Archiv für das Tag 'Nafiu'

Knäbel bestätigt Interesse an Drmic, Kuzmanovic und Bielik

11. Januar 2015

Es geht los. Immer mehr. Erst die Aussortierung von Valmir Nafiu und Ivo Ilicevic (Dazu mehr im Video von Peter Knäbel) – jetzt potenzielle Namen von neuen. Wobei Ziel Nummer eins, Leverkusens Angreifer Josip Drmic, schon länger im Gespräch ist – und es auch bleiben wird. Denn während alle weiteren geplanten HSV-Transfers mit dem Ausgang dieser Personalie zusammenhängen, gibt es bislang noch keine Annäherung. Im Gegenteil, heute sagte Leverkusens Sportlicher Leiter, Rudi Völler, dem Kölner Stadtanzeiger: „Es ist nichts Neues für uns, dass es Interesse an ihm gibt. Aber stand jetzt gibt es überhaupt kein Bedarf oder Not zu sagen, dass wir nicht mit ihm in die Rückrunde gehen. Wir haben sehr viele Spiele und brauchen ihn, er wird uns in der Rückrunde helfen können. Wir glauben an sein Potenzial, deshalb ist er ja auch ein gefragter Spieler.“ Das übliche Geplänkel während der Verhandlungen.

Wobei sich die Personalie Drmic tatsächlich schwer gestaltet – nachvollziehbar. Erst im Sommer ist der Angreifer für knapp sieben Millionen Euro zum Werksklub gewechselt. Und diese Summe wird er nicht einbringen, nach gerade mal 292 Minuten Einsatz und drei Treffern – das wissen alle. Dass der Schweizer, der durch die Nationalmannschaft einen guten, engen Draht zum HSV-Direktor Peter Knäbel pflegt, ist ebenso bekannt wie der Umstand, dass Drmic gern nach Hamburg wechseln und der HSV ihn nehmen würde. „Man beschäftigt sich mit dem Spieler“, bestätigt Knäbel Verhandlungen. „Ich bin froh, dass der Aufsichtsrat die Zeichen gesendet hat, dass wir beweglich sind. Wir müssen aber auch nicht alles machen.“ Soll heißen: Es geht nicht um einen Kauf des Schweizers, sondern auf Leihbasis. Vorerst bis Sommer, am besten mit Kaufoption. Wobei Leverkusen einen Verkauf nicht, dafür aber ein Leihgeschäft bislang ausschließt. Unverändert.

Soll heißen: Der HSV will leihen, Leverkusen nicht. Bayer würde verkaufen, der HSV kann nicht kaufen. Aber, die Idee liegt bei Bayer, Völler und Co. gar nicht so fern, dafür könnte der HSV einen auf Leverkusen machen und im Doppelpass mit dem Spieler ein unwürdiges Szenario entfachen. HC9 lässt grüßen…

Etwas weiter ist der HSV da bei dem als „Wunderkind“ betitelten Polen Krystian Bielik, den halb Europa jagt. Am gestrigen Sonnabend war der 17-Jährige von Legia Warschau in Hamburg. Er schaute sich die Stadt und vor allem das Stadion sowie die Trainingsplätze an und führte Gespräche mit den HSV-verantwortlichen, die ihm einen Wechsel nach Hamburg so schmackhaft wie möglich machten. In England, wo Arsenal Londons Trainer Arsene Wenger sein Interesse an dem 1,89-Meter-Mann bereits öffentlich bestätigt hat, hieß es heute gar, der HSV wäre im Vorteil. Das wiederum glaubt man hier eher nicht. Vor allem nicht angesichts der Tatsache, dass neben Arsenal weitere (finanziell besser gestellte) europäische Topklubs den Youngster haben wollen. Aber wie sagt man so schön: die Hoffnung stirbt zuletzt.

„Bielik ist unseren Scouts aufgefallen. Das Interesse kann ich bestätigen. Wir wissen auch, dass wir einen großen Konkurrenten haben mit Arsenal London. Es wäre aber toll, wenn sich diese Toptalente zu uns bekennen könnten. Wir sind aufgrund der finanziellen Ressourcen in dem Fall aber erst später konkret geworden. Das ging nicht anders, weil es dann doch schon ein großes Volumen ist, was man für so einen Spieler machen muss. Arsenal hat ihn schon bei sich gehabt – wir jetzt auch. Und ich bin mir sicher, dass noch ein paar andere mitmachen werden.“ Dennoch ist er nicht hoffnungslos. „Aufgrund von der Identifikation des Spielers waren wir ganz mit vorn dabei. Der Spieler hat jetzt die beiden Möglichkeiten vor Augen – wir werden sehen.“

Knäbel ist ruhig, äußert sich bedacht zu potenziellen Kandidaten, weil er weiß, dass viele Spieler die besser dotierten Verträge woanders bekommen können. Immer wieder Namen zu bestätigen, die dann am Ende nicht kommen – das hat nach außen eine schlechte Wirkung. Dennoch greift Knäbel nicht in die unteren Regale. Er geht den steinigen Weg. „Wir müssen etwas kreativer sein als andere, das wissen wir“, sagte er vor einigen Wochen bei seinem Amtsantritt. Und er ergänzte: „Aber der HSV hat einen Namen. Verstecken müssen wir uns definitiv vor niemandem.“ Klingt gut.

Ebenso gut, wie die Bilder aussehen. Aber schaut selbst: https://www.youtube.com/watch?v=dEYarDmdn6I

Die polnische Liga ist zweifellos nicht mit der Deutschen zu vergleichen. Klar. Aber trotz allem erkannt man in diesen kurzen Sequenzen, dass der Junge einen ganz feinen Fuß, richtig gutes Tempo und ein starkes Aufbauspiel hat. Kein Wunder, dass das „polnische Wunderkind“, wie englische Zeitungen ihn nennen, so umworben ist.

Großes Interesse hat der HSV auch weiterhin an Zdravko Kuzmanovic, der weiter als erste Besetzung für das defensive Mittelfeld im Gespräch ist. Zunächst hieß es, im Wechsel für Tolgay Arslan. Der jedoch hat sich weder mit Inter Mailand noch mit einem anderen Klub bislang auf einen Wechsel einigen können und flog mit ins Trainingslager nach Dubai. Ebenso wie Marcell Jansen. „Es gibt kein klares Interesse, das bei uns hinterlegt wurde.“

Dennoch will der HSV Kuzmanovic. Und mich würde interessieren, wie sich das Mittelfeld zusammensetzen würde, wenn Kuzmanovic und Bielik kämen. Gut, Bielik würde sicherlich behutsamer aufgebaut. Aber Kuzmanovic wäre eine Soforthilfe und würde meiner Meinung nach entweder van der Vaart oder Behrami verdrängen. Und da Letztgenannter eigentlich (berechtigt) gesetzt ist – kann es nur van der Vaart treffen. Noch nicht im ersten Spiel gegen Köln, wo Behrami gelbgesperrt ausfällt – aber danach. Oder muss sich der HSV auf dieser Position auch umschauen, weil die Knie-Verletzung Behramis zu schwer einzuschätzen ist? Ich hoffe nicht. Der HSV jedenfalls dementiert das.

Freudig war der Tag heute für Jaroslav Drobny, dessen Vertrag gleich um zwei Jahre bis 2017 verlängerte. Welches Zeichen das für Rene Adler sei? Knäbel lächelt: „Dass wir jetzt auf der Torwartposition richtig gut besetzt sind und beide langfristige Verträge haben.“ Stimmt. Allerdings nicht unbedingt kostengünstig. Und da hat der HSV mächtig Nachholbedarf. Immerhin muss der Gehaltsetat um mehr als zehn Millionen Euro gesenkt werden. Im Sommer laufen 14 Verträge aus – nicht alle werden verlängert. Arslan und Jansen haben wie auch Ilicevic und Nafiu klare Zeichen gesendet bekommen. Weitere werden folgen. „Wir werden das Trainingslager nutzen, um viele Gespräche zu führen“, sagt Knäbel. Er weiß, dass es nicht nur angenehme Gespräche sein werden…

Apropos Knäbel: Auf dem Flughafen war es so laut, dass ich nicht wusste, ob der sehr leise sprechenden Direktor Profifußball überhaupt zu hören ist. Deshalb habe ich leider unmittelbar vor der Thematik Krystian Bielik abgebrochen und mir Notizen gemacht. Dass es am Ende doch funktioniert – gut. Aber ich wollte nichts verpassen. Lars, der ebenfalls vor Ort war, wird uns das komplette Gespräch via Audiodatei im Laufe des Abends hier einstellen. Danke dafür, Lars! Und Euch allen einen schönen Restsonntag!

 

Scholle

Die Neun-Tore-Offensive – Gedicht Teil III

26. Dezember 2014

Liebe Matz-abber!

 

Es weihnachtet ja immer noch, auch wenn in Hamburg (und hoffentlich auchn anderswo) die Sonne aus allen Löchern kriecht. Das weihnachtliche HSV-Gedicht ist doch noch rechtzeitig fertig geworden, ich gebe zu, dass ich mich diesmal etwas (sehr) schwertat, denn es waren doch viele Spieler mehr als sonst zu “verarzten” – das bringt die Lage in der Liga wohl so mit sich. Heute geht es mit der Neun-Törchen-Offensive zu Ende – in der Hoffnung, dass der liebe und gute Weihnachtsmann für 2015 Besserung bringt.

Lasst das Fest gut ausklingen!

 

An dem guten, alten Meister,
scheiden sich ja jetzt die Geister,
die Edel-Marke „Van der Vaart“
hat hier nun Schwächen offenbart,
das Alter spielt jetzt gegen ihn,
obwohl das ganz unmöglich schien;
er läuft, er grätscht, er müht sich ab,
und macht dabei auch schnell mal schlapp,
das Spielerische, die Ideen,
das ganze Raffa-Phänomen,
und seine Genialität,
die für den kleinen Engel steht,
all das gibt’s seltener zu seh’n,
das kann man wenden und auch dreh’n.
Du, lieber guter Weihnachtsmann,
nimm Dich des Themas noch mal an,
mach’ ihn doch wieder kreativ,
vermeide jedes weit’re Tief,
richtig hart soll er sich quälen –
das musst Du ihm jetzt empfehlen.

 

Lewis Holtby, unser Brite,
kam aus London erst zur Miete,
dann schlug er wie ein Kracher ein,
und wurd’ gekauft, das war ganz fein,
nun aber ist er abgetaucht,
die Euphorie fast aufgebraucht,
obwohl er kämpft – so wie ein Bär,
das macht ihn fast schon legendär,
er tritt fest zu, er haut sich rein,
zieht nie zurück, ist hart wie Stein,
er springt selbst gegen Riesen an,
nur, lieber guter Weihnachtsmann,
das kann ja noch nicht alles sein,
das wäre wirklich ganz gemein,
tricksen, zaubern – all die Sachen,
die den Fans auch Freude machen,
und dann gelegentlich ein Tor –
knöpf’ ihn Dir deshalb doch mal vor!

 

Den Valmir Nafiu bring’ voran,
sag’ selbst, Du guter Weihnachtsmann,
er bringt nicht viel für sein Talent,
oft hält er sich zurück – dezent,
wo viel mehr Leben angebracht,
– sag’ Du ihm das nun mal ganz sacht,
sonst, das kannst ihm auch sagen,
spielt er sich um Kopf und Kragen.

 

Gouaidas „Mo“ war plötzlich hier,
und hat die Stamm-Elf im Visier,
dieser Mann kann eine Masse,
spielte bislang gut bis klasse,
mach’ ihn stabil und abgeklärt,
das wär’ schon ganz erstrebenswert,
lass’ ihn daddeln, dribbeln, machen,
denn er kann die schönsten Sachen,
und mach’ ihn auch ein wenig hart –
ja, Weihnachtsmann, das ist Dein Part.

 

Nicolai galt hier als Knüller,
der aus Mainz mit Namen Müller,
der ist wie Nachbars Lumpi heiß,
was in der Liga jeder weiß,
der geht ab wie Schmidtchens Katze,
ist der Schnellste auf dem Platze,
und hat auch ’nen Raketenstart,
so hieß es stets, so seine Art,
hier sieht man aber noch nicht viel,
der Müller fand noch nicht sein Spiel,
lass’ ihn sich nun mal besinnen,
er soll hier erneut beginnen,
seine wahre Stärke zeigen –
sag’ ihm das – er ist da eigen.

 

Der Julian, der Bayern-Star,
ist hier so richtig noch nicht da,
der Flitzer Green ist talentiert,
und sicherlich auch motiviert,
doch fehlt es diesem Leichtgewicht,
an etwas Kraft – das wär’ schon Pflicht,
er lässt sich – nicht übertrieben,
noch zu leicht beiseite schieben;
schicke ihn, Du Weihnachtsmann,
zur Muckibude ab und an,
dann hebelt er die Größten aus,
und von den Fans käm’ viel Applaus.

 

Fiese und ganz böse Geister,
halte fern von Maxi Beister,
man, was hat der Mann gelitten,
das ist wohl ganz unbestritten,
so viel Pech kann man nicht haben,
ein Jahr konnt’ er nur leicht traben,
doch bald greift er ja wieder an,
hilf Du ihm, guter Weihnachtsmann,
dass die Bänder nicht mehr reißen,
auch die Knochen nicht verschleißen.
Schenkst Du ihn uns ganz kerngesund,
dann geht es hier bald mächtig rund,
und der Maxi wär’ als „Neuer“,
endlich mal nicht ganz so teuer –
zum Nulltarif – ’ne Rarität,
wer weiß denn noch – wie so was geht?

 

Nimm dem guten Zoltan Stieber,
Hektik, Stress und Lampenfieber,
so richtig legt er noch nicht los,
gib Du ihm einen kleinen Stoß,
er muss hier nun bald erwachen,
endlich Wirbel mal entfachen,
flanken, dribbeln, richtig zielen,
sich in alle Herzen spielen,
es ist dafür ja nicht zu spät,
zeig Du wie man die Dinger dreht,
lass’ ihn Selbstvertrauen tanken,
nicht mehr leistungsmäßig schwanken,
letzte Hemmungen verlieren,
er soll hier nun attackieren,
und Du, Du lieber Weihnachtsmann,
Du schiebst ihn dazu nun auch an.

 

Ilicevic ist wieder fit!
Trainiert schon seit zwei Wochen mit!
Saß aber nicht mal auf der Bank.
Das macht ihn sicher wieder krank.
Er fährt seit Jahren Berg und Tal,
oft leicht verletzt – dann spielt er mal,
dann spielt sogar richtig gut,
und macht im Volkspark allen Mut,
doch dann muss er wieder passen,
ja, das kann man kaum noch fassen.
Er ist ganz einfach zu fragil,
mach Du ihn endlich mal stabil,
sonst läuft das wohl auf Abschied zu –
wer helfen kann, das bist jetzt Du,
Du, Weihnachtsmann, schenk Du ihm Kraft,
mal reichlich und auch dauerhaft.

 

Der Artjoms Rudnevs – Fußball-Gott,
der ackert, kämpft und läuft auch flott,
unterwegs wie eine Biene,
spielt er auch mal Tormaschine,
der Bursche ist hier viel geliebt,
weil er der Raute alles gibt,
er verkörpert das Normale,
tolle Tricks und das Geniale,
überlässt er den Kollegen,
er will vorne was bewegen,
mit dem direkten Weg zum Tor;
das kam zuletzt zwar wenig vor,
doch genießt er Joes Vertrauen,
kriegt der Gegner schnell das Grauen –
das soll immer mehr ihm glücken,
deshalb stärke Rudis Rücken,
ja, Weihnachtsmann, mach’ ihn zum Stier,
wenn das gelingt, dann dank’ ich Dir.

 

Pierre Lasogga – Donnerwetter,
wird gefeiert noch als Retter,
sein Tor im Sommer gegen Fürth,
hat ihn zum Helden hier gekürt,
er wurd’ gekauft vom HSV –
und seitdem gibt’s ’nen Tore-Stau.
Er beißt, er will, ist schwer bemüht,
doch nicht mehr richtig aufgeblüht,
er geht oft sehr weite Wege,
zeigt sich auf den Flügeln rege,
er zieht ab aus jeder Lage,
und er will – ganz ohne Frage,
er versucht’s mit vielen Dingen,
doch man kann es nicht erzwingen,
es muss jetzt mal ein Törchen her,
dann kommen meistens auch noch mehr,
schenk Du ihm jetzt mal einen Lauf,
dann geht’s mit ihm auch steil bergauf,
ach, Weihnachtsmann, das wäre schön,
ich will Lasogga-Treffer seh’n.

 

Ich komme nun auch gleich zum Schluss,
doch gibt es da die eine Nuss,
die Du noch für mich knacken musst,
das sag ich Dir mit breiter Brust,
all die Spieler von der Zweiten,
das wirst Du auch nicht bestreiten,
sind richtig gut und talentiert,
die spielen stark und couragiert,
es stehen viele auf dem Sprung,
das nur mal zur Erinnerung.
Nimm, Weihnachtsmann, sie an die Hand,
sie ha’m hier oft ’nen schweren Stand,
führ sie auch streng, lass’ sie nicht los,
nur so wird ein Talent dann groß,
bis jetzt ha’m sie noch nichts geschafft,
schärf weiter Herz und Leidenschaft,
sie soll’n hier ackern und nicht ruh’n,
für sie gibt es noch viel zu tun,
das mache ihnen bitte klar:
„Holt mich hier rauf, ich bin ein Star!“
Das funktioniert nur im TV,
nicht aber hier – beim HSV.

Zeig’ Dongsun Kim und Alex Brunst,
wie man sich quält – die hohe Kunst,
nimm Müller P. und Benkarit,
auf diesem schweren Weg auch mit,
Gideon aus Oberhausen,
guter Jung – noch ohne Flausen,
der klopft ja auch schon oben an,
den pack’ Dir auch, Du Weihnachtsmann,
Ahmet Arslan, Masek, Mende,
nimm dann auch in beide Hände,
dem Steinmann aus dem Mittelfeld,
der schon dem DFB gefällt,
zeige auch den Weg nach oben –
ich muss auch den Brüning loben,
Charrier und Derflinger und Co,
das wär’n auch Leute für den Joe,
ja, aus diesem „Kindergarten“,
könnten einige bald starten,
das ist schon ’ne lange Schlange,
halt sie alle bei der Stange,
nix Füße hoch und faule Haut,
sag’ ihnen das zur Not auch laut.

 

Zu guter Letzt, mach’ Trainer Joe,
schon bald mit neuen Spielern froh,
der Josef hat hier Schwung gebracht,
das hätt’ so mancher nicht gedacht,
Zinnbauer hat – als Debütant,
sofort durchschaut und gut erkannt,
wo die größten Schwächen liegen –
lass’ ihn bitte nicht gleich fliegen,
gib ihm die Chance, er macht das gut,
ist auch bei „Stars“ ganz resolut,
er macht, er tut – was er nur kann,
drum bitte, lieber Weihnachtsmann,
schenk’ ihm viel Siege und auch Glück –
denk ich an jene Zeit zurück,
die wir vor dem Joe hier hatten,
da gab es statt Licht nur Schatten,
da fühlte sich der Coach als Star,
das ist noch immer unfassbar,
große Sprüche – nichts dahinter,
ob nun Sommer, Herbst, ob Winter,
täglich wurden viele Phrasen,
munter in den Tag geblasen,
damit wurd’ – ist nicht gelogen,
dann auch jeder Fan betrogen,
gemächlich war’s, und schön bequem,
ein etwas anderes System,
beim Training wurde mancher dick,
das war der etwas and’re Trick,
es gab viele freie Tage –
und von oben? Keine Frage!

Heut’ weht hier nun ein and’rer Wind;
mach’ das die Wende nun beginnt,
der HSV jetzt mehr gewinnt,
hier niemand mehr auch dann groß spinnt,
vom Fußball international,
das wäre dumm, und ganz fatal –
mit dem Joe ‚’nen Gang raufschalten,
dazu schön die Klasse halten,
mit Verstand ’ne Mannschaft bauen,
und erst dann mal wieder schauen,
wohin der Weg uns führen kann –
das wär’s doch, lieber Weihnachtsmann,
das war’ die Wünsche – kurz von mir,
erfüllst Du sie, dann dank ich Dir,
doch fang’ nun zügig damit an,
weil man ja doch nie wissen kann,
wohin der Weg die Raute Fürth –
hilfst Du uns – wär’ ich schon gerührt!

 

Wie eingangs schon geschrieben – ein schönes Rest-Fest noch für Euch. Und ein schönes Wochenende. und bei der Gelegenheit: Vielen Dank noch einmal für die immer noch fleißig eintrudelnde Weihnachtspost!
Dieter

 

13.44 Uhr

NACHTRAG (passend zum Blog-Thema):
Der HSV steht laut der französichen Zeitung L’Équipe unmittelbar vor der Verpflichtung des französischen Nationalspielers Hatem Ben Arfa. Schon am Sonnabend soll der Wechsel perfekt gemacht werden.
Der französische Nationalspieler, der in 13 Länderspielen zwei Tore erzielt hat, spielt derzeit in England und ist von Newcastle United an Premier-League-Konkurrent Hull City ausgeliehen. Der 27-Jährige hat einen Marktwert (lt. Transfermarkt.de) von 9 Mio. Euro. Allerdings läuft sein Vertrag in England im Sommer aus und er wäre fortan ablösefrei.

Behrami vor Rückkehr – 8:2-Testsieg gegen Egestorf

4. November 2014

Es wird alles versucht – aber nichts ist garantiert. „Valon muss geschont werden, um Schlimmeres zu vermeiden“, so HSV-Trainer Josef „Joe“ Zinnbauer über Valon Behrami, den Mittelfeldmann des HSV, der schon mit Knieproblemen in die Partie am vergangenen Sonnabend gegen Leverkusen gegangen war. Im Spiel selbst hat der Schweizer dann noch mal einen Schlag aufs Knie bekommen, wollte zunächst sogar ausgewechselt werden. Und obwohl diese Woche über nichts riskiert wird, soll Behrami nach Möglichkeit am Sonntag in Wolfsburg gegen den selbst ernannten „Bayern-Verfolger“ auflaufen können. „Er ist nicht nur wichtig für unser Spiel – er ist auf dem Platz der Chef. Und den brauchen wir immer“, so Zinnbauer, der hofft, dass Behrami am Freitag spätestens wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann. Zumal für Behrami (sagte seiner Nationalelf für die kommende Woche ab) anschließend zwei Wochen Erholung anstehen.

Wie wichtig Behrami ist, haben wir alle in den letzten Spielen gesehen. Und das untermauert Zinnbauer nur gern, wenn man ihn auf seinen Sechser anspricht. „Er ist der Mann, der bei uns das Kommando im Mittelfeld hat und vorangeht“, so Zinnbauer über seinen Chef auf dem Platz. Wie in dieser Woche gearbeitet wird? „Prinzipiell ist er in Behandlung. Jeden Tag. Er will auch schon am Mittwoch wieder einsteigen. Obgleich ihm die Ärzte davon abraten. Aber gerade das scheint ihn zu beflügeln, erst recht auf den Platz zu gehen. Er ist da sehr hartnäckig. Das lobt man sich auf der einen Seite – auf der anderen muss ich da aber auch für ihn mit aufpassen.“ Ob Behrami unverzichtbar ist im Moment? „Er setzt Zeichen, das ist schon mal klar. Und das, ohne groß Foulspiele zu begehen. Ich habe immer gesagt, der beste Sechser ist ein unauffälliger Sechser. Und das ist er. Er fällt mit seinen Aktionen im Raum aus, macht sie dicht. Er ist ein ganz, ganz wichtiger Spieler. Er ist, da wiederhole ich mich, einfach der Chef. Mit ihm und Rafa haben wir gleich zwei – aber sehr verschiedene. Und das ist gut.“ Inwieweit van der Vaart für Wolfsburg wieder für die Startelf angedacht ist? „Das kann ich noch nicht sagen. Wir sprechen sehr viel und offen miteinander“, so Zinnbauer, „und er nimmt seine Rolle sehr gut an.“ Er überlege sich die Aufstellung (bislang noch nie zwei Spiele in Folge mit derselben Startelf) immer erst in der Nacht vor dem Spiel. Allerdings sei es durchaus denkbar, auch in Wolfsburg mit Holtby und van der Vaart zu agieren.

Und das gegen einen VfL Wolfsburg, der außergewöhnlich stark spielt und entsprechend auftritt. „Ich habe gesehen, wie Dieter Hecking im Sportstudio sagte, dass man der Verfolger des FC Bayern sei. Das war schon alles sehr, sehr selbstbewusst. Und so wird auch die Mannschaft auftreten. Ich gebe zu, dass ich jetzt lieber einen anderen Gegner hätte. Die sind gerade richtig gut drauf und auf jeder Position doppelt top besetzt.“ Dabei liegt dem HSV das Spiel gegen die so genannten Großen offenbar. Gegen die Champions-League-Teilnehmer (Bayern, Dortmund, Leverkusen) wurden sieben Punkte geholt. „Aber wir haben auch sonst gut ausgesehen“, so Zinnbauer, bis auf Berlin haben wir immer einen Schritt nach vorn gemacht. Die Ergebnisse haben nur nicht so gepasst. Aber wenn man die Spiele durchgeht, war da mehr drin. Berlin wie gesagt rausgenommen. Ich glaube nicht, dass wir ansonsten irgendwo irgendwann mal richtig abgesoffen sind. Wir arbeiten uns immer weiter und Schritt für Schritt nach vorn. Es ist ein Weg – kein Wunder. Das habe ich schon bei meinem Antritt hier gesagt. Und dieser Weg – mit neuem Trainer und neuer Mannschaft – dauert einfach lange.“

Für Abendblatt-Blogs

Dafür muss und will der HSV jetzt den nächsten Schritt machen. Zumindest hofft Zinnbauer nach dem harten Kampfspiel gegen Bayer darauf. „Wir müssen anfangen, nicht mehr nur maximal hart gegen den Ball zu arbeiten sondern auch mit ihm zu agieren. Dafür brauchen wir jetzt unsere van der Vaarts und Holtbys, die das jetzt in die Hand nehmen müssen. Ansatzweise zeigen wir das auch schon, aber das müssen wir in den nächsten Wochen und Spielen noch weiter ausbauen.“

 

 

 

Zumindest eine Halbzeit lang zeigte der HSV das erhofft dominante Spiel am Dienstagabend gegen den Oberligisten Germania Egestorf/Langreder aus Niedersachen. Nach dem frühen Rückstand (15.) sowie dem zwischenzeitlichen 2:2 (35.) trafen Artjoms Rudnevs (23.), Ivo Ilicevic (31.) und Julian Green (36.) zur knappen 3:2-Halbzeitführung, ehe das vermeintliche A-Team übernahm und die zweite Hälfte dominierte. Tolgay Arslan(47.), Pierre Michel Lasogga (52., 79.), Rafael van der Vaart per Foulelfmeter (66., Foul an Lasogga) und Lewis Holtby (71.) schraubten das Ergebnis auf ein standesgemäßes 8:2 hoch. „Ein ordentlicher Test gegen einen guten Gegner“, so HSV-Trainer Josef Zinnbauer zufrieden. Einziger Wehrmutstropfen: Der erst zur Halbzeit eingewechselte Marcell Jansen musste an seinem 29. Geburtstag mit muskulären Problemen nach gerade 20 gespielten Minuten wieder ausgewechselt werden. „Da müssen wir abwarten. Er hat leichte muskuläre Probleme“, so Cotrainer Patrick Rahmen.

HSV: Otremba (46. Brunst) – Ostrzolek (46. Diekmeier), Kacar, Cleber, Marcos (46. Jansen; 68. Marcos) – Jung (46. Steinmann), Arslan (60. Holtby) – Green (46. Nafiu), P. Müller (46. Van der Vaart), Ilicevic (46. Stieber) – Rudnevs (46. Lasogga).
Tore: o:1 Beistmann (15.), 1:1 Rudnevs (23., Vorlage Marcos), 2:1 Ilicevic (31., Rudnevs), 2:2 Schierholz (35.), 3:2 Green (36., Ilicevic), 4:2 Arslan (47.), 5:2 Lasogga (52., Kopfball nach Ecke van der Vaart), 6:2 van der Vaart (66., Elfmeter nach Foul an Lasogga), 7:2 Holtby (71.), 8:2 Lasogga (79., van der Vaart)

Sicher wieder einsetzbar ist Ivo Ilicevic, der gegen Egestorf im vermeintlichen B-Team in der ersten Halbzeit zu den auffälligeren HSVern gehörte. Wendig, trickreich und torgefährlich präsentierte sich der Kroate, der nach absolviertem Leistungstest Zinnbauer ab sofort wieder zur Verfügung steht. Dagegen noch immer nicht wieder einsetzbar ist Slobodan Rajkovic, der auch im Test am Dienstag gegen Germania Egestorf/Langreder (Oberliga Niedersachen) pausierte. „Ich hatte ihn gefragt, nachdem die Mediziner grünes Licht gegeben hatten“, so Zinnbauer, „aber er selbst fühlt sich noch nicht bereit und wollte lieber noch nicht spielen. Und das ist auch gut so. Nach einer so langen Pause muss er ehrlich zu mir und vor allem zu sich selbst sein. Da nützt kein falscher Ehrgeiz.“ Ebenfalls noch nicht wieder einsetzbar ist Maxi Beister, der hofft, spätestens in der Wintervorbereitung wieder ins Mannschaftstraining einzusteigen.

Morgen wird um 10 Uhr in der Arena trainiert, ehe es um 15 Uhr auf de Platz geht. Mal sehen, ob der „Unkaputtbare“ Behrami dann schon dabei sein wird und ob Jansen wieder fit ist. Ich hoffe auf beides. Euch allen einen schönen Abend! Bis dahin,

Scholle

Nur drei kümmerliche Tore – erschreckend!

26. Oktober 2014

In Berlin kann man immer mal verlieren, das hat der HSV ja auch schon oft genug bewiesen. Das ist jetzt auch nicht das Entscheidende. Entscheidend ist vielmehr, dass der HSV keine Tore schießt. Drei lächerliche, drei kümmerliche Tore in den ersten neun Spielen dieser Saison – schlimmer geht es nimmer. Da lacht sich ja sogar Tasmania 1900 tot. Die Berliner hatten in der Saison 1965/66 immerhin schon sechs Tore nach neun Spieltagen erzielt, hatten dann am Ende ein Torverhältnis von 15:108. Und Mitabsteiger Borussia Neunkirchen hatte nach neun Spieltagen fünf Treffer auf der Habenliste – immerhin. Der HSV jagt weiterhin einen Negativ-Rekord nach dem anderen, wo einer zu greifen ist, da schreien die Hamburger hier und holen sich ihn. Gnadenlos. Und wie soll sich ein HSV-Fan denn nun noch Mut machen? Es geht vorne doch fast gar nichts zusammen. Und auf der Bank sitzt – trotz der Tore-Seuche – nicht mal mehr Artjoms Rudnevs, der einst gezeigt hat, dass er weiß, wo des Gegners Tor in der Bundesliga steht. Nein, das allein ist ein großes, ein riesiges Dilemma. Ohne Tore kann man nun mal nicht gewinnen – und das absolut Schreckliche daran ist, dass irgendwann der Gegner dann gegen den HSV trifft, und schon ist alles vorbei. Drei Tore in neun Spielen, das ist die absolute Blamage. Und einfach nur niederschmetternd. Das geht gar nicht!

 



 

Was hinzukommt: In der Medienstadt Hamburg, und da beziehe ich mich ausdrücklich mit ein, wird jede halbwegs gute Leistung des HSV von Wochenende zu Wochenende hochgejubelt. Nur weil der HSV mal nicht verloren hat. Und es ist nun einmal gute (oder eher schlechte?) hanseatische Sitte, dass die HSV-Profis dann mit stolz geschwellter Brust durch Hamburg brausen: Platz da, hier kommt ein HSV-Star!
Drei Tore, kann ich da nur wiederholen, drei kümmerliche Törchen. So sieht die bittere Realität aus. Aber was soll man auch als HSV-Spieler machen, wenn man eine Woche lang diesen 1:1-Sieg gegen Hoffenheim immer wieder als absolute Über-Leistung vor Augengeführt bekommt? Da kann man doch nur abheben. Und dann geht man eben in Berlin nicht in das Spiel, als ginge es wie gegen Bayern oder auch Dortmund nur darum, die Null hinten stehen zu lassen. Wer sind wir denn? Der Gegner hat sich nach uns zu richten . . .

 

„Wir haben gut angefangen, aber dann so ab der 15. Minute angefangen, das Spiel an Hertha abzugeben“, befand Trainer Joe Zinnbauer nach der 0:3-Pleite und fügte hinzu: „Auch in der zweiten Halbzeit haben wir versucht gut zu beginnen, da hatte Marcell Jansen ja auch die Chance zum 1:0. Dann aber der Konter zum 1:0 für die Berliner, und ganz schwer wurde es dann nach dem 0:2 . . .“ Das sahen alle, wie schwer es dann wurde. Generell aber befand der HSV-Coach: „Jetzt nach einer Niederlage wieder alles infrage zu stellen, ist der falsche Weg, der falsche Ansatz. Wir müssen das Konzept weiterfahren. Es hat doch allen gestern noch gefallen. Wir müssen das durchziehen und den Spielern Vertrauen geben. Auch wenn die beiden Gegner, die jetzt kommen, ganz schwer werden. Wir müssen schnell runterkommen und sehen, dass wir die Richtigen finden gegen Bayern.“ Stimmt. Obwohl das sicherlich viel leichter gesagt als getan ist.

 

Zu seiner Tormöglichkeit in der 55. Minute sagte Marcell Jansen noch in Berlin: „Wenn ich den reinmache, dann gibt es auch keinen Berliner Konter – und kein 0:1.“ Stimmt haargenau. So trifft Jansens Schluss-Kommentar leider auch voll auf den Punkt: „Wir haben leider kein Tor gemacht, und leider auch nicht so gut gestanden.“

 

Heiko Westermann pflichtet ihm bei: „Wir haben gut begonnen, alles ging bestens auf – und dann haben wir aufgehört, uns zu zeigen, aufgehört Fußball zu spielen. Drei dumme Gegentore haben wir uns eingefangen, zwei davon waren auf jeden Fall total dumm, ganz klar, wir haben ein ganz schlechtes Spiel gemacht. In den Wochen davor haben wir uns teilweise für gute Spiele nicht belohnt, diesmal haben wir nur schlecht gespielt.“ So ist es. Das sah auch Nicolai Müller so: „Die Niederlage ist ganz klar verdient, wir haben kaum Zweikämpfe gewonnen. In der ersten Viertelstunde waren wir noch griffig, da hatten wir gute Balleroberungen, dann haben wir den Faden verloren Warum auch immer.“ Und nun die Bayern am Mittwoch im Pokal? Müller: „Wie die drauf sind, das weiß ja jeder. Aber es ist Pokal, da gibt es nur gewinnen oder verlieren. Mal sehen, wie wir drauf sind – Favorit sind wir jedenfalls nicht.“ Gut erkannt. Aber der Pokal hat ja bekanntlich seine eigenen Gesetze.

 

Aber davon hält Sky-Experte Stefan Effenberg wahrscheinlich überhaupt nichts. Und ich glaube auch, dass der gebürtige Hamburger dem HSV absolut und null zutraut – nicht nur gegen die Bayern am Mittwoch. „Effe“ sagte bei „Sky“ über den so schwachen HSV in Berlin: „Bis auf die ersten fünf, sechs Minuten war das eine katastrophale Leistung der Hamburger. Dem HSV hat heute alles gefehlt. Die Aggressivität in den Zweikämpfen, das Miteinander, Füreinander, sich gegenseitig zu helfen, nachzurücken in die Offensiv wie in die Defensive. Die Situation wird immer schwieriger, das kann man auch nicht schönreden.“

 

Das wissen sie aber bestimmt auch in der neuen HSV-Führung. In die eigene Tasche gelogen wurde sich in den letzten Jahren in Hamburg viel zu oft und viel zu schön. Das ist nicht die Sache derjenigen, die den Karren nun aus dem Sumpf ziehen sollen. Am Tag nach der Ernüchterung von Berlin befand Sportdirektor Peter Knäbel offen: „Ich sehe derzeit niemanden, der das Offensivspiel des HSV prägt. Der absolute Wille, das 1:0 zu machen, war nicht genug da, die Qualität der Abschlüsse war bescheiden. Wir müssen mehr Brutalität an den Tag legen, wenn wir das 1:0 erzwingen wollen, um daraus dann mehr zu machen.“ Sportdirektor Knäbel weiter: „Nach dem 0:1 war es die schlechteste Reaktion, die ich von dieser Mannschaft, seit ich da bin, gesehen habe. Wir haben uns selbst aus dem Rhythmus gebracht, weil wir viele unnötige Ballverluste hatten. Wie man sich nach dem 0:1 verhalten hat, so geht das nicht.“ Dann kam Peter Knäbel vielleicht zu einem ganz entscheidenden Punkt: „Ich kenne die alten Zeiten nicht, aber heute hat man gesehen, dass diese Mannschaft unterschiedliche Facetten hat.“ Und, jetzt wird es wichtig: „Nach dem Sieg in Dortmund ging es hier in der Stadt so euphorisch zu, da ging es rauf und runter, da rauschte es. Das hat mich überrascht. Und nach dem 1:1 gegen Hoffenheim wurde öffentlich gefragt, ob das schon der neue HSV ist? Da habe ich mich dann gefragt, ob das alles wirklich so einfach ist? Und ob das wirklich alles so schnell geht? Ich habe damit gerechnet, dass es solche Rückschläge geben wird. Es wird von allen weiter harte Arbeit verlangt, nur harte Arbeit ist erforderlich.“

 

Dann haut mal schön rein! Das ist mal ’ne Ansage.

 

Und das gilt für alle. Nicht nur für diejenigen, die in erster Linie für das Toreschießen zuständig sind. Wobei ich bei jenem Spieler bin, um den sich zurzeit vielleicht die meisten HSV-Diskussionen ranken: Rafael van der Vaart. Gehört er nun ins Team, oder gehört er da schon lange nicht mehr hinein? Ich glaube ja immer noch, dass er dort mitspielen könnte – natürlich nicht in der „Berliner Form“. Der Niederländer läuft und läuft und rennt und ackert, aber an ihm läuft das Spiel seiner Mannschaft auch total vorbei. Ich bin mir absolut sicher, dass van der Vaart nur das Beste geben will, dass er sich voll reinhängt, dass er dieses Team auch führen will – aber er erreicht seine Mitspieler nicht. Nicht oder nicht mehr, das lasse ich mal dahingestellt. Ich glaube aber, dass wenn Rafael van der Vaart etwas weniger laufen würde, etwas weniger rennen und etwas weniger kämpfen würde, dass er dann wertvoller sein könnte. Als zentrale Anspielstation, als Rhythmus-Geber, als Ballverteiler – er konnte es doch mal, er war doch mal ein Weltklasse-Mann. Wenn er sich zentral anbieten würde, wenn ihn die Mitspieler suchen und bedienen würden, dann könnte er doch noch einmal wieder zu seinem Spiel zurückfinden. Vielleicht. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, aber ich bin so auch total unglücklich mit dem, wie es zurzeit läuft. Bei ihm und bei der Mannschaft.

 

Dass mich heute (auch gestern schon) viele Leute, auch aus der Ferne, angerufen oder mich mit einer sms bedient haben mit dem Hinweis, dass es van der Vaart „nicht mehr bringen“ würde, dass der HSV „nicht klug beraten ist, wenn er ihn nun ins Schaufenster stellt, um ihn im Winter verkaufen zu können“ – das spricht dafür, wie sehr sich die Fans um den HSV sorgen, aber ich vertrauen da in erster Linie Joe Zinnbauer. Ich habe es bei seinem Amtsantritt gesagt, und dazu stehe ich auch heute noch: „Bei Zinnbauer wird es nach Leistung gehen, nach nichts anderem.“ Und wenn der Trainer nun sieht, dass es mit van der Vaart nicht so recht laufen will, dann wird er ihn – das muss nicht diese oder nächste Woche sein – beiseite nehmen und mit ihm unter vier Augen klären, wie sich die Situation für den Trainer darstellt. Und dann dürfte der Kapitän der letzte Mann sein, der sich darüber beschwert. Er selbst hat doch vor Wochen gesagt, dass es hier nicht um Einzelschicksale geht, sondern um den HSV, um das Überleben des HSV in der Bundesliga. Und dem wird sich dann auch ein Rafael van der Vaart unterordnen. Und dann wird er, wenn der Druck vielleicht eines Tages nicht mehr ganz so hoch ist wie zurzeit, auch noch einmal wiederkommen und den Taktstock im HSV-Spiel schwingen. Ich gebe die Hoffnung noch nicht auf.

 

Übrigens wurde van der Vaarts Konkurrent Lewis Holtby auf „Sky“ gefragt, wie er die Sache mit der (überraschenden) 45-minütigen Nichtberücksichtung sieht. Und das hat Holtby gesagt: „Wir haben einen großen, guten Kader, da bringt es nichts, wenn ich eine Diva bin und irgendwelche Aufstände betreibe. Wenn ich reinkomme, gebe ich alles.“ Das ist mal eine gute und vollkommen richtige Antwort.

 

Gefreut habe ich mich an diesem Sonnabend gegen 17.30 Uhr darüber, dass Valmir Nafiu sein Bundesliga-Debüt gefeiert hat. Das ist mal ein Ding. Zwei Jahre (rund) darf er nur trainieren, er sollte schon abgeschoben werden (schon lange sogar), aber er ging nicht. Und nun sein Auftritt. Das ist mal ein Comeback. Und mal sehen, was daraus noch wird. Und vielleicht nimmt sich ja auch Artjoms Rudnevs noch einmal ein Beispiel daran, denn es zeigt, dass gute Trainings-Leistungen sehr wohl belohnt werden.

 

Geärgert habe ich mich am Sonnabend auch darüber, dass Pierre-Michel Lasogga dem Bundestrainer nicht zeigen konnte, dass er in diese Nationalmannschaft gehört. Lasogga wollte, er riss sich in Halbzeit eins auch alle Beine aus, aber nicht gelang. Weil sie ihn weder suchten noch bedienten. Und im zweiten Durchgang ging er dann total unter. Schade, schade. Dass er später auch einer der Sündenböcke in der Öffentlichkeit war, das war ja irgendwie klar – drei kümmerliche Törchen. Dass er da vorne aber auch nichts bekommt, das wird dabei übersehen. Was hat Peter Knäbel noch in Sachen HSV-Offensive gesagt? Genau. Joe Zinnbauer befand zu diesem Thema: „Man kann das Spiel nicht an Pierre Lasogga festmachen. Wir haben zehn andere Spieler auf dem Platz, die auch Tore machen können und die Spieleröffnung machen sollen. Im Nachhinein war es für Pierre kein einfaches Spiel, die ganze Woche schon wurde über ihn und diesen Auftritt geschrieben, alles fokussierte sich auf ihn.“ Dazu kamen die permanenten Pfiffe von den Hertha-Fans, das konnte schon zermürben – und hat gewiss auch zermürbt.

 

Dann noch einmal etwas ganz Erfreuliches: Die Zweite hat ihren Siegeszug in der Regionalliga fortgesetzt – und wie! 10:0 bei Aufsteiger FT Braunschweig gewonnen, Halbzeit 3:0. Und wer schoss das dritte HSV-Tor? Es war Gideon Jung! Gestern noch bei uns auf der „Matz-ab-live“-Bank, heute schon Torschütze in Braunschweig – Glückwunsch, Gideon. Ganz nebenbei habe ich heute (und auch gestern noch) etliche Anrufe von HSV-Fans erhalten, die die Auftritte von Gideon Jung und Maximilian Beister explizit lobten. Richtig so, das waren auch sehr gute Auftritt und Aussagen! Aber diese außer Rand und Band geraten Zweite!? Das ist ja schon nicht mehr nur unheimlich, das ist ja der Wahnsinn pur! Zwölf Punkt Vorsprung nun schon vor dem Tabellenzweiten aus Bremen und bereits nach dem 14. Spieltag Herbstmeister! Übrigens, der HSV-II-Trainer (der Mann nach Zinnbauer) heißt Daniel Petrowsky. Und der Co-Trainer noch immer Soner Uysal. Und das 10:0 ist ein neuer deutscher Regionalliga-Rekord! Na bitte, es geht doch, der HSV sammelt ja doch nicht nur Negativ-Rekorde.
Die HSV-Tore: 0:1 Brüning (13.), 0:2 Brüning (22.), 0:3 Jung (29.), 0:4 Arslan (55., Foulelfmeter), 0:5 Arslan (58.), 0:6 Brüning (60.), 0:7 Masek (76.), 0:8 Arslan (80.), 0:9 Gouaida (82.), 0:10 Mende (85.)

 

PS: Training am Montag ist um 10 Uhr. Was hat Peter Knäbel noch gesagt? Harte Arbeit ist erforderlich, richtig schön harte Arbeit.

 

PSPS: Sportdirektor Peter Knäbel kündigte im Gespräch mit meinem (unseren) Kollegen Lars Pegelow (NDR 90,3) an, dass der Profi-Vertrag mit Trainer Joe Zinnbauer wahrscheinlich schon in dieser Woche unterschrieben wird. So kann ich mich täuschen – am Freitag schrieb ich noch im Hamburger Abendblatt genau das Gegenteil. Vielleicht aber hat ja gerade das den HSV ermunternd, sofort zu handeln. Auf jeden Fall freue ich mich für Joe Zinnbauer, es ist sicherlich verdient und genau der richtige Weg.

 

PSPSPS: Der Vorspann bei „Matz ab live“ ist nicht deswegen „verlängert“ worden, weil ich nach den zwölf Namen gefragt hatte, die dort zu sehen sind (außer „Scholle“ und ich!). Es ist ein technischer Fehler. Mehr nicht. Wer aber das Weltmeister-Heft von Oliver Wurm haben möchte, der schicke mir bitte eine Postkarte mit den Namen – es müssen ja nicht alle sein. Das wäre dann perfekt, ist aber sicher ganz, ganz schwer!
Dieter Matz, Sportredaktion Hamburger Abendblatt, Axel-Springer-Platz 1, 20350 Hamburg.
Ich habe fertig!

 
. . . und nicht vergessen, Freitag ist Matz-ab-Treffen (HSV-Ochsenzoll, Ulzburger Straße im “Anno 1887″ um 19 Uhr)
 

17.17 Uhr (Winterzeit)

0:3 – Ex-HSVer Ben-Hatira erschießt HSV!

25. Oktober 2014

So schnell schießen die Preußen eben doch nicht. Der HSV ist wieder auf dem Boden der harten Realität gelandet und wird in nächster Zukunft wieder nur, und absolut nur nach unten die Blicke richten. Nach der 0:3-Klatsche bei Hertha BSC müssen sich alle Spieler hinterfragen, ob sie mit der richtigen Einstellung dabei waren, denn die Niederlage wurde durch einen Konter der Berliner eingeleitet, als der HSV total aufgerückt war und auf das erste Tor drückte. Das war amateurhaft. Ausgerechnet der ehemalige HSV-Profi Änis Ben-Hatira schoss zwei Tore und leistete für das 2:0 die Vorarbeit. Nun müssen die Wunden geleckt werden, und zwar schnell, denn am Mittwoch kommen die Bayern zum Pokal in den Volkspark, und am Sonnabend wird es nicht leichter, denn dann geht es gegen Bayer Leverkusen. Da heißt es sich warm anziehen, das wird ein ganz, ganz harter Winter. Aber wir müssen da alle durch. Alle. Kopf hoch. Das Leben geht weiter, wenn auch im Moment nicht sonderlich schön.

 


 

Spielt Lewis Holtby? Ist Matthias Ostrzolek draußen? Kommt Marcell Jansen von Beginn an zum Zuge? Das waren die Fragen vor dem Anpfiff, die die Fans bewegten. Und Trainer Joe Zinnbauer hatte sich lange nicht in die Karten schauen lassen, erst kurz vor dem Anpfiff sickerte durch: Holtbay sitz nur auf der Bank. Das kam für uns schon etwas überraschend, muss ich zugeben, aber der Coach hat sich ganz sicher etwas dabei gedacht. Und wohl in erster Linie auf Erfahrung in diesem Auswärtsspiel gesetzt, denn auch Jansen war dabei – wie schon beim 1:0-Sieg in Dortmund.

 

Dass das Match im Olympiastadion kein leichtes werden würde, das war schon klar. Zu oft ist der HSV mit großen und größten Hoffnungen in Berlin zu Gast, und kam dann doch mit leeren Händen zurück in die Hansestadt. Es werden sich einige daran erinnern können . . . Diesmal begann der HSV, wie schon so oft in der jüngeren Vergangenheit, im Stile einer Heim-Mannschaft und bestimmte das Geschehen. Nur Torchancen gab es keine, spätestens am Hertha-Strafraum war Ende mit den offensiven Versuchen des HSV. Obwohl, das soll keine Kritik an Pierre-Michel Lasogga sein, der frühere Herthaner mühte sich, lief viel, hielt einige Male klug den Ball, verteilte ihn auch gut – das konnte sich sehenlassen; unter den Augen von Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw. Ob der in erster Linie für Lasogga in die Hauptstadt gekommen war? Oder auch für Nicolai Müller, Jansen, Ostrzolek? Oder sogar für Heiko Westermann? Einen Berliner kann der Bundes-Jogi doch nicht im Sinn gehabt haben, oder? Nein, nein, es ging um einen Hamburger. Für die spielten ja immerhin drei Herthaner mal im Trikot mit der Raute: Änis Ben-Hatira, Peer-Ciljan Skjelbred und der zunächst auf der Bank kauernde Marcel Ndjeng.

 

So richtig aufregend wurde es erstmalig in diesem Spiel in der 17. Minute. Bei einem hohen Ball in den HSV-Strafraum hinein sprang der bullige Berliner Abwehrchef Heitinga HSV-Keeper Jaroslav Drobny ganz böse an. Das war in meinen Augen ein schlimmes Foul, Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Herne) aber zog nichts, nicht mal mit den Achseln. In meinen Augen eine klare Gelbe Karte. Und wie Drobny einen solchen Anschlag „überlebt“ und wegsteckt, dafür habe ich keine Erklärung. Der Mann muss aus Eisen sein. Kurze Pflege, einmal schnell geschüttelt – und dann ging es weiter. Und drei Minuten später foulte Skjelbred gegen Tolgay Arslan, indem er „drüber“ hielt. Kein Gelb!

 

Dann wurde es sportlich. Ben-Hatira bediente seinen Stürmer Kalou, der plötzlich halblinks frei vor Drobny aufkreuzte, der HSV-Schlussmann aber kam blitzschnell aus dem Tor, verkürzte den Winkel und hielt per Fußabwehr (22.). Fast im Gegenzug die erste HSV-Möglichkeit. Rechtsflanke von Arslan (seine beste Szene!), am langen Pfosten legte Jansen per Kopf zurück zu Ostrzolek, doch der Linksverteidiger schoss aus 13 Metern hoch und weit über das Berliner Tor. Das Tempo blieb danach hoch in diesem Spiel, es ging hin und her – in dieser Art und Weise hätte der HSV vor Wochen sicherlich nicht dagegenhalten können. Nun kann er es, und er steht auch in der Defensive viel sicherer, weil alle im Team jetzt auch defensiv denken – und mitmachen. Hinten rechts übrigens machte der junge Ashton Götz sein erstes Bundesliga-Spiel von Beginn an, und das machte er meistens auch gut. Er konnte die Gegenspieler (oft Ben-Hatira) zwar nie hundertprozentig neutralisieren, aber er „mischte“ trotz allem prächtig mit. Der Junge, der die Rückennummer 39 trug, kann etwas! Auch wenn in der zweiten Halbzeit ein wenig die Kräfte schwanden . . .

 

Zum zweiten Durchgang kam Lewis Holtby für Arslan, und der HSV kam auch. Jansen bringt den Ball flach zur Mitte, Müller kommt nicht ran – im Rückraum wäre Rafael van der Vaart vollkommen frei und sicher die bessere Option gewesen (55.). Danach stempelte der frühere HSV-Spieler Ndjeng mit einem Weitschuss die Querlatte (58.), bevor es turbulent wurde. Die 59. Minute bringt jeden HSV-Fan an den Rande des Wahnsinns: Erst steht Jansen halblinks frei vor dem Hertha-Gehäuse, doch er zögert einen Tick zu lange – Keeper Kraft stürzt raus und hält den Ball. Im Gegenzug dann machen es die Berliner besser: Die gesamte HSV-Defensive unsortiert, fast alle „turnten“ vorne herum – und der Konter läuft. Ben-Hatira ist die letzte Station, er umkurvt den „zurückfliegenden“ Valon Behrami und schlenzt den Ball klug und überlegt ins lange Eck – unhaltbar für Drobny. Der Anfang vom Ende.

 

Die Vorentscheidung dann in der 65. Minute. Eckstoß von Ben-Hatira, Kopfballduell, am langen Pfosten lauerte der Herthaner Hosogai und lenkt die Kugel an das Torgestänge, auf der Linie steht Heitinga und vollendet. Ganz, ganz bitter! Joe Zinnbauer bringt noch vor dem Wiederanstoß Julian Green für van der Vaart – aber es nützt nichts mehr. Der HSV ist bemüht, aber ohne die rechte Durchschlagskraft. Auch der überraschende Wechsel in der 74. Minute brachte daran keine Änderung – Zinnbauer brachte Valmir Nafiu (!) für Lasogga, der in der zweiten Halbzeit kaum noch in Erscheinung getreten war. Ein bemerkenswerter Wechsel aber in jedem Fall, doch Nafiu hatte im Abschlusstraining noch zwei Tore zum 3:0-Sieg der Reservisten gegen den Stamm erzielt.

 

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Götz, Djourou, Westermann, Ostrzolek; Arslan (46. Holtby), Behrami; Müller, van der Vaart (65. Green), Jansen; Lasogga (74. Nafiu).

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny hielt wie immer gut, an den Toren aber gab es nichts zu halten.

 

Ashton Götz begann abgeklärt, ruhig und sicher, aber mit zunehmender Spieldauer ließ er ein wenig nach – aber an ihm lag es gewiss nicht, dass der HSV verlor. Das müssen sich schon die „älteren Herrschaften“ ankreiden lassen. Legte in der 85. Minute den Ball vor, der zum 3:0 für die Hertha führte.

 

Johan Djourou stand lange Zeit sicher, dann stürmte er, fehlte hinten – und der Schuss ging in den Ofen. Leider, leider. Ein wenig zu viel riskiert, statt auf die Null zu setzen.

 

Heiko Westermann räumte lange Zeit gut auf, Mitte der zweiten Halbzeit schien er ein wenig zu resignieren (gibt es das bei ihm überhaupt?), auf jeden Fall aber war er leicht angeschlagen. Auch er fehlte hinten beim 0:1 – da fehlten nicht nur alle, da fehlte vor allem die Abstimmung in der Defensive.

 

Matthias Ostrzolek verlangt mehr von sich, wie er nach dem Spiel gegen Hoffenheim zugab, diesmal könnte er sich wiederholen. Da muss mehr kommen, ganz klar. Berlin wird er nicht in guter Erinnerung behalten, das war irgendwie ein gebrauchter Tag, der ihm da angedreht worden war.

 

Tolgay Arslan fand nie so richtig ins und zu seinem Spiel. Spielte einige Mal unsauber, lief auch oft hinter dem Ball und dem Gegenspieler hinterher.

 

Valon Behrami rieb sich in unzähligen Duellen auf, dirigierte, wollte mitreißen – es blieb beim Versuch, weil er diesmal auf zu wenig Gegenliebe (Qualität im Team?) stieß.

 

Nicolai Müller tauchte einige Male auf, aber die meiste Zeit eben auch ab.

 

Rafael van der Vaart war sicher sehr bemüht, lief unheimlich viel, aber diesem Spiel konnte er keine Klasse verleihen, er muss erst wieder noch in Form kommen.

 

Marcell Jansen spielte solide mit, aber mehr auch nicht. Note vier.

 

Pierre-Michel Lasogga war auf Besuch bei seiner „alten Dame Hertha“ und sollte, so hatte es der HSV-Anhang erwartet und erhofft, den HSV zum Sieg schießen. Es blieb bei dem Schuss Hoffnung, obwohl Lasogga mindestens eine sehr gute erste Halbzeit hinlegte – aber ohne Abschluss. Zweite Halbzeit war er dann nicht mehr zu sehen. Ob ihn die Pfiffe der Hertha-Frösche zermürbten?

 

Lewis Holtby (ab 46. Min. für Arslan) kam zur Pause rein, war bemüht, auch aktiver als sein berühmter Nebenmann (van der Vaart), aber er konnte nichts mehr inszenieren, da viele neben ihm schon abgetaucht waren.

 
Julian Green (ab 65. Min. für van der Vaart) wollte noch, konnte aber nicht mehr, da kaum noch einer so richtig wollte – oder konnte.

 

Valmir Nafiu (ab 74. Min. für Lasogga) kam zu spät, als dass er noch etwas hätte bewirken können. Immerhin aber kam er einmal.

 

PS: Wir sind gleich wieder mit „Matz ab live“ aus dem Restaurant „Champs“ (Schnelsen/Burgwedel) auf Sendung, wir sprechen dann natürlich über das Spiel in Berlin. „Scholle“ und ich haben wieder zwei Gäste bei uns, es sind diesmal Maximilian Beister und HSV-Talent Gideon Jung. Wäre toll, wenn Ihr wieder so zahlreich einschalten würdet wie zuletzt.

 

PSPS: Am kommenden Freitag (31. Oktober) findet im HSV-Restaurant „Anno 1887“ (Leistungszentrum Ochsenzoll, Ulzburger Straße, Norderstedt) unser Matz-ab-Treffen statt, Beginn 19 Uhr. Mitzubringen wären an diesem Abend (vor dem Leverkusen-Spiel) gute oder auch beste Laune, denn es soll ein Treffen unter Freunden werden. Und keine Mitgliederversammlung!

 

17.30 Uhr

Rudnevs und Cléber raus – wer folgt noch?

24. Oktober 2014

Es ist wie immer eine ganze Menge Feuer drin. Obgleich es das Abschlusstraining ist. Denn in solchen ist es nicht unüblich, dass vor allem darauf geachtet wird, dass sich bloß niemand mehr verletzt. Anders bei Zinnbauer: Der steht am Rand und feuert die Mannschaften auf, mehr zu machen. Obgleich die Intensität hoch ist. Und als das A-Team gegen das vermeintliche B-Team in Rückstand gerät, unterbricht er die Einheit, holt sich das A-Team zusammen und verdeutlicht lautstark, was fehlt. „Er verkauft es positiv. Kritik wandelt er geschickt in motivierende Aufforderungen um“, sagte mir sein vorheriger Assistent Soner Uysal zuletzt, „er sagt deutlich, was er sehen will und nimmt den Spieler dabei voll mit. Das kann er wie kaum ein anderer.“

Die Sendung beginnt um 17:30 Uhr.

Ein Lob, das Zinnbauer in abgewandelter Form aber inhaltlich nahezu identischer Art zuletzt von allen Seiten bestätigt bekommen hat. Die Spieler überschlugen sich teilweise so in Komplimenten, dass ich schon anfing, meinen eigentlichen Beobachtungen nicht mehr ganz zu trauen. Soll heißen: Es war schon fast zu viel. Wobei sich der eine oder andere Spieler dem Hype sicher nicht anschließen wird. Zumindest gehe ich bei Artjoms Rudnevs und Cléber ganz stark davon aus, nachdem beide nach dem Hoffenheim-Spiel auch gegen Hertha BSC wieder nur auf der Tribüne landen bzw. in Hamburg blieben, während der 18-Mann-Kader samt Trainerteam gen Berlin abfuhr.

Für Abendblatt-Blogs

Dabei hatte Rudnevs einen von drei Treffern im Abschlusstraining erzielt und war zusammen mit Cléber im Siegerteam. 3:0 gewann die vermeintliche B-Elf gegen die Stammelf. „Abschlussspiele sind bei mir kein Indiz für die Aufstellung“, sagt Zinnbauer, der in Berlin wieder vor der schwierigen Aufgabe steht, sich in Sachen van der Vaart/Holtby zu entscheiden. Spielen beide und Holtby rückt auf links – oder muss einer auf die Bank und Marcell Jansen rückt auf links? Und entgegen meiner Vermutung, dass beide spielen, glaube ich inzwischen, dass der HSV-Trainer seine Lobeshymnen auf van der Vaart vielleicht aus einer anderen Motivation heraus formuliert hat: Vorbeugend.

Zumindest machte es heute im Training den Anschein, als würde Marcell Jansen vor Ostrzolek auf links spielen. Zinnbauer ließ das Siegerteam aus Dortmund (nur Götz ersetzt den verletzten Diekmeier). Soll heißen, van der Vaart wechselte zur Halbzeit ins (erschreckenderweise deutlich besser wirkende) B-Team, Holtby rückte wieder in die A-Elf. Jansen hingegen blieb bis kurz vor Schluss auf der linken Seite und ich glaube, er wird auch in Berlin beginnen. Spannend ist es in jedem Fall – und das ist ein gutes Zeichen. Endlich hat der HSV wieder die Auswahl. Und egal, wofür sich Zinnbauer letztlich entscheidet, er hat mit dem, den er draußen lässt, das Potenzial auf der Bank, das Spiel nachträglich noch mal zu verändern.

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Nicht helfen wird dabei Cléber. Und ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz im Klaren darüber, warum Zinnbauer den Brasilianer nicht mitnimmt. Gut, er hat bei der Verpflichtung des Innenverteidigers nicht mitgewirkt und stattdessen ist Gojko Kacar dabei, der zweifellos gut trainiert. Allerdings machte das zuletzt wie heute auch Cléber. Den Neuzugang erneut gar nicht zu berücksichtigen, dürfte den Integrationsprozess nochmals verlangsamen – es sei denn diese Form von Kritik an den gezeigten (Trainings)Leistungen des Brasilianers kriegt Wortakrobat Zinnbauer intern tatsächlich auch noch positiv verkauft…

Mehr als etwas Kunst bräuchte Zinnbauer bei Artjoms Rudnevs – wenn er so wollte. Der Lette traf zwar im Abschlusstraining, flog aber für den im Training starken Valmir Nafiu, der die anderen zwei Treffer erzielte, aus dem Kader. Eine klare Ansage an den Letten, der es auf bislang fünf Einwechslungen und gerade einmal 120 Spielminuten bringt. Unter Zinnbauer wurde Rudnevs dreimal eingewechselt (18 Spielminuten). Und jetzt ist er zum zweiten Mal und beim dritten Trainer in Folge hintendran. Unter Slomka ebenso wie jetzt bei Zinnbauer – und vor den beiden bei Thorsten Fink. Dass der – ganz vorsichtig ausgedrückt – nicht viel von den Qualitäten des Angreifers hält, ist hinlänglich bekannt. Ebenso, dass Zinnbauer und Fink beste Freunde sind und sich regelmäßig austauschen. Ich bin mir sicher, das tun sie jetzt auch über ihre Erfahrungen mit den Spielern.

Dass Rudnevs jetzt aber schon für Nafiu seinen Platz räumen muss, nachdem ihm Pierre Michel Lasogga auch in unfittem Zustand immer wieder vorgezogen wurde, hat dieser registriert. Reden möchte er darüber nicht – und das ist absolut verständlich. Aber ich glaube, dass es hier schon sehr bald Gesprächsbedarf auf offizieller Seite geben wird und sich die sportliche Leitung mit dem Angreifer über dessen Perspektive in Hamburg unterhalten muss. Zumal immer wieder zu hören ist, dass sich der HSV insbesondere nach jungen Angreifern umschaut. Schon für den Winter.

Es ist schade für Rudnevs, den in der letzten Saison jeder HSV-Fan gern in Hamburg gesehen hätte, als Lasogga ausfiel. Und es ist zweifellos sehr schade für Cléber. Aber es zeigt auch, dass Zinnbauer keine unangenehmen Entscheidungen scheut. Er hätte alle Argumente auf seiner Seite gehabt, Kacar nach dessen verletzungspause über die U23 aufzubauen und Cléber auf die Bank zu setzen. Nach Nafiu hätte sicherlich auch keiner gefragt, wenn Rudnevs im Kader wäre. Dennoch mischt Zinnbauer die Mannschaft auf. Und das ist gut.

Deshalb kann ich mir tatsächlich auch vorstellen, dass Zinnbauer trotz aller Lobeshymnen seinen „Leader“ und Kapitän van der Vaart in Berlin auf der Bank lässt. Ich bin mir sicher, dass er eine solche Entscheidung seinem Kapitän ausführlich erläutern würde. Es hätte auch Charme, in Berlin die Auswärtssieger von Dortmund auflaufen zu lassen (mit der Ausnahme Götz für Diekmeier). Einen Holtby rauszunehmen dagegen würde ich persönlich nicht verstehen können. Zumindest nicht, ohne dass der in irgendeiner Weise angeschlagen, müde oder sonstwie gehandicapt ist.

Spanend ist es auf jeden Fall mal wieder. Für uns wie für den Gegner, der nicht wie lange Zeit üblich schon vorher sicher sagen kann, wie der HSV beginnt. „Wir sind mit dem vollen Kader sicher schwerer auszurechnen als in der Vorsaison“, hatte schon Slomka gesagt – und obgleich er es selbst nicht mehr wirklich miterleben durfte, bewahrheitet sich das langsam. Zumal mit Jiracek, Ilicevic sowie Diekmeier drei Verletzte in der kommenden englischen Woche wieder voll mitmischen sollen und selbst Slobodan Rajkovic nicht mehr weit weg ist vom Team.

Und wo wir gerade beim Thema Verletzte sind, „super“ geht es auch René Adler. Das sagte er heute so beim Verlassen der Imtech-Arena – nicht ganz frei von Ironie. Zu gern würde er wieder voll mitmachen und vor allem im Kasten stehen. Aber er wird sicherlich noch ein, zwei Wochen brauchen, bis er wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann. Bis dahin vertritt ihn Alexander Brunst. Und nur um die Liste zu komplettieren, Maxi Beister wird auch weiterhin fehlen. Dafür ist der Offensivmann am morgigen Sonnabend bei uns zu Gast bei Matz ab live. Mit ihm begrüßen wir dann einen sehr interessanten jungen Spieler, dem viele Experten Großes zutrauen: Gideon Jung. Wir freuen uns darauf!

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Freitagabend. Bis morgen!

Scholle

HSV: Drobny – Götz, Djourou, Westermann, Ostrzolek – Behrami, Arslan – Müller, van der Vaart, Jansen – Lasogga.
Kader: Brunst, Nafiu, Green, Holtby, Kacar, Steinmann, Stieber

Rudnevs und Cleber nur auf der Tribüne!

18. Oktober 2014

Sie müssten an diesem Sonntag alle hellwach sein, die HSV-Profis, vor allem um 15.30 Uhr. Damit der Rhythmus stimmt, hat HSV-Trainer Joe Zinnbauer nun zweimal in Folge um 15.30 Uhr trainieren lassen, dann morgen der Anstoß um diese Zeit – und dann soll es rund gehen. Es bleibt ja nichts unversucht . . . Heute waren die Spieler alle zur rechten Zeit „heiß“. Besonders zu jenem Zeitpunkt, als gegen 16 Uhr das Abschluss-Spielchen begann. Meine Herren, war das laut. Da wurde sich angebrüllt, angeschrien, motiviert – so laut war es lange nicht mehr im Volkspark. Jeder war tatsächlich hellwach, und mittendrin – nicht nur dabei – war Joe Zinnbauer, der seine Mannschaft immer wieder antrieb. Schön zu sehen, schön zu hören. Hoffentlich geht das morgen genauso gut – hoffentlich.

 

„Zeigen, zeigen, zeigen.“ Oder: „Stellen.“ Und: „Positionen einnehmen!“ Dazu: „Schneller, schneller, schneller.“ Auch: „Nachschieben, nachschieben“, war zu hören. Zinnbauer trieb seine Mannen an, unaufhörlich. Aber er verteilte auch Lob, wenn es angebracht war. Gab es gute und schnelle Spielzüge, dann war der Coach verbal zur Stelle und verteilte Schmuse-Einheiten. Alles zu seiner Zeit – das macht der Trainer schon klasse. Und es ist in der Tat immer noch und immer wieder davon zu sprechen, dass jetzt im Volkspark ein ganz anderes Klima herrscht. Es muss nun – oder sollte – auch auf dem Rasen und dann morgen gegen Hoffenheim erkennbar sein. Gibt es den zweiten Sieg in Folge, den es so lange schon nicht mehr gegeben hat?

 

Auch heute ließ Zinnbauer in der Anfangsformation Rafael van der Vaart im zentralen Mittelfeld spielen. Rechts neben ihm Nicolai Müller, links neben dem Niederländer Lewis Holtby. Und vorne Pierre-Michel Lasogga. Auf der Doppel-Sechs Tolgay Arslan und Valon Behrami, in der Viererkette natürlich Dennis Diekmeier, Johan Djourou, Heiko Westermann und Matthias Ostrzolek, dahinter das heutige Geburtstagskind, Jaroslav Drobny. Der Tscheche wurde heute 35 Jahre jung – und musste an diesem Tag ganz schön hart ran. Torwarttrainer Stefan Wächter nahm keine Rücksicht auf den Geburtstag und scheuchte die Torhüter (Alexander Brunst und Johannes Kreidl) richtig nach allen Regeln der Kunst.

 

Drobny ist schon ein Phänomen. Er redet seit Jahren schon nicht mehr mit der Presse, aber trotz allem wird er von allen gemocht. Ich kenne niemanden, der einen „Rochus“ auf den HSV-Keeper hat, ganz im Gegenteil, sie schätzen ihn alle als großartigen Torwart, und ein feiner Kerl ist er ohnehin – trotz des großen Schweigens. Herzlichen Glückwunsch, „Jaro“. Und dazu morgen möglichst noch ein Spiel ohne Gegentor, das wäre es doch.

 

Um einen eventuell zusehenden Hoffenheim-Spion zu verwirren, änderte Joe Zinnbauer die Stamm-Formation nach einer Halbzeit. Marcell Jansen und Julian Green tauschten sich in die A-Elf, die dann van der Vaart und Lasogga verlassen mussten. Das aber dürfte wahrscheinlich nur deshalb geschehen sein, um sich nicht vorher schon in die Karten sehen zu lassen. Einen kleinen Schreck-Moment gab es dann noch gegen 16.13 Uhr, als Lasogga (nach einem Duell mit Johan Djourou?) plötzlich am Boden lag und vor Schmerzen mehrfach mit der Faust auf den Rasen schlug. Aber nach zwei Minuten ging es weiter – ohne Einschränkung, Einsatz morgen nicht gefährdet. So jedenfalls sah es beim Trainingsende um 16.40 Uhr aus.

 

Das B-Team spielte, um das schnell noch aufzuklären, mit Alexander Brunst; Ashton Götz, Gojko Kacar, Cleber, Slobodan Rajkovic; Matti Steinmann, Petr Jiracek; Valmir Nafiu, Zoltan Stieber, Marcell Jansen; Julian Green. Später dann die schon beschriebenen Wechsel. Ich lege mich aber nun fest: Rafael van der Vaart wird morgen in der Anfangsformation stehen. Ich gehe fest davon aus. Zum Abschluss des Spiels schoss – ganz nebenbei – Julian Green ein sehr schönes Tor – für das A-Team. Könnte er morgen am besten gleich wiederholen.

 

Am Rande dieses Tages war auch einiges los. Bereits um 15.05 Uhr kamen Reha-Coach Markus Günther und der angeschlagene Ivo Ilicevic aus der Kabine – mit zwei Bällen. Der ehemalige Lauterer trainierte dann bis 15.55 Uhr mit dem Ball – und das sah auch schon recht gut und flüssig aus. Lange kann es nicht mehr dauern . . . Und ebenfalls am Rande (von den Offiziellen sah diesmal Direktor Profi-Fußball, Peter Knäbel, zu) bewegten sich während des Abschluss-Spiels zwei andere Spieler: Artjoms Rudnevs und Kerim Carolus (unter der Anleitung von Markus Günther). Letzterer kommt aus der Zweiten, ist Abwehrmann und 20 Jahre alt. Dass er nicht am Spiel teilnahm, ist schon klar, etwas überraschender ist der Verzicht auf Rudnevs.

 

Schon gestern war der Lette „außen vor“, als gespielt wurde, heute wieder. Das ist ein Zeichen, das unübersehbar für ihn ist. Er muss wohl deutlich zulegen, er muss sich im Training mehr anbieten, viel mehr reinhängen. Dem guten „Rudi“ wird ja bescheinigt, dass er topfit sei, aber er macht nichts mehr draus. Er kann sich natürlich nur im Training zeigen und eventuell aufdrängen, aber das misslingt ihm – wenn er es denn will. Mir gefiel er schon im Spiel gegen die U23 nicht, das mit 3:0 gewonnen wurde. Rudnevs war in diesem Test quasi nicht zu sehen, und das wird Zinnbauer nicht entgangen sein. Nun will der Coach seinen „verhinderten“ Torjäger vielleicht ein wenig „kitzeln“ – oder auch nur aufwecken.

 

Im Kader für das morgige Spiel fehlt Rudnevs, das war keine Überraschung mehr. Es fehlen weiter Rajkovic, Steinmann und, man höre und staune, auch der Brasilianer Cleber. Oha, noch so ein Denkzettel. Vom Neuzugang kommt auch zu wenig, er muss ebenfalls viel besser werden. Dagegen ist Kacar mit im Kader, und Ashton Götz. Bravo! Der junge Mann aus der Zweiten spielt sich seit Wochen mehr und mehr in den Vordergrund – und irgendwann wird er in dieser Mannschaft stehen. Das steht für mich jetzt schon fest. Allerdings für wen? Das wüsste ich im Moment noch nicht, denn eines ist unübersehbar: Dennis Diekmeier befindet sich in sehr guter Verfassung und dürfte so schnell nicht aus der Mannschaft fliegen. Dazu besteht zurzeit keinerlei Veranlassung, muss man mal klar und deutlich sagen.

 

Erstaunlich, das muss ich auch schnell noch erwähnen, ist für mich, dass „Slobo“ Rajkovic nach seinem Kreuzbandriss schon wieder so gut mitmischt. Das hätte ich im Sommer noch nicht vermutet, da dachte ich eher, dass er erst im nächsten Jahr wieder zur Mannschaft stoßen würde – aber Rajkovic ist gut in Schuss, wirkt schlanker und beweglicher als noch vor seiner schweren Verletzung. Er dürfte schon bald eine vollwertige Alternative für Joe Zinnbauer sein. Es geht also auch personell wieder bergauf – hoffentlich auch in Sachen Punktekonto an diesem Sonntag.

 

So, das war der Sonnabend im Volkspark in groben Zügen. Morgen sind bei „Matz ab live“ zwei ehemalige Profis zu Gast. „Scholle“ und ich, wir freuen uns auf Bastian Reinhardt und den (verletzten) Mann aus der Zweiten, Fabio Morena. Und wir würden uns freuen, wenn Ihr wieder so zahlreich wie zuletzt immer „einschalten“ würdet. Und, man kann es nicht oft genug wiederholen, dann möchte ich noch einmal (aber nicht zum letzten Mal) an den Termin des nächsten „Matz-ab-Treffens“ erinnern: Am 31. Oktober (Freitag), am Tag vor dem Leverkusen-Spiel, treffen wir uns um 19 Uhr im HSV-Restaurant „Anno 1887“ in Norderstedt, HSV-Anlage Ochsenzoll.

 

PS: Tabellenletzter wird der HSV an diesem Wochenende nicht mehr – dieser Spieltag hat gezeigt, dass sich auch andere Mannschaften Klatschen in München abholen können, nicht nur der HSV!

 

18.14 Uhr

Kampf, Einheit, Teamgeist – „Das muss jedem in die Birne!“

21. September 2014

Den HSV-Profis, jedem einzelnen, ob Torwart Jaroslav Drobny oder dem nicht eingesetzten Ersatzmann Valmir Nafiu, stand heute die Entspannung ins Gesicht geschrieben. Das 0:0 gegen Bayern München „fühlte sich wie ein Sieg an“, wie Stürmer Nicolai Müller sagte. Und vor allem fühlte sich die Stimmung im Stadion so an, als ob jetzt wirklich etwas entstehen könnte. Matthias Ostrzolek beschrieb die Atmosphäre sehr beeindruckt: „Natürlich fühlt es sich gut an, wie vor allem die Fans reagiert haben. Sie haben gesehen, dass wir als Einheit agieren und jeder für den anderen Gas gibt und alles raushaut. Was nach dem Spiel passiert ist, die Reaktion vom Publikum, das war echt gut.“

Die Reaktion der Fans war der Lohn für 90 aufopferungsvolle Minuten im Hamburger Volkspark. „Das war das erste Spiel seit Ewigkeiten, seit ich beim HSV bin, dass wir als Einheit aufgetreten sind“, meinte auch Heiko Westermann. „Es muss jetzt jedem in die Birne rein, dass wir immer so auftreten müssen – und zwar auch schon beim nächsten Spiel in Mönchengladbach.“

Bevor wir aber nach vorn schauen, noch ein paar Blicke zurück – und vor allem auf den Mann, der das Ganze letztlich zu verantworten hat: Joe Zinnbauer.

Wie er nach dem Abpfiff auf jeden einzelnen Spieler zugegangen ist und ihm in die Augen geschaut hat, auf den Rücken geklopft, das war schön zu sehen. Und es hatte womöglich seinen Ursprung in den Minuten vor dem Spiel. Mittelfeldspieler Tolgay Arslan berichtete gar von „Gänsehautstimmung“ in der Kabine bei der Ansprache des neuen Coaches. Dass dies Zinnbauers Stärke sein muss, wurde schon im Vorwege von allen gesagt, die bislang mit Joe Zinnbauer zu tun hatten. Nun hat er es offenbar in der HSV-Kabine aufblitzen lassen.

Ganz locker antwortete Zinnbauer auf eine entsprechende Nachfrage in der Pressekonferenz: „Mir hat ein Freund das Video von Jürgen Klinsmann von der WM 2006 geschickt – ich habe versucht, es nachzumachen. Nein, Spaß beiseite: Jeder hat halt seine Rituale, und so habe ich auch meine Rituale. Wenn Sie mir das jetzt so sagen, kriege ich auch eine Gänsehaut.“ Was auch immer Zinnbauer genau der Mannschaft eingeimpft hat, es ist angekommen.

Von der ersten Minute an hielten die kleinen Hamburger gegen die großen Münchner dagegen. Es wurde gepresst und war offensichtlich eine Maßgabe des Trainers, den scheinbar übermächtigen Gegner nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Und weil alle HSV-Spieler dieses Defensiv-Verhalten umsetzten, konnten Helden für einen Tag geboren werden.

Als besten Mann bezeichnete Joe Zinnbauer seinen Mittelfeldspieler Valon Behrami: „Behrami war für mich der springende Punkt, weil er wirklich brutal angeschoben hat und gelaufen ist – das habe ich überhaupt noch nicht gesehen. Er hat gepusht und alle Mitspieler immer wieder aktiviert, dagegen zu halten.“ Und deswegen fiel auch die Zentrale des HSV nicht auseinander, selbst wenn die spielerische Überlegenheit der Bayern mit 67 Prozent Ballbesitz und das Chancenübergewicht mit 15:4 Torschüssen am Ende deutlich auf der Seite des Favoriten war. Aber während des Spiels hatte es sich nur phasenweise so angefühlt, als liege wirklich ein Gegentreffer in der Luft.

Behrami also stark, und in ähnlichem Maße fand ich auch Tolgay Arslan stark. Er hatte gerade zu Beginn des Spiels einige kernige Ballgewinne sowie gute Aktionen nach vorn. Ganz besonders Klasse war sein Ballgewinn an der Seitenlinie nebst anschließendem Steilpass auf Pierre Michel Lasogga, bei dem der Stürmer schließlich einem möglichen Crash mit Bayern-Torwart Manuel Neuer aus dem Weg gegangen ist und zurückzog – schade, das hätte eine Riesen-Torchance werden können.

Zur Zentrale gehörte gestern auch Heiko Westermann, der Cleber wieder ersetzte. Zu seiner Rolle und den 89 Prozent gewonnenen Zweikämpfen sagte Westermann: „Ich habe vor der Saison schon gesagt: ich werde meine Spiele machen, auch wenn ich mal draußen sitze. Wichtig ist sowieso etwas anderes, nämlich dass wir als Team und Einheit auftreten und dass wir so schnell wie möglich da unten rauskommen.“ Vereins-Chef Dietmar Beiersdorfer wurde heute auch auf Westermann angesprochen. Beiersdorfer urteilte so: „Ja, Heiko hat sehr gut gespielt. Mit vollem Einsatz hat er alles gegeben für seine Mannschaft. Aber das haben auch alle anderen. Ich habe keinen gesehen, der sich nicht reingehauen hat. Es war eine sehr gute Mannschaftsleistung.“

Das sah auch Joe Zinnbauer so, der mögliche Lorbeeren gleich weiter verteilte: „Es gibt ja verschiedene Stellschrauben. Ich habe meine angesetzt, aber die Mannschaft hat es toll gemacht. Sie hat die Lorbeeren verdient – nicht ich.“ Einmal in Fahrt, lobte Zinnbauer sein neues Team gleich überschwänglich: „Wir haben einen Punkt gewonnen, der sehr wichtig war. Man hat gesehen, dass die Mannschaft intakt ist und der eine für den anderen arbeitet. Ich habe oft auf der Tribüne gesessen in den letzten Wochen und einiges Kritisches gehört. Aber das ist alles nicht so. Die Mannschaft ist brutal intakt. Es gibt keine faulen Äpfel.“

Soweit Zinnbauers Eindruck nach vier Trainingseinheiten und einem Spiel.

Zwei Personalien standen gestern auch noch im Blickpunkt – und das werden sie in den nächsten Tagen und Wochen vielleicht auch noch bleiben. Wenn wir ganz hinten anfangen, dann ist da zunächst natürlich die Torwartfrage. Jaroslav Drobny war wieder die Nummer 1 – und wird es wohl auch bleiben. „Ein Torwart ist entweder drinnen oder draußen“, wie Dietmar Beiersdorfer treffend sagte. Drobny ist gerade drinnen, schön für ihn und offenbar auch gut für die Mannschaft.

Was er denkt, wissen wir nicht genau – Drobny spricht schon lange nicht mit den Medien. Warum, weiß ich nicht – in jedem Fall tut es seiner Leistung keinen Abbruch, und wir alle können dem HSV nur wünschen, weiter einen sicheren Rückhalt zu haben. Rene Adler hat sich völlig verständlich in den vergangenen Tagen auch nicht zu seiner „Degradierung“ ins zweite Glied geäußert. Insofern können wir es bei diesen Fakten belassen und mutmaßen, dass es für die ehemalige Nummer 1 der deutschen Nationalmannschaft alles in allem ein herber Schlag sein muss, von einem 34 Jahre alten Kollegen verdrängt zu werden – auch wenn Adler ganz sicher nicht aufstecken wird.

Zweite Personalie, die ich anschneiden möchte, ist die Stürmerfrage. Auch im Bayern-Spiel galt: Pierre Michel Lasogga wirkt noch nicht fit. Dietmar Beiersdorfer hat zurecht darauf hingewiesen, dass er für sein Spiel auch ein paar andere Situationen benötigt, als sie sich gestern im Spiel ergeben haben. Er braucht Flanken und Aktionen im Strafraum. Die gab es nicht bzw. konnte es nicht geben. Aber: fehlende Grundschnelligkeit war trotzdem zu erkennen. „Ich sehe da aber kein Problem“, so Dietmar Beiersdorfer. „Er ist gerade dabei, seinen Trainingsrückstand aufzuarbeiten. Er hat sich aber aufgeopfert und ist marschiert. Ich glaube, von ihm konnte man nicht mehr verlangen. Er hat alles gegeben.“ Lasogga muss demnach also weiter Spielpraxis sammeln – wobei sein Stellvertreter Artjoms Rudnevs, der körperlich garantiert in Top-Form ist, mit den Hufen scharren wird. Und noch einmal zurück auf die oben angesprochene Flankenaktion, in der Neuer Lasogga zuvor kam: ein Stürmer mit Selbstvertrauen und dem richtigen Biss stellt sich dem Zusammenstoß und zieht nicht zurück. Geht Lasogga richtig hin, kann es Elfmeter oder sonstwas geben – SO konnte es gar nichts geben.

Joe Zinnbauer hat dann auch in der Stunde seines ersten kleinen Triumphs in der Bundesliga den Vorgänger nicht vergessen. „Mirko Slomka hat eine Mannschaft hinterlassen, die einen Top-Fitnesszustand hat. Da muss man auch Mirko Slomka ein Kompliment machen.“ Angesetzt, das hat Zinnbauer erklärt, hat er nicht in den Muskeln, sondern im Kopf.

Und noch ein Zeichen hat Zinnbauer gesetzt. In der 87. Minute verhalf er Matti Steinmann zu dessen Debüt in der Bundesliga. Der junge Bursche kam in der heißesten Phase des Spiels – was für ein Vertrauensbeweis Zinnbauers.

Nach diesem ersten Spiel unter Joe Zinnbauer bekam Dietmar Beiersdorfer darüber hinaus noch ein paar generelle Fragen zum neuen Trainer gestellt. Vermutlich wird er sich daran gewöhnen müssen, solange er dessen Status als „Bis-auf-Weiteres“-Trainer nicht abschließend definiert. Jedenfalls sieht sich Beiersdorfer im Moment bestätigt in seinen Aussagen. „Ich sehe keinen Grund, dass wir irgendetwas ändern. Dieser Pfad ist jetzt durchaus positiv zu bewerten. Der Trainer hat es sehr gut gemacht, wir haben die Reaktion der Mannschaft gesehen. Deshalb muss man in der Kommunikation nichts ändern.“ Er freue sich jedenfalls, so Beiersdorfer, dass Mannschaft, Trainer und Club sich positiv gezeigt hätten. „Mir geht es darum, dass wir vom Fleck kommen und Resultate erzielen, die eines Fußballvereins würdig sind. Nicht mehr und nicht weniger. Wir haben Joe ins kalte Wasser geworfen – von da muss man versuchen zu schwimmen, und das hat er sehr gut gemacht.“

Großes Lob und große Anerkennung also für diesen HSV, der beim Trainerdebüt überzeugen konnte. Die Vorsicht in den Urteilen ruht auf den Erfahrungen der Vergangenheit. Drei Mal hatte Fußball-Hamburg in der Amtszeit von Mirko Slomka schon gedacht, über den Berg zu sein. Zwei Mal wurden alle hart auf den Boden der Tatsachen zurück geholt.

Zum Slomka-Einstand bezwangen die Hamburger Borussia Dortmund mit 3:0. Legendär damals der 40-Meter-Freistoß von Hakan Calhanoglu, der am Ende ins linke Eck des Dortmunder Tores abbog. Statt nachzulegen, fingen die Hamburger in der Woche darauf ein 0:1 bei Werder Bremen.

Ein paar Wochen später kämpfte die Slomka-Elf den 1. FC Nürnberg im Volkspark mit 2:1 nieder. Nahm sie diesmal den Schwung mit nach auswärts? Nein, sie tat es nicht. Der HSV verlor beim VfB Stuttgart und dem neuen Coach Huub Stevens mit 0:1. Und die Mutter aller Rückschläge folgte am 29. Und 30. Spieltag. Zunächst 2:1 gewonnen gegen Leverkusen, ein packendes Freitagabend-Spiel für sich entschieden durch einen Volleyschuss von Heiko Westermann (es war die Geburtsstunde von „HW4“) – der HSV wähnte sich sicher im Kampf um die Erste Liga. Doch eine desaströse Leistung und ein 1:2 in Hannover sorgte diesmal für die harte Landung. Von da an war das Saisonende ein einziges Siechtum, das in der wundersamen Rettung in Fürth mündete.

Mit anderen Worten: Den Rückenwind aus dem Bayern-Spiel mitnehmen, das ist nun die Devise. Ergebnis und endlich auch mal Tore liefern im Borussia-Park, das ist jetzt ganz wichtig. „Es muss jedem in die Birne, dass wir in Mönchengladbach genauso auftreten müssen wie gegen die Bayern“, sagte Heiko Westermann. Und Dietmar Beiersdorfer ergänzte: „Gestern ist vorbei. Für gestern kann man sich nichts kaufen, wenn man nicht auch in Gladbach seine Leistung bringt.“

Dass gerade die Wankelmütigkeit in den Leistungen beim HSV zu stark war, weiß Beiersdorfer ganz genau. „Wir kennen diese Problematik“, sagt er. „Deswegen wollen wir jetzt in Mönchengladbach eine ähnliche Leistung sehen. Und natürlich auch mal Resultate. Wenn man als Fußballclub keine Erfolgserlebnisse hat, dann besitzt man auch keine Grundlage, diesen Sport auszuüben.“

Zu anderen Personalien. Der Blick auf die Ersatzbank verriet gestern zusätzlich ein wenig über Joe Zinnbauer. Er hatte Matti Steinmann ja nicht nur dorthin gesetzt, sondern ihm am Ende auch zu seinem Bundesliga-Debüt verholfen. Der Ankündigung, „wenn es nicht geht, hole ich Spieler aus der U 23 hoch, da kenne ich kein Pardon“, wurde Nachdruck verliehen. Auch durch die Kader-Berücksichtigung von Valmir Nafiu, der in den Trainingseinheiten unter Zinnbauer einen sehr guten Eindruck hinterlassen hat. Gojko Kacar, in Hannover noch Ersatz, saß so gestern nur auf der Tribüne.

Die beiden Angeschlagenen Rafael van der Vaart und Ivo Ilicevic werden dem HSV auch am Mittwoch in Mönchengladbach nicht zur Verfügung stehen. Der Kroate Ilicevic sagte gestern nach der Partie obendrein, er werde wohl noch eine Woche brauchen, so dass er dann auch für die Frankfurt-Partie am kommenden Sonntag keine Alternative sein dürfte.

Keinen neuen Zwischenstand gibt es unterdessen in Sachen Peter Knäbel. Der Sportdirektor des Schweizerischen Fußballverbandes wird ja als Direktor für den Profi-Fußball beim HSV erwartet – Vollzug konnte und wollte Dietmar Beiersdorfer an diesem Tag noch nicht melden.

Gestern in der Sportschau und später im Sportstudio wurden Ausschnitte eines alten Films über Joe Zinnbauer. Sehr schöne Bilder – der damals 24 Jahre junge Spieler des KSC war im Fußballer-Leben (mit Trainer Winfried Schäfer) und bei seiner Versicherungsagentur zu sehen. Hier

könnt Ihr den kompletten kleinen Film auf Youtube anschauen.

Für morgen und zur Einstimmung auf das Abend-Spiel in Mönchengladbach hat sich Joe Zinnbauer eine ungewöhnliche Trainingszeit ausgedacht – es wird um 18 Uhr am Volkspark trainiert. Am Dienstag, nach der Vormittagseinheit, geht es dann via Düsseldorf zum Spiel.

Lars
17.45 Uhr

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