Archiv für das Tag 'Neuer'

Kampf, Einheit, Teamgeist – „Das muss jedem in die Birne!“

21. September 2014

Den HSV-Profis, jedem einzelnen, ob Torwart Jaroslav Drobny oder dem nicht eingesetzten Ersatzmann Valmir Nafiu, stand heute die Entspannung ins Gesicht geschrieben. Das 0:0 gegen Bayern München „fühlte sich wie ein Sieg an“, wie Stürmer Nicolai Müller sagte. Und vor allem fühlte sich die Stimmung im Stadion so an, als ob jetzt wirklich etwas entstehen könnte. Matthias Ostrzolek beschrieb die Atmosphäre sehr beeindruckt: „Natürlich fühlt es sich gut an, wie vor allem die Fans reagiert haben. Sie haben gesehen, dass wir als Einheit agieren und jeder für den anderen Gas gibt und alles raushaut. Was nach dem Spiel passiert ist, die Reaktion vom Publikum, das war echt gut.“

Die Reaktion der Fans war der Lohn für 90 aufopferungsvolle Minuten im Hamburger Volkspark. „Das war das erste Spiel seit Ewigkeiten, seit ich beim HSV bin, dass wir als Einheit aufgetreten sind“, meinte auch Heiko Westermann. „Es muss jetzt jedem in die Birne rein, dass wir immer so auftreten müssen – und zwar auch schon beim nächsten Spiel in Mönchengladbach.“

Bevor wir aber nach vorn schauen, noch ein paar Blicke zurück – und vor allem auf den Mann, der das Ganze letztlich zu verantworten hat: Joe Zinnbauer.

Wie er nach dem Abpfiff auf jeden einzelnen Spieler zugegangen ist und ihm in die Augen geschaut hat, auf den Rücken geklopft, das war schön zu sehen. Und es hatte womöglich seinen Ursprung in den Minuten vor dem Spiel. Mittelfeldspieler Tolgay Arslan berichtete gar von „Gänsehautstimmung“ in der Kabine bei der Ansprache des neuen Coaches. Dass dies Zinnbauers Stärke sein muss, wurde schon im Vorwege von allen gesagt, die bislang mit Joe Zinnbauer zu tun hatten. Nun hat er es offenbar in der HSV-Kabine aufblitzen lassen.

Ganz locker antwortete Zinnbauer auf eine entsprechende Nachfrage in der Pressekonferenz: „Mir hat ein Freund das Video von Jürgen Klinsmann von der WM 2006 geschickt – ich habe versucht, es nachzumachen. Nein, Spaß beiseite: Jeder hat halt seine Rituale, und so habe ich auch meine Rituale. Wenn Sie mir das jetzt so sagen, kriege ich auch eine Gänsehaut.“ Was auch immer Zinnbauer genau der Mannschaft eingeimpft hat, es ist angekommen.

Von der ersten Minute an hielten die kleinen Hamburger gegen die großen Münchner dagegen. Es wurde gepresst und war offensichtlich eine Maßgabe des Trainers, den scheinbar übermächtigen Gegner nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Und weil alle HSV-Spieler dieses Defensiv-Verhalten umsetzten, konnten Helden für einen Tag geboren werden.

Als besten Mann bezeichnete Joe Zinnbauer seinen Mittelfeldspieler Valon Behrami: „Behrami war für mich der springende Punkt, weil er wirklich brutal angeschoben hat und gelaufen ist – das habe ich überhaupt noch nicht gesehen. Er hat gepusht und alle Mitspieler immer wieder aktiviert, dagegen zu halten.“ Und deswegen fiel auch die Zentrale des HSV nicht auseinander, selbst wenn die spielerische Überlegenheit der Bayern mit 67 Prozent Ballbesitz und das Chancenübergewicht mit 15:4 Torschüssen am Ende deutlich auf der Seite des Favoriten war. Aber während des Spiels hatte es sich nur phasenweise so angefühlt, als liege wirklich ein Gegentreffer in der Luft.

Behrami also stark, und in ähnlichem Maße fand ich auch Tolgay Arslan stark. Er hatte gerade zu Beginn des Spiels einige kernige Ballgewinne sowie gute Aktionen nach vorn. Ganz besonders Klasse war sein Ballgewinn an der Seitenlinie nebst anschließendem Steilpass auf Pierre Michel Lasogga, bei dem der Stürmer schließlich einem möglichen Crash mit Bayern-Torwart Manuel Neuer aus dem Weg gegangen ist und zurückzog – schade, das hätte eine Riesen-Torchance werden können.

Zur Zentrale gehörte gestern auch Heiko Westermann, der Cleber wieder ersetzte. Zu seiner Rolle und den 89 Prozent gewonnenen Zweikämpfen sagte Westermann: „Ich habe vor der Saison schon gesagt: ich werde meine Spiele machen, auch wenn ich mal draußen sitze. Wichtig ist sowieso etwas anderes, nämlich dass wir als Team und Einheit auftreten und dass wir so schnell wie möglich da unten rauskommen.“ Vereins-Chef Dietmar Beiersdorfer wurde heute auch auf Westermann angesprochen. Beiersdorfer urteilte so: „Ja, Heiko hat sehr gut gespielt. Mit vollem Einsatz hat er alles gegeben für seine Mannschaft. Aber das haben auch alle anderen. Ich habe keinen gesehen, der sich nicht reingehauen hat. Es war eine sehr gute Mannschaftsleistung.“

Das sah auch Joe Zinnbauer so, der mögliche Lorbeeren gleich weiter verteilte: „Es gibt ja verschiedene Stellschrauben. Ich habe meine angesetzt, aber die Mannschaft hat es toll gemacht. Sie hat die Lorbeeren verdient – nicht ich.“ Einmal in Fahrt, lobte Zinnbauer sein neues Team gleich überschwänglich: „Wir haben einen Punkt gewonnen, der sehr wichtig war. Man hat gesehen, dass die Mannschaft intakt ist und der eine für den anderen arbeitet. Ich habe oft auf der Tribüne gesessen in den letzten Wochen und einiges Kritisches gehört. Aber das ist alles nicht so. Die Mannschaft ist brutal intakt. Es gibt keine faulen Äpfel.“

Soweit Zinnbauers Eindruck nach vier Trainingseinheiten und einem Spiel.

Zwei Personalien standen gestern auch noch im Blickpunkt – und das werden sie in den nächsten Tagen und Wochen vielleicht auch noch bleiben. Wenn wir ganz hinten anfangen, dann ist da zunächst natürlich die Torwartfrage. Jaroslav Drobny war wieder die Nummer 1 – und wird es wohl auch bleiben. „Ein Torwart ist entweder drinnen oder draußen“, wie Dietmar Beiersdorfer treffend sagte. Drobny ist gerade drinnen, schön für ihn und offenbar auch gut für die Mannschaft.

Was er denkt, wissen wir nicht genau – Drobny spricht schon lange nicht mit den Medien. Warum, weiß ich nicht – in jedem Fall tut es seiner Leistung keinen Abbruch, und wir alle können dem HSV nur wünschen, weiter einen sicheren Rückhalt zu haben. Rene Adler hat sich völlig verständlich in den vergangenen Tagen auch nicht zu seiner „Degradierung“ ins zweite Glied geäußert. Insofern können wir es bei diesen Fakten belassen und mutmaßen, dass es für die ehemalige Nummer 1 der deutschen Nationalmannschaft alles in allem ein herber Schlag sein muss, von einem 34 Jahre alten Kollegen verdrängt zu werden – auch wenn Adler ganz sicher nicht aufstecken wird.

Zweite Personalie, die ich anschneiden möchte, ist die Stürmerfrage. Auch im Bayern-Spiel galt: Pierre Michel Lasogga wirkt noch nicht fit. Dietmar Beiersdorfer hat zurecht darauf hingewiesen, dass er für sein Spiel auch ein paar andere Situationen benötigt, als sie sich gestern im Spiel ergeben haben. Er braucht Flanken und Aktionen im Strafraum. Die gab es nicht bzw. konnte es nicht geben. Aber: fehlende Grundschnelligkeit war trotzdem zu erkennen. „Ich sehe da aber kein Problem“, so Dietmar Beiersdorfer. „Er ist gerade dabei, seinen Trainingsrückstand aufzuarbeiten. Er hat sich aber aufgeopfert und ist marschiert. Ich glaube, von ihm konnte man nicht mehr verlangen. Er hat alles gegeben.“ Lasogga muss demnach also weiter Spielpraxis sammeln – wobei sein Stellvertreter Artjoms Rudnevs, der körperlich garantiert in Top-Form ist, mit den Hufen scharren wird. Und noch einmal zurück auf die oben angesprochene Flankenaktion, in der Neuer Lasogga zuvor kam: ein Stürmer mit Selbstvertrauen und dem richtigen Biss stellt sich dem Zusammenstoß und zieht nicht zurück. Geht Lasogga richtig hin, kann es Elfmeter oder sonstwas geben – SO konnte es gar nichts geben.

Joe Zinnbauer hat dann auch in der Stunde seines ersten kleinen Triumphs in der Bundesliga den Vorgänger nicht vergessen. „Mirko Slomka hat eine Mannschaft hinterlassen, die einen Top-Fitnesszustand hat. Da muss man auch Mirko Slomka ein Kompliment machen.“ Angesetzt, das hat Zinnbauer erklärt, hat er nicht in den Muskeln, sondern im Kopf.

Und noch ein Zeichen hat Zinnbauer gesetzt. In der 87. Minute verhalf er Matti Steinmann zu dessen Debüt in der Bundesliga. Der junge Bursche kam in der heißesten Phase des Spiels – was für ein Vertrauensbeweis Zinnbauers.

Nach diesem ersten Spiel unter Joe Zinnbauer bekam Dietmar Beiersdorfer darüber hinaus noch ein paar generelle Fragen zum neuen Trainer gestellt. Vermutlich wird er sich daran gewöhnen müssen, solange er dessen Status als „Bis-auf-Weiteres“-Trainer nicht abschließend definiert. Jedenfalls sieht sich Beiersdorfer im Moment bestätigt in seinen Aussagen. „Ich sehe keinen Grund, dass wir irgendetwas ändern. Dieser Pfad ist jetzt durchaus positiv zu bewerten. Der Trainer hat es sehr gut gemacht, wir haben die Reaktion der Mannschaft gesehen. Deshalb muss man in der Kommunikation nichts ändern.“ Er freue sich jedenfalls, so Beiersdorfer, dass Mannschaft, Trainer und Club sich positiv gezeigt hätten. „Mir geht es darum, dass wir vom Fleck kommen und Resultate erzielen, die eines Fußballvereins würdig sind. Nicht mehr und nicht weniger. Wir haben Joe ins kalte Wasser geworfen – von da muss man versuchen zu schwimmen, und das hat er sehr gut gemacht.“

Großes Lob und große Anerkennung also für diesen HSV, der beim Trainerdebüt überzeugen konnte. Die Vorsicht in den Urteilen ruht auf den Erfahrungen der Vergangenheit. Drei Mal hatte Fußball-Hamburg in der Amtszeit von Mirko Slomka schon gedacht, über den Berg zu sein. Zwei Mal wurden alle hart auf den Boden der Tatsachen zurück geholt.

Zum Slomka-Einstand bezwangen die Hamburger Borussia Dortmund mit 3:0. Legendär damals der 40-Meter-Freistoß von Hakan Calhanoglu, der am Ende ins linke Eck des Dortmunder Tores abbog. Statt nachzulegen, fingen die Hamburger in der Woche darauf ein 0:1 bei Werder Bremen.

Ein paar Wochen später kämpfte die Slomka-Elf den 1. FC Nürnberg im Volkspark mit 2:1 nieder. Nahm sie diesmal den Schwung mit nach auswärts? Nein, sie tat es nicht. Der HSV verlor beim VfB Stuttgart und dem neuen Coach Huub Stevens mit 0:1. Und die Mutter aller Rückschläge folgte am 29. Und 30. Spieltag. Zunächst 2:1 gewonnen gegen Leverkusen, ein packendes Freitagabend-Spiel für sich entschieden durch einen Volleyschuss von Heiko Westermann (es war die Geburtsstunde von „HW4“) – der HSV wähnte sich sicher im Kampf um die Erste Liga. Doch eine desaströse Leistung und ein 1:2 in Hannover sorgte diesmal für die harte Landung. Von da an war das Saisonende ein einziges Siechtum, das in der wundersamen Rettung in Fürth mündete.

Mit anderen Worten: Den Rückenwind aus dem Bayern-Spiel mitnehmen, das ist nun die Devise. Ergebnis und endlich auch mal Tore liefern im Borussia-Park, das ist jetzt ganz wichtig. „Es muss jedem in die Birne, dass wir in Mönchengladbach genauso auftreten müssen wie gegen die Bayern“, sagte Heiko Westermann. Und Dietmar Beiersdorfer ergänzte: „Gestern ist vorbei. Für gestern kann man sich nichts kaufen, wenn man nicht auch in Gladbach seine Leistung bringt.“

Dass gerade die Wankelmütigkeit in den Leistungen beim HSV zu stark war, weiß Beiersdorfer ganz genau. „Wir kennen diese Problematik“, sagt er. „Deswegen wollen wir jetzt in Mönchengladbach eine ähnliche Leistung sehen. Und natürlich auch mal Resultate. Wenn man als Fußballclub keine Erfolgserlebnisse hat, dann besitzt man auch keine Grundlage, diesen Sport auszuüben.“

Zu anderen Personalien. Der Blick auf die Ersatzbank verriet gestern zusätzlich ein wenig über Joe Zinnbauer. Er hatte Matti Steinmann ja nicht nur dorthin gesetzt, sondern ihm am Ende auch zu seinem Bundesliga-Debüt verholfen. Der Ankündigung, „wenn es nicht geht, hole ich Spieler aus der U 23 hoch, da kenne ich kein Pardon“, wurde Nachdruck verliehen. Auch durch die Kader-Berücksichtigung von Valmir Nafiu, der in den Trainingseinheiten unter Zinnbauer einen sehr guten Eindruck hinterlassen hat. Gojko Kacar, in Hannover noch Ersatz, saß so gestern nur auf der Tribüne.

Die beiden Angeschlagenen Rafael van der Vaart und Ivo Ilicevic werden dem HSV auch am Mittwoch in Mönchengladbach nicht zur Verfügung stehen. Der Kroate Ilicevic sagte gestern nach der Partie obendrein, er werde wohl noch eine Woche brauchen, so dass er dann auch für die Frankfurt-Partie am kommenden Sonntag keine Alternative sein dürfte.

Keinen neuen Zwischenstand gibt es unterdessen in Sachen Peter Knäbel. Der Sportdirektor des Schweizerischen Fußballverbandes wird ja als Direktor für den Profi-Fußball beim HSV erwartet – Vollzug konnte und wollte Dietmar Beiersdorfer an diesem Tag noch nicht melden.

Gestern in der Sportschau und später im Sportstudio wurden Ausschnitte eines alten Films über Joe Zinnbauer. Sehr schöne Bilder – der damals 24 Jahre junge Spieler des KSC war im Fußballer-Leben (mit Trainer Winfried Schäfer) und bei seiner Versicherungsagentur zu sehen. Hier

könnt Ihr den kompletten kleinen Film auf Youtube anschauen.

Für morgen und zur Einstimmung auf das Abend-Spiel in Mönchengladbach hat sich Joe Zinnbauer eine ungewöhnliche Trainingszeit ausgedacht – es wird um 18 Uhr am Volkspark trainiert. Am Dienstag, nach der Vormittagseinheit, geht es dann via Düsseldorf zum Spiel.

Lars
17.45 Uhr

Valon Behrami ist der Hoffnungsträger

10. August 2014

Manuel Neuer ist Fußballer des Jahres geworden. Er hat es ganz sicher verdient. Obwohl für mich Marco Reus bislang in diesem Jahr der beste deutsche Fußballer war, aber das ist ja auch Geschmackssache. Vom HSV ist es jedenfalls keiner geworden. Wie schon so lange nicht
mehr. Weiß eigentlich jemand von Euch, welche HSV-Spieler zuletzt Deutschlands Fußballer des Jahres war? Natürlich werden es die meisten wissen: Uwe Seeler. Na klar. Er war es sogar dreimal. 1960 der erste Fußballer des Jahres, dann 1964 und 1970. Eine großartige Leistung, wobei ich das nur noch mal erwähne, weil die Jugend von heute ja oftmals gar nichts mehr mit Uwe Seeler anfangen kann. Was ich so sehr bedaure, denn dieser Mann hat Großes für den HSV, für Hamburg und für Fußball-Deutschland geschafft. Und dass es nach ihm keinen anderen Hamburger mehr gegeben hat, das spricht für sich selbst – und selbstverständlich für „uns Uwe“. Deswegen ist es eigentlich so schade, dass sich HSV-Fans so erregen, wenn sich Uwe Seeler zu seinem HSV äußert. Wenn nämlich einer so etwas sagen und machen darf, dann ist es Uwe Seeler, der steht über allen Dingen – aber ich weiß sehr wohl, dass das lange nicht mehr von allen so gesehen wird. Schade, schade, wie ich finde, aber das ist wahrscheinlich der Lauf der (Fußball-)Welt. Irgendwann wird es auch Franz Beckenbauer so ergehen, die Anzeichen dafür gibt es schon heute . . .

 

So, zum HSV. Das heißt, noch nicht so ganz. Heute war Ruhetag im Volkspark. Da es aber so ganz ohne Fußball irgendwie ein schrecklicher (Sonn-)Tag für mich ist, sah ich mir am Vormittag USC Paloma gegen Curslack-Neuengamme an, Oberliga Hamburg. Wer es wissen möchte: 3:2 für die Täubchen. Die neuerdings auf Kunstrasen spielen dürfen, es war der erste Heimsieg in einem Pflichtspiel auf dem neuen Untergrund. Komisch zu sehen, den Platz an der Brucknerstraße, der ganz früher schwarz und dann rot war – Grand natürlich. Einiges davon habe ich heute noch im Oberschenkel . . . Warum ich dieses Spiel überhaupt erwähne? Ich stand da so in der Nähe der Eckfahne und dachte bei mir: „Das müssten die HSVer mal sehen. Die Spieler, der Trainer, die Verantwortlichen.“ Wieso? Weil sich alle Spieler, die da auf dem Platz standen, die Lunge aus dem Leib liefen. Und Paloma, in Halbzeit eins lange Zeit klar unterlegen, ging im zweiten Durchgang auf alles und jeden, was sich mit dem Ball bewegte. Und zwar egal wo. Heißa, da wurde attackiert – und alle Spieler, ganz wichtig (!), machten auch mit. Bis zur 95. Minute. Da wurden die Curslacker schon am eigenen Strafraum attackiert. Dafür muss man erstens laufen können, und zweitens muss man den Willen dazu haben, man muss drittens die Unterstützung des ganzen Teams haben und man muss viertens dazu körperlich in der Lage sein, ein solches Spiel bis zum Ende durchzuziehen. Paloma hatte alles. Kompliment. Und wenn ein Gegner so früh gestört und attackiert und am Aufbau gehindert wird, dann hat der es natürlich schwer oder schwerer, sein Spiel aufzuziehen.

 

Auf der einen Seite kann man aber auch natürlich abwarten, wie der Gegner sich entwickelt, zusehen, wie er sein Spiel aufbaut. Das ist natürlich alles reine Ansichts- oder Geschmackssache des jeweiligen Trainers. Wenn der auf die spielerischen Fähigkeiten seiner Mannschaft vertraut, dann ist es eben besser, auf diese Art sein Spiel zu entwickeln und es dann bis zum Ende auch so durchzuziehen.

 

So, sorry, musste ich mal loswerden. Nun aber wirklich HSV. Noch immer ist ja in der Schwebe, ob der Augsburger Linksverteidiger Matthias Ostrzolek zum HSV kommen wird. Obwohl ich, nach all dem, was ich so vernommen habe, davon überzeugt bin, dass das nun klappen wird, ich denke sogar, recht schnell. Und nach der Verletzung von Gojko Kacar ist auch immer noch – oder wieder – von einem neuen Innenverteidiger die Rede. Philipp Wollscheid von Bayer Leverkusen ist der heißeste Kandidat. Der notorisch klamme HSV würde ein Leihgeschäft favorisieren, Wollscheid möchte das aber nicht ganz so gerne. „Ein Ausleih-Geschäft wäre eine komische Situation, die ich so noch nicht kenne. Es ist auch keine Situation, die ich anstrebe“, hat der frühere Nürnberger den Kollegen der „Rheinischen Post“ verraten. Und weiter gesagt: „Ob es besser ist, in der Champions League auf der Bank zu sitzen oder woanders zu spielen, muss jeder individuell beurteilen. Ich weiß nur, dass die Bank mir nicht gefällt.“

 

Ist schon klar. Wem gefällt sie schon, diese Bank? Es sei denn, man ist 18 Jahre und sitzt dort als hoffnungsvolles Talent, um so irgendwann und in naher Zukunft in die Mannschaft zu kommen. So oder so ähnlich muss ja auch Jonathan Tah ergangen sein – und demnächst wohl auch wieder. Wobei ich hoffe, dass dieses Talent nicht allzu lange auf der Bank wird schmoren müssen. Tah steigt an diesem Montag wieder ins Mannschaftstraining ein, und dann drücke ich ihm die Daumen, dass er schnell wieder den Anschluss an die Kollegen schafft – und dass er bald oder zügig den Trainer davon überzeugen kann, dass er eines der größten deutschen Talente ist. Wäre doch schade, wenn einer wie Tah auf der Bank schmoren müsste, um danach ganz in der Versenkung zu verschwinden. Obwohl, es würde auch irgendwie nach Hamburg passen . . . Es wäre auf jeden Fall kein Einzelfall.

 

Im Moment hat der HSV ohnehin nur zwei Innenverteidiger, die fit und einsatzbereit wären: Johan Djourou, jetzt Vize-Kapitän, und Heiko Westermann. Letzterer, das muss ich noch mal erwähnen, wurde in Lübeck freudig von den HSV-Fans begrüßt (und ich denke, dass das auch tatsächlich ernst gemeint war), und er erhielt mehrfach Sonderbeifall für gelungene Aktionen und für seinen Kampfgeist. Diejenigen, die in Lübeck beim Lazio-Spiel dabei waren, werden wissen, wovon ich schreibe. Es ist nicht übertrieben. Dass Westermann beim Trainer so ins Abseits geraten ist, kann ich mir nur mit der einen Szene erklären, die, zugegeben, immer noch nachhaltige Wirkung zeigt (auch bei mir): 18. Mai in Fürth, Relegationsspiel zwischen Greuther Fürth und dem HSV. Es steht 1:1, der HSV wäre gerettet. Und dann kommt die 88. Minute und damit die Szene von Heiko Westermann. Er legte, warum auch immer, es muss ein totaler Blackout gewesen sein, die Kugel in die Mitte des Strafraums. Das 2:1 für den Zweitliga-Club schien unvermeidbar, doch dann das Wunder. Der Fürther Azemi nutzte dieses Geschenk nicht, er schoss sich, weil er ob dieser „Vorlage“ von Westermann wohl völlig perplex war, mit dem rechten Fuß an das linke Bein – Chance vertan. Es war eigentlich eine Hundertprozentige. Und diesen Fauxpas, eigentlich war es mehr als das, hat dem guten Heiko Westermann, HW4, der Herr Slomka offenbar bis heute nicht so richtig verziehen. Nur so kann ich mir erklären, dass der ehemalige Schalker Slomka den ehemaligen Schalker Westermann – fast wollte ich schreiben eiskalt – auf das Abstellgleis geschoben hat. Und wenn Westermann nun doch zum Einsatz kommen sollte, dann liegt es nur an ihm, seinen Trainer wieder zu überzeugen, damit neues Vertrauen aufgebaut wird. Ob das gelingen wird? Das steht in den Sternen. Aber im Moment herrscht eben Ebbe in der Innenverteidigung, deswegen ist HW4 zurzeit wieder erste Wahl.

 

Anderes Thema. Mitten hinein in die Spekulationen um einen eventuellen Verkauf von Rafael van der Vaart platzte Trainer Slomka mit seiner Kapitänsentscheidung: Der Niederländer soll wieder der Chef auf dem Platz sein. „Diese Entscheidung wird ihn stärken“, sagt HSV-Chef Dietmar Beiersdorfer und meinte damit, dass Rafael van der Vaart damit gestärkt wird. „Ich habe den Eindruck, dass Rafael wieder richtig attackieren und dabei helfen möchte, den HSV in einem besseren Licht dastehen zu lassen“, sagte Slomka der „Bild am Sonntag“. Folglich müsste ein Transfer zu seinem Heimatverein Ajax Amsterdam, der ihn liebend gern zurück hätte, oder zu Queens Park Rangers in die englische Premier League, vom Tisch sein.

 

Ich habe, das muss ich gestehen, nichts gegen van der Vaart, im Gegenteil, ich sehe, dass er eine gute Vorbereitung macht, und ich sehe in ihm immer noch den besten Fußballer des HSV. Ganz klar. Und wenn er fit ist, danach scheint es nun auszusehen, dann wird er auch seine Leistungen wieder bringen. Als Kapitän aber, das muss ich schon noch loswerden, ist er mir zu leise. Er gibt kaum Anweisungen, er reißt viel zu selten mit (wenn überhaupt einmal), er muntert nicht auf, der rüffelt niemanden nach Fehler a la Westermann. Van der Vaart spielt sein Spiel, aber verbalen Einfluss auf die Kollegen nimmt er so gut wie nicht. Übrigens geschieht das auch von den Mitspielern nicht. Beim HSV ist es viel zu leise auf dem Platz – immer noch, immer wieder. Das ist ein ganz großes Manko. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt, dabei wäre es sehr wohl angebracht, dass mal einer auf dem Platz für Ordnung sorgt. Macht aber keiner. Nicht mal der Kapitän.

 

Mit dieser Thematik habe ich Dietmar Beiersdorfer konfrontiert. Und der Boss sagte zurückhaltend: „Das will ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht öffentlich beurteilen. Ich habe immer gesagt, dass ich erst ein paar Tage – mit Busfahrt, wie Thomas Doll immer gesagt hat – da bin. Ich denke, man muss jetzt das Gespür aufnehmen und sehen, wie sich der Organismus in der Mannschaft entwickelt. Es ist ja kein Status, sondern ein Prozess, und den Prozess wollen wir natürlich versuchen fortzusetzen, und zwar in die richtige Richtung. Da wird mit der Mannschaft gearbeitet, und da wird der eine oder andere Input auch von außen gesetzt. Es ist relativ offensichtlich, dass man immer wieder bemüht ist, frisches Blut in die Mannschaft zu bringen. Man muss sich natürlich auf einem Weg versammeln, das versuchen wir, indem wir unseren Spielern Vertrauen geben, und auf der anderen Seite sagen wir auch, was geht oder was nicht geht. Das ist ja unsere Verantwortung.“

 

Es wird, so mein Empfinden, also auch intern angesprochen werden, dieses Thema. Früher oder später jedenfalls. Im Moment gibt es ja auch einige Baustellen, die dringender bearbeitet werden müssen.

 

Zum Glück, das kann man jetzt schon behaupten, hat sich die Verpflichtung von Valon Behrami schon positiv auf den HSV ausgewirkt, denn der Schweizer ist nach seinem guten Spiel gegen Lazio, nach seiner starken Vorstellung an der Lohmühle, sofort ein großer Hoffnungsträger des HSV geworden. Eine Art Strohhalm, an den sich nun einige klammern könnten – oder sollten. Behrami spielt einen Super-Sechser, legt eine großartige Mentalität an den Tag – und spielt – ganz nebenbei – auch noch einen guten Ball. Da kommt schon Freude auf. Um es mal so zu formulieren: Zehn Behramis (und dazu Rene Adler im Tor) gegen Lazio Rom, und der HSV wäre als Gewinner vom Rasen gegangen. Hoffentlich nehmen sich die Kollegen daran ein Beispiel, wie man eben auch Fußball spielen kann.

 

Wobei ich bei Milan Badelj bin. Der kommt, so hat es den Anschein, noch nicht so richtig in Fahrt. Insider vermuten, dass die bisherige Vorbereitung zu hart für ihn war. Ich vermag das nicht zu beurteilen, zumal ich nicht mit im österreichischen Trainingslager war, aber es könnte etwas dran sein. Erst der Abstecher zu WM, dann die für den HSV restlos ungewohnte harte oder härteste Vorbereitung, das schlägt nicht nur auf die Waden, sondern auch ein wenig auf das Gemüt. Hoffen wir mal, dass sich Badelj daran gewöhnen wird, und dass er letztlich sogar davon profitieren wird. Wäre ja bestimmt auch für den HSV von Vorteil.

 

Und noch ein kurzes Wort zu Petr Jiracek. Der Tscheche macht mir – nach seinen 45 Minuten gegen Lazio – durchaus wieder Hoffnung. „Jira“ beißt, er will, er ist irgendwie spritziger, einsatzfreudiger, „giftiger“ und unternehmungslustiger geworden. Auch wenn er bislang nur auf der von ihn wenig geliebten Links-Verteidiger-Position zum Einsatz kommt. Ich hoffe in dieserSaison auf seinen Durchbruch, bei der EM 2012 in Polen hat er doch bewiesen, dass er es könnte. Und wie schön wäre es, wenn bei ihm jetzt endlich der Knoten platzen würde – es wäre für den HSV ja nur ein weiterer „Neuzugang“. Vielleicht sollte man sich mal beim HSV mit Petr Jiracek etwas intensiver beschäftigen, ihm Mut zusprechen, ihm Vertrauen schenken – es könnte zum Vorteil des Clubs werden.

 

So, dann gibt es noch ein paar interessante Ergebnisse von Testspielen – immerhin eine Woche vor der DFB-Pokalrunde. Und dann ja auch eine Woche später der Bundesliga-Start. Es dauert nicht mehr so lange:

 

Der 1. FC Köln verliert gegen den FC Granada 0:1 (0:0), der SC Paderborn, sieh an, sieh an, gewinnt gegen den FC Everton 3:1 (1:1), Hannover 96 bezwingt Lazio Rom 3:1, und der FC Liverpool fertigt Borussia Dortmund mit 4:0 (2:0) ab. Letztere Partie ist für mich ein Hammer, und ich frage mich, warum ich bei diesem Resultat immer und immer wieder an Jose Mourinho denken muss? Hatte sich der Portugiese nicht gerade in den letzten Tagen nicht unbedingt nett über die Bundesliga geäußert – im Vergleich zu England? Und irgendwie scheint er ja auch gar nicht so falsch zu liegen . . .

 

Und noch ein besonderes Resultat: Die Zweite des HSV setzte ihre Erfolgsserie in der Regionalliga Nord fort, denn auch in Oldenburg wurde gewonnen. 2:0 hieß es am Ende, der HSV ist mit neun Punkten nach drei Spielen ungeschlagener Tabellenführer, hat 9:0 Tore auf dem Konto. Die harte und intensive Arbeit von Trainer Josef Zinnbauer, der von allen nur gelobt wird, scheint sich schon jetzt auszuzahlen.

Zudem erfreulich: Die A-Jugend des HSV gewann zum Auftakt der Bundesliga Nord 2:0 bei Dynamo Dresden. Glückwunsch!

Am Montag wird um 16 Uhr an der Arena trainiert.

 

17.03 Uhr

Vor dem Spiel gegen Vitesse

10. Januar 2014

Kleine Ergänzung gleich zu Beginn:
“Scholle” hat mir diesen Link geschickt, da soll es möglich sein, HSV gegen Vitesse zu sehen.Ich hoffe mit Euch . . .

http://www.youtube.com/user/bundesliga

Nun hat es auch noch Jonathan Tah erwischt. Der Innenverteidiger des HSV hat sich eine Grippe „zugelegt“ und fällt für das heutige Testspiel gegen Vitesse Arnheim – auch noch – aus. Das kann ja heiter werden. Mit einer neuen Innenverteidigung, die aus Michael Mancienne und Lasse Sobiech bestehen könnte. Irgendwann könnte dann auch erstmalig wieder Slobodan Rajkovic eingewechselt werden, was gar nicht so verkehrt wäre, denn der Serbe könnte somit wieder einmal ein wenig Eigenwerbung betreiben. Der kantige Abwehrspieler soll ja den HSV bereits seit längerer Zeit verlassen, was allerdings nicht klappte, und zuletzt hinderte eine Verletzung daran, sich in die Wunschliste eines Vereins zu spielen. Nun aber könnte es noch klappen, und irgendwie soll Hertha BSC Interesse haben. Wäre ja schön, wenn der HSV noch einmal einen Spielern von der Gehaltsliste bekommen würde . . .

Wegen der Finanzen. Ich habe gestern und heute jede Menge Gespräche führen dürfen, in denen es nur um einen Mann ging: Artjoms Rudnevs. Drei HSV-„Altmeister“ teilten mir per Telefon ihr Entsetzen und Enttäuschung darüber mit, dass der Lette zu Hannover 96 gehen durfte – oder musste. Ich konnte alle „beruhigen“, erzählte ihnen, dass der HSV nicht „total bekloppt“ ist, sondern nur dem Gesetz der Finanzen gehorchen müsse. Was verkauft werden muss, das muss nun einmal verkauft oder verscherbelt werden. Denn der HSV hat, ich kann es nur immer wieder sagen, kein Geld mehr. Auch wenn es in diesem HSV ja noch immer Leute geben soll, die öffentlich verkünden, dass sie es nicht mehr hören können, dass der HSV, ihr HSV, „klamm“ sei. Aber ich gebe die Hoffnung noch nicht auf, auch jene Geister werden es eines fernen Tages noch begreifen (lernen).

Dass Bert van Marwijk nun einen Ersatz für Rudnevs haben will, es auch via Hamburger Zeitungen lanciert, ist sein gutes Recht, aber der Trainer selbst hat ja gesagt, dass er den HSV jetzt jeden Tag besser kennenlernt, bis zu den Finanzen ist es vielleicht jetzt nicht mehr ganz so weit, sodass er dann besser Bescheid weiß. Sollte, und da drücke ich dem Niederländer fest die Daumen, jetzt doch – und wider Erwarten – der eine oder andere Spieler noch veräußert werden können, so ist vielleicht ein neuer Stürmer nicht unmöglich. Ich denke da aber eher an einen Mann aus Liga zwei oder drei . . . Die sollen ja noch relativ billig zu haben sein. Allerdings, bei der Vergangenheit des HSV, ist zu befürchten, dass auch für solche Männer aus unteren Ligen in Hamburg ganz gerne mal einige Millionen hingeblättert werden. Schon aus traditionellen Gründen heraus. Schließlich hat der HSV da einen (guten?) Ruf zu verteidigen.

Ich wurde übrigens oft gefragt (auch von HSV-Fans, nicht nur von „Altmeistern“), wieso Rudnevs letztlich beim HSV gescheitert ist? Ich weiß auch keine Einzelheiten, ich reime mir das aber so zusammen: Als Sportchef Frank Arnesen seinen Job beim HSV antrat, wollte er schon Rudnevs mitbringen – oder holen. Das klappte aus finanziellen Gründen erst einmal nicht, als dann Thorsten Fink HSV-Trainer wurde, hätte es klappen können, aber der Coach, so hieß es damals, war nicht so begeistert von den Qualitäten des lettischen Torjägers. Mit anderen Worten, er wollte nicht so recht. Als Rudnevs dann da war und seine technischen Qualitäten im Training unter Beweis stellte, fühlte sich Fink erst einmal bestätigt. Er ließ mehrfach in der Woche Einzeltraining (vornehmlich Fußballtennis) mit Rudnevs durchführen – und Artjoms Rudnevs „kam“. Ganz groß heraus. Er legte zu, er kämpfte, er biss, er schoss Tore – alle hatten Rudnevs plötzlich ganz lieb.

Dann aber ging Arnesen, oder besser, er musste gehen, und plötzlich fehlte der Fürsprecher. Rudnevs geriet auf die Ersatzbank und mehr und mehr auch ins Abseits. Was ich als wirklich schade empfand, das sage ich ehrlich, denn auch ich lag ja zunächst voll auf der Finkschen Linie (und habe dafür mächtig auf die Mütze bekommen!). Auch ich war vom Können des Lettens nicht überzeugt. Aber er kam dann ja doch noch, was ich nie so erwartet hatte. Man kann sich ja mal täuschen. Als aber Arnesen weg war, trat automatisch wieder der ursprüngliche Zustand wieder ein – als Bank oder ganz draußen. Und so verlor Rudnevs den Anschluss und die Form – weg war er. Oder: weg ist er. Und einer der HSV-„Altmeister“ hat jetzt schon mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen prophezeit: „Da kannst du doch die Uhr danach stellen, dass der im nächsten Spiel von Hannover 96 gegen den HSV den Ball im Hamburger Tor unterbringen wird – mindestens einmal . . .“ Ich habe nicht dagegen gehalten.

Heute von 18.30 Uhr an, gegen Vitesse Arnheim, wird nun schon mal der Ernstfall geprobt: Der HSV ohne Pierre-Michel Lasogga – und ohne Stürmer. Bert van Marwijk wird wohl mit einem 4:2:4 beginnen. Rechts Maximilian Beister, links Jacques Zoua, in der Mitte Rafael van der Vaart und Hakan Calhanoglu. Spanisch also kommt der HSV dem niederländischen (Überraschungs-)Tabellenzweiten – der punktgleich mit dem Spitzenreiter Ajax Amsterdam ist.

So, nachher werde ich mich nach dem Spiel noch einmal melden.
Zum Thema Rudnevs stellte heute die Agentur SID noch folgenden Text frei:

Nach Rudnevs-Abgang: HSV-Trainer van Marwijk fordert neuen Stürmer

Abu Dhabi/Hamburg, 10. Januar (SID) – Trainer Bert van Marwijk (61) vom Fußball-Bundesligisten Hamburger SV fordert nach dem Abgang von Artjoms Rudnevs zum Ligakonkurrenten Hannover 96 einen neuen Stürmer. „Ich gehe davon aus, dass wir einen neuen Spieler bekommen. Wenn du zwei Stürmer hast und einer geht, ist das zu wenig“, sagte der frühere niederländische Bondscoach im Trainingslager in Abu Dhabi Hamburger Medien: „Man kann sagen, dass ein neuer Spieler die Bedingung von mir dafür war, dass wir Rudnevs gehen lassen.“
Die klammen Hanseaten leihen Rudnevs für eine kolportierte Leihgebühr von rund einer halben Million Euro bis zum Sommer an die 96er aus, anschließend sollen die Niedersachsen eine Kaufoption für den lettischen Nationalspieler besitzen. In der Bundesliga-Hinrunde war der 25-Jährige lediglich auf 180 Minuten Einsatzzeit gekommen.

Dann gab es bei den Agentur-Meldungen noch dieses Fundstück, das mich ein wenig inspirierte:

Nicht uneingeschränkt zufrieden ist Herbert Fandel, Vorsitzender des Schiedsrichter-Ausschusses beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), mit den Referees der drei Profiligen im bisherigen Verlauf der Saison. „Es gab viele Leistungen, Leitungen und Entwicklungen, die sehr positiv waren. Aber insgesamt können wir nicht zufrieden sein“, sagte der 49-Jährige bei DFB.de.

Grund zur Kritik gibt es aus Sicht von Fandel, „weil es einige ungewöhnliche und selten zu sehenden Einzelfehler gab, die in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit gerieten. Allerdings bieten diese Fehler wenige Möglichkeiten zur Lehrarbeit, und ich bin mir sicher, dass sie auch nichts mit der grundsätzlich hohen Qualität unserer Schiedsrichter zu tun haben.“

Zur den spektakulären Fehlentscheidungen gehörte das „Phantomtor“ von Stefan Kießling beim Gastspiel von Bayer Leverkusen bei 1899 Hoffenheim (2:1). „An meiner großen Wertschätzung hat sich nichts geändert: Felix Brych gehört für mich zu den weltbesten Schiedsrichtern“, betonte Fandel, der zugleich eine positiven Aspekt hervorhob: „Wenn es sich um klare und eindeutige Fehler handelt, muss ein Spitzenschiedsrichter zu seinem Fehler stehen und sich zu ihm zu bekennen. Das wurde in der Hinrunde in vorbildlicher Weise gemacht.“ Dieses Verhalten trage im Übrigen sehr zur Akzeptanz und Autorität der Schiedsrichter bei.

Kritik übte Fandel an der Art der Kommunikation der Trainer mit dem Vierten Offiziellen, aber auch den Schiedsrichtern. „Dadurch, dass einzelne Entscheidungen medial sehr stark in den Mittelpunkt gerieten, haben einzelne Trainer, Manager und auch Spieler die Möglichkeit genutzt, von eigenen Fehlern abzulenken und die Schiedsrichter auch öffentlich zu attackieren. Diese Entwicklung sehe ich mit Sorge“, so der Schiedsrichter-Chef.

Bei den jüngsten Entwicklungen zeigte sich Fandel, der das Interview zusammen mit Hellmut Krug, dem Schiedsrichter-Experten der Deutschen Fußball Liga (DFL), und DFB-Schiedsrichter-Abteilungsleiter Lutz Michael Fröhlich führte, irritiert von der Einführung des Freistoß-Sprays bei der Klub-WM Ende Dezember. Er könne den Sinn nicht erkennen und sehe aus unserer fachlichen Sicht keine Notwendigkeit, dies in Deutschland einzusetzen. Es existiere kein Problem mit der Mauerstellung. Ein starker Schiedsrichter würde die korrekte Stellung der Mauer immer mit seiner Persönlichkeit durchsetzen können.

Insgesamt machten die drei ehemaligen Bundesliga-Referees jedoch auch vielversprechende Trends aus. Positiv sah Fröhlich die Auslegung der neuen Abseitsregel, mit der es kaum Probleme gab. „Die Auslegung gelang ganz überwiegend mit Augenmaß, auch durch die Aufarbeitung der Spielsituationen über das wöchentliche Videoportal und über die Stützpunkte“, äußerte er.

Krug freute es besonders, „dass sich einige junge Schiedsrichter in erfreulicher Weise entwickelt haben. Diesen Schiedsrichtern fehlt es, wie kaum anders zu erwarten, noch an der notwendigen Stabilität“. Und Fröhlich sieht insgesamt „unseren ’Nachwuchs’ sehr positiv“.

So, wie geschrieben, dieser Beitrag inspirierte mich. Nicht wegen der Fehler, die es gab, sondern wegen des Freistoß-Sprays. Ein starker Schiedsrichter, so hieß es da, würde die korrekte Stellung der Mauer immer mit seiner Persönlichkeit durchsetzen können. Dazu möchte ich feststellen:
Können, ja, aber will er es auch immer? Genau da habe ich meine großen Zweifel. Letzte Minute in einem Bundesliga-Spiel, es kocht in einem Stadion, 2:2 – und dann Freistoß gegen die Heimmannschaft. Der Ball liegt, die Mauer dribbelt wie üblich nach vorne. Gelegentlich schreitet der Schiedsrichter ein, aber lange, lange nicht immer. Und das wird oft genug so beobachtet und gesehen. Und es wurde bislang auch oft genug gesehen, dass es nicht immer moniert und auch korrigiert wurde. Weil es sonst noch viel, viel mehr in diesem Stadion kochen würde . . . Deswegen wäre ich schon für das Spray, denn dann können es alle sehen, wo die Mauer tatsächlich stehen sollte . . .

Ganz zum Schluss, auch das muss ich noch einmal loswerden:
Münchens Manuel Neuer ist Welttorhüter 2013. Ob jetzt auch jene Bayern-Fans jubeln, die ihn einst über Wochen und Monaten (vor seiner Verpflichtung) zum Teufel wünschten? Und ob diese Bayern-Fans ihn auch jetzt immer noch weghaben wollen?
Das habe ich mich schon gefragt, als ich diese (gute) Nachricht vernahm. Und an Heiko Westermann gedacht, den der eigene (HSV-)Anhang ja auch einst bei jeder Ballberührung im eigenen Stadion auspfiff. Aber da gibt es ja vielleicht auch demnächst eine Kehrtwendung, wenn ein jeder HSV-Fan mal in seinem stillen Kämmerlein rückwirkend betrachtet hat, wie sehr Westermann in den letzten Spielen, die sämtlich schwach waren, gefehlt hat . . .

Und jetzt wirklich ganz, ganz zum Schluss:

Am 30. Dezember 2013 schon schrieb Lars Pegelow bei „Matz ab“ von den fast 100 Millionen Euro „Miesen“ des HSV. Ist nachzulesen. Weit vor allen Hamburger Zeitungen hatten wir es – aber ein Sturm der Entrüstung setzte sich erst in Bewegung, als es in dieser Woche in den hiesigen Gazetten zu lesen war. Schade. Aber wir werden daran arbeiten, dass das noch besser wird.

So, nun wirklich Ende der Durchsage, bis nachher, dann melde ich mich nach dem Schlusspfiff in Abu Dhabi.

15.08 Uhr

Adlers Appell für Neuer: “Er hat keine Häme verdient”

28. März 2013

Es war nicht viel drin. Der eine oder andere Nationalspieler war noch sichtlich müde, andere wurden geschont. Nicht so René Adler. Der Torhüter wirkte ausgeruht – wobei das ja fast logisch ist, immerhin musste er auch nicht spielen. Dennoch wirkte Adler verändert – im positiven Sinn. „Die Zeit bei der Nationalelf genieße ich jedes Mal“, so der Keeper, der sich binnen kürzester Zeit sensationell zur Nummer zwei hochgearbeitet hat – und von nicht wenigen schon für die eigentliche Nummer eins gehalten wird. Eine Diskussion, die Adler freut. Immerhin ehrt es ihn für seine hervorragenden Leistungen beim HSV. Dennoch ist der HSV-Keeper auch in dem Moment der Freude ein astreiner Sportsmann. Den verhängnisvollen Patzer von seinem direkten Konkurrenten in der Nationalelf jedenfalls hat ihn nicht gefreut. Im Gegenteil, insbesondere die unfairen Reaktionen des Nürnberger Publikums, das folgend fast jeden Ballkontakt Neuers hämisch bejubelte, missfiel Adler, der für seinen Konkurrenten in die Bresche spring: „Wir haben gegen Kasachstan ein gutes Spiel gemacht. Die haben verteidigt wie beim Handball. Da friert man als Torwart schon mal ein. Zumal so ein Fehler immer mal passieren kann. Ich empfinde absolut gar keine Schadenfreude, zumal ich weiß, wie schnell ich in einer solchen Situation sein kann. Aber entscheidend ist für mich: Wir spielen beide in einer Mannschaft. Und eigentlich zähle ich immer das heimische Publikum dazu.“

Dass er insgeheim hofft, bei der WM 2014 als Nummer eins im Tor zu stehen – selbstverständlich für Adler. „Ich bin aber auch realistisch und kenne meine Rolle. Manu und ich pushen uns im Training und haben als Sportler klare Ziele. Dadurch geben wir beide Vollgas und profitieren voneinander, weil uns jede Einheit weiterbringt.“ Wenn er sein Ziel also erreicht, in Brasilien als Nummer eins aufzulaufen, dann wolle er das ohne Schadenfreude und mit sportlich fairen Mitteln. Ausschließlich.

Und das ist gut so. Zumal ich glaube, dass Adler eine gute Chance hat. Ob es für ihn ein besonderes Duelle in München sei, weil er als Nummer zwei im DFB-Kasten gegen die amtierende Nummer eins spielt? „Ich freue mich, darauf, nach der Pause wieder zu spielen, daraus ziehe ich meine Motivation. Ob es nun Nummer eins gegen Nummer zwei ist oder peng – das interessiert mich nicht, das motiviert mich nicht zusätzlich.“ Er sei auch so heiß genug.

Dennoch, um noch mal kurz auf die Pfiffe gegen Neuer einzugehen: ich finde, das ist eine Unart. Wobei Adler einen wichtigen Satz hatte, der mich aufhorchen ließ: „Wenn man Neuer sieht und was er für Deutschlands Nationalmannschaft in den letzten Jahren für großartige Leistungen abgeliefert hat, dann kann kein normaler Fan so reagieren.“ Und das stimmt. Das Gleiche hatten wir in Hamburg mit Heiko Westermann, der trotz vorbildlichen Einsatzes eine Zeitlang bitter vom Publikum für jeden Fehler abgestraft wurde. Diese Häme haben im Stadion nichts zu suchen. Da kommt man sich ja fast so vor, als sei man eine Zirkusattraktion, und man müsse immer aufs Neue einfach nur abliefern. Und den Leuten gefällt’s mal mehr, mal weniger. “ Womit Adler nicht ganz Unrecht hat. „Wir haben die Messlatte selbst sehr hoch gehängt“, sagt der Keeper – und meint damit wieder nicht den HSV sondern die Nationalelf, „trotzdem spielen wir für Deutschland und geben alles. Da sollte man statt Häme Unterstützung erwarten dürfen.“ Recht hat er.

Und vor allem hat er es auch gar nicht nötig, auf Neuers Patzer zu hoffen oder sich gar darüber zu freuen. Adler hat allemal das Potenzial, sportlich unverzichtbar für Löw zu werden. Das erging Neuer einst andersrum, als er den verletzten Adler ersetzte, sich dessen Nummer eins sicherte und sich seither als einer der besten Torhüter der Welt präsentierte. Daher, so gern ich Adler wieder als Nummer eins im DFB-Tor sehen würde, ich fühle mich als Fan der Deutschen Nationalmannschaft von Neuer auf der Torwartposition hervorragend vertreten. Meine Unterstützung hat. Genauso wie Adler, der vielleicht einfach nur ein wenig warten muss.

Bedingungslose Unterstützung wird der HSV am Sonnabendabend auch von Seiten der Dortmunder Fans haben. Die müssen gegen Stuttgart vorlegen und punkten – ansonsten könnte der FC Bayern gegen den HSV den Meistertitel perfekt machen. Das war unter der Woche Thema – und ist es für Adler nicht. „Ich schaue doch nicht darauf, ob die Meister werden können oder nicht. Ich konzentriere mich in dem Moment, in dem ich auf den Platz gehe, nur auf das eine Spiel. Und das will ich gewinnen. Auch in München.“ Wie das gelingen kann? „Auf jeden fall nur, wenn alle Spieler von uns ihr Optimum abrufen können. Sollten die Bayern das im selben Moment auch können, hätten sie individuell ganz sicher immer noch mehr Qualität.“ Allerdings, was sich geschrieben wieder etwas kleinlaut liest, meint Adler anders. Adler will nicht die Münchner Übermacht hervorheben, sondern realistisch die Situation einschätzen – ohne den Glauben an einen Sieg oder einfachen Punktgewinn aufzugeben. „Es ist nicht unser Ziel, nur gut zu spielen oder ein Unentschieden mitzunehmen. Nein, wir wollen da gewinnen. Aber dafür muss allen klar sein, dass jedes Tausendstel Prozent weniger das Vorhaben scheitern lassen würde. Deshalb betone ich das.“

Und auch hier gilt für mich: Gut so.

Manchmal fragt man sich bei Adler, ob er eine Rolle spielt oder wirklich so ist. Immerhin habe ich in seiner Zeit beim HSV bislang noch keinen Kommentar gehört, der sein Ziel verfehlte oder unüberlegt war. Und das, obwohl Adler durchaus deutlich seine Meinung vertritt. Auch in Sachen Zielsetzung hatte er es Rafael van der Vaart gleichgetan und die Europa League als Ziel ausgerufen, obwohl Trainer Thorsten Fink das nicht allzu gern hört. „Es ist noch immer unser Ziel“, sagt Adler und fügt hinzu: „Aber die Leute, insbesondere die Presse, darf unsere Zielsetzung, unseren Willen nicht gleich mit einem versprechen gleichsetzen. Aber es ist für uns als Mannschaft einfach gut, ein Ziel zu haben.“ Und das haben sie. Zuerst in München punkten und in der Endabrechnung auf einem internationalen Startplatz landen. Wenn man ein Ziel hat, darf man nicht zu feige sein, es auszusprechen. So oder so ähnlich hat es ein berühmter Fußballer kürzlich sehr trefflich formuliert.

Treffend die Startelf vorhersagen kann ich noch nicht – ich kann nur spekulieren. Im Training heute, das fast eine Stunde im Kabinentrakt stattfand, war logischerweise noch nichts zu erkennen. Aber das soll sich morgen ändern. Bis dahin will sich Fink einen Überblick verschafft haben, wer wie fit ist und spielen kann. Und das Ergebnis wird es im nicht öffentlichen Training am Freitag geben. „Da wird man sehen können, wie wir spielen“, so Fink. Und davon wird Euch Dieter sicher morgen nach dem Abschlusstraining mehr berichten können.

Apropos Dieter: Der arme wird jetzt knapp zwei Wochen am Stück durcharbeiten müssen, weil ich kommende Woche für fünf Tage weg bin. Meine bis dahin letzte Amtshandlung wird die „Matz ab live“-Sendung am Sonnabend im Block House Eidelstedt sein. Dort werden sich hoffentlich wieder zahlreich Blogger einfinden und mit uns zusammen den Coup in Bayern verfolgen. Und dort wird – passend zum heutigen Torwart-Blog – Sven Neuhaus nebst Andreas Fischer zu Gast sein. Ich freue mich darauf.

In diesem Sine, bis Sonnabend!

Scholle

P.S.: Auf www.hsv.de steht ein nettes Interview mit dem Ex-HSVer Jerome Boateng. Nur so als Tipp…

Wieso lässt Veh solchen Fußball spielen?

4. Februar 2013

Fix was los im Postfach. Da rappelt es im Karton. Ich bin begeistert. Zuschriften, Mails, Telefonate ohne Ende – herrlich. Fußball-Hamburg diskutiert über Levin Öztunali und die Folgen eines Wechsels. Und alles so unglaublich sachlich, das hätte ich nie für möglich gehalten. Traumhaft. Und so respektvoll – in Richtung Uwe Seeler, das hatte ich gar nicht erwartet. Toll. Es müssen das Mittelstürmer-Idol ja doch noch viele, viele „Matz-abber“ spielen, schießen, kämpfen und meckern gesehen haben. Ich habe das auch, deswegen trage ich einen Mann, der so viel, so unglaublich für den deutschen, für den Hamburger und für den HSV-Fußball getan hat, auch immer noch auf Händen. Das wird, das möchte ich jedem anderen Seeler-Fan sagen, auch bis an mein Lebensende so bleiben. Und da wäre es mir egal, ob mir der Ehrenspielführer die Freundschaft kündigen würde, oder nicht. Übrigens bin ich kein Duz-Freund von Uwe Seeler – und noch ein „übrigens“: Macht euch keine Gedanken, ich glaube alles das, was ich über Uwe Seeler geschrieben habe, es ist mein voller Ernst! Und ich glaube es nicht nur, ich bin davon restlos überzeugt. Und habe dabei null Promille im Blut. Auch keine andere Droge, bevor es einer schreibt und vermutet.

Zum Thema Öztunali erhielt ich, wie geschrieben, viele, viele Mails. So auch diese, die nun folgt. Die gab es gleich mehrfach, ich habe mich entschieden, diese Version zu veröffentlichen:

Sehr geehrter Herr Matz,

natürlich verfolge ich auch mit etwas „Trauer“ den Verlauf um den Seeler-Enkel.
Nicht nur, dass ich aus rein romantischen Gründen einen Verbleib von Levin Öztunali (LÖ) gerne gesehen hätte, sehe ich vielmehr den bevorstehenden Bruch mit „Uns Uwe“ selber als Problem an. Könnten Sie bitte, wenn Sie das nächste mal Kontakt mit Uwe haben ihm folgenden Bericht vorlegen?

Bayer verliert den Kampf um Sarr.

Enttäuschung und Frustration bei Bayer 04 Leverkusen: Das umworbene Verteidiger-Talent Marian Sarr verlässt den Werksklub und wechselt zu Borussia Dortmund. Für Geschäftsführer Holzhäuser bietet der Vorfall Anlass zur Generalkritik. Bayer 04 Leverkusen verliert eines seiner Top-Talente. Wie der Klub am Mittwoch bestätigte, wechselt Marian Sarr in der Winterpause zu Borussia Dortmund. „Es war keine einfache Entscheidung für uns. Hätte man auf Vertragserfüllung bestehen sollen, vielleicht sogar müssen? ?Leverkusen erhält für den Junioren-Nationalspieler eine Ablösesumme. Über die Höhe wollte der Klub nichts sagen. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ist Leverkusen außerdem an der weiteren Entwicklung des Spielers finanziell beteiligt, wenn diese positiv verlaufen sollte. So wird zum Beispiel ein weiterer Betrag fällig, wenn Sarr in der Bundesliga zum Einsatz kommen sollte …

Mod-Edit: Auch Dieter darf keine kompletten Texte zitieren ohne Einverständnis des Urhebers. Den kompletten Artikel findet ihr hier (danke auch an den Schenefelder für den Link): http://www.ksta.de/bayer-04/verteidiger-talent-bayer-verliert-den-kampf-um-sarr,15189374,21183104.html

Vielleicht beruhigt Herr Seeler sich dann ja etwas, wenn er realisiert, dass der Club, zu dem sein Enkel jetzt wechselt, genauso „armselig“ und „seelenlos“ ist!?

Vielleicht greifen Sie selber diese Geschichte in Ihrer Berichterstattung mal mit auf!?

Außerdem finde ich es ziemlich merkwürdig, wie ungescholten Mete Öztunali aus dieser Geschichte herauskommt. Man muss sich mal vor Augen halten, dass dort ein bezahlter Angestellter des HSV in der Öffentlichkeit schlecht über seinen Arbeitgeber berichtet!?
Ein Mann, dessen Aufgabe es war junge Leute zum HSV zu lotsen, ihnen zu erklären, dass der HSV für die Förderung seiner Karriere das Beste sei!

Und das sag ich, als einer, der seinerzeit mit Mete im Tor bei TuRa Harksheide den Aufstieg in die Landesliga schaffte. Ich bin sehr enttäuscht von ihm!

(Der Name des Absenders ist mir bekannt, ich möchte ihn zu seinem Schutz nicht veröffentlichen!)

Zum Thema Öztunali gab heute auch HSV-Sportchef Frank Arnesen noch folgendes Statement heraus:

Wir haben Levin Öztunali die größtmögliche sportliche Perspektive beim HSV geboten. Ab Sommer hätte er voll bei den Profis mit trainiert. Darüber hinaus haben wir ihm ein wirtschaftliches Angebot unterbreitet, dass es in dieser Form für einen Nachwuchsspieler beim HSV noch nicht gegeben hat. Dass Levin und seine Familie sich dennoch entschieden haben, in der Zukunft einen anderen Weg einzuschlagen und den HSV zu verlassen, respektieren wir. Möglicherweise lastet außerhalb Hamburgs als Uwe Seelers Enkel ein geringerer Druck auf ihm.

Es ist nicht richtig, dass Levin daraufhin vom Trainings-und Spielbetrieb des HSV suspendiert wurde. Allerdings ist es gängige Praxis und Teil unserer Ausbildungsphilosophie, dass Spieler mit weiterlaufenden Verträgen vorrangig gefördert und eingesetzt werden, was bislang nur nie öffentlich thematisiert wurde. Unser Vorgehen habe ich Levins Vater Mete Öztunali heute in einem persönlichen Gespräch erläutert, um möglicherweise entstandene Missverständnisse zu klären. Ich werde auch noch mit den betreffenden Trainern unseres Nachwuchsleistungszentrums Kontakt aufnehmen, um den weiteren Umgang mit Levin genau abzustimmen.
Nach einem Telefonat mit Levins zukünftigem Club Bayer Leverkusen, haben wir mit der Familie ebenfalls die bestehende Möglichkeit erörtert, einen sofortigen Wechsel in die Wege zu leiten. Diese Möglichkeit wurde aber von der Familie abgelehnt, da Levin bis zum Sommer in Hamburg bleiben möchte.

So, so viel für heute zum Thema Öztunali und Seeler. Die Zeitungen morgen werden wieder voll davon sein, und deswegen möchte ich euch auch nicht damit überfrachten. Alles hat ein Ende – nur die Frankfurter Wurst hat zwei . . . Um damit einen eleganten Überganz zu schaffen und noch einmal kurz auf das „Matz-ab-live“-Video hinzuweisen. Diesmal, falls es sich noch nicht herumgesprochen hat, mit Kult-Masseur Hermann Rieger und Ex-Torwart Jürgen Stars. Beiden sei an dieser Stelle noch einmal gedankt, Hermann war wegen der späten Sendung erst um kurz vor Mitternacht daheim, das nenne ich Einsatz. Und zu „Starski“ Stars möchte ich noch eines sagen: Er war Ersatztorwart beim HSV, „nur“ Ersatztorwart, aber allen diejenigen, die ihn nie zwischen den Pfosten haben fliegen sehen, sei gesagt: Stars war ein wirklich starker Keeper, ich habe zum Schluss oft auch gegen ihn gespielt, da war er stets der Beste seiner Mannschaft. Und er hat nicht umsonst noch zum Schluss seiner Karriere in Kanada und Amerika gespielt. Das möchte ich nur noch schnell anfügen, weil Ersatztorwart so „niedrig“ klingt. Schließlich hatte er einen so guten Mann wie Rudi Kargus vor sich – jahrelang.

Apropos jahrelang. Heute hat Lotto King Karl Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch unserer einzigartigen „Perle“, die ja auch schon seit Jahren für uns singt. Lotto, Du bist ein ganz Großer, Du bist auch ein ganz großer HSV-Fan, ich hoffe, dass Du noch viele Jahrzehnte auf dieser gelben Knaack-Bühne im Norden der Arena stehen wirst (gemeinsam mit Carsten Pape) und über Hamburg und den HSV singen wirst. Bleib schon gesund, alles Gute!

Noch einmal möchte ich – aus gegebenem Anlass – auf das Frankfurt-Spiel zurückkommen. Weil es etliche „Matz-abber“ gibt, die darauf hinwiesen, dass der jetzige Eintracht-Coach ja vor nicht allzu langer Zeit einmal auch HSV-Trainer war. Armin Veh. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Veh ist hier einst „vom Hof gejagt“ worden. Wie so viele andere. Und nun lässt dieser Mann, dem so viele Fans vorgeworfen haben, keine Ahnung zu haben („Armin Veh-ler“), einen solchen Fußball spielen. Wie geht das? In diese Geschichte hinein soll, so einige User, auch die Vertragsverlängerung (um zwei Jahre!) von Bruno Labbadia mit dem VfB Stuttgart bestens passen. Darüber möchte ich mich aber am liebsten ein wenig ausschweigen, nur kurz und knapp sagen: Es soll ja auch Menschen geben, die aus ihren Fehlern lernen können, um dann die nötigen Konsequenzen zu ziehen . . .

Zu Armin Veh habe ich eine etwas umfassendere Meinung. Der Mann kam nach Hamburg, als hier schon längst herum war, dass er gar nicht erste Wahl gewesen sei. Da wurden viele andere Namen gehandelt – vorher. Und dann war es plötzlich Veh. Und es rankte sich genau darum auch ein Gerücht (das Veh wohl gekannt hatte): Auf dem Weg zu einem anderen Trainer (Robin Dutt?) landete die HSV-Führung in einem Hotel in Freiburg. Und dort lief ihnen der Manager von Armin Veh über den Weg. Man unterhielt sich, man tauschte sich aus – und man hatte urplötzlich einen ganz anderen Trainer, als den, der eigentlich geplant und m Visier war.

Wenn man als Coach dann unter solchen Umständen zum HSV kommt, hat man schon einen etwas anderen Start. Ich hatte aber immer das Gefühl, dass Armin Veh einen guten Job macht, und dass er sehr wohl sehr viel von seinem Job versteht. Das Training war okay, der Umgang mit der Mannschaft auch. Nur mit der „oberen Etage“ hatte Veh so seine Probleme, die langsam aber stetig zunahmen. Da ging ihm oft einiges nicht schnell genug, nicht professionell genug – und einiges ging überhaupt nicht, was er natürlich monierte. Darüber hat er oft geklagt und genörgelt, anfangs noch ziemlich leise und auch etwas versteckt, dann immer offener. Das ist aber seine Art. Mit der die HSV-Oberen jedoch nicht unbedingt so gut klar kamen. Eher war das Gegenteil der Fall.

Aber wer sich erinnert: Armin Veh hat auch zu seinen Frankfurter Zeiten (schon vor einem Jahr, schon vor dieser Saison) oft gemeckert. Hier fehlten ihm Leute, da auch. Und alles ging ihm, wie in Hamburg, nicht schnell genug. Nur schluckte man in Frankfurt diese Kritik (wohl eher zähneknirschend, wenn ich so an Heribert Bruchhagen denke), während man in Hamburg von Mal zu Mal entsetzter reagierte. Die HSV-Oberen mochten diese Ironie und auch diese gewisse Art von Pessimismus, was Veh durchaus oft ausstrahlte, überhaupt nicht. Zudem hatte der damalige HSV-Coach auch – nach Meinung der Führung (auch nach Meinung der Medien) – zu oft, viel zu oft sogar, davon gesprochen, am Ende der Saison nicht mehr HSV-Trainer sein zu wollen . . . Auch deswegen kam es zum Bruch. Weil „der“ HSV letztlich vermutete, dass Armin Veh nicht mehr mit vollem Herzen hinter dieser ganzen Sache stehen würde. Als dann dem HSV am 12. März 2011 das katastrophale 0:6 in München passierte, da musste Armin Veh dann – für keinen kam es unerwartet – gehen.

Kurios an der damaligen Situation: Co-Trainer Michael Oenning übernahm den Veh-Posten – und zog im Training sofort mächtig an (obwohl man das als trainer gegen Saisoenende eigentlich nicht machen sollte). Aber Oenning hatte da ganz offenbar die größten Defizite des HSV gesehen. In der Laufbereitschaft. Und wenn man jetzt die Frankfurter laufen sieht . . . Unfassbar ist das für mich. Unfassbar.

Wenn ich meine Meinung noch kurz dazugeben dürfte: Ich hatte mit Armin Veh ein gutes Einvernehmen, fast hätte ich ein ausgezeichnetes geschrieben. Ich mochte (und mag) den Menschen und den Trainer Veh, er hatte durchaus gute und sehr gute Ansichten über den Fußball, er war stets kooperativ, ehrlich, geradeaus und offen, er griff so gut wie nie zu einer Lüge (auch nicht in Not), und er hätte wohl, wenn man ihm die nötige Rückendeckung „von oben“ gegeben hätte, auch noch viel erreicht mit dem HSV. Vielleicht nicht so viel, wie jetzt mit der Frankfurter Eintracht, aber er hätte bestimmt schon etwas mehr „Grund in diese Mannschaft“ (von damals!) bekommen. Davon bin ich immer noch überzeugt. Dass auch ein Armin Veh nicht immer alles richtig gemacht hat (und gewiss auch nicht immer richtig lag), das ist natürlich klar. Aber: Wer macht denn keine Fehler?

Mich wurmt nur, dass er jetzt einen so tollen und großartigen Fußball in und mit Frankfurt spielen lässt. Das gebe ich zu. Wieso? Das frage ich mich schon. Wieso mit einer solchen „No-name“-Mannschaft? Oder vielleicht gerade deshalb? Armin Veh hat nun Spieler, die (noch?) keine Stars sind, die kein Star-Gehabe an sich haben, die ihrem Trainer noch glauben, wenn der ihnen sagt, dass Fußball ein Laufspiel sei. In dieser Frankfurter Mannschaft gibt es, so versicherten mir am Sonnabend einige hessische Kollegen, keinen einen bequemen Spieler, keinen Mann, der sich zu schade dafür wäre, für den Nebenmann einige Schritte mehr zu machen. Spieler solcher Art aber hatte der HSV zu Veh-Zeiten durchaus. Und sogar nicht wenige. Es ist doch so, wir kennen das alle: Wenn in Hamburg ein HSV-Profi, der so an 22. oder 23. Stelle in der Mannschafts-Hierarchie steht, nachts um drei Uhr bei Rot über die Ampel fährt, heißt es am nächsten Tag garantiert: „HSV-Star sieht Rot – auf der Flucht durch Stadt“. Wobei die Benotung auf „HSV-Star“ liegt. Hier ist jeder sofort und automatisch mit der Unterschrift unter den Profi-Vertrag ein „Star“. Und solche Spieler genießen dann schon gewisse Privilegien. Und dann wird man auch schon mal etwas bequemer. Dann muss man eben nicht jeden Lauf selbst erledigen, sondern lässt die anderen mal für sich laufen. Mann ist ja „Star“.
Ja, so versuche ich mir schon seit vielen Jahren das HSV-Spiel zu erklären. Und wenn ich jetzt an diese Frankfurter denke, wie die liefen, rannten, sprinteten, wie die Hasen, dazu mit Liebe, Lust, Spaß, Leidenschaft und Herz, dann fehlt mir in Hamburg schon seit langer Zeit sehr, sehr viel. Ich kann nur jeden (auch jeden „Matz-abber“) bitten oder raten, sich das Spiel vom Sonntag, wenn es denn technisch geht, noch einmal anzusehen. Und genau darauf zu achten, wie bei den Frankfurtern Fußball gespielt wurde – und beim HSV Fußball gearbeitet wurde. Tut euch das noch einmal an. Und achtet mal darauf, wie die Post bei Frankfurt abging, und wie sich der HSV vergeblich versuchte, das Spiel nach vorne zu quälen. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Und wenn dazu der HSV-Kapitän Heiko Westermann (nach dem Spiel) die mangelnde Laufbereitschaft seines Team anprangerte, zudem sagte, dass man sich ja „so viel vorgenommen habe, aber nichts davon wurde in die Tat umgesetzt“, dann wissen wir, warum es so ist – wie es ist. Guckt euch dieses Frankfurt-Spiel noch einmal an, und euch wird ein Lichtlein aufgehen. Ganz sicher. Diese 90 Minuten sind ein Lehrbeispiel dafür, wie man es macht (die Eintracht), und wie man es nicht macht (der HSV). Und man weiß am Ende, dass Fußball tatsächlich ein Laufspiel ist. Laufen mit Köpfchen. Im richtigen Moment gemeinsam Gas geben, nachrücken, anbieten, hinterlaufen . . . Wollen. Ganz einfach wollen. Und zwar alle zehn Feldspieler. Beim HSV „parken“ mir einige zu viel und zu lange.

So, noch eine personelle Meldung: Artjoms Rudnevs erlitt am Sonnabend eine Muskelquetschung im Oberschenkel und muss zwei Tage Pause einlegen. Wenn die Nationalspieler wieder in Hamburg sind (Donnerstag), dann darf auch der Torjäger wieder einsteigen.

Ja, dann ist da noch dieses eine Länderspiel. Frankreich – Deutschland am Mittwoch. Mit HSV-Keeper Rene Adler im Tor (und Heiko Westermann auf der Bank). Über das Torwart-Comeback schreibt heute mein geschätzter Kollege Jens Mende von der Deutschen Presse-Agentur:

Rene Adler verzog keine Miene. Und aus der Reserve locken ließ sich der Torwart vom HSV erst recht nicht. Ein neuer Torwart-Zoff? Gewiss nicht. Ruhig, fast schon monoton beantwortete der Schlussmann die Fragen zu seiner erstaunlichen Rückkehr ins Tor der Fußball-Nationalmannschaft.

Als „sensationelle Geschichte“ empfindet Adler seinen Einsatz am Mittwoch (21 Uhr/ARD) gegen Frankreich, den ihm Bundestrainer Joachim Löw versprochen hat. Das schon. Aber aus den für ihn so wichtigen 90 Minuten eine Kampfansage an Stammkraft Manuel Neuer zu machen, hält Adler für unangemessen – trotz der gereizten Kommentare des Münchner Konkurrenten zu der vertauschten Aufgabenverteilung in Paris.

„Ich freue mich, wenn ich spielen kann. Ich denke, dass das eine Spiel nicht viel ändern wird an der Rollenverteilung. Das nehme ich mit und genieße es“, sagte Adler in Frankfurt. Neuers Nörgelei („Bei einem solchen Spiel wäre ich gerne dabei gewesen.“) und direkte Stichelei („Ich habe seine Entwicklung nicht verfolgt, weil ich bei Bayern München spiele.“) wollte Adler nicht kommentieren. „Ich habe das gar nicht mitgekriegt. Es ist sein gutes Recht. Ich bin nicht in der Position, das zu bewerten“, sagte Adler. Mit einem Typ wie ihm ist ein Torwart-Kampf wie vor der Heim-WM 2006 zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann nicht vom Zaun zu brechen.

Es waren die kleinen Bemerkungen in Nebensätzen, die am Montag die Bedeutung seines elften Länderspiels für ihn preisgaben. Auf Routine und „sein Schema“ habe er gesetzt, als die frohe Kunde von Löw am Freitag kam: „Um das alles nicht so hoch zu hängen“. Dennoch wurden vom HSV-Betreuerstab gleich Videosequenzen über Franck Ribéry und Karim Benzema zusammengestellt. Bei der Nationalmannschaft folgt weiteres Gegnerstudium. Nichts soll ihn am Mittwochabend im Stade de France überraschen können.

Adler hat in seinen Torwartjahren schon viel erlebt. Kurz vor der WM 2010 kam durch eine Rippenverletzung das Aus. Neuer zog an ihm vorbei. In Leverkusen ging es bergab. Erst der Wechsel zum HSV im Sommer 2012 brachte die Wende. Im deutschen Tor stand er letztmals am 17. November 2010 beim 0:0 in Göteborg gegen Schweden.

Viel hat sich für Adler in seinem Leben seither verändert. Er wirkt ungewöhnlich ruhig für das aufgeregte Fußball-Geschäft. Nur eines ist gleich geblieben. Eigene Patzer wie kürzlich im Nordderby gegen Werder Bremen kann er nicht vertragen. „Ich ärgere mich nach wie vor über Fehler. Das ist in mir, das ist der sportliche Ehrgeiz, der mich treibt.“ Das klingt dann doch ein bisschen nach Oliver Kahn.

Und noch einmal das Thema Torwart:

Der tschechische Nationaltorwart Petr Cech fehlt beim Länderspiel seines Verbandes gegen die Türkei am Mittwoch in Manisa. Die Nummer eins des FC Chelsea hatte sich bei der 2:3-Niederlage gegen Newcastle United den kleinen Finger gebrochen. Ihn wird Jan Lastuvka von Dnjepropetrowsk bei der Vorbereitung auf die Qualifikation zur Fußball-WM 2014 im Tor ersetzen, und der der Reservetorwart des HSV, Jaroslav Drobny (33), rückt in den Kader auf.

Und dann gab es heute noch diese dpa-Meldung:

Die Verluste der Fußballvereine in Europa sind auf ein Rekordniveau von insgesamt 1,7 Milliarden Euro gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Fünf-Jahres-Analyse des europäischen Fußball-Verbandes, die die Uefa am Montag vorstellte. Der Studie zufolge sind auch die Spielergehälter in Europa im Verlauf dieser Zeit um 40 Prozent auf insgesamt 8,6 Milliarden Euro gestiegen.

„Ohne eine Verhaltensänderung steigt die Gefahr der Pleite für die Vereine“, sagte Uefa-Präsident Michel Platini. Der Franzose nannte die Einhaltung des sogenannten „Financial Fair Play“ der Uefa deshalb auch überlebensnotwendig für die europäischen Fußball-Clubs. „Eine Beschränkung der Kosten ist und bleibt die größte Herausforderung für die Vereine“, sagte Platini. Die Uefa hat mit dem „Financial Fair Play“ ein Lizenzierungsverfahren für die Europacup-Wettbewerbe beschlossen. Es soll die große Verschuldung vieler Clubs stoppen.

PS: Am Dienstag wird im Volkspark – mit natürlich dezimierten Kader – um 15 Uhr trainiert.

PSPS: Wenn alles klappt, wird hier das Moderatoren-Team demnächst noch ein, zwei Fotos vom “Matz-ab-Baby” veröffentlichen. Es ist “Scholles” Lia Sophie, die am 29. Januar geboren wurde.

18.36 Uhr

Foto

Bayern hat Klasse, der HSV den Heimvorteil

31. Oktober 2012

HSV gegen Bayern München, da werden wohl bei jedem HSV-Fan Erinnerungen wach. Und zwar nicht immer nur gute. Denn, so grausam kann Statistik sein, die Bilanz be3ider Klubs ist nicht gerade positiv für die Hamburger Farben. 21 Siege, 19 Unentschieden und 54 Niederlagen stehen zu Buche. Mit einem niederschmetternden Torverhältnis von 96:197. Und die Heimbilanz des HSV gegen den Rekordmeister spricht auch nicht unbedingt für die Macht von der Elbe: 13 Siege, 14 Unentschieden, 20 Niederlagen. Und in Toren drückt sich diese negative HSV-Statistik wie folgt aus: 54:74. Viele Spiele dieser beiden großen Klubs habe ich live gesehen, eines ist mir ganz besonders hängen geblieben. Ein 0:5 im Volkspark, und zwar am 4. Mai 1974. Es waren 55 000 Zuschauer in die Betonschüssel gekommen, viele, viele gingen nach den Toren von Schwarzenbek, Breitner (zwei), Zobel und Hoeneß vorzeitig. Auch ich, muss ich gestehen. Aus der Westkurve raus und nur weg. Ging aber nicht. Weil viele, viele Autos vor den Stadiontoren standen, die nicht vom Fleck kamen. Weil noch nicht sämtliche Ausfahrten geöffnet waren. Und was machten die frustrierten HSV-Fans? Sie kletterten auf die Autos, sprangen von Dach zu Dach und von Haube zu Haube. Es war schrecklich. Vor allen Dingen für die, die in ihren Autos saßen und die Köpfe einzogen.

Die Bayern traten damals mit Maier, Schwarzenbek, Beckenbauer, Roth, Zobel, Breitner, Hoeneß und Müller an, Trainer war Udo Lattek. Und beim HSV, dessen Trainer Kuno Klötzer war, spielten: Kargus, Kaltz, Winkler, Krobbach, Hidien; Björnmose, Zaczyk, Ripp, Sperlich, Heese und Volkert. Aber es gab auch Siege und große Erfolg des HSV gegen die Bayern. Am 1. April 1977 gewann der HSV 5:0 gegen Maier, Beckenbauer, Schwarzenbek, Rummenigge und Co. Wie konnte das passieren? Weil Zaczyk, Reimann, Memering, Vollert und Steffenhagen traf und beim HSV an diesem Tag alles klappte. Wie auch am 31. Oktober 1981, also heute vor 31 Jahren. Da gewann der HSV 4:1 gegen die Bayern (Junghans, Augenthaler, Dremmler, Breiter, Rummenigge, D. Hoeneß). Die Tore für die Sieger schossen Hrubesch (zwei), Jakobs und Bastrup.

Den wohl größten Sieg über die Münchner gab es am 24. April 1982. 4:3 hieß es nach einem 1:3-Rückstand, bei dem das Spiel eigentlich schon entschieden schien. Hartwig, von Heesen und zweimal Hrubesch sorgten für einen der schönsten HSV-Siege der Vereinsgeschichte. In der Bundesliga ist das meine absolute Nummer eins.

In der „Neuzeit“ wurden HSV-Siege dann zwar rarer, aber es gab sie. Am 14. September 1991 schoss Armin Eck ein wunderschönes 1:0 heraus – und 1:0-Siege sind bekanntlich die schönsten (besagt ein altes Fußball-Sprichwort). Damals spielten für den HSV Golz, Kober, Beiersdorfer, Rohde, Matysik, Hartmann, Spörl, Eck, von Heesen, Nando und Furtok. Das sind doch Namen! Beim FC Bayern waren neben anderen Effenberg, Ziege, Pflügler, Berthold, Kreuzer und Labbadia an Bord. Und ein ganz besonderer HSV-Sieg wurde noch am 11. Februar 1996 gefeiert, auf Schnee, Eis und „Betonboden“. Uwe Jähnig (wer erinnert sich noch an ihn?) wurde in der 66. Minute für Valdas Ivanauskas eingewechselt und traf 60 Sekunden vor Schluss zum 2:1-Sieg. Zuvor hatten Scholl und für den HSV Andre Breitenreiter (heute Trainer TSV Havelse) getroffen. Für den HSV waren Golz, Fischer, Henchoz, Hartmann, Hollerbach, Breitenreiter, Spörl, Kmetsch, Albertz, Ivanauskas und Bäron am Start. Die Bayern waren damals stocksauer, dass diese Partie überhaupt angepfiffen worden war, denn man hätte an diesem bitterkalten Abend im Volkspark auch „Holiday and Ice“ präsentieren können . . . Das war, wie gesagt, 1996, mir kommt es so vor, als wäre das vorgestern gewesen. So schnell rennt die Zeit – auch im Fußball. Oder dort ganz besonders schnell?

Diese eben aufgezählten Namen sind schon lange Geschichte. Teilweise große, teilweise schon leicht abhanden gekommene Tradition. Und wer weiß es schon, wie die heutige HSV-Mannschaft in zehn oder 20 Jahren angesehen sein wird? Wie denkt ein HSV-Fan über Rene Adler, der vielleicht seine Karriere in Hamburg ausklingen lässt (nach sechs, sieben Jahren?), wie denken die Fans über Dennis Aogo, Heiko Westermann und Rafael van der Vaart?

Oder auch Artjoms Rudnevs? Der HSV-Stürmer lief heute zwar nach dem Training nicht allein auf ein Tor zu, aber er trainierte erneut für sich. Das heißt, er wurde von Nikola Vidovic zum Privat-Unterricht gebeten, beide Herren spielten wieder einmal Fußball-Tennis. Der Lette soll offenbar Ballgefühl (mehr Ballgefühl) vermittelt bekommen, obwohl ich sagen muss (und das ist absolut ernst gemeint), dass Rudnevs zuletzt in Augsburg zwei Szenen hatte, die hatten es in sich. Zweimal pflückte er Abschläge von Adler aus der Luft, als wäre er Lionel Messi, als hätte er Pattex an den Buffern. Das sah richtig gut aus. Und sein Tor ja ohnehin. Wobei „Tante Käthe“ ja wohl gefragt hatte, ob Rudnevs denn Schuss-Training erhalten hatte? Das hatten sie beim Abschlusstraining ja alle, das hatte ich auch geschrieben. Aber bei Artjoms Rudnevs hatte es gleich durchschlagende Wirkung. Davon weiß nun auch Augsburgs Keeper Jentzsch zu berichten . . .

Inzwischen, und das ist erfreulich, steht beim HSV die Null immer öfter hinten – und vorne nur noch selten. Ein Trend, der sich auch am Sonnabend gegen die Bayern möglichst fortsetzen soll. Und einer der Garanten für eine erfolgreiche Abwehrarbeit ist der Kapitän. Heiko Westermann auf die Frage, warum der HSV zuletzt kaum Gegentore kassiert hat: „Weil wir zuletzt und über einen längeren Zeitraum mit derselben Mannschaft gespielt haben. Mit derselben Viererkette und mit Rene Adler im Tor.“ Kurios aber ist auch, dass Trainer Thorsten Fink gerade noch zu Beginn dieser Woche über die schlechte Defensivarbeit seiner (gesamten) Mannschaft gesprochen hatte, und dabei angekündigt hatte, daran hart und verstärkt zu arbeiten. Und nicht nur Fink hat ja gesehen, dass die Gegner zuletzt zwar kaum gegen den HSV getroffen haben, aber dennoch einige Chancen zuviel auf den Stiefeln und den Köpfen hatten.

Das weiß auch Westermann: „Keine Frage, wir haben zuletzt einfach zu viel zugelassen. Das waren keine herausgespielten Möglichkeiten des Gegners, sondern Fehler von uns, die dazu geführt hatten, dass der Gegner zu Chancen gekommen ist. Das waren Ballverluste in der Vorwärtsbewegung, und da müssen wir schon noch besser werden.“ Aus diesem Grund wurden zuletzt auch verstärkt Videoanalysen gemacht, der Trainer zeigt der Mannschaft die Fehler deutlich auf. Und obwohl Fink ja noch zu Beginn der Saison davon überzeugt war, dass die Defensive nun deutlich besser geworden sei (im Vergleich zur Vorsaison), ist es nun die Abwehrarbeit, die sich zur Achillesferse entwickelt hat. Ich behaupte ja auch: Wenn der HSV nicht einen Rene Adler zwischen den Pfosten gehabt hätte, dann wäre so manches Spiel nicht so erfolgreich ausgegangen, wie es letztlich ausgegangen ist.

Belegt wird die starke Form des HSV-Schlussmannes mit diesen Zahlen: Im Vergleich aller Liga-Keeper liegt Rene Adler mit zehn vereitelten Großchancen (47,62 Prozent) an der Spitze und mit 78,85 Prozent gehaltener Torschüsse nur knapp hinter Bayern-Keeper Manuel Neuer (82,61).

Auch Heiko Westermann lobt seinen Keeper: „Dass Rene zurzeit überragend hält, das ist ja kein Geheimnis, er hat uns schon einige Punkte in dieser Saison geholt. Er hat viel Selbstvertrauen, und das ist auch gut so, so soll es bleiben.“

Beim letzten Aufeinandertreffen zwischen dem HSV und dem FC Bayern im Volkspark hieß es nach spannenden 90 Minuten 1:1. Der HSV hatte unter der Regie seines (noch) neuen Trainers eines seiner besten Spiele der Saison 2011/12 gemacht. Allen voran Heiko Westermann, der bei diesem Spiel zur Top-Form auflief. Der HSV hätte auch gewinnen können. „Das wollen wir an diesem Wochenende wiederholen, wir wollen die Bayern wieder ärgern, wir werden ihnen nicht die Punkte schenken. Und gegen die Bayern spielt man immer besonders gerne, und meistens auch ganz gut. Wir freuen uns auf dieses Spiel, wir wollen das noch einmal schaffen, was uns gegen Borussia Dortmund gelungen ist, wir wollen den Bayern ein Bein stellen.“ Dann fügt Westermann noch etwas für mich ganz Erstaunliches an, was vor Wochen noch unvorstellbar schien: „Zurzeit könnte man fast jeden Spieler von uns spielen lassen, alle sind einfach gut drauf, das muss man sich einfach nur mal im Training anschauen.“

Aber es dürfte wohl bei jenem HSV-Team bleiben, das zuletzt mit Kontinuität die Punkte eingefahren hat. Einzig die Frage, ob Tomas Rincon ins Mittelfeld kommt, und dafür Maximilian Beister auf der Bank wird Platz nehmen müssen, ist ungeklärt. Aber trotz der Tatsache, dass der HSV zuletzt erfolgreich gepunktet hat – die Bayern-Partie dürfte nicht ganz so leicht werden. Nach dem 1:2 gegen Leverkusen werden die Münchner schön „geladen“ nach Hamburg kommen. Und ob das eine Chance für den HSV ist, oder eher ein Nachteil, das werden wir alle am Sonnabend um spätestens 20.25 Uhr wissen.

Heiko Westermann ist aber optimistisch: „Wir wissen, dass wir Fußball spielen können, wir sind fußballerisch deutlich stärker geworden gegenüber dem Saisonstart. Und wir sind sehr effektiv zurzeit, wir brauchen sehr wenige Chancen, um ein Tor zu erzielen. Das wissen wir, und das wissen auch die Gegner – das ist eine Stärke von uns.“

Bei den Münchner wird nach wie vor Nationalstürmer Gomez fehlen, aber das schätze ich im Moment nicht als Verlust für die Bayern ein. Weil sich Mandzukic in München zu einem Top-Torjäger entwickelt hat, und weil dahinter noch ein Mann namens Pizarro sitzt. Über den HSV-„Killer“ muss man keine großen Worte mehr verlieren, der ehemalige Bremer hat gegen den HSV immer getroffen. Fast nach Belieben. Westermann: „Mandzukic ist im Moment wohl der beste Stürmer der Liga.“ Weil er kopfballstark ist, zudem einen ausgeprägten Torriecher. Ich frage mich immer noch, warum der VfL Wolfsburg einen solchen Mann einfach so hat gehen (und ziehen) lassen.

Aber gut, das müssen nur und lediglich die VW-Männer klären, der HSV muss sich jetzt mit Mandzukic und dem FC Bayern auseinandersetzen. Westermann: „Die Bayern haben die Klasse, wir den Heimvorteil.“ Ich könnte, das gebe ich zu, mit einem erneuten 1:1 wunderbar leben.

Beim HSV waren heute fast alle Spieler im Training dabei, lediglich Ivo Ilicevic hat gefehlt (muskuläre Probleme). Und natürlich der weiterhin verletzt fehlende Petr Jiracek.

Und nun gleich die (rotierenden) Bayern gegen Kaiserslautern ansehen . . .

PS: Training morgen im Volkspark um 15 Uhr.

19.35 Uhr

Badelj: “Ich glaube, es klappt bis Sonntag”

18. Oktober 2012

So, in der Hoffnung, dass heute nicht wieder etliche Anrufe, Emails und SMSe kommen, die mir sagen, sie könnten den neuen Blog nicht lesen – ein neuer Versuch. Wie mir als Technik-Laien erklärt wurde, lag es an den verschiedenen Browsern, die unterschiedlich funktionierten. So konnte ein Teil den Blog lesen, ein anderer nicht. Leider.

Ebenfalls leider: Rafael van der Vaart konnte heute noch nicht wieder mittrainieren du absolvierte eine individuelle Einheit im Kraftraum. Aber, um den Pessimisten unter uns etwas Futter zu nehmen, van der Vaart soll schon am Freitag, also morgen, wieder mittrainieren. Heute sei eher Schonung angesagt gewesen, so Trainer Thorsten Fink, der ausführte: „Wir wollten heute noch nichts riskieren und werden am Freitag testen, ob es geht.“ Wobei alles eher nach dem Einsatz des zuletzt besten Torvorbereiters des HSV aussieht.

Schlechter sei da der Stand bei Milan Badelj, den ein Bänderanriss im Knöchel Probleme bereitet. Und wer schon einmal einen Anriss von Euch hatte, der weiß, dass das Schmerzen bedeutet. Allerdings dürfte die- oder derjenige dann auch wissen, dass ein Anriss nicht immer auch einen Ausfall nach sich zieht. „Es kann eigentlich nichts schlimmer kaputtgehen“, sagt auch Fink, „aber wir müssen abwarten, wie sich die Schmerzen bei Milan entwickeln.“ Heute reichte das noch nicht. Auch morgen könnte eng werden. Dennoch sagte Badelj meinem geschätzten Kollegen Kai Schiller im Interview heute: „Ich glaube, dass es reichen wird und ich am Sonntag spielen kann.“ Zumindest will es der Kroate mit aller Macht. Und wo ein Wille – da (zumal der HSV über eine Top-Medizinabteilung verfügt) ein Weg…

Ebenfalls wieder dabei ist Dennis Aogo, der nach seiner vierwöchigen Auszeit wieder zu Kräften gekommen ist und in den Testspielen neben Tolgay Arslan am meisten zu überzeigen wusste. Mehr noch: Aogo wirkt tatsächlich frischer als vor seiner Pause. Ich würde fast schon sagen – Achtung: Scherz! – er ist besser denn je. „Dennis ist tatsächlich sehr gut drauf und dürfte im Kader sein“, lobt Trainer Thorsten Fink. „Er hat sogar abgenommen.“ Gründe dafür sind schnell gefunden. Zum einen, weil Aogo Stress abbauen konnte und seine Blutwerte besser sind. Zum anderen aber auch, weil der Linksfuß nach seiner Quasi-Konkurrenzlosigkeit plötzlich mit Marcell Jansen einen Spieler auf seiner Position vorgesetzt bekommen hat, der diese Rolle gut spielt. „Dennis spürt den Konkurrenzkampf“, sagt Fink, „und das ist auch gut so.“

Am Sonntag dürfte Aogo zwar zum Kader gehören, wohl aber eher noch nicht zur Startelf. Es sei denn, nach Ilicevic (soll Montag ins Training einsteigen) würden auch Badelj und van der Vaart ausfallen. Dann könnte es sein, dass Petr Jiracek (trat im Training heute wegen leichter Kniebeschwerden kürzer, kann aber spielen) wieder ins defensive Mittelfeld rutscht und die linke offensive Seite frei würde. Eine Position, die Aogo kennt. „Im Training haben wir mit Dennis schon im Mittelfeld geübt“, sagt Marcell Jansen, der absolut nicht gewillt ist, den Linksverteidigerposten zu räumen. Im Gegenteil: „Das ist meine Position“, meldet der Linksfuß Besitzansprüche an.

Und tatsächlich sollte Fink derzeit Abstand nehmen von unerzwungenen Wechseln. Vor allem in der sich immer mehr stabilisierenden Abwehr. „Wir spielen jetzt in einer Formation und fangen an, Sicherheit zu entwickeln, die wichtig ist für unser Zusammenspiel“, hatte Kapitän und Abwehrchef Heiko Westermann gestern gesagt. Heute fügte Fink hinzu: „Wir entwickeln Automatismen. Und wir spielen gut. Zudem nimmt Rene Adler immer mehr Fahrt auf und wird zum Stabilisator von hinten raus.“

Stimmt. Was mit einen kurzen Abstecher machen lässt, da ich mir sicher bin, dass Adler dem HSV genauso viel Sicherheit gibt wie er den ansonsten coolen Manuel Neuer unter Druck setzt. Ich glaube, dass es tatsächlich kein Zufall ist, dass Neuer, den ich ansonsten für einen ebenso exzellenten Keeper wie Adler halte, plötzlich „greift“. Immerhin hatte der Bayern-Keeper in den letzten zwei Jahren nie eine auch nur annähernd bedrohliche Konkurrenz für seinen Stammplatz wie mit Adler. Eine gute Situation für Bundestrainer Jogi Löw, der seit kurzem wieder über zwei Weltklassekeeper verfügt…

So viel zum Abstecher. Zurück zum HSV, der in der Abwehr zuletzt zweimal zu Null gespielt hat. Heiko Westermann stabilisiert sich und unsere Abwehr“, sagt Fink und lobt gleich weiter: „daneben wächst Michael Mancienne gleich, Dennis Diekmeier ist defensiv deutlich besser geworden und Marcell Jansen hat auf links gar kein Probleme. Nicht umsonst haben wir zweimal zu Null gespielt – natürlich auch mit dem Glück des Tüchtigen.“ Dennoch, Finks Rechnung ist einfach. Passend zur Präsentation des neuen Sponsors MSC, der Kreuzfahrten anbietet, sagt Fink: „In Fürth waren wir in der ersten Hälfte gnadenlos effektiv. In der zweiten Hälfte überhaupt nicht. Das müssen wir noch lernen.“ Und gepaart mit der neuen Defensivsicherheit (Defensivstärke nenne ich es lieber erst, wenn es noch mindestens fünf Spiele hinten funktioniert hat) könnte das eine sehr erfolgreiche Mischung ergeben. „Wenn das alles zusammenspielt, dann können wir Kurs aufnehmen.“ Und Fink trieb das Wortspiel zuvor sogar noch weiter: „Wir wissen, wir stehen erst am Anfang unserer Kreuzfahrt – und wir haben eine Weltreise vor.“

Startpunkt dafür soll das Spiel werden, das in der letzten Saison den negativen Knackpunkt bescherte: das Heimspiel am Sonntag gegen den VfB Stuttgart. „Letztes Jahr hat uns der VfB in eine Misere gestürzt. Da haben wir etwas gutzumachen. Und das sage ich meinen Jungs.“ Als Motivationshilfe…

Davon hat Fink – einmal dabei – auch noch etwas für das Sorgenkind des Moments parat: für Maxi Beister. Der Youngster ist noch nicht so in die Saison gestartet, wie er es sich selbst nach seiner überragenden Zweitligasaison erhofft hatte. Selbst ein Wechsel auf Leihbasis im Winter scheint für ihn denkbar. Auch deshalb versucht Fink, seinem Talent Mut zu machen: „Er kann es genauso schaffen wie Son.“ Immerhin habe der Südkoreaner sich auch eine ganze Saison lang gedulden müssen. „Aber der Sprung aus der Zeiten in die erste Liga ist groß“, so Fink, der Beister ein Beispiel vorschlug: „Auch Son wurde immer nur eingewechselt. Und er hat seine Chance genutzt. Ich bin sehr zuversichtlich, bei Maxi. Son kann immer wieder ein sehr gutes Beispiel für ihn sein.“

Trainer Thorsten Fink, der sich mit einem Sieg am Sonntag im Mittelfeld festsetzen möchte, scheint derzeit nicht viel aus der Ruhe bringen zu können. Warum auch? Sportlich läuft es langsam an. Dass das einen Rafael van der Vaart dazu verführt, davon zu sprechen, bis zum Winter kein Spiel mehr zu verlieren, freut ihn. Allerdings schränkt er auch ein: „Ich will auch kein Spiel verlieren. Es freut mich auch, wenn die Jungs selbstbewusst sind. Aber es ist unrealistisch, sowas kann der FC Bayern sagen – nicht wir.“ Ausschließen wollte er eine solche Serie allerdings auch nicht. „Wie gesagt, wenn alles greift, ist alles drin.“

Logisch.

In diesem Sinne, zum Ende hin habe ich noch eine kleine Aufgabe für Euch alle. Die Sparda-Bank sucht für eine besondere Aktion im November Leute, die vor etwas mehr als 30 Jahren mitflogen und entweder auf dem unten stehenden Foto zu sehen sind oder eben solche, die Leute auf diesem Foto wiedererkennen und benennen können. Schickt Eure Antworten bitte einfach an hsv@sparda-bank-hamburg.de schicken. Ich bin gespannt, was die Leute von diesem Foto zu erzählen haben… Das Foto:

Bis morgen. Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert. Ich freue mich darauf. Allerdings nicht annähernd so sehr wie auf das Spiel am Sonntag…

Scholle

Drobny zu Bayern – oder doch nicht? Und: Adler landet noch nicht…

1. März 2012

Adler ist im Anflug. Das war bekannt. Den bestandenen Medizincheck vorausgesetzt, wird der Noch-Bayer-Keeper in der neuen Saison und bis 2016 die neue Nummer eins des HSV. was aus Drobny wird? Der wechselt zum FC Bayern. Auch keine schlechte Lösung. Für ihn.

Das war die überraschende Nachricht am Donnerstag. Oder wechselt Drobny doch nicht zum FC Bayern? Eine Verpflichtung von Drobny ist beim deutschen Rekordmeister selbst – zumindest offiziell – kein Thema. „Das ist eine tolle Geschichte. Sie hat nur einen Haken, sie stimmt hinten und vorne nicht“, sagte Bayern-Pressechef Markus Hörwick auf einer Pressekonferenz in Köln. Dort befinden sich die Bayern-Profis schon seit heute, weil Trainer Jupp Heynckes den Nationalspielern vor dem Bundesligaspiel am Sonnabend in Leverkusen ein wenig Reisestress ersparen wollte. Immerhin sparen sie so einen Flug…

Allerdings, und das sind meine Informationen, ist das Thema Drobny deutlich aktueller als es Hörwick zugeben mag (kann/will?). Zwar gab es bislang noch keinerlei Kontakt zum Spieler selbst. Und auch ein Medizincheck wurde bislang noch nicht anberaumt geschweige denn absolviert. Allerdings wurde Drobnys Berater bereits von dem Interesse der Bayern informiert und die grundsätzliche Bereitschaft Drobnys abgefragt. Und der Tscheche, der bei seinem Amtsantritt in Hamburg 2010 ob der Konkurrenz mit Frank Rost im Tor klar gesagt hatte: „Ich komme nicht zum HSV, um als Nummer zwei zu spielen. Ich werde niemals irgendwo als Nummer zwei hingehen“, warf seine eigenen Vorsätze für den deutschen Rekordmeister über Bord. Wobei ihm das wirklich niemand verübeln kann, zumindest ich absolut nicht. Immerhin ist er die Nummer zwei bei einem Titelaspiranten auf allen Ebenen. Und nur eine Sperre oder eine Verletzung – die ich ihm nicht wünsche! – und Manuel Neuer würde durch Drobny ersetzt. Eine Chance, die Drobny, der in München zudem gut bezahlt würde, natürlich nutzen will.

Deshalb haben sich die Bayern trotz aller Dementis intensiv über Drobny informiert. Insbesondere Drobnys mehr als loyaler Umgang als Nummer zwei hinter Rost scheint den Bayern imponiert zu haben. Die Bayern wollen einen leistungsstarken Keeper in der Hinterhand haben, der sich ohne zu murren mit der Reservistenrolle abfindet. So wie Drobny damals hinter Rost. Und nachdem die bekannten Knieprobleme den Tschechen in dieser Saison noch zu keiner Pause zwangen, schien auch das gesundheitliche Risiko überschaubar. Dennoch, und das ist meiner Meinung nach auch der Hauptimpuls für Hörwicks klares Dementi, der Deal würde immer auch mit dem Medizincheck stehen und fallen. Und da selbst der noch nicht einmal in Sichtweite ist, dürfte eine Verpflichtung Drobnys ebenfalls noch in weiter Ferne sein. So weit, dass es bis dahin das Dementi zum Dementi des Dementis zum Dementi geben könnte. Getreu dem Motto eines berühmten deutschen Politikers: „Was stört mich mein Geschwätz von gestern?“, wird sich wahrscheinlich bis dahin niemand mehr an Hörwicks Worte erinnern/stören.

Erfahrungen damit hatte der HSV zuletzt ja häufiger. Ich erinnere mich da nur an Matthias Sammer, der ja schon hier war, um ganz zu bleiben und sich plötzlich einen Tag vor Ultimo daran erinnerte, dass er noch eine Frau und drei Kinder hat, die vielleicht ihr Veto einlegen könnten. Die taten das und Sammer wusste plötzlich nichts mehr von seiner Zusage an den HSV.

Aber gut, lassen wir das. Fakt ist: Drobny hat beim HSV noch einen laufenden Vertrag bis 2013 und René Adler soll kommen. Allerdings hängt auch der Transfer des ehemaligen Nationaltorwarts von Bayer Leverkusen zum HSV maßgeblich an der medizinischen Untersuchung. Die Ergebnisse liegen dem HSV vor, werden allerdings morgen noch mal Trainer Fink und dem dann wiederkehrenden Sportchef Frank Arnesen erläutert. Anschließend wollen beide zusammen mit dem Vorstand entscheiden, ob sie den Aufsichtsrat informieren, damit sich dieser zusammenfinden und über den Transfer abstimmen kann. Sollte dies alles geschehen und jeweils zugestimmt werden, ist klar, dass Drobny beim HSV nicht in die neue Saison gehen soll. Und damit würde sich ein Wechsel des Tschechen zum FC Bayern immer mehr konkretisieren. Es sei denn, die Bayern haben bis dahin einen anderen Nachfolger für die jetzige Nummer zwei, den Ex-HSV-Keeper Jörg Butt, gefunden. Dem Vernehmen nach soll Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger eine längere Kandidatenliste zusammengestellt haben – vorrangig mit Torhütern älteren Kalibers. Hierbei nimmt Drobny eine der oberen Positionen ein. Nicht mehr – aber eben auch nicht weniger.

Zurück zum HSV. Der hat am Sonnabend endlich wieder die Gelegenheit, seine schwache Heimbilanz zu verbessern. Erst zwei Siege in zwölf Heimspielen stehen zu Buche. Dazu gesellen sich fünf Remis und fünf Niederlagen. In diesem Jahr ist der HSV noch ohne Heimsieg. „Dabei muss man bedenken, dass Dortmund, Bayern und Bremen auch nicht die Spiele sind, wo man zwingend neun Punkte einplanen kann“, relativiert Fink, um dann aber doch zu sagen: „Aber ich bin mir sicher, dass das am Saisonende deutlich positiver sein wird. Daher gebe ich auf diese Statistik nichts. Allerdings müssen wir das schon am Sonnabend beweisen. Schon gegen den VfB Stuttgart.“

Wobei nach dem angekündigten Wechsel von Ivo Ilicevic für Jacopo Sala heute auch ein weiterer etwas überraschender Wechsel von Fink in Betracht gezogen wurde. „Tomas Rincon hat gegen Spanien 90 Minuten gespielt und wenig den Ball gesehen. Er musste schon eine ganze Menge hinterherlaufen“, so Fink, der sich Sorgen um den körperlichen Zustand des Venezolaners nach dem 0:4 gegen den Weltmeister macht. „Ich werde nur Spieler aufstellen, die bei 100 Prozent sind. Deshalb werde ich auch mit Tomas sprechen. Sollte er mir signalisieren, dass er bei diesen 100 Prozent ist, spielt er.“ Ansonsten müsste er umstellen, wobei Gojko Kacar (spielte nur zwei Minuten für Serbien) wohl die erste Alternative neben dem gesetzten David Jarolim auf der Doppel-Sechs wäre.

In der Abwehr wird es dagegen keine Umstellungen geben. Darauf legte sich Fink schon vor einem Gespräch mit Rajkovic fest, der ebenfalls für Serbien im Länderspieleinsatz war. „Ich will hinten nicht zu oft und zu viel wechseln“, sagt Fink, der dabei mit Weitblick agiert. Immerhin droht neben Dennis Aogo und David Jarolim auch dem zweiten Innenverteidiger, Abwehrchef Heiko Westermann, bei der nächsten Verwarnung ein Spiel Zwangspause. Dann müsste Fink gegen Schalke eh umbauen. Ergo: Rajkovic gegen Stuttgart raus und dann gegen Schalke wieder rein – sinnlos.

Sinnlos ist auch die Hoffnung, das Pokal-Aus komplett wiedergutmachen zu können. Denn mehr als drei Punkte gibt es am Sonnabend nicht. Allerdings wäre es schon ein Stück weit Genugtuung, nachdem man in Stuttgart im Dezember trotz einer wirklich guten Leistung mit etlichen Torchancen so bitter ausgeschieden war. „Wir sind an einem an dem Tag top aufgelegten Torwart gescheitert“, sagt Fink und Dennis Aogo ergänzt: „Wir können nicht mehr im Pokal weiterkommen und ärgern uns selbst am meisten über diese verpasste Riesenchance auf Europa. Aber wir können mit einem Sieg wenigstens unsere Fans wieder ein wenig glücklicher nach Hause schicken. Das allein ist Antrieb genug.“

Sein persönlicher Antrieb dürfte durch die durchwachsene Länderspielleistung vom Mittwoch sogar noch mal angefeuert worden sein. Immerhin konnte der smarte Linksverteidiger gegen Frankreich eher wenig Punkte im Hinblick auf die EM sammeln. Das weiß Aogo auch. „Ich werde sicher noch mehrere schwächere Spiele machen und daran nicht zerbrechen. Im Gegenteil. Ich habe gegen einen internationalen Top-Gegner wichtige Erfahrungen sammeln können und will mich jetzt über gute Leistungen beim HSV weiter empfehlen.“ Am Sonnabend gegen niemand geringeren als Martin Harnik. Gegen den in Hamburg aufgewachsenen Österreicher, der in den letzten vier Spielen sieben Mal traf. Allerdings für den VfB, weil ihm in seiner Jugendzeit beim SC Vier- und Marschlande leider kein HSV-Angebot unterbreitet wurde, wie er sagt. „Martin ist ein richtig Guter“, sagt Aogo, „ich habe ja auch schon ein paar mal gegen ihn gespielt. Wenn einer für Gefahr beim VfB sorgt, dann er“, lobt Aogo, um aber klarzustellen: „Ich werde mich dennoch nicht an ihm orientieren. Genauso wenig wie wir uns als Mannschaft am Gegner orientieren werden.“

Klingt gut. Und vor allem optimistisch. Ich bin es auch.

In diesem Sinne, bis morgen,
Scholle (18.55 Uhr)

P.S.: Bislang wurde noch keine Aufsichtsratssitzung anberaumt. Ich habe eben Chefkontrolleuer Otto Rieckhoff gefragt, ob noch für Freitag mit einer Sitzung zum Thema Rene Adler zu rechnen ist. Die Antwort des Aufsichtsratschefs: „Sie können sich sicher sein, dass das morgen nicht passieren wird.“ Demnach wird Adler auch morgen noch nicht verpflichtet. Und Drobny nicht verkauft…

P.P.S: Morgen wird nicht öffentlich trainiert.

Nächste Einträge »