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1:2-Niederlage – es darf weiter gezittert werden

28. Februar 2015

Der kleine Aufwärtstrend mit dem 1:1 gegen Mönchengladbach konnte nicht fortgesetzt werden, der HSV verlor sein Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt mit 1:2 und muss weiter um den Klassenerhalt in der Bundesliga zittern. Dabei spielten die Hamburger phasenweise nicht schlechter als die Hessen, doch es mangelt eben nach wie vor an Durchschlagskraft im Angriff. Ob sich das noch einmal bis zum Saisonende ändern wird? Zweifel sind angebracht. Andere Mannschaften, die im Feld ähnlich wie der HSV spielen, haben leider echte Stürmer, die diesen Namen auch verdienen – der HSV hat da gegenüber der Konkurrenz nicht viel zu bieten. Diese Niederlage hätte nicht sein müssen, obwohl Frankfurt in der Nachspielzeit noch einen zweiten Elfmeter verschoss, doch nun wird es ganz bitter: Dortmund kommt nach Hamburg, dann geht es nach Sinsheim und zu Hoffenheim. Schwere Zeiten für den HSV.

 

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Diese Partie hatte keine Abtastphase, es ging gleich mächtig zur Sache. Hin und her, rauf und runter. Und nach einer Minute und 52 Sekunden hätte der HSV schon in Führung liegen können, denn Artjoms Rudnevs lief von rechts allein auf das Eintracht-Tor zu, doch vor Keeper Trapp versagten dem Letten die Nerven: Er schoss den Torwart nur an, statt irgendetwas zu machen, zu lupfen, einen Schuss anzutäuschen, oder, oder. Es ist leicht gesagt, aber es ist sein Job, Tore zu schießen, aber leider kam diese Großchance etwas zu früh für ihn. Wie gesagt, es ging zur Sache. Auch die Frankfurter kamen vor das HSV-Gehäuse, und wenige Sekunden nach der Rudnevs-Möglichkeit forderten die Hessen Elfmeter, als Matthias Ostrzolek Gegenspieler Aigner im Strafraum zu Fall gebracht hatte – aber Schiedsrichter Florian Meyer (Burgdorf) pfiff nicht.

 

Nach fünf Minuten schickte Mohamed Gouaida seine Spitze Rudnevs in den Eintracht-Strafraum, aber in letzter Minute fuhr Frankfurts Innenverteidiger Russ dem HSV-Stürmer in die Parade – nur Eckstoß statt Tor. Auf jeden Fall war das ein äußerst lebhafter Beginn. Beide spielten nach vorne, und nach einer Viertelstunde setzten sich die Frankfurter ein wenig mehr in der Hamburger Hälfte fest. Der frühere HSV-Spieler Alex Meier prüfte in der neunten Minute Jaroslav Drobny, doch der Tscheche tauchte blitzschnell ins rechte untere Eck ab und hielt den Ball – im Nachfassen.

 

Dann die elfte Minute. Blankes Entsetzen im Hamburger Team, auch auf der Bank. Referee Meyer zeigte auf den Elfmeterpunkt. Strafstoß für Frankfurt. Johan Djourou soll Piazon zu Fall gebracht haben, was ich als Witz empfunden habe. Und selbst Ober-Schiedsrichter Dr. Markus Merk, der Experte von Sky, sagte: „Das war eine harte Entscheidung, aber man kann sie vertreten.“ Das allein sagt schon alles. Nein, Herr Merk, und nein Herr Meyer, das war keiner, garantiert nicht. Und wenn, dann müsste es tatsächlich in jedem Spiel fünf bis acht geben. Ungeachtet dessen verwandelte Alex Meier seinen sechsten Elfmeter dieser Saison – souverän. Drobny tauchte in die rechte Ecke, in die Meier vorher alle fünf Strafstöße geschossen hatte; diesmal wechselte er die Ecke. Leider. Aus HSV-Sicht.

 

Dieses 0:1 schien die Hamburger ein wenig zu lähmen. Oder zu schocken. Es dauerte lange, ehe es mal wieder ein offensives Lebenszeichen vom HSV gab. In der 32. Minute scheiterte Zoltan Stieber mit einem 31-Meter-Freistoß (halblinke Position) am aufmerksamen Frankfurter Keeper – nur Eckstoß statt 1:1. Aber immerhin, diese Szene läutetet dann eine ausgeglichene Phase ein. Frankfurt verwaltete den 1:0-Vorsprung, der HSV spielte wieder etwas mehr mit.

 

Und der Ausgleich, der verdiente Ausgleich, fiel doch noch in Halbzeit eins. In der Nachspielzeit, eigentlich waren schon drei, vier, fünf Sekunden drüber. Meyer aber ließ den HSV noch laufen, und das tat links draußen Mohamed Gouaida. Wie weiland Forrest Gump, „Mo“ lief und lief, zog vier Frankfurter auf sich und legte den Ball am Eintracht-Strafraum quer auf Nicolai Müller. Und der hatte einen Geistesblitz, denn er bediente den sich nach vorne bewegenden Stieber mustergültig. Der Ungar nahm die Kugel perfekt mit und überwand Torwart Trapp. Ein schönes HSV-Tor, wie aus dem Lehrbuch. Halbzeit. Und viel, viel Hoffnung auf Hamburger Seite.

 

Diese Hoffnung wich aber sehr schnell wieder purer Verzweiflung: Slobodan Rajkovic hechtete einen Ball aus dem HSV-Strafraum heraus, Petr Jiracek wollte clever sein, den Ball in den eigenen Reihen halten – und köpfte auf Dennis Diekmeier zurück. Ein Hesse spritzte an der Strafraumkante dazwischen, bediente Alex Meier, und der bewies einmal mehr seine Kaltschnäuzigkeit. Der Mann aus Buchholz ist in solchen Szenen eiskalt, er hat die Übersicht und weiß genau, wohin der Ball soll – und er schoss ihn überlegt in die lange und rechte Ecke, das 2:1 in der 54. Minute. Wahnsinn, aber Meier macht den Unterschied, er schoss damit bereits sein 16. Saisontor.

 

Dann die Szene, die dieses Spiel wohl entschied. Matthias Ostrzolek foulte Aigner und sah Gelb-Rot. Der HSV stellte danach auf Dreierkette um, und brachte, als Slobodan Rajkovic verletzt ausschied, Rafael van der Vaart. Es wurde alles versucht, aber es reichte nicht mehr zum Punktgewinn, obwohl Maximilian Beister einmal noch frei vor dem Frankfurter Tor aufgetaucht war, aber an Keeper Trapp scheiterte (78.). In der Bachspielzeit legte Djourou den Frankfurter Stendera, noch einmal Elfmeter, doch den drosch Alex Meier an die Torlatte. Danach spielte die Eintracht das Ding locker über die restlichen Sekunden – harte Zeiten brechen nun für den HSV an, keine Frage.

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Diekmeier, Djourou, Rajkovic (ab 79. Min. van der Vaart), Ostrzolek; Kacar, Jiracek; Müller (ab 70. Min. Marcos), Stieber, Gouaida; Rudnevs (ab 60. Min. Beister).

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny hätte den 2:1-Treffer von Meier fast noch gehalten, aber er tauchte um Sekundenbruchteile zu spät ab. Ansonsten hielt er souverän – sah aber bereits seine vierte Gelbe Karte.

 

Dennis Diekmeier wirkte aggressiv und ging zur Sache, marschierte auch einige Male mit nach vorne, aber seine Flanken kamen nicht – gegen Gladbach zuletzt war er besser.

 

Johan Djourou verschuldete den Elfmeter zum 0:1-Rückstand und war danach unheimlich „griffig“, spielte auch zuverlässig und konzentriert, ein vorbildlicher Kapitän. Dass er aber auch den zweiten Elfmeter (gegen Stendera) verschuldete, spricht nicht unbedingt für ihn.

 

Slobodan Rajkovic hatte nach wie vor leichte Probleme beim Abspiel, aber räumt auch nach wie vor prächtig auf und ab. Das macht er absolut zuverlässig. Schied in der 79. Minute mit einer Knieverletzung aus, hoffentlich ist es nicht wieder das Kreuzband – aber es sah ein bisschen danach aus. Ganz, ganz bitter für ihn und den HSV.

 

Matthias Ostrzolek sah in der 53. Minute seine fünfte Gelbe Karte und erhielt in der 64. Minute noch einmal Gelb (nach Foul an Aigner) – damit Platzverweis, Pause im Heimspiel gegen Dortmund. Ansonsten lieferte sich Ostrzolek heiße Duelle mit Aigner, der nicht ganz auszuschalten war. Note vier für den Linksverteidiger.

 

Gojko Kacar begann etwas nachlässig, aber nach einer Viertelstunde war er im Bilde, gefiel wieder durch sein starkes Kopfballspiel – und machte insgesamt eine solide Partie.

 

Petr Jiracek war voll bei der Sache, er wich keinem Zweikampf aus, er rackerte rauf und runter, und er riss seine Nebenleute auch mit, leistete verbale Aufbauhilfe links und rechts – er hat vielleicht seine beste HSV-Phase zu fassen.

 

Nicolai Müller war zu sehen, war wieder nicht zu sehen, wobei die abgetauchten Phasen ein wenig länger waren. Dennoch war Müller nicht schlecht, er knüpfte ein bisschen an seine Vorstellung aus dem Gladbach-Spiel an. Wurde aus taktischen Gründen ausgewechselt – und war sauer.

 

Zoltan Stieber stellte sich voll in den Dienst der Truppe, ackerte unheimlich – und schoss ein schönes Tor. Er hat ganz, ganz sicher seine beste HSV-Phase zu fassen.

 

Mohamed Gouaida fand in den ersten 30 Minuten eigentlich nicht statt, aber dann kam er, dann zeigte er, warum Zinnbauer auf ihn setzt – das war nach der schwachen Anfangsphase eine starke Partie des wuseligen Linksfußes.

 

Artjoms Rudnevs hätte in der zweiten Minute das 1:0 machen müssen, leider, leider, und danach hatte er seine besten Szenen hinten. Obwohl er schnell und agil wirkte, aber letztlich bewegte er diesmal nichts.

 

Maximilian Beister (ab 60. Min. für Rudnevs) braucht wohl noch einige Zeit, völlig verständlich, aber er ist hungrig und bissig – und hätte das 2:2 machen können, als er in der 78. Minute vor Torwart Trapp aufkreuzte, aber den Frankfurter anschoss.

 

Ronny Marcos (ab 70.Min. für Müller) kam als Ersatz für Ostrzolek und mischte auf Anhieb gut mit. Er wird wohl auch gegen Dortmund hinten links verteidigen.

 

Rafael van der Vaart (ab 79. Min. für Rajkovic) sollte noch etwas nach vorne bewegen, aber das gelang in der dezimierten Mannschaft kaum noch.
 

Das war es zunächst vom Spiel bei und gegen Eintracht Frankfurt, aber es geht ja noch weiter, wie gewohnt. Gleich sind wir mit „Matz ab live“ zur Stelle, wir sind wieder in unserem Lieblings-Restaurant „Champs“ (Hamburg-Schnelsen; AKN-Station Burgwedel) zu Gast und werden über die soeben erlebten 90 Minuten sprechen. Unsere Gäste sind die beiden HSV-Talente Ahmet Arslan und Ashton Götz, die beide an diesem Sonntag mit der Zweiten (als Tabellenzweiter) gegen den Tabellenführer Werder II (15 Uhr, Stadion Hagenbeckstraße) antreten werden – und dann hoffentlich den freien Fall ein wenig bremsen. „Scholle“ und ich würden uns freuen, wenn Ihr per Bildschirm wieder bei uns sein würdet – bis gleich.

Und morgen dann mal wieder zur Zweiten – ist ein ganz, ganz wichtiges Spiel . . .

 

20.39 Uhr

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