Archiv für das Tag 'Mönchengladbach'

Jansen: “Zeit zum Rumheulen haben wir schlichtweg nicht”

22. April 2014

Im Abstiegskampf sind alle Mittel recht – so lange sie zielführend sind. Und deshalb reist der HSV bereits einen Tag früher als sonst zum Auswärtsspiel nach Augsburg. Bereits am Freitag geht es nach Bayern zum nächsten Abstiegsendspiel. Am Sonnabend wird vor Ort das Abschlusstraining unter Ausschluss der Öffentlichkeit absolviert. „Es war ohnehin geplant, das zu tun“, sagt Trainer Mirko Slomka. Im Hotel „Steigenberger Drei Mohren“ will Slomka seine Spieler knapp 48 Stunden lang auf den Kick beim FCA einschwören und damit den Fokus voll auf das drittletzte Abstiegsendspiel lenken. Und ich finde die Idee gut. Denn wenn dieser Mannschaft zuletzt augenscheinlich etwas fehlte, dann die Spannung bei Anpfiff.

Mit dabei sein will dann auch Marcell Jansen. Sechs Wochen war er zuletzt raus und ist aktuell zehn Tage vor seiner Zeit – sagt er zumindest selbst. Der Linksverteidiger trainierte heute erstmals nach seiner Operation vor knapp zwei Monaten wieder mit der Mannschaft. Zumindest zu großen Teilen. „Ich kann durch mein optimales Aufbautraining zehn Tage früher einsteigen als geplant. Das ist sensationell! Wir steigern das Programm von Tag zu Tag, um zu sehen, ob es bis Sonntag reicht“, freut sich Jansen auf seine baldige Rückkehr.

Und ich ehrlich gesagt auch. Denn mit Jansen käme trotz der langen Pause frischer Wind ins Team. Und Qualität. Westermann wird am Sonntag höchstwahrscheinlich weiter in der Innenverteidigung zusammen mit Michael Mancienne agieren müssen, da Johan Djourou mit seinem Muskelfaserriss wohl noch pausieren muss. „Ich werde nicht mit 60 Prozent auf den Acker gehen“, sagt Jansen, „ich steige erst dann voll ein, wenn ich mich fit fühle. Alles andere würde der Mannschaft ebenso wenig wie mir helfen.“ Das jedoch soll Jansen. Also helfen. Mit seiner fußballerischen Qualität als echter Linksverteidiger, nachdem sich dort Westermann und Jiracek behilfsweise nicht immer leicht taten.

Und Jansen ist sich seiner Rolle bewusst. Viel Zeit, sich einzugewöhnen, hat er nicht. Und das findet er auch gut. „Ich habe einfach Bock, wieder auf dem Platz zu stehen, der Mannschaft helfen zu können. So ist es, glaube ich auch besser. Was soll ich mir auch Gedanken machen? Ich muss versuchen, die Stimmung zu heben. Für Jammern ist jetzt keine Zeit mehr. Für mich nicht – und auch sonst für keinen. Wir müssen zusehen, dass wir das wieder ausbügeln, dass wir den Platz 16 zumindest verteidigen.“ Ob er noch auf mehr hofft? „Ich bin realistisch. Erst einmal den 16. Tabellenplatz sichern, dann schauen wir.“ Dass er Gefahr läuft, durch zu frühes Einsteigen seine WM-Teilnahme zu gefährden, glaubt er nicht. „Bis jetzt haben wir nichts Unüberlegtes getan – und das machen wir auch weiter nicht. Und ich will in den Rhythmus kommen, bin schmerzfrei. Das sieht im Moment echt gut aus.“

Für Abendblatt-Blogs


Zum Sportlichen Beitrag gesellt sich, das hat Jansen ebenso wie fast jeder inzwischen erkannt, auch ein psychologischer Aspekt. „Das meiste spielt sich im Kopf ab. Da gewinnt man ein Heimspiel überraschend und im nächsten Spiel ist man erschreckend schlecht. Das kommt alles vom Kopf.“ Wie man dagegenan arbeitet? Jansen: „Wir müssen einfach die Realität annehmen und wissen, dass wir es selbst entscheiden können, anstatt niedergeschlagen rumzulaufen und zu heulen.“ Abschalten und an sich glauben – das ist Jansen Rezept für den Abstiegskampf, dem er vor zwei Jahren mit dem Siegtreffer beim Spiel gegen Kaiserslautern einen entscheidenden Impuls zum Guten geben konnte. Und auch jetzt glaubt Jansen an den Klassenerhalt. „Bei mir ist das Glas immer halbvoll – auch in so krassen Situationen wie jetzt. Am schwersten haben wir uns mit den direkten Konkurrenten getan – von daher ist es vielleicht ja gut, dass wir jetzt gegen besser Postierte spielen.“

Dass es für Jansen neben dem Klassenerhalt auch um seine WM-Teilnahme sowie seine eigene Zukunft (sein Heimatklub Borussia Mönchengladbach soll Interesse haben, seine Ausstiegsklausel für fünf Millionen Euro zu ziehen) geht, will er nicht kommentieren. „Es ist noch so viel auf dem Zettel, was dieser Verein regeln muss, daher sollten wir erst einmal dafür sorgen dass wir drin bleiben. Und dafür werde ich mich reinhauen, mit allem, was ich habe. Nichts sonst zählt jetzt.“

Außer die personelle Situation vor dem Augsburg-Spiel. Und da sollen der eine und der andere zuletzt Verletzte zurückkommen. Milan Badelj beispielsweise, der wie erwartet wieder voll mittrainieren konnte, soll und dürfte im Normalfall gegen Augsburg im Team stehen. Ebenso wie Heiko Westermann. Der Abwehrmann drehte am Dienstag zwar gemeinsam mit Athletiktrainer Markus Günther und Mannschaftskapitän Rafael van der Vaart an der Imtech Arena seine Runden. Aber während es sich bei Westermann um eine reine Vorsichtsmaßnahme handelte, steigert van der Vaart nach seiner Wadenzerrung langsam die Belastung. Der Niederländer wird weiter zudem intensiv behandelt und will im Laufe der Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Johan Djourou fällt indes mit einem Muskelfaserriss voraussichtlich weiter aus – Pierre-Michel Lasogga ganz sicher.

Eine erste Entscheidung hat auch die DFL getroffen. Alle Klubs haben vorerst die Lizenz erhalten – einige davon mit Auflagen. Bei 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten ist es kein Wunder, dass der HSV zu Letztgenannten gehört. Die Hamburger müssen jetzt den Beweis antreten, dass sie ihre Liquidität für die kommende Saison gewährleisten können.

Dabei dreht es sich darum, dass der HSV in seinem Finanzplan zur neuen Saison bei den TV-Einnahmen mit Tabellenplatz 16 kalkulieren muss. Bislang war Platz neun budgetiert. Pro Tabellenplatz niedriger, so die Rechenformel, verliert der HSV eine Million Euro. Sollte der HSV also erneut Rang neun budgetiert haben, müsste man rund sieben Millionen Euro auf anderer Seite mehr einnehmen. Am 28. Mai erfolgt dann die finale Entscheidung durch den Lizenzierungsausschuss über die Bedingungserfüllung und die endgültige Vergabe der Lizenzen. Carl Jarchow, Vorstandsvorsitzender des HSV, sagte via Klub-Homepage: „Wir werden die Bedingungen für den Erhalt der Lizenz innerhalb der vorgegebenen Frist erfüllen.“

Na dann.

Klar ist, dass der HSV finanziell weiter massive Probleme hat. Für einen Abstieg sollen die Auflagen sogar noch höher sein. Dem Vernehmen nach müsste der HSV in dem Fall sogar einen Transferüberschuss von rund zehn Millionen Euro nachweisen. Leider wollte sich vom HSV dazu bislang niemand äußern.

Aber vielleicht ja morgen. Da wird übrigens zweimal trainiert. Einmal um zehn Uhr auf dem Platz, nachmittags dann im Kraftraum. Und im Abspann findet Ihr noch eine Nachricht von unserem Blogger „Lars49“, der uns bat, dies noch mal zur Klärung etwaiger Missverständnisse hier reinzustellen.

Scholle

Lars49:
Auf der MV am25.5. wird HSVPLUS weit vorne auf der Tagesordnung stehen und abgestimmt werden.
Vorher wird wohl nur der Vertagungsantrag behandelt werden. Und der wird genauso wie auf der MV am 19.1. abgelehnt – ein guter Stimmungstest für die nachfolgende Abstimmung über HSVPLUS.
Die Abstimmung über den Aufsichtsrat der AG wird ebenso frühzeitig direkt im Zusammenhang mit HSVPLUS erfolgen.
Damit werden sich etliche Anträge von selbst erledigen oder zurückgezogen. Insofern braucht niemand vor der großen Anzahl der Anträge erschrecken. Ich bezweifle sogar, dass es noch zu einer Nachwahl in den AR des HSV e.V. kommt, wenn HSVPLUS durch ist. Die Amtszeit endet dann nämlich mit der Eintragung der neuen Satzung im Vereinsregister, also wohl einpaar Wochen nach dem 25.5.
Außerdem wird es Initiativen geben, den Ablauf der MV zu straffen und effektiv zu gestalten.
Ich habe meinen Antrag zur Stimmrechtsübertragung gestellt. Der Text kommt in den Blog, wenn ich wieder am PC sitze.
Im Übrigen ist seit heute die Kandidatenvorstellung für die Nachwahl des Delegierten zum Aufsichtsrat der Supporters auf der Homepage des Supporters Club zu sehen (www.hsv-sc.de Abteilungsversammlung).

Heimspiel im Borussia Park – Calhanoglu will Wiedergutmachung

28. März 2014

Er ist gut. Auf jeden Fall aber legte Mirko Slomka mit der heutigen Pressekonferenz wieder eine Punktlandung hin. Oder was sollte man sagen nach nunmehr einem Jahr ohne Auswärtssieg und Tabellenplatz 16 vor der Partie bei wieder erstarkten Gladbachern? Slomka drehte die Frage bezüglich der statistisch zweifellosen Auswärtsschwäche (Slomka verlor seine letzten elf Auswärtsspiele – neun mit Hannover, zwei dem HSV) jedenfalls einfach um: „Alle Gästetickets sind verkauft, mehr als 5000 Hamburger reisen mit uns nach Gladbach. Das finde ich irre gut. Zudem gibt es vor Ort und im Umfeld noch viele HSV-Sympathisanten. Und diese gut 5000 werden Krach machen wie 15000. Wir werden dort erleben dürfen, was wir hier sonst in Hamburg geboten bekommen. Insofern wird das ein Heimspiel für uns. Denn die Mannschaft nimmt den Support definitiv wahr.“ Zack, Treffer – versenkt. Alle Statistiken kurz einmal ausgehebelt, um so gar nicht erst in die Nähe selbst erfüllender Prophezeiungen zu geraten.

Warum auch? Ständig wiederkehrende Diskussionen brennen sich nur unnötig bei den Spielern ein, schlimmstenfalls lässt es sie verkrampfen. Zumal die Gesamtsituation anstrengend genug ist. „Es ist jetzt definitiv anders“, sagt Hakan Calhanoglu, „der Druck hat definitiv stark zugenommen.“ Dass er zu einer unbedachten Aktion führen kann, weiß er seit seiner unglücklichen Gelbroten in Stuttgart selbst am besten. Für den Platzverweis hatte sich der junge Deutsch-Türke zwar längst bei der Mannschaft und sogar öffentlich entschuldigt, dennoch sieht er sich jetzt in der Bringschuld. „Ich habe daraus gelernt und weiß, dass ich cleverer im Kopf sein muss.“ Vor allem aber auf dem Platz. Und für die Partie am Sonntag in Mönchengladbach hat sich der Freistoßspezialist Großes vorgenommen. „Wir wollen in Gladbach nicht nur auf Remis spielen – wir wollen mehr. Und ich persönlich bin besonders heiß, weil ich der Mannschaft und den Fans etwas zurückgeben will für die Gelbrote.“ Dass ihn dieses Vorhaben unnötig unter Druck setzt, glaubt er nicht. „Nein, ich konnte mich schwer stoppen, weil ich übermotiviert war. Jetzt weiß ich, dass ich vorsichtiger sein muss. Alle müssen vorsichtig mit der steigenden Anspannung umgehen.“ Am besten sei es, diese in Laufwegen zu entladen. Oder bei Torschüssen.

Apropos: Gegen Freiburg brachte es der HSV auf 21 Torschüsse – und man traf genauso oft wie der SCF, der es auf gerade einmal die Hälfte der Torschüsse brachte. Ich will gar nicht wissen, wie der HSV mit Calhanoglu als Schützen einiger dieser Schüsse ausgesehen hätte – wobei ich es ahnen kann. Auch Slomka weiß um die Vorzüge des jungen Rechtsfußes, der gegen Gladbach wieder auf die rechte Außenbahn rotieren dürfte. Sehr zur Freud des HSV-Trainers: „Wir freuen uns, dass der Hakan wieder zurückkehrt, natürlich. Er ist ein wichtiger Spieler für uns und es hat ihm sicherlich am meisten weh getan, das Spiel von der Tribüne aus zu sehen, ohne eingreifen zu können.“ Ebenso wieder dabei ist Pierre-Michel Lasogga. „Er hat das Spiel gut überstanden“, freut sich Slomka, der auf der Suche nach Führungsspielern keine Gelegenheit ungenutzt lässt. „Wir freuen uns auch, dass Pierre so eine Art Leader-Rolle angenommen hat und sich gegen alles stemmt, was gegen den Verein und die Mannschaft läuft.“

Stimmt. Und nicht nur Slomka sondern inzwischen hat fast die gesamte HSV-Anhängerschaft in Lasogga den wohl größten Hoffnungsträger ausgemacht. „Das ist kein Problem für mich“, sagt Lasogga, der sich sichtlich freut, in Hamburg derart beliebt zu sein. Dass er inzwischen in Berlin bereits angekündigt haben soll, im Sommer nicht zur Hertha zurückkehren zu wollen, habe ich zwar gehört – aber Lasogga selbst will darüber momentan nicht sprechen und verweist darauf, mit dem HSV noch Ziele zu haben, die alle Konzentration erfordern. Und das ist auch gut so.

Weitgehend gut war auch das erste Zusammenspiel von Lasogga mit seinem Nebenmann Jacques Zoua als Doppelspitze. Trotzdem dürfte Slomka im Borussia-Park mit einer Spitze und van der Vaart dahinter agieren. Zumal der HSV-Trainer heute besonders die Offensive der Gladbacher lobte. „Die Gladbacher Mannschaft spielt enorm diszipliniert und kompakt. Sie arbeitet mit hoher Disziplin und ihrer eigenen Systematik. Gerade was die vier Offensivstrategen anbelangt, brauchen wir eine besonders stabile Defensive.“ Und die hat der HSV wiedergefunden. Immer aber auch maximal nur ein Gegentor pro Spiel hat der HSV unter Slomka kassiert. „Darin sind wir stark geworden. Unsere Passquoten und Zweikampfwerte sind top. Ich glaube, dass sich da insbesondere der Jo (Johan Djourou) und Michael (Mancienne) im Zusammenspiel richtig hervorgetan haben. Auf die beiden mit Rene dahinter setzen wir, damit wir auswärts mal wieder die Null stehen haben“, lobt Slomka.

Um die Absicherung zu verstärken, erwägt der HSV-Coach, wieder mit zwei Sechsern zu agieren, dafür Zoua im Angriff gegen Rincon zu tauschen, der dann neben Tolgay Arslan abräumen soll. „Ich würde mir bei Jacques wünschen, dass er sein Tor macht, damit er seine ganze Stärke entfaltet. Deshalb wird er immer wieder seine Chancen bekommen – vielleicht auch Sonntag“, so Slomka, der sich nicht in die Karten schauen lassen möchte. Auch eine Doppelsechs schließt der Trainer nicht aus. Wer den gesperrten Milan Badelj ersetzt? „Es gibt viele Möglichkeiten auf der sechs und der acht“, sagt Slomka, „aber Rincon ist sicher einer der ersten Kandidaten.“

Und ich setze auf den Venezolaner, der sich um die Schaltkreise des starken Juan Arango kümmern soll. Zumal die beiden Venezolaner sich sehr gut kennen. „Gladbach spielt mit enormer Dominanz. Die sind brandgefährlich was das Konterspiel angeht mit einem überragenden Arrango, der die meisten Ballkontakte hat. Sie haben einen Kruse, einen Hermann über die rechte Seite – und sie haben einen ganz starken Raffael“, so Slomka, der das Gleiche nur zu gern über seinen Rafael sagen würde. Allerdings hängt der seit einiger Zeit in einem Leistungsloch. In sich gekehrt wirkt der Niederländer, der immer als einer der Ersten nach dem Training das Stadion verlässt und der laut Slomka noch zu den entscheidenden Figuren beim HSV wird. „Rafael ist enorm wichtig – er muss nur wieder an sich glauben“, hofft auch Sportchef Oliver Kreuzer, „und dafür braucht er nur mal wieder eine richtig gute Szene. Da reicht manchmal ein entscheidender Pass oder ein eigenes Tor – und schon ist er wieder da.“

Vor zwei Jahren traf van der Vaart in Gladbach per Traumtor aus 20 Metern. Und auch wenn das selbst mir ein wenig konstruiert vorkommt, hoffe ich, dass das ein gutes Omen ist. Auf jeden Fall ist es ein besseres Omen als dass sich am Sonntag das 2:9 in München erstmals jährt…

In diesem Sinne, ich hoffe auf eine Win-Win-Situation. Ich hoffe, dass der HSV am Sonntag die Gladbacher mit einem wieder erstarkten van der Vaart schlägt und damit so wütend macht, dass die Borussen anschließend nacheinander die HSV-Konkurrenten Nürnberg, Stuttgart und Frankfurt weghauen.

Ich auf jeden Fall merke für mich immer mehr, dass die Bedingungslosigkeit durchkommt. Ob der HSV absteigt werde ich jeden Tag mehrfach gefragt. Und während ich am Anfang noch gezögert habe, lege ich mich hier und jetzt fest:

DER HSV BLEIBT ERSTKLASSIG! So, wie es dieses Video einfordert, bei dem ich zugegebenermaßen eine Gänsehaut bekommen habe. Aber schaut selbst:

Ich bin auf jeden Fall dabei und glaube daran. Und wer anderer Meinung ist und es auf eine Wette ankommen will, kann mir gern seinen Wetteinsatz vorschlagen. Bei der besten Idee schlage ich ein. Versprochen!

Bis morgen!
Scholle

P.S.: Vielleicht schaffen es die Fans ja einmal mehr, ihr gutes Gespür für Stimmungen einzusetzen und van der Vaart von den Tribünen aus noch einen Tick mehr als eh schon zu unterstützen. Denn wenn van der Vaart eines nicht ist, dann ein falscher Typ. Im Gegenteil, der Niederländer zählt trotz seiner langen Karriere noch immer zu denen, die sich wie ein kleines Kind freuen, wenn ein Ball ins Spiel kommt. Von daher dürfte es doch ein Leichtes sein, die Fußballbegeisterung in dem Kapitän wiederzuerwecken…

P.P.S:: Noch positiv zu erwähnen ist, dass Kerem Demirbay nach zehn Wochen Pause wieder mit der Mannschaft trainiert. In der kommenden Woche soll der Linksfuß möglichst in der U23 Spielpraxis sammeln und dann wieder zum Bundesligateam dazustoßen. Ebenso wie Ivo Ilicevic, dessen Heilungsprozess gut voranschreitet und der gegen Leverkusen am kommenden Freitag schon wieder zum Kader gehören soll.

Lasogga will mehr Verantwortung übernehmen

27. März 2014

Der Tag danach tut in dieser Saison fast immer weh. Mehr noch als das Spektakel an sich zum Zeitpunkt des Abpfiffes. Denn wie so oft wurde mir auch heute noch mal klar, wie groß die Chance war, sich einiger Sorgen zu entledigen. Oder besser: Sich dem Klassenerhalt zu nähern. Und nachdem HSV-Trainer Mirko Slomka die vergebene Chance ebenso klar erkannt hatte wie Freiburgs Trainer Christian Streich dem HSV eine sportlich deutliche Überlegenheit attestiert hatte, setzte heute auch Kreuzer an. „Wir waren die bessere Mannschaft und hätten den Sieg sicherlich verdient gehabt“, so der HSV-Sportchef, der nach eigenen Angaben versuchte, das Positive aus der gefühlten Niederlage zu ziehen: „Man hat gesehen, dass die Mannschaft unter Mirko den Kampf angenommen hat – sie belohnt sich nur noch nicht. Aber das wird passieren.“

Nur wann?

Denn viel Zeit bleibt nicht mehr und mit Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, dem 1. FC Nürnberg, VfB Stuttgart und jetzt dem SC Freiburg hatte der HSV es zuletzt gegen direkte Konkurrenten in der Hand, sich abzusetzen. Mehr als der Aufstieg auf einen Relegationsplatz – zudem punktgleich mit dem 17. und nur noch drei Punkte vor dem 18. aus Braunschweig – wurde es nicht. Und jetzt kommen mit Gladbach, Leverkusen, Hannover und Wolfsburg vermeintlich größere Kaliber auf den HSV zu, beginnend auf dem Bökelberg am Sonntag beim Ex-(und bald-wieder-?)Klub von Marcell Jansen, der die HSV-Situation kurz und knackig mit „sehr beschissen“ umschreibt. „Wir müssen jetzt vielleicht die Größeren schlagen. Wir haben noch so viele Schlachten. Wir haben die Qualität, Dreier zu holen.“ Wann er wieder dabei sein kann, ist noch unklar. Ebenso wie seine persönliche Situation. Im Sommer könnte der Linksfuß für die festgeschriebene Ablösesumme von fünf Millionen Euro wechseln – beim Abstieg ein mehr als wahrscheinliches Szenario.


Oliver Kreuzer, seit Juni 2013 Sportchef des HSV

Aber auch das ist momentan nebensächlich. Das große Ganze schlägt das Einzelschicksal. Und das Ziel Klassenerhalt erlaubt keine Ablenkungen. So sieht es auch Kreuzer: „Für uns muss es unerheblich sein, ob eine Mannschaft wie Freiburg oder Leverkusen kommt. Es darf uns nicht mal interessieren, ob wir auswärts auf den Achten oder den 17. treffen. Und genau so bereitet unser Trainer die Mannschat vor“, sagt Kreuzer, dem eine gewisse Ratlosigkeit anzumerken ist. Denn wenn selbst die Spiele nicht mehr gewonnen werden, in denen man – wie gegen Freiburg – die aktivere, bessere Mannschaft ist, dann frustriert das. Und dieser Frust raubt Selbstvertrauen. Ich glaube, jeder, der mal mit aller Kraft gegen etwas angekämpft hat und nicht so recht voran kam, der weiß, was ich meine.

Allein es auszusprechen lohnt nicht. Ebenso wenig wie über die oft zitierte Auswärtsschwäche zu sprechen. Immerhin liegt der letzte Sieg in der Fremde nunmehr eine halbe Saison zurück. Am zehnten Spieltag wurde 3:0 gewonnen – in Freiburg. „Das wissen wir sehr wohl“, so Kreuzer, „aber immer wieder darüber zu sprechen macht das Ganze nur unnötig wichtig und präsent in den Köpfen der Spieler. Das ist wie eine selbsterfüllende Prophezeiung, daher meiden wir hier den Blick zurück. Denn der Glaube ist definitiv da. Wir konzentrieren alles auf das, was wir im Moment anstellen und erreichen können.” Und dauf die positiven Aspekte der letzten Wochen. Kreuzer: “Wir nehmen mit, dass wir defensiv stabiler geworden sind und inzwischen nur noch ein Tor pro Spiel im Schnitte kassieren. Das gibt der Mannschaft unglaublich Sicherheit. Und wir nehmen mit, dass wir gegen Freiburg über 20 Torschüsse hatten, davon allein zehn von Pierre-Michel Lasogga.“

Ohne die nötigen Punktgewinne bleiben Kreuzers Worte unbestätigte Theorie, ganz klar. Frei nach dem Motto „der Veranstalter lobt die eigene Veranstaltung“ versucht sich der HSV-Sportchef in Zweckoptimismus. Und man mag es ihm noch nicht einmal übel nehmen. Immerhin wird auch Kreuzer am Saisonende für alles Geschehene eine Hauptverantwortung übernehmen müssen. Und das weiß er auch. Auch deshalb freut sich der Sportchef besonders über die Rückkehr Lasoggas. Denn wie wichtig der ist, hat das Freiburg-Spiel erneut gezeigt. Gleich alle ersten sieben (!) Chancen des HSV hatte der aus Berlin geliehene Angreifer, der zuletzt drei Spiele in Folge ausgefallen war. Und Lasogga hatte es auch auf dem Fuß, den HSV in Führung zu bringen. Via Bundesliga.de sagte er: „Wir haben das Spiel gemacht, aber verpasst, unser Tor in der ersten Hälfte zu machen. Die Freiburger haben eine Torchance und nutzen sie. Wir konnten uns erst nach dem Rückstand belohnen, doch nicht den verdienten Sieg einfahren. Aber wir haben gezeigt, dass wir den Kampf annehmen. Ich glaube an die Mannschaft“, so der Angreifer.

Als sehr gut möglich gilt, dass Slomka in Gladbach erneut mit zwei Angreifern agiert. Das hatte gegen Freiburg nach Anfangsschwierigkeiten gut geklappt. Jacques Zoua verstand es, Wege für Lasogga zu gehen, die diesem Freiräume schafften. Zoua war es auch, der meines Erachtens nach den größeren Anteil am Ausgleich hatte, obgleich die Statistik Rafael van der Vaart den Assist zuschreibt. Dabei war es Zoua, der den Ball festgemacht und für den Abschluss aufgelegt hatte. „Jacques und Pierre zusammen war eine gute Variante“, befindet Kreuzer und ich gebe ihm Recht. Denn obgleich Zoua vor jeder Saison in einer Kaderplanung einer guten Mannschaft keinen Platz finden darf, ist er jetzt da und offenbar besser als die anderen Alternativen Slomkas. Zoua haut sich inzwischen zweifellos rein und liefert all das ab, was er abliefern kann: Er macht die Bälle fest, er verlängert sie per Kopf und er legt Torschüsse auf. Und er hat es sich so tatsächlich verdient, dabei bleiben zu dürfen.

Selbst jetzt, wo der HSV durch die fünfte Gelbe von Milan Badelj erneut umbauen muss, ist die Raute im Mittelfeld mit zwei Spitzen davor für Kreuzer eine mehr als denkbare Variante. „Milan ist schon extrem wichtig für uns, er ist unser Spielmacher aus der Defensive heraus. Wir wissen schon ganz genau, was wir an ihm haben. Aber Tolgay kann die Sechs auch allein spielen und Hakan ihn auf rechts ersetzen. Es ist am Ende natürlich die Entscheidung des Trainers. Aber ich bin mir sicher, dass er es ähnlich sieht.“

Zumal sich Lasogga sichtbar wohler fühlte mit Zoua neben sich und van der Vaart dahinter. „Es war auch eine gute Variante, dass Jacques neben mir gespielt hat“, so Lasogga, „dadurch hatte ich viele zweite Bälle und konnte oft zum Abschluss kommen. Ich habe mich gefühlt, als wäre ich gar nicht weggewesen. Das hat mir gut getan und hat sicherlich auch der Mannschaft gut getan.“

Und wer auch immer jetzt hier anfängt, eine Grundsatzdiskussion über die aktuelle Kaderzusammenstellung zu führen, dem sei gesagt: Sobald der Klassenerhalt gesichert ist, MUSS das ein Thema werden. Und das wird es auch – mit allen Konsequenzen. Aber tatsächlich auch erst dann. Bis dahin kann es nur den Weg geben, die vorhandenen Spieler so zu stärken, wie es hur irgendwie möglich ist, um den GAU noch abzuwenden. Von daher ist für mich bis dahin auch das zweifellose Schönreden der Offiziellen nachzuvollziehen. Es ist zweckmäßig. Auch in Sachen Rafael van der Vaart. Dem versuchten Slomka, Kreuzer und Co. Den Assist anzudichten, um auch statistisch mal wieder was Gutes zu haben außer weite Laufwege (in gleichbleibendem Tempo). „Rafael wird von Spiel zu Spiel besser“, so Slomka.

Das ist für mich ehrlich gesagt nicht erkennbar. Im Gegenteil, in meinen Augen stagniert van der Vaart auf schwachem Niveau. Leider. Allerdings unterscheidet ihn eine ganz wesentliche Sache von den anderen HSV-Spielern im Offensivbereich – Lasogga mal ausgenommen: Bei van der Vaart weiß man, dass er es vor nicht allzu langer Zeit noch konnte. Und das lässt hoffen. Den Fan, den Mitspieler und ganz offensichtlich auch den Trainer, der weiter an seinem Kapitän festhält und ihn starkredet.

Van der Vaart hat den Fuß für den entscheidende Pass oder bestenfalls sogar ein entscheidendes Tor. Das sagt auch Slomka und ich will ihm einfach glauben. Weil uns nicht viel sonst bleibt. „Rafael bekommt von uns alle Hilfe. Er hat keine einfache Zeit. Er war verletzt, krank und braucht Rhythmus. Er muss weiter hart trainieren und an sich glauben – dann platzt auch bei ihm irgendwann mal der Knoten“, prophezeit Kreuzer. Wie das passieren soll? „Entweder über einen entscheidenden Pass oder ein Freistoßtor. Klar ist aber, wir lassen ihn jetzt nicht fallen.“ Natürlich nicht. Warum auch?

Wobei glücklicherweise in Sachen Hoffnungsträger Ersatz da ist. Denn sollte van der Vaart seiner zugedachten Führungsrolle weiterhin nicht gerecht werden können, ist ja immer noch Lasogga da. Und der freut sich über die ihm zugeschriebene Wichtigkeit für den HSV: „Es heißt ja immer, dass die älteren, erfahrenen Spieler die Verantwortung übernehmen müssen. Aber auch wenn ich erst 22 Jahre alt bin, so macht es mir Spaß, vorne weg zu gehen. Das ist für mich kein negativer Druck, sondern positiver. Ich freue mich, dass die Mannschaft und vor allem die Fans an mich glauben.“

Der Typ ist einfach erfrischend! Lasogga sieht den Fußball so herrlich einfach. Der 22-Jährige ist ja auch bekannt dafür, sich Dinge nicht übermäßig kompliziert zu denken, sondern einfach zu machen. „Seine fußballverrückte Art steckt an“, sagt beispielsweise Heiko Westermann und ich hoffe nur, dass das in den kommenden Wochen auch für van der Vaart gilt. Vielleicht wird er dann ja tatsächlich zu dem Garanten für den Klassenerhalt, der er vor zwei Jahren schon ob seiner Präsenz gewesen sein soll.

In diesem Sinne, die letzten sieben Spiele stehen vor der Tür und die Mannschaft braucht jede erdenkliche Hilfe. Oder besser gesagt: Rückendeckung. Nicht nur vom Vorstand und dem Trainerteam sondern ganz sicher und vor allem auch von den Fans. Zusammenhalten, durchmarschieren, zusammen die Klasse halten und meinetwegen auch kurz feiern, um anschließend gnadenlos abzurechnen und diesen Verein neu zu gestalten – dieser Plan ist ein in meinen Augen alternativloser Plan.

Und der wird morgen weiter verfolgt. Um 15 Uhr wird an der Arena trainiert. Ich melde mich danach bei Euch! Bis dahin,

Scholle

1:0-Sieg – “Europapokal, Europapokal . . .”

16. Februar 2013

Der HSV ist auf dem Weg zur Spitze. Noch nicht ganz nach oben, aber es geht deutlich aufwärts. Mit 1:0 wurde Borussia Mönchengladbach vor 54 558 Zuschauern im Volkspark besiegt, der Sieg war verdient, wenn auch nicht immer souverän herausgespielt – aber es wurde diszipliniert und konzentriert agiert. Endlich aber gab es mal wieder zwei HSV-Siege in Folge, sodass der Anhang jetzt auf jeden Fall träumen darf. 1:0-Sieg sind die schönsten, so heißt es ja im Fußball, aber dieser war schwer erkämpft, denn die Borussia gab trotz des Donnertags-Spiels in der Europa League auch gegen Ende noch mächtig Gas. „Europapokal, Europapokal . . .“ sangen die HSV-Fans im Norden ausgelassen, aber bis dahin dürfte es noch ein ziemlich dornenreicher Weg sein. Immerhin aber ist er im Jahre 2013 möglich, und wer hätte das schon zu Beginn dieser Saison für möglich gehalten? Nach dem Schlusspfiff kochte es im Norden, denn Hamburg wittert seine Chance.

Beifall zur Pause. Da hieß es durch ein Zauber-Tor von Rafael van der Vaart verdient 1:0. Der HSV war, wie schon zuletzt in Dortmund, gut aus den Startlöchern gekommen, die Mannschaft wirkte entschlossen, alle Spieler waren in Bewegung und zeigten Biss. Und Mönchengladbach war die erwartet harte Nuss, von Europa League am Donnerstag war nicht viel zu sehen. Es ging munter hin und her, ohne viele Höhepunkte zu bieten, Torchancen blieben Mangelware. Ein „Tor des Monats“ aber entschädigte für entgangene Torraumszenen: In der 24. Minute bediente Artjoms Rudnevs van der Vaart, und der zog aus 28 Metern beherzt ab. Was für ein Schuss! In den oberen linken Winkel – und im Volkspark war der Teufel los. Ein echter Hammer! Bis auf Torwart Jaroslav Drobny kam die Mannschaft zum Gratulieren. Und Lotto King Karl befand über Mikrofon: „Wie lange habe ich darauf gewartet . . .“ Nicht nur Du, lieber Lotto. Vier alle. Und der „kleine Engel“ ganz besonders. Er rastete fast aus. Zumal er, Glückwunsch den Kollegen, in der Bild von heute angekündigt hatte, dass er gegen Gladbach ein Tor machen würde. Hat super geklappt. Und dann ein solcher Strich, Hut ab!

Der HSV war dieses eine Tor auch unter dem Strich besser. Vornehmlich über die linke Seite, wo sich Marcell Jansen und Dennis Aogo ein weiteres Mal sehr gut ergänzten und verstanden, wurden die Angriffe nach vorne getragen. Das ist in zwischen eine großartige „Waffe“ des HSV geworden. Dazu bewegten sich beide Spitzen wieder viel und gut, „Rudi“ Rudnevs ging im wahrsten Sinne dorthin, wo es wehtat, und auch Heung Min Son ging keinem Zweikampf aus dem Weg. Zudem scheint er auch in Sachen Kopfbällen gelernt zu haben, hat er sie frühere gelegentlich verweigert, so geht er jetzt fast immer entschlossen in den Luftkampf. England lässt grüßen, denn da ist so etwas auf jeden Fall immer gefragt.

Die Abwehr wirkte nicht immer unbedingt sattelfest, ließ aber nichts anbrennen. Wenn es darauf ankam, war jeder Spieler Herr der Lage. Und am Rande stand Trainer Thorsten Fink total unter Strom und trieb seine Mannen pausenlos an. Fink brannte wie jeder seiner Spieler. Das Motto des Trainers lautete wohl: „Egal wie, aber diesmal ist endlich mal wieder ein zweiter Sieg in Folge fällig.“

In die zweite Hälfte startete der HSV wiederum entschlossen, aber die richtig große Torgefahr blieb aus. In der 51. Minute hätte, nach einem Freistoß von van der Vaart, fast der am langen Eck stehende Slobodan Rajkovic ein Tor erzielt, aber der Serbe war zu überrascht, als ihm der Ball vor die Füße fiel. Aber das wäre ein Ding gewesen, wenn er bei seinem Comeback (von Anfang an) auch noch ein Tor geschossen hätte.

Gegen Mitte der zweiten Halbzeit kam dann Mönchengladbach – mit Macht. Es brannte einige Male – vor dem HSV-Strafraum, aber es passierte nichts. Aber wer hatte hier am späten Donnerstag noch gespielt? Zum Glück ging alles gut. Endlich einmal wieder zwei HSV-Siege in Folge.

Die Einzelkritik:

Jaroslav Drobny hatte eigentlich nur Fußarbeit zu leisten, denn es kam so gut wie kaum etwas auf das Tor. Wirkte ruhig (obwohl er sicherlich schwer angespannt war) und souverän, hielt in der Schlussphase dann auch noch einige gute Sachen.

Dennis Diekmeier ist seit Wochen konstant in guter Form, das bewies er auch diesmal. Einige sehr gute Vorstöße (und Flanken) unterstrichen diese gute Vorstellung.

Slobodan Rajkovic wirkte oft wie ein „Zitter-Fuß“. Diesen Ausdruck hat „Scholle“ der neben mir saß, erfunden. Weil „Slobo“ natürlich nervös war, wie er vorher zugab, auch „unter Druck“ stand. Dennoch, auch wenn es oft so aussah, als würde ihm diese Aktion nicht gelingen – sie gelang ihm. Und er rettete einige Male in allerhöchster Not und bewahrte so seine Mannschaft vor einem Gladbacher Tor. Hatte allerdings Glück, als er in der 77. Minute am Ball vorbeitrat – und der einschussbereite Hanke dadurch getäuscht wurde. Note zwei.

Heiko Westermann war ein kleiner Unsicherheitsfaktor in der HSV-Defensive, warum auch immer. Er hatte keine ganz großen Klöpse auf Lager, aber die ganz kleinen (Klöpse) reichen auch schon, dass man ins Zittern gerät. Warum nur? Er kann es doch. Und er hat trotz allem auch einige Lücken gestopft. Das muss er souveräner lösen. Dennoch, das muss festgehalten werden, er ist dann zur Stelle, wenn er gebraucht wird. Eine Bank auch in Sachen Kopfballabwehr.

Marcell Jansen begann in einigen Szenen sehr lässig, zu lässig. Hundertprozentiger Biss, so wie in Dortmund, steht ihm besser. Steigerte sich aber stetig und rettete in der 66. Minute mit einer herrlichen Flugeinlage im Fünfmeterraum.

Milan Badelj stellte sich besser als vor seiner Gelb-Sperre vor, aber noch ist nicht alles so, wie es mal war. Er war aber immer bemüht, Linie in sein Spiel zu bekommen – und damit auch in das Spiel des HSV. Lief unermüdlich.

Per Ciljan Skjelbred war eine große Stütze, war vielleicht sogar der beste Hamburger. Immer in Bewegung, gute Ideen, half den Nebenleuten – das war eine Klasse-Leistung.

Dennis Aogo war wieder der VW des HSV, stand zweimal sogar vor einem Tor – einmal hätte es Elfmeter für ihn geben können. Note drei.

Rafael van der Vaart spielte von Beginn an „griffig“, lief viel – er wollte es diesmal allen zeigen; und zeigte es allen. Baute im zweiten Durchgang aber stetig ab und war gegen Ende kaum noch zu sehen.

Heung Min Son blieb diesmal glücklos, konnte sich kaum einmal vielversprechend in Szene setzten. Nicht schlecht, aber auch nicht so gut, wie zuletzt, aber das geht ja auch nicht immer.

Artjoms Rudnevs steckte viel ein, kam immer wieder, ließ sich nie entmutigen – so ist der gute „Rudi“. Auch ohne Tor immer ein Pluspunkt.

Tolgay Arslan (kam in der 75. Min. für Skjelbred) spielte mit und machte noch einige gute Sachen, die der Mannschaft halfen.

Maximilian Beister (kam in der 75. Min. für Son) konnte in den 15 Minuten keine offensive Szene mehr setzen. Aber er war dabei und kämpfte großartig mit.

Marcus Berg (kam in der 88. Minute für van der Vaart) kam und kassierte noch die Siegprämie ein.

Gleich wollen wir mit „Matz ab live“ auf Sendung sein, „Scholle“ und ich erwarten HSV-Nachwuchs-Chef Bastian Reinhardt sowie den „Matz-abber“ „JU aus Q“. Wir würden uns freuen, wenn ihr dabei sein würdet.

17.26 Uhr

Vater Son – blitzschnell im Dienste des HSV

14. Februar 2013

Natürlich ist Jaroslav Drobny ein erstklassiger Torwart. Keine Frage. Und dennoch ist die Tatsache, dass Rene Adler dem HSV am Sonnabend im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach erstmals fehlen wird, eine Hiobsbotschaft für mich. Denn Adler ist Adler. Dieser Mann hat dem HSV in der Hinrunde so manches Spiel und viele Punkte gerettet. Deswegen ist dieser Ausfall ein herber Verlust. In meinen Augen jedenfalls. Eine Bauchmuskelzerrung verhindert den Einsatz von Rene Adler – für dieses Spiel. Trainer Thorsten Fink geht aber davon aus („sehr wahrscheinlich“), dass der Nationaltorwart zum Auswärtsspiel in einer Woche, bei Hannover 96, wieder fit sein wird. Hoffen wir das Beste.

„Auf Dauer, das wissen wir, ist Rene Adler ein ganz guter und wichtiger Mann für uns, aber Drobny hat gezeigt, dass er ein guter Torwart ist, dass er viel Erfahrung hat, und er ist keiner, der noch großartig zittert, er hat gute Nerven. Und ich traue ihm zu, dass er eine Top-Leistung am Wochenende bringen wird.“ Zu Adler befand der Trainer: „Damit, dass er nun ein Spiel aussetzen wird, wollen wir vermeiden, dass er uns länger ausfallen könnte.“


Jaroslav Drobny hatte heute im Trainingsspielchen zwei Szenen, die besonders waren. Erst brachte er den frei vor ihm auftauchenden Heung Min Son mit einem „Köllerbacher“ zu Fall – und es gab Elfmeter. Den übernahm Rafael van der Vaart – und Drobny hielt. Ein gutes Omen für Sonnabend? Fink über den Ersatzkeeper: „Drobo hat sich voll in den Dienst der Mannschaft gestellt, hat Rene unterstützt und geholfen, hat seine Rolle akzeptiert, er identifiziert sich mit dem Verein, mit der Stadt – er würde wohl auch gerne hier bleiben. Er fühlt sich wohl und ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Mannschaft. Er zeigt im Training immer vollen Einsatz – er ist ein fantastischer Junge.“

So kann man es ausdrucken. Aber auch so. So wie Marcell Jansen, der scherzhaft sagte: „Drobo ist ein bekloppter Tscheche, ein richtig guter Typ – das passt voll mit ihm. Er ist positiv bekloppt, und er ist in der Mannschaft voll akzeptiert, weil er immer nur gute Laune hat.“ Davon war im heutigen Tarining allerdings nicht so viel zu sehen, da wirkte der Torhüter doch schon ein wenig angespannter als sonst.

Apropos Training – und apropos Heung Min Son. Da gab es heute noch eine absolute besondere Szene während des Trainings: Am Rande stand, wie jeden Tag, Sons Vater. Als Nachwuchsmann Valmir Nafiu das Kunststück fertig brachte, den Ball gleich über zwei Zäune zu schießen, flog die Kugel in die Hände junger HSV-Fans, die vor der Arena standen. Plötzlich setzte Vater Son zum Spurt an. Das waren bestimmt 50 bis 60 Meter. Der Ball sollte nicht – zappzarapp – verschwinden. Inzwischen hatten die Knaben, die den Ball gefangen hatten, einem Erwachsenen gegeben, und als Sons Vater an Ort und Stelle war, wartete er geduldig darauf, dass dieser Erwachsene die Kugel auch dem HSV wieder zuführen würde. Erst als das geschah, drehte Vater Son zufrieden um und ging. Sicher ist sicher, ein solcher Ball ist teuer – eine bemerkenswerte Szene! Wer macht so etwas sonst schon? Großartig.

Durch den (Zwangs-)Wechsel auf der Torwart-Position kommt es damit auf jeden Fall zu zwei Änderungen im HSV-Team, denn für Tomas Rincon, der zuletzt auf der „Sechs“ abräumte“, wird Milan Badelj wieder in die Mannschaft kommen. „Etwas anderes war für mich nie ein Thema. Badelj ist für mich ein wichtiger Mann im Mittelfeld, wenn wir das Spiel machen müssen ohnehin. Es wird immer mal andere Spiele geben, wo wir den Tomas brauchen, so wie gegen Bayern München, aber im Moment möchte ich nicht dauernd die Mannschaft ändern. Von daher bleibt es jetzt erst einmal so, wie ich gesagt habe“, sagt Thorsten Fink.

Über den kommenden Gegner sagt Thorsten Fink: „Gladbach ist ein anderer Gegner. Dortmund haben wir überraschen können, aber das war auswärts, ich denke, das können wir mit Gladbach jetzt nicht. Ich glaube nicht, dass wir diesen Gegner genau so bespielen können, wie den BVB – das geht nicht, ganz klar. Ein solches Spiel wie in Dortmund macht man auch nicht alle Tage, es wird gegen Mönchengladbach ein ganz heißes Spiel geben. Sie spielen schnell, können gut kontern, können auch das Spiel machen – aber wenn wir Geduld haben, wenn jeder mit Spaß und voller Selbstbewusstsein ins Spiel geht, dann haben wir ganz gute Karten, das Spiel zu gewinnen. Wir müssen rausgehen und von Anfang zeigen, dass wir dieses Spiel gewinnen wollen.“

Das will wohl auch die Mannschaft zeigen. Erneut zeigen. Wie in Dortmund, als das HSV-Team von der ersten Sekunde an „brannte“. Damit war nicht nur Dortmund überrascht, sondern auch die ganze deutsche Fußball-Nation – und vor allem den HSV-Anhang. Marcell Jansen: „Jetzt reden alle vom Nachlegen, Nachlegen, Nachlegen, aber die Gladbacher haben auch eine gute Mannschaft, die gerade auswärts taktisch sehr gut spielt. Darauf müssen wir uns vorbereiten, aber wenn wir wieder Mut mit reinbringen, wenn wir unsere Stärken ausspielen, dann werden wir am Ende der Saison viel mehr positive Dinge erleben, als negative. Das muss ganz einfach unser Ziel sein, das jetzt auch zu schaffen.“

Dabei helfen sollen natürlich auch die Stürmer, die zurzeit bestens in Form sind. Artjoms Rudnevs und Heung Min Son. Wie sieht Jansen seine beiden Mitspieler? Der frühere Nationalspieler sagt: „Die Mischung vorne ist gut, denn es sind zwei unterschiedliche Typen. Gut ist, dass Rudi kopfballstark ist, dass er mit Wucht in den Strafraum kommt und dann seine Tore macht. Und dass er sehr viel unterwegs ist, was in der Bundesliga sehr, sehr viel ausmacht – er arbeitet viel, das ist gut. Und bei Sonny ist positiv, dass er links wie rechts schießen kann.
Und dass er im Moment sehr gut kapiert, den Ball zu halten, den Körper einzusetzen, aggressiv auf Pressing zu spielen, das macht er auch im Training jetzt viel besser – das hilft der Mannschaft. Und dann glaube ich, dass bei Stürmern, die sich in den Dienst der Mannschaft stellen, die Tore von ganz allein kommen.“

Das hoffen wir mal. Auch wieder für Sonnabend.

Gespannt bin ich, wie sich der Rasen der Hamburger Arena präsentieren wird. Zuletzt hätte man auf diesem Geläuf das „Spiel ohne Grenzen“ (gab es früher im Fernsehen) durchführen können – die Veranstalter hätten sich dabei die Schmierseife sparen können. So glitschig ist es teilweise auf dem Rasen. Aber damit muss dann ja auch der Gegner klar kommen. „Optisch sieht der Rasen gut aus, aber die Probleme, die wir damit haben, haben auch andere Clubs. Ich denke trotz allem, dass wir in Sachen Rasen schon Fortschritte gemacht haben.“

Wie gut die Gladbacher spielen (können), davon kann sich heute jeder überzeugen, denn um 21.05 Uhr wird das Europa-League-Spiel gegen Lazio Rom angepfiffen. Ein Pflichttermin vor dem Fernseher (Sky und Kabel 1) – vor allem wohl für die HSV-Profis. Zur Sicherheit hat der HSV aber auch Spione nach Gladbach geschickt . . .
Ich wünsche euch noch einen schönen Fußball-Abend.

18.58 Uhr

2:2 – der HSV verschenkt zwei Punkte

26. September 2012

Welch ein Pech. Welch ein verdammtes Pech! 2:2 in Mönchengladbach, aber der HSV hätte der Sieger sein müssen, stand vor dem ersten Auswärtserfolg der Saison – und wurde in der 91. Minute eiskalt bestraft. Ein ganz bitterer Abend nach einem Klasse-Spiel. Rafael van der Vaart, der den HSV mit 1:0 in Führung geschossen hatte, schoss einen Foulelfmeter in der 55. Minute an den Pfosten – es wäre wohl die Entscheidung gewesen. Der HSV macht durch diesen Auswärtspunkt einen kleinen Schritt nach oben, von Platz 15 auf Platz 14. Aber das, was der HSV jetzt spielt, das ist Fußball. Dieser HSV wird mit dem Abstieg schon sehr bald nichts mehr zu tun haben, ganz sicher. Weil man so viel Pech ja nicht immer haben kann.

Bevor ich zum Spiel komme: „Scholle“ und ich sitzen im „Champs“ in Schnelsen (Burgwedel), unser heutiger Gast ist Lotto King Karl, und wir werden jetzt in wenigen Minuten live auf Sendung mit „Matz ab live“ sein. Wir hoffen sehr, dass ihr alle einschalten werdet.

Zum Spiel:

Der HSV begann mit der „Dortmund-Elf“. Ein gutes Omen. Doch in den ersten Minuten drängte Mönchengladbach. Die Borussen hatten sich offenbar viel vorgenommen, wollten den HSV gleich unter Druck setzen – doch am Hamburger Strafraum war meistens Endstation für die quirligen „Fohlen“. Der HSV-VDV ist nicht mehr mit dem HSV der ersten Bundesliga-Spieltage zu vergleichen. Die Mannschaft lässt sich durch einen kleinen Sturm nicht gleich umwerfen, sie hält dagegen. Mit großem Selbstvertrauen. Das ist wirklich schön zu sehen. Was ein Mann doch so ausmacht – hat „uns Scholle“ zum neuen HSV gesagt. Und dieser Mann heißt Rafael van der Vaart. Er hat allen neues und frisches Leben eingehaucht, jeder einzelne HSV-Spieler tritt jetzt ganz anders auf, als noch vor Wochen, als das Team sieglos war und auch schon ein wenig hoffnungslos.

Die erste Chance des Spiels hatten die Gladbacher. De Jong, nicht verwandt und nicht verschwägert, spitzelte den Ball aus 14 Metern knapp am HSV-Tor vorbei (9.). 120 Sekunden später hatte der HSV seine Möglichkeit. Artjoms Rudnevs stand frei vor Keeper ter Stegen, wurde aber zu weit nach rechts abgetrieben, sodass der Gladbacher den Winkel verkürzen konnte – kein Vorwurf an Rudnevs, den konnte er nicht mehr ins Tor bekommen.

Aber diese Szene machte der gesamten Hamburger Truppe noch mehr Mut – auch für offensive Aktionen. Bei Gladbach schlichen sich vermehrt Abspielfehler ein, am Rande tobte Trainer Favre, doch der HSV bekam das Geschehen von Minute zu Minute mehr und besser in den Griff. Und ging in der 23. Minute in Führung. Ein herrlicher Treffer, ein“ Tor des Monats“ – ein Traum von Tor: Abschlag Rene Adler, an der Mittellinie verlängerte Heiko Westermann per Kopf (in einem engen Duell!) zu van der Vaart, und der machte mit der Kugel etwas ganz Ausgefallenes. Er schoss den Ball von der Linksaußen-Position in den hinteren Winkel. Das sah in etwa so aus, wie das Dortmunder Tor am Sonnabend von Perisic, als dieser flanken wollte – und er Ball in die lange Ecke flog. So ähnlich sah auch dieses 1:0 aus – nur dass van der Vaart dieses Tor ganz genau so schießen wollte – sein 30. Bundesliga-Treffer. Wie gesagt, ein Traum! Und auch die verdiente Führung.

Der HSV bestimmte danach den Rhythmus des Spiels, hielt die Kugel gekonnt in den eigenen Reihen, wenn es nötig war, und spielte nach vorne, wenn sich die Räume dazu boten. So sieht Fußball aus. Da wurde nicht mehr quer, quer und zurück gespielt, sondern auch entschlossen und schnell nach vorne. Und es hätte alles so schön sein können, hätte nicht Schiedsrichter Deniz Aytekin gleich zweimal einen totalen Blackout gehabt. Erst „übersah“ er ein klares Foul von de Jong an Heiko Westermann, denn der Gladbacher sprang den HSV-Kapitän im Fünfmeterraum eindeutig um. Ein klareres Foul gibt es nicht – aber Aytekin gab Eckstoß für Mönchengladbach. Und diesen schoss Nordtveit zur Mitte – wieder stand Westermann im Mittelpunkt. Stranzl stützte sich bei seinem Kopfballtor so was von klar auf, dass es ein Lehrbeispiel werden könnte (oder auch vielleicht wird), wie man es als Unparteiischer nicht machen soll. Aber das Tor zählte, obwohl diese beiden Entscheidungen eigentlich skandalös waren – 1:1. Stranzl gab nach dem Spiel zu, dass sein Treffer irregulär war – aber was hilft es?

Ein Tor aus dem Nichts – und irgendwie auch unverdient. Aber dabei blieb es nicht. Sekunden vor dem Pausenpfiff die erneute Hamburger Führung: Klasse-Flanke vom Klasse-Fußballer Milan Badelj, und Kopfball von Artjoms Rudnevs. Aus vier Metern köpft der Lette das 2:1 und sein erstes Bundesliga-Tor. Zum Glück hatte Trainer Thorsten Fink den Stürmer im Team gelassen, obwohl der Coach auch ein wenig damit geliebäugelt hatte, Maxi Beister rechts und Heung Min Son in der Mitte zu bringen. Fink tat es nicht, und er tat gut daran. Wobei wir uns im „Champs“ gleich über Rudnevs unterhielten, und „Scholle“ wusste: „Der Junge ist unheimlich beliebt in der Mannschaft, den mögen alle.“

Und er wird wohl auch kommen. Sein Tor wird ihm Auftrieb geben, noch mehr – und er erarbeitet sich diese Form ja auch durch seinen Fleiß und durch seinen enormen Einsatz. Ein Beispiel: In der 21. Minute attackierte Rudnevs den Gladbacher Torwart an dessen Fünfmeterraum – auch ein Traum. Der HSV setzt nach, der HSV geht jedem Ball hinterher, der HSV kämpft und gibt alles, setzt den Gegner sogar in dessen Hälfte und sogar im dessen Strafraum unter Druck. Super.

Der zweite Durchgang begann dann mit einem Paukenschlag. Ivo Ilicevic dringt in der 53. Minute in der MG-Strafraum ein, Stranzl kommt mit dem langen Bein, der HSV-Spieler springt hoch und geht zu Boden – Elfmeter. Und Stranzl sieht noch Rot. Das roch stark nach Konzessions-Entscheidung. Es gab Rudelbildung, Torwart ter Stegen stellte sich, als van der Vaart schießen wollte, drei Meter vor das Tor – das alles kostete Zeit. Und wohl auch Nerven. Van der Vaart schoss den Ball in der 55. Minute an den Pfosten, die mögliche Vorentscheidung war vertan. Schade, schade.

Gladbach fortan nur noch zu zehnt, der HSV hielt den ball, vergab aber einige Konteransätze durch zu ungenaues Abspiel. So baut man einen müden Gegner eigentlich wieder auf, aber diesmal nicht. Der HSV war eindeutig Chef im Ring. Gladbach hatte nur noch eine große Chance, als ein Freistoß von Arango knapp am HSV-Tor vorbeisegelte (76.) – das war Glück, wer weiß, ob Rene Adler den gehalten hätte?

Der HSV war auf der Siegerstraße, ganz klar, es ging nur um die Höhe des Erfolges. Zu viele Konter aber wurden vergeben – leichtfertig. Und das rächte sich bitter. In der Nachspielzeit köpfte Dominguez nach einem Arango-Freistoß (Foul von Ilicevic) das nicht mehr für möglich gehaltene 2:2. Welch ein Pech! So ungerecht kann Fußball sein. Der HSV verschenkt seinen Sieg.

Die Einzelkriktik:

Rene Adler spielte absolut souverän, am Gegentor gab es nichts zu halten – auf ihn ist nicht nur Verlass, die Mitspieler verlassen sich auch auf ihn. Eine großartige Verstärkung für den HSV, man kann es nicht oft genug wiederholen.

Dennis Diekmeier bot eine solide Partie, ohne jeden Kompromiss, er spielte „Karo einfach“ – und das war zweckmäßig und gut.

Michael Mancienne knüpfte an die starke Leistung aus dem Dortmund-Spiel nahtlos an, er hing wie eine Klette an seinen Gegenspielern – er hat seine Chance (durch Brumas Verletzung) genutzt. Stark.

Heiko Westermann war wieder Dreh- und Angelpunkt in der Defensive, er ist aus dieser (nun erfolgreichen) Mannschaft nicht mehr wegzudenken, er ist ein Mann, der stets 100 Prozent gibt – ein Vorbild. Großartig.

Marcell Jansen hat seinen dritten Frühling zufassen. Es ist unfassbar, wie er sich oft mit Haut und Haaren in die Aktionen des Gegners wirft, wie er grätscht, wie er rennt und sprintet. Note zwei.

Milan Badelj ist ein ebenso großer Gewinn wie Adler für den HSV. Ein ganz feiner Fußballer und mit einem guten Auge.

Tolgay Arslan imponiert mir immer mehr – muss ich schon sagen. Wie er seine Defensivarbeiten erledigt, das ist schon spitze. Er hat bewiesen, dass er eine Alternative ist – aber nun kommt ja Petr Jiracek wieder.

Heung Min Son nicht ganz so spektakulär wie gegen Dortmund, dennoch auf dem aufsteigenden Ast. Das war okay.

Rafael van der Vaart war der Regisseur, er bracht Linie und Ordnung in das Spiel seiner Mannschaft – hervorragend.

Ivo Ilicevic scheint zu kommen, er hatte viele gute Szenen, Szenen, die er vor Wochen nie hatte – nun lässt er sich offenbar anstecken und mitreißen – zum Wohle des HSV.

Artjoms Rudnevs überzeugte (bis zur 77. Minute, dann kam Marcus berg für ihn) durch seinen Einsatz und glänzte durch sein Tor. Immer eine Gefahr für das Gladbacher Tor. Jetzt wird er kommen! Und zwar ganz stark.

In der 89. Minute kam Jacopo Sala für van der Vaart, und in der 91. Minute kam Maxi Beister für Ilicevic.

22.08 Uhr

Arslan der Gewinner von Gladbach

25. Februar 2012

Altersmilde? Oder schlicht keine Ahnung (mehr) vom Fußball? Ich frage mich in diesen Tagen tatsächlich, ob es mit dem fortgeschrittenen Alter zusammenhängt, denn: Einige – oder viele – von Euch haben am Freitag ein schlechtes Spiel des HSV in Mönchengladbach gesehen, auch ein schlechtes Spiel der Borussia. Ich aber nicht. Wieso? Ich war auch schon mit der ersten Halbzeit zufrieden, mit der vielen hier nicht einverstanden waren, mit der auch Trainer Thorsten Fink und Sportchef Frank Arnesen nicht so zufrieden waren. Fink hatte ausgemacht: „Im ersten Durchgang waren wir viel zu passiv, wie können viel mehr – und das haben wir in Halbzeit zwei gezeigt.“ Arnesen befand: „Ich bin stolz auf die zweite Halbzeit von uns.“ Und Kapitän Heiko Westermann sagte: „In Halbzeit eins waren wir zu behäbig, dann aber ganz stark, da wäre sogar ein Sieg für uns verdient gewesen.“

Ich aber war schon mit dem ersten Durchgang zufrieden – und will das auch erklären. Die Gladbacher haben in dieser Saison einen unglaublichen Lauf, sie haben daheim und in der Fremde schon so viele Mannschaften vor sich her gespielt, sie haben so manchen Gegner aus dem Stadion geschossen. Davor hatte ich große, große Angst. Aber dem HSV passierte das nicht. Weil der Ball klug gehalten wurde, weil die Räume klug eng gemacht worden sind, weil früh attackiert wurde, weil viel, viel gelaufen wurde, weil alle mit Leidenschaft und dem nötigen Willen bei der Sache waren – weil ganz einfach die Handschrift von Trainer Thorsten Fink zu erkennen war. Natürlich hatte der HSV wieder viel Rückpässe auf Torwart Jaroslav Drobny im Repertoire, aber – und das ist das Wunderbare an diesem Freitag gewesen: Auch die Gladbacher Überflieger spielten immer wieder zu Torwart Ter Stegen zurück. Ich glaube sogar, dass die Borussen in diesen 90 Minuten so oft zurückgespielt haben, wie in der gesamten Saison nicht. Und das ist doch ein dickes Kompliment an den HSV.

Dieser HSV war – nach der 1:3-Niederlage gegen Werder – nicht nach Mönchengladbach gefahren, um den Spitzenklub schwindelig zu spielen. Es ging nur darum, die Borussen nicht zu ihrem Spiel finden zu lassen, und dieses Konzept ist großartig aufgegangen. Dass die „Fohlen“ dennoch die eine oder andere Chance hatten, ist gar nicht zu vermeiden, aber es waren doch nur wenige. Glück hat auf Dauer nur der Tüchtige, und der HSV war an diesem Abend tüchtig. Sehr tüchtig sogar. Auch wenn im ersten Durchgang kaum einmal nach vorne gespielt wurde. Gut Ding will Weile haben. Und Wunder dauern eben auch beim HSV etwas länger. Ich hatte nie geglaubt, dass der HSV diese jungen Himmelsstürmer so gut im Griff haben würde. Aber das hatten sie. Wo war Reus? Und wie schlecht war Hanke – trotz seines Abseitstors? Und – auch wenn es in diesem Zusammenhang unwichtig ist – ich habe mich während des Spiels immer wieder gefragt, ob die Bayern, der große FC Bayern, inzwischen auch altersmilde geworden ist, denn: Wie kann ein Uli Hoeneß tatsächlich an einen Dante denken? Dann könnte er auch Heiko Westermann, Jeffrey Bruma oder Slobodan Rajkovic angreifen, ich war von Dante ebenso enttäuscht wie von Hanke und Reus. Aber das lag doch vor allem am HSV, weil der diese Spieler super beschattete. Man spielt immer nur so gut, wie es der Gegner zulässt, und dieser gute HSV (der in meinen Augen besser war als beim 1:0-Sieg in Köln) ließ eben nicht viel zu.

Wobei ich niemanden, der dem HSV ein schwaches Spiel attestierte, auf meine Seite ziehen will. Jeder soll und darf seine eigene Meinung haben, selbstverständlich, aber ich habe eben auch meine. Und die teile ich Euch mit. Jeder darf natürlich anderer Meinung sein, denn – auch das ist Fußball.

Der HSV blieb mit diesem 1:1 auswärts unter Thorsten Fink weiter ungeschlagen (und ist auch seit dem 10. September 2011 auswärts unbesiegt!). Das ist doch etwas. Ich habe es eben schon geschrieben, ich muss mich aber ausdrücklich auch wiederholen: Ich erkenne eine Handschrift des Trainers. Die Mannschaft spielt immer mehr (natürlich gibt es auch Ausnahmen) das, was der Coach sehen will, was er seinen Spielern mit auf den Rasen gegeben hat. Und das möchte ich ausdrücklich auch einmal loben, Kompliment Herr Fink! Sie haben schon viel aus dem einstigen Abstiegskandidaten HSV gemacht. Und wie toll sah denn am Freitag und am frühen Sonnabend Tabellenplatz acht schon aus!? Super. Herzlichen Glückwunsch, denn ich gehöre zu jenen Pessimisten, die damit gerechnet haben, dass es diese Saison nicht nur ganz eng werden könnte, sondern dass es auch eventuell mal nach unten gehen könnte. Die Situation war schon prekär, und das ist sie jetzt nicht mehr. Weil sich der HSV unter Fink „berappelt“ hat. Oder, Frank Arnesen brachte es in Mönchengladbach auf den Punkt: „Wir haben heute bewiesen, dass wir auswärts mit allen mithalten können.”
Stimmt, Herr Arnesen, stimmt ganz genau. Und eben das hatte ich, das gebe ich zu, vor diesem Spiel (und im Rückblick auf Bremen) in Mönchengladbach stark bezweifelt.

Ohne jeden Zweifel gab es an diesem späten Freitag einen überraschenden Gewinner im HSV-Team: Tolgay Arslan. Der junge Bursche hatte in der Woche gegen Kopenhagen schon sehr schön aufgezogen, und diesmal mischte er wie ein „Alter“ mit. Sehr gut anzusehen. Da kommt einer. Und: Arslan ist nach Jacopo Sala der zweite überraschende (und überzeugende) “Neuzugang” während dieser Saison – ungeahnte Möglichkeiten für Thorsten Fink . . .
Ich hatte das ja schon in der Woche bereits geschrieben (Dienstag), Tolgay Arslan ist bei und mit dem Leihgeschäft in Aachen gereift, er ist klar im Kopf, er weiß nun wie der Hase zu laufen hat – und er richtet sich auch danach. Wie gesagt, er ist der Gewinner.
Und Mladen Petric? Ist er deswegen der Verlierer? Sicher nicht. Aber er wird die Zeichen erkennen. Thorsten Fink hatte in Mönchengladbach gesagt: „Mladen ist leicht angeschlagen, hätte spielen können, wenn Not am Mann gewesen wäre, aber er ist nicht hundertprozentig fit.“ Deswegen Arslan. Und es würde mich nicht wundern, wenn der Deutsch-Türke auch am Sonnabend gegen den VfB Stuttgart in der HSV-Startformation stehen würde. Was nicht automatisch zu bedeuten hätte, dass Petric nicht . . . Aber der Kroate wird eben nur dann spielen, wenn er auch wirklich topfit ist. Und, das ist meine Meinung dazu: Der HSV wäre klug beraten, weiter auf Mladen Petric zu bauen, denn niemand ist vor dem gegnerischen Tor so kaltschnäuzig wie Petric. Seine Treffer werden wir alle noch dringend benötigen – und dann auch entsprechend bejubeln. Was aber dann am Saisonende sein wird, das vermag ich heute noch nicht zu prognostizieren – ich tippe jedoch, dass es eher auf eine Trennung hinauslaufen wird.

So, zum Abschluss dieses spannenden Bundesliga-Sonnabends möchte ich mich auf diesem Wege noch für die vielen Zuschriften bedanken, die ich deshalb erhielt, weil ich von (m)einem Vorspiel vor HSV – Mönchengladbach im Jahre 1965 berichtet hatte. Eine Mail möchte ich exemplarisch herausstellen, sie kam aus dem fernen Ausland. Los geht es – im O-Ton:


Moin Herr Matz.

Ganz wehmuetig wurde mir zumute, als ich (bedingt durch den 7-stuendigen Zeitunterschied, der uns trennt – Hong Kong-Hamburg – ) heute morgen im Blog Ihre Zeilen zu Ihrem ersten Spiel im Volkspark – mit der BU-Jungmann – las. Ich werde den Nachmittag nie wieder vergessen, denn fuer mich war es als 12-jaehriger Buttje das allererste mal, dass ich im Volksparkstadion war. Ich kann mich auch noch gut an das Vorspiel erinnern (sorry, aber wir waren so ungeduldig und wollten, dass das Spiel gegen Gladbach nun endlich los gehen sollte). Mein Kumpel und ich hatten uns auch fuerchterlich HSV-Fan maessig aufgetakelt, mit Fussball-Bildern und HSV Wimpel verzierte Pappmelone auf dem Kopf und ausgeruestet ner Militaertroete aus dem 1. Weltkrieg, die ich auf dem Dachboden meines Grossonkels gefunden hatte.

Wir waren sehr aufgeregt, war es doch das erste Mal, dass wir bei einem Bundesligaspiel live dabei sein durften. Natuerlich in der Westkurve fuer ein paar Mark. Ploetzlich tauchten zwei schon ziemlich angesaeuselte Gladbach-Fans vor uns auf, die sich wohl die falsche Karte gekauft hatten, denn die Gegner
waren ja eigentlich im “Osten”. Die beiden hatten sich ein Plakat aus Pappe gebastelt, mit 3 Tigern drauf (aus der damaligen Esso-Werbung “Pack den Tiger in den Tank”). Unter jedem Tiger stand ein Name, naemlich: Rupp, Netzer und Heynckes. Und dann groehlten die beiden auch immer wieder lauthals: “Rupp, Netzer und Heynckes gehoeren in die Nationalmannschaft!!!” Wir Butjes hatten keine Angst vor den Grossen und fingen an sie zu veraeppeln: “Ihr geht hier heute mit ner 5:0-Packung nach Hause, pass man auf!” Und das war vorm Spiel… Tja, und so kam es dann ja auch. Und mein Kumpel und ich waren maechtig stolz. Die mittlerweile sehr besaeuselten Rupp-Netzer-Heynckes Fans taten uns beinah ein bisschen leid, war doch unsere etwas provokative Voraussage tatsaechlich eingetroffen. Aber immerhin hatten die beiden ja recht behalten: Rupp, Netzer und Heynckes gehoerten dann ja bald zur Nationalmannschaft und waren da nicht mehr wegzudenken.

Ich schreibe Ihnen diese Zeilen aus meiner seit 32 Jahren “neuen” Heimat Hong Kong, wo es mich im zarten Alter von 27 hinverschlagen hat. Bin nach wie vor bei jedem HSV Spiel so aufgeregt wie damals, ob vor dem Fernseher in Hong Kong oder bei Hamburg Besuchen im Volkspark. Und Ihr Blog gehoert jeden Morgen zur Pflichtlektuere, auch wenn ich eher selten (als “hongkichris” – aber noch nicht neu registriert) mal selbst den einen oder anderen kleinen Beitrag geschrieben habe.

Nun wuensche ich mir, dass Sie und Scholle naechste Woche in kurzen Hosen auf dem Dach des Axel Springer Hauses stehen werden, einen Tip (schon gar nicht so einen wie im September 1965) moechte ich aber heute nicht abgeben…

Viele Gruesse aus dem nasskalten Hong Kong

Vielen Dank nach Hong Kong (und an alle anderen User, die mir schrieben) für diese Zeilen aus der Ferne; und ein wunder Punkt ist dabei (für mich) ja die „Kurze-Hosen-Geschichte“ auf dem Dach. Dazu habe ich heuet noch eine Mail bekommen, aus der Schweiz. In Bern wohnt seit Jahrzehnten der frühere St.-Pauli-Kapitän Rolf Höfert, und der ist von Beginn an ein ganz treuer Matz-ab-Fan und –Mitleser. Rolf Höfert ist mein Jahrgang, er spielte in der Jugend bei Paloma, wir also immer gegeneinander, kennen uns also um die 50 Jahre – und der gute Rolf schrieb mir heute: „Moin, mein Dieter, 1:1 in Mönchengladbach ist wie ein Sieg für den HSV, also erwarte ich dich und Scholle in dieser Woche in kurzen Hosen . . .“
Mal sehen.

Noch eine andere Kleinigkeit am Rande:
Am Freitag waren Frau M. und ich bei unserem Matz-ab-Moderator Andre (mein Sohn) zum Kaffeetrinken. Und dabei bemerkten wir, dass aus einem nostalgischen HSV-Becher getrunken wurde – auf dem das gemalte Volksparkstadion zu sehen ist. „Würdest du die für das Museum spenden?“, so fragte ich, und Andre nickte. Spontan rief ich bei Museums-Direktor Dirk Mansen an, fragte ihn, ob er eine solche Tasse bereits habe, er verneinte – und nun wird das gut oder bestens erhaltene Stück in der kommenden Woche in Museum wandern.

Von mir sind bereits zwei Dinge dort zu sehen: Das WM-Endspiel-Trikot von Felix Magath aus dem Jahr 1986 (dem Argentinien-Spiel), das mir der gute Felix einst schenkte, und ein ganz kleines Teil: HSV-Streichhölzer vom HSV-Restaurant Lindenhof in Norderstedt. Und noch ein Teil ging von mir ins Museum: Ein Freund meines Sohnes (Markus F.) brachte mir aus Brasilien einen ganz besonderen Becher mit. Auf dem ist die Mannschaft von Gremio Porto Alegre zu sehen. Und? Was ist das Besondere daran? Man erkennt es erst nach dem vierten oder fünften Hinsehen: der Kapitän der Brasilianer hält einen HSV-Wimpel in der Hand! Das Foto wurde am 11. Dezember 1983 vor dem Weltpokal-Finale aufgenommen, der HSV verlor damals mit 1:2 nach Verlängerung.

Bei der Gelegenheit, das schlug mir Andre vor, stelle ich mal die Frage: Wer von Euch hat ähnliche Stücke aus der ruhmreichen HSV-Vergangenheit (und würde sie dem Museum auch eventuell zur Verfügung stellen – ich würde es vermitteln).

So, nun wünsche ich allen Matz-abbern und Ihren Lieben noch ein schönes Wochenende – ohne zu zittern, wie schön dass der HSV schon gespielt hat (und in Mönchengldabach nicht mehr verlieren kann) . . .

16.52 Uhr

Fink warnt – und Jansen hat sein Glück gefunden

24. November 2011

Ein langer Tag. Mal wieder. Allerdings muss ich zugeben, dass er auch deshalb so lang war, weil schon heute langsam die Vorfreude auf das Spiel in Hannover steigt. Sonnabendabend das Topspiel des Tages in Niedersachsen – dort, wo der HSV in den letzten Jahren fast nie gut aussah. „Wir haben mehrere Negativserien durchbrochen“, freute sich heute auch Trainer Thorsten Fink nach dem ersten Heimsieg der Saison. Allerdings, und das unterstreicht die Ambitionen des neuen HSV-Cheftrainers, warnte er zugleich. Er mahnte sogar zu frühe Zufriedenheit an. „Die Interviews in dieser Woche sind mir alle zu positiv. Wir gehen einen guten Weg. Aber ich verlange, dass wir weitermachen.“ Zwar habe er grundsätzlich Verständnis dafür, dass die Spieler nach dem Sieg etwas gelöster seien. Allerdings dulde er keinen Stillstand. Denn: „Zufriedenheit bedeutet Rück-schritt“, so Fink in seiner betont ernst geführten Pressekonferenz heute.

Und obwohl mir die übermäßige Zufriedenheit bei den Spielern nicht explizit aufgefallen ist, freue ich mich. Ich finde es gut, dass Fink nicht nur in schlechten Phasen auf Optimismus macht, sondern auch in vermeintlich besseren Phasen vor zu früher Zufriedenheit mahnt. Denn genau daran ist der HSV in den letzten Jahren immer wieder gescheitert. Immer dann, wenn die Mannschaft einen ganz großen Sprung machen konnte, vergab sie die Chance. Und das Trainer übergreifend.

Nein, am Wochenanfang hatten wir die Möglichkeit, Thorsten Fink in einem längeren Interview auch zu persönli-chen Dingen zu befragen. Und auch dabei machte der Coach eine gute Figur. Das Ergebnis dürften einige von Euch wahrscheinlich schon in der Print-Ausgabe vom Dienstag oder auch im Internet gelesen haben. Allerdings gab es noch einige Dinge, die das Interview in der zeilenmäßig eingeschränkten Form zwangsläufig nicht komplett transportierte. Denn Fink zeigte sich von seiner sensiblen Seite. Wobei er immer seine bestimmte, klare Art bei-behielt und mit jedem Satz sein Selbstvertrauen und Ehrgeiz präsent war.

Aber er gewann – auf jeden Fall bei mir – mit seiner familiären Art. Wie Fink über seinen Vater sprach, wie er seine Jugend umschrieb, wie er dafür seine Eltern lobte – all das zeigt mir, dass Fink geerdet ist. Egal wie er auch auf die Tonne haut, wenn nur die Hälfte von dem stimmt, was er über seinen Vater gesagt hat, dann wird er niemals zu weit abheben können. Seinem Vater, dem Zechenarbeiter, sei dank.

Ich weiß, das alles bringt zwar noch keine Punkte. Klar! Aber es macht es einfacher, an jemanden zu glauben. Daran, dass den starken Worten auch starke Taten folgen. Wie bei Marcell Jansen zuletzt. Auch der wieder er-starkte, inzwischen sogar wieder torgefährliche Linksfuß war heute auf dem Podium – und um den Blog nicht noch später erscheinen zu lassen, als nötig, stelle ich Euch die Printgeschichte vom Freitag hier rein. Viel Spaß:

Als ihn Horst Köppel das erste Mal 1999 beobachtete, war dem ehemaligen Nationalspieler mit geschultem Trai-nerblick sofort klar, dass hier ein außergewöhnliches Talent vorspielte. Dabei war Köppels erste Begegnung mit Marcell Jansen eher dem Zufall geschuldet: „Eigentlich wollte ich meinem Sohn zugucken, der damals mit Marcell in der B-Jugend von Borussia Mönchengladbach spielte. Aber ich habe sofort gesehen, dass Marcell die weitaus größere Begabung hatte. Er war schnell und körperlich schon sehr gut entwickelt.“
Elf Jahre später sitzt Marcell Jansen, 26, blaue Trainingshose, schwarze Jacke, auf dem Podium im Presseraum der Imtech-Arena. Vor der Tafel mit den Logos der HSV-Sponsoren spricht der Nationalspieler über die Lage des HSV im allgemeinen und seine persönliche Situation im besonderen. Jansen war noch nie jemand, dem man zu solchen Terminen zwingen musste. Reden, das ist ohne Frage einer seiner Stärken – auch in Zeiten, wo es mal nicht so gut läuft. Doch gestern machte Jansen der Auftritt besonderen Spaß. „Ich fühle mich gut. Ich bin wieder voll im Saft“, sagt er, die Hände lässig auf dem Kinn gestützt.
Ein Trainerwechsel, dies ist eines der Naturgesetze der Branche, teilt eine Mannschaft immer in Gewinner und Verlierer. Zu den großen Gewinnern der Ablösung von Michael Oenning und der Verpflichtung von Thorsten Fink zählt ohne Frage Jansen. Unter Oenning bestritt er nur zwei Spiele über 90 Minuten, je zwei Mal wurde er aus- und eingewechselt. Fink machte den Teil-zeitarbeiter wieder zur Stammkraft – Jansen verpasste unter ihm nur fünf von insgesamt 360 Bundesliga-Minuten. Auch im Spiel am Sonnabend (18:30 Uhr) bei Hannover 96 ist er gesetzt. Jansen traf sowohl in Leverkusen (2:2) als auch gegen Hoffenheim (2:0). Damit hat er unter Fink in vier Spielen genauso viele Tore erzielt wie in der insgesamt 14 Monate währenden Ära Vehs und Oennings. Das neue Offensiv-Spielsystem, erklärt Jansen, komme gerade ihm entgegen: „Wir haben mehr Ballbesitz, dadurch werden meine Laufwege kürzer.“
Findet Jansen bei seinem siebten HSV-Trainer – die Interims-Übungsleiter Ricardo Moniz und Rudolfo Cardoso eingerechnet – endlich sein Glück? Nach seinem überraschenden Wechsel für acht Millionen Euro im Sommer 2008 von Bayern München wurde er zwar sofort unter Trainer Martin Jol zur Stammkraft. Doch schon unter Nachfolger Bruno Labbadia holte ihn das Verletzungspech wieder ein. Mit Armin Veh und Michael Oenning geriet er dann auch menschlich aneinander. Beide warfen Jansen mangelnde Einsatzbereitschaft vor. Zu lange habe er wegen eines schnöden Zehbruchs pausiert.
Einen Vorwurf, den Jansen bis heute nicht akzeptiert. Er habe sich sehr wohl gequält, im Sommer sogar auf eigene Kosten einen Fitness-Trainer in den USA engagiert: „Das war mein Vor-Vorbereitungslager“, sagt er. Auch Horst Köppel, der ihn in seiner Trainerzeit bei Borussia Mönchengladbach zum etablierten Stammkraft machte, hat Jansen nur positiv in Erinnerung: „Bei mir hat er sogar Sonderschichten mit dem Co-Trainer eingelegt, um seinen Antritt zu verbessern.“
Womöglich braucht Jansen auch schlicht einen Trainer wie Thorsten Fink. „Er ist ein positiver Typ“, sagt Jansen. Ohne Frage ticken die beiden ähnlich: Selbstbewusst, eloquent, clever. Jansen baut sich schon jetzt ein zweites berufliches Standbein auf. Bereits vor fünf Jahren gründete er die Agentur „MJ GmbH“. Eines der großen Projekte ist das Online-Poker-Portal „v-i-poker.de“, wo man gegen Prominente antreten kann. Die Poker-VIPs akquiriert Jansen im Kollegenkreis: Virtuell werben auf der Seite Nationalspieler wie Mesut Özil oder Lukas Podolski. Zu gewinnen gibt es signierte T-Shirts von der WM 2010.
Noch fehlt das aktuelle EM-Trikot. Kein Wunder, Jansen bestritt sein letztes Länderspiel vor über einem Jahr beim 1:0-Sieg am 3. September 2010 in Brüssel gegen Belgien. 36 Länderspiele sind eher enttäuschend für einen Mann, der mit 20 als eines der größten Hoffnungen im deutschen Fußball galt – inklusive Werbevertrag als Nutella-Boy. Aber Jansen glaubt weiter an seine Chance: „Ich habe die Teilnahme an der EM 2012 noch nicht abge-schrieben. Auch bei der WM 2010 bin ich ja noch im letzten Moment auf den WM-Zug aufgesprungen.“ Positiv denken konnte Jansen schließlich schon immer.

In diesem Sinne, hoffen wir, dass Fink und Jansen den bisher eingeschlagenen Weg weitergehen. Spaß macht der mir jetzt schon.

Euch allen – nein, uns allen eine gute Nacht! Bis morgen, dann wieder zu 100 Prozent für den Blog unterwegs,

Scholle

P.S.: Mladen Petric konnte wegen seiner Wadenprobleme auch heute nicht trainieren. „Mladen wird in Hannover voraussichtlich noch nicht dabei sein können“, so Trainer Thorsten Fink heute.

0:1 – schlimmer geht es nimmer!

17. September 2011

Noch hat der HSV 28 Spiele auf der Uhr. 28 Spiele, in denen er noch die Wende schaffen kann. Und ich bin ganz sicher, dass die HSV-Verantwortlichen die Ruhe bewahren – und alles auf die nächsten 28 Spiele setzen werden. Was bleibt ihnen denn auch sonst? Nach dieser erneuten Pleite, dem 0:1 gegen Mönchengladbach, kann selbst ein Dino die Liga nicht einstellen oder freiwillig abschenken, der HSV muss da durch. Wie auch immer. Und: Auch wenn der eine oder andere Hamburger nicht mit dem ersten Abstieg aus der Bundesliga in Verbindung gebracht werden möchte, das sind nur kluge und fromme Sprüche. Die Mannschaft hat es zu richten, und diese Mannschaft ist ganz einfach nicht dazu in der Lage. Es muss jetzt schon ein Wunder geschehen, wenn dieser HSV in der nächsten Zeit einmal einen Sieg erringen will – so erschütternd harmlos, wie es diesmal gegen Mönchengladbach versucht wurde, geht es mit Sicherheit nicht einmal in Liga zwei.

Es war übrigens das 14. Bundesliga-Spiel von Trainer Michael Oenning für den HSV, die Bilanz wird nicht besser, er hat nur eine Partie gewonnen – die erste, ein 6:2 gegen Köln. Lang, lang ist es her.

Und, ich wurde jetzt schon wieder mehrfach gefragt: Wann gibt es den Trainerwechsel? Ich kann da nur sagen, was ich schon zu Beginn der Woche bei HH1 gesagt habe: Es geht hier nicht um Oenning, es geht nicht um Carl-Edgar Jarchow, es geht hier erst recht nicht um mich, es geht um den HSV. Und wenn sich nicht alle daran versündigen wollen, dann geben sie nun Gas. Jeder auf seiner Position. Jeder.
Dem Assistenten an der Linie ging die Fahne kaputt. Das war in der 31. Minute. Und es war ein kleiner Höhepunkt dieser an Höhepunkten armen ersten Halbzeit. Ein Torwart musste keinen Ball halten, ein anderer Keeper durfte einmal einen Ball fangen. Immerhin. Ansonsten wurden sie nie unter Beschuss genommen. Der HSV schaffte es in 45 Minuten einmal, den Ball so richtig herzhaft Richtung Borussen-Tor zu „ballern“, das war in der 21. Minute. Tomas Rincon wollte sein erstes Bundesliga-Tor schießen, drosch den Ball aber aus 20 Metern ungefähr 14 Meter am Tor vorbei. Immerhin, es war ein Versuch. Die anderen Hamburger versuchten es dagegen aus dem Spiel heraus nicht einmal im ersten Durchgang. Mladen Petric schoss einen Freistoß auf das Tor, aus 25 Metern, halbrechte Position – genau in die Arme von Torwart Marc-Andre ter Stegen.
Und, was viel erfreulich war: Der Assistent hatte tatsächlich eine Ersatzfahne dabei, es konnte also weitergehen mit diesem Spiel.

„Wann beginnt das Hauptspiel?“, fragte ein Zuschauer auf der Tribüne. Welches Hauptspiel? Angst fressen Leidenschaft auf – unter diesem Motto trug der HSV sein Offensivspiel vor. Halt, war das ein Offensivspiel? Ich habe nichts davon erkannt. Und ich lege mich mal fest: Der arme, arme Mladen Petric tut mir wirklich von Herzen leid. Da kann auf ihn geschimpft und gemeckert werden, wie alle es auch diesmal wieder wollen, aber der Kroaten hängt doch nur in der Luft. Allein gegen Gladbach. Bekommt Petric mal Unterstützung? Ich habe nichts gesehen. Null.

Es ist erschütternd anzusehen, wie sich der HSV müht, nach vorne zu spielen – aber es gelingt einfach nicht. Als um 16.09 Uhr an der Anzeigentafel erschien, dass der HSV 60 Prozent Ballbesitz bislang hatte, die ging ein Raunen durch die Arena. 60 Prozent Ballbesitz bedeuten, glaube ich, am Ende der 90 Minuten keine drei Punkte. Ich kann mich da täuschen, aber es stimmt wohl wirklich. 60 Prozent Ballbesitz ist so viel wie – nichts. Und die 60 Prozent Ballbesitz schafft der HSV auch nur deswegen, weil jeder zweite Ball immer zurück gespielt wird. Allerhöchstens quer. Weltmeister des Rückpasses war an diesem Nachmittag Michael Mancienne. Gefühlt 90 Prozent seiner Pässe gehen zurück.

Und wenn nicht zurück, dann war es Zufall. Mein Gott, was baut dieser HSV alles auf Zufall auf? Nimm du die Kirsche, ich hole Verpflegung. Die Mannschaft ist total, natürlich, verunsichert, da hat niemand mehr Selbstvertrauen, nicht einen Funken Selbstvertrauen. Woher auch? Ich habe immer an eine Bemerkung von Sportchef Frank Arnesen gedacht, den dieser während der Woche gesagt hatte: „Wir hatten die älteste Mannschaft der Welt, es liefen viele Verträge aus, zudem ist die finanzielle Situation sehr angespannt.“ Letzteres will ich nicht wieder „hochsterilisieren“, wie es unser Bruno sagen würde, aber ich würde gerne auf die „älteste Mannschaft der Welt“ eingehen. So spielt diese junge, stark verjüngte HSV-Mannschaft nämlich auch. Ich habe das Gefühl, dass kein anderes (deutsches) Bundesliga-Team langsamer aufbaut, als dieser HSV. Schneckentempo ist das. Wahnsinn. Das ist echt nur Wahnsinn.

Laufen, rennen, kämpfen, kloppen, Einsatz zeigen bis zum Letzten – Gras fressen. Jawoll, Gras fressen! So hatte ich mir den HSV vorgestellt. So spielen sie eigentlich alle, die im Abstiegskampf stehen. Aber in Halbzeit eins war das wie in einem Freundschaftsspiel gegen den SC Concordia: „Tu du mir nicht weh, dann tu ich dir auch nicht weh.“ Das ist wie beim Hallen-Halma. Gepaart mit einem Hauch von Billard. Wie mitunter die Kugel von Mann zu Mann und von Freund zu Gegner und zurück prallte, das hatte schon Urkomisches. Auf jeden Fall hatte das nicht viel mit Erstliga-Niveau zu tun.
Das ist ein fußballerischer Offenbarungseid.

Nach den Einwechslungen von Gökhan Töre und Heung Min Son kam der HSV wenigstens etwas auf Touren, war so etwas wie Leben in der Bude zu erkennen, aber das Tor fiel auf der Gegenseite. Nach einem lange Freistoß von Arango, ungefähr 15 Meter von der Mittellinie entfernt, köpfte de Camargo ein. Weil Son hinter ihm stand, und der davor stehende Slobodan Rajkovic (nicht Robert Tesche, wie ich erst gesehen haben wollte und geschrieben habe) wohl retten wollte, es aber nicht vermochte. Das achte Gegentor nach einer Standardsituation gegen den HSV – das achte! Es war, das stellte Michael Oenning später klar, ein Fehler von Rajkovic – und nicht von Son.

Danach rettete Jaroslav Drobny vor dem totalen Desaster, denn er hielt glänzend, nein, sensationell gegen Reus (68.) und gegen Arango (77.).

Der HSV reklamierte zwar noch einen Handelfmeter für sich, als Tesche köpfte und Daems mit dem Arm abwehrte, aber Schiedsrichter Sippel pfiff nicht. Weil zuvor schon Per Cljan Skjelbred den Gladbacher Reus, als der köpfen wollte, recht unsanft im HSV-Strafraum nach vorne befördert hatte?

Gut beim HSV? Die Nummer 23. Die war früher schon immer gut. Slobodan Rajkovic macht seinen Job sehr gut, er ist damit ein Vorbild für alle. Gut auch, mit einigen ganz kleinen Aussetzern, Kapitän Heiko Westermann. Defensiv stand auch Mancienne stabil, er machte nur nach vorne nichts. Dennis Aogo war besser als zuletzt, aber immer noch nicht in jener Verfassung, in der er einst in die Nationalmannschaft kam.

Fast gut diesmal Drobny. Er hielt, was er halten konnte. Dass er fußballerisch eher nicht viel drauf hat, das durfte er einige Mal unter Beweis stellen – und er tat es dann auch. Obwohl es alles gut ging. Wie er allerdings in der Nachspielzeit einen Abstoß ins Seitenaus beförderte, das hatte schon etwas von Slapstick . . .

Der Wahnsinn ist halt überall.

Und warum Robert Tesche (immer nur ein Tempo) in der Startelf steht – ich weiß es nicht. Rechts draußen sollte David Jarolim spielen, ein Witz. Aber gut, es war ein Versuch, und der wurde in der 69. Minute abgebrochen. „Jaro“, das muss auch gesagt werden, war nicht gut. Aber was sollte er da rechts draußen? So nahm sich der HSV die Möglichkeit, über rechts schnelle Angriffe vorzutragen, das passierte rechts nämlich nie. Und links? Marcell Jansen ist ein Schatten seiner selbst. Grausam, den „Verfall“ eines so begabten Spielers mitansehen zu müssen. Warum?

Hoffentlich trainiert der eine oder andere HSV-Spieler, der glaubt, es nötig zu haben, an diesem Montag einmal FREIWILLIG. Hoffentlich. Nötig hätten es einige.

Skjelbred im zentralen Mittelfeld – fast ein Totalausfall, obwohl er sich immer bemühte. Er bekam nur nichts auf die Reihe. Rinoch sollte beißen, das tat er zwar teilweise, aber auch nicht so, wie zu seinen besten HSV-Zeiten. Wie bei allen, fehlt überall etwas. So wie bei Petric vorne, den ich aber ausnehmen möchte – denn wo ist beim HSV vorne? Das weiß von dieser Mannschaft niemand . . .

Und nun geht es nach Stuttgart. Grausam.

PS: Ich konnte lange nicht senden, aber so etwas kommt an einem solchen Tag dann noch obendrein dazu. . . .

Noch ein PS: Köln gewinnt in Leverkusen 4:1. In Leverkusen. Dabei hatte ich es kürzlich noch gewagt, den HSV mit dem “blinden” 1. FC Köln auf eine Stufe zu stellen – es tut mir wahnsinnig (!) leid.

17.41 Uhr

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