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Vier Spieler kamen zur Trauerfeier . . .

2. März 2014

Trauerfeier für Hermann Rieger. Sie kamen aus nah und fern, aber es waren nicht viele. Vorher geisterten die Zahlen von 30 000 oder 20 000 Fans durch die Gazetten, die kommen sollten, und dann waren lediglich 3000 HSV-Anhänger und Herrmann-Rieger-Freunde da. Das war, auf jeden Fall für mich, schon enttäuschend. Es waren ehemalige Weggefährten wie Günter Netzer, der mit Ehefrau Elvira aus Zürich gekommen war, sowie Horst Hrubesch, Stig Töfting („Hermann war der beste Mann im HSV“), William „Jimmy“ Hartwig („Hermann war ein unglaublich anständiger Mensch“), Holger Hieronymus, Bernd Wehmeyer und Rudi Kargus dabei, und von der aktuellen HSV-Mannschaft gerade einmal vier Spieler. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: vier Spieler. Die Herren Profis hatten zuvor trainiert und sind anschließend – nach Hause. Prost Mahlzeit. Das nenne ich mal (k)eine Flagge zeigen. Aber gut, jedem war es frei gestellt, und ein jeder Profi setzt eben seine eigenen Prioritäten. Trainer Mirko Slomka war unter den Trauergästen, Sportchef Oliver Kreuzer ebenfalls, dazu aktuelle und ehemalige Vorstandsmitglieder und Aufsichtsräte, an der Spitze Udo Bandow. Um mal zu offenbaren, wer von den Spielern dabei war: Hakan Calhanoglu, Marcell Jansen, Tolgay Arslan und Dennis Diekmeier. Null Kapitän aber. Traurig.




Mobile Version: Matz ab nach dem Nordderby

Die Feierstunde im Norden der Arena war bewegend, es sprachen HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow („Hermann ist eine Kultfigur geworden, und ich glaube, er ist der einzige Masseur, dem eine solche Gedenkfeier zuteilwird“), der frühere HSV-Präsident Dr. Wolfgang Klein sowie Superintendent Wilhelm Helmers aus Bremervörde. Musikalisch wurde die Feier vom Chor „Viddel 12“, von der Sopranistin Luise Hansen (die ein ganz hervorragendes Ave Maria sang!) und von Lotto King Karl mit seiner Band (inklusive Carsten Pape) begleitet. In den Agenturen hieß es später, dass die Fans bei Lottos „Hamburg meine Perle“ Tränen in den Augen hatten – ich hatte auch auf jeden Fall. Und zwar schon beim wunderbaren „Schlaflied“, das Lotto noch vor der „Perle“ vorgetragen hatte – einfach nur großartig. Spontan sangen die HSV-Fans dann noch gegen Ende der Feier: „Hermann Rieger, du bist der beste Mann . . .“

Wolfgang Klein, das soll nicht verschwiegen werden, erntete für seinen Vorschlag, ein Rieger-Denkmal zu errichten, riesigen Beifall von den Anhängern. Der HSV-Vorstand soll bereits Unterstützung für das Vorhaben signalisiert haben.

Zum sportlichen Teil dieses Berichts. Und da gibt es viele Horror-Nachrichten. Es ist schon unglaublich, wie sich das Pech wieder an die Hamburger heranschleicht:

Slobodan Rajkovic hat bei der Niederlage in Bremen – wie schon sofort befürchtet – tatsächlich einen Kreuz- und Innenbandriss im linken Knie erlitten. Das bedeutet mindestens ein halbes Jahr Pause. Wie bitter für „Slobo“ – und gute Besserung auf diesem Wege. Nach Maximilian Beister nun also der zweite Kreuzbandriss für einen HSV-Profi in dieser Saison. Zudem hat sich, auch das ist eine absolute Hiobsbotschaft, Mittelfeldspieler Milan Badelj einen Bruch der linken Mittelhand zugezogen. Es wird geprüft, ob er die nächsten Partien mit einer Schiene absolvieren kann.

Und nun noch die etwas andere Fußball-Nachricht:

Der Mannschaftsbus des HSV ist am Sonnabend auf der Fahrt zum Weser-Stadion von Werder-Anhängern mit Steinen, Dosen und Feuerzeugen beworfen worden. Die Dummen sterben eben niemals aus. Auf den Bus werfen – das hatte eine Woche zuvor ja auch schon in Dresden sehr gut geklappt, das muss ja unbedingt nachgemacht werden. Am nächsten Wochenende sind ist dann eben ein anderer Bus dran – wetten, dass . . ? „Das war fast kriminell, was da alles an den Bus geflogen ist“, sagte HSV-Manager Oliver Kreuzer. „Das war kein schöner Empfang, aber deshalb haben wir hier nicht verloren.“ Eine Scheibe am Bus wurde dabei zerstört.

Auch nach dem Spiel ging es – außerhalb des Stadion – wieder höchst aggressiv zu. Es ist schon eine schlechte Tradition geworden, dass beim Derby auch die Stadt mit einbezogen wird. Eine Viertelstunde nach Abpfiff nahmen Anhänger eine Kreuzung in der Innenstadt unter Beschlag und nutzten sie für ein spontanes Fußball-Spiel. Polizisten wurden mit Flaschen beworfen, ein Streifenwagen wurde leicht beschädigt. Erst nach einer halben Stunde hatte die Polizei die Lage wieder unter Kontrolle. Verletzt wurde, so die Polizei, bei den Ausschreitungen aber niemand. 17 Fans kamen in Gewahrsam. Die Polizei leitete zahlreiche Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung, Landfriedensbruchs oder gefährlicher Körperverletzung ein. Mehr als 1000 Polizisten aus mehreren Bundesländern und von der Bundespolizei waren im Einsatz. Beim nächsten Mal, dem 101. Derby, werden es dann wohl 2000 sein, und so weiter und so weiter. Alles völlig normal.
Mein Gott . . .

Nun aber dann doch endlich zum Fußball. Ich hatte, entgegen meiner sonstigen pessimistischen neigungen, ganz zuversichtlich auf einen Auswärtssieg getippt. Knapp daneben ist leider auch vorbei. Nach vorne ging beim HSV kaum etwas, zudem haben sich einige Spieler über weite Strecken sehr gut versteckt. Das ist teilweise schon mehr als kümmerlich. Und enttäuscht war ich auch vom Trainer, dass er einen Mann wie Tomas Rincon eine Halbzeit lang (eine Halbzeit zu lang!) als verkappten Rechtsaußen durch die Weltgeschichte turnen lässt. Hat dem guten Mirko Slomka eigentlich bislang keiner gesagt, dass Rincon ein Kämpfer, ein Abräumer, ein Staubsauger – ein Sechser ist, aber kein Flankengott?

Ola John soll ja in etwa einer sein, oder könnte es vielleicht – aber der blieb ja in Hamburg. Weil er sich während der Woche wohl nicht unbedingt für einen Platz im 18-Mann-Kader aufgedrängt hatte. Das ist alles für mich absolut unfassbar. Ich muss mich wiederholen: unfassbar. Da werden zwei Spieler geholt, die nur dann geholt werden sollten, wenn sie dem HSV als Soforthilfe dienen würden, und dann das. So bleibt der HSV das Gespött der Liga. Mehr Ahnungslosigkeit geht doch gar nicht. Sportchef Oliver Kreuzer zu diesem Thema: „Dass die beiden Spieler, Ola John und Quasim Bouy, nicht dabei waren, das ist die Entscheidung. Er sieht die Truppe die ganze Woche, und er nimmt dann die 18 Spieler mit, die den besten Eindruck machen. Er wird seine Gründe haben . . .“

So weit so gut. Kreuzer sagte dann auch noch: „Da müsst ihr mit dem Trainer reden.“ Und zu dem Thema, ob beide Spieler – die als Leihgaben bis zum Saisonenden geholt wurden, schon als Enttäuschungen behandelt werden können, befand der Sportchef: „Vor allem von Ola John haben wir uns mehr erwartet, das stimmt schon, der Quasim Bouy war dazu nicht unbedingt ein Spieler, auf den wir hundertprozentig gesetzt haben, das war nur eine Zugabe, er hat uns wirtschaftlich nichts gekostet. Aber von John haben wir uns mehr versprochen, wobei sein erster Einsatz gegen Basel ja noch vielversprechend verlief. Aber danach kam natürlich zu wenig, obwohl ihm von Trainer van Marwijk das Vertrauen gegeben wurde. Aber es kam zu wenig, und offenbar waren im Training einige andere besser und engagierter, so ist das. Alle weiteren Fragen zu diesem Thema sollte der Trainer beantworten.“

Obwohl Mirko Slomka ja auch nur das sehen (und beurteilen) kann, was er vorgefunden hat. Denn der hat ja nun am wenigsten mit diesen beiden – sagen wir es mal gnädig, mit diesen beiden höchst unglücklichen – Leihgaben zu tun.

Aber seien wir mal ehrlich, diese beiden Spieler, John und Bouy, reihen sich ja ohnehin nahtlos in die vielen HSV-Verpflichtungen, die in den letzten Jahren total in die Hose gegangen sind. Es fehlen erstens Leute, die die Jungs, die geholt werden sollen, kennen und auch einschätzen können, und zweitens fehlen Leute, die denjenigen auf die Füße treten, und zwar mit aller Kraft, wenn es ansteht, solche Art von „Verstärkungen“ zu verpflichten. Und da ist es unerheblich für mich, ob die nur ausgeliehen oder fest unter Vertrag genommen werden. Wer zum HSV kommt, der muss diesem Club auch helfen können, und darf nicht nur als Mitläufer (wenn überhaupt!) auftreten.
Aufwachen, HSV, es ist so langsam an der Zeit, dass mal wieder ernsthafte und profihafte Entscheidungen getroffen werden! Sonst bleibt der „Dino“ auf ewig ein Papiertiger.

„Mindestens 35 Minuten haben wir keinen Fußball gespielt und den Kampf von Werder einfach nur mit gemacht. So hatten es sich die Bremer gewünscht“, sagte Mirko Slomka nach dem Spiel und fügte hinzu: „Wir hatten den Ausgleich nicht verdient.“ Der 46 Jahre alte Fußballlehrer hat seine vergangenen zehn Auswärtsspiele in der Bundesliga (mit Hannover 96 und nun eines mit dem HSV) allesamt verloren. Slomka sagte auch: „Es war ein sehr rassiges Derby. Uns war klar, dass Bremen mit vielen langen Bällen operieren würde, mit seinen beiden großen Stürmern da vorne drin, und dass es dann auch um das Attackieren um den zweiten Ball gehen würde. Gerade in der ersten Phase des Spiels haben wir zwar viele Luft-Duelle gewonnen, aber den zweiten Ball nicht.“

Das war der eine Punkt. Der andere war der, dass der HSV nach vorne nichts auf die Beine gestellt hat. Slomka: „In den ersten 25 Minuten der zweiten Halbzeit haben wir eine gewiss Dominanz auf dem rasen gehabt, allerdings ohne uns entscheidend vor dem Bremer Tor präsentieren zu können, wir haben uns keine Hundertprozentige herausspielen können. Wir haben uns super über die linke Seite durchgesetzt, phasenweise auch über rechts, wir haben auch gut kombiniert, aber nach der Verletzung von Boban Rajkovic war das dann wie abgeschnitten. Dann haben wir nicht mehr zielstrebig nach vorne gespielt. Dann war es auch wieder ein Kampfspiel, das wollten wir auf der einen Seite zwar gerne annehmen, aber auf der anderen Seite wollten wir uns auch mit unserer spielerischen Klasse durchsetzen.“

Oha. Wenn ein HSV-Trainer dieser Tage, Wochen und Monate über die spielerische Klasse des HSV spricht, dann läuft mir immer eine Gänsehaut von oben nach unten über den gesamten Körper – und wieder zurück. Spielerische Klasse. Aha. Dafür muss man aber auch ein ganz spezielles Auge haben. Mir fehlt das zurzeit, das gebe ich gerne zu, aber ich bin ja auch kein HSV-Trainer. Immerhin gab Slomka zu, was ich schon am Sonnabend unmittelbar nach der Niederlage geschrieben habe: „Der Werder-Sieg war verdient.“ Und wie geht es nun weiter? Mirko Slomka: „Wir müssen jetzt sehen, dass wir uns in dieser Woche gut regenerieren, um dann wieder gas zu geben. Zu Hause. Und unsere Heimspiele sind dann ja auch hoffentlich von Erfolg gekrönt.“
Das Prinzip Hoffnung. Da ist es wieder. Und es gibt ja auch noch elf Spiele, elf Spiele! Da sind ja noch 33 Punkte zu holen – keine Panik.

Nach der Niederlage von Bremen gab der künftige A-Nationalspieler Pierre-Michel Lasogga zu Protokoll: „Das Gegentor hat unsere Systematik umgeworfen. Wir haben zwar noch viel Druck gemacht, aber der entscheidende Punch hat gefehlt, um in den Sechszehner zu kommen.“

Und – fast schon die Schlussworte – heute von (Ersatz-)Kapitän Marcel Jansen: „Wir haben gefightet, wir hatten unsere Chancen, haben uns vor allem in der zweiten Halbzeit gut gewehrt. Am Ende haben wir keine klaren Torchancen rausgespielt. Für heute war das zu wenig. Die Situation war und bleibt schwierig und sehr, sehr ernst. Gegen Frankfurt und Nürnberg müssen wir unbedingt gewinnen.“
Natürlich.

Der ehemalige HSV-Manager Günter Netzer, meine absolute Nummer eins wenn es um Analysen im deutschen Profi-Fußball geht, sieht die Rothosen nach diesem 0:1 vor richtig großen Schwierigkeiten. „Es ist eine außerordentlich bedrohliche Situation“, sagte der 69-jährige Netzer und fügte an: „Das müsste jetzt auch der Letzte begriffen haben. Jetzt müssen alle Kräfte mobilisiert werden. Aber ich bin optimistisch, denn das Potenzial ist da.“
Naja. Das klingt dann so wie Slomkas „spielerische Klasse“. Immerhin befand Günter Netzer noch zum „Zehner“ des HSV: „Ich hoffe, dass Rafael van der Vaart von sich selbst enttäuscht ist. Ein Spieler mit seinen Fähigkeiten muss mehr leisten, er müsste vorangehen und darf nicht zur Belastung werden.“

Ganz klar ist, da gibt es auch nichts zu beschönigen, dass Rafael van der Vaart seiner Form meilenweit hinterher läuft. Dass er trotz allem für das Länderspiel der Niederlande gegen Frankreich (nach-)nominiert wurde, ist irgendwie schwer zu verstehen, aber der Herr van Gaal wird schon wissen, woher er die „spielerische Klasse“ seiner Mannschaft zu nehmen hat . . .

Und dann noch der etwas andere Abstiegskampf, und zwar der in der Regionalliga. Die Zweite des HSV hat heute ihr Heimspiel gegen Eintracht Norderstedt – wie schon das Hinspiel – mit 0:1 verloren. Das entscheidende Tor erzielte der Eintrachtler Nadler, als er (Profi-Leihgabe) Jonathan Tah per Doppel-Übersteiger austanzte.
Allmählich gehen auch an der Hagenbeckstraße sämtliche Lichter aus. Robert Tesche und Lennart Müller wurden in der Schlussphase vom Schiedsrichter vom Platz gestellt – das kommt erschwerend hinzu. An dieser Stelle aber nochmals unser Dank an Fabio Morena und Patrick Owomoyela, unsere beiden Gäste bei „Matz ab live“ – das war klasse, dass Ihr unsere Gäste wart. Auch wenn es am Tag danach dann nicht von einem Erfolg gekrönt war.

PS: An diesem Montag wird im Volkspark von zehn Uhr an „individuell“ trainiert. Was auch immer das zu bedeuten hat.

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