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Fink, Teil 1: “Mir haben alle vom HSV abgeraten – jetzt wissen sie es besser”"

28. Dezember 2012

Ein Weihnachtswunsch hat sich bei mir bereits erfüllt: Dass hier im Blog weiterhin so fleißig Theorien entwickelt werden, wie Dieter und ich arbeiten und arbeiten sollten. Nicht, dass es mich erfreut, wenn mir jemand unsauberen Journalismus unterstellt. Allerdings stört es mich auch nicht mehr, weil ich inzwischen einzuschätzen weiß, warum hier einige die – mal diplomatisch formuliert – „überraschendsten“ Verschwörungstheorien auftischen. Normalerweise wollte ich hier ein „Best of“ machen. Denn davon gab es einige sehr kreative Formen. Aber ich beschränke mich mal auf die Top-Theorie, die da heißt: Dieter und ich schützen alle unsere Informanten mit Hofberichterstattung.

Eine These, die sich klar belegen lässt. Immerhin haben wir über Wochen und Monate die Einkaufspolitik kritisiert, was so gut wie alle Führungskräfte beinhaltet. Deshalb haben wir fast jeden Spieler mindestens einmal heftig für seine Leistungen kritisiert, ebenso wie den kompletten Aufsichtsrat. Wir haben den Vorstand für seinen Sparkurs kritisiert und in Mithaftung bei der zu schlechten Kaderzusammenstellung 20112/2012 sowie bis van der Vaart auch in dieser Saison genommen. Erst am Donnerstag habe ich Jarchow unterstellt, er hätte den Verein fast kaputtgespart und erst nach dem Fehlstart den allseits geforderten Verstärkungen zugestimmt. Dass er am Ende in der Transferabwicklung Rafael van der Vaarts neben Joachim Hilke eine wesentliche Rolle einnahm –Hofberichterstattung! Was sonst?

Wobei, das ebenso schöne wie in diesem Fall schwierige an geschriebenen Texten ist, dass der Leser keine Tonlage definitiv bestimmen kann. Er kann nur mutmaßen. Und das führt zu Missverständnissen. Oft wird so Ironie nicht erkannt oder gar mit Beleidigt sein verwechselt. Und wenn ich das dann nachträglich erkläre, heißt es noch, ich entschuldige mich – womit ich im Fall der Fälle nicht einmal ein Problem hätte.

Aber gut, die auch diesmal von mir nett gemeinte Einleitung werden hier einige verreißen wollen. Sollen sie. Aber den anderen 99 Prozent objektiven Bloggern sei gesagt: ich bin nicht mal einen Hauch beleidigt. Überhaupt nicht, sondern ganz im Gegenteil: Ich mag Diskussionen, vor allem über Fußball – so lange sie zielführend sind. Und das sind sie in diesem Blog eigentlich fast immer. Nur eben manchmal nicht – dann treiben sie die wahnwitzigsten Blüten und sind eher komisch. Im witzigen, unterhaltsamen Sinn. Immerhin wurde uns so schon das eine oder andere nette Verhältnis angedichtet, über das ich schmunzeln konnte.

Heute hätte ich demnach ein besonderes Verhältnis zu Thorsten Fink. Morgen auch noch, da ich das aufgezeichnete Gespräch in zwei Teilen hier reinstellen will, um möglichst wenig Worte des Trainers kürzen zu müssen und Euch trotzdem nicht mit sonst rund 1000 Zeilen sprichwörtlich zu erschlagen.

Aber zurück zum Gespräch. Um 19 Uhr Ortszeit habe ich den HSV-Trainer heute in seinem Dubai-Urlaub erreicht. Dort weilt er mit seiner Familie – und mit Nicholas MacGowan, der sich um die Gestaltung des Trainingslagers Anfang Januar kümmert. „Uns fehlen noch ein paar Testspiele, die ich unbedingt haben möchte“, sagt Fink, der diesen Wunsch vor Wochen auch Joachim Hilkes rechter Hand MacGowan mitgeteilt hatte. Am 2. Januar geht es für acht Tage nach Abu Dhabi. Am 9. Januar geht es an noch unbenannter Stelle gegen Gladbach. Zwei weitere Spiele sind noch nicht fix. „Nicholas wird das schon machen“, ist Fink um Ruhe bemüht, obgleich es nur noch eine Woche bis zum Trainingslager ist.

Zumal der HSV ansonsten früh dran ist. Früher als alle anderen Bundesligisten beginnt der HSV bereits am Sonntag um 15 Uhr mit seiner Vorbereitung. Dann geht es an der Imtech-Arena zu den Laktattests. Warum der HSV vergleichsweise früh beginnt? „Weil ich glaube, dass wir diese Zeit brauchen werden“, sagt Fink. „Wir können so die Laktattests absolvieren und schauen, ob noch Nachholbedarf besteht. Sollte das so sein, können wir auch die entsprechenden Läufe vor dem Trainingslager einstreuen und so ab dem 2. Januar an den Ball. Aber ich halte es generell für sehr gut, wenn man zwei tage früher als alle anderen beginnt. Das ist gut für das Gewissen der Spieler, von uns Trainern und es zeigt, was hier auf dem Plan steht: unsere Weiterentwicklung.“

Immerhin hat der HSV noch große Ziele. Mindestens die Punktzahl aus der Hinrunde soll es werden, hatte Sportchef Frank Arnesen gesagt. 48 Punkte wären das demnach mindestens, was im letzten Jahr immerhin für Platz sieben und somit zur Europa-League-Quali gereicht hätte. Wäre ja nicht das Schlechteste, oder?

Aber zurück zur Realität. Und die sieht den HSV auf dem zehnten Tabellenplatz mit zwölf Punkten Vorsprung zur Abstiegszone und nur zwei Punkten Rückstand auf die internationalen Ränge. Eine Ausgangslage, die zu Träumereien verführt, die aber allemal genug Motivation für die HSV-Profis darstellen sollte. „Das auf jeden Fall, sagt Fink, der sich ansonsten nicht zu großen Zielen äußern will. „Das wurde schon mal falsch gemacht. Es bringt ja auch nichts, viel zu reden. Wir müssen arbeiten. Und das immer etwas mehr als die Gegner. Wenn wir das dann gut machen, dann werden wir uns am Ende tabellarisch belohnen.“

Klar. Dennoch wollte ich von Fink zum bald ablaufenden Jahr 2012 auch ein paar klare Aussagen und formulierte Erkenntnisse. Deshalb habe ich ihn Sätze vollenden lassen. Los geht’s:

Mein schönster Moment 2012 war…
…als endgültig feststand, dass wir die Klasse gehalten hatten. Denn ich wollte hier nicht der Erste sein, der als Trainer mit dem HSV absteigt. Und dieses Risiko war ich bei Amtsantritt eingegangen. Damals hatten mich fast alle meine Bekannten und Freunde gewarnt, dass ich mir meine Zukunft verbaue, wenn ich die schwierige Aufgabe HSV übernehmen und scheitern würde. Alle sagten, ich hätte bei Basel doch alles, was ich brauchte. Vor alle Erfolg und einen sicheren Stand. Aber ich wollte noch nie den Weg des geringsten Widerstandes. Im Gegenteil, die Aufgabe hat mich von Anfang an tierisch gereizt. Ich sage immer: Wasser, das steht, das fault und stinkt irgendwann. Und die Mannschaft und wir Verantwortlichen haben mir am Ende Recht gegeben. Wir haben die Klasse gehalten. Und das war Erleichterung, Glückseligkeit und Genugtuung zugleich. Ein irres Gefühl. Privat hatte ich einige schöne Momente. Aber der schönste war, dass diesmal alle meine Lieben von schweren Krankheiten verschont geblieben sind. Denn das ist und bleibt das Wichtigste in meinem Leben. Nicht zuletzt der tragische Zwischenfall in der Familie Marcus Bergs hat mir gezeigt, wie schnell alles gehen kann und wie unwichtig plötzlich alles wird.

… das überraschendste Spiel 2012 war…
…für mich unser Sieg in dieser Saison gegen Dortmund. Nach 32 Spieltagen waren es ausgerechnet wir mit unseren null Punkten, die sie packen konnten. Das hatte ich bei allem damaligen Optimismus so nicht erwartet. Aber unsere Offensivpower hat uns den Erfolg gebracht. Generell geantwortet würde ich einige Spiele vom BVB nennen, die mich positiv überrascht haben. Eigentlich fast alle, die sie in der Champions-League-Gruppenphase gespielt haben. Nicht, dass ich es ihnen nicht zugetraut hätte, aber ich hätte nicht damit gerechnet, dass der BVB eine so hammerharte Gruppe so dominiert. Respekt! Das hat mir imponiert.

…das beste Spiel 2012 war…
…für mich unser Spiel gegen Schalke. Damals haben wir an der einen oder anderen Stelle taktisch nachjustiert und am Ende ein sehr gutes Spiel abgeliefert. Und obwohl wir Schalke sicher zum richtigen Moment hatten – immerhin haben sie anschließend nichts mehr auf die Reihe bekommen –, aber so abgeklärt und mit Spielfreude stelle ich mir unser Spiel immer vor. An dem Tag hat fast alles perfekt gepasst und nicht nur mir gezeigt, wozu wir schon jetzt in der Lage sind.

…den größten Fortschritt 2012…
…hat sicherlich die Verpflichtung von Rafael van der Vaart bewirkt. Allein sein Kommen hat hier einen allseitigen Positivtrend entfacht. Das war bei meiner Ankunft mit acht Spielen oder Niederlage auch schon so ähnlich, aber eben noch mal eine Stufe krasser. Rafael war eine definitiv sehr bedeutende Verpflichtung. Er hat die Wende maßgeblich mit eingeleitet. Vor allem auch, weil er als Mannschaftsspieler funktioniert. Er integrierte in Millisekunden und wusste bei seinen Kollegen menschlich zu gefallen. Er lebt Teamwork vor und nimmt sich einfach nicht zu wichtig. Obwohl er bekanntermaßen überragende Fähigkeiten besitzt, arbeitet er oft härter als die anderen. Er ist eine rundum positive Erscheinung für die Mannschaft, für den HSV – und natürlich für mich als Trainer.

… die größte Überraschung bei den Spielern war…
…sicherlich Tolgay Arslan im positiven Sinne. Wie er bei Rafas Verletzung nach zuvor guten Leistungen in die Bresche gesprungen ist war aller Ehren wert. Das zeigt mir, was wir von ihm sogar noch erwarten können. Er ist der Shootingstar, während ich bei Milan Badelj weniger von seinen gezeigten Leistungen denn von seinem Tempo beeindruckt war. So schnell wir er sich hier eingefunden und seine Bedeutung für die Mannschaft unter Beweis gestellt hat – damit hatte ich nicht gerechnet. Zumal er vorher schwierige Champions-League-Quali-Spiele hatte und die Anpassung an die deutlich bessere Bundesliga für ihn als Kroaten sicher nicht leicht war. Aber inzwischen ist er so etwas wie das Gehirn im Mittelfeld. Er ist auf jeden Fall der Spieler, der unser Spiel von hinten raus leitet, unsere offensiven Mittelfeldspieler mit exakten Pässen versorgt und unserem Aufbauspiel so neue Qualität verleiht. Von Anfang an.

So, das soll es für den Anfang gewesen sein. Morgen folgt Teil 2 des Fink-Gesprächs, in dem der Coach darüber spricht, wann der HSV wieder Meister wird, was und wer ihn 2012 am meisten enttäuscht hat, was Lionel Messi mit dem HSV zu tun hat und, und, und…

In diesem Sinne, bis morgen! Habt ’nen schönen Restfreitag und schaut Euch doch noch Dieters sehr launige Neujahrsansprache an!

Scholle

Messi ist wieder fit – Uwe Seeler sorgt sich

30. Juli 2012

Messi hat es wieder getan. Er hat gespielt. Tatsächlich. Das Hämatom ist überstanden, das Hämatom ist kein Thema mehr, das Hämatom war offenbar nur für Hamburg und den HSV ein kurzes Thema. Hier der Beweis einer „Wunderheilung“:

„Weltfußballer Lionel Messi hat sich nach einer verletzungsbedingten Pause eindrucksvoll zurückgemeldet. Der 25-Jährige steuerte ein Dreierpack (34./37./45.) zum 8:0-Kantersieg des FC Barcelona gegen den marokkanischen Klub Raja Casablanca bei. Wegen einer Wadenprellung hatte Barca-Coach Tito Vilanova am Dienstag gegen den Hamburger SV (2:1) auf Messi verzichtet.“

Was hat Casablanca, was Hamburg nicht hat? Auf jeden Fall viel Pech für den HSV und für die HSV-Fans. Kurios, dass nur Tage nach der HSV-Pleite auch Hertha BSC von Italienern vorgeführt wurde – denn Juventus Turin schickte zur Hertha-Feier ebenfalls nur sein B-Team in die deutsche Hauptstadt. Ich bin gespannt, wie lange sich die Vereine, die so an der Nase herumgeführt werden, sich das noch gefallen lassen.

Ja, ich gebe zu, der Stachel „FC Barcelona II“ sitzt bei mir immer noch tief. Weil ich auch einige Enttäuschte in meinem Bekannten- und Freundes-Kreis habe, die ebenfalls immer noch sauer sind. Und davon muss es ja in der Stadt ja noch so viele Fans geben, die nach wie vor enttäuscht sind. Ich sprach in diesen Tagen mit Dieter Roth, zweiter Vorsitzender des TSV Wandsetal. Von der Liga hatten sich gleich einige Spieler eine Karte für HSV gegen Barcelona gekauft – weil sie einmal in ihrem Leben Messi live sehen wollten. Einmal. Und dafür verzichteten sie dann auch alle auf ein Testspiel des TSV gegen Börnsen. Die Quittung kam prompt, beim Oddset-Pokalspiel griff TSV-Trainer Mike Breitmeier auf andere Spieler zurück, die „Messis“ blieben außen vor. So kann es dann auch mal gehen . . . Immerhin können alle behaupten: „Ich habe das Spiel gesehen, in dem Messi fast mitgespielt hätte.“

So, anderes Thema, der HSV ist im schwedischen Urwald, kämpft ums Überleben. Bis morgen geht das noch sah, am Abend kehrt die Truppe (hoffentlich vollzählig) zurück. Und weil die Mannschaft unerreichbar ist, habe ich heute mal in meiner Post „gewühlt“. Ich möchte euch heute eines jener Schreiben zugänglich machen, die mich jeden Tag privat erreichen:

„Sehr geehrter Herr Matz!

Mein Name ist Ralf H., ich lebe in Essen und bin HSV-Mitglied!

Schreiben ist ihr Beruf, deshalb müssen sie jeden Tag etwas schreiben. In der nun langsam ablaufenden Sommerpause fällt mir auf, dass sie sich für eine Verpflichtung von R.v der Vaart erwärmen könnten.-Was soll der HSV mit einem Spieler, der den Verein schon mal stehen gelassen hat und der offensichtlich nicht will, oder nur, wenn sein Gehalt den Mangel seiner Begeisterung für den HSV ausgleichen würde! – ?

Im heutigen Blog ist eine hintergründige Stimmung gegen F. Arnesen zu spüren. Was meinen sie, wie viele bessere Sportdirektoren beim HSV in der Warteschleife stehen? Allein, dass er Guerrero losgeschlagen hat, ist eine Erlösung für den HSV. Ein Spieler, der dem Verein, speziell durch seine Tätlichkeit in der letzte Saison schwer geschadet hat, diesbezüglich veharmlosende Äusserungen von sich gegeben hat, der 4,5 Millionen p.A. verschlungen hat…

Ihre vorauseilende Kritik an Rudnevs? In ihrem Artikel steht mit anderen Worten: Der trifft das Tor nicht! Haben sie sich mal den Werdegang der Herren Blasykowsky, Pisczek und Lewandowsky beim BVB zu Gemüte geführt? Nein? Schade! An einem polnischen Torschützenkönig schon im Vorfeld herumzumäkeln…?

Ich lese ihre Blogs sehr gern, aber im Unproduktiven herumzuorakeln, fänd ich nur gut, wenn ich so ein bisschen Stimmung gegen den Verein machen wollte!

Herzliche Grüße aus Essen! Ralf H.“

Lieber Herr H.,

vielen Dank für Ihre kritischen Zeilen. Ich bin auch HSV-Mitglied. Glauben Sie mir bitte, es gibt bei „Matz ab“ viele, viele User, die das genau andersherum sehen. Sie haben Ihre Meinung, und zwar hundertprozentig („So muss es sein, so ist es – ich weiß das ganz genau!“), andere User haben aber genau die gegenteilige Meinung davon. Und sind auch hundertprozentig davon überzeugt, dass sie richtig liegen – und zwar hundertprozentig. Das ist doch mein täglich Brot.

Wenn ich hier zum Beispiel schreibe:
„Der HSV ist der beste Klub der Welt, er hat in der vergangenen Saison nur ein bisschen Pech gehabt, sonst wäre er noch in die Europa League gekommen . . .“ Dann schreien 500 „Matz-abber“ vor Freude auf und feiern mich, und die anderen 500 wünschen mich zum Teufel und vernichten mich.

Nehmen Sie mal allein „Ihren Fall van der Vaart“. Tausende würden den „Raffa“ gerne wieder beim HSV sehen – als Spieler. Sie nicht – das ist Ihre Meinung. Andere wollen van der Vaart auch nicht, aber natürlich gibt es auch hier wieder Hälfte-Hälfte. Und wenn Sie mir unterstellen, dass ich ihn gerne hier haben wollte, so ist das auch nur eine Unterstellung von Ihnen. Wissen Sie ganz genau, was und wen ich will? Ich bin da nämlich völlig neutral. Käme van der Vaart, dann hätte der HSV auf jeden Fall einen „Zehner“ der es kann – es könnte. Kommt er nicht zurück, dann ist auch gut. Dann holt der HSV eben einen anderen „Zehner“, wo ist das Problem? Ich kann es doch ohnehin nicht beeinflussen. Oder glauben Sie, dass F. Arnesen mich erhören würde, wenn ich van der Vaart zurück haben wollte?

Und wenn Sie hier eine Stimmung gegen F. Arnesen spüren, dann kann ich nichts dafür. Sie spüren etwas, was ich nicht so spüren kann. Dass man als Journalist einige Dinge hinterfragt, ist doch logisch. Wo ist der HSV im Sommer 2012 noch gelandet? Wenn ich nicht irre, auf Rang 15. Die schlechteste Platzierung der HSV-Bundesliga-Geschichte. Wenn man da nicht gewisse Dinge durchleuchtet, wann denn dann? So darf es doch wohl nicht weitergehen.

Und zu Rudnevs habe ich zuletzt alles geschrieben. Wenn Sie lesen, dass dort mit anderen Worten „trifft das Tor nicht“, dann ist es wohl so. Wenn ich seine Chancen gegen Norderstedt aufzähle, kann ich die ja nicht nachträglich in Tore ummünzen. Schießt er daneben, dann ist der Ball im Aus. Dann war es offenbar kein Tor. Darf ich das nicht mal aufzählen? Zumal dann, wenn mir vorgehalten wird, ich würde ihn schon jetzt, ohne Bundesliga-Spiel, vernichten. Vorbei ist vorbei, so ist es nun einmal. Oder soll ich es das nächste Mal weglassen? Warten Sie es nun mal ab, wie sich Rudnevs entwickelt – und ich warte auch ab. Dann werden wir bei passender Gelegenheit ein Resümee ziehen. Okay?

Die Frage allerdings, was Sie bislang schon an fußballerischen Dingen von Rudnevs gesehen haben, was Sie kennen oder wissen – die hätte ich schon gerne mal gestellt. Aber gut, manchmal klappt das ja auch vom Sofa aus, auch das gibt es ja zigfach . . .

Und noch zu einem anderen interessanten Thema. Sie, Herr H., schreiben oben:

„Was meinen sie, wie viele bessere Sportdirektoren beim HSV in der Warteschleife stehen?“

Meine Antwort: Tausende. Die wollen alle diesen Job . . .

Und ganz ehrlich: Fragen Sie doch auch einmal, wie viele Vorstands-Vorsitzende den Job von Carl-Edgar Jarchow haben wollen?
Tausende! Wollten den mal haben . . . Jetzt aber, wo der HSV nicht mehr im Geld zu schwimmen scheint, nicht mehr ganz so viele.
Und? Was können Sie hier nicht jeden Tag an Meinungen der User lesen? Allgemeiner Tenor: „Raus mit Jarchow!“ Was für ein Blödsinn! Das ist meine Meinung zu diesem Thema.
Andere wissen es aber viel besser als ich. In der Anonymität des Internets weiß ohnehin jeder mehr und viel – und alle können es selbstverständlich noch viel besser. So ist das nun mal.

Sie können aber ganz sicher sein: Sollte F. Arnesen eines Tages den HSV verlassen (verlassen müssen, sollen, freiwillig gehen), so wird der HSV nicht untergehen, denn dieser Aufsichtsrat wird dann mit Sicherheit eines fernen Tages noch einen neuen Sportchef finden. Mir zum Beispiel würden da schon sofort einige Namen einfallen, will aber gar nicht, dass darüber spekuliert wird – denn F. Arnesen bleibt ja. Ende und aus die Maus.

Anderes Thema:
Von „we are family” kam ein interessanter Beitrag, auf den ich kurz einmal eingehen möchte:

„Schon gestern stand auf der Homepage von UD Las Palmas “….. a costa cero”. Auch auf transfermarkt.de steht “ablösefrei”. Wenn das stimmt, spart der HSV lediglich das Gehalt eines 21-jährigen, der seinen Profivertrag im
Sommer 2008 bekam. Da wird er wohl eher im unteren Viertel der gezahlten Spielergehälter liegen.
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Ich kann das nicht nachvollziehen. Chrisantus hatte noch Vertrag bis 2013. Man hätte ihn doch das erste Mal beim HSV eine komplette Vorbereitung machen lassen können. Die U23 soll möglichst aufsteigen und hat mit Bertul
Kocabas den Topscorer an einen türkischen Erstligisten abgegeben. Kelbel ist zur Zeit noch verletzt.
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Warum lässt man ihn nicht wenigstens die Hinrunde in der U23 spielen und teilweise bei den Profis mitrainieren, um sich wirklich mal ein Bild vom ehemaligen “Jahrhunderttalent” zu machen?
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Ablösefrei hätte man ihn auch im Winter oder im nächsten Sommer abgeben können. Beim KSC und beim FSV Frankfurt hat er immerhin jeweils 8 Tore in der Saison erzielt, obwohl er in 2 Saisons nur auf 25 Spiele über die volle Distanz kam und beide Teams gegen den Abstieg spielten – bei beiden Teams damit sicherlich auch die notwendige Qualität der Mitspieler fehlte. Der Kerl wird im August gerade mal 22 Jahre alt! Da wechselte ein Huntelaar gerade aus der 2. holländischen Liga in die Ehredivisie.
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Wann bekommt beim HSV ein junger Spieler wirklich mal das Vertrauen und wird beim HSV weiterentwickelt und nicht in Mainz, Leverkusen, Rennes oder auf den Kanaren?“

Gute Frage. Auf dieses HSV-Talent (oder sogar Talente!) warte ich auch seit Jahrzehnten. Da läuft schon lange, lange ganz sicher sehr viel falsch. Beim FC Bayern spielen in einem Champions-League-Halbfinale (!) neun Spieler mit, die aus der eigenen FCB-Jugend kommen, und beim HSV kann man die Leute, die es gelegentlich mal bis zum Profi-Training bringen, an einer Hand abzählen. Ich bewundere die Geduld, die anscheinend keine Grenzen kennt, aller Beteiligten! Eigentlich kann es doch gar nicht angehen, dass da immer auf die falschen Pferde gesetzt wird, aber offenbar ist es doch so. Oder? Diejenigen Talente, die es beim HSV nicht geschafft haben, kommen doch auch bei anderen Vereinen nicht so zum Zuge, wie sie sich das erhofft haben. Die eine oder andere Ausnahme soll es geben, aber zum Beispiel Änis Ben-Hatira oder Tunay Torun. Haben sie die Rolle in Berlin gespielt, die sie für sich schon beim HSV sahen? Ich wünschte mir schon mal solche Talente wie die der Bayern mit beispielsweise Philipp Lahm, Holger Badstuber, David Alaba und Thomas Müller. Talente solchen Kalibers gibt es beim HSV schon seit Jahr und Tag nicht. Leider, leider.

Allerdings denke ich ja auch, dass sich ein HSV-Coach sehr wohl damit schmücken würde, endlich mal wieder einen jungen Spieler ganz nach oben gebracht zu haben (wie Felix Magath mit Hasan Salihamidzic). Es gab etliche Trainer, die auf dem Wege waren, jemandem zu vertrauen, dann aber den Versuch doch noch abbrechen mussten, weil es eben doch nicht für ganz oben reichte. Zum Beispiel Muhamed Besic, Ben-Hatira, Eric-Maxim Choupo-Moting, Vadis Odjidja-Ofoe (heute belgischer Nationalspieler) , Benny Feilhaber, Andreas Laas. Oder früher auch Mustafa Kucukovic, Stephan Kling und Alex Meier (St. Pauli), heute schon lange Stammspieler bei Eintracht Frankfurt.

Und speziell zu Macauley Chrisantus. Der hat in meinen Augen Chancen genug erhalten. Und wenn er es tatsächlich könnte, dann hätte er es doch mal beim KSC oder beim FSV Frankfurt gezeigt – wie zum Beispiel Maximilian Beister in Düsseldorf. Deswegen ist es gut, dass Chrisantus nun gehen durfte – egal ob mit oder ohne Ablöse. In der jetzigen schwierigen finanziellen Phase des HSV zählt jeder Cent, der eingespart wird – auch der des Chrisantus-Gehalts. Wobei ich nicht verschweigen möchte, dass Chrisantus in diesem Sommer teilweise ganz beachtlich trainiert hat. Er wollte wohl noch einmal, aber er hatte eventuell vergessen, dass er dazu schon zu oft die Gelegenheit gehabt hatte. Irgendwann ist dann eben mal Schicht im Schacht.

Eine andere Frage aber ist in Sachen Stürmern: auf wen will der HSV denn vorne setzen? Das sehe ich im Moment mehr Quantität als Qualität. Und da hätte Chrisantus dann doch eventuell doch mitmischen können. Ich halte es ja immer noch für sehr, sehr gefährlich, dass der HSV nur noch über einen „Zehner“ und einen Innenverteidiger spricht. Mir kommt das Wort Stürmer da überhaupt noch nicht vor. Ob die Verantwortlichen tatsächlich wissen, dass sie da vorne kaum etwas haben? Ich habe meine Zweifel. Aber, und das sage ich gern noch einmal, ich bin ja auch nicht der Trainer und der Sportchef des HSV.

Auch Uwe Seeer ist weder Trainer noch Sportchef des HSV, dennoch hat er viel zu „seinem“ HSV zu sagen. „Uns Matz-ab-Scholle“ war heute am Millerntor, wo „uns Uwe“ einen neuen Werbe-Spot für die PSD-Bank drehte. Zusammen mit den St.-Pauli-Profis Fabian Boll und Florian Kringe. Seeler lobte den Zweitliga-Klub: „Der FC St. Pauli leistet gute Arbeit. Ich hoffe, dass sie ihrer letzten guten Saison eine noch bessere folgen lassen und aufsteigen.“

Um den HSV, um „seinen“ HSV, macht sich Uwe Seeler dagegen schon (und immer wieder) einige Sorgen. Der Ehrenspielführer, bekannt dafür, dass er früher stets den direkten Weg zum Tor suchte, und auch dafür, dass er stets geradlinige Antworten gibt, sagt: „Meine Frau hat letztes Jahr miterlebt, wie mich das Zittern um den HSV verändert hat. Ich hätte richtig abgebaut, sagt sie. Und ganz ehrlich: es wird nicht besser. Ich bin noch nicht zufrieden. Ich hatte gehofft, dass der HSV in der jetzigen Phase schon weiter wäre. Noch muss bei unserem HSV sehr viel passieren.“

Fast alles muss sich ändern – hatte Uwe Seeler unmittelbar nach der verkorksten letzten Saison gesagt. Jetzt spricht er aus, wo er noch Defizite sieht: „Wir brauchen noch mindestens zwei neue Spieler, das ist das Minimum. Im Mittelfeld und in der Abwehr, in der Innenverteidigung. Die brauchen wir, um wenigstens ein wenig Sicherheit zu haben und nicht gegen den Abstieg zu spielen. Hinten müssen wir besser werden. Wir dürfen nicht mehr so viele Tore kassieren. Und ich behaupte sogar, wir bräuchten auch für vorn noch einen richtigen Brecher.“

Ach, lieber Herr Seeler, sie laufen bei mir ja offene Tore ein. Wie sehr wir einen solchen Spieler brauchen, wie sehr! Einen Innenverteidiger hätten wir ja mit Heiko Westermann, aber einen richtigen Brecher? Seeler über den Stürmer-Zugang aus Lettland: „Rudnevs spielt nun in einer neuen, härteren Liga. Das wird hart für ihn und wir sollten ihm Zeit geben.“ Generell befindet Hamburgs größter Fußballer aller Zeiten zur Lage des HSV: „Es reicht nicht, zu hoffen, dass wieder zwei, drei Mannschaften schlechter sind. Das Risiko ist zu groß. Jetzt müssen alle mal in die Socken kommen. Und auch wenn ich weiß, dass es unser Sportchef Frank Arnesen weiß: Je länger die Transferperiode schon andauert, desto schwieriger wird es, die Guten zu bekommen.“ Wobei Uwe Seeler auch noch mit Wehmut an einen Abgang des HSV zurückdenkt: „Ich hätte David Jarolim nicht gehen lassen, denn er war einer, der immer voranging. So einer fehlt uns jetzt noch.“

Als Druck von außen möchte Seeler seine Aussagen nicht verstanden wissen. Im Gegenteil, er sei stets ein Optimist. Dennoch hat er einen Wunsch an die HSV-Verantwortlichen: „Ich wünsche mir nur, dass alle die Situation ausreichend ernst nehmen. Und ich habe das Spiel gegen Barcelona gesehen. Bei allem was man entschuldigen kann, es gab doch noch viele Dinge, die letztes Jahr schon falsch gelaufen sind und die noch immer nicht behoben sind.“

Aber, damit ich auch das noch einmal schreiben kann: Der HSV arbeitet ja jetzt noch ganz intensiv daran, die Lage zu verbessern. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Es soll ja noch alles gut werden, und ich glaube auch fest daran, dass alles noch gut wird, dass es noch jene Verstärkungen gibt, die den HSV wieder stärker werden lassen. Noch ist ja Zeit. Keine Panik.

Und das Überlebens-Camp in Schweden wird den HSV ja auch ganz sicher schon etwas stärker werden lassen – von wegen Teamgeist.

18.11 Uhr

Mein Gott, was gibt es noch alles zu tun!

25. Juli 2012

HSV-Trainer Fink will neue Leute, klar. Wer will die nicht? Die Fans fordern neue Leute, und auch Torwart Rene Adler gab am Dienstag zu verstehen, dass der HSV noch Verstärkungen braucht. Der neue Keeper übernimmt nicht nur während des Spiels Verantwortung, sondern auch außerhalb des Spielfeldes. Adler wird dem HSV ganz sicher sehr gut tun, keine Frage. Und er sagt: „Es ist bestimmt nicht Aufgabe der Spieler, aber wir brauchen noch Leute. Einen Mittelfeldspieler und vielleicht einen Innenverteidiger. Am besten einen Haudegen mit Bundesliga-Erfahrung.“

Ja, das sehe ich ebenso. Obwohl ich speziell darauf erst gegen Ende des Beitrags eingehen möchte. Nur so viel: Adler spricht von Erfahrung, von Haudegen. Und nach dem Vorfall um Slobodan Rajkovic (Faustkampf mit Heung Min Son sowie das Abendblatt-Interview) spricht Trainer Fink von einer neuen Situation, die noch einen neuen Innenverteidiger erfordert. Wir erinnern uns vielleicht noch alle: Vor diesem Rajkovic-Son-Boxkampf wollte der HSV noch einen Zehner und einen Achter, von einem Innenverteidiger war nie die Rede. Aber nun.

Dabei wäre eine andere Lösung für mich viel naheliegender. Auch auf die Gefahr hin, dass es hier wieder einen Sturm der Entrüstung geben sollte, ich schreibe es trotzdem. Denn die schweigende Mehrheit wird auf meiner Seite sein, das weiß ich ganz genau: Holt David Jarolim aus seinem Urlaub zurück, der Tschehche hat noch keinen neuen Verein (soviel ich weiß), und er könnte den Serchser geben – und Heiko Westermann den einen gesuchten Innenverteidiger. Dem HSV wäre damit gedient. Zumal ja auch noch Tomas Rincon ausfallen wird – wie lange, das weiß noch niemand. Und so wie „Jaro“ bei seinem Abschied gefeiert wurde, so weiß der HSV auch auf jeden Fall, dass er einen verdienstvollen Haudegen wieder im Kampf gegen den Abstieg einsetzen kann – und jederzeit zur Verfügung hat.
Da müssen eben nur einige Herren mal über ihre Schatten springen . . .

Auch diejenigen, die nun wieder „Matz ab“ (und mich) zum Teufel wünschen. Ich sage allen, auch meinen (und „Jaros“) Feinden: es kann mit einer solchen Lösung nicht schlechter werden. Und der HSV könnte noch etwas für ganz vorne tun, aber auch dazu noch später.

Erst einmal noch zum Dienstag und zum FC Barcelona. Thorsten Fink war richtig angefressen nach der 1:2-Niederlage. Ganz nüchtern aber stellte er fest: „Wir wollen nicht nach Ausreden suchen, doch bei drei Spielen in drei Tagen und sieben Stunden Zeitunterschied fehlte meiner Mannschaft die Frische. Das ist ganz normal nach einer solchen langen Reise. Und wir sind sehr enttäuscht, dass Messi nicht kam. Barcelona hat trotzdem eine gute Mannschaft, die können alle Fußball spielen, das hat man gesehen. Und alle beherrschen das System. Ich denke aber mal, dass die Fans das Beste aus diesem Spiel gemacht haben“, sagte der HSV-Trainer nach dem Spiel gegen die katalanische Nachwuchself.

Erst am Abend zuvor waren die Hanseaten vom gewonnenen Peace Cup in Südkorea zurückgekehrt und wirkten alles andere als ausgeschlafen. Und die ARD übertrug live! Die Sendeanstalt erreichte mit der Übertragung im Vorabendprogramm 1,27 Millionen Zuschauer bei einem Marktanteil von 8,3 Prozent – und ist richtig schön sauer, denn: Es dürfte einzigartig in der ARD-Geschichte sein, dass ein solcher Kick gezeigt wurde. Eine zweite oder sogar dritte Vertretung des FC Barcelona „hüpft“ da im Volkspark über den Rasen – da dürfte es noch ein tüchtiges Säbelrasseln geben, beim Ersten.

Mit dem Ausfall von Superstar Lionel Messi spart der HSV 400 000 Euro und will mit einem Fanfest im September die enttäuschten Anhänger entschädigen. Zudem prüft der Klub den Vertrag mit dem Champions-League-Sieger von 2011, ob tatsächlich noch 800 000 Euro für den Eintagestrip überwiesen werden müssen. Eigentlich war und ist es ja ein Unding, dieser Tagesausflug des FC Barcelona nach Hamburg. So steril wie diesmal war es wohl noch nie. Dass der Zuckerjung Messi in Zuckerwatte gepackt wird, das war zwar irgendwie zu erwarten (solche Stimmen waren heute doch überall zu hören, oder?), aber das da eine solche Truppe aufläuft, das ist schon ein Stück aus dem Tollhaus.

Wenn das die Zukunft des großen europäischen Fußballs ist, dann gute Nacht. Das ist – sorry, aber es muss so krass gesagt werden – die reinste Verarschung, in der Tat. Da schicken die Katalanen während der Europameisterschaft extra ein vielköpfiges Organisationsteam in den Volkspark, damit alles bis ins letzte und kleinste Detail geklärt ist: Was in der Kabine zu sein hat, der Wachdienst im und vor dem Hotel, was es zu trinken geben muss, wie lang der Rasen in Zentimetern nur sein darf, und, und, und. Und dann kommt da eine solche Vertretung. Und diese wird dann so abgeschirmt, als käme da ein ganz, ganz großer Pop-Star nach Hamburg. Nur ja keine Berührung mit dem Volk: Raus aus dem Flieger, rein ins Hotel, raus aus dem Hotel, rein in den Bus, ab in den Volkspark, rauf auf den Rasen, spielen, gewinnen, rein in den Bus – und weg! Alles kurz und schmerzlos und ohne eine Spur zu hinterlassen.

Das ist das Hinterletzte! Und so wird der internationale Freundschaftsspiel-Fußball nicht nur mit Füßen getreten, sondern auch zu Tode getrampelt!

Immerhin: Der HSV dürfte gelernt haben. Eine solche Geburtstagsfeier mit einem solchen höchst neutralen und unnahbaren Gast wird es wohl nie wieder geben.
Hoffentlich.

Zurück zum Dienstag: Thorsten Fink nahm seine Profis nach dem Spiel aber in Schutz und verteidigte die bisher zurückhaltende Einkaufspolitik. Zufrieden war er mit dem Gezeigten trotz allem nicht. Der 44-Jährige machte unmissverständlich klar, dass er mindestens noch einen Spielmacher, einen dahinter für das Mittelfeld und eigentlich auch einen Innenverteidiger haben will: „Das ist ja aber auch alles bekannt. Jetzt müssen wir nur sehen, welche Mittel vorhanden sind und dann Entscheidungen treffen.“ Zum Stand der Vorbereitung des HSV sagte der Coach: „Wir haben in Südkorea drei gute Spiele gemacht. Und das vom Vorstand ausgegebene Ziel, das Turnier dort zu gewinnen, haben wir auch erreicht . . .“

Zu den noch vorhandenen Mitteln kommen nun auch noch die Millionen, die es aus dem heutigen Verkauf des kräftigen Dribbelkünstlers Gökhan Töre gibt. Der Deutsch-Türke wird, wie erwartet. für etwa sechs Millionen Euro (die Hälfte bekommt Chelsea) zu Rubin Kazan wechseln. Dazu gibt es 1,23 Millionen Euro vom Peace Cup, plus die Einnahmen aus dem Barca-Spiel – es müsste also etwas möglich sein. Obwohl es schwer werden dürfte. Nun droht sogar der Transfer des Kroaten Milan Badelj von Dynamo Zagreb in letzter Minute zu scheitern, weil plötzlich Fenerbahce Istanbul mehr als 3,5 Millionen Euro bietet . . . Sportchef Frank Arnesen hält (und hielt) sich am Mittwoch in Zagreb auf, um noch zu retten, was noch zu retten ist.

„Wir lassen uns nicht reinreden, die Transferperiode dauert noch lange“, verteidigte Fink die verhaltene Vereinspolitik. Das mag ja auch alles stimmen, aber später, im Laufe der Saison, könnte das auch schnell wieder als Ausrede herhalten (müssen): „Wir sind nur deshalb so schlecht gestartet, weil wir die vielen neuen Spieler erst einen Tag vor Saisonbeginn verpflichtet haben. So konnte sich keine Einheit einspielen, darauf müssen wir nun in den nächsten Wochen stark hoffen . . .“

Jawoll, meine Herren, das haben wir in den letzten Jahren zu oft hören müssen. Und ich kann die Fans verstehen, denen diese Ausreden so ganz langsam zum Hals heraus hängen. Mir jedenfalls geht es so.

Aber vielleicht hilft ja auch der „Elch-Test“ ein wenig – der in Schweden. Um die Mannschaft noch enger zusammenrücken zu lassen, fährt der HSV am Sonnabend erstmals in ein Überlebenscamp in den Norden Europas. Auf Nehbergs Spuren. „Wir brauchen auch einmal eine körperliche Pause“, sagt Thorsten Fink, der seine Schützlinge in der Natur mit ganz anderen Gefahren als üblich konfrontieren wird. Zum Teambuilding gehöre, dass einzelne Mannschaftsteile enger zusammenrücken. So wird sich die Abwehrreihe um den Proviant kümmern, die anderen um die Zelte, die andere und die Kajaks. Fink: „Das wird sicherlich eine wertvolle Erfahrung für alle. Die neuen Spieler werden noch mehr integriert, wir müssen dort an unsere Grenzen gehen.“

Um dann später in der Bundesliga in jedem Spiel an die Grenzen gehen zu können. Denn eines steht für mich fest: der HSV wird eine ähnlich schwere Saison haben, wie zuletzt 2011/12. Und wer glaubt, dass es mit einem Achter, einem Zehner und einem Innenverteidiger getan ist, der ist in meinen Augen ein großer Träumer, denn: Der HSV benötigt mindestens noch einen Stürmer. Ich hätte, um mal ein Beispiel zu geben, sogar einen Mann wie Sandro Wagner geholt, der nun bei Werder ausgemustert wurde und dann zu Hertha BSC ging. Ein solcher Mann wäre schon wertvoll für den HSV gewesen. Wer aber diese (jetzige) Sturm-Schwäche nicht erkennt, obwohl sie gegen Barcelona deutlich zu sehen war, oder wer sie ganz einfach nicht sehen will, der muss sich dann eben in der Saison davon negativ überraschen lassen. Aber dann könnte das Kind schon längst in den Brunnen gefallen sein.

Und wer gedacht hatte, dass der HSV (Frank Arnesen) mit Artjoms Rudnevs einen neuen Edin Dzeko (nur als Beispiel – weil den einst Felix Magath aus dem Untergrund hervorzauberte) entdeckt hätte, der konnte sich davon am Dienstag mal selbst ein erstes richtiges Bild davon machen. Da kommt kein neuer Dzeko. Da kam ein neuer Mann, der noch viel, viel zu lernen hat. Und ich denke immer daran zurück, dass mir gegen Saisonende, als der HSV noch einmal mit Lech Posen „nachverhandeln“ musste, drei Polen, die beim HSV spielen, sagten: „Der gute Rudnevs ist keine 3,2 Millionen Euro wert, der ist 3,2 Millionen Zloty wert – wenn es hoch kommt.“ Aber mal abwarten. Immerhin war Rudnevs weitaus billiger, geradezu ein Schnäppchen, gegenüber Marcus Berg. Und der ist ja nun der große Hoffnungsträger im HSV-Angriff.

Apropos: Wie es zurzeit um den HSV bestellt ist, hat auch in Ansätzen dieses Spiel gegen Barcelona gezeigt. Was wäre wohl gewesen, wenn der HSV auf den „echten“ FC Barcelona getroffen wäre, also einen FC Barcelona tatsächlich mit allen Stars? Das wäre wohl eine absolute Vernichtung gewesen – oder geworden. So aber war es so, dass die Spanier insgesamt neun Spieler ein- und auswechselten. Doch selbst die C-Elf, die in der zweiten Hälfte sogar phasenweise in Unterzahl spielte, da Vilanova zunächst niemanden mehr auf der Bank hatte, um den verletzten Marc Muniesa zu ersetzen, konnte mit dem HSV mithalten. Das sollte allen, die es gut mit dem HSV meinen, stark zu denken geben. Trotz des Südkorea-Fluges, trotz der Zeitzonen, trotz der drei Spiele in Asien, trotz der Tatsache, dass die Bundesliga erst in vier Wochen starten wird.

Mein Gott, was gibt es beim HSV noch alles zu tun!

PS: Mir tun natürlich auch die vielen Fans des HSV Leid, die auf die Mogelpackung FC Barcelona hereingefallen sind. Viel Geld für nix. Und dazu dann noch die erhöhten Getränke-Preise – ein Top-Zuschlag für den FC Barcelona. Prost!

Was ein HSV-Fan an diesem Tag so alles erlebt hat, schilderte uns heute ein Mann – per Mail – sehr eindrucksvoll. Vielleicht erkennt sich der eine oder andere HSV-Anhänger ja wieder:

“Guten Tag,

kurz aber dennoch zusammenfassend möchte ich Ihnen den Bericht meines gestrigen Tages zur Kenntnis geben:

Um 16.35 startete ich mit dem Auto von der Hudtwalckerstraße Richtung Volksparkstadion. Gelangweilte Polizisten sperrten Straßen ab, saßen rauchend in ihren Peterwagen und kümmerten sich um alles, nur nicht um den Verkehr. So saß ich 90 Minuten später auf meinem Platz für 32 Euro. Neben mir mein seit Mittag total frustrierter Sohn, der ins Stadion wollte, um Lionel Messi zu sehen.

Die Sitze, Block 18C, Reihe 5, Sitz 17 und 16 waren derart dreckig, dass man sich nicht wirklich setzen mochte. Eine Mischung aus Ketchup, Senf, frischer Zigarettenasche und eine gräuliche Schicht aus nicht mehr wirklich Definierbarem. Lecker! 32 Euro!!!

Sieben Minuten vor Halbzeit machte ich mich auf den Weg, um zwei Bratwürste für mich und meinen Sohn zu organisieren. Die Mannschaft des HSV mühte sich auf dem Feld redlich, lag dennoch 1:2 zurück. Vor mir standen ca. 17 weitere Stadionbesucher, die den gleichen Gedanken hatten wie ich. Der Herr mit den Bratwürsten an der Kasse mühte sich, ähnlich redlich wie die Hamburger Mannschaft, immer wieder aufs Neue drei Euro plus drei Euro, oder drei Euro plus drei Euro plus drei Euro zusammen zu rechnen, was ihm dann auch bei jedem Kunden in der Schlange nach etwa zwei Minuten gelang. So war ich rechtzeitig zehn Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit wieder auf meinem Platz.

Über den Toilettenbesuch mit meinem Sohn möchte ich an dieser Stelle lieber schweigen . . .

Der Trainer des HSV meinte zur Halbzeit wohl etwas tun zu müssen und schickte, von mir zunächst unbemerkt in der Halbzeit auch die zweite Mannschaft auf den Platz. Barcelona spielte nunmehr mit der dritten Mannschaft. 57.000 Zuschauer machten begeistert die La-ola-Welle. Toll!!! Ich fragte mich, ob mein Fußballverstand mich im Stich gelassen hatte und beobachtete ob dieser Begeisterung das Spiel nun noch genauer und entdeckte 22 Männer auf einem Fußballplatz die rumstanden. Für 32, bzw 64 Euro plus 6 Euro für die beiden Bratwürste nicht schlecht.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für die Saison 2012/ 2013 viel Glück und gratuliere zum 125. Geburtstag!

In freudiger Erwartung Ihrer Stellungnahme,

mit freundlichen Grüßen,
Henning B.”

PSPS: Dieser HSV-Fan schrieb nicht mir, sondern ans Hamburger Abendblatt, und, das gebe ich zu, er ist mir bekannt, weil er ein Kollege von uns (Journalisten) ist.

Und, nicht um euch zu quälen, sondern weil es in der Tat so schön war, hier noch einmal die Barcelona-Unterhaltung (vor dem 1:2) mit den HSV-Altmeistern Horst Schnoor und Klaus Neisner.

PSPSPS: Training im Volkspark ist am Donnerstag um 10 und um 15 Uhr.

16.55 Uhr

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