Archiv für das Tag 'Mickel'

Alle wollten sich auf van der Vaart stürzen . . .

2. Januar 2013

Sie wurden ja noch einmal gefordert, die HSV-Profis. Vor der Abreise nach Abu Dhabi am Mittag wurde noch zu einer Einheit in den Volkspark gebeten. Etwas vor der Zeit wurde begonnen, und dann über eineinhalb Stunden geackert. Keine Kondition gebolzt, nein, das nicht, es wurde vielmehr die gepflegte Ballschule geübt. Und zum Abschluss noch ein Spielchen über etwas weniger als ein Viertel des Platzes. Auffällig dabei: Dennis Aogo bezwang Rene Adler mit einem satten Rechtsschuss (!), Tomas Rincon traf – unglaublich – mit einem echten „Hammer“ ins Tor (und zeigte danach jedem die Faust!), Gojko Kacar trainierte und bemühte sich, als ging es für ihn noch um einen Stammplatz in Hamburg, und kurz vor Ende des Spiels lieferten sich noch Michael Mancienne und Artjoms Rudnevs ein ganz heißes Duell, bei dem am Ende beide kurzzeitig am Boden lagen. Mancienne allerdings hielt sich etwas länger die Stöcker . . . Letztlich aber ging es auch bei ihm weiter.


Kurz noch eine kleine Personalie am Rande: Marcell Jansen trainierte lange Zeit mit den Kollegen (als es um die Ballschule ging), dann wurde er „ausgegliedert“ und trainierte mit Fink-Assistent Frank Heinemann separat. In meinen Augen nur eine Vorsichtsmaßnahme, weil Jansens letzte Verletzung noch nicht ganz so lange her ist – sicher ist sicher. Der ehemalige Nationalspieler wirkte danach völlig zufrieden, gab viele Autogramme und lächelte oft in die Fotoapparate der Fans hinein. Ist also alles bestens mit ihm.

Trainings-Kiebitze waren an diesem Mittwoch natürlich wieder jede Menge vor Ort, aber Kamerateams, so schien es, waren doch leicht in der Überzahl! Der Kollege der Mopo hatte letztlich zehn gezählt, für mich waren es gefühlte 30. Und alle – fast alle – wollten sich nach dem Training natürlich und selbstverständlich auf Rafael van der Vaart stürzen. Aber der wollte nichts sagen. Und er sagte auch nichts, wurde zudem gut und bestens vom Sicherheitsdienst abgeschirmt – sicher ist auch in diesem Fall sicher. Falls dann einer doch mal dabei ist, der Sylvie eventuell mal rächen wollte . . .

Ja, das Thema van der Vaart war natürlich der Hammer an diesem 2. Januar. Ich sage dazu etwas auf Video, schreiben möchte ich dazu eigentlich nichts – was hat eine Ehekrise oder eine mögliche Scheidung schon mit Fußball zu tun? Nichts. In meinen Augen. Ich finde es allerdings schon höchst bedauerlich, dass ein solches Thema nur Stunden danach in fast allen Zeitungen auf der Seite eins steht – und so breit getreten wird. Kein Kommentar – das wäre wohl das Beste in einem solchen Fall, aber ich bin auch nicht prominent, weiß deshalb nicht, ob man da nicht mit den Medien MITspielen muss? Schön finde ich es trotz allem nicht, aber es ist wohl so, dass der Bürger Otto Normalverbraucher wohl doch alles sehr, sehr genau wissen muss, was bei den Promis so los ist. Ich kann nur hoffen, dass sich niemand daran ein Vorbild nimmt, seine Frau zu schlagen – so etwas geht nämlich gar nicht. Egal – unter welchen Umständen auch immer, egal, was es vorher für Provokationen gegeben haben könnte – eine Frau schlagen geht gar nicht. Das weiß die „ewige 23“, die sich diesmal leider nicht wie ein “kleiner Engel” benommen hat, ganz sicher selbst – und wird sich deshalb auch schön schämen.

Bei der Gelegenheit: „Scholle“ (und damit auch ich) wusste schon Anfang Dezember, dass es zur Trennung kommen würde, oder dass die Trennung sogar schon beschlossene Sache ist. „Scholle“ sprach deshalb mit HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf, der aber nicht groß auf diese Sache eingehen wollte. Und da auch „Scholle“ davon überzeugt war und ist, dass eine solche Sache eher eine Privatangelegenheit ist, hat er nichts weiter davon gemacht. Und das war auch gut so.
In diesem Zusammenhang aber ist es schon erschreckend, was es plötzlich für viele (und schlimme) Gerüchte gibt. Ich glaube ja, dass sich diese Ehekrise noch etwas hinziehen wird – und dass uns auch noch einige pikante Einzelheiten noch auf dem Präsentierteller gelegt werden. Ich hoffe es für beide van der Vaarts eigentlich nicht, aber bei diesem Hype wird es wohl nicht anders gehen – es droht uns ein Fortsetzungs-Roman. Wie gut, dass „Raffa“ nun erst einmal in Abu Dhabi trainieren muss . . .

Bei den vielen Mails und Anrufen, die ich in diesem Zusammenhang erhielt, wurde überwiegend eine Frage zum Schluss gesetzt: „Vermutest du, dass sich das alles auch auf den HSV abfärben könnte, dass deshalb nun wieder Unruhe herrscht – und die Leistungen der Mannschaft auch wieder schlechter werden?“ Sogar das Wort „Abstieg“ wurde einige Male mit einbezogen. Ich sage: nein! Ganz klar nein. So weit wird es nicht kommen. Wir werden es aber erleben – so oder so.

Ansonsten fliegt die Mannschaft zurzeit der Sonne entgegen, es hat personell keine Veränderungen im Kader gegeben. Robert Tesche hat heute noch einmal mit der Mannschaft trainiert (wollte danach aber nicht mit den Medien-Vertretern reden), wird sich in den nächsten Tagen dann bei der Regionalliga-Truppe von Rodolfo Cardoso fit halten. Und sich wohl parallel dazu nach einem neuen Verein umsehen (müssen). Auch wenn sei Berater darüber weniger erbaut ist. Aber so ist das Leben in der Marsch. Das ist eine Schattenseite des Profi-Fußballs. Wobei es in den meisten Kommentaren hier ja auch schon durchgeklungen ist: Tesches Vertrag wurde erst noch verlängert, das allein hätte nie und nimmer passieren dürfen, das war eine absolute Fehlleistung. Und diese will der Klub nun mit dieser Maßnahme (der Nicht-Berücksichtigung für das Trainingslager) noch schnell ein wenig korrigieren. Ich sehe aber immer noch das blanke Entsetzten meiner Kollegen vor Augen, als sie damals erfuhren, dass mit Tesche – völlig überraschend – verlängert wurde. Und die meistgestellten Fragen waren die: „Warum? Wieso war das nun nötig? Haben die keine Augen im Kopf . . ?“ Okay, das ist nun Geschichte, der HSV blickt nach vorne – und wir sollten es nun auch tun. Tom Mickel ist weg, Gojko Kacar fast, wenn dazu noch Tesche und auch noch Marcus Berg kämen, dann hätte der HSV schon mal eine (kleine?) finanzielle Belastung weniger an der Backe.
Dass Tesche schon einmal kurz vor einem Wechsel zu Hannover 96 stand, das ist wahr. Viel hat damals nicht gefehlt. Wenn ich mich aber richtig erinnere (ihr könnt mir auf die Sprünge helfen), dann war es Michael Oenning, der sich dafür einsetzte, dass Tesche doch in Hamburg blieb. Oder es war Armin Veh, der keinen Spieler mehr abgeben wollte – und Oenning war der große Befürworter, dass Tesches Vertrag verlängert wurde. So war es, meine ich. Denn Oenning setzte in seiner kurzen Ära ja als fast erster HSV-Trainer “voll” auf Tesche. Ohne allerdings dafür belohnt worden zu sein – mit guten Leistungen.

Und gleich noch einmal Hannover 96. Bei Kacar sieht es nun ganz nach einem Wechsel zu den Niedersachsen aus. Die Agentur schrieb dazu heute:

(dpa/lni) – HSV-Sportchef Frank Arnesen rechnet beim geplanten Transfer des Mittelfeldspielers Gojko Kacar von Hamburg zu Hannover 96 mit einer schnellen Entscheidung. Innerhalb von 48 Stunden soll laut Arnesen Klarheit herrschen. „Wir reden noch und müssen sehen, dass wir klarkommen“, sagte der Sportchef der Hamburger am Mittwoch vor dem Abflug ins Trainingslager: „Positiv ist, dass alle drei Seiten wollen.“ Der 25 Jahre alte Serbe war im Sommer 2010 aus Berlin zum HSV gewechselt.

Der serbische Nationalspieler selber hatte über den Transfer nach Hannover gesagt: „Die Sache würde ich gerne machen.“ Der defensive Mittelfeldakteur reiste wie Robert Tesche nicht mit ins HSV-Trainingslager nach Abu Dhabi.

„Wir sind im Gespräch“, sagte 96-Manager Jörg Schmadtke zu einem möglichen Wechsel von Kacar. Der von Hertha BSC gekommene Profi, der nach einem Knöchelbruch wieder fit ist, konnte sich in Hamburg nicht durchsetzen. Der klamme (und große) HSV muss im Winter über Ablösesummen und eingesparte Gehälter 6,4 Millionen Euro erwirtschaften.

Gojko Kacar sagte dem Sky-Kollegen heute in unserem Beisein: „Ich muss mit Hannover noch etwas abklären, und das wird in den nächsten Tagen geschehen. Hannover ist ein Super-Verein, es gefällt mir, dass sich ein solcher Verein für mich interessiert. Ich würde dort gerne spielen. Jetzt werde ich meinen Kopf freimachen, damit ich die richtige Entscheidung treffen kann.“ Hannover 96 fliegt am 5. Januar ins Trainingslager, der Wechsel, so sagen es alle Beteiligten, wäre also bis zum 4. Januar äußerst sinnvoll, denn dann könnte Gojko Kacar mit dem „kleinen“ HSV mitfliegen.

Auch in Sachen Marcus Berg gibt es ein wenig Bewegung. Der Schwede hat dem HSV signalisiert, dass er dann einem Wechsel nach Spanien zustimmen würde, wenn der richtige Verein käme. Ich glaube, dass mit „richtiger Verein“ nicht unbedingt Real Madrid oder der FC Barcelona gemeint sind. Aber angeblich soll es ja über Berater doch ein, zwei oder gar drei lockere Interessenten aus Spanien für Berg geben – und das klingt doch gut. Oder auf jeden Fall ausbaufähig . . .

Und noch eine Personalie könnte sich noch ergeben, vielleicht aber erst nach der Rückkehr der Mannschaft aus dem Trainingslager: Jeffey Bruma möchte wohl weg aus Hamburg, das hat er Frank Arnesen auch mitgeteilt. Wohl noch einmal, und wohl noch einmal ein bisschen vordinglicher als die Male zuvor. Aus den Niederlanden soll sich ja auch noch etwas tun (können), wie zu hören war, deshalb glaube ich daran, dass sich auch da noch etwas tun wird. Obwohl Arnesen sagt: „Wir werden da nicht leichtfertig handeln, denn Jeffrey ist rechts der erste Mann hinter Dennis Diekmeier, und auch in der Innenverteidigung könnte er sehr wohl einmal benötigt werden, falls es dort personelle Engpässe geben sollte. Jeffrey ist ja eng dran, es ist nur sein Pech, dass die Männer, die vor ihm sind, konstant gut spielen.“

Und dieses Problem wird, wenn er denn bleiben sollte, nicht nur ein Jeffrey Bruma haben. Wenn ich so an das „dichtbevölkerte“ Mittelfeld denke, dann könnte es dort noch viel enger werden – und auch den einen oder anderen noch etwas prominenteren Kollegen mit einem kurzfristigen oder auch längerfristigen Bankdasein treffen. Da muss nur schnell mal ein jeder bis vier zählen . . .

So, nun warte ich zunächst einmal die Landung des HSV in Abu Dhabi ab (ich weiß, zuerst in Dubai!), dann geht es weiter. Der HA-Kollege Kai Schiller ist mit der Mannschaft vor Ort und wird mir berichten.

Ganz kurz noch zum Thema Schiedsrichter, zu dem ich um „Toleranz“ gebeten hatte. Was mir natürlich – ich hatte es nicht anders erwartet – sofort um die Ohren flog. Günter Perl ist hier das Stichwort. Ich gebe ja auch zu, dass ich da (in diesem Punkt) ein wenig über das Ziel hinaus geschossen bin, aber ich glaube, dass ich bislang in dieser Saison nur sehr, sehr wenig an den Schiedsrichter herumgemäkelt habe. Sogar an Perl nur ganz wenig, wenn ich mich auch da richtig erinnere. Und ansonsten gibt es noch zwei Punkte zu diesem Thema zu sagen: Erstens gab es in der Hinrunde, bis auf den Kollegen Wolfgang Stark (beim Spiel in Frankfurt, als Petr Jiracek die lächerlichste und überflüssigste Rote Karte der letzten zehn Jahre sah), überwiegend gute oder auf jeden Fall ordentliche Leistungen des 23. Mannes, und zweitens habe ich mir vorgenommen, tatsächlich mit (viel) mehr Nachsicht über die Herren „Schwarzkittel“ zu schreiben und zu urteilen. Was mir bislang eigentlich ganz gut gelungen, was bislang aber nicht bei allen meinen Kollegen auf viel Verständnis gestoßen ist. Einige Kollegen sehen die Unparteiischen nämlich sehr viel schlechter als ich . . .
Vielleicht können wir uns ja auf folgende Formel einigen: Ich werde nachsichtiger mit den Herren umgehen – und ihr dann auch. Wäre das ein guter Kompromiss? Ich bin dabei.

18.09 Uhr

Fink, Teil 2: “Es war schon fast so weit, dass Arnesen oder ich gehen mussten…”

29. Dezember 2012

Morgen geht es wieder los. Um 15 Uhr bittet HSV-Trainer Thorsten Fink seine Spieler zur Vorbereitung auf die Rückrunde. Auch Petr Jiracek (Schambeim-OP) sowie Rafael van der Vaart sollen nach überstandenen Verletzungen wieder ins Training einsteigen. Ebenfalls die Spieler, denen der HSV einen Wechsel in der Winterpause nahe gelegt hat. Und davon sind noch einige da, nachdem bislang nur Tom Mickel (ablösefrei nach Greuther Fürth) abgegeben werden konnte. Fest steht inzwischen auch, dass David Jarolim dem HSV nicht als Führungsspieler für die U23 zur Verfügung stehen wird. Dass sich der Tscheche von Ex-Klubchef Bernd Hoffmann und Ex-Profi Stefan Schnoor helfen lässt – für mich nichts Besonderes. Deshalb gleich rein in Teil 2 von „Thorsten Fink über…“

…die Spieler, die ihre Verträge beim HSV „aussitzen“ wollen:
„Es steht mir nicht zu, über diese Spieler zu urteilen“, sagt Fink und fügt hinzu: „Wir haben Verträge mit den Spielern gemacht, die diese erfüllen können, wenn sie es wollen. Das ihr gutes Recht und die Pflicht des Vereins. Und bei mir haben alle Spieler die Möglichkeit, sich aufzudrängen. Allerdings haben wir mit allen Spielern sehr ehrliche Gespräche geführt und ihnen klar gemacht, dass sie sich dann auch über die Konsequenzen im Klaren sein müssen. Wir arbeiten hier offen und ehrlich und alle wissen, woran sie bei mir und uns als Verantwortliche sind. Denn so darf es keine Unzufriedenheit geben – weil sie es vorher wussten. Und letztlich entscheiden eh die Spieler, ob sie lieber spielen oder auf der Bank oder gar Tribüne sitzen wollen.

… seine größte Enttäuschung 2012:
Ich will da eigentlich nicht mehr auf Slobodan Rajkovic rumreiten. Boban und ich haben uns ausgesprochen und er ist wieder ein Teil des Teams wie alle anderen auch. Er kann sich mit guten Trainingsleistungen ebenso reinspielen wie alle anderen. Aber sein damaliges Interview war auch deshalb enttäuschend, weil ich den Spielern immer alle Freiheiten gebe. Fast genauso enttäuschend war für mich, wie Frank Arnesen hier einige Zeit lang beäugt wurde. Das habe ich mir anders vorgestellt. Immerhin will ich hier langfristig mit dem bestehenden Team zusammenarbeiten. Und dazu zählt ganz sicher auch Frank.

…die kritische Phase vor der Verpflichtung von Jiracek und van der Vaart:
Wir wurden hart kritisiert, und das wohl zurecht. Allerdings muss man hier in Hamburg lernen, dass wir erst einmal nur kleine Brötchen backen können. Hier lassen sich viele noch immer zu leicht von Momenten blenden. Sowohl wenn es ums Jubeln geht wie auch im negativen Fall. Das ist zwar überall so, das kenne ich ja auch noch aus meiner aktiven Zeit. Aber es ist hier schon extrem. Fakt ist, dass wir nach 2011/2012 auch dieses Jahr wieder einen Umbruch vollzogen haben und wichtige Spieler wie David Jarolim, Paolo Guerrero und Mladen Petric abgegeben haben, die allesamt als Leistungsträger galten. Wir sind noch nicht soweit, dass wir uns nur noch punktuell verbessern. Wir haben uns auch dieses Jahr nicht verstärkt sondern wieder etwas neu aufgebaut. Das Nachbessern und steigern kommt erst noch…

…die Systemumstellung:

Das System machen die Spieler, die ich als Trainer zur Verfügung habe. Und plötzlich musste ich mich fragen, wie ich zwei große Talente wie Son und Beister stärken kann. Ich musste mich fragen, wie ich das Problem im Sturm lösen und wie ich Dennis Aogo wieder einbauen kann. All das hat am Ende dazu geführt, dass wir umgestellt haben. Wir haben so mehr Ballsicherheit und sind zusätzlich über die Außen noch variabler. Positiv überrascht war ich davon, wie gut die Mannschaft all das umgesetzt hat, nachdem nach Jiracek auch noch van der Vaart ausgefallen war. Aber es zeigt mir auch, dass wir uns weiterentwickeln. Und darum geht es hier.

…Frank Arnesen:
Frank ist ein guter Kollege und ein absoluter Teamplayer. Ich hätte es auch zur größten Enttäuschung 2012 zählen können, dass die Art und Weise, wie mit ihm umgegangen wurde, war nicht korrekt. Besser gesagt, die Art und Weise, wie mit uns umgegangen wurde. Denn einige haben so getan, als wollten sie uns helfen. Dabei haben sie nur versucht, uns ein gestörtes Verhältnis anzudichten. Auch wenn man es den Flüsterern nicht glaubt, ein klitzekleiner Rest Zweifel bleibt. Diese Situation wurde schon sehr weit getrieben. Ich dachte schon, einer muss gehen. Aber genau deshalb haben Frank und ich uns immer ausgesprochen. Wir wussten eigentlich immer, wie es um uns bestellt war. Wir verstehen uns top – aber wir diskutieren trotzdem. Das interpretieren offensichtlich einige falsch, denn das gehört dazu und ist sogar förderlich. Zudem ist Frank keiner, der laut wird. Und er setzt sich durch. So wie im Fall Rene Adler, was ich ihm hoch anrechne. Bei aller Kritik an Frank muss am Ende doch das gewertet werden, was rauskommt. Und da sehe ich sehr talentierte, junge Chelsea-Spieler. Die sind alle gut. Und für Töre gab es doch letztlich noch viel Geld! Wen hat Frank denn sonst geholt, der nicht gut ist? Rafa? Milan? Petr? Allesamt super. Aber das reicht einigen nicht. Die suchen dann Artjoms Rudnevs aus und bemängeln dessen technische Fähigkeiten. Trotzdem hat dieser Spieler im Ergebnis sechs Tore erzielt. Was also will man gegen Franks Personalstrategie sagen? Ich hoffe nur, dass hier alle etwas gemäßigter reagieren und uns in Ruhe arbeiten lassen, auch wenn es mal etwas schwer fällt. Denn inzwischen haben wir hier einen Trainerstab und Vorstand, die eng zusammenarbeiten und sich gegenseitig stützen. Hier braucht kein Spieler zu glauben, ein Trainerwechsel würde ihm Veränderungen bringen, nein. Wir haben hier eine gemeinsame Philosophie, die wir durchsetzen. Zusammen.

Klare Worte von Fink, die mich ahnen lassen, weshalb nahezu alle Spieler seine motivierende Art loben. Fink ist schon wieder auf Betriebstemperatur. „Ich brenne sogar auf den Beginn der Vorbereitung“, so Fink, der nach eigener Aussage keine Pause braucht, um Kraft zu tanken. „Für mich ist es nur wichtig, mal etwas Abstand zu den Leuten zu haben, mit denen ich täglich zusammenarbeite. Das garantiert, dass keine Abnutzung und/oder Gewöhnung uns lahmen lässt. Das ist wichtig. Denn so kommen wir zusammen und sprühen vor Energie.“

Wohin diese Energie führt, wollte Fink nicht abschließend prognostizieren. Dafür habe ich ihm noch ein paar Sätze in den Mund gelegt, die der Trainer mit Ernsthaftigkeit und auch mal der richtigen Portion Humor zu beantworten wusste. Aber lest selbst…

Am Saisonende werden wir…
…unsere Ziele erreicht haben.

Der HSV wird wieder Meister, wenn…

…man mich hier mal fünf Jahre am Stück arbeiten lässt (Fink lacht). Aber im Ernst, das steht in den Sternen, so etwa ist nicht kalkulierbar. Wir können nur zusehen, die Wahrscheinlichkeit eines Titels zu erhöhen, indem wir uns hier nicht vom Weg abbringen lassen. Dafür ist es besonders wichtig, dass die Entscheidungsträger die nötige Geduld mitbringen und alle den Blick für den eingeschlagenen Weg im Auge behalten. Egal, was gerade links oder rechts des Weges stört…

Hakan Calhanoglu wird bei uns…
…reifen und am Ende die Qualität haben, Rafael van der Vaart zu ersetzen. Hakan wird Zeit brauchen – und wir geben sie ihm. Denn er hat alle Voraussetzungen.

Für 2013 kann ich den Fans versprechen, dass sie…
…von mir nie irgendwelche Versprechung zu hören bekommen. Das ist nichts für mich. Ich mache lieber als nur darüber zu sprechen. Klar ist aber, dass sie 2013 häufiger Spiele sehen werden wie das gegen Schalke.

Tiki taka wird es beim HSV…
…niemals geben. Das ist dem FC Barcelona vorbehalten und innerhalb von ein, zwei Jahren nicht umzusetzen. Der Weg dahin ist sehr lang.

Lionel Messi würde beim HSV…
…sein fernbleiben zu Saisonbeginn wettmachen können, indem er herwechselt. Er würde auch sehr gut aufgehoben sein und unter meiner Führung aller Wahrscheinlichkeit nach (Fink lacht) einen Stammplatz haben.

Hamburg ist die Stadt…
…in der jeder mal gewohnt haben sollte. Ein Traum.

Ich werde 2013…
…versuchen, hier Trainer zu bleiben. Aber im Ernst: Ich werde mich aufreiben und in allen Bereichen Vollgas geben und den Verein mit allen mir verfügbaren Mitteln verteidigen. Ich brenne darauf, Fortschritte mit der Mannschaft zu machen und ich werde dafür alles geben. Sollte mich irgendjemand daran hindern wollen, wird es ungemütlich für ihn. Ich habe noch lange nicht genug, ganz im Gegenteil: Ich brenn’ wie ne Fackel…!

Ich auch. Auf den HSV und auf Fußball. Allerdings jetzt auch auf meinen Feierabend. In diesem Sinne, genießt das Wochenende. Morgen ist wieder Dieter dran, dann mit dem Trainingsauftakt. Davor stehen uns Rafael van der Vaart und Fink zur Verfügung.

Bis morgen,
Scholle

Ein weihnachtliches HSV-Gedicht

24. Dezember 2012

Liebe “Matz-abber”

euch und euren Lieben wünschen wir, “Scholle”, das Moderatoren-Team und ich, ein wunderschönes, stressfreies Weihnachtsfest. Weihnachten ist ein Fest der Liebe, deswegen wäre es fein, wenn es überall friedlich und liebevoll zugehen würde. Ich wünsche es euch. Und bedanke mich gleichzeitig für eure unglaubliche Treue und eure Freundschaft – es ist auch für ich ein großes Glück, so viele nette Menschen hier kennengelernt zu haben. Danke dafür. Und einen besonderen Dank möchte ich mal an die weiblichen “Matz-abber” loswerden – ihr seid wirklich, wirklich klasse. Herzlichen Dank für eure nimmermüde Unterstützung, ihr tragt viel für den Zusammenhalt des Blogs bei. Ein besonderer Dank geht auch an “el Presidente” Benno Hafas.

So, nun das Gedicht – Teil eins. Heute schon etwas früher, aber es ist ja Weihnachten. Und da ich drei Familien kenne, wo die Knaben (einmal auch der Vater) diese Reime vor dem Tannenbaum aufsagen (vorlesen) sollen, haben sie nun noch ein wenig Zeit, um für den heutigen Nachmittag zu üben. Viel Spaß damit!
Teil zwei folgt morgen ebenfalls in den Vormittagsstunden. Und los geht es:

Du lieber guter Weihnachtsmann,
nimm Dich ’ner guten Sache an,
ich glaub Du weißt es schon genau,
es geht um uns’ren HSV,
kümmer’ Dich nun auf die Schnelle,
denn der Klub tritt auf der Stelle,
Platz zehn ist ja nicht wirklich gut,
mir jedenfalls macht das kein’ Mut,
ein wenig mehr dürft’ es schon sein,
für einen Traditions-Verein,
nimm das nun in Deine Hände,
gib uns endlich diese Wende.

Wir alle ha’m schon viel geflucht,
der HSV hat viel versucht,
im Dschungel wurde aufgetankt,
die Mannschaft hat es nicht gedankt,
Fußball ha’m sie glatt vergessen,
lernten dafür Maden essen,
von der Umwelt abgeschnitten,
haben sie im Wald gelitten,
Handy, Laptop, Playmobile,
gab es nicht – nur and’re Spiele,
Feuer machen – Fische fangen,
Spinnen jagen – und auch Schlangen,
Kanu fahren – Hölzer hacken,
ab und an ein Brot noch backen,
damit Mann überleben kann –
nur Fußball fiel dabei nie an,
und das war dann auch zu sehen,
wie soll das nur weitergehen?

Das Überleben hat geklappt,
nur Punkte wurden nicht geschnappt,
im Dschungel kamen sie zurecht,
nur spielten alle wie bezecht,
Nürnberg, Bremen und die Hessen,
ha’m den HSV gefressen,
den Spielern schlotterten die Knie,
der Abstieg schien so nah wie nie.

Bis dann Herr Kühne übernahm,
und auf die „23“ kam,
für den Engel gab’s Millionen,
und die sollten sich gleich lohnen,
Tore gab es – dazu Siege,
„Raffa“ – keine Eintagsfliege,
brachte Ordnung, brachte Ruhe,
ohne großes Star-Getue,
und im Falle eines Falles,
hielt der Adler einfach alles,
der Keeper wurd’ der große Held,
so ging es bald ins Mittelfeld.

Doch das kann ja nicht alles sein,
das, Weihnachtsmann, siehst Du wohl ein;
einst war’n wir in der Spitze drin,
da wollen wir auch wieder hin,
neben Bayern – vor den „Knappen“,
Titel woll’n wir wieder schnappen,
führ’ an der Eintracht uns vorbei,
denn wir gehö’rn doch auf Platz drei,
wir woll’n nicht nur überleben,
lass uns nach ganz oben streben,
gib uns Geld – ’nen ganzen Batzen,
lasse Träume nicht gleich platzen,
mach uns Mut und gib uns Klasse,
schenk uns auch noch neue Asse
so kriegen wir dann einen Lauf,
und roll’n das Feld von hinten auf.

Drum lieber, guter Weihnachtsmann,
pack es nun echt mal richtig an,
leg sofort los – und mach mal hin,
dann ist doch noch Europa drin!
Bring’ Spaß und Lust und Leidenschaft,
das wäre sicher vorteilhaft,
lass die Spieler sich zerreißen,
lass sie kämpfen, kratzen, beißen,
und schenke auch – das ist kein Scherz,
jedem der Jungs ein Rauten-Herz,
pack sie am besten einzeln an –
und nun mal los, Du Weihnachtsmann:

Dem Drobny gebe viel Geduld,
dass er nicht spielt – nicht seine Schuld,
oder Du suchst ihm ein’ Verein,
dort könnt’ er Nummer eins dann sein,
gut wär’ auch, er würd’ mal sprechen,
lass ihn den Boykott nun brechen,
er hat lang genug geschwiegen –
so viel Sturkopf ist gediegen.

Den Rene Adler – Torwart-Gott,
den halte fit, den halte flott,
schenk ihm nochmals tausend Hände,
so wird er hier zur Legende . . .

Halt auch Mickel bei der Stange,
dass er manchen Ball noch fange,
ein gutes Team braucht auch Ersatz –
und er ist gut, macht kein’ Rabatz,
auf ihn ist in der Not Verlass,
das kommt dann allen hier zupass.

Gib Sven Neuhaus Spaß und Laune,
ich geb zu, dass ich nur staune,
wie er hier nur als Nummer vier,
sich Ball auf Ball greift – voller Gier,
er hat Lust sich zu bewegen,
und ist wichtig für Kollegen,
weil er sie aufbaut – munter macht,
bei bester Stimmung auch viel lacht.

Diekmeiers Dennis gib den Tipp
- er ist zwar auf ’nem guten Trip -
doch da ist noch Luft nach oben,
er muss rechts noch viel mehr toben,
lass ihn rauf und runter laufen,
lass ihn stöhnen, lass ihn schnaufen,
lass ihn auch mal schärfer flanken –
seine Stürmer würden’s danken,
und in Sachen Zweikamphärte,
könnte Rincon, als Experte,
wie man es macht, und wie geht,
wie man auf Gegners Füßen steht,
wie man sich fair Respekt verschafft
- der Dennis steht doch voll im Saft.

Und gib Mancienne den Pass nach vorn,
er schürt per Fehlpass Volkes Zorn,
oftmals hilft auch eine Brille,
und dann dankt es die Pupille,
Fehler lassen sich vermeiden,
und kein Fink, kein Fan muss leiden.

Heiko Westermann – Maschine,
gib die Kraft als Mannschafts-Biene,
er ist Vorbild, Chef und Klopper,
und als Double Meister Propper,
dieser Kerl ist eine Pracht,
der hier nun jedem Freude macht,
’ne glatte Eins, der gute Mann,
der hier zuletzt nur noch gewann.

Marcell Jansen schenke Power,
er ist jetzt ja sehr viel schlauer,
er sucht nun hinten links sein Glück,
und rückte nur ein Stück zurück,
um für Jogis Team zu spielen,
und nach Rio so zu schielen,
denn die WM am Zuckerhut,
die täte ihm bestimmt ganz gut,
und auch der HSV wär’ froh,
denn brennt der Jansen lichterloh,
dann ist er fit, dann gibt er Gas,
dann zeigt er hinten links auch was.

Den Jeffrey Bruma wecke auf,
der steckt in einem Anti-Lauf,
und merkt nichts und vergisst den Kampf,
setz ihn mal wieder unter Dampf,
mach ihn stark und mach ihn munter,
denn sonst geht er leider unter.

Den Zhi Gin Lam, der Lahm-Verschnitt,
den mach auch auf der Brust mal fit,
schick ihn in die Folterkammer,
dann sind auch die Waden strammer,
lass ihn die Gewichte heben,
und nach einem Body streben,
mit dem er jeden Gegner checkt,
vor dem sich jeder Gegner schreckt.

Scharners Paul musst Du stoppen,
der lässt sich nicht gerne foppen,
dann langt er hin, dann langt er zu,
dann kommt der Schiri und sagt: „Du,
das war der eine Tritt zu viel . . .“
Es folgt das Rot vom Kartenspiel.
Verhind’re das, das muss nicht sein,
denn Scharner, der ist nicht gemein,
er ist so nett, ein braver Mann,
der niemand’ etwas Böses kann.

Den Badelj, den mach zum Sprinter,
jetzt, sofort, noch diesen Winter,
ein wenig schneller – wär schon klasse,
und wär hilfreich – eine Masse,
dann wär er auf der Sechs der Mann,
der alles macht, der alles kann.

Hol Tomas Rincon von der Bank,
er hat den Tiger stets im Tank,
gib dem Meister der Attacke,
etwas Spielwitz an die Hacke,
mit viel Ideen – und etwas List,
dass er nicht nur Zerstörer ist.

Bring bitte Petr Jiracek,
so schnell wie möglich hier an Deck,
der Mann reißt mit, der Mann gibt Gas,
und ist er fit – ist er ein Ass,
der bringt den HSV voran,
drum bitte führ ihn schnell mal ran,
mit ihm geht’s bestimmt nach oben –
holst Du ihn – ich werd Dich loben.

Rajkovic gib Boxhandschuhe,
oder die gewisse Ruhe,
dass er die Contenance bewahrt,
dass er im Training smart und zart,
ganz sachte nur dazwischen fährt,
das wär für ihn nicht so verkehrt,
nie mehr treten, nie mehr schlagen,
nie mehr den geplatzten Kragen,
mal auszurasten ist tabu -
ein Gentleman von Kopf bis Schuh,
und Interviews sind auch verpönt,
weil die nie von Erfolg gekrönt.

Der „Liverpooler“ Heung Min Son,
geht uns vielleicht schon bald davon,
er hat sich ja fein rausgemacht,
er schießt so hart – dass es schön kracht,
doch auch mal dagegenhalten,
Gegner mal zusammenfalten,
da macht er stets ‚nen Bogen drum,
da stellt er sich ganz plötzlich dumm,
da hält er sich ganz vornehm raus,
da nimmt er lieber schnell Reißaus;

drum knöpf ihn Dir mal richtig vor,
sonst geht’s nach unten – statt empor,
und alle lachen sich halbschlapp,
denn Liverpool winkt dann auch ab.

Der Robert-Tesche-Fußball-Gott,
der spielt im Training meistens flott,
er schießt, er köpft – und nichts misslingt,
was nichts bedeutet – weil’s nichts bringt,
wird ins Spiel er mal beordert,
und ist richtig mal gefordert,
gibt’s von Tesche nichts zu sehen,
so ist das schon oft geschehen,
deshalb schick ihn in die Ferne,
er spielt ja ganz sicher gerne,
das muss dann woanders gehen,
er wird das bestimmt verstehen . . .

So, noch einmal frohe Festtage – Teil zwei folgt morgen an dieser Stelle.

Alles Gute für euch, feiert schön und in aller Ruhe,

Dieter

10.36 Uhr

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