1:0-Sieg – “Europapokal, Europapokal . . .”
16. Februar 2013
Der HSV ist auf dem Weg zur Spitze. Noch nicht ganz nach oben, aber es geht deutlich aufwärts. Mit 1:0 wurde Borussia Mönchengladbach vor 54 558 Zuschauern im Volkspark besiegt, der Sieg war verdient, wenn auch nicht immer souverän herausgespielt – aber es wurde diszipliniert und konzentriert agiert. Endlich aber gab es mal wieder zwei HSV-Siege in Folge, sodass der Anhang jetzt auf jeden Fall träumen darf. 1:0-Sieg sind die schönsten, so heißt es ja im Fußball, aber dieser war schwer erkämpft, denn die Borussia gab trotz des Donnertags-Spiels in der Europa League auch gegen Ende noch mächtig Gas. „Europapokal, Europapokal . . .“ sangen die HSV-Fans im Norden ausgelassen, aber bis dahin dürfte es noch ein ziemlich dornenreicher Weg sein. Immerhin aber ist er im Jahre 2013 möglich, und wer hätte das schon zu Beginn dieser Saison für möglich gehalten? Nach dem Schlusspfiff kochte es im Norden, denn Hamburg wittert seine Chance.
Beifall zur Pause. Da hieß es durch ein Zauber-Tor von Rafael van der Vaart verdient 1:0. Der HSV war, wie schon zuletzt in Dortmund, gut aus den Startlöchern gekommen, die Mannschaft wirkte entschlossen, alle Spieler waren in Bewegung und zeigten Biss. Und Mönchengladbach war die erwartet harte Nuss, von Europa League am Donnerstag war nicht viel zu sehen. Es ging munter hin und her, ohne viele Höhepunkte zu bieten, Torchancen blieben Mangelware. Ein „Tor des Monats“ aber entschädigte für entgangene Torraumszenen: In der 24. Minute bediente Artjoms Rudnevs van der Vaart, und der zog aus 28 Metern beherzt ab. Was für ein Schuss! In den oberen linken Winkel – und im Volkspark war der Teufel los. Ein echter Hammer! Bis auf Torwart Jaroslav Drobny kam die Mannschaft zum Gratulieren. Und Lotto King Karl befand über Mikrofon: „Wie lange habe ich darauf gewartet . . .“ Nicht nur Du, lieber Lotto. Vier alle. Und der „kleine Engel“ ganz besonders. Er rastete fast aus. Zumal er, Glückwunsch den Kollegen, in der Bild von heute angekündigt hatte, dass er gegen Gladbach ein Tor machen würde. Hat super geklappt. Und dann ein solcher Strich, Hut ab!
Der HSV war dieses eine Tor auch unter dem Strich besser. Vornehmlich über die linke Seite, wo sich Marcell Jansen und Dennis Aogo ein weiteres Mal sehr gut ergänzten und verstanden, wurden die Angriffe nach vorne getragen. Das ist in zwischen eine großartige „Waffe“ des HSV geworden. Dazu bewegten sich beide Spitzen wieder viel und gut, „Rudi“ Rudnevs ging im wahrsten Sinne dorthin, wo es wehtat, und auch Heung Min Son ging keinem Zweikampf aus dem Weg. Zudem scheint er auch in Sachen Kopfbällen gelernt zu haben, hat er sie frühere gelegentlich verweigert, so geht er jetzt fast immer entschlossen in den Luftkampf. England lässt grüßen, denn da ist so etwas auf jeden Fall immer gefragt.
Die Abwehr wirkte nicht immer unbedingt sattelfest, ließ aber nichts anbrennen. Wenn es darauf ankam, war jeder Spieler Herr der Lage. Und am Rande stand Trainer Thorsten Fink total unter Strom und trieb seine Mannen pausenlos an. Fink brannte wie jeder seiner Spieler. Das Motto des Trainers lautete wohl: „Egal wie, aber diesmal ist endlich mal wieder ein zweiter Sieg in Folge fällig.“
In die zweite Hälfte startete der HSV wiederum entschlossen, aber die richtig große Torgefahr blieb aus. In der 51. Minute hätte, nach einem Freistoß von van der Vaart, fast der am langen Eck stehende Slobodan Rajkovic ein Tor erzielt, aber der Serbe war zu überrascht, als ihm der Ball vor die Füße fiel. Aber das wäre ein Ding gewesen, wenn er bei seinem Comeback (von Anfang an) auch noch ein Tor geschossen hätte.
Gegen Mitte der zweiten Halbzeit kam dann Mönchengladbach – mit Macht. Es brannte einige Male – vor dem HSV-Strafraum, aber es passierte nichts. Aber wer hatte hier am späten Donnerstag noch gespielt? Zum Glück ging alles gut. Endlich einmal wieder zwei HSV-Siege in Folge.
Die Einzelkritik:
Jaroslav Drobny hatte eigentlich nur Fußarbeit zu leisten, denn es kam so gut wie kaum etwas auf das Tor. Wirkte ruhig (obwohl er sicherlich schwer angespannt war) und souverän, hielt in der Schlussphase dann auch noch einige gute Sachen.
Dennis Diekmeier ist seit Wochen konstant in guter Form, das bewies er auch diesmal. Einige sehr gute Vorstöße (und Flanken) unterstrichen diese gute Vorstellung.
Slobodan Rajkovic wirkte oft wie ein „Zitter-Fuß“. Diesen Ausdruck hat „Scholle“ der neben mir saß, erfunden. Weil „Slobo“ natürlich nervös war, wie er vorher zugab, auch „unter Druck“ stand. Dennoch, auch wenn es oft so aussah, als würde ihm diese Aktion nicht gelingen – sie gelang ihm. Und er rettete einige Male in allerhöchster Not und bewahrte so seine Mannschaft vor einem Gladbacher Tor. Hatte allerdings Glück, als er in der 77. Minute am Ball vorbeitrat – und der einschussbereite Hanke dadurch getäuscht wurde. Note zwei.
Heiko Westermann war ein kleiner Unsicherheitsfaktor in der HSV-Defensive, warum auch immer. Er hatte keine ganz großen Klöpse auf Lager, aber die ganz kleinen (Klöpse) reichen auch schon, dass man ins Zittern gerät. Warum nur? Er kann es doch. Und er hat trotz allem auch einige Lücken gestopft. Das muss er souveräner lösen. Dennoch, das muss festgehalten werden, er ist dann zur Stelle, wenn er gebraucht wird. Eine Bank auch in Sachen Kopfballabwehr.
Marcell Jansen begann in einigen Szenen sehr lässig, zu lässig. Hundertprozentiger Biss, so wie in Dortmund, steht ihm besser. Steigerte sich aber stetig und rettete in der 66. Minute mit einer herrlichen Flugeinlage im Fünfmeterraum.
Milan Badelj stellte sich besser als vor seiner Gelb-Sperre vor, aber noch ist nicht alles so, wie es mal war. Er war aber immer bemüht, Linie in sein Spiel zu bekommen – und damit auch in das Spiel des HSV. Lief unermüdlich.
Per Ciljan Skjelbred war eine große Stütze, war vielleicht sogar der beste Hamburger. Immer in Bewegung, gute Ideen, half den Nebenleuten – das war eine Klasse-Leistung.
Dennis Aogo war wieder der VW des HSV, stand zweimal sogar vor einem Tor – einmal hätte es Elfmeter für ihn geben können. Note drei.
Rafael van der Vaart spielte von Beginn an „griffig“, lief viel – er wollte es diesmal allen zeigen; und zeigte es allen. Baute im zweiten Durchgang aber stetig ab und war gegen Ende kaum noch zu sehen.
Heung Min Son blieb diesmal glücklos, konnte sich kaum einmal vielversprechend in Szene setzten. Nicht schlecht, aber auch nicht so gut, wie zuletzt, aber das geht ja auch nicht immer.
Artjoms Rudnevs steckte viel ein, kam immer wieder, ließ sich nie entmutigen – so ist der gute „Rudi“. Auch ohne Tor immer ein Pluspunkt.
Tolgay Arslan (kam in der 75. Min. für Skjelbred) spielte mit und machte noch einige gute Sachen, die der Mannschaft halfen.
Maximilian Beister (kam in der 75. Min. für Son) konnte in den 15 Minuten keine offensive Szene mehr setzen. Aber er war dabei und kämpfte großartig mit.
Marcus Berg (kam in der 88. Minute für van der Vaart) kam und kassierte noch die Siegprämie ein.
Gleich wollen wir mit „Matz ab live“ auf Sendung sein, „Scholle“ und ich erwarten HSV-Nachwuchs-Chef Bastian Reinhardt sowie den „Matz-abber“ „JU aus Q“. Wir würden uns freuen, wenn ihr dabei sein würdet.
17.26 Uhr