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Slomka streicht Winterzugänge Bouy und John aus dem Kader

28. Februar 2014

Der HSV hat ein kleines Hoch, das auch Bundestrainer Jogi Löw nicht verborgen geblieben ist. Am Donnerstagabend informierte der deutsche Bundestrainer den beim HSV munter treffenden Pierre Michel Lasogga für das Testspiel gegen Chile am kommenden Mittwoch (20.45 Uhr) in Stuttgart gegen Chile. Und da Lasogga bislang noch nicht allzu viel mit Löw zu tun hatte, besaß er auch nicht dessen Handynummer und ließ zunächst durchklingeln. „Ich war noch in der Kabine, konnte gerade nicht rangehen. Aber der Bundestrainer hat mir auf Band gesprochen und ich habe dann zurückgerufen“, so Lasogga mit dem für ihn typischen, verschmitzten Lächeln. „Ich freue mich natürlich sehr, dass ich jetzt das erste Mal dabei bin. Es ist für jeden ein Traum, für die Nationalmannschaft nominiert zu werden.“

Stimmt. Und neben HSV-Torjäger Pierre-Michel Lasogga und Mathias Ginter (Freiburg) wurden mit Außenstürmer André Hahn vom FC Augsburg (9 Treffer) und dem in Deutschland zumeist noch recht unbekannten Shkodran Mustafi von Sampdoria Genua zwei weitere Spieler mit direktem HSV-Bezug eingeladen. Hintergrund: Beide spielten in der Jugend für den HSV, beide wurden trotz nachgewiesenen Talentes abgegeben. Wobei man das so platt auch nicht sagen kann, denn während man Hahn tatsächlich überhaupt nicht mehr auf dem Radar hatte und den damaligen U23-Spieler gen Oberneuland ablösefrei ziehen ließ, hatten sich die Verantwortlichen bei Mustafi sehr wohl bemüht.

Leider nicht genug. Warum es beim HSV seinerzeit nicht geklappt hat? „Wir sind uns schlichtweg nicht einig geworden. Jens Todt war damals unter Sportchef Dietmar Beiersdorfer Nachwuchschef, Cardoso Trainer der U23. Und die haben mir gesagt, dass alle Spieler, die bleiben sollen, den gleichen Vertrag unterschreiben müssen. Und das wollte ich nicht. Aber meine Wünsche konnte der HSV nicht berücksichtigen, wie mir mitgeteilt worden war.“ Was er sich gewünscht hätte? „Es ging um vieles, auch um Perspektive. Vor allem ging es mir um Vertrauen, um Verhandlungsführung. Und das kam nicht rüber. Leider. Obwohl ich letztlich sagen muss, dass es das gute Recht des HSV war, mich nicht zu verlängern“, erzählte mir Mustafi am 22. Oktober 2013 im Blog (http://hsv-blog.abendblatt.de/?p=10166).

Damals titelte ich „Fink ist glücklich – das verlorene Talent auch“ und kann behaupten, dass der Ex-HSVer (also das einstige Talent) heute noch glücklicher ist als damals, „Ich war total überrascht“, so der Innenverteidiger von Sampdoria Genua, „bislang hatte ich nie irgendwas gehört. Hier war niemand im Stadion zum Sichten oder so“, sagt der 21-Jährige, der sich in der Serie A gerade einen Stammplatz in der Mannschaft erkämpft hat und zuvor alle U-Nationalmannschaften durchlaufen hatte. „Es ist eine große Ehre für mich und es bestätigt mich in meinem Ehrgeiz. Einfach toll.“

Kontakte nach Hamburg hat Mustafi auch noch. Private. Vom HSV hat sich länger niemand gemeldet. Auch jetzt nicht. „Aber das ist okay“, sagt Mustafi, „wir haben uns damals nicht im Bösen getrennt.“ Dass sich der HSV heute ärgern dürfte, scheint klar – aber die Karriere von Mustafi hat ja erst begonnen. Ob sich der Nationalspieler vorstellen könnte, noch mal für den HSV aufzulaufen? „Im Moment bin ich sehr zufrieden. Ich kann mich in Italien sehr gut entwickeln und habe hier noch zwei Jahre lang Vertrag. Ich glaube, dass das nicht sehr wahrscheinlich ist im Moment. Aber das heißt nicht, dass es ausgeschlossen ist.“

Im Bereich des Möglichen ist auch, dass Rafael van der Vaart von Beginn an aufläuft. Zumindest hält sich Slomka alles offen. „Ich entscheide das immer erst am Spieltag“, sagte mir der HSV-Trainer nach dem heutigen Abschlusstraining, in dem er wieder wild durchwechselte und keine klare A-Elf zu erkennen war. Daher lege ich mich hier einmal fest und behaupte, dass der HSV in Bremen mit der Startelf aus dem Dortmund-Spiel beginnt. Einzige Ausnahme: Der wieder genesene Dennis Diekmeier ersetzt den kranken Heiko Westermann.

Der Vorteil dabei: Slomka setzt auf eine Mannschaft, die funktioniert hat und vermittelt der Startelf das nötige (Selbst-)Vertrauen. Das große Plus an dieser Variante ist, dass Slomka so eine hohe Wahrscheinlichkeit hat, dass die Startelf funktioniert. Es wäre für van der Vaart, den Slomka in den letzten tagen explizit für dessen Form lobte, das erste Mal seit Februar 2008, dass er gesund nicht in der Startelf steht. Damals wurde der Niederländer, der für das Länderspiel der Oranje in Paris gegen Frankreich nicht nominiert wurde, beim Stand von 1:1 eingewechselt. Ein gutes Omen?

Immerhin würde ein Punkt dem HSV grundsätzlich schon weiterhelfen, bevor es gegen Frankfurt und Nürnberg daheim geht und Dreier wieder Pflicht sein müssen. Und sollte das wider (meines) Erwarten(s) in Bremen nicht so sein, kann Slomka auf jeden Fall hochkarätig wechseln. Wie gut und wichtig das Gefühl für eine Mannschaft ist, wenn sie weiß, dass sie auf der Bank noch solche Hochkaräter sitzen hat, kann wahrscheinlich jede(r) hier nachvollziehen. Ob sie/er nun Fußball gespielt hat oder nicht. Denn man kann eben noch mal nachlegen, wenn es bis dahin nicht reicht, während es zuletzt beim HSV immer wieder die Momente gab, die Niederlagen kennzeichneten, einläuteten und das HSV-Team in sich zusammenbrechen ließ. Diese Zeiten sollen vorbei sein. Dank Slomka. Dass der neue HSV-Trainer seine letzten neun Auswärtsspiele verloren hat – auch diese Serie wird beendet. Immerhin war das ja mit dem „kleinen HSV“…

Und dafür nimmt Slomka auch intern Ärger in Kauf. Immerhin sortierte er vor der Partie in Bremen ausgerechnet die beiden Winterzugänge Ouasim Bouy und Ola John aus. Eine komplett korrekte Entscheidung wie ich angesichts der letzten Wochen und vor allem der zurückliegenden Trainingswoche finde. Allerdings auch ein Schlag ins Gesicht für Sportchef Oliver Kreuzer, der zusammen mit Extrainer Bert van Marwijk in den beiden die nötige Qualitätssteigerung gegenüber der Hinrunde gesehen hatte. Diese spricht Slomka den beiden fürt das Nordderby ab und nimmt stattdessen lieber einen zuvor Aussortierten wie Robert Tesche mit. Slomka setzt damit seinen Weg, alles anders zu machen als sein Vorgänger, weiterhin konsequent fort – und er macht damit vieles richtig. Hoffentlich.

Wir, Dieter und ich, werden morgen zusammen mit den beiden Profis Patrick Owomoyela und Fabio Morena das Spiel wie gewohnt in unserer zweiten Heimat, dem Champs, schauen und anschließend bei „Matz ab live“ ausführlich darüber sprechen. Wobei Owomoyela mit seiner Bremer Vergangenheit (2005 – 2008) sicherlich auch einiges über die Unterlegenen zu erzählen haben wird. Ich freue mich schon darauf…

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle

P.S.: Der HSV, so wurde heute bekannt, wird 120 Ordner mit nach Bremen nehmen. Das klingt zunächst nach Gefahr – ist aber eigentlich Usus bei Nordderbys. Allerdings habe ich erfahren, dass Werder Bremens Fanbetreuer vor einer geplanten Aktion der HSV-Fans warnen. Demnach sollen morgen etliche HSV-Fans den Werder-Block stürmen wollen, um die Choreografie zu stören sowie Fahnen und Banner zu stehlen/zerstören. Ich kann nur hoffen, dass diese Warnung unbegründet bleibt und sich die HSV- und Werder-Fans vor, während und nach dem Spiel friedlich verhalten.


Pierre Michel Lasogga (22), in dieser Saison schon 11 Tore in der Bundesliga

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