Archiv für das Tag 'München'

Die Bayern sind schon da

21. Oktober 2010

Bayern kommt. Besser gesagt, seit 18 Uhr sind sie schon da, wohnen im schicken Le Meridien an der Alster. Allerdings waren es keine Hunderte mehr, die die Münchener am Flughafen empfingen. So, wie es früher durchaus mal vorkam. Nein, anfangs dachte ich sogar, der Glanz früherer Tage sei verflogen. Aber da habe ich mich selbst reingelegt. Inzwischen weiß ich, es ist nicht der Glanz der Bayern, der verflogen ist. Es ist der eigene Glanz, der die Bayern im direkten Duell nicht alles überstrahlen lässt. Der HSV hat aufgeholt. Sportlich. Finanziell. Und nicht wenige, auch ich zähle mich dazu, sehen diesen HSV im morgigen Nord-Süd-Klassiker sogar einen Hauch vorn. Immerhin haben wir nicht nur Hamburger Schietwetter sondern auch ein Heimspiel vor der besten Kulisse und in dem schönsten Stadion Deutschlands. Das alles nimmt dem einst übermächtigen Gegner zwar oberflächlich betrachtet etwas Reiz, nicht aber der Partie an sich. Ich erwarte ein Duell zweier Mannschaften, die beide zeigen werden, dass sie ganz oben in die Tabelle gehören. Ich freue mich auf einen hochinteressanten Fußballabend.

Dass beide Mannschaften dabei die eine oder andere Umbaumaßnahme gegenüber ihrer vermeintlichen Top-Elf vornehmen müssen, stört mich nicht. Im Gegenteil. Trotz etlicher Ausfälle zählen beide Klubs zu den Teams, die auch mit der zweiten Reihe eine vermeintlich erste Elf aufstellen. In Mainz schaffte das der HSV, die Bayern gegen Hannover (3:0) und Cluj (3:2). Die Umstellungen brachten sogar neue Helden hervor. Beim HSV waren es Paolo Guerrero mit dem späten Siegtreffer und Piotr Trochowski, der nicht nur für Armin Veh „ein sehr gutes Spiel gemacht hat, weil er zuvor auch gut trainiert hat“. Zudem haben beide das Ärgernis nach dem Bremen-Spiel verarbeitet, als Veh ihn noch auf dem Platz direkt nach Schlusspfiff arg zusammenstauchte. „Ich war schon sauer“, gab Troche heute zu. Immerhin habe er nicht absichtlich Fehler machen wollen. Es sei auch nicht der beste Moment gewesen, so direkt nach dem Spiel und auf dem Platz vor laufenden Kameras. Troche weiter: „Aber wir haben darüber gesprochen und es war schon zwei Tage danach komplett ausgeräumt.“

Zumindest legte sich Veh heute schon sehr früh auf seine Offensive mit Guerrero neben Ruud van Nistelrooy und Trochowski dahinter in der zentralen Offensive fest. „Es gibt keinen Grund etwas zu ändern“, so Veh klar. Selbst die Rückkehr von Mladen Petric, der sich in den beiden letzten Heimspielen gegen die Bayern jeweils mit einem Treffer zum Matchwinner hervorhob, ändert daran nichts. Veh: „Es ist schön, dass er wieder gesund ist. Er wird in den Kader rücken.“ Das übrigens für Änis Ben-Hatira. „Aber“, betonte Veh heute, „Mladen wird nicht von Beginn an spielen.“

Stattdessen war gestern der bereits komplett abgeschriebene Mario Gomez großes Thema. Der hatte, nachdem in der Nationalelf Torschütze, endlich auch in der Bundesliga seine Tore gemacht. Und wie! Zuerst Hannover mit drei Treffern erlegt, traf er – zugegebenermaßen glücklich angeschossen – auch gegen die Rumänen in der Champions League. „Der ist kräftig, schnell, beidbeinig schussstark, groß und kopfballstark. Er hat alles, was ein guter Stürmer braucht“, sagt Veh, der Gomez einst zum Durchbruch in der Bundesliga verhalf. Gomez’ erstes Bundesligaspiel war übrigens vor sechs Jahren und fünf Monaten – in Hamburg gegen den HSV. Gutes Omen: Gomez verlor bei seiner Premiere dank der Treffer von Stefan „Paule“ Beinlich und Nico Hoogma mit 1:2.

Soviel zur Vergangenheit. Sicher schöne Erinnerungen – aber die Gegenwart ist nicht schlechter. Zumindest, wenn ich das letzte Spiel und das heutige Training als Maßstab nehme. Einzige Ausnahme: der Rasen. Wie der schon wieder aussah nach der knapp 38-minütigen (!!) Einheit bei Dauerregen – eine Katastrophe! Da wird Greenkeeper Reiner Reißner, der zusammen mit fünf weiteren Helfern gleich nach dem Training die gröbsten Löcher stopfte, heute Abend noch die eine oder andere Extraschicht einlegen müssen, um die Hälfte zur Nordkurve hin wieder in Schuss zu bekommen.

In Schuss ist dafür wieder Collin Benjamin. Der sympathische Allrounder wusste gestern im Training nach seinen drei Tagen Pause (er hatte Knieprobleme) zu überzeugen. Ihr erinnert Euch, er sagte, er sei „heiß wie Frittenfett“, er würde „sogar mit nur einem halben Bein gegen Bayern auflaufen“ wollen, hatte er angekündigt. Immerhin ist es morgen für den dienstältesten HSV-Spieler das erste Spiel von Beginn an seit dem 34. Spieltag 2008/2009 in Frankfurt.

Vor ihm spielt, so zeichnete es sich heute im Training ab, Jonathan Pitroipa wieder. Wie schon vor dem Mainz-Spiel befürchtet, bestätigte Gojko Kacar beim FSV seine vorausgegangene „Leistung“ im Abschlusstraining am vergangenen Freitag. Konsequenz ist die Rolle des Reservisten, die er sich mit Petric, dem in Mainz wieder formschwachen Guy Demel, Robert Tesche, Maxim Choupo-Moting und Jaroslav Drobny und Muhamed Besic teilen darf.

Apropos Besic. Der 18-Jährige, der in der Vorbereitung alle begeistert hatte, wurde in der Woche von Veh als Rechtsverteidiger getestet. Und er machte seine Aufgabe so gut, dass Veh ihn auf dieser Position sogar „eine echte Alternative“ nannte. Eine Ohrfeige für Guy Demel, der Ritterschlag für den jungen bosnischen Jugendnationalspieler, der auch intern zu begeistern weiß. Im Training immer einer der fleißigsten, ist Besic lernwillig. Komplimente nimmt er an, sie freuen ihn sicher auch. Aber er ruht sich nicht darauf aus. „Der zieht immer durch“, lobt Abwehrchef Joris Mathijsen, „und auch wenn das eigentlich der normale Weg für einen Jungen ist, ist das heutzutage nicht zwingend selbstverständlich.“

Gegenbeispiele wie Änis Ben-Hatira (der sich inzwischen gefangen hat!) oder einst auch Marek Heinz, der zwar alles im Fuß, aber leider zu wenig im Kopf hatte (zumindest auf den Fußball bezogen), gibt es ausreichend. Mathijsen: „Besic zeigt, dass er dabei bleiben will. Er verdient es sich sogar.“ Mehr Kompliment geht kaum.

Trotzdem reicht es für Besic noch nicht für die Startelf. Die dürfte für Euch erkennbar sein. Das Schema: Rost – Benjamin, Westermann, Mathijsen, Jansen – Pitroipa, Rincon, Trochowski, Zé Roberto – Guerrero, van Nistelrooy. Mal wieder eine Anreihung exzellenter Namen. Wenn man sich die Bayern gegenüberstellt, wird auch dem letzten Fußballliebhaber klar sein, dass morgen ein echtes Spitzenspiel ansteht. Das Ganze liest sich noch besser als vor dem Duell beim Tabellenführer und bis dahin „Sieben-Mal-Hintereindersieger“ Mainz, oder?

Egal wie, die Einschätzung von Veh, dass die Chancen bei 50:50 liegen teile ich nicht ganz. Aber es wird ein harter Gang. Für beide Mannschaften, das ist sicher. Trochowski, der – Fußballer sind eben abergläubisch – zusammen mit Mathijsen wie nach jedem erfolgreichen Spieltag auch heute wieder die Presserunde besuchte, sagte ganz klar: „Die Bayern haben in den letzten Jahren gemerkt, dass wir ihnen Probleme machen. Aber wenn wir glauben, dass es leicht wird, weil es bei denen noch nicht so rund läuft, dann täuschen wir uns. Die sind deutlich besser, als der Tabellenstand es aussagt.“

Immerhin sind die Bayern, für die meisten Experten neben Borussia Dortmund noch immer der absolute Topfavorit auf den Meistertitel, im Moment nur Zehnter. „Sie sind und bleiben das Aushängeschild des deutschen Fußballs“, schwärmte Veh heute. Der Rekordmeister sei zudem immer in der Lage eine Serie zu starten. Eine Siegesserie wohlgemerkt. Womit Veh genau den Reiz hervorgehoben hat, den der FC Bayern immer mitliefert: Siege über den Besten, den vermeintlich Übermächtigen sind immer die schönsten. Auch wenn sie vielleicht eigentlich gar nicht mehr übermächtig sind.

In diesem Sinne, nur der HSV!

19.22 Uhr.

HSV: Nur Hiobsbotschaften verlässlich

1. März 2010

Irgendwie ist Ernüchterung eingekehrt. Geht es Euch auch so? Falls nicht, vermeidet einen Blick auf die Bundesligatabelle. Das 0:1 bei den Bayern ist ja eigentlich kein Beinbruch, aber wenn man es dann im Vergleich zur unmittelbaren Nachbarschaft in der Tabelle betrachtet, ist es ein, wenn nicht sogar der entscheidende Schritt zurück. Acht Punkte zum Tabellendritten Schalke sind trotz Drei-Punkte-Regelung , trotz des noch ausstehenden Heimspiels gegen die Königsblauen eine aus meiner Sicht unüberwindbare Hürde. Und das heißt im Umkehrschluss, dass heute ein neuer Saisonabschnitt beginnt: der Kampf um die gesicherte Europa-League-Teilnahme.

Die kühnsten Optimisten unter Euch werden mich jetzt womöglich für einen Schwarzseher oder Berufspessimisten halten. Acht Punkte Rückstand haben schließlich schon ganz andere Mannschaften aufgeholt. Aber wenn wir mal ganz ehrlich sind, trennen diesen HSV eben auch gerechterweise so viele Punkte von der Königsklasse. Hamburg ist im Gegensatz zu Leverkusen, den Bayern oder auch Schalke noch nicht in der Lage, konstant über 15-20 Spieltage auch mal schwächere Partien knapp zu gewinnen – oder eben nach so einem Rückschlag wie dem überraschenden Gegentor gestern noch einmal eine gehörige Schippe draufzulegen und den eigentlich verdienten Ausgleich zu erzwingen.

Das alles hat natürlich Gründe. Es gibt viele von Euch, die halten den HSV ab der 75. Minute für dauerhaft gefährdet. Die vermissen in dieser Phase die „zweite Luft“, die zweifeln den konditionellen Zustand an. Diesen Leuten möchte ich nicht widersprechen, jedenfalls nicht gänzlich. Sicherlich gibt es fittere Mannschaften (Schalke zum Beispiel), aber angesichts der vielen Verletzten des HSV in den vergangenen Wochen und Monaten ist leichter Nachholbedarf bei dem einen oder anderen (z.B. Boateng, Zé Roberto, Petric) doch logisch – und das lässt sich natürlich auch nicht aus einem gesamten Team streichen. Trotzdem denke ich nicht, dass der körperliche Zustand der Hauptgrund für die klaffende Lücke zu Rang drei und den Topteams ist.

Mein Ansatz für diesen Missstand liegt eher in der Qualität des Einzelnen. Ich sage es mal so krass: Franck Ribery war gestern in München einer der schwächsten Spieler auf dem Platz. Aber, und da setzt eben die Fußball-Logik ein, Louis van Gaal hat ihn trotzdem auf dem Rasen gelassen, weil er genau weiß, dass dieser Franzose selbst an seinen schlechtesten Tagen den Unterschied ausmachen kann. Und genau den hat er gestern ausgemacht. Ein einziges Mal konnte er mehr oder weniger problemlos den Haken nach innen schlagen und in Schussposition kommen – kläglich verteidigt von Guy Demel und David Rozehnal: Siegtor. Dass der Fehler vorweg, der mindestens genauso schwer war, im Mittelfeld des HSV lag, darf man nicht verschweigen. Aber letztlich war es trotzdem die individuelle Qualität, die den Bayern diesen goldenen Treffer beschert hat.

Ich habe mir heute Morgen mal die Mühe gemacht und habe mir Schalkes erfolgreichen Derby-Kader angeschaut. Ich möchte mir nicht anmaßen, alle Schalker Spieler und ihre Qualitäten bestens zu kennen, aber der Unterschied zwischen den einzelnen Profis ist bestimmt nicht so groß, dass man ihn in der Tabelle mit acht Punkten Differenz belegen müsste. Also haben die Schalker einen anderen Vorteil, den der HSV derzeit oder schon seit einigen Wochen nicht einbringen kann. Vielleicht ist es dieser unbedingte Glaube an die eigene Stärke. Das Selbstvertrauen zu wissen, dass selbst Spiele, in denen man unterlegen ist (und so ging es Schalke gegen den BVB eine ganze Zeit…), positiv enden können.

Beim HSV registriere ich momentan eine andere Psyche. So platt es klingen mag, aber gestern nach dem 0:1 hatte ich den Eindruck, fast das gesamte Team falle in sich zusammen. Bruno Labbadias Kicker wirken mental etwas müde, was nach dem Krimi in Eindhoven möglicherweise auch nicht überraschend ist. Das einzig Verlässliche, so scheint es, sind keine eigenen Treffer in schweren Zeiten, sondern stetig neue Rückschläge in Form von Verletzungen. Mal ist es Petric, nun ist es Frank Rost. In Sachen personelle Hiobsbotschaften ist der HSV längst meisterlich. Und dass Ruud van Nistelrooy die längste Muskelverhärtung aller Profis überhaupt hat, passt da leider bestens ins Bild.

Ich habe heute mit vielen Experten, HSV-Zuschauern und Fans gesprochen. Sie alle haben die Titelträume schon seit längerem zu den Akten gelegt, sie haben die gestrige Pleite frustriert zur Kenntnis genommen und wirkten auf mich, als hingen sie jetzt gerade in einem Loch. Ich hoffe nur, dass es den HSV-Profis nicht ähnlich geht. Das Heimspiel gegen Hertha BSC am Sonnabend wird zehnmal schwerer als das Match in München. Der Frustpegel vieler Fans und Spieler ist am Anschlag, nun gilt es für Trainer Labbadia, behutsame Aufbauarbeit zu leisten. Und so blöd es auch klingen mag. Zum Startschuss des neuen Saisonabschnitts, dem Kampf um die sichere Europa-League-Teilnahme, liegt der HSV an der Spitze. Und die gilt es zu verteidigen.

Bevor ich es vergesse: Zur Personalie Frank Rost gibt es wie versprochen an dieser Stelle Neuigkeiten. Er hat sich “nur” eine Ellbogenprellung zugezogen. Was das für die kommenden Spiele und Trainingseinheiten bedeutet, werden die kommenden Tage zeigen. Gebrochen ist glücklicherweise nichts.

PS: Bitte missversteht meinen Eintrag nicht als Nörgelei. Ist eher ein kurzer Einbruch des grenzenlosen Optimismus in Sachen “Angriff auf Platz drei”. Aber gen Ende hatte ich mich wieder erholt – schließlich sind Labbadias Mannen Tabellenführer der Top-3-Jäger! Und dabei soll es bleiben.

13:45/15:00 Uhr

Was vorher passiert

28. Februar 2010

Um Mladen Petric muss noch bis kurz vor dem Anpfiff um 17.30 Uhr gezittert werden. Erst in der Allianz Arena wird es den Härtetest geben, der darüber befinden soll, ob der Torjäger trotz seines Bänderanrisses im Fuß eingesetzt werden kann. Bis um 15.30 Uhr hält sich die HSV-Mannschaft noch im Münchner Hotel Kempinski (am Flughafen) auf, dann geht es mit dem Bus zur Arena.

Wie sieht ein Auswärtsspiel des HSV überhaupt aus? Wie zum Beispiel jetzt der Ausflug zu den Bayern? Am Sonnabend flog die Mannschaft um 17 Uhr aus Fuhlsbüttel nach München, um 18.30 Uhr wurde das Hotel bezogen. Das Abendessen stand für 19 Uhr auf dem Programmplan, anschließend haben die Spieler Freizeit. Die meisten Profis nutzen diese, um sich pflegen und massieren zu lassen. Abends trafen einige Hamburger Spieler noch Freunde und Bekannte, die zum Klönen ins Hotel gekommen waren, andere hielten sich auf ihren Zimmern auf und sahen fern. Es gibt bei Auswärtsfahrten (oder Trainingslagern) sowohl Zwei-Mann-Zimmer als auch Einzelzimmer. „Matz-abber“ hatten zuletzt beim Treffen in der Raute gehört, dass Routinier Bastian Reinhardt in den letzten Jahren stets allein auf einem Zimmer logierte – ein Privileg, dass meistens den erfahrenen Profis und den Führungsspielern zugestanden wird..

Eine Bettruhe, wie es sie zu Zeiten von Sepp Herberger einst gab, ist nicht (mehr) angeordnet, diese Zeiten gehören längst der Vergangenheit an. Jedem Spieler ist heute es selbst überlassen, wann er ins Bett geht und wann er dann auch das Licht ausknipst. Natürlich aber verlässt niemand mehr das Hotel, und selbstverständlich sitzt auch niemand von den Profis noch um Mitternacht vor einem Spiel in der Hotelbar.

Auch ein gemeinschaftliches Wecken, wie es das früher einmal gab, gibt es am Spieltag nicht. Dafür ist jeder Spieler selbst verantwortlich. Der erste Pflichttermin am Sonnatg war um 9.15 Uhr das Frühstück, da heißt es denn auch, absolut pünktlich zu erscheinen. Im Anschluss daran gibt es die Besprechung, die den Fokus aller Spieler auf das bevorstehende Match richten soll. Darin wird den Spielern von den Trainern (auch anhand von Videos) die Spielweise des Gegners näher gebracht, werden Stärken und Schwächen besprochen, und es werden zum Beispiel auch Standards gezeigt und beleuchtet. Ein so genanntes „Anschwitzen“ der Mannschaft, ein kurzes Aufwärmen und Ausschütteln auf einem Trainingsplatz oder auch im Stadion, gab es in München nicht, gibt es allgemein bei einem Bundesliga-Spiel (jedenfalls in den meisten Fällen) nicht. Das steht nur bei Spielen im Europapokal auf dem Programmplan.

Nach der ersten Besprechung, die in der Regel 15 bis 20 Minuten dauert, gab es in München einen kurzen Spaziergang. Neben dem Kempinski gibt es einen kleinen Park am Flughafen, durch den schlenderten die Hamburger Spieler, ihre Trainer und Betreuer (alle, das ist ein Pflichttermin), während zur selben Zeit aus dem Hotel der DSF-Doppelpass gesendet wurde.

Für 14 Uhr hatte Trainer Bruno Labbadia heute das Mittagessen anberaumt, danach gibt es noch einmal eine ganz kurze, etwa fünfminütige Besprechung, in der der Coach auch die Mannschaftsaufstellung bekannt geben wird. Was diesmal mit dem Fragezeichen Petric geschieht, denn noch weiß niemand, ob der Stürmer auch tatsächlich dabei ist.

Um 15.30 Uhr erfolgt dann die Abfahrt zur Allianz Arena, um 17.30 Uhr erfolgt der Anstoß der Partie gegen die Bayern – und so gegen 19.20 Uhr steht dann (wohl) der fünfte Auswärtssieg des HSV fest.

14.18 Uhr

Labbadias Baustellen

24. September 2009

Pleite abhaken, Mund abwischen, nach vorne gucken. Ich wollte mich nach der Blamage von Osnabrück eigentlich an dieses Fußballermotto halten. Ist aber gar nicht so einfach. Vor allem dann nicht, wenn alle Fußballinteressierten fast überall über dieses Pokalaus reden. Und damit meine ich nicht nur die HSV-Fans. Meine Kollegen, die in Bremen waren, haben von Hupkonzerten auf der Autobahn erzählt, die sich während des Elfmeterschießens des HSV (und den Radio-Liveübertragungen) abspielten. Schadenfreude, Hohn und Spott werden Bruno Labbadias Team wohl noch einige Tage begleiten.

Es sei denn, ja, es sei denn dem offensichtlich angeschlagenen Team gelingt in der Bundesliga der nächste Brustlöser. Allerdings, das muss ich an dieser Stelle zugeben, sind die Vorzeichen für den Nord-Süd-Gipfel alles andere als optimal.

In Bruno Labbadia arbeitet es. Das war beim Training nach dem Aus in Osnabrück nicht zu übersehen. Natürlich beobachtete der Trainer seine acht Reservisten, die auf dem gepflegten Rasen Torschussübungen machten, aufmerksam. Auch beim anschließenden Vier-gegen-Vier-Spiel in fünfmal vier Minuten. Aber im Gegensatz zu sonstigen Einheiten schritt Labbadia gar nicht ein, er wirkte mitunter gedankenverloren und – wie viele seiner Profis – lädiert.

Bruno Labbadia ist eben auch nur ein Mensch. Und ich kann seine Grübelhaltung sehr wohl nachempfinden. Er befindet sich nämlich in einer personellen Zwickmühle. Die beginnt bereits hinten. Nicht ganz hinten, denn Frank Rost dürfte trotz des Treffers zum 0:2 in Osnabrück unantastbar bleiben, aber davor. Was soll der Coach machen, um gegen die lauernden und Zähne fletschenden Bayern ein maximales Maß an Stabilität in der Verteidigungsreihe zu garantieren? Variante 1: Er lässt alles so wie im Stadion an der Bremer Brücke. Dann droht Ungemach im Zentrum, und links könnte der momentan im tiefsten Leistungs- und Formloch befindliche Dennis Aogo von Arjen Robben zum Zuschauer mit Schwindel-Gefahr degradiert werden. Variante 2: Labbadia tauscht Rozehnal gegen Boateng (war der mit Abstand Beste und Aggressivste im Training) aus, stärkt damit das Zentrum, bleibt aber hinten links weiter anfällig. Variante 3 (die von mir favorisierte): Boateng ersetzt Demel auf rechts, Rozehnal bleibt im Zentrum neben Mathijsen (und alle drücken die Daumen, dass es gegen internationale Spitzenspieler besser klappt als gegen Drittligaprofis), und links übernimmt Demel den Aogo-Part, um Robben körperlich zu bremsen. Vielleicht braucht Aogo, den ich nach wie vor für einen Spieler mit großer Perspektive halte, einfach mal eine echte Pause.

In diesem Zusammenhang kann ich auch die Frage nach dem Zustand und der Rückkehr von Marcell Jansen beantworten. Er trainierte heute erstmals wieder voll mit und wirkte noch etwas kraftlos. „Noch ist er keine Alternative, er hat noch großen Rückstand“, sagte Labbadia. Das klingt eher nach ein paar Wochen, bis er wieder in den Kader stoßen könnte.

Die nächste Baustelle ist das Mittelfeld. Sollte Ze Roberto wegen seiner Wadenprobleme ausfallen, wäre das für Labbadia so etwas wie ein sportlicher Super-GAU. Denn das Duo Jarolim/Ze Roberto ist derzeit unersetzbar. Ich glaube nicht, dass das Trainerteam ernsthaft über eine Variante ohne den Brasilianer nachdenkt. Nach den ausgebliebenen „Bewerbungen“ im Osnabrück-Spiel dürften Trochowski (rechts) und Elia (links) zur Startelf zählen.

Bleibt noch die letzte Baustelle, und das ist eine echte Großbaustelle: der Angriff. Mladen Petric ist gesetzt – und ich habe alleine heute mindestens zehn Leute getroffen, die ihn in ihr Nachtgebet einschließen, damit er sich nicht auch noch verletzt -, der Posten neben ihm ist vakant. Variante 1: Berg läuft erneut neben dem Kroaten auf. Variante 2: Labbadia, der sich in das Seelenleben des Stürmers Berg gut hineinversetzen kann, gönnt dem Schweden eine Auszeit und überrascht die Bayern. Auch wenn jetzt viele von euch die Hände überm Kopf zusammenschlagen werden und mich für übergeschnappt halten mögen: Ich würde Pitroipa als zweite Spitze aufbieten. Nicht, weil „Pit“ sich zuletzt überragend in Szene gesetzt hätte, und seine Schussgewalt erinnert mich immer noch stark an über die Straße hüpfende Eichhörnchen, aber er ist schnell, wendig, provoziert mit seinen Lauf- und Dribbelwegen Freistöße – und so etwas wird der HSV gegen den Rekordmeister brauchen.

Labbadias größtes Problem ist, dass er seine Formation – egal welche – überhaupt nicht richtig einüben kann. Nur die Einheit am Freitag ist noch übrig, um Harmonien zu erproben und das Team auf die (aus meiner Sicht noch immer nicht ganz gefestigten) Bayern einzustimmen.

Zum Thema Smolarek muss ich mich dem Trainer anschließen. „Was hätten wir denn bislang sehen sollen?“, entgegnete er einem meiner Kollegen, der einen Zwischenstand nach zwei Einheiten des Polen hören wollte. Die erste Einheit war eine Spielvorbereitung, die zweite ein Reservistentraining. Es wird also noch ein paar Tage dauern, bis eine Entscheidung für oder gegen eine Verpflichtung des Angreifers getroffen wird. Im besagten Vier-gegen-Vier-Spiel beim Training zeichnete sich Smolarek übrigens hauptsächlich als Vorbereiter und Wegbereiter aus. Clevere Laufwege, gezielte Doppelpässe zeigte er, ging dafür seltener ins Sturmzentrum und hatte auch wenige Abschlüsse – einer landete immerhin am Pfosten. Die Alternativen Arslan und Torun betrieben aber auch keine größere Eigenwerbung.

17:02 Uhr

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