Archiv für das Tag 'Milewski'

Glückwunsch, ihr Helden von 1983!

25. Mai 2013

Und es begab sich zu jener Zeit, als Borussia Dortmund seinen Trainer Jürgen Röber vor die Tür setzen wollte. Fußball-Deutschland schrieb damals das Jahr 2007, es lief der dritte Monat des Jahres. Der frühere HSV-Profi Thomas von Heesen verhandelte geheim und total im Verborgenen mit Hans-Joachim Watzke, dem BVB-Macher. Beide Herren wurden sich einig, die Borussia setzte einen Vertrag auf, den Watzke unterschrieb und den von Heesen noch heute in seiner Schreibtischschublade zu liegen hat. Der frühere Hamburger hätte nur unterschreiben müssen, dann wäre er BVB-Trainer geworden, aber er wollte noch ein, zwei Tage abwarten. Und las dann zu seinem Entsetzen, dass das Geheimtreffen zwischen ihm und Watzke in aller Ausführlichkeit in der „Bild“ stand. Da von Heesen nichts verraten hatte (das wusste er hundertprozentig!), konnte das nur von der „anderen Seite“ gekommen sein – und Thomas von Heesen sagte der Dortmunder Borussia ab. Weil er einen solchen Vertrauensmissbrauch nicht ganz so gut ertragen konnte. Thomas Doll wurde dann vom BVB geholt – auch ein Hamburger.
Warum ich das aber schreibe? Wer nun schon eins und eins zusammenzählen kann, der weiß jetzt schon mal Bescheid.

Und es begab sich zu jener Zeit, als der HSV auf Sportchef-Suche war. Fußball-Deutschland schrieb das Jahr 2013, es lief (und läuft) gerade der fünfte Monat im Jahr. Da traf sich der HSV – ganz, ganz geheim – im Flughafen-Hotel mit zwei seiner aussichtsreichen Sportchef-Kandidaten, nämlich Oliver Kreuzer und Jörg Schmadtke. Und diese beiden Herren erlebten auch etwas höchst Seltsames. Zu ihren Geheimtreffen waren auch zwei Reporter von „Bild“ „geladen“ worden. Natürlich nicht von Kreuzer, auch nicht von Schmadtke. Diese beiden Herren hatten geglaubt, dass ein Geheimtreffen auch geheim verlaufen würde. „Bild“ aber war dabei. Gut recherchiert, die Herren. Wobei gleich zwei „Bild“-Herren in einem Hotel warteten. Das war schon ein Volltreffer. Und ich als Kollege kann den „Bild“-Kollegen nur gratulieren, sie haben wieder einmal eine Super-Nase bewiesen – und gehabt. Glückwunsch dazu. Soll nun aber niemand damit kommen, dass dieses Geheimtreffen auf irgendeine Art und Weise vom HSV, vermutlich sogar vom Aufsichtsrat, verraten worden ist. So war es bestimmt nicht. Ich frage mich allerdings, ob sich nun der „Fall von Heesen“ wiederholt? Charakterstarke Menschen mit Prinzipien würde wahrscheinlich denken, dass dieses Geheimtreffen verraten worden ist, und wenn sie dann, diese charakterstarken Menschen, noch viel mehr Charakter haben, dann verzichten sie wie einst Thomas von Heesen darauf, die Nachfolge von Frank Arnesen anzutreten. Ich bin mal gespannt, wie sich das noch entwickeln wird, wie stark die Charaktere der Herren Kandidaten sind . . .

Ansonsten wird heute, am Sonnabend, wohl nichts passieren – in Sachen Sportchef. Fußball-Deutschland denkt und lebt heute englisch. Da ich schon mehrfach gefragt worden bin, was ich bei Bayern – Dortmund tippe, will ich damit nicht hinterm Berg halten. Ich würde mich sehr über einen BVB-Sieg freuen, vor allen Dingen für Jürgen Klopp, dessen größter Fan ich bin, aber ich tippe auf einen lockeren 4:0-Sieg der Münchner. Die werden so abgezockt sein, dass sie schneller und besser Herr ihrer Nerven werden. Denke ich jedenfalls. Mal abwarten.

Heute vor 30 Jahren hat ja auch der Außenseiter gewonnen. Zum Glück. Das war fantastisch, dieser 1:0-Erfolg des HSV in Athen über Juventus Turin. Natürlich war das fantastisch, was denn sonst? Stein, Kaltz, Hieronymus, Jakobs, Wehmeyer, Groh, Rolff, Milewski, Magath, Hrubesch, Bastrup und von Heesen (kam in der 56. Minute für den verletzten Bastrup) werden auf ewig die HSV-Helden sein, und das 1:0 von Felix Magath hat sich längst für immer in die Köpfe von Millionen Fußball-Fans „eingebrannt“. Eine herrliche Zeit. Der HSV ganz oben in Europa.

Dass der HSV danach noch zwei Bundesliga-Spiele zu bestreiten hatte, nur drei Tage nach dem Triumph von Athen im Volkspark gegen Dortmund anzutreten hatte, das ist wahrscheinlich nicht mehr jedem HSV-Fan gegenwärtig. Die Borussia vom Borsigplatz wurde mit 5:0 besiegt (zweimal Horst Hrubesch, Jürgen Milewski und zwei Elfmetertore von Manfred Kaltz sorgten für diesen Erfolg), und dann ging es auf Schalke, wo der HSV durch Tore von Hrubesch und Wolfgang Rolff 2:1 gewann und Deutscher Meister wurde. Dank des besseren Torverhältnisses vor Werder Bremen. Irritiert war und bin ich immer noch, dass Ernst Happel, der Meistertrainer, damals sagte: „Die Meisterschaft bedeutet mir mehr als der Europapokal.“

Mir wäre heute beides lieber, aber das steht auf einem anderen Stück Papier.

Als im Sommer 1983 dann Horst Hrubesch den HSV verlassen musste (Standard Lüttich), begann der Abstieg dieser großartigen Mannschaft. Das „Kopfball-Ungeheuer“ war der Kopf dieses Teams, er hatte alle und alles im Griff, als er ging, entstand ein Vakuum, dass nie zu schließen war. Leider. Zumal die „Ersatzleute“, die dann verpflichtet worden waren, nämlich Dieter Schatzschneider und Wolfram Wuttke, sich bedauerlicherweise nur als „Rohrkrepierer“ erwiesen.

Abschließend sei gesagt: Herzlichen Glückwunsch, ihr Helden von 1983, ihr habt den Namen HSV noch größer und populärer gemacht, ihr habt das größte Stück Vereinsgeschichte geschrieben – und dafür danke ich euch immer wieder.

Ich weiß ja, dass der eine oder andere Held hier mitliest (sogar die Kommentare!), wenn er Zeit hat, wenn er auf Reisen ist und im Hotelzimmer im Bett liegt. Dann wird „Matz ab“ gelesen. Vielleicht ja auch heute. Gestern sagte mir auf jeden Fall (vielleicht hat es ja jemand beobachtet, als wir uns im Block House trafen?) ein Held von 1983: „Dieter, Du müsstest eigentlich das Verdienstkreuz Erster Klasse und am Bande erhalten, weil du . . .“ Aber den Rest schenke ich mir lieber.

Bei der Gelegenheit: Vielen Dank jenen Usern, die mir privat wieder viele, viele Mails zukommen ließen. Einige haben sich die allergrößte Mühe gegeben und haben viel mehr geschrieben, als ich es mit den längsten „Matz-ab“-Berichten jemals getan habe – danke. Da steckt viel Arbeit drin. Ich weiß das sehr zu schätzen, auch wenn ich (gelegentlich auch Scholle) darin durchaus mal nach allen Regeln der Kunst und nach Strich und Faden „vernichtet“ werde. Egal, die Mühe, die sich einige machen, die ist schon bemerkenswert.

Ein netter Zeitgenosse endet in seiner Mail an mich (er schickte es anonym über das Abendblatt) wie folgt:

Neiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin, natüüürlich nicht, du Witzfigur.
Armselig ist das. Einfach nur armselig.

Mit diesen interessanten, lieben, netten, höflichen, freundschaftlichen, versöhnlichen und natürlich nur gut gemeinten Buchstaben möchte ich heute dann auch enden. Danke, wie geschrieben, danke für alles und an alle. Ich schließe diesen netten Mitmenschen und natürlich alle „Matz-abber“ mit in mein heutiges Gute-Nacht-Gebet ein, ich liebe euch alle – ihr seid schon klasse. Eine Klasse für sich!
Bevor ich dieses Gute-Nacht-Gebet aber sprechen werde, gibt es noch einen heißen Fußball-Abend in und aus London, und zu diesem fußballerischen Höhepunkt wünsche ich euch und euren Lieben viel, viel Spaß und Freude – vertragt euch, auch wenn der „Falsche“ gewinnt, habt euch lieb, das Leben ist viel zu kurz, um sich ständig zu ärgern. Ganz sicher: Irgendwann kommt ein jeder mal an diesen Punkt, wo er so denkt. Und sich dabei fragt: Warum war ich damals nur so . . ?
Lasst mal wieder Ruhe einkehren.

PS: „Scholle“ hatte endlich einmal wieder eine angenehme Nacht, denn sein TSV Niendorf hat am letzten Spieltag die Rettung und den Klassenerhalt in der Oberliga Hamburg geschafft. Glückwunsch, Digger! Ein wenig traurig bin ich, dass der USC Paloma nun doch noch baden ging – denn die Vormittags-Grandspiele an der Brucknerstraße werde ich nun vermissen. Hoffentlich hören die blauen Tauben nicht auf zu fliegen, denn dann müssten sie doch im nächsten Jahr wieder da sein – oder?

15.59 Uhr

Von Zebec, Ristic und Happel

7. Juni 2011

Marcelino García Toral ist der neue Trainer beim FC Sevilla, der 45-jährige Spanier darf sich ab sofort darin versuchen, den deutschen Nationalspieler Piotr Trochowski wieder in die Spur zu bekommen. Und: Der Niederländer Martin Jol ist neuer Trainer beim englischen Erstliga-Klub FC Fulham. Der 55 Jahre alte ehemalige HSV-Coach unterschrieb einen Zweijahresvertrag mit Option auf ein Verlängerungsjahr bei jenem Klub, der dem HSV einmal empfindlich wehtat. Und die Sache mit Jeffrey Bruma, der ja noch zum HSV kommen soll, nähert sich der Entscheidung. Eine positiven Entscheidung, so glaube ich. Das sind sie aber schon, die Neuigkeiten, die heute, am 7. Juni 2011, so aus der HSV-Richtung und aus dem Volkspark auf uns “einprasselten”. Da aber der nächste Chelsea-Spieler, den der HSV verpflichten wird, leider noch ein paar Tage auf sich warten lässt, herrscht Ruhe im Karton. Zeit für mich, mit der angekündigten Trainer-Runde zu beginnen.

Mit Branko Zebec kann ich leider noch nicht dienen. Zu seiner Zeit war ich noch kein Schreiberling. Dennoch habe ich ihn mehrfach erlebt, denn ich machte damals, als er HSV-Trainer war, meinen Trainerschein in Ochsenzoll. Wir zogen uns in jenem Hause um, in dem auch die HSV-Profi-Mannschaft beheimatet war, wir trainierten auch parallel auf einem Nebenplatz, wenn sich die HSV-Profis nach der Pfeife von Branko Zebec bewegen mussten. So habe ich am Rande auch mitbekommen, dass er seine Spieler Runde um Runde drehen ließ. Zebec saß am Rande im Gras, legte Stöckchen um Stöckchen vor sich, um so mitzählen zu können, wie viele Runden schon gedreht worden sind. Dass sich der eine oder andere Profi bei diesen Dauerläufen gern einmal ausklinkte (und sich hinter einem ganz dicken Baum versteckte), das bekam Zebec nicht mit. Weil er auch vor dem Training schon gelegentlich Alkohol zu sich genommen hatte.

Eines Tages stand Zebec in den Umkleideräumen in Ochsenzoll vor mir, die Gelegenheit, mir ein Autogramm geben zu lassen. Es war nicht geplant, deswegen hielt ich ihm ein Lehrgangsbuch (über die Trainerlehre) hin. Er sah sich das Buch an, sah mich an, dann sagte er: „Dann wünsche ich mal viel Erfolg, vielleicht sind Sie eines Tages mein Nachfolger . . .“ Das hat dann aber doch nicht so ganz geklappt, denn er war schneller weg beim HSV, als ich die B-Lizenz hatte. Dass ich später tatsächlich einmal ein Angebot des HSV bekommen sollte (was mir Gerd-Volker Schock unterbreitete), das war sicherlich reiner Zufall. Ist ja aber auch nichts geworden. Das nur am Rande.

Nachdem Zebec entlassen worden war, übernahm am 1. Januar 1981 Aleksandar Ristic als Interim-Coach. Da war ich dann schon Schreiberling bei einer kleinen Zeitung in Schleswig-Holstein, und ich durfte (oder musste) auch über den HSV berichten. Mit einem kleinen Fotoapparat bewaffnet musste ich auch Fotos „knipsen“. Weil das nicht so leicht war (damals), mogelte ich mich oft ein paar Meter auf den Platz. Sah das Ristic, so kam er leise fluchend auf mich so und schmiss mich mit unfeinen Worten vom Acker. Dazu muss man wissen: Es gab damals ja keine großen „Tüten“, mit denen die Fotografen auch aus der Ferne die tollsten Fotos schossen. Das war einfach nur schwer. Und weil das so war, durfte der Bild-Fotograf Boris Heller stets „mitspielen“. Der ältere Herr durfte, im Gegensatz zu mir, auf den Rasen, um seine Fotos zu machen. Oft stand er den Spielern im Wege, aber es wurde geduldet. Was ich damals irgendwie doch ungerecht empfand, aber es wurden eben gewisse Unterschiede gemacht.

„Aleks“ Ristic war mir aber allein deswegen immer nicht so geheuer. Das war ein unheimlich scharfer „Hund“, der nicht nur böse knurren und „bellen“ konnte, sondern auch sehr, sehr böse guckte. Wenn Blicke töten könnten . . . Ich würde heute garantiert nichts mehr schreiben können. Mit seiner Art setzte Ristic aber nur das fort, was Zebec ihm offenbar mit auf den Weg gegeben hatte. Disziplin ging über alles, Härte war gefragt, auch die Härte gegen sich selbst. Um einmal einen Vergleich zu wagen: Der später zum HSV kommende Egon Coordes war eigentlich ein Waisenknabe gegen Ristic.

Ein kleines Erlebnis noch am Rande: Als mein damals kleiner Sohn Andre einmal mit zum Training war, ging er den langen Gang von oben bis zum Trainingsplatz hinunter – Aleksandar Ristic hinter ihm. Weil es dem Trainer nicht schnell genug ging, oder weil es dem Trainer gerade mal in den Sinn kam, stellte er dem kleinen Knaben ein Bein. Andre kam ins Straucheln, Ristic konnte überholen – und freute sich über seinen „Geniestreich“ diebisch. Ja, er konnte schon giftig und auch ein wenig zynisch sein, der Mann vom Balkan.

Jahre, viele Jahre später hatte dann auch ich ein Aha-Erlebnis der besonderen Art. Der HSV weilte zu einem Turnier in Porec (Kroatien). 1999 muss das gewesen sein, ein Turnier mit Sturm Graz und Varteks Varazdin. Wir Hamburger Journalisten saßen abends im Hotel und sahen in der großen Halle an der Rezeption deutsches Fernsehen, als mich plötzlich jemand von hinten am „Schlawittchen“ packte – und mich dazu anraunzte: „Wenn du noch einmal etwas Böses im Doppelpass über Aleksandar Ristic sagst, dann lebst du nicht mehr lange . . .“ In Kroatien sah man ganz offenbar auch das DSF, und in der Tat hatte ich Wochen zuvor in München sitzend nicht gerade gut über den Trainer Ristic gesprochen. Und das sah man in seiner Heimat wohl nicht ganz so gern . . . Zum Glück für mich endete dieser Zwischenfall friedlich.

Was seinerzeit für Ristic sprach: Als im Sommer 1981 Ernst Happel verpflichtet wurde, ging Ristic wieder klaglos zurück ins zweite Glied, er blieb als Co-Trainer in Hamburg. Das macht ja nicht jeder. Einmal am Chef-Posten „gerochen“, dann gibt es eigentlich kein Zurück. Das war bei Ristic anders.

Aber ganz offensichtlich hatte dieser Aleksandar Ristic auch zwei Gesichter. Die meisten Spieler sprechen heute noch voller Respekt über ihn. So wie der damalige HSV-Torwart Jupp Koitka: „Menschlich war der Aleks voll in Ordnung, der war in seinen Entscheidungen einwandfrei. Klar, sachlich, kurz, hart und diszipliniert. Wenn man ihm auf diesem Weg folgte, hatte man es gut bei ihm.“

So, über den legendären Ernst Happel habe ich an dieser Stelle schon genügend geschrieben. So u. a. am 30. September 2009 – wer nachsehen will. Happels Verhältnis zu seinen Spielern war einmalig. Jeder, wirklich jeder von ihnen stand stramm, wenn der „Alte“ etwas gesagt hat. Mir war Happels großer Erfolg immer ein wenig schleierhaft, denn vom Training her machte er nichts anderes, als seine Vorgänger oder Nachfolger. Aber bei jeder Einheit von ihm lag etwas in der Luft. Das kann man nicht beschreiben. Als Zuschauer sah man nur, dass alle parierten, dass niemand wagte, aufzumucken. Wenn bei einem Trainer hundertprozentig konzentriert gearbeitet wurde, dann bei Happel. Der musste im Grunde genommen nur einmal scharf blicken, schon wusste jeder, was er zu tun und zu lassen hatte. Und wenn Happel mit dem Mund pfiff, ganz kurz, nicht besonders laut, dann war Gefahr im Verzuge. Der Pfiff war so, als wenn man mit zwei Finger im Mund pfeifen würde, aber Happel schaffte es ohne einen Finger! Dreimal pfiff er stets, ganz kurz, ganz knapp: „Pffft, pffft, pffft.“ Und schon blicken alle auf ihn. Voller Ehrfurcht.

Jeder Spieler, der heute über Happel spricht, gibt zu Protokoll, dass der Wiener einfach jene Ausstrahlung hatte, die ihn als unfehlbar erscheinen ließ. Happel sagte etwas, und niemand von seinen Jungs zweifelte an der Richtigkeit seiner Worte. Er sprach leise, aber immer eindringlich. Unerreicht. So einen gab es nie wieder beim HSV. Wird es wohl auch nie wieder geben. Wobei ich mich frage, ob ein Ernst Happel, so wie er sich in jenen HSV-Zeiten gab, heute noch in die Bundesliga passen würde? Ich habe meine Zweifel.

Wie ich ihn damals kennen gelernt habe, warum er damals (zum Schluss seiner HSV-Zeit) nicht mehr mit Journalisten sprach – das alles habe ich schon ausführlich geschrieben. Die „rote Zora“ und so. Mein Verhältnis zu Ernst Happel war aber besser, als zum Beispiel mein Verhältnis zu Huub Stevens. Happel, der nachts auch vor dem eingeschalteten Fernseher dass und sich das Testbild ansah (er sah einfach alles!), sprach auch in jenen Zeiten mit mir, als er offiziell schon schwieg. Er wusste genau, dass ich davon nichts schreiben würde. Und daran habe ich mich auch stets gehalten.
Man konnte schon auch nett plaudern mit ihm – wenn er bei Laune war. Und er hatte, was ihm viele nicht zutrauten, unheimlich viel Witz, er konnte auch herzhaft lachen – aber alles zu seiner Zeit. Oft genug grantelte er auch wirklich, diesem Ruf wurde er oft gerecht. Dann waren alle Luft für ihn. Und eines steht auch fest: So richtig nah ran an sich ließ er niemanden. Nur zwei, drei, vier Leute aus seinem näheren Umfeld hatten es immer gut bei ihm: Die Zeugwarte zum Beispiel. Oder auch Busfahrer Willi Meier. Und vor allem sein Kartenspiel-Partner Rudi Guthmann (eine Art Hilfszeugwart). Den nannte er fast liebevoll den „G’stauchten“, weil er so klein war.

Was Ernst Happel vor allen Dingen ausmachte, das war seine große Erfahrung, seine großen Erfolge im europäischen Fußball – und seine einmalige Konsequenz. Die zog er ohne große und ohne laute Worte eisern durch, ohne Rücksicht auf Verluste. Manni Kaltz schickte er vor einem Training nach hause („Bring’ erst deine privaten Dinge in Ordnung, dann kannst du wiederkommen“), Jürgen Milewski nannte er einen „Parasiten“, Peter Lux, Dieter Schatzschneider und Wolfram Wuttke stauchte er regelmäßig zusammen, und, und, und.

Aber er blieb stets gerecht. So auch im Kampf der Torhüter: Uli Stein und Jupp Koitka. Die hatten beide so ihre „Schreiberlinge“, die für sie Partie ergriff – öffentlich. Diese beiden Kollegen waren sogar bei einer Zeitung. Einer schrieb pro Stein, der andere pro Koitka. Also holte sich Happel beide Keeper zu sich in die Kabine und sprach: „Derjenige, der als nächster quatscht, der kann seine Koffer packen.“ Und Ende.

Dann passierte folgendes: Der Pro-Stein-Schreiber kramte ein altes Koitka-Zitat hervor, stellte es in die Zeitung. An jenem Tag klingelte bei Jupp Koitka das Telefon: „Hier Günter Netzer. Jupp, du trainierst ab sofort bei den Amateuren und kannst dir auch einen neuen Verein suchen.“ Das war hart. Koitka war wie vom Blitz getroffen, denn er hatte nach Happels Warnung „natürlich nichts mehr gesagt“. Aber es half alles nichts, er musste zu den Amateuren.

Allerdings klingelte in dieser Sache nach drei Wochen noch einmal das Telefon bei Koitka. Am anderen Ende der Leitung Ernst Happel: „Jupp, du kommst wieder zurück zu uns, ich habe nun erfahren, wie und was da gelaufen ist . . .“ Koitka heute: „Das fand dich natürlich hoch anständig von ihm, dass er da so über seinen Schatten springen konnte.“

Ja, so war Ernst Happel. Eine absolute Persönlichkeit. Und ich wiederhole mich gerne: So einen wird es nie wieder geben in Hamburg.

So, die Trainer-Galerie (meine HSV-Trainer-Galerie) wird fortgesetzt.
Eine kleine Kuriosität am Rande: Am Sonnabend schrieb ich ja, dass der HSV am Montag einen Deutsch-Türken verpflichten würde. Am Montag rief mich erst ein Kollege der Mopo an und sagte: „Danke für den Tipp, das war leichtes Arbeiten.“ Eine halbe Stunde rief mich ein Kollege der Welt an und fragte: „Wieso steht im Abendblatt-Internet, dass nach Mopo-Informationen Gökhan Töre zum HSV kommt?“ Gute Frage. Aber in allen Videotexten stand auch: „Nach Mopo-Informationen verpflichtet der HSV Gökhan Töre.“ So spielt das Leben. Aber auf das „Dankeschön“ des Mopo-Kollegen bin ich trotzdem stolz . . .

17.17 Uhr

Jörgs Sommergeschichte

2. August 2010

Die Sommergeschichten werden rarer, aber der Sommer schleicht sich ja auch auf leisen Sohlen davon – wie es scheint. Heute kommt ein Beitrag von “Jörg1967″, den wir in Längenfeld kennen gelernt – und animiert haben, seine Geschichte aufzuschreiben. Was er auch prompt gemacht hat – vielen Dank, lieber Jörg, eine sehr schöne Story. Ich gebe zu, ich als “Wessi” inhaliere solche Beiträge sehr, sehr gerne, denn ich habe nie geglaubt, dass ich es noch einmal erlebe, dass die Mauer fallen würde. Ich war 1989 und 1990 ja bei Bild, da musste ich als Reporter in die DDR, zwei Monate lang berichtete ich über die DDR-Oberliga, ganz speziell über Dynamo Dresden und den Chemnitzer FC. Es war, das muss ich sagen, eine großartige Zeit, die viel zu schnell vorüber ging, aber die ich heute noch genieße. Auch deshalb, weil ich viele, viele nette Menschen treffen durfte, vor allen Dingen natürlich Fußballer. Mit einigen stehe ich noch heute in Kontakt. Ganz nebenbei: In meinem Schrank daheim liegen noch zwei Original-Trikots von der DDR-Nationalmannschaft, die mir damals Rico Steinmann (Chemnitz) und Frank Lieberam (Dresden) schenkten. So, genug geschwafelt, jetzt geht es mit “Jörg1967″ weiter. Er schrieb:

Hallo Dieter,

bevor ich mit meiner kleinen Sommergeschichte beginne, möchte ich mich nochmals für den Matz-ab-Blog bedanken.
Durch diesen bin ich ganz nah an meinem HSV dran. Die Vielfalt an Informationen (Beiträge, Fotos) hat mich veranlasst, auch das Trainingslager in Längenfeld zu besuchen. Dort habe ich echt nette HSV-Fans und viele Matz-abber aus unserem Blog kennenlernen dürfen. Bedanken möchte ich mich vor allem bei Jacek Dembinski, er hat mich immer auf dem Laufenden gehalten und hat mir und meinem Sohn Timmi es sehr leicht gemacht, uns in die HSV Fan-Familie einzugewöhnen.

Meine Sommergeschichte beginnt vor cirka 31 Jahren. Damals ich war gerade zwölf Jahre (Jörg1967), dass ist mein Baujahr, wie Ihr es Euch ja denken könnt. Ich bin in Altenburg, Thüringen, geboren und in der DDR aufgewachsen. Von klein auf gab es für mich nur Fußball. Mein Vater verfolgte mehr die Bundesliga, statt „unsere” DDR-Oberliga. Er ist Fan des 1.FC Kaiserslautern und schwärmte immer von seinem “Fritz” (Walter), das nur so nebenbei. Mein Vater kommt deswegen ins Spiel, da er immer mein wichtigster Bezugspunkt im Leben war und ist.

1980 besuchte der Cousin meines Vaters mitsamt Familie das erste Mal die DDR, und natürlich uns. Zur Familie, die übrigens aus Wolfsburg stammt, gehört auch Sohn Jens. Der war damals schon HSVer, die Grünen spielten da noch keine Rolle. Er brachte mir eine HSV-Tasse, einen HSV-Bademantel und HSV-Bettwäsche mit. Das habe ich alles noch immer! So etwas gab es im Osten nicht, dass war für mich so besonders – es bedeutete für mich: Ich bin jetzt HSV-Fan!

Da ich zu dieser Zeit um die 13 Jahre alt war, durfte ich leider nie die Europapokalspiele schauen. Zu spät. Mein Vater legte mir dann immer einen Zettel neben das Bett, worauf alle Ergebnisse der deutschen Mannschaften standen. Nur bei den HSV-Spielen standen noch die Torschützen und die Minuten, wann die Tore gefallen waren, mit drauf. Ich freute mich jedes Mal so sehr, dass ich begann Buch, zu führen. Ich notierte von allen HSV-Spielen Datum, Ergebnis, Zuschauerzahl, Torschützen und die Mannschaftsaufstellung.

Am 15. September 1982 war es dann so weit: Europapokal der Landesmeister, BFC Dynamo Berlin gegen „meinen“ HSV. IRRE! Karten gab es keine, der Mielke-Verein hat nur seine Stasimitarbeiter und eine Handvoll HSV-Fans ins Stadion gelassen. 13 000 Zuschauer, es wurde aber offiziell ein ausverkauftes Stadion gemeldet. In das Stadion passen 30 000 Fans.
Zum Glück hatte mein Vater einen Kumpel, der Ende der siebziger Jahre Stammtorhüter beim BFC war: Jürgen Bräunlich, so ist sein Name, er bekam von meinem Vater einen Anruf – ja wir hatten schon Telefon!

„Jürgen, mein Sohn will zum HSV!“ Und der Keeper und Freund meines Vaters besorgte uns tatsächlich drei Eintrittskarten. Mein Vater, Jürgen B. und ich zu „meinem“ Verein. Da gab es nur noch eine Sache: Jürgen Bräunlich sagte zu meinem Vater: „Dein Sohn darf sich nicht regen oder bei einem Tor für den HSV jubeln, dass geht nicht, das ist verboten.“ Das Spiel endete 1:1, „unser“ Tor schoss Jürgen Milewski (das Rückspiel haben wir mit 2:0, dank Jimmy Hartwig und Horst Hrubesch, gewonnen). In der Halbzeitpause, wir saßen in der Kurve unterhalb zweier Imbissbuden, drehte ich mich gerade dorthin – und staunte. Ich sah, wie Franz Beckenbauer, Günter Netzer und „unser“ Präsident Wolfgang Klein dort entlangliefen. Keiner nahm Notiz den Prominenten, nur ich. Als ich aufstehen wollte, um zu den drei Herren zu gehen, hielten mich zwei große Hände fest: Jürgen B. und mein Vater mussten es verhindern, dass ich zu meinen Idolen
gehen konnte, man durfte ja zum Klassenfeind keinen Kontakt haben. Ich weiß nicht, was da gerade in mir vorging, aber es waren Momente die ich nie vergessen werde.

Jimmy Hartwig kam wie alle Spieler ins Stadion gelaufen, nur er machte sich nicht so warm wie die anderen HSV-Spieler. Er lief eine Ehrenrunde, und zwar noch vor Spielbeginn, und er winkte allen zu. Das interessierte außer die paar HSV-Fans nur niemanden. Heute sehe ich das als reine Provokation – der Jimmy war halt schon immer einen kleinen Tick verrückter!

Dass ich seit der Wende schon viele HSV-Spiele gesehen habe, kann sich ja jeder denken. Längenfeld war jetzt noch das I-Tüpfelchen – mit „meinem“ HSV.

15.37 Uhr

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