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1:0-Sieg – “Europapokal, Europapokal . . .”

16. Februar 2013

Der HSV ist auf dem Weg zur Spitze. Noch nicht ganz nach oben, aber es geht deutlich aufwärts. Mit 1:0 wurde Borussia Mönchengladbach vor 54 558 Zuschauern im Volkspark besiegt, der Sieg war verdient, wenn auch nicht immer souverän herausgespielt – aber es wurde diszipliniert und konzentriert agiert. Endlich aber gab es mal wieder zwei HSV-Siege in Folge, sodass der Anhang jetzt auf jeden Fall träumen darf. 1:0-Sieg sind die schönsten, so heißt es ja im Fußball, aber dieser war schwer erkämpft, denn die Borussia gab trotz des Donnertags-Spiels in der Europa League auch gegen Ende noch mächtig Gas. „Europapokal, Europapokal . . .“ sangen die HSV-Fans im Norden ausgelassen, aber bis dahin dürfte es noch ein ziemlich dornenreicher Weg sein. Immerhin aber ist er im Jahre 2013 möglich, und wer hätte das schon zu Beginn dieser Saison für möglich gehalten? Nach dem Schlusspfiff kochte es im Norden, denn Hamburg wittert seine Chance.

Beifall zur Pause. Da hieß es durch ein Zauber-Tor von Rafael van der Vaart verdient 1:0. Der HSV war, wie schon zuletzt in Dortmund, gut aus den Startlöchern gekommen, die Mannschaft wirkte entschlossen, alle Spieler waren in Bewegung und zeigten Biss. Und Mönchengladbach war die erwartet harte Nuss, von Europa League am Donnerstag war nicht viel zu sehen. Es ging munter hin und her, ohne viele Höhepunkte zu bieten, Torchancen blieben Mangelware. Ein „Tor des Monats“ aber entschädigte für entgangene Torraumszenen: In der 24. Minute bediente Artjoms Rudnevs van der Vaart, und der zog aus 28 Metern beherzt ab. Was für ein Schuss! In den oberen linken Winkel – und im Volkspark war der Teufel los. Ein echter Hammer! Bis auf Torwart Jaroslav Drobny kam die Mannschaft zum Gratulieren. Und Lotto King Karl befand über Mikrofon: „Wie lange habe ich darauf gewartet . . .“ Nicht nur Du, lieber Lotto. Vier alle. Und der „kleine Engel“ ganz besonders. Er rastete fast aus. Zumal er, Glückwunsch den Kollegen, in der Bild von heute angekündigt hatte, dass er gegen Gladbach ein Tor machen würde. Hat super geklappt. Und dann ein solcher Strich, Hut ab!

Der HSV war dieses eine Tor auch unter dem Strich besser. Vornehmlich über die linke Seite, wo sich Marcell Jansen und Dennis Aogo ein weiteres Mal sehr gut ergänzten und verstanden, wurden die Angriffe nach vorne getragen. Das ist in zwischen eine großartige „Waffe“ des HSV geworden. Dazu bewegten sich beide Spitzen wieder viel und gut, „Rudi“ Rudnevs ging im wahrsten Sinne dorthin, wo es wehtat, und auch Heung Min Son ging keinem Zweikampf aus dem Weg. Zudem scheint er auch in Sachen Kopfbällen gelernt zu haben, hat er sie frühere gelegentlich verweigert, so geht er jetzt fast immer entschlossen in den Luftkampf. England lässt grüßen, denn da ist so etwas auf jeden Fall immer gefragt.

Die Abwehr wirkte nicht immer unbedingt sattelfest, ließ aber nichts anbrennen. Wenn es darauf ankam, war jeder Spieler Herr der Lage. Und am Rande stand Trainer Thorsten Fink total unter Strom und trieb seine Mannen pausenlos an. Fink brannte wie jeder seiner Spieler. Das Motto des Trainers lautete wohl: „Egal wie, aber diesmal ist endlich mal wieder ein zweiter Sieg in Folge fällig.“

In die zweite Hälfte startete der HSV wiederum entschlossen, aber die richtig große Torgefahr blieb aus. In der 51. Minute hätte, nach einem Freistoß von van der Vaart, fast der am langen Eck stehende Slobodan Rajkovic ein Tor erzielt, aber der Serbe war zu überrascht, als ihm der Ball vor die Füße fiel. Aber das wäre ein Ding gewesen, wenn er bei seinem Comeback (von Anfang an) auch noch ein Tor geschossen hätte.

Gegen Mitte der zweiten Halbzeit kam dann Mönchengladbach – mit Macht. Es brannte einige Male – vor dem HSV-Strafraum, aber es passierte nichts. Aber wer hatte hier am späten Donnerstag noch gespielt? Zum Glück ging alles gut. Endlich einmal wieder zwei HSV-Siege in Folge.

Die Einzelkritik:

Jaroslav Drobny hatte eigentlich nur Fußarbeit zu leisten, denn es kam so gut wie kaum etwas auf das Tor. Wirkte ruhig (obwohl er sicherlich schwer angespannt war) und souverän, hielt in der Schlussphase dann auch noch einige gute Sachen.

Dennis Diekmeier ist seit Wochen konstant in guter Form, das bewies er auch diesmal. Einige sehr gute Vorstöße (und Flanken) unterstrichen diese gute Vorstellung.

Slobodan Rajkovic wirkte oft wie ein „Zitter-Fuß“. Diesen Ausdruck hat „Scholle“ der neben mir saß, erfunden. Weil „Slobo“ natürlich nervös war, wie er vorher zugab, auch „unter Druck“ stand. Dennoch, auch wenn es oft so aussah, als würde ihm diese Aktion nicht gelingen – sie gelang ihm. Und er rettete einige Male in allerhöchster Not und bewahrte so seine Mannschaft vor einem Gladbacher Tor. Hatte allerdings Glück, als er in der 77. Minute am Ball vorbeitrat – und der einschussbereite Hanke dadurch getäuscht wurde. Note zwei.

Heiko Westermann war ein kleiner Unsicherheitsfaktor in der HSV-Defensive, warum auch immer. Er hatte keine ganz großen Klöpse auf Lager, aber die ganz kleinen (Klöpse) reichen auch schon, dass man ins Zittern gerät. Warum nur? Er kann es doch. Und er hat trotz allem auch einige Lücken gestopft. Das muss er souveräner lösen. Dennoch, das muss festgehalten werden, er ist dann zur Stelle, wenn er gebraucht wird. Eine Bank auch in Sachen Kopfballabwehr.

Marcell Jansen begann in einigen Szenen sehr lässig, zu lässig. Hundertprozentiger Biss, so wie in Dortmund, steht ihm besser. Steigerte sich aber stetig und rettete in der 66. Minute mit einer herrlichen Flugeinlage im Fünfmeterraum.

Milan Badelj stellte sich besser als vor seiner Gelb-Sperre vor, aber noch ist nicht alles so, wie es mal war. Er war aber immer bemüht, Linie in sein Spiel zu bekommen – und damit auch in das Spiel des HSV. Lief unermüdlich.

Per Ciljan Skjelbred war eine große Stütze, war vielleicht sogar der beste Hamburger. Immer in Bewegung, gute Ideen, half den Nebenleuten – das war eine Klasse-Leistung.

Dennis Aogo war wieder der VW des HSV, stand zweimal sogar vor einem Tor – einmal hätte es Elfmeter für ihn geben können. Note drei.

Rafael van der Vaart spielte von Beginn an „griffig“, lief viel – er wollte es diesmal allen zeigen; und zeigte es allen. Baute im zweiten Durchgang aber stetig ab und war gegen Ende kaum noch zu sehen.

Heung Min Son blieb diesmal glücklos, konnte sich kaum einmal vielversprechend in Szene setzten. Nicht schlecht, aber auch nicht so gut, wie zuletzt, aber das geht ja auch nicht immer.

Artjoms Rudnevs steckte viel ein, kam immer wieder, ließ sich nie entmutigen – so ist der gute „Rudi“. Auch ohne Tor immer ein Pluspunkt.

Tolgay Arslan (kam in der 75. Min. für Skjelbred) spielte mit und machte noch einige gute Sachen, die der Mannschaft halfen.

Maximilian Beister (kam in der 75. Min. für Son) konnte in den 15 Minuten keine offensive Szene mehr setzen. Aber er war dabei und kämpfte großartig mit.

Marcus Berg (kam in der 88. Minute für van der Vaart) kam und kassierte noch die Siegprämie ein.

Gleich wollen wir mit „Matz ab live“ auf Sendung sein, „Scholle“ und ich erwarten HSV-Nachwuchs-Chef Bastian Reinhardt sowie den „Matz-abber“ „JU aus Q“. Wir würden uns freuen, wenn ihr dabei sein würdet.

17.26 Uhr

Vater Son – blitzschnell im Dienste des HSV

14. Februar 2013

Natürlich ist Jaroslav Drobny ein erstklassiger Torwart. Keine Frage. Und dennoch ist die Tatsache, dass Rene Adler dem HSV am Sonnabend im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach erstmals fehlen wird, eine Hiobsbotschaft für mich. Denn Adler ist Adler. Dieser Mann hat dem HSV in der Hinrunde so manches Spiel und viele Punkte gerettet. Deswegen ist dieser Ausfall ein herber Verlust. In meinen Augen jedenfalls. Eine Bauchmuskelzerrung verhindert den Einsatz von Rene Adler – für dieses Spiel. Trainer Thorsten Fink geht aber davon aus („sehr wahrscheinlich“), dass der Nationaltorwart zum Auswärtsspiel in einer Woche, bei Hannover 96, wieder fit sein wird. Hoffen wir das Beste.

„Auf Dauer, das wissen wir, ist Rene Adler ein ganz guter und wichtiger Mann für uns, aber Drobny hat gezeigt, dass er ein guter Torwart ist, dass er viel Erfahrung hat, und er ist keiner, der noch großartig zittert, er hat gute Nerven. Und ich traue ihm zu, dass er eine Top-Leistung am Wochenende bringen wird.“ Zu Adler befand der Trainer: „Damit, dass er nun ein Spiel aussetzen wird, wollen wir vermeiden, dass er uns länger ausfallen könnte.“


Jaroslav Drobny hatte heute im Trainingsspielchen zwei Szenen, die besonders waren. Erst brachte er den frei vor ihm auftauchenden Heung Min Son mit einem „Köllerbacher“ zu Fall – und es gab Elfmeter. Den übernahm Rafael van der Vaart – und Drobny hielt. Ein gutes Omen für Sonnabend? Fink über den Ersatzkeeper: „Drobo hat sich voll in den Dienst der Mannschaft gestellt, hat Rene unterstützt und geholfen, hat seine Rolle akzeptiert, er identifiziert sich mit dem Verein, mit der Stadt – er würde wohl auch gerne hier bleiben. Er fühlt sich wohl und ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Mannschaft. Er zeigt im Training immer vollen Einsatz – er ist ein fantastischer Junge.“

So kann man es ausdrucken. Aber auch so. So wie Marcell Jansen, der scherzhaft sagte: „Drobo ist ein bekloppter Tscheche, ein richtig guter Typ – das passt voll mit ihm. Er ist positiv bekloppt, und er ist in der Mannschaft voll akzeptiert, weil er immer nur gute Laune hat.“ Davon war im heutigen Tarining allerdings nicht so viel zu sehen, da wirkte der Torhüter doch schon ein wenig angespannter als sonst.

Apropos Training – und apropos Heung Min Son. Da gab es heute noch eine absolute besondere Szene während des Trainings: Am Rande stand, wie jeden Tag, Sons Vater. Als Nachwuchsmann Valmir Nafiu das Kunststück fertig brachte, den Ball gleich über zwei Zäune zu schießen, flog die Kugel in die Hände junger HSV-Fans, die vor der Arena standen. Plötzlich setzte Vater Son zum Spurt an. Das waren bestimmt 50 bis 60 Meter. Der Ball sollte nicht – zappzarapp – verschwinden. Inzwischen hatten die Knaben, die den Ball gefangen hatten, einem Erwachsenen gegeben, und als Sons Vater an Ort und Stelle war, wartete er geduldig darauf, dass dieser Erwachsene die Kugel auch dem HSV wieder zuführen würde. Erst als das geschah, drehte Vater Son zufrieden um und ging. Sicher ist sicher, ein solcher Ball ist teuer – eine bemerkenswerte Szene! Wer macht so etwas sonst schon? Großartig.

Durch den (Zwangs-)Wechsel auf der Torwart-Position kommt es damit auf jeden Fall zu zwei Änderungen im HSV-Team, denn für Tomas Rincon, der zuletzt auf der „Sechs“ abräumte“, wird Milan Badelj wieder in die Mannschaft kommen. „Etwas anderes war für mich nie ein Thema. Badelj ist für mich ein wichtiger Mann im Mittelfeld, wenn wir das Spiel machen müssen ohnehin. Es wird immer mal andere Spiele geben, wo wir den Tomas brauchen, so wie gegen Bayern München, aber im Moment möchte ich nicht dauernd die Mannschaft ändern. Von daher bleibt es jetzt erst einmal so, wie ich gesagt habe“, sagt Thorsten Fink.

Über den kommenden Gegner sagt Thorsten Fink: „Gladbach ist ein anderer Gegner. Dortmund haben wir überraschen können, aber das war auswärts, ich denke, das können wir mit Gladbach jetzt nicht. Ich glaube nicht, dass wir diesen Gegner genau so bespielen können, wie den BVB – das geht nicht, ganz klar. Ein solches Spiel wie in Dortmund macht man auch nicht alle Tage, es wird gegen Mönchengladbach ein ganz heißes Spiel geben. Sie spielen schnell, können gut kontern, können auch das Spiel machen – aber wenn wir Geduld haben, wenn jeder mit Spaß und voller Selbstbewusstsein ins Spiel geht, dann haben wir ganz gute Karten, das Spiel zu gewinnen. Wir müssen rausgehen und von Anfang zeigen, dass wir dieses Spiel gewinnen wollen.“

Das will wohl auch die Mannschaft zeigen. Erneut zeigen. Wie in Dortmund, als das HSV-Team von der ersten Sekunde an „brannte“. Damit war nicht nur Dortmund überrascht, sondern auch die ganze deutsche Fußball-Nation – und vor allem den HSV-Anhang. Marcell Jansen: „Jetzt reden alle vom Nachlegen, Nachlegen, Nachlegen, aber die Gladbacher haben auch eine gute Mannschaft, die gerade auswärts taktisch sehr gut spielt. Darauf müssen wir uns vorbereiten, aber wenn wir wieder Mut mit reinbringen, wenn wir unsere Stärken ausspielen, dann werden wir am Ende der Saison viel mehr positive Dinge erleben, als negative. Das muss ganz einfach unser Ziel sein, das jetzt auch zu schaffen.“

Dabei helfen sollen natürlich auch die Stürmer, die zurzeit bestens in Form sind. Artjoms Rudnevs und Heung Min Son. Wie sieht Jansen seine beiden Mitspieler? Der frühere Nationalspieler sagt: „Die Mischung vorne ist gut, denn es sind zwei unterschiedliche Typen. Gut ist, dass Rudi kopfballstark ist, dass er mit Wucht in den Strafraum kommt und dann seine Tore macht. Und dass er sehr viel unterwegs ist, was in der Bundesliga sehr, sehr viel ausmacht – er arbeitet viel, das ist gut. Und bei Sonny ist positiv, dass er links wie rechts schießen kann.
Und dass er im Moment sehr gut kapiert, den Ball zu halten, den Körper einzusetzen, aggressiv auf Pressing zu spielen, das macht er auch im Training jetzt viel besser – das hilft der Mannschaft. Und dann glaube ich, dass bei Stürmern, die sich in den Dienst der Mannschaft stellen, die Tore von ganz allein kommen.“

Das hoffen wir mal. Auch wieder für Sonnabend.

Gespannt bin ich, wie sich der Rasen der Hamburger Arena präsentieren wird. Zuletzt hätte man auf diesem Geläuf das „Spiel ohne Grenzen“ (gab es früher im Fernsehen) durchführen können – die Veranstalter hätten sich dabei die Schmierseife sparen können. So glitschig ist es teilweise auf dem Rasen. Aber damit muss dann ja auch der Gegner klar kommen. „Optisch sieht der Rasen gut aus, aber die Probleme, die wir damit haben, haben auch andere Clubs. Ich denke trotz allem, dass wir in Sachen Rasen schon Fortschritte gemacht haben.“

Wie gut die Gladbacher spielen (können), davon kann sich heute jeder überzeugen, denn um 21.05 Uhr wird das Europa-League-Spiel gegen Lazio Rom angepfiffen. Ein Pflichttermin vor dem Fernseher (Sky und Kabel 1) – vor allem wohl für die HSV-Profis. Zur Sicherheit hat der HSV aber auch Spione nach Gladbach geschickt . . .
Ich wünsche euch noch einen schönen Fußball-Abend.

18.58 Uhr

2:2 – der HSV verschenkt zwei Punkte

26. September 2012

Welch ein Pech. Welch ein verdammtes Pech! 2:2 in Mönchengladbach, aber der HSV hätte der Sieger sein müssen, stand vor dem ersten Auswärtserfolg der Saison – und wurde in der 91. Minute eiskalt bestraft. Ein ganz bitterer Abend nach einem Klasse-Spiel. Rafael van der Vaart, der den HSV mit 1:0 in Führung geschossen hatte, schoss einen Foulelfmeter in der 55. Minute an den Pfosten – es wäre wohl die Entscheidung gewesen. Der HSV macht durch diesen Auswärtspunkt einen kleinen Schritt nach oben, von Platz 15 auf Platz 14. Aber das, was der HSV jetzt spielt, das ist Fußball. Dieser HSV wird mit dem Abstieg schon sehr bald nichts mehr zu tun haben, ganz sicher. Weil man so viel Pech ja nicht immer haben kann.

Bevor ich zum Spiel komme: „Scholle“ und ich sitzen im „Champs“ in Schnelsen (Burgwedel), unser heutiger Gast ist Lotto King Karl, und wir werden jetzt in wenigen Minuten live auf Sendung mit „Matz ab live“ sein. Wir hoffen sehr, dass ihr alle einschalten werdet.

Zum Spiel:

Der HSV begann mit der „Dortmund-Elf“. Ein gutes Omen. Doch in den ersten Minuten drängte Mönchengladbach. Die Borussen hatten sich offenbar viel vorgenommen, wollten den HSV gleich unter Druck setzen – doch am Hamburger Strafraum war meistens Endstation für die quirligen „Fohlen“. Der HSV-VDV ist nicht mehr mit dem HSV der ersten Bundesliga-Spieltage zu vergleichen. Die Mannschaft lässt sich durch einen kleinen Sturm nicht gleich umwerfen, sie hält dagegen. Mit großem Selbstvertrauen. Das ist wirklich schön zu sehen. Was ein Mann doch so ausmacht – hat „uns Scholle“ zum neuen HSV gesagt. Und dieser Mann heißt Rafael van der Vaart. Er hat allen neues und frisches Leben eingehaucht, jeder einzelne HSV-Spieler tritt jetzt ganz anders auf, als noch vor Wochen, als das Team sieglos war und auch schon ein wenig hoffnungslos.

Die erste Chance des Spiels hatten die Gladbacher. De Jong, nicht verwandt und nicht verschwägert, spitzelte den Ball aus 14 Metern knapp am HSV-Tor vorbei (9.). 120 Sekunden später hatte der HSV seine Möglichkeit. Artjoms Rudnevs stand frei vor Keeper ter Stegen, wurde aber zu weit nach rechts abgetrieben, sodass der Gladbacher den Winkel verkürzen konnte – kein Vorwurf an Rudnevs, den konnte er nicht mehr ins Tor bekommen.

Aber diese Szene machte der gesamten Hamburger Truppe noch mehr Mut – auch für offensive Aktionen. Bei Gladbach schlichen sich vermehrt Abspielfehler ein, am Rande tobte Trainer Favre, doch der HSV bekam das Geschehen von Minute zu Minute mehr und besser in den Griff. Und ging in der 23. Minute in Führung. Ein herrlicher Treffer, ein“ Tor des Monats“ – ein Traum von Tor: Abschlag Rene Adler, an der Mittellinie verlängerte Heiko Westermann per Kopf (in einem engen Duell!) zu van der Vaart, und der machte mit der Kugel etwas ganz Ausgefallenes. Er schoss den Ball von der Linksaußen-Position in den hinteren Winkel. Das sah in etwa so aus, wie das Dortmunder Tor am Sonnabend von Perisic, als dieser flanken wollte – und er Ball in die lange Ecke flog. So ähnlich sah auch dieses 1:0 aus – nur dass van der Vaart dieses Tor ganz genau so schießen wollte – sein 30. Bundesliga-Treffer. Wie gesagt, ein Traum! Und auch die verdiente Führung.

Der HSV bestimmte danach den Rhythmus des Spiels, hielt die Kugel gekonnt in den eigenen Reihen, wenn es nötig war, und spielte nach vorne, wenn sich die Räume dazu boten. So sieht Fußball aus. Da wurde nicht mehr quer, quer und zurück gespielt, sondern auch entschlossen und schnell nach vorne. Und es hätte alles so schön sein können, hätte nicht Schiedsrichter Deniz Aytekin gleich zweimal einen totalen Blackout gehabt. Erst „übersah“ er ein klares Foul von de Jong an Heiko Westermann, denn der Gladbacher sprang den HSV-Kapitän im Fünfmeterraum eindeutig um. Ein klareres Foul gibt es nicht – aber Aytekin gab Eckstoß für Mönchengladbach. Und diesen schoss Nordtveit zur Mitte – wieder stand Westermann im Mittelpunkt. Stranzl stützte sich bei seinem Kopfballtor so was von klar auf, dass es ein Lehrbeispiel werden könnte (oder auch vielleicht wird), wie man es als Unparteiischer nicht machen soll. Aber das Tor zählte, obwohl diese beiden Entscheidungen eigentlich skandalös waren – 1:1. Stranzl gab nach dem Spiel zu, dass sein Treffer irregulär war – aber was hilft es?

Ein Tor aus dem Nichts – und irgendwie auch unverdient. Aber dabei blieb es nicht. Sekunden vor dem Pausenpfiff die erneute Hamburger Führung: Klasse-Flanke vom Klasse-Fußballer Milan Badelj, und Kopfball von Artjoms Rudnevs. Aus vier Metern köpft der Lette das 2:1 und sein erstes Bundesliga-Tor. Zum Glück hatte Trainer Thorsten Fink den Stürmer im Team gelassen, obwohl der Coach auch ein wenig damit geliebäugelt hatte, Maxi Beister rechts und Heung Min Son in der Mitte zu bringen. Fink tat es nicht, und er tat gut daran. Wobei wir uns im „Champs“ gleich über Rudnevs unterhielten, und „Scholle“ wusste: „Der Junge ist unheimlich beliebt in der Mannschaft, den mögen alle.“

Und er wird wohl auch kommen. Sein Tor wird ihm Auftrieb geben, noch mehr – und er erarbeitet sich diese Form ja auch durch seinen Fleiß und durch seinen enormen Einsatz. Ein Beispiel: In der 21. Minute attackierte Rudnevs den Gladbacher Torwart an dessen Fünfmeterraum – auch ein Traum. Der HSV setzt nach, der HSV geht jedem Ball hinterher, der HSV kämpft und gibt alles, setzt den Gegner sogar in dessen Hälfte und sogar im dessen Strafraum unter Druck. Super.

Der zweite Durchgang begann dann mit einem Paukenschlag. Ivo Ilicevic dringt in der 53. Minute in der MG-Strafraum ein, Stranzl kommt mit dem langen Bein, der HSV-Spieler springt hoch und geht zu Boden – Elfmeter. Und Stranzl sieht noch Rot. Das roch stark nach Konzessions-Entscheidung. Es gab Rudelbildung, Torwart ter Stegen stellte sich, als van der Vaart schießen wollte, drei Meter vor das Tor – das alles kostete Zeit. Und wohl auch Nerven. Van der Vaart schoss den Ball in der 55. Minute an den Pfosten, die mögliche Vorentscheidung war vertan. Schade, schade.

Gladbach fortan nur noch zu zehnt, der HSV hielt den ball, vergab aber einige Konteransätze durch zu ungenaues Abspiel. So baut man einen müden Gegner eigentlich wieder auf, aber diesmal nicht. Der HSV war eindeutig Chef im Ring. Gladbach hatte nur noch eine große Chance, als ein Freistoß von Arango knapp am HSV-Tor vorbeisegelte (76.) – das war Glück, wer weiß, ob Rene Adler den gehalten hätte?

Der HSV war auf der Siegerstraße, ganz klar, es ging nur um die Höhe des Erfolges. Zu viele Konter aber wurden vergeben – leichtfertig. Und das rächte sich bitter. In der Nachspielzeit köpfte Dominguez nach einem Arango-Freistoß (Foul von Ilicevic) das nicht mehr für möglich gehaltene 2:2. Welch ein Pech! So ungerecht kann Fußball sein. Der HSV verschenkt seinen Sieg.

Die Einzelkriktik:

Rene Adler spielte absolut souverän, am Gegentor gab es nichts zu halten – auf ihn ist nicht nur Verlass, die Mitspieler verlassen sich auch auf ihn. Eine großartige Verstärkung für den HSV, man kann es nicht oft genug wiederholen.

Dennis Diekmeier bot eine solide Partie, ohne jeden Kompromiss, er spielte „Karo einfach“ – und das war zweckmäßig und gut.

Michael Mancienne knüpfte an die starke Leistung aus dem Dortmund-Spiel nahtlos an, er hing wie eine Klette an seinen Gegenspielern – er hat seine Chance (durch Brumas Verletzung) genutzt. Stark.

Heiko Westermann war wieder Dreh- und Angelpunkt in der Defensive, er ist aus dieser (nun erfolgreichen) Mannschaft nicht mehr wegzudenken, er ist ein Mann, der stets 100 Prozent gibt – ein Vorbild. Großartig.

Marcell Jansen hat seinen dritten Frühling zufassen. Es ist unfassbar, wie er sich oft mit Haut und Haaren in die Aktionen des Gegners wirft, wie er grätscht, wie er rennt und sprintet. Note zwei.

Milan Badelj ist ein ebenso großer Gewinn wie Adler für den HSV. Ein ganz feiner Fußballer und mit einem guten Auge.

Tolgay Arslan imponiert mir immer mehr – muss ich schon sagen. Wie er seine Defensivarbeiten erledigt, das ist schon spitze. Er hat bewiesen, dass er eine Alternative ist – aber nun kommt ja Petr Jiracek wieder.

Heung Min Son nicht ganz so spektakulär wie gegen Dortmund, dennoch auf dem aufsteigenden Ast. Das war okay.

Rafael van der Vaart war der Regisseur, er bracht Linie und Ordnung in das Spiel seiner Mannschaft – hervorragend.

Ivo Ilicevic scheint zu kommen, er hatte viele gute Szenen, Szenen, die er vor Wochen nie hatte – nun lässt er sich offenbar anstecken und mitreißen – zum Wohle des HSV.

Artjoms Rudnevs überzeugte (bis zur 77. Minute, dann kam Marcus berg für ihn) durch seinen Einsatz und glänzte durch sein Tor. Immer eine Gefahr für das Gladbacher Tor. Jetzt wird er kommen! Und zwar ganz stark.

In der 89. Minute kam Jacopo Sala für van der Vaart, und in der 91. Minute kam Maxi Beister für Ilicevic.

22.08 Uhr

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