Archiv für das Tag 'Meyer'

“Kommt, Leute, immer positiv!”

27. September 2014

Der Druck wird sicherlich noch größer, und das gleich in dreifacher Hinsicht. Der HSV jagt ja nicht nur seinem ersten Saison-Tor hinterher, er konkurriert auch mit dem VfL Bochum um den Negativ-Rekord und der Sache mit der 25. Minute, und der HSV wartet immer noch auf den ersten Dreier dieser Saison. Da lastet viel auf den Schultern der vornehmlich jungen Hamburger Spieler, die unter solchen Vorgaben ganz sicher nicht alle unverkrampft in dieses so wichtige Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt gehen werden. Deswegen wäre es super, wenn die HSV-Anhängerschaft ihre Mannschaft wieder so großartig unterstützen würde, wie es im letzten Heimspiel beim 0:0 gegen die Bayern der Fall war. Irgendwann wird und muss der Knoten platzen, wie schön wäre es, wenn das morgen gelingen würde. Motto: „Tore, Sieg, Punkte – und Luft holen.“

 

Viele, wenn nicht alle, Augen werden auf Pierre-Michel Lasogga ruhen, verbunden mit den Fragen: „Was gelingt ihm diesmal? Endlich mal sein Tor?“ Er wird, davon bin ich überzeugt, es schon mal wieder schaffen. Und wenn der HSV dann ohne ein Lasogga-Tor gewinnen sollte, dann ist auch gut. „Solche Phasen, dass ein Torjäger mal eine längere Zeit mal nicht trifft, gibt es eben, die hat jeder schon mitgemacht“, sagte mir einst der große Uwe Seeler mal. Sein Rezept: „Schießen, schießen, immer wieder schießen, es immer wieder versuchen – bis es klappt.“ Uwe Seeler selbst weiß, wie es ist, lange nicht zu treffen, in der Saison 1971/72 blieb er mal 749 Spiel- und Bundesliga-Minuten ohne Tor. Und er hatte dann ja auch einen namhaften Kollegen, dem das ähnlich erging: Gerd Müller. Der wurde dann, als diese Torflaute zu lange gedauert hat (das war, denke ich, 1975), kurzerhand als Libero des FC Bayern aufgestellt (FCB-Trainer war Dettmar Cramer). So gewann Müller seine Sicherheit wieder, und als es dann nach vorne ging, da fielen sie wieder wie reife Früchte, die Müller-Tore. Wobei ich Lasogga ganz bestimmt nicht hinten sehen möchte.

 

Denk ich an Frankfurt im Zusammenhang mit HSV und Bundesliga, fallen mir zwei ganz unterschiedliche Spiele ein. Am 14. November 1998 siegten die Hessen in ihrem letzten Spiel im alten Volksparkstadion mit 1:0, obwohl der HSV keine so schlechte Mannschaft auf den Rasen geschickt hatte: Butt, Groth, Hertzsch, Hoogma, Hollerbach, Fischer, Spörl (61. Kirjakow), Vogel (83. Grubac), Dembinski, Dahlin, Yeboah. „Lumpi“ Spörl verschoss beim Stande von 0:0 einen Elfmeter . . .
Ein ganz schlimmes Spiel gab es dann kurze Zeit danach, das war am 3. Dezember 1999. Das Stadion „voll“ in der Umbauphase, ohne Dach, und es regnete und stürmte und was nicht sonst noch alles. Ungemütlich ist untertrieben, es war fürchterlich. Ich weiß noch, dass viele Kollegen in das Innere des Stadions geflüchtet waren, um dort das Spiel per Fernseher zu sehen – es war, das gebe ich zu, nicht zum aushalten. Aber der HSV gewann immerhin mit 1:0, wobei Anthony Yeboah das entscheidende Tor in der 77. Minute erzielt hatte.

 

Zu Frankfurt fällt mir dann noch eine ganz besondere (oder sonderbare?) Geschichte ein. In der Redaktion klingelte das Telefon, am anderen Ende ein Eintracht-Präsident (von dem ich diesen Anruf NIE erwartet hatte!), der mich nach einem ehemaligen Hamburger befragte: „Wie ist er als Mensch, wie ordnet er sich ein, was hat er für Macken – kann die Eintracht den verpflichten . . ?“ Das fand ich mal ganz professionell, dass sich ein Vereins-Chef auf diese Art erkundigte. Um welchen Spieler es sich dabei gehandelt hat, das lasse ich genau so offen wie die Frage, ob die Hessen den Kandidaten dann auch verpflichtet haben.

 

Ja, die Frankfurter. Sind ja eigentlich der Lieblings-Gegner des HSV, denn gegen keinen Verein schaffte der HSV mehr Siege – nämlich 41 (davon 30 im Volkspark). Und von den letzten elf Auftritten in Hamburg konnte die Eintracht nur einen gewinnen. Ein gutes Omen für morgen? Eher nicht, ich gebe auf eine solche Statistik überhaupt nichts. Was haben Nicolai Müller, Johan Djourou, Matthias Ostrzolek, Zoltan Stieber, Lewis Holtby und zum Beispiel auch Torjäger Lasogga mit dieser HSV-Statistik zutun? Nichts. Null. Alles muss sich in jedem Spiel neu erarbeitet werden. Und da könnte morgen schon mal helfen, wenn bei den Hessen der „harte Knochen“ Zambrano (er konnte drei Tage lang nicht trainieren) nicht dabei wäre, er soll ja eine dicke Mandelentzündung haben.

 

Beim HSV waren alle Spieler zum Abschlusstraining erschienen – und fast alle gingen auch heil vom Rasen. Einzig Artjoms Rudnevs zog sich eine Verletzung zu, der Lette musste das Training mit einer Knöchelverletzung vorzeitig beenden. So, wie es zurzeit aussieht, jetzt ein paar Minuten nach dem Training, wird der Stürmer wohl ausfallen. Viel Pech für „Rudi“, viel Pech auch für den HSV.
Von den Langzeit-Verletzten war an diesem Sonnabend auch Marcell Jansen wieder dabei, zudem Julian Green, aber beide Spieler werden wohl zunächst nur auf der Bank sitzen, denn Trainer Joe Zinnbauer, so hat es den Anschein, wird seine Startelf der letzten beiden Partien nicht verändern. Da heißt es für jeden anderen erst einmal, sich hinten anzustellen. Mit im Training wieder Tolcay Cigeri und Valmir Nafiu, dazu Gojko Kacar, der zuletzt zwar trainierte, aber nicht mit im Kader war.

 

Beim heutigen Abschlusstraining, das um 16.30 Uhr begann, begannen die Profis mit zwei Handballspielen – hier die A-Elf, dort das B-Team. Danach gab es einige Laufübungen, und dann ging es ans Eingemachte. Pässe und Laufwege wurden geübt. Zinnbauer griff immer wieder lautstark ein, unterbrach, gab Tipps, forderte Konzentration. Immer und immer wieder. Das war unheimlich akribisch – und ich hoffe mal, dass es die Jungs verstanden haben, was der Coach von ihnen will. Später wurde dann auf ein Tor gespielt, immer wieder die Eröffnung probiert. Und es war schon schön zu sehen, wie sich die Spieler (und auch die Trainer!) immer wieder gegenseitig anfeuerten. Als einmal mehr eine Torchance vergeben worden war, stand Lewis Holtby neben dem Tor und klatschte in die Hände, schrie dabei: „Kommt, Leute, immer positiv!“ Ja, positiv denken, dass ist das Motto der Stunde. Es ist aber einfacher gesagt als getan. Als Pierre-Michel Lasogga einmal freistehend an Jaroslva Drobny gescheitert war, da drehte der Torjäger – den Kopf hängend – eine kleine „Ehrenrunde“, bei der er sich zu fragen schien: „Wieso klebt mir das Pech so an den Stiefeln?“ Das mag ja morgen schon wieder ganz anders sein . . . Fazit: Es war ein inhaltsreiches, lautstarkes Training, der Coach gab dabei alles – er wird auch morgen alles geben und die Mannschaft nach vorne pushen, davon bin ich überzeugt. Es ist wieder ein ganz anderes Leben in der Bude, das muss und wird sich demnächst schon wieder auszahlen. Ich bin davon überzeugt.

 
Kurz noch zum Schiedsrichter am Sonntag, die Partie wird von Florian Meyer geleitet.

 

Passend zum morgigen Spiel habe ich zwei Sprüche gefunden, die sich jeder von Euch mal auf der Zunge zergehen lassen kann (könnte). Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking hat im vergangenen Jahr einmal gesagt: „Wir sagen immer nur, wir wollen, wir sollen, wir können, wir dürfen – wir sollten es einfach mal machen.“ Und der Bremer Sportchef Eichin hat in der vergangenen Saison einmal befunden: „Wer nach fünf Spieltagen den Kopf in den Rasen steckt, verliert die Richtung aus den Augen.“ Wie wahr.
Und, wo ich gerade dabei bin, auch von Rene Adler gibt es da noch einen Spruch (im März 2013 gesagt), der erwähnenswert ist: „Wenn wir jetzt ausgeben, um Platz neun oder zehn zu spielen, dann kann ich auch Urlaub buchen . . .“
Ich wäre jetzt schon mit Platz neun oder zehn sehr zufrieden, Urlaub hin, Urlaub her.

 

Dann möchte ich eine Mail thematisieren, die uns in diesen Tagen erreicht hat:

 

Lieber Dieter und lieber Scholle,

vielleicht erinnert Ihr Euch an uns –
wir haben „gemeinsam” im Champs Slomkas letztes Spiel geschaut.
Heute früh habe ich in der Welt den Bericht über Ultras gelesen (sehr
lesenswert!) und wollte Euch anregen und bitten, mal zu schreiben, wie es
sich inzwischen mit Fans und Stimmung verhält beim HSV, bei Heimspielen und
auswärts. Da gab es ja große Bedenken und Drohungen, was sich mit der AG
alles ändern wird. Habe das Spiel gegen Bayern nur auf Sky gesehen, aber
da hörte es sich nach super Stimmung an.
Herzliche Grüße (hoffe, dem kleinen Mats geht’s gut) und alle Daumen
hoch für Sonntag, Lucielotte.

 

Liebe Lucielotte, natürlich erinnern wir uns an Euch. Und zu Deinen (Euren) Beobachtungen ist zu sagen, dass Ihr richtig beobachtet habt. Die Stimmung während des Bayern-Spiels war tatsächlich super, und deswegen hoffen wir, dass es auch gegen Frankfurt wieder so sein wird – diese neue Mannschaft braucht ja auch dringend Unterstützung vom zwölften oder auch 13. Mann.

 

Da wir auswärts nicht dabei sind, kann ich nur das schreiben, was ich bislang gehört habe. Die HSV-Fans sollen sich in der Fremde bislang noch ein wenig leiser verhalten haben. So haben es auch einige Spieler wahrgenommen. Ich glaube aber, das wird noch kommen – wie schon im Volkspark. Da wurde ja auch prophezeit, dass es in dieser Saison wesentlich ruhiger zugehen würde, aber das hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Auch weil die Damen und Herren von „Poptown“ im Norden die Zügel in die Hand genommen haben und die (laute) Richtung vorgeben. Danke dafür!

 

Passend dazu, naja, fast passend, gab es nun die folgende Nachricht:

 

DFL Deutsche Fußball Liga GmbH: 40-2014/ Stellungnahme des Ligaverbandes zum Pilotversuch des Landes Nordrhein-Westfalen in Bezug auf das Thema Polizei-Einsätze

 

„Der Pilotversuch des Landes Nordrhein-Westfalen hat sich offensichtlich gelohnt. Die vorliegenden Zahlen unterstreichen: Wenn alle Beteiligten in ihrem jeweiligen Bereich an Verbesserungen arbeiten und nicht mit dem Finger auf andere zeigen, sind Lösungsansätze im Sinne der Sache möglich. Der Weg, bei Spielen mit voraussichtlich geringerem Konfliktpotenzial weniger Polizei einzusetzen, hat sich als vielversprechend erwiesen. Sicherlich wird der Pilotversuch auch in anderen Bundesländern Beachtung finden. Die Liga und ihre Clubs stehen weiterhin für einen zielführenden Dialog mit Politik und Polizei unter Einbeziehung der Fans zur Verfügung.“

 

 

So, morgen nach dem Spiel gibt es natürlich wieder „Matz ab live“, „Scholle“ und ich begrüßen dazu – hoffentlich – wieder zwei Gäste. Bislang warten wir allerdings noch auf die zweite Zusage, deswegen erst nach dem Schlusspfiff die Namen der Personen, mit denen wir über das Spiel sprechen werden.

 

PS: Immer wieder werde ich auf die „de Vrij“-Geschichte rund um „Scholle“ angesprochen. Das hat wahrlich Kreise gezogen, so etwas vermutet man gar nicht. Als gäbe es keine anderen Sorgen rund um den HSV. Vor einer Woche wurde ich beim „nicht-öffentlichen“ Training von einem „Matz-abber“ aus dem Hessischen darauf angesprochen, heute wurde ich beim „Nicht-öffentlichen“ schon wieder gefragt. Fakt ist: „Scholle“ wird sich erklären, und dazu wird er von hoch-kompetenter Seite Unterstützung erfahren. Allen denjenigen, die bis jetzt eine Sensation wittern, denen kann ich den Wind aus den Segeln nehmen, diese Sache wird ganz unspektakulär enden, weil „Scholle“ schlicht und einfach die Wahrheit geschrieben hat. Ich weiß es, und Ihr werdet es demnächst erfahren. Obwohl „Scholle“ schon richtig liegt, irgendwie ist es schon paradox. Aber gut, so ist unsere Welt inzwischen wohl geworden.
Ich kann mich für uns nur wiederholen: Wir schreiben hier nur die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Und wenn jetzt einige wieder in die Luft gehen, weil ich einst im Doppelpass gesagt habe, dass der oder dieser neuer Trainer des HSV wird, so war das erstens nicht geschrieben, und zweitens in die Zukunft gesehen. Und da wissen wir alle, seit der Sammer-Time, dass in letzter Sekunde immer noch etwas dazwischen kommen kann. Obwohl ich gerade zu Sammer sagen muss: Ich hoffen immer noch, dass er eines Tages erklären wird, warum er von seiner Zusage doch noch zurückgetreten ist. Und wenn er es in seinen Memoiren schreiben wird.

 

Verlebt einen netten und wunderschönen Sonnabend und bis zum Anstoß um 17.30 Uhr, und dann drückt die Daumen, dass es an diesem Sonntag gegen 19.25 Uhr etwas Erfreuliches gibt – erstes HSV-Tor und erster HSV-Sieg 2014/15. “Kommt, Leute, immer positiv!”

 

Dieter

18.24 Uhr

Nächste Einträge »