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Westermann wackelt nun doch fürs Nordderby

23. November 2013

Ich habe einen schönen HSV-Nachmittag hinter mir. Erst die U 23 gegen Tabellenführer Wolfsburg II (beachtliches 3:3) an der Hagenbeckstraße, dann ein Blick zum Abschlusstraining der Profis im Volkspark. Der Reihe nach: Die Jungs von Rodolfo Cardoso waren nicht gerade Favorit gegen die „Wölfe“, und entsprechend schwer tat sich der Nachwuchs. 0:2 stand es zur Pause, Justin Eilers erzielte beide Treffer für den VfL.

In der zweiten Halbzeit kam der HSV vor gerade einmal 153 Zuschauern schnell zum Anschluss von Mattia Maggio (47.), ehe erneut Eilers für Wolfsburg den alten Zwei-Tore-Abstand herstellte. Alles gelaufen für die Elf von Cardoso? Das war nicht so, vielleicht auch, weil Gäste-Trainer Valerien Ismael seinen dreifachen Torschützen Eilers auswechselte. Angetrieben von Innenverteidiger Gojko Kacar, der dort Fabio Morena vertrat, drehte der HSV-Nachwuchs auf. Kacar, in Durchgang eins noch mit einigen Stellungsfehlern, sorgte höchstpersönlich für das 2:3 (65.). Kurz vor dem Ende dann der verdiente Ausgleich durch einen Fernschuss von Lennart Müller, den der Wolfsburger Torwart Patrick Drewes sich aber ins eigene Netz legte (89.). Ein Torwartfehler zum 3:3, aber ein gerechtes Ergebnis war es doch.

Zeitgleich bat Bert van Marwijk zum Abschlusstraining. Ein Ärgernis für die 30 Fans: der Niederländer ging auf den hintersten, nicht gut einsehbaren Trainingsplatz. Das tat nicht Not. Zur Sicherheit nochmal nachgefragt bei Heiko Westermann, dessen lädiertes linkes Knie wieder in einem dicken Verband steckte. Wird es funktionieren morgen gegen Hannover 96? „Man wird sehen, ich habe ja noch 24 Stunden Zeit.“ Mit anderen Worten: Westermann wackelt vor dem Nordderby. An seiner Stelle würde Michael Mancienne wohl rechts verteidigen. Eine Alternative hat van Marwijk eigentlich nicht. Ashton Götz, der in den vergangenen Tagen bei den Profis trainierte, kickte heute bei der U 23 mit. Michael Mancienne wurde in englischen Medien heute übrigens in Verbindung gebracht mit Swansea City. Vielleicht ist dieser Club eine Option für den Engländer in der Winterpause.

Ansonsten steht die HSV-Elf für die Partie morgen um 15.30 Uhr gegen Hannover 96: Adler – Westermann (Mancienne), Djourou, Tah, Jansen – Rincon, Badelj – Beister, Calhanoglu, Ilicevic – Lasogga.

Ein Dreier ist dringend notwendig. Das verrät der Blick auf die Tabelle. Nach den Spielen heute ist der HSV wieder nur einen Punkt vor dem Relegationsplatz. Und von diesen Regionen wollte sich das Team ja zügig lösen.

Otto Rieckhoff, Hauptinitiator von „HSV-PLUS“, hat uns gestern bereits über die Grundzüge seines Strukturmodells informiert. Hier kommt Teil zwei des Interviews mit dem ehemaligen Vorsitzenden des HSV-Aufsichtsrates. Er geht hierin noch einmal ein auf die Folgen und Chancen einer Ausgliederung ein, und wir haben auch nach personellen Folgen gefragt.

Matz ab: Welche Stimmung haben Sie erlebt auf ihren Informations-Veranstaltungen?

Otto Rieckhoff: Es ist kaum zu beschreiben, wie viel positive Resonanz auf „HSV-PLUS“ uns entgegen gebracht wird. Die Mitglieder sind äußerst gut informiert und interessiert. Ich spüre eine unglaubliche Aufbruchstimmung und rechne mit einer Rekordzahl auf der Mitgliederversammlung im Januar.

Matz ab: Wie erleben Sie den Wahlkampf allgemein, wie stehen Sie zum
Schweigeabkommen von Vorstand und Aufsichtsrat?

Rieckhoff: Es bringt riesigen Spaß, draußen mit den Fanclubs zu diskutieren. Die dortige Leidenschaft, sich für den Verein zu engagieren, begeistert mich und motiviert mich noch mehr. Der Maulkorb vom Aufsichtsrat an den Vorstand und die Untersagung von klärenden Aktivitäten zu Umsetzungsfragen einer Strukturänderung sind ein Eingriff in die offensichtlichen operativen Sorgfaltspflichten des Vorstands ohne eine wirkliche Weisungsbefugnis. Dass parallel Aufsichtsratsmitglieder mit dem Hinweis auf ihre Mitgliederrechte „HSV-PLUS“ bekämpfen und eigene Konzepte propagieren, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Glaubwürdigkeit der eigenen Worte, indem es das gesamte Vorgehen als doppelzüngig erscheinen lässt. Dies bringt aus meiner Sicht das ohnehin schon viel kritisierte Gremium weiter in Misskredit.

Matz ab: Wenn „HSVPLUS“ scheitert – was dann?

Rieckhoff: Dann bleibt alles so, wie es ist. Das will aber wirklich niemand mehr.

Matz ab: Welche Schlüsse würden Sie für sich ziehen?

Rieckhoff: Situations-Analyse vornehmen und neu nachdenken.

Matz ab: Verstehen Sie die Ängste vieler Mitglieder vor einer Beteiligung eines Investors? Ist ein Anteilsverkauf überhaupt ein unumgänglicher Bestandteil Ihrer Struktur?

Rieckhoff: Wer sich mit dem Konzept mal wirklich und objektiv beschäftigt, wird feststellen, dass nichts “verschachert” wird, wie das gern oberflächlich und bösartig behauptet wird. Es werden auch nicht der Verein oder Teile davon verkauft, sondern es wird vorsorglich lediglich eine Option auf eine Minderheitsbeteiligung an einer Tochter des Vereins ermöglicht. Das ist vor allem eine Chance, nicht eine zwingende Konsequenz. Es wird ausschließlich Eigenkapital generiert. Übrigens ist das nicht nur eine einmalige Option, wie immer wieder ohne Kenntnis der Materie behauptet wird, sondern die eingeworbenen Finanzmittel sind z. B. mittels einer Kapitalerhöhung vergrößerbar – ohne dass der Verein seine Mehrheit verlöre. Und unterhalb von 25 Prozent gibt es kein relevantes Mitspracherecht für strategische Partner. Außerdem: Über mögliche zeitliche Befristungen, Rückkaufsrechte, Verhinderung des Weiterverkaufs durch sogenannte vinkulierte Namensaktien* entscheidet allein der HSV bei anstehenden Verhandlungen. Auf diese Weise wird auch die Abgabe einer Beteiligung unter Wert verhindert. Und solche Entscheidungen trifft die Hauptversammlung, die aus dem von den Mitgliedern gewählten Präsidium des HSV besteht. Etwaige Ängste der Mitglieder sind durch das ausgefeilte und auf die Mitgliederbelange abgestimmte Konzept unbegründet.

Matz ab: Wie stehen Sie in Kontakt mit Klaus-Michael Kühne?

Rieckhoff: Herr Kühne favorisiert das Konzept „HSV-PLUS“ und macht sein weiteres Engagement offenbar vom Ausgang der Reformdiskussionen abhängig.

Matz ab: Falls er Interesse hat, sich am HSV zu beteiligen – in welcher Form: als Mäzen, Investor oder als Sponsor?

Rieckhoff: Ich habe ihn so verstanden, dass er sich nicht weiter in einer Vereinsstruktur engagieren wolle, weil offenkundig viel Geld wenig sachgerecht und ohne Langfristkonzept verbrannt wurde. Wenn, dann sehe ich Herrn Kühne zusammen mit anderen Unternehmen als strategischen Partner.

Matz ab: Werden Sie rechtzeitig zur Versammlung ein „Schattenkabinett“
aufstellen, beispielsweise mit den bisher aufgetretenen „HSV-PLUS“-Unterstützern?

Rieckhoff: Einige davon werden ihre Bereitschaft zur Mitarbeit in der neuen Organisation zur Versammlung verkünden. Für ein Schattenkabinett ist es noch viel zu früh.

Matz ab: Haben Sie persönliche Ambitionen und würden Sie für ein Amt zur
Verfügung stehen?

Rieckhoff: Ich wiederhole meine Aussagen, dass ich keine Ambitionen auf ein Amt habe, sondern es als Abschluss meiner so langen ehrenamtlichen Zeit beim HSV mit größter Befriedigung sehen würde, wenn ich als Teil eines so tollen Teams zum Wohle des HSV hätte Substanzielles beitragen können.

(* Eine vinkulierte Namensaktie bedarf zu ihrer Übertragung der Zustimmung der ausgebenden Aktiengesellschaft. Damit wird die ohnehin geringe Verkehrsfähigkeit von Namensaktien weiter eingeschränkt. Da die Gesellschaft die Zustimmung zur Übertragung verweigern darf, ist der im Aktienregister eingetragene Aktionär zunächst allein berechtigt, die aus der Aktie resultierenden Rechte geltend zu machen. Quelle: wikipedia)

Soweit Otto Rieckhoff für heute. Interessant sind seine detaillierten Erklärungen zur genauen Umsetzung einer eventuellen strategischen Partnerschaft. Das ist natürlich auch eine Menge Wirtschaftslatein, die auf jeden zukommt, der sich intensiv mit der Materie beschäftigen möchte. Aber das ist ja auch notwendig, um die richtungsweisende Entscheidung für den HSV am Ende zu treffen.

Was im Moment noch unbeantwortet ist, und dafür ist der Zeitpunkt auch noch nicht gekommen: Welcher strategische Partner hat überhaupt Ambitionen, Anteile am HSV zu erwerben? Ich nehme jetzt einmal Klaus-Michael Kühne aus. Sicher ist er eine Option, aber bei ihm ist es einfach eine persönliche Entscheidung, ob und wenn ja in welcher Höhe er den Verein unterstützen möchte. Kommt er dem von Otto Roeckhoff gestern genannten Summen im dreistelligen Millionenbereich nach, dann wäre das natürlich ein Quantensprung für den Verein, der auch die Entscheidungsfindung am 19. Januar maßgeblich beeinflussen würde. Und zwar zugunsten von “HSV-PLUS”.

Ob es andere Unternehmen gibt, die bereit stehen – das ist eine der mit Spannung erwarteten Themen der nahen Zukunft. Eine Hintergrundinfo: eine europaweite Studie unter dem Titel “Brand Finance” hat im Mai den Markenwert des HSV auf 112 Millionen Euro geschätzt. Zum Vergleich: der FC Bayern liegt dieser Studie zufolge bei 668 Millionen. Aber, wie Otto Rieckhoff schon sagte, am Ende sind das nur Zahlen auf dem Papier.

Wer von Otto Rieckhoff nicht genug hat, der kann ihn morgen im Fernsehen verfolgen bei „Sport 1“ im Fußball-Talk von Jörg Wontorra ab 21.45 Uhr. Um 22.50 Uhr ist HSV-Kapitän Marcell Jansen dann im „NDR-Sportclub“ zu Gast. Schon vorher, nämlich unmittelbar nach dem Nordderby HSV gegen Hannover im Volkspark, seht Ihr hier in „Matz-ab-live“ nicht nur Dieter und Scholle, sondern auch ihre Gäste Holger Hieronymus und Ditmar Jakobs. Ich würde mal sagen, der Sonntagabend ist gerettet.

Viel Spaß erstmal beim deutschen Classico und dann morgen mit dem HSV. Und: Willkommen zurück, lieber Dieter!

Grüße von Lars

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