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Auswärtssieg – 4:1 in Lübeck!

9. April 2013

Wieder mal ein Auswärtssieg für den HSV. Mit 4:1 wurde der Regionalliga-Club VfB Lübeck vor 10 416 Zuschauern auf der altehrwürdigen Lohmühle bezwungen. Der Traditions-Verein aus Schleswig-Holstein ist seit Monaten in schwere Finanznöte geraten und steht bereits seit Wochen als erster Absteiger fest. Der HSV verzichtete bei diesem „Retter“-Spiel auf seine Gage, trat aber auch ohne den neuen Kapitän Rafael van der Vaart, ohne Rene Adler und Heiko Westermann an. Zudem fehlten jene Spieler, die morgen in Norderstedt für die Zweite um Regionalliga-Punkte gegen Weiche Flensburg kämpfen sollen.

Jaroslav Drobny führte die Mannschaft als Kapitän auf das Feld – in Halbzeit zwei war Marcell Jansen der Mann mit der Binde. Das Spiel begann rekordverdächtig mit einem Paukenschlag. Noch ehe es sich der Tscheche im HSV-Tor so richtig „gemütlich“ gemacht hatte, hieß es schon 0:1. Trotz der Tatsache, dass der HSV Anstoß hatte! Vom Punkt wurde die Kugel zurückgespielt auf Lennard Sowah, und der leistete sich „ein Ding“ wie es kürzlich bei Mainz gegen Werder zu sehen war. Da hieß es auch nach elf Sekunden 1:0, diesmal an der Lohmühle auch. Sowah „verdaddelte“ amateurhaft, Mustafa Zazai, der kürzlich ein Probetraining beim HSV (Rodolfo Cardoso) absolviert hatte, schoss ein. Immerhin hielt sich Sowah, einst ein „Wunder-Einkauf“ des Fast-HSV-Sportchefs Urs Siegenthaler, vor Scham die Hände vor das Gesicht . . .

Zehn Minuten später hieß es aber bereits 1:1; Tolgay Arslan hatte aus zwölf Metern abgezogen. Und für die Pausen-Führung des HSV sorgte Petr Jiracek in der 41. Minute, die Vorarbeit dafür hatten Per Ciljan Skjelbred (starker Pass) und Dennis Diekmeier (gute Flanke) geleistet, dessen Flanke verwandelte der Tscheche aus sechs Metern direkt.

Zum zweiten Durchgang brachte Trainer Thorsten Fink mit Artjoms Rudnevs eine zweite Spitze (neben Beister), aber die erste Groß-Chance hatte der VfB. Sirmais lief allein auf den eingewechselten HSV-Torwart Sven Neuhaus zu, doch der Keeper rettete mit einer großartigen Parade (65.).

In der 76. Minute wurde Heung Min Son von Hasanbegovic gelegt, Dennis Aogo verwandelte den fälligen Elfmeter zum 3:1 (76.). Für den 4:1-Endstand sorgte Son (nach Pass von Rincon) in der 88. Minute.

Das Spiel riss nicht wirklich von den Sitzen, auf einem braunen und holprigen Rasen hatten es beide Mannschaften schwer, die Kugel zu kontrollieren.

Mir gefielen, wenn man das nach einem solchen Spiel überhaupt schreiben darf, Tolgay Arslan (in der Reihenfolge), Per Ciljan Skjelbred und Marcell Jansen, in der zweiten Halbzeit gefiel mir Dennis Aogo und Sven Neuhaus.

Der HSV begann in Lübeck mit:

Jaroslav Drobny; Dennis Diekmeier, Michael Mancienne, Lennard Sowah, Marcell Jansen; Tomas Rincon, Milan Badelj; Per Ciljan Skjelbred, Tolgay Arslan, Petr Jiracek; Maximilian Beister.

Zur der zweiten Halbzeit wurden eingewechselt: Sven Neuhaus (für Drobny), Dennis Aogo (für Jiracek), Heung Min Son (für Skjelbred), Artjoms Rudnevs (für Arslan). In der 61. Minute gingen Diekmeier, Badelj und Jansen, dafür kamen Angelo Langer, Dennis Bergmann und Valmir Nafiu.

19.57 Uhr

PS: Das ergänze ich im Hause, nach der Rückkehr aus Lübeck. Deswegen eine Ergänzung, weil ich nach der Pressekonferenz noch eine etwas andere Pressekonferenz gehört habe. Da war vom VfB-Vorstand, der es in dieser Zeit ganz sicher nicht so leicht hat, viel von Dankbarkeit zu hören. Dankbarkeit gegenüber dem HSV. Weil dieses Retter-Spiel dem VfB ungefähr 130 000 Euro in die leere Kasse gespielt hat. Diese Summe brauchten die Lübecker, um im Sommer gut aus der Insolvenz zu kommen. Die Dankbarkeit, die Lübeck dem HSV gegenüber hatte, die war im ganzen Raum, in dem das ablief, zu spüren. Und sie war natürlich auch zu hören. Ich musste schlucken, das gebe ich zu, als ich hörte: “Dass der HSV hier war, dass der HSV, der zurzeit selbst sportliche Schwierigkeiten hat, uns so geholfen hat, das ist nicht nur fantastisch, das werden wir Lübecker dem HSV nie vergessen. Und ich gehe davon aus, dass alle Lübecker dem HSV ganz fest die Daumen drücken, damit es sportlich bald und so schnell wie möglich wieder bergauf geht.”

Und das waren keine Phrasen, die da gedroschen wurden, das war zutiefst ehrlich gemeint.
Wobei es mir sehr Leid tut, dass es mit diesem großen Traditionsverein aus Lübeck so weit gekommen ist. Schade, schade, schade. Und dafür, dass dem Club das Wasser bis zum Halse steht, hat diese Mannschaft, die heute auf dem Feld stand und gegen den HSV gekämpft hat, super gespielt. Dickes Kompliment, wirklich, die Mannschaft darf nur noch Freundschaftsspiele bestreiten, sie steht als Absteiger ja bereits fest – und dann ein solches Engagement – Hut ab! Ich wünsche, wie es Thorsten Fink auch gesagt hat, dem VfB, dass er irgendwann wieder zurückkommen wird – wenigstens Liga drei oder vier. Das muss doch mit einer solchen tollen Stadt möglich sein. Es müsste.

Bei der Gelegenheit: Vielen Dank dem “Matz-abber” und VfB-Fan, der zu mir in die Kabine gekommen war, um mir ein Bier auszugeben. Sorry, dass ich es nicht getrunken habe, aber ich weiß es wirklich zu schätzen. Wirklich, vielen Dank für das Bier.

Mit Raute – und Arslan auf der Sechs

5. April 2013

So, nun ist es nicht mehr lange hin, bis zum Anstoß der Partie gegen den SC Freiburg. Es wird spannend, es wird dramatisch – denn es steht für beide Mannschaften viel auf dem Spiel. Ich denke ja, dass es für den HSV um viel mehr geht, als nur um drei Punkte. Es geht darum, endlich wieder einmal in einem Heimspiel das beste, das vielleicht auch wahre Gesicht des HSV zu zeigen. Bitter nur, dass jetzt ausgerechnet die unbequemen Männer aus dem Breisgau kommen, mit diesem erst recht unangenehmen Trainer am Spielfeldrand. Der SC Freiburg, das ist vielleicht für jene unerschütterlichen Hamburger Optimisten interessant, hat seine letzten beiden Bundesliga-Spiele gegen den HSV im Volkspark (!) gewonnen. Einmal 2:0, einmal 3:1. Das schreibe ich nur, weil ich allein heute schon drei Männer getroffen habe, die mit etwas von „es wird schwer, aber der HSV wird 1:0 gewinnen“ erzählten. Auch ein 2:0 und ein 2:1 war dabei. Der HSV (und sein Anhang) sollte also gewarnt sein.

Wobei ich mich schon wundern muss, dass nur ein paar Tage nach dem 2:9-Desaster von München die Optimisten wieder wie die Pilze aus dem Boden schießen. Mein Kollege Florian Rebien (Mopo) hat mir verraten, dass der HSV nach all seinen großen und auch riesigen Klatschen nie das darauf folgende Bundesliga-Spiel gewonnen hat. Wenn ich das noch richtig erinnere, dann gab es danach sogar nur Niederlagen. Deshalb gilt es natürlich auch, gegen eine solche Statistik anzuspielen. Obwohl gerade das wohl das geringste Übel ist, mit dem die heutige HSV-Mannschaft zu kämpfen hat. Immerhin ist der HSV ja aber auch noch die Nummer eins im hohen Norden, und auch in dieser Beziehung steht einiges auf dem Spiel. Auch oder vor allem in der (Ab-)Rechnung mit Freiburg, denn die „Streicher“ haben in dieser Saison in Hannover, in Bremen und in Wolfsburg gewonnen. Siegen sie auch in Hamburg, dann sind sie die wahre Eins im Norden . . . Kleiner Scherz.

Nachdem ich in dieser Woche schon früh angefangen habe, über eine Aufstellung zu spekulieren, muss ich nun alles – oder auf jeden Fall einiges – zurücknehmen. Im Moment (16.20 Uhr) trainiert die Mannschaft neben der Arena, es wird auch ein Spielchen gemacht, doch Trainer Thorsten Fink hat die Mannschaft bunt durcheinander gewürfelt. Daran lässt sich nichts ablesen. Ich denke aber, dass für diesen Sonnabend folgende Aufstellung im Kopf des Trainers steckt:

Adler; Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen; Arslan; Skjelbred, Aogo; van der Vaart; Son, Rudnevs.

Also wieder eine Änderung im System. Fink versucht es mit der Raute und lässt sowohl Tomas Rincon als auch Milan Badelj draußen – er bringt Tolgay Arslan, der in der Hinserie auf der Sechs voll überzeugt hat. Allerdings hat Arslan auf dieser Postion, so weit ich mich erinnern kann, noch nie allein gespielt. Man darf also gespannt sein. Etwas bedauerlich finde ich es, dass mein Versuch (oder war es doch eher ein Wunsch?) mit Petr Jiracek in der Startformation nicht aufgegangen ist. Schade, schade, ich hätte mir den Tschechen schon mal ganz gerne gegönnt, denn ihn haben wir alle ja noch nicht so richtig und wirklich gesehen. Ich habe den „Jira“ aber immer noch vor Augen, wie er bei der Europameisterschaft im Team der Tschechen alles und jeden in Grund und Boden gelaufen hat. Das müsste er doch auch (eigentlich) in Hamburg schaffen könne, oder? Vielleicht allerdings erst in der nächsten Saison . . . Was ich schon bedauerlich finden würde.

Aber gut, das ist, wie ein früherer bekannter Hamburger Nationalspieler einst immer gesagt hat, allein Sache des Bundestrainers. In diesem Falle des Vereins-Trainers, nämlich Thorsten Fink. Und der hat ja gestern sehr energisch gesagt, dass er das macht, was er für richtig hält – und nicht das, was andere von außen ihm einreden wollen. Gut so.

Andere (von außen) hätten ja wohl auch erwartet, dass der Coach seine Versager von München in dieser Woche so richtig schön und nach allen Regeln der Kunst „lang machen“ würde. Aber denkste. Fink ließ sogar weniger als sonst trainieren. Waren die Einheiten vorher meistens und mindestens 90 Minuten lang, so ging es diesmal höchstens 75 Minuten – oder auch nur eine Stunde. Marcell Jansen, darauf angesprochen, hat dazu gesagt: „Die Einheiten mögen kürzer als sonst gewesen sein, aber dafür waren sie intensiver.“

Nun gut, das kann man so sehen.

Um es gleich und auch noch einmal zu sagen: Thorsten Fink bleibt mein HSV-Trainer, soll HSV-Trainer bleiben – auch deshalb, weil ich endlich Kontinuität (so wie die Club-Führung) möchte. Fehler haben sämtliche Vorgänger von ihm auch reichlich gemacht, Fehler macht auch Fink reichlich – aber wer macht keine Fehler? Und die vielen Kritiker, die jetzt auf der Bildfläche erscheinen, die haben ja auch nichts zu kritisieren gehabt, als der HSV kürzlich schon mal auf einem Europa-Legaue-Platz rangierte. Und dorthin wurde die HSV-Mannschaft ja auch „nur“ von Thorsten Fink geführt. Und wer sagt denn, dass es der 14. Trainer in elf Jahren besser machen würde? Das haben wir doch alles in den vergangenen Jahren immer wieder geglaubt. Wenn ich nur allein daran erinnern darf, wie viele treue HSV-Fans mir damals, als Armin Veh entlassen worden war, Michael Oenning ans Herz gelegt hatten. Motto: „Das ist ein junger Mann wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, der wird den HSV wieder zu neuem Leben erwecken . . .“ Und? Was war? Kann sich jemand daran erinnern? Nicht nur daran, wie es gelaufen ist, sondern daran, einen solchen Vorschlag gemacht zu haben?

Nein, es ist schon ein schlimmes Geschäft (geworden), diese Fußball-Bundesliga, und schön daran ist doch, dass kaum etwas planbar ist. Das können nur die Bayern, sie sind die Ausnahme.

Noch einmal kurz zum heutigen Abschlusstraining, das recht lebhaft war (von der Lautstärke her). Die Einheit dauerte (bis ekelhaft kaltem Wind) 60 Minuten, danach blieben Rene Adler und Sven Neuhaus noch mit Torwarttrainer Ronny Teuber auf dem Acker (nicht böse gemeint – an die HSV-Gärtner!), um Flanken zu üben. Was mir gefiel: Hielt Adler einen Kopfball oder Schuss von Neuhaus, so klatschten sie sich miteinander ab. Ein tolles Verhältnis und (Fast-)Konkurrenten. Am Rande des Platzes unterhielten sich Co-Trainer Frank Heinemann und Tolgay Arslan, auch Marcell Jansen stand dabei. Ob es da um die Raumaufteilung oder generell die Spielauffassung eines „Sechsers“ ging? Es blieb mir verborgen. Und auf der anderen Seite des Platzes übte Heung Min Son immer wieder seine gefährlichen Linksschüsse – Borussia Dortmund weiß ein Lied davon zu singen.

Heil sind heute alle geblieben, Thorsten Fink nimmt folgende Herren mit in den Kader (für das Freiburg-Spiel): Jaroslav Drobny, Jeffrey Bruma, Slobodan Rajkovic, Petr Jiracek, Milan Badelj, Tomas Rincon und Gojko Kacar. Gegenüber dem Spiel in München fehlen Jacopo Sala und Valmir Nafiu.

Ich wünsche dem HSV und allen seinen Anhängern einen erfolgreichen und erfreulichen Sonnabend – und insgesamt ein wunderschönes Wochenende. Vielleicht sogar mit Frühlingsgefühlen . . .

PS: Als der Freiburger Max Kruse, der einst bei Vier- und Marschlande kickte, noch bei einem Hamburger Nachbar kickte, da machte mich ein (in meinen Augen) großer HSVer schon darauf aufmerksam, dass der HSV doch bitte diesen sehr guten Spieler zu sich holen möge. Wäre ja eine Möglichkeit gewesen, nach dem Motto: „Warum in die Ferne schweifen, wenn der Gute ist so nah . . ?“ Das aber hat leider nicht geklappt. Kruse, früher als Knabe und Jugendlicher oft Zuschauer beim HSV, ging nach Freiburg – und wechselt nun im Sommer weiter nach Mönchengladbach. Dieser (in meinen Augen) große HSVer hat mir nun wieder geschrieben – eine sms. Da machte er darauf aufmerksam, dass am Millerntor wieder ein durchaus interessanter Mann spielt. Ein Stürmer diesmal. Und einer, der nur ausgeliehen ist (von Borussia Dortmund). Und ich wurde gefragt, ob der HSV wenigstens diesmal wach ist – interessiert ist, dran ist? Ich aber kann das nicht sagen. Ich weiß nicht, ob die Herren des HSV einen Daniel Ginczek für fähig halten, für den HSV Tore in der Ersten Bundesliga zu erzielen. Meine Vermutung allerdings ist nein. Ich glaube nicht, dass da der HSV schon mal drüber nachgedacht hat. Aber das ist, wie geschrieben, nur eine Vermutung. Der HSV wird dazu nichts sagen. Wie heißt es dann, wenn man danach fragt, immer so schön: „Über Spieler, die nicht bei uns unter Vertrag sind, reden wir grundsätzlich nicht.“ Ich jetzt in diesem speziellen Fall auch nicht mehr.

Und Freiburg ist mir ja auch allemal wichtiger.

PSPS: Am 12. April findet in der Raute/Museum eine Lesung mit dem bekannten und beliebten TV-Moderator Gerhard Delling (ARD) statt: „50 Jahre Bundesliga – wie ich sie erlebte.“ Der Abend beginnt um 18.30 Uhr, Einlass ist eine Stunde vorher – Karten kosten zehn Euro und sind im Museum und über die HSV-Shops erhältlich. Und wenn ich dafür einmal kurz Reklame machen darf: Es wird sich lohnen, dabei zu sein, denn Gerhard Delling hat erstens viel zu erzählen, und zweitens ist er ein äußerst humorvoller Mensch – das wird sicherlich ein toller Abend.

Und dann gibt es heute eine Post aus Indonesien. Von HSV-Fan Michael, der dort lebt. Diese Mail möchte ich gerne veröffentlichen, denn sie spiegelt das wider, was in diesen Zeiten viele HSV-Fans er- und durchleben müssen.
Und dem Michael auf diesem Wege vielen Dank. Sollte eine/einer von euch ihm schreiben wollen, so würde ich bei ihm anfragen, ob ich seine Adresse dann an den einen oder anderen Interessenten weitergeben darf.

Lieber Dieter,

eine absolute Premiere für mich. Noch nie habe ich einen Leserbrief geschrieben, aber irgendwie muss man mit Geschehenem ja fertig werden und daher richte ich mich an Sie mit einem Appell an alle HSV-Fans.

Bitte entschuldigen Sie, wenn ich dazu etwas weiter aushole. Ich bin 42 Jahre alt, zweifacher Familienvater und lebe seit über 12 Jahren in Indonesien. Da ich Lehrer bin und immer nur in den Sommerferien nach Deutschland kann, ist es lange her, dass ich das letzte Mal im Stadion war (beim 4:4 gegen Juve nebenbei bemerkt, kurz danach zog ich um). Allerdings kann ich die Spiele, die ich in den letzten 12 Jahren nicht in irgend einer Form live erlebt habe, noch an einer Hand abzählen. Anfangs auf dem Weltempfänger, dann im Liveticker, später im Internetradio, heute im Livestream oder über einen malayischen Satelit im Fernsehen. Ich bin selbst für den Mopo-Liveticker zum Testspiel gegen Altona 93 mitten in der Nacht aufgestanden…

Aber so einen Abend wie letzten Sonnabend habe ich in 35 Jahren HSV-Fan noch nicht erlebt (nicht mal bei den bitteren Niederlagen gegen Werder 2009!). Ich saß in einer deutschen Bar in der Innenstadt. Bei Anstoß waren noch gut 20 Leute da, 2 Bayern-Fans, ca. 10 Hamburger, der Rest neutral. Kurz vor Schluss saßen die Bayern-Fans mehr betrunken als freudentrunken am Tresen und diskutierten bereits über alles mögliche, nur nicht das Spiel. Der Rest war da schon lange auf dem Heimweg. Ich saß alleine vor der Großbildleinwand und habe bis zum Schlusspfiff ausgeharrt. Gerne würde ich jetzt sagen “aus Treue zum Verein” oder “weil man sein Team auch in schweren Stunden nicht im Stich lässt” (ich bin auch im Stadion noch nie frühzeitig gegangen, egal wie es stand!), aber diesmal war es wohl eher, weil ich wie versteinert da saß und den Hintern nicht hochbekommen hätte, selbst wenn ich es wollte. Enttäuschung, Wut, Unverständnis, es nicht fassen können… alle Gefühle auf einmal!

Ich habe die ganze Woche überlegt, was ich beim Spiel gegen Freiburg machen werde. Ich hatte mir Montag geschworen, dass ich erst wieder einen HSV-Spiel sehen werde, wenn sich die Jungs die Aufmerksamkeit, die man ihnen schenkt, auch verdienen. Nun ist Freitag und ich habe realisiert, dass dies Unsinn ist. Es geht ja weiter, muss weiter gehen! Ich werde auch am Samstag vor dem Fernseher oder Computer sitzen und das Spiel verfolgen – wie die letzten 35 Jahre. Wir können ja nicht den Betrieb einstellen, weder die Spieler noch die Fans. Vielleicht werde ich die nächsten Wochen nicht vor Freude aufspringen, sollte der HSV ein Tor schießen, dazu sitzt der Stachel der Enttäuschung zu tief, aber ich werde da sein. Es gibt ja doch keine Alternative, Hamburg wird immer meine Stadt bleiben, der HSV immer mein Verein.
Ich erwarte auch nicht viel am Samstag und in den letzten Spielen. Keine glanzvollen Siege, keinen Europa-League-Platz oder sonstiges. Und wenn wir am Sonnabend 2:4 gegen Freiburg verlieren, kann ich damit leben. Aber ich wünsche mir eine Mannschaft zu sehen, die sich den A… aufreißt, kämpft und alles gibt! Mit allem anderen kann ich leben – wenn sie sich nur nicht noch einmal willenlos in ihr Schicksal ergeben!

Ich hoffe, es werden Sonnabend wieder 50.000 den Weg in den Volkspark einschlagen und unsere Mannschaft unterstützen! Jeder der Kinder hat wird mir vielleicht zustimmen – hat man nicht sein Kind immer dann am liebsten, wenn es eigentlich gerade einen Arschvoll verdient hätte? Und gerade die etwas eigenwilligen, schwierigen Kinder brauchen uns oft am meisten. Ist vielleicht beim HSV nicht anders…

In diesem Sinne auf ein Neues am Sonnabend.

Schwarz-weiß-blaue Grüße aus Jakarta,
Michael aus Indonesia

PSPSPS: Morgen wird um 18.30 Uhr im Volkspark gegen Freiburg gespielt, danach folgt die Internet-Übertragung von “Matz ab live” mit den Gästen Ernst-Otto Rieckhoff (ehemals Aufsichtsrats-Boss) und Carsten Kober, ehemaliger HSV-Bundesliga-Spieler (und “Matz-abber”). Wäre super, wenn ihr uns einschalten würdet – die vergangene 2:9-Sendung mit Sven Neuhaus und Andreas Fischer bescherte uns einen neuen fünfstelligen Einschaltrekord. Vielen Dank dafür!

17.49 Uhr

“. . . wir wollen Herz und Leidenschaft”

3. April 2013

Immer wieder dieses 2:9. Noch immer. Aber auch immer wieder die Fragen: „Kommt Holger Badstuber zum HSV?“ Oder: „Kommt nun auch Claudio Pizarro zum HSV?“ Und meine Antworten sind immer gleich: „Natürlich.“ Auf die Frage, ob der Vertrag mit Trainer Thorsten Fink, der ja noch bis 2014 Vertrag hat, tatsächlich vorzeitig verlängert wird, sage ich selbstverständlich auch: „Natürlich.“ Und ich sage auch jedem: „Der HSV holt natürlich auch Bastian Reinhardt als Abwehrbollwerk zurück, und natürlich wird für das Mittelfeld noch gerade rechtzeitig vor dem Saisonende Sergej Barbarez reaktiviert, und neuer Flügelflitzer rechts wird natürlich Mehdi Mahdavikia, der im Iran gerade seine Karriere beenden will. Es ist wirklich alles im Fluss. Nur Messi und Ronaldo kommen noch nicht, weil deren Ausleihgebühren doch noch ein wenig zu hoch sind. Aber immerhin, ausgeschlossen ist auch da nichts, es wird verhandelt, da gibt es noch Hoffnung.“ Im Prinzip ist wirklich alles bestens, und während der Frühling hierzulande erst noch kommen wird, ist beim HSV das Feld bereits bestens bestellt. Die 51. Bundesliga-Spielzeit kann kommen, ab sofort kann diese Saison schon abgehakt und vergessen werden.

Aber, und das ist höchst bedauerlich, zu Ende ist ja noch nichts. Und jetzt kommt erst einmal der SC Freiburg. Der kleine SC Freiburg. Ein namenloser Außenseiter. Der steht im Moment zwar auf Rang sieben, also vor dem HSV, aber der HSV hat ja gelernt. Und bevor jetzt nach jeder Pleite ein Haufen Grillwürste angekarrt wird, wird dann doch lieber mal gewonnen. Besser ist besser.

Nein, nein, und nochmals nein. Mir steht es nach wie vor noch bis Unterkante Oberlippe. Nichts hat sich an meinem Zustand gebessert. Ich bin satt, wenn ich nur an Bratwürste denke . . . Und wenn ich beim HSV-Training bin, werde ich dieses 2:9-Gefühl, diese 2:9-Ohnmacht, diesen 2:9-Wahnsinn einfach nicht los.
Wann das wohl mal vorbei ist?

Heute haben Rot gegen Grün und Blau gegen Rot und Grün gegen Blau gespielt. Im Training. Und Grün hat das Turnier gewonnen. Was euch sicherlich nicht viel helfen wird, denn wer war Grün, wer war Rot und wer war Blau? Blau, ich höre es jetzt schon, waren sie am Sonnabend wohl alle . . . Was natürlich nicht stimmt. Aber heute spielten für „Blau“ Jungs wie Nafiu, Aogo, Rajkovic, Kacar, Rincon, Diekmeier und Lam. Für „Grün“ spielten van der Vaart, Arslan, Jansen, Jiracek, Westermann und Son; und bei Rot standen Beister, Rudnevs, Skjelbred, Norgaard, Sala, Badelj und Bruma unter Vertrag. Im letzten Spielchen ging es zwischen Blau und Grün um den Turniersieg, eigentlich wäre um 11.15 Uhr Trainingsende gewesen, aber da stand es noch 0:0. Das nächste Tor musste entscheiden, und das schoss van der Vaart (gegen Sven Neuhaus), indem er den Ball um 11.21 Uhr den Ball mächtig unter die Latte drosch. Jubel brach danach aber bei „Grün“ nicht aus. Einziger Gratulant des Torschützen war Heung Min Son, der seine Faust gegen die Faust von Rafael van der Vaart presste.

Woraus vielleicht schon zu entnehmen ist, dass die Stimmung immer noch nicht wieder bei 100 Prozent ist. Entgegen anders lautender Meldungen, wonach die Spieler schon wieder scherzen und lachen sollen, war davon heute (ich glaube, auch gestern) nichts zu sehen. Es herrscht im Volkspark nach wie vor eher eine angespannte, vielleicht auch irgendwie explosive Atmosphäre vor – der Lage und den Umständen angemessen.

Auch heute waren wieder viele Zaungäste und Kiebitze beim Training, viel mehr als gestern. Es scheint so, als wenn die „harten HSV-Fans“ schnell und schneller verzeihen könnten. Es hat nämlich auch heute keiner (laut) geflucht oder seinem Ärger per Meckerei oder Pöbelei Luft gemacht. Im Gegenteil, den Spielern wurden die besten Wünsche für das Freiburg-Spiel mit auf den Gang in die Kabine zugerufen, und es wurden wieder fleißig Autogramme gesammelt. Dafür scheint jetzt tatsächlich die beste Zeit gekommen zu sein – denn welcher HSV-Profi würde es jetzt schon wagen, sich zu verweigern?

Übrigens: Mindestens eine Unmutsäußerung gab es heute dann doch noch. Es hing ein Plakat am Zaun, genau dort, wo die Spieler trainierten. Es war also unübersehbar. Und darauf stand zu lesen: „Wir pfeifen auf Wurst und Bier, wir wollen Herz und Leidenschaft dafür.“

Passend zu diesem Thema gab es heute in der Agentur einen Beitrag:

. . . Auch die HSV-Fans erwarten im Heimspiel gegen Freiburg am Samstag (18.30 Uhr/Sky und Liga total!) eine Trotzreaktion ihrer Mannschaft. „Die Leute brauchen ein Zeichen und wollen von Anfang an sehen, dass sich die Mannschaft zerreißt“, sagte Supporters-Chef Christian Bieberstein der Morgenpost und drohte gleichzeitig mit Konsequenzen: „Wenn das nicht der Fall ist, könnte es ungemütlich werden.“ Nach nur vier Punkten aus den letzten fünf Spielen sind die Norddeutschen zurzeit Neunter, liegen jedoch nur einen Punkt hinter Platz sechs, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt. Auch die Champions League ist angesichts von vier Punkten Rückstand noch in Reichweite.

Zur Aufstellung für Sonnabend zeichnen sich immer mehr einige Umstellungen ab. Nach dem heutigen Training würde ich auf folgende HSV-Mannschaft tippen, die es im Volkspark gegen den SC Freiburg richten soll:

Adler; Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen; Rincon, Arslan; Skjelbred, Jiracek; van der Vaart; Rudnevs.
Also ohne Bruma, Aogo, Badelj und Son.
Könnte so sein, könnte so werden – muss aber nicht.

Zum Thema Heimspiel erreichte mich übrigens eine interessante Statistik, die ich niemandem vorenthalten möchte:

Hallo Herr Matz,

anbei mal etwas Statistik vom HSV (Heimspiele der letzten 10 Jahre). Die erschütternde Bilanz der letzten 50 Heimspiele (ab 04. April 2010): 18 Siege – 14 Remis – 18 Niederlagen; 57:58 Tore.

Nun wundert sich hoffentlich niemand mehr, warum zuletzt immer mehr Plätze im Stadion frei geblieben sind . . . Es sind eben nicht nur die jüngsten Enttäuschungen (Frankfurt, Fürth, Augsburg), sondern das zieht sich seit Jahren wie ein roter Faden durch . . .

Viele Grüße, Andreas K.

Bei der Gelegenheit, ich habe es schon so oft geschrieben: Bitte schickt mir keine Mails in oder auf die Gewinnspiel-Adresse. Die meisten, 90 Prozent, denke ich, verkümmern dort. Ich lese in dieser Gewinnspiel-Adresse so gut wie nie, sie ist Sache der Internet-Abteilung. Wenn ihr also Mails an mich habt, dann über das Hamburger Abendblatt (es wird weitergeleitet an mich) oder über Matz ab und die Moderatoren.
Bitte beherzigt das, sonst heißt es – was natürlich falsch wäre – dass ich keine an mich gerichtete Post bearbeite.

Dann zu unserem „Matz-ab“-Treffen, das bekanntlich am 19. April stattfinden soll. Dazu erreichten mich einige Mails, eine davon möchte ich euch zeigen:

Hallo Dieter,

ich würde als Matz-ab-Leser gern mal zu einem Treffen kommen und habe mir das für den 19. 04. vorgenommen.
Da der Ort nicht klar ist und du nach einem suchst, schlage ich ein Restaurant vor, das neben den „normalen“ Räumlichkeiten über drei unterschiedlich große Räume/Häuser für Feiern aller Art verfügt.
Gemeint ist . . .

Mit freundlichen Grüßen, Detlef

Vielen Dank für diesen Vorschlag – und die vielen anderen, die mich ebenfalls erreichten. Da uns die Raute nur ein Pauschal-Angebot machen würde und wollte, haben wir haben uns anderweitig umgesehen – und inzwischen ein Lokal gefunden, in dem wir uns treffen wollen – und werden. Es ist das HSV-Restaurant „1887“ auf der HSV-Sportanlage Ochsenzoll (in der Ulzburger Straße in Norderstedt). Dort werden wir „Matz-abber“ uns am 19. April von 19 Uhr an treffen. Dazu möchte ich schon einmal ein besonderes Dankeschön an unsere „Eva/Hope“ senden, die wieder einmal als großartige Organisatorin aufgetreten und eingesprungen ist. Dankeschön! Wir treffen uns an diesem 19. April um 19 Uhr, und es wurde mit dem „1887“-Chef vereinbart, dass Speisen und Getränke, die an diesem Abend bestellt werden, gleich nach Erhalt bezahlt werden. Weil es, die „harten“ „Matz-abber“ wissen es, in der Vergangenheit immer mal wieder vorgekommen ist, dass einige Fans glatt vergessen hatte, zu bezahlen . . .

Für Auswärtige gibt es auf der von der HSV-Anlage gegenüberliegenden Seite zwei Hotels: Hotel Cafe Kampe und Hotel Maromme.

PS: Morgen, am Donnerstag, wird um 10 Uhr im Volkspark geübt.

18.03 Uhr

PSPS: Gerade kommt noch diese Meldung über den Ticker:

Ailton vor Weggang bei Hassia Bingen

Bingen (dpa/lrs) – Der frühere Bundesliga-Torschützenkönig Ailton wird den Sechstligisten Hassia Bingen womöglich schon nach einer Saison wieder verlassen. Nach einem Bericht der „Allgemeinen Zeitung“ in Mainz gab der abstiegsbedrohte Verbandsliga-Club am Mittwoch bekannt, dass er seine Option auf eine Weiterverpflichtung des 39 Jahre alten Brasilianers nicht ziehen werde. Die Begründung: Einer der drei Geldgeber habe sich noch nicht entschieden, ob er auch in der kommenden Saison in ein Engagement von Ailton investieren wolle.
Ein Verbleib des früheren Torjägers von Werder Bremen und Schalke 04 ist damit aber noch nicht vom Tisch. Zum einen sucht Hassia Bingen nun nach einem neuen Sponsor für seinen Star. Und zum anderen sagte Ailton selbst: „Mit der sportlichen Entwicklung bin ich nicht zufrieden – ich hätte lieber um den Aufstieg als gegen den Abstieg gespielt. Aber meine Familie fühlt sich sehr wohl und ich werde meine Entscheidung, ob ich bleibe oder gehe, mit meiner Frau besprechen.“

Wer es gemerkt hat: Vom HSV wurde in diesem Bericht gar nichts geschrieben. Ob sich da vielleicht doch noch eine kleine Sensation anbahnt?

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