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AKTUALISIERT: Der HSV trennt sich von Slomka

15. September 2014

****Um 15.00 Uhr aktualisiert: Dieter Matz ist live vor Ort:

Für Abendblatt-Blogs


****Um 21.41 Uhr aktualisiert: Der HSV trennt sich per sofort von Mirko Slomka. Nachfolger ist noch offen.***

 

Mirko Slomka ist HSV-Geschichte. Die Club-Oberen haben bis in den Abend hinein getagt, sie haben es sich sicherlich nicht leicht gemacht, aber letztlich haben sie sich dann doch für einen sofortigen Schlussstrich entschieden. Dass Lars Pegelow hier für seine Einschätzung, die sich jetzt ja wohl als sehr richtig herausgestellt hat, beschimpft wurde, ist tragisch, ist aber wohl nicht zu ändern . . . Schade ist es, und auch enttäuschend. Aber egal, Lebbe geht waida.

 

Auch für Mirko Slomka, aber nicht mehr beim HSV. Jedenfalls nicht mehr in der nächsten Zeit. Ich denke mal, dass er den HSV zu einem ganz schlechten Zeitpunkt übernommen hat, als der HSV sowohl sportlich als auch finanziell absolut heruntergewirtschaftet war, aber er wollte wohl schnell wieder einen Job in der Bundesliga, und dann übersieht man das eine oder andere, was man besser doch wahrgenommen hätte. Aber so spielt das Leben als Erstliga-Trainer, und nicht nur dort. Dafür gibt es ja auch jede Menge Schmerzensgeld – in der Bundesliga.

 

Slomka hat sich in Sachen Trainings-Intensität nichts vorzuwerfen, ich habe ihm auch nichts zu kritisieren. Ich werde ihm auch nichts hinterherwerfen, das sollen andere machen. Einzig und allein die Tatsache, dass er für mich nie so richtig in Hamburg angekommen ist, das möchte ich ganz kurz anführen. Stefan Effenberg hat es am Sonntag auf Sky gesagt: „Mirko Slomka hat offenbar keine Freude an seiner Arbeit . . .“ Dieses Empfinden hatte ich auch. Und vielleicht war er auch deshalb nicht unbedingt der 12. Mann seiner Mannschaft. So wie es vielleicht ein Tuchel in Mainz oder ein Weinzierl in Augsburg waren und sind. Vielleicht ist es aber auch nur Slomkas Naturell, dass er gar nicht anders kann, eben weil er so ist. Dennoch hat er es ja durchaus schon bewiesen, dass er Bundesliga-Trainer kann, er hatte auf Schalke und auch in Hannover durchaus gute Erfolge – keine Frage. Deswegen habe ich ihm auch zugetraut, den Job hier so zu erledigen, dass der HSV in dieser Saison nicht in Abstiegsgefahr gerät.

 

Davon gehe ich übrigens immer noch aus. Diese neue Mannschaft wird sich finden und einen „gesunden“ Mittelfeldplatz am Ende einnehmen. Geht davon aus. Und eventuell wäre es sogar mit Slomka möglich gewesen, wenn sich diese neue Mannschaft dann schnell eingespielt hätte.

 

Dass Mirko Slomka nun gehen muss, wird dem HSV wieder einiges an Geld kosten. Vielleicht genau deshalb haben die hohen Herren ja auch so lange getagt, eventuell gab es dabei ja auch eine Standleitung zu Klaus-Michael Kühne . . . Denn der, so glaube ich, wird es nun richten müssen, denn der Club hat sich mit seinen Neuverpflichtungen finanziell so weit aus dem Fenster gelehnt, dass eine Trainer-Entlassung eigentlich völlig ausgeschlossen sein müsste. Eigentlich. Aber Herr Kühne hatte sich ja auch einen anderen Trainer gewünscht, als Herrn Slomka . . .

 

Mein Telefon steht nicht mehr still. Und ständig werde ich gefragt, wer nun kommen wird? Ja wer? Der Name Thomas Tuchel geisterte zuletzt immer häufiger in der Chef-Etage (oder bei jenen Leuten, die dieser nahe stehen) herum. Ich bin gespannt, ob er sich realisieren lassen wird. Er wird ja auch auf Schalke gehandelt, und die spielen noch in der Champions League. Und wenn es nicht Tuchel wird?

 

Keine Ahnung, wirklich keine Ahnung. Als Interims-Lösung könnte (und soll?) Joe Zinnbauer im Gespräch sein, der Coach der Zweiten. Was ich als sehr schade empfinden würde, weil der nun gerade mit (s)einer Mannschaft unterwegs ist, die große Erfolge hat, die einen Super-Fußball spielt, die in der Regionalliga von Sieg zu Sieg eilt. Ihn dort abzuziehen, wo er so gut hinpasst, wäre jammerschade.

 

Wenn ich hier einen oder zwei Namen „reinwerfe“, dann wird der Blog wieder in die Luft gehen – oder auch nur ein wenig explodieren, vielleicht ein wenig mehr, aber ich wage es trotz allem. Thomas Doll steht mit Ferencvaros Budapest zurzeit an zweiter Stelle in Ungarn (nach sieben Spielen). Er hat sich geändert, ist nicht mehr der nette Kumpel von nebenan – und er hat viel Ahnung vom Fußball, hat auch hier schon bewiesen, dass er eine Mannschaft begeistern und führen kann. Und dann geistert in meinem Kopf auch der Name Andrej Panadic herum. Der hat in seiner Heimat seine Trainer-Lizenz als einer der Besten (oder der Beste?) abgeschlossen, er hat während der WM für das Team von Nationaltrainer Niko Kovac gearbeitet – und er hat mir kürzlich einmal gesagt: „Wenn ich Trainer des HSV wäre, ich würde 24 Stunden am Tag für die Mannschaft und den Verein arbeiten. Und ich wüsste, dass ich der Beste bin, ich würde den HSV wieder dorthin führen, wo er einst war – in der Spitze.“

 

Aber wir alle werden es erleben, für wen sich der HSV entscheidet. Vielleicht wird es ja auch ein unbekannter Mann. Die kommen groß in Mode. Wie einst Tuchel, Streich, Weinzierl, Gisdol, Torkut und andere Männer wie eventuell Luhukay und Favre. Es muss ganz sicher nicht immer ein Ex-Nationalspieler oder ein Weltstar sein. Arbeiten muss er können. Und den Willen muss er haben, etwas erreichen wollen mit dem HSV. Eben einer, der 24 Stunden am Tag für den HSV schuftet. Und schuftet und schuftet und schuftet. Apropos: Morgen, an diesem Dienstag, ist trainingsfrei. Noch. Wer weiß, welcher Mann eventuell kommt? Wer weiß es schon? Und wenn dieser Mann dann sofort Gas geben will? Dann muss trainiert werden. Was ich auch so kurz vor dem Bayern-Spiel für sehr gut ansehen würde. Der HSV hat keine Zeit mehr zu verschenken – nicht eine Minute! Packt es endlich alle gemeinsam an, es geht um diesen tollen Verein, um den Dino, um unseren HSV!

Dieter

 

So, hier beginnt nun jener Artikel, den Lars Pegelow hier am frühen Abend hineingestellt hat. Diejenigen, die ihn dafür „gesteinigt“ haben, werden nun vielleicht ein wenig in sich gehen. Vielleicht. Ein wenig.
Und immer dran denken: Nicht Lars Pegelow hat den Trainer entlassen, das war dann doch schon eher der HSV . . .

 

 

Die Frage, die sich alle Trainingsgäste heute Morgen beim HSV gestellt hatten, war: Ist er noch da oder schon weg? Relativ schnell war klar: Er ist noch da. Trainer Mirko Slomka joggte zunächst 20 Minuten mit einigen seiner Stammspieler durch den Volkspark. Nach der Rückkehr kümmerte er sich intensiv um Torwart Jaroslav Drobny, dann beobachtete er das Trainingsspielchen der Reservisten, ehe es für den Immer-noch-Coach des HSV schnellen Schrittes in die Kabine ging. Interviews gab es nicht – weder vom Trainer, noch von den Spielern. Am Nachmittag, weit hinter der Mannschaft, ist Slomka dann vom Hof gebraust.

Damit bestätigte sich auf den ersten Blick, was sich schon am Sonntagabend unmittelbar nach der 0:2-Pleite in Hannover angedeutet hatte. Ad hoc wird der Verein seinen Trainer nicht wechseln. „Natürlich spüre ich das Vertrauen von Dietmar Beiersdorfer. Ich habe mich direkt nach dem Spiel mit ihm unterhalten und keinen anderen Eindruck“, sagte Slomka. Dass generell über seine Position debattiert wird, ist dem 47-Jährigen natürlich klar. „Das ist normal. Ich habe dafür auch großes Verständnis. Erst ein Punkt aus den ersten Partien ist weit unter unseren Ansprüchen. Deswegen kann ich nachvollziehen, dass die Kritiker kommen. Aber ich muss es von mir fernhalten und versuchen, weiter zu arbeiten.“ Soweit also der Stand aus der Sicht von Slomka.

Klingt unaufgeregt, war es hinter den Kulissen aber ganz sicher nicht. Ob es nun eine Krisensitzung gegeben hat oder nicht – klar ist, dass sich der Aufsichtsrat im Laufe des Tages getroffen hat. Das tut er häufiger mal, aber die Trainerfrage stand dort ganz oben auf der Tagesordnung. Und sie wurde auch zusammen mit Vereins-Boss Dietmar Beiersdorfer erörtert, der sich immer schneller mit einem Plan B beschäftigen muss.

Thomas Tuchel hier zu nennen, ist wie Eulen nach Athen tragen – er wäre die langfristige Lösung, die Beiersdorfer auf Dauer sicher anpeilt. Will Tuchel, passt es zusammen, geht es auf die Schnelle – viele Fragen, die schwer zu beantworten sind, ohne komplett ins Reich der Spekulationen zu geraten. Jedenfalls soll es unter den Bossen weitgehende Einigkeit geben, dass der Trainerwechsel ansteht.

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Alternativ zu Tuchel ist auch die Variante einer Übergangslösung im Raum. Huub Stevens, HSV-Retter von 2007, fällt vielen da zunächst ein. Somit würde Tuchel die von ihm offenbar gewünschte Zeit gewährt, um sich einem Neuanfang zu stellen.

Was sich genau in den Köpfen der Verantwortlichen abspielt, darüber fehlen aktuell gesicherte Erkenntnisse. Wann kommt ein Trainerwechsel infrage, noch vor dem Bayern-Spiel? Der Aufsichtsrats-Vorsitzende Karl Gernandt hat Slomka via „Sky“ eine Gnadenfrist von zwei Spielen gegeben. Bayern und Gladbach – und dann also Schluss? Vereins-Boss Beiersdorfer hielt sich gleich komplett zurück. Kein öffentlicher Kommentar. Dabei dürfte es Beiersdorfer zutiefst missfallen, dass um ihn herum und insbesondere aus dem Aufsichtsrat und dessen Umfeld immer wieder Kommentare fallen.

Klaus-Michael Kühne, Karl Gernandt, Peter Nogly. Ich verstehe nicht, warum die Herren nicht verstehen, was sie mit ihren Äußerungen anrichten. Bei allem Respekt vor der Lebensleistung von Kühne; bei allem Respekt vor der Kompetenz von Gernandt; bei allem Respekt vor dem untadeligen Nogly, den ich persönlich sehr schätze: Sollte Dietmar Beiersdorfer nicht den Hals des Jahres haben, völlig verständlich, würde ich mich sehr wundern.

Es geht ja gar nicht so sehr um die inhaltliche Beurteilung der Arbeit von Mirko Slomka – das ist ja nicht das Hauptproblem an den ganzen Aussagen. Es geht einfach darum, dass mit jedem Satz, so wie er in den vergangenen Wochen veröffentlicht wurde, Druck auf Dietmar Beiersdorfer aufgebaut wird. Der Druck auf Mirko Slomka ist nicht der entscheidende Faktor, es geht um den Druck auf den Vorstands-Vorsitzenden. Dies geht bis hin zum Handlungsdruck, dem sich Beiersdorfer ausgesetzt sehen könnte, weil seine Vorgesetzten bzw. der größte Kreditgeber des Vereins ihre Auffassungen nach außen tragen. Und selbst wenn Beiersdorfer diesem Handlungsdruck wiedersteht, gerät er unter Rechtfertigungsdruck. Er muss sich öffentlich rechtfertigen für die Aussagen anderer, wenn er das nächste Mal zu irgendeinem Interview antritt. Beiersdorfer gibt das Tempo nicht mehr vor, das er in solch einer heiklen Frage wie der des richtigen Trainers ganz allein bestimmen sollte.

Am Ende ist es auch eine Frage der Zuständigkeiten. Beiersdorfer hat über Slomka zu entscheiden, nicht Gernandt und/oder sein Gremium. Und natürlich ist auch die Aussage Gernandts inhaltlich ungeschickt, wenn er dem Trainer noch für zwei Spiele eine Jobgarantie ausspricht. Vielleicht hat er dann zehn Tage Ruhe, aber spätestens nach dem Gladbach-Spiel stürzt sich alles auf den Coach.

Welche positiven Auswirkungen soll diese Debatte eigentlich noch auf die Mannschaft haben? Sie spielt ohnehin schon verunsichert, und dann kommen diese Diskussionen hinzu. Das kann nur ins Nichts führen, ist doch logisch.

Kommen wir zum Sportlichen. Durch das 0:2 in Hannover ist der HSV nach vier Jahren mal wieder Letzter in der Bundesliga. Null Tore, ein Punkt, zehn Mal in Folge nicht gewonnen. Alarmierende Zahlen, zumal auch die „neue“ Mannschaft mit ihren sieben Veränderungen keine Sicherheit ausstrahlte bzw. ausstrahlen konnte. Was zu befürchten war, ist in der Anfangsphase eingetroffen. Uneingespielt und unordentlich, teilweise wie Kraut und Rüben auf dem Platz, ging es insbesondere in der ersten halben Stunde im Defensiv-Verhalten los. Nicht einmal Torwart Drobny konnte sich davon komplett frei machen, als er in der zweiten Minute schon um ein Haar das Hannoveraner Führungstor durch einen misslungene Abwehr einer Flanke verursacht hätte.

Das, was noch beim ersten Spiel in Köln funktioniert hat, nämlich bei Ballbesitz des Gegners hinter den Ball zu kommen, fiel in Hannover erstmal aus. Folgerichtig kam es zu den beiden entscheidenden Gegentoren, die der HSV anschließend trotz bester Gelegenheiten nicht ausgleichen konnte. Jaroslav Drobny ist dabei noch von Schuld auszunehmen. Er hat im Großen und Ganzen gut, beim Schuss von Schulz in der zweiten Halbzeit sogar sensationell gehalten.

Außerdem hat Cleber ein ordentliches Debüt gegeben. Im Zweikampf war er sehr stark und konsequent, das war für den Anfang völlig okay. Seine langen Bälle von hinten heraus, Marke „Joris-Mathijsen-Gedächtnis-Medaille“, können allerdings deutlich mehr Präzision vertragen.

Ganz große Schwierigkeiten hatten die beiden zentralen Mittelfeldspieler. Valon Behrami hat dabei in seinem vierten Pflichtspiel zum dritten Mal nicht überzeugt. Als Führungsfigur darf er sich einfach nicht so viele Ballverluste erlauben, die die gesamte Mannschaft in Gefahr bringen. Kampf war ihm nicht abzusprechen, aber immer noch bleibt Luft nach oben. Tolgay Arslan hat in seinem Kurzeinsatz einen wesentlich griffigeren Eindruck hinterlassen als der Schweizer Behrami.

Nachholbedarf hat auch Lewis Holtby. Stellungsfehler vor dem 0:2, ansonsten recht blass geblieben – das war Holtbys 100. Bundesligaspiel. Dabei hat der neue Mann, der aus Tottenham kam, vor dem Spiel und währenddessen auffällig versucht, seine Mitspieler anzutreiben. Er hat angefeuert, in die Hände geklatscht und viel gesprochen. Der Junge, so scheint es, will Verantwortung übernehmen. „Ich kann jeden HSV-Anhänger verstehen, wenn er sauer und frustriert ist“, so Holtby. „Wir müssen Struktur und Kompaktheit schaffen. Zur Trainerdebatte sage ich aber gar nichts. Wir müssen einfach an einem Strang ziehen, mit dem Trainer zusammen die Einheit bilden, um aus dem Schlamassel zu kommen. Wenn wir jetzt alles schlecht reden und uns zur schlechtesten Mannschaft der Welt machen, bringt es uns auch nichts.“

Deutlich an Form zulegen müssen auch noch Nicolai Müller, dessen Fehlschuss kurz nach der Pause an Gonzalo Higuain während des WM-Finals erinnerte, und Julian Green, der bedauerlicherweise Erinnerungen an Ola John hochkommen ließ. Naiv im Dribbling, unzuverlässig im Rückwärtsgang. Das war noch nichts, aber auch hier gilt: es war erst sein erstes Spiel. Nicht das erste Spiel hat Matthias Ostrzolek bestritten. Sein späterer Ersatz Petr Jiracek war jedenfalls besser als der Ex-Augsburger.

Mein Eindruck war, dass die Mannschaft selbst in der zweiten Spielphase, also ab der 30. Minute bis zum Ende, als es kein Hannoveraner Übergewicht mehr gab, dennoch nie zu hundert Prozent an ihre Chance glaubte. Natürlich gab es Aktionen nach vorn und bei günstigem Verlauf wäre auch ein Pünktchen möglich gewesen, aber der HSV hat trotz allem keine Überzeugung ausgestrahlt.

Wie auch? werden Slomka-Befürworter fragen – angesichts der Turbulenzen im Umfeld und angesichts der Hannover-Personalien (Müller vorher lange verletzt, Green, Ostrzolek, Holty und Stieber erstes Mal Startelf, bei Cleber kommen Verständigungsprobleme hinzu). Egal, Schuld des Trainers, halten die Slomka-Gegner bestimmt dagegen, und berufen sich auf die Bilanz Slomkas in Hamburg – drei Siege, drei Unentschieden, zehn Niederlagen. Auweia.

Alles in allem schafft sich der HSV keine Arbeitsatmosphäre, die auch nur den Hauch einer Chance gegen die Bayern ermöglichen dürfte am kommenden Sonnabend. Trainer mehr als angeschlagen, Mannschaft noch nicht eingespielt, Vereinsführung zu geheimen Sitzungen hinter irgendwelchen verschlossenen Türen.

Dass Dietmar Beiersdorfer sich nach dem Hannover-Spiel nicht geäußert hat, ist einerseits problematisch, andererseits nachvollziehbar. Problematisch ist es, weil die Gerüchte ins Kraut schießen. Ein klares Wort schafft Sicherheit, kein Wort schafft Unsicherheit. Das hatten wir doch alles auch schon. Am Tag des Trainingsstarts im Juni hat Klaus-Michael Kühne in einem Abendblatt-Interview erklärt, wie wenig er von Mirko Slomka hält. Und wer stellt sich dann draußen am Trainingsplatz hin, muss noch versuchen, das ganze gerade zu biegen im Sinne des Vereins? Nur Mirko Slomka selbst! Kein Vorstand, kein Aufsichtsrat war da. Unabhängig davon, ob Kühnes Einschätzung stimmt, war das alles ein Akt gnadenloser Selbstvergiftung und trägt bestimmt auch dazu bei, dass es aktuell so bescheiden läuft. Einige Wochen später, als Dietmar Beiersdorfer im Amt war, gab es dann nur eine ziemlich weiche Erklärung, mit Slomka in die Saison zu gehen. Aber das Gewicht einer klaren Gegenrede noch am Tage der Veröffentlichung des Interviews konnte diese Erklärung nicht haben.

Nun wiederholt sich dieses also im Kleinen. Gernandt stellt Slomka de facto ein Ultimatum – das bleibt unwidersprochen stehen.

Dietmar Beiersdorfer, jetzt komme ich zum „nachvollziehbar“, hat 2004 eine ganz ähnliche Situation vorgefunden. Nach einer 0:4-Pleite auf dem Betzenberg stand Trainer Kurt Jara vor dem aus. Am Tag nach der Partie setzte Beiersdorfer, wie er Jahre später einräumte, seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Er stellte sich mit Jara demonstrativ vor die Presse und sagte, man werde gemeinsam ins nächste Spiel gehen. Dieses Bekenntnis überholte sich in Windeseile, schon am nächsten Tag war Klaus Toppmöller verpflichtet. Ich denke, Beiersdorfer will nie wieder derartig auftreten, verbeißt sich nötige Kommentare, um nicht noch einmal innerhalb ganz kurzer Zeit von den eigenen Aussagen eingeholt zu werden.

„Man soll nicht alles so dramatisch sehen“, sagte Ersatzkapitän Johan Djourou nach dem 0:2 in Hannover. Djourou hat nicht recht. Es ist dramatisch.

Morgen ist trainingsfrei, Mittwoch wird zwei Mal trainiert.

Lars
18.51 Uhr

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