Archiv für das Tag 'Meyer'

Viel Wirbel um Behrami und Westermann!

8. März 2015

Gute Freunde kann niemand trennen. Sang einst Franz Beckenbauer, und er tat es kürzlich, gemeinsam mit Uwe Seeler, auch noch bei der Hamburger Sport-Gala, als er, der Kaiser und ehemalige HSV-Spieler, für seine Stiftung und sein Lebenswerk geehrt wurde. „Uns Uwe“ verriet mir später, dass „Gute Freunde“ auch fast immer gesungen wird, wenn sich die „Schneeforscher“, ein ganz besonderer Stammtisch bestehend aus ehemaligen deutschen Sport-Größen, treffen. Gute Freunde, oder auch nur Freunde, sind ja auch Joe Zinnbauer und Jürgen „Kloppo“ Klopp. Und weil sich die beiden Trainer am Sonnabend, beim 0:0 im Volkspark, ein wenig in Rage geredet, geschrien oder auch gebrüllt hatten, war zu befürchten, dass sie künftig getrennte Wege gehen würden – aber es sah nach der gemeinsamen Pressekonferenz nicht so aus. Jedenfalls aus der Ferne.

 


 

Da hatten die Trainer ihre unterschiedlichen Meinungen zur Vorstellung von HSV-Profi Valon Behrami noch einmal sehr deutlich gemacht. Zuerst erklärte Joe Zinnbauer den Ellenbogenschlag des Schweizers gegen BVB-Spieler Mkhitaryan, der bereits nach zwei Minuten am Boden lag: „Ja, Valon wollte sich dementsprechend schützen, er sieht den Spieler von der Seite kommen und fährt den Arm aus. Aber trotzdem, wir brauchen nicht darüber reden . . . Ich weiß, Jürgen, Kloppo, dass du jetzt anderer Meinung bist, aber letztendlich hat er auch gesagt, dass er lange nicht mehr auf dem Platz gestanden hat, wir wissen, dass er gerade mal ein paar Tage auf dem Platz gestanden ist, und die Koordination sicherlich auch noch fehlt – Absicht war das mit Sicherheit keine. Seine Spielart ist einfach so, er ist ein Aggressiv-Leader, ich bin froh, dass ich ihn habe.“

 

Das ließ Jürgen Klopp dann nicht mehr ruhen. Er war nicht aufgebracht, war sichtlich darum bemüht, seine Stimme nicht zur erheben – und sagte: „Das ist jetzt ein sehr gutes Beispiel dafür. Ich habe diese Woche irgendetwas über einen Journalisten gesagt. Dabei ging es um das Thema Humor. Daraus ist eine riesige Geschichte entstanden. Und jetzt sitzt ihr alle da und habt die Szene gesehen – und wollt von mir hören, was ich dazu denke, dabei denkt jeder das Gleiche. Außer Joe, weil es sein Job ist. Jeder andere denkt das Gleiche. Dann macht daraus eine Geschichte, und macht nicht mit meinem Namen eine Geschichte, ehrlich gesagt. Das war eine Rote Karte, fertig. Ob der vorher acht Monate nicht gespielt hat, ob er zwei Wochen nicht gespielt hat, ob ihm die Koordination gefehlt hat oder sonst was. Es hat gereicht, um den Arm nach oben zu nehmen und Mkhitaryan ins Gesicht zu schlagen.“

 

Aufklärend sei gesagt, dass sich Jürgen Klopp zuletzt über den TV-Kommentator Marcel Reif geäußert hatte – was hohe Wellen schlagen ließ.

 

Gute Freunde, kann niemand . . . Da wurde es noch einmal hart. Zwischen den beiden Trainern, die einst gemeinsam für Mainz 05 gespielt haben, saß im Presseraum nur HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf. Aber es blieb, zum Glück, friedlich. Klopp abschließend (leicht aufstöhnend) riet: „Macht damit, was ihr wollt . . .“ Zinnbauer zum Schluss mit versöhnlichen Untertönen: „Jetzt können sie ’ne Geschichte machen, Kloppo.“ Darauf Klopp: „Ich weiß, ich bin ein Idiot.“ Zinnbauer lachend: „Das habe ich nicht gesagt.“ Klopp: „Ich weiß, aber ich weiß es schon lange.“

 

Ja, es ging an diesem Sonnabend wahrlich hoch her, im Volkspark. Ähnlich wie einst beim Heimspiel gegen Bayer Leverkusen. Am 1. November 2014 hatte der HSV beim 1:0-Sieg gegen die Werks-Elf nicht nur ordentlich dagegengehalten, sondern ab und an auch mal de Hammer herausgeholt. Da war mitunter Brachialgewalt im Spiel, und Schiedsrichter Florian Meyer erntete seinerzeit einiges an Protesten aus dem Leverkusener Lager, allen voran von Rudi Völler.

 

Diesmal war der HSV zwar eine Nuance zurückhaltender, doch es gab schon einige Szenen, die grenzwertig waren. Das muss man als Hamburger schon gestehen. Aber so, und nur so geht es im Abstiegs- und Existenzkampf. Da darf nichts verschenkt werden. Das wollen die Fans sehen. Und weil sie es von dieser HSV-Mannschaft auch endlich sehen können, deswegen ist die Hütte auch immer wieder rappelvoll. 57 000 Zuschauer waren am Sonnabend wieder da, ausverkauft. Das geschieht nur, weil die Hamburger jetzt erkennen, dass sich die Mannschaft gegen das drohende Unheil wehrt. Ein Verdienst der neuen Führung – ein Verdient vor allem von Joe Zinnbauer. Auch wenn diese Gangart nicht von allen akzeptiert oder auch gelobt wird. Das ist schon klar. Ein neutraler Beobachter wie ZDF-Reporter Thomas Wark befand: „Sieben Gelbe Karten und nur fünf Torchancen, ein schlechtes Spiel.“ So kann man es sehen. Aber auf anderen Plätzen sieht es ähnlich aus, wenn sich ein Team – oder gar beide – gegen den Abstieg wehren müssen.

Insgesamt sagte Jürgen Klopp zur Hamburger Härte: „Es hätte sicher einige Möglichkeiten gegeben, Behrami frühzeitig zum Duschen zu schicken. Wir haben Glück gehabt, dass sich keiner verletzt hat, das war hart an der Kante.“ Und in Richtung Behrami sagte der BVB-Coach: „Ich wünsche ihm als Mensch, dass das keine Absicht war.“
Gut fand ich, was BVB-Torwart Roman Weidenfeller resümierend sagte: „Wir mussten uns erst einmal an die Härte des HSV gewöhnen, aber der HSV steht mit dem Rücken zur Wand, da ist eine solche Spielweise okay.“ Hoffentlich bekommt der Nationalkeeper für diese ehrliche Aussage nicht noch nachträglich einen Rüffel der Verantwortlichen.

 

Das hoffe ich natürlich auch für Heiko Westermann. „HW4“ ist nach diesem Spiel so richtig mal ausgeflippt. Endlich einmal! Bravo! Er hatte die vielen, vielen Schmähungen gegen sich viel zu lange schweigend hingenommen. „Die Kritiker und Idioten, die meinen, sie hätten den Fußball erfunden, die können mich alle mal. Ich habe immer den Arsch hingehalten und lasse mir von solchen Idioten nicht den Namen kaputtmachen“, sagte der frühere Nationalspieler, den etliche HSV-Fans schon seit Jahren „auf dem Kieker“ haben. Ärger, Frust, Häme und sogar Hass – was wurde nicht alles auf Westermann abgeladen, und nun diese Explosion. Die Joe Zinnbauer durchaus nachvollziehen kann. Der Coach verteidigt seinen Abwehrmann: „Ich finde, dass es nach gefühlten fünf Jahren mal an der Zeit gewesen ist, dass er explodiert. Der Heiko hat hier jahrelang den Kopf herhalten müssen, nun hat er sich mal ausgekotzt, das gehört dazu. Irgendwann platzt einem mal der Kragen, ich kann ihn verstehen und freue mich darüber. Heiko ist ein Vollprofi. Er lebt und tut alles für den Verein.“

Wobei Zinnbauer dieses Ausrasten auch auf eine Art sportlich sieht und nimmt: „Das habe ich von ihm auch während des Spiels immer verlangt, dass er explodiert und sich auch verbal etwas zutraut. Wenn er das mit nach zum Spiel gegen Hoffenheim nehmen kann, wäre das top. Das brauchen wir im Moment. Gegen Dortmund hat Heiko ein richtig gutes Spiel gemacht.“ Und sogar Klopp lobte, wenn auch auf Nachfrage, den HSV-Profi-Westermann: „Wenn er heute nicht gespielt hätte, dann stehen wir zweimal allein vor dem HSV-Tor. Er ist der einzige HSV-Innenverteidiger, der in Sachen Schnelligkeit mit einem Aubameyang mithalten kann. Zweimal hat Westermann ihn abgelaufen.“ Übrigens hat Heiko Westermann sich im Internet-Auftrieb des HSV über sich selbst wie folgt geäußert: „Meine persönliche Leistung wird ja öffentlich immer wieder viel diskutiert. Ich habe heute die fünfte oder sechste Position in der Rückrunde gespielt. Ich kann dazu nur so viel sagen, dass ich mir meinen Namen hier nicht kaputt machen lassen will von irgendwelchen Leuten, die denken, sie hätten den Fußball erfunden. Ich habe jeden Ball gefordert und mich in jeden Zweikampf geworfen. Deswegen braucht mir ein sogenannter Fan oder sonst wer nicht erzählen, wie Fußball gespielt wird.“

 

Auch das wird einem gewissen Teil des HSV-Anhangs sicher nichts bedeuten, das ist mir schon klar. Es wird trotz allem weiter gepfiffen. So wie gegen Mönchengladbach war, als Westermann in der 86. Minute eingewechselt worden ist. Und als in der Nachspielzeit der Ausgleich gefallen ist, weil die gesamte Defensive des HSV gepennt hat, wurde Westermann als derjenige ausgemacht, der die Schuld an diesem späten 1:1 trug. Natürlich Westermann. Und wer sich nicht alles erlaubt, über Westermann zu urteilen. Das ist abenteuerlich. Die sehen kein Training, die haben kein Ohr in der Mannschaft – aber sie machen ihn nieder. Permanent. Ich habe in der „Matz-ab-live“-Sendung vom Sonnabend gesagt, dass ich seit mindestens eineinhalb Jahren kein privates Wort mit Heiko Westermann gewechselt habe. Nicht deshalb, weil ich damit dem Pöbel gehorchen wollte, sondern deshalb, weil ich Westermann damit schützen wollte. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: So war es einst auch bei Piotr Trochowski (war beim Dortmund-Spiel im Stadion), mit dem ich nicht mal mehr telefoniert habe, nachdem ich einmal mit ihm als Sevilla-Spieler telefoniert und eine Geschichte gemacht hatte – und sich danach, hier bei „Matz ab“, ein enormer Shit-Storm auf den Weg (gegen ihn und mich) gemacht hatte. Ich wollte mit meinem Schweigen, das ich bis heute eingehalten habe, nur jeden weiteren Ärger und Stress für den Spieler vermeiden. Soweit war und ist es schon gekommen.

 

Aber noch einmal zurück zum Fußball. Gefreut habe ich mich nicht nur für Westermann, dass er eine so starke Partie gespielt hat. Und auch, dass Cleber so gut war. Auf Anhieb wieder so gut war. Unser „Matz-ab“-Gast Jürgen Stars lobt den Brasilianer und sagte: „Wir müssen aufpassen, dass er uns nicht ganz schnell wieder für viel Geld abgekauft und weggeholt wird.“ Da ist wohl was dran. Cleber fand auf Anhieb wieder zu seinem Spiel, das er zuletzt gezeigt hatte. Das war für mich, sage ich ehrlich, überraschend. Ich habe ihm einen so starken Auftritt noch nicht wieder zugetraut – „Scholle“ sehr wohl. Für mich wirkte er in dem einen Training, was ich am Dienstag von ihm gesehen habe, noch ein wenig zerbrechlich, auch etwas zimperlich – und noch lange nicht bei 100 Prozent. Gegen Dortmund aber war er voll da – lobenswert! Da hat der HSV doch, und ich schreibe doch, weil er zu Beginn ja schon als Fehleinkauf galt, einen echten Goldfisch an der Angel.

 

Der dritte Mann, mein dritter Mann, dieses Spiels war Gojko Kacar. Hut ab! Wie der Serbe sich wieder zurückgekämpft hat, das imponiert mir gewaltig. Es begeistert mich sogar. Kacar war aussortiert, er wollte weg, er ließ sich – als er bei der Zweiten trainieren musste – auch ein wenig hängen, nahm etwas an Gewicht zu, auch sicher aus Verzweiflung über das Abstellgleis, auf dem er sich befand – aber er gab nie auf. Und er fand auch nie ein böses Wort gegen den HSV. Wie er das geschafft hat, ist mir immer noch ein Rätsel, aber er schaffte es auf eine äußerst bemerkenswerte Art. Und jetzt bringt er immer seine Leistung. Egal, ob er von Beginn an spielt, oder nur eingewechselt wird. Das ist wirklich vorbildlich und ein absolut profihaftes Verhalten. Auch wenn ich natürlich weiß, dass mir nun gleich vorgehalten wird, dass er dafür ja auch ein fürstliches Gehalt kassiert. Klar, das ist auch so, aber wer hat es ihm denn aufgezwungen? Damals schmiss der HSV noch mit Geld so um sich, als wäre genügend davon vorhanden. Dafür aber konnte und kann Kacar nichts. Und ich freue mich für ihn, dass er jetzt doch noch einige positive Dinge mit dem HSV und in Hamburg erleben kann. Ganz nebenbei kann ich jedem, der noch gewisse Zweifel hegt, bescheinigen, dass Gojko Kacar ein Super-Typ ist, der eigentlich zu bescheiden durch diese Profi-Welt geht. Da ist nicht gerade typisch für den Fußball.
Dass Kacar dann, weil Behrami wieder spielen konnte, aus der Mannschaft genommen wurde, stieß nicht überall auf Verständnis. Es wurde auch bei „Matz ab live“ recht kontrovers diskutiert. Wie immer hat es Kacar selbst ohne zu murren ertragen und hingenommen. Und ich muss zugeben, dass ich auch dafür war (und immer noch bin), weil es in dieser Mannschaft ansonsten niemanden gibt, der seinen Mund aufmacht. Behrami reißt alle mit (auch die Zuschauer), er motiviert, er dirigiert, er stellt seine Nebenleute. Daran, seien wir doch ehrlich, mangelt es doch schon seit Jahren. Und nun haben wir dort einen, der das kann und auch macht, und deswegen muss er auch spielen – wenn er kann. Und selbst wenn er nur bei 80 oder 90 Prozent ist. Behrami ist für diese Truppe so wichtig, nicht nur als Abräumer, sondern auch als „Erzähler“. Ich kann Joe Zinnbauer da verstehen und auch folgen, bei mir kleinem B-Lizenz-Trainer hätte er auch sofort gespielt. Stellt sich nur die Frage, ob es nicht auch noch einen anderen Kandidaten gegeben hätte, der statt Kacar auf die Bank gegangen wäre. Ich hätte aber auch in dieser Frage so entschieden, wie Zinnbauer.

 

Und auf Valon Behrami muss ich auch noch wegen einer anderen „Geschichte“ zurückkommen. Obwohl ich jetzt die Gefahr laufe, oberlehrerhaft zu wirken. Trotz allem muss ich es noch einmal loswerden: Ich hoffe, dass Trainer oder/und andere HSV-Verantwortliche einmal ganz in Ruhe mit dem Schweizer reden. Sie sollen ihn nicht einengen, auch nicht zurückpfeifen, aber sie sollen zu einer gewissen Besonnenheit aufrufen. Weil er sonst schnell wieder vor einem Platzverweis stehen würde. Glaubt es mir, auch Schiedsrichter sehen sich die Bundesliga-Spiele an, und sie merken sich, wenn einer so foult, wie es Behrami am Sonnabend tat. Macht er weiter so, geht er vom Platz, keine Frage. Und damit ist weder ihm noch dem HSV gedient, der dann womöglich wochenlang auf seinen Abräumer verzichten muss.
Ich schrieb es bereits am Dienstag, dass Behrami zu schnell auf 180 ist. Im Spiel gegen die U23 legte er sich einmal mit Sven Mende an (gar nicht fein), und Minuten später (dann sogar für einige Minuten!) mit Francis Adomah. Das muss nicht sein, ganz ehrlich. Es ist der eigene Verein, da muss man nicht so ausflippen. Und die Verantwortlichen standen am Rande, sie haben es gesehen, müssen es gesehen haben – und sie müssten eigentlich auch reagiert haben. Danach. Denn das Spiel selbst wurde von einem Schiedsrichter-Gespann geleitet. Und dieser Unparteiische wird sich schwer hüten, in einem solchen Kick irgendwelche erzieherischen Maßnahmen (oder einen Platzverweis) vorzunehmen.
Aber vielleicht erübrigt sich das ja alles auch schon recht bald, wenn dann die Koordination bei Valon Behrami zu 100 Prozent wieder stimmt . . .

 

Eine kleine Entwarnung kann es im Verletzten-Fall Johan Djourou geben, denn der Schweizer hat sich wohl doch nicht schwerer am Oberschenkel (Adduktoren?) verletzt. Im Moment ist es so geplant, dass er spätestens am Mittwoch wieder ins Training einsteigen soll.

 

Danken möchte ich an dieser Stelle explizit noch einmal unseren beiden Gäste bei „Matz ab live“ vom Sonnabend. Jürgen „Starsky“ Stars und „el presidente“ Benno Hafas (nicht Harfas oder so!) sagten sofort zu, als sie von unserer Notlage erfuhren, und sie sorgten dann dafür, dass wir eine sehr lebhafte Sendung hinlegen konnten. Danke, danke, danke – Ihr wart super, einfach großartig – vielen Dank. “Starsky” – mit Dir jede Woche. Mindestens! Weil Du immer Klartext sprichst. Übrigens, wer es nicht weiß: „el presidente“ deswegen, weil Benno Hafas Vorsitzender des „Matz-ab“-Fanclubs ist, von Beginn an. Und wer (kostenloses) Mitglied des Clubs werden will, sollte sich bei ihm (fast immer beim Training) oder bei den Moderatoren melden. Oder bei mir.

 
PS: Morgen, am Montag, ist trainingsfrei.

 

Zum Schluss noch einmal ein kleiner Satz, den Trainer Joe Zinnbauer nach dem 0:0 von sich gab, der die Situation des HSV sehr gut beleuchtet – und der bei mir ein wenig für Erleichterung sorgt: „Für uns ist dieser Punkt Gold wert.“

 

17,29 Uhr

Djourou: “Wir haben nicht so schlecht gespielt.”

1. März 2015

Das ist heute, aus besonderem Anlass, mal wieder die etwas andere Eröffnung:

„Ich war ganz sauer mit mir selbst, wegen des Passes auf F. hätte ich mir in den Hintern beißen können“, schilderte er die Szene eines schludrigen Zuspiel-Versuchs auf seinen Mitspieler. Da konnte den Überehrgeizling auch sein insgesamt starker Auftritt nicht trösten. „Du musst immer kritisch und nie zufrieden sein“, erklärte der 31-Jährige.

 

Wer könnte das wohl gesagt haben? Einer, der an diesem Wochenende mit seiner Mannschaft verloren hat? Einer, der vielleicht sein Spiel gegen Eintracht Frankfurt verloren hat?

Ich habe diese Aussagen heute in der Deutschen-Presse-Agentur (dpa) gefunden, und ich habe mir gedacht, dass wäre doch mal etwas, was ich den „Matz-abbern“ mal zu Gemüte führen könnte. Der Artikel war viel, viel länger, aber er ging in diesem Fall wie folgt zu Ende:
Das sagte er nach 18:1 Toren in drei Liga-Spielen in Serie. „8:0 und 6:0 – das ist keine Garantie. Wir müssen dafür immer arbeiten“, sagte Arjen Robben.
Er hatte mit den Bayern 4:1 gegen die zweitbeste Auswärtsmannschaft, also gegen den 1. FC Köln, gewonnen, aber er war dennoch unzufrieden. Obwohl er ja auch sein 17. Saisontor erzielt hatte. Das zeichnet einen Vollprofi aus. Es gibt immer etwas zu verbessern, es gibt immer viel zu arbeiten, um noch besser zu werden. Könnte ja man ein Denkanstoß für alle anderen sein, die bislang nicht so denken, die sich aber ab und an Gedanken in eine solche Richtung machen.
Zum Beispiel auch in Hamburg, ein Hamburger, zwei Hamburger, oder einige HSV-Spieler.

 

Für Abendblatt-Blogs


 

Natürlich, der HSV hat in Frankfurt nicht so schlecht gespielt (wie oftmals in der Hinrunde, wie gegen Stuttgart oder Köln), und natürlich war der erste Elfmeter eigentlich ein kleiner Skandal. Dennoch muss ja auch festgehalten werden, dass der HSV immerhin zwei richtig gute Tormöglichkeiten auf dem Fuß hatte, es aber nicht fertig brachte, diese Chancen zu nutzen. Einmal Artjoms Rudnevs beim Stande von 0:0, dann Maximilian Beister beim Stande von 1:2. Es wäre also, trotz des Elfmeters, etwas möglich gewesen. Ein Punkt in Frankfurt wäre drin gewesen, wenn die Chancen genutzt worden wären, denn die Eintracht hatte – bis auf den unwichtigen Elfmeter in der Nachspielzeit – kaum solche klare Möglichkeiten. Es ist aber nach wie vor so, dass der HSV seine großen Schwächen in der Offensive immer noch nicht abgestellt hat.

 

Wobei mir sofort die Frage in den Kopf schießt: Wo bleibt eigentlich Pierre-Michel Lasogga? Am 2. Februar 2015 schrieb „Scholle“ als „Eilmeldung“:

***Wieder einmal wird aus „einer reinen Vorsichtsmaßnahme“ eine ausgedehnte Verletzung. Und wieder ist es Pierre-Michel Lasogga, der diesmal mit einer Zerrung im Oberschenkel ausfällt. Vereinsangaben zufolge sicher für die nächsten beiden Spiele gegen Paderborn und Hannover.****
Inzwischen steht am nächsten Wochenende schon der 24. Spieltag auf dem Programm. Und dann eine Zerrung im Oberschenkel? 14 Tage, und dann müsste es eigentlich gut sein mit einer Zerrung. Die Frage ist doch die, was sich hinter einer „Zerrung im Oberschenkel“ wirklich versteckt hält? Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, wann ein HSV-Spieler mit einer „Zerrung im Oberschenkel“ wochenlang ausgefallen ist. Das ist schon alles mehr als mysteriös. Und bringt den HSV auch nicht wirklich voran. Eher ist das Gegenteil der Fall.

 

Und wo ich schon gerade bei Verletzungen bin: Slobodan Rajkovic schied ja erneut mit einer Knieverletzung aus, wie es per Fernsehen aussah, mit einer wohl schwereren Knieverletzung. Und er hatte ja bereits zwei Kreuzbandrisse. Noch gibt es auch keine Entwarnung, morgen soll eine Kernspintomografie für Klarheit sorgen, aber eines ist schon mal als positiv zu bewerten: Diesmal ist es nicht das „vorgeschädigte“ linke Knie, sondern das rechte. Dennoch ist wohl davon auszugehen, dass Rajkovic am Sonnabend gegen Borussia Dortmund nicht zur Verfügung stehen wird. Ein Einsatz sollte mich jedenfalls schwer überraschen. Dafür sind dann wohl wieder Ivica Olic und auch Valon Behrami eine Alternative. Wenn sie die Woche gut überstehen.

 

Und gerade, zwei Minuten nach meinem Blog-Beitrag, kommt diese dpa-Meldung:

Bis zu vier Wochen Pause für HSV-Abwehrspieler Rajkovic
Fußball-Bundesligist Hamburger SV muss bis zu vier Wochen auf seinen Abwehrspieler Slobodan Rajkovic verzichten. Das teilte der Club am Sonntag mit. Der 26 Jahre alte Serbe hat sich bei der 1:2-Niederlage der Hanseaten bei Eintracht Frankfurt eine Kapselverletzung im rechten Knie zugezogen.

 
Und da ich auch gerade bei dem nächsten Gegner war: Die Kollegen der Zeitungen hatten ja kürzlich, beim Abschlusstraining für das Spiel gegen Mönchengladbach, errechnet, dass fünf Siege dem HSV reichen würden (und sollten), die Klasse zu halten. Die Kollegen der „Mopo“ haben vor dem Frankfurt-Spiel nur von noch „vier HSV-Siegen“ bis zum rettenden Ufer geschrieben – aber es gibt nur noch elf Begegnungen. Daheim trifft der HSV noch auf Dortmund, Hertha BSC, Wolfsburg, Augsburg, Freiburg und Schalke 04; auswärts auf Hoffenheim, Leverkusen, Werder, Mainz 05 und Stuttgart. Da darf sich jetzt mal jeder seine vier HSV-Siege errechnen – oder auch fünf. Ich sehe die im Moment noch nicht, aber ich bin ja auch eher pessimistisch eingestellt, gebe ich zu. Johan Djourou, der beide Elfmeter verursacht hatte, zog aber dennoch noch etwas Positives aus diesen 90 Minuten: „Wir haben nicht so schlecht gespielt, das müssen wir aus diesem Spiel mitnehmen. Und Zoltan Stieber, HSV-Torschütze in Frankfurt und im Moment in großartiger Form, stellte kämpferisch fest: „Wir müssen in den nächsten Spielen Punkte holen, egal wie der Gegner heißt. Wir geben weiterhin Gas und haben es noch selbst in der Hand.“ Oder im Fuß. Stimmt ja auch, aber warum soll es jetzt besser klappen, als im bisherigen und sehr holprigen Saisonverlauf?

Und wir müssen? Wie oft haben wir das nicht schon in den letzten Jahren hier gehört? Als ich eben forschte, wann Pierre-Michel Lasogga zuletzt für den HSV gespielt hat, fiel mir eine Aussage von Trainer Joe Zinnbauer in die Hand, die er vor (!) dem Köln-Spiel tat: „Meine Spieler sind richtig heiß auf dieses erste Spiel.“ Ja, heiß. Was heiß´t das schon? Auf dem Rasen hat man davon nichts gesehen, wenn ich mich richtig erinnere. Und jetzt heißt es eben: Wir müssen, egal gegen wen.“ Natürlich, es kommen ja keine anderen Gegner, und wenn der HSV nicht absteigen will, muss er ganz einfach punkten. Wobei mir auch einfällt, was der Trainer des zweitliga-Tabellenletzten kürzlich nach einer 1:2-Niederlage sagte: „Wir müssen jetzt ganz einfach mal den Bock umstoßen.“ Aber ist es damit getan? So einfach mal den Bock umstoßen? Mit richtig gutem Fußball könnte man der prekären Situation wahrscheinlich besser zu Leibe rücken.

 

Zumal man ja gar nicht weiß, siehe Frankfurt am 28. März 2014, was – in diesem Fall wieder dem HSV – noch alles widerfährt und passiert? Während eines Spiels, an Verletzungen, an Platzverweisen, an Schiedsrichter-Ansetzungen etc. Und natürlich an Elfmetern. Um noch einmal darauf zurückzukommen: Mir hat der Unparteiische Florian Meyer in der ersten Szene mit Johan Djourou und Piazon zu schnell auf den Punkt gezeigt. Der Frankfurter flog noch, da ging Meyer schon zum Elfmeterpunkt. Und ich hatte vorher noch, beim Anstoß der Partie, unseren beiden Gästen bei „Matz ab live“, Ashton Götz und Ahmet Arslan, noch gesagt: „Wie gut ist es, dass dieses Spiel mit Florian Meyer einen so erfahrenen und guten Schiedsrichter hat.“ Ja, so viel zu so viel. Bitter. Ich werde so etwas nie wieder sagen, nie wieder. In der „Bild am Sonntag“ steht ja die Aussage des zweifachen Frankfurter Torschützen, Alex Meier, im Raum: „Den ersten Elfmeter muss man nicht geben.“ So ist es. Aber er wird gegeben. Das ist so, wenn man erst unten steht. Altbekannt.
Und dann fällt mir noch ein kluger Satz von Felix Magath ein, der über Elfmeter und Platzverweise allgemein mal gesagt hat: „Schiedsrichter sollen ein Spiel leiten, aber nicht entscheiden.“ Jo!

 

Kommentar von HSV-Kapitän Johan Djourou: „Das war leider ein Rückschritt von uns, ganz klar. Ich finde es aber auch unglaublich, wie man in einem so wichtigen Spiel einen solchen Elfmeter pfeifen kann, das war eine klare Fehlentscheidung, das ist nix, da war auch nix, nichts, gar nichts. Ich stelle doch nur meinen Körper rein.“

 

Erst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech hinzu. So lief das auch mit dem HSV in Frankfurt. Erst der Elfmeter, dann der Platzverweis von Matthias Ostrzolek – zweimal Gelb. Ich schrieb es gestern bereits, diese Dezimierung war entscheidend für den Spielausgang. Wenn der HSV schon mit elf Spielern kaum Tore schießt, wie soll das denn mit zehn gegen elf klappen? Auch die zweite Glebe Karte gegen Ostrzolek war natürlich clever gemacht. Wenn man es aus der Hintertor-Kamera betrachtet, so ist zu erkennen, dass Aigner einen kurzen Schritt nach rechts macht, genau in den Lauf von Ostrzolek – und es kam zur Kollision. Besser wäre es ohnehin gewesen, wenn der HSV-Abwehrmann innen gelaufen wäre, um Aigner so zu stoppen, aber so war es leider nicht. Bitter, bitter.

 

Und weil das schon während des Spiels von Gästen gefragt wurde: Wie verhält es sich eigentlich, wenn ein Spieler die fünfte Gelbe erhält, und in demselben Spiel noch einmal Gelb? Dazu fand ich im Internet folgende Passage:
Auswirkung von Roten und Gelb/Roten Karten
Wenn ein/e Spieler/in die Rote oder die Gelb-Rote Karte bekommen hat, erlischt eine im selben Spiel vorher erhaltene Gelbe Karte. In früheren Spielen derselben Saison erhaltene Gelbe Karten jedoch bleiben auf dem Strafkonto bestehen (vor dem Spiel vier Gelbe Karten bleiben somit nach dem Spiel auf dem Konto.).

Kehrt Ostrzolek also zum Spiel in Sinsheim in die HSV-Mannschaft zurück, hat er wieder – oder nach wie vor – vier Gelbe Karten auf seinem Konto – er muss also nach wie vor vorsichtig sein in Sachen Zweikampfführung.

 

Ja, so spielt das Leben. Es gab zum Thema Schiedsrichter ja einige Einträge bei „Matz ab“, einer wurde mir von den Moderatoren für die Allgemeinheit empfohlen – und den gibt es hier nun zu lesen:

Sorry Dieter und Scholle,

mit Spannung habe ich gestern Eure Talkrunde wie jedes Wochenende geschaut. Leider seid Ihr nur unwesentlich auf Schiri Meyer eingegangen. Ihr habt doch die “Plattform der Öffentlichkeit”, um solche erkennbaren Missstände aufzudecken….

Ich bin immer der erste, der jeden Donnerstag Nachmittag auf die Homepage vom DFB schaut, um sich dort über Schiedsrichter-Ansetzungen zu informieren. So auch dieses Mal und dort stand der Name der Florian Meyer beim HSV-Spiel. Ich wusste, was passieren würde und genau das trat gestern ein. Mein Vater kennt meine Vorliebe für Schiedsrichter-Ansetzungen, er weiß, wen ich für HSV-Spiele gerne sehe und wer für mich die ausgemachten HSV-Bösewichte sind. Und ich hatte am Donnerstag gleich gesagt, dass der HSV definitiv einen Elfer gegen sich bekommen würde.

Die Eintracht monierte sich konstant Woche für Woche darüber, dass die bösen Schiris keine Elfer für sie pfeifen. und was passiert? Der Herr Meyer, bekannt dafür, sehr selten auf Elfer zu entscheiden, pfeift einen Allerweltszweikampf als Foul, selbst ein Markus Merk bei SKY wundert und fragt sich, ob dieser Elfer auch auf der anderen Seite gepfiffen würde (!!!).

Ich beobachte die Spielleitungen aller Schiris bei HSV-Ansetzungen seit über 10 Jahren und (ohne HSV-Brille) muss ich sagen, dass Herr Meyer definitiv ein Problem mit uns hat. Ich kann mich an kein Spiel erinnern, in dem es nicht zweifelhafte Entscheidungen des Herrn Meyer bei HSV-Spielen gab. Selbst den glasklaren Elfer aus dem Leverkusen-Spiel gab er erst nach Meldung des Assistenten!!! Dieser Mann hat gestern das Spiel in die richtige Richtung für die Eintracht gelenkt. Aber warum bekommt beim HSV niemand den Mund auf und prangert sowas an. Die Eintracht moniert das Woche für Woche, hatte damit gestern Erfolg – und wir sind und waren die Gelackmeierten. Ich mag Didi, aber er ist niemand der auch mal Klartext redet. Da muss mehr kommen.

Fakt ist, und dazu stehe ich, dieser Elfer wäre gegen einen Hummels, Boateng, Dante NIE gepfiffen worden! NIE! NIE! NIE!!!
Warum gibt es immer wieder Diskussionen um Entscheidungen bei HSV-Spielen wenn der Herr Meyer pfeift!! Ich kann ihn nicht mehr ertragen und hoffe, dass er bald die Altersgrenze erreicht!!!
Wen es interessiert: Vor Spielen mit Perl, Drees, Welz, Meyer habe ich Bauchschmerzen!
Bevor ich jetzt gesteinigt werde: Mir ist klar, wenn Rudnevs und Beister die beiden 100%igen reinmachen, kann auch ein Meyer nix machen…
Viele Grüße, Andreas aus Wiesbaden

Sorry auch, Andreas, aber den letzten Satz musste ich entfernen, bei aller Liebe, der ging nicht. Weil Du ja selbst schreibst, wenn Rudnevs und Beister . . . Beleidigungen müssen nicht sein, egal was auch vorher passiert ist. Meyer wird den HSV in dieser Saison wohl nicht mehr pfeifen, es sollte mich jedenfalls wundern, und wir sollten dann, bei aller Liebe zu den Schiedsrichtern, nur darauf hoffen, dass es wirkliche Unparteiische sind, die da mit ihrer Pfeife über den Rasen laufen.

 

„Wir haben uns bei den Elfmeter unclever angestellt“, sagte HSV-Trainer Joe Zinnbauer, und er hatte zudem festgestellt: „Und wir hatten gute Möglichkeiten, haben die Tore aber nicht gemacht. Wir haben auch mit zehn Mann weiter nach vorne gespielt, sind aber dafür nicht belohnt worden.“ Mir, das gestehe ich ehrlich, mir gefiel Joe Zinnbauer nicht wirklich, als er nach dem Spiel vor die Kameras trat. Nicht etwa deshalb, weil er keine gute Analyse von sich gab, nein, das war es nicht, sondern vielmehr vom Aussehen her. Der Abstiegskampf setzt ihm enorm zu, er ist nicht mehr mit jenem Joe zu vergleichen, der vor einem halben Jahr seinen Dienst in Hamburg als Cheftrainer antrat. Zinnbauer wirkte blass, abgekämpft, ausgemergelt und auch wie ein gehetztes Reh auf mich. Der Mann gibt natürlich alles, der denkt Tag und Nacht nur noch an Bundesliga und Klassenerhalt, der reibt sich total auf. Ich habe mich bei der Hamburger Sport-Gala kurz mit ihm unterhalten können, aber ein richtiges Vorankommen kann er natürlich auch nicht sehen, es gibt ja auch keines. Und das zermürbt – ist doch klar. Vielleicht würde es ja helfen, wenn der eine oder andere Spieler des HSV eine solche Einstellung an den Tag legen würde, wie eingangs schon beschrieben. Wer jetzt noch glaub, es hier mit Schema F schaffen zu können, der hat seien Beruf total verfehlt. Es muss im Volkspark noch einiges, nein, sogar sehr viel und vieles passieren, um den HSV dort unten noch rechtzeitig rauszuziehen. Im Moment sieht es jedenfalls wieder recht übel aus.

 

Auch wenn das natürlich nicht alle sehen (wollen). Mein Freund Peter aus dem Westen der Republik sagte für diejenigen, die das alles noch nicht so dramatisch sehen, folgende beruhigende Sätze: „Ich kann der Mannschaft auch nach dieser 1:2-Niederlage keinen Vorwurf machen. Jeder Spieler hat im Rahmen seiner Möglichkeiten sein Bestes gegeben – und das war nicht immer so. Alles in allem muss ich aber auch sagen, dass man ja bescheiden wird – in seinen Ansprüchen.“
Ja, so ist es wohl. Bei einigen HSV-Fans. Allerdings ist eine solche Bescheidenheit bei mir noch nicht wirklich angekommen.

 

So, zwei Dinge noch: Das Spiel der Zweiten in der Regionalliga wurde heute noch kurzfristig abgesagt, der Platz war unbespielbar. Und morgen, am Montag, wird im Volkspark nicht trainiert – die Ruhe vor dem großen Sturm. Der Sturm der Dortmunder.

 

In diesem Sinne: Verlebt noch schöne und angenehme Stunden von diesem nicht so tollen Wochenende, und dann wünsche ich Euch und Euren Lieben einen tollen und erfolgreichen Start in die neue Woche.
Dieter

 

Und noch ein kleiner Zusatz: In der A-Jugend-Bundesliga Nord verlor der HSV (Tabellenachter) sein Heimspiel gegen RB Leipzig (Tabellendritter) mit 1:5.

 

16.11 Uhr

1:2-Niederlage – es darf weiter gezittert werden

28. Februar 2015

Der kleine Aufwärtstrend mit dem 1:1 gegen Mönchengladbach konnte nicht fortgesetzt werden, der HSV verlor sein Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt mit 1:2 und muss weiter um den Klassenerhalt in der Bundesliga zittern. Dabei spielten die Hamburger phasenweise nicht schlechter als die Hessen, doch es mangelt eben nach wie vor an Durchschlagskraft im Angriff. Ob sich das noch einmal bis zum Saisonende ändern wird? Zweifel sind angebracht. Andere Mannschaften, die im Feld ähnlich wie der HSV spielen, haben leider echte Stürmer, die diesen Namen auch verdienen – der HSV hat da gegenüber der Konkurrenz nicht viel zu bieten. Diese Niederlage hätte nicht sein müssen, obwohl Frankfurt in der Nachspielzeit noch einen zweiten Elfmeter verschoss, doch nun wird es ganz bitter: Dortmund kommt nach Hamburg, dann geht es nach Sinsheim und zu Hoffenheim. Schwere Zeiten für den HSV.

 

Für Abendblatt-Blogs


 

Diese Partie hatte keine Abtastphase, es ging gleich mächtig zur Sache. Hin und her, rauf und runter. Und nach einer Minute und 52 Sekunden hätte der HSV schon in Führung liegen können, denn Artjoms Rudnevs lief von rechts allein auf das Eintracht-Tor zu, doch vor Keeper Trapp versagten dem Letten die Nerven: Er schoss den Torwart nur an, statt irgendetwas zu machen, zu lupfen, einen Schuss anzutäuschen, oder, oder. Es ist leicht gesagt, aber es ist sein Job, Tore zu schießen, aber leider kam diese Großchance etwas zu früh für ihn. Wie gesagt, es ging zur Sache. Auch die Frankfurter kamen vor das HSV-Gehäuse, und wenige Sekunden nach der Rudnevs-Möglichkeit forderten die Hessen Elfmeter, als Matthias Ostrzolek Gegenspieler Aigner im Strafraum zu Fall gebracht hatte – aber Schiedsrichter Florian Meyer (Burgdorf) pfiff nicht. Noch nicht.

 

Nach fünf Minuten schickte Mohamed Gouaida seine Spitze Rudnevs in den Eintracht-Strafraum, aber in letzter Minute fuhr Frankfurts Innenverteidiger Russ dem HSV-Stürmer in die Parade – nur Eckstoß statt Tor. Auf jeden Fall war das ein äußerst lebhafter Beginn. Beide spielten nach vorne, und nach einer Viertelstunde setzten sich die Frankfurter ein wenig mehr in der Hamburger Hälfte fest. Der frühere HSV-Spieler Alex Meier prüfte in der neunten Minute Jaroslav Drobny, doch der Tscheche tauchte blitzschnell ins rechte untere Eck ab und hielt den Ball – im Nachfassen.

 

Dann die elfte Minute. Blankes Entsetzen im Hamburger Team, auch auf der Bank. Referee Meyer zeigte auf den Elfmeterpunkt. Strafstoß für Frankfurt. Johan Djourou soll Piazon zu Fall gebracht haben, was ich als Witz empfunden habe. Und selbst Ober-Schiedsrichter Dr. Markus Merk, der Experte von Sky, sagte: „Das war eine harte Entscheidung, aber man kann sie vertreten.“ Das allein sagt schon alles. Nein, Herr Merk, und nein Herr Meyer, das war keiner, garantiert nicht. Und wenn, dann müsste es tatsächlich in jedem Spiel fünf bis acht geben. Ungeachtet dessen verwandelte Alex Meier seinen sechsten Elfmeter dieser Saison – souverän. Drobny tauchte in die rechte Ecke, in die Meier vorher alle fünf Strafstöße geschossen hatte; diesmal wechselte er die Ecke. Leider. Aus HSV-Sicht.

 

Dieses 0:1 schien die Hamburger ein wenig zu lähmen. Oder zu schocken. Es dauerte lange, ehe es mal wieder ein offensives Lebenszeichen vom HSV gab. In der 32. Minute scheiterte Zoltan Stieber mit einem 31-Meter-Freistoß (halblinke Position) am aufmerksamen Frankfurter Keeper – nur Eckstoß statt 1:1. Aber immerhin, diese Szene läutetet dann eine ausgeglichene Phase ein. Frankfurt verwaltete den 1:0-Vorsprung, der HSV spielte wieder etwas mehr mit.

 

Und der Ausgleich, der verdiente Ausgleich, fiel doch noch in Halbzeit eins. In der Nachspielzeit, eigentlich waren schon drei, vier, fünf Sekunden drüber. Meyer aber ließ den HSV noch laufen, und das tat links draußen Mohamed Gouaida. Wie weiland Forrest Gump, „Mo“ lief und lief, zog vier Frankfurter auf sich und legte den Ball am Eintracht-Strafraum quer auf Nicolai Müller. Und der hatte einen Geistesblitz, denn er bediente den sich nach vorne bewegenden Stieber mustergültig. Der Ungar nahm die Kugel perfekt mit und überwand Torwart Trapp. Ein schönes HSV-Tor, wie aus dem Lehrbuch. Halbzeit. Und viel, viel Hoffnung auf Hamburger Seite.

 

Diese Hoffnung wich aber sehr schnell wieder purer Verzweiflung: Slobodan Rajkovic hechtete einen Ball aus dem HSV-Strafraum heraus, Petr Jiracek wollte clever sein, den Ball in den eigenen Reihen halten – und köpfte auf Dennis Diekmeier zurück. Ein Hesse spritzte an der Strafraumkante dazwischen, bediente Alex Meier, und der bewies einmal mehr seine Kaltschnäuzigkeit. Der Mann aus Buchholz ist in solchen Szenen eiskalt, er hat die Übersicht und weiß genau, wohin der Ball soll – und er schoss ihn überlegt in die lange und rechte Ecke, das 2:1 in der 54. Minute. Wahnsinn, aber Meier macht den Unterschied, er schoss damit bereits sein 16. Saisontor.

 

Dann die Szene, die dieses Spiel wohl entschied. Matthias Ostrzolek foulte Aigner und sah Gelb-Rot. Der HSV stellte danach auf Dreierkette um, und brachte, als Slobodan Rajkovic verletzt ausschied, Rafael van der Vaart. Es wurde alles versucht, aber es reichte nicht mehr zum Punktgewinn, obwohl Maximilian Beister einmal noch frei vor dem Frankfurter Tor aufgetaucht war, aber an Keeper Trapp scheiterte (78.). In der Nachspielzeit legte Djourou den Frankfurter Stendera, noch einmal Elfmeter, doch den drosch Alex Meier an die Torlatte. Danach spielte die Eintracht das Ding locker über die restlichen Sekunden – harte Zeiten brechen nun für den HSV an, keine Frage.

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Diekmeier, Djourou, Rajkovic (ab 79. Min. van der Vaart), Ostrzolek; Kacar, Jiracek; Müller (ab 70. Min. Marcos), Stieber, Gouaida; Rudnevs (ab 60. Min. Beister).

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny hätte den 2:1-Treffer von Meier fast noch gehalten, aber er tauchte um Sekundenbruchteile zu spät ab. Ansonsten hielt er souverän – sah aber bereits seine vierte Gelbe Karte.

 

Dennis Diekmeier wirkte aggressiv und ging zur Sache, marschierte auch einige Male mit nach vorne, aber seine Flanken kamen nicht – gegen Gladbach zuletzt war er besser.

 

Johan Djourou verschuldete den Elfmeter zum 0:1-Rückstand und war danach unheimlich „griffig“, spielte auch zuverlässig und konzentriert, ein vorbildlicher Kapitän. Dass er aber auch den zweiten Elfmeter (gegen Stendera) verschuldete, spricht nicht unbedingt für ihn.

 

Slobodan Rajkovic hatte nach wie vor leichte Probleme beim Abspiel, aber räumt auch nach wie vor prächtig auf und ab. Das macht er absolut zuverlässig. Schied in der 79. Minute mit einer Knieverletzung aus, hoffentlich ist es nicht wieder das Kreuzband – aber es sah ein bisschen danach aus. Ganz, ganz bitter für ihn und den HSV.

 

Matthias Ostrzolek sah in der 53. Minute seine fünfte Gelbe Karte und erhielt in der 64. Minute noch einmal Gelb (nach Foul an Aigner) – damit Platzverweis, Pause im Heimspiel gegen Dortmund. Ansonsten lieferte sich Ostrzolek heiße Duelle mit Aigner, der nicht ganz auszuschalten war. Note vier für den Linksverteidiger.

 

Gojko Kacar begann etwas nachlässig, aber nach einer Viertelstunde war er im Bilde, gefiel wieder durch sein starkes Kopfballspiel – und machte insgesamt eine solide Partie.

 

Petr Jiracek war voll bei der Sache, er wich keinem Zweikampf aus, er rackerte rauf und runter, und er riss seine Nebenleute auch mit, leistete verbale Aufbauhilfe links und rechts – er hat vielleicht seine beste HSV-Phase zu fassen.

 

Nicolai Müller war zu sehen, war wieder nicht zu sehen, wobei die abgetauchten Phasen ein wenig länger waren. Dennoch war Müller nicht schlecht, er knüpfte ein bisschen an seine Vorstellung aus dem Gladbach-Spiel an. Wurde aus taktischen Gründen ausgewechselt – und war sauer.

 

Zoltan Stieber stellte sich voll in den Dienst der Truppe, ackerte unheimlich – und schoss ein schönes Tor. Er hat ganz, ganz sicher seine beste HSV-Phase zu fassen.

 

Mohamed Gouaida fand in den ersten 30 Minuten eigentlich nicht statt, aber dann kam er, dann zeigte er, warum Zinnbauer auf ihn setzt – das war nach der schwachen Anfangsphase eine starke Partie des wuseligen Linksfußes.

 

Artjoms Rudnevs hätte in der zweiten Minute das 1:0 machen müssen, leider, leider, und danach hatte er seine besten Szenen hinten. Obwohl er schnell und agil wirkte, aber letztlich bewegte er diesmal nichts.

 

Maximilian Beister (ab 60. Min. für Rudnevs) braucht wohl noch einige Zeit, völlig verständlich, aber er ist hungrig und bissig – und hätte das 2:2 machen können, als er in der 78. Minute vor Torwart Trapp aufkreuzte, aber den Frankfurter anschoss.

 

Ronny Marcos (ab 70.Min. für Müller) kam als Ersatz für Ostrzolek und mischte auf Anhieb gut mit. Er wird wohl auch gegen Dortmund hinten links verteidigen.

 

Rafael van der Vaart (ab 79. Min. für Rajkovic) sollte noch etwas nach vorne bewegen, aber das gelang in der dezimierten Mannschaft kaum noch.
 

Das war es zunächst vom Spiel bei und gegen Eintracht Frankfurt, aber es geht ja noch weiter, wie gewohnt. Gleich sind wir mit „Matz ab live“ zur Stelle, wir sind wieder in unserem Lieblings-Restaurant „Champs“ (Hamburg-Schnelsen; AKN-Station Burgwedel) zu Gast und werden über die soeben erlebten 90 Minuten sprechen. Unsere Gäste sind die beiden HSV-Talente Ahmet Arslan und Ashton Götz, die beide an diesem Sonntag mit der Zweiten (als Tabellenzweiter) gegen den Tabellenführer Werder II (15 Uhr, Stadion Hagenbeckstraße) antreten werden – und dann hoffentlich den freien Fall ein wenig bremsen. „Scholle“ und ich würden uns freuen, wenn Ihr per Bildschirm wieder bei uns sein würdet – bis gleich.

Und morgen dann mal wieder zur Zweiten – ist ein ganz, ganz wichtiges Spiel . . .

 

20.39 Uhr

„Lass meine Spieler in Ruhe!“

2. November 2014

Dass wir erst ein Matz-ab-Treffen machen mussten, ehe der HSV mal ein Heimspiel gewinnt… Leidenschaft am Freitagabend in Norderstedt (vielen Dank auch noch einmal an die Gastgeber des „Anno 1887“, die uns erneut ihre Räume zur Verfügung gestellt haben) – und es schien, als ob die Mannschaft davon gestern beim 1:0 gegen Bayer Leverkusen beflügelt worden wäre. Ich habe dazu heute beim Regionalliga-Spiel der U 23 mit einigen Fans gesprochen – und der Tenor war: „Das war ein Super-Spiel gegen Leverkusen. Wobei es eigentlich gar kein Spiel war, sondern ein Super-Gehacke. Trotzdem: weiter so!“

50 Fouls, neun Gelbe Karten – das war Saison-Rekord in der Bundesliga, und es ist sicherlich ein kleines Fußball-Wunder, dass es keine Platzverweise gab und zum Glück auch keine Verletzungen. Damit wären wir auch schon beim Schiedsrichter. Bayer Leverkusen hat Florian Meyer gestern als Hauptschuldigen des 0:1 von Hamburg ausgemacht. Trainer Roger Schmidt war überhaupt nicht einverstanden mit seiner Spielleitung, und dabei ging der Trainer gar nicht einmal auf den unstrittigen Elfmeter ein (Foul von Bayer-Keeper Bernd Leno an Marcell Jansen), der in der 26. Minute zum Tor des Tages durch Rafael van der Vaart führte. Schmidt beschwerte sich über Meyers ganze Spielleitung: „Ich fand nicht in Ordnung, was auf dem Platz passiert ist. Der Schiedsrichter hat es aber zugelassen. Das war teilweise eine Treibjagd.“ Schmidt bemängelte, dass der HSV mit vielen taktischen Fouls Chancen der Leverkusener im Ansatz zunichte machte, die dann aber nicht zu Gelben Karten führten.

Nun ist zumindest die letzte dieser Beschwerden sachlich nicht ganz richtig. Immerhin gab es sechs Verwarnungen gegen HSV-Profis. Man kann darüber streiten, ob Meyer nicht auf der einen, aber auch auf der Leverkusener Seite (Foul von Donati an Jansen kurz vor dem Wechsel) Rot hätte ziehen können oder müssen, doch generell haben sich die Leverkusener sicher vor allem geärgert, dass ihnen der HSV den Schneid abgekauft hat. Rudi Völler, der Sportdirektor der Werkself, sagte über den Schiri: „Es war zu erwarten, dass es hart werden würde. Aber wir hätten besser geschützt werden müssen vom Schiedsrichter mit Gelben oder Roten Karten, dass es so nicht geht. Das hat er nicht gemacht, und dann hören die Hamburger auch nicht auf. Ist ja ganz klar.“

Für Abendblatt-Blogs


Jedenfalls hat die sehr hitzige Atmosphäre dazu geführt, dass es beim Gang in die Pause sogar zwischen den Trainern gekracht hat. Joe Zinnbauer wollte den Unparteiischen abfangen auf ein Wörtchen, aber sein Kollege Schmidt war schneller. Dann hat der HSV-Coach offenbar Schmidts Beschwerde über die Gangart der Hamburger aufgeschnappt und ist, gelinde gesagt, ziemlich aus der Haut gefahren. Medien-Direktor Jörn Wolf musste Zinnbauer zurückhalten, der immer wieder schrie: „Lass meine Spieler in Ruhe!“

„Es hat so ausgesehen, als wollte ich ihm an die Wäsche. Aber so war das nicht. Trotzdem war es nicht gut von mir, das muss ich auf meine Kappe nehmen“, so Zinnbauer mit etwas Abstand. „Das passiert mal, dass man emotional drauf ist. Aber wir haben uns anschließend auch wieder die Hand gegeben.“

Abseits dieser Diskussionen ist wohl unstrittig, dass genau diese harte und aggressive Gangart der Schlüssel war zum ersten HSV-Heimsieg seit Anfang April. Spielerisch mitzuhalten mit dem Champions-League-Teilnehmer – das haben sich die Hamburger offenbar von Beginn an abgeschminkt. Marcell Jansen: „Wir brauchen keine spielerische Entwicklung. Was wir brauchen ist, als Mannschaft gut zu stehen. Wir müssen als Mannschaft gut verteidigen – und wenn du dir irgendwann mal genügend Punkte erkämpfst, kommt das Spielerische hinten raus. Aber der umgekehrte Weg funktioniert nicht im Fußball.“ Und weil die HSV-Verantwortlichen wissen, wie schwer sich die Mannschaft auf dem Weg zum gegnerischen Tor tut, wird halt noch größerer Wert auf die Defensive gelegt. Was ja auch funktioniert hat, denn bis auf die Monster-Chance in der 94. Minute von Karim Bellarabi, dessen Schuss an den Innenpfosten des Hamburger Tores ging, sprang nur recht wenig Hochkarätiges für die Gäste heraus.

„Not in my house!“ So sagen es die Basketballer in der amerikanischen NBA, wenn sich ein Eindringling zu nahe an den eigenen Korb heranwagt. Dann wird aus dem körperlosen ganz schnell ein körperbetontes Spiel, in dem der Gegner mit aller Macht zurückgeschmettert wird. Diese Ausstrahlung hatte der HSV gestern. „Nicht in unserem Stadion!“, schienen sie den Leverkuseners mit jedem Angriffsversuch entgegen schmettern zu wollen.

Mir ist dabei eine Geschichte eingefallen, die mir ein Ex-Star mal aus den 80er Jahren erzählt hat. Da wurde das ganze im Vorwege erledigt. So dribbelte Wolfram Wuttke für den 1. FC Kaiserslautern im Volkspark auf. Er hatte den HSV kurz zuvor verlassen, seine Hamburger Zeit war bekanntlich keine Erfolgsgeschichte. Beim Wiedersehen in der Saison 1987/88 also, kurz vor der Europameisterschaft in Deutschland, zu der sich Wuttke große Teilnahme-Chancen ausrechnete, gab’s im Kabinengang unmittelbar vor dem Anpfiff das große Wiedersehen mit den alten Kollegen. Auch mit Verteidiger Ditmar Jakobs. Der schüttelte „Wolle“ freundlich die Hand – und sagte dann ganz ruhig: „Übrigens, wenn Du wirklich zur EM willst, dann bleib heute mal lieber von unserem Strafraum weg.“ Wuttke „gehorchte“ (er fuhr dann wirklich zur EM), der HSV gewann mit 5:1 (Jakobs hatte sein Ziel erreicht). Ich hoffe, derjenige, der mir diese Anekdote mal anvertraut hat, ist jetzt nicht sauer (es war nicht Jakobs selbst!) – aber inzwischen ist der Vorfall ja auch verjährt.

Gestern stand natürlich alles unter dem Stern mit dem Namen „Hakan“. Schmäh- und Pöbelgesänge gegen den früheren HSV-Spieler gab es fortwährend, das war ja klar. „Vor dem Spiel war es im Stadion schon ziemlich hitzig durch Hakan“, sagte Heiko Westermann (diesmal ohne Fehler). „Aber für uns war es einfach wichtig, den Dreier einzufahren. Es ging nicht um Hakan. Das haben wir alles bravourös gemeistert.“ Calhanoglu selbst konnte diese Partie nicht prägen. Der eine oder andere Freistoß kam, er schoss auch vier Mal aufs Hamburger Tor, aber meistens zu harmlos für Jaroslav Drobny (diesmal ebenfalls ohne Fehler). Von den Rängen ließ sich der Ex-HSVer jedenfalls nicht provozieren, und zum Glück sind auch die reichlichen Gegenstände (Feuerzeuge u.ä.) in der ersten Halbzeit bei der Freistoß-Aktion vor der Nordtribüne an ihm vorbei geflogen. „Hakan hat sich nichts anmerken lassen. Er hat auch schon vorher einen glasklaren Eindruck gemacht. Ich wusste, er würde der Situation gewachsen sein“, lobte Roger Schmidt seinen Schützling. Und damit wirklich genug zu diesem Spieler.

Aber halt: ein Schlenker muss noch sein. Rafael van der Vaart hat sich in diesem Spiel nach einer ziemlich harten Grätsche – ausgerechnet gegen Calhanoglu – die Gelbe Karte abgeholt. Das war ein Zeichen! Und in diesem Spiel nicht das einzige von van der Vaart. Er hat Verantwortung übernommen und die Stimmen, die in den vergangenen Wochen einen Abgesang auf ihn angestimmt haben, zumindest etwas leiser werden lassen. Dass er überhaupt auf dem Rasen stand, war ja schon überraschend. Läuferisch nicht mehr stark genug, Luft nur für 60 Minuten, keine Führungsfigur – diese Vorwürfe trafen van der Vaart, und er hat sie alle durch seine mäßigen Leistungen in den vergangenen Monaten untermauert. Doch die Pause durch seine lange Wadenverletzung scheint nun auch sein Gutes zu haben.

Zwar stimmt die Einschätzung, dass der Kapitän ganz offensichtlich nicht die Luft hat für 90 Minuten. „Rafael war kämpferisch ein Vorbild und wollte auch viele Dinge spielerisch gut lösen“, befand Joe Zinnbauer. „Aber man hat auch gesehen, dass er noch nicht bei 100 Prozent ist. Wir hoffen, das wird er bald erreichen.“ Dennoch: Van der Vaart hatte gute Laufwerte (mehr als 7,5 Kilometer in 62 Minuten) und einen guten Einfluss auf das Spiel. Und: Er hat das Tor des Tages gemacht. „Ehrlich gesagt, ich habe die Augen zu gemacht und so hart wie möglich geschossen. Glücklicherweise war er drin.“

Gibt es also doch eine gemeinsame Zukunft für das Mittelfeldduo van der Vaart/Holtby? „Es kann auch nächste Woche wieder anders aussehen“, sagte Trainer Zinnbauer zu diesem Thema. Da werden sicher die Trainingseindrücke eine große Rolle spielen, wobei ich jetzt schon die Tendenz sehe, van der Vaart für einen laufstärkeren Spieler herauszunehmen. Doch das bleibt nun abzuwarten. In jedem Fall ist Rafael van der Vaart aufgefordert, seine Leistungssteigerung zu bestätigen. Dass er nach seinem Treffer effektvoll auf die HSV-Raute auf seinem Trikot geklopft hat, ist ja erstmal schön anzusehen. Doch nachhaltige Leistungen wären allen, die mit dem HSV zu tun haben, auf Sicht bestimmt lieber.

Noch wichtiger als van der Vaart war für den HSV gestern wohl Valon Behrami. Fußball-Direktor Peter Knäbel hat dem Schweizer, der – obwohl angeschlagen – auf die Zähne gebissen hat, ein Sonderlob ausgesprochen. Und da wollte auch Joe Zinnbauer nicht hintenan stehen: „Er hat ein überragendes Spiel gemacht. Normal hätte er nicht spielen können. Schon in der Halbzeit konnte er eigentlich nicht mehr. Kurz nach der Pause wollte er auch mal raus, aber dann habe ich nichts mehr gehört. Er hat sich aufgeopfert für die Mannschaft. Das ist sensationell. Aber seine Präsenz brauchen wir auf dem Platz. Auch wenn man es optisch nicht sofort erkannt, weil er nicht die tollen Pässe spielt. Aber er räumt unheimlich viel ab.“

Was die Laufwerte des Teams angeht, war das diesmal alles nicht so doll. Der HSV landete bei 110 Kilometern, das ist extrem wenig, ist sicher aber auch den ständigen Unterbrechungen und Spielpausen geschuldet.

Heute war nun also fußballfrei für die Profis, die sich stattdessen auf den Weg zu ihren Fanclubs machten. Über Twitter flogen Fotos von lächelnden HSVern durchs Netz. Drobny in Reppenstedt, Lasogga in Nordhausen, Djourou in Hohenlockstedt – da lässt es sich nett diskutieren mit diesem Erfolgserlebnis im Gepäck. Es war das vierte Heimspiel in der Bundesliga unter Joe Zinnbauer – und zum vierten Mal Beifall des Publikums. Drei Treffer sind den Hamburgern in diesen Spielen nur gelungen, aber der Einsatz stimmte. 0:0 gegen die Bayern, 1:2 gegen Frankfurt, 1:1 gegen Hoffenheim, jetzt 1:0 gegen Leverkusen. EIN Ziel vor Saisonbeginn war es, die Begeisterung der Fans neu zu entfachen mit leidenschaftlichem Fußball. Es wird nicht immer solch eine Schlacht sein wie gestern, aber es gibt doch das eine oder andere Indiz für Besserung. Nicht nur beim Blick auf die Tabelle, die mal wieder einen grünen Pfeil nach oben neben dem HSV sieht.

Verbessern kann sich die Zweite Mannschaft des HSV nicht mehr. Die schwebt in der Regionalliga Nord schon über allen anderen, und deswegen war das 0:0 heute gegen den SV Meppen schon eine Überraschung. 15 Spiele, 13 Siege, zwei Unentschieden – so lautet die Zwischenbilanz. 750 Zuschauer an der Hagenbeckstraße haben diesmal nicht den gewohnten Schwung gesehen, aber das muss auch mal drin sein, nachdem das Team von Trainer Daniel Petrowsky die FT Braunschweig in der Vorwoche mit 10:0 gedemütigt hatte. Trotzdem hatten die Hamburger heute die besten Chancen, aber Nils Brüning (44., Pfosten) und der eingewechselte Said Benkarit (88., Latte) vergaben sie.

Und so spielte der HSV II: Brunst – Götz, Jung, Carolus, Marcos – Steinmann, Mende – Arslan, Cigerci (70. P. Müller), Gouaida (70. Masek) – Brüning (82. Benkarit)
Gelb-Rote Karte: Carolus (63., wiederholtes Foulspiel)

Die Profis haben morgen noch einmal richtig frei, ehe es am Dienstag um 10 Uhr mit der nächsten Einheit weitergeht. Es wird die erste von sechs sein auf dem Weg nach Wolfsburg am kommenden Sonntag.

Lars
18.34 Uhr

Nachtrag: Jetzt habe ich vergessen, etwas über Manfred Kaltz zu schreiben, der laut “Bild am Sonntag” ein Angebot für die Teilnahme am Dschungelcamp hat. Aber irgendwie fällt mir da auch nichts Gescheites ein…

“Kommt, Leute, immer positiv!”

27. September 2014

Der Druck wird sicherlich noch größer, und das gleich in dreifacher Hinsicht. Der HSV jagt ja nicht nur seinem ersten Saison-Tor hinterher, er konkurriert auch mit dem VfL Bochum um den Negativ-Rekord und der Sache mit der 25. Minute, und der HSV wartet immer noch auf den ersten Dreier dieser Saison. Da lastet viel auf den Schultern der vornehmlich jungen Hamburger Spieler, die unter solchen Vorgaben ganz sicher nicht alle unverkrampft in dieses so wichtige Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt gehen werden. Deswegen wäre es super, wenn die HSV-Anhängerschaft ihre Mannschaft wieder so großartig unterstützen würde, wie es im letzten Heimspiel beim 0:0 gegen die Bayern der Fall war. Irgendwann wird und muss der Knoten platzen, wie schön wäre es, wenn das morgen gelingen würde. Motto: „Tore, Sieg, Punkte – und Luft holen.“

 

Viele, wenn nicht alle, Augen werden auf Pierre-Michel Lasogga ruhen, verbunden mit den Fragen: „Was gelingt ihm diesmal? Endlich mal sein Tor?“ Er wird, davon bin ich überzeugt, es schon mal wieder schaffen. Und wenn der HSV dann ohne ein Lasogga-Tor gewinnen sollte, dann ist auch gut. „Solche Phasen, dass ein Torjäger mal eine längere Zeit mal nicht trifft, gibt es eben, die hat jeder schon mitgemacht“, sagte mir einst der große Uwe Seeler mal. Sein Rezept: „Schießen, schießen, immer wieder schießen, es immer wieder versuchen – bis es klappt.“ Uwe Seeler selbst weiß, wie es ist, lange nicht zu treffen, in der Saison 1971/72 blieb er mal 749 Spiel- und Bundesliga-Minuten ohne Tor. Und er hatte dann ja auch einen namhaften Kollegen, dem das ähnlich erging: Gerd Müller. Der wurde dann, als diese Torflaute zu lange gedauert hat (das war, denke ich, 1975), kurzerhand als Libero des FC Bayern aufgestellt (FCB-Trainer war Dettmar Cramer). So gewann Müller seine Sicherheit wieder, und als es dann nach vorne ging, da fielen sie wieder wie reife Früchte, die Müller-Tore. Wobei ich Lasogga ganz bestimmt nicht hinten sehen möchte.

 

Denk ich an Frankfurt im Zusammenhang mit HSV und Bundesliga, fallen mir zwei ganz unterschiedliche Spiele ein. Am 14. November 1998 siegten die Hessen in ihrem letzten Spiel im alten Volksparkstadion mit 1:0, obwohl der HSV keine so schlechte Mannschaft auf den Rasen geschickt hatte: Butt, Groth, Hertzsch, Hoogma, Hollerbach, Fischer, Spörl (61. Kirjakow), Vogel (83. Grubac), Dembinski, Dahlin, Yeboah. „Lumpi“ Spörl verschoss beim Stande von 0:0 einen Elfmeter . . .
Ein ganz schlimmes Spiel gab es dann kurze Zeit danach, das war am 3. Dezember 1999. Das Stadion „voll“ in der Umbauphase, ohne Dach, und es regnete und stürmte und was nicht sonst noch alles. Ungemütlich ist untertrieben, es war fürchterlich. Ich weiß noch, dass viele Kollegen in das Innere des Stadions geflüchtet waren, um dort das Spiel per Fernseher zu sehen – es war, das gebe ich zu, nicht zum aushalten. Aber der HSV gewann immerhin mit 1:0, wobei Anthony Yeboah das entscheidende Tor in der 77. Minute erzielt hatte.

 

Zu Frankfurt fällt mir dann noch eine ganz besondere (oder sonderbare?) Geschichte ein. In der Redaktion klingelte das Telefon, am anderen Ende ein Eintracht-Präsident (von dem ich diesen Anruf NIE erwartet hatte!), der mich nach einem ehemaligen Hamburger befragte: „Wie ist er als Mensch, wie ordnet er sich ein, was hat er für Macken – kann die Eintracht den verpflichten . . ?“ Das fand ich mal ganz professionell, dass sich ein Vereins-Chef auf diese Art erkundigte. Um welchen Spieler es sich dabei gehandelt hat, das lasse ich genau so offen wie die Frage, ob die Hessen den Kandidaten dann auch verpflichtet haben.

 

Ja, die Frankfurter. Sind ja eigentlich der Lieblings-Gegner des HSV, denn gegen keinen Verein schaffte der HSV mehr Siege – nämlich 41 (davon 30 im Volkspark). Und von den letzten elf Auftritten in Hamburg konnte die Eintracht nur einen gewinnen. Ein gutes Omen für morgen? Eher nicht, ich gebe auf eine solche Statistik überhaupt nichts. Was haben Nicolai Müller, Johan Djourou, Matthias Ostrzolek, Zoltan Stieber, Lewis Holtby und zum Beispiel auch Torjäger Lasogga mit dieser HSV-Statistik zutun? Nichts. Null. Alles muss sich in jedem Spiel neu erarbeitet werden. Und da könnte morgen schon mal helfen, wenn bei den Hessen der „harte Knochen“ Zambrano (er konnte drei Tage lang nicht trainieren) nicht dabei wäre, er soll ja eine dicke Mandelentzündung haben.

 

Beim HSV waren alle Spieler zum Abschlusstraining erschienen – und fast alle gingen auch heil vom Rasen. Einzig Artjoms Rudnevs zog sich eine Verletzung zu, der Lette musste das Training mit einer Knöchelverletzung vorzeitig beenden. So, wie es zurzeit aussieht, jetzt ein paar Minuten nach dem Training, wird der Stürmer wohl ausfallen. Viel Pech für „Rudi“, viel Pech auch für den HSV.
Von den Langzeit-Verletzten war an diesem Sonnabend auch Marcell Jansen wieder dabei, zudem Julian Green, aber beide Spieler werden wohl zunächst nur auf der Bank sitzen, denn Trainer Joe Zinnbauer, so hat es den Anschein, wird seine Startelf der letzten beiden Partien nicht verändern. Da heißt es für jeden anderen erst einmal, sich hinten anzustellen. Mit im Training wieder Tolcay Cigeri und Valmir Nafiu, dazu Gojko Kacar, der zuletzt zwar trainierte, aber nicht mit im Kader war.

 

Beim heutigen Abschlusstraining, das um 16.30 Uhr begann, begannen die Profis mit zwei Handballspielen – hier die A-Elf, dort das B-Team. Danach gab es einige Laufübungen, und dann ging es ans Eingemachte. Pässe und Laufwege wurden geübt. Zinnbauer griff immer wieder lautstark ein, unterbrach, gab Tipps, forderte Konzentration. Immer und immer wieder. Das war unheimlich akribisch – und ich hoffe mal, dass es die Jungs verstanden haben, was der Coach von ihnen will. Später wurde dann auf ein Tor gespielt, immer wieder die Eröffnung probiert. Und es war schon schön zu sehen, wie sich die Spieler (und auch die Trainer!) immer wieder gegenseitig anfeuerten. Als einmal mehr eine Torchance vergeben worden war, stand Lewis Holtby neben dem Tor und klatschte in die Hände, schrie dabei: „Kommt, Leute, immer positiv!“ Ja, positiv denken, dass ist das Motto der Stunde. Es ist aber einfacher gesagt als getan. Als Pierre-Michel Lasogga einmal freistehend an Jaroslva Drobny gescheitert war, da drehte der Torjäger – den Kopf hängend – eine kleine „Ehrenrunde“, bei der er sich zu fragen schien: „Wieso klebt mir das Pech so an den Stiefeln?“ Das mag ja morgen schon wieder ganz anders sein . . . Fazit: Es war ein inhaltsreiches, lautstarkes Training, der Coach gab dabei alles – er wird auch morgen alles geben und die Mannschaft nach vorne pushen, davon bin ich überzeugt. Es ist wieder ein ganz anderes Leben in der Bude, das muss und wird sich demnächst schon wieder auszahlen. Ich bin davon überzeugt.

 
Kurz noch zum Schiedsrichter am Sonntag, die Partie wird von Florian Meyer geleitet.

 

Passend zum morgigen Spiel habe ich zwei Sprüche gefunden, die sich jeder von Euch mal auf der Zunge zergehen lassen kann (könnte). Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking hat im vergangenen Jahr einmal gesagt: „Wir sagen immer nur, wir wollen, wir sollen, wir können, wir dürfen – wir sollten es einfach mal machen.“ Und der Bremer Sportchef Eichin hat in der vergangenen Saison einmal befunden: „Wer nach fünf Spieltagen den Kopf in den Rasen steckt, verliert die Richtung aus den Augen.“ Wie wahr.
Und, wo ich gerade dabei bin, auch von Rene Adler gibt es da noch einen Spruch (im März 2013 gesagt), der erwähnenswert ist: „Wenn wir jetzt ausgeben, um Platz neun oder zehn zu spielen, dann kann ich auch Urlaub buchen . . .“
Ich wäre jetzt schon mit Platz neun oder zehn sehr zufrieden, Urlaub hin, Urlaub her.

 

Dann möchte ich eine Mail thematisieren, die uns in diesen Tagen erreicht hat:

 

Lieber Dieter und lieber Scholle,

vielleicht erinnert Ihr Euch an uns –
wir haben „gemeinsam” im Champs Slomkas letztes Spiel geschaut.
Heute früh habe ich in der Welt den Bericht über Ultras gelesen (sehr
lesenswert!) und wollte Euch anregen und bitten, mal zu schreiben, wie es
sich inzwischen mit Fans und Stimmung verhält beim HSV, bei Heimspielen und
auswärts. Da gab es ja große Bedenken und Drohungen, was sich mit der AG
alles ändern wird. Habe das Spiel gegen Bayern nur auf Sky gesehen, aber
da hörte es sich nach super Stimmung an.
Herzliche Grüße (hoffe, dem kleinen Mats geht’s gut) und alle Daumen
hoch für Sonntag, Lucielotte.

 

Liebe Lucielotte, natürlich erinnern wir uns an Euch. Und zu Deinen (Euren) Beobachtungen ist zu sagen, dass Ihr richtig beobachtet habt. Die Stimmung während des Bayern-Spiels war tatsächlich super, und deswegen hoffen wir, dass es auch gegen Frankfurt wieder so sein wird – diese neue Mannschaft braucht ja auch dringend Unterstützung vom zwölften oder auch 13. Mann.

 

Da wir auswärts nicht dabei sind, kann ich nur das schreiben, was ich bislang gehört habe. Die HSV-Fans sollen sich in der Fremde bislang noch ein wenig leiser verhalten haben. So haben es auch einige Spieler wahrgenommen. Ich glaube aber, das wird noch kommen – wie schon im Volkspark. Da wurde ja auch prophezeit, dass es in dieser Saison wesentlich ruhiger zugehen würde, aber das hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Auch weil die Damen und Herren von „Poptown“ im Norden die Zügel in die Hand genommen haben und die (laute) Richtung vorgeben. Danke dafür!

 

Passend dazu, naja, fast passend, gab es nun die folgende Nachricht:

 

DFL Deutsche Fußball Liga GmbH: 40-2014/ Stellungnahme des Ligaverbandes zum Pilotversuch des Landes Nordrhein-Westfalen in Bezug auf das Thema Polizei-Einsätze

 

„Der Pilotversuch des Landes Nordrhein-Westfalen hat sich offensichtlich gelohnt. Die vorliegenden Zahlen unterstreichen: Wenn alle Beteiligten in ihrem jeweiligen Bereich an Verbesserungen arbeiten und nicht mit dem Finger auf andere zeigen, sind Lösungsansätze im Sinne der Sache möglich. Der Weg, bei Spielen mit voraussichtlich geringerem Konfliktpotenzial weniger Polizei einzusetzen, hat sich als vielversprechend erwiesen. Sicherlich wird der Pilotversuch auch in anderen Bundesländern Beachtung finden. Die Liga und ihre Clubs stehen weiterhin für einen zielführenden Dialog mit Politik und Polizei unter Einbeziehung der Fans zur Verfügung.“

 

 

So, morgen nach dem Spiel gibt es natürlich wieder „Matz ab live“, „Scholle“ und ich begrüßen dazu – hoffentlich – wieder zwei Gäste. Bislang warten wir allerdings noch auf die zweite Zusage, deswegen erst nach dem Schlusspfiff die Namen der Personen, mit denen wir über das Spiel sprechen werden.

 

PS: Immer wieder werde ich auf die „de Vrij“-Geschichte rund um „Scholle“ angesprochen. Das hat wahrlich Kreise gezogen, so etwas vermutet man gar nicht. Als gäbe es keine anderen Sorgen rund um den HSV. Vor einer Woche wurde ich beim „nicht-öffentlichen“ Training von einem „Matz-abber“ aus dem Hessischen darauf angesprochen, heute wurde ich beim „Nicht-öffentlichen“ schon wieder gefragt. Fakt ist: „Scholle“ wird sich erklären, und dazu wird er von hoch-kompetenter Seite Unterstützung erfahren. Allen denjenigen, die bis jetzt eine Sensation wittern, denen kann ich den Wind aus den Segeln nehmen, diese Sache wird ganz unspektakulär enden, weil „Scholle“ schlicht und einfach die Wahrheit geschrieben hat. Ich weiß es, und Ihr werdet es demnächst erfahren. Obwohl „Scholle“ schon richtig liegt, irgendwie ist es schon paradox. Aber gut, so ist unsere Welt inzwischen wohl geworden.
Ich kann mich für uns nur wiederholen: Wir schreiben hier nur die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Und wenn jetzt einige wieder in die Luft gehen, weil ich einst im Doppelpass gesagt habe, dass der oder dieser neuer Trainer des HSV wird, so war das erstens nicht geschrieben, und zweitens in die Zukunft gesehen. Und da wissen wir alle, seit der Sammer-Time, dass in letzter Sekunde immer noch etwas dazwischen kommen kann. Obwohl ich gerade zu Sammer sagen muss: Ich hoffen immer noch, dass er eines Tages erklären wird, warum er von seiner Zusage doch noch zurückgetreten ist. Und wenn er es in seinen Memoiren schreiben wird.

 

Verlebt einen netten und wunderschönen Sonnabend und bis zum Anstoß um 17.30 Uhr, und dann drückt die Daumen, dass es an diesem Sonntag gegen 19.25 Uhr etwas Erfreuliches gibt – erstes HSV-Tor und erster HSV-Sieg 2014/15. “Kommt, Leute, immer positiv!”

 

Dieter

18.24 Uhr

Wenn Stark Elfmeter gegeben hätte . . .

20. Juni 2012

„Vielen Dank für das große Interesse, das Sie an den Schiedsrichtern zeigen.“
„Die zwölf Schiedsrichter, die hier sind, gehören zu den Besten in Europa.“
„Sie haben recht, der Ball war hinter der Linie. Es war ein menschlicher Fehler, verursacht durch einen Menschen.“
„Wenn wir jetzt über einzelne Fälle von Schiedsrichterentscheidungen sprechen würden, säßen wir Weihnachten noch hier.“
Aussagen von Uefa-Schiedsrichter-Chef Pierluigi Collina am Mittwoch in Warschau.

Das Interesse an den Schiedsrichtern dürfte spätestens nach England gegen die Ukraine sprunghaft angestiegen sein. Wobei ich die Diskussion um dieses nicht gegebene Tor irgendwie auch unfair finde. Ich habe nämlich damals, als diese Torschiedsrichter eingeführt wurden, gleich gesagt habe, dass es auch mit diesen Herrn, denen ich den Spaß an diesen Dienstreisen durchaus gönne, zu Fehlentscheidungen kommen wird. Ist doch klar. Der Mann sieht diese Szene auch nur einmal. Soll der innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde sagen: „Ja dieser Ball war ganz drin.“ Das kann der doch gar nicht. Ich habe Gerd Gottlob, den ARD-Kommentator bewundert, dass der gleich gerufen hat: „Dieser Ball war drin!“ Ich habe es vermutet, aber erst später, nämlich dann, als die Szene angehalten wurde, gesehen, dass das tatsächlich ein Tor gewesen ist. Künstlerpech.

Was hätten wir wohl alle gesagt, wenn dieser Torrichter auf Tor entschieden hätte, die Kugel aber tatsächlich nur zu einem Dreiviertel und damit nicht im vollen Umfang „drin“ gewesen wäre? Das Fernsehen hätte das bewiesen, ganz sicher – aber der arme Kerl da an der Seite? Der sieht das doch auch nur einmal, wäre aber total zerrissen worden. Obwohl er natürlich nicht mal eine Zeitlupe oder ein Standbild da draußen hat. Ich behaupte, dass nur eine Spielunterbrechung und der Kamerabeweis helfen können. Und so viele strittige Szenen, ob nun Tor oder kein Tor, gibt es zum Glück ja auch nicht. Was also würde es wohl ausmachen, wenn eine solche Szene tatsächlich „draußen“ noch einmal durchleuchtet wird? Das ist doch nur eine (Verletzungs-)Pause mehr. Und es ist ja so: In einem solchen EM-Turnier geht es doch um Millionen, da wäre es doch nur okay, wenn man sich einer solchen professionellen Hilfe bedienen würde. Das würde nicht mal eine Minute kosten. Und das hätten nicht nur die Mannschaften verdient, sondern auch die Fans. Zudem wäre es ein zusätzlicher Nervenkitzel (wie beim Eishockey), und alle wären zufrieden. Alle. Denn alle, Freund und Feind, wüssten, dass das tatsächlich auch ein reguläres Tor gewesen ist. Oder auch nicht.

Und komme mir dabei niemand mit der „Gleichbehandlung“ im Fußball. Dass Profis und Amateure gleich zu behandeln wären, und dass es dann auch Torkameras bei den Amateuren geben müsste. Hirnrissig ist ein solches Argument, denn der Profi-Fußball hat sich heutzutage doch schon sehr weit, meilenweit von den Amateuren abgesetzt – das gibt es inzwischen doch viel zu viele Unterschiede. Und auf diese Unterschiede nimmt schon lange keiner mehr Rücksicht oder prangert sie an. Nein, solche umstrittenen Tor-Szenen sind nur durch eine Kamera zu lösen. Und da das Fernsehen ja jetzt schon auf der „Torlinie“ steht, wie gestern bewiesen, wäre es doch ganz leicht gewesen, auf Tor zu entscheiden. Anstatt dieses Männlein, das sich Torrichter nennt, den Fußball-Fans in aller Welt zum Fraß vorzuwerfen.

Aber das ist natürlich Sache der Uefa oder auch der Fifa. Und da dauert es manchmal . . . Weil die Herren inzwischen schon mein Alter erreicht haben – oder noch viel älter sind.

Das gilt übrigens auch für das Thema „Wolfgang Stark“. Den möchte ich bei der Gelegenheit einmal in Schutz nehmen. Wer mag nur auf die Idee gekommen sein, Stark für ein Spiel Spanien gegen Kroatien anzusetzen? Auch das war hirnrissig. Und zwar total. Was wäre wohl gewesen, wenn Stark diesen Elfmeter gegeben hätte – und Spanien wäre dadurch ausgeschieden? Dann hätte ganz Spanien „gejubelt“: „Ein deutscher Schiedsrichter eliminiert Spanien und macht den Weg frei für Deutschland.“ So wäre es doch gewesen. Nun schreit „nur“ Kroatien auf, aber die unterstellen Stark ja auch nur „Blindheit“, nicht aber Parteilichkeit.
Aber wenn Spanien wegen des Elfmeters hätte nach Hause fahren müssen, dann wären die Deutschen ganz sicher ihr 17. Bundesland losgeworden: Mallorca. Die Insel hätten sie uns deswegen, nur wegen des Elfmeters, hundertprozentig wieder weggenommen. Kurz und schmerzlos und ohne großartig die Bürokratie zu bemühen – einfach nur wech! Deswegen war es eigentlich nur logisch, dass Wolfgang Stark nicht auf Strafstoß entschieden hat.

Wobei ich von dieser ominösen Lippen-Ableserin doch schon mal ganz gerne erfahren hätte, was der „28. Mann“ da draußen an der Seite, nämlich Florian Meyer (er war wohl der Torrichter auf dieser Seite!?) unmittelbar nach diesem Foul an dem Noch-Wolfsburger Mandzukic in sein Mikrofon (in Richtung Wolfgang Stark) gesprochen hat. Hat er nun gesagt: „Du musst nicht pfeifen, Wolfgang, diesen Tritt hättest auch du überlebt, alles ganz harmlos. “ Oder hat er gesagt: „Wenn ich du wäre, würde ich nun auf den Elfmeterpunkt zeigen – aber ich bin ja nicht du.“ Vielleicht verrät es mir Florian Meyer ja später mal, wenn er, der Mann aus Burgdorf, mal wieder in Hamburg angesetzt ist, um ein HSV-Spiel zu pfeifen. Vielleicht.

Apropos Schiedsrichter. Es sind nur zwölf (erste) Herren in Polen und der Ukraine zugegen. Also zwölf Männer, die das Ding auch tatsächlich pfeifen. Bei der nächsten EM müssen es zwangsläufig mehr werden, dann wird die EM ja kräftig aufgestockt. Dann starten 24 Länder – man gönnt sich ja sonst nichts, bei der Uefa. Dann wird aus einer Europameisterschaft, die bislang fußballerisch wertvoller als jede Weltmeisterschaft war, doch eher ein verwässertes Turnier. Aber da bin ich ja wohl der letzte Mensch, der sich darüber (viel zu spät) aufregt. Aber es geht ja auch nicht um den Fußball an sich, sondern viel mehr ums Geld. Ist schon okay. . . Geld regiert die Welt.

Womit ich zur deutschen Mannschaft kommen möchte. Speziell zu Mesut Özil. Ich kann nämlich nicht begreifen, wieso dem ehemaligen Schalker unterstellt wird, bislang eine schlechte EM gespielt zu haben. Er war zwar in den ersten drei Spielen nie so überragend, wie er es aufgrund seiner überragenden Fähigkeiten hätte sein könnte, aber dennoch gehörte er für mich stets zu den besseren deutschen Spielern. Was dieser Mann an und in den Beinen hat, ist unfassbar. Und dazu hat er es auch im Kopf, denn er denkt vor, legt vor, hat viele, viele kluge Ideen. Ich könnte mit dem Özil, so wie er sich bislang präsentiert hat, sehr gut leben, hoffe aber auch darauf, dass er noch „ein wenig explodiert“ – so wie es der Bundestrainer in Aussicht gestellt hat. Wäre aber ganz sicher nicht verkehrt, wenn dazu dann andere noch viel mehr explodieren würden. Wenn das passieren sollte, dann wäre Deutschland tatsächlich ein heißer Kandidat auf den Turniersieg. Aber bevor Özil explodieren „muss“, da sollten sich andere (Podolski, Gomez, Müller, Schweinsteiger . . .) doch schon mal etwas eher aufgerufen fühlen, ebenfalls noch kräftig zuzulegen.

Auch Toni Kroos gehört zu diesem Kreis, der noch zulegen sollte. Der Bayern-Spieler ist ja bekanntlich sauer über seine Reservistenrolle, aber in meinen Augen hat er nicht den geringsten Grund dazu. Im Gegenteil, Kroos sollte eher in sich gehen. Was er beim letzten Test vor dem EM, dem Länderspiel in Leipzig gegen Israel, geboten hat, das war gar nichts. Für mich war er bei diesem Kick der schlechteste deutsche Spieler, und mit einer solchen Leistung bietet man sich als ein Spieler, der „auf der Kippe steht“, nicht gerade an. Aber damit sind wir schon wieder bei dem leidigen Thema Selbstkritik. Ist leider schon lange zu einer Seltenheit verkümmert, wird auch immer mehr zu einer absoluten Seltenheit.

So, zum Abschluss dann etwas, was ich bei dieser EM noch nicht gesehen habe. Und irgendwie kann ich es auch immer noch nicht glauben. War es tatsächlich so? Oder habe ich etwas verpasst? Seitenwahl beim Spiel England gegen die Ukraine. Die beiden Kapitäne begrüßen die Schiedsrichter um den Ungar Kassai. Timoschtschuk gibt den Unparteiischen die Hand, dann auch Gerrard. Die Wahl wird vorgenommen, die Münze fällt, die Seiten werden verteilt und wer Anstoß hat. Dann gibt Gerrard den fünf Schiedsrichtern noch einmal die Hand – aber Timoschtschuk nicht mehr! Er drehte ab und ging. Lag es daran, dass Timoschtschuk nur der „Ersatz-Kapitän“ für Schewtschenko war und es nicht besser kannte? Oder hatte der Bayern-Profi einfach keine Lust mehr auf diese ganze „Schüttelei“? Denn, und das konnte und kann man während dieser EM sehr gut beobachten: Schon in den Katakomben der jeweiligen Stadien geben sich die Kapitäne und die Schiedsrichter schon mal zu Begrüßung die Hände. Auf dem Platz dann noch zweimal – bis auf Timoschtschuk. Endlich einmal bringt einer den Mut auf, sich zu verweigern – und deshalb bekommt er auch garantiert keinen „Tennisarm“.

So, einen kleinen, ganz, ganz kleinen Abstecher zum HSV habe ich auch noch. In dieser Woche wird noch etwas in Sachen Vertragsverlängerung passieren – aber neue Spieler sind noch nicht in Sicht.

Dafür gibt es ein „dickes Millionen-Ding“ von einem Ex-Hamburger:
Änis Ben-Hatira soll laut Medienberichten beim Absteiger Hertha BSC vor dem Absprung stehen. Der Club Baniyas SC aus Abu Dhabi soll dem Stürmer angeblich sechs Millionen Euro für einen Vier-Jahres-Vertrag geboten haben.
Sechs Millionen. Und immer fein die schöne Sonne auf dem lockigen Haar. Wer würde da schon nein sagen (wollen)? Man muss nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

In diesem Sinne, einen fröhlichen und ruhigen EM-freien Feierabend.

18.09 Uhr

Florian Meyer war da

11. Januar 2010

Ob ich schon schreibe? So wurde hier ja schon vor Minuten gefragt. Jetzt erst, so meine Antwort, weil ich einige Stunden des Tages mit den beiden Bundesliga-Schiedsrichtern Michael Weiner und Florian Meyer verbracht habe. Nicht nur ich, da will ich nicht übertreiben, es war eine lange vorher anberaumte Veranstaltung, zu der viele Kollegen aus der Medienbranche nach Hamburg gekommen waren. Das ZDF hatte sogar die Herren Bela Rethy und Wolf-Dieter Poschmann entsandt, dazu auch die Kollegin Claudia Neumann – einen Kurzbericht von dieser Veranstaltung wird es morgen in der Heute-Sendung um 15 Uhr geben.

Mehr als 50 Menschen waren bei eisglatten Straßen gekommen, um den Vortrag der beiden Herren zu erleben. Es war informativ, es war kurzweilig, es war gut. In meinen Augen sogar sehr gut, so etwas könnte es ruhig öfter geben. Es hat allen Spaß bereitet, auch – oder vor allem (?) – den Schiedsrichtern. 42 Punkte hätten sie eigentlich gehabt, die in den vorgegebenen zwei Stunden per Video abgehandelt werden sollten, aber wir schafften in Hamburg nur so um die zwölf, 13 oder 14. Weil die lebhaften Diskussionen Zeit, zuviel Zeit kosteten.

Bei „Matz ab“ habe ich ja schon verlauten lassen, dass ich eigentlich – ohne zu schleimen – ein dicker Freund der Schiedsrichter bin, weil sie den schwersten Job von allen haben. Und ich gab auch zu, dass ich „sehr gut kann“ mit einigen „Schwarzkitteln“, mit ihnen auch per „Du“ bin. Weiner und Meyer kannte ich bislang nicht persönlich, aber sie haben auf mich einen sehr, sehr netten und keineswegs unnahbaren Eindruck gemacht. Da standen zwei Menschen vor uns, die auf ihre Art für mich wie „Kumpeltypen“ wirkten: locker, witzig, sympathisch. Ich gebe zu: Das hat mich besonders bei Michael Weiner überrascht, der auf dem Platz häufig – so sah ich das bislang – sehr knorrig, sehr herrisch, enorm humorlos und irgendwie auch wie ein Mann auftrat, der niemals Fünfe gerade sein lassen würde. Jetzt, bei dieser Veranstaltung in Hamburg, nehme ich alle diese Gedanken zurück, Weiner ist zugänglich, keineswegs arrogant, ein äußerst intelligenter Mann und humorvoll. Ich wurde nach dieser Veranstaltung um ein kurzes Interview mit dem DFB-Fernsehen gebeten und lobte dabei: „Michael Weiner war hier eine glatte Eins.“

Florian Meyer übrigens auch. Obwohl ich ihm vor Wochen, als er HSV gegen Werder pfiff, eine glatte Sechs gegeben hätte. Übrigens habe ich es ihm während der Veranstaltung gesagt, dass ich ihn zwar sehr schätze (Ihr erinnert Euch, ich hatte ihn als den besten deutschen Schiedsrichter angekündigt), dass ich ihn aber nach dem Spiel „vernichtet“ habe. Dazu stehe ich, deshalb war ich hauptsächlich da, ich wollte Flagge zeigen. Und ich denke, dass das auch ganz gut war.

Natürlich kamen wir auch zum HSV. Die erste Szene aus Hamburger Sicht war das Brutalo-Foul des Mainzers Noveski gegen Eljero Elia. Diesen Mörder-Tritt nochmals und nochmals zu sehen, das tat schon mächtig weh. Ein Wunder immer noch, dass da nicht mehr passiert ist. Und es war genau zu sehen, dass der Mainzer niemals die Absicht hatte (und haben konnte), den Ball noch zu treffen. Das ging nur auf die Knochen. Beruhigend ist zu wissen, dass diese Szene auch beim Treffen aller deutschen Spitzen-Schiedsrichter gezeigt wurde, und dass dabei alle, wirklich alle zu dem Schluss gekommen sind: „Das war Rot.“ Weiner bekannte: „Der Manuel Gräfe hat sich enorm geärgert, dass er nicht Rot, sondern nur Gelb gezeigt hat.“

Dann ging es auch zum Werder-Spiel. Die Rot-Szene von Jerome Boateng wurde gezeigt. Die Medien-Vertreter wurden zuvor mit Gelben und Roten Karten ausgestattet, dann sollten wir anzeigen, was wir beim dem Duell Boateng gegen Marin geben würden. Zu meiner großen Überraschung zogen nicht wenige Kollegen Rot. Wirklich Rot! Für mich unfassbar, aber es war so. Weiner zu Meyer: „Florian, du hast alles richtig gemacht . . .“

Hat er wirklich? Es wurde lebhaft diskutiert, ob Boateng Marin überhaupt berührt habe. Meyer hatte es so gesehen. Weiner gab aber auch zu, dass einige Bundesliga-Schiedsrichter beim DFB-Lehrgang (und beim Ansehen dieses Videos) auch nur Gelb gezogen hätten. Meyer sagte aber zu seiner Entscheidung: „Boateng hat Marin einen hundertprozentige Torchance genommen, deswegen gab ich Rot. Bei diesem Foul habe ich auch keinen Ermessungsspielraum mehr gesehen.“ Was für mich außerdem überraschend war: Beide Herren waren sich einig, wie ein elfmeterreifes Foul im Strafraum zu bewerten sein sollte. Florian Meyer: „Wir Schiedsrichter würden es befürworten, wenn es bei einem Elfmeter keine Rote Karte, sondern nur eine Gelbe Karte geben würde, denn die hundertprozentige Torchance, die vorher genommen wurde, gibt es ja durch die Elfmeter ein zweites Mal.“ Das aber hat die Fifa zu entscheiden, und nicht die deutschen Schiedsrichter.

Ich sprach Florian Meyer auch – vor versammelter Mannschaft – auf den Ellenbogenschlag von Pizarro (Werder) gegen Dennis Aogo an. Meyer hatte gepfiffen und einen Freistoß für den HSV verhängt, aber keine Karte gezogen. In meinen Augen aber war das eine Tätlichkeit, und die hätte glatt mit Rot geahndet werden müssen. Florian Meyer dazu: „Ich habe in dieser Szene nicht genau gesehen, was passiert war, denn ich hatte keine klare Sicht auf dieses Duell. Dass aber etwas war, das konnte ich sehen, und deswegen gab ich Freistoß für den HSV. Nur Freistoß, weil ich nicht auf Verdacht eine Karte ziehen wollte.“ Es ehrt ihn, wenn er es zugibt, immerhin redete er sich nicht heraus („War nicht so schlimm . . .“ Oder Ähnliches). Wenn ein Schiedsrichter mal irgendetwas nicht sieht, ist das nur menschlich, wir alle sehen ja meistens deswegen alles, weil ungefähr 40 Kameras im Stadion alles hautnah verfolgen und zeigen können.

Auf die Frage an Florian Meyer, ob es nicht ein Art „Freispruch“ für Boateng gewesen sein, mit nur einem Spiel Sperre, entgegnete der Schiedsrichter: „Es ist mir total egal, wie die Strafe ausfällt, das ist für mich völlig irrelevant. Ich entscheide auf dem Platz, alles andere ist Sache des Kontrollausschusses und des Sportgerichts.“

Interessant, sogar hochinteressant war für mich eine Erkenntnis, die ich zuvor von einem Bundesliga-Schiedsrichter so noch nie gehört hatte. Mindestens zweimal wurde an diesem Tag das Wort „Ermessungsspielraum“ benutzt, den ein Unparteiischer doch schon haben soll. Nachtigall, ick hör dir trapsen“. „Meine“ Schiedsrichter, mit denen ich, wie eingangs geschildert, „gut konnte oder gut kann“, haben mir immer gesagt, sagen noch heute: „Du musst dich mal freimachen von dem Begriff Fingerspitzengefühl. So etwas gibt es im Fußball nicht. Wir haben Regeln, an die wir uns zu halten haben, da ist kein Platz für Fingerspitzengefühl.“

Aha. Und was ist „Ermessungsspielraum“? Ist das nicht gleichzusetzen mit Fingerspitzengefühl? Meyer sagte nämlich gleich zu Beginn der Veranstaltung: „Wenn ein Spiel ganz normal verläuft, ohne besondere Vorkommnisse, ohne dass viel und brutal gefoult wird, dann kann man es auch mal bei einer Ermahnung belassen, wenn es mal ein grobes Foul gegeben hat, das normalerweise eine Gelbe Karte zur Folge gehabt hätte.“ Das ist doch, da kann ein Schiedsrichter sagen was er will, Fingerspitzengefühl, oder? Und genau dieses Fingerspitzengefühl geht vielen Herren dieser Branche doch ab. Leider. Ich habe, als ich zu dieser Veranstaltung fuhr, bei mir gedacht, warum wohl ein Schiedsrichter wie Wolf-Dieter Ahlenfelder noch heute, fast 22 Jahre nach seinem Karriere-Ende (106 Erstliga-Spiele bis 1988) , in aller Munde ist, aber Könner wie Assenmacher, Berg, Föckler, Gabor, Schmidhuber, Pauly und zum Beispiel Weber kaum noch Erwähnung finden? Die Antwort auf dies Frage gab ich mir selbst: Weil Ahlenfelder auch, ja auch (!) mit Fingerspitzengefühl pfiff, und genau das kam bei Spielern und den Fans gut an.

Die Herren Schiedsrichter wollen in Zukunft, ganz nebenbei, härter gegen die „Motzerei“, die von den Trainerbänken kommt, vorgehen. Michael Weiner: „Eine Handbewegung macht schnell Stimmung im Stadion, deswegen ist es gut, dass so etwas schon vom vierten Offiziellen eingedämmt wurde und wird. Trotz allem nahm das zuletzt zu, und es sind jetzt Grenzen erreicht – so geht es nicht weiter. Das verächtliche Abwinken nach einer vermeintlichen Fehlentscheidung ist ganz furchtbar, zudem auch das kollektive Aufspringen der Bank. Das wird in Zukunft härter geahndet.“

Zum Schluss dieses „Schiedsrichter-Reports“ sagte Weiner noch zum Thema Abseitsstellung: „Da beweist das Fernsehen oft, dass die Assistenten an der Linie falsch lagen. Da wird dann eine gedachte Linie gezogen – und: Abseits. Wir haben aber herausgefunden, dass diese Linie oft willkürlich gezogen wird, nicht selten wird sich dann vom Fernsehen an den Rasenmäherspuren orientiert, und die sind ganz sicher nicht immer gerade.“ Darauf wird also auch zu achten sein.

Ganz kurz noch zum HSV: Frank Rost hat seinen Vertrag nun auch tatsächlich um ein Jahr verlängert, schon aus Belek meldete ich ja, dass der Vertrag nun unterschriftsreif vorliege. Und als mögliche Verstärkung wird ja im Moment der Bayern-Spieler Christian Lell gehandelt. Hier bei „Matz ab“ wird er ja fast schon so vernichtet, ähnlich brutal wie ich es einst Florian Meyer nach dem Werder-Spiel tat. Im Fall Lell tut mir das weh, sage ich offen und ehrlich, denn so schlecht, wie Ihr ihn macht, ist der gute Mann nicht. Ich habe mit Kollegen aus München telefoniert, die sind ebenfalls weit weg von Eurer Meinung. Und ich kann mich erinnern, dass ich einstmals zu einem Doppelpass flog und ich mir fest vorgenommen hatte, Lell verbal in die Nähe der Nationalmannschaft zu rücken. Ernsthaft.

Jetzt müssen wir uns überraschen lassen. Kommt er, kommt er nicht? Kommt er und zeigt uns, dass er es doch kann, dann ist dem HSV geholfen. Kommt er und spielt schlecht, dann ziehe ich vor Euch den Hut. Ihr werdet es dann erleben. Ob es aber so weit kommt, bleibt vorerst abzuwarten, ich habe von einer 50:50-Chance gehört – inoffiziell.

So, nun bin ich auch am Ende, ganz zum Schluss noch vielen Dank, dass Ihr Brisko Schneider korrigiert habt. Dafür hat es aber gedauert (bis in den Montagmorgen hinein!), bis einer von Euch ermittelt hatte, dass Bernd Hoffmann beim NDR-Fernseh-Interview den HSV zurzeit auf Platz FÜNF (!) gesehen und vermutet hat. Diese zwei „Fälle“ verglichen, so finde ich, ist Platz FÜNF ein wenig schwerwiegender. Aber Bernd Hoffmann hat ja auch gesagt, dass er zum Schluss der Saison besser stehen möchte, als jetzt. Also müssen wir doch jetzt von Platz drei und besser ausgehen, oder?

17.43 Uhr

Lieber Florian Meyer . . .

21. Dezember 2009

Lieber Florian Meyer,

das ist ein offener Brief. Jeder Mensch hat mal einen schlechten Tag. Sie, Herr Meyer, haben das am Sonntag aus nächster Nähe gesehen. Die Bremer Prödl, Marin und Hunt haben anfängerhaft hundertprozentige Torchancen vergeben, weil sie  aus vier, fünf Metern das HSV-Tor verfehlt haben. Diese Werder-Profis hatten also eindeutig einen schlechten Tag. Solche Tage gibt es. Und solche Tage kenne ich natürlich auch. Die kennt wohl jeder von uns. Und Sie, Herr Meyer, kennen einen solchen Tag nun auch, wenn Sie nicht vorher schon gelegentlich einen schlechten Tag hatten.  An diesem Sonntag aber hatten Sie ganz sicher einen grottenschlechten Tag. So schlecht, da bin ich ganz ehrlich, habe ich Sie noch nie gesehen. Noch nie. Was war nur los? Sie wirkten so, als würden Sie zum ersten Mal ein Spiel der Ersten Bundesliga pfeifen. So oft daneben wie diesmal lagen Sie und Ihre Herren an den Seiten wohl noch nie.

Ich hoffe sehr, dass Ihnen das auch vom offiziellen Schiedsrichter-Beobachter, wenn ich mich nicht irre, war es der Herr Siegfried Kirschen, deutlich gesagt wurde. Wenn nicht, würde ich, das sage ich ganz offen, die Fußball-Welt nicht mehr verstehen.

Herr Meyer, was war das bitte für eine Rote Karte, die Sie dem HSV-Spieler Jerome Boateng unter die Nase gehalten haben? „Diese Karte war ein Witz“, so hat es Matthias Sammer im Fernsehen ausgedrückt. Und Sammer hat durchaus ein bisschen Ahnung vom Metier. Ich gehe noch weiter als Sammer, ich sage: Diese Karte war ein Skandal. Ein Wahnsinn. Und mit dieser Ansicht stehe ich ganz sicher nicht allein. Nach dem Schlusspfiff gab es viele Menschen, die ob Ihrer Leistung, Herr Meyer, bestürzt und total sauer waren. Ich sah Menschen, die nur noch die Köpfe schüttelten. Wenn solche Roten Karten in Zukunft in der Bundesliga Mode werden würden, dann gute Nacht, lieber deutscher Spitzen-Fußball. Dann muss eigentlich nie wieder eine deutsche Mannschaft auf internationalem Parkett auflaufen, denn dort wird ja nur dann eine Karte (Gelb oder Rot ist egal) verteilt, wenn es einen offenen Bruch gegeben hat. Ich weiß, ich übertreibe, aber ich übertreibe bewusst, denn was ist das bitte für eine Pfeiferei in der Bundesliga, und was in der Champions und Europa League? Das müssen Sie, Herr Meyer, wenn Sie Ihre sonntägliche Leistung von Hamburg ganz nüchtern und objektiv beurteilen, doch zugeben.

Für mich ist es leider auch ein kleiner Skandal, dass nach den Regeln der Fifa jede Rote Karte automatisch eine Sperre nach sich ziehen muss. So war es früher jedenfalls, und mir ist nicht bekannt, dass sich daran etwas geändert hätte. In diesem Punkt sich die alten Herren wohl immer noch einig. Wäre es nicht so, würde ich im Fall Boateng ganz eindeutig auf Freispruch plädieren. Aber das wird (m)ein Wunsch bleiben. Schade eigentlich. Denn Menschen haben ja nicht nur mal einen schlechten Tag, sie können ja auch gelegentlich irren. Und dass das dann von Amts wegen nicht korrigiert werden darf, ist fast schon tragisch zu nennen.

Ich war, das muss ich Ihnen einmal kurz sagen, schon als Spieler (habe es leider nur bis zur Verbandsliga gebracht) und als Trainer (nur zur Landesliga) immer ein Freund der Schiedsrichter. Auf dem Spielfeld hat es zwar mitunter richtig gekracht, da ging es rund, da gab es auch einige lautstarke Auseinandersetzungen, da gab es auch pro Jahr einen Platzverweis – aber nach fast jedem Spiel waren selbst die lautesten Ausfälle vergessen. Da gab es einen versöhnlichen Händedruck, eine kurze und freundschaftliche Aussprache – und dann war es wieder gut. Auch als Berichterstatter habe ich in früheren Jahren kaum über Schiedsrichter geklagt, auch höchst selten etwas Böses geschrieben (Ausnahme Hoyzer). Weil ich der Meinung war, dass auch die Unparteiischen – wie jeder Spieler und Trainer – Fehler machen dürfen, denn sie haben ein besonders schweres Amt – das schwerste wohl überhaupt im Profi-Sport.

Herr Meyer, ich habe mit der Zeit viele Ihrer Kollegen aus der Bundesliga persönlich kennen lernen dürfen, ich habe diese Männer auch stets zu schätzen gewusst. Mit einigen bin ich, ich wollte gerade sagen befreundet, aber das wäre zuviel gesagt, aber wir sind immerhin gut bekannt und per Du. Sie, Herr Meyer, habe ich bislang nicht persönlich kennen gelernt, aber ich schätzte Sie stets aus der Ferne. Sie sind für mich der Gentleman unter den deutschen Schiedsrichtern. Und Sie waren für mich bislang auch der beste Mann, die Nummer eins Ihrer Zunft. Wahrscheinlich sind Sie es auch immer noch, denn einen schlechten Tag kann ja jeder, wie eingangs schon geschrieben, einmal haben. Ich werde morgen, drei Tage vor Heiligabend, darüber ganz genau nachdenken, im Moment aber bin ich immer nur noch fassungslos, was Sie für einen schlechten Tag in Hamburg erwischt haben. Aber daran ist ja jetzt ohnehin nichts mehr zu ändern.

Ich stehe ja mit meinen Eindrücken von Ihrer Spielleitung nicht allein auf weiter Flur. Etliche Kollegen haben sich wesentlich drastischer ausgedrückt, als ich jetzt. Und viele VIP-Fans in der Nordbank-Arena schilderten mir nach dem Spiel ihren Kummer. Es war schon mehr ein Klagen: „Der HSV musste mit zehn Mann gegen zwölf spielen.“ Und: „Der HSV hat in dieser Saison immer das Pech, dass er die schlechtesten Schiedsrichter ertragen muss.“ Ich aber glaube nicht, dass das Pech ist. Ich glaube vielmehr, und das ist jetzt ganz hart für Sie und Ihre Kollegen, dass die deutschen Schiedsrichter im Moment ein kleines (oder auch schon größeres) Leistungstief durchlaufen. Es gibt keinen Hellmut Krug, keinen Markus Merk, keinen Herbert Fandel mehr, und das merkt man. Ganz deutlich sogar. Da ist viel Qualität in Rente geschickt worden.

Ich werde im Jahre 2010 30 Jahre HSV-Reporter sein, habe also schon einige Bundesliga-Begegnungen erleben dürfen. Eine solche Phase an schwachen Schiedsrichter-Leistungen, auch das sage ich ganz ehrlich, habe ich aber noch nie erlebt. Und das halte ich für sehr bedenklich. Läuft da etwas schief? Ich glaube ja. Aber ich weiß nicht, wie man es beheben kann? Stehen die deutschen Schiedsrichter zu sehr unter Druck? Weil es zu viele Fernsehkameras in den Stadien gibt, die jeden Fehler gnadenlos analysieren und entlarven? Oder auch deshalb, weil viele Spieler unter die Schauspieler gegangen sind, weil sie  nicht mehr ehrlich und fair sind, sondern mit allen auch unerlaubten Mitteln den Erfolg wollen, selbst wenn diese Mittel noch so verwerflich sind?

Als ich die Trainer-Lizenz erwarb, musste ich auch den Schiedsrichterschein „machen“. Ich fand sogar Gefallen daran, Spiel zu pfeifen. Und ich habe einmal, schon als Reporter für Amateurspiele, ein Kreisliga-Punktspiel gepfiffen, weil keine Schiedsrichter erschienen waren. Ich stellte bei diesem Spiel einen Spieler der Heimmannschaft vom Platz, die Gäste-Elf gewann 4:1. Und trotzdem erhielt ich Lob vom Verlierer. Es hieß sogar wörtlich: „Sie können nächste Woche wieder kommen und unsere Liga pfeifen, das war okay, sogar sehr okay.“ Ich schreibe Ihnen das, weil ich damit bekräftigen möchte, dass ich eigentlich schon immer ein Herz für Schiedsrichter hatte und immer noch habe. Und das ich Verständnis dafür habe, wie schwer Sie und Ihre Kollegen es in diesen Zeiten voller (Übertragungs-)Technik haben. Dennoch muss ich Ihnen sagen: Als kurz vor Schluss der Bremer Frings den Hamburger Tomas Rincon umtrat, standen Sie, Herr Meyer, drei Meter daneben. Und sahen dennoch nichts. Es war ein klares Foul, aber Sie unterbanden das Spiel nicht. Das war, wie etliche andere Szene, schwach von Ihnen.

Nach einem solchen Spiel  schießt mir  der Gedanke durch den Kopf, dass es sich etliche Schiedsrichter selbst oft sehr schwer machen. Sie Herr Meyer nehme ich einmal davon aus, weil ich eigentlich ein “Fan” von Ihnen bin. Andere Kollegen von Ihnen aber pfeifen teilweise wie Roboter. Eiskalt, ohne jede menschliche Regung. Da ist kein sportliches Miteinander zu erkennen, da läuft alles unnahbar nach Schema F ab. Und? Ist das ein vernünftiges Klima unter Sportlern? Und ist das ein Klima, das die Schiedsrichter haben wollen, das sie so auch schätzen?

Ich behaupte mal nein. Wobei kein Spiel zu einer Plauderstunde ausarten soll, aber öfter einmal ein freundliches, nettes Wort zur richtigen Zeit (!) würde sicher helfen, das Eis auf dem Rasen und damit auch im Stadion zu brechen. Und ich glaube fest daran, dass man so als Schiedsrichter auch bessere Leistungen bringen kann. Wobei ich genau weiß, dass viele Spitzen-Schiedsrichter das bekannte Wort Fingerspitzengefühl ablehnen, doch es gibt einige Herren der Zunft, die sich sehr wohl dieses Wortes bedienen. Ich habe Ihnen, Herr Meyer, dieses Wort auch oft genug unterstellt. Ein Fehler?

Sie, Herr Meyer, waren für mich nie ein Roboter. Sie ließen bei Ihren Spielleitungen meistens auch den Menschen Florian Meyer erkennen – so weit Sie es vertreten konnten. Die Art hob (und hebt) Sie von den meisten Ihrer Kollegen so wohltuend ab. Und ich hoffe auch, dass Sie künftig Ihrer Linie treu bleiben werden, denn sonst würde Deutschland noch einen guten Schiedsrichter weniger haben.

Aber Sie sollten sich Ihr Spiel von Hamburg, die Partie HSV gegen Werder Bremen vom 20. Dezember 2009, auch ruhig noch einige Male anschauen und dann in sich gehen. Und nur für sich, ganz allein für sich befinden, dass das eine Schiedsrichter-Leistung war, die auch Sie ein wenig ins Grübeln bringt. Kommen Sie allerdings nicht zu dieser von mir erhofften Erkenntnis (und Selbstkritik), dann würde ich ernsthaft an meinem Fußball-Verstand (ich sage extra nicht Fachverstand) zweifeln.

Der HSV hat gewonnen. Also Ende gut, alles gut. Aber, Herr Meyer, so denke ich nicht. Sonst würde ich diese Zeilen auch nicht schreiben. Ich habe schon vielen Ihrer Kollegen ein Lob erteilt (erteilen dürfen), selbst dann, wenn der HSV das Spiel verloren hatte. Ich möchte, das war und ist stets mein Bestreben, die Leistung eines Unparteiischen immer fair und objektiv bewerten. Und genau deshalb schreibe ich Ihnen diese Zeilen. Fair und objektiv betrachtet muss ich Ihnen diesmal eine ganz schlechte Leistung attestieren. Was ja durchaus mal passieren kann. Pech war für mich nur, dass ich Sie am Tag vor dem Spiel noch als besten Schiedsrichter Deutschlands angekündigt hatte. Ich schrieb, dass ich gerade deswegen von einer Top-Leistung des 23. Mannes überzeugt bin, weil „der Herr Meyer dieses stets brisante Nordderby pfeift“. Und dann das. Das war Pech. Für mich. Und für Sie.

Für den HSV und Hamburg ist es, wie gesagt, gerade noch einmal gut gegangen, es ging mit einem 2:1-Sieg in die Winterpause. Die Frage ist für mich: Ist es auch für Sie gut gegangen? Ich sehe das als wahrscheinlich an, denn früher hieß es ja schon immer (als ich noch Spieler und Trainer war), dass sich unter den Schiedsrichtern nicht gegenseitig in den Rücken gefallen wird. „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“, so hieß es unter uns Fußballern. Diesmal allerdings hoffe ich, dass Sie vom früheren DDR-Schiedsrichter Kirschen doch ein wenig „auf dem Pott gesetzt“ wurden, denn da waren doch einige Fehler zuviel mit im Spiel.

Wenn Sie denn aber daraus lernen, Herr Meyer, dann hat sogar ein solcher Auftritt wie der in Hamburg noch seine gute Seite. Ich hoffe es für Sie. Und für die Bundesliga. Und ich drücke Ihnen auch die Daumen, dass Sie in Ihrer bislang schon großartig verlaufenen Karriere noch weiter, noch bis ganz nach oben an die Spitze gelangen. Das hätten Sie als Gentleman der deutschen Schiedsrichter schon verdient. Ganz objektiv gesagt. Und trotz Ihrer Leistung vom Sonntag.

Ein schönes und stressfreies Fest wünsche ich Ihnen. Und für 2010 alles Gute, viel Erfolg – und bleiben Sie gesund.

Mit freundlichen Grüßen,
Dieter Matz vom Hamburger Abendblatt.

(der auch in Zukunft ein Freund der Schiedsrichter sein möchte – wenn sie ihn nach einem solchen Brief dann immer noch lassen)

PS: Geschrieben in der Nacht von Sonntag auf Montag, 1.58 Uhr. Weil immer noch an dieses Spiel und diese Leistung denkend

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