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“Den HSV einfach wieder ins Licht führen”

5. September 2014

Erfreulich an diesem Wochenende ist ja nicht nur das schöne Wetter, das es hoffentlich geben wird, sondern auch die Tatsache, dass der HSV nicht verlieren kann. Aufatmen ist angesagt, tief durchatmen und dazu ein ehrliches und voll durchgezogenes Aufatmen. Und dass der HSV mit einem Sieg in dieses Wochenende gegangen ist, das ist ja auch keine alltägliche Geschichte, aber man könnte sich dran gewöhnen. Okay, das 3:0 in Neumünster ist nicht die Welt, aber immerhin. Und da sich beim Test gegen den Regionalliga-Club auch einige „Neue“ gezeigt haben, wird die Sache noch ein wenig runder. Lars Pegelow war für den NDR 90,3 dabei und hat Stimmen von dieser Auswärtspartie mitgebracht.

 

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So befand Trainer Mirko Slomka später: „Spielerisch war noch viel Luft nach oben, aber wir haben ja auch mit einer Mannschaft gespielt, die so noch nie zusammengespeilt hat, und die so auch nie wieder spielen wird. Aber es gab ein paar wichtige Aspekte. Wir haben 90 Minuten Matthias Ostrzolek gesehen, wir haben 90 Minuten Cleber gesehen, der, wie ich finde, einen sehr guten Eindruck gemacht hat. Er war sehr dynamisch, sehr kopfballstark, und ich habe auch das Gefühl, dass er eine Mannschaft mitreißen kann, obwohl er ja kaum ein Wort Deutsch spricht. Und wir haben auf der Sechser-Position einen Lewis Holtby gehabt, der in jeder Lage des Spiels Kontrolle hatte, anspielbereit war, unser Spiel auch schon ein bisschen geleitet und gelenkt hat. Das hat mir sehr gut gefallen. Und was mir auch gefallen hat ist die Tatsache, dass er immer nachgedrückt hat. Lewis mit seinem Team auch immer versucht, die zweiten Bälle zu erkämpfen, das war zuletzt ein großes Problem von uns gegen Paderborn.“

 

Was schon auffällig war: Lewis Holtby hat in seinem ersten Einsatz gleich versucht, Verantwortung zu übernehmen, er hat dirigiert und die Nebenleute gestellt. Slomka: „Er ist auch ein Typ, der das gerne macht, der gerne Verantwortung übernimmt, das ist auch ein Aspekt, warum wir ihn so gerne wollten, einen solchen Spieler brauchen wir im Zentrum des Platzes. Wir brauchten einen Spieler wie er es ist, der eine Mannschaft führen kann, der mit seiner Präsenz und seiner Klasse eine Mannschaft auch sinnvoll führen kann – er ist ein akzeptierter Spieler. Er versucht das von Anfang an so umzusetzen, auch im Training, gerade diese Elemente des Nachschiebens, des Nachdrückens, des Gewinns des zweiten Balles, die haben wir gegen Paderborn nicht gehabt, deswegen hat mir sein Spiel schon sehr gut gefallen.“

 

Lars fragte den Coach dann auch noch nach dem Torwart, der in einer Woche gegen Hannover 96 im HSV-Tor stehen soll, stehen könnte. Jaroslav Drobny oder Rene Adler? Mirko Slomka: „Dass Drobny gegen Neumünster spielen wird, das war vorher schon geplant, ansonsten würde ich an Ihrer Stelle insgesamt nicht so viel in diese Geschichte hineininterpretieren. Auch in meine Aussagen nicht. Wenn man 0:3 gegen Paderborn verliert, und das am zweiten Spieltag der Bundesliga, dann glaube ich muss man als Trainer einfach alles hinterfragen und alles noch einmal alles aufrollen, denn alle Spieler gehören dazu, denn auch drei Gegentore haben wir kassiert. Und deswegen ist es auch richtig, dass man dann noch einmal genau hinschaut. Drobo hätte heute sowieso gespielt, das hatte nichts mit der Torwart-Position am nächsten Sonntag in Hannover zu tun.“

 

Es ist ja wahrscheinlich auch ein kleiner (oder großer? Oder letzter?) Aufruf an alle, sich jetzt, an diesem wichtigen Punkt der Saison, auf das Wesentliche zu konzentrieren, richtig Gas zu geben, und zwar mit 100 Prozent. Wer jetzt noch nicht gemerkt hat, dass es um seinen Stammplatz geht, der hat die Entwicklung der letzten Wochen irgendwie falsch wahrgenommen. Da lobe ich mir doch Marcell Jansen, der zuletzt das Motto vorgab: „Gas geben und die Fresse halten.“ So wäre es wohl richtig. Jetzt scheint die Stunde der Neuen zu schlagen, daran sollten sich jetzt alle im Team orientieren, denn so wie zuletzt darf es ganz einfach nicht weitergehen.

 

Zu den Neuen gehört ja auch Lewis Holtby, auf den nicht nur die Verantwortlichen größte Hoffnungen setzen. Ich glaube ja auch, dass ihm die Rückkehr in die Bundesliga sehr, sehr gut tun wird, das ist seine Liga, hier wird er es allen zeigen können (auch wollen), was er wirklich kann. Ich glaube, dass er es hier in Deutschland besser kann als irgendwo anders auf der Welt. Dass der (frühere?) Nationalspieler gleich so präsent war im HSV-Spiel, das fiel angenehm auf, denn in der Tat hat der HSV davon kaum Spieler in seinem Team gehabt, die so etwas können und wollen. Holtby zu seinem ersten Auftritt: „Ich habe gleich gesagt, dass ich diese Führungsrolle auf dem Platz gerne übernehmen möchte. Ich möchte mich nicht verstecken, und das weiß der Trainer. In der Zusammenarbeit mit dem Trainer-Team hat das bisher sehr gut geklappt, ich hoffe, dass wir daran an den nächsten Tagen noch schrauben werden, dass wir das auch in der Bundesliga dann zeigen können.“

 

Das sah zum Anfang nicht nur gut aus, das war auch in den Augen von Lewis Holtby schon gut: „Wir haben gewonnen, wir haben zu null gespielt, und die Sonne scheint – alles ist bestens. Darauf können wir aufbauen.“ Muss ja auch. Auf was sonst? Denn bislang hat der HSV null Tore geschossen und nur einen Punkt auf der Habenseite. Spürt Holtby eine gewisse Verunsicherung in seinem neuen Team? Er sagt: „Natürlich können wir alle damit nicht zufrieden sein, aber für uns gilt jetzt, diesen Länderspielabschnitt dazu zu nutzen, die Köpfe frei zu bekommen, das wir nach vorne schauen, dass wir auch wieder auf die Siegerstraße kommen. Von daher müssen wir uns alle richtig auf die Brust klopfen und uns sagen, dass wir gerade im Derby gegen Hannover einfach eine Reaktion zeigen, Geschlossenheit zeigen. Und so wie es Didi Beiersdorfer gesagt hat, eine Identifikation abgeben, auch mit den Fans zusammen, mit jedem, der im Club involviert ist – dass wir einfach Hamburg wieder stolz machen. Und dass wir den Club, der ja riesig ist in Deutschland, einfach wieder ins Licht führen.“

 

Hey, das klingt aber mal gut. Hoffentlich gelingt dieses Vorhaben auch.

 

Dazu passt natürlich die Meldung, dass sich Pierre-Michel Lasogga im Testspiel gegen den VfR Neumünster nicht schwerer verletzt hat. Der 22-Jährige musste am Donnerstagabend in der Partie kurz vor der Pause wegen Knöchelproblemen ausgewechselt werden, es wurden schon schlimmste Vermutungen geäußert, aber am Freitag stand Lasogga dann doch schon wieder auf dem Platz. „Alles gut bei Lasogga. Er kämpft verbissen um jeden Ball“, twitterte der HSV und veröffentlichte zudem ein Video, das den Top-Torjäger gut gelaunt beim Fußball-Tennis zeigt. Also absolute Entwarnung. In diesem Fall.

Ansonsten haben Ivo Ilicevic, Rafael van der Vaart und Tolgay Arslan heute wieder individuell im Stadion trainiert. Und auf dem Rasen ließen sich heute Slobodan Rajkovic und Gojko Kacar mit Reha-Trainer Markus Günther blicken, auch bei diesen beiden Spielern geht es so langsam wieder bergauf.

 

Dann möchte ich noch einmal auf eine gute und große und tolle Sache hinweisen, die es an diesem Sonntag in unserer Stadt zu sehen gibt. Alles für einen guten Zweck:

 

Das Fußballfest am Millerntor feiert Jubiläum mit Weltmeistern von 1954, 1974 und 1990
Franz Beckenbauer, Jupp Heynckes und Michael Ballack entern Hamburg

 

„Uns Uwe“ Seeler, „Kaiser“ Franz Beckenbauer und „Capitano“ Michael Ballack – nur drei der ganz großen Mannschaftskapitäne, die Fußballgeschichte geschrieben haben und beim zehnten „Tag der Legenden“ dabei sind. Unter dem Motto „Die Kapitäne entern Hamburg“ stürmen an diesem Sonntag legendäre Spielführer und insgesamt rund 70 Fußballhelden aus drei Generationen das Stadion am Millerntor.

 

Für das Benefiz-Fußballfest von Reinhold Beckmanns Jugendinitiative NestWerk e.V. kehrt Jupp Heynckes zum ersten Mal nach dem Triple-Gewinn mit Bayern München auf die Trainerbank zurück. Co-Trainer ist Rainer Bonhof, ebenfalls Weltmeister 1974. Anstoß ist um 14.45 Uhr. Sport1 berichtet ab 11 Uhr bis 16.30 Uhr live. Bereits um 10.30 Uhr beginnt ein großes Familien-Unterhaltungsprogramm auf der „Actionmeile“ vor dem Stadion mit Showbühne, Mitmachangeboten sowie Imbiss- und Getränkeständen.

 

Zum zehnten Mal schnüren Dutzende frühere Bundesligaprofis ihre Fußballschuhe zugunsten von NestWerk e.V. Seit der Premiere im Jahr 2005 liefen 223 Legenden auf, darunter 23 Welt- und 36 Europameister. Vergangenes Jahr siegte „Team Hamburg“ gegen „Team Deutschland und den Rest der Welt“ mit 4-3 Toren.

 

Rund 1,75 Millionen Euro kamen bisher durch den „Tag der Legenden“ für die Jugendarbeit zusammen. Die vor 15 Jahren gegründete Initiative NestWerk e.V. fördert in benachteiligten Hamburger Stadtteilen Kinder und Jugendliche u.a. mit kostenfreien Sport- und Musikprojekten, die von Pädagogen und Sozialarbeitern betreut werden und Respekt, Fairness, Toleranz und Solidarität vermitteln. Vergangene Schirmherren waren u.a. Altkanzler Gerhard Schröder, CDU-Politikerin Ursula von der Leyen und im Vorjahr Michael Schumacher. Die Schirmherrschaft zum Jubiläum des legendären Matches übernimmt Franz Beckenbauer.

 

Initiator Reinhold Beckmann: „2005 begann alles mit einer Idee und ein paar Wunschlegenden. Keiner ahnte, was daraus wird, und wer später alles ans Millerntor kommen würde: Beckenbauer, Seeler, Netzer, Breitner, Matthäus und, und, und. Ein besonderer Moment war die Teilnahme von Kevin Keegan 2011. Von der ersten Stunde an war das ein Ziel: Mighty Mouse am Millerntor.“

 

Ihr Debüt beim Match „Hamburg gegen Deutschland und den Rest der Welt“ geben u.a. Arne Friedrich (WM-Dritter 2006), Rekord-Bundesligaspieler Karl-Heinz „Charly“ Körbel, der Vize-Weltmeister von 2002, Carsten Jancker, Ex-HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer, Ghanas früherer Nationalspieler Hans Sarpei und der Holländer Frank Verlaat, früherer Werder-Bremen- und Stuttgart-Profi. Weiterhin stehen im „Team Deutschland“ u.a. die Weltmeister von 1990, Stefan Reuter, Thomas Berthold und Olaf Thon, sowie die Europameister von 1996, Jens Nowotny, Markus Babbel und Fredi Bobic.

 

Für „Team Hamburg“, betreut von Helmut Schulte, laufen zahlreiche HSV- und Pauli-Heroen auf. Erstmals dabei ist St.Pauli-Urgestein Fabian Boll, außerdem u.a. Rachid Azzouzi, Manfred Kaltz, Thomas von Heesen, Bernd Hollerbach, Thomas Meggle, Sergej Barbarez, Matthias Scherz, Thomas Doll, Otto Addo und André Trulsen.

 

Stadion-Moderatoren sind Lou Richter und Arnd Zeigler. Sport1 berichtet ab 11 Uhr bis 16.30 Uhr live. Am Abend feiern rund 600 Gäste wie Udo Lindenberg, Rafael van der Vaart und Partnerin Sabia, Monica Lierhaus oder Steffen Hallaschka die Benefiz-Gala “Nacht der Legenden”. Im Kiez-Theater “Schmidts Tivoli” treten dann Künstler wie Peter Maffay, die Rainbirds und Ina Müller zugunsten von NestWerk auf.

 

Um schnell noch einmal auf Reinhold Beckmann und Kevin Keegan zurück zu kommen. Die Mighty Mouse war 2011 begehrt wie sonst kaum einer. Schon im und vor dem Hotel herrschte ein Ausnahmezustand. Und ich brauchte unbedingt ein Interview, so war die Vorgabe der Chefs. Also machte ich mich an Vereins-Manager Bernd Wehmeyer ran, der ist der beste deutsche Freund von Keegan und hat immer mal wieder Kontakt mit ihm. Und Wehmeyer half in der Tat. Und wie. Total außergewöhnlich. Indem er Keegan von meinen Nöten erzählte – und der Brite machte ein besonderes Interview möglich. Eigentlich hatte er keine Minute mehr Spielraum dafür, aber er half trotzdem. Ich rief Bernd Wehmeyer während des Legenden-Spiels an, und er saß – was für ein Zufall (?) – genau dann auf der Spielerbank, als Keegan ausgewechselt wurde. Und Wehmeyer übergab sein Handy an Kevin Keegan, sodass ich mit ihm, der noch etwas außer Atem auf der Bank saß, doch noch sprechen konnte. Sensationell und unvergessen. So etwas wird es wohl nie wieder geben – jedenfalls mit Keegan nicht.

 

Ja, und dann möchte ich noch kurz auf den heutigen Matz-ab-Artikel im Hamburger Abendblatt (Seite zwei) zu schreiben kommen. Dazu habe ich mehrere Mails erhalten, eine davon war etwas Besonderes. Es schrieb mir dazu ein ehemaliger Tagesschau-Chefsprecher folgenden Beitrag (vielen, vielen Dank dafür!):

 

Sehr geehrter Dieter Matz,

mein Name ist Rumpelmerlin. Der deutet darauf hin, dass Vorfahren meinerseits in Zauberkreisen tätig waren. Eine von mir angestrebte Ahnenforschung hat nun ans Licht gebracht, was ich schon immer vermutete: Ein Vorfahre aus grauer Zeit war entweder der Zauberer von Oz oder Merlin oder dieser kleine griesgrämige Zwerg, den sie in germanischen Gefilden Rumpelstilzchen nennen. An letzteren glaube ich allerdings nicht, da meine Statur doch etwas wohlgeformter ist.
Wenn ich meine hellseherischen Fähigkeiten in Relation ziehe, scheinen meine Gene eher mit Merlin oder – noch weiter zurück in die Vergangenheit – mit der Pythia, also dem Orakel von Delphi, verwandt. So habe ich denn, um bei Ihrem Artikel zu bleiben, schon in der vergangenen Saison vorausgesagt, dass es der HSV schwer haben wird, die Liga zu halten. Dass er es letztendlich doch noch geschafft hat, lag an einem mir nicht bekannten Hexenmeister aus dem Osten, der an den Gehältern der Hamburger Kicker prozentual beteiligt ist. Sein bester und stärkster Öko-Zauberspruch wirkte gerade nochmal. Ob er das in der laufenden Saison ebenfalls erreichen wird, wage ich zu bezweifeln. Die bisherigen Ergebnisse beweisen, dass er als Magier der Schwarzen Kunst langsam seine Kräfte verliert.
Ich versuche nun aus Ihren lesenswerten Artikeln Kräfte zu sammeln, zu bündeln und zu deuten, die mir am Ende als Orakel von Lokstedt helfen sollen, diesen Club doch noch schwarzseherisch umzukrempeln und damit zu retten. Es liegt also auch an Ihnen, ob mir das schließlich gelingen kann.

Mit Abrakadabra-Grüßen
Ihre
Jopythia von Lokstedt

 

Wie gesagt, ein herzliches Dankeschön dafür. Und dann sei zum Schluss noch erwähnt, dass am Sonnabend und Sonntag beim HSV nicht trainiert wird. Aber dafür gibt es ja den „Tag der Legenden“ . . .

 

PS: Mit unserem letzten „Matz ab live“ nach dem Paderborn-Spiel hatten wir in den ersten fünf Minuten leichte (bis schwerere) Ton-Probleme. Deswegen sind die ersten fünf Minuten auch gekappt worden. Leider ist dabei auch die Vorstellung der beiden Gäste „verschütt“ gegangen. Da ich vielfach darauf angesprochen worden bin, wer diese Männer sind, möchte ich Manfred Lorenz und Bert Ehm kurz, ganz kurz vorstellen. Beide sind jenseits der 60, beide haben in Hamburg viele Amateur-Vereine trainiert, Lorenz war lange Zeit Co-Trainer von HSV-Trainer Ralf Schehr (Chef der Zweiten), und Bert Ehm ist der erfolgreichste Trainer der Nachkriegszeit in Hamburg, keiner hat mehr Meisterschaften und Aufstiege gefeiert, als er.

Leider auch über Bord gegangen ist mein Lob, mein spontanes Lob für „Scholle“, der hier (im Blog) vielfach hart angegriffen und attackiert worden ist, aber völlig zu Unrecht. „Scholle“ hat alle Neuzugänge des HSV gewusst und geschrieben, er lag in allen Fällen richtig, und dafür möchte ich mich bei ihm bedanken, wahrscheinlich im Namen all jener, die ihn nicht attackiert, sondern die ihm geglaubt haben.
„Scholle“, das war eine Super-Arbeit! Gratulation, Du hast „Matz ab“ immer weit nach vorne gebracht.

18.07 Uhr

Vier Spieler kamen zur Trauerfeier . . .

2. März 2014

Trauerfeier für Hermann Rieger. Sie kamen aus nah und fern, aber es waren nicht viele. Vorher geisterten die Zahlen von 30 000 oder 20 000 Fans durch die Gazetten, die kommen sollten, und dann waren lediglich 3000 HSV-Anhänger und Herrmann-Rieger-Freunde da. Das war, auf jeden Fall für mich, schon enttäuschend. Es waren ehemalige Weggefährten wie Günter Netzer, der mit Ehefrau Elvira aus Zürich gekommen war, sowie Horst Hrubesch, Stig Töfting („Hermann war der beste Mann im HSV“), William „Jimmy“ Hartwig („Hermann war ein unglaublich anständiger Mensch“), Holger Hieronymus, Bernd Wehmeyer und Rudi Kargus dabei, und von der aktuellen HSV-Mannschaft gerade einmal vier Spieler. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: vier Spieler. Die Herren Profis hatten zuvor trainiert und sind anschließend – nach Hause. Prost Mahlzeit. Das nenne ich mal (k)eine Flagge zeigen. Aber gut, jedem war es frei gestellt, und ein jeder Profi setzt eben seine eigenen Prioritäten. Trainer Mirko Slomka war unter den Trauergästen, Sportchef Oliver Kreuzer ebenfalls, dazu aktuelle und ehemalige Vorstandsmitglieder und Aufsichtsräte, an der Spitze Udo Bandow. Um mal zu offenbaren, wer von den Spielern dabei war: Hakan Calhanoglu, Marcell Jansen, Tolgay Arslan und Dennis Diekmeier. Null Kapitän aber. Traurig.




Mobile Version: Matz ab nach dem Nordderby

Die Feierstunde im Norden der Arena war bewegend, es sprachen HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow („Hermann ist eine Kultfigur geworden, und ich glaube, er ist der einzige Masseur, dem eine solche Gedenkfeier zuteilwird“), der frühere HSV-Präsident Dr. Wolfgang Klein sowie Superintendent Wilhelm Helmers aus Bremervörde. Musikalisch wurde die Feier vom Chor „Viddel 12“, von der Sopranistin Luise Hansen (die ein ganz hervorragendes Ave Maria sang!) und von Lotto King Karl mit seiner Band (inklusive Carsten Pape) begleitet. In den Agenturen hieß es später, dass die Fans bei Lottos „Hamburg meine Perle“ Tränen in den Augen hatten – ich hatte auch auf jeden Fall. Und zwar schon beim wunderbaren „Schlaflied“, das Lotto noch vor der „Perle“ vorgetragen hatte – einfach nur großartig. Spontan sangen die HSV-Fans dann noch gegen Ende der Feier: „Hermann Rieger, du bist der beste Mann . . .“

Wolfgang Klein, das soll nicht verschwiegen werden, erntete für seinen Vorschlag, ein Rieger-Denkmal zu errichten, riesigen Beifall von den Anhängern. Der HSV-Vorstand soll bereits Unterstützung für das Vorhaben signalisiert haben.

Zum sportlichen Teil dieses Berichts. Und da gibt es viele Horror-Nachrichten. Es ist schon unglaublich, wie sich das Pech wieder an die Hamburger heranschleicht:

Slobodan Rajkovic hat bei der Niederlage in Bremen – wie schon sofort befürchtet – tatsächlich einen Kreuz- und Innenbandriss im linken Knie erlitten. Das bedeutet mindestens ein halbes Jahr Pause. Wie bitter für „Slobo“ – und gute Besserung auf diesem Wege. Nach Maximilian Beister nun also der zweite Kreuzbandriss für einen HSV-Profi in dieser Saison. Zudem hat sich, auch das ist eine absolute Hiobsbotschaft, Mittelfeldspieler Milan Badelj einen Bruch der linken Mittelhand zugezogen. Es wird geprüft, ob er die nächsten Partien mit einer Schiene absolvieren kann.

Und nun noch die etwas andere Fußball-Nachricht:

Der Mannschaftsbus des HSV ist am Sonnabend auf der Fahrt zum Weser-Stadion von Werder-Anhängern mit Steinen, Dosen und Feuerzeugen beworfen worden. Die Dummen sterben eben niemals aus. Auf den Bus werfen – das hatte eine Woche zuvor ja auch schon in Dresden sehr gut geklappt, das muss ja unbedingt nachgemacht werden. Am nächsten Wochenende sind ist dann eben ein anderer Bus dran – wetten, dass . . ? „Das war fast kriminell, was da alles an den Bus geflogen ist“, sagte HSV-Manager Oliver Kreuzer. „Das war kein schöner Empfang, aber deshalb haben wir hier nicht verloren.“ Eine Scheibe am Bus wurde dabei zerstört.

Auch nach dem Spiel ging es – außerhalb des Stadion – wieder höchst aggressiv zu. Es ist schon eine schlechte Tradition geworden, dass beim Derby auch die Stadt mit einbezogen wird. Eine Viertelstunde nach Abpfiff nahmen Anhänger eine Kreuzung in der Innenstadt unter Beschlag und nutzten sie für ein spontanes Fußball-Spiel. Polizisten wurden mit Flaschen beworfen, ein Streifenwagen wurde leicht beschädigt. Erst nach einer halben Stunde hatte die Polizei die Lage wieder unter Kontrolle. Verletzt wurde, so die Polizei, bei den Ausschreitungen aber niemand. 17 Fans kamen in Gewahrsam. Die Polizei leitete zahlreiche Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung, Landfriedensbruchs oder gefährlicher Körperverletzung ein. Mehr als 1000 Polizisten aus mehreren Bundesländern und von der Bundespolizei waren im Einsatz. Beim nächsten Mal, dem 101. Derby, werden es dann wohl 2000 sein, und so weiter und so weiter. Alles völlig normal.
Mein Gott . . .

Nun aber dann doch endlich zum Fußball. Ich hatte, entgegen meiner sonstigen pessimistischen neigungen, ganz zuversichtlich auf einen Auswärtssieg getippt. Knapp daneben ist leider auch vorbei. Nach vorne ging beim HSV kaum etwas, zudem haben sich einige Spieler über weite Strecken sehr gut versteckt. Das ist teilweise schon mehr als kümmerlich. Und enttäuscht war ich auch vom Trainer, dass er einen Mann wie Tomas Rincon eine Halbzeit lang (eine Halbzeit zu lang!) als verkappten Rechtsaußen durch die Weltgeschichte turnen lässt. Hat dem guten Mirko Slomka eigentlich bislang keiner gesagt, dass Rincon ein Kämpfer, ein Abräumer, ein Staubsauger – ein Sechser ist, aber kein Flankengott?

Ola John soll ja in etwa einer sein, oder könnte es vielleicht – aber der blieb ja in Hamburg. Weil er sich während der Woche wohl nicht unbedingt für einen Platz im 18-Mann-Kader aufgedrängt hatte. Das ist alles für mich absolut unfassbar. Ich muss mich wiederholen: unfassbar. Da werden zwei Spieler geholt, die nur dann geholt werden sollten, wenn sie dem HSV als Soforthilfe dienen würden, und dann das. So bleibt der HSV das Gespött der Liga. Mehr Ahnungslosigkeit geht doch gar nicht. Sportchef Oliver Kreuzer zu diesem Thema: „Dass die beiden Spieler, Ola John und Quasim Bouy, nicht dabei waren, das ist die Entscheidung. Er sieht die Truppe die ganze Woche, und er nimmt dann die 18 Spieler mit, die den besten Eindruck machen. Er wird seine Gründe haben . . .“

So weit so gut. Kreuzer sagte dann auch noch: „Da müsst ihr mit dem Trainer reden.“ Und zu dem Thema, ob beide Spieler – die als Leihgaben bis zum Saisonenden geholt wurden, schon als Enttäuschungen behandelt werden können, befand der Sportchef: „Vor allem von Ola John haben wir uns mehr erwartet, das stimmt schon, der Quasim Bouy war dazu nicht unbedingt ein Spieler, auf den wir hundertprozentig gesetzt haben, das war nur eine Zugabe, er hat uns wirtschaftlich nichts gekostet. Aber von John haben wir uns mehr versprochen, wobei sein erster Einsatz gegen Basel ja noch vielversprechend verlief. Aber danach kam natürlich zu wenig, obwohl ihm von Trainer van Marwijk das Vertrauen gegeben wurde. Aber es kam zu wenig, und offenbar waren im Training einige andere besser und engagierter, so ist das. Alle weiteren Fragen zu diesem Thema sollte der Trainer beantworten.“

Obwohl Mirko Slomka ja auch nur das sehen (und beurteilen) kann, was er vorgefunden hat. Denn der hat ja nun am wenigsten mit diesen beiden – sagen wir es mal gnädig, mit diesen beiden höchst unglücklichen – Leihgaben zu tun.

Aber seien wir mal ehrlich, diese beiden Spieler, John und Bouy, reihen sich ja ohnehin nahtlos in die vielen HSV-Verpflichtungen, die in den letzten Jahren total in die Hose gegangen sind. Es fehlen erstens Leute, die die Jungs, die geholt werden sollen, kennen und auch einschätzen können, und zweitens fehlen Leute, die denjenigen auf die Füße treten, und zwar mit aller Kraft, wenn es ansteht, solche Art von „Verstärkungen“ zu verpflichten. Und da ist es unerheblich für mich, ob die nur ausgeliehen oder fest unter Vertrag genommen werden. Wer zum HSV kommt, der muss diesem Club auch helfen können, und darf nicht nur als Mitläufer (wenn überhaupt!) auftreten.
Aufwachen, HSV, es ist so langsam an der Zeit, dass mal wieder ernsthafte und profihafte Entscheidungen getroffen werden! Sonst bleibt der „Dino“ auf ewig ein Papiertiger.

„Mindestens 35 Minuten haben wir keinen Fußball gespielt und den Kampf von Werder einfach nur mit gemacht. So hatten es sich die Bremer gewünscht“, sagte Mirko Slomka nach dem Spiel und fügte hinzu: „Wir hatten den Ausgleich nicht verdient.“ Der 46 Jahre alte Fußballlehrer hat seine vergangenen zehn Auswärtsspiele in der Bundesliga (mit Hannover 96 und nun eines mit dem HSV) allesamt verloren. Slomka sagte auch: „Es war ein sehr rassiges Derby. Uns war klar, dass Bremen mit vielen langen Bällen operieren würde, mit seinen beiden großen Stürmern da vorne drin, und dass es dann auch um das Attackieren um den zweiten Ball gehen würde. Gerade in der ersten Phase des Spiels haben wir zwar viele Luft-Duelle gewonnen, aber den zweiten Ball nicht.“

Das war der eine Punkt. Der andere war der, dass der HSV nach vorne nichts auf die Beine gestellt hat. Slomka: „In den ersten 25 Minuten der zweiten Halbzeit haben wir eine gewiss Dominanz auf dem rasen gehabt, allerdings ohne uns entscheidend vor dem Bremer Tor präsentieren zu können, wir haben uns keine Hundertprozentige herausspielen können. Wir haben uns super über die linke Seite durchgesetzt, phasenweise auch über rechts, wir haben auch gut kombiniert, aber nach der Verletzung von Boban Rajkovic war das dann wie abgeschnitten. Dann haben wir nicht mehr zielstrebig nach vorne gespielt. Dann war es auch wieder ein Kampfspiel, das wollten wir auf der einen Seite zwar gerne annehmen, aber auf der anderen Seite wollten wir uns auch mit unserer spielerischen Klasse durchsetzen.“

Oha. Wenn ein HSV-Trainer dieser Tage, Wochen und Monate über die spielerische Klasse des HSV spricht, dann läuft mir immer eine Gänsehaut von oben nach unten über den gesamten Körper – und wieder zurück. Spielerische Klasse. Aha. Dafür muss man aber auch ein ganz spezielles Auge haben. Mir fehlt das zurzeit, das gebe ich gerne zu, aber ich bin ja auch kein HSV-Trainer. Immerhin gab Slomka zu, was ich schon am Sonnabend unmittelbar nach der Niederlage geschrieben habe: „Der Werder-Sieg war verdient.“ Und wie geht es nun weiter? Mirko Slomka: „Wir müssen jetzt sehen, dass wir uns in dieser Woche gut regenerieren, um dann wieder gas zu geben. Zu Hause. Und unsere Heimspiele sind dann ja auch hoffentlich von Erfolg gekrönt.“
Das Prinzip Hoffnung. Da ist es wieder. Und es gibt ja auch noch elf Spiele, elf Spiele! Da sind ja noch 33 Punkte zu holen – keine Panik.

Nach der Niederlage von Bremen gab der künftige A-Nationalspieler Pierre-Michel Lasogga zu Protokoll: „Das Gegentor hat unsere Systematik umgeworfen. Wir haben zwar noch viel Druck gemacht, aber der entscheidende Punch hat gefehlt, um in den Sechszehner zu kommen.“

Und – fast schon die Schlussworte – heute von (Ersatz-)Kapitän Marcel Jansen: „Wir haben gefightet, wir hatten unsere Chancen, haben uns vor allem in der zweiten Halbzeit gut gewehrt. Am Ende haben wir keine klaren Torchancen rausgespielt. Für heute war das zu wenig. Die Situation war und bleibt schwierig und sehr, sehr ernst. Gegen Frankfurt und Nürnberg müssen wir unbedingt gewinnen.“
Natürlich.

Der ehemalige HSV-Manager Günter Netzer, meine absolute Nummer eins wenn es um Analysen im deutschen Profi-Fußball geht, sieht die Rothosen nach diesem 0:1 vor richtig großen Schwierigkeiten. „Es ist eine außerordentlich bedrohliche Situation“, sagte der 69-jährige Netzer und fügte an: „Das müsste jetzt auch der Letzte begriffen haben. Jetzt müssen alle Kräfte mobilisiert werden. Aber ich bin optimistisch, denn das Potenzial ist da.“
Naja. Das klingt dann so wie Slomkas „spielerische Klasse“. Immerhin befand Günter Netzer noch zum „Zehner“ des HSV: „Ich hoffe, dass Rafael van der Vaart von sich selbst enttäuscht ist. Ein Spieler mit seinen Fähigkeiten muss mehr leisten, er müsste vorangehen und darf nicht zur Belastung werden.“

Ganz klar ist, da gibt es auch nichts zu beschönigen, dass Rafael van der Vaart seiner Form meilenweit hinterher läuft. Dass er trotz allem für das Länderspiel der Niederlande gegen Frankreich (nach-)nominiert wurde, ist irgendwie schwer zu verstehen, aber der Herr van Gaal wird schon wissen, woher er die „spielerische Klasse“ seiner Mannschaft zu nehmen hat . . .

Und dann noch der etwas andere Abstiegskampf, und zwar der in der Regionalliga. Die Zweite des HSV hat heute ihr Heimspiel gegen Eintracht Norderstedt – wie schon das Hinspiel – mit 0:1 verloren. Das entscheidende Tor erzielte der Eintrachtler Nadler, als er (Profi-Leihgabe) Jonathan Tah per Doppel-Übersteiger austanzte.
Allmählich gehen auch an der Hagenbeckstraße sämtliche Lichter aus. Robert Tesche und Lennart Müller wurden in der Schlussphase vom Schiedsrichter vom Platz gestellt – das kommt erschwerend hinzu. An dieser Stelle aber nochmals unser Dank an Fabio Morena und Patrick Owomoyela, unsere beiden Gäste bei „Matz ab live“ – das war klasse, dass Ihr unsere Gäste wart. Auch wenn es am Tag danach dann nicht von einem Erfolg gekrönt war.

PS: An diesem Montag wird im Volkspark von zehn Uhr an „individuell“ trainiert. Was auch immer das zu bedeuten hat.

Fink: “Vollgas, kratzen, beißen, kämpfen”

12. September 2013

Mit den Toren von gestern gewinnen wir heute keine Spiele mehr. Sagt Dennis Diekmeier. Überall in der Stadt hängen die Plakate. Und das mit den Toren stimmt nicht nur morgen nicht, sondern stimmt auch übermorgen nicht. Besonders übermorgen. Denn „gestern“, genau in der vergangenen Saison, schoss der HSV in zwei Spielen sieben (!) Tore gegen Borussia Dortmund und gewann beide Bundesliga-Spiele gegen den BVB. Aber wie gesagt, Dennis Diekmeier hat es auf den Punkt gebracht. Wie für dieses Spiel gemacht.

Personell pfeift der HSV nicht mehr aus dem letzten Loch, Rafael van der Vaart wird nach seiner überstandenen Oberschenkel-Zerrung dabei sein, Tolgay Arslan und Marcell Jansen nach ihren Problemen mit einem „dicken Zeh“ ebenfalls, lediglich Artjoms Rudnevs, zuletzt beim 4:1-Sieg in Dortmund Doppeltorschütze, dürfte ausfallen. Der Lette hat Adduktoren-Probleme, war zuletzt aber ja auch ohnehin nicht mehr erste Wahl (bei Trainer Thorsten Fink). Die HSV-Hoffnung sitzt auf der Bank: Pierre Lasogga. Für zehn Minuten und zwei Tore ist der Ex-Berliner bestimmt gut. Im Training jedenfalls „bombt“ er schon nach Herzenslust – und trifft auch oft und meistens auch bildschön.

So wie heute. Lasogga traf zwar nicht, aber da war er in bester Gesellschaft. Keiner traf im Abschlussspielchen auf einem Viertel des Platzes. Wenn Lasogga aber schoss, dann mit Schmackes. Da steckt schon was dahinter, Rene Adler hatte mit den flatternden „Dinger“ seine Mühe. Ansonsten war nichts zu erkennen, wie Thorsten Fink in Dortmund spielen lassen will. Er ließ bunt durcheinander gewürfelt spielen, in einem Team spielten erneut drei Innenverteidiger nebeneinander: Michael Mancienne, Johan Djourou und Slobodan Rajkovic. Und davor, quasi auf der Sechs, Heiko Westermann. Rechts und links davon Dennis Diekmeier (der eine Schwalbe probierte, aber keinen Elfmeter bekam – zu durchschaubar) und Marcell Jansen.

Das sah dann doch so aus, als würde Jansen auch in Dortmund hinten links spielen, und davor Zhi Gin Lam. Das „Baueropfer“ wäre dann Petr Jiracek, der am Dienstag noch mit Tschechien in Italien (1:2 verloren) spielte – und der so recht in dieser Saison noch nicht überzeugen konnte. Und irgendeiner muss ja schließlich draußen bleiben, auch Fink darf ja nur mit elf Mann spielen lassen . . . Tomas Rincon, der heute erst um 14 Uhr vom Länderspiel in Venezuela zurückgekehrt ist, trainierte mit, machte auf mich auch keinen müden Eindruck – und könnte wohl, so ihn denn Fink wollte. Ja, bei einem so großen Kader ist es dann doch, wenn alle (fast alle) fit sind, schwer, die richtige Wahl zu treffen. Fest steht aber: Ivo Ilicevic und Artjoms Rudnevs bleiben ebenso hier wie der verletzte Milan Badelj und die Innenverteidiger Nummer fünf und Nummer sechs, Mancienne und Rajkovic.

Übrigens ist Rene Adler mein großer Hoffnungsträger, dass er dem HSV „die Bude“ rein hält. Erwischt er einen solchen Schokoladen-Tag wie den im September 2012, dann werden Dortmunds Stürmer nichts zu lachen und zu feiern haben. „Wir wissen“, sagt der Nationaltorwart, „wie wir in Dortmund bestehen und auch gewinnen können, aber wir wissen auch, wenn wir nicht, und zwar jeder einzelne, die Top-Leistung abrufen werden, dass es dann nicht reichen wird, denn Dortmund ist ja ganz klar die bessere Mannschaft. Aber dieses Spiel ist eine besondere Herausforderung, auf die wir uns freuen – ich jedenfalls freue mich sehr. Der BVB ist neben oder mit Bayern München die beste Mannschaft Deutschlands, das ist doch reizvoll, gegen ein solches Team anzutreten. Dazu dann dieses Stadion, vor 80 000 Zuschauern anzutreten – herrlich.“
Hoffentlich denkt Rene Adler auch am Sonnabend gegen 20.30 Uhr immer noch so . . .

Von den letzten beiden Erfolgserlebnissen des HSV gegen Dortmund will Thorsten Fink nichts mehr wissen: “Letztes Jahr haben wir zweimal gewonnen, aber das bringt uns ja nichts, wenn die uns jetzt mit 3:0 oder 4:0 vom Hof jagen. Wir müssen schon von Beginn an dagegenhalten, richtig Gas geben, kratzen, beißen und kämpfen, dass wir dort einen Punkt holen.” Realist, der Mann. Guter Mann.

Themenwechsel. Im Hamburger Abendblatt erschien heute ein Interview mit dem HSV-Aufsichtsrats-Vorsitzenden Manfred Ertel. Daraus hat die Agentur einen Kurz-Bericht gemacht:

Aufsichtsratschef Manfred Ertel sieht die diskutierte Strukturreform beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV skeptisch. Der Journalist wendet sich gegen eine Ausgliederung der Profi-Abteilung. Diese sei kein „Allheilmittel für mangelnden sportlichen oder wirtschaftlichen Erfolg“, sagte Ertel dem „Hamburger Abendblatt“ (Donnerstag) und betonte: „Die letzten Insolvenzen gab es doch gerade bei ausgegliederten Vereinen wie Alemannia Aachen, Kickers Offenbach oder MSV Duisburg. Sportlicher Erfolg hängt nicht von Strukturen ab, sondern von handelnden Personen.“
Ließe sich der HSV in dieser Frage von Stimmungen leiten, drohe ihm „so etwas wie eine feindliche Übernahme“, meinte der 62-Jährige. Aufgrund negativer Erfahrungen sei man im europäischen Ausland auf dem Weg zurück zu Mitglieder-Vereinen. „In Europa gilt der HSV e.V. deshalb vielen als Vorbild“, sagte Ertel. An dem Reformkonzept vom ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst-Otto Rieckhoff störe ihn, dass es „Mitbestimmungsrechte der Mitglieder praktisch abschafft“.

Die geforderte Reduzierung des Aufsichtsrates von derzeit elf auf sechs Personen sieht Ertel nicht als vordergründig an, will sich dem Thema aber nicht verschließen. „Maulwürfe bleiben Maulwürfe, ob bei elf oder sieben Mitgliedern“, sagte der Aufsichtsratschef und meinte damit das permanente Ausplaudern von Interna.

Aachen, Offenbach und Duisburg? Welcher Club ist heute denn nicht schon ausgegliedert? Und dann das brisante Thema Vorbild? Stimmt ja wirklich. In Dortmund, bei Bayern München, beim FC Barcelona, bei Real Madrid und bei Manchester United sowie dem FC Arsenal, um nur mal ein Bruchteil jener Clubs zu erwähnen, beneiden sie alle den HSV. Bei diesen Welt-Vereinen kommt schon lange echte Wehmut auf. Sie möchten doch alle so sein, wie dieser großartige HSV. Aber leider haben sie die Chance dazu verpasst. Jetzt laufen in allen diesen Vereinen, und in vielen, vielen mehr, sämtlich Kampagnen zu Struktur-Änderungen. In allen diesen Stadien hängen Plakate, auf denen zu lesen ist: „Zurück zum Fußball! Wir wollen sein wie der HSV in Hamburg!“

Übrigens: „Matz ab“ dient, das sage ich mal so, inzwischen im weltweiten Internet auch als Vorbild aller Fußball-Blogs, und auch ich, sage ich mal so, werde schon seit Jahren als absolutes Vorbild für alle und für jeden gepriesen und hingestellt. Ist wahr. Kann sich jeder erkundigen. Ich bin ein Vorbild, sag ich jetzt mal so, jeder will so sein wie ich. Und wie „Matz ab“ natürlich.

Bis auf den Herrn „Wortspieler“. Der gute Mann ist vielleicht dann doch ein Mann für den HSV-Aufsichtsrat und nun wiederum mein ganz großes Vorbild. Wie der mit den Worten jonglieren kann – einmalig. Er kann alles, weiß alles, weiß alles auch viel besser, und er hat nun ein einzigartiges „Matz-ab-Jubiläum“ aufgedeckt. Wenn wir ihn nicht hätten – und die dicken Kartoffeln. Denn er schrieb nun:

In knapp zwei Stunden (21.00 Uhr) feiert “Matz ab” ein beachtliches Jubiläum: Es sind nunmehr exakt 200 Stunden nach der Vorstellung von “HSVplus”, in denen es der Blogvater geschafft, sich weder mit dem Konzept / Projekt auseinananderzusetzen – weitergeleitete DPA-meldungen außen vor – noch sich in irgendeiner Form zu positionieren. Diese aalglatte Berichterstattung eines Journalisten (!) und Fans sucht seines Gleichen und soll mit diesem Jubiläum Anerkennung finden.

Vielen Dank für den Hinweis auf dieses überragende Jubiläum, wir haben gerade die Sektkorken springen und hüpfen und knallen lassen. Hoch die Tassen, Konfetti und Hintern auf den Tisch.
Wer lesen kann, der ist zwar klar im Vorteil, aber Jubiläum ist Jubiläum.

Dass ich noch keine Stellung zum Thema „HSVplus“ bezogen habe, das ist mir peinlich, aber auch ich lerne ja täglich hinzu. In der Redaktion haben zwar schon einige Damen und Herren angerufen, mir auch geschrieben, ob ich denn schon der Wahl-Helfer, der Presse-Sprecher und der Berater von Ernst-Otto Rieckhoff (und dessen Initiative „HSVplus“) sei, aber die sind ja wohl fast alle wirklichkeitsfremd. Zu diesem Thema aber schrieb ich hier im Blog am 5. September („Lasogga mischt schon richtig gut mit“) – und ich schrieb es schon mehrfach, es mag dem einen oder anderen entgangen sein:

Dann gab es im Sport-Informations-Dienst heute eine Zusammenfassung des heißen Themas „Struktur-Änderungen“ beim HSV, die möchte ich Euch nicht vorenthalten. Auch deshalb schon, weil sich erneut zwei große „Alt-HSVer“ zu Wort gemeldet haben. Um das noch schnell einzufügen, weil ich gefragt worden bin, ob ich der Medienberater von Ernst-Otto Rieckhoff bin: Ich bin es nicht – und bin es doch. Ich unterstütze EOR, weil ich für neue Strukturen bin, sie sind längst überfällig. Wie Thomas von Heesen mir kürzlich sagte: „Der HSV hat den Zeitpunkt verschlafen, das hätte schon vor drei, vier Jahren gemacht werden müssen.“ Stimmt.

Deswegen unterstütze ich Rieckhoff, ich unterstütze aber auch jeden anderen, der sich für neue Strukturen im HSV stark macht. Das gilt für Jürgen Hunke genau so, und falls es den Magath-Plan tatsächlich geben sollte, dann unterstütze ich das auch. In der Hoffnung, das muss ich schon zugeben, dass sich die Herren dann eines Tages so einigen werden, dass etwas Sinnvolles für den HSV dabei herauskommen wird. Das, nur das ganz allein zählt für mich. Nicht jenes und nicht dieser Plan, sondern nur der HSV. Otto Rieckhoff hat aber mit seinem Vorstoß schon mal Maßstäbe gesetzt. Ich hätte mir ja folgende Veränderungen gewünscht:

Aufsichtsrat bleibt Aufsichtsrat – für den HSV e. V. Und für die ausgegliederte Bundesliga-Abteilung drei Vorstandsmitglieder, dazu einen fünfköpfige sportlichen Aufsichtsrat, bestehend aus Jakobs, Hieronymus, von Heesen, Horst Hrubesch und noch einem verdienten Ehemaligen. Das aber, so toll diese Vorstellung für mich auch ist, wäre gar nicht möglich. Weil ja die Mitglieder im HSV entscheiden sollen und müssen. Und in diesem Falle ist eben der Weg, den Rieckhoff nun eingeschlagen hat, der richtige. Was nicht heißen soll, dass nicht auch Hunke und Magath-Kühne einen richtigen Weg (mit den Mitgliedern) einschlagen können. Aber das kommt ja auch erst noch auf uns zu.

Damit habe ich absolut keine Stellung bezogen – das wollte ich so.
Wie oft ich aber schon darauf angesprochen worden bin, dass ich ja für neue Strukturen bin – und dass ich EOR unterstütze, das kann ich gar nicht mehr zählen. Einer der letzten war beim Tag der Legenden am Millerntor der frühere Nationalspieler und heutige Sport1-Moderator Thomas Helmer, der mich am Sonntag wie folgt ansprach: „Du mischt ja ganz schön mit bei den neuen Strukturen des HSV . . .“ Nun gut, offenbar kann man das so und auch so sehen. Der Herr Wortspieler sieht es eben so. Kann ich ihm auch nicht helfen, muss er vielleicht woanders reinschauen, da wird vielleicht kräftiger Stellung bezogen . . . Im Quickborner Tageblatt eventuell.
Ich habe ein Herz für Besserwisser.

Bei der Gelegenheit – auch solche (netten) Beiträge gibt es im Moment wirklich viele:

Hallo ihr beiden,
mit großem Interesse verfolgen wir hessischen HSVer die Entwicklung rund um HSVPLUS.
Da viele von uns mehr Informationsbedarf haben und etwas ändern wollen, haben wir von den HSV Freunden Burgwald eine Infoveranstaltung organisiert, zu der alle hessischen Fanclubs eingeladen wurden.

Vielleicht ist dieses Thema ja auch für euch interessant und ihr möchtet auch kommen und euch das anhören…Ihr seid herzlich eingeladen.
Ein Umweg ist es nicht, wenn ihr nach Frankfurt fahrt, liegt Bracht praktisch auf dem Weg.
Schaut euch doch bitte mal die Einladung an, ich freue mich über eine positive Rückmeldung.

Wir werden übrigens zur JHV im Januar eine Bus chartern und mit unseren HSV-Mitgliedern (41 im Verein) nach HH fahren

Mit blau-weiß-schwarzen Grüßen

Martin Schneider
HSV Freunde Burgwald 2002
mobil 0177 3421 836
mail: hsvfreundeburgwal@googlemail.com

Einige, fast hätte ich viele geschrieben, also einige „Matz-abber“ haben mir in der Tat berichtet, dass sie Mitglieder schon dahingehend ansprechen, zur Mitgliederversammlung im Januar zu kommen, um diese historische Chance der neuen HSV-Strukturen nicht noch einmal verstreichen zu lassen. Ein Aufsichtsrats-Mitglied wirbt bei dem Heimspielen des HSV in der Nordkurve vehement, einfühlsam und „klettig“ für genau das Gegenteil, deswegen ist es auch ratsam, dass andere „normale“ Mitglieder für einen runderneuerten HSV arbeiten. Und es wird gearbeitet, das weiß ich, nicht nur im Team Rieckhoff, nicht nur bei Jürgen Hunke und auch nicht nur bei Kühne/Magath. Es geht schon rund. Ein Freund von mir ist wieder eingetreten in „seinen“ HSV, weil er unbedingt wählen will, und ich weiß von „Matz-abbern“, die ihrerseits Freunde und Bekannte überreden wollen, (wieder) einzutreten, um so dem HSV eine bessere Zukunft zu verpassen. Ich sage ja immer: Über 25 Jahre haben es nun die versucht, die es dann doch nicht konnten, jetzt sollten andere mal auf eine neue Art zeigen dürfen, dass es sehr wohl besser geht.

Und eines dürfte doch auch wohl jedem klar denkenden HSV-Mitglied klar sein: Holger Hieronymus, Thomas von Heesen, Ditmar Jakobs, Günter Netzer, Horst Hrubesch, Manfred Kaltz, Uwe Seeler, heute dazu im „Kicker“ Willi Reimann, die setzen sich nicht nur aus Jux und Dollerei für den neuen HSV ein. Die wissen längst, was in der Bundesliga Sache ist. Auch wenn sie fern ab davon erfahren haben, dass der HSV für viele Clubs und Institutionen in Europa ein Vorbild ist.
Ach man, wenn es nicht so traurig wäre . . .

Bin übrigens gespannt, wie der neue Bild-Kolumnist Frank Rost diese neuen Strukturen demnächst sehen wird. HSV als Vorbild-Verein, oder HSV chancenlos mit diesen amateurhaften Satzungen? Dass Rost nun für Bild schreibt, ist für mich ein echter Hammer, aber man lernt im Leben ja nie aus. Das ist wie weiland Otto Rehhagel. Der hasste einst die Bild wie die Pest. Als ich, es war 1990, noch bei Bild war, bat ich den damaligen Werder-Coach bei einem Hallenturnier in Bremen um ein Interview. Er fragte mich: „Junger Mann, von welcher Zeitung kommen Sie?“ Ich: „Von Bild Hamburg.“ Er: „Dann hat sich unser Gespräch schon erledigt.“ Ich: „Wieso das denn?“ Er: „Dann hat sich unser Gespräch schon erledigt – Ende.“ Ich: „Wieso, Herr Rehhagel, leiden Sie unter Verfolgungswahn? Ich komme aus Hamburg, nicht aus Bremen . . .“ Er wollte mir daraufhin an den Kragen, aber zum Glück für alle Beteiligten mischte sich dann, weil es lauter und hitziger im Raum wurde, Werder-Manger Willi Lemke ein und zog den drohenden und knurrenden und pöbelnde Trainer weg von mir.
Und ein Jahr später? Da war dieser Otto Rehhagel dann Bayern-Trainer – und, weil es Bestandteil seines Vertrags war (auf Vermittlung von Franz Beckenbauer), auch ganz plötzlich Bild-KOLUMNIST!!!! Jawoll, Kolumnist!!! So geht es dann auch mal im Profi-Fußball der Republik. Man darf ja wohl noch mal seine Meinung ändern.

PS: Morgen um 10.40 Uhr fliegt die Mannschaft nach Düsseldorf, dann findet am Nachmittag das Abschlusstraining unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wer es einrichten kann – es wird in Essen (nahe Dortmund) geübt.

18.29 Uhr

Lasogga mischt schon richtig gut mit

5. September 2013

Das war mal ein harter Tag. Von zehn Uhr bis 11.55 Uhr ging es rund im Volkspark. Kraftzirkel heißt das Zauberwort, die Spieler wurden von Cotrainer Nikola Vidovic nach allen Regeln des Zirkeltrainingsgescheucht. Und gaaaaaaanz zum Schluss, da gab es sogar noch ein Spielchen. Und in diesem ging es mächtig zur Sache. Da wollte keiner verlieren, da wurde gekämpft, gemeckert „Du musst mich nicht anschreien“. Dennis Diekmeier zu Maximilian Beister, gelobt, motiviert, gezerrt, gefoult und teilweise recht munter, schnell. ehrgeizig und raffiniert gespielt. Das sah richtig gut aus. Wobei ein anderer Cotrainer durch sein großartiges Spiel gefiel: Roger Stilz. Er durfte mitmachen und schoss sogar zwei Tore. Bei seinem ersten Treffer klatschte sogar Thorsten Fink vor Begeisterung und sagte uns später: „Das war ein Treffer Marke Gerd Müller.“ Stimmt tatsächlich. Unhaltbar für Sven Neuhaus. Am Rande rieben sich die „Kiebitze“ verwundert die Augen.

Früher habe ich ja immer – scherzhaft – gesagt, dass Presse-Chef Jörn Wolf (der mal ein ehrgeiziger Stürmer in Quickborn und Rugenbergen war!) noch bei den Profis mitspielen sollte. Heute könnte Stilz, der ja bekanntlich vom SC Victoria kam, da auch noch mal aushelfen. Vielleicht hätte er sogar morgen, am Freitag, mit dem HSV in Schönkirchen spielen können, aber dieses Spiel ist ja wegen Personal-Notstandes abgesagt worden. Also bitte nicht nach Schönkirchen fahren – und wenn, dann nur an die Ostsee. Das würde sich wiederum sehr lohnen . . .

Noch mal zurück zum heutigen Training: Pierre Lasogga machte mit. Alles mit. Alle Achtung, das hätte ich nach seiner Antrittsrede vom Dienstag, in der er auf das Training mit Reha-Coach Markus Günther verwies, (noch lange) nicht für möglich gehalten. Für das Dortmund-Spiel am 14. September dürfte es wohl dennoch nicht langen, aber dann. Dann kommt Werder. Und dann könnte Lasogga seinen Auftrag erstmalig erfüllen – Tore für den HSV zu machen. Ich hätte nichts dagegen.

Nicht beim Training zu sehen waren heute Rafael van der Vaart und Tolgay Arslan, am Rande trainierte Marcell Jansen. Und natürlich fehlten die Nationalspieler. Auffällig an diesem Vormittag, wie sehr sich die „aussortierten“ Spieler „reinhängten“. Michael Mancienne und Slobodan Rajkovic gaben richtig schön Gas. Gut zu sehen. Wirklich. Ich will da gar nichts hineininterpretieren, aber ich bewundere diese Leute. Keiner – oder kaum einer – hat sie noch auf dem Zettel, jetzt ist erst einmal die Zeit der Vereinswechsel bis zum Januar vorbei, sie könnten gehen lassen – aber das Gegenteil ist der Fall. Und als sich Mancienne einmal bei einer Sprint-Übung besonders viel Mühe gab, da feuerte ihn Vidovic an und lobte den Engländer lautstark. Toll.

Und was mir an diesem Vormittag noch aufgefallen ist: Zhi Gin Lam wird immer mehr zu einem besonders wertvollen Bestandteil dieser Mannschaft. Mitunter denke ich – auch heute – so still bei mir: „Bei dem haben sie nur das ‚h’ vergessen. Lahm.“ Der kleine Lam erinnert mich immer öfter an den Kapitän der Nationalmannschaft, der gerade „nullt“ – 100 Länderspiel-Einsätze. Und wenn ich das schreibe, dann muss ich mir auch eingestehen, dass ich eine solche Entwicklung beim „kleinen Lam“ nicht für möglich gehalten habe. Ich habe einst still, wirklich still, bei mir gedacht: „Das ist ein privates Hobby von Thorsten Fink, unseren kleinen Lam auf Verteidiger umzuschulen . . .“ So denke ich jetzt (schon eine längere Zeit) aber nicht mehr. Es macht Sinn. Und wenn unser Lam so weitermacht, dann werde nicht nur ich weiterhin ins Staunen geraten, sondern wir alle.

Vom „großen Lahm“ kann sich übrigens Thorsten Fink an diesem Freitag ein persönliches Live-Bild machen, denn der HSV-Trainer sitzt auf Einladung des DFB morgen auf der Tribüne in München. Und am Sonntag mischt Fink dann beim „Tag der Legenden“ am Millerntor mit. Ich hoffe, dass Ihr diesen besonderen Fußball-Tag auch noch auf dem Zettel habt, auch wenn diese Veranstaltung (nach wie vor) in einem nicht besonders beliebten Stadion stattfindet. Aber da sollte der Faire Fan doch drüberstehen. Fink läuft da ja auch auf. Und so mancher HSV-Profi von einst ebenfalls. Vielleicht ja sogar David Jarolim, der an diesem Freitag seine langjährige Partnerin (und Mutter seiner beiden Kinder) Denisa heiraten wird. Herzlichen Glückwunsch, den Jarolims, und weiterhin alles, alles Gute für Euch.

Und an Euch Fußball-Fans: Gebt Euch einen Ruck, unterstützt den „Tag der Legenden“, diese gute Sache, es ist doch für einen sehr, sehr guten Zweck. Und ich weiß, weil ich es schon seit Wochen verfolgen darf, wie viel Arbeit sich die Crew um Veranstalter Reinhold Beckmann mit diesem Tag aufgeladen und gemacht hat. Wäre doch schade, wenn der „Tag der Legenden“ vom Hamburger Programmplan verschwinden müsste, weil das Zuschauer-Interesse nachlässt. Bitte kommt am Sonntag ans Millerntor.

Und wo ich gerade bei Programmplan war:

Der HSV muss, da müssen die Fans ganz tapfer sein, in den nächsten Wochen verstärkt am Sonntag ran. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) terminierte die vier Spiele beim 1. FC Nürnberg (6. Oktober), gegen den VfB Stuttgart (20. Oktober), in Freiburg (27. Oktober) sowie gegen Hannover 96 (24. November) jeweils auf 15.30 Uhr am Sonntag. Freitags spielt der HSV lediglich einmal: am 29. November beim VfL Wolfsburg. Das Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt findet am Sonnabend (28. September) um 18.30 Uhr statt. Alle anderen Begegnungen bis zum 14. Spieltag setzte die DFL auf Samstagnachmittag um 15.30 Uhr an, unter anderem auch das Nordderby gegen Werder Bremen am sechsten Spieltag.

Dann gab es im Sport-Informations-Dienst heute eine Zusammenfassung des heißen Themas „Struktur-Änderungen“ beim HSV, die möchte ich Euch nicht vorenthalten. Auch deshalb schon, weil sich erneut zwei große „Alt-HSVer“ zu Wort gemeldet haben. Um das noch schnell einzufügen, weil ich gefragt worden bin, ob ich der Medienberater von Ernst-Otto Rieckhoff bin: Ich bin es nicht – und bin es doch. Ich unterstütze EOR, weil ich für neue Strukturen bin, sie sind längst überfällig. Wie Thomas von Heesen mir kürzlich sagte: „Der HSV hat den Zeitpunkt verschlafen, das hätte schon vor drei, vier Jahren gemacht werden müssen.“ Stimmt.

Deswegen unterstütze ich Rieckhoff, ich unterstütze aber auch jeden anderen, der sich für neue Strukturen im HSV stark macht. Das gilt für Jürgen Hunke genau so, und falls es den Magath-Plan tatsächlich geben sollte, dann unterstütze ich das auch. In der Hoffnung, das muss ich schon zugeben, dass sich die Herren dann eines Tages so einigen werden, dass etwas Sinnvolles für den HSV dabei herauskommen wird. Das, nur das ganz allein zählt für mich. Nicht jenes und nicht dieser Plan, sondern nur der HSV. Otto Rieckhoff hat aber mit seinem Vorstoß schon mal Maßstäbe gesetzt. Ich hätte mir ja folgende Veränderungen gewünscht:

Aufsichtsrat bleibt Aufsichtsrat – für den HSV e. V. Und für die ausgegliederte Bundesliga-Abteilung drei Vorstandsmitglieder, dazu einen fünfköpfige sportlichen Aufsichtsrat, bestehend aus Jakobs, Hieronymus, von Heesen, Horst Hrubesch und noch einem verdienten Ehemaligen. Das aber, so toll diese Vorstellung für mich auch ist, wäre gar nicht möglich. Weil ja die Mitglieder im HSV entscheiden sollen und müssen. Und in diesem Falle ist eben der Weg, den Rieckhoff nun eingeschlagen hat, der richtige. Was nicht heißen soll, dass nicht auch Hunke und Magath-Kühne einen richtigen Weg (mit den Mitgliedern) einschlagen können. Aber das kommt ja auch erst noch auf uns zu.

Nun aber zum SID-Bericht von heute:

Die Stimmung im idyllischen Schindellegi am Zürichsee in der Schweiz könnte zurzeit kaum besser sein. Die hochsommerlichen Temperaturen, und dazu die stabil positive Nachrichtenlage in der alten Heimat: Weil die Zahl der prominenten Fürsprecher der Reformpläne beim HSV von Tag zu Tag steigt, könnte der Weg für einen Einstieg des Unternehmers Klaus-Michael Kühne bei seinem Lieblingsclub bald frei sein.

„Ich bin sehr angetan von dem Konzept, das vorgelegt wurde. Es ist Zeit und unbedingt notwendig, dass etwas passiert“, sagte Günter Netzer der Bild. Die bisherigen Strukturen des HSV, der neben dem VfB Stuttgart, Schalke 04, Mainz 05, SC Freiburg und Nürnberg als einer von noch sechs Clubs der Bundesliga ein eingetragener Verein (e.V.) ist, würden nicht in das moderne Fußball-Geschäft passen. „Die unmögliche Satzung und die Qualität des Aufsichtsrats verhindern notwendige Entscheidungen“, meinte Netzer, der die sportlich erfolgreichste Zeit der Hanseaten mit drei deutschen Meisterschaften und dem Europapokalsieg von Athen als Manager mitbegründet hatte. Und auch der HSV-Rekordspieler Manfred Kaltz sprach sich am Donnerstag für ein neues Konzept aus. „Ich kenne die Details nicht, aber vom Prinzip her finde ich es gut, weil nur so die Chance besteht, etwas zu verändern, das ist beim HSV dringend notwendig“, sagte Kaltz dem SID. So wie bisher könne es nicht weitergehen, „seit Jahren herrscht Stillstand“.

Zuvor hatten sich bereits die HSV-Granden Ditmar Jakobs, Thomas von Heesen und Holger Hieronymus öffentlich für die Pläne des früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst-Otto Rieckhoff ausgesprochen. Die aktuelle Clubführung steht den Plänen Rieckhoffs offen gegenüber. „Wir werden uns das Modell im Vorstand genau angucken. Grundsätzlich ist die Entwicklung so, dass früher oder später alle Clubs den Profi-Bereich ausgliedern werden“, sagte der HSV-Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow der Bild-Zeitung. Über die Chancen werde er keine Prognose abgeben, „aber ich finde es immer gut, wenn solche Initiativen aus dem Mitgliederkreis kommen“. Und selbst bei den Fans wächst die Zahl der Befürworter der Initiative des früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst-Otto Rieckhoff. So hatte die entsprechende Facebook-Seite von „HSVPlus – Aufstellen für Europa“ bereits am Donnerstagmittag fast 10 000 Unterstützer. Einig ist man sich in der Anhängerschaft darüber, dass der Aufsichtsrat – wie von Rieckhoff vorgesehen – dringend verkleinert werden muss. Kontrovers wird in den Foren dagegen über die Ausgliederung der Profi-Abteilung und die Einbindung von Sponsoren diskutiert.

„Das ist die Königsfrage, die jedes Mitglied für sich selbst entscheiden muss“, sagte Christian Bieberstein, Chef der mächtigen Fan-Gruppierung „Supporters“ (55 000 Mitglieder), dem SID. Ein Sturm der Entrüstung, den es noch vor acht Jahren bei einem ähnlichen Vorstoß des damaligen Clubchefs Bernd Hoffmann gegeben hatte, blieb diesmal aus. Und so darf sich Milliardär Kühne, der dem HSV schon mehrfach unter die Arme gegriffen hat, berechtigte Hoffnungen auf einen Einstieg bei den Norddeutschen machen. Sogar seine Wunschlösung mit Felix Magath scheint inzwischen möglich. „Mit seiner Erfahrung in verschiedenen Bereichen des Profigeschäfts wäre es elementar wichtig, Felix dabei zu haben“, sagte Europacup-Sieger Hieronymus der Hamburger Morgenpost: „Ich würde es klasse finden, wenn er uns unterstützt.“

PS: An diesem Freitag wird morgens um 10 Uhr im Volkspark trainiert, danach ist Wochenende – und frei.

Oliver Kreuzer: “Wir reden nichts schön . . .”

26. August 2013

Beim HSV wird jetzt schon eine 0:1-Niederlage wie ein Sieg gefeiert, nur deshalb, weil es nur ein 0:1 und kein 1:5 war. Das sagen Spötter – und zwar landauf, landein. „Falsch“, sagt HSV-Sportchef Oliver Kreuzer, „wir feiern keine Niederlage, und wir reden auch nichts schön. Ich bleibe dabei, wir reden nichts schön. Aber es ist doch normal: Wenn man 1:5 verliert, und dann hat man in der folgenden Woche solche Probleme – das geht doch an keiner Mannschaft spurlos vorüber. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass wir in Berlin nach anfänglichen Schwierigkeiten besser ins Spiel gekommen sind. Eigentlich hätten wir da einen Punkt verdient gehabt. Und mit etwas mehr Abschlussglück und mit etwas mehr Zielstrebigkeit holen wir auch einen Punkt dort.“ Kreuzer weiter: „Dann haben wir zwar immer noch keinen Sieg, aber nach Hoffenheim musst du doch auch die kleinen Dinge aufgreifen, um voran zu kommen. So wissen wir natürlich selbst: Drei Spiele, ein Punkt – große Kacke. Ja, das wissen wir selbst. Aber wir feiern jetzt keine Niederlage, feiern auch keine Wiederauferstehung. Nein, es war ein Trend zu sehen, und diesen Trend müssen wir gegen Braunschweig intensivieren.“

Kreuzer ging auch kurz noch einmal auf die vergangene Woche ein, als der HSV Gesprächsthema Nummer eins in Fußball-Deutschland war: „Was da passiert ist, ist eigentlich nicht förderlich für einen Fußball-Verein, auch nicht für eine Fußball-Mannschaft. Das waren Dinge, die nichts mit dem Fußball zu tun hatten, aber es waren Dinge, die uns und die Mannschaft natürlich begleitet haben. Das soll aber keine Entschuldigung sein für die Niederlage in Berlin.“ Und, um gleich in die Zukunft zu blicken: „Wir wollen am Sonnabend gegen Braunschweig gewinnen, ganz klar, deswegen hoffen wir auch auf Ruhe in dieser Woche, damit wir uns ruhig und konzentriert auf dieses Spiel vorbereiten können.“

Speziell zu Kühne sagte Kreuzer: „Ich hatte vor drei Wochen ein sehr angenehmes Gespräch mit dem Herrn Kühne, deswegen hat mich diese Pauschal-Kritik an alle Leute im Verein geärgert. Man kann immer diskutieren über Struktur-Änderungen, das ist in Ordnung, aber ob man das in dieser Form machen muss, darüber kann man auch diskutieren, doch ich fand es komplett unangebracht, dass er auf einzelne Personen losgeht, die er gar nicht kennt, deren Arbeit er aus der Distanz gar nicht beurteilen kann.“

Drei Spiele, ein Pünktchen – träumt der HSV immer noch international? Oder werden die Ansprüche nun doch schon zurückgeschraubt? Kreuzer: „Das wollen wir noch nicht, ich glaube, die Mannschaft hat diese Qualität. Wenn wir nach dem 3:3 gegen Schalke gegen Hoffenheim gewonnen hätten, dann hätte das alles eine gewisse Eigendynamik abgenommen – leider lief es nicht so, leider sind wir gegen Hoffenheim untergegangen. Und dann hatten wir diese schwere Woche, dann das Spiel in Berlin, in dem die Mannschaft zunächst noch unter dem Einfluss des 1:5 stand. Trotz allem bin ich der Meinung, dass wir in Berlin eine Leistungssteigerung in allen Bereichen haben erkennen lassen.“

Ich bleibe dabei: Wenn der gute „Rudi“ Artjoms Rudnevs eine oder zwei von seinen drei Groß-Chancen genutzt hätte, dann hätte der HSV nie verloren. Vielleicht auch deshalb will der HSV die Suche nach einem neuen Angreifer noch einmal verstärken. Plötzlich und unerwartet hatte ja Club-Chef Carl-Edgar Jarchow am Sonntag beim NDR-Sportclub live zu diesem Thema gesagt:

„Wir würden sicherlich gerne noch einen weiteren offensiven Spieler verpflichten. Wir wären sicherlich dazu in der Lage, aber wir haben uns gewisse Budgetziele gesetzt . . .“

Was Jarchow sonst noch gesagt hat, könnt Ihr im weiteren Verlauf dieses Berichtes lesen.

Interessant aber war, dass der HSV „dazu in der Lage wäre“. Das hieß doch in den letzten Wochen ganz anders: Erst verkaufen, um Geld zu haben für einen neuen Stürmer. Und noch immer sind Robert Tesche, Gojko Kacar, Michael Mancienne und Slobodan Rajkovic nicht verkauft beziehungsweise nicht verschenkt worden – und trotz allem „in der Lage“? Was ist über Nacht passiert? Ein Lottogewinn? Oder hat Klaus-Michael Kühne doch noch ein Einsehen gehabt? Ich bin gespannt, wie sich diese Suche und das Bezahlen eines neuen Stürmers noch entwickelt. Eren Derdiyok (Hoffenheim) könnte der „Neue“ sein, Julian Schieber (BVB) oder auch Patrick Helmes (Wolfsburg II), vielleicht auch Ciprian Marica (zuletzt Schalke 04). Mladen Petric ist es nicht, das steht fest. So gut wie, denke ich mal, man soll im Fußball ja nie nie sagen.

Oliver Kreuzer zur Stürmer-Suche: „Wir werden heute im Verein beraten, was machbar ist. Wir brauchen in der Offensive noch einen guten Mann, nicht allein deswegen, um dem Rudi Druck zu machen, sondern auch deshalb, um dem Trainer eine Alternative anzubieten. In Berlin saß kein Stürmer mehr auf der Ersatzbank, und da ist es für einen Trainer schon wichtig, wenn man gegen Ende des Spiels noch einmal Druck machen will, dass man dann noch eine Alternative hat.“ Kreuzer sagt dann noch zwei wichtige Dinge: „Die Zeit drängt. Und ein neuer Stürmer würde absolut Sinn machen. Absolut Sinn machen, keine Frage. Denn wenn man keinen Stürmer mehr holen würde, begibst du dich natürlich in gefährliche Situationen. Es kann doch mal sein, dass sich der Rudi für acht Wochen verletzt, oder er kassiert eine dumme Karte. Und dann hätte man keine Alternative, und das halte ich für gefährlich. Man würde den Erfolg gefährden, denn um Spiele zu gewinnen, braucht man Tore . . .“

Auch auf der Abgabenseite will der HSV in dieser Woche – natürlich – noch etwas tun. Gut sieht es – so der Sportchef – bei Robert Tesche aus, dem ein Angebot aus Deutschland vorliegen soll, und gut sieht es auch bei Gojko Kacar aus, der beim russischen Tabellenletzten Tom Tomsk im Gespräch sein soll. Michael Mancienne möchte gerne gehen, Slobodan Rajkovic möchte gar nicht so gerne gehen – offenbar ist der HSV-Vertrag doch zu gut.

Dass diese „aussortierten“ Spieler eventuell doch noch einmal eine Rolle beim und für den HSV spielen könnten, verneint Oliver Kreuzer strikt: „Das wäre grundverkehrt, da macht man sich als Verein auch lächerlich. Man muss jetzt dazu stehen, denn wir haben beschlossen, dass wir unseren Weg ohne diese Spieler gehen – da gibt es auch kein Zurück mehr.“ Das wäre also endgültig geklärt.

So, dann noch einmal zurück zum vergangenen Sonntag. Da war der HSV-Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow zu Gast im NDR Sportclub live und gab ein ausführliches Interview zur Lage des HSV. Er sagte dabei über . . .

. . . Trainer Thorsten Fink:
Er hat noch Kredit, keine Frage.

… zu möglichen Verpflichtungen:
Wir würden sicherlich gerne noch einen weiteren offensiven Spieler verpflichten. Wir wären sicherlich dazu in der Lage, aber wir haben uns gewisse Budgetziele gesetzt, wir wollen keinen Verlust machen, insofern werden wir versuchen, unseren Kader in den nächsten Tagen noch zu verkleinern. Auf alles andere sind wir vorbereitet.

… zum Kühne-Interview im Hamburger Abendblatt:
Seine Vorschläge, das ist seine private Meinung, die kann er gerne äußern. Ich werde das nicht befeuern, indem ich dazu Stellung nehme. Man sollte ganz deutlich sagen, der HSV ist kein Verein, der sich von außen hineinregieren lässt, sondern der Vorstand ist für den Trainer zuständig und der von den Mitgliedern gewählte Aufsichtsrat für den Vorstand und so wird es auch bleiben. Die Frage einer veränderten Struktur werden wir intern besprechen und als Vorstand auch begleiten.
Der HSV wäre schlecht beraten, wenn er sich von außen unter Druck setzen ließe von einer einzelnen Person, die sagt, wenn ihr das und das macht, dann kriegt ihr mein Geld. Wenn wir uns in diese Abhängigkeit begeben, wären wir schlecht beraten.

Zu Wort kam in der Sendung auch der ehemalige HSV-Präsident Dr. Wolfgang Klein. Er sagte im NDR Sportclub-Interview …

… zur Reaktion von HSV-Sportdirektor Kreuzer auf die Kühne-Kritik:
Ich finde es schlicht und ergreifend dumm. Das spricht nicht unbedingt für Herrn Kreuzer. Darüber gibt es ja hoffentlich keine Debatte, dass Herr Kühne für den HSV bisher weit mehr geleistet hat als Herr Kreuzer. Und Herr Kreuzer schneidet sich damit möglicherweise Investitionsmöglichkeiten ab, um die Mannschaft zu verstärken. Ich hoffe, dass das nicht geschieht, aber die Gefahr ist groß. Wenn man so unüberlegt reagiert, dann ist das einfach dumm.

… zur Personalie Carl-Edgar Jarchow:
Er hat seine eigene Position geschwächt, indem er auf die Frage zur Strukturreform sinngemäß gesagt hat: Das ist nicht mein Bier, das ist Sache der Mitglieder. Wenn man das vergleicht mit einem mittelständischen Unternehmen, dann möchte man wissen, was mit dem Geschäftsführer eines solchen Unternehmens wäre, wenn der sich so äußern würde.
Er muss sich hinterfragen, was überhaupt seine Aufgabe ist. Was eigentlich notwendig ist für den HSV. Und wenn er nicht einsieht, dass er sich selbst stark machen muss für die Strukturreform, für die Ausgliederung des Profi-Fußballs, dann hat er auch keine Position mehr nach einer Strukturreform im HSV.

… zum Image des HSV:
Ich kenne keinen in Deutschland, der ein bisschen Ahnung vom Fußball hat, der sagt, der HSV hätte noch bis Ende letzten Jahres ein positives Image gehabt. Ich kenne keinen Spielerberater, der gerne mit dem HSV verhandelt, ich kenne keinen Spieler, der von sich aus gerne zum HSV kommen würde, und ich kenne auch keinen Sportchef und keinen Aufsichtsratskandidaten, der bei dieser Struktur wirklich gern mit dem HSV spricht. Und das sage ich eben. Die notwendige Grundlage für eine verbesserte Situation ist einfach die Strukturreform.“

… zur Strukturreform:
Ich habe die große Hoffnung, dass in der Mitgliederversammlung im Januar bereits sehr ernsthaft nicht nur über die Strukturreform geredet wird, sondern dass wir sogar eine Dreiviertelmehrheit zusammenkriegen. Und das würde die Ausgliederung des Fußballbereichs bedeuten. Ich verwende das Wort Ausgliederung ganz bewusst. Ich weiß, beim HSV soll man nur Strukturreform sagen, aber ich weiß nicht, warum dieses alberne Unterscheiden notwendig sein soll.“

Ja, ich will Euch nicht langweilen, aber ich werde mit Mails und sonstigen Nachrichten-Formen zugeschmissen. Ist ja auch logisch. Ich wurde u. a. gefragt, ob ich meine Telefonnummer nicht preisgeben könne, weil es so einfacher wäre, Probleme zu besprechen. Andere „Matz-abber“, so ist hier zu lesen (stimmt ja!), hätten meine Nummer ja auch. Da bitte ich um Nachsicht, dass ich meine Handy-Nummer nicht öffentlich machen möchte. Diejenigen, die sie haben, die waren wohl einst mal Matz-ab-Gewinner und wurden von mir angerufen, oder sie hatten die Nummer schon früher, bevor ich mit „Matz ab“ losgelegt habe. Wenn ich aber meine Nummer hier nennen würde – ich würde kaum noch zu anderen Arbeiten kommen, ganz sicher. Deswegen bitte ich um Verständnis, dass nicht . . .

Dann bekam ich auch einige Leserbriefe, die so begannen:

Ich bin mal gespannt, ob Sie den Mut finden oder haben, meine Zuschrift zu veröffentlichen . . .

Darauf bin ich nicht so sehr gespannt, denn das ist für mich die denkbar schlechteste Variante, einen Leserbrief zu beginnen. Wenn ein Brief gut ist, wenn dazu auch die Chance besteht, es vom Platz her zu veröffentlichen, dann wird er auch hier gezeigt. So wie die, die nun noch folgen. Wer sich gelangweilt fühlt, sollte nun „abschalten“, aber ich denke, es sind ganz lesenwerte Beiträge aus unserer Mitte. Und noch ein kurzer Hinweis: Ein User schrieb mir, dass Günter Netzer mein Favorit Nummer eins sei. Das stimmt grundsätzlich, denn ich hänge, wo immer Netzer auch etwas sagt, stets an seinen Lippen. Der Mann ist Weltklasse. Aber ich habe niemals behauptet, er sei ein Mann für den HSV, Netzer sei der Mann, der den HSV aus dem Sumpf führen kann. Da muss ein Missverständnis vorliegen, so etwas habe ich nie geschrieben und nie behauptet.

Nun aber der erste Beitrag aus unserer Mitte:

Einen Funken Hoffnung bitte!!!
Sehr geehrter Herr Matz, für uns alle als HSVer sind es wieder mal schwere Tage… und alle sind sicherlich froh um jeden kleinen Hoffnungsschimmer. Daher möchte ich eine Frage an Sie richten. Generell ist es ja mehr als lobenswert, wenn bei unserem Verein auch mal passiert, ohne das dies direkt in den Medien breitgetreten wird. Daher ist es für Sie natürlich auch wohl sehr schwierig meine Frage betreffend eine Antwort zu formulieren, da ja eigentlich im besten Fall alles hinter verschlossenen Türen eingetütet werden soll, bevor es nach außen dringt. Fragen muss ich trotzdem: Sie haben wiederholt angedeutet, dass “etwas Großes” passieren kann/soll/wird… ehemalige HSV-Größen und ein paar Millionen von Herrn Kühne könnten dabei eine Rolle spielen.

Meine Frage: läuft die Planung nach aktueller Kenntnis weiterhin? Und wann ist ENDLICH!!! mit einer entsprechenden Entscheidung zu rechnen? Ich frage mich ernsthaft wie es nur sein kann, dass eine Kapazität des deutschen Fußballs wie Felix Magath mit seiner Geschichte in unserem Verein im AR keine Mehrheit finden kann. Gut, die Probleme sind mir bekannt… aber generell ist es einfach unfassbar. Zwischen den Zeilen ist ja sehr deutlich zu lesen, dass Magath nur zu gerne zur Verfügung stehen würde. Wenn ich zudem lese, dass Horst Hrubesch sagt er würde, unter den richtigen Voraussetzungen, gerne helfen und in der angespannten finanziellen Situation in entsprechender Konstellation auch von Herrn Kühne eine weitere “Schenkung” erfolgen könnte, dann frage ich mich: wann geht da jemand mal richtig in die Offensive, wann passiert da was?

Magath könnte als einer der wenigen für etwas Ruhe in der Presselandschaft UND im Verein sorgen, Hrubesch kennt alle Talente im deutschen Fußball… all das muss man ja keinem erzählen… wie soll und kann das laufen? Verschiedene Personen müssten ja letztlich freiwillig zum Wohle des Vereins zurücktreten, um den Weg frei zu machen. Magath & Co. werden es sicher nicht auf eine “Kampfabstimmung” ankommen lassen, die haben sie nämlich nicht nötig… und sie würden “es” nur machen, wenn eine Ausgliederung erfolgt?! Also müsste der aktuelle Vorstand diese durchbringen. Das Interesse daran erscheint mir von dort jedoch insgesamt sehr vage. Und eine Ausgliederung hätte wohl entweder nur dann, oder zumindest weit größere Chancen, wenn Magath und andere namentlich sich dann auch zur Verfügung stellen würden. Offiziell, nicht so schemenhaft wie bisher. Vielleicht können Sie ja aus ihrer Sicht, ohne vielleicht zu viel zu verraten, zumindest mal skizzieren, wie sich die Angelegenheit darstellen könnte.
Ich bin gespannt…
Danke und Gruß, Sascha

Zur allgemeinen Lage des HSV erhielt ich – schätze ich mal – weit über 100 Mails, und täglich kommen mehr. Hier nur ein Exemplar davon:

Guten Tag.

Seit zwei drei Tagen kämpfe ich mit mir, ob ich mich in dieser Angelegenheit auch zu Wort melden soll. Ich wollte allerdings in keinem Fall einen Matz-ab-Kommentar verfassen, denn in diesem Forum geht es ja hauptsächlich um Rechthaberei – mir allerdings ist das nicht das Wichtigste.

Ich will auch nicht groß meine Meinung zu den vielen aktuellen Affären des HSV darlegen, ich möchte nur einmal darauf hinweisen, wie dies Theater in anderen Gegenden Deutschlands – in meinem Fall in Frankfurt am Main – ankommt. Der HSV und seine Protagonisten verkommen hier zur Lachnummer der Nation. Es wird schon nicht mehr über die HSV-Eklats berichtet, nein, sie werden nur noch glossiert. Speziell in Frankfurt steigt das Ansehen Armin Vehs, der ja von sich aus nicht mehr beim HSV bleiben wollte, bevor er entlassen wurde.

Wenn tatsächlich die zwei freien Tage bereits vorher, vermutlich in allgemeiner Erwartung eines sicheren Sieges, gewährt wurden, dann ist es sicherlich wenig verwerflich, dass diese Tage von zwei wahrscheinlich daran unbeteiligten Ersatzspielern verplant wurden. Der Flug nach Mallorca ist nur knapp eine Stunde länger als der nach München, wo der Trainer die zwei freien Tage bei seiner Familie verbracht habe, hieß es in den hiesigen Zeitungen.
Natürlich tragen auch die Medien in Hamburg dazu bei, und ich frage mich wirklich, warum es notwendig ist, alles, wirklich aber auch alles breitzutreten. Wenn ich beispielsweise an Wochenenden meinem Basketballverein hinterherfahre, obwohl ich auch andere Dinge zu tun hätte, schreibt kein Mensch darüber. Wenn Vertragsverhandlungen unterbrochen werden – ein völlig normaler Vorgang – dann wird drei Tage lang ein Trara gemacht. Warum kann die Presse nicht auch einmal einvernehmlich sagen: „Das ist nun eigentlich Privatsache und keiner Berichterstattung wert?”

Wenn sich also noch mehr Deutsche außerhalb Hamburgs bestens amüsieren sollen, dann sollte sowohl der HSV als auch die Hamburger Presse so weitermachen, auch die Kabarettisten und Satiriker werden sich sicher freuen, während die Fans sich schämen.

Soweit das Stimmungsbild aus Frankfurt, kann gerne auch an die Herren Matz und Scholle weitergegeben werden – was vermutlich aber nicht nötig sein wird, da ich vermute, dass sie bestens informiert sind.

Klaus G.

Dann zu den neuen Strukturen, die kommen müssen und sollten, wenn der HSV weiterhin in der Ersten Liga spielen soll. Es ist nur ein Ausschnitt aus einer längeren Mail:

. . . .Ich finde es aber schade, so hab ich das Gefühl, das du ein wenig in der Neutralität zu diesem Thema abtauchst und deine täglichen Hoffnungsvolle Worte in Bezug auf:
„Da tut sich was und das ist gut so!“ kaum noch wissen lässt. Zumal es gestern in der Bild am Sonntag eine Steilvorlage von Herrn Netzer gab dieses Thema wieder und wieder zu thematisieren!

Oder ist es mittlerweile (kenne ja die Mails, SMS, etc. nicht an dich) zu heikel geworden, dieses täglich in deinem Blog so rüber zu bringen?

Dazu möchte ich sagen, dass ich nicht müde geworden bin, dass ich aber nicht immer mit dem langweilen möchte, was ich bisher schon geschrieben habe. Tatsache ist, dass es hinter den Kulissen reichlich Betrieb gibt, und schon bald wird der eine oder andere HSVer, der daran beteiligt ist, damit an die Öffentlichkeit treten. Das soll, so wie ich weiß, schon in der kommenden Woche der Fall sein – Ihr werdet es dann von allen Seiten erfahren. Nur Geduld. Aber es tut sich etwas. Etwas Gutes, so denke ich. Auch wenn vom Aufsichtsrat ja der eine oder andere schon tatkräftig dagegen arbeitet, aber das ist ja auch alles eine Sache der Einstellung. Punktspiele auf dem Grandplatz an der Gustav-Falke-Straße, oder weiterhin in der Ersten Liga und im Volkspark, das ist hier die Frage.

PS: Morgen (Dienstag) wird im Volkspark um 10 Uhr trainiert. Um 18.30 Uhr spielt dann der HSV in Heide gegen den „kleinen HSV“ aus der Schleswig-Holstein-Liga.

18.06 Uhr

Mein Gewinner heißt Oliver Kreuzer

11. Juli 2013

Pausenclown. Oder auch nur Lückenbüßer. So komme ich mir zwischen den beiden Trainingslagern nun vor. Jedenfalls ein wenig. Bevor aber jetzt der eine oder andere „Matz-abber“ die Idee hat, dass ich nun schon nicht mal mehr zu einem Trainingslager mitfahren darf – so ist es nicht. Ich hätte gedurft, aber ein solches Trainingslager ist ja für die Journalisten auch dazu da, Kontakte zu knüpfen oder Kontakte zu intensivieren. Und da ist „Scholle“ nun mal der Mann, der künftig gefragt ist, wird er doch vom 14 . September an hier der „Chef von Janze“. Er braucht die Kontakte deshalb nötiger als ich, und genau deshalb habe ich bewusst und gerne verzichtet. Damit der Laden läuft.

Ich habe mir das erste HSV-Trainingslager, das im Zillertal gelaufen ist, mal aus der Ferne betrachtet, und es gab auch da (natürlich) noch jene Achterbahnfahrt, die wir in den letzten Jahren schon beobachten konnten – sofern wir nicht sogar mit in dieser Bahn saßen. Was mir aber sehr, sehr gut gefallen hat, dass war das Auftreten des Herrn Kreuzer. Auch „Scholle“ hat das bereits gewürdigt und gelobt, ich muss es noch einmal aus meiner Sicht schildern. „Aber hallo“ – habe ich bei mir gedacht, als ich die Aussagen von Kreuzer nach der 0:2-Pleite gegen Wacker Innsbruck las. So etwas von einem HSV-Sportchef? Das gab es ja seit Jahrzehnten nicht. Zur Erinnerung für alle, die es schon vergessen oder verdrängt haben. Bei „Matz ab“ und von „Scholle“ hieß es:

„Wir dürfen uns nicht noch einmal so präsentieren, wie in Innsbruck“, sagt Sportchef Oliver Kreuzer noch mal klar und redet sich ein wenig in Rage. „Das Spiel in Innsbruck kam sicher zu einem unpassenden Zeitpunkt. Aber so ein Auftreten kann und darf nicht das Resultat sein. Das war eine unterirdische Leistung. Sowas darf nicht noch ein zweites Mal passieren. Wir dürfen uns nicht so blamieren. Gerade jetzt, wo wir stimmungsmäßig auf einem guten Weg waren, wirft uns das meilenweit zurück. Jetzt heißt es doch gleich wieder: ‚Da geht dieselbe Scheiße von vorne los’. Dabei war vorher zuträgliche Ruhe im Stall.“

In ähnlich klaren Worten habe er es auch den Spielern gesagt, die das Spiel laut Kreuzer zu leicht genommen haben. Und dann sagt der Sportchef etwas, was mich hoffen lässt, dass endlich nötige Veränderungen im Anspruchsdenken und Handeln der Spieler herbeigeführt wird. „Der HSV muss immer gewinnen. Immer! Egal ob Champions-League-Finale, Innsbruck oder Zillertalauswahl – das muss unser Anspruch sein. Fürth und Augsburg darf sowas mal passieren. Aber Mannschaften wie Bayern Dortmund, Schalke und Hamburg nicht. Wir dürfen kein einziges Spiel mehr zu leicht nehmen. Denn genau da fängt es an …“

Sätze, mit denen Kreuzer offene Türen bei Thorsten Fink einrennt, denn der Trainer sagt. „Der Olli hat halt die Bayern-Mentalität noch drin, das Sieger-Gen. Ich finde es gut, wenn der Sportdirektor gleich Gas gibt.“

Also: Oliver Kreuzer bekommt dafür von mir eine glatte Eins. Großartig! Er ist mein Gewinner der ersten HSV-Wochen dieser Saison. Da wird – hoffentlich – nicht mehr schöngeredet, da wird schonungslos analysiert und angesprochen, was auch Sache ist. Das lässt mich für die Zukunft stark hoffen, dass dem HSV-Anhang (also uns) künftig kein 1:1 gegen einen Tabellenletzten als“ gutes Spiel“ verkauft wird, und dass aus einer 0:1-Heimniederlage gegen Augsburg Minuten nach dem Schlusspfiff nicht doch noch ein Sieg des HSV „gemacht“ wird. Macht Oliver Kreuzer so weiter, dann bleibt auch ein schlechtes Spiel des HSV auch tatsächlich schlecht – selbst am nächsten Tag noch. Bravo! Auf einen solchen Mann habe ich gewartet. Anspruch und Wirklichkeit werden so beim HSV eventuell wieder eine ganz besondere, nämlich die genau richtige, Bedeutung bekommen.

Was mich ein bisschen irritiert hat, das war allerdings die Aussage von Thorsten Fink: „Der Olli hat halt die Bayern-Mentalität noch drin, das Sieger-Gen.“ Noch drin. Das habe ich mir im Kopf hin und her gehen lassen. Noch drin. Soll das heißen, dass Fink es eben nicht mehr „noch drin“ hat? Dass der Coach vielleicht schon aufgegeben hat, diese Bayern-Mentalität? Weil die ja doch nicht nach Hamburg passt, weil dazwischen doch leider einige Welten liegen? Ist Fink inzwischen absolut desillusioniert? Wäre eigentlich schade. Immerhin aber, und das finde ich dann auch gut, hat Fink die Analyse, dieses Kreuzer-Donnerwetter, ja ganz offenbar sehr gut verkraftet – und verarbeitet.
Da kenne ich doch den einen oder anderen Trainer, der das nicht so gut weggesteckt hätte – und der sich den Sportchef gleich mal zu einem Vier-Augen-Gespräch in die Kabine bestellt (und zurechtgestellt) hätte . . . Ihr kennt bestimmt auch welche.

Zum zweiten Spiel in Hippach, dem 2:0 gegen Liefering, fand Kreuzer dann ja auch noch einmal klare Worte: „Das ist ein Zweitliga-Club, gegen den wir da spielten, aber dieser Zweitliga-Club war uns ebenbürtig, teilweise sind wir dem Ball hinterhergelaufen . . .“ Und das war, so berichteten mir einige Zuschauer, in der Tat schon beängstigend.

Ich gebe ja zu, dass ich meine Bedenken hatte, als Oliver Kreuzer verpflichtet wurde, aber bislang, und das hat jetzt nicht nur oder ausschließlich mit diesem Kreuzerischen „Aus-der-Haut-fahren“ zu tun, bislang macht er einen guten Job. Weiter so! Und er macht ja auch weiter so, denn heute ist die Verpflichtung von Lasse Sobiech (von Borussia Dortmund) endlich in trockenen Tüchern – egal, wie viele Aufsichtsräte auch immer dagegen gestimmt haben. Es bewegt sich etwas beim HSV. Trotz der schweren Zeiten. Und trotz der Tatsache, dass mit Marcus Berg bislang nur ein Spieler verschenkt werden konnte. Der Wechsel des Schweden zu Panathinaikos Athen wird von mir zwar begrüßt, aber unter welchen Umständen ein solcher Transfer zustande kommt, das ist schon zum Himmel schreiend. Nur schreit beim HSV ja keiner zum Himmel. Da wird sich schon – tapfer, tapfer – stramm gefreut, wenn man einen Profi, der einst zehn Millionen Euro (plus Handgeld) gekostet hat, und er dazu auch Millionen an Gehältern einkassieren konnte, so laufen lässt. Ohne nichts, ohne alles, einfach nur weg mit ihm – und man spart ja jetzt sein Gehalt! Kümmerlich. Als wären diese zehn Millionen gar nichts. Es ist ja so bitter, so grausam – aber im Grunde genommen ist es ja so: der HSV hat es ja.
Nämlich kommen sehen. Und zwar seit Jahren. Seit jenen Jahren, in denen Marcus Berg nicht in die Gänge kam. Da wussten doch alle (hoffentlich auch die, die für diesen Transfer verantwortlich waren!?), dass die Sache mit dem „alten Schweden“ ganz, ganz böse in die Hose gegangen ist. Es ist beschämend.

Und da fällt mir ein, dass ich vor vielen Jahrzehnten mal im Büro des HSV-Managers Günter Netzer saß. Ich stellte arglos meine Fragen, Netzer, der längst meine absolute Nummer eins im deutschen Fußball ist, antwortete. Bis ich mich erdreistete zu fragen: „Herr Netzer, was sagen Sie eigentlich zum Fehleinkauf Borisa Djordjevic? Da ist Ihr Plan doch kläglich gescheitert, oder?“ Oha, da hatte ich ja etwas gesagt. Es drohte eine Explosion – ich glaube, das Netzer-Büro war damals noch in der Hartungstraße. Der HSV-Sportchef total sauer: „Fehleinkauf? Fehleinkauf? Wieso sagen Sie Fehleinkauf? Wie kommen Sie darauf, das ist eine Frechheit. Noch so eine Frage, und das Interview ist beendet. Wieso Fehleinkauf? Ein Fehleinkauf ist erst ein Fehleinkauf, wenn man einen Spieler zum Beispiel für den Preis von einer Million Mark verpflichtet, und ihn dann für 500 000 Mark an den nächsten Verein abgeben muss. Aber so viel ich weiß, steht Boris Djordjevic immer noch beim HSV unter Vertrag, wir haben ihn noch nicht verkauft – also hüten Sie sich davor, von einem Fehleinkauf zu sprechen . . .“

Das saß. Das war (m)eine Lektion a la Netzer. Djordjevic war 1981 von Hajduk Split gekommen und verließ den HSV 1983 wieder, nachdem er neun Bundesliga-Spiele gemacht hatte, dazu zwei DFB-Pokalspiele und vier Einsätze im Europapokal hatte. Der gute „Bora“ lebt noch heute in Norderstedt, ich glaube mal, dass Günter Netzer nicht allzu viel Geld mehr beim „Weiterverkauf“ erhalten hat. Das Wort Fehleinkauf habe ich mir dennoch verkniffen . . . Ich konnte ja nicht wissen, wie viel Tennis Borussia Berlin für Djordjevic bezahlt hat . . .

So, zurück zum aktuellen Geschehen. Sobiech da, die endgültige und hundertprozentige Meldung wird der HSV jede Minute verschicken. Dazu war Johan Djourou heute zur Kernspintomografie, auch das Ergebnis ist noch geheim, es soll aber am Abend noch gelüftet werden – ich füge es dann ergänzend hinzu. Dann wurde heute das neue HSV-Auswärtstrikot vorgestellt, ich habe aber davon weder etwas gesehen noch habe ich ein Foto. Das wird wohl morgen in den Zeitungen zu sehen sein. Ich hoffe auf etwas Geschmackvolles . . . Erfreulich ist, dass Nationaltorwart Rene Adler am Montag zur HSV-Delegation gehören will, die sich aufmacht, um ins zweite österreichische Trainingslager, diesmal in Klagenfurt, zu kommen. Und dann hat heute Roque Santa Cruz, der „Fast-HSVer“, einen Vertrag in Malaga unterzeichnet. Das hatten ja bereits alle so kommen sehen.

Was mir in der Zeit des ersten Trainingslagers noch auffiel – war noch einmal das Spiel in Innsbruck. Das war erstens die vielversprechende Leistung von Kemer Demirbay, der für mich fast an die Stelle meines (früheren) Hoffnungsträgers Hakan Calhanoglu getreten ist. Und zweitens war es die gute Live-Übertragung, die HSV-TV kostenlos ermöglichte. Sehr gut. Ich habe mich sehr gefreut, war auch fast restlos zufrieden. Nur in Sachen Kommentator habe ich lange gezweifelt: ein Hamburger? Oder ein Österreicher? Es irritierte mich, wenn der Kommentator etwa so sprach: „Die Hamburger drücken jetzt . . .“ Oder: „Die Hamburger haben in den letzten Minuten nachgelassen . . .“ Oder ganz allgemein: „Die Hamburger . . .“ Wieso die Hamburger? Heißt das nur HSV-TV, um dem Kin mal einfach so einen Namen zu geben? Oder ist es wirklich und wahrhaftig und tatsächlich HSV-TV? Wenn es tatsächlich HSV-TV ist, dann darf man doch auch vom HSV sprechen, oder? Das hat mich tatsächlich sehr irritiert. Ich dachte während der ersten Halbzeit, es sei ein Österreicher, der das Spiel (rein zufällig) für HSV-TV kommentiert. Später, als Kurt Jara, der ehemalige HSV-Trainer, dann gefragt wurde, was er heute macht, da entnahm ich dann der Frage, dass es sich wohl doch um einen Hamburger Kommentator handelt. Handeln muss. Aber ganz sicher bin ich mir immer noch nicht . . .

Ansonsten habe ich mich im HSV umgehört – die Stimmung, so erfuhr ich von allen, ist gut. Innerhalb des Clubs, innerhalb der Mannschaft. Das ist auch beim HSV so zu lesen. Da gab Thorsten Fink ein Interview und sagt unter anderem: „Wir hatten tolle Bedingungen. Der Platz war super und das Hotel hervorragend. Dort wurden wir super aufgenommen und hatten unsere Ruhe. Bei den Einheiten haben alle mitgezogen und sich voll reingehängt. Dazu hat sich kein Spieler stark verletzt. Ich hoffe, wir können nächstes Jahr wieder hierher kommen, weil es richtig Spaß gebracht hat. Mein Eindruck ist absolut positiv. Wir sind auf einem guten Weg.

Auch das hat mich, gebe ich zu, ein wenig irritiert. „Ich hoffe, wir können nächstes Jahr wieder hierher kommen, weil es richtig Spaß gebracht hat.“ Wie bitte? Der HSV war in diesem Jahr fünf Tage im Zillertal, weil er vertraglich dazu verpflichtet war. Wenn der HSV gewollt hätte, dann wäre er jetzt immer noch im Zillertal, in dem es so ein tolles Hotel gibt und in dem es so viel Spaß gemacht hat. Da stimmt doch etwas nicht. Oder liegt es daran, dass der HSV so gerne verreist, so gerne wieder nach Hamburg zurückkehrt, wieder gerne verreist, wieder gerne zurückkehrt, wieder gerne verreist . . . Nein, ihr lieben HSV-Verantwortlichen, da wird meiner Meinung nach etwas zu dick aufgetragen, um die Leute im Zillertal ein wenig zu trösten – weil der Aufenthalt des HSV ja doch viel zu kurz (kürzer als erhofft und vielleicht auch mal vereinbart worden) war.

Standort-Wechsel. Der HSV soll ja am 4. August in Jena um DFB-Pokalehren spielen (Anstoß 16 Uhr). Nun aber gibt es große Probleme, weil die Stadt Jena das Ernst-Abbe-Sportfeld gesperrt hat. „Scholle“ hat mir dazu einen Text geschickt, den ich gern veröffentliche:

Offizielle Stellungnahme des FCC zur Sperrung des Stadions
Mit Fassungslosigkeit hat der FC Carl Zeiss Jena die vom Stadioneigentümer Kommunale Immobilien Jena (KIJ) vorgenommene, sofortige Komplettsperrung des Ernst-Abbe-Sportfeldes aufgenommen. Wie KIJ heute im Rahmen einer Pressekonferenz (16 Uhr) die Öffentlichkeit informierte, habe ein Gutachten ergeben, dass die Flutlichtmasten des Jenaer Stadions auf Grund starker Korrosion einsturzgefährdet seien.
Vereinspräsident Rainer Zipfel: „Wir sind wie vor den Kopf gestoßen. Diese Hiobsbotschaft trifft uns aus heiterem Himmel. Zudem mussten wir zunächst aus den Medien von dieser für uns weitreichenden und Existenz bedrohenden Entscheidung erfahren. Ein untragbarer Zustand.“
Voraussichtlich kann die für Samstag geplante Saisoneröffnung im Rahmen der 110-Jahrfeier des FC Carl Zeiss Jena, zu der ein Testsspiel gegen die walisischen Freunde von Newport County geplant ist, voraussichtlich nicht stattfinden kann. „Das wäre eine Katastrophe – für die Fans hier in Jena, für alle, die Monate lang an diesem tollen Projekt gearbeitet haben und ganz besonders für die Waliser, die bereits auf gepackten Koffern sitzen.“ Mehr als 250 Fans aus Newport wollen sich auf den Weg nach Jena machen.
Auf Drängen des FCC wird am morgigen Donnerstag ein zweites Gutachten erstellt. Inwieweit dies noch eine Durchführung des Spieles gegen Newport County ermöglicht, bleibt zur Stunde offen. Die Chancen jedoch sind schwindend gering.
Zwar hat der FCC intensiv darüber nachgedacht, das Spiel gegen Newport County an einem anderen Ort stattfinden zu lassen, musste letztlich jedoch davon Abstand nehmen. Rainer Zipfel: „Die Kurzfristigkeit der Entscheidung von KIJ, für die uns nach wie vor die Worte fehlen, lässt uns organisatorisch überhaupt keine Zeit und somit auch keine andere Möglichkeit. Wir müssen im Laufe des morgigen Donnerstages, noch bevor sich die Waliser auf den Weg nach Jena machen, eine Entscheidung treffen. Wir wollen am Wochenende Werbung für ein weltoffenes und internationales Jena machen, wie es geplant war. Nun kann es sein, dass sich die selbsternannte Lichtstadt bis auf die Knochen blamiert. Wir sind unsagbar traurig.“
Aber auch über die geplante Saisoneröffnung hinaus hat die Entscheidung von KIJ weitreichende Konsequenzen. So soll der FCC sowohl die Geschäftsstelle als auch die Kabinen räumen. Roy Stapelfeld, Geschäftsführer des FC Carl Zeiss Jena. „Wir sind quasi obdachlos und in keiner Weise arbeitsfähig. Das ist umso bitterer, als dass die Stadt Jena schon seit Jahren um den Sanierungsstau bei der Flutlichtanlage weiß. Das ist nun die Quittung. Es kann nicht sein, dass der FCC diese nun zahlen soll.“
Besonders traurig macht den FCC und viele seiner treuen Anhänger, dass Jena mit den Flutlichtmasten, im Volksmund liebevoll „Giraffen“ genannt, die letzten ihrer Art und damit ein Wahrzeichen des Jenaer Fußballs und der Stadt verlieren wird. „In einer reichen Kommune wie Jena, die sich selbst als „Lichtstadt“ apostrophiert – das ist einfach nicht zu begreifen“, verleiht Rainer Zipfel seiner Fassungslosigkeit Ausdruck.
Rainer Zipfel weiter. „Wir bitten um Verständnis, dass wir diese Entwicklungen nun erstmal sacken lassen müssen. Wir werden uns morgen intensiv mit dem Thema auseinandersetzen. Die sportliche wie wirtschaftliche Tragweite der Komplettsperrung des Ernst-Abbe-Sportfeldes ist für uns noch gar nicht abzusehen. Nach eine Unzahl von Spielsabsagen im Winter, dem Hochwasserschaden im Juni, nun vielleicht noch der Wegfall der Saisoneröffnung und ein gesperrtes Stadion. Die Summe der Ereignisse ist für unseren Verein Existenz bedrohend.”

Auch der SV Schott Jena spielt im Ernst-Abbe-Sportfeld, hatte auf jeden Fall vor, dort gegen den HSV zu spielen. Und das scheint nun sehr, sehr gefährdet. Jetzt ist schon im Gespräch, dass das Pokalspiel eventuell in Erfurt oder Gera stattfindet, stattfinden könnte.

Ansonsten freue ich mich schon auf den Sonnabend, wenn es im Volkspark um den Nord Cup geht. Das Rahmen-Programm beginnt bereits um elf Uhr, das erste Spiel startet um 14 Uhr, dann stehen sich der VfL Wolfsburg und der FC Kopenhagen gegenüber, um 16 Uhr trifft der HSV auf Erstliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig (wird auch im Dritten Programm vom NDR live übertragen). Und um 18 Uhr spielen Lotto und Pape auf. Am Sonntag dann um 15.30 Uhr das Spiel um Platz drei, um 17.30 Uhr dann das Finale. Die Spiele dauern jeweils zweimal 30 Minuten, bei einem Unentschieden findet sofort ein Elfmeterschießen statt.

PS: Morgen wird im Volkspark um 10 Uhr und um 15 Uhr trainiert.

17.43 Uhr

Dr. Klein: „Es hat sich etwas verändert“

29. Juni 2013

Auch an diesem Wochenende wird wieder emsig gearbeitet, und zwar am neuen HSV. An den Strukturen, die stark veraltert sind und die dringend generalüberholt werden müss(t)en. Es werden Gespräche, Gespräche und nochmals Gespräche geführt, es werden Möglichkeiten zur Zusammenarbeit ausgelotet und es werden alte Freundschaften zum Wohle des HSV aktiviert. Und nicht nur Freundschaften. Genau das ist nämlich das Erfreuliche in diesen Tagen und Wochen. Weil es um die Sache geht, den HSV wieder auf stabilere Beine zu stellen, damit sich auch Erfolge wieder eines Tages einstellen können, werden sogar alte Feindschaften begraben. Ich weiß wovon ich spreche (und schreibe), habe aber versprochen, keine Namen zu nennen. Das aber, was sich derzeit hinter den Kulissen beim HSV abspielt, das stimmt mich absolut zuversichtlich – es werden nun endlich mal Nägel mit Köpfen gemacht. Die Herren Ernst-Otto Rieckhoff und Jürgen Hunke packen es an, jetzt sogar gemeinsam. Und dass sich nun der eine oder andere große HSVer auch persönlich zurücknimmt, weil es doch nur darum geht, dass der HSV so schnell wie möglich wieder in die Erfolgsspur zurückkehren kann und wird, das ist inzwischen schon ein riesiger Fortschritt.

Weiter so, ihr HSVer, und damit meine ich nicht nur die Großen des Clubs, sondern auch die „Kleinen“!

Mit einem ganz, ganz Großen habe ich diesbezüglich gesprochen, auch wenn der Herr auf den Namen Klein hört. Ich sprach mit Dr. Wolfgang Klein, dem in der HSV-Geschichte 25. Präsidenten der Rothosen. Unter der Führung des Rechtsanwaltes erlebte der HSV seine erfolgreichste Zeit, und eines kann ich ganz sicher sagen: Dr. Klein ist ebenfalls sehr darum bemüht, dass der HSV aufwacht und mehr aus seinen Möglichkeiten macht, die er in dieser Stadt und mit diesem Namen eigentlich hätte. „Ich plädiere schon seit mehr als zehn oder 15 Jahren für eine Umstrukturierung des HSV, das ist kein neues Thema für mich. Es war nur immer deshalb schwierig, weil es ja den Aspekt der Dreiviertel-Mehrheit im Club gab, deswegen gab es in den vergangenen Jahren auch kein Weiterkommen. Obwohl es ja versucht worden ist.“

Als dieses heiße Thema vor einigen Jahren vom damaligen HSV-Vorstand Bernd Hoffmann angefasst worden war, da arbeitete Dr. Klein auch in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt daran mit, den HSV zu erneuern: „Ich habe den rechtlichen Bereich abgedeckt, habe den Mitgliedern erklärt, warum es so notwendig ist, aus den verkrusteten Strukturen auszusteigen.“ Die Zeit war damals wohl noch nicht reif. Obwohl Wolfgang Klein, der in seiner Leichtathletik-Karriere sechsmal Deutscher Weitsprungmeister geworden ist, durchaus optimistisch war, dass es die Dreiviertel-Mehrheit geben würde. Klein erinnert sich: „Ich habe das damals auch durch meine Zeit beim Deutschen Fußball-Bund sehr genau verfolgt, wie sich das alles entwickelt hat, bis hin zu der Erlaubnis, dass es bis zur Dritten Liga erlaubt ist, Kapitalgesellschaften zu gründen.“

Dr. Klein, der einst 15 Jahre lang die „Sportschau der Nordschau“ (NDR) moderiert hat, hat seine eigene Anschauung zu diesem brisanten Thema: „Ich denke, dass der DFB damals einen entscheidenden Fehler gemacht hat. Er hätte gleich sagen soll, dass die vereine ausgliedern müssen. Allein wegen der Übersichtlichkeit der wirtschaftlichen und steuerlichen Seite. Da wurde damals aber den Vereinen nur mitgeteilt, dass sie Satzungen so und so auszusehen hätten. Das war zwar ein kleiner Fortschritt, aber wenn damals schon beschlossen worden wäre, dass auszugliedern ist, dann wäre den Vereinen schon damals wesentlich mehr geholfen worden.“ Mit der Zeit haben die meisten Profi-Clubs von allein gehandelt, aber der HSV tat und tut sich als eine der wenigen Ausnahmen schwer damit.

Auch deshalb, weil viel zu viele Leute heute im HSV immer noch für ganz wichtig sind – und sich vor allen Dingen für enorm wichtig halten. Sie alle wollen mitreden, weil es doch „ihr“ HSV ist. Ich habe mal im Archiv nachgesehen, und da hat der ehemalige HSV-Präsident Klein (von 1979 bis 1987) vor einigen Jahren einmal gesagt: „Zu meiner Zeit war das damals anders beim HSV. Das waren Günter Netzer und ich, und das war es dann auch schon.“ Zwei Männer und ein erfolgreicher Trainer (Ernst Happel) – und der HSV gewann Titel und Meisterschaften. Jetzt allerdings, im Jahre 2013, sieht Wolfgang Klein gute bis beste Chancen, dass es ein Umdenken im HSV gibt: „Es hat sich im Verein etwas verändert. Wir sind heute ja viele, viele Mitglieder mehr, kein Vergleich mehr zu früher. Und ich denke, dass es da heute unter diesen HSVern sehr viele vernünftige Menschen gibt, dass das ein gesunder Durchschnitt der Bürger unserer Stadt und darüber hinaus ist. Die wollen doch alle, dass es dem HSV gut geht, sie wollen, dass dieser Verein von 1987, dieser Club mit der riesigen Tradition und vielen großen Erfolgen in den Geschichtsbüchern, dass dieser HSV gesund und erhalten bleibt.“

Wolfgang Klein hält es durchaus für möglich, den Universalsportverein HSV zu erhalten: „Man muss diesen Verein von den Risiken des bezahlten Fußballs trennen, um ihn dauerhaft erhalten zu können, und um gleichzeitig im Profi-Fußball durchaus europäische Ziele anzustreben. Das ist möglich. Da kann noch einer so viel erzählen wie er will, davon, so denke ich, ist mittlerweile auch eine Dreiviertel-Mehrheit im Verein zu überzeugen. Selbst dann, wenn ein Abteilungsleiter anderer Auffassung ist. Ich halte das für inzwischen möglich.“ Die Zeit ist reif. Ganz klar. Denke ich jetzt – und ich glaube, dass davon jetzt immer mehr und mehr ebenfalls überzeugt sind. Lange genug hat der Verein nichts mehr gewonnen, das sollte (fast) allen zu denken geben. Und wenn es so weitergehen würde, dann gäbe es auch in den nächsten Jahrzehnten keine Aussicht auf Besserung – und auf Titel.

Noch einmal zurück zum Universalsportverein. Klein sagt: „Es ist völlig richtig, dass man den HSV nicht mit dem FC Bayern vergleichen kann. In München wurde eine ganz andere Tendenz eingeschlagen. Die haben da nur einige wenige Abteilungen behalten und einige ganz aus dem Verein rausgeschmissen. Das kann man machen, aber ich stehe aber auf dem Standpunkt, dass man den Universalsportverein erhalten sollte. Und ich glaube auch, dass das die überwiegende Meinung innerhalb des HSV ist – man sollte alles unter einem Dach halten. Die Sicherstellung des Vereins und seiner Existenz, die steht für mich im Vordergrund, mit im Vordergrund, und das lässt sich rechtlich und steuerlich auch händeln. Ganz bestimmt.“ Wolfgang Klein weiter: „Man könnte den ganzen e. V. durch einen Teil der Mitglieds-Beiträge der Supporters eine Existenz vermitteln. Die Mitglieder treten ja nicht gleich aus, wenn der HSV mal in Abstiegsgefahr ist oder wenn er im unteren Drittel der Tabelle herumdümpelt. Die bleiben ja Mitglieder – und deshalb kann man so für den Verein eine ganz Menge tun.“

Um dann noch auf das Thema Steuer zu kommen. Dr. Klein sagt: „Steuerlich ist das kein Problem. Man kann jedem Gläubiger, auch den künftigen, denen sowieso, denn dann wäre es ja nur die AG oder eine Tochtergesellschaft, dass man denen sagen kann, dass sie die Mitglieder nicht persönlich in Anspruch nehmen, also habt ihr nichts dagegen, dass wir die Haftung mal beschränken auf die Kapitalgesellschaft, in der jetzt das Vermögen aber auch die Verbindlichkeiten sind. Aber das sind jetzt schon Einzelfragen im rechtlichen Bereich . . .“

Das sind aber auch Dinge, die dann zu klären wären, wenn es diese Umstrukturierungen tatsächlich geben sollte. Dr. Wolfgang Klein aber unterstützt diese Bestrebungen im vollen Umfang: „Auf jeden Fall. Jürgen Hunke hat, das weiß ich, immer noch Bedenken, dass die Dreiviertel-Mehrheit im HSV nicht erreicht werden kann, aber ich sage nein. Die Mitglieder haben es längst verstanden, dass die bisherige Struktur, was Hunke ja immer beklagt, nicht nur nicht effizient genug ist, sondern längst nicht mehr zeitgemäß ist. Seriosität, Kontinuität und Glaubwürdigkeit müssen erreicht werden, und dazu gehört eine seriöse Struktur, so ist das heute nun einmal.“ Dazu gehört natürlich auch Verlässlichkeit. Und in diesen Bereich spielt auch hinein, dass mit den gewählten Personen verlässlich zusammengearbeitet werden kann. Nicht dass jedes Jahr neue HSV-Führungspersonen auftauchen, die immer etwas anderes wollen und vorgeben.

Was bislang so viele HSV-Mitglieder an diesen Umstrukturierungen gestört hat, das war das Wort „Ausgliederung“. Es ist manchen zu hart, manchen zu entschieden – es tut so manchem schlichtweg weh. Wie würde Dr. Klein das nennen, was nun vorgenommen werden sollte – oder muss? „Es ist eine Ausgliederung, aber ich sage mal, dass es ja nicht mal eine Strukturreform ist, sondern für mich ist es eine Struktur-Bereinigung“, sagt Wolfgang Klein. Jetzt kommt es nur darauf an, Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Mitglieder müssen genau darüber informiert werden, wie und was und warum etwas passieren soll. Wenn das geschieht, dann muss der Umschwung gelingen. Klein: „Das halte ich alles für erreichbar, ganz klar. Die Leute sind nicht mehr so naiv, dass man sie mit populistischen Sprüchen zurück- oder abhalten kann, für neue Strukturen zu sein. Die Leute haben doch längst gesehen, dass es so, wie der HSV jetzt aufgestellt ist, nicht geht.“ Klein weiter: „Man braucht eine klare Führung. Das will zum Beispiel auch jeder Wähler im politischen Bereich. Die Leute brauchen nicht nur eine Führung, die Leute wollen sie auch.“

Inzwischen wollen diese Leute auch vermehrt, dass sich kompetente Menschen, die eine Fußball-Vergangenheit haben, die sich im Profi-Geschäft bestens auskennen, und die auch möglichst eine Rauten- Vergangenheit haben, dass sich diese Experten für den HSV engagieren und sich einsetzen. Das Tandem Hunke/Rieckhoff hat schon mit etlichen dieser Herren gesprochen – und wird es weiterhin tun. Das sieht, das kann ich versprechen, schon sehr, sehr gut aus. Mein Traum ist es ja, dass zur nächsten Mitgliederversammlung (im Januar) möglichst acht, neun oder mehr Spieler der Europa-Pokal-Gewinner von 1983 erscheinen, um den Mitgliedern aus ihrer Warte zu schildern, dass es so wie zurzeit, einfach nicht weitergehen darf. Und einige dieser Herren arbeiten jetzt schon mit und werden auch sicher zur Versammlung kommen.

Besser wäre es ja noch, dass sie gleich gewählt werden würden. Zum Beispiel für einen neuen Aufsichtsrat, in dem es dann jede Menge Fußball-Kompetenz geben würde. Dr. Klein zu diesem Thema: „Beim HSV ist doch die Unmöglichkeit gegeben, dass sich hier vernünftige Kandidaten, die wir gerne hätten, die dem HSV auch weiterhelfen würden, dass wir die gar nicht ansprechen dürfen, denn: Die sollen dann noch durch mehrere Vorstellungsrunden gehen, in kleinen Kreisen, von den Supporters oder zum Beispiel auch von den Senioren organisiert, um dann in eine Mitgliederversammlung mit der Unsicherheit zu gehen, ob man überhaupt gewählt wird? Das kann doch wohl nicht wahr sein, das ist doch ein Ding der Unmöglichkeit.“ Eugen Block oder zum Beispiel auch „Büdi“ Blunck wissen da aus Erfahrung zu berichten, wie man sich als „Nicht-Gewählter“ fühlt. Dr. Wolfgang Klein weiter: „Beim HSV wird man gewählt, indem man entweder charmant Döntjes aus seiner Jugend erzählt, oder man erzählt Witze oder man zieht eine Badehose an . . . Das ist doch höchst peinlich für den Verein – und ganz Deutschland lacht über den HSV.“

Aber auch das scheint einigen Hardlinern schon lange egal zu sein. Einige HSVer wollen weg von jeglichem Kommerz, selbst auf die Gefahr hin, dass der Club nur noch in Liga drei oder sogar noch tiefer spielt. Sogar auf Grand könnte, wenn es nach ihnen ginge, der HSV um Bezirksliga-Punkte kämpfen. Die Hauptsache für diese Leute ist: weg vom Kommerz. Dr. Wolfgang Klein dazu: „Dann sollen die paar Mitglieder, die diese Meinung vertreten, aus dem HSV austreten und einen eigenen Verein gründen. Aber nicht den Gesamt-Verein strapazieren, wo 90 Prozent der Mitglieder anderer Ansicht sind. Wenn solche Leute Minderheiten vertreten wollen, dann sollen sie das – aber bitte in einem anderen Verein. Dann ist der HSV nicht das richtige Spielfeld für diese Leute.“

Beim Thema „Ausgliederung“ orientieren sich die „Gegner“ kurioserweise auch immer häufiger an einen ungeliebten Nachbarn. Seit Werder Bremen ausgegliedert hat, ging es sportlich bergab. Was entgegnet Wolfgang Klein diesen HSV-Mitgliedern? Er sagt: „Das hat ja nichts direkt mit der Ausgliederung zu tun. Eines ist ja auch klar, das will ich gar nicht bestreiten, das ist doch in jedem Unternehmen so: Selbst wenn es die richtigen Strukturen hat, hängt der Erfolg immer noch maßgeblich von den handelnden Personen ab. Die Wahrscheinlichkeit einer Qualitätsverbesserung ist aber natürlich viel größer und wahrscheinlicher, wenn ich wenigstens die vernünftigen Strukturen habe. Aber ich bekomme diese Leute ja gar nicht erst, die bereit wären, etwas für den HSV zu tun, weil die Strukturen eben so veraltet sind.“ Und nicht nur hinderlich wirken, sondern auch abschreckend.

Man kann es drehen und wenden wie man will, immer wieder landet man bei diesen Strukturen – fast aus dem Mittelalter. Deswegen ist nun endgültig die Zeit zum Umdenken gekommen. Aufwachen und etwas tun, und wenn es nur das ist, dass man den Umstrukturierungs-Gedanken seine Unterstützung versichert. Spätestens dann, wenn es im Januar gefragt ist.
Dranbleiben!

PS: Am Montag wird um 10 und um 15 Uhr im Volkspark trainiert. In Sachen Neuerwerbungen und Verkäufen hat sich an diesem Sonnabend bislang nichts getan.

18.14 Uhr

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