Archiv für das Tag 'Meier'

Beiersdorfer: “In der Krise herausragend gearbeitet”

14. Juni 2015

War toll.
Diese Mitgliederversammlung des HSV. Großartig war es sogar. Und trotz der Probleme, die es hin und wieder mal gegeben haben soll, in dieser Saison, muss festgestellt werden: „Es ist alles auf den Weg gebracht. Wir müssen nur Geduld aufbringen.“ Alles super. Oder wie es ein Redner ausdrückte. „Friede, Freude, Eierkuchen.“ Und im Prinzip: Die Experten haben schuld. Natürlich. Und mit Experten ist vornehmlich die Presse gemeint – logisch. Wenn die sich mal damit beschäftigen würden, oder beschäftigt hätten, woher der HSV 2015, Relegations-Teilnehmer, einst gekommen ist, dann würden die, nämlich diese Experten, sich mit Kritik gewaltig zurückhalten. Ganz gewaltig sogar. Es ist nämlich nicht alles so schlecht, wie es gemacht wird – oder wurde. Der HSV ist weiter erstklassig, es geht ihm gut – und, das ist mein Fazit, und nun müssen wir mal abwarten, wie es weiter bergauf geht. Die Weichen, so war heute zu vernehmen, sind dafür gestellt, nur geht das alles nicht so schnell, wie viele es erhofft hatten, wie viele gewollt hatten. Das dauert. Und das Schöne an dieser Situation ist ja das, dass wir nun alle abwarten können, wie schön und gut es tatsächlich demnächst laufen wird. Versprochen ist ja viel, und versprochen ist ja versprochen. Jetzt dürfte, muss, müsste oder sollte auch mal etwas geliefert werden . . . Zum Beispiel Platz zwölf. Oder so. Den ganzen Beitrag lesen »

von Heesen: „Es ist genügend sportliche Kompetenz vorhanden!“

2. März 2015

Am vergangenen Donnerstag ist Thomas von Heesen aus dem Aufsichtsrat der HSV Fußball AG zurückgetreten. Einer musste raus, das war klar, denn mit Jens Meier als neuem Präsidenten des HSV e.V. stand ein Nachrücker fest. Warum nun aber ausgerechnet von Heesen? Der erfolgreiche Ex-Profi stand wie kein anderer für sportliche Kompetenz im Aufsichtsrat, und dessen Vorsitzender Karl Gernandt hatte einst angekündigt, dass im Austauschfall garantiert keiner der ehemaligen Kicker (von Heesen oder Peter Nogly) ausscheiden würde.

Nun ist es anders gekommen – und immer wieder wird auch hier im Blog diskutiert: Warum wirklich von Heesen? Aus diesem Grund habe ich heute noch einmal mit ihm gesprochen, und von Heesen hat dabei einen völlig aufgeräumten und unaufgeregten Eindruck gemacht. „Der Schritt war intern lange geplant und besprochen“, sagte von Heesen. „Es ist genügend sportliche Kompetenz vorhanden. Das habe ich schon vor Monaten gesagt, und deswegen auch angeboten, dass ich gehe, wenn der e.V.-Präsident nachrückt. Der Vorstand ist mit Dietmar Beiersdorfer, Peter Knäbel und Bernhard Peters sehr gut aufgestellt.“ Anders als bei seiner Amtsübernahme im Juli vergangenen Jahres – sagt von Heesen nicht, aber so war es damals ja.

Auch der Einwand, dass nun mit Nogly lediglich noch ein Mann mit Fußball-Verstand im Aufsichtsrat sitzt, stört von Heesen nicht. „Peter ist ein ausgezeichneter Fußball-Fachmann. Insgesamt ist der HSV gut aufgestellt.“ Im Übrigen bleibe er – Aufsichtsrats-Mandat hin oder her – in stetem und vertrauensvollen Austausch mit Beiersdorfer und Co. Als stillen Abschied vom HSV will er seinen Austritt aus dem Aufsichtsrat also beileibe nicht verstanden wissen. Im Gegenteil: „Wir sind auch über andere Themen im Gespräch“, bestätigt von Heesen. Dabei geht es um eine Verbesserung der HSV-Nachwuchsarbeit, um die Suche nach Sponsoren und Investoren für diesen Bereich. von Heesen will seine ganzen Verbindungen und sein ganzes Know-how einbringen. Und wenn es hier tatsächlich zu einer geschäftlichen Zusammenarbeit kommen sollte, wäre dies mit seiner Mitarbeit im Aufsichtsrat sowieso nicht vereinbar.

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Genügend sportliche Kompetenz vorhanden – ich kann mir denken, dass bei diesem Satz manchem Leser der Atem stockt. Gerade die aktuelle sportliche Entwicklung lässt nicht gerade auf garantierten Fortschritt schließen. Im Vergleich zum Vorjahr weist die Saison 2014/15 erstaunliche Parallelen auf. Sportliche Inkonstanz, Verletzungs-Probleme, fehlende Planungssicherheit. Der HSV – erneut – im Teufelskreis. Wie im Vorjahr werden diejenigen Spieler zu Hoffnungsträgern, die gerade nicht spielen, aber dann doch bitte für die Zukunft Besserung und, ja, Rettung versprechen. Valon Behrami, Cleber, Ivica Olic – das wäre etwas, wenn dieses Trio recht schnell schon wieder mitmischen würde. Am besten bereits am kommenden Sonnabend daheim gegen Borussia Dortmund. Auch Marcell Jansen steht offenbar auf dem Sprung. Stimmt schon, das wäre gut, aber wie hoch können die Erwartungen eigentlich sein? Natürlich haben die drei bereits nachgewiesen, dass sie kicken und sogar führen können. Aber ein Spieler, der aus einer Verletzung kommt, kann nicht gleich führen. Der muss zusehen, dass er seine Aufgaben erfüllt, nicht wegbricht, und dann nach einer gewissen Zeit der Konsolidierung wieder in Führungsaufgaben hineinwächst.

Abgesehen davon, dass die alte Verletzung (oder eine neue) wegen Überbelastung und falsch verstandenem Ehrgeiz nicht wieder aufbricht. Damit hatte der HSV vor Jahresfrist so viel zu tun, dass die halbe Mannschaft angeschlagen übers Feld schlurfte, nicht richtig austrainiert war und in der Endphase der Liga allenfalls auf dem Zahnfleisch ins Ziel kriechen konnte. Auf dem Zahnfleisch – soweit ist es aktuell vielleicht noch nicht. Aber: Olic hat zwei Wochen nicht richtig trainiert. Cleber im Trainingslager in Dubai nicht und nach einer kurzen Pause war er wieder weg. Behrami seit dem Winter nicht. Lasogga immer mal wieder nicht. Überhaupt scheint es immer noch nicht absehbar, wann der 8,5 Millionen-Euro-Einkauf fit zurückkehrt. Die Erfahrungen der vergangenen Monate haben gezeigt: Selbst wenn Lasogga wieder am Mannschaftstraining teilnimmt oder dann auch irgendwann in der Bundesliga aufläuft – die Form der Vorsaison hat er damit noch lange nicht.

Womit wir auch bei der medizinischen Abteilung wären. Es ist im Einzelfall von außen nicht nachzuvollziehen, warum ein Spieler mit was für einer Verletzung wie lange ausfällt. Es gilt nur zu konstatieren, dass der HSV seit Jahren Verletzungsprobleme hat, die andere Vereine nicht haben. In der Wintervorbereitung waren mit Holtby, Cleber, Diekmeier, Ostrzolek, Behrami, Lasogga und Müller viele Stammspieler betroffen. Anschließend haben wir von Rajkovic, Olic, Jiracek, Diaz und Jansen Verletzungsmeldungen gehört. Unfälle waren dabei, logisch, aber immer wieder auffällig viele Muskelverletzungen, die – und auch das ist auffällig – entweder wiederkehren oder oft auch lange dauern. Der HSV ist seit einiger Zeit in einer medizinischen Partnerschaft mit dem UKE. Das mag sich wirtschaftlich rechnen – auch auf anderen Gebieten hat sich der HSV in der Vergangenheit immer wieder von wirtschaftlichen Zwängen treiben lassen. Aber dass es verletzungstechnisch mit dem HSV spürbar aufwärts gegangen wäre – diese Behauptung kann nun wirklich niemand aufstellen. Spieler fahren immer noch zur Behandlung zu Ärzten ihres Vertrauens durchs ganze Bundesgebiet. Das hat’s immer gegeben, natürlich, aber wozu benötige ich dann eine Partnerschaft mit dem UKE?

Der Deal mit dem UKE umfasst einen finanziellen Vorteil durch Minder-Ausgaben für den HSV. Sollte der Verein mit der Zusammenarbeit zufrieden sein, dann muss er den Deal verlängern. Ich denke aber, in diesem Bereich darf man nicht auf Teufel-komm-raus sparen. Die Profis arbeiten doch auf Messers Schneide, so schnell wie möglich so fit wie möglich aus Verletzungen zurückzukommen. DAS ist es am Ende, was sich wirtschaftlich rechnet. Wenn der Verein wegen der Verletzungen von Olic, Jansen und Behrami seine Spiele verliert, dann ist jeder durch die UKE-Zusammenarbeit gesparte Cent für die Katz.

Ich kann die Arbeit des neuen Arztes nicht beurteilen und will sie nicht diskreditieren. Ich weiß auch, dass die Aussage, Olic habe vor dem Gladbach-Spiel von den Ärzten „grünes Licht“ erhalten, um dann nach 20 Minuten erneut verletzt runterzuhumpeln, nicht eins zu eins auf die Mediziner herunterzubrechen ist. Hier ist auch der Spieler gefragt, der seinen Körper einschätzen kann und muss. Auch gehört dazu die Trainingsdosierung. Wir haben ja aus Dubai darüber berichtet, dass Joe Zinnbauer die Einheiten am Ende reduzieren bzw. ganz ausfallen lassen musste, um nicht noch mehr Verletzungen zu riskieren.

Jedenfalls sind dies alles Zutaten für ein strauchelndes Team. Weitere Beispiele: Petr Jiracek war gegen Gladbach sehr stark, in Frankfurt unterläuft ihm vor dem 1:2 ein Anfängerfehler. Johan Djourou war zuletzt konstant in der Deckung, in Frankfurt verursacht er zwei Elfmeter (über die Berechtigung des ersten will ich nicht streiten, doch ging der Aktion ein Stellungsfehler voraus). Artjoms Rudnevs wird immer wieder von den Fans gefordert und gefeiert, wenn er aufläuft. Ertrag aus den letzten Wochen: gleich Null. Matthias Ostrzolek comebackte vor acht Tagen daheim sehr ordentlich, eine Woche später verwachst er total. All dies ist logisch nach Verletzungen oder anderen Zwangspausen – aber es sorgt für Niederlagen, wenn es zu viele Spieler einer Mannschaft betrifft. Besserung in den kommenden Wochen? Ist nicht in Sicht.

Ob die Personalie Rafael van der Vaart in den kommenden Wochen für spürbare Unruhe sorgen wird, ist schwer vorherzusagen. Ich denke, es wird nicht so kommen. Den Kollegen von „Sport 1“ gab van der Vaart heute ein Interview. Hier die entsprechende dpa-Meldung dazu:

Rafael van der Vaart hofft auf seine Rückkehr in die Stammelf des Hamburger SV im Heimspiel am Samstag gegen Borussia Dortmund. «Das wird ein geiles Spiel. Dortmund ist eine Topmannschaft. Wenn man zu Hause gegen Dortmund spielt, muss man alles geben. Im Fußball ist alles möglich. Wir gehen mit Selbstvertrauen rein», sagte der Kapitän des norddeutschen Fußball-Bundesligisten im Interview mit «Sport1». Durch hartes Training wolle er wieder mehr Einsatzzeit bekommen. Im Abstiegskampf glaube er an die mentale Stärke des Tabellen-15. Auf jeden Fall wolle er über die Saison hinaus spielen: «Im Fußball geht alles so schnell. Einen Tag wird man gefeiert, am anderen ist man wieder schlecht. Ich bin noch topfit. Ich möchte noch gern alles geben für den Verein. Alles andere, was die Leute sagen, ist egal. Ich muss nur gute Leistung bringen und dafür werde ich alles geben.»

Dass der Star aus den Niederlanden in der kommenden Saison noch das HSV-Trikot tragen wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Doch egal, ob er dem Drängen von Kansas City oder irgendeinem anderen Team aus Mexiko, Katar oder Italien erliegt – an seiner Person muss sich kein Streit entzünden.

Anders verhält es sich schon in der Trainerfrage. Unabhängig davon, ob Joe Zinnbauer der Mann für die nächsten zehn Jahre ist oder nicht, MUSS sich die Vereinsführung mit aller Macht hinter ihn stellen – so wie es im Moment durch entsprechende Aussagen von Peter Knäbel geschieht. Eine Trainerdebatte, die auch nur den Hauch einer Grundlage durch entsprechende Überlegungen im Verein hat, wäre ein Dolchstoß für ein wackelndes Team.

Durch die fehlende sportliche Entwicklung nach oben schliddert der HSV darüber hinaus in eine unruhige Sommerpause hinein. Das lässt sich jetzt schon sagen, und ich beziehe mich jetzt nur auf den Fall, dass der Abstieg vermieden wird. Andernfalls werden sowieso alle Karten neu gemischt. Doch wie schon im Vorjahr erlebt, fehlt dem Verein Planungssicherheit – vermutlich bis in den Mai hinein. Bis dahin werden sich Debatten nach folgendem Muster wiederholen: Diejenigen, deren Verträge auslaufen, kannst du nicht mehr gebrauchen, denn sie sind mit dem Herzen schon woanders; Ja, aber sollen Erfahrene draußen bleiben, die zumindest mal Klasse hatten?; Was nützt Klasse, wenn sie Jahre her ist?; Schon – aber mit U-23-Spielern bestehst du nicht im Abstiegskampf….

Ich befürchte, dass sich der HSV also im Sommer teuer bei anderen Vereinen bedienen muss, wenn er sich verstärken will. Zu teuer womöglich, das hat Dietmar Beiersdorfer in den beiden Transferphasen, die er bislang zu verantworten hatte, nicht ändern können. In diesem Zusammenhang, und zur richtigen Einordnung, hier die Quintessenz eines Gesprächs, dass ich mit einem hohen Bundesliga-Funktionär in den vergangenen Tagen hatte. Tenor: der HSV ist aktuell kein attraktiver Club mehr für einen Profi, viele andere Vereine haben an sportlichem Konzept, Vertrauensbildung, Perspektive mehr zu bieten – Hamburg punktet vor allem durch die Stadt und durch Geld. Devise: Was du in den vergangenen Jahren an Vertrauen zerstört hast, baust du nicht über Nacht wieder auf. Trotz Kühne, Otto, Didi und Volksparkstadion.

Neben dem negativen Grundtenor dieses Blogs möchte ich aber doch zumindest drei positive Eindrücke aus Frankfurt schildern. Zum Einen hat mir der Auftritt von Mohamed Gouaida im Vergleich zu den Vorwochen wieder besser gefallen, und vor allem beobachte ich sehr intensiv die Entwicklung von Gojko Kacar. Er war jahrelang in der zweiten Reihe, hat aber in dieser Zeit sowohl im Training als auch von der Ersatzbank aus immer wieder angefeuert und motiviert, er ist Ansprechpartner für die HSV-Profis aus seinem Sprachraum und hat darüber hinaus, wie ich finde, jetzt auch wieder fußballerisch gezeigt, dass auf ihn zu zählen ist. Und er verfügt über die richtige Selbsteinschätzung. „Wir waren zu vorsichtig und nicht entschlossen genug“, sagte Kacar unmittelbar nach dem 1:2 von Frankfurt. Selbstkritische Stimmen gingen mir in dem Gemecker über den Schiedsrichter und dem Lamento über vergebene Großchancen dort ansonsten zu stark verloren. Ich finde, Gojko Kacar ist einer derjenigen, deren Vertrag ausläuft, aber über dessen Verlängerung es sich zu angepassten Konditionen auf jeden Fall nachzudenken lohnt.

Dritter positiver Fall ist Zoltan Stieber, der seine steigende Form nicht nur durch sein drittes Rückrunden-Tor untermauern konnte. Gerade bei Stieber und Kacar sieht man, was eine gute und verletzungsfreie Vorbereitungsphase bewirken kann. Aber sie sind leider nur die Ausnahme.

Es bleibt also dabei: Um den Abstiegskampf dieser Saison zu bestehen, wird Joe Zinnbauer weiter brennen müssen und sein Feuer ins Team einpflanzen. Viel mehr Hoffnungen bleiben nicht. Der Spielplan, daheim gegen Dortmund, dann auswärts in Hoffenheim, hört sich nicht gut an.

Nach dem heutigen trainingsfreien Tag geht es morgen um 10 Uhr und um 15 Uhr weiter, wobei das Team erst am Nachmittag auf den Platz gehen wird. Davon und von noch viel mehr wird Euch Dieter berichten.

Lars
18.28 Uhr

1:2-Niederlage – es darf weiter gezittert werden

28. Februar 2015

Der kleine Aufwärtstrend mit dem 1:1 gegen Mönchengladbach konnte nicht fortgesetzt werden, der HSV verlor sein Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt mit 1:2 und muss weiter um den Klassenerhalt in der Bundesliga zittern. Dabei spielten die Hamburger phasenweise nicht schlechter als die Hessen, doch es mangelt eben nach wie vor an Durchschlagskraft im Angriff. Ob sich das noch einmal bis zum Saisonende ändern wird? Zweifel sind angebracht. Andere Mannschaften, die im Feld ähnlich wie der HSV spielen, haben leider echte Stürmer, die diesen Namen auch verdienen – der HSV hat da gegenüber der Konkurrenz nicht viel zu bieten. Diese Niederlage hätte nicht sein müssen, obwohl Frankfurt in der Nachspielzeit noch einen zweiten Elfmeter verschoss, doch nun wird es ganz bitter: Dortmund kommt nach Hamburg, dann geht es nach Sinsheim und zu Hoffenheim. Schwere Zeiten für den HSV.

 

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Diese Partie hatte keine Abtastphase, es ging gleich mächtig zur Sache. Hin und her, rauf und runter. Und nach einer Minute und 52 Sekunden hätte der HSV schon in Führung liegen können, denn Artjoms Rudnevs lief von rechts allein auf das Eintracht-Tor zu, doch vor Keeper Trapp versagten dem Letten die Nerven: Er schoss den Torwart nur an, statt irgendetwas zu machen, zu lupfen, einen Schuss anzutäuschen, oder, oder. Es ist leicht gesagt, aber es ist sein Job, Tore zu schießen, aber leider kam diese Großchance etwas zu früh für ihn. Wie gesagt, es ging zur Sache. Auch die Frankfurter kamen vor das HSV-Gehäuse, und wenige Sekunden nach der Rudnevs-Möglichkeit forderten die Hessen Elfmeter, als Matthias Ostrzolek Gegenspieler Aigner im Strafraum zu Fall gebracht hatte – aber Schiedsrichter Florian Meyer (Burgdorf) pfiff nicht. Noch nicht.

 

Nach fünf Minuten schickte Mohamed Gouaida seine Spitze Rudnevs in den Eintracht-Strafraum, aber in letzter Minute fuhr Frankfurts Innenverteidiger Russ dem HSV-Stürmer in die Parade – nur Eckstoß statt Tor. Auf jeden Fall war das ein äußerst lebhafter Beginn. Beide spielten nach vorne, und nach einer Viertelstunde setzten sich die Frankfurter ein wenig mehr in der Hamburger Hälfte fest. Der frühere HSV-Spieler Alex Meier prüfte in der neunten Minute Jaroslav Drobny, doch der Tscheche tauchte blitzschnell ins rechte untere Eck ab und hielt den Ball – im Nachfassen.

 

Dann die elfte Minute. Blankes Entsetzen im Hamburger Team, auch auf der Bank. Referee Meyer zeigte auf den Elfmeterpunkt. Strafstoß für Frankfurt. Johan Djourou soll Piazon zu Fall gebracht haben, was ich als Witz empfunden habe. Und selbst Ober-Schiedsrichter Dr. Markus Merk, der Experte von Sky, sagte: „Das war eine harte Entscheidung, aber man kann sie vertreten.“ Das allein sagt schon alles. Nein, Herr Merk, und nein Herr Meyer, das war keiner, garantiert nicht. Und wenn, dann müsste es tatsächlich in jedem Spiel fünf bis acht geben. Ungeachtet dessen verwandelte Alex Meier seinen sechsten Elfmeter dieser Saison – souverän. Drobny tauchte in die rechte Ecke, in die Meier vorher alle fünf Strafstöße geschossen hatte; diesmal wechselte er die Ecke. Leider. Aus HSV-Sicht.

 

Dieses 0:1 schien die Hamburger ein wenig zu lähmen. Oder zu schocken. Es dauerte lange, ehe es mal wieder ein offensives Lebenszeichen vom HSV gab. In der 32. Minute scheiterte Zoltan Stieber mit einem 31-Meter-Freistoß (halblinke Position) am aufmerksamen Frankfurter Keeper – nur Eckstoß statt 1:1. Aber immerhin, diese Szene läutetet dann eine ausgeglichene Phase ein. Frankfurt verwaltete den 1:0-Vorsprung, der HSV spielte wieder etwas mehr mit.

 

Und der Ausgleich, der verdiente Ausgleich, fiel doch noch in Halbzeit eins. In der Nachspielzeit, eigentlich waren schon drei, vier, fünf Sekunden drüber. Meyer aber ließ den HSV noch laufen, und das tat links draußen Mohamed Gouaida. Wie weiland Forrest Gump, „Mo“ lief und lief, zog vier Frankfurter auf sich und legte den Ball am Eintracht-Strafraum quer auf Nicolai Müller. Und der hatte einen Geistesblitz, denn er bediente den sich nach vorne bewegenden Stieber mustergültig. Der Ungar nahm die Kugel perfekt mit und überwand Torwart Trapp. Ein schönes HSV-Tor, wie aus dem Lehrbuch. Halbzeit. Und viel, viel Hoffnung auf Hamburger Seite.

 

Diese Hoffnung wich aber sehr schnell wieder purer Verzweiflung: Slobodan Rajkovic hechtete einen Ball aus dem HSV-Strafraum heraus, Petr Jiracek wollte clever sein, den Ball in den eigenen Reihen halten – und köpfte auf Dennis Diekmeier zurück. Ein Hesse spritzte an der Strafraumkante dazwischen, bediente Alex Meier, und der bewies einmal mehr seine Kaltschnäuzigkeit. Der Mann aus Buchholz ist in solchen Szenen eiskalt, er hat die Übersicht und weiß genau, wohin der Ball soll – und er schoss ihn überlegt in die lange und rechte Ecke, das 2:1 in der 54. Minute. Wahnsinn, aber Meier macht den Unterschied, er schoss damit bereits sein 16. Saisontor.

 

Dann die Szene, die dieses Spiel wohl entschied. Matthias Ostrzolek foulte Aigner und sah Gelb-Rot. Der HSV stellte danach auf Dreierkette um, und brachte, als Slobodan Rajkovic verletzt ausschied, Rafael van der Vaart. Es wurde alles versucht, aber es reichte nicht mehr zum Punktgewinn, obwohl Maximilian Beister einmal noch frei vor dem Frankfurter Tor aufgetaucht war, aber an Keeper Trapp scheiterte (78.). In der Nachspielzeit legte Djourou den Frankfurter Stendera, noch einmal Elfmeter, doch den drosch Alex Meier an die Torlatte. Danach spielte die Eintracht das Ding locker über die restlichen Sekunden – harte Zeiten brechen nun für den HSV an, keine Frage.

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Diekmeier, Djourou, Rajkovic (ab 79. Min. van der Vaart), Ostrzolek; Kacar, Jiracek; Müller (ab 70. Min. Marcos), Stieber, Gouaida; Rudnevs (ab 60. Min. Beister).

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny hätte den 2:1-Treffer von Meier fast noch gehalten, aber er tauchte um Sekundenbruchteile zu spät ab. Ansonsten hielt er souverän – sah aber bereits seine vierte Gelbe Karte.

 

Dennis Diekmeier wirkte aggressiv und ging zur Sache, marschierte auch einige Male mit nach vorne, aber seine Flanken kamen nicht – gegen Gladbach zuletzt war er besser.

 

Johan Djourou verschuldete den Elfmeter zum 0:1-Rückstand und war danach unheimlich „griffig“, spielte auch zuverlässig und konzentriert, ein vorbildlicher Kapitän. Dass er aber auch den zweiten Elfmeter (gegen Stendera) verschuldete, spricht nicht unbedingt für ihn.

 

Slobodan Rajkovic hatte nach wie vor leichte Probleme beim Abspiel, aber räumt auch nach wie vor prächtig auf und ab. Das macht er absolut zuverlässig. Schied in der 79. Minute mit einer Knieverletzung aus, hoffentlich ist es nicht wieder das Kreuzband – aber es sah ein bisschen danach aus. Ganz, ganz bitter für ihn und den HSV.

 

Matthias Ostrzolek sah in der 53. Minute seine fünfte Gelbe Karte und erhielt in der 64. Minute noch einmal Gelb (nach Foul an Aigner) – damit Platzverweis, Pause im Heimspiel gegen Dortmund. Ansonsten lieferte sich Ostrzolek heiße Duelle mit Aigner, der nicht ganz auszuschalten war. Note vier für den Linksverteidiger.

 

Gojko Kacar begann etwas nachlässig, aber nach einer Viertelstunde war er im Bilde, gefiel wieder durch sein starkes Kopfballspiel – und machte insgesamt eine solide Partie.

 

Petr Jiracek war voll bei der Sache, er wich keinem Zweikampf aus, er rackerte rauf und runter, und er riss seine Nebenleute auch mit, leistete verbale Aufbauhilfe links und rechts – er hat vielleicht seine beste HSV-Phase zu fassen.

 

Nicolai Müller war zu sehen, war wieder nicht zu sehen, wobei die abgetauchten Phasen ein wenig länger waren. Dennoch war Müller nicht schlecht, er knüpfte ein bisschen an seine Vorstellung aus dem Gladbach-Spiel an. Wurde aus taktischen Gründen ausgewechselt – und war sauer.

 

Zoltan Stieber stellte sich voll in den Dienst der Truppe, ackerte unheimlich – und schoss ein schönes Tor. Er hat ganz, ganz sicher seine beste HSV-Phase zu fassen.

 

Mohamed Gouaida fand in den ersten 30 Minuten eigentlich nicht statt, aber dann kam er, dann zeigte er, warum Zinnbauer auf ihn setzt – das war nach der schwachen Anfangsphase eine starke Partie des wuseligen Linksfußes.

 

Artjoms Rudnevs hätte in der zweiten Minute das 1:0 machen müssen, leider, leider, und danach hatte er seine besten Szenen hinten. Obwohl er schnell und agil wirkte, aber letztlich bewegte er diesmal nichts.

 

Maximilian Beister (ab 60. Min. für Rudnevs) braucht wohl noch einige Zeit, völlig verständlich, aber er ist hungrig und bissig – und hätte das 2:2 machen können, als er in der 78. Minute vor Torwart Trapp aufkreuzte, aber den Frankfurter anschoss.

 

Ronny Marcos (ab 70.Min. für Müller) kam als Ersatz für Ostrzolek und mischte auf Anhieb gut mit. Er wird wohl auch gegen Dortmund hinten links verteidigen.

 

Rafael van der Vaart (ab 79. Min. für Rajkovic) sollte noch etwas nach vorne bewegen, aber das gelang in der dezimierten Mannschaft kaum noch.
 

Das war es zunächst vom Spiel bei und gegen Eintracht Frankfurt, aber es geht ja noch weiter, wie gewohnt. Gleich sind wir mit „Matz ab live“ zur Stelle, wir sind wieder in unserem Lieblings-Restaurant „Champs“ (Hamburg-Schnelsen; AKN-Station Burgwedel) zu Gast und werden über die soeben erlebten 90 Minuten sprechen. Unsere Gäste sind die beiden HSV-Talente Ahmet Arslan und Ashton Götz, die beide an diesem Sonntag mit der Zweiten (als Tabellenzweiter) gegen den Tabellenführer Werder II (15 Uhr, Stadion Hagenbeckstraße) antreten werden – und dann hoffentlich den freien Fall ein wenig bremsen. „Scholle“ und ich würden uns freuen, wenn Ihr per Bildschirm wieder bei uns sein würdet – bis gleich.

Und morgen dann mal wieder zur Zweiten – ist ein ganz, ganz wichtiges Spiel . . .

 

20.39 Uhr

Von Heesen tritt zurück – verloren geht er aber nicht

26. Februar 2015

Während HSV-Trainer Joe Zinnbauer im Zuge der Tischtennis-PK noch eine kleine Partie Kleinfeld-Tischtennis spielte, war es bereits verkündet: Thomas von Heesen tritt als Aufsichtsrat zurück und macht Platz für den delegierten Vereinspräsidenten Jens Meier. Eine Lösung, mit der in den letzten Monaten viele gerechnet hatten, die den Verein aber wertvolles Knowhow im Kontrollgremium kostet. Die letzte Patrone aus der einst geforderten Sportlichen Kompetenz: Peter Nogly. Jener Mann, den die HSVPlus-Verantwortlichen im Sommer noch als potenziellen Streichkandidaten gehandelt hatten.

 

Nun also von Heesen. Und das überrascht nicht, wird es doch schon seit Monaten kolportiert. Von den einst angekündigten “mindestens zwei sportlichen Fachleute” ist somit nur noch einer übrig. Nach Hrubesch, Hieronymus und Jakobs ist damit auch der letzte 83er weg.

 

Oder etwa nicht?

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Hinter vorgehaltener Hand wird schon seit Wochen eine große Geschäftsidee als Grund für den Rücktritt gehandelt. Von Heesen und der HSV planen eine Kooperation. Dabei sollen Geldgeber an akquiriert werden, die in potenzielle Nachwuchs-Stars investieren. Dietmar Beiersdorfer, der Vorstandsvorsitzende des HSV, sagte dazu gegenüber „Bild“ vor einigen Wochen: „Es gibt einen Markt von potenziellen Anlegern, die Interesse haben, in Talente zu investieren. In unserer Situation ist man in der Pflicht, sich damit auseinanderzusetzen.“ Und das hat man getan. Erfolgreich offensichtlich – wie der Rücktritt von Heesens vermuten lässt. So vermeidet der Ex-Profi, der insbesondere in Osteuropa sehr eng vernetzt ist, einen Interessenkonflikt.

 

Für den HSV könnte dieser Know-how-Verlust im Kontrollgremium letztlich ein Gewinn werden. Zumindest erhoffen sich das beide Seiten. Der HSV hat somit eine Mischung aus Scout und Sportchef, der auf Provision arbeitet. Ich bin gespannt, was daraus wird. Leider waren Dietmar Beiersdorfer und Thomas von Heesen bis eben noch zu keiner Stellungnahme zu erreichen.

 

Dafür waren die Spieler da – und eine Entscheidung scheint Bestand zu haben: Trotz Komplimente (“Er hat Reaktion gezeigt“) wird Rafael van der Vaart weiter auf der Bank Platz nehmen. Zumindest ließ Trainer Joe Zinnbauer heute so trainieren, wie er auch nach der Auswechslung des verletzten Ivica Olic gegen Gladbach hatte spielen lassen. Mit Kacar und Jiracek im zentralen Mittelfeld hinter Stieber. Und mit Slobodan Rajkovic neben Djourou. Somit gesellt sich am Main auch Westermann wieder zum Kapitän auf die Bank.

 

Ob dort mit Valon Behrami, Cléber und eventuell sogar Ilicevic drei Neue Platz nehmen, ließ Zinnbauer (siehe Video von der PK) noch offen. Er wolle die letzten beiden Trainingseinheiten abwarten, sagte er vor der heutigen Einheit. Und bei der präsentierten sich sowohl Cléber als auch Behrami auffällig fit. Insbesondere der Brasilianer machte einen extrem bissigen, motivierten Eindruck. Dennoch hoffe ich, dass Zinnbauer sein Leistungsprinzip beibehält und die Innenverteidigung der Vorwoche für ihre gute Leistung belohnt. Dass dahinter ein Cléber brennt und ein Westermann heiß darauf ist, seine Kritiker Lügen zu strafen – DAS ist für mich gesunder Konkurrenzkampf. Und nichts anderes.

Fakt ist, dass Zinnbauer eine Aufstellung gefunden hat, die seine Taktik hervorragend umsetzen kann. Auch ohne Ivica Olic, der zumindest am Sonnabend noch verletzt ausfällt. Für ihn wird mit Rudnevs einer der statistisch schnellsten Stürmer der gesamten Liga auflaufen – und der ist für klares Konterspiel zweifellos geeignet. Hinter ihm soll Zoltan Stieber weiter auf Konter lauern, sie mitlaufen und gegebenenfalls auch selbst abschließen – eben so, wie gegen Gladbach.

 

Es wird sicherlich nicht schöner, den HSV derart destruktiv spielen zu sehen. Sagen viele. Und mir ist das ehrlich gesagt gar nicht so klar. Denn mit dieser defensiv orientierten Spielweise schöpft der HSV aus seinen vorhandenen Qualitäten in meinen Augen das Maximum. Auch heute mussten die Spieler wieder intensiv das Verschieben üben. Immer gefordert: Das schnelle Spiel – am besten mit einem kontrolliert langen Ball auf die Stürmer.

 

Kurzum: Beim HSV manifestiert sich der Sinn für die Realität. Hoffnungen auf die Weltklasseform älterer Tage bei van der Vaart sind aufgegeben. Stattdessen setzt Zinnbauer auf die deutlich aggressivere Spielweise von Kacar und Jiracek. Anstatt andauernden den Ballbesitz zu fordern stellt Zinnbauer auf Konterspiel um – Hauptsache hinten zu Null. Dafür werden auch stundenlange Einheiten absolviert, in denen die Mannschaft noch mal das Basiswissen eines jeden Fußballers eingeimpft bekommt. Kurzum: Man ist einfach nicht mehr falsch eitel.

 

Und das ist ein Fortschritt, der hoffen lässt, nicht noch einmal bis zur letzten Sekunde um den Klassenerhalt zittern zu müssen. Der HSV spielt sicherlich kein zuschauerfreundliches 4-4-2-System, aber er spielt endlich wieder einheitlich eines. Und das allein macht das Spiel (wenn die Gladbach-Leistung konserviert wird) für mich schon ansehnlicher als die vielen Spiele, in denen der HSV Dinger zeigen wollte, die dieser Kader schlichtweg nicht (mehr) hergab. Der „Ich-will-ja-kann-es-aber-nicht“-Spielstil ist einem in vielen Teilen hässlichen aber eben pragmatischen Fußball gewichen. Zinnbauer hat alles auf Null gestellt und hat mit dem Gladbach-Spiel den ersten kleinen Fortschritt gemacht. „Das würde ich so noch gar nicht sagen“, hatte mir Kacar gestern gesagt, „denn alles Gute ist erst dann ein Fortschritt, wenn man es wiederholen kann.“ Weise Worte – an die Kacar glaubt: „Wir trainieren gut und unsere Mannschaft weiß, worauf es ankommt. Wir alle haben ein einziges Ziel: Punkten. Egal wie.“

 

Dem Motto schließe ich mich an dieser Stelle gern an. Sehr gern sogar.

 

Und bevor ich den heute etwas kürzeren Blog abschließe, möchte ich noch ein Versäumnis von gestern nachreichen und an einen Mann denken, dem es gerade schlecht geht: Wolfram Wuttke. Der einstige Zehner mit dem Außenrist-Hammer liegt aus noch nicht näher bekannten Gründen im Koma. Und bevor ich hier irgendwelche Gerüchte weitergebe, belasse ich es dabei, dem heute gerade einmal 53-Jährigen von hier aus ausschließlich die besten Genesungswünsche zu schicken. Denn nur darum geht es jetzt.

 

 

In diesem Sinne, morgen wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert, bevor es nach Frankfurt geht. Ich melde mich am Abend bei Euch. Bis dahin,

 

PS: Großer Abend für Tolgay Arslan in der Europa League. Der ehemalige HSV-Spieler schoss gegen den FC Liverpool, der das Hinspiel 1:0 gewonnen hatte, das 1:0 für Besiktas Istanbul. Verlängerung und Elfmeterschießen, Arslan verwandelte den fünften Elfmeter zum 5:4 – und die Engländer verschossen ihren fünften Elfer – die Türken (dank Arslan) weiter. Und Glückwunsch an Tolgay Arslan!

 

Scholle

Friede, Freude, Eierkuchen – Meier gewählt. Und Beister rettet 1:1 gegen Odense

25. Januar 2015

Das war ein großer Tag für den HSV. Jetzt soll und wird Ruhe einkehren. So jedenfalls die Hoffnung vieler, vieler Mitglieder. Ob es so kommen wird, steht in den Sternen, aber was stirbt nicht auch beim HSV zuletzt? Jens Meier ist neuer Präsident des HSV e.V., Henning Kinkhorst ist neuer Vizepräsident und Dr. Ralph Hartmann ist der neue Schatzmeister des Clubs – es ist also angerichtet, diese Herren wurden für drei Jahre in ihre Ämter gewählt. Ein besonders schöner Tag für den HSV wurde es allerdings auch und vor allem durch Alexander Otto. Der ehemalige Aufsichtsrats-Chef spendet dem HSV 10 Millionen Euro für den Campus-Bau. Der Milliardär verkündete seine und diese Großzügigkeit während der Mitgliederversammlung und wurde spontan mit standing ovations gefeiert. „Wir sind sehr glücklich, dass Alexander Otto unser Campus-Projekt, das ja seit Sommer 2014 noch einmal komplett umgeplant wurde, so geduldig und mit großem Verständnis im Sinne unserer Neufokussierung auf den Sport begleitet hat“, sagte Dietmer Beiersdorfer und bedankte sich bei Otto herzlich und immer wieder. Wahrlich ein großartiger Tag für den HSV – und nach der finanziellen Hilfe von Investor Klaus-Michel Kühne ein weiterer Schritt, den Club der Rothosen weiter auf gesunde – oder gesündere – Beine zu stellen.

 

Der Campus-Baubeginn soll, so Alexander Otto, gegen Ende dieses Jahres starten und im Frühjahr 2017 soll dann das schnittige Gebäude bezugsfertig sein. Der Fußball-Gott möge dem HSV bei diesem Vorhaben beistehen – und die Planungen unterstützen.

 

„Ich freue mich, dass wir mit dem HSV-Campus gleich doppelten Nutzen stiften: Die Nachwuchsarbeit für die Profis wird dadurch deutlich verbessert, und gleichzeitig fördern wir darüber den HSV-Amateursport. Beides liegt mir besonders am Herzen. Ich bin überzeugt, dass die Weichen beim HSV mit der jetzigen sportlichen Leitung und dem Campus für eine erfolgreiche Zukunft gestellt sind“, sagte Alexander Otto, der der gefeierte Mann war.

So soll der Campus, der zehn Millionen Euro kostet, aussehen

So soll der Campus, der zehn Millionen Euro kostet, aussehen

Und der den Beifall sichtlich genoss: „Es ist ja mal schön, wenn man eine solche Neuigkeit auch mal während einer Mitgliederversammlung verkünden kann. Diesen Tipp sollte man auch dem Herrn Kühne vielleicht mal geben, es fühlt sich jedenfalls sehr gut an.“ Otto stiftet die zehn Millionen an die HSV-Campus-gGmbH – also die gemeinnützige GmbH. Die vermietet das 4600-Quadratmeter-Gebäude für 500.000 Euro per annum an die HSV Fußball AG, und damit werden gemeinnützige Sportprojekte des HSV e.V. gefördert und unterstützt. Dem Beirat der gGmbH gehören u.a. Dietmar Beiersdorfer, Jens Meier und Alexander Otto an. Gesellschafter der HSV-Campus-gGmbH sind die HSV Fußball AG mit 75 Prozent und Alexander Otto mit 25 Prozent Anteilen. Zu den Geschäftsführern wurden Rando Aust, Vorstandsvorsitzender der Alexander Otto Sportstiftung, und Joachim Hilke, Vorstand der HSV Fußball AG, bestellt.

Der HSV-Campus von innen

Der HSV-Campus von innen

 

771 stimmberechtigte Mitglieder waren um 11.22 Uhr anwesend, nicht stimmberechtigt aber trotz allem 55 Minuten anwesend: die HSV-Profis. Mit viel Beifall begrüßt, mit ebenso vielem Applaus zum bevorstehenden Spiel gegen Odense verabschiedet. Mitten drin hechelte der etwas verspätete Aufsichtsrats-Chef Karl Gernandt in den Saal. Und hatten zu Beginn dieser MV noch zwei Herren darüber geklagt, dass der Ton zu rüde sei, so wurde es im Laufe des Nachmittags immer harmonischer.

 

Gleich zu Beginn wurde über einen Antrag des ehemaligen Aufsichtsrats-Bosses Manfred Ertel abgestimmt. Der hatte folgenden Antrag eingebracht: „Das Präsidium des HSV e.V. wird aufgefordert, alle erdenkliche Schritte zu ergreifen, dass der Vorsitz im Aufsichtsrat der HSV-Fußball-AG vom Präsidenten des HSV e.V. bekleidet wird. Dazu gehört insbesondere, einen entsprechenden Beschluss in der Hauptversammlung der Fußball AG herbeizuführen.“ Unabhängig davon, dass ein solcher Beschluss ohne rechtliche Gültigkeit geblieben wäre – der Antrag wurde mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Wobei ja auch Jens Meier vorher in diversen Interviews (zwei im Hamburger Abendblatt) angekündigt hatte, nicht Aufsichtsrats-Chef der AG werden zu wollen. Dieses Amt übt weiterhin Karl Gernandt aus, und wenn ich die Stimmung im Saael richtig deute, dann übt er dieses Amt zum Wohle der meisten Mitglieder aus.

 

Dann ging es nur noch erfreulich weiter. Carl-Edgar Jarchow hielt seine Abschiedsrede, er erhielt dafür Beifall im doppelten Sinne. Überwiegend mehr Applaus gab es dafür, dass er für den HSV gearbeitet hat, es gab aber auch Beifall dafür (hielt sich in Grenzen), dass er nun abtritt. Richtig viel Applaus gab es danach für Dietmar Beiersdorfer, der über seine bisherigen sieben Monate Auskunft gab. Der HSV ist ein Verein – stellte „Didi“ fest und schloss sich dann seinen Mitstreitern Bernhard Peters und Peter Knäbel an: „Wir sind mit unserer Arbeit immer noch ganz am Anfang.“ Natürlich. Über Nacht geht da nichts. Das wird nun auch das Präsidium des e.V. zu spüren bekommen. Beiersdorfer aber zeigte gute oder bessere Perspektiven auf: „Wir schwimmen immer noch nicht in Geld, aber wir haben die finanzielle Lage stabilisiert.“ Zur Stimmungslage innerhalb des Vereins befand der Club-Chef: „Es gibt bei uns jetzt nicht mehr die oder die, sondern nur noch einen HSV.“ Und: „Aus Alt und Neu wird zurzeit gerade eines: unser HSV!“ Zum Abschluss seiner Rede sagte Beiersdorfer auch: „Ich sehe den Einsatz und den Willen aller, für den HSV zu arbeiten. Das stimmt mich für die Rückrunde zuversichtlich.“

Zur sportlichen Seite hatte der „Didi“ vorher auch gesprochen. „Wir haben die Defensive stabiler hinbekommen, nur drei Vereine sind in dieser Spielzeit bislang besser als der HSV, und nur der FC Bayern hat bislang öfter zu null gespielt. Dafür muss ich aber auch zugeben, dass vorne viel zu oft die Null bei uns stand, aber daran arbeiten wir.“ Dafür erntete er Gelächter. Ernster wurde es beim Thema Trainer – und Entlassung. Beiersdorfer: „Wir mussten uns von Trainer Slomka trennen, denn es bestand weniger bis gar keine Hoffnung auf Besserung. Mit Trainer Joe Zinnbauer kam ein akribisch arbeitender Mann, der der Mannschaft Mentalität zurückgegeben hat, die eines HSV würdig ist.“

 

Wie gesagt: Friede, Freude, Eierkuchen bei diesem HSV. Der HSV spielt demnächst wieder im Volksparkstadion, und vielleicht wird es einem total verunsicherten, etwas bröckelnden oder leicht auseinandergebrochenen und unruhigen Club ja doch eines Tages noch gelingen, EIN HSV zu werden. An diesem 25. Januar 2015 wurde auf jeden Fall viel dafür getan – und es wurde nicht nur ein Schritt gemacht, das waren viele. So zufrieden, wie die meisten Mitglieder diesmal den CCH-Saal (2) verlassen haben, so zufrieden sind sie wohl seit Jahrzehnten nicht mehr nach Hause gegangen. Jetzt müsste es nur noch sportlich passen – aber das wird. So mein Bauchgefühl. Und während ich das schreibe, sitzt „Scholle“ im Volksparkstadion bei der Generalprobe, dem Spiel gegen Odense BK. Er darf von diesem Spiel keine Zwischenstände oder Ähnliches vermelden, das hat der HSV so bestimmt, deswegen müsst Ihr Euch noch ein wenig gedulden. Ob „Scholle“ dann den Bericht hier anfügt, oder einen neuen anlegt, das vermag ich aus dem CCH nicht zu sagen, ist ja aber auch unwichtig.

 

Um noch schnell auf die Wahlen zu kommen. Jens Meier wurde mit 84,5 Prozent gewählt, 15,5 Prozent waren gegen ihn, bei 32 Enthaltungen. Henning Kinkhorst wurde mit 82,6 Prozent gewählt, 17,4 Prozent waren gegen ihn, es gab 60 Enthaltungen. Und Dr. Ralph Hartmann erhielt 76,6 Prozent Ja-Stimmen, 23,4 Prozent waren gegen ihn, dazu gab es 73 Enthaltungen. Bei der Wahl des Delegierten der Fördernden Mitglieder in den Beirat wurde Patrick Ehlers gewählt. Jan Wendt wurde in einer Kampfabstimmung zum Vertreter der Amateure in den Beirat gewählt, das ehemalige Aufsichtsratsmitglied setzte sich mit 53,8 Prozent gegen das bisherige Beiratsmitglied Eckart Westphalen (46,2 Prozent) durch.

Der erste Präsident des neuen HSV e.V.: Jens Meier

Der erste Präsident des neuen HSV e.V.: Jens Meier

 

 

So, und nun könnte es dann demnächst sportlich werden – mit „Scholle“ und dem HSV gegen Odense.

 

So fühlen sich also Geisterspiele an. Null Zuschauer – zumindest keine Fans, sondern nur Vereinsverantwortliche auf der Tribüne. Jedes Wort auf dem Platz war zu hören, jeder Trainerkommentar bis auf die Tribüne wahrnehmbar. Einzig guter Fußball war kaum zu sehen. Und das lag nicht allein an der fehlenden Durchschlagskraft des HSV, der mit dem U23-Spieler Nils Brüning als einzige Spitze im 4-1-4-1-System anfing. Vielmehr war es der Tabellenzehnte (von zwölf) aus Dänemark, der den HSV kaum bis gar nicht zu fordern verstand – es sei denn, die HSV-Abwehr lud ein. Wie in der zweiten Minute, als der ansonsten vergleichsweise agile Zoltan Stieber den Ball unnötig in der eigenen Hälfte verlor und die Dänen frei zu Schuss kamen und nur den Pfosten trafen.

In der einseitigen Partie (Odense war über den Großteil des Spiels mit allen elf Spielern in der eigenen Hälfte) konnten die HSV-Profis schon mal erahnen, was am kommenden Sonnabend auf sie zukommt. Gegen die massierte Abwehr der Dänen fiel dem HSV dabei erneut nur sehr wenig ein. Bis auf Mohamed Gouaida in der vierten, Zoltan Stieber in der 44. Minute und zwei Fernschüssen Heiko Westermanns gab es keine Torszenen.

In der zweiten Hälfte brachte Zinnbauer dann Artjoms Rudnevs und den wieder nicht überzeugenden Innocent Emeghara. Gefährlich wurde es dennoch zunächst erneut durch Heiko Westermann – per Kopf nach einem Eckball Rafael van der Vaarts (48.). Und ebenfalls wieder durch individuelle Fehler. Diesmal war es Jaroslav Drobny, der auch für Köln gesetzt ist, der mit einem katastrophalen Fehlpass die Führung der Dänen einleitete. Mathias Peter Greve Petersen traf zum 1:0 für die Gäste.

Aber der HSV reagierte. In der 65. Minute wechselte Zinnbauer mit Green, Lasogga und Beister drei frische Offensivkräfte ein. Und das hatte Wirkung. Eine gute Viertelstunde vor Schluss zog Comebacker Maxi Beister einfach mal aus 25 Metern ab – und traf zum 1:1.

Torschütze Maximilian Beister (l.) zeigte erneut, dass schon bald wieder mit ihm zu rechnen ist

Torschütze Maximilian Beister (l.) zeigte erneut, dass schon bald wieder mit ihm zu rechnen ist

Wobei Odenses Keeper bei dem Flachschuss in die Tormitte keine gute Figur machte. Und hätte Lasogga in der 81. Minute nicht nur den Innenpfosten getroffen – der HSV wäre tatsächlich als Sieger vom Platz gegangen. So aber bleib es beim eher enttäuschenden 1:1 gegen alles andere als starke Dänen bei der Erkenntnis, dass der HSV noch eine Menge Arbeit vor sich hat – zumal sich personell derzeit nichts tut. Tolgay Arslan steht vor der Wahl, zu Besiktas oder (tendenziell eher zu) Trabzonspor zu wechseln, kann sich aber noch nicht entscheiden. Bei Jospip Drmic kommt aktuell keine Bewegung rein (Beiersdorfer: „Seine Verpflichtung wird sehr schwer“), ebenso wenig bei Zdravko Kuzmanovic. Der Serbe stand bei Inter Mailands 0:1-Niederlage gegen Torino sogar noch in der Startelf.

Fakt ist, dass es der HSV in der Bundesliga mit deutlich schwereren Kalibern zu tun bekommen wird als heute. Obgleich Zinnbauer die Frage in den Raum stellte: „Vielleicht waren die aber nicht nur schwach, sondern wir ganz ordentlich…“ Eine Frage, die auf den zweiten Abschnitt bezogen zutreffend ist. Dennoch weiß auch Zinnbauer, dass das Kernproblem, die fehlende Torgefahr, noch nicht behoben ist. „Wir brauchen mehr Torgefahr.“

Auf Maxi Beister, der davon trotz seines körperlichen Defizites noch am meisten ausstrahlt, wird sich Zinnbauer noch nicht stützen können. Obgleich ihn die Situation überlegen lässt. „Maxi fehlt noch etwas. Wir müssen schon überlegen, ob er für den Kader in Frage kommt.“ Bei Pierre Michel Lasogga – neben Biester der zweite positive Aspekt des Spiels – stellt sich diese Frage nicht. „Er wird im Kader sein gegen Köln. Wir werden unter der Woche dosiert mit ihm umgehen, ihn sehr konzentriert trainieren lassen. Aber er ist dabei. Wenn auch noch nicht über 90 Minuten.“

Überzeugend war heute der Auftritt von Heiko Westermann auf der Sechs. „Er hat das defensiv gewohnt gut gelöst und auch offensiv gute Szenen gehabt“, lobte Zinnbauer, der überlegt, Westermann auch gegen Köln auf die Sechs zu stellen. Zumindest für den Fall, dass bis dahin kein neuer Sechser verpflichtet werden kann. Zinnbauer: „Ich plane mit den Spielern die ich jetzt habe.“

Nicht mehr dabei sein werden Testspieler Emeghara und Ivo Ilicevic. Mit beiden wird sich Zinnbauer am Montag unterhalten und ihnen seine Entscheidung mitteilen. Genau so, wie er es heute mit Rene Adler gemacht hatte. „Ich habe mit ihm gesprochen und ihm gesagt, dass Drobo vorn ist. Er hat es sehr gut aufgenommen, die Entscheidung akzeptiert. Wir, Torwarttrainer Stefan Wächter und ich, sehen, dass Drobo seinen Vorsprung gehalten hat. Aber auch, dass ich Rene sehr gut eingefügt hat, sehr präsent ist.“

In diesem Sinne, bis morgen. Dieter und ich verabschieden uns an dieser Stelle bis morgen, wo um zehn Uhr an der Arena trainiert wird.

 

Bis dahin,

Scholle

 

HSV (1.Hz.): Drobny – Götz, Djourou, Cléber, Marcos – Westermann – Müller, van der Vaart, Stieber, Gouaida – Brüning.

2.Hz.: Drobny – Jansen, Djourou (65. Kacar), Rajkovic, Ostrzolek – Westermann (65. Mende) – Müller (65. Beister), van der Vaart (65. Green), Stieber (65. Lasogga), Emeghara – Rudnevs.

 

PS: Bei der Gelegenheit: Vielen Dank für die Teilnehmer am Matz-ab-Abend vom Sonnabend. Es war wieder einmal toll und großartig und harmonisch, es hat allen viel Spaß gemacht – und das möchte ich hiermit noch kurz würdigen. In der Hoffnung, dass Ihr alle wieder gut nach Hause gekommen seid, verbleibe ich mit den freundlichsten Grüßen (und wünsche allen einen guten Start in die neue Woche!),
Dieter

 

16.23 Uhr

Arslan-Wechsel stockt am Tag vor der Mitgliederversammlung

24. Januar 2015

„Wenn Du über die Mitgliederversammlung schreibst, schreibe doch bitte, dass…“ – ein Satz, den ich in den letzten Tagen zunehmend zu hören bekam. Und das, obwohl es eigentlich niemanden gibt, der für Sonntag mit viel Theater rechnet. Im Gegenteil, fast überall ist zu hören, dass diese Versammlung zum einen unspektakulär und zum anderen schwach besucht sein wird. Und ich frage mich zumindest bei Letzterem: Warum? Immerhin ist es die erste Versammlung in der neuen Struktur, das erste Mal die Möglichkeit, das neue Konstrukt zu formen. Es wird das erste Mal ein Präsident des e.V. gewählt. Kurzum: Ausruhen ist nicht. Oder um es mit Fußball zu beschreiben: Im Sommer hat man sich eine verdiente Führung hart erarbeitet – aber das Spiel ist noch lange nicht abgepfiffen…

 

Es wäre fahrlässig zu glauben, dass alle Weichen gestellt sind. Die neue Vereinsführung verbreitet zwar weiterhin Optimismus, aber sportlich besser geworden ist es noch nicht. Gut, finanziell hat man sich dank des guten Deals mit Klaus Michael Kühne aus einer fast ausweglosen in eine schlechte Situation verbessert. Man kann zumindest wieder handeln. Aber gut ist es auch hier noch nicht. Und jetzt soll der Präsident des e.V. gewählt werden, der zudem Mitglied des Aufsichtsrates wird. Ginge es nach Manfred Ertel, dies sogar als Vorsitzender des Kontrollgremiums. Und da der HSV e.V. immer auch der Mehrheitseigner der AG sein wird, kann Präsident (Jens Meier ist der einzige Kandidat) mit seinem künftigen Vizepräsidenten Henning Kinkhorst und dem neuen Schatzmeister Dr. Ralph Hartmann in der Versammlung der Gesellschafter entscheidenden Einfluss auf die Geschicke der AG nehmen. Addiert man die Wahlen der zwei Beirats-Gesandten aus der Amateur- Abteilung sowie der Fördernden Mitglieder dazu, kann man dieser Mitgliederversammlung das Prädikat „besonders wichtig“ geben. Die noch unsicheren Entlastungen des ehemaligen Aufsichtsrates sowie des alten Vorstandes sind als Zugabe nicht minder interessant.

 

Dass ich dennoch hoffe, eine ruhige Mitgliederversammlung zu erleben – kein Thema. Ganz klar. Ich wäre froh, wenn dieser Verein morgen einheitlich auftritt und konstruktiv diskutiert. Zum Beispiel über das Thema Präsidentschaftswahl. Dass nur ein Präsidentschaftskandidat zugelassen wurde halte ich noch immer für falsch. Und ich bin mir sicher, mit dieser Meinung nicht allein zu sein. Oder besser gesagt: Ich bin mir sogar sicher.

Soll am Sonntag erster Präsident des neuen HSV e.V. werden: Jens Meier

Soll am morgigen Sonntag erster Präsident des neuen HSV e.V. werden: Jens Meier

Denn selbst der einzige Kandidat, Hafenchef Jens Meier, denkt so. Meinem Kollegen Kai-Uwe Hesse sagte er im „Bild“-Interview: „Ich hätte es auch besser gefunden, wenn es eine Auswahl geben würde. Es wird nach der Versammlung eine Diskussion geben. Meine Prognose ist, dass es für künftige Wahlen eine Satzungsänderung geben wird und man dann eine Auswahl hat. Das ist auch mein Demokratie-Verständnis.“ Na dann.

Dass Meier eine gute Wahl ist, will ich damit nicht in Frage stellen. Im Gegenteil, Meier als Bindeglied zwischen e.V. und AG-Tochter ist ein viel versprechender Anfang. Der Tischtennisspieler galt schon im alten Aufsichtsrat als Vernunftsperson. Er war kein Befürworter der HSVPlus-Initiative, aber er nahm das Mandat der Mehrheit aus dem Januar an und setzte es um. Meier gilt als loyal seinem Amt gegenüber und als Demokrat. Und, ganz nebenbei: Selbst wenn ihm als ehemaliger AR die Entlastung versagt bliebe, dürfte er das Amt des Präsidenten antreten.

Meier hat sich selbst zum Ziel gesetzt, der Verein HSV wieder zu vereinen und dabei das Maximum für den e.V. herauszuholen. Von 74000 Mitgliedern soll der Verein unter seiner Führung auf 100000 Mitglieder wachsen. Dass er im Vorfeld in den verschiedene Medien weichgespülte Rhetorik verbreitet – nichts anderes als Wahlkampf. Ein guter sogar. Denn was er sagt, will der gemeine HSV-Fan hören. Via Abendblatt verbreitet er Hoffnung: „Diese Beteiligung ist ein weiterer entscheidender Schritt, um Ruhe in den Verein zu bekommen. Man darf die Hoffnung hegen, dass sich nun weitere Investoren engagieren.“

 

Klar ist indes der Abgang von Tolgay Arslan, den es zu Besiktas Istanbul ziehen sollte. Einige Twitterer und auch die “Bild” vermeldeten bereits Vollzug. Demnach sollte eine Ablösesumme um und bei 500000 fließen, zudem wäre der HSV dem Vernehmen nach mit zehn Prozent am Weiterverkauf beteiligt. Eine gute Nachricht für Peter Knäbel, der aktuell an der Verpflichtung eines neuen Angreifers arbeitet. Dachten alle – bis jetzt ein weiterer Klub auftauchte und seinerseits für Arslan bietet. Plötzlich ist wieder offen, wohin es den defensiven Mittelfeldmann zieht. Ergo: Der Abgang Arslans verzögert sich um ein paar Tage– aber so kann der HSV in Sachen Ablöseforderung vielleicht sogar noch ein wenig nachbessern…

Besiktas? Oder doch ein anderer Klub? Tolgay Arslan steht unmittelbar vor seinem Wechsel.

Besiktas? Oder doch ein anderer Klub? Tolgay Arslan steht unmittelbar vor seinem Wechsel.

 

Warten muss der HSV indes weiterhin auf seinen ersten Neuen. Josip Drmic soll es werden, Ideye Brown von West Bromwich könnte es werden. Jeweils sind Leihgeschäfte mit Kaufoptionen Grundlage der begonnenen Verhandlungen. Ebenso wie bei Inter Mailands Zdravko Kuzmanovic. Neues gibt es hier allerdings leider (noch) nicht. Auch deshalb darf der Schweizer Testspieler Innocent Emeghara beim Test gegen Odense BK morgen um 15.30 unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein letztes Mal vorspielen.

 

In diesem Sinne, bis morgen. Hoffentlich dann zahlreich im Saal 2 des CCH. Beginn 11 Uhr. Das nur für die, die es noch nicht wussten… 😉

 

Scholle

 

Die Tagesordnung der Mitgliederversammlung:

 

Vorläufige Tagesordnung:

1. Eröffnung und Begrüßung der Mitglieder
2. Feststellung der ordnungsgemäßen Einberufung und Beschlussfähigkeit
3. Gedenken an die Verstorbenen
4. Feststellung der Anwesenheit
5. Genehmigung des Protokolls der Mitgliederversammlung vom 25.05.2014
6. Bericht des Präsidiums
7. Bericht des Vorstands der HSV Fußball AG
8. Bericht der Rechnungsprüfer
9. Entlastung der Rechnungsprüfer
10. Entlastung des ehemaligen Aufsichtsrates
11. Entlastung des ehemaligen Vorstands
12. Wahl des Präsidiums
a) Wahl des Präsidenten
b) Wahl des Vizepräsidenten
c) Wahl des Schatzmeisters
13.Wahl des Delegierten der Amateure im Beirat
14.Wahl des Delegierten der Fördernden Mitglieder im Beirat
15. Berichte von Amateurvorstand, Ehrenrat, Seniorenrat und Abteilungsleitung Fördernde Mitglieder
16. Entlastungen von Amateurvorstand, Ehrenrat, Seniorenrat und Abteilungsleitung Fördernde Mitglieder
17. Anträge
18. Verschiedenes

 

Die acht eingereichten Anträge sind unter http://www.hsv.de/verein/meldungen/verein/2014/dezember/einladung-mitgliederversammlung-25012015/

einsehbar.

0:2 gegen ManCity – der HSV hielt nur eine Hälfte dagegen

21. Januar 2015

Im dritten und letzten Testspiel des Trainingslagers in Dubai setzte es für den HSV die erste Niederlage. Das Zinnbauer-Team verlor gegen Manchester City mit 0:2. Eine Halbzeit gar nicht schlecht gespielt vor 5.000 Fans in Al Ain, danach ging aber nicht mehr viel – das ist das Fazit. Auf Twitter machte schnell die Runde: die Gegentore waren die ersten gegen einen Champions-League-Verein in dieser Saison nach den Bundesliga-Partien gegen die Bayern (0:0), in Dortmund (1:0), gegen Leverkusen (1:0) und in Schalke (0:0). Auf jeden Fall blieb dem HSV durch diese Partie im Hazza Bin Zayed Stadium, das einjähriges Bestehen feierte, am Ende ein Sümmchen übrig, das das Trainingslager finanziert.

Die ersten Aktionen waren recht nervös vom HSV. Die junge ersatzgeschwächte Truppe hatte doch ein wenig Ehrfurcht vor dem englischen Meister. Allen voran Sven Mende, der erst kurzfristig für Petr Jiracek (Wadenprobleme) reingerutscht war. In der 5. Minute der erste gute Angriff des HSV. Nach einem öffnenenden Pass von van der Vaart flankte Marcos von links, aber Gouaidas Schuss aus 16 Metern ging über das City-Gehäuse. Das erste Mal eng auf der anderen Seite wurde es in der 12. Minute, als Götz eine Milner-Vorlage beinahe ins eigene Netz lenkte.

Auffällig in der ersten Halbzeit: Beim HSV lief alles über van der Vaart. In der 16. Minute prüfte er Caballero im Manchester-Gehäuse mit einem 25-Meter-Fernschuss. Weniger Mühe hatte der Schlussmann mit einem van-der-Vaart-Freistoß einige Augenblicke später. In der 27. Minute segelte ein Ball von Artjoms Rudnevs, halb Schuss, halb Flanke, über das englische Tor. Immerhin war bis zu diesem Zeitpunkt schon erkennbar: Der HSV wollte und konnte auch nach vorn spielen. Vielleicht lag es ja daran, dass Frank Lampard Mitte der ersten Hälfte das Feld verließ. Einer der britischen Fußball-Stars des vergangenen Jahrzehnts war offenbar leicht angeschlagen. Glück für die Hamburger kurz vor dem Wechsel, als kurz nacheinander Sagana und Jovetic mit ihren Schüssen das Tor von Jaroslav Drobny verfehlten.

Einmal gab es Hamburger Torjubel, aber Stiebers Treffer in der 43. Minute zählte zurecht nicht, weil der im Abseits stehende Emeghara den Ball abfälschte (43.). Beinahe machte der Leih-Stürmer diese unglückliche Aktion wett, als er eine Minute später aus 22 Meter aufs lange Eck zog. Erneut war Caballero aber zur Stelle.

Die zweite Halbzeit begann mit dem 0:1. Nach einem Milner-Steilpass nahm Jovetic den Ball mit der Brust runter und überwand Adler direkt, obwohl der Hamburger Torwart noch mit der Hand am Ball war (50.). Beim HSV wurde nun viel gewechselt, der Spielfluss schwand zusehends. Mohamed Goauida hatte noch einen sehenswerten Fernschuss übers Tor (73.). Ex-Wolfsburger Edin Dzeko erhöhte in der 74. Minute auf 2:0 für Manchester. Der Treffer hätte wegen eines vorausgegangenen Handspiels auch abgepfiffen werden können. Die jungen Hamburger brachten die englischen Stars nur noch zweimal in Verlegenheit. Nach einer flachen Vorlage von Ashton Götz traf Philipp Müller aus acht Metern die Latte (77.), und ein Kopfball von Ahmet Arslan ging knapp drüber (89.)

Bei den Engländern fehlte übrigens der etatmäßige Kapitän Vincent Kompany. Der ehemalige HSV-Verteidiger wurde geschont und absolvierte vor der Partie im Stadion sein leichtes Trainingsprogramm. Auch Nationalkeeper Joe Hart stand nicht auf dem Rasen.

So spielte der HSV: Drobny (46. Adler) – Götz, Djourou (46. Cleber), Rajkovic (67. Westermann), Marcos (46. Jansen) – Mende – Stieber (67. Kacar), Gouaida (78. A. Arslan), van der Vaart (60. P. Müller), Emeghara (60. Beister) – Rudnevs (74. Green)

Nach diesem Test plant Zinnbauer für den Rückrundenstart gegen den 1. FC Köln ohne zwei seiner Spieler: Valon Behrami und Lewis Holtby. Behrami ist ohnehin gesperrt wegen der fünften Gelben Karte und überdies noch am Knie verletzt. Holtbys Schlüsselbeinbruch war die schwerste Verletzung des Trainingslagers. Alle anderen sollen gegen Köln zur Verfügung stehen. Auch Pierre Michel Lasogga. „Davon gehe ich aus“, so Zinnbauer. „Auch wenn es vielleicht noch nicht für 90 Minuten reichen wird.“ Gleiches gilt für Nicolai Müller, der in Hamburg gleich wieder ins Training einsteigen und schon das Testspiel gegen Odense (hinter verschlossenen Türen) bestreiten soll.

Was die Verletzungen in Dubai angeht, weist Zinnbauer darauf hin, dass nur wenige muskuläre Probleme aufgrund von Überbeanspruchung dabei seien. „Holtby und Ostrzolek waren Unfälle. Lasogga und Behrami haben ihre Maleschen schon mitgebracht. Jung und Cleber haben einen Schlag bekommen, und nur Nicolai Müller hat eine Muskelverhärtung.“ Bei Dennis Diekmeier liegt eine Knochenhautreizung vor. Schmerzhafte Angelegenheit, die auch dauern kann. Zeitpunkt der Rückkehr offen.

Tolgay Arslan wird am Donnerstag – ziemlich sicher ein letztes Mal – den Flieger mit der HSV-Mannschaft besteigen. Der Verkauf zu Besiktas Istanbul ist noch nicht ganz unter Dach und Fach. Sein Vater und Berater hat bestätigt, dass zuvor ein Angebot von Trabzonspor abgelehnt worden war. „Wir sind in Verhandlungen und gehen davon aus, dass wir uns einigen werden“, sagte HSV-Manager Peter Knäbel in Dubai zu den Gesprächen mit Besiktas.

Noch längst nicht soweit ist Ivo Ilicevic. Der Kroate hält sich in Hamburg fit und hat keinen neuen Verein. Sein Vertrag beim HSV läuft bis Saisonende. „Ich kenne Ivo schon aus seiner Zeit in Kaiserslautern. Er ist ein guter Spieler“, sagte Joe Zinnbauer heute. „Aber wir haben die Entscheidung getroffen, ihn in Hamburg zu lassen. Die Begründung habe ich über Peter Knäbel ausrichten lassen.“ Stilistisch nicht ganz elegant, und darüber hat sich Ilicevic heute auch in der „Mopo“ beklagt. Aber guter Stil hin oder her – entscheidend im Profi-Geschäft ist die Leistung, und die hat der Kroate nach Einschätzung der Verantwortlichen in Hamburg viel zu selten abgerufen seit 2011.

In aller Stille hat der HSV mittlerweile den Vertrag mit Ashton Götz bis 2018 verlängert. Götz hat in der Hinrunde seine ersten Profi-Meriten gesammelt. Im Stadionheft des Manchester-Kicks wurde er sogar neben Rafael van der Vaart als zweiter HSV-Star mit großem Porträt vorgestellt – eine etwas voreilige Maßnahme. Joe Zinnbauer ist mit Götz‘ Entwicklung zufrieden und von seiner Perspektive überzeugt: „Ich finde ihn gut. Er kommt aus dem eigenen Stall und hat Qualität. Asthon ist schnell, gut in der Spieleröffnung und agiert sehr vorausschauend. Aber natürlich muss er auch noch besser werden.“

Auf der Tagesordnung zur Mitgliederversammlung am 25. Januar stehen wohl diese vier entscheidenden Punkte. Unter Punkt sechs der Bericht des HSV-Präsidiums, unter Punkt sieben der des AG-Vorstands, dann unter Nummer zwölf die Neuwahl des Präsidiums mit den Präsidentschafts-Kandidaten Jens Meier, und unter Punkt 17 schließlich die verschiedenen Anträge.

Bei sechs und sieben geht es insbesondere um die wirtschaftliche Situation des HSV. Der e.V. hat seinen Verlust des Geschäftsjahres bereits mit knapp vier Millionen Euro beziffert. Vereinbarungsgemäß wurde dieser Verlust je zur Hälfte auf e.V. und AG verteilt, woraus sich ein Gesamtminus von etwa 7,5 Millionen Euro ergibt, den der alte Vorstand unter Leitung des Vorsitzenden Carl Jarchow zu beklagen und zu verantworten hat. Die konkreten AG-Zahlen fehlen allerdings noch, weswegen eine genaue Analyse der wirtschaftlichen Situation noch offen bleiben muss. Wie hoch sind die Gesamt-Verbindlichkeiten? Welchen Berg schiebt der HSV vor sich her? Wieviel Geld wurde für den Campus-Bau genau verplant bzw. für andere Projekte ausgegeben? Auch interessant zu hören in diesem Zusammenhang: Wie weit ist der HSV mit Alexander Otto, der den Campus finanzieren möchte?

Je nachdem, wie die Berichte ausfallen, geht es auch um die Entlastungen für alte Vorstände und Aufsichtsräte. Ob die Neuwahl des Präsidiums eine lange Angelegenheit wird, ist heute schwer zu beurteilen. Viel eher kann ich mir denken, dass die Debatte sich um das Wahlverfahren ranken wird. Ist es richtig, dass der Beirat für jedes Amt nur einen Kandidaten benennt? Zu dieser Frage sind dann einige Anträge zu entscheiden, die eine Änderung des aktuellen Verfahrens bei künftigen Sitzungen zur Folge haben sollen. Alternativ könnte der Antrag des Seniorenrates zum Tragen kommen, genau diese Frage zu verschieben und bei einer der nächsten Versammlungen zu besprechen, denn Zeitdruck besteht in dieser Frage nicht. Die nächste Präsidiumswahl steht für 2018 an.

Es gibt unsinnige Anträge (wie den nach der Entlassung von Karl Gernandt als Aufsichtsrats-Vorsitzendem, was die Mitgliederversammlung des e.V. gar nicht zu entscheiden hat) und es gibt natürlich noch den Antrag von Manfred Ertel. Der Ex-Aufsichtsrats-Boss hat im Wortlaut beantragt:

Das Präsidium des HSV e.V. wird aufgefordert alle erdenklichen Schritte zu ergreifen, dass der Vorsitz im Aufsichtsrat der HSV Fußball AG vom Präsidenten des HSV e.V. bekleidet wird. Dazu gehört insbesondere, einen entsprechenden Beschluss in der Hauptversammlung der Fußball AG herbeizuführen.

In der Praxis würde das bedeuten, dass Jens Meier Karl Gernandt ablösen könnte. Aber: Gernandt selbst hat ja bereits erklärt, dass es eine derartige Klausel nach AG-Recht gar nicht greifen würde. Letzten Endes müsste sich mit der Thematik aber die Hauptversammlung beschäftigen – kurioserweise wäre das dann das e.V-Präsidium selbst als aktuell alleiniger Anteilseigner der AG. Überspitzt formuliert: Meier selbst und seine Mitstreiter könnten darauf drängen, dass Meier den AG-Vorsitz übernimmt. In diesem Szenario sind eine Menge Konjunktive, zumal Hafen-Chef Meier ja bereits angedeutet hat, dass er nicht mit dem Ziel antritt, den Job von Karl Gernandt zu übernehmen. Meier tritt an, um HSV-Präsident zu werden. Was aus der anderen Regelung wird, sollte sie denn durch entsprechende Zustimmung zum Ertel-Antrag angeschoben werden, bleibt abzuwarten. Wie vor ein paar Wochen schon mal geschrieben, taugt Bayern München hier vielleicht als Beispiel. Die Anteilseigner an der Bayern-AG sitzen im Aufsichtsrat und haben an ihre Spitze Karl Hopfner gewählt, ein FC Bayern-Urgestein. Und zwar ohne entsprechende Aufforderung durch die Bayern-Mitglieder, sondern aus eigener Entscheidung.

Der Antrag von Manfred Ertel spiegelt auch Unzufriedenheit mit dem aktuellen Amtsinhaber wieder. Karl Gernandt selbst hat zwar vor zwei Wochen einen Interessenkonflikt zwischen seiner HSV- und seiner Kühne-Tätigkeit zurückgewiesen. Doch fast im selben Atemzug hat er in die Mikrofone von TV und Radio auch gesagt, dass er sich aus allen Entscheidungen, die Klaus-Michael Kühne beim HSV betreffen, heraushalten würde. Das würde seine Unabhängigkeit beweisen.

Für mich ist das gerade ein Beleg des Gegenteils. Denn als HSV-Aufsichtsrat müsste er auch in Kühne-Fragen allein die Interessen des HSV vertreten können. Eine öffentliche Erklärung zu dieser Frage, noch ehe auf der Versammlung darüber die große Diskussion ausbricht, könnte Gernandt und seiner Glaubwürdigkeit im HSV sicher nicht schaden.

Und dann ist da angesprochene Antrag auf Einzelentlastung, der sich insbesondere gegen das „alte“ e.V.-Präsidium Jarchow/Hilke/Kreuzer/Scheel richtet. Ihnen soll die Entlastung verweigert werden wegen verschiedener schlechter wirtschaftlicher Prozesse und Entscheidungen des betreffenden Geschäftsjahres.

Morgen fliegt der HSV zurück nach Hamburg. Gegen 19 Uhr ist die Landung in Fuhlsbüttel, und mit im Gepäck hat die Mannschaft auf ihr selbstgestecktes Saisonziel. Auf einem Mannschaftsabend am Dienstag hat sich das Team (ohne Trainer) intern auf eine Marschroute für die folgenden 17 Spiele dieser Saison geeinigt. In der Vorrunde blieb sie mit 17 statt angestrebten 19 Zählern knapp hinter der selbstgesteckten Vorgabe zurück. In zehn Tagen startet der zweite Versuch – und er wird anders angegangen. Kein Punkteziel, sondern einzelne, individuelle Zielvorstellungen für die einzelnen Bundesliga-Spiele, die formuliert wurden und werden. Von Spiel zu Spiel. Na dann.

Bis morgen
Lars

18.25 Uhr

PS: Im Vorlauf zu diesem Beitrag hat es ein “Erinnerungsstück” zum Fall Hoyzer gegeben.

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