Archiv für das Tag 'Müller'

Wird Tah verliehen? Cleber schon in Köln dabei?

21. August 2014

Das Interesse an der Thematik Jonathan Tah ist groß. Und gerechtfertigt. Ganz klar. Ich hatte während des Trainingslagers geschrieben, dass Dietmar Beiersdorfer den jungen Abwehrmann Großes zutraut und dessen Ausbildung beim HSV als wichtige Aufgabe erachtet. Ebenso hatte ich geschrieben, dass Beiersdorfer ein Verleihgeschäft bis dahin nicht in Betracht gezogen hat. Das jedoch scheint sich inzwischen, auch ob des Kaufs von Cléber, der heute seinen Medizincheck bestanden hat und einen Vierjahresvertrag unterschreiben soll, verändert. Am Morgen bei NDR 90,3 sprach der Vorstandsboss schon davon, dass man sich darüber Gedanken machen würd. Heute bei der Pressekonferenz sagte er dann zudem: „Ich habe mit Jonathan in der vergangenen Woche gesprochen und ihm klar gesagt, dass es unsere Aufgabe ist, ihn zu entwickeln. Im Zuge dessen muss entschieden werden, ob er hier bei uns genügend Spielpraxis bekommt. Und sollte das nicht so sein, dann muss man ihn ausleihen.“ Stimmt. Allein diese Frage gilt es jetzt zu entscheiden. Denn Tah hat seine Qualitäten mehrfach angedeutet, galt eine Zeitlang als bester Feldspieler. „Wir haben durch Verletzungen momentan nur drei Innenverteidiger und müssen das in den nächsten tagen noch mal durchgehen“, ergänzt Beiersdorfer.


Abnehmer für das Top-Talent zu finden dürfte nicht schwer sein. Zumindest nicht so schwierig, wie ihn in Hamburg einzusetzen. Denn die Affinität von Trainer Mirko Slomka setzt großes Vertrauen in seinen inzwischen langjährigen Weggefährten Johan Djourou. Zudem ist es höchst unwahrscheinlich, dass sich der HSV für drei Millionen Euro einen Innenverteidiger aus Brasilien holt und ihn hier nicht erst einmal einsetzt. „Ich hatte immer Konkurrenz und scheue sie nicht. Auch jetzt nicht“, sagt Tah, der tatsächlich unerschrocken wirkt. „Ich werde jetzt hier nicht weglaufen. Ich weiß, was ich kann.“

Van der Vaart weiß das, die meisten hier im Blog ebenso und auch Beiersdorfer weiß das. Stellt sich die Frage, was Slomka von den Qualitäten seines Youngsters hält. Geht man rein nach Einsatzzeiten (14 Minuten), ist das mehr als überschaubar. Und bei aller Trauer über einen möglichen Weggang auf Leihbasis bei Tah, Fakt ist, dass Slomka hier die sportlichen Entscheidungen trifft. Und wenn Slomka ihn nicht aufstellt, dann ist Tah in Hamburg sicher noch schlechter aufgehoben als bei einem guten Leihklub, bei dem er spielt und sich weiterentwickeln kann und dann gestärkt zurückkommt.

Stark sehen Beiersdorfer und Slomka auf jeden Fall den letzten Neuen, Cléber. Der brasilianische Innenverteidiger absolvierte heute im UKE seinen Medizincheck und soll morgen offiziell vorgestellt werden. Beiersdorfer schwärmte heute auf der Pressekonferenz: „Wir haben uns lange darüber unterhalten, dass wir noch Akzente in die Mannschaft bringen müssen, um stabiler und berechenbarer zu werden. Für uns. Und die Analyse hat gezeigt, dass wir im defensiven Mittelfeld sowie in der Offensive einen dazu nehmen mussten. Genauso wie wir noch einen Innenverteidiger verpflichten mussten. Zur kommenden Saison haben wir einige auslaufende Verträge haben“, so Beiersdorfer, der damit Rajkovic, Westermann und Kacar meint. „Dazu haben wir aktuell noch Verletzungen. Deshalb haben wir uns entschieden, noch einen Innenverteidiger dazu zu nehmen.“

Für Abendblatt-Blogs


Was Cléber auszeichnet? Beiersdorfer, der Cléber schon zu Zeiten als Sportchef bei Zenit St. Petersburg unter Beobachtung hatte, holt weit aus: „Unser Profil besagt, er solle aggressiv sein und Blut in die Mannschaft bringen. Deshalb haben wir uns für Cléber entschieden. Ich habe ihn kennengelernt als jemand, der körperlich betont spielt. Er ist sehr sprung- und kopfballstark und ähnelt in manchen Situationen Khalid Boulahrouz, wenn er so seine Schulter ausfährt. Mir hat gefallen, dass er mit sehr viel Leidenschaft spielt und zu erkennen gibt, dass er keinen Meter herschenkt.“ Er sei ein Sheriff habe ihm ein ehemaliger Mannschaftskamerad von Cléber verraten. Dennoch, und das wollte Beiersdorfer nicht verschweigen, Deutschland ist für Cléber etwas ganz neues und Integrationsprobleme von Brasilianern sind auch in Hamburg schon häufiger vorgekommen. Daher wolle man dem jungen Brasilianer einen Betreuer zur Verfügung stellen, der auch etwaige Sprachprobleme lösen soll. „Es ist ein Risiko, das muss ich schon sagen.“ Aber ein überschaubares und lohnendes, sagt Beiersdorfer: „Er ist ein 23-jähriger, entwicklungsfähiger Spieler. Er ist in erster Linie Verteidiger. Er hat eine sehr gute Schnelligkeit und ist ein Athlet. Ich glaube auch, dass er Führungsqualitäten besitzt und Verantwortung übernimmt.“

Ein Amt übernehmen soll demnächst Peter Knäbel. Das ist seit Wochen bekannt. Beiersdorfer bestätigte heute noch einmal Gespräche mit dem ehemaligen St.-Pauli-Profi, sagte aber auch, dass es keinen neuen Stand gibt. „Es ist noch nichts beschlossen oder unterschrieben.“ Soll heißen: Dass es irgendwann passieren wird ist unverändert wahrscheinlich.

Unverändert gut ist auch mein Verhältnis zu Thomas von Heesen, mit dem ich heute erneut ein längeres Telefonat hatte. Grund dafür war mein gestriger Passus, indem ich seinen Kontakt zu Lechia Gdansk (Danzig) als diskutabel beschrieben hatte. Verklagen will der 52-Jährige mich nicht, so viel vorweg. „Warum auch“, fragt von Heesen, „die Idee, Anteile an dem Verein zu erwerben, hatte meine Firma im Januar, Februar tatsächlich. Ich habe aber operativ kein Amt in Danzig.“ Vielmehr sei der Kontakt aus privaten Gründen ziemlich eng. „Ich bin mit Klubmanager Andrzej Juskowiak gut befreundet, ebenso mit einem Aktionär des Klubs. Und ich werde von beiden häufiger um Rat gefragt. Auch jetzt, als in Danzig die Frage aufkam, ob man Rudnevs ausleihen könnte. Ich wurde gefragt und habe gesagt, dass ich hier nicht im Thema bin und sich der Klub beim HSV melden müsse.“ Auf die Frage, ob er in der Verknüpfung der Interessen dieser Klubs ein Problem sieht, sagte er: „Überhaupt nicht. Wir hatten eine Teilhaberschaft angedacht, aber nicht umgesetzt.“

Eine persönliche Vorteilsnahme schließt das für mich aus, das ist klar. Fakt ist auch: Der HSV-Aufsichtsrats-Vize ist seit längerer Zeit ein interessierter Begleiter des Klubs, besucht regelmäßig Spiele der Danziger und ist, wie im gestrigen Blog geschrieben, stets gut informiert. „Ich besuche viele Spiele, weil der Verein ebenso wie viele andere Klubs in der polnischen Liga interessante Spieler in seinen Reihen haben. Ich nehme, wenn man so will, über meine Bekannten und Freunde zwangsläufig am Vereinsleben teil, wenn sie mich um Rat bitten. Ich helfe Freunden. Und wenn das dann am Ende tatsächlich mal dazu führen sollte, dass ich beiden Vereinen helfen konnte – umso besser.“

Besser soll auch der bevorstehende Saisonstart am Sonnabend werden. In Köln vor ausverkauftem Haus wird das nicht leicht. Allerdings machte Slomka auch in dem Spiel in Cottbus Fortschritte aus. „Ich habe dort kein souveränes 4:0 erwartet. Cottbus war vielmehr ein Spiegelbild der alten Saison und Aufbruchsstimmung in einem. Wir mussten uns reinkämpfen in die Partie. Wir haben das Spiel dann gedreht aber vorn einfach nicht den nötigen Punch gehabt.“ Dennoch sei er ob des knappen Sieges gegen den Neu-Drittligisten nicht beunruhigt: „Es ist ein Prozess der Entwicklung. Die Mannschaft wird Selbstvertrauen ziehen aus den kleinen Erfolgen. Auch aus dem Sieg in Cottbus.“ Läuferisch sei die Mannschaft fit, „das haben die 120 Minuten gezeigt. Wir haben dadurch bis zum Schluss die Konzentration bewahrt.“

Ärgerlich ist indes, dass mit Zoltan Stieber (ab Montag wieder im Mannschaftstraining) und insbesondere Nicolai Müller (wird Montag noch mal abschließend bei Müller-Wohlfahrt untersucht) zwei schnelle Außen fehlen werden. Für Tempo-Fußball-Liebhaber Slomka Grund genug, taktisch umzugestalten. „Natürlich wird uns deren Tempo fehlen. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten.“ In Köln könnte das heißen, dass wie zum Ende in Cottbus Ilicevic links und Rudnevs rechts spielen. Oder aber Ostrzolek rückt ins Team, Jansen davor und Ilicevic spielt rechts. Ob Cléber schon dabei sein wird? Vorbehaltlich des bestandenen Checks und der Unterschrift, antwortete Slomka: „Er hat den großen Vorteil, dass er schon 30 Saisonspiele in diesem Jahr gespielt hat und voll drin ist. Er wäre auf jeden Fall ein Kandidat.“

In diesem Sinne, gespannt bin ich allemal. Auf den Start ebenso wie auf Cléber…

Scholle

Nächste Einträge »