Archiv für das Tag 'Neisner'

Jansen trifft zweimal für das A-Team!

8. November 2014

„Wir gewinnen! 2:0 für’n HSV, logisch. Ja ist doch logisch. Wer gegen Bayern 0:0 spielt, gegen Dortmund 1:0 gewinnt und gegen Leverkusen auch, der gewinnt doch auch in Wolfsburg. Vor Wolfsburg müssen wir nun wirklich keine Angst haben.“ Sagt wer? Das sagte mir heute vor dem Abschlusstraining im Volkspark „Helm-Peter“. Der Mann („Tschuldigung, da muss ich kurz mal dazwischen grätschen“) mit dem Bart. Und mit dem Fahrrad. Peter war einer von ganz wenigen Kiebitzen, die an diesem wunderbar sonnigen Tag den Weg zum HSV gefunden hatten. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde trainiert, aber ein bisschen sehen kann man ja immer. Und festgestellt wurde schnell, dass Tolgay Arslan nicht mit von der Partie ist. Der „Pferdekuss“, den er sich im Training eingefangen hat, ließ heute kein Training zu – und morgen auch keinen Einsatz in Wolfsburg.

 

Die Sendung beginnt um 17:30 Uhr.

 

Ebenfalls fehlen wird an diesem Sonntag der ehemalige Wolfsburger Petr Jiracek, der an einer Fußprellung leidet und heute nur mit Reha-Coach Markus Günther durch den Volkspark lief. Ansonsten alles an Bord (natürlich bis auf Rene Adler und Maximilian Beister). Also auch Valon Behrami, der das gesamte Programm ohne Einschränkung absolvieren konnte.
Es wurde heute leicht und locker trainiert, nach der Aufwärmphase wurden Spielzüge über die Außen-Positionen geübt, in der Mitte wurde die jeweilige Spitze angespielt, der Ball dann nach außen weitergeleitet, Flanke – Tor. So sollte es jedenfalls im Normalfall aussehen, sah es natürlich nicht immer. Ist ja klar.

 

Nach dieser Übung ging es auf jenen Platz, der schlecht einsehbar ist – da spielte dann die A-Elf gegen das B-Team. Dieses Match ging über zwei Halbzeiten und dauerte 20 Minuten, die Stamm-Formation gewann durch zwei Treffer von Marcell Jansen 2:0. Und nach dem Spielchen applaudierte Trainer Joe Zinnbauer seinen Mannen und sparte auch nicht mit Lob: „Das war gut, Jungs, das war gut, das sah gut aus.“ Hoffentlich ernten die HSV-Profis auch morgen so viel Beifall. Apropos: Den erntete heute Artjoms Rudnevs bei der ersten Übung, als er eine Flanke knallhart und technisch super verwandelte. Da klatschten und lobten viele Mitspieler den Letten. Beifall gab es dazu auch für Pierre-Michel Lasogga, der auch einige Male sehr schön verwandelte.

 

Um Rudnevs gab es später noch einige Sorgen, denn der Lette war von Johan Djourou gefoult und zu Boden befördert worden. „Rudi“ humpelte danach einige Sekunden länger, hielt dann aber bis zum Schluss tapfer durch – um dann doch mit einem leicht schmerzverzerrtem Gesicht in die Kabine zu humpeln. Mal sehen, wie sich diese Verletzung noch am Abend „entwickelt“; kommen die Muskeln zur Ruhe (und werden kälter), könnte das durchaus noch richtig schmerzhaft werden. Das sah wie bei einem „Pferdekuss“ aus.

 

Kurz noch einmal zu Rudnevs. Beim „Matz-ab“-Treffen vor einer Woche wurden wir ja (u. a.) gefragt, warum der gute „Rudi“ zuletzt zweimal nicht mal auf der Bank saß, also keine Berücksichtigung bei Trainer Joe Zinnbauer fand. Es soll so sein, dass Artjoms Rudnevs einfach nur schlechter als die Kollegen trainiert hat, dass er im Training große Abschlussschwächen offenbart hat, und dass er die Laufwege der Mannschaft noch nicht so „kapiert“ hat, wie die anderen Mitspieler. So langsam soll es „kommen“, heute allerdings war davon nicht allzu viel zu erkennen. Ich habe, das muss ich mal sagen, Rudnevs schon besser und effektiver gesehen und erlebt. Er könnte es sicher noch besser, als er es derzeit anbietet. Aber vielleicht wird es ja demnächst noch etwas – wo er doch so von seinen Fans über den Rasen getragen wird. Das muss doch mal auf fruchtbaren Boden fallen, diese Fan-Liebe.

 

Zum Abschluss des heutigen Trainings gab es dann „Feuer frei“. Es wurde nach Herzenslust geschossen, wer immer wollte, der durfte, und die drei Torhüter (Jaroslav Drobny, Alexander Brunst und Kevin Otremba) flogen nach allen Regeln der Torwart-Kunst, weil ihnen mitunter auch gleich zwei oder sogar drei Bälle um die Ohren sausten. Das sollte Spaß machen, und es machte allen offenbar viel Spaß. Da hatte jeder einmal oder auch mehrfach das Gefühl, es ja doch noch zu können. Wäre für morgen ja gar nicht so unwichtig, mal das eine oder andere Törchen zu erzielen. Bei bislang erst vier HSV-Buden . . .

 

Apropos vier Buden. So etwas wird es wohl nie wieder geben: Der HSV spielte am 3. März 2000 in Wolfsburg und „schaffte“ nach einem 4:1-Vorsprung nur ein 4:4. Das allein ist schon denkwürdig, aber dass es im selben Jahr, und zwar am 23. September, beim erneuten Aufeinandertreffen in der Autostadt erneut ein 4:4 gab, das ist für mich immer noch sensationell. Wie oft gibt es in der Bundesliga ein 4:4? Und dann gelingt dieses Resultat zweimal hintereinander. Das ist wie ein Sechser im Lotto. Und was würden die HSV-Fans dafür geben, wenn heutzutage mal wieder vier Tore für ihre Mannschaft fallen würden!

 

Nur mal so zur Erinnerung, weil es so schön war. Das erste 4:4 erreichte für den HSV folgende Spieler: Butt, Hoogma, Hertzsch, Panadic, Hollerbach, Kovac, Fischer, Cardoso (Ernst), Mahdavikia, Yeboah (Hashemian), Präger (Dembinski). Die Tore schossen Mahdavikia (zwei) und Cardoso (zwei). Das zweite 4:4 „erspielten“ folgende Herren: Butt, Fukal, Hoogma, Hertzsch, Hollerbach, Töfting (Sandmann), Kovac, Cardoso (Ketelaer), Mahdavikia, Barbarez, Präger (Kientz). Die HSV-Tore markierten Mahdavikia, Fukal, Cardoso und Präger, der heute ja wieder ein „Wolf“ ist. Trainer der ganzen Geschichte war Frank Pagelsdorf, der offenbar Gefallen an diesem Ergebnis hatte, denn zwischendurch gab es ja noch ein 4:4 – das legendäre gegen Juventus Turin (13. September).
Wie schön, ich muss es noch einmal sagen, wären mal wieder vier HSV-„Dinger“. Und wenn es morgen ein 4:4 geben sollte – auch damit könnte ich (jetzt noch) wunderbar leben.

 

Im Moment aber ist ja Tor-Armut angesagt. Was dann ja auch zu verkraften wäre, wenn es denn – wie in Dortmund und gegen Leverkusen – einen 1:0-Sieg geben würde. Oder auf jeden Fall keine Niederlage. Ich bin gespannt, wie sich die Mannschaft kämpferisch aus der Affäre ziehen wird. Ob sie sich wieder zu reinhängt, wie zuletzt gegen die Werks-Elf aus Leverkusen, oder ob sie „halblang“ macht – wie gegen die jetzt schwer kriselnden Berliner? Ich habe immer noch eine Aussage von
Rafael van der Vaart im Ohr, der nach dem Sieg gegen Bayer bei „Sky“ gesagt hat: „Es war nicht nur für mich persönlich eine Befreiung, sondern auch für die ganze Mannschaft. So zu kämpfen, war schon geil. Für uns war es wichtig, zu zeigen, dass wir hier die Chefs sind.“ In Wolfsburg sind sie morgen ganz sicher nicht die Chefs, aber kämpfen darf man auch als nur „kleiner Angestellter“. Denn sie alle, die „kleinen Angestellten“ haben eines gezeigt: das sie es können! Also, macht’s noch einmal, Jungs!

 

Der HSV wird morgen mit jener Formation antreten, die auch zuletzt gegen Leverkusen begann – und das ist ja auch etwas Besonderes. Zweimal in Folge mit demselben Team, das gab es lange nicht (wenn ich richtig erinnere) – und zwei Siege hintereinander erst recht nicht. Morgen würde sich mal wieder die Chance dazu bieten – also fangt damit an!

 

Von Erfolg zu Erfolg eilen derweil die Regionalliga-Spieler des HSV, die ihr schweres Auswärtsspiel am Freitag in Havelse mit 2:1 gewannen. Es ist ein unglaublicher Lauf, den diese Talente da hinlegen, 16 Spiele, 14 Siege, zwei Unentschieden zu Hause, 52:11 Tore, 44 Punkte! Sensationell! Die Tore an diesem Freitag schossen Matti Steinmann und Ahmet Arslan. Super, super, großartig – weiter so! Und herzliche Glückwünsche!

 

So, ich komme zum Quiz. Es ging um die hervorragenden Illustrierten unseres Kollegen Oliver Wurm, der mit jedem deutschen WM-Helden sprach und es zu Papier gebracht hat. „Olli“ wird dafür wahrscheinlich einen Preis gewinnen, er ist für eine größere Auszeichnung nominiert. Völlig berechtigt, ganz nebenbei. Diese drei Hefte sind wahrscheinlich schon bei ihren Gewinnern. Und da ich die Postkarten in der Redaktion gelassen habe, es heute aber aufklären will, versuche ich mich zu erinnern, wohin diese Illustrierten gingen: Einmal nach Hamburg, zu Herrn Joppe. Dann nach Hille (wo immer es auch liegt) zu Herrn, und den weiß ich nun wirklich nicht mehr genau, ich tippe auf Herrn Fendel. Wir aber auf jeden Fall noch nachgereicht, damit mir kein Schmu unterstellt wird. Und der dritte Gewinner ist Carsten Hahn aus Windbergen (weiß ich auch nicht, wo das liegt). Alle drei Gewinner sind mir nicht persönlich bekannt, aber diese drei Herren haben eines gemeinsam: Sie sind die einzigen Teilnehmer an diesem Quiz, die alle zwölf Namen richtig haben.

 

Zu erraten waren: Paul Scharner, Manfred Kaltz, Harry Bähre, Holger Hieronymus, Thomas Doll, Hermann Rieger, Uwe Seeler, Lotto King Karl, Sven Neuhaus, Horst Schnoor, Klaus Neisner und Hans-Jürgen „Dittschi“ Ripp.

 
Eine Sache muss ich in diesem Zusammenhang noch erwähnen. Es gab eine Mail, auf der auch einige richtige Namen standen – und ich finde, dieses „Werk“ sollte dann auch ruhig mal Erwähnung finden, auch wenn es nicht ganz richtig ist – aber immerhin zum Schmunzeln. Allerdings, das vergaß der Absender wohl, ohne Adresse. Also wenn er gewonnen hätte, dann hätte ihn dieses WM-Heft wohl kaum erreicht. Hier nun der Text dazu:
 

sorry, der nachfolgende text passtnicht auf eine postkarte…

Ein Gewinnspiel, ein Gewinnspiel:
Ich KALTZ im Kopf nicht aus.
Was BÄHRE „Matz ab” ohne ein Gewinnspiel.
Hoffentlich gewinnt nicht ein SCHARNERtan,
sondern ein Teilnehmer, der von Zero to “HIERO” aufsteigt.
Das wäre DOLL.
Es gibt ja mehrere Gewinner, aber die entscheidende Frage lautet:
Wer wird erster RIEGER beim Promi-Quiz…?
Es heißt zwar “Geben ist SEELER denn nehmen”,
aber Preise abstauben ist letztlich wie im “LODDO” zu gewinnen.
Davon kann man sich dann ein NEUHAUS bauen
oder aber die kleinen Wünsche des Alltags erfüllen.
Das ist wie beim Durchtrennen der Nabel-SCHNOOR –
ein echtes Glücksgefühl.
Man ist zudem beliebt wie die größten STARS,
die ja auch immer diese tollen “FUMMEL” tragen.

Mit sportlichen Grüßen
WORTSPIELER

 

So, am morgigen Sonntag gibt es nach dem Spiel wie immer die immer beliebter werdende (ich muss es einfach mal wieder loswerden) HSV-Talk-Runde „Matz ab live“, diesmal mit den Gästen Stefan Schnoor und Alexander Laas sowie eventuell einem Überraschungs-Gast. „Scholle“ und ich, wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder mit von der Partie sein würdet.

 
Dann komme ich – sehr gerne übrigens – noch einmal auf das „Matz-ab“-Treffen vor einer Woche im „Anno 1887“ in Norderstedt zurück. Weil ich im Nachhinein gedacht habe, dass ich unseren „Mitstreiter“ Lars Pegelow zu wenig erwähnt habe – für einige „Neulinge“ auch nicht vorgestellt hatte. Sorry, mein Lars, das war ein Fauxpas der selten-blöden Art, ich entschuldige mich dafür. Du bist, das möchte ich sehr gerne hier erwähnen, eine sehr wertvolle Verstärkung für das „Matz-ab“-Team, Deine Texte sind immer sehr schön zu lesen und reichlich gefüllt mit Inhalt. Vielen Dank dafür. „Scholle“ hatte ich an diesem Abend gelobt, den Lars leider nicht, und deshalb hatte ich in dieser Woche doch reichlich Gewissensbisse.

Auch gegenüber unsere jungen „Mutter der Kompanie“, Eva/Hope. Sie fehlte an diesem Abend, hatte ihn aber vorher super organisiert, dafür auch an dieser Stelle und ganz offiziell herzlichen Dank für Deine großartige Hilfe, liebe Eva/Hope. Du bist in diesem Blog unersetzlich – und einfach nur toll!

 

PS: Zum „Matz-ab“-Treffen habe ich etliche Dankesschreiben (auch Fotos! Danke dafür, HSV-Lünen!) und –Anrufe erhalten, vielen dank dafür. Eine Zuschrift möchte ich schnell noch öffentlich machen, ich hoffe, dass ich das auch darf – aber sie hat mir deshalb so gut gefallen, weil sie das Niveau und die Stimmung an diesem Abend so gut widerspiegelt:

„Hallo Manfred,

kennen H. Matz und Herr Scholz eigentlich schon das schönste Garagentor in Nordrhein-Westfalen? Diese Bilder sind wirklich Klasse.
Morgen Abend schaue ich mir HSVII in Havelse an, von meiner Arbeitsstelle in Hannover ist dies nur ein Katzensprung entfernt. Am Sonntag bin ich mit Alnipe, Thomas Kerfin und Flashzbax in Wolfsburg.
Dank H. Matz kennen auch wir uns. Dadurch sind inzwischen schon richtige Freundschaften entstanden. Auch die “Nicht Plusser und Nicht Realos” sind HSVer. Deshalb halte ich Kontakte zu allen Fraktionen, u.a. Bob Dylan, Alnipe, usw., denn eines eint uns alle, die Liebe zu unserem HSV.

Gruß R.“

 

So, ich habe fertig. Ich wünsche Euch und Euren Lieben ein wunderschönes Wochenende, und dem HSV (damit uns allen) einen Auswärtssieg in Wolfsburg. Alles Gute!
Dieter

 

17.57 Uhr

Herzlich willkommen, lieber Mats!

10. September 2014

Mats ab! Aus ganz besonderem Grund heute etwas früher. Mats ab!

Jawoll, Mats ab! Mit „s“. Unser „Scholle“ ist heute zum dritten Mal Papa geworden, dazu ihm und der Mutter Sandra alles, alles Gute. Und dem neuen Erdenbürger „Mats Niklas“ möchte ich zurufen: „Viel Erfolg und viel Spaß auf dieser Welt, hau rein, mein Junge, werde ein Super-Fußballer und setze Dich durch in oder auf dieser doch manchmal auch ungemütlichen und ungerechten Kugel. Und werde natürlich HSV-Fan, wie Dein Papa.“ Der teilte übrigens mit, dass es Mutter und Knabe gut gehe – Mats kam heute um 11.33 Uhr zur Welt, fast eine Punktlandung, denn der 9. September war der Stichtag, der Neu-HSVer wog bei seiner Ankunft 3760 Gramm, verteilt auf 53 Zentimeter.
Also, der jungen Familien noch einmal einen ganz besonders herzlichen Glückwunsch, und die „Matz-ab“-Gemeinde sollte heute mal zu einer etwas anderen Feier aufgelegt sein – Prost!

 

Zum Fußball-Alltag:

Das ist leider ein wenig untergegangen, was ich sehr, sehr schade finde: Bei der Feier und der Erweiterung des HSV „Walk of fame“, 2005 erfunden und seitdem organisiert und finanziert vom rührigen Unternehmer Andreas Maske, hielt der Kapitän der HSV-Meistermannschaft von 1960, Jochen Meinke, eine brillante Rede für den posthum geehrten Erwin Seeler. Das Besondere an dieser Rede: Meinke, im HA-Video versehentlich als „Meine“ vorgestellt (sorry!), sprach „freihändig“. Das heißt, ohne jede Unterstützung durch ein Manuskript oder einem Zettel. Frisch, frei und fromm von der Leber weg, der 83-jährige ist immer noch in Weltklasse-Form. Unglaublich, und er erntete für diesen Auftritt nicht nur viel Beifall, sondern Schulterklopfer und von allen Seiten höchstes Lob. Was Jochen Meinke – bescheiden wie er ist – immer weit wegschob von sich: „Ich habe nur das erzählt, was ich mit Erwin Seeler und der gesamten Familie erlebt habe, ich wohnte doch um die Ecke. Und wenn ich ehrlich bin, dann wollte ich noch so viel mehr erzählen, aber ich habe das denn doch weggelassen.“

 


Wie gesagt, sehr schade. Denn für mich, und sicher nicht nur für mich, war dieser Meinke-Auftritt aber ein besonderes Erlebnis und wird es immer bleiben. Weil er einzigartig ist.

 

Die Stimmung ist und soll auch nach Auskunft der Promis in diesem Jahr wieder super gewesen sein. Der frühere Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow lobte: „So harmonisch und stimmungsvoll war es lange nicht mehr, das war eine der schönsten HSV-Versammlungen der vergangenen Jahre.“
Von den „alten Herren“ waren Willi Schulz, Horst Schnoor (mit Ehefrau Gerda), Erwin Piechowiak (mit Ehefrau Mienchen), Klaus Neisner, Harry Bähre, Vereins-Manager Bernd Wehmeyer, Aufsichtsratsmitglied Peter Nogly und der heutige Marketing-Mitarbeiter Sven Neuhaus gekommen, ferner die HSV-Größen Carl-Edgar Jarchow, Oliver Scheel, Dieter Horchler und viele, viele mehr. Zudem natürlich Uwe Seeler (mit Ehefrau Ilka und den Töchtern mit Schwiegersöhnen!), der die Ehrung für seinen Papa „old Erwin“ entgegennahm, und Laudator Rudi Kargus, der seinen Vorgänger und Freund Arkoc Özcan ehrte. Holger Hieronymus ist nun ebenfalls neu verewigt, und auch Bernd Hollerbach, der leider absagen musste, da er daheim in Würzburg an einer schweren Magen-und-Darm-Grippe leidet. Gefehlt hat, neben anderen, diesmal Dr. Peter Krohn. Das Wetter war wohl zu schlecht, denn vorher hatte es lange kräftig geschüttet . . .
Für alle HSVer, die anwesend waren, das muss erwähnt werden, gab es erfreulicherweise keine Diskussion darüber, ob sich hier nun die HSV-AG oder der HSV e.V. getroffen hat – es ging einzig und allein um den HSV. Wie schön. Am Rande sei noch bemerkt, dass sogar zwei Bremer bei der Zeremonie dabei waren: Max Lorenz, seit Jahrzehnten ein ganz, ganz dicker Freund von Uwe Seeler, und der frühere Verteidiger Dieter Zembski, der von der Feier wusste und zufällig (Arbeit) in der Nähe war.

 

Erfreulich an diesem Tag:

Eine Trainer-Diskussion gab es am Rande der Veranstaltung nicht. Die meisten vertraten diese Auffassung: „Wie oft hat der HSV in den letzten Jahren schon den Trainer gewechselt? Das ist doch schon nicht mehr zu zählen. Gebracht hat es nie etwas – nie. Das sollten sich einmal alle überlegen. Es hat dem HSV nur immer viel Geld gekostet. Jetzt sollten die Spieler mal etwas dafür leisten, dass es dem HSV wieder besser geht. Und da ist dann auch der Club gefordert, der sollte endlich mal etwas weniger hohe Gehälter zahlen, dafür ordentliche Prämien, wenn tatsächlich etwas erreicht worden ist. Und zudem sollte nun endlich damit angefangen werden, auf den Nachwuchs zu setzen – die U23 hat ja einen erstaunlichen Weg eingeschlagen.“ Das war so oder so ähnlich an allen Ecken und an den meisten Tischen zu hören.

 

Natürlich waren auch die Kollegen aus der Medienbranche zugegen. Es wurden viele, viele Interviews geführt – das hat Tradition. Am Abend sah und hörte ich dann:
„Der Trainer braucht keine Leute die ihm sagen, wen er aufstellen soll . . .“ Das sagte Holger Hieronymus beim TV-Sender „Hamburg1“. Das war offenbar eine Antwort darauf, dass zuvor in einer Hamburger Zeitung zu lesen gewesen war, dass es aus dem Aufsichtsrat Tipps für Mirko Slomka gegeben hatte, dass nun die „Neuen“ gegen Hannover spielen sollten und müssten. Aber wie bereits geschrieben, es wurde dann keine Trainer-Diskussion vom Zaume gebrochen . . .

 

Zum Sportlichen, und da gibt es aus meiner Sicht recht Erfreuliches zu berichten.
Während die Mannschaft heute frei bekommen hat (nicht weil „Scholle“ Papa geworden ist!), trainierten einige zuletzt angeschlagene Spieler, um doch noch rechtzeitig für das Hannover-Spiel am Sonntag fit zu werden. Rafael van der Vaart ging mit Reha-Trainer Markus Günther zu einer Sonderschicht auf den Platz, Ivo Ilicevic arbeitete im Kraftraum. Auch Slobodan Rajkovic (nach Kreuzbandriss) und Gojko Kacar (nach Außenbandanriss im Knie) schufteten weiter für ein Comeback, Neuzugang Nikolai Müller sowie der erkältete Marcell Jansen fanden sich zur Pflege ein. Dafür, dass das ein freier Tag war, war doch relativ viel im Volkspark los – was mir ausnahmslos gut, nein sehr gut gefällt.

 

Dann las ich heute im Hamburger Abendblatt:
„Dennis Diekmeier lebt seinen Traum“. Und in den verschiedenen Video-Texten eine Aussage von Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw, der über die schlechte Defensive seiner Mannschaft befand: „Wir können uns leider noch keinen Philipp Lahm aus dem Hut zaubern. Die jungen Verteidiger sind sicher talentiert, aber sie brauchen noch ein wenig Zeit, um sich zu verbessern, das wird wohl dauern bis zur nächsten WM. . . .“ Aber dann. Oder: und dann?

 

Das wäre doch genug Ansporn für Dennis Diekmeier. Von dem nach dem Paderborn-Spiel ein großer HSVer mir gegenüber gesagt hat: „Diekmeier war der einzige Hamburger, der auf mich einen absolut fitten Eindruck gemacht hat. Der beackert die rechte Seite fast allein, rast 80 Meter rauf und 80 Meter runter, und das immer wieder. Der scheint mir wirklich voll im Saft zu stehen, vielleicht so wie gut noch nie . . .“

 

Kann schon sein. Aber zu einem Nationalspieler gehört dann doch ein wenig mehr. Unter anderem auch, dass man eine gewisse Defensivstärke besitzt, dass man zweikampfstark ist, dass man weiß, wie man sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat, dazu gehört ferner auch eine gewisse Kopfballstärke. All das ist zu erlernen. Wir hatten beim HSV einst einen talentierten Spieler wie Christian Rahn. Der wurde sogar Nationalspieler (unter Rudi Völler). Aber „Rahner“ hatte ähnliche Schwächen wie Diekmeier nun. Ich empfahl Rahn damals, sich privat einen Trainer zu nehmen, damit er sich verbessert, aber es geschah nichts. Und der HSV-Profi hatte schnell seine Nationalmannschafts-Karriere beendet – und dann auch seine Erstliga-Karriere. Schade drum. Rahn war talentiert, hatte einen sensationellen linken Fuß, konnte gut flanken und super schießen. Nur nach hinten war er verbesserungsfähig, doch weder er noch irgendeiner beim HSV haben daran gearbeitet. Ich sage und behaupte noch heute: „Eine verschenkte Profi-Karriere.“

Heute würde ich auch Dennis Diekmeier einen Privat-Trainer empfehlen, wenn der HSV-Abwehrspieler noch etwas werden will. Und die Chance, dass er noch etwas werden könnte, ist ja so groß wie nie. Nur wird beim HSV wurde daran so gut wie nie gearbeitet, und ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass daran noch einmal explizit gearbeitet wird. Vormittags Training mit der Mannschaft, nachmittags mit einem Trainer (und vielleicht sogar einem „Gegenspieler“, der die Zweikämpfe führt!) auf den Acker. Des wäre ein Anfang. Diekmeier würde sich defensiv bestimmt verbessern, wenn sein Auge, sein Kopfball- und sein Stellungsspiel geschult werden würde.

 

Aber da Individual-Training in der Bundesliga und für die Trainer kaum ein Thema ist, sollte er nun selbst handeln – wenn er noch die ganz große Karriere starten will. Ich kann nur daran erinnern, dass zwei mir bekannte Profis einst „eigenhändig“ Privat-Trainer engagiert – und davon absolut profitiert haben. Dennis Diekmeier wird im Oktober 25 Jahre alt, noch würden ihm alle Türen offen stehen, aber er sollte jetzt wissen, dass er ziemlich bald damit anfangen müsste, etwas für sich zu tun. Andere werden es nicht für ihn erledigen. Die sind alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, so ist das im heutigen Profi-Geschäft.

 

So, bevor ich zum Ende komme, schnell noch einmal der Hinweis in eigener Sache:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV veröffentlicht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, und zwar um 10 Uhr.

 

17.05 Uhr

Entsetzen und Ratlosigkeit

19. August 2013

Der HSV ist in aller Munde. Das hat ein Auftritt geschafft – dieses unglaubliche 1:5 gegen Hoffenheim. In der Stadt gibt es nur dieses eine Thema: HSV. Der HSV und die 1:5-Klatsche, die 1:5-Katastrophe. Ich bin immer noch total entsetzt, und mir fliegen die Mails nur so um die Ohren. Wobei ich eines einmal klarstellen muss: Ich habe hier gestern einen Brief und dazu einige Mails, die schon im Blog als Beiträge liefen, veröffentlicht. Es muss mir also niemand schreiben, um so einmal zitiert zu werden – es genügt der Blog. Und da rauscht es zurzeit ja ordentlich im Karton – kein Wunder. Und ein Thema spielt dabei bislang nur am Rande eine noch unterschätzte Nebenrolle: Zuschauer. Beziehungsweise keine Zuschauer. 47 483 Fans waren beim Hoffenheim-Spiel – noch. Club-Chef Carl-Edgar Jarchow hat es heute bei den Kollegen der Mopo richtig gesagt: „Wenn wir weiterhin so spielen, werden wir Probleme mit unseren Zuschauern bekommen.“ Das stimmt – und stimmt nicht, denn die Probleme gibt es schon. Und die, die am Sonnabend nach dem 1:4 aufstanden und die Arena verließen, die werden so schnell ganz sicher nicht wiederkommen. Das ist die Gefahr: Diese Mannschaft, das sollte sich jeder einmal vergegenwärtigen, diese Mannschaft spielt die treuesten und besten Fans aus dem Stadion! Aufwachen, HSV, und aufwachen, ihr HSV-Profis!

Dass es nun jede Menge bester Ratschläge für den HSV gibt, ist klar – das war in Krisenzeiten immer so – aber wir haben ja noch keine Krise. Wir haben jetzt erst zwei Spieltage hinter uns. Bedenklich ist es trotz allem.

Sky Experte Stefan Effenberg hat über die Situation beim HSV gesagt: „Van der Vaart ist schon derjenige, der die meiste Last auf den Schultern trägt. Aber es ist ja auch kein anderer da. Man braucht im Team eine Achse, an die sich jeder anlehnt, aber die ist nicht da. Du spielst gegen den HSV, nimmst van der Vaart aus dem Spiel und schon hast du das Spiel im Griff.“

Aber das ist ja nicht das einzige Problem. Es drückt doch überall der Schuh. Überall. Es liegt doch nicht nur an Rafael van der Vaart, ob der nun gut oder schlecht drauf ist – es liegt doch dann auch an den anderen zehn Leuten, die mit ihm auf dem Rasen stehen. Stehen. Fußball ist ein Laufspiel, und es wird mir beim HSV einfach zu wenig gelaufen. Andere Mannschaften, da liege ich mit vielen meiner Freunde, Bekannten und auch befreundeten Experten auf einer Linie, viele Mannschaft laufen ganz einfach viel mehr. Und schneller. Da müssen wir gar nicht so weit suchen, da genügt es, wenn man sich das Hoffenheim-Spiel noch einmal ansieht. Wie die Jungs gelaufen sind, gesprintet sind, wie sie von Angriff auf Abwehr umgeschaltet haben, wie sie die Räume zugestellt haben, wie sie sich auch gegenseitig geholfen haben ständig Anspielstationen für den Nebenmann gebildet haben, das war eine Augenweide. Und ist in dieser Form beim HSV nicht zu sehen. Null. Oder auf jeden Fall viel, viel zu wenig.

Ich habe heute mit einigen Altmeistern des HSV gesprochen, die jedes Spiel ihres Vereins sehen. Da hörte ich oft das blanke Entsetzen oder totale Ratlosigkeit heraus.

Horst Schnoor, Torwart der Meistermannschaft von 1960, sagte mir: „Nach einer solchen Niederlage muss man sich schon Sorgen machen. Wir haben alle etwas anderes erwartet, aber das 3:3 von Schalke wurde ja nun in Wolfsburg mit dem 0:4 relativiert. Wir waren viel zu optimistisch. Nun müssen wir aufpassen, dass wir in den nächsten Spielen genügend Punkte holen, sonst geht der Abstiegskampf wieder los.“ Woran aber liegt es, dass der HSV so schlecht spielt? Schnoor: „Wir spielen zu Hause immer nach dem gleichen Muster – und verlieren auch immer nach dem gleichen Muster: Wir fangen uns ein schnelles Tor ein, und dann rennen wir offen hinterher – und dann knallt es.“

Horst Schnoor weiter: „Ich will jetzt nichts gegen Thorsten Fink sagen, darauf lege ich großen Wert, der hat jetzt genügend Sorgen. Aber wir müssen vielleicht mal anders stehen, getreu dem Huub-Stevens-Motto: die Null muss stehen. Wir haben offensichtlich Schwierigkeiten, gegen gut gestaffelte Mannschaft das Spiel zu machen. Das dauert alles zu lange und ist viel zu umständlich.“ Und was sagt ein Torwart zu Rene Adler: „Er tut mir leid, denn er wurde gegen Hoffenheim absolut allein gelassen. Dann kann kein Torwart der Welt etwas halten. Nein, nein, an Adler liegt es nicht.“

Woran dann? Schnoor über den HSV ganz allgemein: „Wie hat sich den Dortmund wieder gefangen? Die waren schon tot, lagen am Boden – und dann? Dann haben drei Männer das Ding wieder belebt: Watzke, Zorc und Klopp. Drei Männer. Aber beim HSV wollen sie alle mitreden, das ist unser großes Problem. Und ich weiß nicht, wie das jemals geändert werden soll. Ich weiß es nicht.“

Und sportlich, Herr Schnoor: „Neue Spieler können wir nicht mehr kaufen, es gibt kein Geld. Da muss gearbeitet, gearbeitet und nochmals gearbeitet werden. Zu den zwei Tagen, die nun frei gegeben worden sind, möchte ich nichts sagen, der Trainer wird wissen, warum er das so getan hat.“

Apropos neue Spieler. Im Sturm ging Heng Min Son verloren, dafür wurde Jacques Zoua geholt. Wie urteilt Horst Schnoor über den Mann aus Basel? „Er soll ja ganz billig gewesen sein, aber wenn er nur einigermaßen gewesen wäre, dann wäre da ja nicht nur der HSV dran gewesen. So doll kann der also beim FC Basel nicht gewesen sein. Und wenn ich mir dann den Modeste, den Stürmer von Hoffenheim ansehe, dann muss ich sagen: da liegen Welten dazwischen. So einen haben wir weit und breit nicht. Maximilian Beister ist ein Konter-Stürmer, Artjoms Rudnevs kämpft und rennt 90 Minuten, macht wenigstens ab und zu mal ein Tor – den würde ich immer spielen lassen. Wir haben keinen besseren Stürmer, auch wenn er technisch Schwächen hat.“ Und der HSV nun in Berlin? Wie wird das? Schnoor: „Ich möchte wetten, dass der HSV dort nicht verliert. Die werden sich alle den Hinter aufreißen – wenn sie Charakter haben.“

Klaus Neisner, Rechtsaußen der Meistermannschaft von 1960 und immer noch (ein) Chef der Altliga des HSV, sagt zum 1:5: „Ich mache mir große Sorgen um den HSV, denn ich glaube, dass in dieser Mannschaft zu wenig Substanz steckt. Ein Rafael van der Vaart ist nicht mehr das, was er früher mal war, er kann nicht mehr der große Leader dieser Mannschaft sein. Das hat er schon seit Beginn dieses Jahres gezeigt, er hat für mich teilweise Alibi-Fußball gespielt. Er lässt sich nach hinten fallen, wird angespielt und spielt den Ball dann dem Nebenmann über sechs, sieben Meter wieder in die Füße.“ Ist denn das Thema Abstieg für den HSV ein Thema – in dieser Saison? Neisner: „Ich glaube nicht, dass der HSV absteigen wird, aber der HSV ist und bleibt für mich eine Wundertüte. Immer wieder mal gute Spiele, aber dann auch solche unbegreiflichen Auftritte wie jetzt am Sonnabend. Es wird sicherlich eine schwere Saison. Ich weiß auch nicht, ob die Spieler wirklich zu 100 Prozent austrainiert sind . . .“

Gert „Charly“ Dörfel, Linksaußen der Meistermannschaft von 1960, befindet zur aktuellen Lage: Das war desolat, keine Frage, aber der HSV hat immer noch mit den Ausläufern der Hoffmann-Ära zu kämpfen – kein Geld, um noch mal vernünftige Spieler kaufen zu können. Und die bräuchte der HSV jetzt dringend, es gibt davon zu wenige. Gegen Hoffenheim ist die Mannschaft wie ein Hühnerhaufen über den Rasen gelaufen. Dennoch glaube ich, dass sich die Spieler fangen werden, die spielen schon in Berlin wieder sehr viel besser. Auch van der Vaart wird noch in Bestform kommen, davon bin ich überzeugt. Und Thorsten Fink wird alles dafür tun, dass seine Mannen nicht wieder wie ein Sauhaufen über den Rasen laufen werden.“

Der Kapitän von 1960, Jochen Meinke (der Stopper), kam am Sonnabend nach dem 1:5 nach Hause und sagte zu seiner Frau: „So spielt ein Absteiger.“ Meinke weiter: „Ich war bedient. Es ist mir unbegreiflich, wie man auf Schalke so gut spielen kann, und dann so etwas. Die haben alle gespielt, als wären sie im Tran. Die waren ja alle viel langsamer als die Hoffenheimer. Und dann die Abwehr – eine Katastrophe. Da werden ja haarsträubende Fehler gemacht, vor allen Dingen von Heiko Westermann.“ Dann ergänzt Jochen Meinke: „Zum Glück ist ein solches Debakel gleich im zweiten Spiel passiert, das öffnet hoffentlich allen die Augen, jetzt weiß jeder, woran er ist. Gegen Hoffenheim haben ja alle versagt.“ Dann sagt Meinke noch: „Wir haben uns im Stadion fragend angesehen, als Thorsten Fink den Milan Badelj ausgewechselt hat – aber da hat wohl jeder Trainer seine eigene Ansicht. Ich aber hätte Badelj niemals ausgewechselt, da gab es doch genügend andere, die viel, viel schlechter waren.“

Und nun? Wie geht es weiter? Jochen Meinke: „Der Trainer darf jetzt keine Rücksicht mehr auf Namen nehmen. Dann nimmt er eben mal den jungen Jonathan Tah rein, oder den jungen Kerem Demirbay – schlechter wird es mit ihnen ganz sicher auch nicht laufen, denn schlechter kann man ja gar nicht mehr spielen. Und die jungen Leute haben vielleicht die viel bessere Einstellung, die wollen, die sind hungrig.“ Und zerreißen sich bestimmt. Meinke: „Ich bin heute noch entsetzt, wie unsere Leute neben hren Gegnern hergelaufen sind – vor allen Dingen bei den Toren. Unfassbar, wie wir immer nebenher trabten, so, als ginge es niemandem etwas an . . .“

Und noch ein Stopper sah dieses 1:5 – Ditmar Jakobs. Macht er sich jetzt schon Sorgen? Der frühere Nationalspieler sagt: „Warum soll ich mir Sorgen machen? Das gab es doch früher auch, dass man mal eine Klatsche bekam. Gegen den KSC haben wir mal 0:4 im Volkspark verloren. Grundsätzlich aber steht fest, dass wir Schwierigkeiten bekommen in dieser Saison. Und wer auch immer gesehen haben mag, dass wir im Sommer 2014 international spielen werden – ich sehe das auf keinen Fall. Da kann man nur sagen: ‚Leute, ihr habt noch 32 Spiele vor euch, wacht auf, reißt euch zusammen.’ Und dann hoffe ich, dass wir alle schon in Berlin am Sonnabend einen ganz anderen HSV sehen werden. Gut war an diesem 1:5, dass diese Niederlage im Kollektiv geschah, denn es waren alle schlecht, da kann sich keiner rausnehmen – außer dem Torwart.“

Ditmar Jakobs sieht allerdings auch nicht nur die Abwehr als schwach an, denn ein Abwehrverhalten beginnt schon wesentlich früher. Und weil nun auch die Führungsspiele, die „älteren Herren“ gefragt sind (und kritisiert worden sind), sagt „Jako“: „Die Jungen müssen genauso mitmachen, und wenn sie abtauchen, dann bekommt jeder erfahrene Spieler ebenfalls große Schwierigkeiten. Da muss schon ein Rad in das nächste greifen, da kann es nicht nur Jung und nicht nur Alt geben – du brauchst elf Leute, die Gas geben und sich einig sind.“ Aber es gibt wohl doch noch Licht am Ende des Tunnels: „Zu Hause tun wir uns schwer, auswärts sind wir besser. Obwohl es gegen den Aufsteiger nicht einfach wird – aber wir müssen das Spiel nicht machen, da wird die Hertha kommen.“

Dann sagt Ditmar Jakobs auch: „Die Medien haben auch eine Mitschuld an diesem Dilemma. Ihr habt sie doch alle aufgebaut, ihr habt sie zu Weltmeistern gemacht – nach diesem grandiosen 3:3 auf Schalke. Als wäre der HSV schon wieder deutscher Meister. Weil er doch auf Schalke wie der FC Barcelona gespielt hat. Eine Woche wurde in Hamburg gefeiert, weil der HSV doch wie Barcelona spielt. Sensationell. Was sollen die Spieler denn glauben? Die laufen dann so gegen Hoffenheim auf, als wären sie der FC Barcelona . . .“ Dann ergänzt Jakobs noch: „Alle wurden sie nach dem 3:3 nach oben gejubelt. Der HSV ganz oben, endlich haben es die Spieler begriffen, nun können sie es – und so haben wir Schalke ausgetrickst . . . Und dann trickst hier Hoffenheim. Und das hat eines gezeigt: Wir sind weiterhin so instabil, wie wir zuletzt immer waren. Das ist Tatsache.“

Und zur Erinnerung fügt „Jako“ noch an: „Wir haben am 26. September 1987 mal 2:8 in Mönchengladbach verloren. Das war auch grausam. 2:3 hieß es, und plötzlich sind alle nach vorne gelaufen. Ich stand dahinten teilweise allein gegen vier Borussen – und Tor. Aber solche Tage gibt es. Der Unterschied zu heute ist aber der, dass wir damals Qualität in der Mannschaft hatten. Wir hatten einen Manfred Kaltz, Dietmar Beiersdorfer, Thomas Kroth, Thomas von Heesen, Uwe Bein und zum Beispiel einen Bruno Labbadia. Solche Leute fehlen doch heute. Und auch ein Uwe Seeler ist ja mit dem HSV einst 1:8 in Oberhausen untergegangen.“ Der Rat von Jakobs: „Man darf sich jetzt nicht ins Höschen machen, man muss mutig und mit Herz auftreten, als wäre nichts gewesen. Man darf keinen Schiss haben, ganz klar. Und nun harren wir der Dinge, die da auf uns zukommen werden.“

Das macht auch ein weiterer HSV-Nationalspieler von einst, nämlich Holger Hieronymus. Der frühere DFL-Geschäftsführer war beim 1:5 live dabei – und ging, gemeinsam mit Jakobs, etwas früher. Hieronymus will sich eigentlich gar nicht äußern, sagte aber immerhin: „Jeder, dem der HSV nicht egal ist, und dazu zähle ich mich auch, macht sich schon seine Gedanken. Und das sind schon recht ernste Gedanken, das muss ich schon sagen. Dieses 1:5 war schon überraschend, das muss ich schon sagen – mehr aber auch nicht.“

In der DPA aber hat Deutschlands Mittelstürmer-Idol Nummer eins noch zum HSV Stellung bezogen:

Fußball-Idol Uwe Seeler hat den Hamburger SV vor vorschnellen Aktionen nach der hohen Niederlage gegen 1899 Hoffenheim gewarnt. Nach dem zweiten Spieltag der Fußball-Bundesliga sei noch nicht die Zeit gekommen, alles in Frage zu stellen. „Natürlich bin ich bedröppelt und niedergeschlagen. Mit dem 1:5 habe ich in meinen kühnsten Träumen nicht gerechnet“, sagte der 76-Jährige am Montag der Nachrichtenagentur dpa: „Das ist so im Fußball, jetzt muss man aufstehen und neu angreifen.“ Er glaube, dass sich die Mannschaft am kommenden Samstag bei Hertha BSC zusammenraufen werde.

Zur Kritik von Sportdirektor Oliver Kreuzer an der fehlenden Verantwortung der Führungsspieler bei den Norddeutschen sagte der ehemalige Stürmer: „Das ist immer so, dass die Erfahrenen die Mannschaft führen müssen. Ich hoffe, dass sie nun das Zepter übernehmen“.

Verstärkungen will Seeler angesichts der schwierigen finanziellen Lage nicht fordern: „Natürlich müssten noch neue Leute kommen, wenn wir oben mitmischen wollten. Aber wir wissen um die Situation und müssen uns durchwurschteln.“ Er lasse sich überraschen, was bis Ende des Monats und der Wechselfrist in der Bundesliga passiere. „Es wird für Kreuzer immer schwieriger, alle wissen, dass der HSV Not hat“, betonte Seeler. Um neu zu investieren, müssen die Hamburger zunächst einige ihrer fünf aussortierten Spieler von der Gehaltsliste bekommen.

Und dann gibt es auch etwas von Felix Magath, der nun wieder in fast aller Munde ist weil er zum HSV zurückkehren soll. Über Facebook meldete sich der „Held von Athen“ zu Wort:

Von „www.magath.net”:

„Nach meiner ersten Karriere als Spieler habe ich die zweite Karriere als Trainer gemacht und bin am überlegen, ob es Zeit für eine dritte Karriere ist oder ob ich die Trainerkarriere noch fortsetze. Bei dieser Entscheidung will ich mir Zeit lassen, aber natürlich bin ich offen für interessante Möglichkeiten. Sicher ist: Ich will noch was machen! Das Fußballgeschäft boomt und es gibt um den Fußballsport so viele Möglichkeiten.“

Zum Thema HSV: „Ich habe versucht, im Frühjahr hinter die Kulissen zu schauen und zu sehen, wer da welche Entscheidungen trifft – das war mir aber nicht möglich. Momentan ist das Bild, das der HSV in der Öffentlichkeit abgibt, nicht so schön. Natürlich ist der HSV der Verein, der mir am nächsten steht. Dort war ich zehn Jahre als Spieler, habe große Erfolge gefeiert. Wenn man zehn Jahre bei einem Verein ist, hat man schon was hinterlassen und ist emotional anders gebunden.“

So, dann möchte ich noch auf das morgige Dienstag-Training hinweisen. Es soll um 10 Uhr gelaufen werden, ob die Spieler überhaupt auf den Trainingsrasen kommen werden, entzieht sich meiner Kenntnis.

19.03 Uhr

Adler: „Wir haben noch Potenzial nach oben.“

13. März 2013

Liebe “Matz-abber”, aus trauigem Anlass ist es heute etwas später geworden – sorry, ich war bei der Trauerfeier von HSV-Ur-Gestein Horst Eberstein (darüber berichte ich zum Ende dieses Beitrags).

Zuletzt haben die HSV-Fans wieder jenen Adler zwischen den Pfosten des HSV-Tores hin und her fliegen sehen, wie zu Saisonbeginn. Der beste Neueinkauf des HSV seit Jahren rettete seiner Mannschaft in dieser Spielzeit schon viele Zähler, einige Experten haben acht Punkte errechnet – aber das war vor dem Sieg in Stuttgart. Gegen den VfB hatte Rene Adler wieder einmal eine Weltklasse-Partie gezeigt und dem HSV die Punkte gerettet. Nun also wären es zehn . . . Mindestens, sage ich. Von zurzeit 38. Heute sprach Rene Adler mit uns über sich, den HSV und diese Saison.

Rückblickend verriet er: „Gerade zu Beginn hatten wir uns noch nicht so gefunden, da waren noch einige Positionen vakant. Und dass man da als Torhüter zwangsläufig einige Aktionen mehr hat, das ist normal. Man hat viel mehr zu tun, bekommt zudem auch mehr Rückpässe und man steht mehr im Fokus, mehr im Brennpunkt. Im Lauf der Hinrunde haben wir uns dann aber stabilisiert, und trotzdem gab es natürlich Spiele, in denen du als Torhüter in den entscheidenden Situationen die Weichen stellen musst. Und da ist es immer schlecht, wenn man, wie gegen Fürth, durch eine Unachtsamkeit schnell mit 0:1 zurück liegt. So etwas prägt das ganze Spiel. Und da ist es wichtig, als Torhüter in den wichtigen Situationen präsent zu sein, damit die Mannschaft nicht in Rückstand gerät.“ In Stuttgart hat das ganz hervorragend geklappt – die Null stand hinten.

So gesehen ist die Saison ja fast perfekt für Rene Adler gelaufen. Er hatte immer gut zu tun – und konnte sich, bis auf das 1:5-Debakel in Hannover, immer auszeichnen. Adler: „Für mich ist es das Schönste, wenn wir gewinnen, und wenn wir dann zu null spielen, dann ist es sogar perfekt. Wenn man kein Gegentor kassiert hat, dann hat man einen guten Job gemacht, dann hat man nicht so viel verkehrt gemacht.“ Generell befindet er zu seiner Mannschaft: „Man erkennt eine Gesamt-Entwicklung. Wir machen das, was der Trainer verlangt. Unser Spiel ist sehr, sehr stark auf Ballbesitz ausgelegt, wir sind darauf bedacht, nicht die Ruhe zu verlieren, dass wir den Ball oft zirkulieren lassen und die Lücke zu suchen, um uns Möglichkeiten zu erspielen. In der Hinrunde sind wir manches Mal noch zu hektisch gewesen, da haben wir manches Mal einen Ball gespielt, wo wir besser noch einmal hinten herum gespielt hätten. Um einfach die perfektere Lücke zu finden. Das machen wir inzwischen schon sehr gut, in Stuttgart zum Beispiel hat das sehr gut geklappt, da haben wir das schon ganz gut gemacht.“

Rückblickend auf den 1:0-Sieg in Stuttgart befand der Nationaltorwart noch. „Ich bin kein Freund von Vergleichen zwischen den Spielen, aber wie wir auswärts in Dortmund aufgetreten sind, von der Bewegung her, von der Kompaktheit, vom Nachpressen her, wo wir sofort attackiert haben – da konnte sich kein Stürmer der Dortmunder drehen, ohne einen Gegenspieler von uns im Nacken zu spüren. Das sind die elementaren Dinge, die wir gegen jeden Gegner beherzigen müssen – und da denke ich, dass wir auf einem guten Weg sind. Die Aufs und Abs, die es bei uns noch gibt, die sind dadurch bedingt, dass wir eine junge Mannschaft haben. Und dass wir in einer Saison sind, von der keiner so genau wusste, wohin es mit uns geht. Und das muss man uns als Mannschaft und als Verein auch zugute halten, dass wir uns aus eigener Kraft stabilisiert haben – und jetzt auf Platz sechs stehen. Mit Blick nach vorne. Das ist eine Geschichte, zu der man sagen kann, dass bei uns jetzt und auch deswegen keiner abhebt, denn wir wissen, dass wir noch Potenzial nach oben.“

Um „sein“ Hannover-Spiel zu verdrängen, hat Rene Adler einige Dinge ganz bewusst gemacht. Er sagt: „Ich habe mir Zeit für mich genommen, mehr Raum für Erholung und Regeneration genommen. Einfach mal einen Spaziergang mit Frau und Hund zu machen, weniger Fußball im Fernsehen angucken – das habe ich mir gegönnt. Ich schaue mir Spiele der Champions League an, aber ich bin weit entfernt davon, mich zu Hause vom Fußball berieseln zu lassen. Da konzentriere ich mich dann doch komplett auf unser Spiel, und ich habe meinen Fokus auch komplett auf das Training gelegt.“ Und was da speziell? Adler: „Ich habe viele Sachen ganz bewusst gemacht. Hab die Bälle bewusst gefangen, habe Bewegungsabläufe ganz bewusst gemacht, habe Krafttraining ganz bewusst gemacht, habe mich bewusst ernährt. Das ist einfach eine Sache, dass man sich mal irgendwie überprüft – auch gerade jetzt im Erfolg.“

Dann ergänzt Rene Adler noch: „Es ist immer schade, dass man ein solches Spiel wie dieses 1:5 in Hannover braucht, auch als Mannschaft. Aber ich habe schon gesagt, dass ein solches Erlebnis für die Entwicklung einer Mannschaft oftmals reicher im langfristigen Ertrag, als mal ein 1:1, mal ein 2:1 oder wenn man zwei Spiele in Folge 1:2 verliert. Man kann das noch so oft betonen: Wenn wir nicht 100 Prozent spielen, der einzelne, dann haben wir Probleme gegen jeden Gegner. Wir sind nicht eine Mannschaft wie Bayern München, die mit 70 oder 80 Prozent die Spiele gewinnt. Aber das ist auch okay, nur muss das auch jeder von uns wissen, damit er am Wochenende auch 100 Prozent abruft.“

Ich bitte sehr darum. Schon an diesem Sonnabend. Alle bei 100 Prozent. Das wäre doch was. Dann hätte der FC Augsburg hier nicht viel zu lachen. Und erst recht nicht zu feiern . . .

Kurz noch einig positive Dinge der personellen Art:

Michael Mancienne hat heute erstmalig wieder mit der Mannschaft trainiert. Der Innenverteidiger sagte: „Ich fühle mich gut und möchte mich für das Bayern-Spiel in 14 Tagen nicht nur anbieten, sondern auch mit guten Trainingsleistungen anbieten.“
Marcus Berg soll am Donnerstag wieder ins Training einsteigen, Jaroslav Drobny war heute schon wieder dabei, laufend im Volkspark unterwegs waren Ivo Ilicevic und Zhi Gin Lam, der an diesem Donnerstag wieder mal auf dem Trainingsplatz zu sehen sein wird – allerdings nur mit Reha-Trainer Markus Günther. Gelaufen sind heute auch nur Heiko Westermann und Milan Badelj (Fußprellung), beide Spieler aber sollen auch an diesem Donnerstag wieder im Mannschaftstraining zu finden sein.

Nun ein Break.
Das Thema Regionalliga, HSV und Abstieg wurde in den letzten Tagen ja (von einigen) diskutiert, und dazu habe ich nun auch Thorsten Fink gefragt. Was denkt der Profi-Trainer über einen eventuellen Abstieg der Zweiten? Fink: „Es ist klar, dass mir ein Abstieg natürlich nicht gefallen würde, aber trotz der prekären Lage glaube ich, dass die Mannschaft da unten aus der Abstiegszone noch rauskommen wird. Die Zweite hat ein Trainerteam, das ruhig und sehr gut arbeitet – und natürlich bekommen sie in Zukunft von uns auch mal den einen oder anderen Spieler, denn es wäre schon wichtig, dass wir die Klasse halten.“ Warum ist es wichtig, dass die Regionalliga erhalten bleibt? Fink: „Weil sonst der Unterschied zwischen den Klassen zu groß wird. In der Regionalliga wird auf einem höheren Niveau als in der Oberliga gespielt, das ist doch klar, und da oben werden die Spieler natürlich mehr gefordert. Und das käme ihnen dann zugute, wenn sie bei uns integriert werden sollen.“ Wer das ist, konnte Fink nicht verraten: „Wir müssen mal schauen. Es dürfen ja auch nur drei ältere Spieler mitmachen, und dann müssen wir sehen, wer in der nächsten Woche hier ist, und wer bei seiner Nationalmannschaft.“ Michael Mancienne aber könnte dort demnächst Spielpraxis sammeln. Fink: „Das müssen die Profis nur annehmen. Das machen die Leute bei Bayern München zum Beispiel auch. Die gehen da nach Verletzungen auch hin, um sich wieder in Form zu bringen.“ Gojko Kacar aber könnte zum Beispiel auch bei Rodolfo Cardoso spielen.

Thorsten Fink: „Eines aber ist unerlässlich, die Spieler müssen es annehmen, dass sie da spielen wollen. Dass sie wissen, dass sie sich dadurch wieder in Form bringen können. Sonst bringt das nichts.“ Ganz genau. Da ist das Parade-Beispiel, wie man es nicht machen soll, immer noch Muhamed Besic, der eher lustlos seinen Stiefel bei der Zweiten herunterspielte. Fink: „Natürlich werden wir vorher mit den Spielern reden. Wir werden ihnen klar machen, dass es besser für den Verein ist, und dass es auch besser für sie ist. Es ist ja besser, dass sie dort ein Spiel haben – bevor sie keinen Einsatz haben.“ Dann fügt der Trainer noch hinzu: „Spiele in der Zweiten sind ja auch noch etwas anders, als unsere Testspiele, wie zuletzt gegen Oslo. In der Regionalliga geht es ja wenigstens noch um etwas.“

Nebenbei bemerkt: Obwohl (oder gerade?) die Regionalliga-Truppe abstiegsgefährdet ist, wurde in der vergangenen Woche Einigung darüber erzielt, den Trainervertrag mit Rodolfo Cardoso zu verlängern. Per Handschlag ist es besiegelt, demnächst wird es auch die Unterschriften geben.

Nun noch zu einem traurigen Thema:

Heute fand die Trauerfeier für Horst Eberstein in Ohlsdorf statt, der am 1. März im Alter von 83 Jahren verstorben ist. Es waren über 250 Menschen gekommen, und drei davon möchte ich explizit einmal hervorheben: Aus St. Petersburg angereist war der ehemalige HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer (morgen spielt sein Club Zenit in der Europa League gegen den FC Basel!), der „Didi“ kam extra wegen dieser Feier. Aus Frankfurt war FSV-Trainer Benno Möhlmann, einer der besten Freunde des Verstorbenen, angereist, und auch Uwe Seeler war dabei.

Zudem habe ich gesehen: Carl-Edgar Jarchow, Oliver Scheel, Klaus Neisner, Gerda und Horst Schnoor, Jochen Meinke, Richard und Natascha Golz, Rodolfo Cardoso und die gesamte Regionalliga-Mannschaft des HSV, Holger Hieronymus, Jürgen Stars, Stefan Schnoor, Horst Becker, Ronny Wulff, Rudi Kargus, Jürgen Hunke, Heini Deininger, Reinhard Rietzke, Michael Schröder und viele, viele mehr. Neben Bestatter Erwin Jürs sprach auch der frühere HSV-Präsident Dr. Wolfgang Klein, der einst als 19-jähriger Leichtathlet von Eberstein aus Hannover zum HSV gelockt worden ist – und in der kleinen Wohnung der Ebersteins (im Lattenkamp) ein Zimmer (das Zimmer von Eberstein-Tochter Heike!) bewohnte. Klein: „Wir trauern heute nicht über ein HSV-Ur-Gestein, sondern über das HSV-Ur-Gestein.“ Seit 1958 war der gebürtige Berliner Eberstein für den HSV, nein für seinen HSV, tätig – er kannte alle und wusste alles – und er half allen, stand immer mit Rat und Tat parat. Sein Motto: „Da wo andere Menschen ihr Herz haben, da schlägt bei mir die Raute in der Brust.“ Wenn es niemals zutreffend war – auf Horst Eberstein traf es zu. Er wird am Freitag auf dem HSV-Friedhof in Bahrenfeld, in Sichtweite zum Stadion, neben seiner Ehefrau Elfriede beigesetzt.

Mach es gut, Horst, Du warst ein unheimlich feiner Mensch, ein freundschaftlicher und auch oft kritischer Begleiter der journalistischen Szene, mit dem man trefflich streiten und diskutieren konnte – aber stets mit Niveau, immer fair. Dafür danke ich Dir nicht nur, sondern verspreche Dir, dass ich immer nur Positives denke, wenn ich mich an Dich erinnere. Weil es auch nichts Negatives von Dir gibt – da warst ein stets ehrlicher Mensch, der kerzengerade seinen Weg ging. Hut ab vor Deiner großen Lebensleistung – ich vermisse Dich schon jetzt. Du warst einfach nur großartig. Und der Vollblut-HSVer schlechthin – für alle ein Vorbild!

19.21 Uhr

Der Knüller von gestern, der Knüller heute: HSV gegen den FC Barcelona

23. Juli 2012

Danke! Vielen Dank dafür, dass ihr durchgehalten habt. Ich hatte mich während dieser weltrekordverdächtigen Sommerpause zwischendurch mal schnell ausgeklinkt, aber, er der Betrieb ging ja munter weiter – und dafür danke ich euch. Aber ich danke auch vor allem „Scholle“, der die Vertretung toll erledigt hat, und ich, das muss endlich auch einmal gesagt werden, danke auch dem großartigen Moderatoren-Team, das wirklich klasse Arbeit leistet und geleistet hat. Vielen Dank dafür. Und die Sommerpause ist zum Glück ja auch noch nicht beendet, denn es dauert ja noch über einen Monat, bis in der Bundesliga wieder der Ball rollt – vielen Dank, Deutsche Fußball-Liga, für diese lange Auszeit, gerade wir Hamburger brauchten nach dem Dilemma der Saison 2011/12 diese Bundesliga-Abstinenz zur völligen Erholung. Obwohl einige wohl auch noch diesen Monat und vielleicht auch noch den einen oder anderen Monat gerne mehr benötigen würden . . . Aber da muss man mal hart gegen sich selbst sein. Viele Dauerkarten-Inhaber, die zuletzt darauf pfiffen, dass sie diese Karte hatten (und dem Volkspark fern blieben!), sind inzwischen – dank der langen Sommerpause des Vergessens und Verdrängens – umgekippt und haben ihre Karte wieder entgegengenommen. Ich sage ja immer, dass genau diese HSV-Anhänger ihr Ticket nicht mit Geld, sondern mit der Hoffnung bezahlt haben.
Bravo! Ihr seid die wahren Fans, solche treuen Anhänger gibt es wahrscheinlich nur in Hamburg.

Der HSV hängt ja im Moment (in dem ich hier schreibe) noch in der Luft, auf dem Wege von Südkorea nach Hamburg. Mit reichlich Geld im Gepäck – und das ist auch gut so. Und es gibt ja noch mehr. Vom Spiel der Spiele, nämlich von der Dienstags-Partie gegen den FC Barcelona, erhofft sich der HSV ja auch mindestens einen Gewinn von einer halben Million Euro. Diese Summe trotz der Millionen-Gage, die es für die für ein paar Stunden nach Hamburg kommenden Weltstars des FC Barcelona gibt. So lässt sich natürlich super Geburtstag feiern, selbst wenn es schon der 125. ist.
Hoffentlich spielt der HSV nie so (oder nicht so oft), wie es auf seiner Geburtsurkunde steht.

Das Spiel gegen die Katalanen ist restlos ausverkauft, es wird ganz sicher ein stimmungsvoller Abend. Die Begegnung wird um 18 Uhr angepfiffen und wird in der ARD live übertragen – ein Trost für alle, die sich vergebens um eine Karte bemüht haben.

Apropos Karte. Zu diesem Thema bekam ich folgende Zuschrift, vielleicht kann diesem HSV-Fan einer von euch helfen – ich weiß im Moment noch keinen Rat, da bin ich ehrlich. Aber vielleicht hat einer von euch ja Ähnliches erlebt und weiß weiter:

„Hallo Herr Matz,

mir hat der HSV wortwörtlich die Schuhe ausgezogen, denn heute habe ich ein Schreiben von einer Anwaltskanzlei erhalten, die im Auftrage des HSV mich angeschrieben hat. Es wird eine Vertragsstrafe über 500 Euro zzgl. ca. 220 Euro Anwaltskosten verlangt.

Was war passiert?

Ich bin aktuell krankgeschrieben, und da ich nicht weiß ob ich bis zum Jubiläumsspiel am Di. wieder fit bin, habe ich gestern kurzfristig meine beiden Stehplatz-Karten bei ebay für 1 Euro eingestellt. Nach wenigen Stunden hatte ich eine Mail vom HSV-Ticketservice erhalten die mich darauf aufmerksam gemacht haben dass es verboten ist,
und dass ich die Tage Post vom Anwalt erhalten werde, zudem werden die Tickets sofort storniert.

Ich habe nicht als gewerblicher Händler gehandelt, ich wollte lediglich meine beiden Tickets verkaufen bevor ich drauf sitzen bleibe, und nun das! Keine Abmahnung oder sonstiges, sondern sofort Post vom Anwalt mit Forderung einer Vertragsstrafe!

Ich bin 33 Jahre jung, bin vor 4 Jahren von Bremen hierher nach HH gezogen um endlich in meiner Traumstadt zu leben, und um auch meinen Verein näher zu sein. Seit 7 Jahren bin ich Mitglied, seit 3 Jahren habe ich eine Dauerkarte – der Verein ist meine große Leidenschaft – und nun schickt mir mein Verein einen Anwalt auf die Matte…

Momentan weiß ich gar nicht was ich noch vom HSV halten soll, aber passt ja irgendwie gerade voll ins Bild – der Verein braucht Geld!

Ich hatte natürlich gestern sofort den Herrn vom Ticketservice zurückgeschrieben und mich dafür entschuldigt, aber da war die Sache schon an den Anwalt übergeben. Na gut, ich habe auch mal im letzten Jahr Tickets verkaufen müssen weil ich ebenfalls krank war, aber ich mache es doch nicht gewerblich.

Natürlich hat der HSV AGB’s die alles regeln, aber dennoch finde ich diese Vorgehensweise nicht in Ordnung!

Ich bin nun echt schon am überlegen ob ich meine Dauerkarte und Mitgliedschaft kündige, da mich dieses alles sehr traurig macht. Was hat man die Jahre immer mitgefiebert und mitgezittert, hatte mir sogar extra Sky besorgt, habe einige Auswärtsfahrten mitgemacht um meinen Verein zu unterstützen, und nun sowas.

Wie Sie lesen bin ich ziemlich am Boden, und weiß nun wirklich nicht wie ich zum HSV stehen soll. Bisher war der Club immer eine Herzensangelegenheit für mich.

Vielleicht haben Sie ja einen Rat?

Würde mich freuen von Ihnen zu hören!

Viele (blau-weiß-schwarze) Grüße, H. B.“

Ja, das tut mir Leid, aber wie gesagt, ich weiß zurzeit auch nicht, was man da machen kann – eventuell läuft mir ja beim Barcelona-Spiel ein Verantwortlicher des HSV über den Weg, der weiß, was nun zu machen ist . . . Eventuell.

Zwei Besonderheiten wird es zu diesem Spiel geben, für den einen oder anderen Sammler vielleicht eine Gelegenheit, sich zu ergänzen:

HSV-Heimtrikot mit Sonderstick gegen den FC Barcelona

Anlässlich des Jubiläumsspiel wird die Mannschaft mit dem Heimtrikot und dem Sonderstick „Jubiläumsspiel Hamburger SV – FC Barcelona 24.7.2012 Imtech Arena“ auf der Brust auflaufen. Das Trikot mit diesem exklusiven Sonderstick ist für alle Fans in den Fanshops erhältlich und hat eine limitierte Auflage von nur 1887 Trikots.

Und:

Sammelbecher zum Jubiläumsspiel Hamburger SV – FC Barcelona
Zum Jubiläumsspiel am Dienstag, 24.7.12, wird es in der Imtech Arena einen speziellen Sammelbecher geben. Der 0,5 Liter fassende Becher ist für 6,-€ inklusive einem Kaltgetränk nach Wahl an den Getränkestände von Aramark erhältlich.

Ansonsten kann ich jedem HSV-Fan nur ans Herz legen, sich „Matz ab live“ von heute anzusehen. „Scholle“ und ich haben uns am Vormittag mit Horst Schnoor, dem ehemaligen HSV-Torwart (15 Jahre lang die Nummer eins!), und mit dem früheren Rechtsaußen Klaus Neisner getroffen, beides Spieler der Meistermannschaft von 1960. Und beide Altmeister waren bei den drei ersten „Europapokal-Schlachten“ gegen den FC Barcelona mit von der Partie. Wer also Interesse hat, etwas aus der HSV-Geschichte zu erfahren, dem seien diese 30 Minuten wärmstens ans Herz gelegt. „Scholle“ und mir hat dieser Vormittag jedenfalls unheimlich gut gefallen.

So, nun gebe ich zu, dass ich, weil ich nun über zwei Wochen nichts gesehen habe vom HSV, sehr gespannt auf die „neue“ Mannschaft bin. Und natürlich auch darauf, ob sich noch etwas tut – in Sachen Verpflichtungen und Verstärkungen. Muss ja (eigentlich).

Zum Schluss noch einmal eine Bitte, die ich leider immer wieder wiederholen muss. Bitte schreibt mir keine (privaten) Mails an die Gewinnspiel-Adresse, denn dort lese ich so gut wie nie mit. Diese Adresse gehört ganz allein der HA-Internet-Abteilung, es ist purer Zufall, wenn ich dann mal die eine oder andere Mail erhalten, weil es jemandem vom Abendblatt aufgefallen ist, dass es dort einen „Irrläufer“ gibt. So wie zum Beispiel jenen „Irrläufer“, der mir heute zugespielt wurde, und den ich nur mal so zur Probe öffentlich mache – weil es von dieser Art wirklich einige im Monat gibt. Die fallen oft ungelesen und unerhört unter den Tisch – und die Leute, die diese Mails verfasst haben, sind dann sauer auf mich, weil ich ihnen nicht antworte (oder geantwortet habe). Dieses Missverständnis muss ja nicht sein. Wenn ihr mir schreiben wollt, dann geht das bestens an die Internet-Adresse des Hamburger Abendblatts, von dort werden mir eure Mails weitergegeben. Und wenn ich nicht gerade im Urlaub bin, antworte ich auch.

„Hallo Dieter,

mein Name ist Frank W. und uns verbindet eine starke Leidenschaft. Und zwar der HSV!! Ich bin seit den Anfängen von matz-ab täglicher Leser, nur mit den Grabenkämpfen und Beleidigungen im Blog kann ich nix anfangen.
Der Grund meiner Mail ist folgender: Wir sind ja nach wie vor auf der Suche nach einer neuen Nr.10, den kreativen Mittelfeldspieler. Warum ‚n 10ner, wenn man eine 23 haben kann?? Reingelegt … Ich meine nicht diese 23.;). In Udinese spielt Almen Abdi, jung und ausgestattet mit einer Spielintelligenz, die seines gleichen sucht. Er ist genau der Spielertyp den wir suchen. In Udinese konnte er sich leider nie weiter entwickeln. Sicherlich ist er nicht der große Name, aber passt das überhaupt zu einem Umbruch? Diego wurde damals auch von” der Bank” weg verpflichtet. Und war das ein Fehler?? Vielleicht kannst du ja mal ein wenig rum horchen…ich habe ja leider nicht diese Möglichkeiten. Vielleicht kann man Frank Arnesen ja mal’n Tipp geben…:)

Liebe Grüße Frank.

PS: Ich bin kein Teenager mehr…“

Was mir im Urlaub aufgefallen ist. Beim Durchlesen der „Supporters News“ (immer sehr lesenswert!) stieß ich auch auf die Geschichte mit Uli Hoeneß. Der war ja bekanntlich beim und auf dem Volksparkett (Moderation Jojo und Todde). Und die Geschichte beginnt mit folgendem Einstieg (u. a.): „Hunderte HSV-Fans begrüßen und verabschieden Uli Hoeneß lautstark mit Uli-Rufen, pöbeln spaßig und scheinen diesen Macher echt zu respektieren, der offenherzig, glaubwürdig, richtig sympathisch rüberkommt.“

Wie schön, dass das auch die „ganz harten“ HSV-Fans erkannt haben – und es schreiben. Ich sage schon seit Jahrzehnten nichts anderes. Was mir aber besonders auffiel an diesem Hoeneß-Stück war die folgende Passage, in der der FCB-Manager sagt:

„Grundsätzlich glaube ich, das ist ganz ehrlich gemeint, dass Hamburg eine Stadt ist, die nach München die einzige wäre, die langfristig gesehen dem FC Bayern richtig gefährden könnte. Wann immer ich in Hamburg bin, ob beim Taxifahrer oder in irgendeinem Hotel, immer werde ich auf Fußball angesprochen. Diese Sportbegeisterung! Ich glaube, die ganze Stadt steht mehr hinter dem HSV als es teilweise in München der Fall ist. Unsere Stadt steht nämlich nicht so sehr hinter Bayern, deswegen glaube ich, wenn hier mal alles zusammenpasst, wenn die Verantwortlichen kontinuierlich an diesem Thema arbeiten, dann müssen wir uns warm anziehen.“

Zu diesem Komplex sagte Uli Hoeneß auch auf das Wortspiel: „Dem HSV wünsche ich für die Zukunft . . .

. . . dass er endlich in die Führung Ruhe reinkriegt und dass er sein Potenzial besser ausschöpft.“

Kompliment, Herr Hoeneß, ganz dickes Kompliment, Sie haben das bestens erkannt und eine großartige Analyse abgegeben.. Sie könnten ganz sicher auch ganz gut in Hamburg und beim HSV arbeiten – ein Scherz. Aber Sie würden den Laden hier ganz sicher ordentlich in Schwung bringen.
Doch vielleicht wird es ja auch ohne Sie noch etwas . . .
Die Hoffnung stirbt zuletzt.

18.55 Uhr

Zum Wechsel: Zwei Fragen – zehn Antworten

31. Dezember 2011

Ob es das auch in 50 Jahren noch gibt? Sie sitzen bei jedem Heimspiel auf der Tribüne im Volkspark und verfolgen „ihren“ HSV ganz genau. Sie – das sind die Meisterspieler von 1960. Fast alle der Altmeister sind immer da, wenn es um Bundesliga-Punkte geht. Sie tragen die Raute fest im Herzen, sie sind damals alle Hamburger gewesen, und sie sind es bis heute geblieben. Und sie machen sich natürlich auch ihre Gedanken, warum der HSV so steht, wie er im Moment steht. Und sie machen sich ihre Gedanken, wie es wieder nach oben gehen könnte.
Ich habe Verteidiger Erwin Piechowiak, Rechtsaußen Klaus Neisner, Torwart Horst Schnoor, Mittelläufer und Kapitän Jochen Meinke sowie Linksaußen Gert „Charly“ Dörfel jeweils zwei Fragen zum aktuellen HSV gestellt, und sie haben mit ihren Antworten gezeigt, dass sie immer noch voll auf Ballhöhe sind.

Herr Schnoor, was hat Ihnen in 2011 an Ihrem HSV nicht gefallen?

Horst Schnoor: „Es war uns ja klar, dass es einen Umbruch wird geben müssen, aber dass dieser dann so riesig ausfallen würde, das hat mich doch ein wenig verwundert. In dieser Form war das wohl einzigartig. Wie alle hoffe ich natürlich auch, dass der HSV 2012 nicht absteigen wird. Dass es überhaupt dazu gekommen ist, das ist wohl dem Umstand zu verdanken, dass es zu lange dieses Chaos um den fehlenden Sportchef gegeben hat. Das war Punkt eins. Punkt zwei war das große Hick-Hack um den designierten Sportchef Urs Siegenthaler. Mein Gott, war das ein großer Zirkus. Und dieses Theater passte nun mal so gar nicht zum HSV, das war einfach unmöglich. Und hat dem Klub zudem viel, viel Geld gekostet. Da ist Geld zum Fenster hinausgeworfen worden, für nichts und wieder nichts – schlicht eine Katastrophe.

Und zudem hatte ich von Trainer Armin Veh immer den Eindruck , dass er gar keine rechte Lust hatte, hier Trainer zu sein. Der wollte, so hatte es den Anschein, immer nur weg. Als dann Michael Oenning kam, da hatte ich die Hoffnung, dass es wieder bergauf gehen würde, aber das hielt nur ein paar Wochen an. Leider.“

Und, Herr Schnoor, gab es denn auch noch etwas Positives, was Sie mit in das neue Jahr nehmen werden?

Horst Schnoor: „Ja, das gibt es. Ich bin doch angetan vom neuen sportlichen Duo Frank Arnesen/Thorsten Fink. Die arbeiten doch sehr vielversprechend miteinander. Arnesen gefällt mir außerordentlich gut, der wirkt auf mich immer freundlich und ruhig, strahlt aber Fußball-Sachverstand aus, und er weiß offenbar was er will. Und Fink ist selbstbewusst und schwungvoll, der packt die Sachen mutig an – der passt sehr gut zum HSV.

Und dann der Jahresabschluss. Mein Gott, wie wäre es gewesen, wenn wir das Pokalspiel in Stuttgart gewonnen hätten – und wir hätten es ja gewinnen müssen. Dieser Sieg hätte dem Verein – nicht nur finanziell – sehr gut getan. Aber immerhin hat die Mannschaft gezeigt, wie gut sie spielen kann, sie war ja die meiste Zeit überlegen, sodass man für das neue Jahr durchaus guter Hoffnung sein kann, dass es wieder in Richtung gesichertes Mittelfeld geht.“

Herr Meinke, was hat Ihnen in 2011 an Ihrem HSV nicht gefallen?

Jochen Meinke: „Die Einstellung einiger Spieler. Das muss ich sagen, die hat mir nicht gefallen. Einige waren mir einfach zu lahm, zu wenig engagiert. Die haben nach dem Motto gespielt: ‚Komm ich nicht heute, dann komm ich eben morgen.’ So geht es nicht. Das war in meinen Augen Lari-Fari-Fußball. Ich war, nach der Entlassung von Armin Veh, auch dafür, dass Michael Oenning eine Chance erhalten sollte, aber als ich dann gesehen habe, dass er gegen Mönchengladbach zu Hause nur eine Spitze aufbietet, da war ich einfach nur bedient und entsetzt. Das geht doch gar nicht.

Als dann Thorsten Fink übernahm, da gab es zwar auch nicht auf Anhieb einen Sieg, es gab daheim nur ein 1:1 gegen Wolfsburg, aber da stand dann doch plötzlich eine ganz andere HSV-Mannschaft auf dem Rasen. Die Spieler haben sich bewegt, die wollten, hatten Biss – es hatte sich über Nacht vieles geändert. Das hat mir gezeigt, dass es doch anders, doch besser geht. Ich frage mich nur, warum ging es nicht schon früher? Jetzt sehe ich eine HSV-Mannschaft, die mit Begeisterung spielt – unter Veh und Oenning habe ich viel zu viele schlechte Spiele gesehen.

Eigentlich habe ich jetzt keine Befürchtungen mehr in Sachen Abstieg, auch wenn der Start 2012 schwer werden wird – aber ich traue dieser Mannschaft durchaus zu, auch gegen Dortmund und in Berlin etwas zu holen.“

Und, Herr Meinke, gab es denn auch noch etwas Positives, was Sie mit in das neue Jahr nehmen werden?

Jochen Meinke: „Ja, die Entwicklung unter Fink, habe ich gerade schon gesagt. Dazu dann auch die neue Ruhe im Verein – diese Entwicklung ist erstaunlich. Ebenso erstaunlich ist für mich, dass ich schon seit Wochen nichts mehr aus dem Aufsichtsrat gehört habe. Was ist da passiert?

Zudem finde ich, dass Carl-Edgar Jarchow einen sehr guten Job macht. Er wird natürlich auch gut unterstützt von Frank Arnesen und Thorsten Fink. Die Entwicklung der letzten Monate zeigt mir insgesamt, dass der HSV wieder auf dem richtigen Weg ist – bis auf die Ergebnisse. Da waren natürlich einige überlegen geführte Spiele dabei, in denen wir große und tolle Torchancen hatten, die mussten ganz einfach gewonnen werden. Immerhin aber haben wir gezeigt, dass wir wieder Fußball spielen können.“

Herr Piechowiak, was hat Ihnen in 2011 an Ihrem HSV nicht gefallen?

Erwin Piechowiak: „Dieses lange Theater um Bernd Hoffmann. Dadurch ist eine enorme Unruhe in den Verein gekommen, die den gesamten Klub zu lange beschäftigt hat. Es gab in der Klub-Führung zu viele selbstherrliche Entscheidungen, und da muss ich auch dem Aufsichtsrat eine Mitschuld geben, denn er hat das alles mitgetragen oder abgesegnet. Zum Beispiel der Sturz von Dietmar Beiersdorfer. Der Sportchef hatte ja gut mit Hoffmann zusammengearbeitet, und als der Boss dann zu viel Einfluss wollte, da hat Beiersdorfer Hilfe beim Aufsichtsrat gesucht, doch der ließ ihn eiskalt abblitzen. Die haben ihn hängen lassen, einfach hängen lassen. Ich weiß, dass das schon lange her ist, aber es hat sich auch immer noch, bis in dieses Jahr hinein, ausgewirkt.
Im Aufsichtsrat sitzen Männer, die dort nach dem Motto mitmachen: ‚Mehr Schein als sein.’ Da sind mir zu viele Eitelkeiten im Spiel, das passt nicht zum HSV.

Dann auch diese ständigen Trainerwechsel, die haben sich auch ganz sicher auf die Leistungen der Mannschaft niedergeschlagen. Der Umbruch musste sein, keine Frage, aber er ist mir ein wenig zu groß geworden. Ich habe, muss ich außerdem gestehen, meine Zweifel an Mladen Petric. Ich habe ihn nicht gesehen, als die Mannschaft schlecht spielt, da hätte er mal Verantwortung übernehmen können, ja sogar müssen. Das erwarte ich von einem Führungsspieler ganz einfach. Oder sollen das die jungen Leute machen? Mir war Petric auch in einigen Spielen zu faul. Und wo ich gerade dabei bin: Marcell Jansen wird überschätzt, oder er überschätzt sich selbst. Der kann doch mehr, als er zuletzt gezeigt hat. Da ist noch jede Menge Luft nach oben. Auch auf der Sechser-Position hat mich bislang keiner überzeugt, weder Gojko Kacar noch Robert Tesche. Schade ist es um Jarolim, aber er hat natürlich auch oft genug keinen ganz klaren Ball nach vorne gespielt.

Auch von Dennis Aogo erwarte ich mehr. Der hat zwar eine positive Ausstrahlung, keine Frage, aber erst aktueller deutscher Nationalspieler, da muss schon noch etwas mehr kommen.

Und, Herr Piechowiak, gab es denn auch noch etwas Positives, was Sie mit in das neue
Jahr nehmen werden?

Erwin Piechowiak: „Ja, gibt es. Mir gefällt Frank Arnesen, der hat eine positive Ausstrahlung, der ist null überheblich, der strahlt nur Positives aus, der Däne ist ein ganz großer Gewinn für den HSV. Endlich haben wir auf dieser Position Ruhe. Und im Zusammenspiel haben Carl-Edgar Jarchow und Arnesen auch Ruhe in den gesamten Verein gebracht. Sie setzen, ich beziehe da auch den Trainer mit ein, positive Signale nach aus. Zu den Fans, zu den anderen Bundesliga-Klubs, zu allen. Diese drei Herren sind meine Hoffnungsträger.

Thorsten Fink vermittelt mir den Eindruck, dass er sehr harmonisch mit der Mannschaft umgeht, dass er und das Team eine Einheit sind. Das passt, weil er auch weiß, dass er trotzdem immer wieder Leistungen sehen will, sehen muss. Ich glaube, dass der HSV am Saisonende einen guten Mittelfeldplatz belegen wird. Trotz des schwierigen Starts, den wir 2012 haben werden. Aber letztlich sind jetzt alle Spieler wieder stabiler geworden. Wenn ich so an Jaroslav Drobny erinnern darf, dieser arme Kerl. Der spielet ja zunächst hinter einer Abwehr, die keine Abwehr war. Das war ja der reinste Schweizer Käse, Loch an Loch. Jetzt sind alle besser geworden – und Drobny auch.

Zudem muss ich die jungen Leute mal loben. Jeffrey Bruma und Gökhan Töre, die gefallen mir sehr. Und Tomas Rincon ohnehin, den fand ich früher schon gut, weil der so schön bissig und giftig war. Nur dass er jetzt den Spielmacher macht, das gefällt mir nicht so gut – aber auf dieser Position hat der HSV ja ohnehin Schwierigkeiten, ein solcher Mann fehlt. Rincon kann das nicht.“

Herr Neisner, was hat Ihnen in 2011 an Ihrem HSV nicht gefallen?

Klaus Neisner: „Die Spieler, das habe ich von Anfang an moniert, laufen mir zu wenig, und es wurde mir auch zu wenig Fußball gespielt. Die vielen langen Bälle, die einfach planlos nach vorne gedroschen werden, die kommen doch immer gleich wieder zurück in die Hälfte des HSV. Das verstehe ich nicht, so sieht doch kein erfolgreicher Fußball aus.
Was mir ebenso nicht gefiel: Es wurde mir viel zu früh in dieser Saison von Abstieg gesprochen. Was sollte das? Man kann doch in Dortmund und in München verlieren, was hat das mit Abstieg zu tun? Das verunsichert nur eine Mannschaft, die Spieler begehen individuelle Fehler – und genau das haben wir dann auch gesehen. In den Spielen gegen Hertha und Köln waren schon einige Klopse dabei, die sonst nicht zu sehen gewesen wären – wahrscheinlich jedenfalls. Und wenn der HSV zum Beispiel diese beiden Spiele gewonnen hätte, dann stünde er wesentlich besser in der Tabelle – und seinerzeit hätte niemand vom Abstieg erzählt.“

Und, Herr Neisner, gab es denn auch noch etwas Positives, was Sie mit in das neue Jahr nehmen werden?

Klaus Neisner: „Thorsten Fink hat der Mannschaft schnell Selbstvertrauen eingeimpft. Das war wichtig und gut. Wir kennen das doch alle die Situation, wenn es mal schlecht läuft. Dann will doch kaum einer den Ball haben, das wird dann ein Versteckspiel. Nach dem Motto: ‚Kamerad, mach du den Fehler – ich mache ihn liebe nicht.’ Das aber ist jetzt deutlich besser geworden, es wird von einigen Spielern jetzt deutlich mehr Verantwortung übernommen. Das war in Hannover so gut zu sehen, da hat der HSV sehr gut gespielt, ist nur durch ein Jahrhundert-Tor um den Sieg gebracht worden. Und auch in Stuttgart war das Spiel sehr gut, dass wir da nicht gewonnen haben, das tat sehr weh.

Viel wird nun vom Start in die Rückrunde abhängen Drei Klatschen zu Beginn wären nicht so sehr hilfreich, aber daran glaube ich auch nicht. Ich habe sogar eine Wette laufen, dass der HSV am Ende noch einen Platz in der Europa League innehaben wird. Das sind doch nur acht Punkte, die uns bis dahin fehlen . . .“

Herr Dörfel, was hat Ihnen in 2011 an Ihrem HSV nicht gefallen?

Gert Dörfel: „Viele Köche verderben den Brei, sagt man ja, und das war beim HSV auch so. Mir ist das ein wenig zu viel Vettern-Wirtschaft, deswegen ist der Klub nie auf einen Nenner gekommen. Die vielen Aufsichtsräte haben dem HSV nicht gut getan, der Klub wurde früher mit weniger Leuten geführt – aber besser. Einst mit den Brüdern Mahlmann und Mechelen, später mit Klein, Happel, Netzer. Jetzt ist der HSV zuletzt nach unten durchgestartet, und zwar mit allen Facetten – und dabei haben alle von ganz oben geträumt. So waren ja auch die Ziele ausgegeben worden. Da waren aber zu viele Leute am Werk, die im Fußball eigentlich nichts zu suchen haben. Weil sie ganz einfach keine Ahnung davon haben. Und die, die Ahnung im Verein haben und hätten, die werden seit Jahren untergebuttert. Das ist schlechter Stil. Erfahrene Leute wie Seeler, Meinke oder auch Schnoor, auf die hätte man besser mal hören sollen, oder solche Leute wie Magath und Nogly, die wüssten wie es geht, werden aber nicht gehört, weil sich andere mit ihren Eitelkeiten stets durchgesetzt haben.

Und sportlich muss ich dem HSV vorwerfen, dass er im Mittelfeld einfach zu schlecht aufgestellt ist. Daran vor allem krankt das Spiel – schon viel zu lange. Ich finde ja auch, dass gute Leute wie zuletzt van der Vaart zu schnell verkauft werden. Und früher auch schon: Mussten so gute Leute wie von Heesen, Bein, Doll und viele andere wirklich immer verkauft werden? Das war tödlich.

Und, Herr Dörfel, gab es denn auch noch etwas Positives, was Sie mit in das neue Jahr nehmen werden?

Gert Dörfel: „Das Trio Jarchow, Fink und Arnesen finde ich gut, dieses Dreieck funktioniert offenbar. Ich glaube zwar nicht daran, dass diese Herren noch die ganz große Sause im Jahr 2012 starten werden, aber der HSV wird wohl auf einem gesicherten Mittelfeldplatz enden. Fink versucht ja emsig, wieder eine Linie in den Laden zu bekommen, und es ist ja auch Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Ein, zwei Leute aus dieser Mannschaft sind ja auch recht ordentlich, ich finde den Gökhan Töre zum Beispiel gut, der hat gute Ansätze.

Aber der beste Mann steht für mich ja zwischen den Pfosten: Jaroslav Drobny. Der kam zurück wie Phönix aus der Asche. Zu Beginn hatte er sich von seiner schlechten Abwehr anstecken lassen, und zwar vom allgemeinen Abwärtstrend im HSV. Jetzt aber ist Drobny ganz groß, und ich drücke ihm die Daumen, dass er auch 2012 seine überragende Form bestätigen kann.“

So,
Prost Neujahr!

Es kamen noch einige Beiträge von Euch, und das ist auch gut so. Vielen Dank für Eure Treue und Mitarbeit. Drei Sachen hat das Moderatoren-Team noch einmal herausgepickt:

Von „altona”:

@Dieter und Scholle !

Ich wünsche Euch beiden einen guten Rutsch und einen erfolgreichen Start ins neue Jahr. Ich persönlich wünsche mir genau so viel Aktualität für 2012
wie bisher, viel besser geht’s nicht. An den Inhalten scheiden sich bekanntlich die Geister. Das ist gut so und muss auch so bleiben. Ihr werdet es
nicht schaffen, es allen Recht zu machen. Mögen sich auch im kommenden Jahr 2012 möglichst viele Fans und Leser an Euren Beiträgen reiben und diese
durch kluge und witzige Kommentare bereichern. Immer wieder werden ja auch aus dem Leserkreis News gepostet, die – weil gerade frisch im Internet
gefunden – zuerst nur hier und nirgendwo anders zu finden sind. Dies ist ein Zeichen großer Akzeptanz und sicher auch ein Alleinstellungsmerkmal des
Matz-Ab-Blogs. Bitte behaltet auch Eure “Dickfelligkeit” bei, die ihr Euch in den letzten Monaten erarbeitet habt, denn nichts wäre schlimmer, als
wenn ihr in Euren Beiträgen Stellung zu Kommentaren einiger Leser beziehen würdet, in denen den Verfassern mehrfach der Finger auf der Tastatur
verrutscht ist. Nimmt es mit Humor, hier hilft manchmal auch ein wenig Lockerheit und Toleranz, manche Auswüchse der Verbitterung zu ertragen. Bitte
bewahrt Euch – wie bisher auch – eine gewisse Neutralität und Objektivität und lasst Euch auch in 2012 nicht vor den Karren Einzelner, insbesondere
aus dem Kreis der “Zwölf” zur Durchsetzung ihrer Einzelinteressen spannen. Was wäre die HSV-Welt ohne Euch? Der Blog hat sich seit seinem Bestehen zu
einer festen Instanz des HSV etabliert und gäbe es ihn nicht, bestünde so eine Art Vakuum und man müsste ihn schnellstens erfinden. In diesem Sinne –
macht weiter so, herzliche Neujahrsgrüße auch an das “Moderatorenteam”.

Und dann zum Jahreswechsel noch etwas zum Schmunzeln:

von „Bernado Romeo MS“:

„tja Dieter; mit Troche ist es doch so, wie bei vielen anderen: Nicht konstant genug!!!!!!! Da jagt man solche halt schnell vom Hof. Nicht zu vergessen
sein 2:2 aus leicht abseitsverdächtigter Position, welches uns zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb berechtigte…leider aber zu wenig von
solchen Aktionen. Spielte selten durch bei diversen Trainern. Das sagts doch.“

Darauf „Eiches“ Antwort:

Bernado Du Lappen;-)
1. Nicht schnell vom Hof, sondern nach 6 Jahren!
2. Nicht 2:2, sondern 2:3
3. Nicht abseitsverdächtig, sondern total und absolut Abseits!
.
Weitere Fragen? Keine?
.
Guten Rutsch und Gruß an die Holde daheim.

Dem kann ich mich nur anschließen. Nicht dem Lappen, sondern den Gruß an alle „Matz-abber“ und den guten Rutsch. „Scholle“ hat mich angerufen und ausdrücklich darum gebeten, auch in seinem Namen ein herzliches Dankeschön an alles auszurichten, und gleichzeitig alles Gute für 2012 zu wünschen.
Beide tun wird das jetzt. Es war ein turbulentes Jahr, für den HSV, für Euch, für uns. Es ging teilweise drunter und drüber, nicht immer wurde guter oder bester Fußball geboten, nicht immer wurde hier der beste Ton getroffen.
Nun ist 2011 gelaufen, und wir bedanken uns trotz allem recht herzlich. Weil es hier so viele gute Menschen gibt, die diesen Laden auch mit Menschlichkeit unterstützen, ihn damit auch am Leben erhalten.
Danke, danke, danke dafür. Ich weiß, wir wissen es, zu schätzen.

Feiert schön, treibt es nicht zu bunt (Alkohol!) – und dann auf ein Neues in 2012. Ich hoffe mit Euch, dass es mit dem HSV wieder (oder weiter) bergauf gehen wird – und dass auch „Matz ab“ weiterhin bestehen bleibt und von Euch weiter so gut angenommen wird.
Wir, „Scholle“ und ich, werden unser Bestes geben.

Darauf trinken wir. Einen!

Prost Neujahr!

16.09 Uhr

“Wir brauchen junge, hungrige Talente”

24. Mai 2011

Sommerloch? Wieso Sommerloch? Nein, nein, hier gibt es kein Sommerloch. Wer kommt denn auf so etwas Absurdes? Der Fußball läuft noch auf Hochtouren, die Tore fallen wie reife Früchte, und Namen werden gehandelt – unglaublich. Beim HSV wird zum Beispiel alle halbe Stund eine neue Nachricht ans Tageslicht befördert . . . Nein, nein, an alle jene User, die mich in den vergangenen Tagen gefragt haben, ob wir uns schon im Sommerloch befinden: Nein! Ein klares Nein! Das merkt ein jeder Fußball-Fan doch schon daran, dass auf allen Videotexten der Nation am Montag noch einmal und immer wieder der Wechsel von Piotr Trochowski zum FC Sevilla als perfekt gemeldet worden ist. Jetzt schon! Ich hatte gedacht, dass „Troche“ schon bald wieder nach Hamburg zurückkehren würde, so lange ist er gefühlt schon weg, aber im Videotext wird jetzt sein Wechsel vermeldet. Das ist doch kein Sommerloch! Auf keinen Fall. Übrigens, Videotext. Wer Interesse hat, der möge sich einmal auf N 3 die Videotext-Seite 238 ansehen. Hochaktuell. Und ganz sicher die eine oder andere alte Wunde aufreißend. Das macht Spaß. Aber Sommerloch? Natürlich nicht.

Dazu werden ja in der jetzigen Phase auch zu viele Namen gehandelt. Jeffrey Bruma zum Beispiel. Der Niederländer soll kommen, lässt aber noch auf sich warten. Auch deshalb, weil sein Berater Wessel Weezenberg im Moment die Arbeit „eingestellt“ hat, weil er mit seiner Frau im Krankenhaus weilt – das Ehepaar erwartet Nachwuchs. Auch eine Art Neuling. Ebenfalls als Neuling wird beim HSV der Schweizer Mittelfeldspieler Pirmin Schwegler gehandelt. Der Frankfurter soll sogar ein ganz heißer Kandidat sein, wird noch vor Bruma gehandelt. Was mich etwas überrascht: Der 24-jährige Schwegler soll einen Marktwert von sechs Millionen Euro haben. Kann der HSV diese Summe „wuppen“. Abwarten. Immerhin sind ja auch noch Verkäufe beim HSV zu erwarten: Joris Mathijsen, Jonathan Pitroipa, Guy Demel, Eljero Elia?

Zurück noch einmal zu Schwegler. Defensiver Mittelfeldspieler. Da denke ich mit Schrecken gleich an David Jarolim. Bislang hat „Jaro“ ja noch jeden Neuen, den er vor die Nase gesetzt bekam, „weggebissen“, aber ob man sich darauf immer verlassen kann? Und Jarolim war eigentlich meine Hoffnung, dass in der nächsten Saison aus einem Haufen Einzelspieler eine Mannschaft wird. Weil „Jaro“ ein Profi ist, der Mensch geblieben ist, der alles für die Mannschaft tut, dem Neid und Missgunst fremd sind. Aber gut, der HSV hat als Priorität ausgemacht, dass es in der Abwehr und im Mittelfeld hapert, deswegen wird er natürlich dementsprechend einkaufen.

Um noch einmal auf den Umstand zurück zu kommen, dass der HSV zuletzt keine Mannschaft hatte. Ich sprach heute mit zwei „Altmeistern“ des HSV, beides Spieler der Meistermannschaft von 1960. Jochen Meinke, der Kapitän und Stopper, und auch Rechtsaußen Klaus Neisner befanden unisono – aber unabhängig voneinander: „So lange der HSV keine richtige Mannschaft auf den Platz bringt, so lange wird der HSV auch keine Erfolge feiern können. Daran muss, so die beiden Vollblut-HSVer, die fast jedes Heimspiel im Volkspark verfolgen, dringend gearbeitet werden.

„Man ist nicht in der Lage gewesen, aus den guten Einzelspielern ein Team zu formen. Ich jedenfalls hatte nie das Gefühl, dass da unten eine Mannschaft auf dem Rasen stand, in der jeder für den anderen da war. Meister Dortmund hat es uns doch vorgemacht, da war eine verschworene Gemeinschaft am Werk, die lief einer für den anderen“, sagt Jochen Meinke. Und sagt weiter: „Und noch ein anderes Beispiel: Manchester United gegen Schalke 04, ich habe beide Spiele gesehen, das ist eine Ansammlung von Weltstars. Und was machen die? Die
laufen 90 Minuten für den Nebenmann, Da ist sich keiner zu schade, einen Schritt für den Kollegen mehr zu machen. Das ist Weltklasse. Und dieses Beispiel zeigt mir, dass es auch möglich ist, als Star für einen anderen Star da zu sein. Und für sämtliche 90 Minuten – und länger.“

Meinke greift sich dann das Beispiel Wayne Rooney heraus: „Bestimmt kein begnadeter Techniker, aber wie der sich für das Team zerreißt – alle Achtung. So muss es sein.“ So war es einst mit Uwe Seeler. Der war der Star der Meistertruppe von 1960, gab aber auch in jedem Spiel alles. Vorbildlich. Meinke: „Ich will gar nicht über Uwe Seeler reden, aber in unserer Mannschaft wusste jeder was der andere macht. Da gab es nicht einen, der sich mal hängen ließ, nur weil das Spiel vielleicht mal unglücklich gegen den HSV lief. Bei der heutigen Mannschaft hatte ich aber oft das Gefühl, wenn es einmal nicht nach Wunsch lief, dass der eine oder andere Spieler innerlich aufgab und sich in sein Schicksal fügte: Dann eben im nächsten Spiel.“

Was aber kann der HSV jetzt tun, um wieder einmal eine Mannschaft auf den Rasen zu „zaubern“? Meinke: „Wir von der damaligen Meistermannschaft treffen uns ja regelmäßig bei den Heimspielen, und wir alle sind uns einig: Wir brauchen mal wieder junge, hungrige Talente. Junge Leute, die etwas für den HSV tun wollen, denen es nicht in erster Linie um das Geld geht, was sie nach Hause schleppen können.“ Jochen Meinke hat auch da noch ein Beispiel parat: „Ich kann es bis heute nicht verstehen, was der HSV mit Paolo Guerrero gemacht hat. Für mich ist es nach wie vor unmöglich, dass der HSV seinen Vertrag verlängert hat – und dann noch zu solchen Kondition, die man immer lesen muss. Unmöglich ist das.“

Der Meister-Kapitän hat noch andere wunde Punkte aus der vergangenen HSV-Saison ausgemacht. Meinke: „Es gibt auch zu viele Weicheier in dieser Truppe. Ein hochbegabter Mann wie Marcell Jansen, wie kann es angehen, dass er wegen eines Zehbruchs wochenlang fehlt? Oder Mladen Petric, der auch oft verletzt ist. Das sind Leute, die mal gute Spiele machen, aber insgesamt ist das viel zu wenig. Solche Leute sind gefordert, voran zu gehen.“ Im Vergleich zu damals gibt es heute für die HSV-Profis geradezu paradiesische Zustände. Meinke sagt: „Von einer solchen medizinischen Betreuung haben wir damals geträumt. Heute wird doch alles für die Spieler getan, notfalls arbeiten die Mediziner rund um die Uhr, um einen Spieler wieder auf die Füße zu stellen. Heute habe ich aber das Gefühl, dass sich ein Spieler schnell sagt, dass es diesmal eben nicht geht. Also aussetzen. In meinen Augen sollen die sich nicht so anstellen.“

Leicht gesagt. Die heutige Generation ist eben doch ein wenig anders. Ganz sicher nicht so kernig wie die Kämpfer von damals. Aber es ist ja wie es ist. Nur, wie schafft es der HSV, aus dem vorhandenen Kader eine echte Einheit zu formen? Jochen Meinke: „Man darf nur die Spieler ran lassen, von denen man auch überzeugt ist, dass sie sich zerreißen, dass sie alles geben für den HSV. Da nenne ich mal das Beispiel Dennis Diekmeier. Dem verzeihe ich mal den einen oder andern Fehler, denn er bringt Schwung, der ist vorne und hinten zu finden – von dem erwarte ich in Zukunft noch eine ganze Menge. Der gehört zu der Generation, die wir brauchen, der ist in meinen Augen aus jenem Holz geschnitzt, die wir für eine neue Mannschaft benötigen.“ Meinke weiter: „Wenn sich die elf Spieler auf dem Rasen einig sind, wenn sie alle kämpfen und alles geben, dann wird das auch ganz automatisch ein Team, davon bin ich überzeugt.“

Und wo hat der HSV in der Vergangenheit Fehler gemacht? Meinke: „Es sind bestimmt auch Fehler in der Chef-Etage des HSV gemacht worden, aber jetzt alle Schuld dem Bernd Hoffmann in die Schuhe zu schieben, das ist mit Sicherheit falsch. Der wollte nur das Beste, der hat finanziell viel Gutes für den HSV bewirkt.“ Ganz sicher. Auf der anderen Seite gab es unter Hoffmann aber keine sportliche Kontinuität. Die vielen Trainer-Wechsel waren sicherlich nicht förderlich. Meinke sieht das ähnlich: „Da sind auch große Fehler gemacht worden, in der tat, man hätte vielleicht in dem einen oder anderen Fall mehr Geduld beweisen müssen. Und Bernd Hoffmann hätte sich mehr um die finanzielle Seite des Klubs kümmern sollen, als um die sportliche. Dafür hatten wir doch den Didi Beiersdorfer, den ich immer noch sehr schätze – aber der konnte sich wohl gegen Hoffmann nicht durchsetzen.“

Sorgt sich Jochen Meinke um den HSV? „Ich habe mir in dieser Saison, speziell in der Rückrunde, die für mich eine einzige Katastrophe war, große Sorgen gemacht. Und ich war mehr als froh, als wir die 40 Punkte erreicht hatten. Und für die neue Saison erwarte ich ja nicht, dass der HSV Platz, drei, vier oder fünf belegt. Ich erhoffe mir in erster Linie, dass es eine Mannschaft gibt. Endlich einmal eine Mannschaft. Aber da muss man Geduld haben, oftmals wird ja viel zu viel erwartet.“

Und trotz der Spieler, die den HSV bereits verlassen haben, und jener Spieler, die noch gehen werden, denkt Meinke, dass der HSV auch in Zukunft eine gute Mannschaft haben wird – so sie dann zusammenhält: „Wenn ich mir das hinten ansehe: Diekmeier gut, Kacar und Westermann gut, obwohl der Kapitän fußballerisch nicht der beste Hamburger ist, dazu Aogo. Und im Mittelfeld würde ich viel lieber und viel häufiger den Tomas Rincon sehen wollen. Der auf der Sechs, das kann er sehr gut, der ist der geborene Abfangjäger. Und auch Jarolim würde ich immer spielen lassen, der ist einer, der 90 Minuten lang für die Mannschaft unterwegs ist.“ Dann blickt Meinke noch einmal zum Saisonanfang im Jahre 2010 zurück: „Da hat Trainer Armin Veh seinen größten Fehler gemacht, denn er hätte Jarolim niemals die Kapitänsbinde wegnehmen dürfen. Jaro ist doch ein Vorbild für alle. Da sind schon Fehler gemacht worden, auch einige krasse.“ Abschließend sagt Jochen Meinke: „Ich könnte über den HSV Stunden reden, denn wir alten HSVer machen uns doch auch Gedanken um den Klub. Wir wollen doch, dass er mal wieder ganz nach oben kommt. Wir brauchen dazu aber, ich habe es schon gesagt, junge, hungrige Leute.“

So wie er es einst miterlebt hat. 1954, da gab es beim HSV auch schon einmal einen gravierenden Umbruch. Nordmeister wurde damals Hannover 96, der HSV belegte „nur“ Platz zehn – eine Enttäuschung für jeden Hamburger. Meinke, inzwischen 80 Jahre alt, erinnert sich noch ganz genau: „Damals kam vom Präsidium Carl Mechlen zu uns und sagte, dass er und die gesamte Führung zufrieden sein würde, wenn wir mit dieser nun neuen und jungen Mannschaft Platz sechs belegen würden. Und wir wurden gleich Meister. Bis 1963, bis zur Einführung der Bundesliga, wurden nur wir Nordmeister. Aber das kann man natürlich nicht immer schaffen.“

Ganz zum Schluss sprach Jochen Meinke auch einen weiteren wunden Punkt an: „Im Grunde genommen müsste aus der Nachwuchsarbeit doch viel mehr herauskommen. Das ist mir jedenfalls zu wenig in all den Jahren gewesen. Nicht nur beim HSV, auch bei anderen Klubs, aber beim HSV tut es mir natürlich sehr weh. Für diese großen Anstrengungen, die da unternommen werden, kommt da viel zu wenig.“

Zu wenig ist das Stichwort. Das war es für Klaus Neisner (75), der heute (und schon seit Jahren) der Manager der Altliga ist. „In den letzten Jahren passte in Sachen Mannschaft nie etwas zusammen. Zudem gab es für mich zwei Ausfälle: Jonathan Pitroipa, den ich nur den Zappelphilipp nennen, und Eljero Elia. Hinzu kam, dass für mich auch ein Ruud van Nistelrooy nicht das gebracht hat, was alle in Hamburg von ihm erwartet hatten. Ich verstehe bis heute nicht, wieso Real Madrid in zurückholen wollte. Haben sich die Spanier diesen Ruud van Nistelrooy eigentlich einmal in Hamburg angesehen? Ich kann es nicht glauben.“

Für Neisner haperte es im Spiel des HSV auch an anderen Dingen: „Das Aufbauspiel ist eine Katastrophe. Frank Rost haute den Ball oft weit in die gegnerische Hälfte – und weg war die Kugel. Und dann, wenn zum Beispiel Westermann oder Mathijsen aufbauen sollten, dann kamen lange Dinger nach vorne, die nie bei einem Hamburger ankamen. Von zehn Bällen, die nach vorne gebolzt wurden, landeten acht oder neun beim Gegner – und schon läuft man dem Ball wieder nur hinterher. Die sollten sich alle mal ein Spiel vom FC Barcelona ansehen, da gibt es kaum mal einen langen Ball . . .“

Und im Mittelfeld? Neisner: „Ze Roberto hat für mich auch oft nur Alibi-Fußball gespielt. Zu oft. Geniales kam von ihm, ein Mann seiner Klasse, viel zu selten. Heung Min Son hatte Pech, dass er sich früh schwer verletzte, Ben-Hatira spielte mir viel zu unterschiedlich – es gab zu große Schwankungen in dieser Mannschaft, da war nie Konstanz drin.“ Dann sagt Klaus Neisner das, was ich schon seit langem behaupte: „Diese Truppe war untrainierbar, daraus hätte kein Trainer der Welt ein Team formen können, da bin ich mir sicher.“ Und weiter: „Mir hat auch zu oft der letzte Biss gefehlt. Wenn ich sehe, wie andere Mannschaften sich reinhauen, dann muss der HSV schon noch viel, viel lernen.“

Hoffentlich sieht es die Führung auch so, hoffentlich sehen es vor allem die Spieler, die noch bleiben werden, auch so. Neisner vertraut aber der neuen sportlichen Führung: „Ich bin mir sicher, dass Arnesen und Oenning eine Mannschaft zusammenstellen werden, mit der wir nicht in Abstiegsgefahr geraten werden. Aber ich bin mir auch sicher, dass wir auch im nächsten Jahr nichts mit Europa zu tun haben werden. Es sei denn, es werden noch viele junge, heiße Talente verpflichtet – Arnesen soll ja von den großen europäischen Nationen alle Namen der besten Talente kennen. Da kann man nur hoffen, dass er auch einige davon nach Hamburg holen kann – ich bin aber zuversichtlich. Der Däne ist ja als guter Mann bekannt, und wer so lange für Chelsea arbeitet, der muss schon etwas können.“

Darauf hoffen wir mal.

18.17 Uhr

PS: Am Mittwoch wird im Volkspark (und damit beim HSV) nicht trainiert, auch nicht gespielt, vielleicht gibt es aber dann doch den einen oder anderen Neuzugang. Auf jeden Fall aber gibt es KEIN Sommerloch.

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