Archiv für das Tag 'Mathijsen'

3:0 gegen Marbella – der vierte Sieg im vierten Test

11. Januar 2012

Es war nur ein ganz kurzer Moment – aber ein begehrtes Foto wäre es allemal gewesen, als sich heute um 10.38 Uhr HSV-Trainer Thorsten Fink und Basels Mittelfeld-Juwel Granit Xhaka am Trainingsplatz begrüßten. Dafür eilte Fink extra vom Platz aus zur Buseinfahrt des Marbella Football Centers, während seine Mannschaft weitertrainierte. Zwar hatte er nicht einzig Xhaka im Hinterkopf – aber eben auch. Und so kam es, dass sich der HSV-Coach und der 19-jährige Baseler innig umarmten. So überraschend und so schnell, dass es kein Fotograf festzuhalten vermochte. JU aus Q war mit seinem Handy natürlich sofort zur Stelle – aber auch er erfasste nur noch, wie sich Fink und Xhaka wieder trennten. Wobei, und da sind wir uns sicher alle einig, das eh wenig Bedeutung für den aktuellen Fall haben dürfte. Da geht es vielmehr um Vertragslaufzeiten, einen bestehenden Vertrag und eine hohe Ablösesumme.

Etwas interessanter und entscheidender kann da schon die kurze Umarmung Finks mit David Jarolim gewesen sein. Der Trainer hatte seinen Dienstältesten vor ein paar Tagen zum Gespräch auf dem Platz gebeten. Dabei erklärte Fink seinem Spieler, dass er ihn bei dessen Entscheidung – egal in welche Richtung sie gehen wird – unterstützen wolle. Sollte sich Jarolim also doch dafür entscheiden, in Hamburg zu bleiben, versprach Fink ihm eine ehrliche Chance. Allerdings erklärte der HSV-Trainer dem Tschechen, dass er mit ihm als Ersatz für Tomas Rincon plane. Der Venezolaner gilt im zentral-defensiven Mittelfeld als gesetzt und präsentierte sich im Trainingslager in guter Verfassung. Und der Platz daneben scheint an Robert Tesche zu gehen, nachdem Gojko Kacar verletzt ausfiel und noch immer ausfällt.

Der ehemalige Bielefelder hat die Tage im Trainingslager – natürlich auch durch die Verletzungen von Kacar und den kurzfristigen Ausfall von Per Skjelbred (Schienbeinprellung) – für sich nutzen können. Gestern gegen ADO Den Haag überzeugte der Mittelfeldmann. Allerdings nur in der ersten Halbzeit. Wie so oft wechselten sich bei dem 24-Jährigen Licht und Schatten schnell ab. „Er hat eigentlich alles, was man braucht“, hatten mir Armin Veh, Michael Oenning und der damalige Sportchef Dietmar Beiersdorfer gesagt, und dabei das sportliche Gesamtpaket Tesches hervorgehoben. Denn der gebürtige Wismarer hat einen starken linken und einen starken rechten Fuß, er ist ballsicher, passsicher, zweikampfstark, er hat ein sehr gutes Kopfballspiel, ist torgefährlich aber eben auch sehr gut defensiv einsetzbar. Gegen den Haag überzeugte Tesche sogar mit Kreativität – allerdings wieder nur teilweise.

Es ist immer dasselbe. Tesche wirkt „zu sehr in sich gekehrt“, hatte es einst Veh formuliert und von dem Gescholtenen gefordert, dass er endlich seinen Durchbruch schaffen müsse, wenn er in der Bundesliga dauerhaft eine Chance haben wolle. „Gestern ist er dann wohl aus sich herausgekommen“, lobte der aktuelle HSV-Trainer Thorsten Fink heute, „und er hat ein gutes Spiel gemacht.“ Tesche selbst sieht es ähnlich: „Ich rede deshalb aber noch nicht von der Stammelf“, so Tesche, „auch wenn mein klares Ziel ist, dass ich mehr spielen will.“ Eine Forderung, die der Allrounder vor genau einem Jahr schon einmal formulierte, damals mit einem Angebot von Hannover 96 im Gepäck. „Die Chance hätte ich genutzt, aber man wollte mich nicht gehen lassen. Und jetzt läuft es hier ganz gut.“ Die Appelle seiner Trainer in den bisherigen 2,5 Jahren beim HSV scheinen erhört worden zu sein. Tesche: „Na klar, mein Ziel ist es, das jetzt umzusetzen.“

Wie eben gegen Den Haag, in der in der ersten Halbzeit die vermeintlich stärksten elf Hamburger aufgelaufen sind. Tesche scheint auf dem Sprung in die Startelf für das erste Bundesligaspiel gegen Borussia Dortmund am 22. Januar in der Imtech-Arena. Und das trotz anhaltender Schwankungen, trotz der eher schwachen zweiten Halbzeit am Dienstag? Fink überlegt kurz, nickt und fordert, was seine Vorgänger bereits formuliert hatten: „Klar ist, Robert muss sich jetzt mal über längere Zeit beweisen. Denn wir haben auch andere Spieler, die auf der Position gut sind.“

Wobei Fink sicher weniger an Jarolim denn an Skjelbred oder Kacar gedacht haben dürfte. Hart, aber wohl die bittere Wahrheit für Jarolim, der sich weiterhin darum bemüht, den Verein zu verlassen. Und das mit klaren Vorstellungen. „Ich will mehr spielen, das ist klar. Und ich werde nicht wechseln, nur um zu wechseln. Ich werde keine Notlösung wählen.“ Schließlich wird es aller Voraussicht nach der letzte Verein für den 32-Jährigen werden. „Davon gehe ich aus“, so Jarolim, „deshalb werde ich nur wechseln, wenn es für mich auch über den Sommer hinaus Sinn macht und optimal ist.“ Um das zu schaffen, ist der Mittelfeldmann fast täglich im Kontakt mit seinem Berater Gordon Stipic – obgleich der seinem Mandanten noch keine Optimallösung präsentieren konnte.

Aber Jarolim bleibt ruhig. In allen Belangen. „Wir haben noch drei Wochen Zeit, um uns zu entscheiden. Und auch wenn ich hier bleiben muss bis Sommer, werde ich positiv bleiben. Ich muss diese Entscheidung des Trainers akzeptieren und werde mich weiterhin ganz normal in den Dienst der Mannschaft stellen. Ich verändere deshalb nicht mich. Noch weniger meinen Charakter. Es war auch klar, dass es nicht leicht wird, in der kurzen Winter-Wechselperiode etwas zu machen.“ Ob es dennoch schmerzt, dass er nach all den Jahren so in die zweite Reihe gedrückt wurde? „So ist der Profifußball nun einmal. Da brauche ich auch gar nicht erst rumzuheulen. Vielmehr denke ich, dass ich noch das eine oder andere Spiel machen werde, wenn ich bleiben sollte.“

Wie heute gegen UD Marbella, einen spanischen Viertligisten. Zusammen mit Per Skjelbred agierte Jaro im zentralen Mittelfeld. Und das weitgehend unauffällig. Zwar hatte der HSV nach drei Schusschancen für Arslan (6.), Sala (8.) und Lam in der elften Minute schon drei halbe Möglichkeiten zur Führung und verpasste durch Son per Freistoß (17.) und Mancienne per Kopfball jeweils an die Latte eine verdiente Führung, allerdings ohne direktes Zutun des dienstältesten HSVers.

Auch die ersten beiden Tore besorgte jemand anderes: Tolgay Arslan (52. und 56). Zunächst per Flachschuss ins lange Eck und anschließend per Strafstoß nach Foul an ihm selbst. Arslan war es auch, der seinen Gegenspieler nach der 2:0-Führung so in Rage brachte, dass dieser sich nicht mehr zu helfen wusste, nachtrat und des Feldes verwiesen wurde.

Und nachdem Son in der 85. Minute nach Pass von Lam noch die Chance aufs 3:0 verpasste, traf er in der 90. Minute zum 3:0-Endstand. “Ein gelungener Abschluss. Wir haben eine gute Einstellung gezeigt”, so Fink, der damit nach drei wirklich ansehnlichen, interessanten Tests gegen Benelux-Teams im vierten, eher unspektakulären Spiel den vierten Sieg feiern durfte.
So haben sie gespielt: Mickel (46. Neuhaus) – Bergmann, Mancienne, Rajkovic, Sternberg – Sala, Jarolim, Skjelbred, Lam – Arslan (62. Ingreso), Son.

Ach ja, und dann noch eine schöne Geschichte mit einem leider nicht so schönen Part: Mit ein paar geschätzten Kollegen hatte ich das große Glück, mir zwei Spiele des FC Malaga ansehen zu können. Eben jenen Klub, bei dem mit Joris Mathijsen und Ruud van Nistelrooy zwei ehemalige HSVer spielen. Nach dem ersten Spiel gegen Atletico Madrid waren wir mit Joris Mathijsen in der Mixed Zone verabredet – und der kam, sprach mit uns. Und Joris, der bei dem vorausgegangenen 0:0 die gesamten 90 Minuten auf der Bank saß, wirkte verbittert. Kein Wort wollte er über den HSV sprechen. Er sei gut angekommen in Marbella (hier wohnt er), fühle sich nach anfänglichen Gewöhnungsproblemen auch wohl – allerdings sei der FC Malaga noch nicht das, was er sich erhofft habe. Dennoch, den HSV verlassen zu haben bereue er nicht. „Nein“, so Mathijsen, „ich will nicht mehr über den HSV sprechen, das Thema ist abgehakt aus verschiedenen Gründen, die keine Rolle mehr spielen.“

Okay, das ist oft so, wenn Spieler wie Mathijsen beim HSV keinen neuen Vertrag bekommen. Allerdings ist es allemal besser, zu sagen, dass man nicht mehr über den HSV sprechen will, als sich so zu verhalten wie Ruud van Nistelrooy. Der aussortierte ehemalige Weltstar und Held meiner (späten) Jugend lieferte das ab, was man ihm in Hamburg auf Vorstandsebene nachgesagt hatte. Nachdem wir von der FC-Pressebetreuerin Susana Abella Adame trotz erster Absage doch noch Karten für das Copa-del-Rey-Achtelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid am Dienstag doch noch Karten bekommen hatten und mit uns 12 niederländische Journalisten angefragt hatten, wurde Ruud für die Mixed Zone angekündigt. Dementsprechend warteten wir nach der 0:1-Niederlage des FC auf den einstigen Weltstar. Allein, er erschien nicht.

Dafür aber heute im Marbella Football Center zum heutigen Test. Mit seinem Sohn Liam (3) begrüßte er ehemalige Weggefährten. Als wir ihn darauf ansprachen, dass wir auf ihn gewartet hätten, lachte er kurz. Ich dachte zuerst, es sei nett, revidierte aber nach seiner Aussage: „Ich war auch da – nur nicht da, wo ihr wart.“ Ob wir ihn denn jetzt bei der Gelegenheit kurz sprechen könnten? Zunächst keine Antwort. Dann in despektierlichem Ton: „Nein. Aber viel Glück.“

Danke Ruud. Oder besser: Danke für nichts. Außer für die Erkenntnis, dass Du als Idol für mich nicht mehr geeignet bist. Trotzdem, und das meine ich ehrlich: auch Dir viel Glück!

In diesem Sinne, bis morgen! Dann mit dem Trainingslager-Fazit des Trainers.
Scholle (18.26 Uhr)

Bengalo-Alternativen: Menottis Vorschläge

13. Dezember 2011

Ivica Olic spielt für den HSV. Am Abend leider nur. Der Bayern-Stürmer verstärkt den HSV im Benefizspiel gegen die Weltauswahl (Anstoß 19.05 Uhr, live bei Sport 1). Vielleicht gibt es ja einen ersten (oder schon zweiten?) Kontakt zum früheren Hamburger, der ja bekanntlich seine Zelte in München abbrechen will. Und warum sollte er nicht zum HSV zurückkehren wollen? Und können? Alles eine Frage des Preises. Und ob sich „Ivi“ den HSV noch einmal „antun“ will. Mir wäre ein wenig wohler, wenn wir einen solchen Kämpfer, einen so großartigen Teamplayer mit an Bord hätten – aber gut, abwarten. Erst einmal auf das heutige Spiel warten, dann auf die Entwicklung der nächsten Wochen und Monate.

„Saukalt“. So beschrieb Benno Hafas heute den Vormittag im Volkspark. Schön war es wirklich nicht, dem Training beizuwohnen, und ich bewundere die Kiebitze, die sich freiwillig dafür opfern. Regen, Orkan, Nässe – dazu die Kälte, wer muss das schon haben. Trotz allem wurde eisern trainiert. Nach einer Stunde durften die Herren Nationalspieler, die am Abend gegen Figo, Zidane, Ronaldo und Co antreten werden, unter die Dusche gehen. Der Rest trainierte aber knallhart weiter. Es gibt ja auch noch viel zu tun. Auffälligste Szene an diesem Vormittag: Beim Spielchen auf vier Ein-Meter-Tore schoss Marcell Jansen ein fast schon sensationelles Tor mit der Hacke – aus gut zwölf, 13 Metern. Das sorgte für Heiterkeit und Anerkennung auf den Rängen . . .

Ansonsten stand dieser HSV-Tag natürlich ganz im Zeichen des Abend-Spiels. Und bei „Matz ab“ waren noch immer die Bengalos das Thema Nummer eins. Wobei der Beitrag von „Menotti“ die Gemüter erhitzte – auch in unserer Redaktion. Ich stelle ihn hier kurz einmal hinein:
„So so, nett eingerichtete bengalo-ecken mit feuerwehrmann drin … kann man ja
mal drüber nachdenken …
In dem zusammenhang fänd ich aber auch gut, wenn nach dem spiel
organisierte beulereien zwischen nahkampf ausgebildeten ultras stattfinden,
mit professionellen kampfrichtern und ersthelfern daneben. Das könnten man
zudem ganz ordentlich vermarkten, glaube ich. Allein die übertragungsrechte
für rtl & co würden üppige summen in die kantengenähte hsv-börse spülen.
Vorstellen könnte ich mir auch ein flitzer-casting bei vox, und wer das
gewinnt darf eine saison lang nackt mit bengalo im hintern per fallschirm
ins stadion schweben.“

Wir haben heute während des Trainings auch über die personelle Lage des HSV gesprochen. Und die Frage aufgeworfen: Gibt es im Winter Verstärkungen? Ich denke ja, ich bin sogar davon überzeugt. Nur wo und wie will sich der HSV verstärken? Immer wieder wird ja nach einem zentralen Mittelfeldspieler gefahndet. Da, so einige Kiebitze, benötigt der HSV vor allem einen Mann, bei dem die Fäden in der Hand sind. Ich habe, und bitte gleich um Verzeihung, dabei an den kleinen Dribbelkünstler gedacht, der nun ja kein Thema mehr ist, der nun aber durchaus ein (kleines) Thema hätte sein können. Weil er doch immer zentral spielen wollte, es aber kaum einmal durfte.

Bei der Gelegenheit: Piotr Trochowski kam bei 15 Spielen des FC Sevilla in 14 Partien zum Einsatz. Er fehlte nur einmal – wegen eines Platzverweises. Und: Nur zwei Feldspieler des FCS waren in allen 15 Begegnungen mit von der Partie – Sevilla ist immerhin Tabellenfünfter in Spanien, wenn auch 13 Punkte hinter dem FC Barcelona und Real Madrid. Bei der Gelegenheit: Punktgleich mit Sevilla ist der FC Malaga Tabellensechster. Beim 1:1 gegen Osasuna waren, die Gründe dafür entziehen sich mir, weder Joris Mathijsen noch Ruud van Nistelrooy mit von der Partie.

Heute nur am Rande dabei: Nico Hoogma. Der Manager von Heracles Almelo ist mit seinem Klub-Präsidenten Walter Smit gekommen, um dem Benefizspiel zuzusehen. Smit sagte: „Ich bin extra mitgekommen, damit ich Nico auch wider mitnehme – Hamburg ist eine zu schöne Stadt . . .“ Wohl wahr. Nico weiß das natürlich zu genau. Und ich könnte wetten, dass er irgendwann auch einmal zum HSV zurückkehren wird. In welcher Funktion auch immer. Als Sportchef kann er nicht so schlecht sein, denn Heracles steht mit dem kleinsten Etat aller niederländischen Erstliga-Klubs auf Tabellenplatz elf – mit 20 Punkten.

So, ich werde mich nun aufmachen in die Arena, werde auch nachher einige Zeilen von diesem Spiel veröffentlichen.

17.15 Uhr

Rincon macht Freude – und Dieter kommt zurück!!

30. November 2011

Der Typ kennt keine Angst. Im Gegenteil, wenn Tomas Rincon auf den Platz geht, muss er von seinen Kollegen eher mal zurückgehalten werden. Ein typischer Sechser eben, bei dem Einsatz für die eigene Defensive an erster, zweiter, dritter und wahrscheinlich auch noch vierter Stelle steht. Erst dann kommt er selbst. So, wie am vergangenen Sonnabend in Hannover. Rincon räumte ab, grätschte, schleppte Bälle und gewann Zweikämpfe. Und wurde belohnt, indem er in der 88. Minute beim Stand von 1:1 völlig freistehend vor 96-Torwart Zieler den Ball bekam. Einschussbereit. „Ich habe noch kein Tor in der Bundesliga gemacht“, sagt Rincon, „nicht mal in der Nationalmannschaft habe ich getroffen. Es war immer nur knapp, nie habe ich dann auch getroffen.“ Und so blieb es auch in Hannover. Der bis dahin starke Sechser rutschte beim Schuss aus. „Ich habe nur gedacht: Sch…“, so Rincon ehrlich.

Dass er selbst solche unglücklichen Momente nicht mehr an sich rankommen lässt, hat eine harte Schule bewirkt. Vier Jahre lang ist der stets einsatzwillige Kämpfer jetzt beim HSV, ohne sich dabei einmal endgültig durchgesetzt zu haben. „Ich war oft nah dran“, so Rincon, „aber dann auch wieder ganz oft nicht dabei. Manchmal nicht mal mehr im Kader. Das waren Phasen, in denen ich mich noch mehr selbst motivieren musste, was sehr schwer war.“ Dennoch, als einen Fehler hatte er Hamburg nie gesehen. Im Gegenteil: „Es war ein großer Schritt, der mich weitergebracht hat. Von Beginn an.“ Einzig sein Ziel, Stammspieler zu werden, schien kurzzeitig außer Sichtweite zu geraten, weshalb Rincon an einen Wechsel dachte. Allerdings nur, weil er das Gefühl hatte, beim HSV nicht gebraucht zu werden. „Heimweh aber hatte ich nie, ich wollte nie nach Hause flüchten oder so. Es ging mir immer nur um meine sportlichen Ziele. Ich wollte spielen. Und damals dachte ich, das wäre bei einem anderen Klub vielleicht leichter.“

Umso glücklicher ist Rincon heute. Zum einen, weil er geduldig geblieben ist. Zum anderen, weil er unter Thorsten Fink zum Stammspieler avanciert. Alle fünf Spiele unter dem ehemaligen Bayern-Profi spielte Rincon bislang durch. Und er gilt weiterhin als gesetzt. „Ich spüre das Vertrauen vom Trainer“, sagt Rincon, wissend, dass Fink besonders viel Wert auf Kontinuität bei derart zentralen Rollen legt.

Fink ist Rincons persönlicher Glücksfall. Auch, weil der Trainer einst selbst auf der zentral-defensiven Mittelfeldposition beheimatet war und dort neben Meister und DFB-Pokaltiteln auch die Champions League gewann. „Er gibt mir sehr viele gute Tipps“, verrät Rincon, „er zeigt mir, wie ich di Bälle in der Defensive abholen soll. Und er überträgt mir viel Verantwortung. Ich habe viele Ballkontakte, fast so wie in der Nationalmannschaft. Diese Art zu spielen liegt mir.“

Und sie gefällt neben seinen Mannschaftskollegen und Trainer Fink auch den Zuschauern. Von Beginn an war der unermüdliche, manchmal etwas übereifrige Mittelfeldkämpfer einer, der schnell die Fans mitriss. Weil er einfach kompromisslos spielte, weil er sich nie schonte und keine Angst hat. Das wiederum dokumentiert auch sein Privatleben. Auf die Frage, ob er manchmal Angst um seine in Venezuela lebende Familie habe, sagt er: „Nein, man muss auch mal Glück haben.“ Fürwahr, denn in Venezuela stehen Entführungen mit Lösegeldforderungen auf der Tagesordnung. Gerade vor zwei Wochen wurde Wilson Ramos, ein berühmter Baseballspieler, der in der US-amerikanischen MLB sein Geld verdient, entführt. Zwei Tage blieb Ramos in der Hand der Kidnapper, die Lösegeld forderten, ehe die Polizei den 24-Jährigen unter Einsatz von Schusswaffen befreien konnte. „Ich habe keine Angst, wenn ich in meiner Heimat bin“, sagt Rincon, der in den letzten zwei Jahren zum Volkshelden aufgestiegen ist und dieses Jahr reelle Chancen hat, das erste Mal zum Fußballer des Jahres gekürt zu werden. „Allerdings habe ich meine Schwester schon rausgeholt. Sie studiert in Spanien“, so Rincon, der seine Schwester finanziell unterstützt.

21 Punkte sind Rincons realistisch formuliertes Ziel bis zur Winterpause, „mit 20 könnte ich auch noch leben“, so Rincon, der als Beweis für Beharrlichkeit vielen Spielern ein gutes Beispiel sein kann. Denn auch in den letzten drei Saisonspielen wird er unter normalen Umständen (also gesund und ohne Sperre) im Mittelfeld beginnen. Sein persönliches Erfolgsgeheimnis: „Nie aufgeben! Ich habe immer daran geglaubt, dass ich Gutes erreiche, wenn ich mich gut verhalte.“

Richtig gut spielt derzeit auch Jeffrey Bruma. Der Niederländer konnte sich in Hannover nach einer defensiv überzeugenden Partie sogar als Torschütze eintragen. Und er fühlt sich jetzt so richtig wohl, will unbedingt in Hamburg bleiben. Chelsea, sein eigentlicher Arbeitgeber, spielt bei Bruma momentan nur noch in den schlechten Erinnerungen eine Rolle. „Ich war dort Verteidiger Nummer vier. Und ich glaube, auch jetzt würde es nicht leichter“, so der Innenverteidiger, der zuletzt gesagt hatte, er hätte persönlich ein Mitspracherecht, sollte Chelsea seine Option ziehen und Bruma innerhalb der nächsten 18 Monate zurückbeordern. Heute klärte er auf, dass das zwar nicht vertraglich fixiert, aber durchaus mündlich so vereinbart worden war. „Am Ende müssen sich alle einigen, auch ich“, so Bruma, der angab, sich beim HSV pudelwohl zu fühlen und definitiv nicht wechseln zu wollen. „Ich habe zwei Jahre Vertrag, es läuft richtig gut für die Mannschaft und für mich. Wir stehen hinten immer besser und ich bekommen Spielpraxis. Warum sollte ich da an etwas anderes denken?“

Solle er ja gar nicht. Im Gegenteil, der HSV könnte für Bruma auch die große Chance sein, einen der schier gesetzten Stammplätze in der holländischen Nationalelf zu erobern. Immerhin ist die Konkurrenz dort mit Heitinga und Joris Mathijsen durchaus überschaubar. „Ich rechne nicht damit, dass der Trainer da noch bis zur EM viel wechselt. Mein Gefühl sagt mir, ich muss da noch ein wenig warten.“ Dass sich das lohnt, dafür muss Bruma nicht weit gucken. Immerhin hat er mit Rincon ein Paradebeispiel dafür in der eigenen Mannschaft.

Und auch für uns soll sich das Warten gelohnt haben. Immer wieder habt Ihr hier gefragt, was mit Dieter ist, weshalb in den letzten Wochen nur noch ich hier geschrieben habe. Und, soll ich Euch was sagen? Etwas, worüber sich keiner mehr freut als ich?

Dieter Matz ist endlich wieder zurück!

Schon morgen übernimmt der Blogvater hier wieder. Erholt und Guter Dinge wird er in seiner gewohnt intensiven, emotionalen Art und mit tausenden von interessanten Döntjes seinen Blog führen. Ich freue mich darauf!

In diesem Sinne, bis morgen – wollte ich gerade schreiben. Die Macht der Gewohnheit… Besser muss es natürlich heißen: bis nächste Woche. Ich habe Donnerstag Print-Dienst und ab Freitag drei Tage frei.

Bis dahin,

Scholle

P.S.: Morgen ist um zehn Uhr Training an der Arena. Wenn alles gutgeht, ist Mladen Petric dann erstmals seit seiner Wadenverletzung wieder dabei.

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