Glückwunsch, ihr Helden von 1983!
25. Mai 2013
Und es begab sich zu jener Zeit, als Borussia Dortmund seinen Trainer Jürgen Röber vor die Tür setzen wollte. Fußball-Deutschland schrieb damals das Jahr 2007, es lief der dritte Monat des Jahres. Der frühere HSV-Profi Thomas von Heesen verhandelte geheim und total im Verborgenen mit Hans-Joachim Watzke, dem BVB-Macher. Beide Herren wurden sich einig, die Borussia setzte einen Vertrag auf, den Watzke unterschrieb und den von Heesen noch heute in seiner Schreibtischschublade zu liegen hat. Der frühere Hamburger hätte nur unterschreiben müssen, dann wäre er BVB-Trainer geworden, aber er wollte noch ein, zwei Tage abwarten. Und las dann zu seinem Entsetzen, dass das Geheimtreffen zwischen ihm und Watzke in aller Ausführlichkeit in der „Bild“ stand. Da von Heesen nichts verraten hatte (das wusste er hundertprozentig!), konnte das nur von der „anderen Seite“ gekommen sein – und Thomas von Heesen sagte der Dortmunder Borussia ab. Weil er einen solchen Vertrauensmissbrauch nicht ganz so gut ertragen konnte. Thomas Doll wurde dann vom BVB geholt – auch ein Hamburger.
Warum ich das aber schreibe? Wer nun schon eins und eins zusammenzählen kann, der weiß jetzt schon mal Bescheid.
Und es begab sich zu jener Zeit, als der HSV auf Sportchef-Suche war. Fußball-Deutschland schrieb das Jahr 2013, es lief (und läuft) gerade der fünfte Monat im Jahr. Da traf sich der HSV – ganz, ganz geheim – im Flughafen-Hotel mit zwei seiner aussichtsreichen Sportchef-Kandidaten, nämlich Oliver Kreuzer und Jörg Schmadtke. Und diese beiden Herren erlebten auch etwas höchst Seltsames. Zu ihren Geheimtreffen waren auch zwei Reporter von „Bild“ „geladen“ worden. Natürlich nicht von Kreuzer, auch nicht von Schmadtke. Diese beiden Herren hatten geglaubt, dass ein Geheimtreffen auch geheim verlaufen würde. „Bild“ aber war dabei. Gut recherchiert, die Herren. Wobei gleich zwei „Bild“-Herren in einem Hotel warteten. Das war schon ein Volltreffer. Und ich als Kollege kann den „Bild“-Kollegen nur gratulieren, sie haben wieder einmal eine Super-Nase bewiesen – und gehabt. Glückwunsch dazu. Soll nun aber niemand damit kommen, dass dieses Geheimtreffen auf irgendeine Art und Weise vom HSV, vermutlich sogar vom Aufsichtsrat, verraten worden ist. So war es bestimmt nicht. Ich frage mich allerdings, ob sich nun der „Fall von Heesen“ wiederholt? Charakterstarke Menschen mit Prinzipien würde wahrscheinlich denken, dass dieses Geheimtreffen verraten worden ist, und wenn sie dann, diese charakterstarken Menschen, noch viel mehr Charakter haben, dann verzichten sie wie einst Thomas von Heesen darauf, die Nachfolge von Frank Arnesen anzutreten. Ich bin mal gespannt, wie sich das noch entwickeln wird, wie stark die Charaktere der Herren Kandidaten sind . . .
Ansonsten wird heute, am Sonnabend, wohl nichts passieren – in Sachen Sportchef. Fußball-Deutschland denkt und lebt heute englisch. Da ich schon mehrfach gefragt worden bin, was ich bei Bayern – Dortmund tippe, will ich damit nicht hinterm Berg halten. Ich würde mich sehr über einen BVB-Sieg freuen, vor allen Dingen für Jürgen Klopp, dessen größter Fan ich bin, aber ich tippe auf einen lockeren 4:0-Sieg der Münchner. Die werden so abgezockt sein, dass sie schneller und besser Herr ihrer Nerven werden. Denke ich jedenfalls. Mal abwarten.
Heute vor 30 Jahren hat ja auch der Außenseiter gewonnen. Zum Glück. Das war fantastisch, dieser 1:0-Erfolg des HSV in Athen über Juventus Turin. Natürlich war das fantastisch, was denn sonst? Stein, Kaltz, Hieronymus, Jakobs, Wehmeyer, Groh, Rolff, Milewski, Magath, Hrubesch, Bastrup und von Heesen (kam in der 56. Minute für den verletzten Bastrup) werden auf ewig die HSV-Helden sein, und das 1:0 von Felix Magath hat sich längst für immer in die Köpfe von Millionen Fußball-Fans „eingebrannt“. Eine herrliche Zeit. Der HSV ganz oben in Europa.
Dass der HSV danach noch zwei Bundesliga-Spiele zu bestreiten hatte, nur drei Tage nach dem Triumph von Athen im Volkspark gegen Dortmund anzutreten hatte, das ist wahrscheinlich nicht mehr jedem HSV-Fan gegenwärtig. Die Borussia vom Borsigplatz wurde mit 5:0 besiegt (zweimal Horst Hrubesch, Jürgen Milewski und zwei Elfmetertore von Manfred Kaltz sorgten für diesen Erfolg), und dann ging es auf Schalke, wo der HSV durch Tore von Hrubesch und Wolfgang Rolff 2:1 gewann und Deutscher Meister wurde. Dank des besseren Torverhältnisses vor Werder Bremen. Irritiert war und bin ich immer noch, dass Ernst Happel, der Meistertrainer, damals sagte: „Die Meisterschaft bedeutet mir mehr als der Europapokal.“
Mir wäre heute beides lieber, aber das steht auf einem anderen Stück Papier.
Als im Sommer 1983 dann Horst Hrubesch den HSV verlassen musste (Standard Lüttich), begann der Abstieg dieser großartigen Mannschaft. Das „Kopfball-Ungeheuer“ war der Kopf dieses Teams, er hatte alle und alles im Griff, als er ging, entstand ein Vakuum, dass nie zu schließen war. Leider. Zumal die „Ersatzleute“, die dann verpflichtet worden waren, nämlich Dieter Schatzschneider und Wolfram Wuttke, sich bedauerlicherweise nur als „Rohrkrepierer“ erwiesen.
Abschließend sei gesagt: Herzlichen Glückwunsch, ihr Helden von 1983, ihr habt den Namen HSV noch größer und populärer gemacht, ihr habt das größte Stück Vereinsgeschichte geschrieben – und dafür danke ich euch immer wieder.
Ich weiß ja, dass der eine oder andere Held hier mitliest (sogar die Kommentare!), wenn er Zeit hat, wenn er auf Reisen ist und im Hotelzimmer im Bett liegt. Dann wird „Matz ab“ gelesen. Vielleicht ja auch heute. Gestern sagte mir auf jeden Fall (vielleicht hat es ja jemand beobachtet, als wir uns im Block House trafen?) ein Held von 1983: „Dieter, Du müsstest eigentlich das Verdienstkreuz Erster Klasse und am Bande erhalten, weil du . . .“ Aber den Rest schenke ich mir lieber.
Bei der Gelegenheit: Vielen Dank jenen Usern, die mir privat wieder viele, viele Mails zukommen ließen. Einige haben sich die allergrößte Mühe gegeben und haben viel mehr geschrieben, als ich es mit den längsten „Matz-ab“-Berichten jemals getan habe – danke. Da steckt viel Arbeit drin. Ich weiß das sehr zu schätzen, auch wenn ich (gelegentlich auch Scholle) darin durchaus mal nach allen Regeln der Kunst und nach Strich und Faden „vernichtet“ werde. Egal, die Mühe, die sich einige machen, die ist schon bemerkenswert.
Ein netter Zeitgenosse endet in seiner Mail an mich (er schickte es anonym über das Abendblatt) wie folgt:
Neiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin, natüüürlich nicht, du Witzfigur.
Armselig ist das. Einfach nur armselig.
Mit diesen interessanten, lieben, netten, höflichen, freundschaftlichen, versöhnlichen und natürlich nur gut gemeinten Buchstaben möchte ich heute dann auch enden. Danke, wie geschrieben, danke für alles und an alle. Ich schließe diesen netten Mitmenschen und natürlich alle „Matz-abber“ mit in mein heutiges Gute-Nacht-Gebet ein, ich liebe euch alle – ihr seid schon klasse. Eine Klasse für sich!
Bevor ich dieses Gute-Nacht-Gebet aber sprechen werde, gibt es noch einen heißen Fußball-Abend in und aus London, und zu diesem fußballerischen Höhepunkt wünsche ich euch und euren Lieben viel, viel Spaß und Freude – vertragt euch, auch wenn der „Falsche“ gewinnt, habt euch lieb, das Leben ist viel zu kurz, um sich ständig zu ärgern. Ganz sicher: Irgendwann kommt ein jeder mal an diesen Punkt, wo er so denkt. Und sich dabei fragt: Warum war ich damals nur so . . ?
Lasst mal wieder Ruhe einkehren.
PS: „Scholle“ hatte endlich einmal wieder eine angenehme Nacht, denn sein TSV Niendorf hat am letzten Spieltag die Rettung und den Klassenerhalt in der Oberliga Hamburg geschafft. Glückwunsch, Digger! Ein wenig traurig bin ich, dass der USC Paloma nun doch noch baden ging – denn die Vormittags-Grandspiele an der Brucknerstraße werde ich nun vermissen. Hoffentlich hören die blauen Tauben nicht auf zu fliegen, denn dann müssten sie doch im nächsten Jahr wieder da sein – oder?
15.59 Uhr