Archiv für das Tag 'Niederlage'

90 völlig verpennte Minuten…

29. Januar 2011

Es gibt Tage, die kann man sich nicht erklären. Genau so einen hatte der HSV heute. Mit drei Siegen in Folge und dementsprechend viel Optimismus ins Frankenland gereist, wurde das Spiel komplett verpennt. Und anschließend wusste keiner so recht, warum man so lethargisch agiert hatte.

Aber der Reihe nach.

Die erste Halbzeit hätte man sich schenken können. Ich muss sogar zugeben, dass ich in der 30. Minute die Option „Konferenz“ kurz geschaltet hatte – was ich sonst wirklich nie mache. Während der HSV-Spiele gilt eigentlich immer: nichts und niemand darf stören. Handy und Festnetz bleiben ebenso wie das Klingeln an der Haustür unbeantwortet. Aber was der FCN und der HSV sich da in den ersten 45 Minuten zurechtschoben, das ließ dann doch viel Zeit für “Nebensächlichkeiten”. Gefahr, etwas zu verpassen, lief man jedenfalls nicht wirklich.

Allerdings will ich hier jetzt gar nicht anfangen, zu nörgeln. Denn in der Hinrunde hatte uns hinten genau das gefehlt, worauf Veh jetzt vermehrt Wert legt: es wird eher rustikal und schnörkellos – dafür aber umso effektiver gearbeitet. Das ist nicht immer schön, muss Aber sein. Und wenn es dann zu einer Konstellation kommt wie zuletzt mit den überaus defensiven Frankfurtern oder eben Nürnberger, die selbst im eigenen Stadion komplett auf Konter eingestellt sind, dann wird das Spiel langweilig, weil es eben logischerweise weniger Torszenen gibt.

Zwei, drei wurden es letztlich doch. In der elften Minute setzte sich Änis Ben-Hatira über links gekonnt durch und passte von der Grundlinie zurück auf Ruud van Nistelrooy. Allerdings einen Tick zu scharf für den in den ersten 45 Minuten enttäuschend schwachen Niederländer. Der war es allerdings auch, der in der 19. Minute fast das 1:0 für den HSV besorgt hätte, wäre nicht FCN-Verteidiger Simons (guter Mann!!) gerade noch mit der Fußspitze vor ihm am Ball gewesen.
Sechs Minuten später war es Änis, der diesmal über rechts flankte. Allerdings hoch, statt wie in dieser Situation erforderlich flach auf den heranstürmenden Elia, der so unter dem Ball durchlief. Erstmals in der 27. Minute kamen dann sogar die Gastgeber. Kurz. Aber gefährlich. Abiturient Mendler setzte sich am Sechzehner gegen drei Hamburger durch, aber nicht gegen Rost. Der Keeper war da und rettete.

Auf meinem Notizblock hatte ich für die29. Minute noch Ruuds ersten Torschuss und einen abgefälschten Schuss aus 18 Metern von Elia, ehe es zur nächsten echten Chance kam. Diesmal für den FCN. Dennis Aogo konnte die flache Hereingabe im eigenen Fünfer im Fallen gerade noch abwehren. Und in der 45. Minute war es Nürnbergs Stärkster, Simons, der per Direktabnahme mit der Innenseite aus 18 Metern an Rost scheiterte.

Halbzeit. Pause – für mich heute irgendwie ähnlich spannende Minuten wie zuvor auf dem Platz.

Die zweite Halbzeit versprach mehr Offensivdrang vom HSV. Trainer Armin Veh brachte Mladen Petric als zweite Spitze für den angeschlagenen und unauffälligen Jonathan Pitroipa. Und der Kroate versuchte sich gleich mit einem spektakulären Fallrückzieher zum Matchwinner aufzuschwingen. Allerdings verfehlte er das Tor ebenso deutlich, wie der HSV sein eigenes Vorhaben, den dritten Rückrundensieg. Und somit das vierte Spiel in Folge zu gewinnen.

Stattdessen kam es binnen zehn Minuten knüppeldick. Erst verschätzte sich der schwache Guy Demel bei einem Mendler-Pass, wodurch Eigler frei an den Ball kam und Rosts Parade nutzte, um einen Elfmeter herauszuholen. Wohlgemerkt: Eigler suchte das Foul, Rost bot ihm die Gelegenheit und Eigler nutze sie. Somit (leider) ein berechtigter Strafstoß, den Simons flach in die Tormitte verwandelte (59.). Und es waren keine zehn Minuten nach dem bittere 0:1 aus Hamburger Sicht gespielt, da gab’s den Gau. Erst musste Kacar nach einer aus meiner Sicht ebenso harmlosen wie unnötigen Trikotberührung beim eingewechselten Nürnberger Mak mit Rot vom Platz, dann folgte aus dem Freistoß das 0:2. Den Freistoß aus 17 Metern konnte Rost gerade noch an die Latte lenken, den Abpraller passte jedoch Simons (wer sonst?) irgendwie durch Westermanns Beine hindurch an Rost vorbei zu Cohen, der Jarolim im Rücken entschwunden war.

Die Entscheidung.

Zwar hätte der eingewechselte Guerrero in der 75. Minute freistehend vor Schäfer aus acht Metern den Anschlusstreffer besorgen können, aber er zielte zu hoch.

Was folgte waren 15 Minuten, in denen sich den überzähligen Nürnbergern Räume zum Kontern boten und der HSV fast nicht mehr stattfand.

Es fehlte dem HSV heute der Umschalter. Anfänglich wollte man den Nürnbergern das Spiel überlassen. Etwas, was die Franken bekanntermaßen nicht beherrschen. Das funktionierte auch – zumindest defensiv ließ der HSV nichts anbrennen. Allerdings fehlte der Mannschaft heute der Umschalter, der Impuls, auf die eigene Offensive zu setzen. Fast keine echte Torchance auf 90 Minuten ist gegen einen alles andere als starken, dafür aber leidenschaftlicher kämpfenden FCN zu wenig. Ein Ruud van Nistelrooy fand heute überhaupt nicht statt, Elia und Pitroipa blieben ohne offensive Szenen. Die Abwehr stand lange Zeit ungefährdet sicher, bis Demels Fehler und Rosts Foul die Niederlage einläuteten. Anschließend schwamm der HSV, ob im Mittelfeld mit Jarolim und Zé, oder im nach der Roten für Kacar verschobenen Abwehrverbund insgesamt.

Fazit: Eine ebenso unglückliche wie absolut unnötige, weil durch individuelle Fehler verschuldete Niederlage gegen Nürnberger, bei denen Simons, der Abiturient Mendler und ein kantiger wie technisch versierter Schieber die besten Spieler auf dem Platz waren.

Und für den HSV war es nicht nur ein richtig schwaches Spiel, es war auch eine besonders bittere Niederlage, weil neben den Punkten auch der Ausfall von Kacar verkraftet werden muss. Der Serbe spielte tadellos – bis zur Roten Karte, die Veh zumindest für das Derby am kommenden Wochenende gegen St. Pauli eine Entscheidung leichter macht: er wird Joris Mathijsen nicht erklären müssen, warum er nur auf der Bank sitzt…

Dennoch kann die Mannschaft jetzt zeigen, dass die Komplimente der letzten Wochen nicht falsch waren. Sie kann jetzt nach der Niederlage beweisen, welch neue Einheit sie ist und dass die Niederlage in Nürnberg nicht mehr als ein zu verkraftender Ausrutscher war. Auf eine Diskussion darüber, ob van Nistelrooy heute so schwach war, weil er Madrid nicht nur im Herzen sondern auch im Kopf trägt, verzichte ich. Es wäre falsch, hier jetzt alles in Schutt und Asche zu legen. Im Gegenteil: ich erwarte von Ruud gegen St. Pauli der Mannschaft eine Trotzreaktion. Schon deshalb werde ich nicht derjenige sein, der das zweifellos enttäuschende Auftreten beim FCN überbewertet.

Ich bin wie wahrscheinlich alle hier und beim HSV enttäuscht – aber ich bin noch lange nicht hoffnungslos.

In diesem Sinne, bis morgen!

17.45 Uhr

P.S.: Sollte es heute noch neue Entwicklungen in Sachen Verleih- oder gar Verkaufsgeschäft geben, melde ich mich natürlich zu späterer Stunde noch mal bei Euch.

Eine einfach nur bittere Niederlage

20. November 2010

Ich wollte eigentlich mit Schlusspfiff bloggen. Aber ich muss zugeben, ich weiß noch immer nicht so recht, wie ich dieses Spiel deuten soll. In Hannover verloren, das darf nicht der Anspruch sein. Klar. Aber wenn ich mir ansehe, wie dieses Spiel verloren wurde, muss ich relativieren. Denn dieses Spiel war eine klare Steigerung zur Vorwoche, es war teilweise sogar richtig ansehnlich. Die Mannschaft wollte auch, das war deutlich zu erkennen.

Aber der Reihe nach.

Am Anfang war ich einfach nur froh, dass es die Reportertaste bei Sky gibt. Denn was sich der werte Sky-Kommentator da in der ersten Halbzeit abgekniffen hat, war unterirdisch. Son schlecht zu reden, nachdem der allein in den ersten fünf Minuten schon drei Riesenszenen hatte – unfassbar. Dann auch noch Pitroipa in genau den zehn Minuten zu loben, in denen er kurzzeitig abgetaucht war, das passte da nur ins Bild. Aber egal. Das Spiel war besser als der Kommentator, zum Glück.

Es war ein typisches HSV-Spiel. Wieder feldüberlegen und mit mehr Ballbesitz fangen sie sich einen Treffer ein, der individueller nicht sein kann. Ausgerechnet Debütant Besic, der mir ansonsten sehr gut gefiel, schießt als letzter Mann Stindl an und der rennt allein auf Drobny zu, zielt – und trifft. 1:0 für den kleinen HSV, der bis dahin kaum stattgefunden hatte.

Allerdings hatte der Gegentreffer nicht die verheerenden Folgen, die viele erwartet hätten. Im Gegenteil. Der HSV bäumte sich auf. Der heute starke Westermann nahm sich Besic, munterte ihn auf. Eine Szene, die ich bislang in dieser Saison so noch nicht gesehen hatte. Endlich ein Anzeichen von Teamgeist. Zumal Westermann auch insgesamt mehr als sonst den Mund aufmachte. Er dirigierte, er forderte und er stellte seine Leute. Er war endlich DER Kapitän. Der Abwehrchef. Wobei ich nicht verschweigen will, dass auch Besic viel dirigierte und motivierte – allerdings diente das wahrscheinlicher eher ihm selbst als der Mannschaft.

Und so war es auch wenig verwunderlich, dass der HSV noch vor der Pause zum Ausgleich kam. Pitroipa setzte sich über links gleich gegen zwei Hannoveraner durch, zog bis auf die Grundlinie und passte unkonventionell in die Mitte, wo Son den Ball über die Torlinie stochern konnte (40. Minute).

Und der HSV legte sogar noch nach. Nach einigen kleinen Problemen gegen stürmisch beginnende Niedersachsen setzte sich wieder Pitroipa durch – diesmal über die rechte Seite – und seine Flanke findet in Son einen dankbaren Abnehmer. Und wie! Der Südkoreaner steigt am zweiten Pfosten hoch und legt den Ball per Kopf wunderschön an 96-Keeper Fromlowitz vorbei ins lange Eck (54.). Ein traumhaft schön herausgespieltes Tor.

Allerdings hielt die Führung nicht lang. Schulz sorgte nur fünf Minuten später mit einem Fallrückzieher für den erneuten Ausgleich. Ein Treffer, bei dem zuerst die gesamte Abwehr (weil sie Schulz völlig ungedeckt ließ) und anschließend auch Torwart Jaroslav Drobny schlecht aussahen. Der Tscheche, der gegen Stuttgart am kommenden Sonnabend mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder vom wieder genesenen Frank Rost ersetzt wird, stand hierbei zu weit vor seinem Kasten und wurde schlicht überlupft. Das 2:2.

Aber leider noch nicht der letzte Treffer. In der Nachspielzeit war es Mike Hanke, der per Kopf das 3:2 für Hannover besorgte. Zuerst sah es so aus, als hätte Hanke seinen Gegenspieler Tomas Rincon umgerissen. Aber bei genauerem Hinsehen wurde deutlich, dass sich der Venezolaner, den ich bis dahin ganz stark gesehen hatte, einfach verschätzte. Bitter. Bitter für Rincon. Und bitter für den HSV, der ein Spiel verliert, das er nie und nimmer verlieren darf. Ganz im Gegenteil. In diesem Spiel war (im Gegensatz zur Dortmund-Partie) mehr drin.

Angefangen bei Heiko Westermann, der vielleicht sein bestes Spiel bislang für den HSV machte, über Besic, der nur einen einzigen Fehler im Spiel hatte. Selbst Rincon spielte nach zehn Minuten Anfangsschwierigkeiten sehr stark – bis kurz vor Ende. Ebenso dramatisch war das Spiel für Drobny, der eine Flanke unterlief und einmal zu weit vor seinem Kasten stand. Ansonsten hielt er, was zu halten war. Er rettete zudem in der 85. Minute sensationell gegen Hanke. Aber wie bei Besic und Rincon wurden seine wenigen Fehler bitter bestraft.

Mann des Spiels war trotz der zwei Tore von Son für mich Jonathan Pitroipa. Zehn Minuten Pause gönnte er sich in der ersten Halbzeit, aber die restlichen 80 Minuten war er brandgefährlich. Er bereitete beide Tore mustergültig vor. Allerdings muss er auch das dritte Tor machen, als er sich in der zweiten Halbzeit super durchsetzt und allein vor Fromlowitz mit links knapp verzieht.

Und während Petric sowie van Nistelrooy nach dessen Einwechslung einfach nur unauffällig blieben, machten David Jarolim und Piotr Trochowski ein unauffälliges, aber gutes Spiel. Während Jarolim sich wieder eine Fleißnote erarbeitete, zudem durch viele Ballgewinne bestach, scheint Trochowski langsam zu begreifen, dass er nicht immer das Besondere machen muss. Zumindest hatte ich das Gefühl, dass er bemüht war, sachlich zu spielen, das Spiel nicht durch seine für ihn typischen Drehungen um die eigene Achse zu verschleppen. Er spielte effizient.

Auffälliger war dagegen Guerrero. Allerdings am meisten, als er sich nach dem 2:1-Führungstreffer von verschiedenen Hannoveranern provozieren ließ. Schiedsrichter Dr. Jochen Drees hatte ihn gefragt, ob er vor dem 2:1 Hand gespielt hätte. Er hatte. Aber er gab es nicht zu, was die Hannoveraner Spieler aufbrachte. Es kam zur Rangelei, Guerrero und Schlaudraff erhielten Gelb. Die fast logische Folge war Guerreros Auswechslung (ohne mit Trainer Veh abzuklatschen) und im Ergebnis eine eher schwache Partie des Peruaners.

Besser war dagegen Youngster Son. Der Südkoreaner begann bärenstark, tauchte eine ganze Weile ab aber war an fast jeder gefährlichen Szene beteiligt. Addiert man seine zwei Tore hinzu bleibt unter dem Strich ein starkes Spiel auf der linken Seite, die er sich mit Zé Roberto teilte. Der Brasilianer, der erneut auf der ungeliebten Linksverteidigerposition auflief, enttäuschte dagegen. Einem guten Sololauf standen heute etliche unnötige Ballverluste und ein ungewohnt schwaches Zweikampfverhalten entgegen. Ich weiß nicht, was mit Zé heute los war, aber das wirkte schon sehr müde, fast lustlos.

Trotzdem möchte ich diesen ob der Niederlage natürlich enttäuschenden Nachmittag positiv beschließen. Denn neben Besic und Son konnte heute noch ein dritter Junger überzeugen. Und zwar Tunay Torun. Der Deutschtürke steuerte beim 3:0-Erfolg der U23 gleich zwei Treffer bei und untermauerte seine gute Form.

In diesem Sinne: Kopf hoch, HSV!

18.22 Uhr

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