Archiv für das Tag 'Niersbach'

Von Versprechungen, Forderungen und Altmeistern

20. Juni 2015

So eine Fußball-Sommerpause ist einfach nur schrecklich. Jahr für Jahr wieder. Zumal dann, wenn sich der HSV wieder einmal traditionell Zeit lässt, Zeit lassen muss, um neue Spieler zu verpflichten. Auch Jahr für Jahr wieder. The same procedure as every year – im Sommer, nicht zum Jahreswechsel. Still ruht der See. Es tut sich nichts. Obwohl die Herren des HSV schön unterwegs sind, um sich nach Verstärkungen umzusehen. Sogar bei der U21-Europameisterschaft waren sie in Tschechien, obwohl die Talente dort wohl allesamt eine Preisklasse zu hoch sein dürften für den HSV. Aber warten wir es ab, mehr bleibt ja nicht. Obwohl die Ungeduld wächst. Bei vielen HSV-Fans. Und eventuell auch bei manchem Angestellten des Clubs. So las ich heute beim Einkaufen die Titelseite der „Bild“, und dort stand zu lesen: „Olic fordert neue Stars“. Da dachte ich so bei mir: „Wer nicht?“
Den ganzen Beitrag lesen »

Mails von Euch – und ein offener Brief vom DFB

10. Juni 2015

Liebe Matz-abber!

Keine Angst, es wird heute auch noch einen „vernünftigen“ Blog-Beitrag geben. Weil der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach heute mit einem „offenen Brief“ an alle Fußball-Anhänger gegangen ist, und weil die Zeitungen einen solchen langen Beitrag sicherlich nicht zu 100 Prozent abdrucken werden, versuche ich es einmal, diese Gedankengänge des Präsidenten näher zu bringen. Und zwar zu 100 Prozent.
Den ganzen Beitrag lesen »

Jansen hat alles richtig gemacht

24. März 2013

Das ist der Hammer! Marcell Jansen, vom HSV in den „Urlaub“ geschickt, weilt nun bei der deutschen Nationalmannschaft. Es gibt offenbar nichts, was es nicht gibt. Mit allem hätte ich gerechnet, aber nicht damit. Nun gut, ich werde meine Worte vom Freitag (im Hamburger Abendblatt) nicht selbst fressen: ich freue ich. Für Jansen und den HSV. Und eines muss ja auch festgehalten werden: Jansens Strategie hat sich voll bezahlt gemacht. Aber wie voll. Er wollte bim HSV hinten links spielen, wollte auch nicht mehr nach vorne (links), als Dennis Aogo wieder gesund war – weil Marcell Jansen eben auch „Mister Cleverle“ ist. Hinten links wird in Deutschland gesucht, fast so wie eine „Blaue Maurizius“. Er konnte sich ausrechnen, dass es nicht über das Mittelfeld zurück ins Nationalteam gehen würde, sondern nur über hinten links. Treffer. Was nun in Dennis Aogo, der letzte HSV-Profi, der für Deutschland hinten links spielte, nun vorgeht, würde ich zwar gerne wissen, aber er wird es mir bestimmt nicht verraten. Du wenn ja, dann nur privat. Das ist eine Geschichte wie Vettel und Webber . . .

Und: Das ist nun kein Flachs, was ich schreibe. Marcell Jansen, beim HSV ja auch eine zeitlang immer wieder mal verletzt, ist beim DFB nach wie vor hoch angesehen. Ganz hoch. In der DFB-Zentrale in Frankfurt haben sie immer, auch wenn es keiner so richtig bemerkt haben sollte, ein Auge (oder sogar mehrere) auf den HSV-Profi geworfen. Wann immer ich mit einem Angestellten des DFB telefonierte oder unter vier Augen sprach, alle lobten sie Marcell Jansen. Einer sagte mir stets am Ende unserer Unterhaltung: „Und behandle mir den Marcell pfleglich, er ist ein feiner Kerl . . .“ Ein anderer erkundigte sich nach einem Gespräch stets und ständig, wie es „dem Marcell zurzeit geht“, fragte auch, wie der HSV-Profi denn in Form sei? Deswegen kommt die Nominierung eigentlich doch nicht so, wie ich sie im ersten Moment empfunden habe – nämlich aus heiterem Himmel.

Kurz für die Statistiker: Marcell Jansen hat bereits 36 Einsätze für die A-Mannschaft gehabt, war WM- und EM-Teilnehmer (WM 2006 und 2010, EM 2008). Sein letztes Länderspiel bestritt er am 3. September 2010 in und gegen Belgien, Deutschland siegte damals durch ein Tor von Klose 1:0. Allerdings spielte Jansen nur bis zum Seitenwechsel, dann kam für ihn – Heiko Westermann.

Nein, um das noch einmal – ganz ehrlich und abschließend – zu sagen: ich freue mich. Ich habe mich schon am Freitag gefreut, als im ZDF die DFB-Ersatzbank gezeigt wurde, auf der Rene Adler und Heiko Westermann saßen. Toll, habe ich so beim mir gedacht, besonders toll für die Jungs, toll auch für den HSV, natürlich auch toll für den HSV-Anhang. Und das trifft nun auch auf den 27-jährigen Jansen zu. Ganz nebenbei wird ihm das noch mehr Selbstvertrauen geben, und er wird sich, so denke ich, beim HSV nun noch mehr reinhängen, damit diese (Nach-)Nominierung kein Einzelfall bleibt. So ähnlich ist es ja zuletzt auch mit Heiko Westermann gelaufen – und schwupps bist du wieder Nationalspieler. Toll!

Und so ganz nebenbei: Wenn Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag im Rückspiel gegen Kasachstan (20.45 Uhr in Nürnberg) nur die „Reservisten“ einsetzen würde, weil von den Arrivierten doch ohnehin nur wieder Dienst nach Vorschrift zu erwarten ist, dann würde es am Ende ein 8:0 für Deutschland geben. Spielen aber die „Stars“ – und sie werden natürlich spielen, wer sonst (?) – dann dürfte wohl nur ein mageres 2:1 (fast hätte ich geschrieben: ein mageres 2:1-chen) zu erwarten sein. Wg. Schonung – oder Voll-Schonung – für das Wochenende und den Bundesliga-Endspurt. Ich bin sowieso davon überzeugt, dass sogar der HSV gegen Kasachstan hoch gewinnen würde. Selbst auf Kunstrasen. Weil die Mannschaft von Thorsten Fink doch nach und aus den Flops gegen Fürth und Augsburg gelernt hat . . . Oder zumindest gelernt haben dürfte.

Apropos Fink. Der HSV-Coach zeigte sich über die Nominierung seines Schützlings Jansen erfreut: „Für Marcell freue ich mich sehr. Er hat es sich durch sehr gute Leistungen bei uns verdient. Das ist ja auch eine Form der Anerkennung.“
Ganz sicher.

Jetzt eine Ergänzung um 18.50 Uhr:
Jansen hat alles richtig gemacht – so lautet heute die Zeile; Matz hat alles falsch gemacht, denn ich hatte hier geschrieben, dass Marcell Jansen gegen Bayern mit noch mehr Selbstvertrauen auflaufen wird. Irgendwann vielleicht schon, nur nicht am nächsten Sonnabend, denn da fehlt er wegen einer Gelb-Sperre.
Ich Doofkopp. Und danke “Eiche”.

Dennoch zum Spiel in München, wo die Bayern tatsächlich schon ihre Meisterschaft feiern könnten. Der HSV ist doch zu allem fähig, negativ wie positiv. Das zeigen auch die Spiele, die die Hamburger in München, beim Rekordmeister, abgeliefert haben. Gegen Ende des letzten Jahrtausends war an der Isar nicht so viel zu holen für die Hansestädter, aber es gab auch mal ein kurzes Zwischenhoch. Das begann, als der HSV am 4. März 2006 mit 2:1 gewann, die Tore erzielten Guy Demel (!) und dann auch noch Nigel de Jong (!). Letzterer sogar Sekunden vor Schluss. In der folgenden Spielzeit gab es noch einen 2:1-Sieg des HSV in München, am 28. April 2007 trafen Rafael van der Vaart und der eingewechselte Paolo Guerrero.

An dieses Spiel habe ich ganz besondere Gedanken, ich werde es nicht so schnell vergessen. Weil ich danach dem HSV-Trainer Huub Stevens zum ersten und zum einzigen Mal die Hand gegeben habe. Aufgezwungen habe ich sie ihm regelrecht aufgezwungen, denn er gab ja keinem Hamburger Journalisten die Hand. Damals aber, nach diesem Auswärtssieg, musste es sein – dachte ich mir. Stevens sah mich zwar total „verdaddert“ an, aber er hatte keine Chance, meiner Hand zu entgehen: „Herzlichen Glückwunsch, Trainer, mit diesem Erfolg haben Sie dem HSV die Bundesliga gerettet. Ich hätte es nie geglaubt, dass das noch etwas wird, deswegen umso mehr der Glückwunsch, er kommt von Herzen.“

Es folgten nach diesem (für mich) „historischen“ Sieg noch zwei Unentschieden in München. Am 24. Februar 2008 traf Ivica Olic – und es gab ein 1:1 (wie schon im Hinspiel), und in der Saison 08/09 glichen Piotr Trochowski und Paolo Guerrero nach einem 0:2-Rückstand noch aus. Dieser Punkt wurde noch wie ein Auswärtssieg gefeiert, aber danach ging es bergab. Mit dem HSV. Am 12. März 2010 hieß es nach 90 fürchterlichen Minuten 6:0 für Bayern – es war das letztes Spiel von Armin Veh als HSV-Trainer. Im August 2011 folgte in München ein sattes 5:0 für die Bayern, es trafen, was besonders bitter war, auch Daniel van Buyten und Ivica Olic gegen „ihre“ Hamburger. Und die bislang letzte Partie zwischen dem HSV und dem Meister 2013 endete in Hamburg am 3. November 2012 mit einem eindeutigen 0:3 – nun folgt das Rückspiel.

Alles drin? Oder ist der HSV doch nur wieder Kanonenfutter? Weil die Bayern doch Meister werden könnten – der frühestes (März-)Meister der Bundesliga-Geschichte. Aber vielleicht laufen ja Rene Adler und Heiko Westermann, die aktuellen deutschen Nationalspieler, zu so großer Form auf, dass es – wie in Dortmund – eine Sensation gibt. Wer weiß?

Und sollte sich ein aktueller HSV-Spieler tatsächlich für die Vereins-Historie interessieren, dann wird er auch noch auf den 24. April 1982 stoßen. Das Spiel der Spiele zwischen Bayern München und dem HSV. 1:3 lagen die Hamburger zurück, dann trat Thomas von Heesen in der eigenen Hälfte (vor dem Strafraum) zu einem unwiderstehlichen Solo an – 2:3. Und es folgten zwei große Auftritte von Horst Hrubesch, die schließlich noch einen 4:3-Sieg für den HSV ergaben. Wahnsinn! Dieser Erfolg löste an der Elbe fast ein Erdbeben aus. Der HSV war Meister (so gut wie, er wurde dann Meister) – ja, das waren noch Zeiten. Damals hat der HSV allen bewiesen, dass man selbst nach einem fast unaufholbaren Rückstand noch bei den Bayern siegen kann – das wäre doch mal ein Versuch wert, dieses Kunststück 2013 nachzuahmen.

Kurz noch zu einem Auftritt des DFB-Präsidenten.

Wolfgang Niersbach, der deutsche Fußball-Boss, war am heutigen Sonntag zu Gast im „Volkswagen-Doppelpass“ auf „Sport 1“ und hat sich unter anderem zu den Vorwürfen von Ex-Schiedsrichter Babak Rafati, der Zukunft des Bundestrainers sowie den Fehlern der Fifa bei der WM-Vergabe geäußert. Die wichtigsten Aussagen anbei:

Wolfgang Niersbach über . . .

… die neuen Vorwürfe von Ex-Schiedsrichter Babak Rafati:

„Wir sind natürlich betroffen. Im Umfeld haben wir uns immer wieder die Frage gestellt: Hätten wir etwas merken müssen? Wir haben nichts wahrgenommen, was auf eine ernsthafte Erkrankung hätte hindeuten können. Alle Schiedsrichter, die nahe an ihm dran waren, sowie die Schiedsrichterführung besaßen wirklich keine Indizien, dass Babak Rafati während seiner aktiven Karriere diese Probleme hatte, die er heute beschreibt. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Leistung der Schiedsrichter jedes Wochenende beurteilt wird. Alle sagen übereinstimmend, dass es nicht das gegeben hat, was Rafati als Mobbing oder unerträglichen Druck beschrieben hat. […]

Wir standen im stetigen Kontakt zu seinem Anwalt und haben immer Hilfe angeboten. […] Ich hätte mir im Nachklapp gewünscht, dass er diese Vorwürfe uns gegenüber klar artikuliert, ehe er mit dieser Verspätung jetzt über eine Buchveröffentlichung kommt. […] Ich hätte mir gewünscht, dass er zu uns Kontakt aufgenommen hätte. Das ist nicht passiert. Ich sage ganz deutlich und klar: Herbert Fandel an der Spitze und mit ihm Helmut Krug und Michael Fröhlich erledigen ihre Aufgabe immer höchst verantwortungsvoll und auch sensibel. […] Ich kann nur anbieten, dass er selbstverständlich gerne Kontakt zu uns haben kann, betone aber im gleichen Atemzug, dass in unserer Schiedsrichterführung, wie ich informiert bin, mit der nötigen Sensibilität gearbeitet wird.“

Und Wolfgang Niersbach bei „Sport 1“ über die WM-Vergabe:

„Aus meiner Sicht sind gravierende Fehler gemacht worden. Der größte war, dass man die Vergabe 2018 und 2022 gekoppelt hat, was es vorher noch nie gab. Das war eine Steilvorlage für Absprachen nach dem Motto: Gib du mir deine Stimme, und so weiter. Nach meiner Einschätzung ist es nicht nur das Klima: Katar ist auch einfach ein kleines Land. Die Entscheidung, die WM dahin zu geben, ist momentan Fakt. Ich sehe auch diese Fragestellungen. Nur haben wir uns auch an diesen Fakten zu orientieren. Es ist Aufgabe der Fifa zu beleuchten, ob es da wirklich Unregelmäßigkeiten gegeben hat. Ich weiß es nicht. […] Wenn es bei dieser Entscheidung bleibt, dann muss man eine Formel finden, um von dem Sommer wegzukommen. Diese Hitze hält man nicht aus. Warum hat man das nicht berücksichtigt?“

Zu letzterem Punkt gab es heute auch diese Meldung des Sport-Informations-Dienstes:

Fifa-Präsident Joseph S. Blatter hält sich in Bezug auf eine Verlegung der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar vom Sommer in den Winter weiter zurück. Möglicherweise droht nämlich in diesem Fall eine Klage der Mitbewerber USA, Südkorea, Japan oder Australien. „Wenn Katar mit einer solchen Anfrage kommt, dann wird das Fifa-Exekutiv-Komitee darüber beraten. Bisher ist eine Terminänderung jedoch nur Vermutung. Für uns als Fifa-Exekutive – und da bin ich ja der Chef – steht die WM in Katar, immer noch im Juni/Juli“, sagte der 77 Jahre alte Weltverbands-Chef im Bild-Interview.

Zur Frage nach einer möglichen Klage der Mitkonkurrenten Katars sagte der Fifa-Chef: „Dann könnte das Fifa-Exekutiv-Komitee ein Problem haben, aber wir halten uns an die Fakten.“ Eine Verlegung der WM-Endrunde 2022 in den Winter würde die Voraussetzungen der Vergabe vor knapp 28 Monaten in Zürich infrage stellen. Katar erhielt am 2. Dezember 2010 bei der Abstimmung im Exekutivkomitee der Fifa in Zürich im vierten Wahlgang den Zuschlag. Mit 14:8 Stimmen setzte sich das Emirat am Persischen Golf gegen die USA durch. Für Katar stimmte unter anderem Uefa-Präsident Michel Platini. Australien schied in der ersten Wahlrunde aus, im zweiten Urnengang traf es Japan. Südkorea musste bei der dritten Abstimmung die Segel streichen.

Katar hatte am vergangenen Freitag erstmals Signale für eine Verlegung in den Winter gesandt. „Viele Faktoren sprechen dafür, die WM im Winter auszutragen. Wir sind bereit, das WM-Turnier im Sommer oder im Winter auszurichten. Unsere Planung wird das nicht beeinträchtigen“, hatte das lokale Organisationskomitee mitgeteilt. Spieler und Funktionäre aus aller Welt hatten sich zuletzt dafür ausgesprochen, in dem Emirat aufgrund akuter Gesundheitsgefährdung nicht im brütend heißen Sommer zu spielen.

Vor allem Platini setzte sich zuletzt vehement für eine Verlegung in den Winter ein. Bisher planen die Organisatoren, die Stadien während der WM herunterzukühlen, um die Temperatur erträglich zu halten. Im Sommer sind Temperaturen an die 50 Grad Celsius in Katar an der Tagesordnung.

PS: Ich bin mir sicher: Wenn es am Nordpol so viele Milliardäre geben würde wie in Katar, dann würde auch am Nordpol eine Fußball-WM stattfinden. Vielleicht ist es ja im Jahre 2038 soweit. Und es wäre dabei auch völlig egal, ob dann auf Eisschollen gespielt werden müsste, oder im Juni bei acht Meter hohem Schnee – pro Quadratmeter. Hauptsache die Kohle stimmt. Bei wem auch immer. Über Eis und Schnee, wie man das alles auftauen könnte, darüber müssten sich dann alle mal viel, viel später Gedanken machen.
Nein, nein, das sind schon alles großartige und vor allem weitsichtige Herren, die so etwas veranstalten . . .

PSPS: Morgen, am Montag, wird um 15 Uhr im Volkspark trainiert. Ohne Hitze, ohne Eis, ohne Schnee. Rasenheizung!

17.19 Uhr

“Dittsche”: “Adler ist ein reiner Titan!”

30. September 2012

„Wir sind alle sehr dankbar, dass unser Verein nicht zwei Wochen früher gegründet wurde . . .“ Bei seiner Begrüßungsansprache in der 02 World-Arena scherzte der HSV-Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow über die aktuelle Punktausbeute seines Klubs – denn vor einer Woche hatten viele Skeptiker noch befürchtet, dass der Klub ohne einen Punkt in die Feierlichkeiten zum 125. Geburtstag gehen würde. Dieses Horror-Szenario aber blieb dem HSV zum Glück erspart. Nach dem glücklichen 1:0-Sieg gegen Hannover 96 war „ganz Hamburg“ in Partylaune. Fast 12 000 Zuschauer waren nur ein, zwei Stunden nach dem zweiten „Dreier“ der Saison gekommen, um den Ehrentag des Bundesliga-Dinos zu feiern. Ganz sicher gab es spät in der Nacht, das will ich nicht verheimlichen, auch manche kritische Stimme, weil bestimmt nicht alles so rund gelaufen war, wie gedacht oder geplant. Es gab auch manche kritische Stimme, weil das Jubiläums-Programm nicht jedermanns Geschmack war – aber ich kann für mich sagen: Ein toller und gelungener Abend, es waren großartige Künstler dabei, die mir alle uneingeschränkt sehr gefallen haben. Die Geschmäcker sind eben verschieden.

Für mich war es wunderschön – und fast unglaublich, wie viele prominente HSV-Persönlichkeiten zu diesem Festtag mal wieder nach Hamburg gekommen waren. Das war ein Klassentreffen XXXL. Ganz, ganz hervorragend. Wo soll man anfangen, wo soll man aufhören? Als Uwe Seeler vorgestellt wurde, erhoben sich alle Gäste von ihren Sitzen. Und donnernden Beifall gab es, als „uns Uwe“ sagte: „Für mich ist der HSV schon immer alles – das war mein Leben: Erst Schule und Sport – das war der HSV. Nachher Beruf und Sport – das war auch der HSV. Und jetzt als Passiver auch der HSV. Der HSV wird immer der HSV bleiben und in meinem Herzen verankert sein.“

Die Spieler der Meistermannschaft von 1960, Horst Schnoor, Jochen Meinke, Klaus Neisner, Gert Dörfel und Franz Klepacz (der nicht spielte) waren zu diesen Feierlichkeiten gekommen, der schwer erkrankte Erwin Piechowiak fehlte. Ich hatte den Verteidiger noch am Vormittag getroffen, er ist am Freitag aus dem Krankenhaus entlassen worden, es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Für dieses Fest aber wäre er noch nicht wieder fit gewesen.

Ansonsten waren die meisten Größe anwesend: Günter Netzer war da, Manfred Kaltz, Horst Hrubesch, Ditmar Jakobs, Holger Hieronymus, Thomas von Heesen, Wolfgang Rolff, Felix Magath, Dieter Schatzschneider, Benno Möhlmann, Hans-Jürgen „Dittschi“ Ripp, Helmut „Ratte“ Sandmann, Rolf Fritzsche, Jörg Butt, Uli Stein, Jimmy Hartwig, Bernd Wehmeyer, Jürgen Milewski, Michael Schröder, Richard Golz, Harry Bähre, Nico Hoogma, Erik Meijer, Harald Spörl, Carsten Kober, Mehdi Mahdavikia, Sergej Barbarez, Peter Lux, Tobias Homp, Stig Töfting, Thomas Doll, Rodolfo Cardoso (wurde er als Bruno Cardoso vorgestellt? Mir war fast so), Caspar Memering, Uwe Hain, Manfred Kastl, Borisa Djordjevic, Ralf Brunnecker und, und, und. Ich habe ganz sicher etliche HSV-Spieler vergessen zu erwähnen, aber es waren ganz einfach zu viele dabei. Ein traumhafter Abend für jeden HSVer.

Kleine aber nicht unbemerkte Begebenheit am Rande: Als in der Halle große und ganz große sowie verdienstvolle HSVer, die inzwischen verstorben sind, auf den Leinwänden gezeigt wurden, da gab es, als das Foto von Werner Hackmann aufleuchtete, viel und herzlichen Beifall. Welch eine große Geste für den Mann, der maßgeblich (neben Uwe Seeler) mitgeholfen hatte, aus dem kalten Volksparkstadion eine neue Arena zu bauen. Hackmanns Ehefrau Ulla war (mit ihrer Tochter) zu dieser Feier gekommen, sie registrierte den Applaus mit stiller Freude. Wie schön, das es im so coolen Profi-Sport auch noch eine solche Herzlichkeit gibt.

Das Gegenteil musste DFB-Präsident Wolfgang Niersbach erfahren, der oft lautstark ausgepfiffen wurde. Dafür habe ich mich geschämt, gebe ich zu. An einem solchen Abend hätten die Fans, die schlecht auf den Deutschen Fußball-Bund zu sprechen sind, besser einmal geschwiegen . . . Ganz nebenbei kenne ich Niersbach schon ganz lange, er war einst ein Kollege (vom Sport-Informations-Dienst SID) und ist ein fabelhafter Mensch. Dazu auch noch ein absoluter Fußball-Experte, der in der ganzen Welt höchste Anerkennung genießt.
Schade, schade, dass es diese Pfiffe gab.

Nicht nur die Pfiffe waren störend, auch der Wechsel von einer Arena in die andere. Zum Einlass der After-Show-Party hatten die Organisatoren eine halbe (!) Tür geöffnet, die Schlange (der VIP’s) wurde lang und länger – mir taten vor allem die frierenden Frauen Leid. Und wer es dann in die Räumlichkeiten geschafft hatte, der war nicht nur geschafft, sondern auch überrascht. Weil Frau und Mann eigentlich keine Chance hatten, umzufallen. Wer irgendeine Schwäche gezeigt hätte, vielleicht ohnmächtig geworden wäre, der hätte keine Möglichkeit gehabt, zu Boden zu gehen. So übervoll war das. Da muss dem HSV irgendein Planungsfehler unterlaufen sein, da waren ganz sicher viel zu viele Gäste geladen worden – aber der Verein braucht eben jeden Euro. Das war massenweise Aufbauhilfe HSV. Aber man kann eben nicht alles haben . . .

Dafür war die Show in meinen Augen gelungen. Die drei Moderatoren Judith Rakers, Alexander Bommes und Johannes B. Kerner, dazu zeitweise Sylvie van der Vaart (sie soll gedacht haben, dass sie den ganzen Abend mitmoderieren sollte?), Carlo von Tiedemann und Dieter Thomas Heck, machten ihre Sache gut. Hamburgs Perle „Lotto King Karl“ hatten einen überragenden Auftritt, dazu der hervorragende Rea Garvay, auch Scooter (ebenfalls super!) war dabei und der einfach nur großartige Olli „Dittsche“ Dittrich, dazu auch Otto Waalkes (der nur langsam in Fahrt kam . . .) und der Kinderchor „Alsterspatzen“ (heißen sie so?). Nein, das alles hatte was und konnte sich sehen und hören lassen. Auch wenn die Show gegen Ende ein wenig an Stimmung einbüßte. Das Bubble-Footballspiel war absolut überflüssig.

Ganz zum Schluss wurde die von der „Bild“ (den Lesern) gewählte 125-Jahr-Mannschaft vorgestellt. Das sind folgende Spieler: Uli Stein, Jupp Posipal, Peter Nogly, Willi Schulz (er fehlte an diesem Abend), Manfred Kaltz, Ditmar Jakobs, Gert „Charly“ Dörfel, Uwe Seeler, Kevin Keegan (er fehlte leider auch – sehr), Karsten Bäron, Mehdi Mahdavikia, Thomas Doll, Thomas von Heesen, Felix Magath, Rafael van der Vaart, Horst Hrubesch, dazu Trainer Ernst Happel (für den Sohn Ernst junior aus Wien erschienen war) sowie Kult-Masseur Hermann Rieger, der an diesem Abend mehrfach stürmisch gefeiert wurde.

Der unumstrittene Star der gesamten Feierlichkeiten aber war ein anderer Mann: Rene Adler, der mit der gesamten Mannschaft zum Geburtstag gekommen war – samt Spielerfrauen (die sogar auch noch ihren Auftritt hatte). Der HSV-Torwart, der zuvor Hannover 96 an den Rande des Wahnsinns gebracht hatte, wurde geradezu enthusiastisch umjubelt und gefeiert. „Wenn Rene so weitermacht, dann wird er bald wieder in der Nationalmannschaft spielen“, prophezeite Uli Stein. Aber zu diesem Thema gab es kürzlich im Hamburger Abendblatt einen Artikel meines Kollegen Alexander Laux:

„Bundestrainer Joachim Löw macht Torhüter Rene Adler Hoffnungen auf ein Comeback in der Nationalmannschaft nach fast zweijähriger Pause. „Bei Rene Adler muss man jetzt mal nach seiner langen Verletzung abwarten. Aber auch ihn werden wir beobachten”, sagte Löw im Interview des Sportmagazins „Kicker”. Für die nächsten vier Länderspiele habe er sich aber auf Manuel Neuer, Marc-Andre ter Stegen und Ron-Robert Zieler festgelegt, während Bernd Leno die Rolle bei der U21 übernehmen soll.“

Löw müsste also, falls sich nicht noch ein Torhüter verletzten sollte (was niemand hofft!), im Hinblick auf die Spiele gegen Irland und Schweden wortbrüchig werden, und das ist kaum anzunehmen. Adler muss sich also noch ein wenig in Geduld üben – aber er wird ganz sicher bald wieder für Deutschland zwischen den Pfosten stehen. Ganz sicher. In dieser Form, in dieser Über-Form gibt es nämlich keinen besseren Torwächter, als ihn. Obwohl der HSV-Keeper absolut und total bescheiden bleibt – in all der Jubelarien: „Es ist ja mein Job, Bälle zu halten, das mache ich nur. Ich spiele ja nicht allein. Alle haben sich gegen Hannover den Arsch aufgerissen. Und ich mag solche heiß und hart umkämpften Siege viel lieber, als wenn man klar und deutlich gewinnt. Die Stimmung im Stadion war hervorragend.“

Eine ganz besondere Lob-Rede hielt an diesem Abend “Dittsche” auf den HSV-Helden zwischen den Pfosten: “Rene Adler ist ein reiner Titan – er ist der neue reine Torwart-Titan.” Und Torhüter-Legende Horst Schnoor befand: “Ich habe Rene kürzlich beim Abendblatt-Interview kennengelernt, er ist ein ganz feiner Kerl. Und als Torwart sowieso überragend, er wird bald wieder bei Jogi Löw sein.”

Solche Sätze sorgten für Super-Stimmung in der Halle natürlich auch. Besonders zu Beginn der Veranstaltung brodelte es auf den Rängen. Aber da schwebten ja auch alle Zuschauer noch auf Wolke sieben, denn sieben Punkte in einer Woche – die sorgten schon für eine besondere Befreiung.

Die gab es auch für Trainer Thorsten Fink: „Ich bin natürlich überglücklich, denn wir haben ja eine recht schwierige Zeit hinter uns.“ Der HSV-Coach lobte nach dem 1:0-Sieg nicht nur Adler, sondern auch den Kapitän: „Heiko Westermann hatte sich beim 2:2 in Mönchengladbach einen fünf Zentimeter langen Muskelfaserriss zugezogen, aber er wollte unbedingt spielen, und er hat gespielt und durchgehalten. Wie er das gemacht hat, das ist mir schleierhaft, aber der Heiko muss eine Art von Ur-Mensch sein. Wie er das trotz aller Schmerzen hingekriegt hat, mit welcher Leidenschaft er gespielt hat, das ist schon sensationell. Und deswegen habe ich ihn diesmal extra mal gelobt.“

Lob verdienten sich diesmal viele HSV-Spieler. Tolgay Arslan zum Beispiel, der ein riesiges Spiel gemacht hat. Fink über den neuen „Sechser“: „Tolgay hat gelernt, den Ball mal abzuspielen. Das muss er jetzt machen, wenn er neben Rafael van der Vaart spielt. Dieses Spiel tut ihm gut, er sieht nun auch, dass man mit ein, zwei Kontakten viel besser spielen kann, als wenn man zu viel dribbelt. Ich habe vorher auch nicht gedacht, dass er defensiv so gut arbeiten kann, aber er kann es, und deswegen bin ich sehr zufrieden mit ihm.“

Für mich etwas überraschend hatte Fink Petr Jiracek auf der Bank gelassen. Der Tscheche war in Frankfurt mit der Witz-Karte des Jahres (von Wolfgang Stark gegeben!) vom Platz gestellt worden, völlig zu Unrecht, und deswegen hatte ich eigentlich erwartet, dass er gleich wieder in der Anfangsformation stehen würde. Denkste. Fink setzte ein Zeichen. Für den Nachwuchs, für die Jungen, für die Talente. Auch das hat ein Lob verdient. Für Jiracek aber tat es mir Leid, denn ohne diese Rote Karte hätte ja wohl er immer noch gespielt . . . „Wenn ein Mann wie Arslan so gut einschlägt, dann sollte man nicht gleich wieder alles auseinander reißen. Es ist doch schön, dass wir mit Petr Jiracek noch einen so guten Mann auf der Bank hatten, dass wir noch so viele starke Spieler in der Hinterhand haben – aber Jiracek ist genau so wichtig für uns wie alle anderen Spieler.“

Zur Leistung von Rene Adler befand der Trainer: „In Mönchengladbach hat er so gehalten, wie er normal halten muss, diesmal hat er uns den Sieg festgehalten. Er hält im Moment top. Und er ist wichtig für die Mannschaft, denn er sagt mal was. Das ist auch wichtig, dass man nicht nur Spiele hat, die stumm wie Fische sind. Er redet mit seinen Vorderleute, er motiviert sie, und er scheißt sie auch manchmal an, wenn es sein muss. Rene ist ein großartiger Führungsspieler.“

Viel Lob vom Trainer erhielten auch die Fans: „Sie haben hier vier Wochen jeden Tag gearbeitet, das ist sensationell, auch deswegen freut mich der Sieg über Hannover besonders, denn sie hätten nichts anderes verdient. Ich habe hier einige Anhänger jeden Tag gesehen, die müssen Urlaub genommen haben, das nenne ich mal einen leidenschaftlichen Einsatz für den HSV.“

Aber das gilt wohl für viele HSVer an diesem Wochenende. Auf dem Rasen und nebenbei, dazu die vielen, vielen fleißigen Hände bei der Gala und danach – vielen Dank.

Ein Satz noch zu Rafael van der Vaart. Er spielte eine sehr gute erste Halbzeit (für mich), dann tauchte er gelegentlich ab. Die Kraft. Drei Spiele in einer Woche, dass war für ihn, der stets ein riesiges (Lauf-)Pensum erledigt, wohl zu viel. Fink über die „23“: „Rafael hat dem Spiel diesmal nicht seinen Stempel aufgedrückt, aber er fightet und geht immer voran.“ Und van der Vaart bekannte: „Das war kein gutes Spiel von uns, Hannover war spielerisch besser. Ab er das ist mir heute egal, es zählt nur der Sieg.“ Über den Fink sagte: „Es war ein dreckiger Sieg, aber auch muss man mal gewinnen können.“

Und zu Artjoms Rudnevs sei gesagt: Der Lette wird immer besser, auch wenn ihm noch lange nicht alles gelingt. Aber er trifft, und das haben einige Experten (des HSV) prophezeit. Macht er erst ein Tor, dann werden andere folgen. Stimmt. So darf der „Rudi“ weitermachen. Was man ihm aber auf jeden Fall attestieren muss: Rudnevs läuft viel, geht weite Wege, geht auch dorthin, wo es weh tut – deswegen ist er schon jetzt sehr wertvoll geworden.

Alles wird gut.

PS: Es gibt noch einen prächtigen Nachschlag in Sachen 125-Jahr-Feierlichkeiten: Der Fernsehsender “HH1″ überträgt am Montag von 20.15 Uhr an über 90 Minuten auch eine HSV-Geburtstags-Gala. An ihr werden viele namhafte HSV-Größen von einst teilnehmen, so sind dabei Horst Schnoor, Jochen Meinke, Thomas Doll und Richard Golz, Horst Hrubesch und Holger Hieronymus, dazu Klub-Chef Carl-Edgar Jarchow, Kult-Masseur Hermann Rieger und “Ober-Fan” Johannes “Jojo” Liebnau. Es wäre schön, wenn ihr einschalten würdet.

PS PS: Am Montag ist trainingsfrei. Sie haben es sich verdient.

16.31 Uhr

Petric soll zum FC Fulham wechseln

28. Juni 2012

Also doch! Der Sport-Informations-Dienst meldet heute:

„Stürmer Mladen Petric vom Fußball-Bundesligisten Hamburger SV steht nach englischen Medienberichten vor einem Wechsel zum FC Fulham nach London. Der Vertrag des 31-Jährigen bei den Hanseaten läuft am Samstag aus und wird nicht verlängert. Coach beim Premier-League-Klub ist der Niederländer Martin Jol, unter dem Petric in der Saison 2008/2009 bei den Norddeutschen trainierte.“

Ich habe es vor Wochen schon geahnt – und hier geschrieben, zumindest den vagen Verdacht geäußert. Damals war der Bruder von Martin Jol, „Cock“ Jol, beim HSV-Training im Volkspark. Und er begrüßte Mladen Petric zwar sehr nett, aber eben auch ein wenig zu cool – wie ich fand (ich stand zufällig daneben). Deswegen schrieb ich, dass ich mir einen Wechsel des hSV-Torjägers zum FC Fulham durchaus vorstellen könne. Fast schon ein Treffer! Und es wird wohl auch einer. Da kann man Petric nur beglückwünschen. Bin aber trotz allem sehr gespannt darauf, wie er sich dem schnellen Spiel in England anpassen wird. Aber das wird man sehen – England ist ja nicht aus der Welt.

(um 17.31 Uhr ergänzt: Petric wird zum FC Fulham wechseln, das soll am Abend noch perfekt gemacht werden.)

Bei der Gelegenheit: „Cock“ Jol hatte mir damals verraten, dass sein Bruder gerne Marcell Jansen bei sich sehen würde. Also auch beim FC Fulham. Das aber würde daran scheitern, dass der HSV erstens Jansen nicht gehen lassen will, und zweitens eventuell auch nur den Preis in die Höhe treiben möchte. Nun steht Jansen ja inzwischen vor der Vertragsverlängerung, es soll ja auch alles perfekt sein – nur die Unterschriften fehlen noch. Weil einige maßgebliche Herren noch im Urlaub weilen. Aber mal abwarten, wie lange sich das noch hinzieht.

So, noch ist ja EM. Und ich warte immer noch auf den „Maulwurf“. Vor dem Viertelfinale gegen Griechenland war jetzt um diese Zeit schon lange die Aufstellung „draußen“. Und jetzt immer noch nicht. Das „Tierchen“ lässt jetzt schon nach. Nun gut, es ist ja auch noch ein wenig Zeit bis zum Anpfiff.

Vorher gibt es aber noch einen dapd-Bericht über einen wohl ziemlich schwer enttäuschten Dr. Theo Zwanziger. Der Mann, wer weiß es noch, stand einst an der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes. Motto: „Ich werde immer ein Kämpfer für den Amateurfußball bleiben.“ Das haben alle Amateur-Klubs auch gemerkt. Und nun meldet sich Zwanziger wieder einmal zu Wort:

Theo Zwanziger hat kurz vor dem Ende der Fußball-Europameisterschaft öffentlich nochmals die Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine angeprangert und auch versteckte Kritik an der Spitze des deutschen Fußball-Bundes (DFB) geübt. „Ich bin nicht mehr Delegationsleiter der deutschen Mannschaft und habe deswegen keine Verpflichtung, Spiele in der Ukraine zu besuchen. Sport und Politik sind kein Gegeneinander, sondern sie müssen sich wechselseitig unterstützen“, sagte der ehemalige DFB-Präsident in einem Interview des Fachmagazins „Kicker“.

Zwanziger wird auf einen Besuch des Finales am Sonntag verzichten – auch bei einer Beteiligung Deutschlands, das am Donnerstag in Warschau gegen Italien im Halbfinale spielte. Am Freitag reist der 67-Jährige zur Exekutiv-Sitzung der UEFA nach Kiew und am Samstag zurück nach Deutschland.

Der Jurist, Mitglied im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA), stieß damit im Sport die heftige Kritik an der Staatsführung mit Präsident Wiktor Janukowitsch öffentlich erneut an. Vor dem Turnierstart hatten bereits Bundestrainer Joachim Löw und Mannschaftskapitän Philipp Lahm öffentlich den Umgang mit der ehemaligen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko kritisiert, die in Charkiw eine siebenjährige Gefängnisstrafe verbüßen muss.

Zwanziger hielt seinem Nachfolger Niersbach, der seit dem 2. März an der DFB-Spitze steht, versteckt inkonsequentes Handeln vor. „Wolfgang Niersbach hat im Mai vollkommen zurecht gesagt, dass die Euro auch die Chance bietet, Missstände in der Ukraine anzuprangern. Dann muss man es aber auch tun, wenn man dort ist“, sagte der Jurist zur Diskussion, ob man die EM überhaupt in einem solchen politischen System überhaupt austragen hätte dürfen. „Aber was ist passiert? Die Euro ist ein großes Spektakel. Der ukrainische Staatspräsident wird überall hofiert auf der Ehrentribüne. Ich frage mich: Was denken in einer solchen Situation die Minderheiten, die Betroffenen des Regimes, die außerhalb des Fußballs stehen?“, sagte Zwanziger.

Zwanziger rief dazu auf, im Fußball mehr Flagge zu zeigen und nicht nur in sportbezogenen Kategorien zu denken. „Wir Fußballer können … die aktuellen Verhältnisse in der Ukraine nicht umkrempeln, aber wir sollten schon ein bisschen Mut haben und darauf hinweisen“, sagte er.

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Zwanziger hätte besser geschwiegen. Aber gut, es ist nun einmal passiert.
Und dann gibt es noch, weil es ja irgendwie auch unsere „Schublade“ betrifft, diesen Bericht von dapd über ein besonders EM-Gezwitscher:

Was Spieler und Prominente über die Fußball-EM auf Twitter und Facebook schreiben
Ein Großteil der Spieler bei der Fußball-EM ist bei sozialen Netzwerken und beim Kurznachrichtendienst Twitter aktiv. Die Trainer gehen unterschiedlich tolerant mit dem Thema um. dapd verfolgt die Tweets der Spieler und ihre Facebook-Accounts und fasst die Ergebnisse täglich zusammen.

GUTE STIMMUNG: „Die Vorfreude auf das Halbfinale gegen Italien ist riesig. Wir sind gut drauf und die Stimmung in der Truppe ist ausgezeichnet. Das ganze Team ist heiß auf das Spiel.“ Via Facebook lässt der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, Philipp Lahm, die Fans teilhaben an der Atmosphäre im Team. Nach vier Siegen aus vier Spielen nur allzu verständlich.
( http://url.dapd.de/opT3BG )

PUBLIC VIEWING: Jürgen Klinsmann entpuppt sich als Fan des Public Viewing. „Ich habe das Spiel auf der Fanmeile in Warschau geguckt. Gratulation an Spanien zum Erreichen des Finales“, twitterte der aktuelle Nationaltrainer der USA. Das Beweisfoto lieferte er direkt mit.
( http://url.dapd.de/qWZjEV )

ERINNERUNG: Vor dem Halbfinale erinnert Oliver Pocher an das schmerzhafte Halbfinal-Aus bei der Weltmeisterschaft 2006 im eigene Land. Als den „schlimmsten Tag 2006!!!!“ bezeichnete er den Moment der Niederlage. Auch einige aktuelle Nationalspieler waren damals schon dabei und werden vor dem Halbfinale gewarnt sein.
( http://url.dapd.de/WjMZ2J )

ÜBERRASCHUNG: Michael Owen räumt Italien vor dem Halbfinale gegen Deutschland gute Chancen ein. „Ich denke Italien kann morgen für eine Überraschung sorgen“, twitterte er am Abend vor dem Halbfinale. Es bleibt zu hoffen, dass seine Vorhersage nicht eintritt.
( http://url.dapd.de/PCjWlM )

VAMOS: Die Freude der Spanier nach dem Halbfinalsieg gegen Portugal ist verständlicherweise groß. Noch aus der Kabine kamen die ersten Grüße an die Fangemeinde. „Was für eine Freude!! Wir sind im Finale! Dieses Team ist großartig. Danke!“ schrieb Andres Iniesta via Twitter und fügte gleich ein Bild mit lachenden Spaniern hinzu.
( http://url.dapd.de/hI2Wh9 )

URLAUB: Nach dem enttäuschenden Ausscheiden der Engländer weilt Wayne Rooney mit seiner Freundin inzwischen schon im Urlaub. „Ich und Coleen sind beim Abendessen in Los Angeles. Zeit zum Entspannen.“
( http://url.dapd.de/3ysNFi )

ANFEUERUNG: Englands ausgemusterter Superstar Rio Ferdinand hat im Halbfinale am Mittwoch für seine Freunde aus Portugal gefiebert. Via Twitter nannte er seinen Mitspieler „Super-Nani“ und feuerte zudem Cristiano Ronaldo an, der mit Ferdinand bei Manchester United kickte.

Dann gab es noch eine besondere Mail mit einem Tipp an den HSV-Sportchef:

Lieber Dieter,
ich habe mich ewig nicht mehr im Blog gemeldet, weil ich auch die Kommentare teils sehr unqualifiziert finde. Den Blog lese ich aber täglich!

Hier nur ein Tipp für Frank Arnesen, falls er bei seinen Gesprächen mit Alkmaar nicht nur Rasmus Elm bespricht bzw. der zu teuer wird. Ich gehe davon aus, dass die Journalisten ihm etwas sagen dürfen. Ob er etwas daraus machen möchte, steht auf einem anderen Blatt.
Adam Maher soll laut Aussage meiner Kollegen in Groningen (ein Kollege war selbst Fußballer, hat auch mit Elia zusammengespielt früher) sehr gut sein, jung und talentiert. Hat gute Saison gespielt.

Ich kann nicht beurteilen ob er schon die Übersicht und Struktur bringen kann wie es hoffentlich Elm bringt. Einfach erwähnen und dann sehen wir weiter. Dank im voraus und

Nur der HSV :-)
Andreas
(bin Jg. 64, kein Fußballer, dafür hat mein Papa als Schüler bei Walddörfer auch gegen Uwe gespielt).

So, immer noch nichts vom Maulwurf, ich muss nun aber – gemeinsam mit „uns Scholle“ – los. Auf ins „Champs“ nach Schnelsen, dort sind heute „Lotto King Karl“ und HSV-Vorstandsmitglied Joachim Hilke zu Gast bei „Matz ab live“. Wir werden kurz nach dem letzten Ballwechsel in Warschau auf Sendung gehen – und ich hoffe schwer auf euch, dass auch ihr dann wieder mit von der Partie seid. Bis nachher also.
PS: Schnell noch ein Dankeschön an alle User, die sich “Matz ab live” ansehen – und ein ganz spezieller Gruß geht diesmal nach Köln: Lieber Sebastian, vielen Dank für Dein Lob, noch mehr Dank aber für Deinen “glänzenden” Tipp. Ich werde schon heute meine Lehre daraus ziehen, “uns Scholle” will sich das noch nicht antun, aber vielleicht kann ich ihn ja noch überreden. Wenn nicht – Du wirst uns den Unterschied berichten. Und ihm.

17.03 Uhr

Mitglieder sollten sich an Wahlen halten – und Düsseldorf aufsteigen ***Jarchow und Hilke bis 2015***

16. Mai 2012

Oha, da gerät ja selbst der rastlose, große HSV in den Hintergrund. 27,5 Minuten Nachspielzeit inklusiven einer 20-Minuten-Unterbrechung, weil Düsseldorfer Fans eine Minute vor dem offiziellen Ende den Rasen gestürmt haben. Und jetzt berät und votiert die Fachwelt, ob die Partie so gewertet werden kann oder wie, wo und wann es eine Neuauflage geben soll. Bei „Spiegel online“ heißt es jetzt: „So etwas hat auch der renommierte Sportanwalt ‚noch nicht gesehen’. Mit offenem Mund habe er vor dem Fernseher gesessen, als die Düsseldorfer Fans über die Balustraden kletterten und das Spielfeld stürmten, sagt Michael Lehner. Der Heidelberger Anwalt fordert eine detaillierte juristische Aufarbeitung des Skandal-Relegationsspiels zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC – und räumt einem möglichen Protest gute Chancen ein. „Wenn Hertha Protest gegen das Spiel einlegt, hat der Verein Aussicht auf Erfolg“, sagt Lehner, der sich im Sport bisher besonders einen Namen in Doping-Verfahren machte. Aus seiner Sicht ist eine Wiederholung des Spiels die einzig gangbare Lösung: Die Berliner seien durch die Spielunterbrechung einer großen Chance beraubt worden, die gesamte Mannschaft sei in ihrem Spielfluss gestört worden. Der Veranstalter – in dem Fall Fortuna Düsseldorf als gastgebender Verein – sei seiner Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen. Dadurch hätten die Gäste keine Chancengleichheit mehr gehabt, das rechtfertige einen Einspruch von Hertha.“

Selbst die für mich völlig absurde Lösung (weil so beide Mannschaften für Fehlverhalten ihrer Fans noch belohnt würden), in der kommenden Saison mit 19 Mannschaften in der Bundesliga zu spielen, wird erwogen.

Geht’s noch??

Die 60 fehlenden Sekunden wurden mit 30 Sekunden Aufschlag nachgespielt. Nicht optimal, klar. Auch der Gedanke, dass der Spielfluss gestört wurde, kam mir sofort in den Sinn. Aber letztlich gab es auch nur deshalb diese Ewig-Nachspielzeit von sieben Minuten, weil während der Partie Hertha-Fans Dutzende Bengalos auf den Platz geworfen hatten und damit den Spielfluss der Düsseldorfer ebenso wie später die Düsseldorfer Fans den der Berliner störten. Nein, dieses Spiel darf nicht wiederholt werden. Aber es wird mit Sicherheit mächtig hohe Strafen nach sich ziehen. Ich verzichte hier an dieser Stelle, mich über die unfassbar dummen Fans auszulassen – das habt ihr hier ja schon ausreichend und richtig dargestellt. Nein, ich lass das Thema jetzt ruhen, da wird nichts Großes mehr kommen. Wetten, dass…?!? Immerhin ist der neue DFB-Präsident Wolfgang Niersbach DER Fortuna-Fan schlechthin…

Aber egal, zurück zum HSV. Der darf sich jetzt auf ein junges Talent freuen, das mit zusätzlichem Selbstvertrauen eines Erstligaaufsteigers kommt. Und das völlig zu Recht. Was Maximilian Beister gestern ablieferte, war wieder das, was ihn im Laufe der Hinrunde zu einem der begehrtesten Spieler der Zweiten Liga gemacht hatte. Nicht allein sein Tor begeisterte. Auch insgesamt wirkte Beister so, wie ich es zuletzt von einem Ivica Olic gesehen habe. Er war immer in Bewegung, lief manchmal auch unfassbar unökonomische Wege – aber eben nie auch nur einen Meter zu wenig. Dazu hat Maxi eine sehr ausgeprägte Technik, hohes Tempo und Zug nach vorn. Er wird der Fortuna fehlen – und dem HSV helfen. Zumal wir auf der rechten Seite schneller eine Vakanz haben könnten, als uns lieb ist. Denn inzwischen steht Gökhan Töre beim HSV im Visier der Verantwortlichen.

Zunächst hatten sich Sportchef Frank Arnesen und Trainer Thorsten Fink darauf verständigt, ruhig zu bleiben und Töre so lange eine Chance zu geben, bis entweder ein potenter Käufer für den extravaganten Außenspieler auftaucht oder noch etwas vorfällt. Noch etwas, weil Töre intern mit seinem divenhaften Verhalten einige Kritiker auf den Plan gerufen hat. Zwar hieß es am Sonntag, Töre sei wegen einer Grippe nicht im Kader – das soll allerdings nur ein Vorwand gewesen sein. Dem Vernehmen nach soll der Deutsch-Türke am Sonnabend durchaus gesund gewesen sein. Sogar bis spät in die Nacht. Woraufhin Fink auf die Nominierung des Linksfußes für die Partie gegen Stuttgart verzichtet haben soll – und nun erwägt, auch länger auf die Dienste des „Spielers der Hinrunde“ zu verzichten. Fortsetzung folgt…

Verzichten müssen wir auch auf weitere Auftritte des HSV 2011/2012. Hierbei verzichte ich auf den Zusatz „leider“. Zumindest sportlich ist dem nicht so, denn die letzten Tests waren dann doch eher durchwachsen. Zum Glück ist endlich wirklich Pause. Dafür steht am Sonntag die Mitgliederversammlung an, auf der wichtige vereinspolitische Themen besprochen werden sollen. Die Fernwahl wird einer dieser Punkte sein. Ein anderer die Mitbestimmung der Mitglieder bei eventuellen Engagements von Investoren. Zwei Themen, die eine ganze Menge Pro und Contra haben. Ich, bzw. dann Dieter, werden auf dieses Thema auch noch eingehen – allerdings nicht heute, sondern kurz vor, während und nach der MV.

Nein, heute geht es noch mal um Fußball. Nachdem gestern der sportliche Abschluss mit einem 6:1 beim Lüneburger SK gefunden wurde, werden jetzt die neuen Spieler gesucht. Wolfsburgs Koo ist seit langem und auch weiterhin auf der Liste – ebenso Karlsruhes Toptalent Hakan Calhanoglu. Allerdings sind beides Namen von talentierten Spielern, die nicht die Forderung von Fink befriedigen würden. Der hat sich intern darauf festgelegt, einen zentralen, kreativen und vor allem aber auch gestandenen Mittelfeldspieler holen zu wollen. Das kostet Geld – wofür auch schon vor Monaten der HSV-Fan und Investor Klaus-Michael Kühne kontaktiert wurde. Zwar ist ein Herr van der Vaart trotz aller hier geäußerten Wünsche in weiter Ferne. Allerdings ist eine Fremdinvestition durchaus denkbar, was den Handlungsspielraum für Sportchef Frank Arnesen erheblich verbessern würde. Vorausgesetzt, am Sonntag passiert nichts, was das verhindern könnte.

Womit ich doch wieder kurz bei der bevorstehenden MV gelandet bin. Ich kann nur hoffen, dass der Gedanke, Mitglieder dürften beim Einstieg von Investoren beim HSV mitbestimmen oder müssten gefragt werden, schnell zu den Akten gelegt wird. Weshalb sollte das beim HSV so sein? Warum sollten hier alle Strukturen aufgehoben werden? Immerhin waren und sind es weiterhin die Mitglieder – also auch die Antragsteller – die die Aufsichtsräte gewählt haben. Diese Gewählten wiederum bestimmen den Vorstand im Sinne des Vereinswohls (so soll es zumindest sein. Und der Vorstand hat seinerseits wieder darüber zu entscheiden, wie sich der Verein aufstellen muss, um künftig erfolgreicher bestehen zu können. Ergo: die Fans wählen indirekt diejenigen, die bestimmen. Sich dann über deren Entscheidungen zu ärgern und dies auch öffentlich zu machen – völlig okay. Ebenso ist es okay, bei der nächsten Wahl anders zu entscheiden – oder gar selbst zu kandidieren. Aber aus seiner Sorge das Recht abzuleiten, in die Hoheitsgebiete des Vorstandes eindringen zu dürfen und Entscheidungen mittreffen, verhindern oder genehmigen zu dürfen, das ist m. E. verkehrt. Dann würde, das hatte ich vor kurzem schon mal geschrieben, aus einer gesunden Opposition eine blockierende Dauer-Opposition, die dazu führt, dass der Verein handlungsunfähig wird. Und das kann sicher keiner wollen.

In diesem Sinne, ich melde mich in der kommenden Woche wieder und freue mich, Euch einige wichtige Termine ankündigen zu können. Denn Dieter, einige honorige Gäste und ich werden in den nächsten Wochen die Deutsche Nationalmannschaft in der Form begleiten, dass wir nach jedem Länderspiel ein „Matz-Ab-Live“ machen. Das beginnt am 26. Mai mit dem Testspiel der Deutschen gegen die Schweiz und endet (hoffentlich) erst nach dem EM-Finale mit der DFB-Elf als Europameister.

Bis morgen – dann wieder mit Dieter!

Scholle

Nachtrag:
Aufsichtsräte verlängern mit Jarchow und Hilke vorzeitig bis 2015. Otto Rieckhoff lobt: “Sie haben die Aufgaben auch in den schwierigen Zeiten des Abstiegskampfes leidenschaftlich und in einem sehr gut funktionierenden Team gelöst. Für ihre richtungsweisenden Entscheidungen und ihre Verlässlichkeit gebührt ihnen größte Anerkennung und unser Vertrauen, den eingeschlagenen Weg weiter fortzuführen. Mit der vorzeitigen Vertragsverlängerung möchten wir unser Bestreben nach Kontinuität unterstreichen“.

Carl Jarchow und Joachim Hilke hatten am 15. März 2011 die Aufgaben im Vorstand übernommen. Die bisherigen Verträge liefen bis zum 15. März 2013. „Wir freuen uns über das entgegengebrachte Vertrauen und werden mit aller Kraft daran arbeiten, die gemeinsam gesteckten Ziele für den Verein zu erreichen“, so Jarchow. Joachim Hilke blickt ebenfalls positiv in die Zukunft: „Die vorzeitige Verlängerung zeigt, dass unser Weg der Neuausrichtung Unterstützung findet. Diesen werden wir konsequent und leidenschaftlich für den Verein fortführen.”
(Quelle: www.hsv.de)

Ich saß gerade im Auto und bin von einem Stau in den nächsten getrudelt, als ich davon erfahren habe – deshalb der vergleichsweise späte Nachtrag, den ich heute unkommentiert lasse, um mit den Beteiligten zu sprechen, bevor ich meine Meinung dazu hier äußere. Nur so viel: So unmittelbar vor einer Mitgliederversammlung wirkt das immer sehr, sehr gezielt. Die Frage in diesem Fall ist nur: Was genau ist diesmal das Ziel? Ich glaube, dass diese Nachricht nicht mehr Ruhe bringt als vorher da war. Aber okay, mehr dazu morgen…

Fink: “Alles geht, nur der Frosch hüpft”

8. Dezember 2011

Es gibt eine gute und eine nicht so gute Nachricht vom HSV. Zuerst die gute: Mladen Petric ist wieder fit, er wird auch beim Spiel am Sonnabend (15.30 Uhr!) in Mainz wieder dabei sein. Dann die schlechte: Petric wird nur auf der Bank sitzen. Und das ist eigentlich auch nur logisch. Der Torjäger hat nun fünf Wochen nicht mit der Mannschaft trainiert, hat ganz sicher noch einiges an Nachholbedarf – aber ganz sicher ist es erfreulich, dass er wieder mit von der Partie ist. Und quasi als Drohung – mehr für den Gegner – draußen sitzt und kommen könnte, wenn dann Not am Mann ist.

Beim heutigen Training hat Mladen Petric (fast) alles mitgemacht. Nur die kurzen Sprünge über die kleinen Hürden ließ er aus, in dieser Zeit „daddelte“ er mit Co-Trainer Frank Heinemann und dem ebenfalls um Abschluss bemühten Marcus Berg mit dem Ball herum. „Das war eine reine Vorsichtsmaßnahme, ich habe keine Schmerzen gehabt, aber nach einer so langen Pause ist es besser, nicht sofort alles mitzumachen.“ Aber wenn es hart auf hart käme, könnte er es jetzt wieder. Im Hinblick auf das Mainz-Spiel sagte Petric: „Die Stimmung in der Mannschaft ist ganz gut, alle sind sehr fokussiert, alle wollen wieder ein besseres Spiel abliefern als zuletzt.“ Obwohl er auch generell feststellte: „Es läuft jetzt wesentlich besser bei uns, als noch vor Wochen, die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, ist deutlich besser geworden. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das auch noch weiter steigern werden.“ Zudem hofft Mladen Petric auf die Winterpause: „Wenn wir dann mit dem Trainingslager beginnen, dann werden wir uns noch besser mit dem Trainer abstimmen könne, dann kann auch an den taktischen Vorgaben noch mehr gefeilt werden.“

Darauf setzten ja nicht wenige HSVer in und um Hamburg herum. Wohl auch der Trainer selbst. Über den sich Petric – auch aus der Entfernung (wegen der Verletzungspause) – schon ein eigenes Bild gemacht hat: „In dieser kurzen Zeit, in der er jetzt da ist, spielen jetzt besser, man konnte ja deutlich den Unterschied zu vorher erkennen. Unser Spiel ist komplett anders geworden, wir spielen selbstbewusster, wir dominieren die meisten Spiele auch – das hat Thorsten Fink der Mannschaft schnell beigebracht. Es läuft zwar noch nicht alles perfekt, aber darauf kann man schon aufbauen.“ Petric über sein sportliches Ziel bis zum Jahresende: „Mindestens vier Punkte in der Bundesliga holen, und dazu das Pokalsspiel in Stuttgart gewinnen.“ Schön wäre es ja.

Wer etwas Neues in Sachen Vertragsverlängerung wissen möchte – es gibt nichts. Im März soll gesprochen werden. Weitere Kommentare wollte Mladen Petric zu diesem Thema nicht abgeben.

Noch einmal zurück zum heutigen Training. Da spielten, neben dem genesenen Jefferey Bruma (Schulterprellung), Ivo Ilicevic und Robert Tesche in der A-Elf, Heung Min Son und Gojko Kacar dafür in der B-Elf. Ein Fingerzeig für Sonnabend? Thorsten Fink verriet nur so viel: „Ivo wird am Sonnabend spielen. Er hat es sich verdient. Als er gegen Nürnberg kam, da hat er sofort für Schwung gesorgt, hat das zweite Tor mit vorbereitet – mit ihm wurden wir gleich spielerisch besser. Er hat es verdient, und er wird somit zum ersten Mal von Anfang an in die Mannschaft rücken.“

Fast hätte er es nicht ganz geschafft, denn Ilicevic wurde im Training heute von David Jarolim recht unsanft zu Boden befördert. Der Pfiff des „Schiedsrichters“ blieb zwar aus, aber es tat dem Ex-Pfälzer dennoch sehr weh. Er hielt sich danach noch einige Zeit die Schulter, den Arm und die Hand. Aber er blieb leise, er muckte nach dieser Szene nicht auf, sondern schluckte sie wie ein Profi – ja, ich weiß, ist er ja auch. Gleiches gilt für Tomas Rincon, der von „Jaro“ gleich zweimal recht hart „bearbeitet“ worden ist und dabei unsanft zu Boden ging. Einmal tat es allen Kiebitzen sogar beim Zusehen weh – aber auch Rincon rappelte sich gleich wieder auf, zeigte keinerlei Reaktion und mischte sofort wieder mit. Großartige Einstellung – von Rincon und Ilicevic. Übrigens: Auch bei den Jarolim-Szenen gegen Rincon schwieg die Pfeife des „Unparteiischen“ (der Trainer) . . .

Zum kommenden Sonnabend befand Thorsten Fink heute: „Ich will auch in Mainz gewinnen, erwarte ein ähnliches Spiel wie in Hannover, genau das ist die Messlatte. Die nächsten zwei Bundesliga-Spiele sind für uns richtungsweisend, wenn wir die gewinnen, könnten wir die unteren Ränge verlassen und könnten wirklich mal höher schauen. Aber wir müssen uns immer noch damit abfinden, dass wir immer noch mit einem Auge nach unten schauen müssen, und das möchten wir ja vermeiden. Im Moment sieht die Tabelle ja ganz gut aus, elfter Platz, aber der Schein trügt. Wir haben zwar gut gearbeitet und Punkte geholt, aber einige Niederlagen und man ist wieder unten mit drin. Man darf sich jetzt nicht ausruhen, wir müssen weiter Vollgas geben.“ Genau so ist es.

Um noch einmal zurück auf den „Neuen“ zu kommen: Zum Thema Ilicevic schrieb mir „HSven“: „Für Ilicevic müsste Fink sein 4-4-2 verändern. So ähnlich hatte er sich ja auch vor dem letzten Spiel geäussert. Also vermute ich eher, dass Petric wirklich die besseren Karten haben wird. Und im Gegensatz zu der hiesigen Blog-Folklore, hoffe ich auch darauf.“

Fink wird eine Antwort darauf finden. Einer seiner Lieblingssprüche scheint dabei der zu sein: “Alles geht, nur der Frosch hüpft.”

Ich glaube allerdings nicht, dass Fink etwas Gravierendes verändern wird. Ilicevic spielte heute hinter Paolo Guerrero, also genau jene Rolle, die zuletzt auch Son innehatte.

Noch einmal, wo ich gerade bei Guerrero bin, zurück zum Vormittag im Volkspark: Nach dem Training blieben vor einem Tor, das von Nachwuchsmann Tino Dehmelt (19, kommt aus der Regionalliga-Mannschaft von Rodolfo Cardoso) gehütet wurde, noch David Jarolim, Marcus Berg, Per Ciljan Skjelbred und Heung Min Son auf dem Rasen, um noch ein wenig freiwilliges Schusstraining zu absolvieren. Und vor dem anderen Tor, in dem Sven Neuhaus stand, übten Dennis Aogo (der flankte) und Paolo Guerrero, der schoss und köpfte, freiwillig schon ein wenig für Sonnabend. Gute Einstellung!

Da ich gerade beim Abarbeiten bin. Beim Training wurde ich heute gefragt, was eigentlich mit Tolgay Arslan ist? Medien-Direktor Jörn Wolf klärte mich auf. Arslan, der im Sommer vom Wolfsburger Dejagah (beim Testspiel in Flensburg) so böse und brutal gefoult worden war, hatte versucht, seine Knöchelverletzung konservativ heilen zu lassen, aber dann musste der HSV-Profi doch noch operiert werden. Die Folge jetzt: erneutes Reha-Training. Arslan ist jeden Tag im Kraftraum – und zwar in der Arena. Er ist also in Hamburg, kämpft sich hier wieder heran. Aber das wird erst im nächsten Jahr etwas werden. Ihm wurde am Knöchel ein Knochenstückchen operativ entfernt.

So, einen kleinen Sprung nach Frankfurt habe ich noch vor:

Zum Thema Wolfgang Niersbach, der bekanntlich im nächsten Jahr (oktober) Theo Zwanziger als DFB-Präsident beerben soll und wird, schrieb der User „Frank Aschwasser“: „Schlecht für uns.” Aber: „Holliwutt” sagt zu diesem Thema: „Gegenfrage: Wer wäre denn gut für uns gewesen?“

Ich kann nur sagen, dass ich Wolfgang Niersbach schon seit Jahrzehnten kenne, schon immer eine hohe Meinung von ihm gehabt habe (ihm sogar vor langer, langer Zeit – auch öffentlich in einer NDR-Radio-Sendung prophezeit habe, dass er eines Tages DFB-Präsident werden würde!) und nicht glaube, dass er etwas Böses gegen den HSV hat. Niersbach ist ein Vollblut-Fußballer, er hat unheimlich viel Ahnung von diesem Geschäft – und er genießt weltweit höchste Anerkennung, ich habe es oft genug miterleben dürfen. Nein, nein, Niersbach ist absolut okay und die beste Wahl für den deutschen Fußball.

Und noch einmal DFB: „HSVFlex“ schrieb sich seinen Frust von der Seele: „Ich muss hier mal ganz stark den DFB kritisieren. Wie kann das sein, dass ein Hunt für so ein Brutalofoul 3 Spiele Sperre bekommt und Rajkovic für sein angebliche Tätigkeit auch??? Sag mal schielen die da beim DFB??? Wenn ich nur diese beiden Fouls vergleiche…….unfassbar. Das zeigt mal wieder, dass dort entweder eine starke Antisympathie gegenüber dem HSV herrscht oder sogar eine Form von Korruption vorliegt! Wieso wird ein Pizarro für eine glasklare Tätigkeit nicht nachträglich noch bestraft??? Selbst das Foul war schlimmer als das von Rajkovic! Ich begreife das nicht…“

Um ehrlich zu sein, das mit Hunt verstehe ich auch nicht, und das geht vielen Kollegen und Freunden von mir ebenso. Das ist ein Witz. Doch das haben wir ja schon mehrfach in der Bundesliga-Geschichte erfahren, dass da nicht immer mit demselben Maß gemessen wird. Nicht nur für den HSV nicht, aber oft genug hat auch der HSV unter dieser ungleichen Bestrafung zu leiden gehabt. Dass aber ein Pizarro nicht noch nachträglich gesperrt wird (oder wurde), das ist okay, denn der Schiedsrichter (Florian Meyer) hatte in dieser Szene gepfiffen und auf Freistoß für den FC Bayern entschieden. Damit ist dieses Foul geklärt und geahndet – auch wenn da Rot durchaus vertretbar gewesen wäre, ganz klar. Regeltechnisch aber nachträglich nicht mehr machbar.

Und noch zu einem anderen Thema: „hsv_forever“ denkt schon an die Winter-Pause, und damit an Verstärkungen: „Lakic und Helmes sollen WOB wohl im Winter verlassen und ich denke Helmes ist eine Option…” Zu Helmes entbrannte dann eine Diskussion, ob er besser als Petric ist. „Dino1887“: „Vor dem Tor ist Helmes eiskalt, man muss ihn nur richtig einsetzen. Ich persönlich wünsche mir einen anderen Typ als Stürmer.“ Dazu auch „Magath-Fan“: „Statistik hin oder her, zu meinem tatsächlichen Bedauern hatte Helmes einen Kreuzbandriss, und von dem hat er sich mMn nicht mehr richtig erholt. Helmes soll man wieder zum FC gehen, wenn es Poldi ins Ausland zieht, da passt er besser hin.“

Letzteres finde ich auch besser. Vor vielen, vielen Jahren, als Helmes noch für die Sportfreunde Siegen (und die U-21-Nationalmannschaft) stürmte, da gab ich dem HSV mal einen Tipp, aber die Herren wollten ihn nicht. Damals war er in meinen Augen ein Super-Stürmer, heute ist, tut mir leid, wenn ich das sage, der Lack bei ihm ab. Da kommt nicht mehr so viel. Ob das an der schweren Verletzung liegt, die er hatte? Ich weiß es nicht. Aber ich sehe es auch nicht, dass Helmes vor dem Tor ein „Killer“ ist. Was hat der zuletzt, wenn er mal spielen durfte (auch in Leverkusen schon) frei vor dem Tor „verballert“? Das war nicht erstliga-reif. Deswegen rate ich heute von Helmes ab, ganz klar.

So, nun zum Schluss noch eine andere Sache, die mir am Herzen liegt. Der HSV schrieb uns heute:
30 internationale Fußballgrößen sind mit von der Partie bei der UNDP-Hungerhilfe zugunsten des Horns von Afrika

Didier Drogba sagt Teilnahme an Ronaldos & Zinedine Zidanes neuntem Spiel gegen die Armut zu, das am Dienstag, 13. Dezember in Hamburg ab 19.05 Uhr beginnt.

Fußball-Superstar Didier Drogba schließt sich einer starbesetzten Auswahl von 30 internationalen aktiven bzw. ehemaligen Spielern an, die kommenden Dienstag in Hamburg beim deutschen Fußballklub und Gastgeber des Spiels gegen die Armut, dem Hamburger Sport-Verein (HSV), auf die Hungerhilfe am Horn von Afrika aufmerksam machen und zu Spenden aufrufen.

In ihrer Funktion als Goodwill-Botschafter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) haben Ronaldo, Zinédine Zidane und Drogba die Spieler – darunter u. a. Luís Figo,
Pavel Nedved, Serginho und Christian Karembeu, dazu Ze Roberto, Sergej Barbarez, Jörg Albertz und viele mehr – zusammengebracht. Anpfiff des Spiels ist um 19.05 Uhr Ortszeit in der Imtech-Arena des HSV.

„Es ist mir eine Ehre, die Menschen am Horn von Afrika zu unterstützen, die unter Dürre und Hunger leiden, und ich möchte alle dazu ermuntern, an einem Strang zu ziehen, damit die Krise überwunden wird”, so Drogba, der zum ersten Mal an dem Freundschaftsspiel teilnimmt. „Und es begeistert mich, gemeinsam mit Ronaldo, Zidane und allen anderen Spielern im Kampf gegen die Armut etwas bewegen zu können.”

In diesem Jahr gerieten über 13 Millionen Menschen durch Hunger, Dürre, Konflikte und hohe Nahrungsmittelpreise in Not. Gemeinsam mit Partnern in Dschibuti, Äthiopien, Kenia und Somalia arbeiten die Vereinten Nationen dafür, den Menschen einen besseren Zugang zu Wasser, Nahrungsmitteln, Märkten und Gesundheitsfürsorge zu ermöglichen.

Zwar konnte das Leben von Tausenden Menschen durch Hilfsmaßnahmen gerettet werden – trotzdem ist die Situation, insbesondere in ganz Somalia, weiterhin kritisch. Noch immer sind vier Millionen Menschen von der Krise betroffen, und 250.000 leiden Hunger.

Das jährlich stattfindende Spiel gegen Armut, das mittlerweile zum neunten Mal ausgetragen wird, unterstützt Maßnahmen im Rahmen der Millennium-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals, kurz: MDGs) – acht international verabschiedete Zielvorgaben zur Ausrottung extremer Armut bis zum Jahr 2015. Das Match wird von über 20 nationalen und internationalen Fernsehsendern live übertragen.

Zwei Drittel der Spieleinnahmen kommen UN-Maßnahmen zur Bekämpfung der fortdauernden Nahrungsmittelkrise zugute. Den verbleibenden Erlös wird der HSV verschiedenen kommunalen Entwicklungsprojekten spenden, deren Schwerpunkte auf Sport, Jugend, Bildung, Umweltschutz und der sozialen Verantwortung von Unternehmen liegen.

Informationen zum Ticketverkauf finden Sie hier: www.hsv.de/ticket. Spenden für das Horn von Afrika können Sie unter www.undp.org.

Es wäre toll, wenn möglichst viele Zuschauer zu diesem Spiel in den Volkspark kommen würden. Erstens ist es für eine sehr, sehr gute Sache, zweitens darf sich Hamburg nicht mit einem halbleeren Stadion blamieren, denn es geht doch um eine gute Sache. Ich bitte alle, die sich bis jetzt noch nicht dazu entschlossen haben, zu diesem Spiel zu kommen, doch dabei zu sein.
Wir müssen helfen. Danke.

PS: Morgen, am Freitag, ist um 11 Uhr im Volkspark Training.

17.47 Uhr

Pagelsdorf: guter Blick, klasse Händchen

18. Juni 2011

Wenn der „kleine Dribbelkünstler“ in der kommenden Saison auf „Lang-Hafer-Joris“ trifft, wenn dazu Ruud „van the man“ den Prominentenanstoß ausführen wird – dann wäre ich gerne im Stadion. Es kommt mir zwar alles sehr spanisch vor, aber diese Konstellation zeigt mir vor allem eines: Es kommt doch noch Bewegung in die Geschichte. Ich freue mich, dass der Neuanfang des HSV mit dem Verkauf von Mathijsen immer konkreter wird, ich freue mich auch für Mathijsen, denn nun wird er es nicht mehr nötig haben, die Bälle zwecks eines geeigneten Spielaufbaus 80 Meter nach vorne und damit ins Nirwana zu kloppen. Ab sofort übernehmen die Malaga-Profis schon in der eigenen Hälfte die Bälle von Mathijsen, der von den besseren Mitspielern in Spanien sicher nur profitieren kann. Und wenn ich so an seinen 30-jährigen Nebenmann Martin Demichelis denke – das wird eine Top-Abwehr, mit der spielt man (in Malaga) sicher um die Meisterschaft mit.

Aber gut, es ist so wie es ist. Und der HSV hat es ja auch genau so gewollt, als man Joris Mathijsen zu verstehen gab, dass er sich einen neuen Arbeitgeber suchen dürfe. Um es noch einmal klar zu sagen: Ich habe das absolut befürwortet. Jetzt dürfen sich eben die jungen Hüpfer – geführt von Heiko Westermann – versuchen. Und auch darauf haben wir ja irgendwie gehofft.

Um noch einmal auf Malaga zu kommen: Ich weine ja dem anderen „Hamburger“ die eine oder andere Träne hinterher: Ruud van Nistelrooy. Mit ihm werde ich noch lange nicht fertig sein, denn es war schon ein herausragendes Erlebnis, mit ihm zu tun zu haben. Fußballerisch war das zuletzt zwar nichts mehr, aber der Mensch van Nistelrooy – erste Sahne. Es gibt im Fußball-Geschäft nur wenige Menschen, denen ich an den Lippen hänge – weil sie nicht nur etwas zu sagen haben, sondern weil sie nur Super-Sachen zum Besten geben. An erster Stelle möchte ich für mich Günter Netzer nennen, dann kommt eine gewisse Zeit nichts, dann folgen in meiner persönlichen Hitliste Uli Hoeneß und, Ihr werdet vielleicht überrascht sein, aber es ist so: Thomas von Heesen. Was er mir über Fußball erzählt hat und immer noch erzählen kann, das ist großartig. Das aber nur mal am Rande.

Auf Platz vier folgt van Nistelrooy. Tolle Ansichten, keine Hirngespinste, kein Überflieger, nicht den kleinsten Hauch von Arroganz, sondern eher bescheiden und zurückhaltend – das hat einfach nur Spaß gemacht, diese Zusammenarbeit. Und für mich auf meine alten Tage noch einmal ein echte Highlight. Danke Ruud! Und viel Erfolg in Malaga, obwohl ich da so meine Zweifel habe.

Übrigens habe ich in den letzten Monaten zwei ausführliche Mails unterschlagen, die ich aus den Niederlanden erhalten hatte. Es schrieb mir ein Freund der Familie van Nistelrooy, der mich so darüber aufklärte, wie das mit Ruud, Real Madrid und dem HSV wirklich gelaufen ist. Ich habe davon extra null Gebrauch gemacht, weil dann hier im Blog so der Teufel los gewesen wäre, wie in der nun ablaufenden Woche. Nur so viel möchte ich verraten: Als Ruud van Nistelrooy zum HSV wechselte, soll er sich –mündlich – das Versprechen geben lassen haben, dass falls Manchester United oder Real kommen und ihn haben möchten, dass er dann (natürlich gegen eine entsprechende Ablöse) gehen könne. Dieser Absprache konnte man beim HSV damals beruhigt zustimmen, denn wer kauft noch einen „älteren Herren“, der zudem oft verletzt ist? Als dann Real tatsächlich kam, konnte oder wollte man sich beim HSV nicht mehr an die mündliche Vereinbarung erinnern.
Wobei ich bewusst keine Namen nennen möchte . . . Wegen des Teufels . . . Es ist ja auch Schnee von gestern. Mathijsen und van Nistelrooy genießen nun die spanische Sonne, und allein deshalb beneide ich sie.

Und noch ein Name eines Ex-HSVers ist mir in dieser Woche auf komische Art und Weise untergekommen: Jörg Butt. Der heutige Bayern-Torwart ist in England, so wurde es nun von einer Zeitung veröffentlicht, eine „unerwünschte Person“. Ich weiß allerdings nicht, warum? Ich kann mir da auch keinen Reim drauf machen. Für mich ist Jörg Butt einer der nettesten und liebenswürdigsten Profis überhaupt. Ich habe in den fast 32 Jahren HSV-Reporter viele, viele Spieler kommen und gehen sehen, Butt ist unter jenen Profis, die von mir am meisten geschätzt werden, ganz sicher unter den ersten fünf. Wenn nicht unter den ersten drei. Und das ist (auch) keine Provokation – von wegen: „Lass den Torwart gleich zu Hause . . .“

Um es noch einmal zu sagen: Als Butt damals den HSV verließ, ging er total sauer. Er war als kleiner, unbekannter Torwart vom VfB Oldenburg gekommen, war eigentlich nur die Nummer drei des HSV, wurde dann aber die Nummer eins. Und das hätte er gerne seinen Vertrag etwas aufgestockt gehabt – verständlich. Und als diese Zahlen dann plötzlich in einer Hamburger Zeitung „angeprangert“ standen, da hatte er die Nase voll vom HSV – und ging. Und? Wer hätte das denn nicht gemacht.

Aber das ist natürlich auch noch der viel, viel ältere Schnee . . .

So wie die Trainer-Serie, die ich vor ein paar Tagen begonnen habe, die ich nun aber nicht so akribisch fortsetzen möchte. Denjenigen Usern, die mich ob der schonungslosen Offenheit bepöbelt haben (was ich mittlerweile – ganz ehrlich – mit ganz großer Gelassenheit ertrage!), denen möchte ich sagen: Stimmt alles nicht, was ich geschrieben habe, war alles gelogen. Ich habe deshalb nicht nur – völlig berechtigt – Eure Schmähungen erhalten und gelesen, ich habe auch 18 Gegendarstellungen erhalten. Damit beschäftigt sich nun mein Anwalt. Eines noch: Wer meine sofortige Entlassung fordert, der sollte nicht mir schreiben (das liegt eigentlich auf der Hand!), denn ich kann mich nicht selbst entlassen, der sollte dann doch besser an den Springer Verlag oder an das Hamburger Abendblatt schreiben.
Danke.

Kurz noch zur Trainer-Serie: 1997/98 übernahm Frank Pagelsdorf vom Duo Magath/Schehr. Und der damalige Präsident Uwe Seeler gab „Pagel“ die Aufgabe, eine total neue Mannschaft aufzubauen. Es rollten die Köpfe. Doch so richtig gut ab ging es erst in der Saison 1999/00, als neben anderen Mehdi Mahdavikia, Niko Kovac und Roy Präger kamen, und Rodolfo Cardoso aus Argentinien zurückkehrte. Das war die Champions League. Und das nicht nur, weil die Mannschaft überragende Namen an Bord hatte, sondern weil die Mannschaft eine Mannschaft war.

Das hatte Pagelsdorf sehr gut hinbekommen, er hatte einen guten Blick und ein meistens erstklassiges Händchen für neue Spieler (für damals noch relativ wenig Geld). Wenn ich es bei Egon Coordes lobend erwähnt habe, so muss ich das auch bei Pagelsdorf tun. Sein Training war – vor allen Dingen in den ersten Jahren – sehr gut. Auch bei ihm fanden sich viele Hamburger Amateurtrainer in Ochsenzoll ein, um sich etwas abzuschauen. Das ist für mich immer auch ein Zeichen, dass sicher in der Stadt herumgesprochen hat, dass beim HSV „vernünftig“ trainiert wird.

Mein Verhältnis zu Frank Pagelsdorf war professionell-gut, so war es, wenn ich mir das erlauben darf zu sagen, wohl mit den meisten Kollegen von mir. Für mich ist „Pagel“ einer der besten HSV-Trainer, die ich mit und bei dem Klub erlebt habe. Dass es hin und wieder auch Ärger gab (auf den ich jetzt aber nicht mehr näher eingehen werde), das liegt in der Natur der Sache. Aber auch längst der Schnee von gestern – oder vorgestern.

Am 15. September 2001 musste Frank Pagelsdorf den HSV verlassen, nach einem 3:3 daheim gegen Mönchengladbach zog die Führung die Reißleine. In sechs Bundesliga-Spielen hatte es nur einen Sieg gegeben (2:0 gegen Stuttgart), das genügte den Hamburger Ansprüchen (natürlich, bin ich versucht zu schreiben) nicht. Für ihn übernahm Holger Hieronymus, der dann erst einmal Co-Trainer Armin Reutershahn (Freundschaftsspiel gegen Braunschweig, 1:4) und drei Tage später (5. Oktober 2001) Kurt Jara Platz machte. Mit dem Österreicher gab es dann im Freundschaftsspiel gegen Eintracht Frankfurt einen 3:0-Sieg.

So, das war die Sache mit dem Trainer für heute. Aktuell gibt es vom HSV heute nichts, es ist Wochenende. Vielleicht nur die Tatsache, dass sich die Trennung von Jonathan Pitroipa immer mehr abzeichnet, Stade Rennes will den „schmalen Dribbelkünstler“ wohl unbedingt haben. Ich hätte, offen gesagt, nichts dagegen. Wer sich daran erinnern kann: „Piet“ kam am letzten Tag der Saison (am Tag nach dem Gladbach-Spiel) gleich mit drei großen Tüten beladen aus der Kabine, darin waren offenbar alle seine persönlichen Sachen. Damals habe ich schon gesagt: Das sieht ganz nach einem endgültige Abschluss aus – und so wird es nun kommen.

Aktuell kann ich nu vom Verbandstag des Hamburger Fußball-Verbandes berichten. Weil dort der Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes sprach, Wolfgang Niersbach. Er machte das locker-leicht aus der Hüfte, ohne einen Spickzettel – er weiß immer ganz genau, wovon er spricht. Und alles hat immer Sinn und Verstand. Für mich jedenfalls. Und ich schreibe hier ja auch ein wenig darüber.

Niersbach sprach u. a. über die vielen, vielen Talente in Deutschland, die nicht so einfach vom Himmel fallen. Er sagte: „Früher haben wir Deutsche neidisch zu den Fußballschulen nach Frankreich geblickt, und sprachen auch voller Neid und Anerkennung von der Talentschmiede, die Ajax Amsterdsam weltberühmt gemacht hat. Das hat sich lange verändert. Heute müssen wir nicht nach Frankreich oder Amsterdam fahren, heute kommen sie uns an den Grenzen entgegen, weil sie zu uns kommen um zu fragen, wie wir das machen.“

So ändern sich die Zeiten. Niersbach nicht ohne Stolz: „Was wir hier aufgebaut haben, das kann sich nicht nur sehenlassen, das ist vorbildlich. 130 Stützpunkte haben wir im ganzen Land verteilt, darunter sechs in Hamburg. Dort werden die Zehn- bis 14-Jährigen zusätzlich zu ihrem Vereinstraining geschult, und zwar von qualifizierten Trainern. Das ist wirklich eine wunderbare Geschichte. Und die besten Spieler kommen dann nicht nur in unsere Auswahlmannschaften, die mit der U 15 beginnt, sie gehen auch in die Leistungszentren der Lizenzvereine, wo sie optimal betreut werden. Und sie kommen in die Eliteschulen. Hier in Hamburg gibt es das Gymnasium Heidberg, dort hat zum Beispiel Nationalspielerin Kim Kulig vom HSV ihr Abitur gebaut, und auch Eric-Maxim Choupo-Moting.“

Wolfgang Niersbach nennt noch weitere Beispiele: „Mario Gomez und Sami Khedira haben solche Eliteschulen besucht, um nur zwei Namen zu nennen – alle Spieler, die heute in der Nationalmannschaft spielen, haben einen solchen Weg hinter sich. Darauf können wir stolz sein, es hat sich in den letzten Jahren viel beim DFB getan. Deutschland hat mittlerweile perfekte Strukturen, obwohl man sich, das gebe ich auch zu, innerhalb solcher Strukturen auch immer noch weiter verbessern kann. Man kann zum Beispiel immer noch qualifizierte Trainer anstellen, aber insgesamt ernten wir nun die Früchte unserer Arbeit.“ Dann ergänzte Niersbach noch: „Unsere Nationalmannschaft hat bei der WM 2010 in Südafrika nicht nur wegen des dritten Platzes begeistert, sondern auch dadurch, dass sie hervorragenden Fußball gespielt hat. Und das war damals die jüngste deutsche WM-Mannschaft aller Zeiten. Und zuletzt, der Sieg in Baku, war die jüngste deutsche Nationalmannschaft aller Zeiten.“

20 Millionen Euro lässt sich der DFB das Thema Ausbildung pro Jahr kosten, das Geld ist sinnvoll investiert – und hat sich schon bezahlt gemacht. Der DFB hat 6,8 Millionen Mitglieder (1,2 Millionen davon sind weiblich), es wird in den nächsten Jahren mit acht Millionen gerechnet. „Unser Fußball ist stark, unser Fußball wird stark bleiben, und unser Fußball bleibt auch Woche für Woche spannend“, versprach Wolfgang Niersbach und lobte zum Abschluss extra und ganz besonders alle Ehrenämtler. Und dann schloss der Generalsekretär mit einem Spruch des zeitgenössischen Philosophen Mehmet Scholl, der über die Kameradschaft in einer Mannschaft einst sagte: „Kameradschaft ist, wenn der Kamerad schafft.“

Für seine launige und hoch interessante Rede erntete Niersbach viel Beifall.

PS: Seit Monaten habe ich mich nicht mehr zu meiner persönlichen Situation geäußert, ich wollte es auch nicht mehr (will mich jetzt wieder dran hakten), möchte mich aber nicht nur über den Pöbel äußern, sondern auch ausdrücklich allen danken, die mir Lob und viele dankenden Worte schenkten. Das tat sehr gut! Danke!

17.42 Uhr

Nächste Einträge »