Archiv für das Tag 'Müller'

Rajkovic auf dem Weg nach Griechenland

21. Juni 2015

Slobodan Rajkovic (HSV) Fussball Bundesliga, Relegation Rueckspiel, Karlsruher SC - Hamburger SV 1:2 n.V. Dass der HSV landauf, landab mittlerweile einen schlechten Ruf genießt, ist keine Neuigkeit mehr. Selbst Vereinsboss Dietmar Beiersdorfer musste auf der Mitgliederversammlung am vergangenen Sonntag eingestehen, dass sein Club der Musik hinterher läuft. Und dieser Zustand wird voraussichtlich noch einige Zeit anhalten. Beiersdorfer hat in seiner Rede darauf hingewiesen, dass seine Startbedingungen vor einem Jahr – gelinde gesagt – suboptimal waren. Das bezog Beiersdorfer insbesondere auf den Nachwuchsbereich des Vereins, aus dem im Moment große Talente Richtung Bremen gezogen sind und wo Sportdirektor Bernhard Peters mit dem Wechsel aller möglichen Cheftrainer reagiert hat. Nicht nur damit übrigens – hier noch einmal der Link zu einem Abendblatt-Artikel, in dem sich Kai Schiller mit Bernhard Peters’ Arbeit beschäftigt hat. Den ganzen Beitrag lesen »

Beiersdorfer: “In der Krise herausragend gearbeitet”

14. Juni 2015

War toll.
Diese Mitgliederversammlung des HSV. Großartig war es sogar. Und trotz der Probleme, die es hin und wieder mal gegeben haben soll, in dieser Saison, muss festgestellt werden: „Es ist alles auf den Weg gebracht. Wir müssen nur Geduld aufbringen.“ Alles super. Oder wie es ein Redner ausdrückte. „Friede, Freude, Eierkuchen.“ Und im Prinzip: Die Experten haben schuld. Natürlich. Und mit Experten ist vornehmlich die Presse gemeint – logisch. Wenn die sich mal damit beschäftigen würden, oder beschäftigt hätten, woher der HSV 2015, Relegations-Teilnehmer, einst gekommen ist, dann würden die, nämlich diese Experten, sich mit Kritik gewaltig zurückhalten. Ganz gewaltig sogar. Es ist nämlich nicht alles so schlecht, wie es gemacht wird – oder wurde. Der HSV ist weiter erstklassig, es geht ihm gut – und, das ist mein Fazit, und nun müssen wir mal abwarten, wie es weiter bergauf geht. Die Weichen, so war heute zu vernehmen, sind dafür gestellt, nur geht das alles nicht so schnell, wie viele es erhofft hatten, wie viele gewollt hatten. Das dauert. Und das Schöne an dieser Situation ist ja das, dass wir nun alle abwarten können, wie schön und gut es tatsächlich demnächst laufen wird. Versprochen ist ja viel, und versprochen ist ja versprochen. Jetzt dürfte, muss, müsste oder sollte auch mal etwas geliefert werden . . . Zum Beispiel Platz zwölf. Oder so. Den ganzen Beitrag lesen »

van der Vaarts leiser Abschied

12. Juni 2015

Während die Meldungen über Spielerwechsel in der Bundesliga nur so reintrudeln, gibt es vom HSV keinen Vollzug zu melden. Das ist nicht überraschend, und selbst die Personalie Süleyman Koc könnte sich noch einige Zeit hinziehen. Dessen Berater hat Druck gemacht und von einer grundsätzlichen Einigung mit dem HSV berichtet. Allerdings ist die Ablöse (zwischen 1,5 Millionen und 2 Millionen Euro) noch recht hoch. Nun also baut der Berater Druck auf den SC Paderborn auf, um von den Forderungen herunterzukommen. Ein nicht unübliches Spielchen, schließlich wollen alle Seiten Klarheit.
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. . . der muss zum Dino nach Hamburg!

10. Juni 2015

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Erste DFB-Pokalrunde:
FC Carl-Zeiss Jena gegen den HSV
Barmbek-Uhlenhorst empfängt den Erstliga-Absteiger SC Freiburg
Bernd Hollerbachs Würzburger Kicker treffen auf Werder Bremen
und, so viel Zeit muss sein: St. Pauli gegen Borussia Mönchengladbach
gespielt wird am 7. oder 8. August

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Mails von Euch – und ein offener Brief vom DFB

10. Juni 2015

Liebe Matz-abber!

Keine Angst, es wird heute auch noch einen „vernünftigen“ Blog-Beitrag geben. Weil der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach heute mit einem „offenen Brief“ an alle Fußball-Anhänger gegangen ist, und weil die Zeitungen einen solchen langen Beitrag sicherlich nicht zu 100 Prozent abdrucken werden, versuche ich es einmal, diese Gedankengänge des Präsidenten näher zu bringen. Und zwar zu 100 Prozent.
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“Tomorrow, my friend – tomorrow…”

2. Juni 2015

****Laut “Neue Presse” hat sich der HSV mit Admir Mehmedi auf einen Wechsel geeinigt. Ablöse-Verhandlungen mit Freiburg stehen noch aus.****

Ich bin voll im Eimer. Körperlich und seelisch, ehrlich gesagt. Auch deshalb kann ich gar nicht aufhören, die selbstgedrehten Videos auf den unterschiedlichsten Kanälen zu sehen. Und noch immer bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich an das Spiel denke. Marcelo Diaz schnappt sich einfach die Pille, zirkelt sie in letzter Sekunde rein. Und ausgerechnet Nicolai Müller, der in Hamburg eine rabenschwarze Saison hinter sich hat, rettet dem HSV die Klasse in der Verlängerung – mehr geht nicht. Bis knapp drei Uhr konnte ich nicht einschlafen – was auch daran gelegen haben könnte, dass ich mit ein paar Kumpels am Tresen saß und im Hintergrund das Spiel als Dauerschleife lief. Dreimal haben wir uns die kompletten 124 Minuten angeschaut – und ich hätte noch länger gekonnt…

So genügsam bin ich geworden. Das Minimalziel Klassenerhalt versetzt mich in einen Euphoriezustand, wie ich ihn nicht mal nach Götzes WM-Treffer empfunden habe. Den Möchtegern-Fußball-Moralisten sei an dieser Stelle gesagt: Mir ist egal, das ihr das alles für ungerecht haltet – am Ende ist es gerecht. Ich gehe in diesem Fall sogar so weit, dass sich der HSV den Klassenerhalt über die letzten acht Wochen hart erarbeitet und am gestrigen Abend in Karlsruhe sogar verdient hat. Auf jeden Fall aber schäme ich mich nullkommanullnullnullnullnull dafür, diesen Erfolg zu feiern. Aber wem sage ich das, den meisten hier wird es wahrscheinlich ähnlich gehen…

Dass die Mannschaft mal so richtig durchdreht, war klar. In Karlsruhe ging es im Bus los, anschließend wurde die Chartermaschine zum Party-Flieger umgestaltet (ganz weit vorn wie immer Lewis Holtby und Maxi Beister) und in Hamburg gings ins Zwick. „Das war schon ganz ordentlich“, resümierte Peter Knäbel, der trotz der kurzen Nacht ausgesprochen ausgeruht wirkte. Zwei Stunden im Regenerationsraum am Stadion, zwei Stunden im heimischen Bett – das reihte dem Direktor Profifußball, der in den nächsten Tagen unter Hochdruck die neue Saison planen muss. „Die Zeit der Relegation haben wir Rückstand auf alle anderen“, so Knäbel, „den einen oder anderen Spieler haben wir dadurch leider verloren. Stefan Reinartz zum Beispiel konnte nicht länger warten und hat mit Frankfurt die sicherere Variante gewählt. Das ist schade – aber das müssen wir aufholen.“

Zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer und natürlich mit Bruno Labbadia will Knäbel jetzt zunächst die offenen Personalien intern (Westermann, Ilicevic, Kacar, Rajkovic) abarbeiten. „Bruno wollte im Tunnel bleiben, deshalb habe ich ihn nicht abgelenkt und alles soweit vorbereitet, dass wir Entscheidungen treffen können.“

36 Spieler stehen aktuell unter Vertrag, 25 sollen es zur neuen Saison nur noch sein. Müssen es sogar, da einhergehend der Gehaltsetat gesenkt werden muss. Da bedarf es keines Mathematikers, um nachrechnen zu können, wie viele Spieler gehen müssen. Zumal heute bereits ein Neuer verpflichtet wurde, den wir hier im Blog schon in der Winterpause angekündigt haben: Batuhan Altintas. Der 19-jährige Angreifer wechselt ablösefrei von Bursaspor, wo er die Saison über suspendiert war, nach Hamburg und soll hier an die Bundesliga herangeführt werden.

Aber zurück zum Wesentlichen: zur Rettung. Mein Lieblingskollege aus der Radiowelt und Mit-Blogger hier, Lars Pegelow, hat es in seiner sensationellen Reportage hervorragend zusammengefasst: Endlich ist Schluss. ( Unser Lars rastet aus…) Wobei das „endlich“ bei mir nur deshalb Gültigkeit hat, weil es ein gutes Ende genommen hat. Einen Abstieg habe ich nie als Alternative geschweige denn als „Chance“ gesehen. Ich gehöre nicht zu diesen „Jetzt haben wir es mal verdient, abzusteigen“-Schwätzern, die sich der Folgen gar nicht bewusst waren oder dem HSV schlichtweg nur Schlechtes wünschen wollten. Ich sehe schon allein in der Personalie Bruno Labbadia eine große Chance. Der HSV-Coach hat gegenüber seinem ersten Traineraufenthalt in Hamburg viel dazugelernt – und er macht nahezu alles richtig. Übrigens nur, weil seine Kinder ihn lassen. „Sie waren wegen meines ersten Abganges am Anfang so gar nicht dafür, dass ich das Amt annehme. Im Gegensatz zu meiner Frau, die wusste, dass ich das machen muss“, erzählte Labbadia heute. „Ich glaube aber, inzwischen sind auch meine Kinder einverstanden.“

Ich gebe zu, dass ich gestern während des Spiels nicht verstanden habe, weshalb er Ivica Olic nicht spätestens zur Halbzeit auswechselte. Ich gebe auch zu, dass ich generell mit seinen Aus- und Einwechslungen meine Probleme hatte. Angesichts der Ballstafette zum Siegtreffer (Stieber auf Cléber, der auf Müller) muss ich allerdings Abbitte leisten. Gestern hat Labbadia so gesehen wirklich absolut alles richtig gemacht. Spät – aber eben nicht zu spät. Sich feiern lassen will er aber nicht. Labbadia freut sich über den Klassenerhalt, aber im Gegensatz zu mir dreht er nicht durch. „Bei aller Freude müssen wir lernen, Demut zu zeigen. Wir haben uns viel erarbeitet, haben hart gearbeitet. Wir haben den Klassenerhalt verdient – aber wir hatten auch Glück.“

Am Tag nach der Rettung ist Labbadia schon wieder fokussiert (um mal das Unwort dieser HSV-Saison zu benutzen). „Wir müssen viele Gespräche nachholen, die wir für die Zeit der Relegation aufgeschoben haben“, so Labbadia, der sich nicht von den Emotionen des Klassenerhaltes lenken lassen will.

Schlussjubel Trainer Bruno Labbadia (HSV) Fussball Bundesliga, Relegation Rueckspiel, Karlsruher SC - Hamburger SV 1:2 n.V.

Schlussjubel Trainer Bruno Labbadia (HSV)
Fussball Bundesliga, Relegation Rueckspiel, Karlsruher SC – Hamburger SV 1:2 n.V.

„Wir haben es geschafft, weil wir Zusammenhalt hatten. Die sechs Spieltage waren für mich vom Gefühl her mehr Erfahrung als sonst in einer ganzen Saison. Aber ich kann das unterscheiden – ich entscheide nicht aus einer Emotion heraus, sondern überlegt. Und wir alle wissen, dass sich vieles ändern muss.“ Wie er zu Westermann, Boban, Kacar und Ilicevic steht verriet Labbadia nicht. „Das entscheiden wir jetzt in Ruhe und mit aller Sorgfalt.“ Es wird sich was ändern. Da bin ich mir nicht erst seit heute sicher. Personell im Kader, und auch im Trainerstab. Zuletzt hatte ich gehört, dass U23 und Bundesliga die Konditionstrainer tauschen. Aber das ist noch nicht bestätigt.

Wer an dieser Stelle noch eine Diskussion über Manuel Gräfes Freistoßentscheidung erwartet, den muss sich enttäuschen. Die Szene ließ verschiedene Entscheidungen zu – zu unserem Glück hat er sich für Freistoß entschieden. Eine Fehlentscheidung war das aber allemal nicht. Punkt. Dafür aber rankt sich um den Freistoß eine andere, witzige Geschichte. „Respekt an Marcelo“, sagte Labbadia, „dass er Rafa den Ball wegschnappt und so eiskalt versenkt – alle Achtung. Dabei weiß ich, dass Rafa sich gut fühlte und darauf gehofft hatte, das Spiel mit gerade so einem Standard zu entscheiden.“

Hat er aber nicht. Dabei, so erzählen es sich die Spieler untereinander, wollte van der Vaart auch schießen. Er sagte es Diaz auf Englisch auch. „Ich schieße!“ Wirklich beeindruckt hatte er Diaz damit aber nicht, denn der antwortete angeblich nur: „Yeah! Tomorrow, my friend – tomorrow!“ und schoss… Egal wie, van der Vaarts Nichtstun war vielleicht der alles entscheidende Akt und entsprechend sah er es anschließend auch. „Auch das zeigt, dass wir als Einheit aufgetreten sind. Alle hatten ein gemeinsames Ziel“, freute sich Knäbel und nannte eine Szene exemplarisch: „Als jemand nach dem Spiel fragte, wer denn das 2:1 gemacht hatte, gab es als Antwort von einem Fan: Wir alle! Und genau so war es auch. Genau so muss es immer sein…“

In diesem Sinne, ich muss meine Kopfschmerzen auskurieren – und das geht am besten mit einer Exkursion durch die tausend Videos vom Spiel. Aber bevor ich diesen Blog abschließe, möchte ich Euch noch einen tollen Sportsmann ans Herz legen: Markus Kauczinski. Wie er die aus KSC-Sicht unfassbar bittere Niederlage wegsteckte und fair gratulierte ohne groß zu hadern – ganz großer Sport! Aber hört selbst: https://www.youtube.com/watch?v=-N1P031ecrE

Bis morgen. Dann ausgeruht und mit dem ersten Teil der Saisonanalyse. Ich bin fertig. Fix und…

Scholle

Sensationell! Wahnsinn! Der HSV bleibt oben!

1. Juni 2015

Der HSV muss nicht runter! Hurra, er lebt immer noch! Das war Dramatik pur, das ist alles der helle Wahnsinn, das war nur Wahnsinn. Mit 2:1 nach Verlängerung gewinnt der HSV das Relegations-Rückspiel in Karlsruhe und bleibt damit in der Ersten Bundesliga. Gratulation, HSV! Auch wenn er wieder einmal bis zur letzten Sekunde mit den Nerven seiner Anhänger gespielt hat. Gekämpft haben sie, gut gespielt haben sie nach langer Zeit auch mal wieder, aber in der 90. Minute sah es dennoch nach der Zweiten Liga aus. Der KSC führte 1:0, als es doch noch einen Freistoß für den HSV gab. Ein Freistoß, der wohl nicht berechtigt war, aber Marcelo Diaz traf aus 20 Metern – Verlängerung. Und da nutzten zwei Eingewechselte für die Entscheidung: Cleber legte von links in den Fünfmeterraum, Nicolai Müller war zur Stelle und schoss das 2:1 – die Entscheidung, die erste Liga! Glückwunsch, HSV! Aus einer grottigen, aus einer total verkorksten Saison wurde dann doch noch das Beste gemacht. Glückwunsch auch Trainer Bruno Labbadia, der sicher nicht alles richtig gemacht hat, aber der letztlich dafür gesorgt hatte, dass diese eigentlich „tote Truppe“ doch wieder ein bisschen Leben zeigte. Aufgeräumt werden muss trotz allem, beim HSV, aber das hat jetzt Zeit. Erst einmal darf gefeiert werden – Glück, Glück, Glück. Aber der HSV hat anscheinend die Dame Fortuna auf seine Seite gebracht. Dass der KSC in der Schlussminute noch einen Handelfmeter verschoss, Rene Adler hielt gegen Hennings, war nicht mehr entscheidend, denn selbst bei einem 2:2 wäre der HSV oben geblieben.


 

Der HSV begann in Karlsruhe diesmal ganz anders, als noch am Sonnabend im Volkspark. Das sah nach Fußball aus. Der „Dino“ übernahm die Spielführung, er drückte, er spielte nach vorne – wann immer es gegen die beiden Viererketten des KSC ging. Der HSV, bei dem doch Lewis Holtby wieder die Chance erhalten hatte (und nicht Zoltan Stieber), war Chef im Ring und diktierte über weite Strecken das Tempo. So muss ein Erstliga-Verein gegen einen klassentieferen Gegner spielen. Das sah gut aus. Bis auf die Tatsache, dass der HSV nicht nur schön spielen durfte, sondern auch ein Tor machen musste. 0:0 wäre der Tod.

 

Ivo Ilicevic riskierte bereits in der fünften Minute eine Fernschuss, doch der Ball, aus 24 Metern abgefeuert, verfehlte um die, vier Meter das KSC-Tor. Immerhin, es war mal ein Schuss des HSV. Und nur 60 Sekunden noch eine Hamburger Möglichkeit: Ivica Olic umkurvte die KSC-Abwehr von rechts (wie einst Helmut Rahn – oha, sehr hoch gegriffen, ich weiß!) und schoss aus 18 Metern mit links, aber Torwart Orlishausen hielt die Kugel, indem er sie ins Feld zurückfaustete. Aber das war doch mal etwas, was für Optimismus sorgen könnte. Und es wurde noch besser: Marcelo Diaz schickte Dennis Diekmeier in den KSC-Strafraum, ein kluger Rückpass – aber leider war kein HSV-Kollege zur Stelle. Aber immerhin mal ein Ball, der hinter die Abwehr gespielt wurde – und der Gefahr brachte (17.). Und wiederum nur Sekunden später gab Rafael van der Vaart, für den gesperrten Gojko Kacar im Team, den Ball hoch an den Elfmeterpunkt, Olic legte per Kopf ab auf Pierre-Michel Lasogga, und der schoss, so kennt man ihn, sofort. Voller Wucht, aber der Ball wurde von seinem Gegenspieler abgeblockt, Gefahr gebannt.

 

Immerhin, das fiel mir während dieser Drangphase des HSV ein, machte der HSV schön Druck. Und ich musste an den vergangenen „Doppelpass“ (Sport1) denken, in dem der frühere HSV-Manager Heribert Bruchhagen gesagt hatte: „Der HSV ist zu Hause nicht in der Lage, das Spiel zu machen . . .“ Das stimmt. Aber anscheinend klappt das auswärts besser, denn hier bestimmte der HSV die Szenerie und machte das Spiel. Eindeutig. Der KSC kam kaum einmal gefährlich in die Nähe des Hamburger Strafraums. Der HSV auf der Gegenseite aber sehr wohl: van der Vaart versuchte sich aus 18 Metern mit seinem schwächeren rechten Fuß, aber Orlishausen hielt mühelos. Wie sehr der HSV drückte, das drückte nach einer halben Stunde auch das Eckenverhältnis aus, der HSV führte 6:0. Aber leider weiterhin torlos. Das änderte sich auch in der 39. Minute nicht, als Lewis Holtby von links flankte, Lasogga köpfte aus neun Metern, aber zu lasch und zu unplatziert, wieder war Orlishausen mühelos auf dem Posten.
Halbzeit, 0:0.

 

Unverändert ging es in den zweiten Spielabschnitt. Und der HSV kam. Er machte das, was angesagt war – es musste ein Tor her. Und das lag in der 52. Minute in der Luft: Eckstoß von links von van der Vaart, am Fünfmeterraum steigt Diekmeier hoch und verlängert zu Mitte, der Ball kam am Elfmeterpunkt runter, da stand Lasogga – doch der traf den Ball nicht richtig. Was ihm bescheinigt werden muss: war auch schwer. Dennoch, mit Glück macht man auch ein solches Ding mal, aber eben auch nur mit Glück.

 

Dann drückte der HSV etwas weniger, und es wurde dafür bunter. Drei Gelbe Karten gab es für den HSV: Diaz, Slobodan Rajkovic und van der Vaart hatten zu sehr mit den Ellenbogen gearbeitet. Und der KSC wurde stärker . . . Nach einem Eckstoß, dem ersten des KSC, musste der am Pfosten stehende Diaz auf der Torlinie retten (69.). Der HSV am Ende seiner Kräfte? Das hatten die Hamburger Anhänger genau umgekehrt erhofft – so wie im Hinspiel. Da ließ der KSC zuletzt auch etwas nach. Trainer Bruno Labbadia wechselte Frische ein: Für den agilen und immer noch sehr aktiven Lewis Holtby kam Zoltan Stieber (67.). Warum Holtby? Das wird der Coach sicherlich in den nächsten Tagen noch erklären. Oder auch nicht. Ich hätte Holtby an diesem Tag jedenfalls nie ausgewechselt . . . Doch so etwas ist ja auch ganz klar Sache des Cheftrainers.


 

Karlsruhe hatte dann die beste Chance des zweiten Durchgangs, als zweimal Nazarov (völlig blank am langen Pfosten!) die Möglichkeit zum 1:0 auf dem Fuß hatte. Zum Glück traf der KSC-Mann nicht richtig . . . Aber es wurde enger und enger. Karlsruhe kam immer besser ins Spiel, der HSV musste dem hohen Anfangstempo Tribut zollen. Doch plötzlich ein Lebenszeichen: Flanke von Matthias Ostrzolek, am Elfmeterpunkt steigt hoch und köpft auf das Tor – doch Orlishausen hält prächtig.

 

Das Tor fällt aber auf der Gegenseite. Der eingewechselte Nicolai Müller verdaddelt (im Zusammenspiel mit van der Vaart) den Ball kurz vor dem Strafraum, Hennings bedient Yabo mit einem großartigen Heber – und Tor. 1:0 für den Zweitliga-Club (78.). Aber noch war nichts verloren.

 

Der HSV gab alles. Er reaktivierte die letzten Kraftreserven – er hatte Chancen. Er köpfte Lasogga an den Pfosten (81.), den Nachschuss vergab Diekmeier, der völlig freistehend am Fünfmeterraum den Ball nicht traf! Wahnsinn! Welch ein Wahnsinn! Sekunden später klärte der KSC-Mann Gulde nach einem Kopfball von Johan Djourou auf der Linie, Orlishausen war geschlagen. Und in der 83. Minute versuchte sich Ivo Ilicevic mit einem Seitfallzieher, als er den Ball volley aus acht Metern ins Tor fetzen wollte – aber leider den Ball nicht traf. Wahnsinn in Vollendung! In der 86. Minute köpfte der eingewechselte Cleber (spielte Brechstangen-Mittelstürmer!) nach Eckball um Zentimeter vorbei – es sollte nicht sein. Oder doch? In der 90. Minute Freistoß für den HSV. Es soll ein Handspiel gewesen sein. War es wohl nicht. Schiedsrichter Manuel Gräfe aber gab den Freistoß, und den schoss Marcelo Diaz aus 20 Metern in den linken oberen Winkel. Der HSV lebte noch. Ein Kunstschuss, aber ein sehr, sehr wichtiger. Das war noch mehr Wahnsinn. Aber toll, einfach nur toll, toll, toll.
Verlängerung, doch noch Verlängerung. Es war ja eigentlich schon vorbei – mehr Spannung, mehr Dramatik geht gar nicht. Es geht nicht. Das ist Herzkasper-Fußball in Vollendung! Das ist alles unglaublich – aber das ist Fußball. Der HSV war doch noch einmal aufgestanden, obwohl er schon fast in Liga zwei war.

 

Nur der HSV!

 

In der Verlängerung zog die Polizei vor dem HSV-Block auf. Das sah gefährlich aus. Und so ganz und gar nicht nach Fußball. Gespielt wurde aber dennoch. Die einzige Möglichkeit der ersten 15 Minuten hatte der KSC (als Diekmeier noch mit dem Schiedsrichter debattierte!), aber die Kugel flog am langen Eck vorbei. Zum letzten Mal Halbzeit.

 

Und als alles auf ein Elfmeterschießen deutete, schoss Nicolai Müller auf Vorarbeit von Cleber doch noch das 2:1. Dass Rene Adler in der Schlussphase noch einen Elfmeter hielt, war unerheblich, der HSV bleibt oben, oben, oben, oben, oben, oben – Jubel, Trubel, Heiterkeit.

 

Der HSV spielte mit: Adler; Diekmeier, Djourou, Rajkovic, Ostrzolek; Diaz, van der Vaart; Olic (77. Min. Müller), Holtby (67. Min. Stieber), Ilicevic (86. Min. Cleber); Lasogga.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler wurde kaum gefordert, war die Ruhe selbst – nur den Ball, den hielt er wieder viel zu lange. Manuel Neuer lässt schön grüßen . . . In der Verlängerung hielt er allerdings zweimal sensationell, so auch den Elfmeter von Hennings. Da schickt der Adler dann auch schöne Grüße an Manuel Neuer . . .

 

Dennis Diekmeier machte vieles richtig, hinten war das absolut okay, aber vorne macht er es sich dann immer wieder kaputt, wenn er nicht den Abschluss (Flanke) sucht, sondern zu 95 Prozent zurückspielt. Schade, schade, schade.

 


Johan Djourou
hatte keine Probleme mit Hennings, spielte souverän, war kopfballstark. Das war stark.

 

Slobodan Rajkovic erledigte seine Defensivaufgaben ordentlich, hinten ohne Schwierigkeiten, nach vorne war er aber schnell am Ende mit seinem Latein.

 

Matthias Ostrzolek spielt zu oft zu harmlos nach vorne, er sucht auch zu 90 Prozent immer wieder nur den Rückpass. Wenn er doch nur mal den Kampf eins gegen eins suchen würde, aber er bevorzugt das körperlose Spiel – schade, schade, schade.

 

Marcelo Diaz gehörte zu den effektiveren Hamburgern, bot sich immer wieder an, ging weite Wege – auch nach vorne, das sah gut aus. Auch wenn er nie zum Abschluss kam.

 


Rafael van der Vaart
gehörte, ganz, ganz sicher, zu den Aktivposten des HSV, der Niederländer spielte eine sehr gute erste Halbzeit, was er machte, das hatte Hand und Fuß. Dass er dann, mit zunehmender Spieldauer, etwas nachlässt, ist ganz normal (er ist nicht im Rhythmus) – aber dafür sitzen draußen ja noch einige auf der Bank.

 

Ivo Ilicevic war in Halbzeit eins der beste Hamburger, er riskierte Dribblings, war um Tempo bemüht – warum erst jetzt, am Ende der Saison, warum erst jetzt, wo schon lange feststeht, dass er Hamburg verlassen muss?

 

Lewis Holtby spielte deutlich besser als im Hinspiel, sehr engagiert, laufstark, einsatzfreudig. Warum nicht immer so?

 

Ivica Olic blieb blass und schwach, so wie schon im Hinspiel. Leider nur Note sechs, auch wenn er sich angeschlagen durchquälte.

 

Pierre-Michel Lasogga konnte sich einige Male besser in Szene setzen als noch am Sonnabend, aber insgesamt erwarten alle von ihm viel, viel mehr.

 

Zoltan Stieber (ab 67. Min. für Holtby) drückte sofort auf die Tube, Tempo, Tempo, Tempo. Gut so.

 

Nicolai Müller (ab 77. Min. für Olic) sorgte gleich für ein Tor – leider für den KSC. Welch ein unfassbarer Einstand! Aber er schlug noch zurück, auf der richtigen Seite – denn er schoss das 2:1 und geht damit in die Geschichte des HSV ein. Glückwunsch!

 

Cleber (ab 86. Min. für Ilicevic) sollte für das Tor sorgen, köpfte gleich knapp vorbei – und sorgte für Unruhe in der KSC-Defensive. Das war sehr, sehr gut – und auch deshalb, weil er das 2:1 vorlegte. Glückwunsch!

 

Gleich werden wir wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle sein, um über dieses unfassbare, wahnsinnige Relegationsspiel in Karlsruhe zu sprechen. Zwei große ehemalige HSVer sind dann bei „Scholle“ und mir zu Gast: Frank Mackerodt, das ehemalige Aufsichtsrats-Mitglied, und ein letztes Mal vor der Sommerpause Stefan Schnoor, früher bekannt als eisenharter HSV-Stopper und heute als Sport1-Experte, der die klare Sprache liebt. Frank Mackerodt, das sei noch kurz erwähnt, immer wieder ein sehr gern gesehener Gast bei uns, wurde als Glücksbote „eingekauft“, denn er war auch vor einem Jahr unser Gast, als der HSV mit dem 1:1 in Fürth die Klasse gehalten hatte.
Mach’s noch einmal, Frank, so das Motto!!!
Das HA-TV, „Scholle“ und ich würden uns wieder sehr freuen, wenn Ihr uns per Bildschirm bei diesem Vierer-Gespräch begleiten würdet. Bis gleich also.

 

Dann noch, auch wenn es keinem helfen sollte, die Zeit vor dem Anpfiff. Ich schrieb das, was jetzt hier folgt, rund 30 Minuten vor dem Anstoß im Karlsruher Wildpark:

 

Laut Hamburger Abendblatt vom heutigen Tag glaubte die Mehrheit (vor dem Spiel) nicht mehr an die Rettung des HSV. In meiner näheren Umgebung war das ein wenig anders, denn Freunde, Bekannte und auch Familie waren durchaus noch optimistisch – und hofften zumindest auf ein höheres Unentschieden. Ich sprach aber am Vormittag auch mit einem langjährigen Bundesliga-Schiedsrichter, der mir wenig Hoffnung machte – weil er das Hinspiel aufmerksam beobachtet hatte und zu dem Schluss kam: „Das reicht nicht für die Erste Liga.“
Egal aber wie, ob nun Sieg oder Unentschieden, es ging ja nicht um Schönheit, sondern nur ums Drinbleiben. Und dafür war die Anteilnahme in diesen Tagen (seit dem 1:1 im Hinspiel) riesig. Unglaubliche viele Anrufe, Mails und SMS erhielt ich, die Glück wünschten, die noch an den HSV glaubten. Vielen Dank dafür – das ist einmalig! Aus der Ferne drückte der ehemalige HSV-Abwehrspieler Andrej Panadic per SMS die Daumen, und aus Budapest meldete sich Ferencvaros-Trainer und HSV-Legende Thomas Doll (Pokalsieger und Vizemeister Ungarns) und schrieb ebenfalls, wie sehr er dem HSV die Daumen drücken wird.
Vom „Dithmarscher_Jung“ kam dagegen heute eine traurige Mail, denn er schrieb an „Matz ab“: „Meine Frau ist gerade ausgerutscht, Oberschenkelhalsbruch. Ich hoffe doch sehr, dass dieses kein schlechtes Zeichen für heute Abend ist.“
Ich habe mich für Hals- und Beinbruch entschieden, das wünscht man doch vor einem wichtigen Ereignis – also bedeutet das etwas Gutes. Auf jeden Fall wünschen wir Deiner Frau schnelle und gute Besserung!

Ein ehemaliger St.-Pauli-Kapitän schrieb mir seine etwas außergewöhnliche Unterstützung eine halbe Stunde vor dem Anpfiff: „Bleibe ruhig, ich sonne mich noch 30 Minuten, und dann bin ich 90 Minuten ein Roter – und HSV gewinnt!“ Auf dem Weg zum Public Viewing in der Arena meldeten sich „el presidente“ Benno Hafas und „Lars49“ und drückten alle in freudiger Erwartung – und in der Hoffnung, dass es auch helfen würde. Aus Berlin meldete sich unsere „Hope/Eva“ und wünschte allen viel, viel Glück und natürlich den Klassenverbleib, und aus Prag hatte ja schon gestern David Jarolim gesagt, dass er für den HSV beten wird. Das musste doch etwas werden mit dem Dino. Ich hoffe es jetzt, um 18.30 Uhr (also eine halbe Stunde vor Anpfiff), ganz einfach mal, dass das alles, auch die vielen Wünsche die jetzt nicht namentlich genannt werden konnten – hilft.
Ihr werdet es schon wissen – ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht . . .

 

21.43 Uhr

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