Archiv für das Tag 'Nafiu'

Jetzt wird gebastelt und spekuliert

12. Juni 2013

Nun geht es wieder los. Namen, Namen, Namen. Mit denen der HSV in Verbindung steht, zu denen der HSV Verbindung aufnehmen möchte, die angeblich preiswert zu bekommen wären. Viel heiße Luft ist dabei – aber es ist Sommer, das passt. Und beim HSV ist es nach wie vor so, dass erst einmal verkauft werden muss, bevor eingekauft wird. Und in Sachen Heung Min Son zu Bayer Leverkusen ist auch heute, am Mittwoch, wieder nichts passiert. Es entwickelt sich, so wie es sich schon seit Monaten und täglich entwickelt. Und ich werde mir mal in den kommenden Wochen alle Namen, die hier durchs Dorf getrieben werden, notieren, um sie am Ende dieser aktuellen Transferperiode mal auf einen Schlag zu produzieren. Motto: Das wäre Ihr Preis gewesen. Beziehungsweise: Das wäre Ihre Mannschaft gewesen. Aber es ist ja wie jedes Jahr um diese Zeit: Es wird gebastelt und spekuliert. Und das kann ja auch Spaß machen.

Der erste Name, der gleich nach Saisonschluss in Hamburg fiel, war Bojan Krkic. Marktwert laut Transfermarkt: 13 Millionen Euro. Der Name hielt sich an der Elbe, bis HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow ein Machtwort sprach: „Krkic wird vom HSV nicht verpflichtet.“ Wie denn auch? Utopisch. An eine solche Gehaltsklasse können sich die Rothosen wohl erst wieder wagen, wenn der Verein mit neuen Strukturen ausstaffiert worden ist – und auch dann erst, wenn es mit Kontinuität zurück in die nationale Spitze geschafft worden ist. Bayerns Routinier Claudio Pizarro wurde ebenfalls in Hamburg gespielt, bis der Vertrag in München verlängert worden ist. Eren Derdiyok (ehemals Leverkusen) wurde gehandelt, aber da rief mich schon vor Tagen ein Kollege aus dem Westen an und beschwor mich: „Bitte, bitte nicht! Sage dem HSV unbedingt, dass er nicht zugreifen darf und soll, bitte. Ihr werdet sonst euer blaues Wunder mit ihm erleben . . .“ Dann hat der Kollege noch etwas mehr angefügt, aber das verschweige ich besser. Es ging darum, warum nicht Derdiyok . . . In Hoffenheim hat er ja auch nicht annähernd das gebracht, was sich die TSG vom Schweizer erhofft hatte.

Und seit heute kreisen nun die Spieler Douglas, Kaminski, Klose und Santa Cruz über dem Volkspark. Wobei ich mich schon freuen würde, wenn Santa Cruz käme. Aber bis dahin dürfte noch ein weiter Weg zu gehen sein. Marktwert drei Millionen. Das wäre wohl noch okay. Handgeld ja, keine Ablöse. Aber das Gehalt? Da fängt es schon an. Ich hatte sofort auch gedacht, der gute Mann war ja immer mal wieder (sehr) verletzungsanfällig, aber für Malaga hat er in der vergangenen Saison 46 Spiele bestritten, darunter zehn Einsätze in der Champions League. Das ist doch was. Ich habe immer sehr viel von Santa Cruz gehalten, und ich erinnere mit noch an die WM 2002 in Japan/Südkorea, bei der Deutschland auf Paraguay traf – und Santa Cruz, der sich eigentlich in sehr guter bis überragender Form befand, war zum Glück für die DFB-Auswahl leicht verletzt und somit nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Sonst hätte Deutschland damals im Achtelfinalspiel wohl nicht (ein wenig glücklich) mit 1:0 gewonnen. Roque Santa Cruz ist zwar bereits 31 Jahre alt, aber trotz allem glaube ich, dass er dem HSV durchaus noch zwei, drei Jahre helfen könnte. Könnte, das möchte ich betonen. Denn gerade heute habe ich gelesen, dass Manchester City seine Spieler am besten von allen Vereinen auf der Welt bezahlen soll. Und Santa Cruz gehörte bis zuletzt Manchester City. Und das kennen wir ja: Wer einmal so gut verdient hat, der kann – und will – sich nur höchst ungern an weniger gewöhnen. Das leben oder machen uns einige HSV-Spieler ja schon seit Jahren vor . . .

Hoch erfreut habe ich in Richtung Santa Cruz gelesen, was HSV-Sportchef Oliver Kreuzer (der Bild) gesagt hat: „Roque passt voll in unser Anforderungsprofil.“ Hoffentlich, denke ich so bei mir, hoffentlich gilt das nicht nur auf die sportliche Seite der Medaille bezogen. Hoffentlich.
Hoffentlich ist das auch finanziell gedacht. Sonst wäre das wohl auch echt fatal . . .

So, ansonsten aktuell nicht viel Neues. Claus Reitmaier ist neuer Torwarttrainer des Zweitliga-Clubs SC Paderborn, und HSV-Zugang Hakan Calhanoglu ist in der Dritten Liga zum Spieler des Jahres gewählt worden. Der Deutsche Fußball-Bund über den so geehrten Spieler:

Das Ausnahmetalent des Karlsruher SC steht in der Gunst der Fans von DFB.de und FUSSBALL.de klar vor Hansa Rostocks Ondrej Smetana sowie den Karlsruher Mannschaftskollegen Koen van der Biezen, Dirk Orlishausen und Rouwen Hennings. Calhanoglu tritt als Spieler des Jahres die Nachfolge von Arminia Bielefelds Fabian Klos an, der in der Vorsaison triumphiert hatte.
Calhanoglu, im Februar 19 Jahre alt geworden, hat schwindelerregende Monate hinter sich. Seine Saison lief wie im Zeitraffer: Abschluss eines Vier-Jahres-Vertrages beim Hamburger SV mit sofortiger Ausleihe zum KSC. 4:2-Überraschungscoup in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den neuen Klub. Siegesserie in der Liga nach Stolperstart. Schon mal nicht schlecht. Und weiter: Zweimal Spieler des Monats bei DFB.de und FUSSBALL.de, zum Auftakt der Saison und zum Abschluss. Aufstieg und Meisterschaft. 19 Tore und 17 Vorlagen, damit Topscorer seiner Mannschaft und die Nummer vier der Torjägerliste in der Dritten Liga – als Mittelfeldspieler.
„Toller Spieler, tolle Einstellung”, sagt Oliver Kreuzer, bis vor kurzem KSC-Manager und jetzt Sportchef des HSV, über Calhanoglu. Bei der Aufstiegsfeier verabschiedete sich Calhanoglu frühzeitig ins Bett, weil er tags darauf in Karlsruhes U 19 spielte. Auf eigenen Wunsch. Er half so mit, den Abstieg aus der A-Junioren-Bundesliga zu verhindern.

Ich sage es ja schon seit Wochen, sogar seit Monaten: Von Hakan Calhanoglu erhoffe ich mir in der nächsten Spielzeit eine ganze Menge – ohne ihn damit jetzt schon gewaltig unter Druck setzen zu wollen. Irgendwie aber habe ich die Hoffnung, dass er es gleich allen zeigen wird – weil er doch in der Tat ein Ausnahmetalent ist. Und dabei, das sollten wir dann nie vergessen, sollte sich jeder in Hamburg daran erinnern, dass dem HSV dieser Spieler von Frank Arnesen ins Haus gebracht wurde. Ich glaube in der Tat daran, dass sich der Däne damit ein „kleines Denkmal“ gesetzt hat. Und ich hoffe es auch für ihn.

So, dann möchte ich heute den sportlichen Rückblick auf die Saison 2012/13 abschließen – mit den HSV-Angreifern, die in dieser Spielzeit insgesamt 27 Tore von den 42 HSV-Treffern erzielt haben.

Heung Min Son
hat zwölf Tore erzielt und damit auch optisch einen großen Sprung nach vorn gemacht. Der Südkoreaner hat sich in den vergangenen zehn Monaten richtig, richtig gut entwickelt. So gut, wie ich es nicht, das gebe ich gerne zu, erwartet hatte. Für mich war Son lange Zeit ein ein wenig überschätzter Spieler. Das ist er aber nicht, das nehme ich im vollen Umfang zurück. „Sonny“ hat sich super entwickelt, hat körperlich zugelegt, er ist selbstbewusster geworden, mutiger und härter. Letzteres allerdings ist noch verbesserungsfähig. Und auch in Sachen Konstanz muss er noch deutlich zulegen, noch unterliegt er zu sehr größeren Schwankungen in seinen Leistungen. Dennoch denke ich, dass Son seinen Weg gehen wird – wenn er nun auf den richtige Trainer trifft. Und wenn nicht, dann wird wohl auch – wie immer – sein Vater, der stets überall mit dabei ist, schon darauf achten. Heung Min Son ist zudem ja ein enorm fleißiger Spieler, der auch immer, fast täglich, dann gearbeitet hat, wenn der HSV seinen Jungs frei gegeben hatte. Das ist vorbildlich. Und es sollte jedem jungen Mann, der glaubt, dass weniger mehr ist, zu denken geben. Von nichts kommt nichts, Son weiß das. Und sein Vater erst recht. Note zwei.

Artjoms Rudnevs
startete als Problemkind in die Saison. Im Training konnte er nicht überzeugen, und gespielt hat er am Anfang auch nicht – weil Berg den Vorzug erhalten hatte. Dann aber sorgten viele Sonderschichten (vorzugsweise mit Nikola Vidovic) dafür, dass Rudnevs besser wurde und dass sich sein Selbstbewusstsein vermehrte. „Rudi“ wurde – auch dank seiner zwölf Tore (!) – ein Publikumsliebling in Hamburg. Wer hätte das gedacht? Ich weiß, ich weiß, da will ich keine Wunden wieder aufreißen, ich hatte es nicht für möglich gehalten – aber die meisten User (von Matz ab) schon. Recht hattet ihr. Note drei.

Maximilian Beister
kam zu Saisonbeginn von Erstliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf zurück, aber so richtig Fuß gefasst hat er dann beim HSV eigentlich nicht. Verletzungen und zuletzt ein Platzverweis wirkten sich total störend aus, zudem hatte „Maxi“ das Pech, dass Rudnevs und Son plötzlich trafen, trafen und trafen. Kein Trainer der Welt hätte dieses erfolgreiche Pärchen auseinander genommen, um Beister zu bringen – Thorsten Fink tat es logischerweise auch nicht. Was dem „Ersatzmann“, dem vom Trainer stets eine „sehr gute Form“ attestiert wurde, zunehmend auf den Geist ging. Auch logisch. Du wirst immer wieder von höchster Stufe gelobt, aber du spielst nicht. Das geht irgendwann dem stärksten Mann auf den Geist. Beister auch. Er trainierte teilweise lässig und nachlässig, er ließ sich treiben. Da hätte eine härtere und damit korrigierende Hand eingreifen müssen, aber die gab es nicht. Weder Trainer noch Sportchef noch Cotrainer griffen ein. Auch deswegen sah Beister „Rot“ gegen Augsburg. Er wird hoffentlich daraus gelernt haben – und ich hoffe zu gleichen Teilen, dass auch die Verantwortlichen daraus gelernt haben. Jeder Klartext, der mit „Maxi“ Beister gesprochen worden wäre, hätte Früchte getragen, davon bin ich überzeugt. Und deswegen hoffe ich für das „freche“ Talent, dass ihm nicht allzu viele Konkurrenz-Stürmer vor die Nase gesetzt werden, damit er sich jetzt endlich einmal voll entfalten kann. Bis jetzt war das nur Note vier.

Marcus Berg
fand in dieser Saison praktisch nie statt. Elf Einsätze. Und in denen knüpfte er nahtlos daran an, was er vorher schon immer gezeigt hatte. Nichts. Viele Trainer hatten Geduld mit dem Schweden, auch Thorsten Fink, aber es kam nie etwas zurück. Verletzungen und Krankheiten taten ein Übriges, Berg kann wieder einmal auf ein Jahr zurückblicken, das ihn nur zurückgeworfen hat. Es kann nur besser werden für ihn, denn schlechter geht es im Profi-Fußball nicht mehr. Note sechs.

Schade, das muss ich an dieser Stelle noch einmal sagen (dürfen), schade, dass aus dem HSV-Nachwuchs kein Mann nachrückt, der Druck auf die arrivierten Angreifer machen kann. In der Regionalliga-Mannschaft werden sechs Spieler als Stürmer geführt: Valmir Nafiu, George Kelbel, Manuel Farrona Pulido, Josef Shirdel, Felix Brügmann und Mattia Maggio. Ich kann mir ein kleines Urteil erlauben, weil ich einige Viertliga-Spiele des HSV gesehen habe. Diese Stürmer sind alle talentiert, gewiss, aber sie können keinem Profi-Stürmer des HSV Angst und Schrecken einjagen. Da fehlt noch sehr viel, zu viel. Schade, schade. Körperlich gibt es noch so viel Nachholbedarf, und auch in Sachen Durchsetzungsvermögen. Zudem fehlt auch handwerklich einiges. Wobei ich nicht ausschließen kann und will, dass einem von ihnen doch noch einmal der Durchbruch in den Profi-Fußball gelingt. Es muss ja nicht unbedingt die Erste Bundesliga sein. Obwohl die ganz sicher auch immer an erster Stelle stehen sollte, so lange es noch Hoffnung gibt.

17.59 Uhr

Fink mit weckender Wutrede!

19. April 2013

Das saß! Aber wie! Um 16.31 Uhr unterbrach Thorsten Fink das Abschlussspielchen zum zweiten Mal und holte seine Schäfchen zusammen. Was dann folgte, das habe ich unter diesem Trainer noch nie erlebt. Thorsten Fink „donnerte“ seine Spieler zusammen, sodass ihnen anschließend kein Hut mehr passte. Das war nach alter Trainer-Kunst ein Gewitter, das hoffentlich alle Antennen der Herren Profis wieder auf „gerade“ gesetzt haben dürfte. Fink brüllte los wie noch nie: „Das will ich nicht sehen, hier macht schon wieder jeder was er will. In der vergangenen Woche habe ich euch das schon mal gesagt, und dann hat es in Mainz geklappt, aber jetzt läuft schon wieder alles durcheinander, da ist nichts mehr von Disziplin zu sehen. Hört zu, wenn ich etwas sage, und haltet euch gefälligst daran – ihr Penner!“ Das war eine einzigartige Explosion. Glückwunsch, Herr Fink, das war Maßarbeit. Wer jetzt nicht weiß, wie er morgen gegen Fortuna Düsseldorf zu ticken und zu funktionieren hat, der wird es wohl nie begreifen. Ich bin aber davon überzeugt, dass es nun jeder weiß: Heimsieg gegen Düsseldorf!

Ausschlaggebend für den Ausraster des Trainers war ein Eigentor von Heiko Westermann. Dadurch stand es plötzlich 1:0 für die Reservisten gegen das A-Team. Nach der Standpauke Finks waren Flanken von links und rechts angesagt, aber das Spiel war mit einem Schlag, mit einem Donnerschlag beendet worden. Und die gute Stimmung, die bis dahin geherrscht hatte, war mit einem Schlag vorbei. Wie belämmert schlichen die Spieler schweigend über den Rasen. Auch bei den Flanken herrschte Ruhe. Einmal allerdings, da gab es donnernden Applaus. Petr Jiracek hatte geflankt, Gojko Kacar volley eingehämmert (man muss es so nennen!) – und eine schwedische Reisegruppe, die vom an Krücken gehenden Marcus Berg angeführt wurde, stiftete den Beifall. Für ein wahrhaft tolles Tor. Kacar war darin die Nummer eins, Jacopo Sala und Valmir Nafiu schossen ebenfalls bildschöne Tore. Morgen wären dann mal Heung Min Son, Rafael van der Vaart und Marcell Jansen dran. Zum Beispiel.

Thorsten Fink erklärte nach dem laustarken Auftritt: „Ich hatte das Gefühl, dass hier schon wieder jeder macht was er will, und das kann es nicht sein. Ich wollte die Spieler wachrütteln, denn es geht doch für uns gegen Düsseldorf um viel. Das Training an sich war nicht schlecht, nur einige Dinge haben mir eben nicht gefallen, und deshalb musste das mal so sein, wie es war. Damit alle wach sind.“ Und das, ganz genau das, das ist auch gut so. Einen solchen hoch emotionalen Auftritt eines HSV-Trainers habe ich zuletzt zu Zeiten von Huub Stevens erlebt . . .

Nun bin ich mal auf die Reaktion der
Spieler gespannt. Düsseldorf müsste morgen eigentlich aufgefressen werden . . . Und ich habe mich mal in Sachen Bilanz schlauch gemacht: 45 Bundesliga-Partien gab es bislang zwischen beiden Clubs, 20 HSV-Siege, zwölf Unentschieden und 13 Niederlagen stehen zu Buche. Zu Hause hat der HSV 16 Spiele gewonnen. Mir fällt bei dem Stichwort Fortuna Düsseldorf sofort eine besondere Partie ein: Am 31. Mai 1997 spielte der HSV am Rhein 1:1 – es war das zweiten und gleichzeitig das letzte Spiel des HSV-Trainers Ralf Schehr, der ungeschlagen abtreten musste. Damals konnte mal als Journalist noch den Innenraum betreten, deswegen ging wir Hamburger mit dem Trainer in Richtig HSV-Kurve, wo sich die Spieler für die Unterstützung bedanken wollten. Es war ja das letzte Saisonspiel, der HSV endete damals auf Rang 13, war aber lange in höchster Abstiegsgefahr. Deswegen waren die mitgereisten Fans auch nicht besonders gut drauf. Eher war genau das Gegenteil der Fall, denn plötzlich prasselten Wasserbeutel auf die HSV-Spieler ein. Wobei ich heute sehr, sehr hoffe, dass es auch tatsächlich Wasser war . . . Auf jeden Fall verließen die Spieler und auch wir fluchtartig den Innenraum – ein etwas anderes Saisonende.

Hoffen wir, dass es morgen alles gut und friedlich über die Bühne geht. Woran ich aber keinen Zweifel habe. Der HSV will endlich wieder einen Heimsieg, und die Fortuna ist eigentlich auf einem leicht absteigenden Ast. Vor sechs, sieben Wochen hat doch am Rhein niemand im Ernst daran gedacht, dass Düsseldorf noch in Abstiegsgefahr geraten kann. Aber nun ist es geschehen, und damit muss diese Mannschaft – so plötzlich – zurechtkommen. Ob das noch gelingt? Die letzte Ergebnisse habe nicht bestätigt, dass dieser Abstiegskampf schon in Düsseldorf angekommen ist. Man darf gespannt sein . . .

Zu diesem Spiel gab es dann auch folgende Aussage – eines Hamburgers.
„Ich freue mich richtig auf das Spiel. Durch den Sieg in Mainz hat die ganze Mannschaft wieder Selbstvertrauen. Jetzt wollen wir nachlegen.“ Natürlich. Wer will das nicht. Der, der diese Aussage machte, ist Heung Min Son. Er will morgen gegen die in Abstiegsgefahr geratene Fortuna aus Düsseldorf nachlegen. Und der selbstverständlich will das auch der HSV. Denn es wird, wie ja schon seit Wochen verraten wird, immer nur von Spiel zu Spiel gedacht. Von der Papierform her dürfte der HSV an diesem Sonnabend vor einem leichten, okay, ich will mal von einem lösbaren Heimspiel reden, stehen.

Son weiter: „Wir haben ja auch noch etwas gut zu machen gegen Düsseldorf. Im Hinspiel
ist es ja nicht so toll gelaufen. Und dann gab es danach im Hotel mitten in der Nacht auch noch den Feueralarm . . .“ Ist nicht vergessen. Und der Südkoreaner hat ja auch allen Grund, weiter schön Gas zu geben – bei bislang elf Treffern will er es sicher noch nicht bewenden lassen. Er ist jedenfalls voll motiviert: „Ich finde es richtig geil, dass die Arena voll wird. Ich würde gern
wieder treffen – für unsere Fans. Vielleicht werde ich mir die Tore vom vergangenen Wochenende vor dem Spiel nochmal anschauen. Obwohl ich auch so schon motiviert bin ohne Ende.“ Er wird die einzige Spitze sein, hat vorerst Artjoms Rudnevs verdrängt. Son: „Vorn in der Spitze fühle ich mich auch am wohlsten. Hoffentlich können mir Rafa oder Milan wieder ein paar Bälle auflegen . . .“ Das hoffen wir auch.

Übrigens: Nicht im Kader für das Düsseldorf-Spiel ist Jeffrey Bruma. Auch ein Anzeichen dafür, dass sich die Wege des Niederländers und des HSV am Saisonende ganz sicher trennen werden. Der Club hat nicht das nötige Kleingeld, um Bruma vom FC Chelsea zu kaufen. Das hat ihm auch Sportchef Frank Arnesen bereits mitgeteilt, die Sache ist somit beschlossen und verkündet. Wobei ich gespannt auf den weiteren Verlauf der Bruma-Karriere bin. Er hätte das Zeug, ein Großer zu werden, aber dafür muss er sich deutlich mehr engagieren, als er es in Hamburg und beim und für den HSV getan hat. Schade, dass ein solches Talent solche Umwege einlegen muss.

So, gleich geht es los mit dem Matz-ab-Treffen im HSV-Restaurant “1887″ – die ersten Gäste sind bereits da.

18.36 Uhr

Erkenntnisse einer 0:1-Heimniederlage

7. April 2013

Bei Radio Hamburg suchen sie zurzeit neue Sportarten. Oder Menschen, die eine neue Sportart haben und sie vorstellen möchten. Und da hat sich an diesem Sonntag ein Moderator ganz nett und ganz fair bedankt, dass auch der HSV an dieser Aktion teilnimmt. Weil, so der Moderator, „das am Sonnabend gegen Freiburg ja kein Fußball war. Das war eine andere, eine neue Sportart“. Könnte man eventuell so sehen, muss man aber nicht.

Aber bevor ich nun auf den HSV komme, möchte ich das nachholen, was ich gestern versäumt habe: Herzlichen Glückwunsch dem FC Bayern München zu seiner 23. Deutschen Meisterschaft, dieser Titel ist ja so etwas von verdient – die Bayern spielen im Moment (und in der gesamten Saison) Fußball in einer anderen Liga. Sie sind eine der besten Mannschaften der Welt, ich glaube ja daran, dass sie alle drei Titel in dieser Saison gewinnen werden. So, wie sie diesmal die Liga dominiert haben, war das Extraklasse. Gratulation. Das war und ist Fußball – und keine neue Sportart.

Fußball wurde heute auch in der Regionalliga Nord gespielt, und da hatte der abstiegsgefährdete HSV eine prima Idee. Zum Auswärtsspiel beim BSV Rehden waren folgende Spieler im Kader von Trainer Rodolfo Cardoso: Jeffrey Bruma, Slobodan Rajkovic, Zhi Gin Lam, Jacopo Sala, Gojko Kacar, Christian Norgaard, Petr Jiracek und Valmir Nafiu.
Und nun dürfen alle diejenigen, die das Ergebnis noch nicht kennen, dreimal raten, wie das Punktspiel zwischen Rehden und dem HSV II endete.

4:1 für Rehden.

Unter den Zuschauern weilte auch Thorsten Fink. Der HSV II trat mit folgender Mannschaft an:

01 – Dehmelt, Tino TW
02 – Lam , Zhi Gin
03 – Sternberg, Janek
04 – Bruma, Jeffrey
05 – Rajkovic, Slobodan
06 – Kacar, Gojko
07 – Sala, Jacopo
08 – Norgaard, Christian
09 – Maggio, Mattia
10 – Nafiu, Valmir
11 – Jiracek, Petr

Die Torfolge: 1:0 Heyken (21.), 2:0 Arend (32.), 2:1 Bruma (71.), 3:1 Kosenkow (78.), 4:1 Bruma (80., Eigentor). Besonders Verkommnis: Rehden verschoss beim Stande von 4:1 noch einen Elfmeter.

Kommentar: überflüssig.

Wie das Punktspiel zwischen dem HSV I gegen den SC Freiburg I endete, das wissen wohl inzwischen alle. Wieder mal 0:1. Dazu befand HSV-Sportchef Frank Arnesen: „Wir müssen erkennen, dass wir zurzeit die Form nicht haben. Im Moment ist es schwer für uns. Die Mannschaft hat hart gearbeitet, aber wir haben kein Selbstvertrauen. Und du brauchst auch ein bisschen Glück, das hatten wir diesmal nicht.“

Trainer Thorsten Fink, für den in der Woche vor diesem Kick nichts anderes als ein Heimsieg in Frage gekommen war, musste ernüchtert feststellen: „Wir haben zwar eine kämpferisch gute Leistung gezeigt, nach vorne aber nicht die Durchschlagskraft gehabt. Aber wir haben natürlich auch gegen eine Mannschaft gespielt, die hervorragend organisiert war in der Defensive und die auf unseren Fehler gewartet hat.“ Dann befand der Coach auch noch: „Die Mannschaft wollte diesen Sieg unbedingt, aber es hat halt einfach heute nicht gereicht.“

So einfach ist das. Nun setzt für fünf tage wieder das Prinzip Hoffnung ein. Und spätestens am Donnerstag, da kenne ich etliche HSV-Fans mittlerweile ganz genau, ist jeder zweite Hamburger wieder von einem Auswärtssieg in Mainz fest überzeugt. Auch wenn sie vielleicht nur ein an 1:0 glauben – aber Sieg. Woher dieser Optimismus stammt, weiß ich nicht, aber er ist immer wieder da. Nach der größten Klatsche. Und so war das ja wohl nach dem 2:9-Debakel von vor einer Woche. Ab Donnerstag wurde von vielen doch nur vom Sieg über die „nicht ungefährlichen Freiburger“ referiert. Ich kann es nicht mehr hören. 1:1 gegen Greuther Fürth. 0:1 gegen den FC Augsburg, 0:1 gegen Freiburg – und die Träumer sterben nicht aus.

Zurzeit sitze ich in der Redaktion und gucke mir nebenbei Nürnberg gegen Mainz an. Die 05-Truppe wartet ja am Sonnabend auf den HSV. Und wenn ich mir dieses Spiel ansehe, und es mit dem Gekicke vom Sonnabend aus dem Volkspark vergleiche, dann muss ich sagen: Das ist Fußball, was ich jetzt sehe. Da wird – von keiner Mannschaft – 78-mal zum Torwart zurückgespielt, da gibt es kein langweiliges Quergeschiebe, keinen hilflosen Fünf-Meter-Pass, um dem Kollegen die Verantwortung für den Ball (und den Aufbau) in die Schuhe zu schieben – da gibt es eines: Ball nach vorne und versuchen, ein Ding zu machen. Das sieht auf jeden Fall nach Fußball aus. Und nach keiner neuen Sportart.

Übrigens, das sei schnell eingefügt: Nürnberg gewann 2:1 und zog am HSV vorbei – nur noch Tabelleplatz zehn für Hamburg.

Zurück zum HSV-Spiel. Thorsten Fink hat nach der 0:1-Pleite auch gesagt: „Man muss die Mannschaft jetzt aufbauen. Ich glaube nicht, dass man sie zusammenfalten sollte, denn sie hat heute alles gegeben – aber wir hatten heute nicht die Mittel, um den Sieg einzufahren. Klar sind wir deswegen alle enttäuscht, aber die Mannschaft hat gekämpft und gefightet. Ich denke, dass wir heute besser waren, dass wir aggressiv waren, dass wir in die Zweikämpfe gegangen sind, dass wir eng genug am Mann waren und dass wir nicht versucht haben, schön zu spielen, sondern einfach nach vorne.“

Letzteres mag vielleicht stimmen, aber wie langsam und umständlich geht das denn bitteschön über die Bühne – dieses „einfach nach vorne“. Da schläft man ja in schöner Regelmäßigkeit bei ein. Immer und immer wieder. Das ist doch längst das größte Manko des HSV, daran krankt es doch hauptsächlich. Das ist doch nur noch Schlafwagen-Fußball. Und in Sachen Rückpässe ist der HSV doch schon vor Wochen, viel, viel eher als die Bayern, Deutscher Rückpass-Meister geworden.

Und ich denke, dass das auch nichts (oder nicht viel) mit dem 2:9 von München zu tun hat, diese sensationelle Aufbau-„Geschwindigkeit“ steckt in dieser HSV-Mannschaft einfach mal drin. Es ist zum „Aus-der-Haut-fahren“. Wobei Rafael van der Vaart sagte: Wir waren verunsichert von letzter Woche. Aber wir haben gekämpft, alle haben gekämpft. Aber wir haben nicht gut genug gespielt, um zu gewinnen. Hoffentlich wird es nächste Woche besser.“
Ja, die Hoffnung. Wenn die nicht wäre. Woran würden sich denn sonst noch alle klammern? Woran? Van der Vaart hat natürlich auch den Unmut der Zuschauer mitbekommen, hat die Pfiffe nicht überhört. Der Niederländer dazu: „Die Fans sind natürlich unzufrieden, das ist doch logisch. Aber wir sind keine Champions-League-Mannschaft – das wissen unsere Fans auch.“
Hoffentlich. Hoffentlich bald auch alle und jeder. Rafael van der Vaart über die Gesamt-Situation: „Jeder ist im Moment unzufrieden, das ist klar, aber am Anfang der Saison waren wir ein Abstiegskandidat, und jetzt stehen wir in der Mitte.“ Und: „Natürlich fehlt der Mannschaft noch etwas.“

Oder auch etwas mehr.

Der HSV steckt meiner Meinung nach schon mittendrin – in einer Krise. Davon allerdings wollen die unmittelbar Beteiligten nichts wissen. Fink sagt: „Wir haben eine schlechte Phase, aber ich habe schon immer den Finger gehoben und gesagt, dass wir nicht abheben sollen.

Bei „Liga total“ sagte Dennis Aogo: „Ich mag das Wort Krise nicht wirklich, aber wir sind auf jeden Fall in keiner einfachen Phase. Kurz vor Schluss ist das natürlich bitter, denn jetzt muss man auf einmal Sachen besprechen, die wir eigentlich schon dachten, überwunden zu haben.“
Aogo zu Ambitionen Richtung Europa League: „Nach den letzten drei Spielen ist man dumm, wenn man dieses Wort noch in den Mund nimmt!“

So ist es.

Auf „Sky“ sagte Experte (und Rekord-Nationalspieler) Lothar Matthäus über die verpasste HSV-Wiedergutmachung nach dem Debakel in München. „Das Einzige, was besser war, war dass die Niederlage nicht so hoch ausfiel. Das war ein Katastrophenspiel vom HSV. Die Körpersprache fehlt, sie sind gar nicht anwesend. Diese Mannschaft lebt zurzeit nicht. Man muss es klar ansprechen, was falsch gemacht worden ist in den letzten Wochen. Und dann muss eine Reaktion kommen.“ „Sky“-Experte Jan-Aage Fjörtoft über die Hamburger Vorstellung: „Das ist der FC Gleichgültigkeit. Alle traben nur herum.“

Das kann man so sehen, muss man aber nicht.

Und zu „Loddar“: Vor einer Woche, als ich bei „Sky 90“ den guten „Charakter der Mannschaft“, den Thorsten Fink hervorgehoben hatte, anzweifelte, auch befand, dass der HSV bis auf Dortmund und Stuttgart in diesem Jahr meistens nur schlecht gespielt hat, das sagte der „ewige Loddar“ doch: „Das sehe ich anders als der Kollege aus Hamburg, denn der HSV hat ja schon elf Spiele gewonnen, da müssen doch einige sehr gute Spiele dabei gewesen sein.“ Waren es ja auch, nur das war 2012, lieber „Loddar“, das war 2012. Jetzt schreiben wir 2013, und der HSV stürzt ab. Wobei ich mich tatsächlich frage, was wohl in dieser HSV-Mannschaft vorgeht. „Rafa“ van der Vaart hat es ja gesagt: „Wir waren zu Saisonbeginn ein Abstiegskandidat.“ Stimmt. Aber dann entwickelte sich der HSV nach oben, gewann – elf Spiele – und der Anhang träumte von Europa. Genau eine solche positive Entwicklung hätte die Mannschaft doch beflügeln müssen. Motto: „Keiner hat vorher an uns geglaubt, aber jetzt wollen wir auch mehr, jetzt zeigen wir es allen. Auch das, was tatsächlich in uns steckt.“
Aber denkste Puppe.

Noch ein Wort zu Trainer Thorsten Fink. Weil ja viel spekuliert wird. Von wegen Entlassung, Beurlaubung, Trennung. Für Sportchef Frank Arnesen ist das „kein Thema“. Und Club-Chef Carl-Edgar Jarchow sagte zu diesen Gerüchten: „Wir sind mit der Arbeit des Trainers zufrieden und würden gerne mit ihm weitermachen.“ Und Thorsten Fink selbst? Er sagt auf die Frage, ob es nun eine Trainer-Diskussion geben wird: „Nein.“

Immer noch sage ich: „Das ist auch gut so.“ Denn eines hat mir mein Freund Joachim heute auch gesagt: „Du schreibst immer davon, dass der HSV um Kontinuität bemüht ist. Auch und vor allem in Sachen Trainer. Aber Kontinuität wäre es doch auch, wenn Fink gehen müsste. In zehn Jahren 13 Trainer, in elf Jahren 14 Trainer, in zwölf Jahren 15 Trainer, in 13 Jahren 16 Trainer . . . das ist doch auch Kontinuität, oder?“ Stimmt. So habe ich das noch gar nicht gesehen.

So, zum Ende noch ein anderes Thema. Das Hamburger Abendblatt hatte in der vergangenen Woche ein Trainings-Protokoll des HSV veröffentlicht. Dazu gab es einen Haufen von Zuschriften, zwei möchte ich davon stellvertretend veröffentlichen.

Moin Matze,

ich bin ein recht regelmäßiger Deines Blogs und schätze dieArt und Weise wie Ihr berichtet sehr. Für Fans des HSV, die nicht an jedem Spiel (von Trainings brauchen wir gar nicht erst reden) live teilnehmen können, ist es sehr interessant, so einen Eindruck in die Stimmung beim HSV zu erhalten.
In diesem Zusammenhang meine Frage. Was mich regelmäßig schockiert ist die Einfallslosigkeit, mit der bei uns die Spieleröffnung geschieht. Wir kreieren viel zu wenig zwingende Chancen und viele Abläufe wirken nicht eingeübt. Wenn ich mir jetzt das diese Interview von Thomas Tuchel anschaue und mit dem vergleiche, was Du über das Training des HSV schreibst, dann wird mir Angst und Bange…
Also – ist das Training tatsächlich so statisch und repetitiv wie ich den Eindruck habe oder täuscht das?

Viele Grüße, Andreas

Die Nummer zwei schrieb an das Abendblatt:

Liebe Abendblatt Redaktion

„Betreff Trainingsplan HSV“

Seit Montag verfolge ich mit Verwunderung und Schmunzeln den Trainingsplan unserer HSV Profi-Mannschaft. 1 ? Std Mannschaftstraining vormittags für Vollprofis, einfach nicht zu glauben!!!? Da trainieren Freizeitmannschaften mehr. Wahrscheinlich erklären die einträglichen Werbe- und PR-Auftritte? Diese zeitlich limitierte , ja lächerliche, Trainingseinheit.

Tipp: HA sollte über die Effizienz der Trainingseinheiten detailliert recherchieren um ggf. Missverständnissen und Häme vorzubeugen.
Mit freundlichen Grüßen, Roland Sch.

Ich möchte dazu sagen: Nicht ich habe dieses Trainings-Protokoll geschrieben, sondern zwei Kollegen. Und auch ich, das muss ich gestehen, habe mich in der vergangenen Woche gewundert, dass relativ wenig (an Zeit!) trainiert worden ist. Marcell Jansen sagte dazu: „Mag sein, dass es an Zeit wenig war, aber es war auf jeden Fall sehr intensiv.“ Ich möchte aber jene Fans warnen, die nur diese Trainingszeiten der vergangenen Woche beurteilen. Wir alle wissen nicht, was im Stadion trainiert wird, im Kraftraum oder in den Katakomben. Deswegen können wir stets nur das beurteilen, was wir draußen auf dem Platz sehen (können). Es ist also Vorsicht geboten, sich über das Pensum lächerlich zu machen.

PS: An diesem Montag wird im Volkspark nicht trainiert.

17.31 Uhr

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