Archiv für das Tag 'Moniz'

Mal wieder ein kleines Lebenszeichen . . .

25. Juni 2014

***Bitte beachten***
Dieser Artikel ist nur eine kleine und kurze Ergänzung, der zuvor von Lars Pegelow veröffentliche Bericht ist vom heutigen Tag aus Glücksburg und vom HSV – sehr lesenswert!

Ein ganz lieber „Matz-abber“ hat mich heute angerufen und gemeint, ich könnte doch mal wieder ein kleines Lebenszeichen von mir geben. Recht hat er, habe ich sofort gedacht, und mich „ans Werk“ gemacht. Wobei ich eines gestehen muss. Nein, zweierlei: Erstens bekomme ich immer noch viele Genesungswünsche per Mail, und zweitens, Asche auf mein Haupt, ja, wirklich viel Asche, denn ich habe mich immer noch nicht bei allen für ihre Grüße und Wünsche bedankt. Auf diesem Wege sei das nachgeholt, vielen Dank für Eure Unterstützung auf meinem Wege zur Besserung. Allmählich bekomme ich wieder Boden unter meine Füße, aber ich gestehe, ich habe mir das alles viel, viel leichter und einfacher und schneller vorgestellt. Im Krankhaus hatte ich noch gedacht, dass ich das auf einer A-Backe absitzen werde, aber da habe ich mich gewaltig getäuscht. Vor allem das Cortison (auch Kortison geschrieben, ich weiß) hat mich total umgehauen – ein Teufelszeug. Mit vielen, vielen Nebenwirkungen. Ich denke, dass ich zurzeit bei 70 Prozent bin. Aber es wird. Weil ich doch von Euch dabei unterstützt werde. Und von vielen Leuten, von denen ich es nie gedacht hätte, dass sie an mich denken. Toll, es ist einfach nur toll und grandios. Auch eine großartige Erfahrung für’s Leben.

Ich verfolge natürlich den Fußball weiterhin. Von der WM sehe ich nicht alles, aber vieles. Und den HSV verfolge ich natürlich auch. Allein per Telefon, weil mich die Leute anrufen und mit mir über die drei großen Buchstaben klönen wollen. Die meisten haben Angst, das muss ich zugeben, Angst davor, dass auch die kommende Saison so laufen könnte, wie die gerade abgelaufene. Mitunter, je nach Tagesform, teile ich diese Ansichten, obwohl mir eines – ganz eindeutig – auch Hoffnung auf bessere Tage und Zeiten macht. Eines – oder einer. Wenn ich so mitbekomme, dass Mirko Slomka im Training ganz schön anzieht, dann freut mich das ungemein. Der Mann hat es erkannt, woran das Dilemma Nummer eins des HSV liegt, gelegen hat. Dieses C-Jugend-Training all die Jahre, das hat den HSV vor allem runtergezogen, und das scheint nun ein Ende zu haben. Endlich, endlich, endlich. Ich hoffe es sehr. Für den HSV. Für die Mannschaft. Für den Trainer. Und für die Verantwortlichen, die jetzt übernehmen. Es musste jemand kommen und erkenne, wie schlecht diese Mannschaft trainiert ist (und wurde), und der jetzt den Hebel umlegt. Hoffentlich auf Dauer. Wobei ich jedem noch einmal empfehle, einen meiner letzten Matz-ab-Artikel zu lesen – den vom 8. Juni. Darin steht zu lesen, war zu lesen, dass sich vor Beginn der vergangenen Saison zwei Nationalspieler (einer vom HSV, einer von Dortmund) über die absolut unterschiedliche Trainings-Intensität beider Clubs unterhalten haben. Wenn daraus nur ein wenig, nur ein ganz klein wenig die Konsequenzen gezogen werden, dann stünde der HSV meiner Meinung nach vor einer guten Spielzeit 2014/15. Davon bin ich restlos überzeugt. Mirko Slomka ist da auf einem sehr guten Weg, wie mir scheint. Auch wenn ich das (den HSV) derzeit nur von weitem sehr entfernt (war in geflügeltes Wort meines Schwiegervaters) betrachte.

Ähnlich ist es ja mit dieser WM. Nur vorm Fernseher sitzend. Und da gehen mir das Turnier und der HSV nicht aus dem Sinn. Irgendwie denke ich immer an den HSV, wenn ich einen Hamburger Bezug feststelle. Nigel de Jong, Vincent Kompany, Ivica Olic, Niko Kovac, Eric-Maxim Choupo-Moting, Heung Min Son und, und, und.

Und dann denke ich auch an Hamburg. Dass bei den Schweizern immer noch ein Mann namens Reto Ziegler spielt. Der ist schon vor einem Jahrzehnt beim HSV durchgefallen. Weggeschickt haben sie ihn. Erst ausgeliehen und dann vom Hof gejagt. Ja, so spielt das Fußballer-Leben. Aber man muss ja auch nichts können, wenn man in der Schweiz Nationalspieler ist, gell? Auch wenn das über zehn Jahre geht. Bei Deutschland haben Piotr Trochowski, Dennis Aogo und Heiko Westermann (zum Beispiel) ja auch „einige“ Länderspiele gemacht, obwohl sie in Hamburg gespielt haben (und dort nur gelitten waren). Muss ich noch mal loswerden, bei dieser Gelegenheit. Und ich weiß genau, was mir jetzt wieder um die Ohren fliegen wird, ich trage es diesmal aber mit Fassung. Kann ja nicht jeder so schlau sein, wie ein Bundestrainer oder ein National-Coach. Wie zum Beispiel Ottmar Hitzfeld. Der nimmt Ziegler, der jetzt in Italien bei Sassuolo Calcio unter Vertrag steht, zwar mit, lässt ihn aber nicht spielen . . . Hat ja auch genug andere gute Spieler. Zum Beispiel Johan Djourou, fällt mir jetzt gerade ein.

Aber zurück nach Hamburg. Da gab es mal im Amateurfußball einen Trainer, der jetzt Nationaltrainer ist. Wie lange noch, das ist die Frage, aber noch ist er es: Volker Finke. Was kaum jemand vom ehemaligen Freiburger Trainer weiß, dass er im Norden mal bei Havelse war – und auch beim 1. SC Norderstedt. Diesen Abstecher will Finke zwar nicht mehr gerne hören oder lesen, aber er war tatsächlich mal hier. Und welcher Hamburger Verein kann schon sagen, dass einer seiner Trainer mal Coach bei der Weltmeisterschaft war? Das dürften nicht so sehr viel sein . . .

Und dann gibt es ja auch noch einen Spieler namens Alexej Koslow von Dynamo Moskau. Trägt bei den Russen die Rückennummer zwei. Und spielte einst in Hamburg. Bei Bergedorf 85. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. ZDF-Reporter Bela Rethy hat sogar gesagt, dass dieser Koslow in der Jugend des HSV ausgebildet worden ist, aber dafür habe ich (noch) keine Bestätigung gefunden. Vielleicht weiß da einer von Euch (oder mehrere?) mehr und macht mich und alle anderen klug. Auf jeden fall ist das schon ein Ding, dass da einer mitmischt, der mal in Bergedorf gespielt hat. Von 85 soll Koslow dann zum VfB Lübeck gegangen sein, und dann? Auf jeden Fall in Brasilien – jetzt.

Und noch ein „dickes Ding“ gibt es aus Hamburger Sicht. Der frühere HSV-Spieler Muhamed Besic fliegt mit Bosnien-Herzegowina zwar nun nach Hause, hat aber alle drei Spiele in Brasilien für sein Land bestritten – dreimal 90 Minuten plus Nachspielzeit. Muhamed Besic. Wer erinnert sich noch? Beim HSV ein Mitläufer, zur Zweiten abgeschoben – und dann quasi vor die Tür gesetzt. Seit dieser Zeit kickt er bei Ferencvaros Budapest, erst von Ricardo Moniz nach Ungarn geholt, dann von Thomas Doll übernommen. Jenen Muhamed Besic, den hier keiner für „voll“ genommen hat. Der immer sehr viel auf sich hielt, aber dennoch keinerlei Beachtung fand. Als er einmal bei der Zweiten auflaufen sollte, fuhr er ohne „Buffer“ nach Norderstedt – keine große Lust, in der Regionalliga zu spielen. Musste er dann doch, weil man ihm Stiefel besorgte, aber dementsprechend spielte er dann auch: lustlos. Weil er sich ungerecht behandelt fühlte.

Jetzt hat er dreimal bei dieser WM gespielt. Muss sich der HSV nun grämen? Es wird sich wohl niemand finden, der dazu bereit wäre. Kann ja auch Zufall sein, dass sich Besic nun bei dieser WM wiedergefunden hat. Wahrscheinlich hatten die niemanden, der bei Bosnien auf der Sechs spielen konnte. So wird, nein, so muss es sein.

Obwohl ich mit Thomas Doll, seinem jetzigen Trainer, gesprochen habe. Und der hat mir nun ein ganz anderes Bild von Besic vermittelt. Erst einmal sind sie alle in Budapest stolz wie Bolle, dass Muhamed Besic WM-Teilnehmer geworden ist. Es gibt, so glaube ich, nicht so sehr viele aus der Ersten Liga Ungarns, die in Brasilien aufdribbelten oder noch aufdribbeln – aber Besic. Und Thomas Doll gerät ins Schwärmen, wenn er von Besic spricht: „Er spielte bei uns erst Innenverteidiger, aber Katze Zumdick und ich konnten ihn davon überzeugen, dass das nicht seine Position ist. Er spielte dann Rechtsverteidiger und wurde eine unserer größten Stützen. Er spielte diesen Part unglaublich dynamisch, zuverlässig, konzentriert. Und er ist in seiner Spielweise ruhiger geworden. Früher war er oft zu hektisch, auch abseits des Platzes, aber er ist ruhig und ausgeglichen geworden – und ein großartiger Spieler.“

Thomas Doll sagt über Besic auch: „Katze und ich, wir haben uns Mühe mit ihm gegeben, und er hat es uns mit erstklassigen Leistungen zurückgezahlt. Ich habe ein Vater-Sohn-Verhältnis zu ihm bekommen, und darauf bin ich stolz. Muhamed ist ein feiner Junge, der noch viel vor sich hat. Wir freuen uns mit ihm und für ihn.“

Am 28. Juni findet sich Besic wieder in Budapest ein. Dann wird seine Situation besprochen. Ferencvaros will den Bosnier behalten, aber hat wohl keine Chance. Es liegen dem „Sechser“ einige sehr lukrative Angebote vor – natürlich, er ist WM-Teilnehmer. Schön für den HSV: Sollte Besic tatsächlich den Verein wechseln, so sollen die drei Hamburger Buchstaben daran beteiligt sein – zu 20 Prozent, wir gemunkelt. Ob verdient oder unverdient, das lasse ich mal dahingestellt, es ist so wie es ist. Nur zum HSV, da sollte sich niemand Sorgen drum machen, wird Besic wohl nicht wieder zurückkommen. Da müsste er vielleicht wieder in der Zweiten spielen . . . Man weiß es nicht, man weiß es nicht.

Einen schönen Abend und einen guten Tag für Euch, ich werde mich demnächst wieder mit einem Lebenszeichen melden. Bitte aber nehmt Euch auch noch den Artikel von Lars Pegelow, den er für mir hier reinegestellt hat, „zur Brust“, er ist sehr, sehr aufschlussreich und gut geschrieben und vermittelt einen Eindruck vom Geschehen in der Flensburger Bucht. Dort hält sich ja der HSV derzeit auf.

Dieter

Vier Wochen nach dem 25. Mai – jetzt ENDLICH nach vorn gucken!

22. Juni 2014

In den vergangenen Tagen, insbesondere bei der Debatte um die Äußerungen von Klaus-Michael Kühne, waren hier in den Kommentaren heiße Diskussionen entbrannt. Wer ist wofür verantwortlich? Fehlstart von HSV-Plus oder berechtigte Kritik der neuen Macher? Welche Rolle spielen Jarchow und Co. aktuell und behindern sie den Neustart?

 

In ganz großem Maße kommt darüber hinaus immer wieder der Wunsch auf nach Abrechnung mit dem aktuellen Vorstand und Aufsichtsrat. Diese Abrechnung wird hier stark eingefordert, um wirklich einmal Ross und Reiter zu nennen, um mit dem Grundübel aufzuräumen und reinen Tisch zu machen, so dass die Basis gelegt ist und die neuen Leute um Dietmar Beiersdorfer am 1. Juli dann auch offiziell anfangen können.

 

Offensichtlich gibt es ein paar unterschiedliche Wahrnehmungen was die Inhalte des Blogs in den vergangenen Monaten angeht. Man kann es wertfrei auf den vereinfachten Nenner bringen: Wir, die Blogschreiber, sind der Ansicht, die Missstände genannt zu haben und auch die dahinter stehenden Namen; kritische Blog-Kommentierer bestreiten dies und bemängeln zu weichen Umgang mit den Protagonisten. Soweit, mehr oder weniger, der Status Quo.


 

Gerade die momentane Übergangsphase sorgt für Nervosität. Mal abgesehen von den Äußerungen des designierten Aufsichtsrats-Vorsitzenden Karl Gernandt sowie dem Interview von Klaus-Michael Kühne ist wenig an die Öffentlichkeit gedrungen. Dietmar Beiersdorfer beispielsweise hält sich komplett zurück. Ansprechpartner sind nur die alten Macher, in erster Linie der Vereins-Vorsitzende Carl Jarchow und Sportchef Oliver Kreuzer. Von ihnen hören wir, dass sie eng mit Beiersdorfer und Co. in Kontakt sind und alles abgesprochen wird. Aus dem Kühne-Interview ist eine andere Perspektive herauszulesen – demnach kleben die „Alten“ an ihren Sesseln und geben ihre Positionen nicht vorzeitig auf, obwohl sie seit dem 25. Mai faktisch einer aussterbenden Spezies angehören. Wo die Wahrheit genau liegt, enge Absprache oder Dissenz, ist im Moment nicht objektiv zu bewerten.

 

Zurück zum Thema „Abrechnung“. Am Ende haben Carl Jarchow und Oliver Kreuzer die Beinahe-Katastrophe der vergangenen Saison zu verantworten, daran führt kein Weg vorbei. Es ist einfach, sie an den Pranger zu stellen, denn sie haben dafür ja auch eine Menge Angriffsflächen geboten.

 

Aber: Die Probleme des HSV liegen viel tiefer und sind mit der Opferung zweier Verantwortlicher doch nicht behoben. Das wurde in den vergangenen Jahren auf verschiedenen Positionen immer wieder punktuell versucht.

 

Der Aufsichtsrat war schuld. Also folgte auf Udo Bandow dessen Stellvertreter Horst Becker. Die Wirtschaftsweisen kamen in das Gremium, besser wurde es nicht. Irgendwann übernahm Otto Rieckhoff das Amt, dann Alexander Otto, Manfred Ertel, Jens Meier. Die „Supporters“ schienen in der Mehrheit zu sein. Und jeder war auf seine Weise erfolglos in dem Sinn, den Niedergang des Vereins in den vergangenen Jahren nicht verhindert zu haben.

 

Auch die Vorstands-Personalien, die vom Aufsichtsrat angegangen wurden, haben keine Besserung gebracht. Das Ende von Bernd Hoffmann unter großem Tohuwabohu, der regelmäßige Wechsel auf dem Sportchef-Posten. Nach zu langer Phase der Vakanz, die durch das Ende der Ära Beiersdorfer begann, sowie den Herren Siegenthaler, Reinhardt, Sammer, Arnesen und letztlich Oliver Kreuzer, die teilweise im Amt, teilweise nur Kandidaten waren, steht der HSV immer noch nicht besser da.

 

Im Bemühen, den Verfall zu stoppen, wurde immer nur ein Mann entlassen, an dessen Stelle ein anderer kam, der sich dann wie sein Vorgänger aufrieb und verbrauchte. Natürlich waren es auch immer wieder individuelle Entscheidungen und Fehler, die die Arbeit des einen oder anderen kennzeichneten. Als Quintessenz blieb doch immer nur eins: das Scheitern.

 

Ebenso auf der Trainerposition. Stevens, Jol, Labbadia, Moniz, Veh, Oenning, Fink, van Marwijk, Slomka. Das sind die Namen seit 2007. Der jeweilige Neue würde den Laden in den Griff bekommen – diese Hoffnung blieb bis heute ebenso unsterblich wie unerfüllt. Dazu passt die stete Abwärtsentwicklung im Nachwuchs-Bereich in Norderstedt. Die U-Mannschaften des HSV hinken der Konkurrenz hinterher. Viele gute Trainer haben den Verein in den vergangenen Jahren verlassen, weil die übergeordneten Sportchefs sich diesem Bereich entweder nicht richtig widmen wollten oder konnten.

 

Im Sommer 2014 ist der HSV an einem Punkt angelangt, an dem sich endlich eine Erkenntnis durchgesetzt hat, die sich durch die Ausgliederung in eine Fußball-AG dokumentiert. Es muss ein radikaler Kurswechsel des ganzen Schiffs her, nicht nur diese ständige punktuelle Verändern dieser oder jenen misslichen Personalie. Das alte Modell der Flickschusterei, des Übeltäter-Suchens, des Messias-Verpflichtens, ehe man erkennt, dass sich hinter jedem Messias doch wieder ein gescheiterter Fehlerteufel verbarg, sollte zu einem Ende kommen. Es ging und geht HSV-Plus und sicher auch den 86,9 Prozent, die sich für die Ausgliederung ausgesprochen haben, nicht mehr um den nächsten Trainerwechsel, der die Wende zum Guten nach sich ziehen müsste. Es ging ihnen nicht um die Fortsetzung des personellen Austauschs nach altem Muster, sondern um einen grundlegenden Wandel des HSV.

 

Der alte HSV war lahm und schwach geworden. Er hat sich in inneren Kämpfen aufgerieben und produzierte keine Führungskräfte, die die Kraft und Fähigkeit besaßen, alle Lecks zu schließen. Das lag in dem einen Fall an der Schwäche des Einzelnen, im anderen Fall an der Größe des Lecks, dessen Stopfung manch erfahrenen Kapitän vor eine unlösbare Aufgabe gestellt hätte. Gleichsam gaben schwache Vorstände und Aufsichtsräte gern das Alibi an, in DIESEM HSV nicht besser arbeiten zu können und sowieso vorwiegend an den Altlasten zu leiden. Auch diese Haltung wurde zu einem Teil der Abwärtsspirale.

 

Es gibt wohl keinen anderen Bundesliga-Verein, der in den vergangenen Jahren derart viele Angriffsflächen bot und der auch derart heftig angegriffen wurde. Die Schwäche der Handelnden hat gleichsam dafür gesorgt, dass kleinste Störfeuer aus dem Umfeld für einen Schlingerkurs des gesamten Gebildes sorgen konnten. Ich erinnere mich an eine Mitgliederversammlung Anfang 2010. Der Verein hatte gerade mal wieder Schlagseite und zu diesem Zeitpunkt keinen Sportdirektor. Vereins-Boss Bernd Hoffmann war schwer angeschlagen, als plötzlich Bruno Labbadia im CCH ans Rednerpult ging. Labbadia hat dort in einer Grundsatzrede versucht, den Vereins-Vorstand zu stärken. Ein einmaliger Vorgang, soweit ich weiß. Ein Angestellter versucht seinen Vorsitzenden und damit den ganzen HSV auf Kurs zu halten, weil er die Gefahr des Auseinanderdriftens erkennt. So löblich Labbadias Versuch war, so sehr zeigte er auch damals die Schwäche der Verantwortlichen im Vorstand und Aufsichtsrat, die zu einer solchen Rettungsaktion nicht in der Lage waren.

 

Im Frühjahr dieses Jahres hat Bert van Marwijk nach wenigen Monaten im Amt seine Beobachtung in Worte gefasst: „Dieser Verein ist dabei, sich selbst zu zerstören.“ Van Marwijk erhielt für diesen Satz viel Zustimmung – und es steht auf einem anderen Blatt, dass er in seiner eigentlichen Aufgabe, gelinde gesagt, nicht gerade überzeugen konnte. Die Beobachtung jedenfalls, die saß.

 

Die Idee von den Initiatoren von HSV-Plus, allen voran Otto Rieckhoff, aus dem HSV e.V. eine HSV AG zu machen, ist an sich nicht revolutionär. Ein Dutzend anderer Bundesligisten hat vor den Hamburgern seine Struktur geändert, und sich wahlweise als AG oder KG ins Handelsregister eintragen lassen. Dies ist gewissermaßen der äußere Rahmen, der womöglich klug und zeitgemäß ist, der aber vor allem die innere Neuordnung des HSV in die Wege leitet. Ein anderes Denken, keine Klüngelei mehr, Einigkeit in den Zielen – kurz gesagt alles, was der HSV in den vergangenen Jahren in seiner Gesamtheit hat vermissen lassen. Beim HSV hat all das eine ungeheure Öffentlichkeit nach sich gezogen – viel mehr als anderswo. Oder haben die „Tagesthemen“ von der Ausgliederung bei Werder Bremen berichtet? Hat „Die Zeit“ sich Eintracht Frankfurt gewidmet? Beim HSV, so die bundesweite Einschätzung, hat die gesamte Debatte eine ganz andere Dimension – es ging und geht um das Überleben des Dinos.

 

Dahinter verschwanden Bedenken in Detailfragen. Mitglieder-Rechte, die Nutzung der Raute als Marke, einzelne Paragrafen im Übernahme-Vertrag, über die vor kurzer Zeit noch ausgiebig in der Mitgliederversammlung gestritten worden wäre, wurden von der Minderheit zwar angesprochen. Doch das Bedürfnis, und auch die Notwendigkeit, nach einer Veränderung des großen Ganzen war übermächtig.

 

Jeder Einzelne der in der Vergangenheit handelnden Personen wird übrigens Professionalität, das beste Bemühen für den HSV, personelle Verbesserung für sich beanspruchen und als Ziel gesetzt haben wollen – in seiner Gänze hat sich der Verein allerdings immer mehr zerrissen. Fehlentscheidungen summierten sich und zogen sich wie in einer Todesspirale immer weiter abwärts. Somit war aus meiner Sicht fast jeder Verantwortliche des HSV in den vergangenen Jahren gleichfalls Täter, weil natürlich nicht jeder Fehler mit den Strukturen zu entschuldigen ist, und Opfer, weil dieser gesamte Verein einfach kaum steuerbar war.

 

Welche Rolle Ihr Carl Jarchow, Joachim Hilke, Oliver Kreuzer, Oliver Scheel, Jens Meier und all die anderen in diesem Zusammenhang gebt – bitte bildet Euer eigenes Urteil. Sie alle sind hier und anderswo häufig zu Wort gekommen, ebenso wie ihre Kritiker. Die Karten liegen auf dem Tisch. In diesem Sinne waren auch die Aussagen von Klaus-Michael Kühne aus meiner Sicht „too much“. Was soll diese Ungeduld? In zehn Tagen weht ein anderer Wind, und zwar auch nach Kühnes Vorstellungen. Was die Ungeduld angeht, wird Kühne übrigens ziemlich sicher noch die eine oder andere harte Probe bestehen müssen. Geduld ist nämlich mit Sicherheit gefragt, wenn es um den HSV der Zukunft geht. Rom ist nicht an einem Tag erschaffen worden, und die Aufwärtsentwicklung des HSV, die sich alle erhoffen, ganz sicher nicht. Es wird dauern, ehe tragfähige Ergebnisse zu sehen sein werden. Dietmar Beiersdorfers Eigenschaft, für Nachhaltigkeit sorgen zu können, kann dem HSV dabei helfen. Aber mal eben husch-husch im Vorbeigehen wird hier nix besser – es ist ein langer Weg zurück für den HSV.

 

Inzwischen ist eine andere Zeitrechnung angebrochen. Und zwar die von Dietmar Beiersdorfer und Karl Gernandt. Natürlich ist es irritierend, wenn in den ersten Tagen nach der Entscheidung für die AG eine Reihe diskussionswürdiger Statements Gernandts zu lesen sind und sein Chef, Klaus-Michael Kühne, im Abendblatt vom Leder zieht. Beim Trainingsstart am Mittwoch, als die Berichte über die Krankschreibung Calhanoglus sowie das Kühne-Interview in aller Munde waren, habe ich mich mit einem langjährigen HSV-Mitarbeiter unterhalten. Wir waren uns einig, dass wir darauf keine Lust mehr haben. Dass sich die ständigen Störfeuer, die mit Fußball oder einem Aufbruch nichts zu tun haben, ohne Ende nerven. Gerade dies sollte mit dem 25. Mai beendet sein, umso größer die Verwunderung, dass durch genannte Äußerungen der neuen Macher scheinbar die alte Schablone wieder sichtbar wird.

 

Aber in den kommenden Wochen, beginnend mit dem 1. Juli, werden wir klarer sehen was die Intentionen der neuen starken Männer angeht. Die größten Hoffnungen ruhen dabei natürlich auf Beiersdorfer. Es besteht nach wie vor die große Chance, dass er mit den richtigen Weichenstellungen für den Umschwung sorgt. Und die Äußerungen von Gernandt und Kühne könnten, wenn sie auch nicht vergessen werden, in einem anderen Zusammenhang erscheinen und betrachtet werden.

 

Dass Karl Gernandt sich beispielsweise seit knapp zwei Wochen öffentlich aus dem Verkehr zieht, ist ja schon als erste Reaktion auf das Echo seiner Äußerungen zu werten. Doch halt: eine große Kritik bleibt. Trainer Mirko Slomka infrage zu stellen und dies nicht klarzustellen, ist ein Riesenfehler. Slomka geht angeschlagen in die Vorbereitung, und das ist schlecht. Dass der Coach selbst sich dann noch im ersten Interview vor den Kameras schützend hinter Kühne stellt, ähnelt vom Muster her dem Auftritt Bruno Labbadias. Und dieses Muster ist das falsche. Die HSV-Mannschaft ist nach wie vor instabil, sie hat sich ja auch gegenüber der Vorsaison bislang kaum verändert. Insofern benötigt sie dringend einen starken Trainer, der nicht von oben geschwächt werden darf. Es sei denn, man will ihn wirklich kurzfristig austauschen. Überspitzt formuliert ist Slomka bereits jetzt zum Abschuss freigegeben worden.

Zuletzt hat der ehemalige HSV-Präsident Wolfgang Klein heftige Kritik an Klaus-Michael Kühne geübt. Dessen Äußerungen seien Vereins schädigend, so Klein. Sicher gibt es nicht wenige, die Kühne deswegen am liebsten zum Mond schießen würden. Doch es ist heute wir vor dem 25. Mai: Der HSV befindet sich auch in wirtschaftlicher Abhängigkeit von seinem Gönner. So gesehen herrscht eine gewisse Hassliebe zwischen HSV und Kühne – und zwar von beiden Seiten. Auch diese Hassliebe in die richtige Richtung zu lenken, ist eine Aufgabe von Dietmar Beiersdorfer. Und es wird sicher nicht seine einfachste sein.

 

Heute Mittag ist die HSV-Mannschaft Richtung Schleswig-Holstein aufgebrochen. In Bredstedt hat um 17 Uhr ein erstes Testspiel begonnen – zur Halbzeit steht es 9:0. Nachher gibt es eine sportliche Aktualisierung dieses Fußball-Abends an der Küste.

 

Der HSV jedenfalls fährt später weiter nach Glücksburg, wo eine Woche Station gemacht wird.

 

So, und WM-technisch ruhen nachher alle deutschen Hoffnungen auf Klinsi und den USA.

Sportlicher Gruß von Lars
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Erster Test viele Tore. Das ist die Kurzfassung des HSV-Spiels in Bredstedt in Schleswig-Holstein vor 1.500 Zuschauern gegen eine Nordfriesland-Auswahl. Endergebnis: 16:0.
So spielte der HSV in der 1. Halbzeit: Drobny – Diekmeier, Tah, Westermann, Jansen – Kacar, Demirbay, Jiracek – Stieber, Rudnevs, Ilicevic
Und so in der 2. Halbzeit: Brunst – Westermann, Tah, Mancienne, Jiracek – Steinmann, Arslan – Zoua, Cigerci, Derflinger – Rudnevs
Tore: 1:0 Demirbay (4.), 2:0 Kacar (13.), 3:0 Demirbay (18.), 4:0 Demirbay (20.), 5:0 Demirbay (23.), 6:0 Stieber (29.), 7:0 Demirbay (30.), 8:0 Rudnevs (36.), 9:0 Rudnevs (37.), 10:0 Tah (47.), 11:0 Cigerci (66.), 12:0 Rudnevs (70.), 13:0 Zoua (80.), 14:0 Derflinger (84.), 15:0 Steinmann (88.), 16:0 Arslan (90.)
Trainer Mirko Slomka hat vor dem Spiel kurz sein Programm fürs Trainingslager in Glücksburg in der kommenden Woche erläutert. Zwei Einheiten pro Tag stehen an der Förde an, ehe es am kommenden Sonnabend auf der Rückreise zum zweiten Test kommt gegen den ETSV Weiche Flensburg. Was seine einschneidenden Personalien angeht, berichtete Slomka von vergeblichen Versuchen, Hakan Calhanoglu am Telefon zu erreichen. Mutmaßlich, so Slomka, habe Calhanoglu seine Handynummer gewechselt. Außerdem wusste Slomka davon zu berichten, dass Pierre Michel Lasogga einige Mal das Gespräch mit dem HSV-Trainer gesucht habe. Demnach wollte sich Lasogga erkundigen, was los sei mit seinem endgültigen Wechsel zum HSV. Eine Einigung ist bis dato noch nicht zu vermelden, aber einmal mehr dokumentiert die kleine Anekdote, dass es Lasogga offenbar kaum erwarten kann, zum HSV zurückzukehren.
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99,58 Millionen Euro Schulden – und die Folgen

30. Dezember 2013

„Der HSV hat kein Schuldenproblem. Wir haben, wenn überhaupt, ein Liquiditätsproblem.“
HSV-Aufsichtsratschef Manfred Ertel am 11. November auf Hamburg 1

„Unsere Liquidität ist gesichert.“

HSV-Vorsitzender Carl Jarchow am 14. November im Hamburger Abendblatt

„In der bestehenden Struktur können die hohen Schulden den HSV ins Verberben reißen.“

HSV-PLUS-Homepage

Es gibt diese und eine Reihe weiterer Aussagen rund um den HSV, die sich mit der wirtschaftlichen Lage des Vereins beschäftigen. Drei Mal in Folge tiefrote Zahlen, daran hat der Verein zu knabbern. Für diese Saison arbeiten die Verantwortlichen daran, eine schwarze Null hinzuzaubern. Wird es ihnen gelingen? Ist das nur ein Zwischentief? Oder steckt der HSV viel tiefer in der Tinte, als die Offiziellen es zugeben wollen?

Die gerade veröffentliche Bilanz des Geschäftsjahres 2012/13 gibt allen Kritikern und Skeptikern recht. Genau genommen sind die Zahlen verheerend. Wir sind hier bereits ausführlich auf die Zahl unter dem Strich eingegangen. 9,8 Millionen Minus erwirtschaftete der HSV in der vergangenen Saison. Der Betrag wäre auf 22,2 Millionen Euro gestiegen, wenn nicht noch ein neuer Vertrag mit dem Vermarkter „Sportfive“ geschlossen worden wäre.

Absolut legitim, dieser Vermarktervertrag. Genauso legitim wie das Erzielen einer Ablösesumme für einen Spieler oder das Geld, das ein potenter Sponsor gibt. Aber es bleibt dabei: aus seinem laufenden Geschäft hat der Verein 22,2 Millionen Euro zu wenig erwirtschaftet, um die Kosten zu decken. Ein Alarmsignal. Als im Frühjahr einmal darüber berichtet wurde, dass der HSV mit einem entsprechenden Minus von etwa 24 Millionen kalkuliert, wurde diese Berichterstattung vom HSV-Vorstand kritisiert. Nun haben wir schwarz auf weiß, dass die Zahl so ziemlich den Tatsachen entsprach.

Aber kommen wir zu den einzelnen Zahlen oberhalb des Strichs. Auffällig in der Aufstellung von Erträgen und Aufwendungen ist, dass der HSV unverändert hohe Einnahmen hat. Spielerträge, Werbeerträge, TV-Rechte – hier gab es überall leichte Steigerungen, so dass der HSV 145,4 Millionen Euro eingenommen hat – gegenüber 141,1 Millionen in der Saison zuvor.

Doch dagegen stehen die erheblichen Aufwendungen, die nicht zu decken waren, nun schon zum dritten Mal in Folge. Im Vorstandsbericht werden dafür Gründe genannt. Die Transfersummen, die Ende August 2012 aufgewendet werden mussten (van der Vaart und Jiracek), bilden demnach den größten Teil.
Die Besorgnis erregende Zahl schlechthin verbirgt sich in der HSV-Konzernbilanz bei den „Passiva“. Unter Punkt D. Verbindlichkeiten wird ein Betrag von 99,58 Millionen Euro ausgewiesen. Der HSV hat fast 100 Millionen Euro Schulden! Aus dem ursprünglichen Stadionvertrag sind dabei nur noch 31 Millionen abzutragen. Der Rest setzt sich aus weiteren Schulden zusammen, und es ist schwer abzusehen, wie die abzutragen sein sollen. Als Bert van Marwijk vor einigen Jahren das erste Mal in der Bundesliga war, bei der verschuldeten Borussia aus Dortmund, äußerte er einmal seinen Unglauben darüber, dass der Club 100 Millionen Euro Schulden haben soll. Nun ist er in Hamburg – neuer Verein, altes Spiel.

Die Verbindlichkeiten des HSV sind im Einzelnen genannt. Gegenüber Kreditinstituten sind es 42,1 Millionen (Stadionkredit zuzüglich eines weiteren Kredits für Umbauten), 24,1 Millionen aus Lieferungen und Leistungen (Transfers), sonstigen Verbindlichkeiten von 15 Millionen (hierin ist auch der Acht-Millionen-Kredit von Unternehmer Kühne für Rafael van der Vaart enthalten) sowie der Campus-Anleihe mit 18,2 Millionen.

In diesem Zusammenhang ein kurzer Exkurs zum Campus. Die Planungen für dieses Nachwuchszentrum laufen weiter, auch wenn der Spatenstich noch auf sich warten lässt. Bis Mitte Januar läuft zunächst noch die Ausschreibungsfrist für die Bau-Unternehmen. Ende März, so die aktuelle Planung des HSV, sind dann entsprechende Verhandlungen abgeschlossen, die Verträge mit dem General-Unternehmer werden unterzeichnet. Geht alles glatt, dann wird ab Mitte des Jahres gebaut.

Parallel laufen die Verhandlungen mit der Stadt, es geht um den Erbbaurechtsvertrag für das Grundstück. „In den Verhandlungen mit der Stadt Hamburg und den betroffenen Behörden und Ämtern besteht Einigkeit in wesentlichen Detailfragen”, teilte der HSV seinen Anleihen-Zeichnern mit.

Hier sind nun ein paar neue Zeichnungen, zur Verfügung gestellt von der ECE, die die Planungen für den HSV gemacht hat (bitte draufklicken, dann werden die Bilder größer). Auf einer Info-Veranstaltung für HSV-Mitglieder vor einigen Wochen war die Beteiligung unverhältnismäßig kläglich. Daher die Idee, hier zumindest ein bisschen von dem Projekt darzustellen. Immerhin handelt es sich (nach dem Stadion) um das zweitgrößte Bauprojekt in der Vereinsgeschichte.

Visual HSV Campus

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Im Jahr 2015, so der momentane Stand, soll der „Campus” mit Leben gefüllt werden. Klar, solange dort keine Steine und Bagger zu sehen sind, muss sich der HSV auch dem Vorwurf ausgesetzt sehen, dieses Projekt zur Liquiditätssicherung zu benutzen. Am Ende aber bleibt es dabei: der Verein ist verpflichtet, jeden Cent, den er durch die Anleihe eingenommen hat, auch für den „Campus” zu verwenden.

Parallel soll dann der gesamte Volkspark vom Erlebniswert aufgewertet werden. Denn es gibt ja den Einwand, dass in dem HSV-Internat zwar junge Fußballer bestens betreut werden können, ihnen drumherum aber wegen fehlender Infrastruktur aber nichts geboten wird. Keine Geschäfte, schlechte Anbindung ans öffentliche Bahn- und Busnetz – (fast) nur der Park. Immerhin haben sich Stadt und HSV dieses Thema auf die Fahnen geschrieben.

Wie viel der HSV am Ende zurückzahlen muss für seine Anleihe, ist offen. Es ist realistisch vorherzusagen, dass eine große Gruppe der Anteils-Zeichner auf Rückzahlung verzichten wird – und lieber die Schmuck-Urkunde daheim an der Wohnzimmerwand hängen lassen wird. Für genaue Zahlen ist es aber noch zu früh.

Jedenfalls, um auf die Verbindlichkeiten zurückzukommen, ist es die Zahl von knapp 100 Millionen Euro, auf die Otto Rieckhoff und seine Partner von „HSV-PLUS“ hinweisen, wenn sie die Entschuldung des Vereins ansprechen. Ein oder mehrere strategische Partner, so die Theorie, sollen auf einen Schlag zur Entschuldung beitragen und damit wieder Handlungsspielraum schaffen.

Denn gerade dieser Handlungsspielraum ist extrem eingeschränkt. Wir hören es immer wieder – zuletzt durch Trainer van Marwijk oder Sportchef Oliver Kreuzer. Beide weisen mit Blick auf die aktuelle Finanzlage jeden Gedanken, im Winter sportlich nachzurüsten, von sich. Dabei wäre es sportlich durchaus geboten.

In einer Finanzanalyse hat Marco Mesirca ( www.offensivgeist.de ) sich die Zahlen des HSV aus den vergangenen Jahren zur Brust genommen. Er spricht in seiner umfassenden Untersuchung von einer „erheblichen finanziellen Instabilität“ des HSV. Und dabei hat er die Zahlen von 2012/13 noch nicht einmal eingerechnet.

Höhere Einnahmen wären zum Beispiel zu generieren aus dem internationalen Fußball. So ist es dem Verein zwischen 2000 und 2010 immer wieder gelungen. Auch in diesem Zeitraum war der HSV wirtschaftlich nicht auf Rosen gebettet, konnte seine hohen Kosten aber fast jedes Jahr decken und eine positive Bilanz aufweisen. „Der sportliche Stellenwert des Traditionsclubs ist weit gesunken“, sagt nun Marco Mesirca. „Der Club spielt nur noch national eine Rolle, die allerdings zunehmend an Bedeutung verliert.“ Zu dieser Einschätzung ist kein weiterer Kommentar notwendig.

Auch in den Jahren unter Bernd Hoffmann hatte der HSV häufig einen „nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag“ in der Bilanz. Dies ist eine weitere Schlüsselstelle der aktuellen HSV-Zahlen. Unterschied zwischen Gegenwart und Vergangenheit: früher konnte dieses Defizit durch Transfereinnahmen und Europapokal geschlossen werden. Das ist im Moment kaum möglich. Der HSV bleibt in den Miesen. Bei 17,1 Millionen Euro steht der Fehlbetrag am Stichtag 30. Juni 2012 – etwa doppelt so hoch wie im Vorjahr.

Neben dem vereinseigenen Stadion hat der HSV vor allem Spielerwerte auf der „Aktiva“-Seite. 37 Millionen waren es laut Bilanz in der Vorsaison. Wenn wir den Schritt in die aktuelle Serie wagen, dann ist dieser Wert um Son zu reduzieren und um Calhanoglu und Tah zu erhöhen. Somit landen wir vielleicht bei 40 Millionen – gut geschätzt. Wobei Spieler wie Rene Adler oder Rafael van der Vaart, fürchte ich, derzeit keinen hohen Marktwert besitzen. Mit anderen Worten: Was seine Rücklagen und Werte angeht, kann der HSV keinesfalls aus dem Vollen schöpfen.

Man könnte das Spiel jetzt weitertreiben und noch mehr Zahlen heraussuchen, die exemplarisch zeigen, wie der HSV kämpfen muss. Entscheidend ist nun aber auch, den Blick nach vorn zu richten. Kann sich der HSV aus der aktuellen Umklammerung befreien? Was ist dazu notwendig?

In der laufenden Saison kann der Verein zumindest mit noch höheren Einnahmen aus den Fernsehgeldern rechnen (mehr als zehn Millionen Euro), außerdem schlägt der Verkauf von Heung Min Son nach Leverkusen (davon erhielt der HSV knapp acht Millionen Euro) dick zu Buche. Das bedeutet, dass die Bilanz 2013/14 von Haus aus nicht annähernd so schlecht ausfallen wird die die vorige. Zubrote wie das Erreichen des Viertelfinales im DFB-Pokal inklusive.

Bleibt die hohe Kostenseite, die Abfindungen für Thorsten Fink und Frank Arnesen, die nach wie vor hohen Personalkosten, die im Winter durch die Abgabe hier schon so häufig genannter Spieler verringert werden sollen. Dummerweise reduziert das die Schulden noch nicht nennenswert. Wie gesagt: die Erfahrung hat gezeigt, dass dies insbesondere durch die Teilnahme am internationalen Geschäft gelingen kann. Leider, leider ist das nur Wunschdenken.

Der HSV befindet sich mit seiner finanziellen Lage in großer Nähe zu Werder Bremen. Auch in Bremen blieben die Kosten noch lange auf Europapokal-Niveau, während sich die Mannschaft davon schon einige Zeit verabschiedet hatte – allerdings nur was den sportlichen Erfolg, nicht aber das Gehalt anging. Ein schwacher Trost ist dies allerdings für den HSV.

Für den 19. Januar gibt es aus diesen Zahlen zwei Möglichkeiten. Entweder dem HSV in seinen Strukturen trauen, auf langen Atem und die Jugend setzen. Und darauf vertrauen, dass es dieses Jahr gutgeht mit dem Klassenerhalt. So wie vor zwei Jahren. Denn klar ist nach dieser Hinrunde: vor Sommer 2015 wird es garantiert keinen internationalen Fußball mit entsprechenden Mehr-Einnahmen geben. Bei der aufklaffenden Lücke zwischen den Spitzenvereinen der Bundesliga und dem Dino aus Hamburg ist sogar mit einer noch längeren Durststrecke zu rechnen. Alles andere ist Augenwischerei. Durchhalten, HSV?

Oder der HSV wagt die Veränderung und die Ausgliederung. Wobei: was ist das größere Wagnis? Sich aufmachen zu neuen Ufern, noch nicht genau abschätzend, wie weit es bis dahin ist – oder einfach abwarten und auf die Selbstheilungskräfte bauen?

Aus welchem Holz sind die HSV-Mitglieder mehrheitlich geschnitzt?

Zum Tagesaktuellen: Ricardo Moniz, 2010 für einige Spiele Trainer des HSV, ist ein heißer Kandidat auf die Nachfolge von Mirko Slomka als Coach von Hannover 96. Sportdirektor Dirk Dufner bestätigte Kontakte mit dem 49 Jahre alten Niederländer.

Und der “kicker” hat seine Halbjahres-Bewertungen vorgenommen. Bei Torhütern, Innen- und Außenverteidigern taucht nur ein Name auf vom HSV: Marcell Jansen auf Platz fünf der Außenverteidiger. Torwart Rene Adler schaffte es nicht unter die ersten elf, die ordentlich bewertet wurden. Bei den Innenverteidigern hätte, so meine ich, Jonathan Tah es verdient gehabt, zumindest “Im weiteren Kreis” Erwähnung zu finden. Hat er aber nicht.

Ich wünsche Euch einen guten Rutsch ins neue Jahre. Ich hoffe, wir schreiben hier am Jahresende 2014 über einen anderen, einen besseren Hamburger Sport Verein.
Lars

Uli Stein: “Es gibt kein Aufbäumen . . .”

10. Dezember 2013

Es gibt heute zwei Nachrichten vom HSV, eine gute, eine schlechte. Zuerst die gute: Rafael van der Vaart hat heute mit der Mannschaft trainiert, und das sah richtig gut aus – alles scheint gut zu werden. Und nun die schlechte: Ivo Ilicevic fehlte heute beim Training aus „familiären Gründen“, er soll allerdings morgen (Mittwoch) wieder dabei sein. Wenn nicht, dann könnte es eng werden mit einem Einsatz am Sonnabend bei und gegen die Bayern, und das wäre nicht so gut, denn weil Maximilian Beister wegen der fünften Gelben Karte gesperrt ist, müsste Ilicevic eigentlich von Beginn an ran. Kurz zurück zu van der Vaart. Der sagte nach der Einheit am späten Nachmittag: „Ich bin froh, wieder auf dem Platz zu stehen, Fußball ist für mich jetzt die beste Ablenkung.“ Wenn ich an den „kleinen Engel“ und den FC Bayern denke, gegen den es am Sonnabend geht, dann fällt mir der 28. April 2007 ein. In München gewann der HSV nicht nur 2:1, sondern machte damit auch endgültig den Klassenerhalt sicher. Und neben Paolo Guerrero schoss Rafael van der Vaart ein Tor, als er nach Pizarros 1:0 ausglich. An einen solchen Spielausgang mag ich, das gebe ich ehrlich zu, aber in diesen Tagen nun wirklich nicht denken – ich halte ihn für schlicht unmöglich.


Damals spielte der HSV (unter der Regie von Huub Stevens) mit Rost, Benjamin, Abel, Mathijsen, Atouba; Demel (56. Mahdavikia), Jarolim, de Jong (68. Guerrero), Sorin van der Vaart (82. Laas); Olic. Quervergleiche hinken ja, aber diese Mannschaft vom April 2007 glänzte ja auch nicht gerade mit den ganz großen Stars – oder? Und trotz allem gewann der HSV in München. Weil der FC Bayern damals schwächer war als heute? Sicher auch das. Aber sicherlich war die damalige Mannschaft auch (etwas mehr) als Einheit zu bezeichnen.

Aber gut, ich schrieb es bereits, Quervergleiche hinken. Mit Tomas Rincon sprachen wir heute, wie der HSV die Aufgabe am Sonnabend angehen sollte. „Wir wissen alle, was Bayern München für eine Mannschaft ist, vielleicht die beste der Welt. Aber wir müssen dort hinfahren und uns dort nicht verstecken, weil wer nicht daran glaubt, dass er eine Chance hat, der sollte besser gleich zu Hause bleiben. Wir müssen uns gut vorbereiten, und dann müssen wir auch unser bestes Spiel abliefern. Nur wenn wir unser bestes Spiel machen, kann man dort auch gewinnen“, sagt Rincon kämpferisch. Er gibt auf jeden Fall noch nichts von vornherein verloren und sagt weiter: „Ich habe gelernt, dass man auch gegen Argentinien und Brasilien gewinnen kann, man muss gut arbeiten und richtig gut Gas geben. In München muss es uns gelingen, auch mit zwei Mann gegen einen Bayern zu spielen, wir müssen Überzahl schaffen. Und wir dürfen und sollten uns dort nicht verstecken.“ Dann ergänzt „Popeye“ noch: „Wir respektieren die Bayern, wir gratulieren den Bayern auch dazu, was sie jede Woche machen, aber treten in München an, um drei Punkte zu holen.“

Mutig, mutig, der Tomas Rincon. Er hat ganz offenbar die letzten HSV-Klatschen in München total verdrängt, und er hat auch die Augsburg-Pleite schon restlos abgehakt. Fast jedenfalls. Denn er sagt: „So ein Spiel wie gegen Augsburg darf nie wieder passieren, das ist klar, jedes Spiel ist aber anders – und vielleicht machen wir dann doch tatsächlich in München unser bestes Spiel und gewinnen dort. Wer weiß? Natürlich ist es bitter, so wie gegen Augsburg zu verlieren, aber jetzt müssen wir uns auf das nächste Spiel konzentrieren.“ Tomas Rincon gibt zu: „Wir waren nach dem Augsburg-Spiel alle sehr enttäuscht, weil wir unglaublich schlecht gespielt haben – ich selber auch. Ich habe mir über mein Spiel selbst viele Gedanken gemacht, das, was ich gespielt habe, das war ich nicht. Jetzt versuche ich, wieder meine Leistung zu bringen, ich bin mir hundertprozentig sicher, dass ich besser spielen kann, als ich gespielt habe – und meine Kollegen auch. Das war ganz bitter, das tat mir auch für die Fans leid . . .“

Die taten sich selbst ja auch sehr, sehr leid. Ich habe am vergangenen Sonnabend niemanden getroffen, der zufrieden nach Hause gegangen ist. Und ich sprach mit dem HSV-Helden von einst, Torwart-Legende Uli Stein, der zuletzt gegen Köln und gegen Augsburg im Stadion war (Sky-Experte). Ich habe ihn gefragt, ob er entsetzt von „seinem“ HSV war, aber Uli Stein ist offenbar Kummer gewohnt: „Entsetzt war ich eigentlich nicht, aber ich hatte einen solchen Rückfall in alte Zeiten auch nicht gerade erwartet. Der HSV schien mir unter Bert van Marwijk wieder auf einem guten Weg, in Wolfsburg wurde sehr gut gespielt, gegen Köln im Pokal gewonnen – das hätte für Selbstvertrauen sorgen sollen, aber nichts da. Dass es aber so schwach werden würde, das hatte ich in der Tat nicht erwartet. Und die Art und Weise, wie der HSV zu Werke ging, die war schon erschreckend.“

Dann blickte Uli Stein noch ein Spiel zurück: „Schon gegen Köln war der HSV nicht gut, da hat er schon recht glücklich gewonnen, denn taktisch und spielerisch war der Zweitliga-Club besser.“ Das deckte sich mit meinen Beobachtungen, auch wenn die nicht jeder Hamburger als richtig empfand. Nun gut, Augsburg hat „gewisse“ Schwächen durchaus schonungslos offenbart. Uli Stein: „Gegen die Augsburger ist es natürlich auch sehr schwer, das muss man schon sagen, der FCA hat schon vielen Gegnern das Leben unglaublich erschwert, die Augsburger sind unbequem und nicht leicht zu spielen. Schon gar nicht für den HSV, der dann in Schwierigkeiten kommt, wenn er das Spiel machen muss. Das kann er nicht, dazu ist die Mannschaft spielerisch nicht in der Lage, die klasse hat dieses HSV-Team ganz einfach nicht, das muss man so deutlich sagen.“

Wobei Uli Stein erkannt hat: „Es stimmt vorne und hinten nicht. Die Abwehr ist desolat, im Mittelfeld ist der HSV nicht gut aufgestellt, und nach vorne kommt einfach zu wenig. Was mich besonders stört ist die Tatsache, dass es in dieser Truppe kein Aufbäumen gibt. Es gibt nicht einen, der dann die Ärmel aufkrempelt, wenn es bergab geht. Keiner sagt etwas, keiner tut so richtig was – obwohl dieser HSV ja auch durchaus einige hochbegabte Talente in seinen Reihen hat.“ Stein weiter: „Der HSV muss jetzt sehen, dieses Jahr einigermaßen abzuschließen, dann gut über die Rückrunde zu kommen – aber die Verantwortlichen sollten jetzt schon bemüht sein, nach Verstärkungen, nach neuen Leute Ausschau zu halten – mit dieser Mannschaft wird das nichts.“


Das klingt irgendwie auch nach ein wenig Abstiegsgefahr, oder? Uli Stein sagt aber: „Der HSV hat auch diesmal das Glück, dass es noch schwächere Mannschaften gibt, so wie Eintracht Braunschweig und den 1. FC Nürnberg. Diese beiden Clubs werden die größten Probleme bekommen, und dazu kommen dann noch Freiburg und Frankfurt. Nein, der HSV hat das Glück, dass es wieder drei schlechtere Mannschaften gibt.“

Und dann noch ein Wort von Torwart zu Torwart. Rene Adler ist in den vergangenen Wochen nicht nur gelobt, sondern auch einige Male recht deftig kritisiert worden. Wie sieht Uli Stein den HSV-Keeper derzeit? Der Europapokal-Held von 1983 sagt: „Klar ersichtlich ist, dass Rene Adler im Moment nicht in der Form ist, die er noch vor einem Jahr hatte. Ich vermute, dass er unter dem Gesamtzustand der Mannschaft leidet, dass er sich von den Schwächen seiner Vorderlaute hat anstecken lassen. Kein Wunder, wenn man so oft die Bude voll bekommt, dann wird man schnell mal davon angesteckt.“ Uli Stein sagt aber auch: „Ich bin total davon überzeugt, dass Rene Adler aus diesem Tief auch wieder herauskommen wird, ganz klar. Er hat im Moment nicht die Form, aber er ist immer noch einer der besten deutschen Torhüter, und ich bin davon überzeugt, dass er im Sommer 2014 mit zur WM fahren wird. Ich drücke ihm die Daumen, ich hoffe diese WM-Teilnahme für ihn.“

Ja, WM ist die eine Sache, Bundesliga die andere. Und die steht am Sonnabend noch auf dem Programm. Die Bayern, so denke ich, werden sich von ihrem Publikum mit einer (hoch) anständigen Leistung in die Winterpause verabschieden wollen, und genau das wird die Aufgabe für den HSV nicht einfacher machen. Mal sehen, was passieren wird – ich bin schon jetzt gespannt wie ein Flitzbogen.

So, Themenwechsel: Wenn nicht alles täuscht, dann hat ein früherer HSV-Trainer bald wieder Arbeit: Thomas Doll. Der (frühere) HSV-Publikumsliebling steht mit dem ungarischen Erstliga-Verein Ferencvaros Budapest in Verbindung und könnte Nachfolger des ehemaligen HSV-Trainers Ricardo Moniz werden, der kürzlich in Budapest entlassen worden ist. Thomas Doll war bereits in Ungarn, hat sich über den Club schlau gemacht, hat mit den Verantwortlichen gesprochen – und weiß, dass er einer von vier Kandidaten (einer könnte Lothar Matthäus sein) ist. Die Entscheidung soll in den nächsten zwei, drei Tagen fallen. Thomas Doll sagte mir: “Ferencvaros will wieder ganz nach oben, da bewegt sich einiges, im nächsten Frühjahr bekommt der Club ein neues Stadion, das nach dem Vorbild von Hoffenheim und Sinsheim gebaut worden ist. Im Moment kämpft Ferencvaros noch darum, mindestens Platz drei zu erreichen, um in die Europa League zu kommen.”

Ich drücke Dir, lieber Thomas Doll, die Daumen, dass es mit diesem Engagement klappt – Du hast es verdient, denn Du warst in meinen Augen ein sehr guter HSV-Trainer, der letztlich gescheitert ist, weil es zu viele schwere Verletzungen bei seinen Spielern gab. Ich drücke ganz fest die Daumen, Ferencvaros Budapest klingt gut und wäre eine prima Aufgabe.


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Zu einem ganz, ganz anderes Thema. Heute beim Training bin ich darauf angesprochen worden, dass es beim Augsburg-Spiel schon zu – sagen wir mal – Tumulten unter HSV-Fans gekommen ist. „HSVPlus“-Anhänger gegen „andere“. Wobei die HSVPlus-Anhänger dabei attackiert wurden. Ihnen sollen Schals (oder nur einer?) entwendet worden sein, und die Schals (der Schal) landeten dann in der Toilette, in der dann einige „Jungs“ auf den Schal urinierten.

Unfassbar. Aber genau das haben einige HSV-Mitglieder schon vor Wochen und seit Wochen vorausgeahnt und gesagt. Bitter, bitter. Ich glaube ja auch, dass das nicht der einzige Vorfall dieser Art bleiben wird. Wenn einigen „Jungs“ die Argumente ausgehen, dann gibt es eben auf die etwas andere Art und Weise zurück. Unserem „Matz-abber“ „JU“, wollten, so wurde mir mitgeteilt, einige Jungs aus 22c sogar an die Wäsche, weil er in 22b ebenfalls mit dem „HSVPlus“-Schal herumlief und herumstand. Dazu bekam ich auch noch einen Leserbrief, den ich hier schnell veröffentlichen möchte:

„Ich finde das Matz-ab Team könnte mal eine richtig große Geschichte um den jüngsten Skandal machen.
Dort wurden Menschen (auch Kindern) gewaltsam HSVPLus Schals abgenommen. Die Krönung ist aber, dass man Schals ins Urinal packt und draufpinkelt hat. Das habe ich mit eigenen Augen gesehen. Netter Typ mit Not-for-sale-Schal. HSV+ hin oder her, aber auf einen eigenen Vereinsschal urinieren? Auf die Vereinsfarben? Und sich dann als Supporter des HSV hinstellen?“

Das geht ja gar nicht. Aber man kann nur hoffen, dass das nicht noch schlimmer wird. Dann, ja dann hätten die HSVer wohl die richtige Ahnung gehabt, die schon seit Wochen und Monaten davon sprechen, dass der Verein durch die Strukturen-Debatte die Teilung in zwei Teile erleben wird. Noch wäre das zu verhindern, wenn statt solcher Taten mehr mit dem Hirn gearbeitet werden würde. Und zwar nur zum Wohle des HSV. Mit Hirn und mit einer demokratischen Einstellung.

Dann noch schnell, die Zeit läuft einem ja bei diesem späten Nachmittags-Training total weg, zu einem Kommentar bei Matz ab, und zwar den von User „Waltero“. Der schrieb nämlich einen sehr beachtenswerten Artikel, den ich Euch nicht vorenthalten möchte. „Waltero“ schrieb:

Moin, ich möchte an dieser Stelle noch einmal auf meinen Kommentar von gestern um 18.32 Uhr verweisen. Mein Kommentar ist zwar sehr statistisch und ausführlich, wirft aber sicherlich einige Fragen auf. Es wäre schön, wenn die Blogbetreiber diese Fragen auch einmal in die Richtung der Offiziellen des HSV richten könnten (die Zahlen lassen sich auf Bundesliga.de nachlesen).
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Ich fasse mal kurz die Ergebnisse meiner Beobachtungen kurz zusammen:
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– Nur zwei Mannschaften liefen an diesem Spieltag weniger als der HSV (Gesamtdistanz). Zudem lief keine andere Bundesligamannschaft an diesem Spieltag durchschnittlich langsamer als der HSV.
– Hinsichtlich schneller Läufe sind wir an diesem Spieltag in etwa Bundesligadurchschnitt gewesen, waren Augsburg läuferisch trotzdem hoffnungslos unterlegen.
– Der HSV sprintete zwar überdurchschnittlich häufig gegen Augsburg, wies aber im Bundesligavergleich die zweitkürzeste durchschnittliche Sprintdistanz auf. Anders ausgedrückt: Die Spieler des HSV brachen die Sprints deutlich früher ab als die Konkurrenz (fehlen da die Körner?).
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Um diese Beobachtungen in Relation zu setzen, haben ich mir auch die Tracking-Werte
der anderen Partien des HSV in dieser Saison angesehen. In den Werten ist z. B. deutlich der Trainer-Effekt zu sehen: Ab dem 7. Spieltag steigt die Durchschnittsgeschwindigkeit der Mannschaft sprunghaft an. Bewegt sich die Mannschaft unter Fink in einer Geschwindigkeit zwischen 6,5 und 7 km/h über den Platz, schwankte die die Geschwindigkeit in den ersten fünf Spielen unter BvM zwischen 6,9 und 7,5 km/h. Seitdem ist die Durchschnittsgeschwindigkeit aber wieder rückläufig (Trainer-Effekt schon verpufft?).
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Das Spiel gegen Augsburg zwar von der Gesamtschwindigkeit gesehen eher schlecht (aber nicht die langsamste Saisonleistung…), von der Anzahl der intensiven Läufe und Sprints war es dagegen unsere beste (!) Saisonleistung. Von der zurückgelegten Distanz intensiver Läufe war es die drittbeste Leistung (nur gegen Leverkusen und Gladbach wurde etwas mehr schnell gelaufen).
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Vergleicht man die Tracking-Daten der HSV-Spieler mit denen der Gegner, so wird deutlich, dass unsere Jungs in den meisten Spielen läuferisch unterlegen waren: in lediglich drei Spielen war man besser (Braunschweig, Leverkusen Gladbach – wobei Braunschweig läuferisch in der Bundesliga schon außer Konkurrenz schlecht ist), in zwei weiteren in etwa gleichwertig (Hertha und Nürnberg) und in den restlichen zehn Spielen (!) bei Gesamtbetrachtung der Werte unterlegen. Die drei Spiele mit besseren Tracking-Daten sind auch zu relativieren, da Gladbach und Leverkusen aufgrund ihrer spielerischen Überlegenheit weniger laufen müssen (beide Spiele wurden ja auch verloren). Das wird gegen Bayern nicht anders sein.
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Wenn man sich diese Zahlen anschaut, muss man sich übrigens auch nicht wundern, dass der HSV regelmäßig die erste Halbzeit verschläft. Da man läuferisch offensichtlich nicht konkurrenzfähig ist, muss man sich seine Kräfte natürlich gut einteilen. Gut zu sehen gegen Wolfsburg, die letztendlich zwar eingebrochen sind, aber über das gesamte Spiel hinweg mehr und schneller als der HSV gelaufen sind. Gegen eine läuferische Top-Mannschaft, wie den FC Augsburg, geht das natürlich schief – da kommt dann ein Spiel wie letzten Samstag heraus.
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Wieso laufen die Profis gerade einmal fünf Spiele schneller unter dem neuen Trainer uns verfallen dann wieder in den alten Trott? Warum ruft die Mannschaft ihr läuferisches Potenzial nicht mehr ab – hat es mentale Gründe oder fehlen einfach die Körner? Oder bringen die Spieler die Voraussetzungen nicht mit, sind also eher laufschwach?
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Für die weitere Saison macht das alles nicht viel Hoffnung…

Das war der (zweite) Beitrag von „Waltero“. Interessant, wirklich interessant. Es ist allerdings schwierig, daraus die richtigen (und wahren?) Lehren zu ziehen, denn das Thema „Laufen“ ist nur auf dem ersten Blick leicht zu beurteilen. Laufen, Kondition und Kondition zu trainieren. Zuletzt in Wolfsburg hat der HSV den VfL in den letzten 20 Minuten „an die Wand gelaufen“. Und eine Woche, oder zwei Wochen später ist davon nichts mehr zu sehen oder zu merken? So oft wurde schon versucht (auch von uns Journalisten), den HSV als laufschwach und lauffaul zu bezeichnen, und wenn es tatsächlich doch mal geschah, dann kam der jeweilige HSV-Trainer immer mit dem Argument: „Vor einer Woche haben wir beim 1:1 in XY bis zur 90. Minuten gekämpft, sind gerannt, gelaufen – viel mehr als der Gegner . . .“ Ja, und dann waren alle anderen Argumente mit einem Schlag vom Tisch.
Ich gebe zu, dass ich eher bei „Waltero“ bin, aber ich habe es mir abgewöhnt, einen schwachen HSV nur mit dem wenigen Laufvermögen zu verbinden. Ich glaube, dass man das nicht schaffen wird, weil es immer auch andere Dinge gibt, die da mit hineinspielen.
Wobei ich mich immer an meine eine ganz, ganz kleine Fußballgeschichte erinnere. Wir hatten beim WFC (als wir von der Bezirksliga bis in die Verbandsliga – heute Oberliga – aufstiegen) mit Wolfgang „Jule“ Rauert (er lebt leider nicht mehr) einen Trainer, der uns laufen, laufen, laufen ließ. Manche hatten sehr, sehr oft die Nase davon voll. Sonntags aber liefen wir alle Gegner, jeden Gegner, an die Wand. Mühelos. Es fiel niemandem schwer.
Daraus darf dann jeder seine eigenen Schlüsse ziehen. Besonders diejenigen, die seit Jahren beim HSV-Training anwesend sind. Wobei ich ganz klar sagen muss: Da waren sich in der Vergangenheit alle, wirklich alle HSV-Trainer gleich. Die einzige Ausnahme war und ist tatsächlich Felix Magath . . .

PS: Morgen wird um 15 Uhr an der Arena trainiert.

19.06 Uhr

Die Pressekonferenz: Fink und Kreuzer bleiben Freunde, Jarchow bleibt und Magath kommt nicht

17. September 2013

Die erste Aufregung ist vorbei. Fink ist abgereist, hat sich von der Mannschaft verabschiedet und ist abgefahren. “Immer wieder mal Wirrwarr auf dem Platz” hatte den Sportchef Oliver Kreuzer veranlasst, seinen Freund zu beurlauben. Trotzdem hofft er darauf, weiter eine gute Freundschaft zum Geschassten zu pflegen.

Trotz der verpassten Ziele, die sich Klubboss Carl Jarchow zu seinem Amtsantritt vor zwei Jahren gesetzt hatte, denkt er nicht an Rücktritt. Ebenso wenig daran, sich einen Felix Magath als Trainer zu holen und fremdfinanzieren zu lassen. Aber seht selbst: Ich werde diesen Blog am Ende aktualisieren mit allen Neuigkeiten, die mir bekannt werden. Wie zum Beispiel, dass der HSV bislang noch keinen Kontakt zu Holger Stanislawski aufgenommen hat, dessen Name hier neben Foda, Babbel (dazu sagt Kreuzer: “Kein Kontakt”), Rangnick und sogar Stevens herumgeistert. Solltet Ihr schnelle News wollen, ich versuche es parallel via facebook (www.facebook.com/groups/matzab) immer zeitnah zu aktualisieren, weil es hier im Blog immer eines neuen Blogs benötigen würde.

Aber bis dahin erst einmal die durchaus interessante PK mit Jarchow und Kreuzer.

Scholle



Anmerkung von den Moderatoren:
Von Dieter wurde gute 20 Minuten vorher ein Blog veröffentlicht, den wir jetzt hier (nach Abstimmung) reinkopiert haben:


Gedanken zum Trainer-Wechsel

„Scholle muss hart arbeiten, ich habe Urlaub – und Thorsten Fink wurde beurlaubt. Letzteres Thema ist natürlich das Highlight dieses Dienstags. Es ging schneller als ich gedacht habe, wobei ich zugeben muss, dass ich gar nicht mit einer Trainer-Trennung gerechnet habe. „Kontinuität“ heißt bekanntlich seit etwas mehr als zwei Jahren das Zauberwort des HSV, ich habe gedacht, dass die Club-Führung eher lebendige Kröten schlucken würde, als Thorsten Fink vor die Tür zu setzen. Deswegen meine Anerkennung den Herren des HSV, dass sie sich zu diesem schwierigen Schritt entschlossen habe.

Es wurde aber wohl Zeit. Nicht nur deshalb, weil das hohe Ziel Europa schon jetzt kaum noch zu erreichen sein wird, sondern vielmehr deshalb, weil der HSV in den letzten Wochen gespielt hat wie ein Abstiegskandidat – Ausnahme Braunschweig. Der HSV kämpft, so wie es jetzt den Anschein hat, wieder einmal nur ums nackte Überleben. Deswegen musste die Reißleine rechtzeitig gezogen werden, das haben die Verantwortlichen trotz aller Treueschwüre für den Trainer erkannt und zum Wohle des Dinos reagiert.

Thorsten Fink hat es nicht geschafft, aus (relativ) wenig mehr zu machen. So sehr er sich auch mühte. Von seinen Spielern habe ich, und ich denke, es geht auch allen meinen Kollegen so, nie ein schlechtes Wort über den Coach gehört. Auch nicht hinter der vorgehaltenen Hand. Das war bei dem einen oder anderen Vorgänger Finks sehr wohl anders. Fink hat sicher nur das Beste gewollt, aber er hat es nicht verstanden, aus diesem Kader eine schlagkräftige Einheit zu formen. Sicherlich hat der HSV nicht die allerbesten Spieler unter Vertrag, von den Namen her aber ganz sicher auch keine schlechten Profis. Daraus wäre bestimmt ein Team zu formen gewesen, das den HSV-Fans wesentlich besseren Fußball geboten hätte, als jene blutleere Kickerei, die dem Anhang der Rothosen seit langer Zeit gehörig auf die Nerven gegangen ist. So gesehen ist Thorsten Fink schon sehr deutlich gescheitert, denn so richtig guten Fußball hat der HSV unter seiner Regie fast nie gespielt. Es waren viele „Klatschen“, die der HSV im vergangenen Jahr und auch in 2013 kassierte, das besonders Schlimme daran war und ist, dass diese Pleiten gefühlt noch viel, viel schlimmer waren, als sie es ohnehin schon waren.

Aber, und nun kommt das große „Aber“, Fink sitzt da in einem Boot mit so vielen seiner Vorgänger. Michael Oenning, Armin Veh, Bruno Labbadia , Martin Jol, Huub Stevens, Thomas Doll, Klaus Toppmöller, Kurt Jara und Frank Pagelsdorf (von Arnesen, Cardoso, Moniz und Hieronymus will ich nicht erst schreiben) haben es doch auch nicht (immer) hinbekommen, dass in diesem Jahrtausend im Volkspark wirklicher und anerkannter Klasse-Fußball gespielt wurde – und zwar vom HSV. Und viele dieser Trainer haben gewiss nicht den schlechtesten Ruf gehabt, einige von ihnen haben auch nach dem HSV noch bewiesen, dass sie es sehr wohl können. Nur beim HSV konnten sie es eben nicht. So wie Fink jetzt. Auch wegen der Umstände in Hamburg. Seit Jahren weigern sich die HSV-Profis, das ist Tatsache, aus ihrem Kreis eine vernünftige Mannschaft formen zu lassen, die als Team, als echte Einheit auftritt, die Spaß am Job hat, die auch erkannt hat, was die Raute bedeutet, was es damit auf sich hat, für diese drei berühmten Buchstaben zu spielen. In diesem HSV denken seit Jahren viel zu viele Spieler nur an sich, statt auf das „Wir-Gefühl“ zu setzen, statt als Mannschaft aufzutreten.

Deswegen liegt es nicht unbedingt stets und ständig an den Trainern, die sich in Hamburg mit der Herkules-Aufgabe zu beschaffen hatten, diesen maroden HSV, bei dem es seit Jahren mehr Schein als Sein gibt, auf Vordermann zu bringen. Auch der Mann nach Fink wird keine Wunder vollbringen können, ich bedaure ihn schon jetzt. Aus diesem abgewrackten Club wieder einen Top-Verein zu formen, ist unter diesen Voraussetzungen eigentlich ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Da sollte der geneigte HSV-Fan schon die Realität nicht verkennen. Bei und an diesem HSV würden auch Trainer wie Mourinho, Ferguson, Hiddink, Wenger, Heynckes und Hitzfeld gnadenlos scheitern. Ich erinnere mich noch an Erich Ribbeck, an dessen kurze Ära beim HSV. Als er kurz vor seinem Abgang aus Hamburg stand (was dann aber völlig überraschend und bei Nacht und Nebel geschah), da verriet er mir mal, wie er seine ersten Tagen beim HSV rückwirkend betrachtete: „Auf Teneriffa, fernab von Hamburg, wurde ich einst von Ernst Naumann verpflichtet. Als ich dann zum HSV kam, in die Geschäftsstelle in der Rothenbaumchaussee ging, da sah ich hinter die Kulissen und entdeckte zu meinem Entsetzen, dass die drei großen Hamburger Buchstaben nur noch von notdürftig geflickten Pfeilern, die schon morsch und teilweise gebrochen waren, gestützt wurden. Mehr als diese drei Buchstaben hatte der Club leider nicht zu bieten.“

Ich könnte wetten, dass es einige HSV-Trainer (der letzten beiden Jahrzehnten) gibt, die ein ähnliches Aha-Erlebnis hatten. Nur zugeben durften sie es nicht, dass sie alle glaubten, bei einem „Welt-Club“ unterschrieben zu haben. Einem „Welt-Club“, der aber so rein gar nichts mehr mit einem großen europäischen Spitzen-Verein gemein hatte. Diese Erkenntnis kam ihnen viel später, aber das behielten sie dann besser für sich. Andernfalls wäre es ja auch blauäugig gewesen – und wer gibt schon gerne ein so bildschönes Eigentor zu?

Thorsten Fink muss sich deshalb keine großen Vorwürfe machen. Vor ihm sind sie brutal gescheitert, nach ihm werden sie ebenso Schiffbruch erleiden. Egal wer kommt. Deswegen wäre es jetzt eigentlich an der Zeit, den ganz großen Umbruch zu starten. Ein radikaler Neuaufbau des Vereins müsste her, und wenn es die Jungs (und die eine Dame) gut mit ihrem HSV meinen, die jetzt (in welchem Amt auch immer) in der Verantwortung stehen, dann raufen sie sich zusammen und machen den Weg frei für einen neuen HSV.

Von vielen ist das, ich weiß es wohl, natürlich zu viel verlangt, weil sie zum ersten Mal in ihrem Leben ein Amt bekleiden – sie haben erstmalig etwas zu sagen und kleben an diesem Job. Was aber wäre, wenn jetzt die fünf Personen, die im Aufsichtsrat gegen ihren Boss sind, ein Zeichen setzen würden und von ihren Pöstchen zurücktreten würden? Dann wäre immerhin schon mal ein Anfang gemacht – die Zeit wird ohnehin kommen, wo sie nicht mehr benötigt werden. Wie all die anderen. Nur jetzt könnten sie den so dringend erforderlichen Umbruch einleiten und beschleunigen. Wäre vielleicht einmal zu überdenken. Nicht immer nur hadern, ärgern, mosern, meckern und reden, sondern jetzt Taten folgen lassen – dann werden sie in meinen Augen zu Helden ihres Vereins.

Der HSV darf ganz einfach nicht weiter so still vor sich hin wurschteln. Und den nächsten Trainer und den nächsten Trainer und wieder den nächsten Trainer verschleißen. Jetzt ist ein Punkt gekommen, an dem nicht nur ein Umdenken erfolgen muss, sondern an dem auch gehandelt werden sollte. Zum Wohle des HSV. Nur zum Wohle des HSV.

So, das wollte ich zu diesem Thema einmal loswerden. Obwohl ich jetzt im Urlaub bin und „Scholle“ der Boss ist. Wer es dazu immer noch nicht mitbekommen hat: Ich werde in diesem Monat 65 Jahre, folglich am 1. Dezember ein „richtiger“ Rentner. Geplant war es seit Wochen, dass ich dann tatsächlich „in Rente“ gehe, nun aber habe ich mich mit dem Hamburger Abendblatt quasi in letzter Sekunde darauf geeinigt, doch noch ein Jahr dran zu hängen. Im Sommer 2014 werden wir uns dann alle zusammensetzen und beraten, ob das gut war, ob es noch einmal verlängert – oder ob der Vertrag zum 31. Dezember 2014 dann auslaufen wird. Das ist der Stand der Dinge. Da ich noch meinen gesamten Urlaub auf der Uhr habe, dazu jede Menge freier Tage, werde ich bei „Matz ab“ ein wenig länger fehlen.

Aber zwischendurch wird es ganz sicher auch das eine oder andere Lebenszeichen von mir geben. So am 19. Oktober, den sich alle Interessierten merken sollten. Das ist der Sonnabend vor dem Stuttgart-Spiel im Volkspark. Da werden wir beim HSV in Ochsenzoll („Anno 1887“) das nächste „Matz-ab“-Treffen veranstalten, und Ihr seid dazu herzlich eingeladen. Es werden auch andere Gäste dabei sein, einer hat bereits heute zugesagt, und das ist Ernst-Otto Rieckhoff, der bei der Gelegenheit über sein Modell „HSVplus“ sprechen wird. Also, wer Lust hat, der kommt am 19. Oktober ins „Anno 1887“ und feiert ein wenig mit uns – so es bis dahin wenigstens ein kleines Bisschen zu feiern gibt.

Ich wünsche dem HSV ein glückliches Händchen, ich wünsche allen Verantwortlichen des Vereins viel Mut – und ich danke besonders Oliver Kreuzer für seine Entscheidungsfreudigkeit. Als er im Sommer zum HSV kam, haben viele Fans und Mitglieder wie folgt gedacht: „Jetzt haben sich zwei Freunde gesucht und gefunden, nun geht die Kumpanei und der Klüngel erst richtig los.“ Auch ich war von einem solchen Gedankengut nicht weit entfernt! Jetzt ist es anders gekommen, und dazu ziehe ich den Hut vor Oliver Kreuzer. Der Mann geht seinen Weg, ohne Rücksicht auf seinen „Freund“, er denkt sicher auch an seine Karriere – aber sicherlich auch ein gehöriges Stück an die Zukunft des HSV.

Auch bei Thorsten Fink möchte ich mich kurz bedanken, die Zusammenarbeit war Bundesliga, keine Frage, es wird auch keinen Kollegen in Hamburg geben, der das anders sieht. Viel Glück, Herr Fink, für die nächste Aufgabe.

Und sollte ich gefragt werden, wen ich nun als Trainer holen würde, dann würde ich zunächst nur an den HSV denken. Kein Geld, keine guten Spieler, keine richtig guten Perspektiven. Mein Mann wäre, wenn der Club weiter so amateurhaft vor sich hin wurschteln würde, Thomas Doll. Ein Mann mit der Raute Im Herzen, er lebt in Hamburg, würde es in den ersten Tagen, Wochen und Monaten sogar eventuell umsonst machen – und er hat den HSV schon einmal gerettet. Dass er später auch scheiterte, das lag auch daran, dass er ein unheimliches Verletzungspech zu verkraften hatte. Und vielleicht auch ein wenig zu viel Nähe zu den Spielern zugelassen hatte – aber daraus hat der Thomas, der nicht mehr der „Dolly“ von einst ist, längst gelernt.

Sollte jetzt aber der Umbruch schon, dank der fünf Herren aus dem Aufsichtsrat, über die Bühne gehen, dann ist die Zeit für Klaus-Michael Kühne, Felix Magath und Bernd Hollerbach gekommen. Auch keine so schlechte Lösung, um es einmal ganz süffisant zu formulieren – denn diese drei Herren würden schon etwas aus dem HSV machen.

Und auch mit dem Kandidaten Markus Babbel (mit dem der HSV bislang nicht gesprochen hat!) könnte ich sehr gut leben, denn er war zu seiner Zeit ein „Vollblut-HSVer“. Ich weiß noch die Zeit, als er zum FC Bayern zurückbeordert worden ist – Babbel sträubte sich mit Händen und Füßen. Er wollte beim HSV bleiben. Doch Herr Hoeneß wollte es anders. Und das war letztlich auch zum Vorteil von Markus Babbel, der er wurde Nationalspieler und einer des besten Abwehrspieler Europas. Aber, ich traf ihn beim Tag der Legenden am Millerntor, die Raute hat er immer im Herzen behalten. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen für diesen Schleuder-Sessel-Job beim HSV.

Leider, leider weiß ich, dass Thomas von Heesen kein Interesse mehr an diesem Amt hat, er hat Arbeit genug und muss sich den HSV nicht mehr antun. Was ich als sehr, sehr schade empfinde.

So, nun überlasse ich wieder „Scholle“ das Feld, ich wollte mich nur ganz kurz zu Wort melden – nicht dass ich mich so aus dem Staub mache.

Dieter Matz

12.41 Uhr

Herr Kühne, van der Vaart und all die anderen Goldfische

12. Mai 2012

Am Sonntag um 15 Uhr in Büdelsdorf gegen den VfB Stuttgart, am Dienstag dann noch ein letzter Kick vor der Sommerpause, und zwar in Lüneburg. Und das war es dann auch mit der Saison 2011/12. Endlich, möchte ich meinen. Die 90 Minuten gegen Dorchtersen /Assel waren schon wieder schlimm genug. 2:1 gewonnen. Etwas besser war da schon die Mannschaft von Rodolfo Cardoso, die in dieser Saison gegen Drochtersen/Assel mit 5:2 gewann. Aber, ich weiß, ich weiß, was sollen Quervergleiche, sie bringen ja doch nichts – es ist so, wie es ist. Und für die Profis muss es ja auch irgendwie eine Qual sein, nach einer solchen Saison noch über die Dörfer tingeln zu müssen. Solche Spielchen haben nicht den kleinsten Reiz für einen Bundesliga-Spieler, denn die für Amateure ist es das Spiel des Jahres, sie kämpfen, sie beißen, sie treten, sie geben keinen Millimeter freiwillig ab. Da muss ein Profi schon eine absolut astreine Einstellung haben, um dagegen zu halten, um die wahre Überlegenheit auch auf dem Rasen zu zeigen. Aber nach einer solchen Minus-Serie? Da ist jeder nur froh, wenn er die Buffer bis Anfang Juli einmotten und im Urlaub erst einmal vom Fußball abschalten kann. Das ist schon nachvollziehbar. Aber zweimal müssen die Helden des HSV eben doch noch mal ran, denn es muss ein wenig Kleingeld in die leere Kasse. Und die Cracks werden ja auch weiterhin fürstlich entlohnt, es ist ja nicht so . . .

Derweil „ackern“ die Verantwortlichen weiter am neuen HSV. Zwei „Goldfische“ sind schon da, weitere sollen noch an Arnesens Angelhaken. Und wenn ich hier kürzlich meinem Bauchgefühl habe freien Lauf gelassen, als ich mal mutmaßte, dass über den Herrn Kühne eventuell eine Rückkehr von Rafael van der Vaart möglich sein könnte, so gibt es jetzt schon die eine oder andere Stimme, die dieses (mein) Bauchgefühl unterstützen. Einige „Experten“, die in Sachen Transfers auch sonst das „Gras wachsen hören“, wollen etwas von einer Dreiecks-Verbindung zwischen Kühne, dem HSV und dem blonden “kleinen Engel“ wissen. Was mich allerdings noch stutzig macht: Mein Kollege Babak Milani von der „Bild“ ist ja mit Rafael van der Vaart, der in Tottenham nicht gerade königlich behandelt worden ist (spielte nicht immer von Beginn an), ganz eng befreundet, deswegen müssten eigentlich die „vier großen Buchstaben“ zuerst von einer solchen (großartigen – wie ich finde!) Verbindung wissen. Aber gut, vielleicht sollen ja auch noch nicht die Pferde scheu gemacht werden, weil es ja noch genügend Zeit gibt, um einen solchen Transfer einzutüten. Und in England läuft ja auch die Saison noch . . .
Aber, um das noch mal ganz „offiziell“ zu schreiben: mit Rafael van der Vaart beim HSV (zurück) könnte ich sehr gut leben . . .
Ja, das wird noch eine spannende Zeit. Und vielleicht auch nicht so aufregend, wie die nun abgelaufene Saison. Absteigen kann der HSV ja nun nicht mehr . . . Nur noch viel dafür tun, dass wieder einmal bessere Zeiten auf die Raute zukommen. Ihr habt euch in den letzten Tagen (nach dem Augsburg-Spiel) ja genügend Gedanken gemacht, wie es weitergehen kann, weitergehen muss, weitergehen soll. Ich habe mal zwei Beiträge aus euren Reihen herausgepickt. Wünsche und Sorgen zweier HSV-Fans.

Von „RauteImHerzen” kam u. a. dieses:

„Ich habe jetzt die Schnauze voll, werde keine Dauerkarte bestellen, denn ich lasse mich nicht weiter verarschen von diesen Nullos. Dann verzichte ich auf HSV-Spiele im Stadion und schaue mir die Spiele am Fernseher an, notfalls schalte ich dahin um, wo Fußball gespielt und gekämpft wird.

Frank Arnesen muss jetzt das Kunststück vollbringen, die Mannschaft so zu ergänzen, dass sie in der nächsten Saison konkurrenzfähig ist, Stand heute ist der HSV für mich auf Platz 18 gesetzt. Das heißt: Spieler verlaufen und hungrige ablösefreie Spieler verpflichten. Und alles Geld zusammenkratzen, einen gestandenen Spielgestalter und ein Backup zu verpflichten. Denn die Kassen sind leer, sonst würde man längst Adler und verpflichtet haben, auch wenn ein Drobny noch auf der Gehaltsliste steht. Wenn es um die 2 – 3 Mio. Einsparung geht, müssen wir kurz vor der Pleite stehen…

Wen soll der HSV freisetzen?

Marcell Jansen. Verletzungsanfällig, ohne Esprit, megaempfindlich, viel palavernd. Ein Maximilian Beister oder ein Zhi-Gin Lam kann das sicher perspektivisch besser, wenn man ihn lässt.

Paolo Guerrero. Rackert zwar oft, ist aber noch öfter unbeherrscht. Ist bei den Schiris und den Ligabonzen als Brutalo abgestempelt

Dennis Aogo. Zeigt als Nationalspieler viel zu wenig. Müsste für 5 Mios. verkäuflich sein, dafür kriegen wir zwei Spieler seines Niveaus vom Typ Slalomstange der Abwehr, auch wenn ich glaube, dass er einer der wenigen ist, die sich voll reinhängen.

Dennis Diekmeier. Rennt schnell, ist offensiv stark, aber defensiv eine Zumutung. Bringt sicher auch 2-3 Mio.

Robert Tesche. Ohne Worte. Gern auch ablösefrei.

Heiko Westermann. Kein Abwehrchef, sondern ein Unsicherheitsfaktor. Macht viel zu viele Fehler. Wann war der mal richtig Chef auf dem Platz? Bringt sicher auch 2-3 Mio.

Ivo Ilicevic und Marcus Berg würde ich weiter vertrauen, sie könnten in einer neuen Mannschaft Aktivposten werden. Berg muss nur noch mehr spielen.

Gökhan Töre muss noch viel lernen, den würde ich mit aller Macht festhalten. Auch Slobodan Rajkovic wird sich entwickeln.

Tomas Rincon? Ein Kämpfer, den man nur als Zerstörer einsetzen soll, aber nicht als Spielaufbauer. das kann er nicht.“

Von „FinchLarsen“ der folgende Beitrag:

„Dass auch Aogo nicht mit zur EM fährt ist nicht gut, auch Westermann, Jansen, Diekmeier und Bruma sind aussortiert. Damit ist klar, der HSV ist kein Verein mehr der N11-Spieler stellt. Es muss aber das Ziel des HSV sein N11-Spieler zu stellen, nicht nur weil es den Marktwert steigert, sondern weil es junge Spieler mit Ambitionen zum HSV bringt. Die Argumentation, dann können wir zumindest mit allen Spielern in die Vorbereitung starten ist die Argumentation eines 2te- 3te – 5te Liga Vereins.

Um Aogo tut es mir wirklich leid. Das Genick hat ihm wohl das Frankreich Spiel gebrochen, als er – wie beim HSV gelernt – irgendwo vorne rumirrte um dann mit falschen Stellungsspiel die Niederlage zu verschulden. Neben Aogos Bringschuld hat der Verein die Aufgabe jeden Spieler besser zu machen. Aogo, von Big Martin Jol entdeckt und bis in die N11 gefördert ist kaputttrainiert worden, auch wenn er seinen Teil dazu beigetragen hat. Der HSV 2012, graue Maus, zum Heulen, Es gibt Tage, wo man als HSV Fan so traurig ist, dass man sich noch trauriger machen möchte.“

Die Sache mit den Nationalmannschaften darf noch um einen Spieler ergänzt werden: Mladen Petric. Auch er ist in Polen und der Ukraine nicht dabei. Als Spieler nicht. Und Urlaub wird er dort bestimmt auch nicht machen wollen. Das der kroatische Nationaltrainer Slaven Bilic auf Petric verzichtet, ist ja sogar nachvollziehbar. Der Ex-Torjäger hat in dieser (abgelaufenen) Saison absolut nichts gebracht. Und allgemein gilt: Die stets und ständig hervorgehobene „Qualität des HSV“ und seinen Spielern mag ja durchaus in den Köpfen der Hamburger Verantwortlichen vorhanden gewesen sein, aber sie alle wurden widerlegt. Die Nationaltrainer aller Herren Länder haben das eben ganz, ganz anders gesehen. Was nicht nur Thorsten Fink und Frank Arnesen zu denken geben sollte, sondern auch den Herren Nationalspielern des HSV. Sie bekamen die Quittung für eine erschütternde Saison, und wenn man dann am Ende aus der Nationalmannschaft fliegt, dann geht es schonungsloser eben nicht.

Wobei ich Dennis Aogo einmal ausnehme. Er mag sich letztlich durch das Frankreich-Länderspiel aus dem Team gespielt haben, aber ich mache dafür vor allem die desaströse HSV-Saison verantwortlich. Aogo war ganz sicher noch einer der besseren Hamburger in dieser Spielzeit, er hat vor allen Dingen stets und ständig Verantwortung übernommen – als einer der wenigen Spieler dieser oft überforderten Mannschaft. Um Aogo, so gab der Verein einst bei der Vertragsverlängerung mit dem Nationalspieler bekannt, um Aogo herum sollte ein neues HSV-Team aufgebaut werden. Das misslang zwar 2011/12 gründlich, aber an Dennis Aogo lag es gewiss nicht – er hat seinen Part dabei erfüllt. Was ihm ja auch mehrfach von den Verantwortlichen (Arnesen, Fink) bestätigt wurde. Ich muss deutlich sagen, dass sich Dennis Aogo zu einem echten Führungsspieler gemausert hat, obwohl ich auch zugeben muss, dass er fußballerisch nicht immer überzeugt hat. Insgesamt stagnieren seine Leistungen – aber auch das liegt gewiss nicht nur an ihm. Ich würde mir wünschen, dass solche Defizite, die sich ja nicht nur im Frankreich-Spiel offenbarten, durch ein individuelles Training, oder besser, durch ein individuelleres Training, abgestellt werden würden. Oder dass es auf diese Art auf jeden Fall einmal versucht werden würde. Aber darauf warte ich schon seit Jahrzehnten bei jedem HSV-Bundesliga-Trainer vergeblich drauf.
Mal abgesehen von Ricardo Moniz, der sich während des Trainings von Martin Jol doch mitunter das eine oder andere Talent „griff“, um mit ihm Einzeltraining (auf dem Nebenplatz) zu veranstalten. Und: Der große Martin Jol hatte tatsächlich nichts dagegen, er ließ seinem Technik-Trainer freie Hand und ließ ihn gewähren. Nachahmenswert. Unbedingt.

Apropos Jol. Kürzlich flüsterte mir ein „guter Geist“ während eines HSV-Trainings zu, dass der Coach des FC Fulham latentes Interesse an Marcell Jansen habe. Ach wenn’s doch wahr wäre – habe ich so bei mir gedacht. Auch im Interesse von Jansen – natürlich. Wer von euch erinnert sich nicht daran, dass der Linksfuß noch um die Jahreswende immer wieder laut von einer EM-Teilnahme (2012!) träumte? Dabei war er in meinen Augen, und nicht nur in meinen, absolut chancenlos. Jansen soll ja nach eigenen Angaben „so fit wie nie“ in diese Saison gegangen sein, aber davon war zu keiner Phase dieser Spielzeit etwas zu sehen. Wenn das anders gewesen wäre, dann wäre er sicherlich auch einmal in die Nähe der Nationalmannschaft gekommen, aber da gab es nichts, nicht einmal das kleinste Zeichen von Jogi Löw. Deswegen wäre es vielleicht auch ganz im Sinne von Jansen, wenn es einmal eine Klimaveränderung (sprich Vereinswechsel) für ihn geben würde. Eine neue Herausforderung setzt vielleicht doch noch einmal ungeahnte Kräfte frei – wer weiß?

Aber der „gute Engel“, der mir von Jols Interesse berichtete, der sagte auch, dass der HSV erstens Jansen nicht gehen lassen, und zweitens wohl eine sehr hohe Ablösesumme fordern will. Oder sind die HSV-Herren eventuell auch (schon) so clever, dass sie den Preis ein wenig in die Höhe treiben wollen? Denn für „ein Butterbrot und ein Ei“ sollte auch ein Ex-Nationalspieler nicht von Hamburg auf die Insel wechseln dürfen. Der HSV hat schließlich nichts, aber auch rein gar nichts zu verschenken. Auch an einen ehemaligen HSV-Trainer nicht. Bei Geld hört die Freundschaft auf.

Kurz möchte ich noch einmal zur Kritik an Heiko Westermann (in diesem Bericht oben) kommen. „Wann war er mal richtig Chef auf dem Platz?“ So wurde gefragt. Das kann ich nicht so stehen lassen. Ich habe viele Spiele gesehen, in denen Westermann Chef auf dem Platz war. Und Fels in der Brandung. Wenn der Kapitän heute in der „Bild“ verkündet, dass der HSV ohne Thorsten Fink abgestiegen wäre, dann ehrt es ihn, aber er stellt dabei sein Licht unter den Scheffel. An Heiko Westermann konnten sich die jungen Leute im Team anlehnen – und ein gutes Beispiel nehmen. Westermann ist sicher kein Filigran-Techniker, das wird er auch nicht mehr, aber er ist einer, der für sein Team immer alles gibt – und das hat er stets vorbildlich gemacht. Da war er auf Augenhöhe mit Dennis Aogo und David Jarolim. Ich bin mir ganz sicher, dass der HSV ohne Heiko Westermann auch abgestiegen wäre – aber zum Glück hatten wir ihn ja in jeder Partie dabei. Nicht auszudenken, wenn er einmal für längere Zeit gefehlt hätte (verletzt oder gesperrt).

So, das Damen-Pokalfinale ist gelaufen, der große Außenseiter FC Bayern bezwingt den 1. FFC Frankfurt mit 2:0! Demnächst beginnt das Herren-Traum-Finale – und jedes Mal sitze ich dann vor dem Fernseher und bin traurig. In dieser Saison ist der HSV zwar höchst unglücklich aus dem Pokal ausgeschieden (in Stuttgart – morgen die Revanche?), aber zu oft schon wurde der DFB-Pokal zu leicht und zu locker von den Hamburgern abgeschenkt. Und wer einmal in Berlin war, und zwar schon lange, lange vor dem Anpfiff, der weiß, welche einmalige Atmosphäre dort herrscht. Wer tagsüber auf dem Kurfürstendamm herumläuft, der weiß, wie besonders ein solches Pokal-Wochenende ist. So etwas muss man ganz einfach mal mitgemacht haben – am besten natürlich mit dem eigenen Verein. Aber ein solches Vergnügen liegt ja schon ein wenig länger zurück. Damals, zu Happels Zeiten . . .

Lang, lang ist es her. Aber schön war es doch!

18.45 Uhr

Sportchef Arnesen macht sich keine Sorgen

3. Oktober 2011

„Beim nächsten Spiel in Freiburg wird ein Trainer mit Lizenz auf der Bank sitzen.“ Sagte Frank Arnesen nach der 1:2-Niederlage gegen Schalke 04 und lächelte ein wenig süffisant. Daraufhin wurde der Däne nur noch ein wenig mehr „gelöchert“: der neue Mann? Holt der HSV jetzt endlich einen neuen Trainer? Arnesen: „Das habe ich nicht damit gesagt. Ich habe nur gesagt, dass gegen Freiburg ein Trainer mit Lizenz auf der Bank sitzen wird.“ Aha.

Der wird aber nicht Cardoso heißen, denn Arnesen sagt: „Wir müssen, so sieht es nun aus, einen neuen Trainer holen, denn Rodolfo Cardoso, der hervorragende Arbeit gemacht hat, darf es ja wahrscheinlich nicht weitermachen. Aber es wird in 14 Tagen, beim Auswärtsspiel in Freiburg, ein Trainer mit Lizenz auf der HSV-Bank sitzen.“ Wäre es anders, wäre es auch ein Armutszeugnis. Nur: wer sitzt dort? Arnesen selbst, der die Lizenz hat? Frank Heinemann, der bisherige Co-Trainer? Oder Torwart-Coach Ronny Teuber, der auch Fußballlehrer ist? Oder doch ein neuer Mann? Das wird noch spannend.

Und plötzlich taucht ein neuer Name auf. Als Chef-Coach? Sergej Barbarez. Bei Sky sagte er während des Schalke-Spiels: „Es sind so viele Namen gefallen. Man versucht, etwas Richtiges zu tun. Aber je weiter die Zeit läuft, umso schwieriger wird es, eine vernünftige Lösung zu finden. Eine Hamburger Lösung für diesen Verein wäre nicht schlecht.“ Und Barbarez fügte noch vielsagend hinzu: „Ich hatte ein schönes Gespräch. Ich will kein Bewerbungsvideo schicken, sondern einfach sagen, dass ich sehr zu diesem Verein stehe und auch viele Emotionen für diesen Verein habe. Was am Ende kommt, wird man sehen. Ich hatte ein kleines Gespräch mit Frank Arnesen.“

Und nun haben viele schon “Angst”, dass Barbarez der neue HSV-Trainer wird. Dabei hat Arnesen doch gesagat, dass er den besten Trainer sucht. Und wir erinnern uns alle: Barbarez war zwar schon mal Aufsichtsrat, und zwar beim HSV, aber Trainer war er noch nicht. Und Arnesen sucht den besten Trainer . . .

Zudem muss ich mal sagen: Wer weiß schon, wer der beste Trainer ist? 2009 war das Trio Mike Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck auf Schalke tätig – bis Felix Magath kam. Und was war? Schalke lebt heute noch (was wir eben gerade bitter genug erfahren mussten, und ein Mann wie Büskens wurde hier auch schon rauf und runter gehandelt – als guter Mann für den HSV. So spielt das Leben. Im Fußball.

Und noch dazu gesagt, was Sergej Barbarez meinte: Eine Hamburger Lösung. Da ist ja auch immer noch, von vielen HSV-„Altinternationalen“ gewünscht und teilweise über die Medien gefordert, Horst Hrubesch im Gespräch. Doch zu diesem Namen meldete sich jetzt (er nun wieder) Matthias Sammer bei Sky zu Wort: „Der HSV muss für sich als Verein begreifen, welchen Weg er gehen will. Der Trainer muss zur Gesamtstruktur des HSV passen. Beim HSV ist es momentan unruhig. Das geht nicht mit einer One-Man-Show.“ Und: „Ich kann über Horst Hrubesch nur das Allerbeste sagen. Er ist top. Ich bin froh, dass er bei uns, also beim DFB, bleibt und dass das keine Gedankenspiele sind.“

Abwarten.

Vielleicht kommt es ja diesmal doch umgekehrt – als damals, im Fall Sammer und der HSV. Seinerzeit waren sich Sammer und der HSV schon einig, als es jedoch verkündet wurde, platzte der Deal doch noch. Und wenn Hrubesch nun bleiben soll, dann könnte es ja doch noch etwas werden . . .

Frank Arnesen wollte sich nicht, immer noch nicht, in die Karten blicken lassen. Er sprach statt über den neuen Trainer über die ungerechte Niederlage: „Wir haben unser bestes Spiel geliefert, seit ich beim HSV bin. Das Resultat enttäuscht mich schon sehr. Wir haben alles gegeben, sehr guten Fußball gespielt, viele Chancen kreiert, wenige Chancen zugelassen – das Schalker 1:0 ist aus heiterem Himmel gefallen. Und dann kämpfen wir uns zurück, spielen nach der Pause die ersten 20 Minuten überragend – und dann schlägt der Huntelaar wieder eiskalt zu. Das war tragisch. Dieses Spiel hätten wir gewinnen können.“

Das stimmt. Die Daten des Spiels belegen es. Torschüsse: 18:9 für den HSV. Ecken 5:5, Flanken 15:15, Ballbesitz 50:50, Fouls 18:18. Schalke war in keinem Punkt besser als der HSV.

Frank Arnesen: „Ich habe von Anfang an gesagt, dass wir gute Spieler haben. Spieler, die besser sind als Platz 18. Doch ich kann reden, reden, reden, wenn wir es nicht zeigen, glaubt mir ja keiner. Erst in den letzten beiden Spielen haben wir es gezeigt, wie gut wir sein können. Leider aber haben wir nur drei Punkte geholt.“

26 Spiele hat der HSV noch in dieser Saison, jetzt geht es in 14 Tagen zum „Abstiegsgipfel“ nach Freiburg. Arnesen: „Wir haben aber nicht nur dieses Spiel, alle sind wichtig für uns.“ Verliert der HSV auch dort, dann dürfte es schon mal sehr, sehr schwer werden, sich bis zur Winterpause von einem Abstiegskampf zu entfernen. Hat Frank Arnesen Sorgen, dass der HSV irgendwann in einen solchen Strudel geraten wird, aus dem es dann sehr schwer werden wird, noch einmal so richtig Luft zu holen? Wir alle kennen die Szenerie: Wer unten steht, der hat oft auch das Pech gepachtet. Arnesen aber sagt: „Ich mache mir keine Sorgen, dass der HSV absteigt. Ich bin sicher, dass wir die Klasse halten werden, aber ich weiß auch, dass es schwer wird. Wir müssen jedes Mal alles geben, das ist ganz klar – wir sind auf Platz 18. Aber ich bin noch positiv.“

Noch.

Und noch hat er auch keinen neuen Mann auf der Bank. Er flüchtet sich in Sarkasmus: „Ich habe mit van Basten gesprochen, ich habe mit van Gaal gesprochen, ich habe mit Olsen gesprochen, ich habe mit Hrubesch gesprochen und ich habe mit Moniz gesprochen – ich habe aber gesagt, dass ich mich nie an Spekulationen beteiligen werde. Ich werde nur über den Trainer reden, den ich auch tatsächlich hole. Dann werde ich auch begründen, warum ich ihn geholt habe.“

Apropos geholt. Wenn nicht alles täuscht, dann hat Frank Arnesen doch einige sehr gute Spieler geholt. Spieler für recht wenig Geld. Jeffrey Bruma ist schon gut, wird sicher noch stabiler und besser. Gökhan Töre ist stark, steht in meinen Augen vor einer ganz großen Karriere. Slobodan Rajkovic hat bestens eingeschlagen, gehört stets zu den besten Hamburgern. Und ich bin restlos davon überzeugt, dass auch Ivo Ilicevic, der bislang gesperrt fehlte – und ganz sicher noch für viel Furore sorgen wird. Bleiben noch Michael Mancienne und Jacopo Sala. Da darf sich jeder selbst ein Bild machen. Aber vier aus sechs? Das ist doch eine gute Quote, oder?
Es sind, da habe ich einen vergessen, tatsächlich vier oder fünf aus sieben – denn: Per Ciljan Skjelbred (danke für die Nachhilfe) ist ja auch noch von Frank Arnesen geholt worden. Und obwohl der Norweger noch nicht so richtig in Form gekommen ist, ich glaube, er wird noch. Und in der vergangenen Woche hat er in meinen Augen auch sehr gut, weil bissig und willig, trainiert.
(Diesen Absatz habe ich am Sonntag um 22.22 Uhr eingefügt)

So, nun geht es mit dem Original von Sonntag um 17.26 Uhr weiter:

Besonders an Töre schieden sich diesmal die Geister. Zweimal war er nicht in der Lage, die Flanken, die zu den Schalker Toren geführt hatten, zu verhindern. Rodolfo Cardoso nimmt den jungen Deutsch-Türken in Schutz: „Ja, zweimal kam er zu spät, aber so ist Fußball. Wir müssen weiter daran arbeiten, er muss daran arbeiten. Er muss sich korrigieren, muss begreifen, dass das Spiel nach hinten auch für ihn wichtig ist, er muss sich mehr konzentrieren.“ Der Interimscoach sagte aber auch: „Nach vorne hat Gökhan Töre ein riesiges Spiel gemacht, das war seine Aufgabe, so kann es weitergehen.“ Richtig. Denn so viele Fußballer, die ein, zwei oder auch drei Gegenspieler ausspielen können, um so Raum für die Mitspieler zu gewinnen, hat der HSV nicht. Gökhan Töre gehört zweifellos zu dieser seltenen Sorte Spezies, er wird dem HSV und den HSV-Fans noch viel Freude bereiten, davon bin ich total überzeugt.

Das nächste Training findet am Dienstag statt, und zwar um 15 Uhr am Volkspark.

Genießt noch den Rest vom Tag der deutschen Einheit. Ich genieße auf jeden Fall die Einheit. Immer noch. Und auch in tiefen Zügen. Denn ich hätte vor 30 Jahren nie geglaubt, dass ich die deutsche Einheit noch erleben darf. Umso schöner ist es jetzt. In diesem Sinne – genießt es.

17.26 Uhr

Kehrt Ricardo Moniz zurück?

30. September 2011

„Wer einen Engel sucht und nur auf die Flügel schaut, könnte eine Gans nach Hause bringen.“ Dieser nette Spruch fiel mir heute am Morgen in die Augen, als ich in die Küche kam und auf den beliebten Springer-Kalender blickte. Georg Christoph Lichtenberg, ein Schriftsteller, der von 1742 bis 1799 gelebt hat, erfand diesen klugen Spruch. Und ich dachte so bei mir, das könnte man doch auch mal leicht abwandeln – auf die HSV-Trainersuche gemünzt: „Wer einen Trainer sucht und nur auf den großen Namen achtet, könnte leicht mal einen Rohrkrepierer nach Hause anschleppen.“

Hoffentlich nicht.

Zum Wesentlichen: Die nun folgende Geschichte ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Und da ich mich nicht mit fremden Federn schmücken möchte, schreibe ich nun hier in aller Deutlichkeit: Die (großartige) Recherche hat in diesem brisanten Fall mein Kollege Marcus „Scholle“ Scholz geleistet.

Im April 2010 wurde HSV-Techniktrainer Ricardo Moniz Nachfolger des geschassten Bruno Labbadia. Moniz machte seine Sache bis zum Saisonende gut, so dass, ähnlich wie im Fall Veh/Oenning, damals viele HSV-Anhänger für eine Weiterbeschäftigung des Niederländers waren. Der ehemalige HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer, seinerzeit schon zu Red Bull Salzburg abgewandert, sicherte sich aber schon früh die Zusage von Moniz, ebenfalls ein „roter Bulle“ zu werden. So geschah es dann auch.

Längst ist Ricardo Moniz zum Chef-Trainer in Salzburg aufgestiegen, weil er schon in der vergangenen Saison Huub Stevens beerbte, die Moniz-Mannschaft legte den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte hin. Und nun interessiert sich der HSV wieder für den „verlorenen Sohn“. Moniz soll zurück nach Hamburg. Daran wird im Moment ganz intensiv hinter den Kulissen gearbeitet.

Moniz wäre in meinen Augen ein passender Kandidat, denn: Er kennt den HSV, er kennt die Bundesliga, er kennt Hamburg, kennt die Möglichkeiten, er spricht Deutsch, er kann eine Mannschaft begeistern – und er hat sich stets wohl gefühlt beim HSV. Und, was noch erschwerend hinzukommt, Ricardo Moniz kennt Frank Arnesen. Beide Männer haben schon mehrfach miteinander zu tun gehabt. Der Däne holte den Coach 1994 zum PSV Eindhoven. Dort trainierte Moniz das Nachwuchs-Team – bis 2005. Als Arnesen dann bei Tottenham Hotspur angeheuert hatte, ließ er Moniz ein Jahr später folgen. Pech nur für Moniz: Arnesen, der ihn nach England gelotst hatte, ging just zu jenem Zeitpunkt von Tottenham zum FC Chelsea. 2008 schlug dann Martin Jol zu, der Moniz mit zum HSV brachte – als Techniktrainer.

Jetzt scheint die Lage klar. Der HSV hat Arnesen, Arnesen will Moniz. Als folgt der dem Ruf seines damaligen „Chefs“. Doch leider birgt dieses Fußballmärchen noch kein Happy End in sich, denn: Moniz hat noch einen bis zum Sommer 2013 laufenden Vertrag mit Salzburg. Der HSV, so hat er es zuletzt zwar angekündigt, würde unter gewissen Umständen zwar eine Ablösesumme an die „Roten Bullen“ zahlen, aber noch weiß keiner, welche Summe da über den Tisch gehen müsste. Und ob überhaupt eine Summe für die steinreichen Salzburger interessant genug wäre, ihren erfolgreichen Cheftrainer ziehen zu lassen. Es dürfte sich also noch eine Weile hinziehen, dieses Thema „HSV-Trainer“.

„Scholle“ sprach gestern mit Ricardo Moniz, und zwar vor dem Europa-League-Spiel Salzburg gegen Bratislava. Der RBS-Trainer sagte nur: „Dazu kann ich derzeit nichts sagen.“

Und als ich diese Zeilen gerade schreibe, geht Salzburg gegen Bratislava mit 1:0 in Führung. Und was macht Moniz? Der stürmt auf den Platz und umarmt und herzt den Torschützen. Was mich dazu veranlasst, kurz zu denken: Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ein so engagierter Trainer, der mit Salzburg international spielt, zudem an erster Stelle in Österreich steht, zum Tabellenletzten der deutschen Bundesliga wechseln wird, wechseln will.

Aber mal abwarten.

Und was ist in Sachen Trainer-Suche los beim HSV? Da lässt sich weiterhin niemand in die Karten schauen. Unser „Matz-abber“ „Eiche Nogly“, der am Vormittag beim Training war, hatte mir aber von einem aufgekratzten, bestens gelaunten, scherzenden und oft lachenden Sportchef berichtet, der während des Trainings meistens damit beschäftigt war, die U-23 zu beobachten. Und zwar ohne zu telefonieren. Zur Mittagszeit sprach ich mit „Eiche Nogly“, der zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nichts von Moniz wusste („Eiche“ erfährt es erst jetzt, wenn er diese Zeilen liest), und „Eiche“ legte die gute Laune des Dänen wie folgt aus: „Wenn er nicht telefoniert hat, wenn er viel gelacht hat, dann tippe ich mal darauf, dass er schon weiß, wen er als Trainer verpflichten wird . . .“

Ja, und nun warten wir mal ab.

Kurz noch zum Nachmittag an der Arena. Zum „Walk of fame“. Eine wiederum nette und gute Veranstaltung. Begeistert hat mich Ernst Happel jun., der aus Wien angereist war – und seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sieht. Unglaublich. Ich unterhielt mich lange Zeit mit dem Österreicher, der viele, viele Anekdoten über seinen Vater zu erzählen hätte. Der Mann spricht wie die Trainer-Legende, bewegt sich wie sie, und muss ständig Autogramme geben. Nur Fußballer wurde er nie. Er sagt: „Was hatte ich bei diesem Vater für eine Chance? Keine. Ich begann ja in Den Haag mit dem Fußball, aber als dann alle wussten, dass ich der Sohn des Trainers bin, winkten sie ab: Der wird nichts. Und als ich das immer und immer wieder hören musste, gab ich auf.“

Ich führte nach den vielen Ehrungen für Dr. Peter Krohn Dr. Wolfgang Klein, Ditmar Jakobs, Kevin Keegan (nicht anwesend), Uli Stein (derzeit mit Aserbaidschan unterwegs) und posthum für Ernst Happel noch viele Gespräche mit den ehemaligen HSV-Stars. Und als ich das Stadion-Gelände verließ, da sagte ich mir schon, dass sich die meisten Alt-Stars – trotz des 2:1-Sieges beim VfB Stuttgart – noch immer ganz große Sorgen um ihren HSV machen. Für die „Ehemaligen “ ist der Keks noch lange nicht gegessen, dass der derzeitige Tabellenletzte am Ende des Jahres, später dann auch am Ende der Saison, im gesicherten Mittelfeld stehen wird.

Aber auch das werden wir abwarten müssen – es bleibt nichts anderes übrig.

Gute Nacht.
Und für die „Matz-abber“, die dies erst morgens lesen: Guten Morgen und einen wunderschönen Freitag.

PS: Salzburg hat noch mit 3:0 gewonnen – und Moniz hat immer kräftig mitgejubelt.

0.00 Uhr

“Wir müssen an unsere Grenzen gehen”

8. April 2011

Welchfür ein Sturm im Volkspark! Während des Trainings fegte ein eisiger Wind über den Platz, das war fast so wie in Sibirien. Wenn der HSV auch am Sonnabend so stürmen . . . Oder auf jeden Fall die Dortmunder nicht so oder so ähnlich. Wenn das so wäre, dann würden die vagen Hoffnungen auf einen Europa-League-Startplatz auf jeden Fall noch nicht geplatzt sein. Der Strohhalm ist noch da, die HSV-Mannschaft muss nur beherzt danach greifen. Und der BVB wird doch ganz sicher auch ein wenig „zittern“, denn es geht auf die Zielgerade, es sind nur noch wenige Schritte bis zur Meisterschaft – da spielen die Nerven ganz gewiss auch eine nicht unwesentliche Rolle. Denn Dortmund spielt ja nicht nur den besten und den schnellsten Fußball in Deutschland, die Mannschaft ist ja auch noch blutjung. Und gerade deshalb könnte nun, wo es in den Endspurt geht, der eine oder andere „Jungspund“ vielleicht doch noch ins Grübeln kommen – und nicht mehr so ganz unbekümmert aufspielen. Da ist er doch, der kleine Hamburger Strohhalm . . .

Um noch einmal zurück auf den Sturm zu kommen. An diesem Sonnabend soll das Wetter ja wieder eher sommerlich werden, also „Sinsheimer Verhältnisse“. Hoffentlich kann die Mannschaft diesmal mit dem Wetterumschwung besser zurechtkommen. Vom „arktischen“ Wintersturm hin zu „tropischen“ Temperaturen – ob das diesmal gut gehen wird?

Die Mannschaft, die es gegen den Tabellenführer richten soll, steht für mich fest, so könnte der HSV am Sonnabend auflaufen: Rost; Diekmeier, Westermann, Kacar, Aogo; Jarolim; Ben-Hatira, Elia; Ze Roberto; van Nistelrooy, Petric. Im Kader sind außerdem dabei: Mickel, Demel, Jansen, Trochowski, Torun, Guerrero und Son. Schiedsrichter wird der Bremer Peter Gagelmann (42, ATSV Sebaldsbrück) sein. Die Auffälligkeiten beim HSV-Kader: Joris Mathijsen fehlt, obwohl er heute mit der Mannschaft trainiert hat. Trochowski ist dabei, obwohl sein Abschied aus Hamburg feststeht, und Guerrero hat wieder so gut trainiert, dass er nach seiner vorübergehenden Suspendierung nun „begnadigt“ worden ist.

Insgesamt ist dieses Dortmunder HSV-Aufgebot sehr offensiv ausgerichtet, auf der Bank sitzt mit dem ehemaligen Dortmunder Guy Demel nur ein „richtiger“ Defensivspieler, wenn man davon ausgeht, dass Marcell Jansen seine Vorzüge mehr im Vorwärtsgang hat.

Jetzt kommt es darauf an, dass die Mannschaft die Planungen von Michael Oenning auch genau und besser als zuletzt gegen Hoffenheim umsetzen wird. Wie man selbst gegen den kommenden Meister bestehen, eventuell sogar siegen kann, das zeichnete heute Dennis Aogo auf: „Wir müssen eine hohe Bereitschaft an den Tag legen, das ist das Allerwichtigste. Wir müssen bereit sein, lange Wege zu gehen, wir müssen bereit sein, den nötigen Einsatz zu zeigen, und man darf sich davon nicht zu sehr von der Art und Weise einschüchtern lassen, wie Dortmund spielt.“ Aogo empfiehlt weiter: „Wir müssen dagegenhalten und versuchen, den eigenen Stil durchzudrücken. Wenn man sich zu viel zurückzieht, zu viel Respekt zeigt, dann ist es nur die Frage der Zeit, wann man von der Energieleistung und von der Bereitschaft, die die Dortmunder immer bringen, überrollt wird. Von Beginn an dagegenhalten, dann versuchen, mit der einen oder anderen eigenen Torchance versuchen, die nötigen Spritzen zu setzen.“ Klingt gut, klingt richtig gut.

Sollte der HSV nicht defensiv besser stehen, und defensiver? Defensiver als zuletzt gegen Hoffenheim? Aogo: „Genau das sollten wir nicht machen, das war ja der Fehler. Wir müssen als Team zusammenstehen, egal ob wir hinten drin stehen, oder ob wir hinten rausschieben. Wir müssen kompakt stehen und zu bleiben. Nicht so wie gegen Mainz. Da haben wir versucht anzugreifen, und wir sind hinten nicht hinterher gekommen. Da entstanden dann Lücken von 30 Metern, und die konnten wir dann nicht schließen. Fakt ist, dass egal wo wir stehen, wir müssen zusammenstehen. Räume eng machen, damit das Dortmunder Kombinationsspiel unterbunden wird. Das wird unsere Hauptaufgabe sein. Und da können wir durchaus auch einen Tick offensiver stehen, wichtig ist nur, dass wir kompakt bleiben.“

Das riecht nach einem offensiven Schlagabtausch. Und ob da der HSV mit dem Spitzenreiter mithalten kann? Abwarten. Gegen Mainz 05 gelang dieses Mithalten nur eine Halbzeit, dann ging Hamburg baden. Und Dortmund ist sicher noch einen Tick besser und auch schneller als die Mainzer. Dennis Aogo sagt über seine Vorstellungen, die ja nicht allein sein sind, sondern die der Mannschaft und vor allem des Trainers, etwas ganz Wichtiges: „Diese Spielweise ist natürlich auch ein Prozess, denn wir haben vorher ja so nicht gespielt. Aber es ist das, was wir nun vermehrt ansprechen, und ein solcher Prozess dauert eben seine Zeit. Da gibt es Spiele, in denen es dann nicht so gut klappt, aber wir müssen diesen Weg weitergehen, wir müssen uns da weiter entwickeln. Auch auf längere Sicht, nicht immer nur auf die nächsten zwei, drei Spiele.“

Das wäre schon schön. So wäre es optimal. Aber dazu gehört natürlich auch ein Trainer, der diese (seine) Philosophie dann auch mal auf Dauer (sprich zwei, drei, vier Jahre) einbringen und durchsetzen kann.

Viel wird auch davon abhängen, ob der HSV die nötige Willenskraft gegen die Borussia aufbringen kann. David Jarolim sagt zu diesem Punkt: „Wir wissen, dass wir auf einen ganz starken Gegner treffen werden, aber in der Bundesliga hat man immer starke Gegner. Wir müssen an unsere Grenzen gehen, wenn uns das gelingt, dann haben wir auch eine Chance.“ Hoffentlich. Hoffentlich gelingt es. Nämlich an die Grenzen zu gehen.

So, zwei kleine Dinge noch. Thomas Doll hat morgen Geburtstag – er wird 45 Jahre alt. Oder jung. Und er wird nicht in der Arena sein, weil er mit der gesamten Familie und mit vielen Freunden feiert. Im Norden. Doll ist zurückgekehrt nach Quickborn, dort hat er nun wieder seinen Lebensmittelpunkt. Jedenfalls so lange, wie er noch keine neue Trainer-Anstellung gefunden hat. „Ich habe zuletzt bei einigen Klubs hospitiert, habe die Trainerausbildung vorangetrieben, und nun bin ich offen für Angebote. Ich will unbedingt wieder auf den Platz, und ich bin flexibel. Es könnte wieder ein ausländischer Klub sein, aber ich würde mich auch freuen, wenn ich in Deutschland bleiben könnte – das würde ich liebend gerne machen“, sagt Thomas Doll.

Und schnell noch ein ehemaliger HSV-Trainer: Huub Stevens, der einst Doll in Hamburg „beerbt“ hatte. Der Niederländer ist heute bei Red Bull Salzburg beurlaubt worden, gemeinsam mit Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer. Stevens wird ab sofort von Ricardo Moniz ersetzt, er stützt sich künftig auf den Assistenten Niko Kovac. Das alles sprach sich während des Trainings im Volkspark im wahrsten Sinne des Wortes in Windeseile herum. Einige „Matz-abber“, die dabei waren, fragten sofort nach Christian Pletz. Mein ehemaliger „Ersatzmann“ bei Matz ab ist in Salzburg ja seit Monaten schon die „rechte Hand“ von Beiersdorfer – und wird nun ebenfalls bangen müssen. Ich erreichte „Pletzi“ auf der Fahrt nach Leipzig, er war ganz gefasst und sagte: „Mach dir um mich keine Sorgen, mir geht es gut, mir wird es auch weiterhin gut gehen, das ist ganz sicher. Egal wie es nun weitergeht mit mir.“ In der Hoffnung schließe ich für heute.

Nein, halt, stopp. Eine Nachricht habe ich noch. Heute Nacht gibt es noch einen großen Leckerbissen, nämlich ein Interview mit Frank Rost. Das hat der Kollege Marcus „Scholle“ Scholz geführt, er stellt es aus „technischen Gründen“ erst um 24 Uhr hier bei Matz ab rein. Ihr dürft gespannt sein.

19.31 Uhr

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