Archiv für das Tag 'Mickel'

Ein weihnachtliches HSV-Gedicht

24. Dezember 2012

Liebe “Matz-abber”

euch und euren Lieben wünschen wir, “Scholle”, das Moderatoren-Team und ich, ein wunderschönes, stressfreies Weihnachtsfest. Weihnachten ist ein Fest der Liebe, deswegen wäre es fein, wenn es überall friedlich und liebevoll zugehen würde. Ich wünsche es euch. Und bedanke mich gleichzeitig für eure unglaubliche Treue und eure Freundschaft – es ist auch für ich ein großes Glück, so viele nette Menschen hier kennengelernt zu haben. Danke dafür. Und einen besonderen Dank möchte ich mal an die weiblichen “Matz-abber” loswerden – ihr seid wirklich, wirklich klasse. Herzlichen Dank für eure nimmermüde Unterstützung, ihr tragt viel für den Zusammenhalt des Blogs bei. Ein besonderer Dank geht auch an “el Presidente” Benno Hafas.

So, nun das Gedicht – Teil eins. Heute schon etwas früher, aber es ist ja Weihnachten. Und da ich drei Familien kenne, wo die Knaben (einmal auch der Vater) diese Reime vor dem Tannenbaum aufsagen (vorlesen) sollen, haben sie nun noch ein wenig Zeit, um für den heutigen Nachmittag zu üben. Viel Spaß damit!
Teil zwei folgt morgen ebenfalls in den Vormittagsstunden. Und los geht es:

Du lieber guter Weihnachtsmann,
nimm Dich ’ner guten Sache an,
ich glaub Du weißt es schon genau,
es geht um uns’ren HSV,
kümmer’ Dich nun auf die Schnelle,
denn der Klub tritt auf der Stelle,
Platz zehn ist ja nicht wirklich gut,
mir jedenfalls macht das kein’ Mut,
ein wenig mehr dürft’ es schon sein,
für einen Traditions-Verein,
nimm das nun in Deine Hände,
gib uns endlich diese Wende.

Wir alle ha’m schon viel geflucht,
der HSV hat viel versucht,
im Dschungel wurde aufgetankt,
die Mannschaft hat es nicht gedankt,
Fußball ha’m sie glatt vergessen,
lernten dafür Maden essen,
von der Umwelt abgeschnitten,
haben sie im Wald gelitten,
Handy, Laptop, Playmobile,
gab es nicht – nur and’re Spiele,
Feuer machen – Fische fangen,
Spinnen jagen – und auch Schlangen,
Kanu fahren – Hölzer hacken,
ab und an ein Brot noch backen,
damit Mann überleben kann –
nur Fußball fiel dabei nie an,
und das war dann auch zu sehen,
wie soll das nur weitergehen?

Das Überleben hat geklappt,
nur Punkte wurden nicht geschnappt,
im Dschungel kamen sie zurecht,
nur spielten alle wie bezecht,
Nürnberg, Bremen und die Hessen,
ha’m den HSV gefressen,
den Spielern schlotterten die Knie,
der Abstieg schien so nah wie nie.

Bis dann Herr Kühne übernahm,
und auf die „23“ kam,
für den Engel gab’s Millionen,
und die sollten sich gleich lohnen,
Tore gab es – dazu Siege,
„Raffa“ – keine Eintagsfliege,
brachte Ordnung, brachte Ruhe,
ohne großes Star-Getue,
und im Falle eines Falles,
hielt der Adler einfach alles,
der Keeper wurd’ der große Held,
so ging es bald ins Mittelfeld.

Doch das kann ja nicht alles sein,
das, Weihnachtsmann, siehst Du wohl ein;
einst war’n wir in der Spitze drin,
da wollen wir auch wieder hin,
neben Bayern – vor den „Knappen“,
Titel woll’n wir wieder schnappen,
führ’ an der Eintracht uns vorbei,
denn wir gehö’rn doch auf Platz drei,
wir woll’n nicht nur überleben,
lass uns nach ganz oben streben,
gib uns Geld – ’nen ganzen Batzen,
lasse Träume nicht gleich platzen,
mach uns Mut und gib uns Klasse,
schenk uns auch noch neue Asse
so kriegen wir dann einen Lauf,
und roll’n das Feld von hinten auf.

Drum lieber, guter Weihnachtsmann,
pack es nun echt mal richtig an,
leg sofort los – und mach mal hin,
dann ist doch noch Europa drin!
Bring’ Spaß und Lust und Leidenschaft,
das wäre sicher vorteilhaft,
lass die Spieler sich zerreißen,
lass sie kämpfen, kratzen, beißen,
und schenke auch – das ist kein Scherz,
jedem der Jungs ein Rauten-Herz,
pack sie am besten einzeln an –
und nun mal los, Du Weihnachtsmann:

Dem Drobny gebe viel Geduld,
dass er nicht spielt – nicht seine Schuld,
oder Du suchst ihm ein’ Verein,
dort könnt’ er Nummer eins dann sein,
gut wär’ auch, er würd’ mal sprechen,
lass ihn den Boykott nun brechen,
er hat lang genug geschwiegen –
so viel Sturkopf ist gediegen.

Den Rene Adler – Torwart-Gott,
den halte fit, den halte flott,
schenk ihm nochmals tausend Hände,
so wird er hier zur Legende . . .

Halt auch Mickel bei der Stange,
dass er manchen Ball noch fange,
ein gutes Team braucht auch Ersatz –
und er ist gut, macht kein’ Rabatz,
auf ihn ist in der Not Verlass,
das kommt dann allen hier zupass.

Gib Sven Neuhaus Spaß und Laune,
ich geb zu, dass ich nur staune,
wie er hier nur als Nummer vier,
sich Ball auf Ball greift – voller Gier,
er hat Lust sich zu bewegen,
und ist wichtig für Kollegen,
weil er sie aufbaut – munter macht,
bei bester Stimmung auch viel lacht.

Diekmeiers Dennis gib den Tipp
– er ist zwar auf ’nem guten Trip –
doch da ist noch Luft nach oben,
er muss rechts noch viel mehr toben,
lass ihn rauf und runter laufen,
lass ihn stöhnen, lass ihn schnaufen,
lass ihn auch mal schärfer flanken –
seine Stürmer würden’s danken,
und in Sachen Zweikamphärte,
könnte Rincon, als Experte,
wie man es macht, und wie geht,
wie man auf Gegners Füßen steht,
wie man sich fair Respekt verschafft
– der Dennis steht doch voll im Saft.

Und gib Mancienne den Pass nach vorn,
er schürt per Fehlpass Volkes Zorn,
oftmals hilft auch eine Brille,
und dann dankt es die Pupille,
Fehler lassen sich vermeiden,
und kein Fink, kein Fan muss leiden.

Heiko Westermann – Maschine,
gib die Kraft als Mannschafts-Biene,
er ist Vorbild, Chef und Klopper,
und als Double Meister Propper,
dieser Kerl ist eine Pracht,
der hier nun jedem Freude macht,
’ne glatte Eins, der gute Mann,
der hier zuletzt nur noch gewann.

Marcell Jansen schenke Power,
er ist jetzt ja sehr viel schlauer,
er sucht nun hinten links sein Glück,
und rückte nur ein Stück zurück,
um für Jogis Team zu spielen,
und nach Rio so zu schielen,
denn die WM am Zuckerhut,
die täte ihm bestimmt ganz gut,
und auch der HSV wär’ froh,
denn brennt der Jansen lichterloh,
dann ist er fit, dann gibt er Gas,
dann zeigt er hinten links auch was.

Den Jeffrey Bruma wecke auf,
der steckt in einem Anti-Lauf,
und merkt nichts und vergisst den Kampf,
setz ihn mal wieder unter Dampf,
mach ihn stark und mach ihn munter,
denn sonst geht er leider unter.

Den Zhi Gin Lam, der Lahm-Verschnitt,
den mach auch auf der Brust mal fit,
schick ihn in die Folterkammer,
dann sind auch die Waden strammer,
lass ihn die Gewichte heben,
und nach einem Body streben,
mit dem er jeden Gegner checkt,
vor dem sich jeder Gegner schreckt.

Scharners Paul musst Du stoppen,
der lässt sich nicht gerne foppen,
dann langt er hin, dann langt er zu,
dann kommt der Schiri und sagt: „Du,
das war der eine Tritt zu viel . . .“
Es folgt das Rot vom Kartenspiel.
Verhind’re das, das muss nicht sein,
denn Scharner, der ist nicht gemein,
er ist so nett, ein braver Mann,
der niemand’ etwas Böses kann.

Den Badelj, den mach zum Sprinter,
jetzt, sofort, noch diesen Winter,
ein wenig schneller – wär schon klasse,
und wär hilfreich – eine Masse,
dann wär er auf der Sechs der Mann,
der alles macht, der alles kann.

Hol Tomas Rincon von der Bank,
er hat den Tiger stets im Tank,
gib dem Meister der Attacke,
etwas Spielwitz an die Hacke,
mit viel Ideen – und etwas List,
dass er nicht nur Zerstörer ist.

Bring bitte Petr Jiracek,
so schnell wie möglich hier an Deck,
der Mann reißt mit, der Mann gibt Gas,
und ist er fit – ist er ein Ass,
der bringt den HSV voran,
drum bitte führ ihn schnell mal ran,
mit ihm geht’s bestimmt nach oben –
holst Du ihn – ich werd Dich loben.

Rajkovic gib Boxhandschuhe,
oder die gewisse Ruhe,
dass er die Contenance bewahrt,
dass er im Training smart und zart,
ganz sachte nur dazwischen fährt,
das wär für ihn nicht so verkehrt,
nie mehr treten, nie mehr schlagen,
nie mehr den geplatzten Kragen,
mal auszurasten ist tabu –
ein Gentleman von Kopf bis Schuh,
und Interviews sind auch verpönt,
weil die nie von Erfolg gekrönt.

Der „Liverpooler“ Heung Min Son,
geht uns vielleicht schon bald davon,
er hat sich ja fein rausgemacht,
er schießt so hart – dass es schön kracht,
doch auch mal dagegenhalten,
Gegner mal zusammenfalten,
da macht er stets ‚nen Bogen drum,
da stellt er sich ganz plötzlich dumm,
da hält er sich ganz vornehm raus,
da nimmt er lieber schnell Reißaus;

drum knöpf ihn Dir mal richtig vor,
sonst geht’s nach unten – statt empor,
und alle lachen sich halbschlapp,
denn Liverpool winkt dann auch ab.

Der Robert-Tesche-Fußball-Gott,
der spielt im Training meistens flott,
er schießt, er köpft – und nichts misslingt,
was nichts bedeutet – weil’s nichts bringt,
wird ins Spiel er mal beordert,
und ist richtig mal gefordert,
gibt’s von Tesche nichts zu sehen,
so ist das schon oft geschehen,
deshalb schick ihn in die Ferne,
er spielt ja ganz sicher gerne,
das muss dann woanders gehen,
er wird das bestimmt verstehen . . .

So, noch einmal frohe Festtage – Teil zwei folgt morgen an dieser Stelle.

Alles Gute für euch, feiert schön und in aller Ruhe,

Dieter

10.36 Uhr

Die HSV-Defensive unter der Lupe

21. Dezember 2012

Andere (Zeitungen, Fernsehen, Journale) hören damit auf, wir legen damit los: mit der Beurteilung der HSV-Hinrunde. Jeder Spieler wird von mir unter die Lupe genommen und beurteilt, das hat schon Tradition. Sonst haben „Scholle“ und ich das abwechselnd gemacht, aber der Vater in spe hat Urlaub genommen, also werde ich es diesmal alleine schaffen müssen. Und keine Angst, es geht auch – natürlich. Der Start wird jetzt mit der Defensive erfolgen, und darin enthalten sind natürlich auch die Torhüter.

Jaroslav Drobny ist die Nummer eins des HSV, mit dem tschechischen Nationalkeeper lege ich los. „Jaro“ kann nicht glücklich sein, weil er nur der Ersatzmann ist, und er ist es auch ganz bestimmt nicht. Dennoch, beim Training sieht man ihn oft lachen – es muss Galgenhumor sein. Weil er im Grunde genommen fertig ist mit dem HSV. Was man wiederum auch bei den Trainingseinheiten nicht sehen kann, denn er lässt sich ganz gewiss nicht hängen. Und das finde ich geradezu fantastisch – und vorbildlich. Gespannt bin ich allerdings, ob dem guten „Jaro“, der seit einem Jahr (oder schon länger?) nicht mehr mit der Presse spricht (bis auf die Vorstellung von Landsmann Petr Jiracek), die ganze Situation dann doch mal auf den Keks geht – und er seine Konsequenzen zieht. Und den Verein wechselt. Angebote müsste er eigentlich genug erhalten, denn seine Klasse hat er in der vergangenen Saison oftmals bewiesen.

Rene Adler ist mit der Rückennummer 15 die Nummer eins des HSV – und das ist wörtlich zu nehmen. Adler ist einfach nur klasse, und zwar in allen Lebenslagen. Dass er im Tor sensationell gut ist, davon konnte sich in Hamburg bereits jeder überzeugen. Der Mann scheint mitunter acht Arme zu haben – und wie er dazu fliegt, wie er abhebt, wie er durch die Lüfte segelt – unglaublich. Hinzu kommt, dass dieser Rene Adler auch ein Vorbild-Profi ist, der eine hervorragende Einstellung zu seinem „Job“ mitbringt, und noch ein wenig höher ist zu bewerten, dass der Nationaltorwart auch ein großartiger Mensch ist. Das „Gesamtpaket“ Adler, wie ich es mal nennen möchte, ist in sich zu 100 Prozent stimmig, ich glaube, dass der einer der besten Neueinkäufe des HSV in den letzten 30 Jahren ist. Für die Nummer 15 gibt es von mir eine dicke Eins.

Tom Mickel kann sich, wenn er nicht gerade bei der Zweiten (in der Regionalliga spielt), nur im Training zeigen. Und das tut er. Sehr gut sogar. Geht es nach den Leistungen während der Woche, hätte ich keinerlei Probleme, wenn er einmal als Ersatzmann zwischen die Pfosten müsste. Er könnte es, keine Frage. Allerdings, und das hat er dann auch in der Regionalliga-Mannschaft gezeigt, dürfte es an Spielpraxis mangeln – daran hapert es natürlich. Und das ist beim einem Torhüter noch von viel größerer Bedeutung, als bei einem Feldspieler. Ich bin auch bei Mickel gespannt, wie lange er sich noch das „fünfte Rad am Wagen“ antun wird.

Sven Neuhaus ist der vierte Mann unter den HSV-Torhütern und hat quasi keine Chance auf einen Einsatz in der Bundesliga. Schade eigentlich, denn er zeigt auch im Training, dass er es drauf hätte. Ich tippe mal, dass es seine letzte Saison beim HSV sein wird – oder er geht eventuelle auch schon in diesem Winter. Über Neuhaus kann ich auch nur das Beste sagen, er hatte bei „Matz ab live“ einen großartigen und überaus sympathischen Auftritt – er passt eigentlich sehr gut zum HSV, bis auf die Tatsache, dass er auf Dauer nur ein „Trainings-Weltmeister“ sein wird.

Dennis Diekmeier hat sich in dieser Spielzeit „berappelt“ und gezeigt, warum ihn der HSV eins als großes Verteidiger-Talent aus Nürnberg an die Elbe geholt hat. Keine Frage ist, dass Diekmeier zugelegt hat, dass er deutlich besser geworden ist. Keine Frage ist aber auch, dass er noch zulegen muss. Und zwar offensiv wie defensiv. Er muss noch an sich arbeiten, und wenn das beim HSV nicht erkannt (und gemacht wird), dann muss er selbst dafür sorgen. Sonst steht er eines Tages mit leeren Händen im Volkspark und sagt: „Ich war mein ein Talent, aber ich habe nichts daraus gemacht. Und die Nationalmannschaft habe ich auch nur im Fernsehen gesehen.“ Also, da muss noch mehr kommen, auch viel mehr Eigeninitiative. Als junger Spieler sollte man, das höre ich von den “Alten” immer wieder, nicht schon damit zufrieden sein, dass man es bis zum HSV geschafft hat. Wie hat Ditmar Jakobs früher immer gesagt: “Weiter, weiter, immer weiter . . .”

Michael Mancienne hatte seinen absoluten Tiefpunkt in Frankfurt, als ihm bei der 2:3-Niederlage Knoten in die Beine gespielt wurden. Was anschließend passierte, ist für mich eine Art Wunder. Der Engländer ging zum Trainer in die Kabine und entschuldigte sich nicht nur für diesen unterirdischen Auftritt, sondern versprach auch gleichzeitig, dass es so etwas nie wieder geben würde. Und? Er hielt Wort. Bislang jedenfalls. Auch Mancienne ist einer der Aufsteiger der Saison, auch wenn für ihn gilt: Da muss noch mehr kommen, da ist noch Luft nach oben.

Heiko Westermann ist inzwischen aus dieser HSV-Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Der Kapitän ist für mich ebenfalls eine glatte Eins, und das gilt für seine Leistungen auf dem Platz – als auch für seine Auftritte als Kapitän in den Katakomben der Arena. Wie sich Westermann, der sich 90 Minuten lang für sein Team (und den HSV) zerreißt, an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen hat, das ist phänomenal, das ist auch vorbildlich. Er hat es allen gezeigt, auch seinen größten Kritikern – die inzwischen schweigen und längst nicht mehr pfeifen.

Marcell Jansen ist ebenfalls eine positive Überraschung dieser Saison. Um „Jogi“ Löw zu gefallen (?), um wieder eine Chance in der Nationalmannschaft zu erhalten, spielt er nun wieder Linksverteidiger. Ich hatte meine Vorbehalte, das gebe ich gerne zu, aber Jansen hat gezeigt, dass er kann – wenn er will. Und jetzt will er plötzlich. Er kämpft, er grätscht, er geht zur Sache – verzichtet fast ganz auf seinen ehemals gezeigten Alibi-Fußball. Nur so geht es. Und jetzt muss er beweisen, dass er gewillt ist, diese Leistungen auch über eine ganze Saison zu bringen. Es wäre zu seinem persönlichen Vorteil, auch zum Vorteil für Trainer Fink und somit auch für den HSV. Wenn Jansen von großen Verletzungen verschont bleibt, dann steht ihm eigentlich nichts im Wege, weiterhin 100 Prozent zu geben. Er muss es, denn sonst dürfte er auch wieder draußen (oder nur weiter vorne?) sein.

Dennis Aogo war zu Saisonbeginn erkrankt, fiel längere Zeit aus – und verlor seinen Stammplatz an Marcell Jansen. Viel Pech für den Nationalspieler, der es nun im Mittelfeld versuchen muss. Und da seine Sache nicht nur nicht schlecht macht, sondern sehr, sehr gut. Was ihm dennoch nicht sonderlich gefallen dürfte, weil er in der Nationalmannschaft mit Sicherheit niemals einen Platz im Mittelfeld erhalten wird. Deswegen hängt Aogo immer noch an „hinten links“, und ich bin gespannt, wie es in diesem Duell (mit Jansen) bis zum Sommer weitergehen wird. Dass Aogo ein absoluter Teamplayer ist, das beweist er in den Spielen, denn er rennt in erster Linie für die Mannschaft. So war er schon immer, was leider nicht allen HSV-Fans aufgefallen ist. Auch in den schlechtesten Zeiten des HSV war Aogo immer bemüht, etwas für diese Mannschaft und für dieses Team zu tun. Und das ist vielleicht auch sein großer Nachteil. Eventuell sollte er mal nur an sich denken, oder auf jeden Fall viel mehr, denn wenn er an sich denken würde, dann würde er feststellen, dass er – wie im „Fall Diekmeier“ viel mehr für sich selbst tun müsste. Auch in seinem „Fall“ gilt: Tut es keiner vom HSV für ihn, dann muss er es selbst für sich tun. Und da gibt es durchaus Beispiele, die es ihm vorgemacht haben.

Zhi Gin Lam ist ein Talent, Thorsten Fink ist davon überzeugt, dass er auch ein Verteidiger-Talent ist – ich bin es nicht. Und es dürfte auch noch lange, lange dauern, ehe ich davon überzeugt sein werde. Ich glaube sogar, dass es diesen Tag (und dieses Aha-Erlebnis – für mich) niemals geben wird. Es wird meiner Ansicht nach keinen zweiten „Philipp Lahm“ in der Bundesliga geben, auch wenn es ein Weihnachtswunsch von Thorsten Fink ist. Unserem HSV-Lam fehlt die körperliche Bereitschaft, „hinten links“ zur Sache gehen zu können. Das mag ja noch kommen, aber im Moment ist noch nicht viel davon zu erkennen.

Paul Scharner kam – und war verletzt. Und als er fit war, da sah er Rot. Welch ein dramatischer Saisonverlauf für den Österreicher, von dem ich mir zu Saisonbeginn doch so einiges erhofft hatte. Ich hatte den Nationalspieler Scharner mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht, aber davon ist nichts, absolut nichts übrig geblieben. Aber was noch nicht war, dass kann ja vielleicht noch einmal kommen. Er müsste nur sein Temperament zügeln, sonst dürfte es noch mehr Erlebnisse geben, die diese Rote Karte in Freiburg. Wenn Scharner noch einmal (s)einen Fußball-Frühling erleben will, dann muss er in diesem Punkt an sich arbeiten – und zwar ganz hart. Härte allein macht es eben nicht in der Bundesliga, dazu gehört auch ein gutes Auge. Das hat er bislang noch nicht gezeigt.

Jeffrey Bruma hätte eigentlich alles, um in dieser HSV-Mannschaft Stammspieler zu sein – nur zeigt er es viel zu selten. Phasenweise sogar gar nicht. Ich habe das Gefühl, dass er es noch nicht kapiert hat, dass er im Begriff ist, eine großartige Karriere zu verschenken. Es nützt nichts, dabei zu sein. Und es nützt auch nichts, zu resignieren und mit einem gelegentlichen Anflug von Galgenhumor durch den Trainings-Alltag zu gehen. Lernt er es nicht, dass er beißen muss, dass er kämpfen muss, dass er dem Trainer eine hundertprozentige Einstellung zeigen muss, dann wird er – auf jeden Fall in Hamburg – auf der Strecke bleiben. Was für mich ein Jammer wäre, denn – wie gesagt – er hätte allemal das Zeug dazu, Stammspieler dieser Mannschaft zu sein. Nur Einstellung muss er lernen – aber schafft er das noch? Ich habe meine Zweifel.

Slobodan Rajkovic kam als „harter Hund“ zum HSV, trat in einem Training auch (gegen Heung Min Son) als ein solcher auf, war danach auch in einem Abendblatt-Interview ganz hart (gegen den Trainer) – und hatte damit seine Zukunft in Hamburg schon verspielt. Bedauerlich. Er hat die gesamte Situation unterschätzt, er hätte weder das eine noch das andere tun dürfen – er weiß es heute selbst am besten. Jetzt allerdings ist es zu spät, die Gräben wird er nicht mehr zuschütten können – er wird wohl im Winter gehen müssen – in diesem Winter.

Janek Sternberg ist ein Talent aus der Regionalliga, kam aber über diese Rolle (ein Talent zu sein), nie hinaus. Und wenn er bei Rodolfo Cardoso (in der Zweiten) spielt, dann müsste er sich in meinen Augen viel mehr abheben – um mal eine Chance „ganz oben“ erhalten zu können. Das ist bislang aber (noch) nicht passiert, er muss sich viel mehr ins Zeug legen, muss auch körperlich noch zulegen.

So, das war die Abwehr (oder die Defensive) des HSV, morgen folgt das Mittelfeld.

Kurz noch in eigener Sache, zum Thema Post für Matz. Vielen, vielen Dank für die viele Weihnachtspost, die ich von euch erhalten habe, ob nach Hause oder in die Firma – das ist einfach überwältigend. Ich werde ganz sicher nicht allen antworten können, deswegen möchte ich mich auf diesem Wege bedanken. Ich freue mich tierisch darüber, ihr seid einfach nur klasse, das ist alles ein Traum, das ist gigantisch und sensationell! Danke, danke, danke.

Und dann gab es natürlich auch jede Menge normaler Posts. So wie die von unserem „Mainzelmännchen“ (sorry, Horst!), von Horst Schlau:

Hallo Dieter, hallo Scholle,

war nicht mal davon die Rede, dass ihr nach dem letzten Punktspiel auf die bevorstehende Mitgliederversammlung eingehen wollt ???
Oder auf die Kandidaten ???
Oder ist euch das Thema zu heiß ???
Gruß horst :-)

Dazu möchte ich sagen: alles zu seiner Zeit. Haben wir jetzt schon Januar? Nein, der Franz würde fragen: „Na, is denn jetz scho Weihnachten?“ Der „Scholle“, der übrigens dieses Versprechen abgegeben hat, wird sich des Themas annehmen. Wahrscheinlich zwischen den Festtagen. Täglich „Matz ab“, ihr wisst ja . . .

Schnell noch eine Ergänzung zu meinem Abendblatt-Artikel von heute. Weil ich verschiedentlich schon geflachst wurde, dass mein Jugendtrainer vergeblich mit mir Sonderschichten eingelegt hat – ich habe es ja nicht geschafft, ein Fußballer zu werden. Das mag stimmen, ich gebe es ja auch – teilweise – zu. Immerhin stand ich mal in einem Jahresbuch des “Kicker”, als dort alle Regionalliga-Mannschaften vorgestellt wurden. Ich war im Kader von BU, und die Regionalliga war damals Zweite Liga (hinter der Bundesliga). Aber bevor jemand nachblättert, ob ich jemals ein Regionalliga-Spiel für BU gemacht habe: nein! Nur Freundschaftsspiele. Und irgendwann bin ich dann aus disziplinarischen Gründen aus dem Verein geflogen – und zum Wandsbeker FC in die Bezirksliga gegangen, mit dem wir dann über die Landesliga in die Verbandsliga – heute Oberliga – aufstiegen. Dann stoppte ein Trainingsunfall (Schien- und Wadenbeinbruch, alle Bänder durch) meine “große Karriere”.
Sonst noch Fragen?

Jetzt soll es feierlich werden:
Zu den Festtagen wird es dann auch wieder ein Gedicht von mir geben – auch das ist Tradition. Obwohl ich schon mal vor Neid erblasst bin, obwohl mir doch schon die Show „gestohlen“ worden ist, denn es gab ja schon ein XXXL-Gedicht, und zwar von „Papa@home”.

Großartig, dieses Werk, darüber wird schon in Hamburg gesprochen. Tatsächlich! Und da hier nicht alle „Matz-abber“ die User-Beiträge lesen, möchte ich es noch einmal veröffentlichen. Ein tolles, ein großes Gedicht. Am liebsten würde ich sogar auf meines verzichte . . .

So, der “Papa” schickte folgende Zeilen (die ich nicht verändert oder bearbeitet habe) – nehmt euch bitte eine Tag frei – und Zeit:

“Ich möchte auch gerne einmal auf das Jahr zurückblicken”:

Wie gings dies Jahr dem HSV,
Nicht alles war doch total mau,
So manches war auch richtig gut,
Bei anderen Dingen stieg die Wut.
Wovon ich euch nun jetzt berichte,
Ist meine zweizwölfer HSV-Geschichte.
.
Das Jahr fing ziemlich frostig an,
Weil man davor kaum mal gewann,
Der Fink war mittlerweile da,
Doch schaffens wirs noch bis Europa?
.
Der Start ging ziemlich in die Buchsen,
Weshalb die grauen Haare wuchsen,
Es hieß eindeutig: Abstiegskampf,
Jetzt hieß es kämpfen – mit viel Dampf.
.
Der Dino sollte weiterleben,
Und jeder sollte danach streben,
Es kamen manche schlimme Spiele,
Und Siege gabs nicht wirklich viele.
.
Blockaden oder Trainer raus,
Das alles blieb in Hamburg aus,
Ne Choreo gabs – und keine Flammen,
Alle rückten eng zusammen.
.
Und dann mit allerletzter Kraft,
Wars dann doch gaaaaanz knapp geschafft,
Der Jubel kannte keine Grenze,
Erleichterung in voller Gänze.
.
Das wolln wir nie nochmal erleben,
Und danach wollten alle streben…
.
Es ging rasch in die Sommerpause,
Einer blieb jedoch zu Hause,
Frank Arnesen – er musste suchen,
dabei auch viele Flüge buchen.
.
Wir brauchten Spieler – mehrere,
Und wenn es geht auch bessere,
Rudnevs, Adler und den Beister,
Die Presse meinte – so ein Kleister.
.
„Wie kann man denn bloß sowas kaufen,
Zu schlecht, verletzt – ein müder Haufen“.
.
Dann wollte Kühne Rafa haben,
Dazu ganz nebenbei noch sagen,
Dem Jarchow was er falsches tut,
Worauf nun dieser hatte Wut,
Es sah echt aus wie Kindergarten,
Von Erwachsenen darf man sicher mehr erwarten!
.
Das Thema schien schon bei den Akten,
derweil holte Arnesen noch so’n Beknackten,
Zumindest wenn man der Presse glaubte,
Hatten wir mit Badelj die nächste Graupe.
.
Und Arnesen, der arme Mann,
Sah wie schnell es kommen kann,
Plötzlich war er selbst der Dumme,
Der nur macht Geschäfte, krumme.
.
Die Presse macht oft was sie will,
Und schiesst sich ein mit viel Gebrüll,
Die Story ist das Wichtige,
Die Menschen oft nur das Nichtige.
.
Doch Arni ließ sich nicht beirren,
Von diesen ganzen vielen Wirren.
.
Dann ging sie los, diese Saison,
Doch nach 2 Spielen wars das schon,
Raus im DFB-Pokal,
Kein Punkt, kein Tor – KATASTROPHAL!
.
Noch kein einz’ges Spiel gewonn’,
Doch dafür prügeln sich Rajkovic und Son,
Der Eine redet sich um Kopf und Kragen,
Mit Fink wird er sich erst viel später vertragen.
.
Was sollen wir tun – die Kasse leer,
Ein guter Rat muss schnellstens her:
.
Hr. Jarchow zerrt an Arnis Zopf,
„Wir ham nur noch nen rostgen Knopf,
Die anderen beiden, nebenbei,
liegen jetzt bei Chelsea 2“
.
Doch Jarchow, er erinnert sich:
„Auf meiner mailbox warn da nicht,
Noch viele Anrufe, son Scheiss,
Von Onkel Kühne aus der Schweiz“.
.
„Ich hatts den Wählern doch versprochen,
Und mit dem Mann ja auch gebrochen,
Ich wollte ihn ja ignorieren,
Und mich nicht wieder echauffieren,
Doch jetzt in allerhöchster Not,
Da will ich sein kein Idiot“
.
Carl-Edgar greift zum Telefon:
„dann hol ihn, den verlornen Sohn –
Und eins ist klar, das sag ich dir,
Wir schreiben es auch auf Papier,
Geschenkt will ihn nämlich nicht,
du bist und bleibst ein Bösewicht“
.
Und wenig später – kaum zu Glauben,
In Hamburg große Menschentrauben,
Der kleine Engel schwebte nieder,
Nun hatten wir ihn endlich wieder.
.
Ein dieser Stelle großer Dank,
dass sie letzendlich Ihr Gezank,
Hr. Jarchow und Hr. Kühne haben,
Zum Wohl des Clubs dann doch begraben.
.
Durch Rafa ging ein großer Ruck –
Durchs Team, ganz Hamburg, Rucki-Zuck.
.
Was dieser Mann hat hier vollbracht,
Das hätt kein anderer wohl geschafft,
Bei soviel Druck und soviel Hypen,
Trotz allem auf dem Boden bleiben.
.
Hut ab, dass dieser junge Mann,
Als Star sympathisch bleiben kann,
Und dazu noch kämpft und rennt,
auch guten Fußball nicht verpennt.
.
An die ganze Familie van der Vaart,
wir sind total in euch vernarrt,
Schön dass ihr wieder zu Hause seid,
Und bitte bleibt hier – bis in Ewigkeit.
.
2 Niederlagen folgten noch,
Dann wurds besser, doch, doch, doch,
Wie haben wir es dann genossen,
Den BVB –zack – abgeschossen.
.
Am 6. Spieltag – nach Belieben,
Folgten schon Punkt 5 bis 7,
Und dann an diesem Tag – Hurra,
Wurd’ unser HSV 125 Jahr!
.
Es wurde gefeiert bis tief in die Nacht,
Gesungen, getrunken, gratuliert und gelacht,
Geträumt wurde auch – von der alten Zeit,
Wer weiss – vielleicht ist es ja bald wieder so weit…
.
…Denn Im Campus sollen bald ganz in Ruhe,
Viele Talente schüren Ihre Schuhe,
Die Fans haben es mal wieder getan,
Ihr Geld gegeben für diesen Plan,
Auf diese kann der HSV Vertrauen,
Um wieder in eine gute Zukunft zu schauen.
.
Doch zurück zur Hinrunde, und was noch so war,
Wir verloren nämlich trotzdem – mal hier mal da,
Doch im großen und Ganzen muss man sagen,
Es ging bergauf – da kann man nicht klagen,
24 Punkte und Platz 10,
Und bestimmt wird es nächstes Jahr weiter aufwärts gehn…
.
Ein kleiner Ausblick sei deshalb noch getan,
Was wünsch ich mir, was steht noch an?
.
In Kürze gibts 4 Neue für den Aufsichtsrat,
Ich wünsche Ihnen in der Tat,
Genauso wie den anderen Acht,
Dass endlich wird hier aufgewacht.
.
Dass Interna bleiben endlich geheim,
Und alle arbeiten NUR für diesen Verein,
Dass – auch wenn es ist eine schwere Prozedur,
Man dem HSV verpasst endlich ne moderne Struktur.
.
Dass die Fernwahl in naher Zukunft wird kommen,
Damit eines jeden Fans Stimme wird vernommen,
Denn alle Fans lieben Hamburg zwar sehr,
Doch kommen ganz Viele auch von woanders her,
Es sind nicht viele und weiss Gott nicht die meisten,
Die sich Kosten für Reise & Hotel können leisten,
.
Die besten Entscheidungen in einer Demokratie
Werden gebildet durch DIE Strategie,
Dass möglichst Viele durch Ihre Stimme,
Mitentscheiden wer gewinne,
Und nicht nur wenige darüber bestimmen,
In welche Richtung der HSV wird schwimmen.
.
An alle Handelnden – bitte bedenkt ganz genau
Es heisst nicht „nur Ich“, sondern „nur der HSV“
.
Hr. Carl Edgar Jarchow wünsche ich sehr,
Dass unsere Kasse nicht für immer bleibt leer,
Dass er findet sehr schnell ne Idee,
Das Geld wieder zu mehren – das wäre ok.
.
Und dass er zukünftig nicht mehr dazu neigt,
mit dem Finger auf seinen Vorgänger zeigt,
Denn die anderen Finger derselben Hand,
Zeigen immer auf einen selbst – das ist ja bekannt.
.
Hr. Jarchow ich wünsche dass Sie es schaffen
dass der HSV nie mehr möge erschlaffen,
dass Sie – bei all konstruktiver Kritik,
ihn führen zurück an die Spitze der Republik.
.
Frank Arnesen, achja, das sei noch geschrieben,
Seine Transfers jetzt plötzlich alle lieben,
Noch vor ein paar wenigen Wochen,
Wurde ihm der Sachverstand abgesprochen.
.
Nunja – so schnell gehts heutzutage zu,
Jetzt lassen ihn alle – hoffentlich – mal in Ruh,
Zu wünschen sei ihm für das kommende Jahr,
Dass er – vielleicht schon im Januar,
die Kasse macht mal wieder voll,
Oh ja – das wäre wirklich toll,
Und dass er im kommenden Sommer dann,
Sein dickes Adressbuch wieder benutzen kann.
.
Hr. Fink – ich bin sicher – Sie machen das schon,
Ich wünsch Ihnen, dass sie bleiben, bis zu Ihrer Pension.
Und auch dieses wünsche ich Ihnen:
Dass Sie bringen neuen Glanz in unsere Vitrinen.
.
Denn Träume sind zum träumen da,
Doch mancher Traum wird manchmal wahr,
Durch Fleiß, viel Glück und Kreativität,
Ganz schnell kanns werden Realität…
.
Uns Fans wünsche ich die notwend’ge Geduld,
Es war alles ja nicht unsere Schuld,
Doch der Umbruch war nötig und er braucht nun mal Zeit,
Und bald ist die Truppe sicher wieder so weit,
Dass wir reisen können – ob nach Mailand oder Madrid,
Doch jetzt heisst es erstmal – Schritt für Schritt…
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Euch allen wünsche ich für 2013,
Dass alle eure Wünsche in Erfüllung gehn!
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Eine frohe Weihnacht wünsche ich allen,
Ich hoffe euch hat mein Rückblick gefallen!

17.56 Uhr

Rene Adler: “So fit war ich noch nie”

30. Oktober 2012

Einer fehlt beim Kurkonzert. War in meiner Jugend (also vor dem Krieg) mal ein Titel eines Krimis. Oder auch eines Buches. Heute am Vormittag herrschte zunächst ein wenig Aufregung, weil nicht nur einer beim Training fehlte, sondern gleich mehrere Spieler. Nach einem aber wurde ganz besonders gefahndet: Robert Tesche. Unser „el Presidente“ hatte es ja schon im Blog geschrieben, dass es einen kurzen Zwischenfall im Training gegeben hatte – Tesche und Marcell Jansen waren aneinander geraten. Ist Tesche nun suspendiert worden? Das war die Frage, die viele bewegte. Aber, um es mal auf den Punkt zu bringen, er ist es nicht. Robert Tesche hat „Nacken“, deswegen war er nicht auf dem Rasen zu sehen. Wie auch Michael Mancienne, der Migräne hat, oder Paul Scharner, der für das Abendspiel gegen den Oberliga-Klub Halstenbek-Rellingen „geschont“ wurde. Weil der Österreicher zuletzt am Sonntag volle 90 Minuten gegen den VfB Lübeck gespielt hatte.

Das Ergebnis vom Test gegen HR am Ende des Berichts.

Um aber noch kurz auch den „Fall Tesche/Jansen“ zurück zu kommen: Es war ein harter Zweikampf, der da von beiden geführt worden war, und am Ende dieses Duells gab es wohl ein kurzes Nachtreten von Jansen (oder nur der Versuch eines Nachtretens, auf jeden Fall nichts Brutales). Die beiden Spieler gerieten dann aber doch aneinander. „Es war eine kleine Rangelei, so etwas sollte natürlich nicht passieren, ist aber passiert. Es sind eben Emotionen drin, da knallt es dann schon mal im Training. Da brennen dann manchmal die Sicherungen durch. Wir haben geschubst und gezerrt – es war also eher ein Ringkampf. In diesem Falle sage ich: lieber ein bisschen zu viel Aggressivität, als zu wenig. In der Kabine haben wir uns dann wieder die Hand gegeben.“ So schildert Marcell Jansen den Vorfall. Es war ein Zwischenfall, der nicht sonderlich hochgespielt werden muss, denn so etwas passiert eben immer mal – nicht nur beim HSV.

Trainer Thorsten Fink zu diesem brisanten Duell: „Die Mannschaft ist aggressiv, die Jungs wollen weiterkommen, sie kämpfen um ihre Plätze, da passiert so etwas eben mal. Wir haben mit Marcell darüber gesprochen, so etwas geht nicht – aber das interessiert mich jetzt nicht mehr.“ Abgehakt dieser etwas andere Zweikampf. Und das ist auch gut so, denn Bayern steht vor der Tür, jetzt müssen alle Kräfte, auch jene, die in den Armen der Spieler stecken, gebündelt werden, damit das Unmögliche möglich gemacht wird. Nämlich keine Niederlage gegen den Rekordmeister zu kassieren. Auf jeden Fall aber keinen Nackenschlag gegen München. Einmal Nacken genügt.

Gefehlt hat beim Vormittags-Training auch Rene Adler (es war nur Jaroslav Drobny dabei), der mit den Kollegen Tom Mickel und Sven Neuhaus im UKE trainiert hat. Am Nachmittag war Adler dann dabei, obwohl er über einen kleinen Muskelkater klagte. Der wird bis zum Anpfiff am Sonnabend um 18.30 Uhr Geschichte sein, denn der HSV setzt und baut im Nord-Süd-Gipfel (der es früher einmal war) vor allen Dingen auf seinen Keeper, der bislang maßgeblichen Anteil daran hatte, dass der HSV zu diesem Zeitpunkt schon 13 Punkte auf dem Konto hat. Und nun kommt es zu einem direkten Vergleich mit Deutschlands Nummer eins, Manuel Neuer. Ein Bundesliga-Spiel also, das reichlich Brisanz bietet.

„Die Bayern haben gegen Leverkusen gezeigt, dass sie auch schlagbar sind, aber das soll nichts heißen. Sie haben nun noch ein Pokalspiel vor der Brust, und in dem können sie dann die ganze Wut über die Niederlage ablassen, um dann gegen uns wieder befreit aufzuspielen. Aber grundsätzlich denke ich, dass im Fußball keine Mannschaft unschlagbar ist. Es ist ja das Schöne am Sport ist ja, dass da Menschen zu Werke gehen, und Menschen machen ja auch mal den einen oder anderen Fehler. Wir hoffen natürlich, dass wir am Wochenende den einen oder anderen Fehler der Bayern erzwingen können. Wir stehen relativ gut da und haben nichts zu verlieren“, sagt Rene Adler im Hinblick auf den kommenden Sonnabend. Der HSV steht gut da – und auf Platz sieben. Wer hätte das nach dem verkorksten Saisonstart schon gedacht? Adler zu dieser Momentaufnahme: „Es läuft gut, aber es läuft noch nicht so gut, dass man darüber sprechen könnte. Wir müssen uns unsere Top-Leistungen während des Spiels immer noch zusammenbasteln. Es ist nämlich noch nicht alles gut, wir haben noch sehr viel Luft nach oben. Wir sind weit davon entfernt, eine Spitzen-Mannschaft in Deutschland zu sein.“

Ab jetzt erhalten die HSV-Spieler per Videos Anschauungs-Unterricht über den FC Bayern, über Stärken und Schwächen der Mannschaft, auch wie sie die Standards ausführen. Und, und, und. Alles wird akribisch beäugt und hinterleuchtet, nichts wird dem Zufall überlassen. Rene Adler zur jetzigen Situation: „Es ist schön zu sehen, dass wir schon einen gewissen Platz zu den Abstiegsrängen hergestellt haben, wir können am Sonnabend unbeschwert aufspielen – und es macht ja auch viel mehr Spaß für jeden, oben mitzuspielen, als immer im Abstiegskampf zu sein. Sich mit den Besten zu messen ist wesentlich besser, als um Existenzen zu spielen.“

Das Duell zwischen ihm und Manuel Neuer tangiert ihn nicht: „Das juckt mich überhaupt nicht. Das ist wichtig für die Medien, nicht für mich. Für mich ist wichtig, dass ich am Sonnabend keinen Fehler begehe, nur das zählt für mich.“ Über Neuer sagt Adler: „Er hat sich top entwickelt, das muss man sportlich anerkennen.“ Am 14. November spielt die deutsche Nationalmannschaft in Amsterdam gegen die Niederlande. Ob Adler dann schon wieder dabei ist, steht in den Sternen. Für mich wäre es ein Witz, wenn es der Gladbacher ter Stegen wäre (Hannovers Zieler ist gesperrt), aber das ist natürlich ganz allein eine Sache des Bundestrainers. Adler sagt: „Ich würde mich riesig freuen. Und damit will ich mich gar nicht über die Medien in die Mannschaft hineinreden, denn es ist ja normal, dass ein Sportler für sein Land spielen will. Aber wenn es nichts wird, dann geht für mich die Welt nicht unter, dann versuche ich, noch härter zu trainieren, um es dem Bundestrainer so schwer wie nur möglich zu machen.“

Dabei halten viele Experten Rene Adler schon jetzt für die deutsche Nummer eins – weil der HSV-Torhüter der Beste ist. Dennoch gibt es ja in der Nationalmannschaft eine Torhüter-Hierarchie, die von „Jogi“ Löw und Torwarttrainer Andreas Köpke zu beachten ist. Meine Meinung aber ist: Wenn es nur nach Leistungen geht, dann muss Adler ganz einfach am 14. November 2012 im Kreise der Nationalmannschaft weilen. Da gibt es gar nichts. Käme es anders, könnte man mir das nicht erklären.

Aber das steht auf einem ganz anderen Blatt. Es auf jeden Fall aber so, dass Hamburg am Sonnabend die beiden besten deutschen Torhüter sehen wird. Rene Adler sagt über seine derzeitige Verfassung: „Ich fühle mich sehr gut, und das spiegelt sich auch in meinen Leistungen wider. Ich habe meinen Weg gefunden, mit allen Nebenerscheinungen wie Wechsel, Verletzungen, Fitnesszustand und familiärer Situation – ich fühle mich einfach wohl. Aber ich weiß auch genau, wie schnelllebig dieses Geschäft ist. Man macht mal zwei, drei schlechtere Spiele, dann ist das schon wieder ganz anders, aber auch das versetzt mich nicht in Panik, denn ich weiß ja, was ich leisten kann, wenn ich fit bin. Ich habe keinen Druck, ich bin ganz entspannt – ich freue mich auf dieses Spiel.“

Ganz Hamburg, nein, ganz Deutschland hat das in den zurückliegenden Wochen gesehen. Adler sagt weiter: „Ich bin aktuell in einem Fitnesszustand, den ich so noch nie hatte. So gut war es noch nie. Ich habe acht Monate Vorbereitungszeit gehabt, in denen ich schon auf den Sommer 2012 hin trainieren konnte, ohne dabei auch nur eine Sekunde Bayer Leverkusen vernachlässigt zu haben. Das nehme ich für mich in Anspruch, das ist wichtig für mich.“

Dieser Adler ist einfach nur super. Das, was er denkt, wie er denkt, was er sagt, was er tut – das ist spitze, das ist hervorragend und auch überragend. Nicht nur ein erstklassiger Torwart, sondern auch ein tadelloser und großartiger Mensch. Für ihn war der Wechsel nach Hamburg auch wichtig: „Wenn man weiß, weil man es jahrelang hatte, wie die Vorbereitung abläuft, dann tut es auch gut, wenn man aus diesem Trott, das soll nun auf keine Fall negativ sein, herauskommt. Mir hat dieser Wechsel zum HSV den letzten Kick gegeben, mich neu zu beweisen. Neue Mannschaft, neue Spieler, neue Umgebung – ich habe ja bemerkt, welche Skepsis hier herrschte. Da kommt einer, der lange verletzt war, der wurde auch noch in einem Alleingang von Frank Arnesen geholt – aber das hat mich auch nur in Prozentteilchen unter Druck gesetzt. Aber dann lief es gut für mich, und die Fans haben mich akzeptiert – und wenn die Fans auf deiner Seite sind, dann kommt man eben auch schneller in einen Verein hinein. Das hat alles gepasst, aber ich habe auch sehr, sehr viel gegeben und sehr viel investiert.“

Dass er beim HSV gelandet ist, das erklärte Adler heute so: „Das ist leider so im Profi-Fußball, dass man kann sich nicht viel dafür kaufen kann, wo man mal war, ob man mal die Nummer eins war, ob man mal mit großen Klubs in Verbindung gebracht worden ist, ob man mal eine Super-Saison gespielt hat. Es kling hart, aber ein verletzter Spieler ist ein toter Spieler. Es kommen andere Spieler, die ziehen dann den Fokus auf sich, und dann ist man als verletzter Spieler ganz schnell weg vom Fenster. Und sich dann wieder ganz nach oben zu kämpfen, das kostet Kraft, Energie und erfordert viel Motivation. Deswegen freue ich mich, dass ich jetzt bei einem Klub wie dem HSV spielen darf – ich bereue es, wie ja auch schon gefragt wurde, überhaupt nicht, hierher gekommen zu sein. Ich verstehe eine solche Frage nicht, kann diese Gedankengänge nicht nachvollziehen.“

Und dann schwärmt Rene Adler von seiner neuen Heimat: „Es ist macht unheimlich viel Spaß, in einer Stadt zu spielen, wo der Verein omnipräsent ist, wo der HSV wie die Reeperbahn zur Stadt gehört. Jeder Hamburger ist doch verwurzelt mit dem Klub, bis auf die paar St.-Pauli-Fans, sonst ist doch alles nur HSV. Und das ist für mich das bislang phänomenalste Erlebnis in meiner Fußball-Laufbahn. Ich weiß nicht, ob das jetzt ein subjektives Empfinden ist, aber ich habe das Gefühl, dass wenn wir verlieren, das dann so etwas wie ein Schleier über der Stadt liegt. Dass dann die Leute hier etwas weniger gut drauf sind. Und dass sie bei einem HSV-Sieg einfach viel besser drauf sind. Und das ist dann obergeil, ein Teil dieses Vereins zu sein. Und auch ein Teil mit meiner Leistung dazu beitragen kann, dass die Leute Spaß haben. Spaß am Fußball, einfach gut drauf sind – das bereitet mir viel Freude. Das ist eine meiner prägendsten Erfahrungen in meinem Fußballerleben. Was ein Traditions-Verein wie der HSV an Kräften in der Stadt frei setzt, das zu erleben, das macht mir ganz einfach riesigen Spaß.“

Man merkt es ihm an. An jeder Geste, an jedem Wort – an jedem Lächeln. Das sind keine Phrasen. Und in Bezug auf den kommenden Sonnabend und den dann anstehenden 90 Minuten gegen den FC Bayern sagt Rene Adler: „Ich bin heiß. Ich freue mich auf jedes Heimspiel in dieser schönen Arena und diesen tollen Fans – und wenn dann noch die Bayern kommen, dann umso besser.“ Und sein Erfolgs-Rezept für das Spiel? Er sagt: „Die Basis ist, dass wir hinten gut stehen, kompakt stehen. Und dann haben wir im Spiel nach vorne ja auch noch die individuelle Klasse eines Rafael van der Vaart zu bieten, oder auch die Klasse eines Heung Min Son. Wir müssen, und daran arbeiten wir täglich, weniger Torchancen gegen uns zulassen. Das klappt einmal gut und einmal weniger gut, aber wir sind auf einem guten Wege.“ Und dann skizziert der 27-jährige Nationaltorwart auch schnell noch die Zukunft des HSV: „Unser Anspruch muss sein, bis zum Winter Platz sieben, Platz acht zu halten, Anschluss an die internationalen Plätze zu halten, dann wieder anzugreifen, Vollgas geben, voll anzugreifen.“

Ein kluger, ein genialer Plan. Hoffentlich geht er auf. Schon zu zwei Drittel wäre das schön.
Aber ist euch mal aufgefallen, was 13 Punkte aus sechs Spielen alles bewirken können? In Hamburg und beim HSV spricht niemand mehr von Abstieg. Das sollte dann auch nach dem Bayern-Spiel so bleiben, falls es denn tatsächlich nicht zu einem Punkt oder gar zu drei Punkten für den HSV gelangt haben sollte.

PS: Morgen wird im Volkspark um 10 Uhr für das Bayern-Spiel geübt. Und gleich (18 Uhr) findet das Testspiel der B-Vertretung gegen HR statt. Ich melde mich nach dem Schlusspfiff wieder.

18.07 Uhr

Ergänzt um 19.20 Uhr:

Das Spiel gegen Halstenbek-Rellingen endete mit einem 6:0-Sieg des HSV, der antrat mit Neuhaus, Sala, Bruma, Scharner, Aogo; Rincon, Kacar; Nafiu, Skjelbred,Ilicevic; Berg. In der zweiten Halbzeit kamen Strietzel (im Tor), Dennis Bergmann und Dominik Masek. Vor 250 Zaungästen trafen Berg (zweimal 15,, 35.), zum 2:0 Skjelbred (19.), Sala (63.) und der in der 69. Minute eingewechselte Masek zweimal (73. und 79.). Der HSV spielte engagiert, und ein Lob gebührt auch dem Oberliga-Klub (erste Halbzeit mit Claus Reitmaier im Tor), der sich sehr gut verkaufte. Ein Test, der sich für beide gelohnt haben dürfte.

Rajkovic stoppt den VfB Lübeck!

28. Oktober 2012

Das war höchst interessant. Da die Profis heute Ruhetag hatten, fand ich mich bei der Zweiten im Regionalliga-Spiel gegen den VfB Lübeck ein. Deswegen hoch interessant, weil die HSV-Mannschaft mit Profis und solchen Spielern antrat, die mal Profis werden wollen. Um es gleich am Anfang zu schreiben: Beim HSV bildeten Paul Scharner und Slobodan Rajkovic die Innenverteidigung, für die beiden Nationalspieler war es die Premiere in der „Nachwuchs-Truppe“, und beide spielten gut. Wobei ich noch etwas weitergehen möchte, mit einer kleinen Nuance: Rajkovic war beim 3:1-Sieg des HSV der überragende Mann auf dem Rasen. An ihm bissen sich die Gäste immer wieder die Zähne aus, ich gehe sogar so weit: Rajkovic stoppte den VfB Lübeck. Das war eine fabelhafte Leistung, so gut habe und hatte ich den verbannten Innenverteidiger noch nie gesehen. Kurios: Scharner und Rajkovic schossen jeweils ein Tor.

Der HSV trat in Norderstedt mit folgender Mannschaft an: Tom Mickel, Henrik Dettmann (Kapitän), Paul Scharner, Slobodan Rajkovic, Janek Sternberg, Zhi Gin Lam (65. Jordan Brown), Matti Steinmann, Bentley Bexter Bahn, Farrona Pulido (65. Kevin Ingreso) , Dennis Bergmann (63. Fabian Graudenz), George Kelbel. Wie ihr sehen könnt, neben den Profis einige ambitionierte Talente dabei. Wobei einige davon auch keinen besonders guten Tag erwischt hatten. Sternberg kann wesentlich mehr, Steinmann auch, Lam ebenfalls. Auch 1:0-Torschütze Pulido (22. Min.) habe ich persönlich schon besser gesehen. Dettmann spielte hinten rechts solide, Bergmann zeigte einige (aber wenige) gute Ansätze. Bahn ebenfalls, er wurde zweite Halbzeit besser. Keinen besonders guten Tag hatte auch Kelbel, der aber auch sicher darunter litt, dass er nie so angespielt wurde, wie es nötig gewesen wäre.

Besonders auffällig: Nach dem 1:0 kamen bis auf Mickel, der in seinem Tor blieb, alle Spieler, um den Torschützen Pulido zu herzen. Auch die Profis Scharner und Rajkovic reihten sich in die Schar der Gratulanten ein. Ein sehr schönes Bild. Das für die Profis spricht. Überhaupt, beide Spieler ließen nie eine Überheblichkeit erkennen, sie gaben sich so, als würden sie schon immer in dieser Mannschaft spielen. Das 2:0 erzielte Scharner nach einem Eckstoß, als die Lübecker den Ball in Form einer Kerze Richtung Sonne klären wollte. Als die Kugel wieder zu Boden fiel, stand der Österreicher goldrichtig und drosch sie humorlos und trocken aus fünf Metern in die kurze Ecke (41.). Mit diesem Stand ging es in die Halbzeitpause.

Mit dem 3:0 von Rajkovic, der aus 32 Metern wuchtig abzog und das Glück hatte, dass VfB-Torwart Toboll den haltbaren Ball schon in den Händen hatte, ihn dann aber doch noch über die Linie rutschen ließ, war die Partie entschieden (63.). Nach diesem Treffer stürmten alle Kollegen auf Rajkovic ein, sogar Mickel war aus seinem Gehäuse bis in die gegnerische Hälfte gerast, um zu gratulieren. Etwas Spannung kam nach diesem dritten Tor des HSV noch einmal auf, weil Scharner mit einem Rückpass ein wenig arg daneben lag. Der Lübecker Hauck erlief den Ball und „tunnelte“ den ansonsten beschäftigungslosen Mickel (77.). Was mir auffiel beim HSV: Bis auf Dettmann, Scharner, Rajkovic und Kelbel, vielleicht auch noch Steinmann, müssen alle anderen Spieler körperlich noch deutlich zulegen. Der VfB Lübeck stellte da doch die wesentlich robustere Mannschaft. Ein Manko, was ich schon oft bei den „HSV-Amateuren“ erkannt habe, die Talente sind durchweg alle ein wenig zu schmal auf der Brust. Ob darauf beim HSV kein so großer Wert gelegt wird?

Dass Scharner und Rajkovic bei der „Zweiten“ spielten, das lag an den Spielern selbst. Beim HSV wird nämlich, so hörte ich heute, kein Profi mehr von „oben“ nach unten geschickt, weil das in der Vergangenheit nicht so viel gebracht hat (Paradebeispiel Muhamed Besic). Wer als Profi am Wochenende nicht zum Einsatz kam, der darf sich gerne freiwillig bei der Regionalliga-Mannschaft melden und anbieten, er wird dann auch genommen – weil er mit dieser (seiner) Meldung ja ganz offen bekundet, dass er spielen will (und damit auch Leistung bringen will). Eine in meinen Augen gute und sinnvolle Regelung.

Um noch einmal kurz auf Paul Scharner zu kommen: Der Österreicher spielte gut, keine Frage, aber die Regionalliga sollte auch für ihn kein Maßstab sein. Wenn ich Profi-Maßstäbe ansetze, dann würde ich sagen, dass da doch noch einiges für die Erste Liga fehlt. Vor allen Dingen Spielpraxis, denn viele Aktionen des Innenverteidigers sahen doch noch etwas hölzern und steif aus, ganz sicher war das noch nicht alles so souverän, dass ich sagen würde: „Das ist ein Mann für Fink.“ Noch ist er das in meinen Augen nicht, obwohl ich es ihm wünschen würde, denn er geht hart in jeden Zweikampf, schont weder sich noch den Gegner. Und einen solchen Abwehrmann, der ein wenig für Angst und Schrecken beim gegnerischen Sturm sorgen kann, täte der HSV-Defensive mal ganz gut.

So gesehen war Scharners Nebenmann Rajkovic schon unübersehbar auf einem erstklassigen Weg – und bei 90 Prozent. Ob allerdings Torwarttrainer Ronny Teuber, der dieses Spiel für die Profi-Abteilung beobachtete, das auch seinem Chef Thorsten Fink berichten wird? Ich glaube eher nicht, den Rajkovic ist und bleibt eine Persona non grata. Nach dieser Leistung muss ich es deutlich sagen: schade eigentlich.

Aber der HSV-Chef-Trainer kann ja ohnehin aus dem Vollen schöpfen, braucht einen Slobodan Rajkovic ja gar nicht – der HSV hat ja genügend Leute für die Profi-Mannschaft. Und so sehr ich mich gefreut hätte, wenn ich heute einen HSV-Spieler entdeckt hätte, der unbedingt zu Thorsten Fink und den Profis müsste – es gab diesen einen Spieler nicht. Weder hinten noch vorne, auch Mittelfeld nicht. Auch das eigentlich sehr schade. Denn ich hoffe ja immer noch, dass sich auch diese HSV-Abteilung demnächst oder auch bald oder zeitnah entwickelt. Aber wie lange hoffen wir das nicht schon? Und wie oft haben wir in den vergangenen Jahren nicht folgende Aussage von den Ochsenzoll-Verantwortlichen gehört: „Das muss sich erst entwickeln, das braucht seine Zeit . . .“ Ist schon klar.
Ich sage aber auch ganz deutlich, dass ich diesbezüglich schon seit geraumer Zeit total ungeduldig bin. Total!

Geduld wird der HSV noch mit Petr Jiracek beweisen müssen, denn der Tscheche, so viel steht schon fest, wird auch für das nächste Spiel (am Sonnabend kommen die Bayern nach Hamburg) ausfallen. Kurzzeitig war sogar zu befürchten, dass der Mittelfeldspieler wegen eines Leistenbruchs operiert werden müsse, aber zum Glück gab es in diesem Punkt die Entwarnung. Dennoch wird der Nationalspieler erst einmal ausfallen. Thorsten Fink spielt deshalb mit dem Gedanken einer Umstellung seiner Mannschaft, um dem Rekordmeister entsprechend Paroli bieten zu können. Die Überlegungen des Trainers könnten sein (oder sind so): Tomas Rincon neben Milan Badelj auf die Sechser-Positionen, und Tolgay Arslan statt Maximilian Beister ins linke offensivere Mittelfeld. Das ist, wie geschrieben, ein Gedankengang, es muss nicht so kommen – denn es wird ja noch einige Trainingstage geben, in denen sich auch der eine oder andere Spieler noch anbieten darf und kann – und vielleicht ja auch anbieten wird.

Fest „im Sattel“ dagegen sitzen zurzeit die treffsicheren Offensivkräfte. Heung Min Son und Artjoms Rudnevs haben mit ihren Treffern in Augsburg nicht nur den Sieg perfekt gemacht, sie haben auch ihre Positionen deutlich gefestigt. Und nach seinem fünften Saisontor redet ja nun ganz Hamburg davon, dass der HSV den Vertrag mit Son (läuft noch bis Sommer 2014) sofort und so schnell wie möglich verlängern sollte. Aber der Südkoreaner hat andere Pläne: „Ich weiß noch nicht, ob ich den Vertrag in diesem Winter schon verlängern werde. Ich fühle mich aber, das kann ich in jedem Fall sagen, sehr wohl in Hamburg.“ Schön zu hören.

Nicht ganz so schön war für mich dagegen die Aussage von Sportchef Frank Arnesen, der zum Thema Son sagte: „Er kann noch drei, vier Jahre bei uns spielen. Wichtig wird sein, dass für ihn die Perspektive stimmt. Spieler wie Son, Badelj oder van der Vaart wollen da mitspielen, wo es lustig ist, also international.“
Ja, das ist wohl so, aber daran können doch alle mitwirken, dass es noch so lustig wird beim HSV. Und warum sollte Son nur drei, vier Jahre hier spielen? Der junge Mann ist 20 Jahre alt. Warum kann er nicht auch noch zehn Jahre beim HSV sein? Oder sogar noch länger? Muss man immer davon ausgehen, dass die Etappen der Spieler immer kürzer und kürzer werden – Hamburg nur als Durchgangsstation anzusehen ist? Aber wahrscheinlich bin ich in diesem Punkt ein hoffnungsloser Träumer, es ist wohl so, dass die meisten Spieler ex und hopp bevorzugen – und schnellstens wieder weg vom HSV (der natürlich wichtige Aufbauhilfe geleistet hat). Der HSV als Ausbildungsverein.

Vielleicht geht es ja auch im „Fall“ Rudnevs so. Der Lette kommt allmählich, schoss in Augsburg sein drittes Bundesliga-Tor. „Ich habe mir vor der Saison einen Plan aufgestellt, wie viele Treffer ich in dieser Saison machen möchte. Ich sage aber nicht, wie viele Tore ich mir vorgenommen habe. Nur so viel verrate ich: noch bin ich im Plan.“ Rudnevs also mit der Tor-Planwirtschaft zufrieden, und der Trainer mit Rudnevs ebenfalls. Fink sagt: „Artjoms erarbeitet sich in jedem Spiel seine Chancen, und wenn er alle genutzt hätte, dann stünde er wahrscheinlich schon bei sechs Toren – aber er kommt, er macht seine Sache gut.“ Und das Tor zum 2:0 war sehenswert, keine Frage. Erst die herrliche Vorarbeit von Rafael van der Vaart (mit dem Tunnel-Pass), dann die blitzschnelle Drehung des Letten und der wuchtig Abschluss – hervorragend. So kann und darf es weitergehen. Auch wenn Rudnevs sagt: „Der Unterschied zwischen der polnischen Liga und der Bundesliga ist riesig. Hier wird viel schneller gespielt – und die Torhüter sind auch viel besser.“ Klar doch, Deutschland steht doch europaweit auf Rang drei – bei den Vereinsmannschaften.

Nur noch die Nummer zwei bei der Nummer drei, wenn ich das einmal so salopp umschreiben darf, ist zurzeit ja Dennis Aogo. Durch die lange Pause wegen der schlechten Blutwerte hat der Nationalspieler seinen Linksverteidiger-Posten an Marcell Jansen vorerst verloren. In Augsburg wurde Aogo nun erstmalig wieder eingewechselt, aber erst in der 90. Minute (für „Maxi“ Beister). Dennoch befand Aogo: „Ich war zumindest mal wieder dabei, und es war auch ein schöner Moment, mal wieder auf dem Platz zu stehen, aber ich würde schon gerne auch mal wieder länger spielen. Mal wieder von Anfang an. Aber das ist eine schwierige Situation, ich muss hart arbeiten und mich im Training anbieten. Ich bin fit und überzeugt, dass ich der Mannschaft helfen kann.“

Das denke ich auch. Zumal Dennis Aogo für mich der Spieler war, der im Zusammenspiel mit Kapitän Heiko Westermann in schweren und schwerste Bundesliga-Zeiten versucht hat, die stark angeschlagene HSV-Mannschaft wieder aufzurichten. Jeden Tag. Aogo hat sich für das gesamte Team eingesetzt, damit es wieder bergauf geht – und nun ist er im Pech. Auch deshalb, weil Jansen seine Sache hinten links sehr gut macht. Aogo sagt über diesen Konkurrenzkampf: „Ich muss mich hinten anstellen und auf meine Chance warten, aber ich möchte auch nicht auf eine andere Position ausweichen. Ich bin linker Verteidiger, das habe ich viereinhalb Jahre hier gemacht, das ist meine Position.“ Über sein Verhältnis zu Jansen sagt er: „Ich habe mit Marcell ein offenes Verhältnis – wir wollen nur beide auf dieser einen Position spielen.“

Das wird noch ein hartes und vereinsinternes Duell. Wobei mich erstaunt, dass Jansen jetzt offenbar hinten links spielen will, obwohl es jahrelang so aussah, dass sich der ehemalige Bayern-Spieler weiter nach vorne orientiert hat. Aber nun ist sein Motto wohl: „Vorwärts Marcell, es geht zurück.“ Ich bin gespannt, wie lange Dennis Aogo geduldig wartet und still bleibt. Ganz gespannt. Wobei Thorsten Fink zu diesem brisanten „Zweikampf“ sagt: „Kein Trainer der Welt würde die Mannschaft jetzt ändern. Dennis ist ein guter Junge, er muss nun Geduld aufbringen und auf seine Chance warten.“

PS: Heute wird Mittelfeldspieler Tolgay Arslan Gast beim „Sportclub“ im Dritten sein, die Sendung beginnt um 22.50 Uhr. Und an diesem Montag wird um 15 Uhr im Volkspark trainiert.

PSPS: Noch steht es in München bei der Partie Bayern gegen Leverkusen nur 1:1. Ein Zeichen, dass auch die übermächtigen Bayern, denen ich ja Unbesiegbarkeit bescheinigt habe, doch verletzbar sind? Wie schön wäre das denn? Am nächsten Sonnabend . . .

19.09 Uhr

Rincon und Skjelbred sind dabei

25. Oktober 2012

Kurz zur Erinnerung: Am vergangenen Sonnabend gab es beim HSV-Abschlusstraining das berühmt-berüchtigte Spielchen A gegen B. Die Reservisten, die am Tag zuvor noch ganz hoch (im Bereich zwischen 0:6 und 0:8) verloren hatten, siegten 3:0 – die Stamm-Formation war chancenlos. Später, und zwar nach der 0:1-Pleite gegen den VfB Stuttgart, sagte Marcell Jansen dann: „Diese Niederlage hatte sich gestern beim Abschlusstraining schon angedeutet . . .“ Wenn das den zutreffend ist, dann könnte der HSV an diesem Freitag auf ein Unentschieden beim FC Augsburg hoffen, denn: Im heutigen Abschlussspielchen gab es zwischen A und B ein leistungsgerechtes 2:2. In einem Spiel, das sehr intensiv geführt wurde – also mit dem nötigen Ernst und mit dem entsprechenden Einsatz.

Das B-Team ging durch ein Tor von Gojko Kacar in Führung: Nach einer Flanke, die Dennis Aogo mit seinem rechten Fuß zur Mitte brachte, setzte sich Paul Scharner in einem wuchtigen Luftkampf mit Heiko Westermann durch und köpfte die Kugel zur Mitte, wo Kacar knallhart einschoss. Für das 1:1 sorgte Heung Min Son: Nach einem Van-der-Vaart-Eckstoß und der Kopfballverlängerung am ersten Pfosten von Marcell Jansen stand der Südkoreaner am langen Pfosten goldrichtig und ließ Jaroslav Drobny keine Abwehrmöglichkeit. Die Reservisten gingen dann durch ein Tor von Marcus Berg erneut in Führung, doch Maximilian Beister glich mit einem strammen Schuss aus 14 Metern noch aus – Schlusspfiff. Damit nicht noch (und wieder) mit einer Niederlage für das A-Team aufgehört werden muss . . .

Vor dem Abschlussspiel hatte es noch ein längeres und heftigeres „Geballere“ gegeben. Es wurde aus allen Lagen geschossen, die Torhüter Rene Adler, Jaroslav Drobny und Tom Mickel flogen, hechteten, fausteten und fingen nach allen Regeln der Kunst. So gut und vor allen ´Dingen so ausdauernd hat der HSV schon lange keinen Torabschluss mehr geübt – herrlich. Hoffentlich trägt es für diesen Freitag auch Früchte. Ganz nebenbei noch zweierlei: Das schönste Tor erzielte Rafael van der Vaart, der den Ball zentimetergenau in den rechten oberen Torwinkel „zimmerte“. Ein „Tor des Monats“ – da capo. Und Artjoms Rudnevs legte heute nach dem Training keine (eigentlich vom Trainer versprochene) Sonderschicht ein. Auch in diesem Fall ein hoffentlich: Hoffentlich klappt es in Augsburg auch ohne diese Sonderschicht. Und wenn es nur dazu langen sollte, den Ball in die Mitte und auf den einschussbereiten linken Fuß von van der Vaart zu spielen . . . Aber wird schon. Ich bin jedenfalls guter Hoffnung.

Nach dem Training wurde dann noch ein großer Kreis gebildet, und Trainer Thorsten Fink tat vor versammelter Mannschaft dem einen oder anderen Spieler dann auch noch weh. Nicht körperlich. Der Coach erklärte aber noch auf dem Platz seinen Augsburg-Kader, zu dem es einige Härten zu verarbeiten gab (und gibt). Paul Scharner, Jacopo Sala und Petr Jiracek (verletzt) sind diesmal nicht im Kader, und Fink erklärt ihnen, dass diese Maßnahmen nichts mit ihren Trainingsleistungen zu tun hätten. Da der HSV nun einmal einen sehr großen Kader hat, müssen zwangsläufig einige Spieler immer zu Hause bleiben. Neu dabei sind Per Ciljan Skjelbred, Tomas Rincon und Ivo Ilicevic.

Drei kleinere oder auch größere Überraschungen, denn Skjelbred schien zuletzt chancenlos, muss sich aber durch gute Leistungen im Training aufgedrängt haben. Wobei ich gestern im Kreise der Kollegen festgestellt hatte, dass der Norweger im Training eigentlich fast immer eine gute Figur abgibt. Überraschend kommt auch die Rückkehr von Ivo Ilicevic, der erst am Mittwoch wieder mit Reha-Trainer Markus Günther auf „dem Acker“ zu sehen gewesen ist. Aber das ist wohl eine Maßnahme, falls es mit „Maxi“ Beister auf links nicht über 90 Minuten gehen sollte. Nicht ganz so überraschend kam die Nominierung von „Kampfmaschine“ Tomas Rincon. Der Venezolaner zeigt eigentlich in jeder Einheit, dass er wieder zurück in die Mannschaft will. Deswegen ist sein Mitwirken auch nur zu begrüßen, „Popeye“ haut rein und will sich immer beweisen. Kann nur zum Wohle der Mannschaft sein.

“Wir haben nun einmal einen großen Kader, da wird es sich nicht vermeiden lassen, dass es solche Härtefälle gibt – es können ja nicht alle mit. Aber dieser Kader bedeutet auch nicht, dass er automatisch auch für das Bayern-Spiel gilt. Dann kommen wahrscheinlich wieder einmal andere dran, denn im Moment trainieren alle Spieler richtig gut”, sagte Thorsten Fink zu seiner Bank-Rotation.

Was ich beim heutigen Training so still bei mir dachte: Jaroslav Drobny zeigt sich eigentlich an jedem Tag von seiner besten Seite – sein Einsatz ist bewundernswert. Das muss ganz einfach einmal gelobt werden, denn es ist für ihn gewiss nicht leicht. Erst ist er Ersatz hinter Frank Rost, dann kommt er als Nummer eins schwer in Fahrt, hält dann aber überragend – und wird doch wieder Ersatzmann. Und das als aktuelle Nummer zwei des tschechischen Nationalteams. Das alles muss man erst einmal verkraften, aber Drobny scheint es geschafft zu haben. Kompliment! Wie der Tscheche trainiert, wie gut er hält, und wie er mit den Kollegen lacht und scherzt – das hätte eigentlich einen Sonderpreis verdient. Ich ziehe den Hut vor Jaroslav Drobny!

Aber natürlich auch vor Rene Adler, der völlig berechtigt nun zwischen den HSV-Pfosten steht, weil er für mich die Nummer eins in Deutschland ist. Und nun dürfte es interessant werden: Am 14. November findet das letzte Länderspiel des Jahres statt, Niederland gegen Deutschland in Amsterdam. In der neuen „Sport Bild“ erteilt (angeblich) DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke einem Comeback von Adler eine Absage. Weil sich das Trainerteam für die entsprechenden drei Keeper entschieden hat: Manuel Neuer, Marc-Andre ter Stegen und Ron-Robert Zieler. Letzterer aber ist nach seiner Roten Karte aus dem Freundschafts-Länderspiel gegen Argentinien. Und ter Stegen bekommt die Bälle zurzeit nicht nur um die Ohren, sondern auch in seinen Kasten. Da wäre es ja wohl nur gerecht, wenn der aktuell beste Torwart dann auch zum Kader gehören würde: Adler. Ich bin mal gespannt, wie das der DFB („Jogi“ Löw und Köpke) entscheiden wird (werden).

Apropos Trainer: Thorsten Fink zeigte sich im Entlassungs-Fall Magath etwas betroffen. Der HSV-Coach wollte die Nachricht zunächst gar nicht glauben (war während des Trainings passiert), fragte nach und sagte dann: „Das kommt überraschend für mich, damit hätte ich nicht gerechnet. Weil Felix doch immer nach gewissen Anfangsschwierigkeiten immer noch in die richtige Spur mit seinen Mannschaften gekommen ist. Das hätte wohl auch mit Wolfsburg noch geklappt . . .“

So, zum Abschluss noch drei Namen. Wenn auch der erste mit etwas Verspätung kommt – und dann auch erst zwei Minuten vor Schluss. David Rozehnal, oft und ausgiebig belächelt und als Fehleinkauf des HSV abgestempelt, spielte am Dienstag Champions League. Rozenahl! Ja, unser aller David Rozehnal. Von der Champions League kann doch der HSV noch in Jahren nur träumen, aber der „Fehleinkauf“ läuft noch kurz vor Schluss für Lille gegen die Bayern auf. Das ist schon ein dickes Ding. Kann man sich so irren. Oder: So kann man sich irren? Egal, wie auch immer, der David spielt Champions League, und das ist doch auf jeden fall für ihn recht erfreulich. Und für mich wieder ein Beispiel, dass man nie nie sagen sollte. Ich hätte es ihm niemals zugetraut, aber da bin ich wahrscheinlich nicht so ganz allein.

Und dann möchte ich euch noch einmal an den Freitagabend erinnern. Aus dem „Champs“ in Schnelsen wird wieder „Matz ab libe“ übertragen, und zwar mit zwei Europapokal-Siegern des HSV: Peter Hidien und Hans-Jürgen „Dittschi“ Ripp. Ich gebe zu, dass ich mich auf diese beiden „Altmeister“ der Verteidigung schon sehr freue. Wir wollen gleich nach dem Schlusspfiff in Augsburg auf Sendung sein – ich hoffe, dass ihr wieder dabei sein werdet.

18.59 Uhr

Diekmeier und Tesche trafen doppelt – 8:1

13. Oktober 2012

Der HSV gewinnt auch ohne Stürmer. Zum Beispiel 8:1 gegen die Landesliga-Mannschaft von Eintracht Elbmarsch. Das heißt, einen Stürmer gab es schon, aber der kam nicht von den Profis. Georg Kelbel war die einzige Spitze, er kommt aus der Regionalliga-Mannschaft von Rodolfo Cardoso. Kelbel spielte aber nur in den ersten 45 Minuten, traf aber immerhin einmal – zum zwischenzeitlichen 2:1 für den HSV. Vor 2000 Zuschauer und bei herrlichem Sonnen-Wetter war die Eintracht durch einen „alten Bekannten“ der Hamburger Amateurszene, nämlich Christian Spill, mit 1:0 in Führung gegangen, und zwar schon in der siebten Minute. Nach dem 1:1 von Gojko Kacar und Kelbels 2:1 geriet der HSV aber nie in Gefahr, sich an der Elbe eine Blamage abzuholen. Zum „Man of the match“ wurde Dennis Aogo gewählt, der 90 Minuten durchspielte, auffälligster Hamburger war und auch ein Treffer zu diesem Kantersieg beisteuerte.

Robert Tesche und Dennis Diekmeier trafen je zweimal, Tolgay Arslan trug sich einmal in die Schützenliste ein. Und so spielte der HSV: Tom Mickel (ab 46. Sven Neuhaus); Dennis Diekmeier, Michael Mancienne (61. Manuel Farrona-Pulido), Paul Scharner, Marcell Jansen (61. Dominik Jordan aus der U 19); Tomas Rincon, Gojko Kacar (61. Baxter Bahn); Tolgay Arslan, Robert Tesche, Dennis Aogo (61. Felix Brügmann); Georg Kelbel (ab 46. Janek Sternberg).

Auffällig bei dieser Formation: Jansen spielte hinten links. Und Aogo davor. Es bleibt also für das VfB –Stuttgart-Spiel am Sonntag dabei, dass Jansen hinten verteidigt. Aogo muss sich erst einmal wieder in die Startformation kämpfen – mit Leistungen wie heute aber dürfte das nicht mehr so lange dauern. Gut stellte sich auch Rincon vor, der 90 Minuten durchhielt und dabei überzeugte.

Thorsten Fink sagte nach der bestens organisierten Veranstaltung in Drennhausen, wo die Eintracht Elbmarsch beheimatet ist: „Ich war mit der Laufleistung und der Einstellung der Mannschaft zufrieden, aber ich wünsche mir immer noch das eine oder andere Tor mehr.“ Wer nicht?

Nicht mit an der Elbe war bekanntlich der Kapitän. Damit ist nicht Michael Ballack gemeint (der natürlich auch nicht da war!), sondern vielmehr Heiko Westermann. Der so oft (zu Unrecht) gescholtene HSV-Profi bekam ja überraschend eine Einladung von Bundestrainer „Jogi“ Löw zu den WM-Qualifikationsspielen gegen Irland und Schweden. Leider hat Westermann in Dublin nicht gespielt, ich hätte mich sehr über (s)einen Einsatz gefreut, aber dass er überhaupt dabei ist, das zeigt sehr wohl, dass Löw die vielfach überragenden und immer vorbildlichen Leistungen von Westermann beim HSV nicht nur zur Kenntnis genommen hat, sondern auch honoriert. Wer hätte das noch vor einem – sagen wir mal – halben Jahr gedacht?

Thorsten Fink lobte seinen Spielführer: „Die Einladung ist optimal für Heiko, ich glaube, dass ihm diese Nominierung noch einmal einen zusätzlichen Schub geben wird. Davon bin ich sogar fest überzeugt. Er hat ja in der Vergangenheit viel auf den Kopf bekommen, dass er schlecht sei, dass er das nicht kann oder jenes – aber ich habe jetzt gelesen, dass ‚Jogi’ Löw den Heiko sehr gelobt hat – und ein bisschen Ahnung hat der junge Mann ja auch. Der Bundestrainer war nicht nur zufrieden mit Heiko, er war sogar begeistert von ihm. Das bin ich auch. Auch ein Heiko Westermann braucht solche Erfolgserlebnisse, aber insgesamt muss ich sagen, dass er bei uns sehr konstant gespielt hat, er war oft der Fels in der Brandung. Und er ist vom Charakter her ohnehin ein vorbildlicher Profi.“

Auf das Thema Charakter ging Thorsten Fink dann noch einmal extra ein: „Wenn man mir heute einen Zettel hinlegen würde, mit der Frage, was das Wichtigste an einem Fußballer ist, dann würde ich – außer das Wort Talent – an erster Stelle den Charakter nennen. Wenn man keinen Charakter hat, dann kann man kein Fußballer werden . . .“
Ja, genau deswegen ist Heiko Westermann nicht nur eine große Stütze des HSV, sondern auch der Kapitän der Mannschaft. Und jetzt auch sogar schon wieder bei der Nationalmannschaft. Wobei, das fügte Fink noch ergänzend an, auch die gesamte Mannschaft Charakter haben muss: „Das gesamte Team muss vom Charakter her und vom Zusammenspiel funktionieren. Wie in einem Orchester. Ich brauche ja verschiedene Komponenten in einem Orchester, ich kann ja nicht mit zehn Geigen spielen, ich brauche verschiedene Künstler, und die müssen dann miteinander harmonieren – und so ist auch in einer Mannschaft. Vom Alter her, vom Charakter her muss es alles passen.“ Dann erklärte Thorsten Fink die einzelnen Mannschaftsteile: „Ein Stürmer ist nun mal egoistisch vom Charakter her. Das ist nun einmal so. Ein Stürmer, der nicht egoistisch ist vom Charakter, der wird nie ein guter Stürmer sein. Ein defensiver Mittelfeldspieler ist meistens, zu 80 Prozent auf jeden Fall, ein bodenständiger Mensch. Das wird man immer wieder sehen. Und ein Zehner ist natürlich der kreative Mann, auch privat, der liebt das Leben – ein Stürmer liebt die Frauen; so ist das. Auch wenn es natürlich nicht auf alle zutrifft.“

Einige Stunden vor dem A-Länderspiel in Irland tat sich die deutsche U-21-Nationalmannschaft in Leverkusen ja gegen die Schweiz recht schwer. Nur 1:1, die Qualifikation für die EM dürfte sich noch sehr, sehr schwierig gestalten. Mit von der Hinspiel-Partie war HSV-Profi Maximilian Beister, der kräftig schimpfend, ja meckernd vom Rasen der BayArena stampfte. Wie ein Kesselflicker hat der HSV-Stürmer geflucht. Den Grund dafür sah ich in diesem Unentschieden, aber vielleicht steckte ja auch noch etwas anderes dahinter. Auf jeden Fall gab es wieder einmal (wie zuletzt beim HSV) kein Erfolgserlebnis für „Maxi“ Beister, der sich in Hamburg ja immer noch zwischen Baum und Borke befindet. Kein Stammplatz. Und der Weg dorthin dürfte noch dornenreich sein. Heung Min Son hat sich durch seine Treffer und durch seine Torgefährlichkeit einen kleinen aber sicheren Vorsprung auf der rechten Seite erspielt.

Maximilian Beister werden ja vor allem Defizite in der Defensivarbeit nachgesagt. Aber das ist es nicht nur. Thorsten Fink generell: „Ich glaube, dass Maxi sicher auch in der Defensivarbeit lernen kann, das ist ganz klar, aber es gibt verschiedene Dinge. Wann gehe ich in den Raum? Wann gehe ich steil? Wann bleibe ich zwischen den Linien? Und auch in Sachen Torabschluss läuft es ja noch nicht so rund, weil er in der Ersten Liga nicht so viel Platz hat. Maxi hat ja schon einige Spiele gemacht, gegen einen Drittligisten hat er auch ein Tor gemacht, aber in der Bundesliga, da hat er ja auch schon öfter gespielt, da hat er eben nicht so viel Raum, um zum Abschluss zu kommen. Das ist sicher auch etwas anderes als in der U-21-Nationalmannschaft.“ In der Beister ja schon mehrfach als Torschütze glänzen konnte. Fink abschließend zu diesem Thema: „Kommt Maxi Beister, von dem ich sehr viel halte, auf den wir für die Zukunft bauen, kommt dieser Maxi Beister über die Bank ins Spiel, und das ist er ja schon häufig, und schießt er dann Tore, dann muss ich als Trainer auch schauen, was ich mit ihm mache . . .“ In der Zukunft. Weiter Bank oder doch von Beginn an? Vor diese Wahl aber muss Beister den Coach erst einmal stellen – am besten mit vielen Toren und Top-Leistungen.

In der Ersten Liga konnte zuletzt ja auch Artjoms Rudnevs als Torschütze jubeln – zweimal. Aber der Lette ließ auch einige Groß-Chancen einfach liegen. Und wenn ich das kritisiere, dann gibt es auf die Ohren. Natürlich in „netter“ Form – das ist keine Beschwerde. Wenn ich allerdings lese, dass ich mit „einem Piotr Trochowski immer weitaus nachsichtiger umgegangen bin, wenn der mal solche Chancen vergeben hat“, dann muss ich ehr schmunzeln. Das ist der berühmt-berüchtigte „Apfel-Birnen-Vergleich.“ Ich kann mich nämlich nicht erinnern, dass der „kleine Dribbelkünstler“ einst solche Chancen – für den HSV spielend – auf dem Fuß hatte. Wann stand denn Trochowski schon mal frei vor einem Torwart? Ich kann mich an keine einzige Szene dieser Art erinnern. „Troche“ hat doch meistens – wenn er denn mal schoss – aus der größeren Entfernung das gegnerische Tor anvisiert – weil er doch ganz andere Vorzüge hatte, als zum Beispiel Artjoms Rudnevs.

Über den Thorsten Fink quasi in einem Nebensatz folgende Beurteilung losließ: „Marcus Berg ist sicher vor dem gegnerischen Tor viel besser als Rudnevs, aber Rudnevs ackert wie ein Tier. Die Laufwege von Rudnevs sind hervorragend. Das fehlt vielleicht einem Marcus Berg zurzeit. Der eine hat das, der andere hat jenes. Ich muss aber sehen, wie wir als Mannschaft funktionieren, und da passt es mit Rudnevs eben ein wenig besser.“ Um das noch einmal abschließend zu sagen: Nachdem ich für meine Rudnevs-Kritik zuletzt wieder einmal Ärger bekam, habe ich mich schlau gemacht. Was haben die anderen HSV-Journalisten dem Letten denn für Noten (im Spiel gegen Fürth) gegeben? Bild: Note fünf. Mopo: Note fünf. Welt: Note fünf.
Und mehr als eine Fünf war auch meine Kritik nicht wert, denn ich habe Artjoms Rudnevs nämlich noch ob seiner „anderen Verdienste“ (Laufarbeit, Kampfbereitschaft) gelobt. Jawoll, gelobt. Auch wenn ich ihn wegen seiner zwei vergebenen Hundertprozentigen „Chancentod“ genannt habe. Aber gut, das ist vorbei – und vielleicht ja auch bald wieder vergessen (nicht wahr, Mädels?).

PS: An diesem Sonntag ist kein Training im Volkspark.

17.08 Uhr

Im Training kracht es mächtig – und das ist gut so

5. Oktober 2012

Kennt ihr diese Tage, an denen irgendiwe nichts passieren will? Diese Tage, die eigentlich nur dafür taugen, das Hauptereignis um 24 Stunden zu verzögern? Sie nerven – aber sie steigern die Vorfreude. Wie bei mir auf das Spiel in Fürth. Ich freue mich tatsächlich auf ein Bundesligaspiel bei der SpVgg Greuther Fürth! Das hätte ich mir vor wenigen Wochen so nicht träumen lassen.

Aber es ist so!

Und das heutige Training trägt zu dieser Vorfreude bei. Denn da ist so einiges passiert. Positives! Die Mannschaft gibt Gas. In den Spielen wie im Training werden keine Zweikämpfe verloren gegeben, Einstellung bewiesen. Heute krachte es das eine oder andere Mal ordentlich. Einmal sogar etwas mehr, als normal verträglich. Jacopo Sala hatte einen Zweikampf verloren und war kurzzeitig teilnahmslos. Erst als der Italiener sah, dass Heiko Westermann unmittelbar vor ihm angespielt wurde, zog er an und grätschte den Kapitän um. Ein übles Foul, für das sich Westermann revanchierte. Er packte Sala zunächst am Trikot dann überall, wo er ihn packen konnte. Nase an Nase standen sich beide Streithähne gegenüber, ehe Physio Stefan Kliche schlichten konnte. Eine Szene, die in schlechten Zeiten wahrscheinlich von einigen meiner Kollegen als symptomatisch bezeichnet worden wäre.

Aber warum in Konjunktiven reden? Ich fand’s richtig schön zu sehen, dass diese Mannschaft weiter pulsiert. Auch die Szene mit Son/Rajkovic hätte ich – das hatte ich damals geschrieben – mit einem klärenden Gespräch abgehakt und letztlich als positives Zeichen gewertet. Reibung kann durchaus gut sein. Auch dann, wenn es läuft. So werden alle wieder darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich jetzt nicht hängenlassen dürfen. Es ist zweifellos ein schmaler Grat. Auch Westermann musste sich anschließend den Knöchel kühlen, soll aber in Fürth spielen können. Aber solange es Ausnahmen sind und die Spieler sich nicht bewusst verletzen, ist es für mich okay. Mehr noch: Es füllt das ständige Gerede über die verschärfte Konkurrenzsituation sogar endlich mal mit Leben.

Und das wird morgen in Fürth gebraucht. Deshalb nahm sich Fink noch während des Trainings beide Streithähne jeweils zur Seite, sprach kurz und ließ das Training Training sein. Fink weiß, dass höchste Konzentration gefragt sein wird, denn die Spielvereinigung ist nicht unbedingt die Mannschaft, die das Spiel machen will. Im Gegenteil. Null Tore und null Punkte zuhause sprechen eine deutliche Sprache. Der HSV wird in Fürth – im Gegensatz zu den Spielen gegen Dortmund und Hannover – das Spiel machen müssen, wenn es drei Punkte werden sollen. Zum ersten Mal seit 21 Monaten wieder zwei Siege in Folge – das hätte doch was! Und ich glaube daran.

Allerdings wird es ein schwerer Gang für den „neuen“ HSV. Das Spiel machen lag den Mannen um Rafael van der Vaart nicht so. Stattdessen wurde schnell gekontert. Und Artjoms Rudnevs hatte vorn alle Freiheiten, brauchte nur den freien Raum zu suchen, um den entscheidenden Pass aus dem HSV-Mittelfeld (vorrangig von van der Vaart) zu bekommen. „Wir werden von Beginn an volles Tempo gehen“, verspricht Fink, der an der Startelf aus dem Hannover-Spiel nichts ändert. Außer natürlich Petr Jiracek, der für den verletzten Ivo Ilicevic ins Team rückt und der heute einen guten Eindruck hinterließ. Der Tscheche war bissig, passsicher und ein Bestandteil der haushohen Überlegenheit der A-Elf im Abschlussspiel heute. Ich habe lange nicht mehr eine so chancenlose B-Elf gesehen wie die heutige. Und das lag vor allem an der Qualität des A-Teams. Heung Min Son marschierte wie er nur wollte an dem noch sichtbar unfitten Gojko Kacar vorbei, während van der Vaart in der Mitte schalten konnte wie er wollte und Marcell Jansen über links immer wieder nahezu perfekte Flanken schlug. Wie beim ersten Tor. Da setzte Jiracek Jansen auf Linksaußen in Szene. Jansen selbst schlug aus vollem Lauf einen Flankenball, den Rafael van der Vaart inmitten von Paul Scharner und Jeffrey Bruma mit einem Kopfball gegen die Laufrichtung von Sven Neuhaus verwandeln konnte.

Zudem meldete sich Rene Adler gesund zurück. Der Keeper, der heute nicht von Bundestrainer Jogi Löw nominiert worden ist, weil der sich bereits beim letzten Länderspiel auf die Dreier-Kombo Neuer/ter Stegen/Zieler für die beiden Qualispiele festgelegt hatte, absolvierte mit Torwarttrainer Ronny Teuber eine separate Einheit und wirkte topfit. „Alles okay“, so seine kurze Antwort auf die Frage, ob er wieder fit ist. Und ich bin mir sicher, dass Löw ihn zum nächsten Länderspiel holen wird, wenn er so weiterhält. Alles andere wäre unbegreiflich…

Unklar ist noch, ob auch Jaroslav Drobny wieder gesund ist. Der Tscheche leidet an einer Schleimbeutelentzündung an der Achillessehne und trat auf jeden Fall den Weg nach Fürth mit an, weil er von Nürnberg aus am Sonnabend zur tschechischen Nationalelf reist. „Torhüter haben wir ja genug“, hatte Trainer Thorsten Fink gestern noch gescherzt – um heute tatsächlich vier Keeper ins vorläufige Aufgebot zu berufen. „Sicher ist sicher“, so Fink, der auf die Rückkehrer Kacar, Tomas Rincon und Paul Scharner verzichtet.

Dafür steht in Fürth eine Premiere bevor. Zum ersten Mal starten Jiracek, van der Vaart und Milan Badelj im Mittelfeld – und spielen durch (Danke rautentraeger!). „Ich habe mir schon keine potenziellen Gegenspieler angesehen“, sagt Badelj, der auf mich einen unfassbar selbstsicheren Eindruck macht. Und das meine ich im Spiel wie außerhalb. „Die Atmosphäre ist super, das macht es mir leicht“, sagt Badelj, der an der Verbesserung der Atmosphäre maßgeblichen Anteil hatte. „Wir hatten bei null Punkten mächtig Druck – jetzt haben wir Spaß. Der Sieg gegen Dortmund war glücklich, aber er hat es uns leichter gemacht und uns Selbstvertrauen gegeben. Und das spürt man jetzt in der Mannschaft.“

Auch, weil sich Badelj und van der Vaart in der Zentrale (vom derzeit nicht minder starken Tolgay Arslan ergänzt) spielerisch sehr gut verstehen. „Wir reden viel miteinander“, sagt der Kroate, „es scheint zu passen, kann aber noch viel besser werden.“ Wobei das bei Badelj auf alles zutrifft. Auf sein Spiel („Ich muss mich in wirklich allen Bereichen noch steigern. Ich bin überrascht, wie schnell es ging, brauche aber noch mehr Spiele. Bislang ist es gut – aber lange noch nicht exzellent“) wie auf das Zusammenspiel mit van der Vaart bis hin zum Gesamtauftritt. „Wir haben bislang unser bestes Spiel gegen Mönchengladbach gemacht – und kurioserweise das als einziges der letzten drei nicht gewonnen. Aber spielerisch müssen wir da wieder hinkommen. Erst dann können wir zufrieden sein.“ Wobei ich derzeit schon mit den Punkten ohne tolles Spiel zufrieden wäre. Erst einmal Sicherheit zu den unteren Regionen herstellen – der Rest kommt von allein.

In diesem Sinne, morgen „einfach“ gewinnen. So, wie es Dennis Diekmeier gesagt hat: „Das nächste Spiel ist immer das Schwerste. Wir müssen das gleiche Feuer wie gegen Dortmund, Gladbach und Hannover haben – dann packen wir das auch in Fürth.“ Und mit einem Sieg wäre sogar nach Ewigkeiten mal wieder ein einstelliger Tabellenplatz drin…

Bis morgen! Ich freue mich auf das Spiel – und das anschließende Matz ab live aus dem Champs.

Scholle

SpVgg Greuther Fürth: Grün – Nehrig, Kleine, Mavraj, Schmidtgal – Sararer, Pekovic, Fürstner, Pektürk – Edu, Azemi.
HSV: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Arslan – Son, van der Vaart, Jiracek – Rudnevs.

Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne). Assistenten: Christian Bandurski (Oberhausen), Sascha Stegemann (Niederkassel)
Vierter Offizieller: Christiang Dingert (Lebecksmühle)

Statistik (Quelle: www.hsv.de):
Dieses Duell gab es bisher nur im DFB-Pokal, die SpVgg wird zum 51. Gegner des HSV in der Bundesliga-Historie. Das letzte Duell fand in der ersten Runde des DFB-Pokals 63/64 statt und die Franken kamen nach einem 1:1 in Hamburg durch ein 2:1 im Heimspiel weiter. Die Tore für die Rothosen in Hin- und Rückspiel erzielte jeweils Uwe Seeler.

Ein richtig guter Tag für Fink

4. Oktober 2012

Er hat es getan. Und ich finde, er hat es weitgehend gut gemacht. Und damit meine ich Slobodan Rajkovic, der sich heute öffentlich entschuldigt hat. Entschuldigt für das Interview, das er mir nach seiner Suspendierung im August gegeben hatte. Damals fühlte sich der Serbe zu Unrecht ausgeschlossen und rechnete mit Trainer Thorsten Fink ab. Heute sagt er: „Ich war in einer Situation, in der ich wahrscheinlich nicht wusste, was ich tat. Aber ich wollte bestimmt niemandem im Verein und im Umfeld etwas Böses. Ganz im Gegenteil. Der Verein steht immer hinter uns und wir Spieler müssen das zu schätzen wissen. Aber in dem Moment des Interviews habe ich das völlig ausgeblendet. Ich war nicht ich selbst.“

Kann sein. Allerdings könnte es Rajkovic mit der Wahrheit dann doch etwas genauer nehmen. Denn wir hatten das Interview nicht am Tag des Eklats geführt, sondern Tage danach. Dennoch antwortet er auf die Frage, ob er sich heute anders ausdrücken würde, etwas missverständlich: „Selbstverständlich. Ich würde in jedem Fall erstmal nach Hause fahren und einen kühlen Kopf bekommen. Ich habe daraus gelernt.“ Den kühlen Kopf hatte er. Hätte er zumindest haben müssen, da er das fertige Interview mehrfach zum gegenlesen bekommen hatte und wir zwischen Interview- und Erscheinungstermin noch mal einen Tag hatten.

Aber okay, Rajkovic will wieder ein Teil der Mannschaft werden – darum geht es. Dafür entschuldigt er sich förmlich und auch so, dass ich es ihm glaube. Denn Rajkovic ist ein sehr emotionaler Typ. Sein Ehrgeiz ist vielleicht manchmal etwas überbordend – aber ich glaube ihm, dass er sich beim HSV wieder durchbeißen will. Dass er seine Entschuldigung nicht via Abendblatt formuliert hat – völlig okay. Ich hatte es ihm mehrfach angeboten, ihm gesagt, dass er genau den gleichen Rahmen bekäme, um seine Äußerungen von einst zu relativieren und zu entschuldigen. Aber er wollte nicht, entschied sich jetzt spontan nach dem Training mit der Welt und der Mopo zu sprechen. Und wisst ihr was? Ich freue mich mehr darüber, dass er sich entschuldigt hat, als dass ich traurig darüber bin, dass er es nicht bei mir gemacht hat.

Rajkovic hat tatsächlich Stil. Er schämt sich nicht, eigene Fehler einzugestehen. Dass er mit einer Entschuldigung beim HSV momentan nicht weit kommen wird, scheint dennoch klar. „Er ist ein junger Mensch der Fehler macht“, sagte Fink heute, „und das akzeptiere ich. Aber so schnell geht das dann auch wieder nicht.“ Soll heißen: Rajkovic muss sich gedulden. Allerdings glaube ich, dass Fink mit dem Linksfuß abgeschlossen hat und an eine Begnadigung nur dann denken würde, wenn er personell in eine derartige Not getrieben wäre. Und danach sieht es momentan nicht aus. Im Gegenteil: Mit Paul Scharner kommt voraussichtlich schon gegen Fürth ein weiterer Innenverteidiger nach überstandener Verletzung dazu. Zudem kehren mit Gojko Kacar (“Nach dem Training habe ich noch immer leichte Schmerzen – aber ich bin überglücklich, wieder dabei zu sein”) und Tomas Rincon zwei weitere Defensivspieler nach überstandenen Verletzungen zurück. „Für den Kader ist es wahrscheinlich noch zu früh“, so Fink, das käme erst dann in Frage, wenn sich ein weiterer Spieler verletzt. Wobei sich Sternberg (zum Glück als einziger) in Posen verletzt hat.

Ansonsten setzt Fink auf die siegreiche Elf der letzten Wochen. Petr Jiracek soll dabei den verletzten Ilicevic ersetzen. „Petr kennt diese Position“, so Fink, der den Tschechen jedoch in Posen fast überall einsetzte – außer als Linksaußen. Dennoch, Jiracek hat auf der linken Seite bei der EM stark gespielt und erhielt den Vorzug vor Maxi Beister, wie Fink heute erklärte. „Maxi muss defensiv noch etwas lernen“, so Fink, „er wird in Zukunft kommen.“ Vorerst aber setze er auf die Kämpferqualitäten Jiraceks. „Wir brauchen in Fürth einen Fighter.“

Insgesamt erwartet Fink eine kampbetonte Partie. Und mit der J-Seite (Jiracek, Jansen) ist er gut besetzt. Anders gestaltet sich das auf der rechten Seite, auf der in meinen Augen noch ein kleines Ungleichgewicht bei Diekmeier und Son herrscht. „Sonni hat überragende Qualitäten nach vorn“, umschifft Diekmeier geschickt die Frage, ob Son zu wenig nach hinten arbeitet, „ich muss ihn nach hinten immer stellen. Und er hört sehr gut“, so der Rechtsfuß, der sich seinen Platz auf der rechten Abwehrseite von Jeffrey Bruma in dessen Verletzungspause mit kompromissloser Defensivarbeit und einer für seine Verhältnisse harte Zweikampfführung zurückerobert hat. „Ich wollte mich unbedingt aufdrängen und zeigen, dass ich in die Mannschaft gehöre. Da ist es wichtig, richtig aggressiv zu sein.“

Immerhin kriegt Diekmeier momentan nicht genug vom HSV – und passt sich gleich in den Tag der Poesie beim HSV ein. „Als Fußballer willst du nicht unten rumgurken. Deshalb war das nach dem Dortmund-Sieg so ein geiles Gefühl. Das war wie eine Droge – und von der wollen wir hier alle noch viel mehr.“ Es sei ein Glücksgefühl, das man die ganze Zeit mit sich herumträgt. „Ich werde auch in der Stadt und sonst überallanders aufgenommen. Selbst zuhause ist meine Familie besser drauf. Wahrscheinlich, weil ich nicht immer so ne Flunsch ziehe.“

Kann sein. Wichtiger war für mich aber heute zu hören, dass es in er Mannschaft stimmt. Durch die letzten Zugänge hat sich innerhalb der Mannschaft eine Hierarchie gebildet, die sportlichen Ursprunges ist. Soweit hatten wir es ja auch schon hier im Blog. Diekmeier ergänzte heute: „Bei uns stimmt im Moment einfach die Mischung aus jungen und erfahreneren Spielern.“ Es stimmt also genau das, was seit vergangener Saison, seit dem Beginn des großen Umbruchs, nicht gestimmt hatte. Und das ist gut so.

Sieben Punkte machen halt was her. Im Training heute herrschte gute Laune. Scharner bewies seine Entertainer-Qualitäten und Fink, dass er mal ein richtig Guter war. „Drei Dinger hab’ ich gemacht“, erzählte der HSV-Coach stolz, wobei einer der drei Treffer eher als Eigentor seines Gegenspielers zu werten war. Allerdings legte Fink auch zwei Tore auf – Respekt!

Noch wichtiger als die Gute Laune war allerdings die Nachricht, dass die beiden heute fehlenden Torhüter Rene Adler und Jaroslav Drobny nicht ausfallen. „Drobo hat eine Schleimbeutelentzündung an der Achillesferse“, so Fink, der den Tschechen dennoch morgen mit nach Fürth nehmen will. Sollte Drobny am Sonnabend nicht in den Kader können, würden Sven Neuhaus oder Tom Mickel als Backup des heute noch leicht grippekranken Adlers nachrücken. Der zuletzt überragende Keeper war heute zwar nicht auf dem Platz, ließe sich aber pflegen und soll schon am Freitag wieder voll mit der Mannschaft trainieren können. Genau wie Heiko Westermann, der mit seinem Faserriss an der Hüfte heute das Schusstraining aussetzte. „Bei Heiko sieht das alles wieder sehr gut aus“, so Fink, dem es heute richtig gut gehen dürfte. Zumal auch Dennis Aogo nach auskurierten schlechten Blutwerten am Montag wieder ins Mannschaftstraining einsteigt.

Sieben Punkte im Rücken, gesunde Topspieler, mit Greuther Fürth einen nicht zu unterschätzenden aber auch absolut schlagbaren Gegner vor der Brust – und dann noch die Entschuldigung Rajkovics. Es passt vieles. „Die Mannschaft hat gemerkt, wie sie gefeiert wird. Und das genießen wir. Wir müssen uns jetzt in das Gewinnen verlieben – nicht ins Verlieren…“ Wahre (Fußball-)Poesie – und mit Sicherheit ein gutes Schlusswort für den heutigen Blog.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 10.30 Uhr trainiert. Öffentlich.

Scholle

P.S.: Der HSV testet am kommenden Mittwoch (10. Oktober) beim Bezirksligisten VfL 93 am Borgweg. Tickets (zwischen 8 und 12 Euro) gibt es auf der VfL-Geschäftsstelle, im HSV-Ticketcenter, bei Sport Duwe und im Sportshop Schnelsen. Das allerdings ohne die Länderspielreisenden Rudnevs und Rincon. Rudnevs spielt am 12. Oktober mit Lettland in Bratislava gegen die Slowakei und am 16. Oktober in Riga gegen Liechtenstein. Rincon trifft am 16. Oktober mit Venezuela auf Ecuador.

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