Archiv für das Tag 'Mancienne'

Jetzt zählt nur noch eines: die Relegation!

14. Mai 2014

Was ist das denn bitte für eine unsägliche Aktion? Nach dem zur Unzeit getätigten Vorstoß von Calhanoglus Berater Bektas Demirtas in Sachen Vereinswechsel gen Leverkusen hat sich nun ausgerechnet der Bundestrainer beim HSV wenig Freunde gemacht, als er Marcell Jansen heute aus dem vorläufigen Aufgebot strich. Und auch ich stelle hier die Frage: Was bitte ist in Joachim Löws Kopf vorgegangen, als er Jansen am vergangenen Donnerstag überhaupt nominierte? Im gestrigen Länderspiel konnte sich wahrlich kein Linksverteidiger an ihm vorbeispielen. Und dass Löw alles von dem Mainz-Spiel abhängig machen wollte, bei dem Jansen erst in den letzten Minuten eingewechselt worden ist, glaube ich ehrlich gesagt nicht.

Ebenfalls überrascht war ich, dass Mirko Slomka heute überrascht war. Auf der Pressekonferenz wurde er von meiner NDR-Kollegin Barbara Ketelhut darüber informiert, dass Jansen für das vorläufige Aufgebot, das im Südtirol sein Trainingslager bezieht, gestrichen wurde. „Das möchte ich erst einmal bestätigt wissen“, so der Trainer, dem gesagt wurde, dass der DFB diese Nachricht auf seiner Homepage bereits verkündet hätte. „Dann will ich erst einmal mit dem Bundestrainer sprechen, mir ein paar Gedanken machen, ehe ich etwas dazu sage“, so Slomka weiter. Hintergrund: Slomka hatte erst gestern Kontakt zu Löw, der wie er von Berater Harun Arslan betreut wird und zu dem er somit schon von Haus aus guten Kontakt pflegt. Nein, die sportliche Diskussion mal außen vor gelassen, ist diese Entscheidung mehr als diskutabel.


Aber auch sportlich ist es seltsam. Zwischen dem 8. und 14. Mai gab es mit dem Länderspiel gegen Polen nur einen Termin der Nationalmannschaft. Weder Jansen noch Schmelzer und Durm konnten wegen der Vorbereitung auf die Bundesliga-Relegation bzw. das DFB-Pokal-Finale mit dabei sein. Dennoch streicht Löw den HSV-Verteidiger aus dem Kader, ohne innerhalb der kurzen Zeitspanne neue Erkenntnisse über die drei Konkurrenten gewonnen haben zu können. Jansen sei „nicht topfit“ begründete Löw. „Marcell hat seine Verletzung zwar auskuriert, doch sein Fitnesszustand ist noch immer nicht ganz optimal. Er hatte seitdem wenige Einsätze und dadurch keinen Spielrhythmus“, erläuterte Löw Aber: Den hatte Jansen zum Zeitpunkt der Nominierung auch nicht, eher noch weniger als heute. Slomka jedenfalls sieht in Jansen für das Relegationsspiel morgen gegen Greuther Fürth eine ernsthafte Alternative für den Posten des Linksverteidigers.

Jansen selbst, der laut Löw weiterhin auf Abruf ist, zeigte sich heute enttäuscht. „Natürlich ist die Entscheidung enttäuschend“, so Jansen via Twitter, „zumal ich mir die Verletzung in einem Länderspiel zugezogen habe. Der Heilungsverlauf ist eher besser als erwartet und ich bin nach dem kleinen Tal gegen Augsburg wieder im Soll. Dennoch, ganz klar ist bei aller Enttäuschung: jetzt zählt sowieso nur der Klassenerhalt. Und dafür fühle ich mich gut.“ Und obgleich ich weiß, dass das nicht ganz stimmt (verständlicherweise), folge ich Jansen Worten. Denn das Spiel morgen gegen Fürth ist wichtiger als alles andere, was sich derzeit um den HSV herum tut.

Und die Voraussetzungen dafür sind gut. Personell muss Slomka nur auf die Langzeitverletzten sowie aktuell Zoua und Arslan verzichten. Dafür ist Marcell Jansen wieder fit, Lasogga noch mal ein Stück weiter als schon gegen Mainz und vor allem – darauf hoffe ich besonders – ein Rafael van der Vaart ist wieder auf dem Weg zur Best(möglichen)form. Zum einen, weil er gegen Bayern und in Mainz wieder lauf- und spielfreudig wirkte, zum anderen sicherlich auch, weil er von Bondscoach Louis van Gaal für das WM-Aufgebot der Niederländer nominiert worden ist. „Das gibt einem immer noch mal einen kleinen Schub Extramotivation“, freut sich van der Vaart, der es bereist seit Mittwochabend wusste. Aber der HSV-Kapitän legte noch einen drauf: „Ich bin 2012 zum HSV zurückgekommen, um hierzubleiben. Auch wenn die Saison enttäuschend verlief. Mein Vertrag läuft noch bis 2015. Ich werde nicht weglaufen“, sagte der niederländische Nationalspieler der „SportBild“.
Van der Vaart bestätigte dabei auch das längst kolportierte Interesse anderer Klubs. „Natürlich sind Anfragen da. Denn Vereine spekulieren darauf, wenn ein Klub wie nun der HSV gegen den Abstieg spielt, gute Spieler für wenig Geld zu bekommen“, so der 31 Jahre alte – hoffentlich in den entscheidenden Relegationsspielen wieder als ein solcher auftretende – Spielmacher.

Im Training heute jedenfalls war den Problemfällen nichts anzumerken, was skeptisch macht. Im Gegenteil. Auch ein Hakan Calhanoglu, den sein Berater mit wohl überlegten (behaupte ich) und zur Unzeit veröffentlichten Wechselgedanken in die Bredouille gebracht hatte, machte einen frischen Eindruck. „Hakan ist ein toller Typ und macht auf mich einen absolut fokussierten Eindruck“, sagt Slomka heute. Ob er sich den 20-Jährigen noch zum Einzelgespräch holt, um mit ihm über die Unruhe zu sprechen? „Gut möglich, dass ich mit ihm allein sprechen“, so Slomka, „aber sicher nicht deswegen.“

Slomka, der Vorreiter allen Optimismus’ in Hamburg, betonte heute noch ein mal, dass seine Mannschaft topfit ist und genau das auch brauchen würde. „Wir haben in den ersten Wochen sehr hart trainiert und können jetzt ein wenig von diesen Früchten ernten. Unser Laufverhalten hat sich deutlich gesteigert. Das ist auch notwendig, weil auch der Gegner auf Rekordniveau in der zweiten Liga, was die Laufleistung betrifft – gespielt hat.“ Das gelte für die schnellen Läufe ebenso wie für die Laufleistung insgesamt. „Wir müssen dagegenhalten können, das ist wichtig um in diesen Finalspielen die Nase vorn haben zu können.“

Auch spielerisch wolle der HSV das eine oder andere Neue einfließen lassen, um Fürth überraschen zu können. Apropos Überraschung: Der Erste Bürgermeister, Olaf Scholz, besuchte heute den HSV. „Eine sehr besondere Geste für uns“, freute sich Slomka, der davon spricht, dass ganz Hamburg den HSV trägt. „Der Besuch hat uns wahnsinnig gefreut.“ Mehr noch als über die tatsächliche Qualität des am Dienstag völlig überflüssig von der Nationalelf strapazierten Rasens im Stadion. „Der Rasen wurde an verschiedenen Stellen schon erneuert und ist ein einem Top-Zustand.

Ebenso wie der morgige Gegner. „Fürth hat eine sehr gute Saison gespielt. Am Ende aber ein Stück weit enttäuscht, weil sie nicht damit gerechnet haben, das Paderborn ihnen den Rang abgelaufen hat.“ Dennoch sei die Mannschaft „in den letzten Wochen sehr stabil“, stellte Slomka fest und lobte munter weiter: „Insbesondere Azemi hat natürlich einen Lauf mit 13 Toren in 12 Spielen. Dass der Toptorjäger zum HSV wechselt, wie heute die Mopo titelte, hat der HSV eventuell selbst in der Hand. Denn sollte Fürth in der Zweiten Liga bleiben, wäre Azemi sicherlich nur noch schwer zu halten. Trotz Vertrages bis 2015 inklusive Option auf ein weiteres Jahr. Das dachte ich, bis Azemi sagte: „Wir rechnen uns gute Chancen gegen den HSV aus. Auch wenn es mit dem Aufstieg nicht klappen sollte, bleibe ich hier.” Eine Aussage mit einer im Profifußball entsprechend durchschnittlich langen Haltbarkeit? Oder ein ehrliches Bekenntnis? Ich vermag es nicht zu beantworten. Es ist mir auch noch egal, denn noch haben wir Lasogga, der trotz verschiedener Angebote und einem laufenden Vertrag bei Hertha BSC noch längst nicht weg ist. Ebenso wenig wie der HSV…

Der könnte morgen mit der Startelf des Mainz-Spiels beginnen. Allerdings deutete sich im Training ein Wechsel an, den Slomka auf der PK mit Lobhudelei auf Westermann nahezu ausgeschlossen hatte: Johan Djourou scheint für Slomka wieder eine Alternative für die Startelf. Was dafür spricht ist, dass der HSV in Mainz defensiv wackelte und drei Gegentore bekam. Dagegen spricht, dass Mancienne seit Wochen der konstanteste Innenverteidiger ist. Möglich ist aber auch, dass Westermann draußen bleibt, weil er grenzwertig angeschlagen ist, wie ich an dieser Stelle bereits berichtete. Zumal Slomka und auch Sportchef Oliver Kreuzer zuletzt die Leistungen von Jansen-Ersatz Petr Jiracek lobten.

Egal wie, die Mannschaft, die auf dem Platz steht hat genau zwei Aufgaben: Morgen und Sonntag so spielen, dass am Ende die Erste Liga gehalten wird. Und so überraschend es wäre, wenn Westermann draußen bliebe – es ist letztlich in Relation zum Großen Ganzen komplett unwichtig.

Morgen zählt es! Zusammenstehen – auf und neben dem Platz. Ob in blau gekleidet (Die Idee finde ich sehr nett!) oder auch nicht. Ob mit Westermann oder ohne. Ob mit einem guten Spiel oder einen schwachen. Hauptsache – wir retten irgendwie die Klasse.

Aufräumen können wir ab Montag. Und das werden wir auch.

Bis morgen!
Scholle

Die mögliche Startelf: Adler – Diekmeier, Djourou, Mancienne, Jiracek – Tesche, Badelj – Rincon, van der Vaart, Calhanoglu – Lasogga

P.S.: Für alle, die noch Tickets für das Rückspiel in Fürth kaufen wollen, hier ein Weg, wie Ihr das NICHT machen solltet. Über die Tickettauschbörse „Viagogo“ gibt es bereits Tickets für den Stehbereich für 499 Euro. Ursprünglicher Preis: 12 €. Unfassbar…

Unfassbar: 2:3 verloren – aber vorerst gerettet!

10. Mai 2014

Der Gau ist vorerst verhindert worden. Und genau so, wie es die meisten erwartet haben: Der HSV verliert 2:3 in Mainz, die Nürnberger verlieren auf Schalke 1:4, und die Braunschweiger verlieren in Sinsheim gegen Hoffenheim 1:3. Damit ist der HSV erst einmal gerettet – und geht am Donnerstag (20.30 Uhr in Hamburg) und am Sonntag in die Relegationsspiele gegen den Zweitliga-Dritten. Es darf durchgeatmet werden, aber ganz sicher nicht gejubelt oder gefeiert, denn eines steht fest: Dieser HSV 2014 ist die schlechteste HSV-Mannschaft aller Zeiten. Und nur viel, viel Glück hat dazu geführt, dass eine Mannschaft mit nur 27 Punkten und insgesamt 21 Niederlagen erst einmal die Klasse hält. Aber noch darf sich kein einziger Hamburger auf der sicheren Seite wähnen, denn auch gegen einen Zweitliga-Verein wird dieser HSV ganz sicher seiner Schwierigkeiten bekommen – der Pokal lässt grüßen. Ganz Hamburg wird noch einmal und auch zweimal alles geben müssen, um diesen Zitter-Club ganz oben zu halten. Daumen drücken – und mithelfen, mehr geht im Moment nicht. Und dazu dem Fußball-Gott danken, dass er in diesen Wochen mit einem HSV-Trikot ins Bett geht . . .


Von der ersten Minute an zeigten alle HSV-Spieler, dass sie es jetzt endlich begriffen haben. Das war Einsatz bis an die Grenzen, das war Kampf, Biss und der unbändige Wille, sich gegen den Abstieg zu wehren. So muss es gemacht werden, so geht Abstiegskampf. Mainz 05 hatte in der ersten Halbzeit eine einzige Chance, und die war so typisch für den Saisonverlauf des HSV: Eigentlich war gar nichts los, trotz der Rechtsflanke der Mainzer, die in den HSV-Strafraum segelte, und dennoch wurde „etwas“ daraus gemacht. Von zwei Hamburger-Nicht-WM-Fahrer. Wobei Torwart Rene Adler an diesem 73. Gegentor, das sich der HSV in dieser Szene eingefangen hat, total schuldlos war. Heiko Westermann hatte übersehen, dass hinter ihm der Mainzer Soto lauerte. Als der HSV-Innenverteidiger die Kugel aus sechs Metern mit der Brust zu Adler zurücklegen wollte, das heißt, er tat es sogar, spritzte Soto dazwischen und schoss den Ball ins Hamburger Tor. Mainz hat keine Chance, aber macht den Treffer – der ganz normale Hamburger Wahnsinn. Draußen, als Trainer, muss man doch durchdrehen, bei so viel Unfähigkeit, bei so viel Dilettantismus. Statt den Ball mit der Brust zu stoppen, hätte Westermann zur Ecke köpfen müssen – aber das war, wie schon geschrieben, typisch. Für Westermanns Auf-und-ab-Saison, und für den HSV (7.). Und nun?

Der HSV ließ sich diesmal nicht entmutigen. Alle, aber auch wirklich alle, machten so weiter, als wäre nichts geschehen. Und sie wurden für diese Einstellung belohnt. Robert Tesche flankte von links mit seinem schwächeren linken Fuß zur Mitte, Rafael van der Vaart, der eine überragende erste Halbzeit gespielt hat, schoss aus 15 Metern mit seinem schwächeren rechten Fuß, es war eher kein Schuss, sondern ein Schlenzer, aber ganz offenbar stand Pierre-Michel Lasogga genau in der Schusslinie, sodass der Mainzer Keeper Karius, den Ball nur abklatschen konnte. Und dann zeigte Lasogga, warum er der Retter des HSV werden wird, der bullige Torjäger köpfte den Ball ins Netz – sein 13. Saisontor. Endlich mal wieder ein Stürmer-Tor, endlich einmal wieder ein Hoffnungsschimmer. Zumal auf den anderen Plätze für de HSV gespielt wurde. Schalke führte gegen Nürnberg, Brauschweig lag in Sinsheim gegen Hoffenheim 0:1 zurück.

Ob es sich bis auf den Rasen herumgesprochen hatte? Der HSV jedenfalls schien beflügelt, spielte wahrscheinlich sein bestes Auswärtsspiel des Jahres, vielleicht sogar der gesamten Saison. Tesche köpfte nach einer Rechtsflanke von Dennis Diekmeier drüber (22.), Soto rettete nach einem Van-der-Vaart-Eckstoß am langen Pfosten auf der Torlinie (24.), einen Van-der-Vaart-Kopfball hielt Karius (25.), und zwei Minuten später die vielleicht größte HSV-Chance: Freistoß van der Vaart von rechts, am langen Pfosten preschte Michael Mancienne in den Ball, touchierte ihn aber nur noch, sodass Karius aus vier Metern doch noch abwehren konnte – nur Eckstoß. Immerhin: so viele Tormöglichkeiten in einer Halbzeit hatte der HSV seit „Jahren“ nicht mehr. Ein sehr gutes Zeichen.

Was wunderschön zu sehen und zu hören war: Die HSV-Fans, die es sich natürlich wieder einmal nicht nehmen ließen, mit (schwarzer) Pyro-Technik zu glänzen (gut gemacht, wird dem Verein wahrscheinlich runde 40.000 Euro kosten – aber der hat es ja auch), machten aus diesem so wichtigen Auswärtsspiel ein Heimspiel. Sie hatten eindeutig in Sachen Stimmung und Lärm alles im Griff – und zwar bestens. Kompliment. Dickes Kompliment dafür – für die andere Geschichte natürlich nicht. Aber in der versagt natürlich auch der HSV in der Club-Führung! Und zwar hundertprozentig!

Nach der Pause legte Mainz zu. Hat der HSV, wie zuletzt gegen die Bayern, wieder zu viel Kraft in Halbzeit eins gelassen? Diesmal offenbar nicht so ganz, denn nach spätestens 15 Minuten hatten sie das Spiel wieder besser im Griff – es ging hin und her, das war ein echt sehr, sehr ansehnliches Erstliga-Spiel. Schade, dass sich der HSV zu einer solchen guten Leistung erst am letzten Spieltag durchringen konnte . . . Aber immerhin.

„Niemals Zweite Liga“, sangen die HSV-Anhänger voller Inbrunst, weil Hoffenheim und Schalke jeweils 2:0 gegen Braunschweig und Nürnberg führten – was sollte da passieren? Noch das 1:2, das erneute Führungstor für Mainz. Tomas Rincon wollte keine fünfte Gelbe Karte riskieren, ließ sich hinten rechts von Koo ausspielen, Querpass auf Malli, und der schießt humorlos aus 14 Metern ins Hamburger Tor, unhaltbar für Adler (65.). Doch noch einmal Spannung? Der Anhang im Stadion wähnte sich auf der sicheren Seite – und feierte schon mal die Relegation ein wenig vor. Man gönnt sich ja sonst nichts. Zumal Hoffenheim in der 70. Minute schon mal 3:0 gegen die Braunschweiger vorne lagen. Auf Wiedersehen, Eintracht, ihr habt trotz allem eine großartige Saison gespielt – viel, viel besser, als es alle Experten und Fans erwartet hatten.

Schade an diesem 1:2 war, dass 120 Sekunden zuvor Hakan Calhanoglu nach einer Zuckerflanke von Diekmeier das 2:1 für den HSV auf dem Kopf hatte, aber der Ball strich aus zehn Metern knapp am Pfosten vorbei ins Aus.

Besser machte es auf der Gegenseite Okasaki, der zuerst Mancienne und dann Petr Jiracek stehen ließ – und eiskalt vollendete. Ein Klasse-Tor, muss man neidlos anerkennen (82.). Aber dem HSV und seinem Anhang konnte es egal sein. Den Schlusspunkt setzt Ivo Ilicevic: Jiracek-Flanke von links, Ilicevic stoppt den Ball mit der Hand – und schießt ein, 2:3 (84.). Ein schöner Schlusspunkt, der nicht mehr half.

Relegation, wir kommen. Eine Premiere für den HSV, aber vielleicht muss er da ja tatsächlich einmal durch, um aufzuwachen.

Aber ob sie auch wirklich alle aufwachen werden? Da fehlt mir doch ein wenig der Glaube.

Die Einzelkritik:

Rene Adler bis auf eine Unsicherheit in Halbzeit eins in guter Form.

Dennis Diekmeier spielte hinten und vorne gut, war agil, gab wieder (wie zuletzt gegen Bayern) alles, das war eine runde Sache.


Michael Mancienne
knüpfte an seine zuletzt gezeigten guten Vorstellungen an – ein „Aussortierter“ wird zur Stütze des HSV, das sollte man mal den Vorgängern von Mirko Slomka unter die Nasen reiben.

Heiko Westermann begann mit einem verheerenden Fehler, der darf in einem solchen Spiel nicht passieren – danach fing er sich und zeichnete sich durch seinen Kampfgeist aus.

Petr Jiracek zeigte hinten links seine beste Saisonleistung, das war sehr gut – und ein Lichtblick.

Robert Tesche spielte so, als sei er nie ein Aussortierter gewesen – das war bärenstark.

Milan Badelj hatte viel Licht und Schatten in seinem Spiel, mit mehr Schatten allerdings, insgesamt wirkte er wieder einmal ein wenig zu langsam – Folge seiner Verletzungspause?

Tomas Rincon zerriss sich vor Engagement, das waren 1000 Prozent! Beim 1:2 aber sah er schlecht aus – weil er die fünfte Gelbe vermeiden wollte.

Hakan Calhanoglu spielte eine sehr gute erste Halbzeit, dann baute er ein wenig ab. Insgesamt aber gut unterwegs.

Rafael van der Vaart zeigte sein bestes Spiel in diesem Jahr, war in Halbzeit eins vielleicht der beste Mann auf dem Platz, dann baute er zusehends ab – ein ganz normale Sache.

Pierre-Michel Lasogga hielt bis zur 67. Minute durch, hoffentlich unverletzt, er schoss ein ganz, ganz wichtiges Tor – Auftrag zu 100 Prozent erfüllt. Vielen Dank dafür! Ganz herzlichen Dank dafür. Denn dieses Tor macht Mut.

Ivo Ilicevic (ab 67. Min. für Lasogga) machte mit und schoss sogar noch ein (glückliches Hand-)Tor – vielleicht gewinnt er damit an Selbstvertrauen, er könnte es gebrauchen.

Tolgay Arslan (ab 74. Min. für Tesche) durfte mitmachen und sich zeigen.


Marcell Jansen
(ab 83. Min. für van der Vaart) durfte sich dem Bundestrainer noch für sieben Minuten zeigen – und kämpfte wacker mit.

So, mir bleibt jetzt nur noch, auf unsere gleich beginnende „Matz-ab-live“-Sendung hinzuweisen. Wir reden über das Spiel in Mainz, über die Situation am Ende der Erstliga-Tabelle, und über die Relegation ganz speziell. „Scholle“ und ich begrüßen zu dieser Runde die ehemaligen HSV-Spieler Jürgen Stars und Stefan Schnoor – und wir würden uns natürlich freuen, wenn Ihr wieder dabei sein würdet. Übrigens hat die Sendung nach dem Bayern-Spiel in Eurem Kreise unglaublich großen Anteil gefunden, es gab viel Applaus für alle Beteiligten – und unsere beiden Gäste, die Journalisten-Kollegen Jan-Christian Müller (Frankfurter Rundschau) sowie Oliver Wurm (freier Journalist) haben viel Lob erhalten; sogar viele persönliche Zuschriften erhalten. Das freut uns natürlich sehr. Vielen Dank.

17.30 Uhr

Nachtrag um 20:27 Uhr auf die Frage von Rotkäppchen: Pierre-Michel Lasogga soll nur vorsichtshalber ausgewechselt worden sein, er hat sich nicht verletzt und wird damit der große Hoffnungsträger für die Relegationsspiele sein. Und natürlich auch für Mirko Slomka. Der Trainer hat in der ARD gesagt, dass Lasogga das Spiel gut überstanden hat und ihm das Tor Selbstvertrauen geben dürfte. Auf die Frage des Reporters was Sloma Hoffnung macht, dass die Relegation positiv für den HSV ausgehen wird: “Genau das, was ich eben gesagt habe.”

Lasogga mahnt: Wir würden den Fans ein Stück Herz rausreißen

9. Mai 2014

Es war nicht anders zu erwarten. Nach etlichen Vereinen aus der Bundesliga und dem europäischen Ausland hat jetzt auch der große FC Bayern München sein Interesse an HSV-Juwel Hakan Calhanoglu bekundet. Und das überrascht nicht. Es ehr den Spieler indes. „Ich fühle mich geehrt“, sagt der Umworbene selbst, „eine Anfrage vom FC Bayern macht mich stolz.“ Verständlicherweise.

Die Sendung beginnt um 17:30 Uhr.

Allerdings ist der Moment denkbar ungünstig, so unmittelbar vor dem alles entscheidenden letzten Spieltag. Obgleich Calhanoglu versucht, zu entwarnen: „Das motiviert mich eher noch mehr. Und das Wichtigste ist jetzt erst einmal der Klassenerhalt“, sagt Calhanoglu, der zuletzt noch davon gesprochen hatte, trotz der Angebote auch im Falle eines Abstieges beim HSV bleiben zu wollen. Und das klang heute definitiv abgeschwächter: „Erst wollen wir die Klasse sichern. Und danach werde ich in Ruhe überlegen, was ich mache.“ Und so ungern ich das auch höre – Calhanoglu ist und bleibt zumindest ein ehrlicher Kerl. Okay, das muss natürlich auch noch nichts heißen. Aber es sollte zumindest alle Beteiligten hellhörig machen. Denn neben großem Geld bietet der FC Bayern eine der weltbesten Mannschaften und somit sportlich beste Perspektiven.


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Halten kann der HSV seinen hoffnungsvollsten Nachwuchsstar eh nicht. Zumindest nicht mit Bordmitteln. Trotz Vertrages bis 2018 ist Calhanoglu nicht zu halten. Zum einen nicht, wenn es in die Zweite Liga geht. Zum anderen nicht, wenn Bayern eine Offerte vorlegt. „Wir haben nicht vor, Hakan abzugeben“, hatte mir Sportchef Oliver Kreuzer am Dienstag gesagt und es als „Ziel“ bezeichnet, Calhanoglu klassenunabhängig beim HSV halten zu wollen. Um den Deutsch-Türken herum soll das neue HSV-Team aufgebaut werden. „Er ist ein Identifikationsfaktor für die Fans und er hat das Zeug, ein Großer zu werden“, so Kreuzer, „das sind Zutaten, wie man sie nur höchstselten findet.“ Wie man Calhanoglu in der Zweiten Liga halten wolle wollte ich wissen. Und Kreuzer betonte, wie wohl sich Hakan beim HSV fühle und dass man notfalls um ihn herum spart – Hauptsache Calhanoglu bleibt. Dass er gegen ein Angebot der Bayern nur vorübergehend anstänkern kann, weiß allerdings auch Kreuzer.

Noch jedoch, zum großen Glück des HSV, ist Calhanoglu Hamburger und der HSV noch lange nicht abgestiegen. Im Gegenteil, im Spiel in Mainz haben es Trainer Mirko Slomka und sein Team selbst in der Hand, die Relegation zu sichern. Dafür wurde auch heute wieder geübt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit und nicht ganz 50 Minuten lang. Oder besser: kurz. „Wir müssen in dieser Saisonphase keine Grundlagenausdauer trainieren“, sagt Slomka, der in Mainz wieder auf Johan Djourou, Marcell Jansen, Dennis Diekmeier und – Pierre-Michel Lasogga zurückgreifen kann. Beste Voraussetzungen also. Im Training heute agierte zudem Robert Tesche neben Milan Badelj auf der Doppelsechs. Nach der Lobeshymne am Dienstag scheint der einst Aussortierte damit morgen in Mainz erneut zur Startelf zu gehören.

„Im Moment geht es meinem Oberschenkel sehr gut und ich habe keinerlei Beschwerden“, sagt Lasogga gegenüber „Sky“. „Es läuft alles sehr gut und wir wissen alle um die Brisanz des Spiels. Wir wollen nichts dem Zufall überlasen und in Mainz gewinnen“, so der Angreifer, dessen Zukunft weiter offen ist, wie Kreuzer bestätigte. Und Lasogga macht Werbung in eigener Sache. Der Angreifer macht keinen Bogen um ehrliche Worte und scheint top motiviert: „Der Abstiegskampf geht mir sehr nah. Sowas will kein Fußballer erleben. Da hängt deutlich mehr dran. Da geht es um viele, viele Arbeitsplätze und um Fans, denen ein Teil ihres Herzens rausgerissen würde. Ich glaube, diesen Moment will keiner von uns erleben.“

Stimmt. Und eigentlich wollte ich an dieser Stelle mit diesem schönen Schlusssatz den Blog mit der möglichen Startelf beenden. Dann wäre ich endlich diese Bundesligasaison los. Denn ganz ehrlich gesagt, ich bin es Leid, immer dasselbe zu schreiben, weil ich immer dasselbe höre. Deshalb war ich auch so froh, die kämpferischen Worte endlich von jemandem zu hören, dem ich sie eins zu eins abnehme und der sie auch umsetzen wird. Aber dann bekam ich eine Abschrift des Redebeitrages von Dirk Mansen vom vergangenen Sonnabend…

Und nach Axel Formeseyns Auftritt bei der Mitgliederversammlung im Januar und dem Matz-ab-Auftritt war ich das zweite Mal sehr positiv überrascht. Denn Mansen spricht das an, was ich hoffe: Einigkeit als Grundlage für die Gesundung des HSV. Es herrschten Zerstrittenheit, völlig unterschiedliche Positionen, die unvereinbar scheinen, Gegenseitige Diffamierungen und Anfeindungen seien an der Tagesordnung und zum Teil erlebe man sogar verbale persönliche und auch körperliche Angriffe. „In solchen Zeiten war eigentlich immer der SC die Basis für eine neue Zukunft, dafür da und in der Lage einen Ruck auszulösen, der den Verein nach vorne brachte und oft die ganze Stadt erfasste. Dies ist heute nicht mehr so. Der Supporters Club hat meiner Meinung nach in den letzten Jahren einige schwere Versäumnisse aufzuweisen. Und vor allem – er ist sogar zum Feindbild eines Großteils seiner eigenen Mitglieder mutiert.“

Die Mitgliederwelle der letzten Jahre hätte dazu geführt, dass Mitglieder aus dem ganzen Bundesgebiet eingetreten seien und sich die Meinungsvielfalt eingestellt hat. Mansen: „Im Gegensatz zu den ersten Jahren seines Bestehens sind die gemeinsamen, homogenen Ziele der Gründer in den Hintergrund getreten. Und das obwohl sie auch heute noch einigen könnten.“

Und dann kam der teil, den ich ihm ganz hoch anrechne. „Die Mitglieder haben nun im Januar ein recht eindeutiges Votum erteilt, eine absolute Mehrheit hat sich für die Beauftragung des Vorstands zur Vorbereitung der Ausgliederung entschlossen, eine überwältigende (aber eben nicht absolute) Mehrheit gab ein Votum zur Fernwahl, zur Beteiligung auch von außerhalb, ab. Wir stehen also momentan nicht nur vor der Wahl am 25.5. über die Zukunft des HSV zu entscheiden, sondern auch vor der Wahl uns über unsere eigene Zukunft als eigentlich vorbildhafte und meiner Meinung nach dringend nötige Fanorganisation zu entscheiden – und das unabhängig von der Ligazugehörigkeit.“

Und das stimmt.

Wie fast alles, was Mansen sagte. Und um den Leuten, egal ob HSVPlus-Befürworter oder –gegner ihren Spaß am HSV nicht zu verderben, ruft Mansen, der seit 18 Jahren kein Amt mehr bei den Supporters ausgeübt hat, zur Einigung auf: „Der SC lebt durch alle seine Mitglieder und alle sind aufgerufen mitzuhelfen! Voraussetzung hierfür ist für mich die Rückbesinnung auf alte Werte und ein Neustart des Supporters Clubs im Sinne der Fans, des HSV, seiner Mitglieder und seiner Angestellten.“

Und am Ende wird Mansen noch etwas deutlicher. Er richtet sich direkt an die Abteilungsleitung: „Ihr seid als AL einmal angetreten eure Werte zu vertreten, aber ihr habt auch die Aufgabe eure Mitglieder zu vertreten… Jetzt ist dies wichtiger als je zuvor. Jetzt im Falle einer Ausgliederung alles hinzuschmeißen oder zu sagen ist nicht meins – das funktioniert nicht. Und auch im Falle dass dies am 25.5. nicht passiert, so muss ebenfalls dringend ein Neustart des SC erfolgen. Der Karren SC steckt, gelinde gesagt, ganz tief im Dreck und ich weiß nicht ob im Moment der Wille da ist ihn wieder herauszuholen. Benutzt diese Fanorganisation nicht als Mittel zum Zweck und opfert sie für diese Werte – auch wenn diese noch so vorbildhaft sein mögen.“

Wie das erfolgen soll, hat der Herr über das HSV-Museum auch parat: „Als Abteilungsleitung den Weg frei machen, oder zumindest die Ankündigung hiervon im Falle der Ausgliederung ist die eine Option…. Um dann mit neuem Grundlagenpapier und hoffentlich neuer Stärke wieder für alle da zu sein
Auf Auswärtsfahrten, auf Veranstaltungen, bei Heimspielen, an der Fanbotschaft, in der Fanbetreuung Und nicht mehr als Feindbild. Der SC hat jetzt zum zweiten Mal die Chance dem HSV wieder zusätzliche Stärke zu verleihen – nutzen wir die!“

Chapeau, Herr Mansen!

In diesem Sinne, jetzt beende ich den Blog tatsächlich – und erneut mit einem Statement, dem ich zweifelsfrei mich anschließen kann. Also, morgen noch mal unbedingte Geschlossenheit demonstrieren. Auf dem Platz 90 Minuten wie zuletzt in der ersten Halbzeit gegen Bayern – das Gegentor ausgenommen und mindestens einen eigenen Treffer dazuaddiert. Aber auch wieder neben dem Platz. Dann anschließend zusammen die Relegation wuppen und dem Neustart die einzig reelle Chance geben, indem HSVPlus am 25. Mai durchgewinkt wird. Das wäre letztlich das Happy-End einer unfassbar grauenhaften Saison – auf und neben dem Platz. Und es wäre zu schön, plötzlich an dieser Stelle mal wieder über positive Entwicklungen berichten zu können…

Bis morgen nach dem Spiel. Dann unterhalten wir uns hoffentlich über den erreichten Relegationsplatz mit den beiden Ex-HSV-Profis Stefan Schnoor und Jürgen Stars.

Scholle

P.S.: Einzig offen Frage für morgen scheint zu sein, wer die linke Außenbahn besetzt. Zuletzt war es Jiracek. Allerdings ist Jansen wieder gesund und drängt in die Astartelf. Möglich ist zudem, dass der wieder genesene Djourou neben Mancienne (den würde ich partout nicht rausnehmen!) aufläuft und Westermann (den wird Slomka partout nicht rausnehmen) auf die linke Abwehrseite rückt. Ich glaube, dass Slomka so spielen lassen wird: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Tesche – Calhanoglu, van der Vaart, Ilicevic – Lasogga.

Endlich wieder Fußball. Und nix sonst.

6. Mai 2014

Endlich. Nur Fußball. Daher für alle, die es genauso satt haben wie ich, die Vereinspolitik selbst in kritischsten Phasen voranzustellen: Dieser Blog erhält erst im Anhang Vereinspolitik. Und ansonsten einen ganzen Tag lang mal wieder nur Fußball. Und dann auch noch mit der einen oder anderen guten Nachricht. Denn immerhin konnte Johan Djourou heute wieder voll mittrainieren und soll auch am Sonnabend in Mainz beim Abstiegsendspiel Nr. 34 dabei sein. Ebenso wie Dennis Diekmeier. „Dennis hatte sich schon vergangenen Donnerstag leicht gezerrt und wir haben ihn mit nur einem Tag hinbekommen. Daher werden wir das jetzt auch schaffen“, so Slomka, der sogar darauf hofft, seinen Rechtsverteidiger bereits am Mittwoch wieder im Mannschaftstraining begrüßen zu können.

Dann wird auch Pierre Michel Lasogga wieder dabei sein. Der wahrscheinlich größte Hoffnungsträger des HSV trainierte in den vergangenen Tagen individuell mit Rehatrainer Markus Günther und konnte dabei Fortschritte verzeichnen. Heute trainierte er nun mit der Mannschaft und absolvierte das Programm bis zur abschließenden Torschussübung komplett schmerzfrei mit. „Im Spiel war er der neutrale Mann, damit er noch weitgehend ohne Zweikämpfe mitmacht. Aber das werden wir steigern“, so Slomka, dem die Freude über das Comeback seines Toptorjägers ins Gesicht geschrieben steht. „Es lief alles problemlos und wir haben jetzt die Aufgabe, ihn langsam zu steigern, damit er am Sonnabend topfit ist.“ Soll heißen: Ebenso wie Djourou plant Slomka nach aktuellem Stand auch mit Lasogga in der Startelf. „Wir hoffen auf beide. Beide haben viele gute Spiele für uns gemacht, sind wichtig für die Mannschaft.“

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Allerdings betonte Slomka auch, dass er nichts riskieren werde. In weiser Voraussicht auf das (hoffentlich!!) bevorstehende Relegationsduell am 15 und am 18. Mai. Einen möglichen Gegner hat Slomka bereits gesehen: Greuther Fürth. Beim 6:0 der Fürther in Cottbus war Slomka (ebenso wie Braunschweigs Lieberknecht) Tribünengast – und begeistert: „Fürth war beeindruckend. Obgleich Cottbus es dem Gegner am Ende sicher leicht gemacht hat“, so Slomka, der auch Paderborns Qualitäten noch mal hervorhob. „Egal gegen wen wir am Ende spielen sollten, es wird sicher schwierig.“

Vor allem am Sonnabend in Mainz. „Wir sind gewarnt. Wir wissen um die Heimstärke der Mainzer“, sagt Slomka, der dennoch bemüht ist, die eigenen Stärken vorneanzustellen – ohne dabei die Niederlage gegen die Bayern schönreden zu wollen. „Es war eine große Erleichterung zu spüren ob der anderen Ergebnisse. Und die Fans haben erneut Gespür für die Lage bewiesen. Sie haben gemerkt, dass die Mannschaft alles versucht hat, alles gegeben hat und sich nur nicht selbst belohnt hat. Jetzt wird es für uns genau darum gehen. Und darum, die ersten 45 Minuten gegen die Bayern 90 Minuten lang in Mainz abzurufen.“

Stimmt. Nur wie?

Slomka setzt wie in der Vorwoche auf die Kraft aus der Ruhe. Konditionstraining und harte Läufe gibt es nicht mehr. „Wir üben gruppentaktisch, machen nicht mehr zu viel. Wir befinden uns auf der Zielgeraden der Saison, da muss ich die Prioritäten nicht mehr auf den Ausdauerbereich setzen“, sagt Slomka, der selbst als Vorbild dienen will. „Ich kenne den Druck in allen beiden Richtungen. Einmal haben wir am 33. Spieltag mit Schalke beim 0:2 gegen Dortmund die Meisterschaft verspielt, und mussten danach am letzten Spieltag unbedingt gewinnen, um Werder nicht noch an uns vorbeiziehen zu lassen. Und mit Hannover habe ich am letzten Spieltag in Bochum um den Klassenerhalt gespielt – gegen einen direkten Konkurrenten. Das war auch hop oder top“, so Slomka, der ausführt: „Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich als Trainer Ruhe vorleben muss. Ich muss das den Spielern vermitteln. Weil wenn wir das nicht machen, wer dann…?“ Stimmt, denn aus der Mannschaft heraus wird es keine Vorgaben geben. Von wem auch?

Das Interview im Video:

Spannend dürfte der eh schon spannungsgeladene Sonnabend auch in Sachen Startelf werden. Spielen Lasogga und Djourou tatsächlich von Beginn an? Und wenn ja, wer muss für Djourou weichen? Denn klar ist, sollte Jansen (Slomka: „Ich glaube, er braucht noch ein, zwei Tage“) spielen können, hat Slomka Diekmeier für rechts sowie Mancienne, Djourou, Westermann für die zwei Innenverteidigerposition sowie die Auswahl zwischen Jiracek, Jansen und Westermann für die linke Abwehrseite.

Und er hat auf der Sechs Optionen. Auf der Doppelsechs besser gesagt. Milan Badelj ist bei Slomka gesetzt, daneben agierte zumeist Tolgay Arslan, der seine Gelbsperre abgesessen hat und mit seinem Einsatz rechnet. Das allerdings macht auch Robert Tesche, der gegen Bayern nicht nur Slomka überzeugen konnte. „Ich war sehr positiv überrascht“, lobt Slomka den unter Fink und van Marwijk noch aussortierten Mittelfeldspieler, „ich hatte nicht gedacht, dass Robert diese Konstanz auch über die gesamten 90 Minuten bringt. Aber das hat er sehr gut gemacht.“ Schon deshalb – und, weil Slomka Tesche für den torgefährlichsten Sechser hält – ist der „Begnadigte“ plötzlich eine ernsthafte Option auf die Startelf im alles entscheidenden Saisonspiel. „Ich kann und will mich noch nicht festlegen“, antwortet Slomka auf die Frage nach seinem Favoriten, „zumal ich nicht mal weiß, ob wir wieder mit einer Doppelsechs spielen.“

Klar aber scheint, dass Slomka in Mainz erneut auf die Bayern-Strategie setzt. Wie schon gesagt, soll die erste Halbzeit des Bayern-Spiels auf zwei Hälften ausgedehnt werden. Und dort hat man offensiv verteidigt. „Ich werde der Mannschaft noch mal zeigen, warum das so gut funktioniert hat“, sagt Slomka, der im selben Atemzug betont, auch die Fehler („Das Tor nach der Ecke ist unglaublich – sowas darf nicht vorkommen“) aufzeigen zu wollen. „Letztlich aber werden wir die gute, kämpferische Stimmung mitnehmen und die positiven Aspekte in den Vordergrund rücken.. Denn die Mannschaft hat einen starken Charakter gezeigt.“ Und das gebe ihm , der „unablässig“ an diese Mannschaft glaubt, ein gutes Gefühl.

Mir auch. Erst einmal. Denn bei allen Mängeln dieser Mannschaft kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es irgendeinen Fußballer auf diesem Planeten gibt, der in dem Spiel am Sonnabend nicht schon von außen angesteckt und voller Adrenalin ist. Nicht einmal… Nein, das lasse ich. Es ist noch nicht die Zeit für die große Analyse. Ebenso wenig wie hier und heute, morgen, Donnerstag sowie am Freitag und sogar Sonnabend bis Spielende Platz sein darf für eine Strukturdebatte, werte Herren.

Daher belasse ich es auch dabei, das (noch) Nebensächliche ins P.S. zu stellen.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird wieder um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

P.S.: Die Tatsache, dass sich Vereinsvertreter und/oder welche, die es werden wollen, wenige Tage vor dem wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte in den Vordergrund spielen ist schon schlimm genug. Für mich ist es sogar Grund genug, sie gar nicht zu beachten. Daher – das habe ich mir gerade jetzt und ganz kurzfristig anders überlegt – ignoriere ich sie an dieser Stelle dann doch… Euch allen einen Schönen Abend!!

„Danke an Augsburg und Hannover!“

4. Mai 2014

Welche Erleichterung doch eine 1:4-Niederlage auslösen kann…

 

Die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka wurde durch die Niederlagen der Konkurrenz zum Sieger des Wochenendes im Kampf um den Klassenerhalt. „Wir müssen uns bei Hannover und Augsburg bedanken“, brachte es Verteidiger Heiko Westermann auf den Punkt. „Diese beiden Teams haben es uns ermöglicht, am kommenden Wochenende aus eigener Kraft den Klassenerhalt zu schaffen.“

 

Neue Hoffnung nach vier Niederlagen in Folge, in denen es 4:10 Tore gab – das gibt’s auch nur beim HSV! Aber die Fakten sprechen ja auch für Hamburg. Nein, genauer gesagt sprechen sie gegen die Konkurrenz. Wer solche Chancen liegen lässt wie Braunschweig und Nürnberg, der hat unter Umständen noch weniger den Klassenerhalt verdient als der HSV – und das will was heißen.

 

 


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Die exakte Aufarbeitung der Niederlage gegen den amtierenden Triple-Gewinner können wir uns an dieser Stelle schenken. In groben Zügen gilt zu konstatieren, dass der HSV gut gepresst hat, die Zweikämpfe angenommen hat, Bayern ärgern konnte – aber letztlich wegen der individuellen Bayern-Klasse chancenlos war.

 

27 Punkte hat der HSV auf dem Konto. Es ist in nahezu allen Bereichen die schlechteste Saison der Geschichte. Wenigste Siege, meiste Niederlagen, meiste Gegentore, schlechteste Heimbilanz, Auswärts-Niederlagenserie, zwei Trainer gefeuert, und und und.

 

Und trotzdem geht da noch was! „Wir gehen davon aus, dass Pierre Michel Lasogga in Mainz wieder mit von der Partie sein wird“, sagte Sportchef Oliver Kreuzer heute. Lasogga steht also ebenso wie Verteidiger Johann Djourou vor dem Comeback, und das würde dem HSV natürlich enorm helfen. Allein die Aussicht, endlich wieder einen Stürmer auf dem Platz zu haben, gab es seit Wochen nicht.

 

In der Vorbereitung auf die Partie in Mainz, das ja auch noch um die Qualifikation für die Europa League spielt, soll diesmal nichts Ungewöhnliches getan werden. Kein Trainingslager, kein zusätzlicher Geistheiler. Jetzt gilt die volle Konzentration einzig diesem Spiel. Hoffnungsschimmer waren gestern die kämpferischen Auftritte von Rafael van der Vaart und den anderen Offensivspielern, denen in punkto Einsatz kaum ein Vorwurf zu machen war. Ich finde, dass besonders Michael Mancienne in der Innenverteidigung ein ganz starkes Spiel gemacht hat. Der Engländer hat sich dazwischen gehauen, wo es nur ging, und den Bayern wehgetan. Er war ein Vorbild im Abstiegskampf.

 

Trainer Mirko Slomka hat den Sonntag überwiegend in Cottbus verbracht. Dort spielte Greuther Fürth, der mutmaßliche Tabellendritte der Zweiten Liga bei Energie, und siegte deutlich mit 6:0. Nach aktuellem Stand ist Greuther Fürth der Relegationsgegner des HSV. Co-Trainer Nestor El Maestro hat sich das 2:0 des Zweiten SC Paderborn in Aue angesehen. Der HSV will vorbereitet in die Relegation gehen, die am Donnerstag, den 15. Mai, um 20.30 Uhr zu Hause beginnen würde. Das Rückspiel ist für den Sonntag, 18. Mai, um 17 Uhr anberaumt.

 

Wie es am Ende auch ausgehen mag, anschließend wird abgerechnet. Und klar ist auch heute schon und im Grunde seit Monaten, dass all die Ereignisse der vergangenen Monate personelle Konsequenzen auf Führungsebene haben werden. Diese Aussage gilt ganz unabhängig vom Ausgang der Mitgliederversammlung am 25. Mai, auf der über die Ausgliederung in eine Fußball AG nach HSV-Plus-Vorbild entschieden wird.

 

Ich bin in den vergangenen Tagen wieder häufiger angesprochen worden auf meine Beurteilung von Sportchef Oliver Kreuzer, der zuletzt im Winter ja noch sehr gut weggekommen war. Neben dem Trainingsplatz, in Gesprächen kam dieses Thema immer wieder hoch, denn Kreuzer steht bei den meisten ja gewaltig auf dem Index.

 

Am Ende muss eine klare Entscheidung her – das Vorstandstrio Jarchow, Hilke, Kreuzer raus oder nicht – aber bis dahin kann man ja versuchen, differenziert auf diese Personen zu gucken.

 

Was Kreuzer angeht, kann ich natürlich meine Einschätzung vom Winter nach dieser Rückrunde so nicht aufrecht erhalten. Zu viel Schlechtes ist seither geschehen, zu viel auch bekannt geworden, was vor Monaten nicht bekannt war. Damit spiele ich insbesondere an auf die Vertragsdetails bei den Personalien Bert van Marwijk und Johann Djourou an, die den HSV Unsummen kosten. Aber auch andere Entscheidungen sind in die falsche Richtung gegangen. Stichworte: Ola John, Ouasim Bouy, Artjoms Rudnevs. Dagegen stehen allerdings auch die Vertragsverlängerungen von Jonathan Tah und Hakan Calhanoglu, die dem Verein perspektivisch aber mal ganz sicher sehr gut tun werden.

 

Ich sehe in Oliver Kreuzer trotzdem nicht den Hauptschuldigen für die aktuelle Misere. Er ist unter denkbar schlechten Rahmenbedingungen an die Elbe gekommen, die kein einziger anderer Sportchef in der Bundesliga zu erfüllen hatte. Kaum hatte er in Hamburg angeheuert, wurde ihm die Vorgabe mitgegeben, 15 Millionen Euro einzusparen. Dann gab es kurz darauf von Klaus-Michael Kühne gewaltig auf den Latz. In dieser Situation ist Kreuzer niemand zur Seite gesprungen, der ihm hätte zur Seite springen müssen. Kein Aufsichtsrat, kein Vorstandskollege. Kreuzer, der „Drittliga-Manager“, stand von Beginn an allein im Sturm, gebrandmarkt als Schwächling.

 

Hier beginnt allerdings auch sein Versäumnis. Kreuzer hat zu selten sportlich fragwürdige Entscheidungen verhindert. Und das hätte er tun müssen, denn es ist im Wesentlichen sein Verantwortungsbereich. Er hat die Philosophie aller aktuellen Vertragsabschlüsse beim HSV, die da heißt: es muss vor allem wirtschaftlich passen!, nach außen mitgetragen und sich eben nicht dagegen verwehrt. Er hat sich Zoua im Sommer und die genannten Niederländer im Winter quasi von den jeweiligen Trainern aufschwatzen lassen. Die Trainer sind inzwischen weg, somit trägt Kreuzer die alleinige Verantwortung. Kreuzer dazu heute im “Sport-1-Doppelpass”: “Natürlich übernehme ich total die Verantwortung für das, was in dieser Saison passiert ist. Ich habe einen Zweijahresvertrag und würde mich auch dann als Bestandteil des Vereins sehen, den geplanten Aufstieg wieder anzustreben!”

 

Was die Beurteilung von Carl Jarchow und Joachim Hilke angeht, mache ich es mir einfacher. Jarchow muss sich hier nur an den eigenen Vorgaben des Vorjahres messen – dann erübrigt sich eigentlich jeglicher weiterer Kommentar. Er hat gestern im „sportstudio“ schon glockenklar gesagt: „Wenn man solch eine Saison spielt und in solch einer Lage ist wie wir, muss man die Verantwortung tragen. Und dieser Verantwortung werden wir uns auch stellen.“ Im Grunde ist alles, was Jarchow als Zielvorgabe genannt hat, nicht eingetroffen. Dies Urteil muss er gemeinsam mit Hilke hinnehmen. Bei Hilke kommt hinzu, dass er im Winter die fatale Indonesien-Reise vorangetrieben hat. Sie ist auch gegen Widerstände aus dem sportlichen Bereich durchgedrückt worden mit den bekannten Folgen. Indonesien hat seinen Beitrag geleistet zur schlimmen HSV-Rückrunde. Schon Im Februar hatte der damals noch komplette Aufsichtsrat im Zusammenhang mit der von einigen geplanten Magath-Verpflichtung vorgesehen, Jarchow und Hilke abzulösen. An Kreuzer schieden sich die Geister, weil viele ihn wie ich als Täter und Opfer gleichermaßen sahen und sehen.

 

Was im Februar galt, muss im Mai nicht zwingend auch noch gelten. Aber wenn ich in die nahe Zukunft schaue, dann kann ich mir keine führende Rolle für einen der drei Genannten beim HSV mehr vorstellen. Was Oliver Kreuzer angeht könnte dennoch ein Amt im sportlichen Bereich in der zweiten Reihe möglich sein. Ein anderer Sport-Vorstand einer neuen AG trüge die Verantwortung mit Kreuzer in seinem Stab.

 

Ich denke, es ist kein Zufall, dass diejenigen potentiellen Sportchef-Kandidaten des HSV, die eine gefestigtere Position versprachen als Kreuzer sie verkörpert, aus eigenen Stücken abgesagt haben. Das galt vor einigen Jahren für Nico Hoogma, das galt für Jörg Schmadtke ebenso wie für Felix Magath. Ich meine jetzt nicht die sportliche Kompetenz, sondern die Durchsetzungskraft. Diese drei haben sich gedeihliches Arbeiten beim HSV nicht vorstellen können. Sie haben gemerkt, dass etwas ganz Grundsätzliches falsch läuft beim HSV, so dass sportliche Entwicklung nach den Vorstellungen eines „normalen“ sportlichen Leiters nicht umgesetzt werden können. So wie es jetzt mit Kreuzer gelaufen ist, werden die Absagen der drei im Nachhinein gerechtfertigt.

 

Man könnte sagen: so, wie der HSV vor einem Jahr gestrickt war und heute gestrickt ist, musste die Aufgabe Kreuzer über den Kopf wachsen.

 

Ein letztes Mal noch ein Wort zu Kreuzer. Auch und gerade hier in den Kommentaren wird er oft hart kritisiert für seine häufigen öffentlichen Auftritte. Ich finde, dass öffentliche Präsenz die Pflicht ist eines Sportchefs – gerade wenn sich andere in brenzligen Situationen wegducken. Und das haben einige in den vergangenen Monaten getan – Kreuzer am wenigsten, auch wenn er wusste, dass er dadurch zusätzliche Angriffsfläche riskiert.

 

Unrühmliche Begleiterscheinungen des Kicks gestern waren die Auseinandersetzungen zwischen Ultra-Fans des HSV und der Polizei. Die Scharmützel begannen bereits vor der Partie in der Nähe des S-Bahnhofs Stellingen, in Ottensen und am S-Bahnhof Eidelstedt. Bei ersten Handgreiflichkeiten wurde eine Polizistin verletzt. Die Polizei hat daraufhin etwa 25 Mitgliedern von „Poptown“ den Zugang zum Stadion verwehrt.

 

Entsprechend aufgeladen waren die übrigen „Fans“. Als dann im Stadion das bekannte Plakat ACAB („All Cops are Bastards“) aufgehängt wurde, platzte den Einsatzkräften der Geduldsfaden. Sie schritten in der Halbzeit ein, was weitere Auseinandersetzungen zur Folge hatte. Viel davon war im Fernsehen zu sehen – es kursieren auch einige Videos von Schlägereien hinter den Tribünen. Tränengas musste eingesetzt werden, die Polizei griff zu Schlagstöcken. Massenhaft Gegenstände wurden in Richtung der Polizisten geschleudert. Fahnenmasten, Bierbecher, sonstiges Zeugs.

 

Es sind sehr unerfreuliche Bilder, und natürlich kann man darüber streiten, ob die Polizei im Stadion wirklich in dieser Form gegen das Plakat vorgehen musste. Wahrscheinlich war das nicht schlau, aber die Verursacher dürfen hier nicht mit den Opfern verwechselt werden. Der HSV ist dabei, wieder ein massives Problem mit seiner Ultra-Szene zu bekommen. In den vergangenen Monaten ist immer mehr passiert, das zeigt sich nicht nur in regelmäßigen Abständen beim Pyro-Thema.

 

Hier ist ein Einschreiten von Seiten des Supporters-Clubs erscheint dringend notwendig. Die Aggression der Ultras in diesem Fall hatte nichts mit dem Fußball auf dem Rasen zu tun, das war offenkundig. Andere Aggression, finde ich, hat aber im Stadion und am Rande eines Fußballplatzes nichts zu suchen. Übrigens wurde im Laufe der Krawalle insgesamt sechsPolizisten leicht verletzt.

 

Soweit die Perspektive der Polizei. Der guten Ordnung halber die Stellungnahme des Supporters-Clubs:

 

Supporters Club und HSV Fanprojekt verurteilen Einsatz der Polizei

In der Halbzeit des Spiels unseres Hamburger Sport-Verein e.V. gegen den FC Bayern München kam es auf der Nordtribüne zu einem Polizeieinsatz, welcher aus Sicht des HSV Supporters Club und des HSV Fanprojekts absolut unverhältnismäßig war und zu verurteilen ist.

„Man muss sich Fragen, ob die Polizei aus den Vorfällen beim Champions-League Qualifikatiopnsspiel FC Schalke 04 – PAOK Saloniki überhaupt nichts gelernt hat”, so Christian Bieberstein, Abteilungsleiter der Abteilung Fördernde Mitglieder/Supporters Club.

Grund des Blocksturmes war ein provokantes Banner „ACAB” (all cops are bastards), der sich gegen die Polizei richtete.

Ein Banner als Grund zu nehmen, in einem vollen Stadion einen Block unter dem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöckern zu stürmen, ist vollkommen inakzeptabel. Die In-Kaufnahme von Verletzten im dreistelligen Bereich, steht in keinem Verhältnis zu einer solchen Provokation.

Wir verlangen und erwarten eine umgehende und lückenlose Aufarbeitung des Einsatzes und verurteilen diesen abermals auf das Schärfste.

HSV Supporters Club und HSV Fanprojekt

 

Wenn der Bock zum Gärtner wird…..

 

Zum Schluss noch eine Information, die sich aus einem Interview vom Jürgen Hunke mit dem Deutschlandfunk ergeben hat. Aufsichtsrat Hunke hat sich dortheute  in einer langen Diskussions-Sendung zum HSV auch zur wirtschaftlichen Situation des Clubs geäußert. Er kennt alle Zahlen und hat versichert, dass der HSV die Lizenz für beide Ligen aus seiner Sicht erhalten werden. Und der erfolgreiche Unternehmer ging noch einen Schritt weiter. Im Notfall, so Hunke, stünde er auch bereit, um dem Verein mit seinem Geld über Liquiditätslücken zu helfen. Mit anderen Worten: steht dem HSV das Wasser nicht nur bis zum Hals sondern einige Zentimeter höher, würde Hunke wirtschaftlich helfen.

 

Noch ein paar Sommer-Infos: Der Vorbereitungsplan des  HSV auf die neue Saison steht. Am 18. Juni ist unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit Trainingsstart. Ende Juni fährt das Team für eine Woche ins erste Trainingslager nach Glücksburg in Schleswig-Holstein (22.6.-29.6.). Dort stehen zwei Freundschaftsspiele auf dem Programm, unter anderem gegen den ETSV Weiche. Vom 4. Bis 11. Juli fliegt der HSV definitiv nach China, und zwar nach Guangzohou im Südosten des Landes. Auch hier stehen zwei Spiele an. Bleibt der HSV erstklassig, dann ist anschließend eine Woche Pause, ehe der Telekom-Cup und eine weitere Trainingswoche in Österreich die Vorbereitung beschließen. Im Fall des Abstiegs entfällt die Trainingspause und es geht mit Volldampf auf den Zweitliga-Start am Wochenende 1. Bis 3. August.

 

Morgen ist trainingsfrei am Stadion, es geht weiter Dienstag um 10 Uhr – vielleicht ja dann mit Pierre Michel Lasogga.

 

Sportlicher Gruß von Lars

 

 

1:4 – aber die Relegation ist drin!

3. Mai 2014

Der HSV verliert 1:4 gegen den FC Bayern – aber die Konkurrenz spielt wieder für den HSV! Unfassbar. Die Hoffnung stirbt zuletzt, der HSV kann die Relegation schaffen. Was für ein Jubel, als in der Arena die Ergebnisse des 33. Spieltages vorgelesen wurden. Hannovers Ersatz-Mannschaft gewinnt 2:0 beim 1: FC Nürnberg, und der FC Augsburg schafft dank Bobadilla in der 94. Minute den 1:0-Sieg in Braunschweig. Das kann ja alles nicht wahr sein, das ist ja wie ein Märchen! Es bleibt somit alles beim Alten auf den letzten drei Plätzen – unglaublich, unfassbar, sensationell – herrlich!!! Der HSV darf noch von der Ersten Liga träumen, es riecht nach Relegation. So gab es nach einer 1:4-Niederlage gegen den FC Bayern doch noch viele zufriedene Gesichter, die sich auf den Heimweg machten. Es ist noch nicht alles verloren – obwohl man mit nur 27 Punkten eigentlich nicht in der Ersten Bundesliga überlegen kann. Aber wenn es ein Wunder gibt, dann muss es ein Wunder für Hamburg und den HSV sein!
Nur, aber auch wirklich nur der HSV!


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Die Stimmung vor dem Anpfiff war schon super. Nein, großartig, sensationell. „Schreien bis der Kehlkopf kreist“, hatte Lotto King Karl im Abendblatt gefordert, und die Fans hielten sich dran. Vielleicht auch deshalb, weil sie von den Bayern gefordert wurden. Im Münchner Block wurde ein Plakat in HSV-blau präsentiert – in Anlehnung an die HSV-Uhr im Nord-Westen: „Noch in der ersten Bundesliga: 7 Tage, 1 Stunde.“ Der HSV-Konter ließ nicht lange auf sich warten – ein weißes Plakat: „In HH ticken die Uhren eh anders.“ Mag sein. In der Anfangsphase überraschte der HSV mit einer äußerst engagierten Leistung. Warum, diese Frage stellte ich mir schon, warum nicht immer so? Warum gegen die Bayern? Warum erst am vorletzten Spieltag?

Der HSV, der kurzfristig auf Marcell Jansen hatte verzichten müssen (die alte Knöchel-Geschichte hatte sich entzündet), rannte wie um sein Leben. Da war Leben zu sehen, da war Biss zu erkennen, da war auch endlich einmal so etwas wie Teamgeist zu sehen. Da lief einer für den anderen. Und ein gutes Zeichen war schon nach wenigen Minuten, dass sich Hakan Calhanoglu und Milan Badelj nach einer kleinen Unstimmigkeit angifteten. So kommt dann doch noch mehr Leben in die Bude . . . Und dazu setzte Rafael van der Vaart noch ein Zeichen: Der HSV-Kapitän trat Nationalspieler Kroos von hinten auf die Socken – Freistoß, aber kein Gelb. Und ein Achtungszeichen, dass der HSV nichts zu verschenken hat.

So oft hatte der HSV in jüngster Zeit ein frühes Gegentor gefangen, diesmal hieß es nach zehn Minuten noch 0:0. Und nach 13 Minuten hatte der HSV sogar die Chance zur Führung: Ivo Ilicevic nahm sich im Bayern-Strafraum rund eine „Viertelstunde“ Zeit, den Ball mit links auf das Gehäuse von Nationalkeeper Neuer zu dreschen – und dann ein so kümmerlicher Schuss. Wahnsinn! Mit links trümmerte die HSV-Spitze den Ball in Richtung Güterbahnhof Wandsbek. Da kann man auf der Tribüne nur zusammenbrechen. Eine runde „Viertelstunde“ Zeit, und dann ein solcher Abschluss, unbegreiflich. Aber wahr.

Auch nach 20 Minuten noch 0:0 – und Bayern schwach. Wenn ich so an das Pokal-Finale in 14 Tagen denke – oh, oh, das kann ein Dortmunder Feiertag werden . . . Und auch nach 30 Minuten hieß es 0:0. Aber nach 31 Minuten und 55 Sekunden nicht mehr. Doppelpass Robben und Götze, und der frühere Dortmunder schoss unter Rene Adler den Ball zum 0:1 in das Tornetz der Hamburger. Bitter. Ein Doppelpass am Fünfmeterraum des HSV, und das alles ungehindert, obwohl der Strafraum an sich voller Spieler war. Ja, so kann es gehen. Fast sogar noch das 2:0, als ein Kopfball von Schweinsteiger knapp am langen Eck des HSV-Tores vorbeisegelte (40.). Auf der Gegenseite die beste HSV-Tormöglichkeit: Robert Tesche spielte Rafael van der Vaart an, der schoss aus zwölf Metern aus der Drehung – aber auf Neuer. Der Torwart boxte den Ball über die Torlatte zur Ecke (42.). Und dann noch einmal Ilicevic. Diesmal versuchte er sich mit einem 15-Meter-Schlenzer aus halblinker Position, aber der Ball verfehlte deutlich sein Ziel (43.). Halbzeit. Und in die wurde der HSV mit viel, viel Beifall verabschiedet.

Während der Pause dann Jagdszenen im Volkspark. Polizei zog vor der Nordtribüne und im Nord-Westen auf. Angeblich sollen provokante Plakate die Ursache dafür gewesen sein. Es flogen Stöcke und Getränke auf die Uniformierten, zudem hatten sich die wie wild protestierenden HSV-Fans schnell ihre Fanschals ins Gesicht gezogen. Sicher ist sicher. Zum Glück beruhigte sich die bedrohliche Lage noch rechtzeitig – bis zum Wiederanpfiff jedenfalls. Was nach dem Schlusspfiff dann noch abgehen würde . . . Mal abwarten.

In der Halbzeitpause waren sich die Experten einig: Der HSV hatte ein Klasse-Spiel hingelegt, aber das Tempo war wohl zu hoch, um es bis zur 90. Minute zu halten. Der HSV wird wohl kräftemäßig noch einbrechen. Auch mal abwarten.

Aber das 0:2 fiel relativ früh. Eckstoß von Bayern, Robben von rechts. Der Niederländer entdeckt den völlig freistehenden Götze 13 Meter vor dem HSV-Tor. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Eckstoß für Bayern, und ein Münchner steht im völlig übervölkerten HSV-Strafraum mutterseelenallein. Allein. Das kann doch nicht wahr sein! Wer hat da alles gepennt? Unfassbar, welche amateurhafte Fehler sich der HSV immer und immer wieder erlaubt. Da kann man nicht gegenanspielen. Nein, das geht nicht. Und Götze schießt. Keineswegs hart, aber an allen hinter ihm noch stehenden Hamburger, und das waren immerhin acht (!), in Worten ACHT, vorbei ins Tor. Beschämend. Und das spielte sich in der 55. Minute ab. Die Vorentscheidung. Natürlich. Denn der HSV spielte ja ohne Stürmer. Wer soll da ein Tor schießen? Bei Bayern saßen noch Pizarro und Mandzukic draußen. Ein Königreich für einen Stürmer . . .

Bewundernswert allerdings, wie sehr sich der HSV weiterhin wehrte, wie sehr auch die HSV-Fans mitgingen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Im (erweiterten) Bayern-Block im Süden hallte es: „Zweite Liga, Hamburg ist dabei.“ Pfiffe der HSV-Fans und dazu der Hinweis vom Stadionsprecher: „Liebe Münchner Gäste, haben Sie bitte dafür Verständnis, dass Sie nach Spielschluss noch etwas länger in Ihrem Block bleiben müssen, wir bitten um Verständnis.“ Das bejubelten wiederum die Hamburger. Und dieser Jubel steigerte sich noch in der 72. Minute, denn da traf Hakan Calhanoglu, wer sonst, aus 20 Metern flach ins rechte Eck zum 1:3. Hoffnung? Nein. Der vor Sekunden eingewechselte Pizarro, der HSV-„Killer“ schlechthin, kreuzte allein vor Adler auf, schoss den HSV-Keeper an – Gefahr gebannt? Mitnichten. Der Ball stieg hoch in die Luft, Adler hätte hochsteigen müssen und fausten – aber er machte nichts. Pizarro machte etwas, nämlich einen wunderbaren Fallrückzieher – 1:4 (75.). So spielt man mit Studenten . . .

Es folgte ein Spiel auf ein Tor, auf das Hamburger. Mit teilweise sehenswerten Spielzügen und Hacke, Spitze, eins, zwei, drei.

Ein Höhepunkt sollte aber noch folgen: Kerem Demirbay ging im Bayern-Strafraum zu Boden, es folgte ein Gerangel mit Boateng. Beide Streithähne standen Kopf an Kopf, Stirn an Stirn, zum Schluss gab es eine Ohrfeige des Ex-Hamburgers an den HSV-Spieler. Rote Karte für Boateng, Gelb für Demirbay (86.). Ein unrühmliches Ende.

Die Einzelkritik:

Rene Adler naja, das Gelbe vom Ei war es wieder einmal nicht. Irgendwie ist er von der Rolle, was sich besonders beim 1:4 von Pizarro zeigte – da muss er einfach nur mit hochgehen.

Dennis Diekmeier war der einzige, der im Tempo mit den Bayern mithalten konnte. Ansonsten aber fiel er nicht groß auf, wurde verletzt ausgewechselt

Michael Mancienne war am 0:1 nicht unschuldig, ansonsten aber noch der beste Hamburger – wenn man von einem „besten Mann“ überhaupt sprechen kann.

Heiko Westermann zeigte sich willig und engagiert – wie immer. Ging verletzt raus und erhielt viel Beifall – auch aus dem Norden.

Petr Jiracek ist nun einmal kein Linksverteidiger. Er wollte, aber er konnte nicht so recht.

Milan Badelj war schwach.

Tomas Rincon ist noch immer weit von einer Erstliga-Form entfernt.

Robert Tesche spielte mit, mehr nicht. Aber er spielte immerhin so mit, wie es andere zuvor in den Spielen nicht taten.

Rafael van der Vaart gab alles, hängte sich voll rein, grätschte, lief und lief, und fightete – bis er nicht mehr konnte. Aber er wollte seinen markigen Worten eben eine gute Einstellung folgen lassen, das ist gelungen – auch wenn es bei seiner Auswechslung vereinzelt Pfiffe gab.

Hakan Calhanoglu und sonst keiner. Er schießt, und er trifft, das kann keiner wie er. Leider, leider. Ihn werden wir wohl in der nächsten Saison nicht mehr im Volkspark aufdribbeln sehen, einen solchen Mann kann sich der HSV nicht mehr erlauben. Weil es auch fiel Geld für ihn geben wird.

Ivo Ilicevic istb kein Stürmer, kann auch nicht mehr schießen – er hat es einst gekonnt, aber in Hamburg alles verlernt. Grausam. Auch wenn er wollte und kämpfte und Leben zeigte. An Ende steht unter dem Strich eine glatte Null.

Ola John (ab 59. Min. für Diekmeier) sollte sich zeigen – mehr tat er auch nicht. Unterstrich einmal mehr, wie bitter und total überflüssig die beiden Winter-Transfers des HSV waren.

Kerem Demirbay (ab 67. Min. für van der Vaart) holte nur noch eine Rote Karte für Boateng heraus – mehr war da nicht.

Jonathan Tah (ab 76. Min. für Westermann) kam erstmalig seit Wochen wieder zum Zuge – für einige Minuten.

Um schnell noch auf den Vormittag zu kommen: In der Uni wurde der Delegierte der Supporters für den Aufsichtsrat gewählt. Es waren 172 Mitglieder gekommen, für den „Matz-abber“ Sven Kröger gab es 49 Stimmen, für Sven Winkelmann gab es 123 Stimmen. Und Ende. Obwohl Sven Kröger – frei nach Uli Hoeneß – sagte: „Der Weg ist hier noch nicht zu Ende.“

So, dann möchte ich noch auf unsere Sendung „Matz ab live“ hinweisen, die gleich beginnen wird. Unsere heutigen Gäste sind zwei Journalisten, die sich schon oft an Diskussionen beim Doppelpass und auf Sky beteiligt haben, es sind, von der Frankfurter Rundschau, Jan-Christian Müller, und dazu der freie Journalist Oliver Wurm. Wäre toll, wenn Ihr zusehen könntet, „Scholle“ und ich würden uns freuen.

17.35 Uhr

Keine Gnade – Bayern kommt mit der besten Elf

2. Mai 2014

Der größere Wille schlägt am Ende fast immer das Talent – zumal, wenn das Talent zu wenig Willen hat. So gesagt von Franz Beckenbauer, der einzig gültigen Instanz im deutschen Profifußball – neben dem lieben (Fußball-)Gott. Was aber passiert, wenn eine Mannschaft zu wenig Talent und zu wenig Willen hat? Antwort: Sie steigt ab. Und deshalb wundert es eigentlich auch niemanden mehr, dass der HSV da unten steht. Zumindest unter den Experten und hier im Blog nicht mehr. Und es liegt eine Trainingswoche hinter uns, die von der Intensität her nichts darauf schließen lässt, dass sich auch nur das Geringste bessern wird…
Die Sendung beginnt um 18:00 Uhr.

Dennoch, es ist noch nichts verloren. Nicht einmal die (nur noch theoretische) Chance auf den direkten Klassenerhalt. Aber dafür benötigt der HSV ein Wunder, wie Trainer Mirko Slomka einen Sieg gegen dien schier übermächtigen Bayern bezeichnete. Allerdings ist dieses Wunder längst nicht so ein Wunder wie viele denken. Denn Augsburg konnte diese Bayern nach einer Rotationswelle schlagen, Dortmund ebenso. Und sogar die talenttechnisch meiner Meinung nach limitiertesten Bundesligakicker von Eintracht Braunschweig konnten zumindest 75 Minuten ein 0:0 halten – warum also sollte das für den HSV nicht möglich sein, über 90 Minuten natürlich… „Ist es doch“, sagt Rafael van der Vaart, der sich nach überstandener Verletzung zurückmeldete und gegen Bayern in der Startelf stehen soll. „Wir müssen aber kämpfen, als ginge es um unser Leben.“

Für Abendblatt-Blogs


Und die Einstimmung darauf sieht gar nicht danach aus. Nach weniger 45 Minuten war heute das Training vorbei. Eine kurze Warmmachphase, eine Passübung und ein Abschlussspiel sollen die Spieler in letzter Instanz auf den Kick gegen den Rekordmeister vorbereiten. Nicht mit dabei war Dennis Diekmeier, der am Donnerstag leichte Probleme hatte und dafür heute pausierte. Der Rechtsverteidiger absolvierte ein Laufprogramm und soll am Sonnabend fit sein. Verpasst hat er eh nichts.

„Für den HSV geht es um alles oder nichts“, hat Bayern-Trainer Pep Guardiola heute gesagt und dem HSV im selben Atemzug sämtliche Hoffnungen genommen, morgen mit einer vergleichbaren Mannschaft anzutreten wie gegen Augsburg. Guardiola nimmt alle Topstars mit nach Hamburg, ließ nur die Verletzten Badstuber und Thiago zu Hause. Offen erscheint eigentlich nur, ob Pizarro, der gegen Bremen vor einer Woche ein überragendes Spiel machte, von Beginn an aufläuft. „Wir wollen die letzten beiden Spiele nutzen, um wieder in den Rhythmus für das Pokalfinale zu kommen“, so Guardiola. Rücksicht auf den HSV ist dabei ausgeschlossen.

Leider. Denn der HSV hat es nach meiner Meinung trotz des faktischen Gegenteils nicht mehr selbst in der Hand, für sein Glück zu sorgen. Diese Mannschaft ist nicht in der Lage, sich selbst aus dem Schlamassel zu befreien. Dafür muss morgen auf schwächelnde Bayern und zeitgleich auf schwache Braunschweiger und Nürnberger gehofft werden. Aber auch das ist alles nicht ausgeschlossen, da alle drei so ihre Probleme haben. In Nürnberg beispielsweise hadern einige Spieler mit dem jüngst vorgenommenen Trainerwechsel. Daher: Ich glaube weiter an unsere Restchance. Und ich bete, dass Sergej Barbarez mit seiner Aussage Recht behält: „Der HSV steigt nicht ab. Ich kann zwar nicht begründen, warum sie es schaffen, aber sie schaffen es irgendwie.“

Hoffentlich.

Was noch offen ist, ist die Startelf. Im Abschlusstraining war nicht viel zu erkennen. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass entweder Ilicevic in die Spitze rückt, oder Slomka doch eher auf Kopfballstärke im Zentrum setzt und dort überraschend Robert Tesche aufbietet. Daher auch folgende drei in meinen Augen denkbare Varianten als mögliche Startaufstellungen (in absteigender Wahrscheinlichkeit):

1. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Tesche – Rincon, van der Vaart, Calhanoglu – Ilicevic
2. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Rincon – Ilicevic, van der Vaart, Calhanoglu – Tesche.
3. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Rincon – Calhanoglu, van der Vaart, Jiracek – Ilicevic.

Oder spielt (sehr, sehr, sehr, sehr extrem) überraschend (und unverdient) Ola John auf rechts von Beginn an? Nominell wäre er für die rechte Außenbahn ein Eins-zu-Eins-Ersatz. Dass der Niederländer schlichtweg noch immer keinen Bezug zur Mannschaft, zum Verein und vor allem nicht zur Lage des Klubs gefunden hat – vielleicht es egal. Vielleicht könnte ein Kick gegen den noch amtierenden Champions-League-Sieger ja mal Anreiz genug sein, trotzdem Vollgas zu geben. Und wenn’s auch nur diese 90 Minuten sind. Wobei, wenn ich schon bei Außenseiterchancen bin, dann muss hier auch Kerem Demirbay erwähnt werden, der es im Vergleich zum eben Genannten vom Engagement im Training ehr absolut verdient hätte. Denn der Linksfuß ist einer der wenigen, der noch heiß ist wie am ersten Spieltag. Zumal er ewig verletzt war, sagt er: „Ich will alles geben, um dieser Mannschaft zu helfen. Ich habe so lange zuschauen müssen, jetzt kann ich’s kaum erwarten. Aber letztlich geht es hier jetzt ganz sicher nicht um mich – es geht um das große Ganze.“ Stimmt.

Und damit ist wirklich alles gesagt. Jetzt heißt es: Hoffen, hoffen und noch mal hoffen. Auf einen Punkt – oder gar auf eine Sensation. Drücken wir alle zusammen alle vorhandenen Daumen, dass die Mannschaft noch einmal über sich hinauswächst.

Scholle

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