Jetzt wird gebastelt und spekuliert
12. Juni 2013
Nun geht es wieder los. Namen, Namen, Namen. Mit denen der HSV in Verbindung steht, zu denen der HSV Verbindung aufnehmen möchte, die angeblich preiswert zu bekommen wären. Viel heiße Luft ist dabei – aber es ist Sommer, das passt. Und beim HSV ist es nach wie vor so, dass erst einmal verkauft werden muss, bevor eingekauft wird. Und in Sachen Heung Min Son zu Bayer Leverkusen ist auch heute, am Mittwoch, wieder nichts passiert. Es entwickelt sich, so wie es sich schon seit Monaten und täglich entwickelt. Und ich werde mir mal in den kommenden Wochen alle Namen, die hier durchs Dorf getrieben werden, notieren, um sie am Ende dieser aktuellen Transferperiode mal auf einen Schlag zu produzieren. Motto: Das wäre Ihr Preis gewesen. Beziehungsweise: Das wäre Ihre Mannschaft gewesen. Aber es ist ja wie jedes Jahr um diese Zeit: Es wird gebastelt und spekuliert. Und das kann ja auch Spaß machen.
Der erste Name, der gleich nach Saisonschluss in Hamburg fiel, war Bojan Krkic. Marktwert laut Transfermarkt: 13 Millionen Euro. Der Name hielt sich an der Elbe, bis HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow ein Machtwort sprach: „Krkic wird vom HSV nicht verpflichtet.“ Wie denn auch? Utopisch. An eine solche Gehaltsklasse können sich die Rothosen wohl erst wieder wagen, wenn der Verein mit neuen Strukturen ausstaffiert worden ist – und auch dann erst, wenn es mit Kontinuität zurück in die nationale Spitze geschafft worden ist. Bayerns Routinier Claudio Pizarro wurde ebenfalls in Hamburg gespielt, bis der Vertrag in München verlängert worden ist. Eren Derdiyok (ehemals Leverkusen) wurde gehandelt, aber da rief mich schon vor Tagen ein Kollege aus dem Westen an und beschwor mich: „Bitte, bitte nicht! Sage dem HSV unbedingt, dass er nicht zugreifen darf und soll, bitte. Ihr werdet sonst euer blaues Wunder mit ihm erleben . . .“ Dann hat der Kollege noch etwas mehr angefügt, aber das verschweige ich besser. Es ging darum, warum nicht Derdiyok . . . In Hoffenheim hat er ja auch nicht annähernd das gebracht, was sich die TSG vom Schweizer erhofft hatte.
Und seit heute kreisen nun die Spieler Douglas, Kaminski, Klose und Santa Cruz über dem Volkspark. Wobei ich mich schon freuen würde, wenn Santa Cruz käme. Aber bis dahin dürfte noch ein weiter Weg zu gehen sein. Marktwert drei Millionen. Das wäre wohl noch okay. Handgeld ja, keine Ablöse. Aber das Gehalt? Da fängt es schon an. Ich hatte sofort auch gedacht, der gute Mann war ja immer mal wieder (sehr) verletzungsanfällig, aber für Malaga hat er in der vergangenen Saison 46 Spiele bestritten, darunter zehn Einsätze in der Champions League. Das ist doch was. Ich habe immer sehr viel von Santa Cruz gehalten, und ich erinnere mit noch an die WM 2002 in Japan/Südkorea, bei der Deutschland auf Paraguay traf – und Santa Cruz, der sich eigentlich in sehr guter bis überragender Form befand, war zum Glück für die DFB-Auswahl leicht verletzt und somit nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Sonst hätte Deutschland damals im Achtelfinalspiel wohl nicht (ein wenig glücklich) mit 1:0 gewonnen. Roque Santa Cruz ist zwar bereits 31 Jahre alt, aber trotz allem glaube ich, dass er dem HSV durchaus noch zwei, drei Jahre helfen könnte. Könnte, das möchte ich betonen. Denn gerade heute habe ich gelesen, dass Manchester City seine Spieler am besten von allen Vereinen auf der Welt bezahlen soll. Und Santa Cruz gehörte bis zuletzt Manchester City. Und das kennen wir ja: Wer einmal so gut verdient hat, der kann – und will – sich nur höchst ungern an weniger gewöhnen. Das leben oder machen uns einige HSV-Spieler ja schon seit Jahren vor . . .
Hoch erfreut habe ich in Richtung Santa Cruz gelesen, was HSV-Sportchef Oliver Kreuzer (der Bild) gesagt hat: „Roque passt voll in unser Anforderungsprofil.“ Hoffentlich, denke ich so bei mir, hoffentlich gilt das nicht nur auf die sportliche Seite der Medaille bezogen. Hoffentlich.
Hoffentlich ist das auch finanziell gedacht. Sonst wäre das wohl auch echt fatal . . .
So, ansonsten aktuell nicht viel Neues. Claus Reitmaier ist neuer Torwarttrainer des Zweitliga-Clubs SC Paderborn, und HSV-Zugang Hakan Calhanoglu ist in der Dritten Liga zum Spieler des Jahres gewählt worden. Der Deutsche Fußball-Bund über den so geehrten Spieler:
Das Ausnahmetalent des Karlsruher SC steht in der Gunst der Fans von DFB.de und FUSSBALL.de klar vor Hansa Rostocks Ondrej Smetana sowie den Karlsruher Mannschaftskollegen Koen van der Biezen, Dirk Orlishausen und Rouwen Hennings. Calhanoglu tritt als Spieler des Jahres die Nachfolge von Arminia Bielefelds Fabian Klos an, der in der Vorsaison triumphiert hatte.
Calhanoglu, im Februar 19 Jahre alt geworden, hat schwindelerregende Monate hinter sich. Seine Saison lief wie im Zeitraffer: Abschluss eines Vier-Jahres-Vertrages beim Hamburger SV mit sofortiger Ausleihe zum KSC. 4:2-Überraschungscoup in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den neuen Klub. Siegesserie in der Liga nach Stolperstart. Schon mal nicht schlecht. Und weiter: Zweimal Spieler des Monats bei DFB.de und FUSSBALL.de, zum Auftakt der Saison und zum Abschluss. Aufstieg und Meisterschaft. 19 Tore und 17 Vorlagen, damit Topscorer seiner Mannschaft und die Nummer vier der Torjägerliste in der Dritten Liga – als Mittelfeldspieler.
„Toller Spieler, tolle Einstellung”, sagt Oliver Kreuzer, bis vor kurzem KSC-Manager und jetzt Sportchef des HSV, über Calhanoglu. Bei der Aufstiegsfeier verabschiedete sich Calhanoglu frühzeitig ins Bett, weil er tags darauf in Karlsruhes U 19 spielte. Auf eigenen Wunsch. Er half so mit, den Abstieg aus der A-Junioren-Bundesliga zu verhindern.
Ich sage es ja schon seit Wochen, sogar seit Monaten: Von Hakan Calhanoglu erhoffe ich mir in der nächsten Spielzeit eine ganze Menge – ohne ihn damit jetzt schon gewaltig unter Druck setzen zu wollen. Irgendwie aber habe ich die Hoffnung, dass er es gleich allen zeigen wird – weil er doch in der Tat ein Ausnahmetalent ist. Und dabei, das sollten wir dann nie vergessen, sollte sich jeder in Hamburg daran erinnern, dass dem HSV dieser Spieler von Frank Arnesen ins Haus gebracht wurde. Ich glaube in der Tat daran, dass sich der Däne damit ein „kleines Denkmal“ gesetzt hat. Und ich hoffe es auch für ihn.
So, dann möchte ich heute den sportlichen Rückblick auf die Saison 2012/13 abschließen – mit den HSV-Angreifern, die in dieser Spielzeit insgesamt 27 Tore von den 42 HSV-Treffern erzielt haben.
Heung Min Son
hat zwölf Tore erzielt und damit auch optisch einen großen Sprung nach vorn gemacht. Der Südkoreaner hat sich in den vergangenen zehn Monaten richtig, richtig gut entwickelt. So gut, wie ich es nicht, das gebe ich gerne zu, erwartet hatte. Für mich war Son lange Zeit ein ein wenig überschätzter Spieler. Das ist er aber nicht, das nehme ich im vollen Umfang zurück. „Sonny“ hat sich super entwickelt, hat körperlich zugelegt, er ist selbstbewusster geworden, mutiger und härter. Letzteres allerdings ist noch verbesserungsfähig. Und auch in Sachen Konstanz muss er noch deutlich zulegen, noch unterliegt er zu sehr größeren Schwankungen in seinen Leistungen. Dennoch denke ich, dass Son seinen Weg gehen wird – wenn er nun auf den richtige Trainer trifft. Und wenn nicht, dann wird wohl auch – wie immer – sein Vater, der stets überall mit dabei ist, schon darauf achten. Heung Min Son ist zudem ja ein enorm fleißiger Spieler, der auch immer, fast täglich, dann gearbeitet hat, wenn der HSV seinen Jungs frei gegeben hatte. Das ist vorbildlich. Und es sollte jedem jungen Mann, der glaubt, dass weniger mehr ist, zu denken geben. Von nichts kommt nichts, Son weiß das. Und sein Vater erst recht. Note zwei.
Artjoms Rudnevs
startete als Problemkind in die Saison. Im Training konnte er nicht überzeugen, und gespielt hat er am Anfang auch nicht – weil Berg den Vorzug erhalten hatte. Dann aber sorgten viele Sonderschichten (vorzugsweise mit Nikola Vidovic) dafür, dass Rudnevs besser wurde und dass sich sein Selbstbewusstsein vermehrte. „Rudi“ wurde – auch dank seiner zwölf Tore (!) – ein Publikumsliebling in Hamburg. Wer hätte das gedacht? Ich weiß, ich weiß, da will ich keine Wunden wieder aufreißen, ich hatte es nicht für möglich gehalten – aber die meisten User (von Matz ab) schon. Recht hattet ihr. Note drei.
Maximilian Beister
kam zu Saisonbeginn von Erstliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf zurück, aber so richtig Fuß gefasst hat er dann beim HSV eigentlich nicht. Verletzungen und zuletzt ein Platzverweis wirkten sich total störend aus, zudem hatte „Maxi“ das Pech, dass Rudnevs und Son plötzlich trafen, trafen und trafen. Kein Trainer der Welt hätte dieses erfolgreiche Pärchen auseinander genommen, um Beister zu bringen – Thorsten Fink tat es logischerweise auch nicht. Was dem „Ersatzmann“, dem vom Trainer stets eine „sehr gute Form“ attestiert wurde, zunehmend auf den Geist ging. Auch logisch. Du wirst immer wieder von höchster Stufe gelobt, aber du spielst nicht. Das geht irgendwann dem stärksten Mann auf den Geist. Beister auch. Er trainierte teilweise lässig und nachlässig, er ließ sich treiben. Da hätte eine härtere und damit korrigierende Hand eingreifen müssen, aber die gab es nicht. Weder Trainer noch Sportchef noch Cotrainer griffen ein. Auch deswegen sah Beister „Rot“ gegen Augsburg. Er wird hoffentlich daraus gelernt haben – und ich hoffe zu gleichen Teilen, dass auch die Verantwortlichen daraus gelernt haben. Jeder Klartext, der mit „Maxi“ Beister gesprochen worden wäre, hätte Früchte getragen, davon bin ich überzeugt. Und deswegen hoffe ich für das „freche“ Talent, dass ihm nicht allzu viele Konkurrenz-Stürmer vor die Nase gesetzt werden, damit er sich jetzt endlich einmal voll entfalten kann. Bis jetzt war das nur Note vier.
Marcus Berg
fand in dieser Saison praktisch nie statt. Elf Einsätze. Und in denen knüpfte er nahtlos daran an, was er vorher schon immer gezeigt hatte. Nichts. Viele Trainer hatten Geduld mit dem Schweden, auch Thorsten Fink, aber es kam nie etwas zurück. Verletzungen und Krankheiten taten ein Übriges, Berg kann wieder einmal auf ein Jahr zurückblicken, das ihn nur zurückgeworfen hat. Es kann nur besser werden für ihn, denn schlechter geht es im Profi-Fußball nicht mehr. Note sechs.
Schade, das muss ich an dieser Stelle noch einmal sagen (dürfen), schade, dass aus dem HSV-Nachwuchs kein Mann nachrückt, der Druck auf die arrivierten Angreifer machen kann. In der Regionalliga-Mannschaft werden sechs Spieler als Stürmer geführt: Valmir Nafiu, George Kelbel, Manuel Farrona Pulido, Josef Shirdel, Felix Brügmann und Mattia Maggio. Ich kann mir ein kleines Urteil erlauben, weil ich einige Viertliga-Spiele des HSV gesehen habe. Diese Stürmer sind alle talentiert, gewiss, aber sie können keinem Profi-Stürmer des HSV Angst und Schrecken einjagen. Da fehlt noch sehr viel, zu viel. Schade, schade. Körperlich gibt es noch so viel Nachholbedarf, und auch in Sachen Durchsetzungsvermögen. Zudem fehlt auch handwerklich einiges. Wobei ich nicht ausschließen kann und will, dass einem von ihnen doch noch einmal der Durchbruch in den Profi-Fußball gelingt. Es muss ja nicht unbedingt die Erste Bundesliga sein. Obwohl die ganz sicher auch immer an erster Stelle stehen sollte, so lange es noch Hoffnung gibt.
17.59 Uhr