Archiv für das Tag 'Niersbach'

Jansen hat alles richtig gemacht

24. März 2013

Das ist der Hammer! Marcell Jansen, vom HSV in den „Urlaub“ geschickt, weilt nun bei der deutschen Nationalmannschaft. Es gibt offenbar nichts, was es nicht gibt. Mit allem hätte ich gerechnet, aber nicht damit. Nun gut, ich werde meine Worte vom Freitag (im Hamburger Abendblatt) nicht selbst fressen: ich freue ich. Für Jansen und den HSV. Und eines muss ja auch festgehalten werden: Jansens Strategie hat sich voll bezahlt gemacht. Aber wie voll. Er wollte bim HSV hinten links spielen, wollte auch nicht mehr nach vorne (links), als Dennis Aogo wieder gesund war – weil Marcell Jansen eben auch „Mister Cleverle“ ist. Hinten links wird in Deutschland gesucht, fast so wie eine „Blaue Maurizius“. Er konnte sich ausrechnen, dass es nicht über das Mittelfeld zurück ins Nationalteam gehen würde, sondern nur über hinten links. Treffer. Was nun in Dennis Aogo, der letzte HSV-Profi, der für Deutschland hinten links spielte, nun vorgeht, würde ich zwar gerne wissen, aber er wird es mir bestimmt nicht verraten. Du wenn ja, dann nur privat. Das ist eine Geschichte wie Vettel und Webber . . .

Und: Das ist nun kein Flachs, was ich schreibe. Marcell Jansen, beim HSV ja auch eine zeitlang immer wieder mal verletzt, ist beim DFB nach wie vor hoch angesehen. Ganz hoch. In der DFB-Zentrale in Frankfurt haben sie immer, auch wenn es keiner so richtig bemerkt haben sollte, ein Auge (oder sogar mehrere) auf den HSV-Profi geworfen. Wann immer ich mit einem Angestellten des DFB telefonierte oder unter vier Augen sprach, alle lobten sie Marcell Jansen. Einer sagte mir stets am Ende unserer Unterhaltung: „Und behandle mir den Marcell pfleglich, er ist ein feiner Kerl . . .“ Ein anderer erkundigte sich nach einem Gespräch stets und ständig, wie es „dem Marcell zurzeit geht“, fragte auch, wie der HSV-Profi denn in Form sei? Deswegen kommt die Nominierung eigentlich doch nicht so, wie ich sie im ersten Moment empfunden habe – nämlich aus heiterem Himmel.

Kurz für die Statistiker: Marcell Jansen hat bereits 36 Einsätze für die A-Mannschaft gehabt, war WM- und EM-Teilnehmer (WM 2006 und 2010, EM 2008). Sein letztes Länderspiel bestritt er am 3. September 2010 in und gegen Belgien, Deutschland siegte damals durch ein Tor von Klose 1:0. Allerdings spielte Jansen nur bis zum Seitenwechsel, dann kam für ihn – Heiko Westermann.

Nein, um das noch einmal – ganz ehrlich und abschließend – zu sagen: ich freue mich. Ich habe mich schon am Freitag gefreut, als im ZDF die DFB-Ersatzbank gezeigt wurde, auf der Rene Adler und Heiko Westermann saßen. Toll, habe ich so beim mir gedacht, besonders toll für die Jungs, toll auch für den HSV, natürlich auch toll für den HSV-Anhang. Und das trifft nun auch auf den 27-jährigen Jansen zu. Ganz nebenbei wird ihm das noch mehr Selbstvertrauen geben, und er wird sich, so denke ich, beim HSV nun noch mehr reinhängen, damit diese (Nach-)Nominierung kein Einzelfall bleibt. So ähnlich ist es ja zuletzt auch mit Heiko Westermann gelaufen – und schwupps bist du wieder Nationalspieler. Toll!

Und so ganz nebenbei: Wenn Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag im Rückspiel gegen Kasachstan (20.45 Uhr in Nürnberg) nur die „Reservisten“ einsetzen würde, weil von den Arrivierten doch ohnehin nur wieder Dienst nach Vorschrift zu erwarten ist, dann würde es am Ende ein 8:0 für Deutschland geben. Spielen aber die „Stars“ – und sie werden natürlich spielen, wer sonst (?) – dann dürfte wohl nur ein mageres 2:1 (fast hätte ich geschrieben: ein mageres 2:1-chen) zu erwarten sein. Wg. Schonung – oder Voll-Schonung – für das Wochenende und den Bundesliga-Endspurt. Ich bin sowieso davon überzeugt, dass sogar der HSV gegen Kasachstan hoch gewinnen würde. Selbst auf Kunstrasen. Weil die Mannschaft von Thorsten Fink doch nach und aus den Flops gegen Fürth und Augsburg gelernt hat . . . Oder zumindest gelernt haben dürfte.

Apropos Fink. Der HSV-Coach zeigte sich über die Nominierung seines Schützlings Jansen erfreut: „Für Marcell freue ich mich sehr. Er hat es sich durch sehr gute Leistungen bei uns verdient. Das ist ja auch eine Form der Anerkennung.“
Ganz sicher.

Jetzt eine Ergänzung um 18.50 Uhr:
Jansen hat alles richtig gemacht – so lautet heute die Zeile; Matz hat alles falsch gemacht, denn ich hatte hier geschrieben, dass Marcell Jansen gegen Bayern mit noch mehr Selbstvertrauen auflaufen wird. Irgendwann vielleicht schon, nur nicht am nächsten Sonnabend, denn da fehlt er wegen einer Gelb-Sperre.
Ich Doofkopp. Und danke “Eiche”.

Dennoch zum Spiel in München, wo die Bayern tatsächlich schon ihre Meisterschaft feiern könnten. Der HSV ist doch zu allem fähig, negativ wie positiv. Das zeigen auch die Spiele, die die Hamburger in München, beim Rekordmeister, abgeliefert haben. Gegen Ende des letzten Jahrtausends war an der Isar nicht so viel zu holen für die Hansestädter, aber es gab auch mal ein kurzes Zwischenhoch. Das begann, als der HSV am 4. März 2006 mit 2:1 gewann, die Tore erzielten Guy Demel (!) und dann auch noch Nigel de Jong (!). Letzterer sogar Sekunden vor Schluss. In der folgenden Spielzeit gab es noch einen 2:1-Sieg des HSV in München, am 28. April 2007 trafen Rafael van der Vaart und der eingewechselte Paolo Guerrero.

An dieses Spiel habe ich ganz besondere Gedanken, ich werde es nicht so schnell vergessen. Weil ich danach dem HSV-Trainer Huub Stevens zum ersten und zum einzigen Mal die Hand gegeben habe. Aufgezwungen habe ich sie ihm regelrecht aufgezwungen, denn er gab ja keinem Hamburger Journalisten die Hand. Damals aber, nach diesem Auswärtssieg, musste es sein – dachte ich mir. Stevens sah mich zwar total „verdaddert“ an, aber er hatte keine Chance, meiner Hand zu entgehen: „Herzlichen Glückwunsch, Trainer, mit diesem Erfolg haben Sie dem HSV die Bundesliga gerettet. Ich hätte es nie geglaubt, dass das noch etwas wird, deswegen umso mehr der Glückwunsch, er kommt von Herzen.“

Es folgten nach diesem (für mich) „historischen“ Sieg noch zwei Unentschieden in München. Am 24. Februar 2008 traf Ivica Olic – und es gab ein 1:1 (wie schon im Hinspiel), und in der Saison 08/09 glichen Piotr Trochowski und Paolo Guerrero nach einem 0:2-Rückstand noch aus. Dieser Punkt wurde noch wie ein Auswärtssieg gefeiert, aber danach ging es bergab. Mit dem HSV. Am 12. März 2010 hieß es nach 90 fürchterlichen Minuten 6:0 für Bayern – es war das letztes Spiel von Armin Veh als HSV-Trainer. Im August 2011 folgte in München ein sattes 5:0 für die Bayern, es trafen, was besonders bitter war, auch Daniel van Buyten und Ivica Olic gegen „ihre“ Hamburger. Und die bislang letzte Partie zwischen dem HSV und dem Meister 2013 endete in Hamburg am 3. November 2012 mit einem eindeutigen 0:3 – nun folgt das Rückspiel.

Alles drin? Oder ist der HSV doch nur wieder Kanonenfutter? Weil die Bayern doch Meister werden könnten – der frühestes (März-)Meister der Bundesliga-Geschichte. Aber vielleicht laufen ja Rene Adler und Heiko Westermann, die aktuellen deutschen Nationalspieler, zu so großer Form auf, dass es – wie in Dortmund – eine Sensation gibt. Wer weiß?

Und sollte sich ein aktueller HSV-Spieler tatsächlich für die Vereins-Historie interessieren, dann wird er auch noch auf den 24. April 1982 stoßen. Das Spiel der Spiele zwischen Bayern München und dem HSV. 1:3 lagen die Hamburger zurück, dann trat Thomas von Heesen in der eigenen Hälfte (vor dem Strafraum) zu einem unwiderstehlichen Solo an – 2:3. Und es folgten zwei große Auftritte von Horst Hrubesch, die schließlich noch einen 4:3-Sieg für den HSV ergaben. Wahnsinn! Dieser Erfolg löste an der Elbe fast ein Erdbeben aus. Der HSV war Meister (so gut wie, er wurde dann Meister) – ja, das waren noch Zeiten. Damals hat der HSV allen bewiesen, dass man selbst nach einem fast unaufholbaren Rückstand noch bei den Bayern siegen kann – das wäre doch mal ein Versuch wert, dieses Kunststück 2013 nachzuahmen.

Kurz noch zu einem Auftritt des DFB-Präsidenten.

Wolfgang Niersbach, der deutsche Fußball-Boss, war am heutigen Sonntag zu Gast im „Volkswagen-Doppelpass“ auf „Sport 1“ und hat sich unter anderem zu den Vorwürfen von Ex-Schiedsrichter Babak Rafati, der Zukunft des Bundestrainers sowie den Fehlern der Fifa bei der WM-Vergabe geäußert. Die wichtigsten Aussagen anbei:

Wolfgang Niersbach über . . .

… die neuen Vorwürfe von Ex-Schiedsrichter Babak Rafati:

„Wir sind natürlich betroffen. Im Umfeld haben wir uns immer wieder die Frage gestellt: Hätten wir etwas merken müssen? Wir haben nichts wahrgenommen, was auf eine ernsthafte Erkrankung hätte hindeuten können. Alle Schiedsrichter, die nahe an ihm dran waren, sowie die Schiedsrichterführung besaßen wirklich keine Indizien, dass Babak Rafati während seiner aktiven Karriere diese Probleme hatte, die er heute beschreibt. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Leistung der Schiedsrichter jedes Wochenende beurteilt wird. Alle sagen übereinstimmend, dass es nicht das gegeben hat, was Rafati als Mobbing oder unerträglichen Druck beschrieben hat. […]

Wir standen im stetigen Kontakt zu seinem Anwalt und haben immer Hilfe angeboten. […] Ich hätte mir im Nachklapp gewünscht, dass er diese Vorwürfe uns gegenüber klar artikuliert, ehe er mit dieser Verspätung jetzt über eine Buchveröffentlichung kommt. […] Ich hätte mir gewünscht, dass er zu uns Kontakt aufgenommen hätte. Das ist nicht passiert. Ich sage ganz deutlich und klar: Herbert Fandel an der Spitze und mit ihm Helmut Krug und Michael Fröhlich erledigen ihre Aufgabe immer höchst verantwortungsvoll und auch sensibel. […] Ich kann nur anbieten, dass er selbstverständlich gerne Kontakt zu uns haben kann, betone aber im gleichen Atemzug, dass in unserer Schiedsrichterführung, wie ich informiert bin, mit der nötigen Sensibilität gearbeitet wird.“

Und Wolfgang Niersbach bei „Sport 1“ über die WM-Vergabe:

„Aus meiner Sicht sind gravierende Fehler gemacht worden. Der größte war, dass man die Vergabe 2018 und 2022 gekoppelt hat, was es vorher noch nie gab. Das war eine Steilvorlage für Absprachen nach dem Motto: Gib du mir deine Stimme, und so weiter. Nach meiner Einschätzung ist es nicht nur das Klima: Katar ist auch einfach ein kleines Land. Die Entscheidung, die WM dahin zu geben, ist momentan Fakt. Ich sehe auch diese Fragestellungen. Nur haben wir uns auch an diesen Fakten zu orientieren. Es ist Aufgabe der Fifa zu beleuchten, ob es da wirklich Unregelmäßigkeiten gegeben hat. Ich weiß es nicht. […] Wenn es bei dieser Entscheidung bleibt, dann muss man eine Formel finden, um von dem Sommer wegzukommen. Diese Hitze hält man nicht aus. Warum hat man das nicht berücksichtigt?“

Zu letzterem Punkt gab es heute auch diese Meldung des Sport-Informations-Dienstes:

Fifa-Präsident Joseph S. Blatter hält sich in Bezug auf eine Verlegung der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar vom Sommer in den Winter weiter zurück. Möglicherweise droht nämlich in diesem Fall eine Klage der Mitbewerber USA, Südkorea, Japan oder Australien. „Wenn Katar mit einer solchen Anfrage kommt, dann wird das Fifa-Exekutiv-Komitee darüber beraten. Bisher ist eine Terminänderung jedoch nur Vermutung. Für uns als Fifa-Exekutive – und da bin ich ja der Chef – steht die WM in Katar, immer noch im Juni/Juli“, sagte der 77 Jahre alte Weltverbands-Chef im Bild-Interview.

Zur Frage nach einer möglichen Klage der Mitkonkurrenten Katars sagte der Fifa-Chef: „Dann könnte das Fifa-Exekutiv-Komitee ein Problem haben, aber wir halten uns an die Fakten.“ Eine Verlegung der WM-Endrunde 2022 in den Winter würde die Voraussetzungen der Vergabe vor knapp 28 Monaten in Zürich infrage stellen. Katar erhielt am 2. Dezember 2010 bei der Abstimmung im Exekutivkomitee der Fifa in Zürich im vierten Wahlgang den Zuschlag. Mit 14:8 Stimmen setzte sich das Emirat am Persischen Golf gegen die USA durch. Für Katar stimmte unter anderem Uefa-Präsident Michel Platini. Australien schied in der ersten Wahlrunde aus, im zweiten Urnengang traf es Japan. Südkorea musste bei der dritten Abstimmung die Segel streichen.

Katar hatte am vergangenen Freitag erstmals Signale für eine Verlegung in den Winter gesandt. „Viele Faktoren sprechen dafür, die WM im Winter auszutragen. Wir sind bereit, das WM-Turnier im Sommer oder im Winter auszurichten. Unsere Planung wird das nicht beeinträchtigen“, hatte das lokale Organisationskomitee mitgeteilt. Spieler und Funktionäre aus aller Welt hatten sich zuletzt dafür ausgesprochen, in dem Emirat aufgrund akuter Gesundheitsgefährdung nicht im brütend heißen Sommer zu spielen.

Vor allem Platini setzte sich zuletzt vehement für eine Verlegung in den Winter ein. Bisher planen die Organisatoren, die Stadien während der WM herunterzukühlen, um die Temperatur erträglich zu halten. Im Sommer sind Temperaturen an die 50 Grad Celsius in Katar an der Tagesordnung.

PS: Ich bin mir sicher: Wenn es am Nordpol so viele Milliardäre geben würde wie in Katar, dann würde auch am Nordpol eine Fußball-WM stattfinden. Vielleicht ist es ja im Jahre 2038 soweit. Und es wäre dabei auch völlig egal, ob dann auf Eisschollen gespielt werden müsste, oder im Juni bei acht Meter hohem Schnee – pro Quadratmeter. Hauptsache die Kohle stimmt. Bei wem auch immer. Über Eis und Schnee, wie man das alles auftauen könnte, darüber müssten sich dann alle mal viel, viel später Gedanken machen.
Nein, nein, das sind schon alles großartige und vor allem weitsichtige Herren, die so etwas veranstalten . . .

PSPS: Morgen, am Montag, wird um 15 Uhr im Volkspark trainiert. Ohne Hitze, ohne Eis, ohne Schnee. Rasenheizung!

17.19 Uhr

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