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Keiner hat mehr Angst vor dem HSV

2. Januar 2014

Jetzt geht’s looohoos!
An diesem Freitag ist Trainings-Auftakt im Volkspark, und dann soll viel oder sogar alles getan werden, damit es ein erfolgreiches Jahr 2014 für den HSV wird. Ich hoffe es jedenfalls, dass es so ist, und ich drück dem Club und uns allen die Daumen, dass es so gemacht und auch so kommen wird. Schluss mit lustig, das hätte auf jeden Fall schon mal was, denn allzu lustig war es in den vergangenen Jahren ganz offenbar für die Spieler, nicht aber für die HSV-Anhänger. Nimmt man aber mal den heutigen Artikel im Hamburger Abendblatt, und da das Interview der Sportchefs Peter Wenig und Alexander Laux mit HSV-Sportchef Oliver Kreuzer, dann haben die Herren (nicht die vom Abendblatt, sondern die vom HSV) die Zeichen der Zeit erkannt, denn Kreuzer verspricht: „Der Trainer wird die Spieler in der Rückrunde härter anfassen, davon bin ich überzeugt.“ Na denn, Herr Kreuzer und Herr van Marwijk, auf zu neuen und viel, viel besseren Taten!

Die Agentur DPA hat dazu einen Bericht mit Auszügen des Interviews veröffentlicht:

Nach der drittschlechtesten Hinrunde der Vereinsgeschichte müssen die Fußball-Profis des Hamburger SV nach Ansicht von Oliver Kreuzer mit einer verschärften Gangart rechnen. Trainer Bert van Marwijk sei „erfahren genug, um seine Lehren zu ziehen. Er wird die Spieler in der Rückrunde härter anfassen, davon bin ich überzeugt. Dies muss auch so sein, wenn man die Ziele nicht erreicht“, sagte der HSV-Sportchef den Zeitungen „Die Welt“ und „Hamburger Abendblatt“.

Wie van Marwijk habe auch er „eine gewisse Selbstzufriedenheit“ im Team festgestellt, erklärte Kreuzer. „Nach nur einem Erfolgserlebnis glauben einige, dass es jetzt einfach so weitergeht.“ Bei nur fünf Punkten Vorsprung zum direkten Abstiegsrang müsse man „den Blick auch nach unten richten“, bekannte der Ex-Profi. „Aber ich bin sicher, dass wir in der Rückrunde mit dem kompletten Kader angreifen werden.“

Er setzt auf die Rückkehr verletzter Leistungsträger wie Heiko Westermann und Dennis Diekmeier sowie auf Rafael van der Vaart. „Er war nach seiner Verletzung ja in hervorragender Verfassung. Leider kam dann sein schwerer privater Schicksalsschlag.“ Van der Vaarts Lebensgefährtin hatte Anfang Dezember eine Fehlgeburt erlitten. „Mit 30 ist er im besten Fußballalter, er kann noch mindestens zwei bis drei Jahre auf höchstem Niveau spielen“, glaubt Kreuzer.

Mich hat eine andere Passage in diesem Interview angesprochen. Da sagt Kreuzer zum Beispiel: „Ich denke nicht, dass sich jemand (im Verein, „Ma“) mit Mittelmaß zufriedengeben sollte. Das ist jedenfalls nicht mein Weg. Ich will immer nach ganz oben. Und dafür muss man eben noch härter arbeiten.“

Jawollo, Herr Kreuzer, das ist es. Sie haben es erkannt, und ich hoffe, dass Sie dann auch darauf pochen werden – das Ding mit der Härte, mit dem härter anfassen.

Und dann sagte Oliver Kreuzer auch noch: „Ich bin mir sicher, dass wir in der Rückrunde mit dem kompletten Kader angreifen werden. Der Club braucht endlich Ruhe und Kontinuität. Hier gab es viel zu viele Trainerwechsel in den vergangenen Jahren.“ Genau. Aber wenn der HSV so weitermachen würde wie jetzt, dann würde es doch alles auf den nächsten Trainerwechsel zulaufen. Der Coach wird immer dann geopfert, wenn es nicht läuft – und beim HSV lief es zuletzt so oft und viel zu oft nicht. Jetzt hat es auch – neben anderen – Oliver Kreuzer in der Hand, Bert van Marwijk vor einem schnellen Ende in Hamburg zu bewahren. Das, was jetzt als Parolen ausgegeben wird, das klingt schon mal gut, sogar sehr gut, es muss jetzt nur noch umgesetzt werden. Und daran, genau daran, haperte es in der Vergangenheit – immer und immer wieder.

Und Sprüche, da bitte ich bei allen und jedem, der sich angesprochen fühlt, um Verzeihung, großmäulige und ach so kluge und fromme Sprüche haben wir doch auch in diesem Jahrtausend schon so viele gehört – die hängen einem längst zum Hals heraus. Wer glaubt das alles noch? Wenn ich allein an die Woche vor dem Mainz-Spiel zurückdenke. Da hatte es zuvor die bittere Pille mit dem 0:1 gegen Augsburg gegeben, und dann ist von allen HSV-Mitarbeitern, Spielern und anderen Angestellten, zu hören: „Wenn wir gegen Mainz gewinnen, dann sieht die Welt mit 19 Punkten schon viel besser aus, dann können wir in der Rückrunde noch einmal so richtig angreifen . . .“ Bla, bla, bla. Was für ein Haufen Blasen. Wo sind die 19 Punkte jetzt? Da wurde so getan, als wäre es das Einfachste der Fußball-Welt, sein Heimspiel gegen Mainz zu gewinnen. Was dabei dann herauskam, das wissen wir heute alle. Und solche Sprüche, wie die vor Mainz, gab es auch vor Augsburg, vor . . . Immer wieder. Nur riss sich in Wirklichkeit niemand den Hintern auf, um den klugen Sprüchen auch Punkte folgen zu lassen.

Wobei ich damit nicht ganz richtig liege. Einer riss sich immer den Hintern auf, wenn er spielte: Heiko Westermann. Er spielte nicht immer schön, aber er zerriss sich für diese Mannschaft, für dieses Publikum, für diesen Verein. Und Ihr werdet es vielleicht nicht glauben, aber ich kenne inzwischen etliche HSV-Anhänger, die dem ehemaligen SV-Kapitän Abbitte leisten. Sie, die anerkennen, was Westermann hier an guten Sachen und guter Einstellung geleistet hat, sagen mir heute (und so mancher schämt sich ein wenig dafür): „Man merkt, dass Westermann fehlt, er war wenigstens einer, der die Ärmel hochgekrempelt hat, um den Erfolg einzufahren. Davon gibt es kaum noch einen, wenn der HSV ohne Westermann spielt . . .“ Treffer, die Herren, Volltreffer! Ohne Heiko Westermann hat der HSV zuletzt nicht nur dreimal verloren, sondern auch kaum Kampfgeist gezeigt.
Aber es ist schon richtig, ein Schönspieler wird Westermann, der jetzt zum Glück wieder mitwirken kann, in diesem Leben nicht mehr. Nur, mal ganz ehrlich, haben wir nicht schon viel zu viele Schönspieler?

Apropos. Zu diesem Thema hat auch Rafael van der Vaart ein Interview mit der Sport Bild geführt, und auch dieses hat die Agentur SID aufgegriffen:

Van der Vaart: HSV fehlt die „Winner-Mentalität“

Kapitän Rafael van der Vaart (30) vom Fußball-Bundesligisten Hamburger SV hat seiner Mannschaft nach einer enttäuschenden Hinrunde die „Winner-Mentalität“ abgesprochen und einen Appell an seine Mitspieler gerichtet. „Jeder muss in den Spiegel gucken und sich fragen, ob er auch wirklich jeden Tag alles für den HSV gibt“, sagte der Niederländer in einem Interview mit der Sport Bild: „Nur außerhalb des Platzes reden, damit kommen wir nicht mehr weiter. Nach zwei guten Spielen hat man die Hoffnung, jetzt endlich den Sprung nach oben zu schaffen. Und was passiert? Wir verlieren wieder.“

Mit 16 Punkten liegen die Hanseaten nur auf Platz 14 der Tabelle. Auch der Trainerwechsel von Thorsten Fink zu Bert van Marwijk brachte nicht den erhofften Erfolg. Doch das Problem in Hamburg liegt laut van der Vaart tiefer. Zwar besitze das Team Qualität, „aber Qualität ist mehr, als nur den Ball anzunehmen und ihn dann weiterzuspielen. Es ist auch eine Kopfsache“, sagte van der Vaart: „Uns fehlt diese Winner-Mentalität.“ Früher „hatten die Mannschaften Angst, wenn sie nach Hamburg mussten. Und jetzt?“

Ja. Und jetzt? Keine Frage, das wissen wir doch alle. Jetzt hat eben keiner mehr Angst vor diesem HSV: Hamburger Schönspieler-Verein.

Bei der Gelegenheit, es wird ja weiterhin versucht, „abzuspecken“. Nicht mit nach Indonesien (ein Spiel am Montag. Anstoß 14 Uhr deutscher Zeit) und ins Trainingslager nach Abu Dhabi werden Valmir Nafiu und Gojko Kacar reisen. Sie sollen – wieder einmal – weg. W E C H! Ob das klappt? Da haben wir doch alle unsere Zweifel, oder? Mir fehlt da eine gewisse Logik, aber ich möchte mich gar nicht schlau machen – eil es schon seit Monaten, ja seit Jahren rauf und runter geht, aber sollen nicht noch andere Spieler abserviert werden? Nun gut, ich denke mal, dass die HSV-Herren ganz genau wissen, was sie da machen. Nafiu und Kacar bleiben hier, die anderen Abschiebe-Kandidaten sollen auch weg, dürfen aber noch mit auf die Tournee. Hoffentlich überleben sie alle, dass sie nun härter angefasst werden, ich drücke allen die Daumen.

So, dann gab es noch zwei Mails an mich, die ich auch gerne veröffentliche, obwohl sie auch Kritik an meiner Person beinhalten. Aber wenn es sachlich ist, dann ist daran absolut nichts auszusetzen – vielen Dank dafür:

Fehlende Einsichten

Wann erkennen und akzeptieren die HSV-Fans und -Verantwortlichen sowie die Hamburger Journalisten, dass die HSV-Mannschaft eine Durchschnittsmannschaft ist. Bis auf wenige Ausnahmen haben die maßlos überbezahlten Spieler keine Bundesligareife. Aus diesem Spielerstamm kann kein Spitzentrainer, durch welche Erziehungsmaßnahmen auch immer, ein Spitzenteam formen. Reformen der Strukturen, aber auch in den Köpfen, sind bitter nötig.
Otmar R.

Die zweite Mail gab es zum Abendblatt-Kommentar, den ich vor einer Woche (Freitag) im Blatt hatte:

Sehr geehrter Herr Matz,

so sehr ich Ihre Einschätzungen auch oft teile – in Ihrer letzten Kolumne stellen Sie m. E. die Situation falsch dar, wenn Sie den Trainer auffordern, die Mannschaft zu erziehen. Gerade im Spiel gegen Mainz lag es – anders als in manchen Spielen zuvor- keinesfalls an mangelhafter Einstellung, geringer Kampfbereitschaft oder fehlendem Einsatz. Die einzelnen Spieler und die Mannschaft sind leider nicht besser.

Insofern ist auch stupides Lauftraining – als Strafe – nicht die richtige Maßnahme. Die Mannschaft sollte vielmehr intensiv Laufwege, Flanken, Zweikampfverhalten, Tempospiel trainieren.

Mit freundlichen Grüßen,
Gaby T.

Ganz zum Schluss, weil ja nicht alle „Matz-abber“ HSV-Mitglieder sind, möchte ich gerne noch kundtun, was die HSV-Führung seinen Mitgliedern zum Jahreswechsel schrieb:

Liebe HSV-Mitglieder,

ein neues Jahr liegt vor unserem Hamburger Sport-Verein. Rückblickend möchten wir uns noch einmal bei Ihnen für die Unterstützung im Jahre 2013 bedanken, ehe der Blick ab sofort nach vorn geht. Und zwar auf ein wegweisendes Jahr für den HSV, mit der Mitgliederversammlung am 19. Januar und dem Baubeginn des HSV-Campus stehen uns zwei wichtige Daten unmittelbar bevor. Auf der Mitgliederversammlung haben Sie als Vereinsmitglied die Möglichkeit über die zukünftige strukturelle Ausrichtung des HSV, deshalb möchten wir Sie hiermit noch einmal auf die am Sonntag, den 19. Januar 2014 im CCH stattfindende Mitgliederversammlung hinweisen und Sie herzlich dazu einladen. Und der Bau des Campus, dessen Finanzierung viele Mitglieder und Fans durch die Jubiläumsanleihe aktiv mitgestaltet haben, soll den Grundstein für die langfristige, sportlich und damit auch wirtschaftlich erfolgreiche Entwicklung des Vereins legen.

Auch kurz- und mittelfristig blicken wir auf eine sportlich wichtige Zeit, denn mit unserer jungen Mannschaft haben wir einen neuen Weg eingeschlagen und verfolgen das Ziel, neben einer positiven Rückrunde auch nachhaltige Strukturen für eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen.

Vor uns steht also ein Jahr voller neuer Herausforderungen. Gehen wir sie gemeinsam an! Dafür wünschen wir Ihnen und dem gesamten Hamburger Sport-Verein viel Kraft und Erfolg. Und Ihnen persönlich selbstverständlich ein frohes, gesundes und erfolgreiches neues Jahr und in unser aller Sinn viel Freude mit dem HSV.

Mit blau-weiß-schwarzen Grüßen aus der Imtech Arena.

Ja, für heute schließe ich mich diesen Grüßen an, morgen ist “Scholle” wieder mal dran. Dann, am Freitag, wird um 10.30 Uhr im Volkspark trainiert, aber in zwei Etappen, immer nur eine Gruppe ist auf dem Rasen zu finden, die andere absolviert Fitness-Tests.

18.09 Uhr

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