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Heimspiel im Borussia Park – Calhanoglu will Wiedergutmachung

28. März 2014

Er ist gut. Auf jeden Fall aber legte Mirko Slomka mit der heutigen Pressekonferenz wieder eine Punktlandung hin. Oder was sollte man sagen nach nunmehr einem Jahr ohne Auswärtssieg und Tabellenplatz 16 vor der Partie bei wieder erstarkten Gladbachern? Slomka drehte die Frage bezüglich der statistisch zweifellosen Auswärtsschwäche (Slomka verlor seine letzten elf Auswärtsspiele – neun mit Hannover, zwei dem HSV) jedenfalls einfach um: „Alle Gästetickets sind verkauft, mehr als 5000 Hamburger reisen mit uns nach Gladbach. Das finde ich irre gut. Zudem gibt es vor Ort und im Umfeld noch viele HSV-Sympathisanten. Und diese gut 5000 werden Krach machen wie 15000. Wir werden dort erleben dürfen, was wir hier sonst in Hamburg geboten bekommen. Insofern wird das ein Heimspiel für uns. Denn die Mannschaft nimmt den Support definitiv wahr.“ Zack, Treffer – versenkt. Alle Statistiken kurz einmal ausgehebelt, um so gar nicht erst in die Nähe selbst erfüllender Prophezeiungen zu geraten.

Warum auch? Ständig wiederkehrende Diskussionen brennen sich nur unnötig bei den Spielern ein, schlimmstenfalls lässt es sie verkrampfen. Zumal die Gesamtsituation anstrengend genug ist. „Es ist jetzt definitiv anders“, sagt Hakan Calhanoglu, „der Druck hat definitiv stark zugenommen.“ Dass er zu einer unbedachten Aktion führen kann, weiß er seit seiner unglücklichen Gelbroten in Stuttgart selbst am besten. Für den Platzverweis hatte sich der junge Deutsch-Türke zwar längst bei der Mannschaft und sogar öffentlich entschuldigt, dennoch sieht er sich jetzt in der Bringschuld. „Ich habe daraus gelernt und weiß, dass ich cleverer im Kopf sein muss.“ Vor allem aber auf dem Platz. Und für die Partie am Sonntag in Mönchengladbach hat sich der Freistoßspezialist Großes vorgenommen. „Wir wollen in Gladbach nicht nur auf Remis spielen – wir wollen mehr. Und ich persönlich bin besonders heiß, weil ich der Mannschaft und den Fans etwas zurückgeben will für die Gelbrote.“ Dass ihn dieses Vorhaben unnötig unter Druck setzt, glaubt er nicht. „Nein, ich konnte mich schwer stoppen, weil ich übermotiviert war. Jetzt weiß ich, dass ich vorsichtiger sein muss. Alle müssen vorsichtig mit der steigenden Anspannung umgehen.“ Am besten sei es, diese in Laufwegen zu entladen. Oder bei Torschüssen.

Apropos: Gegen Freiburg brachte es der HSV auf 21 Torschüsse – und man traf genauso oft wie der SCF, der es auf gerade einmal die Hälfte der Torschüsse brachte. Ich will gar nicht wissen, wie der HSV mit Calhanoglu als Schützen einiger dieser Schüsse ausgesehen hätte – wobei ich es ahnen kann. Auch Slomka weiß um die Vorzüge des jungen Rechtsfußes, der gegen Gladbach wieder auf die rechte Außenbahn rotieren dürfte. Sehr zur Freud des HSV-Trainers: „Wir freuen uns, dass der Hakan wieder zurückkehrt, natürlich. Er ist ein wichtiger Spieler für uns und es hat ihm sicherlich am meisten weh getan, das Spiel von der Tribüne aus zu sehen, ohne eingreifen zu können.“ Ebenso wieder dabei ist Pierre-Michel Lasogga. „Er hat das Spiel gut überstanden“, freut sich Slomka, der auf der Suche nach Führungsspielern keine Gelegenheit ungenutzt lässt. „Wir freuen uns auch, dass Pierre so eine Art Leader-Rolle angenommen hat und sich gegen alles stemmt, was gegen den Verein und die Mannschaft läuft.“

Stimmt. Und nicht nur Slomka sondern inzwischen hat fast die gesamte HSV-Anhängerschaft in Lasogga den wohl größten Hoffnungsträger ausgemacht. „Das ist kein Problem für mich“, sagt Lasogga, der sich sichtlich freut, in Hamburg derart beliebt zu sein. Dass er inzwischen in Berlin bereits angekündigt haben soll, im Sommer nicht zur Hertha zurückkehren zu wollen, habe ich zwar gehört – aber Lasogga selbst will darüber momentan nicht sprechen und verweist darauf, mit dem HSV noch Ziele zu haben, die alle Konzentration erfordern. Und das ist auch gut so.

Weitgehend gut war auch das erste Zusammenspiel von Lasogga mit seinem Nebenmann Jacques Zoua als Doppelspitze. Trotzdem dürfte Slomka im Borussia-Park mit einer Spitze und van der Vaart dahinter agieren. Zumal der HSV-Trainer heute besonders die Offensive der Gladbacher lobte. „Die Gladbacher Mannschaft spielt enorm diszipliniert und kompakt. Sie arbeitet mit hoher Disziplin und ihrer eigenen Systematik. Gerade was die vier Offensivstrategen anbelangt, brauchen wir eine besonders stabile Defensive.“ Und die hat der HSV wiedergefunden. Immer aber auch maximal nur ein Gegentor pro Spiel hat der HSV unter Slomka kassiert. „Darin sind wir stark geworden. Unsere Passquoten und Zweikampfwerte sind top. Ich glaube, dass sich da insbesondere der Jo (Johan Djourou) und Michael (Mancienne) im Zusammenspiel richtig hervorgetan haben. Auf die beiden mit Rene dahinter setzen wir, damit wir auswärts mal wieder die Null stehen haben“, lobt Slomka.

Um die Absicherung zu verstärken, erwägt der HSV-Coach, wieder mit zwei Sechsern zu agieren, dafür Zoua im Angriff gegen Rincon zu tauschen, der dann neben Tolgay Arslan abräumen soll. „Ich würde mir bei Jacques wünschen, dass er sein Tor macht, damit er seine ganze Stärke entfaltet. Deshalb wird er immer wieder seine Chancen bekommen – vielleicht auch Sonntag“, so Slomka, der sich nicht in die Karten schauen lassen möchte. Auch eine Doppelsechs schließt der Trainer nicht aus. Wer den gesperrten Milan Badelj ersetzt? „Es gibt viele Möglichkeiten auf der sechs und der acht“, sagt Slomka, „aber Rincon ist sicher einer der ersten Kandidaten.“

Und ich setze auf den Venezolaner, der sich um die Schaltkreise des starken Juan Arango kümmern soll. Zumal die beiden Venezolaner sich sehr gut kennen. „Gladbach spielt mit enormer Dominanz. Die sind brandgefährlich was das Konterspiel angeht mit einem überragenden Arrango, der die meisten Ballkontakte hat. Sie haben einen Kruse, einen Hermann über die rechte Seite – und sie haben einen ganz starken Raffael“, so Slomka, der das Gleiche nur zu gern über seinen Rafael sagen würde. Allerdings hängt der seit einiger Zeit in einem Leistungsloch. In sich gekehrt wirkt der Niederländer, der immer als einer der Ersten nach dem Training das Stadion verlässt und der laut Slomka noch zu den entscheidenden Figuren beim HSV wird. „Rafael ist enorm wichtig – er muss nur wieder an sich glauben“, hofft auch Sportchef Oliver Kreuzer, „und dafür braucht er nur mal wieder eine richtig gute Szene. Da reicht manchmal ein entscheidender Pass oder ein eigenes Tor – und schon ist er wieder da.“

Vor zwei Jahren traf van der Vaart in Gladbach per Traumtor aus 20 Metern. Und auch wenn das selbst mir ein wenig konstruiert vorkommt, hoffe ich, dass das ein gutes Omen ist. Auf jeden Fall ist es ein besseres Omen als dass sich am Sonntag das 2:9 in München erstmals jährt…

In diesem Sinne, ich hoffe auf eine Win-Win-Situation. Ich hoffe, dass der HSV am Sonntag die Gladbacher mit einem wieder erstarkten van der Vaart schlägt und damit so wütend macht, dass die Borussen anschließend nacheinander die HSV-Konkurrenten Nürnberg, Stuttgart und Frankfurt weghauen.

Ich auf jeden Fall merke für mich immer mehr, dass die Bedingungslosigkeit durchkommt. Ob der HSV absteigt werde ich jeden Tag mehrfach gefragt. Und während ich am Anfang noch gezögert habe, lege ich mich hier und jetzt fest:

DER HSV BLEIBT ERSTKLASSIG! So, wie es dieses Video einfordert, bei dem ich zugegebenermaßen eine Gänsehaut bekommen habe. Aber schaut selbst:

Ich bin auf jeden Fall dabei und glaube daran. Und wer anderer Meinung ist und es auf eine Wette ankommen will, kann mir gern seinen Wetteinsatz vorschlagen. Bei der besten Idee schlage ich ein. Versprochen!

Bis morgen!
Scholle

P.S.: Vielleicht schaffen es die Fans ja einmal mehr, ihr gutes Gespür für Stimmungen einzusetzen und van der Vaart von den Tribünen aus noch einen Tick mehr als eh schon zu unterstützen. Denn wenn van der Vaart eines nicht ist, dann ein falscher Typ. Im Gegenteil, der Niederländer zählt trotz seiner langen Karriere noch immer zu denen, die sich wie ein kleines Kind freuen, wenn ein Ball ins Spiel kommt. Von daher dürfte es doch ein Leichtes sein, die Fußballbegeisterung in dem Kapitän wiederzuerwecken…

P.P.S:: Noch positiv zu erwähnen ist, dass Kerem Demirbay nach zehn Wochen Pause wieder mit der Mannschaft trainiert. In der kommenden Woche soll der Linksfuß möglichst in der U23 Spielpraxis sammeln und dann wieder zum Bundesligateam dazustoßen. Ebenso wie Ivo Ilicevic, dessen Heilungsprozess gut voranschreitet und der gegen Leverkusen am kommenden Freitag schon wieder zum Kader gehören soll.

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