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2:2 gegen zweitklassige Indonesier – peinlicher Start in 2014

6. Januar 2014

Mehr als eine Stunde brauchte die Mannschaft für den Weg ins Stadion von Arema Cromus. Immer wieder musste der Bus halten, weil die Fans die Straßen bevölkerten. Arema Cromus ist bekannt für seine fanatischen Anhänger, die von der Fifa zu den besten indonesischen Fans aller Zeiten ausgezeichnet wurden, wie HSV.de berichtet. Auch gegen den HSV schienen die Anhänger mit aller Macht beweisen zu wollen, warum sie preisgekrönt sind. Dass das 35.000 Zuschauer fassende Kanjuruhan Stadion ausverkauft war – selbstredend.

Und die Fans empfingen beide Mannschaften gleichermaßen euphorisch. Mein Kollege Kai Schiller sprach von einer Gänsehautatmosphäre rund ums Stadion und extrem fairen Fans des Gastgebers. Allerdings, und das fiel bei Trainer Bert van Marwijk deutlich schwerer ins Gewicht als die Begeisterung der Anhänger, der Platz war in einem katastrophalen Zustand. Der Niederländer, der insgesamt alles andere als zufrieden ist mit dem Ablauf des zwölftägigen Trips nach Asien, hatte bereits im Vorfeld vor neuen Verletzungen gewarnt – allerdings ob der Reisestrapazen.

Verletzt hat sich glücklicherweise niemand. Begeistern konnte der HSV in der ersten Hälfte dennoch nicht. Obgleich die Mannschaft bereits nach 14 Sekunden den ersten gefährlichen Torschuss durch Petr Jiracek hatte. Aremas Torwart parierte jedoch. Danach allerdings tat sich der HSV gegen allemal zweitklassige Gegner schwer. Insbesondere die rechte Defensivseite mit Lam bot den Inselstaatlern immer wieder Lücken, um gefährliche Angriffe zu inszenieren. So auch in der 17. Minute. Eine Minute nachdem der ansonsten agile Rafael van der Vaart aus 14 Metern etwas unmotiviert drüberschoss, verpasste Aremas bester Mann, Cristian Gonzales, freistehend vor Drobny eine flache Hereingabe.

Und obwohl der HSV die bessere Mannschaft war und blieb (alles andere wäre auch verheerend), hatte der Gastgeber die bis dahin größeren Chancen. Auch in der 22. Minute, als Marcell Jansen eine Idee hatte und den Ball statt zu Drobny einem Gegenspieler zuspielte. Dieser musste den Ball nur noch an Drobny vorbeibringen – was der Tscheche zu verhindern wusste. Drobny kam aus seinem Kasten, drängte den Angreifer nach außen und dieser verpasste den Abschluss. Glück für den HSV, der im Gegenzug zum Führungstreffer kam. Zoua war im Strafraum eindeutig von den Beinen geholt worden und der heimische Schiedsrichter pfiff. Den fälligen Strafstoß verwandelte Rafael van der Vaart sicher zum 1:0.

Knappe zehn Minuten lang plätscherte die Partie bei einer Luftfeuchtigkeit von rund 90 Prozent dahin, ehe die 35000 Zuschauer von einer Doppelchance und den Ausgleich für den Gastgeber von den Stühlen gerissen wurden. Gonzales nutzte diesmal die Hereingabe seines Mitspielers Arm, der über die rechte HSV-Seite freigespielt worden war, wobei Lasse Sobiech als Bewacher von Gonzales nach seinem Stellungsfehler auch noch unglücklich wegrutschte. Das 1:1. Ein Treffer, der den eh nicht besonders gut gelaunten Bert van Marwijk erneut in seiner Coaching-Zone wüten ließ.

Allerdings konnte der HSV noch vor der Halbzeit nachbessern. Nachdem der insgesamt auffälligste HSVer, Ivo Ilicevic, zwei Schüsse verzogen hatte, nutzte Jacques Zoua eine schöne Kombination über Ilicevic und Jansen zum 2:1 (43.). Der defensiv schwache – van Marwijk brüllte seinen Namen am Rand bei fast jedem Gegenangriff – und offensiv immer wieder auffällige Offensivspieler tunnelte den gegnerischen Torwart dabei aus knapp elf Metern mit einem strammen Rechtsschuss und hätte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte per Kopf fast noch das 3:1 besorgt.

Wie vor der Partie angekündigt, wechselte van Marwijk in der Halbzeit einmal durch. Einzig Zhi Gin Lam blieb auf dem Platz, weil Dennis Diekmeier noch Trainingsrückstand hat. Und ausgerechnet Lam war es dann auch, der sich in der 56. Minute erneut düpieren ließ und Arema so den 2:2-Ausgleich durch Sunarto (der von Arslan allein gelassen wurde) ermöglichte. Und das, obwohl der HSV bis dahin äußerst schwungvoll begonnen hatte und durch Lasogga zunächst in der 47. Minute (da der Schiedsrichter pfiff, hätte er auf Elfmeter entscheiden müssen!) und dann nach schöner Kombination und Querpass von Calhanoglu das 3:1 auf dem Fuß hatte. Ebenso in der 52. (Calhanoglu scheitert aus acht Metern am Torwart) und 53. Minute (Beister aus 17 Metern – wieder war beim Keeper Endstation).
Und so stand es plötzlich 2:2, weil der HSV auch mit der Viererkette Lam, Djourou, Mancienne sowie dem U23-Akteur Dennis Bergmann hinten unsicher wirkte. Letztgenannter verursachte in der 70 Minute fast einen Handelfmeter, wobei die Auslegung des Schiedsrichters gleich doppelt seltsam war. Denn zum einen war es aus meiner Sicht kein Handspiel. Wenn doch, wäre es ein Elfer – aber es gab nur Freistoß. Konzessionsentscheidung, die zweite. Und mehr als gerecht, nachdem Maxi Beister in der 61. Minute klar im Sechzehner gefoult worden war.

Am Ende aber muss man festhalten, dass es ein erneut schwacher Auftritt der Hamburger war. Mit einem für einen Bundesligisten peinlichen 2:2. Ein Ergebnis, das zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung sicher nicht überbewertet werden darf. Allerdings macht es eben auch keinerlei Hoffnung auf Besserung. Im Gegenteil, es bestätigt vielmehr den Qualitätsmangel, der in der Hinrunde offensichtlich geworden war. Hinten hat der HSV keine Sicherheit, nach vorn zu wenig Ideen. Warum sollte das auch anders sein? Einzig Ilicevic (dreimal auf Holz geklopft für seine Gesundheit!) könnte das HSV-Spiel im Vergleich zum Ende 2013 leicht verbessern. Offensiv wohlgemerkt. Dass das allerdings ausreicht, um sorgenfrei in die Rückrunde zu starten, bezweifle ich nicht nur – ich bin mir sogar sicher, dass es nicht so ist. Aber noch haben wir ja ein paar Tage Zeit…

In diesem Sinne, es regiert weiter das Prinzip Hoffnung. Vor allem und immer mehr auch auf die Mitgliederversammlung am 19. Januar.

Scholle

****Namen korrigiert: Natürlich spielte Dominik Jordan in der zweiten Hälfte, nicht Bergmannn. Entschuldigung, Dominik!***

HSV 1. Hz.: Drobny – Lam, Tah, Sobiech, Jansen – Badelj, Jiracek – Zoua, van der Vaart, Ilicevic – Rudnevs
HSV 2. Hz.: Neuhaus – Lam (60. Diekmeier), Mancienne, Djourou, Jordan – Arslan, Rincon – Beister, Calhanoglu, Brüning – Lasogga

P.S.: Am kommenden Mittwoch, den 08.01.2014 findet um 19:27 im Sportpub Tankstelle, Gerhardstr. 7, die nächste Buchlesung/Diskussionrunde statt: “Fanartikel/Fußballmode in den letzten Jahrzehnten”. Als Gäste sind der ehemalige Bundesligaschiedsrichter Michael Mallbranc (Sporthaus Uhlenhorst), Joachim Eybe (1887-Streetwear), Jens Wagner (SC-Merchandise) und Michael Wendt (Abschlach!) eingeladen.

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