihre sechs Kandidaten für einen möglichen neuen Aufsichtsrat der Fußball AG bekannt gegeben. Hier die Erklärung:

Die Mitgliedschaft des Hamburger Sport-Vereins hat die Initiative HSVPLUS während der vergangenen Monate darum gebeten, ihr Personalvorschläge für die Gremien der HSV Fußball AG zu unterbreiten. Am heutigen Tag hat die Initiative eine Mannschaft für den zukünftigen Aufsichtsrat der HSV Fußball AG vorgestellt.

„Wir haben für den Aufsichtsrat sechs Personen gefunden, die genau das mitbringen, was wir gesucht haben. Eine Mischung aus Medien-, Wirtschafts- und Fußballexperten. Nach vielen Gesprächen sind wir uns sicher, dass dieser Aufsichtsrat, den wir unter www.hsvplus.de vorstellen, nicht nur als Mannschaft auftreten wird, sondern auch seine Werte und Ziele so vorleben wird, dass der ganze Verein endlich aus seiner Lethargie erwachen wird.”, erklärt Initiator Otto Rieckhoff sichtlich zufrieden.

Die Erfolgsfelder der HSV Fußball AG

Neu ist, dass jeder einzelne Kandidat innerhalb des Aufsichtsrats für ein Erfolgsfeld der HSV Fußball AG zuständig ist. Die Erfolgsfelder decken die täglichen Herausforderungen eines Aufsichtsrats ab. Dies gewährleistet, dass sich die Personen um ein Themengebiet kümmern, bei dem sie ihr Wissen am besten einbringen können.

Die speziellen Erfolgsfelder
•Das Konzept des Nachwuchsbereiches & die sportliche Philosophie des HSV
•Die Marke HSV
•Der HSV 2020 (der HSV Fußball-Finanzen-5-Jahresplan)
•Die HSV Gemeinschaft (Amateur- & Fanbelange, Zusammenarbeit e.V. und AG)

Otto Rieckhoff unterstreicht die Bedeutung von Erfolgsfeldern wie dem Konzept des Nachwuchsbereiches: „Wichtig ist, dass Philosophie und Ausrichtung des Vereins endlich von oben mit einem Konzept vorgegeben werden. Wir brauchen dieses Konzept. Jeder Trainer und Sportchef hat seine eigene Idee ausprobiert. Das muss aufhören.”

Der Aufsichtsrat der HSV Fußball AG

Damit der Verein direkt nach der Mitgliederversammlung handlungsfähig ist, wird der Aufsichtsrat der HSV Fußball AG am 25.05.2014 durch die Mitglieder mit der Zustimmung zu einem einzigen Antrag ernannt. Nach Ablauf der Amtszeiten dieser Aufsichtsräte wird der Aufsichtsrat entsprechend des Konzepts von der Hauptversammlung der HSV Fußball AG – also dem Präsidium des HSV e.V. – bestimmt.

Bis zum Januar 2015 besteht der Beirat/Wahlausschuss aus dem Vorsitzenden und den zwei Stellvertretern des Ehrenrats sowie den bisher in den Aufsichtsrat des Hamburger Sport-Verein e.V. entsandten Mitgliedern der Abteilung Fördernde Mitglieder und der Amateurversammlung. Im Januar 2015 werden Beirat/Wahlausschuss und das Präsidium des HSV e.V. durch die Mitglieder neu gewählt, solange übernimmt der bisherige Vorstand das Präsidium des HSV e.V.

Im unten vorgestellten und neuen Aufsichtsrat fehlt der noch nicht gewählte Präsident des HSV e.V. Dieser wird nach seiner Wahl bei der nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung im Januar 2015 automatisch in den Aufsichtsrat rücken und einen der aktuellen Vertreter ersetzen. Der Präsident des e.V. ist in seiner Aufsichtsratsfunktion für die HSV Gemeinschaft (Amateur- & Fanbelange, Zusammenarbeit e.V. und AG) als Pate zuständig.

Der Aufsichtsrat der HSV Fußball AG ist in der Lage, nach der Mitgliederversammlung – sofern er es für notwendig hält – Änderungen im Vorstand der Fußball AG herbeizuführen. Der Verein ist somit direkt nach der Versammlung handlungsfähig und kann die Planungen für die neue Saison in Angriff nehmen.

Zu dem möglichen Aufsichtsrat für die HSV Fußball AG gehören
•Dieter Becken, seit über 35 Jahren aktiv in der Immobilienbranche und Inhaber der BECKEN Holding GmbH
Erfolgsfeld: Der HSV 2020 (der HSV Fußball-Finanzen-5-Jahresplan)

•Bernd Bönte, Geschäftsführer der “Klitschko Management Group GmbH” – Chefvermarkter der Klitschko-Brüder
Erfolgsfeld: Die Marke HSV

•Karl Gernandt, Präsident des Verwaltungsrats der Kühne + Nagel International AG
Erfolgsfeld: Der HSV 2020 (der HSV Fußball-Finanzen-5-Jahresplan) und die HSV Gemeinschaft

•Felix Goedhart, Vorstandsvorsitzender der Capital Stage AG
Erfolgsfeld: Der HSV 2020 (der HSV Fußball-Finanzen-5-Jahresplan)

•Thomas von Heesen, Europapokal-Sieger mit dem HSV 1983 und Geschäftsführer im Sportmanagement
Erfolgsfeld: Das Konzept des Nachwuchsbereiches & die sportliche Philosophie des HSV

•Peter Nogly, Kapitän der HSV-Meistermannschaft von 1979 und Ex-Trainer im norddeutschen Amateurbereich
Erfolgsfeld: Das Konzept des Nachwuchsbereiches & die sportliche Philosophie des HSV

Slomka: “Es war eine harte, ehrliche Analyse”

15. April 2014

Mirko Slomka ist weiter auf Fehlersuche beim HSV. Wobei das meiner Meinung nach keine echte Suche ist. Immerhin sind es so viele Fehler, die Woche für Woche einlaufen, ohne dass man suchen muss. Nach guten folgen schlechte Spiele. Und das immer und immer wieder. Einzige Ausnahme ist, wenn es mal ein paar mehr schwache Partien in Folge sind. „Zwei Siege nacheinander hatten wir in dieser Saison noch nicht“, sagt Slomka, „und das sagt schon so einiges aus.“ Konstanz ist ein Fremdwort – aber notwendig im Abstiegskampf. Das betonen die Spieler, das weiß Slomka. „Wir waren alle enttäuscht, teilweise waren wir auch ein bisschen schockiert. Für den Moment zumindest. Aber gleich in der Nacht darauf haben wir uns darum gekümmert, eine entsprechende Analyse für die Mannschaft zusammenzustellen. Ich wollte allen sehr deutlich machen, worum es geht und was gefehlt hat, um zu gewinnen“, sagt Slomka (siehe folgendes Interview).

Die unerklärliche Darbietung in Hannover – heute wird sie noch aufgearbeitet – ab heute Abend zählt allein der VfL Wolfsburg. Und um sich besser auf die Niedersachsen vorzubereiten, empfahl Slomka seinen Akteuren, sich das Pokalspiel live anzuschauen. Aber Slomka legt auch Wert auf lückenlose Analysen und führte dafür etliche Einzelgespräche – weitere sollen folgen. „Ich glaube schon, dass wir uns mittlerweile alle im Klaren sind, in welcher Situation wir uns befinden. Auch, was es bedeutet, so ein Spiel wie zuletzt mit dem tollen Tor von Heiko zu gewinnen. Der ganze Zuspruch von außen, die Lautstärke, die Euphorie“, sagt Slomka und wundert sich über die zu kurze Halbwertzeit solcher Erfolgserlebnisse: „Diese Euphorie – und trotzdem ist dann in Hannover etwas abgelaufen auf dem Platz, was uns am Ende zehn Kilometer weniger laufen ließ und dazu führte, dass wir nur die Hälfte der intensiven Läufe, die Hälfte der Sprints gemacht haben“, so Slomka, der die Analyse öffentlich wie gewohnt moderat ausführt, intern aber lauter geworden sein soll.

Weil er genauso wenig wie wir nachvollziehen kann, dass eine Mannschaft plötzlich so abtaucht. „Man kann ganz genau erkennen, was für ein positives Ergebnis das gibt, wenn man viel mehr läuft als der Gegner. 2:1- Sieg und in allen Laufstatistiken besser – und dann in Hannover genau das Gegenteil mit 109 Kilometern. Das ist es, was uns die Fragezeichen in die Augen treibt. Aber das mussten wir den Spielern aufzeigen. Und deshalb war es intern eine sehr deutliche, sehr klare Analyse. Sie war in der Ansprache nicht positive, war gerade, persönlich und hart.“

Zuckerbrot und Peitsche – Slomkas Prinzip für diesen HSV. Zumindest ist Slomka weiterhin bemüht, den Schulterschluss mit der Mannschaft zu halten. „Ich habe nicht mit dem Lehrerstock auf den Tisch gehauen, sondern ich muss die Spieler mitnehmen und ihnen zeigen, was genau gefehlt hat, wo sie einen Meter zu wenig gemacht haben. Es geht nicht nur darum, Spieler auf dem Platz zu haben, die wissen, worum es geht. Wir müssen auch Leute auf dem Platz haben, die wissen, wie es geht.“

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Stimmt. Aber die hat der HSV momentan nur bedingt. Heute meldete sich zudem noch Hakan Calhanoglu ab. Der zweitbeste HSV-Torschütze klagt über Halsschmerzen und bekam präventiv Ruhe sowie einige Medikamente verschrieben, um für Sonnabend wieder komplett hergestellt und einsatzbereit zu sein. Gleiches will auch Milan Badelj. „Es fühlt sich ganz gut an“, freute sich der Kroate heute nach dem Lauftraining mit Rehatrainer Markus Günther. Allerdings wollte er noch keine Prognose abgeben. „Das ist zu früh“, so Badelj, der am Mittwoch die Laufintensität steigern und am Donnerstag langsam wieder mit dem Ball arbeiten soll. „Er will unbedingt wieder spielen“, sagt Slomka, „und er ist für uns auch immens wichtig. Aber wir müssen vorsichtig sein, da wir ihn auch in den anderen drei Spielen noch brauchen werden.“

Dennoch hat Slomka noch eine kleine Resthoffnung, den Kroaten am Sonnabend wieder auf der Sechs zu haben. Zumal die Doppelsechs mit Tomas Rincon und Tolgay Arslan gegen Hannover komplett fehlschlug. „Die beiden haben kein gutes Spiel gemacht“, so Slomka, der in dieser Woche erstmals auch Kerem Demirbay Chancen einräumt, wieder zum Kader zu gehören. „Kerem ist heiß und wir werden uns das in den nächsten Tagen genau ansehen“, so Slomka, der auf Ouasim Bouy („Schade, weil er bissig wirkte und sich näher herangearbeitet hat“) verzichten muss. Der Winterzugang war im Training ausgerutscht und hatte sich dabei am Knöchel verletzt. Wie lange er ausfällt, ist offen. Wieder gut im Saft ist Ivo Ilicevic. Zumindest heute im Training.

Ebenso wie die Rückkehr von Rafael van der Vaart. Der HSV-Trainer: „Wir haben einige Fragezeichen. Beim Kapitän Rafael van der Vaart wird es sehr eng mit einer Zerrung in der Wade. Werden alles versuchen, und er kann auch Schmerzen ertragen“, hofft Slomka, „aber für das Spiel am Sonnabend kann ich seinen Einsatz nahezu ausschließen.“ Besser sieht es dagegen bei Heiko Westermann aus. „Bei ihm wird es von Tag zu Tag besser, er wird behandelt und beginnt am Mittwoch mit Lauftraining, um ihn am Sonnabend wieder auf dem Platz zu haben.“

Fehlen wird definitiv Pierre-Michel Lasogga. Der Toptorjäger mit der rätselhaft langwierigen Verletzung weilt momentan in Gelsenkirchen, nachdem er sich in München bei Dr. Müller-Wohlfahrt hatte untersuchen lassen. Weswegen einer der Schlüsselspieler sich nicht in Hamburg untersuchen lässt, erschließt sich mir nicht. „In Gelsenkirchen ist er bei seiner Familie und kann mal so richtig abschalten“, hofft Slomka auf seelische Entspannung bei seinem Toptorjäger. „Klar ist auch, dass emotionale Anspannung den körperlichen Zustand beeinflusst“, so der studierte Pädagoge. Wann Lasogga wieder eingeplant werden kann? „Das wird sicher noch nicht in der kommenden Woche, aber vielleicht in der Woche darauf.“ Dann gegen Bayern München – hofft Slomka.

Am Mittwochmittag indes wird es erstmal wieder politisch. Denn da stellt die Initiative HSVPlus seine personellen Vorschläge für den Fall einer Dreiviertelmehrheit am 25. Mai für ihre Strukturreform vor. „Wir werden unsere Liste per Pressemitteilung veröffentlichen und uns anschließend wieder zurückziehen“, sagt Initiator Ernst-Otto Rieckhoff, „damit wir uns alle sofort wieder auf das Spiel am Sonnabend gegen Wolfsburg konzentrieren können.“ Nicht auf der Liste potenzieller Amtsträger wird überraschenderweise Holger Hieronymus sein. Der sagt unmittelbar vor der Präsentation ab. „Ich kannte seine Entscheidung schon länger und war nicht überrascht“, sagt Rieckhoff. Dass mit Hieronymus der wohl namhafteste Kandidat bislang von der Liste gestrichen wird, stört Rieckhoff nicht. Sagt er. „Holger wird zwar kein Amt übernehmen, aber sich weiterhin intensiv für HSVPlus einsetzen.“ In den nächsten Wochen seien schon fünf, sechs gemeinsame Termine bei Fan-Clubs angesetzt.

Bislang ist tatsächlich relativ wenig durchgedrungen, was die Kandidaten von HSVPlus betrifft. Peter Nogly, Kühne-Attaché Karl Gernandt und Thomas von Heesen scheinen gesichert, ansonsten wird wild spekuliert – was ich hier sein lassen werde. Allerdings konnte die Liste auch deshalb so lange geheim gehalten werden, weil sich selbige erst spät herauskristallisiert hat und der eine oder andere Wunschkandidat (unter anderem auch Hieronymus) letztlich doch nicht für ein Amt beim HSV begeistert werden konnte. „Ich habe nie gesagt, dass ich ein Amt übernehmen will und bin überrascht, dass andere überrascht sind“, sagt Hieronymus selbst. Dass er nicht für den Aufsichtsrat kandidiert, um letztlich von selbigem als Vorstand bestimmt zu werden, ließ Hieronymus („Ich will keine Diskussionen befeuern, wir brauchen Ruhe für den sportlichen Bereich“) unkommentiert. Und Rieckhoff versprach: „Es werden einige Überraschungen dabei sein.“ Ich warte es ab. Morgen um elf soll es soweit sein.

Bis dahin! Um zehn Uhr wird trainiert, was das Wichtigste an diesem Tag sein dürfte. Trotz der Infoveranstaltung am Abend im Grand Elysée. In diesem Sinne: Das Sportliche voranstellen ohne die anschließend zwingend notwendigen Veränderungen aus dem Blick zu verlieren – nur so kann es funktionieren.

Scholle

Rieckhoff und HSVplus sind die Gewinner

19. Januar 2014

Es ist vollbracht! Die Schlacht ist geschlagen. Die Weichen sind gestellt, es wird Struktur-Änderungen im HSV geben, die “Rothosen” öffnen sich für Investoren und das Modell „HSVplus“ von Ernst-Otto Rieckhoff ist der große Gewinner dieser legendären HSV-Mitglieder-Versammlung. Um 17.53 Uhr brandete riesiger Jubel im CCH auf, als das Abstimmungs-Ergebnis für „HSVplus“ auf der Anzeigentafel veröffentlicht wurde: 5023 Mitglieder votierten für den Antrag, 1303 stimmten dagegen, es gab 54 Enthaltungen. Es gab langanhaltenden Applaus für Rieckhoff und seine Helfer, von denen Horst Hrubesch, Holger Hieronymus, Ditmar Jakobs, Thomas von Heesen und Dr. Wolfgang Klein an dieser Versammlung teilgenommen haben.


Der HSV, sportlich und wirtschaftlich schwer angeschlagen, kann jetzt von einer besseren Zukunft träumen – auch wenn die sportliche Seite der Medaille mit Platz 14 und nur 16 Punkten natürlich immer noch höchst prekär ist. Daran muss jetzt verstärkt gearbeitet werden. Trotz aller heißen Debatten und hart geführten Reden ist der HSV meiner Meinung nach mit einem halbwegs heilem Fell aus „der Sache“ herausgekommen. Auch wenn es gelegentlich hoch, sehr, sehr hoch herging. Das war nicht anders zu erwarten. Ich bin allerdings sehr froh, dass es doch nicht so schlimm geworden ist, wie von einigen befürchtet – auch von mir. Kompliment an alle Mitglieder, die trotz unterschiedlicher Auffassungen doch relativ fair geblieben sind. Großartig. Dass es trotz allem gelegentlich laut, einige Male heiter und humorvoll, gelegentlich sogar auch etwas unfair war, das liegt in der Natur der Sache – ich hatte insgesamt Schlimmeres erwartet. Auch wenn es im Saal eins zu gewissen Turbulenzen, fast auch zu Handgreiflichkeiten gekommen ist. Und auch als um 17.28 Uhr aus einer bestimmten Ecke „Presse-raus“-Rufe gab, blieb alles im Rahmen. Auch darüber wurde natürlich abgestimmt, aber die Presse durfte dann doch bleiben. Hervorragend!

Dann vorerst einmal, ich muss es loswerden, ein dickes, ein ganz, ganz dickes Kompliment an die beiden Kollegen, die heute von Beginn an live per Ticker aus dem CCH berichtet haben. Marcus „Scholle“ Scholz und Florian Heil haben in meinen Augen fast „Unmenschliches“ geleistet, sie haben ununterbrochen getippt – bravo! Ich weiß, diese Arbeit wurde im Blog auch schon vielfach gewürdigt, aber ich musste das doch noch einmal loswerden, denn das war einfach nur klasse!

Die Versammlung begann mit einer viertelstündigen Verspätung – der Andrang war zu groß. Um 10.45 Uhr, also eine Viertelstunde vor dem offiziellen Beginn, wurde die große Halle H im CCH geschlossen, nach 5300 Mitgliedern wurden alle anderen HSVer in jenen Saal eins geführt, in dem sonst fast alle HSV-Jahreshauptversammlungen durchgeführt wurden. 5974 waren bereits um 11.17 Uhr gekommen, so Vorstandsmitglied Oliver Scheel. Diese Zahl bedeuteten schon mal neuen HSV-Rekord. Um 12.02 Uhr, als sich die Mannschaft nach einer Dreiviertelstunde zwecks Vorbereitung auf das Schalke-Spiel verabschiedete, waren insgesamt 6334 Menschen anwesend, davon waren 6195 Mitglieder stimmberechtigt. Die vorläufige „Endzahl“, die gab Veranstaltungs-Leiter Dr. Andreas Peters um 21.30 Uhr bekannt: In der Spitze waren 7165 Mitglieder bei dieser HSV-Jahreshauptversammlung dabei.

Ernst-Otto Rieckhoff sprach vor ihnen an erster Stelle, und zwar in Sachen Struktur-Reform – natürlich über sein Modell „HSVplus“. Da wurden die Mehrheits-Verhältnisse in der großen Halle schon einmal vorab akustisch geklärt. Denn EOR wurde von Beginn an stürmisch gefeiert und sagte vorab: „Warum macht das HSVplus-Konzept ausgerechnet dieser Rieckhoff? Der doch acht Jahre lang im Aufsichtsrat mit dazu beigetragen hat, dass die Situation so ist, wie sie heute ist. Ja, der Rieckhoff macht das, weil er zu seinen Fehlern steht, weil er sich im Gegensatz zu anderen nicht versteckt und sich nicht rausredet.“ Donnernder Applaus. Der frühere Aufsichtsrats-Chef weiter: „Die Zeit war reif, eine neue Struktur vorzuschlagen, weil ich weiß, wie es nicht geht – und vor allem, wie es jetzt gehen muss.“ Und er fügte auf Nachfrage hinzu: „Ich strebe kein Amt mehr in diesem HSV an.“

Jürgen Hunke brachte, auch um sich selbst zu disziplinieren, eine Schach-Uhr (in Berlin gekauft) mit und drückte sie dem Versammlungsleiter Dr. Andreas Peters in die Hand. Dafür erntete Hunke (Modell: „Zukunft mit Tradition“) einige Pfiffe. Das ehemalige Vorstands-Mitglied Christian Reichert sprach für „HSV-Reform“ und erhielt nach Rieckhoff wohl den meisten Beifall. Für das Model „Rautenherz“ sprach – sehr engagiert – Rainer Ferslev, für das Modell „HSV 21“ trat Professor Wolfgang Müller-Michaelis ans Pult – vom Applaus her gab es für beide Redner zwar Beifall, aber sie kamen nicht annähernd in Rieckhoffsche Dimensionen.

Hoch her, in der Tat, ging es dann bei den zahlreichen Rednern, die ans Pult traten. So hoch und so emotional und so lang, dass irgendwann eine Rednerzeit-Regulierung in Kraft trat – nur noch zwei Minuten. Das traf dann gleich zu Beginn den ehemaligen Präsidenten Dr. Peter Krohn, der sich demokratisch beugte und sich sehr zurückhielt. Krohn, der viel Beifall erhielt, sagte in seinem Beitrag: „Es geht nicht um Strukturen, es geht um die handelnden Personen. So ist es übrigens auch bei Bayern München.“

Vom ehemaligen Aufsichtsrats-Mitglied Gerhard Hein (HSV-Fußball-Frauen) mit einigen Fragen geschickt „ins Spiel“ gebracht wurde der Vorstand – eine Art „Doppelpass“. Joachim Hilke, der so lange, über Monate, hatte schweigen musste, weil sich Vorstand und Aufsichtsrat ein Schweige-Gelübde gegeben oder verordnet hatten, nahm an diesem historischen Tag dann aber so etwas von Stellung, dass fast alle von ihren Sitzen purzelten. Offener und schonungsloser ging es nicht, das hatte Gewicht, das war Super-Klasse, das war schon endlich und lange mal fällig. Sensationell, Joachim Hilke! Auch wenn es natürlich auch einige böse Reaktionen darauf gab, aber das war natürlich zu erwarten. Hilke kann damit leben, wird damit leben – und von seinen „Vorgesetzten“, den Herren Aufsichtsräten, wird er auch keinen Schuss vor den Bug erhalten, denn alle haben es in dem CCH erlebt, wie sehr Hilke gefeiert wurde. Horst Hrubesch hob den Daumen, Professor Jörg Debatin stand spontan auf und applaudierte. Viele schlossen sich ihm an.

Für viel Aufsehen sorgte das ehemalige Aufsichtsrats-Mitglied Axel Formeseyn, der in seiner Rede allen seinen Emotionen freien Lauf ließ – überragend! „Es wäre wohl besser gewesen, wenn dieser Aufsichtsrat, der sich schon etliche Verfehlungen geleistet hat, vorher zurückgetreten wäre . . .“ Und, auch das sagte Formeseyn: „Wir brauchen eine deutliche Reform, und zwar an allen Ecken und Kanten.“

Überraschend trat auch Karl Gernandt, Generalbevollmächtigter von Klaus-Michael Kühne, an das Mikrofon, er stellte klar, dass sein Chef die ersten Millionen, die er dem HSV zur Verfügung gestellt hatte, komplett geschenkt hat. Und zweitens sagte er, dass sie alle fünf Anträge zur Struktur-Reform geprüft hätten und zu dem Schluss gekommen sind, HSVplus zu unterstützen. Das gab zweimal viel Applaus.

Fünf Stunden und länger wurde danach heiß und heißer diskutiert. Am Ende stand die Entscheidung, die Entscheidung über die Struktur-Änderungen zu vertagen. Diesen Antrag hatte Aufsichtsrats-Mitglied Eckart Westphalen gestellt – und wurde abgeschmettert. 5146 Mitglieder stimmten dagegen (82,1 Prozent), 1122 stimmten dafür, es gab 93 Enthaltungen.

Dann die Entscheidung des Tages – mit dem Sieger „HSVplus“. Danach stand das Modell „Rautenherz“ auf dem Prüfstand und fiel durch, es waren nämlich 78,2 Prozent der Mitglieder dagegen. „HSV 21“ von Professor Müller-Michaelis erhielt noch weniger Zustimmung, es gab 85,7 Prozent Ablehnung. Und Jürgen Hunke sagte unmittelbar vor der Abstimmung über sein Modell: „Einmal an diesem Tag möchte ich auch mal Beifall haben: ich ziehe meinen Antrag zurück.“
Da brandete großer Jubel in der Halle – Hunke hatte es (fast) erwartet. Und der frühere HSV-Präsident sagte – und zwar lächelnd und keineswegs schlecht gelaunt: „Es war eine tolle Versammlung.“ Da gab es dann gleich noch einmal Beifall. Hunke wollte gewiss nicht verlieren, aber er zeigte sich in der Niederlage äußerst fair.

Das Modell „HSV-Reform“, abschließend vorgetragen – und zwar sehr emotional vorgetragen – von Christian Reichert, wurde zuletzt abgestimmt – und zwar in sieben Etappen. Es hätte bei jeder Abstimmung eine Dreiviertel-Mehrheit (75 Prozent)) geben müssen, aber die gab es in keinem Fall. Alles abgelehnt.

Ein unwahrscheinlich emotionaler Tag geht zu Ende. Es war heiß, aber, um es mit Jürgen Hunke zu sagen: „Es war eine tolle Veranstaltung.“ Mit einem Sieger, der mir gefällt, denn eines ist doch klar: Sieger-Typen und echte HSVer wie Hrubesch, Jakobs, von Heesen und Hieronymus, dazu ein Willi Schulz, ein Peter Nogly, die hätten sich allein (und nur für sich) nie für ein Pöstchen Verantwortung zur Verfügung gestellt, weil die Angst vor einem „Durchgefallen“ viel zu groß war. Jetzt aber könnte diese geballte Experten-Runde dabei helfen, dass der HSV endlich auf vernünftige Beine gestellt wird. Jetzt, so hoffe ich, reden endlich (nur) Experten mit. Und keine Leute, die früher nicht mit dem Ball an der Außenlinie auf und ab gelaufen sind, und danach eine halbhohe Flanke zur Mitte geschlagen haben.
Es ist vollbracht. Wenn auch erst einmal nur ein (erster und kleiner) Schritt; der nächste Schritt muss dann im Sommer erfolgen. Und wie hat es Sieger Otto Rieckhoff sofort nach dem Ergebnis gesagt: „Ich bin überwältigt. Aber ab morgen, oder spätestens ab übermorgen, müssen wir uns alle damit befassen, dass unsere Mannschaft in diesem Jahr die Klasse hält, das ist nun das oberste Gebot.“
Wieder – oder noch – ein Volltreffer, Otto!

So, die Versammlung ging aber noch weiter, obwohl viele, viele gingen. Ein ganz wichtiger Punkt wurde aber noch zur Abstimmung gebracht – es ging um die Fernwahl. Da gab es natürlich wieder Für und Wider – nicht zu knapp. „Wenn es zur Briefwahl kommt, dann käme keiner mehr zur Mitgliederversammlung“, sagte Dr. Krohn, gab sich aber selbst eine ironische Antwort: „Aber Sie haben jetzt ja ein Modell gewählt, wenn das im Sommer dann durchkommt, dann brauchen wir ja auch fast keine Wahl mehr . . .“ Einen anderen Vorschlag machte Christian Reichert: „Wir sollten an mehreren Orten eine Mitgliederversammlung durchführen, mal hier, mal dort – und ich bin bereit, als HSV-Offizieller dabei mitzuhelfen. Teurer als die heutige Versammlung dürfte das dann auch nicht werden – wir haben heute ja schon eine Fernwahl, nämlich im Saal eins.“

Die Abstimmung ging dann wie folgt aus: 3057 Stimmen waren für die Brief-/Fern-Wahl, das waren „nur“ 72,3 Prozent. Da eine Dreiviertel-Mehrheit erforderlich, wurde der erste Antrag (von Bernd Thoenneßen) abgelehnt – riesiger Jubel der Gegner, die nur denkbar knapp siegten. Beim zweiten Antrag (einiger Mitglieder) waren 73,7 Prozent dafür, das waren 3110 Stimmen, 1111 Stimmen waren dagegen, das waren zwar nur 26,3 Prozent – aber der „Sieg“ für die Ablehner. Der Erfolg wurde lautstark gefeiert und euphorisch besungen. Obwohl es von denen, die „verloren“ hatten, nicht als Freude quittiert und zur Kenntnis genommen wurde, sondern als Häme. Aber, die “Verlierer“ trösteten sich dann doch damit: „Es war letztlich der einzige Sieg, den diese Gruppe feiern konnte.“

Es folgten die Berichte des Aufsichtsrates und des Vorstandes – und die Aussprache dazu. Zu diesem Zeitpunkt waren die „Ehemaligen“ um Otto Rieckhoff aber schon längst bei einer kleinen, schnell improvisierten Sieges-Feier. Bei der dann doch das eine oder andere Bierchen gezischt wurde. Jedenfalls kündigten so etwas die „83er“ an. Prost! Und gute Nacht dazu. Bei den Punkten „Entlastungen“ waren noch cirka 400 Mitglieder dabei, drei Gegenstimmen gab es in Richtung Rechnungsprüfer, bei der Vorstands-Entlastung gab es 27 Gegenstimmen – Entlastung erteilt. Beim Aufsichtsrat gab es dann allerdings keine Entlastung mehr. 132 Mitglieder stimmten dafür, das waren 42,3 Prozent, mit „nein“ stimmten 180, das sind 57,7 Prozent. Das war doch noch einmal eine kleine (oder doch eher große?) Überraschung. Und die hatte es erst per Abstimmung mit dem Wahl-Gerät gegeben.

Ende der Versammlung um 22.10 Uhr

22.18 Uhr

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