Archiv für das Tag 'Neuhaus'

. . . der muss zum Dino nach Hamburg!

10. Juni 2015

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Erste DFB-Pokalrunde:
FC Carl-Zeiss Jena gegen den HSV
Barmbek-Uhlenhorst empfängt den Erstliga-Absteiger SC Freiburg
Bernd Hollerbachs Würzburger Kicker treffen auf Werder Bremen
und, so viel Zeit muss sein: St. Pauli gegen Borussia Mönchengladbach
gespielt wird am 7. oder 8. August

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Was hat Joe Zinnbauer vor?

21. November 2014

Das war mal eine Nebeleinheit heute Nachmittag. „Verschleierungstaktik“, twitterte der HSV schon am Morgen beim Blick über den diesigen Trainingsrasen heraus. Von „Fog – Nebel des Grauens“ war die Rede – und nicht wenige Zuschauer fragten sich besorgt, wie der Brasilianer Cleber wohl seine mutmaßlich erste Trainingsschicht bei derartigen Bedingungen und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt überstehen würde.

Zumindest die Sorge bezüglich des Südamerikaners war unbegründet. Cleber mischte munter mit, natürlich mithilfe dicker Handschuhe, einer Mütze und der langen Trainingshose. Ihm war sogar großer Einsatz anzusehen und auch anzuhören. Es ist schon jetzt unverkennbar, wenn seine dunkle Stimme über den Trainingsplatz dröhnt. Und die von Cleber war heute bei weitem nicht die einzige. 24 Feldspieler hat Trainer Joe Zinnbauer dabei gehabt, es wurde in verschiedenen Formen auf kleinem Feld geübt. Es war sehr laut und augenscheinlich, dass Zinnbauer zwei Absichten verfolgte.

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Zum einen deuteten die Übungen auf kleinem Feld immer wieder darauf hin, dass auch übermorgen im Nordderby gegen Werder Bremen ein harter Kampf um jeden Zentimeter im Mittelfeld erwartet wird. Das Spiel eng machen, sich dort zweikampfstark und mit schnellen Zuspielen behaupten. Das erwartet uns alle also am Sonntag ab 15.30 Uhr im ausverkauften Volkspark. Zum zweiten möchte Zinnbauer durch den bewusst großen 24er-Kader den Konkurrenzkampf am Leben halten. Zum vermeintlichen Stamm zählten heute beispielsweise Mohamed Gouaida, Ronny Marcos, Ashton Götz, Julian Green – dafür mussten sich Matthias Ostrzolek oder auch Tolgay Arslan mit einer möglichen Reservisten-Rolle vertraut machen. Rafael van der Vaart könnte sich gegen Bremen im defensiven Mittelfeld wiederfinden.

Es ist kaum zu erwarten, dass Zinnbauer gleich ein ganzes Quartett unerfahrener U-23-Spieler ins Nordderby schicken wird. Aber warum sollte eigentlich nicht Mohamed Gouaida sein Debüt in der Bundesliga geben? Links im Mittelfeld fällt Marcell Jansen aus. Die Variante mit Lewis Holtby hat bei Hertha BSC nicht geklappt. Zoltan Stieber konnte dort ebenfalls noch nicht begeistern und Ivo Ilicevic bleibt fürs erste wegen seiner ständigen Verletzungen und Trainingspausen ein unsicherer Kandidat. Warum also nicht Gouaida, der vergangenen Sonnabend beim 2:2 der U 23 durch ein wundervolles Tor (übrigens nach Doppelpass mit Philipp Müller und nicht Ahmet Arslan, wie ich vergangene Woche irrtümlich geschrieben hatte) den Endstand erzielte? Der Bursche hat schon was, ist schnell und selbstbewusst. 21 Jahre alt ist der Franzose mit tunesischen Wurzeln, der in Straßburg geboren wurde, und den der HSV im Sommer vom SC Freiburg geholt hat.

Abwarten, was Joe Zinnbauer wirklich plant. Wie Ihr auch im Video von der heutigen Pressekonferenz hören könnt, möchte sich der Trainer alle Optionen offen halten. Wobei er auch klar sagt, dass vor den jungen Nachrückern immer noch eine Reihe Älterer steht, die „einen Schritt“ voraus seien. Aber punktuell kann man sicher mit einem jungen die alte Garde aufmischen. Nach den Länderspielen der vergangenen Woche sind vor allem die beiden Schweizer mit leichten Beschwerden zurückgekehrt. Allerdings gab es heute auch gleich Entwarnung. Sowohl Valon Behrami als auch Johan Djourou konnten im Training wieder dabei sein. Ihr Einsatz am Sonntag ist nicht gefährdet.

Auffällig ist ja vor diesem Nordderby, dem 101. Der Bundesliga-Geschichte, dass sich die Protagonisten mit allzu viel Gedröhne zurückhalten. Das mag auch wiederum zwei Gründe haben. Auf der einen Seite polarisiert die Werder-Truppe in Hamburg sicher nicht mehr so wie mit Tim Wiese oder Torsten Frings. Auf der anderen Seite ist die sportliche Lage sowohl an Weser wie an Elbe alles andere als dafür geschaffen, große Töne zu spucken. Wie würde sich das anhören, wenn die HSVer posaunen würden, Werder aus dem Stadion zu pusten? Da muss man nur mal die Heimstatistik rausholen. Und Werder, mit der zweitschwächsten Deckung der Liga, steckt in etwa so tief im Schlamassel wie der HSV.

Der Weg der beiden Vereine in den vergangenen Jahren lief ja parallel nach unten. Werder Bremen stand zwischenzeitlich fünf Mal in Folge in der Champions League. Geblieben ist von entsprechenden Einnahmen und vom hohen Marktwert der Spieler – nichts. Der HSV war internationaler Dauergast in den 2000er Jahren. Davon geblieben ist – noch weniger als nichts. Beide Nordvereine können ruhig als Prototypen herhalten für diejenigen Bundesliga-Vereine, die mit allergrößtem Aufwand und größtmöglichem Transferrisiko ihre Mannschaft aufgepumpt haben. Der sportliche Erfolg gab ihnen kurzfristig recht, doch sportliche Schwächephasen brachten das ganze Konstrukt zum Einsturz. Der HSV überhob sich (und überhebt sich noch) an seinen viel zu hohen Personalkosten. Werder wurde Opfer einiger teurer Transferflops. Als die Zeiten der genialen Spielmacher Micoud, Diego und Özil vorbei war, wurde teuer investiert in Nachfolger (Arnautovic, Carlos Alberto), die die Erwartungen nicht erfüllten. Was in Hamburg aufgefressen wurde durch zahllose Abfindungen, das ging auch an Werder nicht vorüber. Dort hat man darüber hinaus in Steine statt weitere Beine investiert. Das Stadion wurde umgebaut. Nachhaltig und sinnvoll, aber für den Moment ist Werder Bremen sportlich in einer tiefen Delle. Die Truppe ist eindeutig nicht gut, und nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Franco di Santo im Sturm besitzt der HSV ja berechtigte Hoffnungen, diesmal als Sieger vom Platz gehen zu können.

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Apropos Abfindungen. Vier Stunden tagten die DFB-Schlichter gestern mit den Anwälten des HSV und von Mirko Slomka und Nestor el Maestro. Dann war der Gütetermin friedlich beendet. Mehr als 1,4 Millionen Euro Abfindung wollte allein Slomka haben. Am Ende soll eine Summe von 1,8 Millionen herausgesprungen sein. Damit können wir zusammenfassen, dass der Ex-Trainer von Hannover 96 für seine sieben Monate in Hamburg knapp 2,5 Millionen Euro eingestrichen hat. Das ist etwas weniger als Bert van Marwijk für die knapp sechs Monate seiner Amtszeit erhalten hat. Es ist doch schön zu sehen, wie gnädig der HSV mit seinen leitenden Angestellten umgeht. Nicht, dass daraus nachher noch ein Sozialfall wird.

Aber im Ernst: Was ist da eigentlich los in den verantwortlichen Gremien des HSV? Was haben Anwälte, Vorstände und Aufsichtsräte für löchrige Verträge ausgehandelt? Wieso wird da ständig die Abfindung eingeklagt und nach oben verhandelt? Gibt’s das bei anderen Bundesligisten? Cardoso, Addo, Kreuzer, Slomka, el Maestro, van Marwijk – allein in den vergangenen Monaten? Die Verträge liegen dem HSV natürlich nur intern vor. Aber das hier ganz offensichtlich fehlerhaft gearbeitet wurde, liegt zunächst auf der Hand. Bei Kreuzer, so viel ist klar, hat der neue Aufsichtsrat bei der Vertragsumstellung Kreuzers von e.V. auf AG ein Versäumnis begangen und eine ursprünglich gültige Abfindungsregelung nicht übernommen. Glückwunsch dazu! Alle anderen Dinge, wie auch gestern von Scholle zum Fall Otto Addo beschrieben, sind im einzelnen sicher unterschiedlich. Zwei Prozesse stehen übrigens noch an. Am 1. Dezember geht es vor dem Arbeitsgericht um die fristlose Kündigung von Oliver Kreuzer. Und der Gütetermin mit dem ehemaligen Fitness-Trainer Nikola Vidovic, der heute vor dem Arbeitsgericht sein sollte, wurde kurzfristig verlegt. Dazu diese Mitteilung des Arbeitsgerichts:

Herr Vidovic wurde beim HSV e.V. mit Arbeitsvertrag vom 19. Oktober 2011 befristet bis zum 30. Juni 2014 eingestellt. Dieser Arbeitsvertrag wurde nachfolgend bis zum 30. Juni 2016 verlängert. Herr Vidovic war direkt dem Cheftrainer unterstellt. Das Arbeitsverhältnis ging später auf die HSV Fußball AG über. Mit Schreiben vom 16. September 2014 wurde Herr Vidovic durch die HSV Fußball AG freigestellt und am 22. September zum 31. Oktober 2014 gekündigt. Gegen diese Kündigung wendet sich Herr Vidovic vor dem Arbeitsgericht Hamburg. Weil beide Seiten eine einvernehmliche Regelung derzeit für nicht möglich halten, haben Sie beantragt, den Gütetermin vom 21.11.2014 zu verlegen, und den Kammertermin unmittelbar anzuschließen. Daher hat der Vorsitzende den Termin vom 21.11.2014 aufgehoben und zur mündlichen Verhandlung Termin anberaumt auf den 11. Februar 2015.

Verrückt, diese Prozessflut. Eigentlich kann es nicht im Sinn des Vereins sein, dass die anberaumten Verhandlungen tatsächlich öffentlich stattfinden. Im Zweifel würde wohl nur offenbar, welche Versäumnisse der HSV sich vorzuwerfen hat.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis auf eine neue Sonderausstellung im HSV-Museum. Mit 40 geladenen Gästen wurde vorhin der neue Bereich eingeweiht, der noch bis Ende des Jahres zu sehen sein wird und „Charly“ Dörfel gewidmet ist. „Charly“ selbst war anwesend, und das ist umso erfreulicher, weil der geniale Linksaußen von einst ja gerade einen Krankenhausaufenthalt hinter sich hat. Aber, wie er selbst jetzt wohl sagen würde: „Unkraut vergeht nicht!“ Also: Ein Blick ins Museum lohnt sich mal wieder.

Morgen wird noch einmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Für die Matz-ab-live-Sendung am Sonntag nach dem Nordderby haben Dieter und Scholle den ehemaligen Torwart Sven Neuhaus zu Gast. Ein zweiter Gast folgt wie immer.

Lars
18.52 Uhr

Die Abwehr – Saison-Rückblick Teil III

31. Mai 2014

Weiter geht es in Sachen Saison-Rückblick, da müssen wir durch. Auch wenn es erstens wenig Spaß macht, auf die schlechteste HSV-Spielzeit aller Zeiten zurück zu blicken, und zweitens werden so noch einige Dinge aufgefrischt, die wir eigentlich schon vergessen oder verdrängt hatten, die nun wieder gerade vernarbte Wunden wieder aufreißen. Aber es ist ersten Tradition, dass wir zurückblicken, und zweitens war es der Wunsch vieler „Matz-abber“. Das nannte man früher wohl Selbst-Kasteiung – oder so. Schrecklich genug, das alles. Zum Glück ist das Happy end aber bekannt, letztlich ging alles doch noch (halbwegs) gut aus.

So, wir kommen zur Abwehr des HSV. In 34 Spielen sagenhafte 75 Gegentore, diese Zahl macht fassungslos, und sie reicht normalerweise immer zum Abstieg – nur beim HSV nicht.

Das lag diesmal ganz sicher nicht an Nationaltorwart Rene Adler, der bis vor einem Jahr noch der Überflieger im HSV-Tor war – und dann unglaublich stark abbaute. Acht Riesen-Fehler wurden ihm in dieser Spielzeit nachgesagt, ich glaube, dass diese Zahl noch geschönt war. Adler war mit diesen acht Patzern die Nummer eins in dieser schlimmen Statistik, kein Bundesliga-Schlussmann hat mehr große Fehler gemacht. Warum auch immer das so war, kein Mensch hat eine Erklärung dafür. Wahrscheinlich auch Rene Adler selbst nicht, aber er spricht nicht drüber. Fest steht aber, dass ihm diese Patzer um den Start bei der WM in diesem Sommer gebracht haben, wahrscheinlich haben sie sogar dafür gesorgt, dass die anderen junge, sehr talentierten deutschen Torhüter (Leno, Zieler, ter Stegen, Trapp) damit an ihm vorbeigezogen sind, sodass der HSV-Keeper seine Länderspiel-Karriere wohl als beendet betrachten kann.

Für diese Saison kann Rene Adler, der 2013/14 in 30 Erstliga-Spielen dabei war, nur die Note fünf erhalten. Und diese Fünf scheint noch leicht geschönt.

Anders sieht es da bei Jaroslav Drobny aus. In vier Bundesliga-Spielen stand der Tscheche zwischen den Pfosten des HSV-Tores, aber besonders in den beiden Partien der Relegation stellte er sich in überragender Form vor – er wurde der Retter des HSV, keine Frage. Weil Drobny, der sich der (schreibenden?) Presse seit Jahren verweigert, auch als großartiger Kollege in der HSV-Mannschaft gilt, der für tolle Stimmung sorgt, der auch trotz seiner Ersatzspieler-Rolle ein überragender HSVer ist, gebührt ihm für diese Spielzeit die beste Note – eine glatte Eins.

Ohne Bundesliga-Spiel blieb in dieser Saison Sven Neuhaus, dennoch war er ein wichtiger Bestandteil dieser Mannschaft. Er gab im Training immer alles, er brachte stets eine Super-Einstellung mit in den Volkspark, er kümmerte sich um die jungen Spieler – und trat stets und überall als Vorbild-Profi auf. Deswegen gibt es für ihn die Note drei. Hat Hamburg inzwischen verlassen, weil der HSV keine Verwendung mehr für seine Nummer drei hatte. Rückkehr aber eines Tages nicht ausgeschlossen.

Lange Zeit war Dennis Diekmeier so schwer verletzt, dass er es nur auf 20 Saison-Einsätze gebracht hatte – ohne Tor. Die Leistungen waren auch durchwachsen, seine Vorstellung im Rückspiel gegen den 1. FC Nürnberg war top, blieb aber einzigartig. Diekmeier wäre für mich ein absoluter Kandidat, der von einem Einzeltraining sehr profitieren würde, aber die große Frage bleibt ja auch in der kommenden Spielzeit die, ob sich der HSV und sein Trainer Mirko Slomka zu Individual-Training „hinreißen“ lässt. Wahrscheinlich würde es helfen, wahrscheinlich würde es auch Dennis Diekmeier helfen – aber ob für so etwas tatsächlich Zeit vorhanden ist? Bis jetzt verdient sich Diekmeier die Note vier. Gerade noch.

An Heiko Westermann scheiden sich die Geister – das hat Tradition. Die Experten (nicht die Journalisten, das bitte nicht verwechseln) schätzen seinen Einsatz und seine Einstellung zum Profi-Fußball und zur Mannschaft. Viele Fans dagegen sind entsetzt über die unzähligen Patzer, die sich der (ehemalige?) Nationalspieler immer wieder mal geleistet hat. Praktisch in jedem Spiel stockte einem gewissen Teil des HSV-Anhanges der Atem, der Rest hatte sich schon dran gewöhnt. Ich, das wird niemanden überraschen, halte nach wie vor zu Heiko Westermann, weil er sich nicht nur während der 90 Minuten voll in den Dienst der Mannschaft stellt. So wie kaum ein anderer in diesem Team. Dass er in dieser Saison ganz besonders viele Stockfehler „drauf“ hatte, ist mir natürlich auch nicht entgangen, aber wie wäre es wohl gelaufen, wenn Westermann nicht, zu Saisonbeginn, bei jeder Ballberührung von den eigenen Fans ausgepfiffen worden wäre? Es kann sich vielleicht nicht jeder vorstellen, denn hier gilt ja auch der Spruch, dass nur die Harten in den Garten kommen, aber solche Fan-Aktionen können gelegentlich den selbstbewusstesten Spieler ein wenig verunsichern. Wie gesagt, hier können sich das nicht alle vorstellen, es kann aber was dran sein. Gegen Ende der 51. Bundesliga-Saison hielt Heiko Westermann, der in 30 Spielen drei Tore erzielte (dabei das Traumtor zum 2:1 gegen Leverkusen), nur deshalb durch, weil er mit Medikamenten „vollgepumpt“ war. Aber er wollte die Mannschaft in dieser schlimmen Situation nicht hängen lassen. Die 88. Minute in Fürth, das gebe ich allen meinen Kritikern zu, werde ich trotzdem bis an mein Lebensende nicht vergessen. Dieser Westermann-Fehlpass auf Azemi – unglaublich, dass der nicht zum Abstieg des HSV geführt hat. Seit dieser Szene glaube ich tatsächlich, dass dieser HSV unabsteigbar ist. Heiko Westermann erhält für seine Saison auch die Note vier – auch bei ihm gilt die Einschränkung: gerade noch.

Er war der Aufsteiger der Hinrunde, und dann gab es für Jonathan Tah einen gewaltigen Knacks in der Karriereleiter. Angeblich sollen Indiskretionen (in den Zeitungen) um seinen Vertrag dazu geführt haben, ich glaube das nicht so ganz. Für mich hatte das schon Geschmäckle, denn irgendwie hatte ich das Gefühl, dass man dem jungen Mann in diesem harten Abstiegskampf nicht so recht über den Weg traute. Schade eigentlich, denn im Herbst gehörte Tah, der es auf 16 Saisonspiel brachte, stets zu den besseren HSV-Spielern, und deswegen erhält er auch als Note eine glatte Vier.

Einer der „Verbannten“ oder „Aussortierten“ ist Michael Mancienne, der seine Rolle stets klaglos gespielt hat – von ihm gab es kein Aufbegehren, keine verbalen Entgleisungen – nichts, null. Vorbildlich. Mancienne trainierte eisern und ohne zu resignieren, und er wartete geduldig auf seine Chance – obwohl es gelegentlich immer weiter nach unten ging. Wie er das durchgestanden hat, das wird wohl sein Geheimnis bleiben, aber er hat sich durchgebissen. Hut ab! Dass er zuletzt (in immerhin noch zwölf Einsätzen) oft auch eine Stütze des Teams geworden ist, das spricht ebenfalls für ihn, deswegen auch für den Engländer die glatte Vier.

Zu Beginn seiner Hamburger Zeit blieb Johan Djourou fast alles schuldig. Er stand bei Arsenal London unter Vertrag, aber das war nicht zu sehen. Völlig ohne Selbstvertrauen stolperte der Schweizer in den ersten Spielen für den HSV über den Rasen, er war was weitaus größere Risiko als Nebenmann Westermann. Djourou, der 22 undesliga-Einsätze für den HSV schaffte, galt schon fast als Fehleinkauf, bis Mirko Slomka kam. Seit dieser Zeit sehen wir den wahren Johan Djourou, er ist jetzt schon fast ein „Mister Zuverlässig“ geworden – so darf er weitermachen. Deswegen auch für ihn, selbst auf die Gefahr hin, dass es langweilig wird – Note vier. Weil er sich immens gesteigert hat.

Zu den „Aussortierten“ gehörte Slobodan Rajkovic, der wahrscheinlich selbst nicht mehr an sein Comeback geglaubt hat – aber es kam. Und wie! Auf Anhieb war der Serbe voll da, brachte fast schon wieder die „alte“ Leistung – und zog sich dann einen Kreuzbandriss zu. Mehr Pech geht nicht. Ob er wiederkommen wird – für den HSV? Zu wünschen wäre es ihm. Note vier.

Komisch gelaufen ist die Saison für Marcell Jansen. Er war gesund, er war auch in den meisten Spielen (er brachte es auf 21) gehörte er zu den besseren Hamburgern – bis es dann dieses dumme Länderspiel gegen Chile gab. Noch heute wird ja gerne geschrieben, dass es ein böser Tritt eines Chilenen war, der Jansen schwer verletzt, aber es war, er hat es mir einst in er Talkrunde von Sky gestanden, ein Fehltritt von ihm selbst. Er wollte den Ball mit dem Außenrist spielen, trat auf die Kugel und knickte böse um. Diese Verletzung warf ihn für Wochen aus der Bahn – und letztlich auch aus der WM in Brasilien. Ganz bitter gelaufen. Noch immer ranken sich die Gerüchte um Mönchengladbach, dass Marcell Jansen im Sommer zu seiner Borussia zurückkehren wird. Ende offen – würde ich sagen. Bis dahin gilt, dass ich Jansen für diese Saison die Note drei gebe.

Innenverteidiger waren oder sind seine große Liebe, die von Thorsten Fink. In der Vor-Saison mussten es acht sein, in dieser waren es sieben. Deswegen wurde Lasse Sobiech noch von Borussia Dortmund geholt. Zehn Einsätze und ein Tor stehen in der Bilanz des ehemaligen St.-Pauli-Profis, aber einen Stammplatz konnte er sich in keiner Phase der Saison erkämpfen – da muss noch viel, viel mehr kommen. Deswegen nur Note fünf.

Auf Verteidiger getrimmt wurde Zhi Gin Lam (von Trainer Fink). Lahm und Lam, da war doch was. So richtig wohl aber fühlte sich der „kleine“ Lam in seiner Rolle nie, er brachte es auch nur auf neun Spiele (ein Tor) und dürfte in der kommenden Saison sein Glück wohl auch etwas weiter vorn versuchen wollen – vielleicht sogar nicht mehr beim HSV? Note fünf für den jungen Mann, der wohl nur aus namenstechnischen Gründen auf die Verteidiger-Position gezwungen worden war.

So, das war die Abwehr. Ziemlich viel die Note vier, aber das spricht vielleicht auch etwas für die These, dass ein gutes Abwehrverhalten schon ganz vorne beginnt. Und mit Sicherheit hat auch die Arbeit des Mittelfeldes damit zu tun – aber dazu kommen wir ja auch noch.

Slomka streicht Winterzugänge Bouy und John aus dem Kader

28. Februar 2014

Der HSV hat ein kleines Hoch, das auch Bundestrainer Jogi Löw nicht verborgen geblieben ist. Am Donnerstagabend informierte der deutsche Bundestrainer den beim HSV munter treffenden Pierre Michel Lasogga für das Testspiel gegen Chile am kommenden Mittwoch (20.45 Uhr) in Stuttgart gegen Chile. Und da Lasogga bislang noch nicht allzu viel mit Löw zu tun hatte, besaß er auch nicht dessen Handynummer und ließ zunächst durchklingeln. „Ich war noch in der Kabine, konnte gerade nicht rangehen. Aber der Bundestrainer hat mir auf Band gesprochen und ich habe dann zurückgerufen“, so Lasogga mit dem für ihn typischen, verschmitzten Lächeln. „Ich freue mich natürlich sehr, dass ich jetzt das erste Mal dabei bin. Es ist für jeden ein Traum, für die Nationalmannschaft nominiert zu werden.“

Stimmt. Und neben HSV-Torjäger Pierre-Michel Lasogga und Mathias Ginter (Freiburg) wurden mit Außenstürmer André Hahn vom FC Augsburg (9 Treffer) und dem in Deutschland zumeist noch recht unbekannten Shkodran Mustafi von Sampdoria Genua zwei weitere Spieler mit direktem HSV-Bezug eingeladen. Hintergrund: Beide spielten in der Jugend für den HSV, beide wurden trotz nachgewiesenen Talentes abgegeben. Wobei man das so platt auch nicht sagen kann, denn während man Hahn tatsächlich überhaupt nicht mehr auf dem Radar hatte und den damaligen U23-Spieler gen Oberneuland ablösefrei ziehen ließ, hatten sich die Verantwortlichen bei Mustafi sehr wohl bemüht.

Leider nicht genug. Warum es beim HSV seinerzeit nicht geklappt hat? „Wir sind uns schlichtweg nicht einig geworden. Jens Todt war damals unter Sportchef Dietmar Beiersdorfer Nachwuchschef, Cardoso Trainer der U23. Und die haben mir gesagt, dass alle Spieler, die bleiben sollen, den gleichen Vertrag unterschreiben müssen. Und das wollte ich nicht. Aber meine Wünsche konnte der HSV nicht berücksichtigen, wie mir mitgeteilt worden war.“ Was er sich gewünscht hätte? „Es ging um vieles, auch um Perspektive. Vor allem ging es mir um Vertrauen, um Verhandlungsführung. Und das kam nicht rüber. Leider. Obwohl ich letztlich sagen muss, dass es das gute Recht des HSV war, mich nicht zu verlängern“, erzählte mir Mustafi am 22. Oktober 2013 im Blog (http://hsv-blog.abendblatt.de/?p=10166).

Damals titelte ich „Fink ist glücklich – das verlorene Talent auch“ und kann behaupten, dass der Ex-HSVer (also das einstige Talent) heute noch glücklicher ist als damals, „Ich war total überrascht“, so der Innenverteidiger von Sampdoria Genua, „bislang hatte ich nie irgendwas gehört. Hier war niemand im Stadion zum Sichten oder so“, sagt der 21-Jährige, der sich in der Serie A gerade einen Stammplatz in der Mannschaft erkämpft hat und zuvor alle U-Nationalmannschaften durchlaufen hatte. „Es ist eine große Ehre für mich und es bestätigt mich in meinem Ehrgeiz. Einfach toll.“

Kontakte nach Hamburg hat Mustafi auch noch. Private. Vom HSV hat sich länger niemand gemeldet. Auch jetzt nicht. „Aber das ist okay“, sagt Mustafi, „wir haben uns damals nicht im Bösen getrennt.“ Dass sich der HSV heute ärgern dürfte, scheint klar – aber die Karriere von Mustafi hat ja erst begonnen. Ob sich der Nationalspieler vorstellen könnte, noch mal für den HSV aufzulaufen? „Im Moment bin ich sehr zufrieden. Ich kann mich in Italien sehr gut entwickeln und habe hier noch zwei Jahre lang Vertrag. Ich glaube, dass das nicht sehr wahrscheinlich ist im Moment. Aber das heißt nicht, dass es ausgeschlossen ist.“

Im Bereich des Möglichen ist auch, dass Rafael van der Vaart von Beginn an aufläuft. Zumindest hält sich Slomka alles offen. „Ich entscheide das immer erst am Spieltag“, sagte mir der HSV-Trainer nach dem heutigen Abschlusstraining, in dem er wieder wild durchwechselte und keine klare A-Elf zu erkennen war. Daher lege ich mich hier einmal fest und behaupte, dass der HSV in Bremen mit der Startelf aus dem Dortmund-Spiel beginnt. Einzige Ausnahme: Der wieder genesene Dennis Diekmeier ersetzt den kranken Heiko Westermann.

Der Vorteil dabei: Slomka setzt auf eine Mannschaft, die funktioniert hat und vermittelt der Startelf das nötige (Selbst-)Vertrauen. Das große Plus an dieser Variante ist, dass Slomka so eine hohe Wahrscheinlichkeit hat, dass die Startelf funktioniert. Es wäre für van der Vaart, den Slomka in den letzten tagen explizit für dessen Form lobte, das erste Mal seit Februar 2008, dass er gesund nicht in der Startelf steht. Damals wurde der Niederländer, der für das Länderspiel der Oranje in Paris gegen Frankreich nicht nominiert wurde, beim Stand von 1:1 eingewechselt. Ein gutes Omen?

Immerhin würde ein Punkt dem HSV grundsätzlich schon weiterhelfen, bevor es gegen Frankfurt und Nürnberg daheim geht und Dreier wieder Pflicht sein müssen. Und sollte das wider (meines) Erwarten(s) in Bremen nicht so sein, kann Slomka auf jeden Fall hochkarätig wechseln. Wie gut und wichtig das Gefühl für eine Mannschaft ist, wenn sie weiß, dass sie auf der Bank noch solche Hochkaräter sitzen hat, kann wahrscheinlich jede(r) hier nachvollziehen. Ob sie/er nun Fußball gespielt hat oder nicht. Denn man kann eben noch mal nachlegen, wenn es bis dahin nicht reicht, während es zuletzt beim HSV immer wieder die Momente gab, die Niederlagen kennzeichneten, einläuteten und das HSV-Team in sich zusammenbrechen ließ. Diese Zeiten sollen vorbei sein. Dank Slomka. Dass der neue HSV-Trainer seine letzten neun Auswärtsspiele verloren hat – auch diese Serie wird beendet. Immerhin war das ja mit dem „kleinen HSV“…

Und dafür nimmt Slomka auch intern Ärger in Kauf. Immerhin sortierte er vor der Partie in Bremen ausgerechnet die beiden Winterzugänge Ouasim Bouy und Ola John aus. Eine komplett korrekte Entscheidung wie ich angesichts der letzten Wochen und vor allem der zurückliegenden Trainingswoche finde. Allerdings auch ein Schlag ins Gesicht für Sportchef Oliver Kreuzer, der zusammen mit Extrainer Bert van Marwijk in den beiden die nötige Qualitätssteigerung gegenüber der Hinrunde gesehen hatte. Diese spricht Slomka den beiden fürt das Nordderby ab und nimmt stattdessen lieber einen zuvor Aussortierten wie Robert Tesche mit. Slomka setzt damit seinen Weg, alles anders zu machen als sein Vorgänger, weiterhin konsequent fort – und er macht damit vieles richtig. Hoffentlich.

Wir, Dieter und ich, werden morgen zusammen mit den beiden Profis Patrick Owomoyela und Fabio Morena das Spiel wie gewohnt in unserer zweiten Heimat, dem Champs, schauen und anschließend bei „Matz ab live“ ausführlich darüber sprechen. Wobei Owomoyela mit seiner Bremer Vergangenheit (2005 – 2008) sicherlich auch einiges über die Unterlegenen zu erzählen haben wird. Ich freue mich schon darauf…

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle

P.S.: Der HSV, so wurde heute bekannt, wird 120 Ordner mit nach Bremen nehmen. Das klingt zunächst nach Gefahr – ist aber eigentlich Usus bei Nordderbys. Allerdings habe ich erfahren, dass Werder Bremens Fanbetreuer vor einer geplanten Aktion der HSV-Fans warnen. Demnach sollen morgen etliche HSV-Fans den Werder-Block stürmen wollen, um die Choreografie zu stören sowie Fahnen und Banner zu stehlen/zerstören. Ich kann nur hoffen, dass diese Warnung unbegründet bleibt und sich die HSV- und Werder-Fans vor, während und nach dem Spiel friedlich verhalten.


Pierre Michel Lasogga (22), in dieser Saison schon 11 Tore in der Bundesliga

2:2 gegen zweitklassige Indonesier – peinlicher Start in 2014

6. Januar 2014

Mehr als eine Stunde brauchte die Mannschaft für den Weg ins Stadion von Arema Cromus. Immer wieder musste der Bus halten, weil die Fans die Straßen bevölkerten. Arema Cromus ist bekannt für seine fanatischen Anhänger, die von der Fifa zu den besten indonesischen Fans aller Zeiten ausgezeichnet wurden, wie HSV.de berichtet. Auch gegen den HSV schienen die Anhänger mit aller Macht beweisen zu wollen, warum sie preisgekrönt sind. Dass das 35.000 Zuschauer fassende Kanjuruhan Stadion ausverkauft war – selbstredend.

Und die Fans empfingen beide Mannschaften gleichermaßen euphorisch. Mein Kollege Kai Schiller sprach von einer Gänsehautatmosphäre rund ums Stadion und extrem fairen Fans des Gastgebers. Allerdings, und das fiel bei Trainer Bert van Marwijk deutlich schwerer ins Gewicht als die Begeisterung der Anhänger, der Platz war in einem katastrophalen Zustand. Der Niederländer, der insgesamt alles andere als zufrieden ist mit dem Ablauf des zwölftägigen Trips nach Asien, hatte bereits im Vorfeld vor neuen Verletzungen gewarnt – allerdings ob der Reisestrapazen.

Verletzt hat sich glücklicherweise niemand. Begeistern konnte der HSV in der ersten Hälfte dennoch nicht. Obgleich die Mannschaft bereits nach 14 Sekunden den ersten gefährlichen Torschuss durch Petr Jiracek hatte. Aremas Torwart parierte jedoch. Danach allerdings tat sich der HSV gegen allemal zweitklassige Gegner schwer. Insbesondere die rechte Defensivseite mit Lam bot den Inselstaatlern immer wieder Lücken, um gefährliche Angriffe zu inszenieren. So auch in der 17. Minute. Eine Minute nachdem der ansonsten agile Rafael van der Vaart aus 14 Metern etwas unmotiviert drüberschoss, verpasste Aremas bester Mann, Cristian Gonzales, freistehend vor Drobny eine flache Hereingabe.

Und obwohl der HSV die bessere Mannschaft war und blieb (alles andere wäre auch verheerend), hatte der Gastgeber die bis dahin größeren Chancen. Auch in der 22. Minute, als Marcell Jansen eine Idee hatte und den Ball statt zu Drobny einem Gegenspieler zuspielte. Dieser musste den Ball nur noch an Drobny vorbeibringen – was der Tscheche zu verhindern wusste. Drobny kam aus seinem Kasten, drängte den Angreifer nach außen und dieser verpasste den Abschluss. Glück für den HSV, der im Gegenzug zum Führungstreffer kam. Zoua war im Strafraum eindeutig von den Beinen geholt worden und der heimische Schiedsrichter pfiff. Den fälligen Strafstoß verwandelte Rafael van der Vaart sicher zum 1:0.

Knappe zehn Minuten lang plätscherte die Partie bei einer Luftfeuchtigkeit von rund 90 Prozent dahin, ehe die 35000 Zuschauer von einer Doppelchance und den Ausgleich für den Gastgeber von den Stühlen gerissen wurden. Gonzales nutzte diesmal die Hereingabe seines Mitspielers Arm, der über die rechte HSV-Seite freigespielt worden war, wobei Lasse Sobiech als Bewacher von Gonzales nach seinem Stellungsfehler auch noch unglücklich wegrutschte. Das 1:1. Ein Treffer, der den eh nicht besonders gut gelaunten Bert van Marwijk erneut in seiner Coaching-Zone wüten ließ.

Allerdings konnte der HSV noch vor der Halbzeit nachbessern. Nachdem der insgesamt auffälligste HSVer, Ivo Ilicevic, zwei Schüsse verzogen hatte, nutzte Jacques Zoua eine schöne Kombination über Ilicevic und Jansen zum 2:1 (43.). Der defensiv schwache – van Marwijk brüllte seinen Namen am Rand bei fast jedem Gegenangriff – und offensiv immer wieder auffällige Offensivspieler tunnelte den gegnerischen Torwart dabei aus knapp elf Metern mit einem strammen Rechtsschuss und hätte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte per Kopf fast noch das 3:1 besorgt.

Wie vor der Partie angekündigt, wechselte van Marwijk in der Halbzeit einmal durch. Einzig Zhi Gin Lam blieb auf dem Platz, weil Dennis Diekmeier noch Trainingsrückstand hat. Und ausgerechnet Lam war es dann auch, der sich in der 56. Minute erneut düpieren ließ und Arema so den 2:2-Ausgleich durch Sunarto (der von Arslan allein gelassen wurde) ermöglichte. Und das, obwohl der HSV bis dahin äußerst schwungvoll begonnen hatte und durch Lasogga zunächst in der 47. Minute (da der Schiedsrichter pfiff, hätte er auf Elfmeter entscheiden müssen!) und dann nach schöner Kombination und Querpass von Calhanoglu das 3:1 auf dem Fuß hatte. Ebenso in der 52. (Calhanoglu scheitert aus acht Metern am Torwart) und 53. Minute (Beister aus 17 Metern – wieder war beim Keeper Endstation).
Und so stand es plötzlich 2:2, weil der HSV auch mit der Viererkette Lam, Djourou, Mancienne sowie dem U23-Akteur Dennis Bergmann hinten unsicher wirkte. Letztgenannter verursachte in der 70 Minute fast einen Handelfmeter, wobei die Auslegung des Schiedsrichters gleich doppelt seltsam war. Denn zum einen war es aus meiner Sicht kein Handspiel. Wenn doch, wäre es ein Elfer – aber es gab nur Freistoß. Konzessionsentscheidung, die zweite. Und mehr als gerecht, nachdem Maxi Beister in der 61. Minute klar im Sechzehner gefoult worden war.

Am Ende aber muss man festhalten, dass es ein erneut schwacher Auftritt der Hamburger war. Mit einem für einen Bundesligisten peinlichen 2:2. Ein Ergebnis, das zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung sicher nicht überbewertet werden darf. Allerdings macht es eben auch keinerlei Hoffnung auf Besserung. Im Gegenteil, es bestätigt vielmehr den Qualitätsmangel, der in der Hinrunde offensichtlich geworden war. Hinten hat der HSV keine Sicherheit, nach vorn zu wenig Ideen. Warum sollte das auch anders sein? Einzig Ilicevic (dreimal auf Holz geklopft für seine Gesundheit!) könnte das HSV-Spiel im Vergleich zum Ende 2013 leicht verbessern. Offensiv wohlgemerkt. Dass das allerdings ausreicht, um sorgenfrei in die Rückrunde zu starten, bezweifle ich nicht nur – ich bin mir sogar sicher, dass es nicht so ist. Aber noch haben wir ja ein paar Tage Zeit…

In diesem Sinne, es regiert weiter das Prinzip Hoffnung. Vor allem und immer mehr auch auf die Mitgliederversammlung am 19. Januar.

Scholle

****Namen korrigiert: Natürlich spielte Dominik Jordan in der zweiten Hälfte, nicht Bergmannn. Entschuldigung, Dominik!***

HSV 1. Hz.: Drobny – Lam, Tah, Sobiech, Jansen – Badelj, Jiracek – Zoua, van der Vaart, Ilicevic – Rudnevs
HSV 2. Hz.: Neuhaus – Lam (60. Diekmeier), Mancienne, Djourou, Jordan – Arslan, Rincon – Beister, Calhanoglu, Brüning – Lasogga

P.S.: Am kommenden Mittwoch, den 08.01.2014 findet um 19:27 im Sportpub Tankstelle, Gerhardstr. 7, die nächste Buchlesung/Diskussionrunde statt: “Fanartikel/Fußballmode in den letzten Jahrzehnten”. Als Gäste sind der ehemalige Bundesligaschiedsrichter Michael Mallbranc (Sporthaus Uhlenhorst), Joachim Eybe (1887-Streetwear), Jens Wagner (SC-Merchandise) und Michael Wendt (Abschlach!) eingeladen.

„Orakel“ Jarchow wünscht sich ein Heimspiel gegen Kaiserslautern

4. Dezember 2013

Das hatte doch mal wieder was gestern Abend im Volkspark! Abpfiff gegen den 1. FC Köln, jubelnde Spieler und Funktionäre, singende Fans, die alle bis zum Abpfiff im Stadion geblieben sind. In der ersten Freude und Erleichterung konnte man manche Schwäche dieses Spiels vergessen – der HSV steht im Viertelfinale wie 2009 zuletzt. Der Traum vom Finale geht weiter, zumindest bis zum 11. oder 12. Februar kommenden Jahres, wenn das Viertelfinale steigt.

Der Mann des Tages war schnell ausgemacht. Ivo Ilicevic erzielte in der 84. Minute zum 2:1. Das Tor passte zum Spiel – irgendwie Glückssache. Ein Schuss von Milan Badelj wurde abgeblockt, der Ball prallte dem zweiten Kroaten vor die Füße, und Ilicevic nahm das Geschenk an. „Mir geht es sehr gut“, lächelte Ilicevic anschließend in die Kameras. „Ich habe eine schwere Zeit durchgemacht und freue mich, dass ich jetzt dieses Tor schießen konnte.“

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Seit Ivo Ilicevic im Sommer 2011 – auf den letzten Transferdrücker – für vier Millionen Euro aus Kaiserslautern gekommen ist, war er eigentlich ständig verletzt. So viele Muskeln hat ein Körper gar nicht, wie sich Ilicevic gezerrt hat. Faserriss hier, Faserriss da. „Ich hoffe, dass ich jetzt länger gesund bleibe.“ Wir wertvoll er sein kann, hat er gestern angedeutet. Und natürlich ist da sein Traum von der Teilnahme an der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr.

Zweiter Mann des Tages war Maximilian Beister, der mit seinem Traumtor zum 1:0 traf. Im Training, so Beister, habe er schon mal so ein Tor geschossen. „Dass es jetzt in solch einem wichtigen Spiel geklappt hat, ist toll.“ Beister hat, wie viele seiner Kollegen, keine überragende Leistung gezeigt. Aber sein Mut und sein Selbstvertrauen haben sich in dieser einen Szene dokumentiert. Erstaunlich, um wie viel gefestigter sich der Lüneburger in dieser Saison präsentiert.

Beister war am Vormittag übrigens gemeinsam mit Milan Badelj der erste, der sich am Tag nach dem Spiel im Stadion pflegen ließ. Ein offizielles Training hat es nicht gegeben.

Coach Bert van Marwijk, ohnehin ja schon recht silbern auf dem Haupt, gab nach dem knappen Erfolg gegen Köln zu: „Es gibt Spiele, da wird man deutlich älter und die Haare grauer. Das war so ein Spiel.“ Als Knackpunkt hatte der 61 Jahre alte Niederländer den Treffer zum 1:1 ausgemacht. Reichlich unbedrängt brachte Johan Djourou Tomas Rincon in die Bredouille, der verlor den Ball am Adam Matuschyk – und mit dem 1:1 in der 54. Minute kam Köln zurück ins Spiel.

„Ich will aber nicht darauf herumreiten, dass wir diesen Fehler gemacht haben“, sagte van Marwijk. „Im Fußball gehören Fehler dazu. Aber es gibt so etwas wie eine self-fullfilling-prophecy, da wollen wir nicht hinkommen.“ Also nicht ständig über diese blöden Gegentore sprechen, damit die Angst vor Fehlern sich nicht einnistet in den Hinterköpfen der Profis.

Allerdings hatte der Gegentreffer erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Gegentor aus dem Hannover-Spiel. Auch da war es Rincon, der in Bedrängnis kam – und zwar durch einen Pass Rene Adlers. Die Aktion von Djourou war jetzt noch schlimmer, Rincon hatte fast keine Chance zu reagieren. Sportchef Oliver Kreuzer hat, etwas überraschend, den Venezolaner Rincon als Hauptschuldigen ausgemacht. In jedem Fall ist er Kandidat Nummer eins auf die Rückkehr auf die Ersatzbank, wenn Rafael van der Vaart am Sonnabend gegen den FC Augsburg wiederkommt. Die Rückkehr von Heiko Westermann ist übrigens noch offen wegen seiner Knieprobleme, die ihn schon den Einsatz gegen den FC gekostet haben.

Im Ansinnen, einen neuen und besser dotierten Vertrag beim HSV zu bekommen (es geht um ein Gehalt von mehr als einer Million Euro), ist Rincon in den letzten Spielen jedenfalls nicht mit Siebenmeilen-Stiefeln vorangekommen. Vielleicht ist Kreuzers verbale Replik auch dem Unmut über die stockende Haltung des Spielers geschuldet.

Ein großes Anliegen war es für Bert van Marwijk noch, die Fans zu loben. „Ich glaube, schon in Wolfsburg haben uns 12.000 unterstützt. Gegen Köln war die Stimmung wieder unglaublich. Ich habe so etwas fast noch nie erlebt.“

Klar, Köln war besser als Greuther Fürth ein paar Wochen zuvor. Dennoch: Da war die eine oder andere Schwäche zu viel im HSV-Spiel. Das muss sich auch Tolgay Arslan anlasten, der nach seiner sehr guten zweiten Halbzeit in Wolfsburg diesmal nicht so effektiv war. Vor allem hätte er schon in der 66. Minute das 2:1 machen müssen, als er frei vor dem Kölner Keeper Timo Horn verzog. „Ich wollte den Ball hoch schießen, aber nicht so hoch“, ärgerte sich Arslan.

Sei’s drum, der HSV steht im Viertelfinale, und kann heute Abend entspannt gucken, wer außer Kaiserslautern, Dortmund und Hoffenheim noch hinzu kommt. „Ich möchte jetzt gegen meinen alten Verein spielen“, verkündete Siegtorschütze Ilicevic gleich nach dem 2:1 über Köln. Sportchef Kreuzer möchte „lieber Sandhausen als Bayern“. Sonntag ab 18 Uhr ist Auslosung in der Sportschau. Bundestrainerin Silvia Neid zieht die Lose.

Sportchef Kreuzer ist zu diesem Zeitpunkt schon auf dem Weg nach Südamerika. Einige Tage schaut er sich zusammen mit Marketing-Vorstand Joachim Hilke eine Jugend-Akademie an („Traffic“ in der Nähe von Sao Paulo), um eine Kooperation vorzubereiten. Die Kollegen von „11Freunde“ haben einmal eine Reportage gemacht. Hier ist der Link, sehr lesenswert:

http://www.11freunde.de/artikel/zu-besuch-der-wichtigsten-talentschmiede-brasiliens

Heute Mittag hat der HSV wieder einmal ein bewegendes Projekt seiner Initiative „Hamburger Weg“ besucht. Lasse Sobiech, Sven Neuhaus, Dennis Diekmeier und Vereins-Boss Carl Jarchow waren beim Förderverein KinderLeben e.V. in Eidelstedt. 90 Tage hat der HSV auf seiner Hamburger-Weg-Seite Spenden gesammelt, die dem Hospiz nun zugute gekommen sind. Ein Therapiestuhl mit Bewegungssitz sowie ein Reha-Wagen für Kinder können mit den Spenden finanziert werden.

Ich hatte nach dieser Veranstaltung Gelegenheit, ein paar Minuten mit Carl Jarchow über Fußball zu sprechen. Er zeigte sich da äußerst gut gelaunt, schließlich tut der Erfolg gegen Köln dem Verein sportlich und wirtschaftlich den einen oder anderen Gefallen. „Die zusätzlichen Einnahmen haben wir noch nicht verplant. Wir haben noch einige Außenstände, die wir abdecken müssen.“ Ein attraktives, machbares Los im Viertelfinale könnte weitere Einnahmen bringen. „Ich wünsche mir den 1. FC Kaiserslautern zu Hause“, so Jarchow, der schon vor der Achtelfinal-Auslosung mit seinem Kölner Tipp richtig gelegen hatte. DiePfälzer seien ähnlich attraktiv wie Köln, ein Heimspiel sowieso gut, das könnte passen. Jarchow weiter: „Ich will nicht unbedingt auswärts bei den Bayern spielen.“

Jarchow sagte, dass er den HSV schon besser habe Fußball spielen sehen („Das Spiel hätte auch anders ausgehen können..“), und dass Köln eine starke Leistung gezeigt habe. „Sonnabend gegen Augsburg erwarte ich aber ein anderes Spiel. Das hat dann keinen Pokal-Charakter. Aber ein ähnliches Ergebnis wie gegen Köln würde ich natürlich sofort nehmen.“

Carl Jarchow hat sich auch zur anstehenden Mitgliederversammlung geäußert – hier ist das Interview:

Bleibt festzuhalten, dass Carl Jarchow in den restlichen drei Hinrundenspielen einen weiteren Schritt nach oben erwartet. Einen „einstelligen Tabellenplatz“ wünscht er sich. Das würde bedeuten, dass die beiden Heimspiele gegen Augsburg und Mainz gewonnen werden müssen, denn auswärts müssen die Hanseaten bekanntlich beim FC Bayern antreten.

Interessant auch Jarchows Aussagen zur Mitgliederversammlung und seiner Haltung zur Strukturreform. Zwar ist er ja aufgefordert, sich als Vorstands-Mitglied einer Beurteilung der einzelnen Modelle zu enthalten, aber zwischen den Zeilen darf man ja mal interpretieren. Jarchow erkennt einen „allgemeinen Veränderungswillen“, ein „Schritt nach vorn“ soll gelingen. Und zwar in dem Bestreben, den „Status Quo des Vereins als e.V., wie er jetzt da ist, zu verändern“.

Morgen erwartet Euch Dieter wieder hier an dieser Stelle. Nach dem freien Tag heute wird es für die Profis dann auch wieder Ernst, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Bis nächstes Mal
Lars

Jansen übernimmt die Binde von van der Vaart

21. November 2013

Auf den ersten Blick ist es vielleicht nur eine symbolische Geste. Marcell Jansen wird am Sonntag gegen Hannover 96 und auch in den Wochen danach – solange Rafael van der Vaart verletzt fehlt – die Kapitänsbinde des HSV tragen. „Mein Gefühl hat mir das gesagt“, erklärte Trainer Bert van Marwijk. „Ich brauche einen neuen Kapitän und habe kurz mit Marcell gesprochen. Dann war das auch gleich klar. Er ist erfahren, Nationalspieler und gut in Form. Das reicht eigentlich schon.“

Marcell Jansen also, 28 Jahre alt, zuletzt im Aufwind auch bei Bundestrainer Joachim Löw, ersetzt van der Vaart. Der Linksfuß ist seit 2008 beim HSV und somit der Dienstälteste im Team. Die Nominierung – auch Rene Adler hätte zur Verfügung gestanden – ist durchaus ein Zeichen seiner Wertschätzung, die sich Jansen seriös erarbeitet hat. Wie lange er Kapitän sein wird, ist nach wie vor offen. Bert van Marwijk hat heute in die gleiche Kerbe geschlagen wie Sportchef Oliver Kreuzer gestern. Die zunächst genannten vier Wochen Pause für van der Vaart sollen es bitteschön nicht sein. „Ich glaube nicht, dass es so lange dauert. Vielleicht sage ich das auch nur, weil ich mich über diese Verletzung ärgere. Aber ich habe mit Rafa gesprochen und mir den Fuß auch angesehen. Wie auch immer: ich kann es nicht ändern.“ Alles in allem, so der Trainer, sei es aber unglaublich schade, dass van der Vaart nun fehlt.

Beim Training heute fehlte außer van der Vaart nur einer, der am Sonntag gegen Hannover 96 zum Stamm gehören sollte: Heiko Westermann. Der hat nach seiner kleinen Verletzung aus dem Länderspiel (Schlag aufs Knie) noch einmal pausiert. „Wenn er am Freitag wieder trainiert, gehe ich davon aus, dass er am Sonntag spielen kann“, erklärte van Marwijk. Und so ruckelt sich die HSV-Mannschaft für das Nordderby langsam zurecht.

Worauf der Trainer großen Wert legt, war heute beim Training zu erkennen. Bei Winter-Temperaturen unter dem Gefrierpunkt gab es eine saftige Einheit von 1 ¾ Stunden Länge. 18 Feldspieler waren dabei, dazu die drei Torhüter. Weil mit Westermann ein Außenverteidiger fehlte, hat der Trainer Ashton Götz aus der U 23 dabei gehabt. Ob er eine Alternative für den Kader am Sonntag ist, ist allerdings offen.

Im Mittelpunkt des Trainings: Immer wieder Pass-Spiel und immer wieder aggressive Verteidigung. Nach dem Aufwärmen standen wie immer unter dem 61-Jährigen van Marwijk schnelle Pass- und Laufstafetten auf dem Übungsplan. Auffällig: Jeder Spieler, der einen Pass bekommen wollte, musste sich lautstark melden. Es war ein einziges Gerufe und Geschreie – jeder sollte den Ball fordern. Das sah schon sehr flott und forsch aus.

Anschließend ging es an die Spielformen. Abwechselnd mussten zwei Viererketten gegnerische Angriffe stoppen. Kette Nummer eins bestand aus Mancienne, Rincon, Sobiech und Jansen. Kette Nummer zwei bildeten die Herren Götz, Tah, Djourou und Kacar. Vor allem die Außenverteidiger hatten viel Laufarbeit zu verrichten, denn es griffen jeweils fünf Stürmer an. Sturm-Team 1: Tesche, Jiracek, Arslan, Zoua, Rudnevs. Sturm-Team 2: Calhanoglu, Badelj, Ilicevic, Lasogga, Beister.

Es war nicht einfach für die Stürmer, sich durchzuspielen. Immer wieder wurden sie abgefangen, wenn die Pässe in die Schnittstellen nicht schnell und präzise genug kamen. Einzig Pierre Michel Lasogga konnte hier treffen. Rudnevs hatte einige gefährliche Szenen, im Abschluss aber war er teilweise erstaunlich ungeschickt. Doch das sollte sich im Verlauf des Trainings noch ändern.

Van Marwijk erweiterte die Übung anschließend. Nun spielten sechs gegen sechs. Hier standen die defensiven Mittelfeldspieler im Vordergrund und es zeichnete sich – wie erwartet – ab, dass Milan Badelj und Tomas Rincon erste Wahl sein werden gegen Hannover 96. Dass er selbst viel vor hat, erläuterte der Venezolaner Rincon schon vorher auf der Pressekonferenz. „Ich will richtig Gas geben. Wir wollen dem Gegner zeigen, dass hier bei uns im Stadion nichts zu holen ist. Wir wollen die drei Punkte unbedingt.“

Im Hinterkopf schwirrt bei Rincon immer noch das bisher letzte Aufeinandertreffen mit den Niedersachsen herum. Im Februar ging der HSV in Hannover mit 1:5 unter. „Dieses Spiel kann man nicht einfach so vergessen. Wir wollen jetzt zeigen, dass wir wieder eine starke Mannschaft haben“, so Rincon. Für ihn ist es das erste Spiel seit dem Kieferbruch, den er sich in der Partie gegen Werder Bremen (0:2) zugezogen hatte.

„Ich bin richtig froh, wieder dabei zu sein. Wir haben die letzten zwei Spiele verloren, deswegen müssen wir nun umso dringender gewinnen. Um meine Verletzung mache ich mir keine Gedanken. Meine Spielweise werde ich jedenfalls nicht verändern“, versprach der stets kampfstarke Abräumer.
Zurück zum Training. Nach dem Sechs-gegen-sechs-Spiel wurde auf zehn gegen zehn erhöht. Neuhaus, Ilicevic, Jiracek, Sobiech, Jansen, Mancienne, Arslan, Lasogga, Calhanoglu und Tesche trafen auf Adler, Rudnevs, Tah, Beister, Badelj, Djourou, Kacar, Götz, Zoua und Rincon. Die zweite Mannschaft gewann mit 2:1 durch Treffer von Rudnevs (jetzt viel besser als bei der ersten Übung) und Beister. Das Gegentor schoss Tesche. Das Spiel war deswegen witzig, weil beide Mannschaften unter bestimmten Bedingungen auf beide Tore schießen konnten. Handlungsschnelligkeit und Auffassungsgabe waren gefragt. Und: das ganze förderte die gesamte Trainingseinheit über das Kurzpass-Spiel. Lange Bälle waren tabu.

Der Vollständigkeit halber: Jarsolav Drobny hat unterdessen mit Torwart-Trainer Ronny Teuber Einzeltraining durchgeführt. Zum Abschluss wurden kleine Törchen auf einem halben Platz aufgebaut, durch das die Teams den Ball möglichst oft schießen mussten. Auch hier ging es zur Sache. Mancienne, Calhanoglu und andere gingen nach Zusammenstößen zu Boden, etwas Schlimmeres ist nicht passiert. Positiv außerdem, dass der Schweizer Johan Djourou die komplette Einheit ohne Probleme mitmachen konnte. Er dürfte Sonntag neben Jonathan Tah in die Innenverteidigung des HSV zurückkehren. Also: es ging zur Sache beim Training.

Das muss es dann am Sonntag auch gegen die 96er, darauf wies Bert van Marwijk überdeutlich hin. „Es gibt noch keine Mannschaft in der Bundesliga, wo wir sagen können, dass es einfach wird“, so der Trainer. „Hannover hat auch eine schwierige Zeit, aber das macht es für uns auch nicht leichter. Wir haben die Analyse von Hannover schon hinter uns. Die sind sehr gut organisiert.“ Natürlich wollte van Marwijk nicht abschließend verraten, wer die Lücke von Rafael van der Vaart schließen soll. „Andere Spieler müssen es machen“, antwortete der lapidar auf eine entsprechende Frage. Klar, dass Hakan Calhanoglu erster Anwärter auf die van-der-Vaart-Vertretung hinter der einzigen Spitze Lasogga ist.

Nächste Frage, die mit van der Vaart zu tun hat: Wer schießt in seiner Abwesenheit eigentlich die Elfmeter? „Wichtig ist das Gefühl während eines Spiels. Es gibt ein paar Spieler, die es gut machen könnten. Am besten entscheiden die Spieler auf dem Platz selbst, wer sich gut fühlt.“

Großen Raum in der Presserunde nahm heute das Thema Verletzungen ein. Van der Vaart beim HSV, die halbe Dortmunder Verteidigung mit Hummels und Schmelzer, Bayerns Ribery und andere fallen am kommenden Wochenende nach Verletzungen aus, die sie bei ihren Nationalteams erlitten haben. „Die Spieler sind überlastet“, beschwert sich Bert van Marwijk. „Das Geld ist so wichtig im Moment, dass darauf in diesem Geschäft niemand Rücksicht nimmt.“ Als er Bondscoach war in der niederländischen Nationalmannschaft, hatte er mehrfach die Idee, die Nationalspieler nur zum Training zusammenzurufen. „Das ist besser für die Entwicklung der Mannschaft und das Risiko, sich zu verletzen, nimmt ab.“ Irgendwann, so van Marwijk, komme der Moment, an dem man Veränderungen herbei führen müsse. „Es ist schade, aber ich kann es nicht ändern.“

Das Spiel gegen Hannover ist für die Hamburger nun jedenfalls enorm wichtig. Nach zwei Niederlagen in Folge müssen Punkte her, um die Qualität des HSV auch in der Tabelle zu untermauern. Bert van Marwijk hat für die Qualität übrigens einen eigenen Parameter. „Ich gucke auch auf die Tordifferenz. Wir haben minus drei, das ist eigentlich zu gut für eine Mannschaft auf Platz 14. Aber natürlich habe ich lieber Punkte…“

Kleines Tuschelthema heute war eine Meldung aus dem „kicker“, wonach Artjoms Rudnevs nun ausgerechnet auf dem Wunschzettel von Hannover 96 stehen soll. Dort ist Ya Konan verletzt (evtl. Rückkehr in die Startelf gegen den HSV), Schlaudraff ist nicht gerade in Topform und der Vertrag von Diouf läuft am Saisonende aus. Warum also nicht Rudnevs holen? „Ich kann die Meldung nicht bestätigen.“ So nahm der Hannoveraner Sportdirektor Dirk Dufner Dampf aus dem Gerücht. Abwarten – Rudnevs wird sicher noch bei manchem Verein gespielt, so lange er in Hamburg zweite Wahl ist.

Sonntag um halb vier gilt es im Volkspark. Anschließend möchte ich Euch „Matz ab live“ ans Herz legen. Dieter wird dann gemeinsam mit Scholle moderieren, und diesmal haben Holger Hieronymus und Ditmar Jakobs als Gäste zugesagt, die ihr Struktur-Modell „HSV-PLUS“ erläutern wollen. Abgesehen davon, dass die beiden Ex-Nationalspieler ganz sicher das Nordderby aufs Allerfeinste erklären werden.

Apropos „HSV-PLUS“: Nachdem wir in der vergangenen Woche in einem langen Interview die Position des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Manfred Ertel wiedergegeben haben, steht morgen ein großes Interview mit Otto Rieckhoff auf dem Plan, auf das ich jetzt schon gespannt bin.

Das Training morgen findet ohne Öffentlichkeit am Volkspark statt.
Ich wünsche Euch einen eisfreien Abend. Bis morgen
Lars

Der “Kabinenspieler” macht Spaß – so bekloppt er auch ist

7. Oktober 2013

Ich gebe zu, so viele Kamerateams habe ich lange nicht mehr beim HSV erlebt, wenn es in die Montagsrunde ging. Nicht mal am Tage von Thorsten Finks Entlassung. Grund dafür war der von Mediendirektor Jörn Wolf angekündigte Gesprächstermin mit Pierre Michel Lasogga, dem Hattrick-Torschützen aus Nürnberg. Alle wollten den neuen Shootingstar des HSV sprechen. Fünf Tore in drei Spielen, inklusive dem historischen Dreierpack beim FCN – der gebürtige Herner hat bislang nicht allzu viel falsch gemacht. Ganz im Gegenteil. „Stand jetzt ist er natürlich ein absoluter Glücksgriff“, lobt Sportchef Oliver Kreuzer den Angreifer und somit auch seinen eigenen Deal, ohne daraus schon jetzt einen weiteren Verbleib Lasoggas ableiten zu wollen. „Bis wir darüber sprechen, vergeht noch einige Zeit. Noch ist es zu früh dafür. Da werden wir sicher noch bis nächstes Jahr warten müssen.“ Dennoch, auch das sagte Kreuzer, wenn es am Ende der Wunsch des Spielers sei, zu bleiben und der Verein es auch will „dann werden wir sicher eine Lösung finden“.

Aber okay, bis dahin werden noch etliche gute aber sicher auch noch ein paar schwächere Spiele folgen. Dennoch wagte sich Kreuzer etwas zu weit vor. Auch wenn er per Nachfragen quasi zu einer Antwort genötigt wurde, Lasogga nach fünf Monaten Pause jetzt sogar als Kandidaten für die Nationalelf zu sehen – irgendwie typisch Hamburger Realitätsverlust: „Es gibt immer Möglichkeiten, noch auf den Zug zur WM aufzuspringen“, so Kreuzer, um dann wenigstens etwas zu relativieren: „Aber diesbezüglich sollten wir jetzt noch den Ball flachhalten.“ Stimmt. Oder einfach nichts dazu sagen.

Lasogga selbst dürfte eine solche Aussage dennoch freuen. Er selbst war zwar so schlau, auf das Thema Nationalelf überhaupt nicht einzugehen, aber er freute sich über die Komplimente seines Sportchefs. „Es ist nach so einem Spiel natürlich leicht, mit einem Lächeln zum Training zu kommen“ so der Angreifer, der in der Mannschaft extrem gut anzukommen scheint. Er sei halt der Typ „Kabinenspieler“, so Kreuzer, der damit meint, „dass er einer der Typen ist, die beim Betreten der Kabine gute Laune verbreiten. Er gibt allen die Hand, lächelt und wenn ein Ball rumliegt, fängt er an zu daddeln. Er steckt sein Umfeld mit Freude am Fußball an, während andere die Zeit bei der Mannschaft als reine Arbeitszeit sehen.“

Klingt gut. Zumindest was Lasogga betrifft. Und es ist auch absolut vorstellbar. Denn während mir ein Berliner Kollege erklärte, Lasogga sei schlichtweg eine ganz simple Type, muss ich sagen, dass sich Lasogga nicht nur sportlich sensationell präsentiert. Auf dem Platz einer der fleißigsten Spieler, in Interviews sehr bedacht und sympathisch, trotz seines kleinen Laufes absolut bescheiden und auch außerhalb des Platzes immer nett. Kein Autogrammwunsch wird abgelehnt, für Fotos stehengeblieben und gelächelt – bislang passt einfach alles zusammen. „Es ist schön zu spüren, dass man in der Mannschaft ankommt. Das Team ist sehr zufrieden mit mir“, sagt Lasogga und zeigt, dass er zurecht als „Teamplayer“ bekannt ist: „Ich muss bei allem ja ehrlich sein: Ohne Rafas Zuspiele wäre nichts gegangen.“ Stimmt. Wobei ich mir sicher bin, dass auch ein van der Vaart davon profitiert, dass er vor sich einen Angreifer hat, der fast immer anspielbar ist.

Und wo ich gerade bei meinem absoluten Lieblingsspieler bin: Rafael van der Vaart hat gegen Nürnberg wieder die Spielfreude gezeigt, die ich mir so sehnlich von ihm gewünscht hatte. Ich hoffe wieder. 11,81 Kilometer legte van der Vaart zurück – Topwert beim HSV. Apropos, für alle diejenigen, die mein Lob für Milan Badelj gestern in der ersten Halbzeit nicht verstanden haben: Badelj hatte die meisten Ballbesitze (84), gewann die meisten Zweikämpfe (12) und spielte nach Tolgay Arslan (50) die meisten Pässe (46). Und die hatte er nicht nur in der zweiten Halbzeit.

Aber zurück zu den beiden Topspielern in einer eigentlich geschlossen starken Mannschaftsleistung. Zwei Treffer von Lasogga bereitete van der Vaart vor, brachte insgesamt 90 Prozent seiner Pässe zum eigenen Mann und erzielte einen Treffer selbst. Sehr viel beeindruckendere Daten nach einem Spiel kann man nicht erwarten. Lasoggas Torquote mal ausgenommen…

„Wir liegen jetzt irgendwie alle auf einer Wellenlänge“, lobte Lasogga auch Trainer Bert van Marwijk und Kreuzer ergänzte: „Bert van Marwijk hat die Probleme erkannt und die Mannschaft stabilisiert.“ Es sei zwar auch in Nürnberg nicht alles perfekt gewesen (Kreuzer: „In der ersten Hälfte hatten wir zu viele einfache Ballverluste, das hätte schiefgehen können“), aber insgesamt befindet sich der HSV auf dem richtigen Weg. Taktisch vor allem. Warum der HSV plötzlich so wenig Chancen des Gegners zulässt? Kreuzer: „Weil alle wissen, dass sie bei Ballverlust wieder alle elf in die Grundordnung zurückkehren müssen. Die Basis hierbei ist, dass bei uns alle elf Spieler – von Lasogga bis Adler – defensiv denken. Das beginnt manchmal schon bei Pressing-Gegenpressing.“ Soll heißen, dass manchmal auch schon vorn draufgegangen wird, wenn dort der Ball verloren wird. Wichtig ist: Die Mannschaft macht das kompakt.“ Zweifellos.

Für mich aber noch eine Extra-Erwähnung verdient Jonathan Tah. Der Junge war als Rookie im Trainingslager bemüht, cool zu wirken zwischen den ganzen Profis und offenbarte immer wieder seine Nervosität, was ihm absolut nicht vorzuwerfen ist. Im Gegenteil! Offenbar hat ihm diese Erfahrung schnell gezeigt, worauf es ankommt, denn inzwischen spielt Tah seinen Part neben Johan Djourou saustark. Mit 17 Jahren traut sich der Junge richtig was. Er gewinnt nicht nur den Bärenteil seiner Zweikämpfe, sondern bleibt ruhig, spielt überlegt und hat einen immer besser werdenden Spielaufbau. „Wie er auftritt ist sensationell“, freut sich auch Kreuzer, „zum Glück hat er bei uns einen Vertrag bis 2017.“ Was leider nicht ganz stimmt. Tah hat bis 2016 Vertrag, wenn ich richtig informiert bin. Aber auch das ist schon gut für den HSV.

Gut für Heiko Westermann ist, dass sich die Bender-Twins verletzt bei der Nationalelf abgemeldet haben. So konnte der Rechtsverteidiger des HSV doch noch zur Nationalelf nachreisen. Nach Jansen und Adler ist Westermann der Dritte beim DFB-Team. „Er hat über Jahre gute Leistungen gebracht“, lobte Kreuzer heute „er hat sich diesen Stand bei der Nationalmannschaft verdient. Ich freue mich für ihn.“ Ich auch. Schade nur für Milan Badelj, der ansonsten immer dabei war, diesmal aber aus dem vorläufigen Aufgebot der Kroaten gestrichen wurde und so in Hamburg mit den Verbliebenen sowie den Rückkehrern Zhi Gin Lam, Valmir Nafiu und Ivo Ilicevic trainieren kann.

Lasogga wird auch dabei sein. Noch hat Löw ja nicht angerufen. Dafür hat sich aber Michael Preetz nach dem Dreierpack bei Lasogga gemeldet. Per SMS gratulierte er dem Torschützen, der seine Tore seinem Bruder Luci widmete. „Luci hatte gesagt, er wünsche sich nichts mehr als ein Tor von mir“, so Lasogga, der seine Geschwisterliebe in Nürnberg mit drei Geburtstagsgeschenken mehr als deutlich machte. Eben so, wie mit seinem beschrifteten Unterziehshirt. Den Spielball jedoch, den wird Lasogga selbst behalten. In Ehren. Sven Neuhaus war so findig, ihm die Kugel nach Schlusspfiff zu sichern und bis nach seinem Interviewmarathon im Anschluss an das Spiel seines Lebens aufzubewahren. „Es sind viele Dinge passiert, die man lange nicht vergessen wird“, sagt Lasogga und betont, dass er den Moment genießt, nicht überbewertet und vor allem seine Zukunft noch ausblenden kann. „Es klingt komisch, aber ich beschäftige mich mit dem Hier und Jetzt. Den kommenden Sommer kann ich noch komplett ausblenden.“

Wenn er weiter so trifft soll er das auch. Zumal ich mir sicher bin, dass es eh schon genügend Mannschaftskollegen gibt, die Lasogga zu seinem Verbleib in Hamburg überreden würden. So, wie Tolgay Arslan einst bei der U21-Nationalelf. „Als damals Gerüchte aufkamen, dass Hamburg Interesse hat, hat er versucht, mich vom HSV zu überzeugen. Und natürlich hat das auch eine Rolle gespielt am Ende“, so Lasogga, der sich über den Trubel um seine Person freute, aber nicht alles hochtrabend psychologisch erklären will. Auch nicht die Bezeichnung „Kabinenspieler“: „Ich dachte eigentlich immer, dass ich eher zurückhaltend bin. Aber okay. Ich glaube eher, dass ich einfach etwas bekloppt bin – fußballbekloppt.“

Zum Glück für den HSV. Denn so einer macht Spaß. Mit und ohne Tore.

In diesem Sinne, morgen ist trainingsfrei, am Mittwoch trainiert der HSV um 10 und um 15.30 Uhr. Ebenso am Donnerstag. Van Marwijk legt nach. Und auch das ist gut für den HSV.

Bis morgen.
Scholle

Aktualisiert! Sechs Kandidaten – und Cardoso bleibt wohl auch im Pokal Chef

18. September 2013

**** AKTUALISIERT (22.18 Uhr): Der HSV hat dem Vernehmen nach sechs Trainerkandidaten. Bert van Marwijk und Thomas Schaaf sind dabei, Lothar Matthäus nicht. Trotzdem: Bis mindestens und einschließlich DFB-Pokal am Dienstag gegen Greuther Fürth soll Rodolfo Cardoso Chef bleiben****.

Lothar Matthäus, Felix Magath, Stefan Effenberg – und natürlich Thomas Schaaf – der HSV lässt zumindest im nationalen Bereich keinen großen Namen aus. Vom selbstpensionierten Jupp Heynckes mal abgesehen. Aber auch große Namen sind keine Allheilmittel, wie Uli Stein einmal mehr in seinem Interview mit ran.de beweist. Dort spricht er von veralteten, zeitfressenden und Entscheidungen behindernden Gremien. So weit so gut. Allerdings spricht er davon, dass bei Entscheidungen der Verwaltungsrat befragt werden müsste, dieser wieder den Aufsichtsrat fragt und am Ende wieder der Verwaltungsrat tagt.

Und das ist bitter. Sehr bitter sogar. So viel Ahnungslosigkeit sollte Anlass genug sein, vorerst zum Thema zu schweigen und sich genauer über die Strukturen zu informieren. Denn bei aller vorhandenen Wertschätzung für die Helden von 1983 – so ein Outing ist ganz sicher keine Bewerbung für die Strukturreform mithilfe der 83er…


Aber okay, auch eine Menge Ahnung und viel guter Wille bringen manchmal nicht den erwünschten Erfolg, wie Jürgen Hunke am Dienstag bei der – vorsichtig formuliert – durchwachsenen Präsentation seines Strukturmodelles erfahren musste. Zu viel Fragen blieben unbeantwortet. Hunke spülte Wasser auf die Mühlen der konkurrierenden Initiative „HSVplus“. Und obgleich der ehemalige HSV-Präsident Jürgen Hunke ein Update und die Vervollständigung seines Modelles für die nächsten Wochen versprach, waren die meisten Saalbesucher nicht wirklich überzeugt.

Noch nicht überzeugt ist auch Oliver Kreuzer. Noch gebe es keinen klaren Favoriten auf die Fink-Nachfolge, heißt es. Und das, obwohl mein zumeist sehr gut informierter Kollege Matthias Linnenbrügger vernommen haben will, dass Kreuzer seinen Bayern-Buddy Lothar Matthäus nach Hamburg holen will. Nun muss ich gestehen, ich hätte sehr viel darauf verwettet (und verloren), dass der Axel-Springer Verlag niemals das Abendblatt verkauft. Aber Lothar Matthäus in Hamburg als Trainer des HSV? Obgleich sich meine Kollegen der Boulevardzeitungen ganz sicher freuen würden, immerhin hätten sie doch nach Sylvie, Sabia und wie sie alle heißen die nächsten Schlagzeilen mit Liebesdramen garantiert – nein. Der ehemalige Weltfußballer wäre bei aller ihm nachgesagten Fußballkompetenz hier (noch) nicht zu verkaufen. Im Gegenteil, bei einem Klub, der sich schon seit Jahren durch Nebensächlichkeiten, Eifersüchteleien der Amtsträger und sonstigem Nonsens selbst blockiert, ist jetzt Seriosität gefordert. Auch auf der Trainerposition. Da wäre ein Thomas Schaaf sicher geeigneter. Wie eigentlich fast alle Kandidaten, wie ich finde. Aber okay. Es ist noch nichts entschieden, der Aufsichtsrat hat noch keine Beschlussvorlage bekommen. Und auch das Gerücht, dass Lodda oder Thomas Schaaf schon beschlossen seien – falsch.

Seriöse Verletzungen haben sich Slobodan Rajkovic und Dennis Diekmeier zugezogen. Beide verletzten sich in Zweikampfduellen mit Kerem Demirbay, der dafür auf unserer Matz-ab-Facebookseite schon als „für den Aufsichtsrat geeignet“, „heiß auf seinen Einsatz“ und „Chuck Norris“ gefeiert wird. „Jeder will ins Team“, scherzte er noch nach dem Training, nicht ahnend, dass sich die Verletzungen wenige Stunden später als so drastisch herausstellen sollten, dass sowohl Diekmeier als auch Rajkovic für mindestens acht Wochen ausfallen. Während sich Rajkovic einen Innenbandriss zuzog, muss Diekmeier mit einem gebrochenen Kahnbein im linken Fuß zwei Monate pausieren. „Ich hatte mir den Ball etwas zu weit vorgelegt und bin auf Sven Neuhaus zugelaufen. Als ich über ihn rüberspringen wollte ist er unglücklich mit seinem Knie auf meinem Fuß gelandet. Der Schmerz war so stark, dass ich sofort wusste, dass es etwas Schlimmes ist. Aber so schlimm – einfach bitter“, sagt Diekmeier niedergeschlagen.

Für den Rechtsverteidiger, dessen Vertrag noch immer nicht verlängert wurde („Bisher hat sich niemand mehr gemeldet. Aber ich habe jetzt ja leider viel Zeit für Dinge außerhalb des normalen Fußballs“), könnte Zhi Gin Lam von links auf rechts in der Viererkette wechseln. Dann würde der wieder genesene Marcell Jansen wieder hinten links beginnen. „Das ist eine Option“, verrät Interimstrainer Rodolfo Cardoso, der aber noch eine weitere Option im Kopf hat: „Heiko Westermann hat auch schon häufiger hinten links gespielt. Er kennt die Position.“

Dennoch erscheint die Variante mit Lam und Jansen wahrscheinlicher. Zumal Cardoso besonderen Wert auf die Defensive legen will. Der einstige Offensivkünstler setzt auf raues Handwerk? „Erst einmal muss die Mannschaft sicher stehen. Wir wollen zu null spielen. Und dafür werden wir alles tun.“ Gespräche mit den Führungsspielern habe er bereits geführt, weitere sollen folgen. Herz und Leidenschaft fordert der Argentinier für das Nordderby gegen Werder Bremen am Sonnabend. Es wäre im Übrigen Diekmeiers 100. Bundesligaspiel gewesen. „Im Derby so ein Jubiläum – mehr geht eigentlich nicht“, ist Diekmeier traurig. „Aber ich werde es nachholen. Gegen einen anderen Gegner. Aber ganz sicher.“ Ziel sei die Rückrunde im Januar.

Dann also nach dem D-Day am 19. Januar. Mit einer Entscheidung über die Strukturreform und einem neuen Trainer, der bis dahin gefunden worden sein sollte. Ebenfalls möglich: Thomas Schaf. Und obwohl der langjährige Trainer vom Nordrivalen auch nicht allzu leicht zu verkaufen wäre, erscheint mir diese Lösung etwas logischer. Immerhin hat Schaaf seine Qualität nachgewiesen. Ebenso wie Marcel Koller, der mit Österreichs Nationalmannschaft vor dem entscheidenden Spiel gegen Schweden in der WM-Quali steht – vor allem aber schon zu Zeiten Hoffmanns, Beiersdorfers und Co. als einer der Wunschkandidaten galt.

Mein Wunsch für Sonnabend gegen Bremen wäre übrigens, dass der HSV wieder mit zwei Spitzen beginnt. Momentan scheint sich Lasogga in der besten Form zu präsentieren. „Er ist gut drauf, macht einen fitten Eindruck“, so Cardoso, der auch Ivo Ilicevic lobt: „Ivo ist gut drauf, macht einen super Eindruck.“ Gut möglich, dass Cardoso den Kroaten am Sonnabend aufbietet. Oder? Cardoso lachend: „Alles ist möglich.“

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird nach dem heutigen Geheimtraining nicht wie angesagt am Vormittag sondern erst um 16 Uhr an der Imtech-Arena trainiert.

Ach ja, und bevor ich es vergesse: Thomas Doll hat sich von internen Querelen, eigenen Eitelkeiten und anderen Nebensächlichkeiten aus dem Konzept bringen lassen. So wurde aus dem einst so mannschaftsnahen Teamplayer ein Kämpfer um die eigene Position. Diese andauernden Reibungen haben abgelenkt und Kraft gekostet, die er vorher immer in die Betreuung der Mannschaft stecken konnte. DAS war mit „abgelenkt“ gemeint.

Ich hoffe, der Part aus dem Vorblog ist mit dieser Erklärung verständlicher geworden. Bis morgen!

Scholle

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