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Kacars Traum vom Happyend: “Ich würde gern in Hamburg bleiben”

4. Mai 2015

Was für ein schönes Gefühl. Zum zweiten Mal in Folge gewonnen, den direkten Abstiegsrang knapp verlassen – und ehrliche Hoffnung darauf, dass das auch so bleibt. Weil die Mannschaft endlich funktioniert. Sie tritt geschlossen auf, sie wirkt defensiv stabil und offensiv agil. Dass jetzt auch Defensivspezialisten treffen macht die Sache zudem nicht schlechter. „Die Mannschaft hat sich den Glauben an sich zurückerobert. Sie hat sich diesen Glauben erarbeitet“, freute sich heute auch Bruno Labbadia, der ansonsten wie immer versuchte, den Fokus weg vom letzten Spiel und hin zum nächsten Spiel zu lenken. Mit vielen Floskeln – aber das kann ihm keiner übel nehmen. Im Gegenteil…

„Fußball ist geil“, sagte Labbadia heute wieder und fügte hinzu: „Wenn man gewinnt.“ So wie der HSV gestern in Mainz mit dem späten Treffer von einem Spieler, dem ich es mit am meisten in dieser Mannschaft gönne, weil ich bis heute davon überzeugt bin, dass sein Scheitern (Vertrag soll nicht verlängert werden) in Hamburg nur zu einem vergleichbar geringen Anteil ihm anzulasten ist. Vielmehr hat der Verein an ihm gezeigt, woran es in Hamburg seit vielen Jahren hapert: an Weitblick.

 

Zu eben jenem Weitblick gehört das, was Labbadia beweist: Vertrauen in Spieler und deren Qualitäten. Bei Pierre Michel Lasogga hat er sich früh festgelegt, auf den Angreifer zu setzen, obgleich er anfänglich unfit wirkte. Gestern in Mainz, keine 14 Tage nach Amtsantritt, war Lasogga wieder der, den der HSV im Sommer dachte zu holen. Immer unterwegs, immer anspielbar und ballsicher. Lasogga war stark. Und auch wenn ihm kein Tor gelang bin ich mir sicher, dass er in gesundem Zustand noch eine entscheidende Rolle einnehmen kann – und wird. Vielleicht schon beim nächsten Endspiel am Freitag gegen Freiburg.

 

Gestern in Mainz war es Kacar, der das Spiel entschied. Der Mann, dessen Vertrag in Hamburg nicht verlängert werden soll – und eben der Mann, der so viele Sympathien auf sich zieht wie kaum ein anderer. Und das zurecht, wie ich mir erlaube zu behaupten. Denn bis heute ist mir kein HSVer bekannt, der loyaler nach außen auftritt als er. Und wenn es stimmt, was bisher noch alle Spieler gesagt haben, dann ist er intern nicht anders. Etwas verbissen vielleicht – aber immer loyal seinen Mitspielern und seinem Verein gegenüber. Kein Wunder, dass sich heute vieles darum drehte, dass der Vertrag doch noch verlängert werden soll.

Gojko Kacar jubelt über seinen Siegtreffer - und hofft auf ein Happyend in Hamburg

Gojko Kacar jubelt über seinen Siegtreffer – und hofft auf ein Happyend in Hamburg

Bei „Open Petition“ (https://www.openpetition.de/petition/online/neuer-vertrag-fur-gojko-kacar-beim-hsv) wurde sogar eine Petition für eine Vertragsverlängerung des Serben angesetzt. „Dass die Fans so zu mir stehen, ist einer der Gründe, weshalb mir der HSV so wichtig ist“, sagt Kacar, der in Hamburg das erste Mal einen Trainer zu haben scheint, der es den Fans gleich macht und zu ihm steht. „In dem ersten Gespräch hat mir der Trainer gesagt, dass er mich kennt und weiß, was ich kann. Er sagte, dass er mir vertraut – und das bedeutet mir sehr viel. Wirklich sehr viel, denn das hatte ich in Hamburg nicht oft. Bis dahin habe ich immer versucht, die Trainer zu überzeugen, dass sie sich irren und ich in die erste Elf gehöre. Jetzt will ich mit jeder Minute auf dem Platz zeigen, dass ich es wert bin, dass ich nichts anderes im Kopf hatte und habe, meinem Verein zu helfen.“

 

Fünf Jahre lang ist Kacar in Hamburg nicht recht zum Zuge gekommen. Mal verletzt, dann sogar aussortiert. Zuletzt bekam er in einem Gespräch von Peter Knäbel mitgeteilt, dass sein vertrag im Sommer nicht verlängert wird. Aber bleibt es dabei? Bruno Labbadia, der bei der Entscheidung über die Vertragsverlängerungen noch nicht im Amt und somit auch nicht involviert war, sagte heute, dass das noch kein Thema sei, solange sich der HSV nicht gerettet habe. Danach sei er „für alles offen“. Und dass das Wort des Trainers Gewicht hat in Sachen Kaderplanung bestätigte Peter Knäbel. Der Direktor Sport sagte meinem Kollegen Florian Heil heute (und morgen im Abendblatt zu lesen): „Natürlich hat der Wunsch des Trainers Gewicht. Aber darüber sprechen wir erst, wenn klar ist, in welcher Liga wir spielen.“ Dennoch seien gute Leistungen auch gute Argumente. Auch bei denen, die bislang gehen sollten. Knäbel vielsagend: „Leistung sichert Arbeitsplätze.“ Na dann.

 

Weitblick bedeutet natürlich auch, dass man sich nicht von zwei guten Spielen blenden lässt, sondern das Gesamte analysiert und daraus seine Entscheidung ableitet. Rein statistisch wäre Kacar zweifelsfrei jemand, den man abgeben müsste. Knapp zwei Millionen Euro kassiert der Serbe in Hamburg. Bislang absolvierte er dafür erst 60 von möglichen 167 Partien. Aber hinter dieser Statistik liegen viele Fehler von Entscheidungsträgern verborgen, die Kacars Qualitäten nicht erkannten. „Ich hatte tatsächlich viele Phasen, in denen ich ein Spiel machte, dann fünf Spiele pausieren musste, um wieder einmal zu spielen und erneut zu pausieren“, erinnert sich Kacar und freut sich umso mehr über den Moment: „Diese Rückrunde ist anders. Ich konnte jetzt zweimal zeigen, dass ich helfen kann. Aber es sind auch nur zwei Spiele – keine 20. Und da wollte und will ich hin.“ Ob er an eine Wende in Sachen Vertragsverlängerung glaubt? „Ich bin jetzt kein Thema – im Moment gibt es wichtigere Dinge zu tun. Freitag gegen Freiburg haben wir das wichtigste Spiel der ganzen Saison vor uns. Erst wenn wir durch sind, können wir darüber sprechen. Und dass ich gern in Hamburg bleiben möchte, weiß jeder. Auch, dass das Geld bei mir in dieser Entscheidung absolut keine Priorität hat.“

 

Dennoch ist zu befürchten, dass die Entscheidungsträger an ihrer Entscheidung festhalten, um nicht als Umfaller zu gelten. Wie so oft – obgleich es falsche Eitelkeit ist. Denn ich weiß, dass mir eine Zurücknahme einer solchen Entscheidung deutlich mehr Respekt abverlangen würde, als diese wider die Vernunft gnadenlos durchzudrücken. Es sei denn, und diese Chance besteht natürlich, der HSV hat auf Kacars Position bereits jemanden in der Hinterhand, der besser passt. Allerdings macht Kacar es Knäbel und Co. derzeit extrem schwer, diesen Beweis erfolgreich antreten zu können…

 

Und Kacar hat noch nicht genug. Die Rückrunde habe ihm gezeigt, dass er es noch kann. Denn Zweifel daran, das gibt Kacar zu, kämen automatisch auf, wenn man so lange und von so vielen Trainern nicht beachtet wird. Dass es zum genau richtigen Zeitpunkt kommt – „das stimmt“, sagt Kacar, um gleich hinzuzufügen: „Aber nur, weil es dem HSV hilft. Dass ich mich damit aber jetzt für einen anderen Verein empfehlen möchte, ist Quatsch. Ich will nichts anderes, als so lange beim HSV zu spielen, wie der Verein mich will und braucht. Und bevor ich irgendwas anderes mache, muss hier die Saison beendet sein. An etwas anderes denke ich wirklich nicht. Alles andere hat Zeit. Bis zum Klassenerhalt interessiert mich nichts anderes als das nächste Spiel. Und damit bin ich ganz sicher nicht allein – so denken hier alle.“

 

Klingt gut. Sehr gut sogar. Vor allem gibt es mir neben der berechtigten Hoffnung auf den Klassenerhalt auch die Hoffnung, dass der Direktor Sport diesmal wirklich (also so richtig wirklich…) erkennt, auf wen er vertrauen kann und auf wen nicht. Womit ich hier – um dem einen oder anderen gleich etwas Fahrt zu nehmen – nicht negativ auf Valon Behrami anspielen will. Der Schweizer mit albanischen Wurzeln ist sicherlich polarisierend – aber dafür wurde er auch geholt. Allerdings wird sich der letzte echte Sechser, also der letzte reine Zerstörer, unter Labbadia wohl gedulden müssen. Wenn man so will, ist Behrami der (Stammplatz-)Verlierer des Kacar-Hochs. Dennoch halte ich es für alles andere als ausgeschlossen, dass Behrami seine zweifellos vorhandenen Fähigkeiten noch gewinnbringend für den HSV einsetzen können wird. Und wenn es am Ende nur wenige Minuten sein sollten, in denen er die Punktausbeute mit sichert.

 

In diesem Sinne, morgen wird erst um 18 Uhr trainiert. Ich melde mich im Anschluss daran bei Euch. Dann auch mit einigen Details zu dem von Thomas von Heesen angekündigten (siehe Matz ab live) neuen Jugendkonzept des HSV.

 

Bis dahin,

Scholle

 

Zum Abschluss noch ein paar Kurznachrichten:

  • Rekonvaleszent: Nicolai Müller hat Probleme mit der Ferse, während Ivo Ilicevic wegen einer Oberschenlkelquetschung pausiert. Bei beiden sind die Einsätze fraglich aber nicht ausgeschlossen.
  • Tipp: Am Dienstag findet im Sportpub „Takstelle“ (Gerhardstraße 7) um 18:87 Uhr (19.27 Uhr) erneut eine Talkrunde zum Thema „Neues aus Stadion, Verein und Stellinger Bahnhof“ statt. Gäste sind Fans, Ultras, HSV-Offizielle (evtl. Beiersdorfer) und ein Ex-HSV-Profi.
  • Und wenn Ihr noch etwa Gutes tun wollt, dann unterstützt unseren Blogger Jörg Pohl, der mit seinem Team TSV Juist derzeit darum kämpft, bei Bezahlsender Sky das „Spiel des Lebens“ (http://spieldeslebens.sky.de/abstimmen/183/TSV_Juist_e_V) zu gewinnen und bereits unter den letzten zehn Kandidaten ist. Das Spiel des Lebens ist ein reguläres Ligaspiel des jeweiligen Vereines mit kompletter Sky-Entourage inklusive Übertragung des Spiels. Ich würde mich für den netten Kollegen aus Juist sehr freuen, zumal sie einige sehr originelle Videos erstellt haben und es auch verdient hätten, so ein Spiel zu gewinnen.
  • Und dann lässt der HSV via Vereinshomepage mitteilen:

Mit Wirkung zum 1. Juni 2015 wird Jörn Spuida neuer Geschäftsführer des HSV e.V.. Die Berufung des 38-Jährigen gab das Präsidium am Montag bekannt. „Weit über 500 eingereichte Bewerbungen haben uns gezeigt, wie attraktiv der HSV als Arbeitgeber ist“, sagt Vereinspräsident Jens Meier in einer ersten Stellungnahme. Im Rahmen eines mehrstufigen Auswahlprozesses, an dem sich eine Vielzahl von exzellenten Kandidaten beteiligt hatten, setzte sich Jörn Spuida erfolgreich durch. “Wir sind uns sicher, dass er mit seinem Wissen und seiner Erfahrung unseren Verein in seiner Aufgabenvielfalt erfolgreich weiterentwickeln kann. Das Präsidium ist der Überzeugung, dass wir mit Jörn Spuida die richtige Wahl getroffen haben und wünschen ihm viel Erfolg in seiner neuen Funktion“, erklärte Meier.

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