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Herr Kühne, van der Vaart und all die anderen Goldfische

12. Mai 2012

Am Sonntag um 15 Uhr in Büdelsdorf gegen den VfB Stuttgart, am Dienstag dann noch ein letzter Kick vor der Sommerpause, und zwar in Lüneburg. Und das war es dann auch mit der Saison 2011/12. Endlich, möchte ich meinen. Die 90 Minuten gegen Dorchtersen /Assel waren schon wieder schlimm genug. 2:1 gewonnen. Etwas besser war da schon die Mannschaft von Rodolfo Cardoso, die in dieser Saison gegen Drochtersen/Assel mit 5:2 gewann. Aber, ich weiß, ich weiß, was sollen Quervergleiche, sie bringen ja doch nichts – es ist so, wie es ist. Und für die Profis muss es ja auch irgendwie eine Qual sein, nach einer solchen Saison noch über die Dörfer tingeln zu müssen. Solche Spielchen haben nicht den kleinsten Reiz für einen Bundesliga-Spieler, denn die für Amateure ist es das Spiel des Jahres, sie kämpfen, sie beißen, sie treten, sie geben keinen Millimeter freiwillig ab. Da muss ein Profi schon eine absolut astreine Einstellung haben, um dagegen zu halten, um die wahre Überlegenheit auch auf dem Rasen zu zeigen. Aber nach einer solchen Minus-Serie? Da ist jeder nur froh, wenn er die Buffer bis Anfang Juli einmotten und im Urlaub erst einmal vom Fußball abschalten kann. Das ist schon nachvollziehbar. Aber zweimal müssen die Helden des HSV eben doch noch mal ran, denn es muss ein wenig Kleingeld in die leere Kasse. Und die Cracks werden ja auch weiterhin fürstlich entlohnt, es ist ja nicht so . . .

Derweil „ackern“ die Verantwortlichen weiter am neuen HSV. Zwei „Goldfische“ sind schon da, weitere sollen noch an Arnesens Angelhaken. Und wenn ich hier kürzlich meinem Bauchgefühl habe freien Lauf gelassen, als ich mal mutmaßte, dass über den Herrn Kühne eventuell eine Rückkehr von Rafael van der Vaart möglich sein könnte, so gibt es jetzt schon die eine oder andere Stimme, die dieses (mein) Bauchgefühl unterstützen. Einige „Experten“, die in Sachen Transfers auch sonst das „Gras wachsen hören“, wollen etwas von einer Dreiecks-Verbindung zwischen Kühne, dem HSV und dem blonden “kleinen Engel“ wissen. Was mich allerdings noch stutzig macht: Mein Kollege Babak Milani von der „Bild“ ist ja mit Rafael van der Vaart, der in Tottenham nicht gerade königlich behandelt worden ist (spielte nicht immer von Beginn an), ganz eng befreundet, deswegen müssten eigentlich die „vier großen Buchstaben“ zuerst von einer solchen (großartigen – wie ich finde!) Verbindung wissen. Aber gut, vielleicht sollen ja auch noch nicht die Pferde scheu gemacht werden, weil es ja noch genügend Zeit gibt, um einen solchen Transfer einzutüten. Und in England läuft ja auch die Saison noch . . .
Aber, um das noch mal ganz „offiziell“ zu schreiben: mit Rafael van der Vaart beim HSV (zurück) könnte ich sehr gut leben . . .
Ja, das wird noch eine spannende Zeit. Und vielleicht auch nicht so aufregend, wie die nun abgelaufene Saison. Absteigen kann der HSV ja nun nicht mehr . . . Nur noch viel dafür tun, dass wieder einmal bessere Zeiten auf die Raute zukommen. Ihr habt euch in den letzten Tagen (nach dem Augsburg-Spiel) ja genügend Gedanken gemacht, wie es weitergehen kann, weitergehen muss, weitergehen soll. Ich habe mal zwei Beiträge aus euren Reihen herausgepickt. Wünsche und Sorgen zweier HSV-Fans.

Von „RauteImHerzen” kam u. a. dieses:

„Ich habe jetzt die Schnauze voll, werde keine Dauerkarte bestellen, denn ich lasse mich nicht weiter verarschen von diesen Nullos. Dann verzichte ich auf HSV-Spiele im Stadion und schaue mir die Spiele am Fernseher an, notfalls schalte ich dahin um, wo Fußball gespielt und gekämpft wird.

Frank Arnesen muss jetzt das Kunststück vollbringen, die Mannschaft so zu ergänzen, dass sie in der nächsten Saison konkurrenzfähig ist, Stand heute ist der HSV für mich auf Platz 18 gesetzt. Das heißt: Spieler verlaufen und hungrige ablösefreie Spieler verpflichten. Und alles Geld zusammenkratzen, einen gestandenen Spielgestalter und ein Backup zu verpflichten. Denn die Kassen sind leer, sonst würde man längst Adler und verpflichtet haben, auch wenn ein Drobny noch auf der Gehaltsliste steht. Wenn es um die 2 – 3 Mio. Einsparung geht, müssen wir kurz vor der Pleite stehen…

Wen soll der HSV freisetzen?

Marcell Jansen. Verletzungsanfällig, ohne Esprit, megaempfindlich, viel palavernd. Ein Maximilian Beister oder ein Zhi-Gin Lam kann das sicher perspektivisch besser, wenn man ihn lässt.

Paolo Guerrero. Rackert zwar oft, ist aber noch öfter unbeherrscht. Ist bei den Schiris und den Ligabonzen als Brutalo abgestempelt

Dennis Aogo. Zeigt als Nationalspieler viel zu wenig. Müsste für 5 Mios. verkäuflich sein, dafür kriegen wir zwei Spieler seines Niveaus vom Typ Slalomstange der Abwehr, auch wenn ich glaube, dass er einer der wenigen ist, die sich voll reinhängen.

Dennis Diekmeier. Rennt schnell, ist offensiv stark, aber defensiv eine Zumutung. Bringt sicher auch 2-3 Mio.

Robert Tesche. Ohne Worte. Gern auch ablösefrei.

Heiko Westermann. Kein Abwehrchef, sondern ein Unsicherheitsfaktor. Macht viel zu viele Fehler. Wann war der mal richtig Chef auf dem Platz? Bringt sicher auch 2-3 Mio.

Ivo Ilicevic und Marcus Berg würde ich weiter vertrauen, sie könnten in einer neuen Mannschaft Aktivposten werden. Berg muss nur noch mehr spielen.

Gökhan Töre muss noch viel lernen, den würde ich mit aller Macht festhalten. Auch Slobodan Rajkovic wird sich entwickeln.

Tomas Rincon? Ein Kämpfer, den man nur als Zerstörer einsetzen soll, aber nicht als Spielaufbauer. das kann er nicht.“

Von „FinchLarsen“ der folgende Beitrag:

„Dass auch Aogo nicht mit zur EM fährt ist nicht gut, auch Westermann, Jansen, Diekmeier und Bruma sind aussortiert. Damit ist klar, der HSV ist kein Verein mehr der N11-Spieler stellt. Es muss aber das Ziel des HSV sein N11-Spieler zu stellen, nicht nur weil es den Marktwert steigert, sondern weil es junge Spieler mit Ambitionen zum HSV bringt. Die Argumentation, dann können wir zumindest mit allen Spielern in die Vorbereitung starten ist die Argumentation eines 2te- 3te – 5te Liga Vereins.

Um Aogo tut es mir wirklich leid. Das Genick hat ihm wohl das Frankreich Spiel gebrochen, als er – wie beim HSV gelernt – irgendwo vorne rumirrte um dann mit falschen Stellungsspiel die Niederlage zu verschulden. Neben Aogos Bringschuld hat der Verein die Aufgabe jeden Spieler besser zu machen. Aogo, von Big Martin Jol entdeckt und bis in die N11 gefördert ist kaputttrainiert worden, auch wenn er seinen Teil dazu beigetragen hat. Der HSV 2012, graue Maus, zum Heulen, Es gibt Tage, wo man als HSV Fan so traurig ist, dass man sich noch trauriger machen möchte.“

Die Sache mit den Nationalmannschaften darf noch um einen Spieler ergänzt werden: Mladen Petric. Auch er ist in Polen und der Ukraine nicht dabei. Als Spieler nicht. Und Urlaub wird er dort bestimmt auch nicht machen wollen. Das der kroatische Nationaltrainer Slaven Bilic auf Petric verzichtet, ist ja sogar nachvollziehbar. Der Ex-Torjäger hat in dieser (abgelaufenen) Saison absolut nichts gebracht. Und allgemein gilt: Die stets und ständig hervorgehobene „Qualität des HSV“ und seinen Spielern mag ja durchaus in den Köpfen der Hamburger Verantwortlichen vorhanden gewesen sein, aber sie alle wurden widerlegt. Die Nationaltrainer aller Herren Länder haben das eben ganz, ganz anders gesehen. Was nicht nur Thorsten Fink und Frank Arnesen zu denken geben sollte, sondern auch den Herren Nationalspielern des HSV. Sie bekamen die Quittung für eine erschütternde Saison, und wenn man dann am Ende aus der Nationalmannschaft fliegt, dann geht es schonungsloser eben nicht.

Wobei ich Dennis Aogo einmal ausnehme. Er mag sich letztlich durch das Frankreich-Länderspiel aus dem Team gespielt haben, aber ich mache dafür vor allem die desaströse HSV-Saison verantwortlich. Aogo war ganz sicher noch einer der besseren Hamburger in dieser Spielzeit, er hat vor allen Dingen stets und ständig Verantwortung übernommen – als einer der wenigen Spieler dieser oft überforderten Mannschaft. Um Aogo, so gab der Verein einst bei der Vertragsverlängerung mit dem Nationalspieler bekannt, um Aogo herum sollte ein neues HSV-Team aufgebaut werden. Das misslang zwar 2011/12 gründlich, aber an Dennis Aogo lag es gewiss nicht – er hat seinen Part dabei erfüllt. Was ihm ja auch mehrfach von den Verantwortlichen (Arnesen, Fink) bestätigt wurde. Ich muss deutlich sagen, dass sich Dennis Aogo zu einem echten Führungsspieler gemausert hat, obwohl ich auch zugeben muss, dass er fußballerisch nicht immer überzeugt hat. Insgesamt stagnieren seine Leistungen – aber auch das liegt gewiss nicht nur an ihm. Ich würde mir wünschen, dass solche Defizite, die sich ja nicht nur im Frankreich-Spiel offenbarten, durch ein individuelles Training, oder besser, durch ein individuelleres Training, abgestellt werden würden. Oder dass es auf diese Art auf jeden Fall einmal versucht werden würde. Aber darauf warte ich schon seit Jahrzehnten bei jedem HSV-Bundesliga-Trainer vergeblich drauf.
Mal abgesehen von Ricardo Moniz, der sich während des Trainings von Martin Jol doch mitunter das eine oder andere Talent „griff“, um mit ihm Einzeltraining (auf dem Nebenplatz) zu veranstalten. Und: Der große Martin Jol hatte tatsächlich nichts dagegen, er ließ seinem Technik-Trainer freie Hand und ließ ihn gewähren. Nachahmenswert. Unbedingt.

Apropos Jol. Kürzlich flüsterte mir ein „guter Geist“ während eines HSV-Trainings zu, dass der Coach des FC Fulham latentes Interesse an Marcell Jansen habe. Ach wenn’s doch wahr wäre – habe ich so bei mir gedacht. Auch im Interesse von Jansen – natürlich. Wer von euch erinnert sich nicht daran, dass der Linksfuß noch um die Jahreswende immer wieder laut von einer EM-Teilnahme (2012!) träumte? Dabei war er in meinen Augen, und nicht nur in meinen, absolut chancenlos. Jansen soll ja nach eigenen Angaben „so fit wie nie“ in diese Saison gegangen sein, aber davon war zu keiner Phase dieser Spielzeit etwas zu sehen. Wenn das anders gewesen wäre, dann wäre er sicherlich auch einmal in die Nähe der Nationalmannschaft gekommen, aber da gab es nichts, nicht einmal das kleinste Zeichen von Jogi Löw. Deswegen wäre es vielleicht auch ganz im Sinne von Jansen, wenn es einmal eine Klimaveränderung (sprich Vereinswechsel) für ihn geben würde. Eine neue Herausforderung setzt vielleicht doch noch einmal ungeahnte Kräfte frei – wer weiß?

Aber der „gute Engel“, der mir von Jols Interesse berichtete, der sagte auch, dass der HSV erstens Jansen nicht gehen lassen, und zweitens wohl eine sehr hohe Ablösesumme fordern will. Oder sind die HSV-Herren eventuell auch (schon) so clever, dass sie den Preis ein wenig in die Höhe treiben wollen? Denn für „ein Butterbrot und ein Ei“ sollte auch ein Ex-Nationalspieler nicht von Hamburg auf die Insel wechseln dürfen. Der HSV hat schließlich nichts, aber auch rein gar nichts zu verschenken. Auch an einen ehemaligen HSV-Trainer nicht. Bei Geld hört die Freundschaft auf.

Kurz möchte ich noch einmal zur Kritik an Heiko Westermann (in diesem Bericht oben) kommen. „Wann war er mal richtig Chef auf dem Platz?“ So wurde gefragt. Das kann ich nicht so stehen lassen. Ich habe viele Spiele gesehen, in denen Westermann Chef auf dem Platz war. Und Fels in der Brandung. Wenn der Kapitän heute in der „Bild“ verkündet, dass der HSV ohne Thorsten Fink abgestiegen wäre, dann ehrt es ihn, aber er stellt dabei sein Licht unter den Scheffel. An Heiko Westermann konnten sich die jungen Leute im Team anlehnen – und ein gutes Beispiel nehmen. Westermann ist sicher kein Filigran-Techniker, das wird er auch nicht mehr, aber er ist einer, der für sein Team immer alles gibt – und das hat er stets vorbildlich gemacht. Da war er auf Augenhöhe mit Dennis Aogo und David Jarolim. Ich bin mir ganz sicher, dass der HSV ohne Heiko Westermann auch abgestiegen wäre – aber zum Glück hatten wir ihn ja in jeder Partie dabei. Nicht auszudenken, wenn er einmal für längere Zeit gefehlt hätte (verletzt oder gesperrt).

So, das Damen-Pokalfinale ist gelaufen, der große Außenseiter FC Bayern bezwingt den 1. FFC Frankfurt mit 2:0! Demnächst beginnt das Herren-Traum-Finale – und jedes Mal sitze ich dann vor dem Fernseher und bin traurig. In dieser Saison ist der HSV zwar höchst unglücklich aus dem Pokal ausgeschieden (in Stuttgart – morgen die Revanche?), aber zu oft schon wurde der DFB-Pokal zu leicht und zu locker von den Hamburgern abgeschenkt. Und wer einmal in Berlin war, und zwar schon lange, lange vor dem Anpfiff, der weiß, welche einmalige Atmosphäre dort herrscht. Wer tagsüber auf dem Kurfürstendamm herumläuft, der weiß, wie besonders ein solches Pokal-Wochenende ist. So etwas muss man ganz einfach mal mitgemacht haben – am besten natürlich mit dem eigenen Verein. Aber ein solches Vergnügen liegt ja schon ein wenig länger zurück. Damals, zu Happels Zeiten . . .

Lang, lang ist es her. Aber schön war es doch!

18.45 Uhr

Sportchef Arnesen macht sich keine Sorgen

3. Oktober 2011

„Beim nächsten Spiel in Freiburg wird ein Trainer mit Lizenz auf der Bank sitzen.“ Sagte Frank Arnesen nach der 1:2-Niederlage gegen Schalke 04 und lächelte ein wenig süffisant. Daraufhin wurde der Däne nur noch ein wenig mehr „gelöchert“: der neue Mann? Holt der HSV jetzt endlich einen neuen Trainer? Arnesen: „Das habe ich nicht damit gesagt. Ich habe nur gesagt, dass gegen Freiburg ein Trainer mit Lizenz auf der Bank sitzen wird.“ Aha.

Der wird aber nicht Cardoso heißen, denn Arnesen sagt: „Wir müssen, so sieht es nun aus, einen neuen Trainer holen, denn Rodolfo Cardoso, der hervorragende Arbeit gemacht hat, darf es ja wahrscheinlich nicht weitermachen. Aber es wird in 14 Tagen, beim Auswärtsspiel in Freiburg, ein Trainer mit Lizenz auf der HSV-Bank sitzen.“ Wäre es anders, wäre es auch ein Armutszeugnis. Nur: wer sitzt dort? Arnesen selbst, der die Lizenz hat? Frank Heinemann, der bisherige Co-Trainer? Oder Torwart-Coach Ronny Teuber, der auch Fußballlehrer ist? Oder doch ein neuer Mann? Das wird noch spannend.

Und plötzlich taucht ein neuer Name auf. Als Chef-Coach? Sergej Barbarez. Bei Sky sagte er während des Schalke-Spiels: „Es sind so viele Namen gefallen. Man versucht, etwas Richtiges zu tun. Aber je weiter die Zeit läuft, umso schwieriger wird es, eine vernünftige Lösung zu finden. Eine Hamburger Lösung für diesen Verein wäre nicht schlecht.“ Und Barbarez fügte noch vielsagend hinzu: „Ich hatte ein schönes Gespräch. Ich will kein Bewerbungsvideo schicken, sondern einfach sagen, dass ich sehr zu diesem Verein stehe und auch viele Emotionen für diesen Verein habe. Was am Ende kommt, wird man sehen. Ich hatte ein kleines Gespräch mit Frank Arnesen.“

Und nun haben viele schon “Angst”, dass Barbarez der neue HSV-Trainer wird. Dabei hat Arnesen doch gesagat, dass er den besten Trainer sucht. Und wir erinnern uns alle: Barbarez war zwar schon mal Aufsichtsrat, und zwar beim HSV, aber Trainer war er noch nicht. Und Arnesen sucht den besten Trainer . . .

Zudem muss ich mal sagen: Wer weiß schon, wer der beste Trainer ist? 2009 war das Trio Mike Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck auf Schalke tätig – bis Felix Magath kam. Und was war? Schalke lebt heute noch (was wir eben gerade bitter genug erfahren mussten, und ein Mann wie Büskens wurde hier auch schon rauf und runter gehandelt – als guter Mann für den HSV. So spielt das Leben. Im Fußball.

Und noch dazu gesagt, was Sergej Barbarez meinte: Eine Hamburger Lösung. Da ist ja auch immer noch, von vielen HSV-„Altinternationalen“ gewünscht und teilweise über die Medien gefordert, Horst Hrubesch im Gespräch. Doch zu diesem Namen meldete sich jetzt (er nun wieder) Matthias Sammer bei Sky zu Wort: „Der HSV muss für sich als Verein begreifen, welchen Weg er gehen will. Der Trainer muss zur Gesamtstruktur des HSV passen. Beim HSV ist es momentan unruhig. Das geht nicht mit einer One-Man-Show.“ Und: „Ich kann über Horst Hrubesch nur das Allerbeste sagen. Er ist top. Ich bin froh, dass er bei uns, also beim DFB, bleibt und dass das keine Gedankenspiele sind.“

Abwarten.

Vielleicht kommt es ja diesmal doch umgekehrt – als damals, im Fall Sammer und der HSV. Seinerzeit waren sich Sammer und der HSV schon einig, als es jedoch verkündet wurde, platzte der Deal doch noch. Und wenn Hrubesch nun bleiben soll, dann könnte es ja doch noch etwas werden . . .

Frank Arnesen wollte sich nicht, immer noch nicht, in die Karten blicken lassen. Er sprach statt über den neuen Trainer über die ungerechte Niederlage: „Wir haben unser bestes Spiel geliefert, seit ich beim HSV bin. Das Resultat enttäuscht mich schon sehr. Wir haben alles gegeben, sehr guten Fußball gespielt, viele Chancen kreiert, wenige Chancen zugelassen – das Schalker 1:0 ist aus heiterem Himmel gefallen. Und dann kämpfen wir uns zurück, spielen nach der Pause die ersten 20 Minuten überragend – und dann schlägt der Huntelaar wieder eiskalt zu. Das war tragisch. Dieses Spiel hätten wir gewinnen können.“

Das stimmt. Die Daten des Spiels belegen es. Torschüsse: 18:9 für den HSV. Ecken 5:5, Flanken 15:15, Ballbesitz 50:50, Fouls 18:18. Schalke war in keinem Punkt besser als der HSV.

Frank Arnesen: „Ich habe von Anfang an gesagt, dass wir gute Spieler haben. Spieler, die besser sind als Platz 18. Doch ich kann reden, reden, reden, wenn wir es nicht zeigen, glaubt mir ja keiner. Erst in den letzten beiden Spielen haben wir es gezeigt, wie gut wir sein können. Leider aber haben wir nur drei Punkte geholt.“

26 Spiele hat der HSV noch in dieser Saison, jetzt geht es in 14 Tagen zum „Abstiegsgipfel“ nach Freiburg. Arnesen: „Wir haben aber nicht nur dieses Spiel, alle sind wichtig für uns.“ Verliert der HSV auch dort, dann dürfte es schon mal sehr, sehr schwer werden, sich bis zur Winterpause von einem Abstiegskampf zu entfernen. Hat Frank Arnesen Sorgen, dass der HSV irgendwann in einen solchen Strudel geraten wird, aus dem es dann sehr schwer werden wird, noch einmal so richtig Luft zu holen? Wir alle kennen die Szenerie: Wer unten steht, der hat oft auch das Pech gepachtet. Arnesen aber sagt: „Ich mache mir keine Sorgen, dass der HSV absteigt. Ich bin sicher, dass wir die Klasse halten werden, aber ich weiß auch, dass es schwer wird. Wir müssen jedes Mal alles geben, das ist ganz klar – wir sind auf Platz 18. Aber ich bin noch positiv.“

Noch.

Und noch hat er auch keinen neuen Mann auf der Bank. Er flüchtet sich in Sarkasmus: „Ich habe mit van Basten gesprochen, ich habe mit van Gaal gesprochen, ich habe mit Olsen gesprochen, ich habe mit Hrubesch gesprochen und ich habe mit Moniz gesprochen – ich habe aber gesagt, dass ich mich nie an Spekulationen beteiligen werde. Ich werde nur über den Trainer reden, den ich auch tatsächlich hole. Dann werde ich auch begründen, warum ich ihn geholt habe.“

Apropos geholt. Wenn nicht alles täuscht, dann hat Frank Arnesen doch einige sehr gute Spieler geholt. Spieler für recht wenig Geld. Jeffrey Bruma ist schon gut, wird sicher noch stabiler und besser. Gökhan Töre ist stark, steht in meinen Augen vor einer ganz großen Karriere. Slobodan Rajkovic hat bestens eingeschlagen, gehört stets zu den besten Hamburgern. Und ich bin restlos davon überzeugt, dass auch Ivo Ilicevic, der bislang gesperrt fehlte – und ganz sicher noch für viel Furore sorgen wird. Bleiben noch Michael Mancienne und Jacopo Sala. Da darf sich jeder selbst ein Bild machen. Aber vier aus sechs? Das ist doch eine gute Quote, oder?
Es sind, da habe ich einen vergessen, tatsächlich vier oder fünf aus sieben – denn: Per Ciljan Skjelbred (danke für die Nachhilfe) ist ja auch noch von Frank Arnesen geholt worden. Und obwohl der Norweger noch nicht so richtig in Form gekommen ist, ich glaube, er wird noch. Und in der vergangenen Woche hat er in meinen Augen auch sehr gut, weil bissig und willig, trainiert.
(Diesen Absatz habe ich am Sonntag um 22.22 Uhr eingefügt)

So, nun geht es mit dem Original von Sonntag um 17.26 Uhr weiter:

Besonders an Töre schieden sich diesmal die Geister. Zweimal war er nicht in der Lage, die Flanken, die zu den Schalker Toren geführt hatten, zu verhindern. Rodolfo Cardoso nimmt den jungen Deutsch-Türken in Schutz: „Ja, zweimal kam er zu spät, aber so ist Fußball. Wir müssen weiter daran arbeiten, er muss daran arbeiten. Er muss sich korrigieren, muss begreifen, dass das Spiel nach hinten auch für ihn wichtig ist, er muss sich mehr konzentrieren.“ Der Interimscoach sagte aber auch: „Nach vorne hat Gökhan Töre ein riesiges Spiel gemacht, das war seine Aufgabe, so kann es weitergehen.“ Richtig. Denn so viele Fußballer, die ein, zwei oder auch drei Gegenspieler ausspielen können, um so Raum für die Mitspieler zu gewinnen, hat der HSV nicht. Gökhan Töre gehört zweifellos zu dieser seltenen Sorte Spezies, er wird dem HSV und den HSV-Fans noch viel Freude bereiten, davon bin ich total überzeugt.

Das nächste Training findet am Dienstag statt, und zwar um 15 Uhr am Volkspark.

Genießt noch den Rest vom Tag der deutschen Einheit. Ich genieße auf jeden Fall die Einheit. Immer noch. Und auch in tiefen Zügen. Denn ich hätte vor 30 Jahren nie geglaubt, dass ich die deutsche Einheit noch erleben darf. Umso schöner ist es jetzt. In diesem Sinne – genießt es.

17.26 Uhr

Kehrt Ricardo Moniz zurück?

30. September 2011

„Wer einen Engel sucht und nur auf die Flügel schaut, könnte eine Gans nach Hause bringen.“ Dieser nette Spruch fiel mir heute am Morgen in die Augen, als ich in die Küche kam und auf den beliebten Springer-Kalender blickte. Georg Christoph Lichtenberg, ein Schriftsteller, der von 1742 bis 1799 gelebt hat, erfand diesen klugen Spruch. Und ich dachte so bei mir, das könnte man doch auch mal leicht abwandeln – auf die HSV-Trainersuche gemünzt: „Wer einen Trainer sucht und nur auf den großen Namen achtet, könnte leicht mal einen Rohrkrepierer nach Hause anschleppen.“

Hoffentlich nicht.

Zum Wesentlichen: Die nun folgende Geschichte ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Und da ich mich nicht mit fremden Federn schmücken möchte, schreibe ich nun hier in aller Deutlichkeit: Die (großartige) Recherche hat in diesem brisanten Fall mein Kollege Marcus „Scholle“ Scholz geleistet.

Im April 2010 wurde HSV-Techniktrainer Ricardo Moniz Nachfolger des geschassten Bruno Labbadia. Moniz machte seine Sache bis zum Saisonende gut, so dass, ähnlich wie im Fall Veh/Oenning, damals viele HSV-Anhänger für eine Weiterbeschäftigung des Niederländers waren. Der ehemalige HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer, seinerzeit schon zu Red Bull Salzburg abgewandert, sicherte sich aber schon früh die Zusage von Moniz, ebenfalls ein „roter Bulle“ zu werden. So geschah es dann auch.

Längst ist Ricardo Moniz zum Chef-Trainer in Salzburg aufgestiegen, weil er schon in der vergangenen Saison Huub Stevens beerbte, die Moniz-Mannschaft legte den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte hin. Und nun interessiert sich der HSV wieder für den „verlorenen Sohn“. Moniz soll zurück nach Hamburg. Daran wird im Moment ganz intensiv hinter den Kulissen gearbeitet.

Moniz wäre in meinen Augen ein passender Kandidat, denn: Er kennt den HSV, er kennt die Bundesliga, er kennt Hamburg, kennt die Möglichkeiten, er spricht Deutsch, er kann eine Mannschaft begeistern – und er hat sich stets wohl gefühlt beim HSV. Und, was noch erschwerend hinzukommt, Ricardo Moniz kennt Frank Arnesen. Beide Männer haben schon mehrfach miteinander zu tun gehabt. Der Däne holte den Coach 1994 zum PSV Eindhoven. Dort trainierte Moniz das Nachwuchs-Team – bis 2005. Als Arnesen dann bei Tottenham Hotspur angeheuert hatte, ließ er Moniz ein Jahr später folgen. Pech nur für Moniz: Arnesen, der ihn nach England gelotst hatte, ging just zu jenem Zeitpunkt von Tottenham zum FC Chelsea. 2008 schlug dann Martin Jol zu, der Moniz mit zum HSV brachte – als Techniktrainer.

Jetzt scheint die Lage klar. Der HSV hat Arnesen, Arnesen will Moniz. Als folgt der dem Ruf seines damaligen „Chefs“. Doch leider birgt dieses Fußballmärchen noch kein Happy End in sich, denn: Moniz hat noch einen bis zum Sommer 2013 laufenden Vertrag mit Salzburg. Der HSV, so hat er es zuletzt zwar angekündigt, würde unter gewissen Umständen zwar eine Ablösesumme an die „Roten Bullen“ zahlen, aber noch weiß keiner, welche Summe da über den Tisch gehen müsste. Und ob überhaupt eine Summe für die steinreichen Salzburger interessant genug wäre, ihren erfolgreichen Cheftrainer ziehen zu lassen. Es dürfte sich also noch eine Weile hinziehen, dieses Thema „HSV-Trainer“.

„Scholle“ sprach gestern mit Ricardo Moniz, und zwar vor dem Europa-League-Spiel Salzburg gegen Bratislava. Der RBS-Trainer sagte nur: „Dazu kann ich derzeit nichts sagen.“

Und als ich diese Zeilen gerade schreibe, geht Salzburg gegen Bratislava mit 1:0 in Führung. Und was macht Moniz? Der stürmt auf den Platz und umarmt und herzt den Torschützen. Was mich dazu veranlasst, kurz zu denken: Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ein so engagierter Trainer, der mit Salzburg international spielt, zudem an erster Stelle in Österreich steht, zum Tabellenletzten der deutschen Bundesliga wechseln wird, wechseln will.

Aber mal abwarten.

Und was ist in Sachen Trainer-Suche los beim HSV? Da lässt sich weiterhin niemand in die Karten schauen. Unser „Matz-abber“ „Eiche Nogly“, der am Vormittag beim Training war, hatte mir aber von einem aufgekratzten, bestens gelaunten, scherzenden und oft lachenden Sportchef berichtet, der während des Trainings meistens damit beschäftigt war, die U-23 zu beobachten. Und zwar ohne zu telefonieren. Zur Mittagszeit sprach ich mit „Eiche Nogly“, der zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nichts von Moniz wusste („Eiche“ erfährt es erst jetzt, wenn er diese Zeilen liest), und „Eiche“ legte die gute Laune des Dänen wie folgt aus: „Wenn er nicht telefoniert hat, wenn er viel gelacht hat, dann tippe ich mal darauf, dass er schon weiß, wen er als Trainer verpflichten wird . . .“

Ja, und nun warten wir mal ab.

Kurz noch zum Nachmittag an der Arena. Zum „Walk of fame“. Eine wiederum nette und gute Veranstaltung. Begeistert hat mich Ernst Happel jun., der aus Wien angereist war – und seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sieht. Unglaublich. Ich unterhielt mich lange Zeit mit dem Österreicher, der viele, viele Anekdoten über seinen Vater zu erzählen hätte. Der Mann spricht wie die Trainer-Legende, bewegt sich wie sie, und muss ständig Autogramme geben. Nur Fußballer wurde er nie. Er sagt: „Was hatte ich bei diesem Vater für eine Chance? Keine. Ich begann ja in Den Haag mit dem Fußball, aber als dann alle wussten, dass ich der Sohn des Trainers bin, winkten sie ab: Der wird nichts. Und als ich das immer und immer wieder hören musste, gab ich auf.“

Ich führte nach den vielen Ehrungen für Dr. Peter Krohn Dr. Wolfgang Klein, Ditmar Jakobs, Kevin Keegan (nicht anwesend), Uli Stein (derzeit mit Aserbaidschan unterwegs) und posthum für Ernst Happel noch viele Gespräche mit den ehemaligen HSV-Stars. Und als ich das Stadion-Gelände verließ, da sagte ich mir schon, dass sich die meisten Alt-Stars – trotz des 2:1-Sieges beim VfB Stuttgart – noch immer ganz große Sorgen um ihren HSV machen. Für die „Ehemaligen “ ist der Keks noch lange nicht gegessen, dass der derzeitige Tabellenletzte am Ende des Jahres, später dann auch am Ende der Saison, im gesicherten Mittelfeld stehen wird.

Aber auch das werden wir abwarten müssen – es bleibt nichts anderes übrig.

Gute Nacht.
Und für die „Matz-abber“, die dies erst morgens lesen: Guten Morgen und einen wunderschönen Freitag.

PS: Salzburg hat noch mit 3:0 gewonnen – und Moniz hat immer kräftig mitgejubelt.

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