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Mancienne ist gelandet – Petric auch

31. Mai 2011

Mein lieber Herr Gesangsverein! Da kommt ja richtig was auf mich zu. Eine Menge Kritik, weil ich Arnesen angegriffen haben soll. Und sogar Bepöbelungen, ich würde mich vom bösartigen Vereinsgremien missbrauchen lassen. Wow!

Aber gut, vielleicht ist es auch mein Fehler gewesen. Ich hatte gehofft, mich klarer ausgedrückt zu haben. Mir ging es eben gerade nicht darum, Arnesen anzuklagen. Er muss und soll viel verändern. Dennoch braucht auch er als Neuer ein Regulativ. Jemanden, der ihn berät – und wenn‘s denn nötig wird eben auch kontrolliert. Mir ging es tatsächlich nur darum, das Gleichgewicht, das ein funktionierender Klub braucht, vorsichtig anzumahnen. Sollte das so nicht rübergekommen sein, dann aber jetzt.

Und kommt mir bitte nicht wieder mit: „Oh Mann, jetzt gibt er wieder klein bei.“ Oder auch: „Scholle, schwach! Entweder ganz oder gar nicht“. Das ist ehrlich gesagt absoluter Blödsinn! Denn ich erkläre mich nur, nachdem einige von Euch mich angeklagt haben. Dieses Recht habe ich. Und das nehme ich mir.

Bislang habe ich nie auf etwaige Bepöbelungen reagiert. Ich bin ruhig geblieben, weil ich von Anfang an wusste, worauf ich mich als Verfasser in einem anonymisierten Blog einstellen muss. Ich rege mich allerdings auch deshalb nicht darüber auf, weil ich das Niveau hier noch immer als sehr ordentlich empfinde. Egal, was einige Dauerkritiker meinen, hier wird größtenteils und deutlich mehr als in anderen Foren sachlich, fachlich, mit und ohne Hintergrundwissen sowie mit Feuereifer und Herzblut diskutiert – da gibt es immer mal Schwankungen nach oben und unten. Auch, von mir oder über mich.

So what??

Nein, bis auf die Antwort an Tom, der mir Bösartigkeit unterstellen wollte, nehme ich Eure kritischen Bemerkungen ernst, aber nicht persönlich. Wir müssen nicht einer Meinung sein. Ich kann auch mal furchtbar falsch liegen. Bei Sammer haltet Ihr mir das vor – aber das ist ein anderes Thema… Das Millionenloch, für welches Ihr mich tagelang aufs Übelste verurteilt habt, ist bestätigt. Und so oft auch gesagt wird, dass Zahlen schwarz auf weiß nicht lügen – in einer Konzernbilanz wie der des HSV durchaus Raum für Interpretationen und Variabilität. Das sollten gerade die Finanzexperten unter uns wissen. Aber der Fakt, dass der HSV rund 20 Millionen Euro in den nächsten Jahren einsparen muss, weil er zuletzt und insbesondere in den letzten zwei Jahren mehr ausgegeben als eingenommen hat, ist unbestritten. Das müsst auch ihr zugeben, so wie ich eingestehen muss, mit dem Titel (…“am Abgrund“) definitiv übers Ziel hinaus geschossen zu haben.

Insofern: wie heißt es bei Monty Pythons „Die Ritter der Kokusnuss“ so schön von dem Ritter, dem gerade Arme und Beine abgeschlagen worden waren: „Einigen wir uns auf ein Unentschieden?“

Ich bin auf jeden Fall dabei.

Schließlich geht unser Blick nach vorn. Sollte er auf jeden Fall. Mit Frank Arnesen als Bauherr, Michael Oenning als Architekt des sportlichen Erfolges und Carl Edgar Jarchow als Hausherr in führenden Rollen. Und einem Michael Ian Mancienne, der heute um 14.39 Uhr auf dem Flughafen Fuhlsbüttel gelandet ist und anschließend bei Dr. Siekmann seinen medizinischen Check bestanden hat. Im Moment sitzen Mancienne, sein Berater Andy Niedzwiecki sowie die HSV-Führung mit Klubboss Carl Edgar Jarchow und Frank Arnesen zusammen. Es geht dabei zwar nur noch um Details, aber auch die – wie bei Sammer gesehen – können gefährlich sein…

„Ich hoffe, dass wir alles ganz schnell über die Bühne kriegen.“, sagt Niedzwiecki, „es gibt kaum Differenzen.“ Auch deshalb äußerte sich Mancienne selbst bereits kurz nach der Landung. „Es ist eine riesige Chance für mich, für einen so großen Klub wie Hamburg spielen zu können“, so der 23-Jährige, „es ist mein Ziel, mich mit dem HSV wieder für Europa zu qualifizieren.“ Unumwunden gab er zu, dass es für ihn bei der namhaften Konkurrenz in der Innenverteidigung wenig Sinn gemacht hätte, bei Chelsea zu bleiben. „Das wäre wohl sehr schwer geworden“, so der Defensiv-Allrounder, der beim Test mit Chelsea beim HSV vor einem Jahr zum ersten und letzten Mal in Hamburg war. „Meine Gespräche habe ich fast ausschließlich mit Frank Arnesen geführt“, so Mancienne, der entsprechend auch über den HSV nicht allzu viel weiß. „Ich weiß, dass es für den Verein und für mich eine große Herausforderung ist“, sagt Mancienne und sein Berater ergänzt: „Sollte es am Saisonende für den internationalen Wettbewerb reichen, wäre es sicher eine gute Saison.“

Das stimmt wohl. Da wären wohl tatsächlich alle zufrieden. Zumal noch nicht klar ist, wer bei diesem Unternehmen helfen wird. Weder Zu- noch Abgänge sind endgültig bestimmt. Selbst der Verbleib von Mladen Petric, der heute wegen Adduktorenproblemen das Trainingscamp der kroatischen Nationalmannschaft verließ, ist noch nicht sicher. Heute oder morgen sollen weitere Verhandlungen geführt werden, um den Vertrag des Top-Torjägers des HSV vorzeitig zu verlängern. Sollte das misslingen, würde ein sofortiger Verkauf des „Magiers“ angestrebt. Und das ist nicht so unwahrscheinlich. Immerhin fordert Petric eine Gleich- oder eher Besserbehandlung gegenüber seinem Sturmpartner Paulo Guerrero, der nach den Abgängen von Van Nistelrooy und Zé Roberto mit den kolportierten knapp vier Millionen Euro Jahresgage (alles inkl.) der neue Topverdiener ist.

Zudem wurde heute ein neuer, sehr interessanter Name gehandelt: Josh McEachran. Der 18-jährige in Schottland geborene englische U-21-Nationalspieler soll angeblich für knapp fünf Millionen Euro zum HSV wechseln. Sein aktueller Klub? Natürlich der FC Chelsea. Ebenfalls gehandelt wird der Schwede Tobias Hysen. Der 29-jährige Offensivspieler des IFK Göteborg soll dem vernehmen nach für rund zwei Millionen Euro zu bekommen sein.

Egal wie, mit Mancienne, dessen Vollzug noch heute Abend auf www.hsv.de vermeldet werden soll, ist der erste Hoffnungsträger gelandet. Vier Jahre soll der 1,84-Meter-Mann unterschreiben und zusammen mit dem nächsten jungen Hoffnungsträger, Jeffrey Bruma, die Viererkette verstärken. Beide kennen sich bereits vom FC Chelsea, obgleich sie außer in Testspielen nie gemeinsam zum Einsatz gekommen sind.

Petric verlängern, bei Mancienne Vollzug melden und Bruma sowie McEachran dazu – das hätte schon was.

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle
18.15 Uhr