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Lasogga mahnt: Wir würden den Fans ein Stück Herz rausreißen

9. Mai 2014

Es war nicht anders zu erwarten. Nach etlichen Vereinen aus der Bundesliga und dem europäischen Ausland hat jetzt auch der große FC Bayern München sein Interesse an HSV-Juwel Hakan Calhanoglu bekundet. Und das überrascht nicht. Es ehr den Spieler indes. „Ich fühle mich geehrt“, sagt der Umworbene selbst, „eine Anfrage vom FC Bayern macht mich stolz.“ Verständlicherweise.

Die Sendung beginnt um 17:30 Uhr.

Allerdings ist der Moment denkbar ungünstig, so unmittelbar vor dem alles entscheidenden letzten Spieltag. Obgleich Calhanoglu versucht, zu entwarnen: „Das motiviert mich eher noch mehr. Und das Wichtigste ist jetzt erst einmal der Klassenerhalt“, sagt Calhanoglu, der zuletzt noch davon gesprochen hatte, trotz der Angebote auch im Falle eines Abstieges beim HSV bleiben zu wollen. Und das klang heute definitiv abgeschwächter: „Erst wollen wir die Klasse sichern. Und danach werde ich in Ruhe überlegen, was ich mache.“ Und so ungern ich das auch höre – Calhanoglu ist und bleibt zumindest ein ehrlicher Kerl. Okay, das muss natürlich auch noch nichts heißen. Aber es sollte zumindest alle Beteiligten hellhörig machen. Denn neben großem Geld bietet der FC Bayern eine der weltbesten Mannschaften und somit sportlich beste Perspektiven.


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Halten kann der HSV seinen hoffnungsvollsten Nachwuchsstar eh nicht. Zumindest nicht mit Bordmitteln. Trotz Vertrages bis 2018 ist Calhanoglu nicht zu halten. Zum einen nicht, wenn es in die Zweite Liga geht. Zum anderen nicht, wenn Bayern eine Offerte vorlegt. „Wir haben nicht vor, Hakan abzugeben“, hatte mir Sportchef Oliver Kreuzer am Dienstag gesagt und es als „Ziel“ bezeichnet, Calhanoglu klassenunabhängig beim HSV halten zu wollen. Um den Deutsch-Türken herum soll das neue HSV-Team aufgebaut werden. „Er ist ein Identifikationsfaktor für die Fans und er hat das Zeug, ein Großer zu werden“, so Kreuzer, „das sind Zutaten, wie man sie nur höchstselten findet.“ Wie man Calhanoglu in der Zweiten Liga halten wolle wollte ich wissen. Und Kreuzer betonte, wie wohl sich Hakan beim HSV fühle und dass man notfalls um ihn herum spart – Hauptsache Calhanoglu bleibt. Dass er gegen ein Angebot der Bayern nur vorübergehend anstänkern kann, weiß allerdings auch Kreuzer.

Noch jedoch, zum großen Glück des HSV, ist Calhanoglu Hamburger und der HSV noch lange nicht abgestiegen. Im Gegenteil, im Spiel in Mainz haben es Trainer Mirko Slomka und sein Team selbst in der Hand, die Relegation zu sichern. Dafür wurde auch heute wieder geübt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit und nicht ganz 50 Minuten lang. Oder besser: kurz. „Wir müssen in dieser Saisonphase keine Grundlagenausdauer trainieren“, sagt Slomka, der in Mainz wieder auf Johan Djourou, Marcell Jansen, Dennis Diekmeier und – Pierre-Michel Lasogga zurückgreifen kann. Beste Voraussetzungen also. Im Training heute agierte zudem Robert Tesche neben Milan Badelj auf der Doppelsechs. Nach der Lobeshymne am Dienstag scheint der einst Aussortierte damit morgen in Mainz erneut zur Startelf zu gehören.

„Im Moment geht es meinem Oberschenkel sehr gut und ich habe keinerlei Beschwerden“, sagt Lasogga gegenüber „Sky“. „Es läuft alles sehr gut und wir wissen alle um die Brisanz des Spiels. Wir wollen nichts dem Zufall überlasen und in Mainz gewinnen“, so der Angreifer, dessen Zukunft weiter offen ist, wie Kreuzer bestätigte. Und Lasogga macht Werbung in eigener Sache. Der Angreifer macht keinen Bogen um ehrliche Worte und scheint top motiviert: „Der Abstiegskampf geht mir sehr nah. Sowas will kein Fußballer erleben. Da hängt deutlich mehr dran. Da geht es um viele, viele Arbeitsplätze und um Fans, denen ein Teil ihres Herzens rausgerissen würde. Ich glaube, diesen Moment will keiner von uns erleben.“

Stimmt. Und eigentlich wollte ich an dieser Stelle mit diesem schönen Schlusssatz den Blog mit der möglichen Startelf beenden. Dann wäre ich endlich diese Bundesligasaison los. Denn ganz ehrlich gesagt, ich bin es Leid, immer dasselbe zu schreiben, weil ich immer dasselbe höre. Deshalb war ich auch so froh, die kämpferischen Worte endlich von jemandem zu hören, dem ich sie eins zu eins abnehme und der sie auch umsetzen wird. Aber dann bekam ich eine Abschrift des Redebeitrages von Dirk Mansen vom vergangenen Sonnabend…

Und nach Axel Formeseyns Auftritt bei der Mitgliederversammlung im Januar und dem Matz-ab-Auftritt war ich das zweite Mal sehr positiv überrascht. Denn Mansen spricht das an, was ich hoffe: Einigkeit als Grundlage für die Gesundung des HSV. Es herrschten Zerstrittenheit, völlig unterschiedliche Positionen, die unvereinbar scheinen, Gegenseitige Diffamierungen und Anfeindungen seien an der Tagesordnung und zum Teil erlebe man sogar verbale persönliche und auch körperliche Angriffe. „In solchen Zeiten war eigentlich immer der SC die Basis für eine neue Zukunft, dafür da und in der Lage einen Ruck auszulösen, der den Verein nach vorne brachte und oft die ganze Stadt erfasste. Dies ist heute nicht mehr so. Der Supporters Club hat meiner Meinung nach in den letzten Jahren einige schwere Versäumnisse aufzuweisen. Und vor allem – er ist sogar zum Feindbild eines Großteils seiner eigenen Mitglieder mutiert.“

Die Mitgliederwelle der letzten Jahre hätte dazu geführt, dass Mitglieder aus dem ganzen Bundesgebiet eingetreten seien und sich die Meinungsvielfalt eingestellt hat. Mansen: „Im Gegensatz zu den ersten Jahren seines Bestehens sind die gemeinsamen, homogenen Ziele der Gründer in den Hintergrund getreten. Und das obwohl sie auch heute noch einigen könnten.“

Und dann kam der teil, den ich ihm ganz hoch anrechne. „Die Mitglieder haben nun im Januar ein recht eindeutiges Votum erteilt, eine absolute Mehrheit hat sich für die Beauftragung des Vorstands zur Vorbereitung der Ausgliederung entschlossen, eine überwältigende (aber eben nicht absolute) Mehrheit gab ein Votum zur Fernwahl, zur Beteiligung auch von außerhalb, ab. Wir stehen also momentan nicht nur vor der Wahl am 25.5. über die Zukunft des HSV zu entscheiden, sondern auch vor der Wahl uns über unsere eigene Zukunft als eigentlich vorbildhafte und meiner Meinung nach dringend nötige Fanorganisation zu entscheiden – und das unabhängig von der Ligazugehörigkeit.“

Und das stimmt.

Wie fast alles, was Mansen sagte. Und um den Leuten, egal ob HSVPlus-Befürworter oder –gegner ihren Spaß am HSV nicht zu verderben, ruft Mansen, der seit 18 Jahren kein Amt mehr bei den Supporters ausgeübt hat, zur Einigung auf: „Der SC lebt durch alle seine Mitglieder und alle sind aufgerufen mitzuhelfen! Voraussetzung hierfür ist für mich die Rückbesinnung auf alte Werte und ein Neustart des Supporters Clubs im Sinne der Fans, des HSV, seiner Mitglieder und seiner Angestellten.“

Und am Ende wird Mansen noch etwas deutlicher. Er richtet sich direkt an die Abteilungsleitung: „Ihr seid als AL einmal angetreten eure Werte zu vertreten, aber ihr habt auch die Aufgabe eure Mitglieder zu vertreten… Jetzt ist dies wichtiger als je zuvor. Jetzt im Falle einer Ausgliederung alles hinzuschmeißen oder zu sagen ist nicht meins – das funktioniert nicht. Und auch im Falle dass dies am 25.5. nicht passiert, so muss ebenfalls dringend ein Neustart des SC erfolgen. Der Karren SC steckt, gelinde gesagt, ganz tief im Dreck und ich weiß nicht ob im Moment der Wille da ist ihn wieder herauszuholen. Benutzt diese Fanorganisation nicht als Mittel zum Zweck und opfert sie für diese Werte – auch wenn diese noch so vorbildhaft sein mögen.“

Wie das erfolgen soll, hat der Herr über das HSV-Museum auch parat: „Als Abteilungsleitung den Weg frei machen, oder zumindest die Ankündigung hiervon im Falle der Ausgliederung ist die eine Option…. Um dann mit neuem Grundlagenpapier und hoffentlich neuer Stärke wieder für alle da zu sein
Auf Auswärtsfahrten, auf Veranstaltungen, bei Heimspielen, an der Fanbotschaft, in der Fanbetreuung Und nicht mehr als Feindbild. Der SC hat jetzt zum zweiten Mal die Chance dem HSV wieder zusätzliche Stärke zu verleihen – nutzen wir die!“

Chapeau, Herr Mansen!

In diesem Sinne, jetzt beende ich den Blog tatsächlich – und erneut mit einem Statement, dem ich zweifelsfrei mich anschließen kann. Also, morgen noch mal unbedingte Geschlossenheit demonstrieren. Auf dem Platz 90 Minuten wie zuletzt in der ersten Halbzeit gegen Bayern – das Gegentor ausgenommen und mindestens einen eigenen Treffer dazuaddiert. Aber auch wieder neben dem Platz. Dann anschließend zusammen die Relegation wuppen und dem Neustart die einzig reelle Chance geben, indem HSVPlus am 25. Mai durchgewinkt wird. Das wäre letztlich das Happy-End einer unfassbar grauenhaften Saison – auf und neben dem Platz. Und es wäre zu schön, plötzlich an dieser Stelle mal wieder über positive Entwicklungen berichten zu können…

Bis morgen nach dem Spiel. Dann unterhalten wir uns hoffentlich über den erreichten Relegationsplatz mit den beiden Ex-HSV-Profis Stefan Schnoor und Jürgen Stars.

Scholle

P.S.: Einzig offen Frage für morgen scheint zu sein, wer die linke Außenbahn besetzt. Zuletzt war es Jiracek. Allerdings ist Jansen wieder gesund und drängt in die Astartelf. Möglich ist zudem, dass der wieder genesene Djourou neben Mancienne (den würde ich partout nicht rausnehmen!) aufläuft und Westermann (den wird Slomka partout nicht rausnehmen) auf die linke Abwehrseite rückt. Ich glaube, dass Slomka so spielen lassen wird: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Tesche – Calhanoglu, van der Vaart, Ilicevic – Lasogga.

Endlich wieder Fußball. Und nix sonst.

6. Mai 2014

Endlich. Nur Fußball. Daher für alle, die es genauso satt haben wie ich, die Vereinspolitik selbst in kritischsten Phasen voranzustellen: Dieser Blog erhält erst im Anhang Vereinspolitik. Und ansonsten einen ganzen Tag lang mal wieder nur Fußball. Und dann auch noch mit der einen oder anderen guten Nachricht. Denn immerhin konnte Johan Djourou heute wieder voll mittrainieren und soll auch am Sonnabend in Mainz beim Abstiegsendspiel Nr. 34 dabei sein. Ebenso wie Dennis Diekmeier. „Dennis hatte sich schon vergangenen Donnerstag leicht gezerrt und wir haben ihn mit nur einem Tag hinbekommen. Daher werden wir das jetzt auch schaffen“, so Slomka, der sogar darauf hofft, seinen Rechtsverteidiger bereits am Mittwoch wieder im Mannschaftstraining begrüßen zu können.

Dann wird auch Pierre Michel Lasogga wieder dabei sein. Der wahrscheinlich größte Hoffnungsträger des HSV trainierte in den vergangenen Tagen individuell mit Rehatrainer Markus Günther und konnte dabei Fortschritte verzeichnen. Heute trainierte er nun mit der Mannschaft und absolvierte das Programm bis zur abschließenden Torschussübung komplett schmerzfrei mit. „Im Spiel war er der neutrale Mann, damit er noch weitgehend ohne Zweikämpfe mitmacht. Aber das werden wir steigern“, so Slomka, dem die Freude über das Comeback seines Toptorjägers ins Gesicht geschrieben steht. „Es lief alles problemlos und wir haben jetzt die Aufgabe, ihn langsam zu steigern, damit er am Sonnabend topfit ist.“ Soll heißen: Ebenso wie Djourou plant Slomka nach aktuellem Stand auch mit Lasogga in der Startelf. „Wir hoffen auf beide. Beide haben viele gute Spiele für uns gemacht, sind wichtig für die Mannschaft.“

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Allerdings betonte Slomka auch, dass er nichts riskieren werde. In weiser Voraussicht auf das (hoffentlich!!) bevorstehende Relegationsduell am 15 und am 18. Mai. Einen möglichen Gegner hat Slomka bereits gesehen: Greuther Fürth. Beim 6:0 der Fürther in Cottbus war Slomka (ebenso wie Braunschweigs Lieberknecht) Tribünengast – und begeistert: „Fürth war beeindruckend. Obgleich Cottbus es dem Gegner am Ende sicher leicht gemacht hat“, so Slomka, der auch Paderborns Qualitäten noch mal hervorhob. „Egal gegen wen wir am Ende spielen sollten, es wird sicher schwierig.“

Vor allem am Sonnabend in Mainz. „Wir sind gewarnt. Wir wissen um die Heimstärke der Mainzer“, sagt Slomka, der dennoch bemüht ist, die eigenen Stärken vorneanzustellen – ohne dabei die Niederlage gegen die Bayern schönreden zu wollen. „Es war eine große Erleichterung zu spüren ob der anderen Ergebnisse. Und die Fans haben erneut Gespür für die Lage bewiesen. Sie haben gemerkt, dass die Mannschaft alles versucht hat, alles gegeben hat und sich nur nicht selbst belohnt hat. Jetzt wird es für uns genau darum gehen. Und darum, die ersten 45 Minuten gegen die Bayern 90 Minuten lang in Mainz abzurufen.“

Stimmt. Nur wie?

Slomka setzt wie in der Vorwoche auf die Kraft aus der Ruhe. Konditionstraining und harte Läufe gibt es nicht mehr. „Wir üben gruppentaktisch, machen nicht mehr zu viel. Wir befinden uns auf der Zielgeraden der Saison, da muss ich die Prioritäten nicht mehr auf den Ausdauerbereich setzen“, sagt Slomka, der selbst als Vorbild dienen will. „Ich kenne den Druck in allen beiden Richtungen. Einmal haben wir am 33. Spieltag mit Schalke beim 0:2 gegen Dortmund die Meisterschaft verspielt, und mussten danach am letzten Spieltag unbedingt gewinnen, um Werder nicht noch an uns vorbeiziehen zu lassen. Und mit Hannover habe ich am letzten Spieltag in Bochum um den Klassenerhalt gespielt – gegen einen direkten Konkurrenten. Das war auch hop oder top“, so Slomka, der ausführt: „Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich als Trainer Ruhe vorleben muss. Ich muss das den Spielern vermitteln. Weil wenn wir das nicht machen, wer dann…?“ Stimmt, denn aus der Mannschaft heraus wird es keine Vorgaben geben. Von wem auch?

Das Interview im Video:

Spannend dürfte der eh schon spannungsgeladene Sonnabend auch in Sachen Startelf werden. Spielen Lasogga und Djourou tatsächlich von Beginn an? Und wenn ja, wer muss für Djourou weichen? Denn klar ist, sollte Jansen (Slomka: „Ich glaube, er braucht noch ein, zwei Tage“) spielen können, hat Slomka Diekmeier für rechts sowie Mancienne, Djourou, Westermann für die zwei Innenverteidigerposition sowie die Auswahl zwischen Jiracek, Jansen und Westermann für die linke Abwehrseite.

Und er hat auf der Sechs Optionen. Auf der Doppelsechs besser gesagt. Milan Badelj ist bei Slomka gesetzt, daneben agierte zumeist Tolgay Arslan, der seine Gelbsperre abgesessen hat und mit seinem Einsatz rechnet. Das allerdings macht auch Robert Tesche, der gegen Bayern nicht nur Slomka überzeugen konnte. „Ich war sehr positiv überrascht“, lobt Slomka den unter Fink und van Marwijk noch aussortierten Mittelfeldspieler, „ich hatte nicht gedacht, dass Robert diese Konstanz auch über die gesamten 90 Minuten bringt. Aber das hat er sehr gut gemacht.“ Schon deshalb – und, weil Slomka Tesche für den torgefährlichsten Sechser hält – ist der „Begnadigte“ plötzlich eine ernsthafte Option auf die Startelf im alles entscheidenden Saisonspiel. „Ich kann und will mich noch nicht festlegen“, antwortet Slomka auf die Frage nach seinem Favoriten, „zumal ich nicht mal weiß, ob wir wieder mit einer Doppelsechs spielen.“

Klar aber scheint, dass Slomka in Mainz erneut auf die Bayern-Strategie setzt. Wie schon gesagt, soll die erste Halbzeit des Bayern-Spiels auf zwei Hälften ausgedehnt werden. Und dort hat man offensiv verteidigt. „Ich werde der Mannschaft noch mal zeigen, warum das so gut funktioniert hat“, sagt Slomka, der im selben Atemzug betont, auch die Fehler („Das Tor nach der Ecke ist unglaublich – sowas darf nicht vorkommen“) aufzeigen zu wollen. „Letztlich aber werden wir die gute, kämpferische Stimmung mitnehmen und die positiven Aspekte in den Vordergrund rücken.. Denn die Mannschaft hat einen starken Charakter gezeigt.“ Und das gebe ihm , der „unablässig“ an diese Mannschaft glaubt, ein gutes Gefühl.

Mir auch. Erst einmal. Denn bei allen Mängeln dieser Mannschaft kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es irgendeinen Fußballer auf diesem Planeten gibt, der in dem Spiel am Sonnabend nicht schon von außen angesteckt und voller Adrenalin ist. Nicht einmal… Nein, das lasse ich. Es ist noch nicht die Zeit für die große Analyse. Ebenso wenig wie hier und heute, morgen, Donnerstag sowie am Freitag und sogar Sonnabend bis Spielende Platz sein darf für eine Strukturdebatte, werte Herren.

Daher belasse ich es auch dabei, das (noch) Nebensächliche ins P.S. zu stellen.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird wieder um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

P.S.: Die Tatsache, dass sich Vereinsvertreter und/oder welche, die es werden wollen, wenige Tage vor dem wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte in den Vordergrund spielen ist schon schlimm genug. Für mich ist es sogar Grund genug, sie gar nicht zu beachten. Daher – das habe ich mir gerade jetzt und ganz kurzfristig anders überlegt – ignoriere ich sie an dieser Stelle dann doch… Euch allen einen Schönen Abend!!

„Danke an Augsburg und Hannover!“

4. Mai 2014

Welche Erleichterung doch eine 1:4-Niederlage auslösen kann…

 

Die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka wurde durch die Niederlagen der Konkurrenz zum Sieger des Wochenendes im Kampf um den Klassenerhalt. „Wir müssen uns bei Hannover und Augsburg bedanken“, brachte es Verteidiger Heiko Westermann auf den Punkt. „Diese beiden Teams haben es uns ermöglicht, am kommenden Wochenende aus eigener Kraft den Klassenerhalt zu schaffen.“

 

Neue Hoffnung nach vier Niederlagen in Folge, in denen es 4:10 Tore gab – das gibt’s auch nur beim HSV! Aber die Fakten sprechen ja auch für Hamburg. Nein, genauer gesagt sprechen sie gegen die Konkurrenz. Wer solche Chancen liegen lässt wie Braunschweig und Nürnberg, der hat unter Umständen noch weniger den Klassenerhalt verdient als der HSV – und das will was heißen.

 

 


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Die exakte Aufarbeitung der Niederlage gegen den amtierenden Triple-Gewinner können wir uns an dieser Stelle schenken. In groben Zügen gilt zu konstatieren, dass der HSV gut gepresst hat, die Zweikämpfe angenommen hat, Bayern ärgern konnte – aber letztlich wegen der individuellen Bayern-Klasse chancenlos war.

 

27 Punkte hat der HSV auf dem Konto. Es ist in nahezu allen Bereichen die schlechteste Saison der Geschichte. Wenigste Siege, meiste Niederlagen, meiste Gegentore, schlechteste Heimbilanz, Auswärts-Niederlagenserie, zwei Trainer gefeuert, und und und.

 

Und trotzdem geht da noch was! „Wir gehen davon aus, dass Pierre Michel Lasogga in Mainz wieder mit von der Partie sein wird“, sagte Sportchef Oliver Kreuzer heute. Lasogga steht also ebenso wie Verteidiger Johann Djourou vor dem Comeback, und das würde dem HSV natürlich enorm helfen. Allein die Aussicht, endlich wieder einen Stürmer auf dem Platz zu haben, gab es seit Wochen nicht.

 

In der Vorbereitung auf die Partie in Mainz, das ja auch noch um die Qualifikation für die Europa League spielt, soll diesmal nichts Ungewöhnliches getan werden. Kein Trainingslager, kein zusätzlicher Geistheiler. Jetzt gilt die volle Konzentration einzig diesem Spiel. Hoffnungsschimmer waren gestern die kämpferischen Auftritte von Rafael van der Vaart und den anderen Offensivspielern, denen in punkto Einsatz kaum ein Vorwurf zu machen war. Ich finde, dass besonders Michael Mancienne in der Innenverteidigung ein ganz starkes Spiel gemacht hat. Der Engländer hat sich dazwischen gehauen, wo es nur ging, und den Bayern wehgetan. Er war ein Vorbild im Abstiegskampf.

 

Trainer Mirko Slomka hat den Sonntag überwiegend in Cottbus verbracht. Dort spielte Greuther Fürth, der mutmaßliche Tabellendritte der Zweiten Liga bei Energie, und siegte deutlich mit 6:0. Nach aktuellem Stand ist Greuther Fürth der Relegationsgegner des HSV. Co-Trainer Nestor El Maestro hat sich das 2:0 des Zweiten SC Paderborn in Aue angesehen. Der HSV will vorbereitet in die Relegation gehen, die am Donnerstag, den 15. Mai, um 20.30 Uhr zu Hause beginnen würde. Das Rückspiel ist für den Sonntag, 18. Mai, um 17 Uhr anberaumt.

 

Wie es am Ende auch ausgehen mag, anschließend wird abgerechnet. Und klar ist auch heute schon und im Grunde seit Monaten, dass all die Ereignisse der vergangenen Monate personelle Konsequenzen auf Führungsebene haben werden. Diese Aussage gilt ganz unabhängig vom Ausgang der Mitgliederversammlung am 25. Mai, auf der über die Ausgliederung in eine Fußball AG nach HSV-Plus-Vorbild entschieden wird.

 

Ich bin in den vergangenen Tagen wieder häufiger angesprochen worden auf meine Beurteilung von Sportchef Oliver Kreuzer, der zuletzt im Winter ja noch sehr gut weggekommen war. Neben dem Trainingsplatz, in Gesprächen kam dieses Thema immer wieder hoch, denn Kreuzer steht bei den meisten ja gewaltig auf dem Index.

 

Am Ende muss eine klare Entscheidung her – das Vorstandstrio Jarchow, Hilke, Kreuzer raus oder nicht – aber bis dahin kann man ja versuchen, differenziert auf diese Personen zu gucken.

 

Was Kreuzer angeht, kann ich natürlich meine Einschätzung vom Winter nach dieser Rückrunde so nicht aufrecht erhalten. Zu viel Schlechtes ist seither geschehen, zu viel auch bekannt geworden, was vor Monaten nicht bekannt war. Damit spiele ich insbesondere an auf die Vertragsdetails bei den Personalien Bert van Marwijk und Johann Djourou an, die den HSV Unsummen kosten. Aber auch andere Entscheidungen sind in die falsche Richtung gegangen. Stichworte: Ola John, Ouasim Bouy, Artjoms Rudnevs. Dagegen stehen allerdings auch die Vertragsverlängerungen von Jonathan Tah und Hakan Calhanoglu, die dem Verein perspektivisch aber mal ganz sicher sehr gut tun werden.

 

Ich sehe in Oliver Kreuzer trotzdem nicht den Hauptschuldigen für die aktuelle Misere. Er ist unter denkbar schlechten Rahmenbedingungen an die Elbe gekommen, die kein einziger anderer Sportchef in der Bundesliga zu erfüllen hatte. Kaum hatte er in Hamburg angeheuert, wurde ihm die Vorgabe mitgegeben, 15 Millionen Euro einzusparen. Dann gab es kurz darauf von Klaus-Michael Kühne gewaltig auf den Latz. In dieser Situation ist Kreuzer niemand zur Seite gesprungen, der ihm hätte zur Seite springen müssen. Kein Aufsichtsrat, kein Vorstandskollege. Kreuzer, der „Drittliga-Manager“, stand von Beginn an allein im Sturm, gebrandmarkt als Schwächling.

 

Hier beginnt allerdings auch sein Versäumnis. Kreuzer hat zu selten sportlich fragwürdige Entscheidungen verhindert. Und das hätte er tun müssen, denn es ist im Wesentlichen sein Verantwortungsbereich. Er hat die Philosophie aller aktuellen Vertragsabschlüsse beim HSV, die da heißt: es muss vor allem wirtschaftlich passen!, nach außen mitgetragen und sich eben nicht dagegen verwehrt. Er hat sich Zoua im Sommer und die genannten Niederländer im Winter quasi von den jeweiligen Trainern aufschwatzen lassen. Die Trainer sind inzwischen weg, somit trägt Kreuzer die alleinige Verantwortung. Kreuzer dazu heute im “Sport-1-Doppelpass”: “Natürlich übernehme ich total die Verantwortung für das, was in dieser Saison passiert ist. Ich habe einen Zweijahresvertrag und würde mich auch dann als Bestandteil des Vereins sehen, den geplanten Aufstieg wieder anzustreben!”

 

Was die Beurteilung von Carl Jarchow und Joachim Hilke angeht, mache ich es mir einfacher. Jarchow muss sich hier nur an den eigenen Vorgaben des Vorjahres messen – dann erübrigt sich eigentlich jeglicher weiterer Kommentar. Er hat gestern im „sportstudio“ schon glockenklar gesagt: „Wenn man solch eine Saison spielt und in solch einer Lage ist wie wir, muss man die Verantwortung tragen. Und dieser Verantwortung werden wir uns auch stellen.“ Im Grunde ist alles, was Jarchow als Zielvorgabe genannt hat, nicht eingetroffen. Dies Urteil muss er gemeinsam mit Hilke hinnehmen. Bei Hilke kommt hinzu, dass er im Winter die fatale Indonesien-Reise vorangetrieben hat. Sie ist auch gegen Widerstände aus dem sportlichen Bereich durchgedrückt worden mit den bekannten Folgen. Indonesien hat seinen Beitrag geleistet zur schlimmen HSV-Rückrunde. Schon Im Februar hatte der damals noch komplette Aufsichtsrat im Zusammenhang mit der von einigen geplanten Magath-Verpflichtung vorgesehen, Jarchow und Hilke abzulösen. An Kreuzer schieden sich die Geister, weil viele ihn wie ich als Täter und Opfer gleichermaßen sahen und sehen.

 

Was im Februar galt, muss im Mai nicht zwingend auch noch gelten. Aber wenn ich in die nahe Zukunft schaue, dann kann ich mir keine führende Rolle für einen der drei Genannten beim HSV mehr vorstellen. Was Oliver Kreuzer angeht könnte dennoch ein Amt im sportlichen Bereich in der zweiten Reihe möglich sein. Ein anderer Sport-Vorstand einer neuen AG trüge die Verantwortung mit Kreuzer in seinem Stab.

 

Ich denke, es ist kein Zufall, dass diejenigen potentiellen Sportchef-Kandidaten des HSV, die eine gefestigtere Position versprachen als Kreuzer sie verkörpert, aus eigenen Stücken abgesagt haben. Das galt vor einigen Jahren für Nico Hoogma, das galt für Jörg Schmadtke ebenso wie für Felix Magath. Ich meine jetzt nicht die sportliche Kompetenz, sondern die Durchsetzungskraft. Diese drei haben sich gedeihliches Arbeiten beim HSV nicht vorstellen können. Sie haben gemerkt, dass etwas ganz Grundsätzliches falsch läuft beim HSV, so dass sportliche Entwicklung nach den Vorstellungen eines „normalen“ sportlichen Leiters nicht umgesetzt werden können. So wie es jetzt mit Kreuzer gelaufen ist, werden die Absagen der drei im Nachhinein gerechtfertigt.

 

Man könnte sagen: so, wie der HSV vor einem Jahr gestrickt war und heute gestrickt ist, musste die Aufgabe Kreuzer über den Kopf wachsen.

 

Ein letztes Mal noch ein Wort zu Kreuzer. Auch und gerade hier in den Kommentaren wird er oft hart kritisiert für seine häufigen öffentlichen Auftritte. Ich finde, dass öffentliche Präsenz die Pflicht ist eines Sportchefs – gerade wenn sich andere in brenzligen Situationen wegducken. Und das haben einige in den vergangenen Monaten getan – Kreuzer am wenigsten, auch wenn er wusste, dass er dadurch zusätzliche Angriffsfläche riskiert.

 

Unrühmliche Begleiterscheinungen des Kicks gestern waren die Auseinandersetzungen zwischen Ultra-Fans des HSV und der Polizei. Die Scharmützel begannen bereits vor der Partie in der Nähe des S-Bahnhofs Stellingen, in Ottensen und am S-Bahnhof Eidelstedt. Bei ersten Handgreiflichkeiten wurde eine Polizistin verletzt. Die Polizei hat daraufhin etwa 25 Mitgliedern von „Poptown“ den Zugang zum Stadion verwehrt.

 

Entsprechend aufgeladen waren die übrigen „Fans“. Als dann im Stadion das bekannte Plakat ACAB („All Cops are Bastards“) aufgehängt wurde, platzte den Einsatzkräften der Geduldsfaden. Sie schritten in der Halbzeit ein, was weitere Auseinandersetzungen zur Folge hatte. Viel davon war im Fernsehen zu sehen – es kursieren auch einige Videos von Schlägereien hinter den Tribünen. Tränengas musste eingesetzt werden, die Polizei griff zu Schlagstöcken. Massenhaft Gegenstände wurden in Richtung der Polizisten geschleudert. Fahnenmasten, Bierbecher, sonstiges Zeugs.

 

Es sind sehr unerfreuliche Bilder, und natürlich kann man darüber streiten, ob die Polizei im Stadion wirklich in dieser Form gegen das Plakat vorgehen musste. Wahrscheinlich war das nicht schlau, aber die Verursacher dürfen hier nicht mit den Opfern verwechselt werden. Der HSV ist dabei, wieder ein massives Problem mit seiner Ultra-Szene zu bekommen. In den vergangenen Monaten ist immer mehr passiert, das zeigt sich nicht nur in regelmäßigen Abständen beim Pyro-Thema.

 

Hier ist ein Einschreiten von Seiten des Supporters-Clubs erscheint dringend notwendig. Die Aggression der Ultras in diesem Fall hatte nichts mit dem Fußball auf dem Rasen zu tun, das war offenkundig. Andere Aggression, finde ich, hat aber im Stadion und am Rande eines Fußballplatzes nichts zu suchen. Übrigens wurde im Laufe der Krawalle insgesamt sechsPolizisten leicht verletzt.

 

Soweit die Perspektive der Polizei. Der guten Ordnung halber die Stellungnahme des Supporters-Clubs:

 

Supporters Club und HSV Fanprojekt verurteilen Einsatz der Polizei

In der Halbzeit des Spiels unseres Hamburger Sport-Verein e.V. gegen den FC Bayern München kam es auf der Nordtribüne zu einem Polizeieinsatz, welcher aus Sicht des HSV Supporters Club und des HSV Fanprojekts absolut unverhältnismäßig war und zu verurteilen ist.

„Man muss sich Fragen, ob die Polizei aus den Vorfällen beim Champions-League Qualifikatiopnsspiel FC Schalke 04 – PAOK Saloniki überhaupt nichts gelernt hat”, so Christian Bieberstein, Abteilungsleiter der Abteilung Fördernde Mitglieder/Supporters Club.

Grund des Blocksturmes war ein provokantes Banner „ACAB” (all cops are bastards), der sich gegen die Polizei richtete.

Ein Banner als Grund zu nehmen, in einem vollen Stadion einen Block unter dem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöckern zu stürmen, ist vollkommen inakzeptabel. Die In-Kaufnahme von Verletzten im dreistelligen Bereich, steht in keinem Verhältnis zu einer solchen Provokation.

Wir verlangen und erwarten eine umgehende und lückenlose Aufarbeitung des Einsatzes und verurteilen diesen abermals auf das Schärfste.

HSV Supporters Club und HSV Fanprojekt

 

Wenn der Bock zum Gärtner wird…..

 

Zum Schluss noch eine Information, die sich aus einem Interview vom Jürgen Hunke mit dem Deutschlandfunk ergeben hat. Aufsichtsrat Hunke hat sich dortheute  in einer langen Diskussions-Sendung zum HSV auch zur wirtschaftlichen Situation des Clubs geäußert. Er kennt alle Zahlen und hat versichert, dass der HSV die Lizenz für beide Ligen aus seiner Sicht erhalten werden. Und der erfolgreiche Unternehmer ging noch einen Schritt weiter. Im Notfall, so Hunke, stünde er auch bereit, um dem Verein mit seinem Geld über Liquiditätslücken zu helfen. Mit anderen Worten: steht dem HSV das Wasser nicht nur bis zum Hals sondern einige Zentimeter höher, würde Hunke wirtschaftlich helfen.

 

Noch ein paar Sommer-Infos: Der Vorbereitungsplan des  HSV auf die neue Saison steht. Am 18. Juni ist unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit Trainingsstart. Ende Juni fährt das Team für eine Woche ins erste Trainingslager nach Glücksburg in Schleswig-Holstein (22.6.-29.6.). Dort stehen zwei Freundschaftsspiele auf dem Programm, unter anderem gegen den ETSV Weiche. Vom 4. Bis 11. Juli fliegt der HSV definitiv nach China, und zwar nach Guangzohou im Südosten des Landes. Auch hier stehen zwei Spiele an. Bleibt der HSV erstklassig, dann ist anschließend eine Woche Pause, ehe der Telekom-Cup und eine weitere Trainingswoche in Österreich die Vorbereitung beschließen. Im Fall des Abstiegs entfällt die Trainingspause und es geht mit Volldampf auf den Zweitliga-Start am Wochenende 1. Bis 3. August.

 

Morgen ist trainingsfrei am Stadion, es geht weiter Dienstag um 10 Uhr – vielleicht ja dann mit Pierre Michel Lasogga.

 

Sportlicher Gruß von Lars

 

 

1:4 – aber die Relegation ist drin!

3. Mai 2014

Der HSV verliert 1:4 gegen den FC Bayern – aber die Konkurrenz spielt wieder für den HSV! Unfassbar. Die Hoffnung stirbt zuletzt, der HSV kann die Relegation schaffen. Was für ein Jubel, als in der Arena die Ergebnisse des 33. Spieltages vorgelesen wurden. Hannovers Ersatz-Mannschaft gewinnt 2:0 beim 1: FC Nürnberg, und der FC Augsburg schafft dank Bobadilla in der 94. Minute den 1:0-Sieg in Braunschweig. Das kann ja alles nicht wahr sein, das ist ja wie ein Märchen! Es bleibt somit alles beim Alten auf den letzten drei Plätzen – unglaublich, unfassbar, sensationell – herrlich!!! Der HSV darf noch von der Ersten Liga träumen, es riecht nach Relegation. So gab es nach einer 1:4-Niederlage gegen den FC Bayern doch noch viele zufriedene Gesichter, die sich auf den Heimweg machten. Es ist noch nicht alles verloren – obwohl man mit nur 27 Punkten eigentlich nicht in der Ersten Bundesliga überlegen kann. Aber wenn es ein Wunder gibt, dann muss es ein Wunder für Hamburg und den HSV sein!
Nur, aber auch wirklich nur der HSV!


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Die Stimmung vor dem Anpfiff war schon super. Nein, großartig, sensationell. „Schreien bis der Kehlkopf kreist“, hatte Lotto King Karl im Abendblatt gefordert, und die Fans hielten sich dran. Vielleicht auch deshalb, weil sie von den Bayern gefordert wurden. Im Münchner Block wurde ein Plakat in HSV-blau präsentiert – in Anlehnung an die HSV-Uhr im Nord-Westen: „Noch in der ersten Bundesliga: 7 Tage, 1 Stunde.“ Der HSV-Konter ließ nicht lange auf sich warten – ein weißes Plakat: „In HH ticken die Uhren eh anders.“ Mag sein. In der Anfangsphase überraschte der HSV mit einer äußerst engagierten Leistung. Warum, diese Frage stellte ich mir schon, warum nicht immer so? Warum gegen die Bayern? Warum erst am vorletzten Spieltag?

Der HSV, der kurzfristig auf Marcell Jansen hatte verzichten müssen (die alte Knöchel-Geschichte hatte sich entzündet), rannte wie um sein Leben. Da war Leben zu sehen, da war Biss zu erkennen, da war auch endlich einmal so etwas wie Teamgeist zu sehen. Da lief einer für den anderen. Und ein gutes Zeichen war schon nach wenigen Minuten, dass sich Hakan Calhanoglu und Milan Badelj nach einer kleinen Unstimmigkeit angifteten. So kommt dann doch noch mehr Leben in die Bude . . . Und dazu setzte Rafael van der Vaart noch ein Zeichen: Der HSV-Kapitän trat Nationalspieler Kroos von hinten auf die Socken – Freistoß, aber kein Gelb. Und ein Achtungszeichen, dass der HSV nichts zu verschenken hat.

So oft hatte der HSV in jüngster Zeit ein frühes Gegentor gefangen, diesmal hieß es nach zehn Minuten noch 0:0. Und nach 13 Minuten hatte der HSV sogar die Chance zur Führung: Ivo Ilicevic nahm sich im Bayern-Strafraum rund eine „Viertelstunde“ Zeit, den Ball mit links auf das Gehäuse von Nationalkeeper Neuer zu dreschen – und dann ein so kümmerlicher Schuss. Wahnsinn! Mit links trümmerte die HSV-Spitze den Ball in Richtung Güterbahnhof Wandsbek. Da kann man auf der Tribüne nur zusammenbrechen. Eine runde „Viertelstunde“ Zeit, und dann ein solcher Abschluss, unbegreiflich. Aber wahr.

Auch nach 20 Minuten noch 0:0 – und Bayern schwach. Wenn ich so an das Pokal-Finale in 14 Tagen denke – oh, oh, das kann ein Dortmunder Feiertag werden . . . Und auch nach 30 Minuten hieß es 0:0. Aber nach 31 Minuten und 55 Sekunden nicht mehr. Doppelpass Robben und Götze, und der frühere Dortmunder schoss unter Rene Adler den Ball zum 0:1 in das Tornetz der Hamburger. Bitter. Ein Doppelpass am Fünfmeterraum des HSV, und das alles ungehindert, obwohl der Strafraum an sich voller Spieler war. Ja, so kann es gehen. Fast sogar noch das 2:0, als ein Kopfball von Schweinsteiger knapp am langen Eck des HSV-Tores vorbeisegelte (40.). Auf der Gegenseite die beste HSV-Tormöglichkeit: Robert Tesche spielte Rafael van der Vaart an, der schoss aus zwölf Metern aus der Drehung – aber auf Neuer. Der Torwart boxte den Ball über die Torlatte zur Ecke (42.). Und dann noch einmal Ilicevic. Diesmal versuchte er sich mit einem 15-Meter-Schlenzer aus halblinker Position, aber der Ball verfehlte deutlich sein Ziel (43.). Halbzeit. Und in die wurde der HSV mit viel, viel Beifall verabschiedet.

Während der Pause dann Jagdszenen im Volkspark. Polizei zog vor der Nordtribüne und im Nord-Westen auf. Angeblich sollen provokante Plakate die Ursache dafür gewesen sein. Es flogen Stöcke und Getränke auf die Uniformierten, zudem hatten sich die wie wild protestierenden HSV-Fans schnell ihre Fanschals ins Gesicht gezogen. Sicher ist sicher. Zum Glück beruhigte sich die bedrohliche Lage noch rechtzeitig – bis zum Wiederanpfiff jedenfalls. Was nach dem Schlusspfiff dann noch abgehen würde . . . Mal abwarten.

In der Halbzeitpause waren sich die Experten einig: Der HSV hatte ein Klasse-Spiel hingelegt, aber das Tempo war wohl zu hoch, um es bis zur 90. Minute zu halten. Der HSV wird wohl kräftemäßig noch einbrechen. Auch mal abwarten.

Aber das 0:2 fiel relativ früh. Eckstoß von Bayern, Robben von rechts. Der Niederländer entdeckt den völlig freistehenden Götze 13 Meter vor dem HSV-Tor. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Eckstoß für Bayern, und ein Münchner steht im völlig übervölkerten HSV-Strafraum mutterseelenallein. Allein. Das kann doch nicht wahr sein! Wer hat da alles gepennt? Unfassbar, welche amateurhafte Fehler sich der HSV immer und immer wieder erlaubt. Da kann man nicht gegenanspielen. Nein, das geht nicht. Und Götze schießt. Keineswegs hart, aber an allen hinter ihm noch stehenden Hamburger, und das waren immerhin acht (!), in Worten ACHT, vorbei ins Tor. Beschämend. Und das spielte sich in der 55. Minute ab. Die Vorentscheidung. Natürlich. Denn der HSV spielte ja ohne Stürmer. Wer soll da ein Tor schießen? Bei Bayern saßen noch Pizarro und Mandzukic draußen. Ein Königreich für einen Stürmer . . .

Bewundernswert allerdings, wie sehr sich der HSV weiterhin wehrte, wie sehr auch die HSV-Fans mitgingen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Im (erweiterten) Bayern-Block im Süden hallte es: „Zweite Liga, Hamburg ist dabei.“ Pfiffe der HSV-Fans und dazu der Hinweis vom Stadionsprecher: „Liebe Münchner Gäste, haben Sie bitte dafür Verständnis, dass Sie nach Spielschluss noch etwas länger in Ihrem Block bleiben müssen, wir bitten um Verständnis.“ Das bejubelten wiederum die Hamburger. Und dieser Jubel steigerte sich noch in der 72. Minute, denn da traf Hakan Calhanoglu, wer sonst, aus 20 Metern flach ins rechte Eck zum 1:3. Hoffnung? Nein. Der vor Sekunden eingewechselte Pizarro, der HSV-„Killer“ schlechthin, kreuzte allein vor Adler auf, schoss den HSV-Keeper an – Gefahr gebannt? Mitnichten. Der Ball stieg hoch in die Luft, Adler hätte hochsteigen müssen und fausten – aber er machte nichts. Pizarro machte etwas, nämlich einen wunderbaren Fallrückzieher – 1:4 (75.). So spielt man mit Studenten . . .

Es folgte ein Spiel auf ein Tor, auf das Hamburger. Mit teilweise sehenswerten Spielzügen und Hacke, Spitze, eins, zwei, drei.

Ein Höhepunkt sollte aber noch folgen: Kerem Demirbay ging im Bayern-Strafraum zu Boden, es folgte ein Gerangel mit Boateng. Beide Streithähne standen Kopf an Kopf, Stirn an Stirn, zum Schluss gab es eine Ohrfeige des Ex-Hamburgers an den HSV-Spieler. Rote Karte für Boateng, Gelb für Demirbay (86.). Ein unrühmliches Ende.

Die Einzelkritik:

Rene Adler naja, das Gelbe vom Ei war es wieder einmal nicht. Irgendwie ist er von der Rolle, was sich besonders beim 1:4 von Pizarro zeigte – da muss er einfach nur mit hochgehen.

Dennis Diekmeier war der einzige, der im Tempo mit den Bayern mithalten konnte. Ansonsten aber fiel er nicht groß auf, wurde verletzt ausgewechselt

Michael Mancienne war am 0:1 nicht unschuldig, ansonsten aber noch der beste Hamburger – wenn man von einem „besten Mann“ überhaupt sprechen kann.

Heiko Westermann zeigte sich willig und engagiert – wie immer. Ging verletzt raus und erhielt viel Beifall – auch aus dem Norden.

Petr Jiracek ist nun einmal kein Linksverteidiger. Er wollte, aber er konnte nicht so recht.

Milan Badelj war schwach.

Tomas Rincon ist noch immer weit von einer Erstliga-Form entfernt.

Robert Tesche spielte mit, mehr nicht. Aber er spielte immerhin so mit, wie es andere zuvor in den Spielen nicht taten.

Rafael van der Vaart gab alles, hängte sich voll rein, grätschte, lief und lief, und fightete – bis er nicht mehr konnte. Aber er wollte seinen markigen Worten eben eine gute Einstellung folgen lassen, das ist gelungen – auch wenn es bei seiner Auswechslung vereinzelt Pfiffe gab.

Hakan Calhanoglu und sonst keiner. Er schießt, und er trifft, das kann keiner wie er. Leider, leider. Ihn werden wir wohl in der nächsten Saison nicht mehr im Volkspark aufdribbeln sehen, einen solchen Mann kann sich der HSV nicht mehr erlauben. Weil es auch fiel Geld für ihn geben wird.

Ivo Ilicevic istb kein Stürmer, kann auch nicht mehr schießen – er hat es einst gekonnt, aber in Hamburg alles verlernt. Grausam. Auch wenn er wollte und kämpfte und Leben zeigte. An Ende steht unter dem Strich eine glatte Null.

Ola John (ab 59. Min. für Diekmeier) sollte sich zeigen – mehr tat er auch nicht. Unterstrich einmal mehr, wie bitter und total überflüssig die beiden Winter-Transfers des HSV waren.

Kerem Demirbay (ab 67. Min. für van der Vaart) holte nur noch eine Rote Karte für Boateng heraus – mehr war da nicht.

Jonathan Tah (ab 76. Min. für Westermann) kam erstmalig seit Wochen wieder zum Zuge – für einige Minuten.

Um schnell noch auf den Vormittag zu kommen: In der Uni wurde der Delegierte der Supporters für den Aufsichtsrat gewählt. Es waren 172 Mitglieder gekommen, für den „Matz-abber“ Sven Kröger gab es 49 Stimmen, für Sven Winkelmann gab es 123 Stimmen. Und Ende. Obwohl Sven Kröger – frei nach Uli Hoeneß – sagte: „Der Weg ist hier noch nicht zu Ende.“

So, dann möchte ich noch auf unsere Sendung „Matz ab live“ hinweisen, die gleich beginnen wird. Unsere heutigen Gäste sind zwei Journalisten, die sich schon oft an Diskussionen beim Doppelpass und auf Sky beteiligt haben, es sind, von der Frankfurter Rundschau, Jan-Christian Müller, und dazu der freie Journalist Oliver Wurm. Wäre toll, wenn Ihr zusehen könntet, „Scholle“ und ich würden uns freuen.

17.35 Uhr

Keine Gnade – Bayern kommt mit der besten Elf

2. Mai 2014

Der größere Wille schlägt am Ende fast immer das Talent – zumal, wenn das Talent zu wenig Willen hat. So gesagt von Franz Beckenbauer, der einzig gültigen Instanz im deutschen Profifußball – neben dem lieben (Fußball-)Gott. Was aber passiert, wenn eine Mannschaft zu wenig Talent und zu wenig Willen hat? Antwort: Sie steigt ab. Und deshalb wundert es eigentlich auch niemanden mehr, dass der HSV da unten steht. Zumindest unter den Experten und hier im Blog nicht mehr. Und es liegt eine Trainingswoche hinter uns, die von der Intensität her nichts darauf schließen lässt, dass sich auch nur das Geringste bessern wird…
Die Sendung beginnt um 18:00 Uhr.

Dennoch, es ist noch nichts verloren. Nicht einmal die (nur noch theoretische) Chance auf den direkten Klassenerhalt. Aber dafür benötigt der HSV ein Wunder, wie Trainer Mirko Slomka einen Sieg gegen dien schier übermächtigen Bayern bezeichnete. Allerdings ist dieses Wunder längst nicht so ein Wunder wie viele denken. Denn Augsburg konnte diese Bayern nach einer Rotationswelle schlagen, Dortmund ebenso. Und sogar die talenttechnisch meiner Meinung nach limitiertesten Bundesligakicker von Eintracht Braunschweig konnten zumindest 75 Minuten ein 0:0 halten – warum also sollte das für den HSV nicht möglich sein, über 90 Minuten natürlich… „Ist es doch“, sagt Rafael van der Vaart, der sich nach überstandener Verletzung zurückmeldete und gegen Bayern in der Startelf stehen soll. „Wir müssen aber kämpfen, als ginge es um unser Leben.“

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Und die Einstimmung darauf sieht gar nicht danach aus. Nach weniger 45 Minuten war heute das Training vorbei. Eine kurze Warmmachphase, eine Passübung und ein Abschlussspiel sollen die Spieler in letzter Instanz auf den Kick gegen den Rekordmeister vorbereiten. Nicht mit dabei war Dennis Diekmeier, der am Donnerstag leichte Probleme hatte und dafür heute pausierte. Der Rechtsverteidiger absolvierte ein Laufprogramm und soll am Sonnabend fit sein. Verpasst hat er eh nichts.

„Für den HSV geht es um alles oder nichts“, hat Bayern-Trainer Pep Guardiola heute gesagt und dem HSV im selben Atemzug sämtliche Hoffnungen genommen, morgen mit einer vergleichbaren Mannschaft anzutreten wie gegen Augsburg. Guardiola nimmt alle Topstars mit nach Hamburg, ließ nur die Verletzten Badstuber und Thiago zu Hause. Offen erscheint eigentlich nur, ob Pizarro, der gegen Bremen vor einer Woche ein überragendes Spiel machte, von Beginn an aufläuft. „Wir wollen die letzten beiden Spiele nutzen, um wieder in den Rhythmus für das Pokalfinale zu kommen“, so Guardiola. Rücksicht auf den HSV ist dabei ausgeschlossen.

Leider. Denn der HSV hat es nach meiner Meinung trotz des faktischen Gegenteils nicht mehr selbst in der Hand, für sein Glück zu sorgen. Diese Mannschaft ist nicht in der Lage, sich selbst aus dem Schlamassel zu befreien. Dafür muss morgen auf schwächelnde Bayern und zeitgleich auf schwache Braunschweiger und Nürnberger gehofft werden. Aber auch das ist alles nicht ausgeschlossen, da alle drei so ihre Probleme haben. In Nürnberg beispielsweise hadern einige Spieler mit dem jüngst vorgenommenen Trainerwechsel. Daher: Ich glaube weiter an unsere Restchance. Und ich bete, dass Sergej Barbarez mit seiner Aussage Recht behält: „Der HSV steigt nicht ab. Ich kann zwar nicht begründen, warum sie es schaffen, aber sie schaffen es irgendwie.“

Hoffentlich.

Was noch offen ist, ist die Startelf. Im Abschlusstraining war nicht viel zu erkennen. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass entweder Ilicevic in die Spitze rückt, oder Slomka doch eher auf Kopfballstärke im Zentrum setzt und dort überraschend Robert Tesche aufbietet. Daher auch folgende drei in meinen Augen denkbare Varianten als mögliche Startaufstellungen (in absteigender Wahrscheinlichkeit):

1. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Tesche – Rincon, van der Vaart, Calhanoglu – Ilicevic
2. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Rincon – Ilicevic, van der Vaart, Calhanoglu – Tesche.
3. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Rincon – Calhanoglu, van der Vaart, Jiracek – Ilicevic.

Oder spielt (sehr, sehr, sehr, sehr extrem) überraschend (und unverdient) Ola John auf rechts von Beginn an? Nominell wäre er für die rechte Außenbahn ein Eins-zu-Eins-Ersatz. Dass der Niederländer schlichtweg noch immer keinen Bezug zur Mannschaft, zum Verein und vor allem nicht zur Lage des Klubs gefunden hat – vielleicht es egal. Vielleicht könnte ein Kick gegen den noch amtierenden Champions-League-Sieger ja mal Anreiz genug sein, trotzdem Vollgas zu geben. Und wenn’s auch nur diese 90 Minuten sind. Wobei, wenn ich schon bei Außenseiterchancen bin, dann muss hier auch Kerem Demirbay erwähnt werden, der es im Vergleich zum eben Genannten vom Engagement im Training ehr absolut verdient hätte. Denn der Linksfuß ist einer der wenigen, der noch heiß ist wie am ersten Spieltag. Zumal er ewig verletzt war, sagt er: „Ich will alles geben, um dieser Mannschaft zu helfen. Ich habe so lange zuschauen müssen, jetzt kann ich’s kaum erwarten. Aber letztlich geht es hier jetzt ganz sicher nicht um mich – es geht um das große Ganze.“ Stimmt.

Und damit ist wirklich alles gesagt. Jetzt heißt es: Hoffen, hoffen und noch mal hoffen. Auf einen Punkt – oder gar auf eine Sensation. Drücken wir alle zusammen alle vorhandenen Daumen, dass die Mannschaft noch einmal über sich hinauswächst.

Scholle

1:3 – wer glaubt noch an ein Wunder?

27. April 2014

„Der HSV wird absteigen.“

So oder so ähnlich hat es der große Franz Beckenbauer vor Saisonbeginn gesagt. Kaiser Franz als Prophet. Und (fast) alle haben ihn damals belächelt. An diesem Wochenende hat Beckenbauer dann bei „Sky“ folgendes gesagt, als er gefragt wurde, was ihn im Moment in der Liga beschäftigt: „Die Ergebnisse von Bayern und dann kommt gleich der HSV. Ich habe zwei wunderschöne Jahre erlebt, auch wenn teilweise schwierig war, weil ich verletzt war. Wenn du die Tabelle siehst, dann stimmt irgendwas nicht. Den HSV da unten zu sehen, das gibt es nicht. Der HSV gehört da oben hin. Ich glaube die Qualität ist groß genug um da unten herauszukommen. Spielerisch ist es gut, aber läuferisch nicht. Sie müssen dagegenhalten, sie müssen in die Zweikämpfe gehen. Es heißt nicht umsonst Abstiegskampf. In Augsburg muss ich alles mobilisieren. Da muss man laufen bis die Socken qualmen.“

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Habt Ihr qualmende Socken gesehen?

Ich auch nicht. Aber der Reihe nach: Der HSV hat sein vorletztes Auswärtsspiel verloren, diesmal gab es eine 1:3-Niederlage in Augsburg. Immerhin, das ist ein Trost, ein Auswärtstor. Und tröstend ist eigentlich ja auch, dass sowohl Braunschweig als auch Nürnberg ebenso verloren haben – immer schön mit verlieren. Bis zum nächsten Wochenende? Da wird der HSV auch im Volkspark gegen die aus der Champions League ausgeschiedenen Bayern nichts gewinnen – wie denn auch? Und Nürnberg könnte gegen Hannover gewinnen, Braunschweig gegen diese Augsburger, die ja wahrlich nicht gut gegen diesen HSV waren. Eher waren die Augsburger sogar schlecht, aber gegen diesen HSV lang es immer noch, selbst mit nur 30 Prozent. Es ist ein Wahnsinn, es bringt mich um, ich werde verrückt – diese grottenschlechte Mannschaft bringt mich um mindestens zwei Jahre meines Lebens. Was wurden vorher nicht alles versprochen, angesprochen, gelabert. Es sollte gekämpft werden wie nie, weil es doch ums Überleben des Clubs geht. Und dann das.

Wer glaubt jetzt noch an ein Wunder?

Im Gegensatz zu manchen Herrn, der beim HSV das Sagen hat, sind unter den Fans nur noch wenige Tagträumer. So schlecht war der HSV noch nie, und genau so wird er auch untergehen. Aufbäumen? Sie möchten vielleicht, aber sie können es nicht. Das ist das Grausame an dieser verfahrenen Kiste. Sie sind schon schlecht, wie sie stehen, eher noch ein wenig schlechter, denn die beiden Clubs, die noch schlechter stehen, die kämpfen wenigstens bis zum Abwinken. Aber hier?
Ein hoffnungsloser Fall.

Auf dem Weg ins „Champs“ erhielt ich noch einige Anrufe, einer war mein Freund Peter aus Mülheim an der Ruhr. Er sagte: „Mach dir keine Sorgen, nach fünf Minuten führt Augsburg 1:0, und am Ende steht es dann 3:0. Dieser HSV ist einfach zu schlaff.“ Recht hatte er nicht. Das 1:0 für Augsburg fiel nach sechs Minuten und zwei Sekunden. Also deutlich später als angesagt. Aber es war wieder ein typisches HSV-Tor. Die Mitte total offen, Flanke von der rechten Außenbahn der Augsburger, Altintop darf unbedrängt aus 14 Metern einschießen. Wo waren die Sechser? Keiner zu sehen. Weder Milan Badelj, noch Tolgay Arsan, noch Tomas Rincon waren zu sehen. Nein, meine Herren, das ist Schüler-Fußball in Vollendung. Und es ist unfassbar! Hinzu kommt, wo war Marcell Jansen? Hinten links nicht. Und da hätte er eigentlich sein müssen.

Jansen war auch beim 2:0 nicht dort, wo er eigentlich sein sollte. Hinten links nämlich. Und deswegen flog die Flanke auch mustergültig zur Mitte, dort erscheint – ja, wer erscheint wieder? Der alte Mann Altintop. Und wer erscheint wieder nicht? Badelj, Rincon, Arslan. Nur Dennis Diekmeier versucht zu retten, was nicht mehr zu retten ist – der Ball rauscht aus acht Metern ins Netz (32.). Am Rande schüttelt Mirko Slomka fassungslos den Kopf, und auf dem Rasen machen sich Diekmeier und Badelj an. Recht hat Diekmeier, denn wo war Badelj? Das ist ein so anfängerhafter Fußball, dass es schon weh tut. Der HSV müsste sich jetzt eigentlich von Punkt zu Punkt hangeln, aber sie spielen frisch, fromm, fröhlich, frei mit allen Gegnern dieser Welt mit. Und ich könnte wetten, dass sie es auch im Falle einer Relegation mit dem SC Paderborn machen würden. Immer nach vorne, weil dort ja sowieso nichts klappt, und dann in Schönheit sterben. Dass hinten die Null mal stehen müsste, könnte, dürfte oder wollte – so etwas hat sich bis Hamburg noch nicht herumgesprochen. Hier ist jedes Spiel ein Tag der offenen Tür. Immer hinein, meine Herren, was heißt hier Abstieg?

Dass der HSV zwischen dem 1:0 und dem 2:0 ganz ordentlich mitgespielt hat, das will ich gar nicht verschweigen. Und wenn ein Tor mal ein wenig in der Luft lag, dann war Hakan Calhanoglu mit dabei. Leider ist er, ein „Hacki“ zu wenig. Badelj stand einmal – in ungünstiger Lage – frei vor FCA-Keeper Hitz, doch der hielt (31.).

Im Gegensatz zu Rene Adler. Der faustete sich ein 20-Meter-Ding von Hahn, dem Ex-HSV-Spieler (aus der Zweiten), ins eigene Tor. Kann mal passieren, klar. Ihm aber passiert das zu oft. Auch klar. Und wenn man drei Minuten vor dem Pausenpfiff das 0:3 kassiert, dann muss nicht mehr groß gefragt werden, wer als Sieger den Rasen verlässt. Auch wenn der HSV in der 44. Minute zum 1:3 traf. Freistoß von links von Calhanoglu, den „schultert“ Heiko Westermann ins lange Eck – ein Hoffnungsschimmer? Wer dann doch noch hofft, der muss sich selbst die Antwort geben: Wer soll denn da vorne mal aus Versehen ein Tor schießen?
Eben!

In Halbzeit zwei hatte Westermann noch einmal das 2:3 auf dem Kopf, als Calhanoglu flankte. Ansonsten gefielen sich beide Mannschaften in einem fast unglaublichen Gestümpere. Das war schon mal Sommer-Fußball in Vollendung. Mir tun nur die HSV-Fans leid, die den weiten Weg in den Süden antraten, um einen guten HSV zu sehen, um endlich einmal wieder einen Grund zum Jubeln zu haben, oder nur, um ein Fünkchen Hoffnung zu erkennen – denkste! Es ist eine Schande.

Wahnsinn.

Die Einzelkritik:

Rene Adler Note fünf, denn er hielt ja einige Bälle – aber er war eben auch nur mal ein guter Torwart, er ist heute meilenweit von „brasilianischer“ Bestform entfernt. Mallorca, Südafrika oder Kuba dürfte sein realistisches Sommer-Ziel sein, schönen Urlaub.

Dennis Diekmeier war als einer der wenigen von Beginn an engagiert, er biss, mehr, viel mehr als sonst, aber die anderen machen fast alle nicht mit.

Michael Mancienne war ebenfalls griffig, er wollte, er gab alles – aber es langt eben nicht.

Heiko Westermann hatte Chancen, war vorne und hinten – und die Note dafür dürfen diejenigen geben, die ihn in dieser Mannschaft nicht mehr sehen wollen. Ich werde gleich darüber reden – bei „Matz ab live“.

Marcell Jansen will sich für die WM empfehlen, er will sich körperlich in Form bringen – dass ihm der HSV dabei behilflich ist, das finde ich toll, eine große Geste. Ob es hilfreich war? Die Frage darf auch jeder für sich beantworten, ich halte es nicht für sonderlich hilfreich, aber ich bin ja auch total unmaßgeblich. Durfte aber immerhin bis zur 68. Minute mittun.

Milan Badelj holte sich Note sechs ab, er gehörte spätestens nach 30 Minuten unter die Dusche, aber das wurde auf der Bank leider nicht so gesehen. Ist aber auch unwichtig.

Tolgay Arslan läuft seiner Bestform weiter hinterher, aber auch das erkennt auf der Bank offenbar auch keiner mehr. Unwichtig. Note sechs. Holte sich die zehnte Gelbe ab – gesperrt gegen die Bayern.

Tomas Rincon ist ebenfalls weiter von jeder Form entfernt – Note sechs. Aber wenn soll Slomka denn sonst aufstellen?

Ivo Ilicevic benötigte fast eine halbe Stunde, um ins Spiel zu kommen, dann war er halbwegs dabei. Bewegen aber kann er ja auch nichts, wieso auch?

Hakan Calhanoglu tut mir leid, denn er könnte – bei entsprechender Unterstützung – etwas bewirken, aber allein gegen einen Gegner? Das kann nicht klappen.

Mattia Maggio war nie zu sehen, aber das liegt nicht an ihm, deswegen keinerlei Vorwurf an den jungen Mann. Er kann es nicht anders. Dass er trotz allem reingeschmissen wird, das müssen andere verantworten. Wäre vielleicht mal ein ganz kurzes Nachdenken angebracht . . .

Jacques Zoua (ab 61. Min. für Maggio) durfte sich auch noch einmal vorstellen – bei ihm gebe ich aber jede Hoffnung auf. Jede.

Petr Jiracek (ab 68. Min. für Jansen) schmorte lange auf der Bank, weil man ihm offenbar nichts mehr zutraut. Die Jungs da draußen werden schon wissen, was sie tun . . .

Kerem Demirbay (ab 75. Min. für Badelj) kann Fußball, aber sie trauen es ihm noch nicht wieder zu – die Verletzung war zu schwer und zu lang. Ich hätte, das schrieb ich schon, trotz allem vorne reingestellt, denn schlimmer kann es ja gar nicht sein – oder werden.

So, das war es schriftlich vom Spiel in und gegen Augsburg. Es bleibt mir jetzt nur noch, auf unsere gleich beginnende „Matz-ab-live“-Sendung hinzuweisen, wir wollen in wenigen Minuten aus dem Restaurant „Champs“ in Schnelsen (Burgwedel) loslegen – heute sind Kult-Sänger Lotto King Karl und der ehemalige HSV-Abwehrspieler Tobias Homp (50; 114 Erstliga-Spiele für den HSV und den FC Homburg) unsere Gäste. „Scholle“ und ich würden uns freuen, wenn Ihr wieder mit dabei sein könntet – per Bildschirm.

Nur der HSV!

17.29 Uhr

Die Konkurrenz spielt für den HSV

26. April 2014

„Entscheidend ist auf’m Platz.“

Hat einst schon Otto Rehhagel erkannt und mit dieser seiner Erkenntnis für Klarheit gesorgt. Alles Gesabbel vor dem Spiel und zwischen den Spielen – unwichtig. Und was hat es in dieser Woche nicht alles an verbalen Tiefschlägen und Entgleisungen und an unwichtigem Gelaber gegeben? Die Nerven liegen blank, ganz offensichtlich. Oder die Herren wollen vom Platz ablenken, wollen ihre Spieler aus der Schusslinie nehmen, damit sie sich wirklich nur auf Rasen, Ball und Kampf konzentrieren können. Aber kurios ist es manchmal schon, was vor einem Bundesliga-Spiel so alles gesagt wird, keine Frage. Allein die gegensätzlichen „Vergangenheitsbewältigungen“ der Herren Thorsten Fink und Oliver Kreuzer waren reif für das Ohnsorg-Theater. Dass den Sportchef jetzt mal die Wut packte und er auch große Form beim „Auspacken“ von bislang verborgenen Scharmützeln zeigte – das hatte schon was. Von Schmierenkomödie.
Matz_ab_ankuendigung_1730_Uhr

Aber gut, wer denkt da dann noch an den Sonntag in Augsburg, an jene 90 Minuten, die der HSV schon siegreich gestalten sollte, wenn weiterhin noch an ein kleines Wunder glauben möchte? Kreuzer gegen Fink – das ist zwar spannend, aber der Herr Kreuzer hat ja auch zu diesem drittletzten Erstliga-Spiel des HSV – in dieser Saison – etwas Sportliches gesagt: „Es geht ums Überleben.“ Jawoll. Darum geht es . Und diese Erkenntnis ist nicht mal ganz so neu, für mich ging es darum schon während der gesamten Spielzeit. Und ganz speziell in der Winterpause. Da hätte eigentlich schon jeder, der beim HSV arbeitet, und alle, die sich um den HSV Gedanken machen, jede Menge Sorgenfalten zulegen müssen.

„Wir befinden uns auf der Zielgeraden, es sind vielleicht noch 30 Meter zu absolvieren. Jetzt muss jedem Spieler bewusst sein, was es heißt, alles aus sich rauszuholen. Sie müssen mehr als 100 Prozent geben, es geht um das Große, Ganze, um das Überleben des Vereins. Totale Hingabe, unglaublicher Siegeswillen, bedingungsloser Einsatz – das ist es, was ich fordere.“ Sagte Oliver Kreuzer in dieser Woche.

Wozu es doch zwei Dinge anzumerken gibt: Erstens kommt dieser Appell mindestens acht Spiele zu spät, und zweitens haben Thorsten Fink und Bert van Marwijk bestimmt auch einige Mal im großen Fußball-Lehrbuch nachgeschlagen und solche Sätze unter dem Kapitel „markige Worte“ gefunden. Und ich gehe mal davon aus, dass sie diese „markigen Worte“ dann auch ihren Schützlingen vorgelesen haben . . . Dass diese „markigen Worte“ irgendwann einmal von Dauer auf fruchtbaren Boden gefallen wären, ist mir nicht bekannt. Aber vielleicht ist es ja noch nicht ganz zu spät. Vielleicht. Allein mir fehlt der Glaube. Und wo ich gerade beim großen Fußball-Lehrbuch bin: An einem eventuell nicht mehr ganz so fernen Tage werden wir ganz sicher auch jene Stimmen von den Verantwortlichen vorgetischt bekommen: „Wir sind nicht heute abgestiegen, sondern schon im Februar. Oder im März. Oder irgendwann zwischendurch. Nur nicht heute.“ Wobei es anzumerken gilt, dass solche aus purer Verzweiflung ausgegrabenen Sätze ja nicht unbedingt von den HSV-Chefs gesprochen werden müssen – zu solchen Erkenntnissen ringen sich immer wieder mal diese oder auch jene durch. Nicht nur in der Bundesliga. Aber eben dort auch.

Ich kann nur hoffen, dass sie beim HSV die ganz „markigen“ Sätze nicht zu spät wiederentdeckt haben . . .

So, nun zum aktuellen Geschehen.
Es ist angerichtet. In Berlin und in Mainz haben sie dem HSV den Ball auf die Fünfmeterraum-Linie gelegt, jetzt gilt es „nur noch“, die Kugel ins Netz zu befördern. Und zwar einmal mehr als es an diesem Sonntag die Augsburger können. Diese Spiele waren sooooooooo wichtig. Hertha BSC besiegt Braunschweig 2:0, Mainz 05 besiegt Nürnberg ebenfalls 2:0 – es bleibt „unten“ also alles so wie vor diesem 32. Spieltag. Das sorgt schon mal für ein gewisses Durchatmen. Und wenn sich nun noch die Hamburger Profis die „netten“ (oder markigen) Sätze von Oliver Kreuzer zu Herzen nehmen, dann müsste es doch morgen etwas geben. Zumal Gastgeber FCA ja zurzeit auch nicht unbedingt Bäume ausreißt. In den letzten sechs Spielen gab es für die Mannschaft von Trainer Weinzierl nur einen Sieg (und zwei Unentschieden) – den aber, immerhin, gegen den FC Bayern . . .

Der HSV hat an diesem Sonnabend schon am Vormittag trainiert. Öfter mal was Neues. Sonst wird ja das Abschlusstraining möglichst zur Anstoßzeit durchgeführt. Die Mannschaft sollte aber an diesem Nachmittag komplett vor dem Fernseher sitzen, um die Konkurrenz zu beobachten. Hoffentlich hat es die Spieler „scharf und bissig“ gemacht, nicht dass diese Resultate so gut waren, dass man sich schon wieder ein wenig zurücklegen kann. Hoffentlich. Zumal ja auch die unglaubliche Auswärtsmisere bekämpft werden muss. Nur zwei Siege in der Fremde, davon ein geschenkter „Dreier“ in Freiburg (als Torwart Baumann gleich dreimal patzte), das müsste eigentlich jedem Profi zu denken geben. Wie hatte Club-Chef Carl-Edgar Jarchow (mit in diesem Ausgburger Trainingslager) nach der Niederlage in Hannover noch im NDR gesagt:
„So ein Spiel kann nicht sein. Woher es kommt, dass man auswärts so antritt wie man angetreten ist, ist uns auch noch ein Rätsel. Wenn man gerade in der jetzigen Situation nicht begreift, dass man mit einer anderen Einstellung da reingehen muss, hat man seinen Beruf verfehlt.“

Jetzt sind nur noch die Spieler gefragt. Sie müssen nun zeigen, dass sie ihren Job doch nicht verfehlt haben. Und dass sie inzwischen wissen, für welchen Club sie da ihre Buffer schnüren. Das ist kein Allerwelts-Verein, sondern der HSV, der Dino, der Club mit großer und größter Tradition. Für den muss man sich jetzt noch dreimal in der Ersten Liga den Hintern aufreißen. Und beim Training heute waren alle Spieler, die morgen zum Einsatz kommen sollen, dabei. Auch Marcell Jansen und Milan Badelj, die beide spielen werden. Ganz leise Zweifel gibt es noch um das Mitwirken von Heiko Westermann, der unter einer (leichten?) Grippe leidet. Mit von der Partie morgen ist Michael Mancienne, der sich in der Woche eine Platzwunde am Kinn zugezogen hatte (die genäht werden musste), der Engländer trainierte ohne Schwierigkeiten mit. Am Freitag hatte Trainer Mirko Slomka ja die Variante mit Hakan Calhanoglu als Stürmer geübt, davon war heute nichts zu erkennen – aber es war ohnehin nichts zu erkennen, Slomka will sich noch nicht in die Karten blicken lassen, und das ist auch richtig so.

Ich würde mich ja freuen, wenn es doch noch eine ganz andere Variante im HSV-Angriff geben würde. Statt „Hacki“ Calhanoglu ganz vorne „Neuzugang“ Kerem Demirbay. Der junge Mann wirkt zwar ein wenig zerbrechlich, aber er hat es „an den Füßen“, er könnte den Ball halten und verteilen, und er kann dribbeln. In meinen Augen wäre es ein Versuch wert. Und Jacques Zoua könnte dann von der Bank kommen, wenn es Sinn macht. Vielleicht wird dem Kameruner so ein wenig Druck genommen, den er sonst verspürt, wenn er da vorne ganz allein auf Tore-Jagd gehen muss und er weiß, dass dabei „ganz Hamburg“ auf ihn blickt. Diese Variante wäre vielleicht mal etwas ganz Überraschendes. Und für den Gegner auch eventuell Verwirrendes. So oder so, es muss ja in Augsburg was passieren – im zuletzt so harmlosen HSV-Angriff.

Mit dieser Anfangsformation könnte (!) der HSV morgen ins Spiel gehen:
Adler, Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen; Badelj, Rincon; Ilicevic, Tesche, Jiracek; Calhanoglu. Also – so denke ich – ohne Tolgay Arslan und Jacques Zoua. Schiedsrichter der Partie ist Tobias Welz (Wiesbaden).

So, nun noch etwas vom Rande. Es geht um Ex-HSVer.

Felix Magath lag mit Fulham lange 2:1 gegen Hull City in Front, dann gab es doch noch das Gegentor in der 87. Minute – weiter Abstiegsplatz. Ein Punkt zum rettenden Ufer. Thomas Doll dagegen hat in Ungarn eine Siegesserie gestartet. Der vierte „Dreier“ in Folge mit Ferencvaros Budapest, diesmal gab es einen 1:0-Erfolg gegen Kaposvari Rakoczi – weiter Tabellenplatz vier.

An diesem Sonntag gib es – nach dem Schlusspfiff in Augsburg – wieder ein „Matz ab live“, „Scholle“ und ich werden mit Lotto King Karl und dem früheren HSV-Verteidiger Tobias Homp (zu Happels Zeiten) über das Spiel sprechen und die (dann neue?) Abstiegs-Situation analysieren.

Dann gibt es weiterhin viele Zuschriften, Mails, Anrufe, sms und Beiträge bei und zu „Matz ab“. Das Moderatoren-Team hat mir dabei eine Analyse von unserem User „no mercy“ ans Herz gelegt:

„Die fehlende Qualität des HSV auf dem Platz ist hinlänglich thematisiert. Die Mentalität des gesamten Vereins wird in der Handlung auf dem Platz sichtbar. Das Gesamtsystem hat keine positive Perspektive und kein leistungsorientiertes Selbstverständnis. Der HSV hat sich vor einigen Jahren davon verabschiedet, dass nur Leistungsprinzipien und der durch alle Ebenen gelebte Wunsch permanent besser zu werden, Erfolge schaffen kann. Der Wertemaßstab des „Systems HSV“ ist verrückt und der schleichende Verfall von Erfolgsprinzipien als gemeinsame Leitschnur findet sein Ende in der heutigen Leistungsfähigkeit der Mannschaft. Sie ist nur das sichtbare Ende der Fehlerkette.
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Vor einigen Jahren gab es ehrgeizige Ziele, die den HSV unter den TOP 20 in Europa positionieren wollten und es gab in der Mannschaft den in Personen sichtbaren Anspruch Erfolge zu erreichen (Rost, Olic, van Buyten….). Leider sind auch in diesen Zeiten einzelne Personen wichtige geworden als das Gesamtziel (2 Jahren ohne sportliche Leitung) und es gab niemanden der dem Einhalt geboten hat (AR). Leider sind dadurch Grundprinzipien beliebig geworden, sofern sie denn überhaupt formuliert waren. Und die Strukturen des Systems („Kontrolle des Vereins durch Basisdemokratie und Supporters-Amateure) haben keinem der Missstände frühzeitig einen Riegel vorgeschoben oder haben dafür gesorgt, dass nicht Tagesformen, Trainerphilosophien, Zufälle, immer wieder wechselnde Nachwuchskonzepte oder fachliche Inkompetenz die Geschicke (lange) bestimmen. Es gab eine Negativspirale der akzeptierten Mittelmäßigkeit und Selbstzufriedenheit, statt einen Anspruch nach dauerhaftem Erfolg.
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Der HSV wurde in seiner Ausrichtung beliebig und nicht griffig. Statt dem nachhaltigen Leben einer durchgängigen Philosophie wurden immer wieder situativ agiert. Tagesaktualitäten bestimmen dann Entscheidungen und nicht das Umsetzen einer Philosophie, die von allen Akteuren sichtbar (!) gelebt wird. Diese Philosophie muss ein Monolith sein, der von der Führungsspitze vorgelebt wird (Positivbeispiel Dortmund nach der Fast-Insolvenz). Beim HSV regiert Wankelmütigkeit, wie in den Leistungen auf dem Platz, da die auch die Mannschaft keinen „Spirit“ hat. DAS ist der Geist des Systems HSV!
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Einzelerfolge werden viel zu hoch bewertet (Vertragsverlängerung Çalhanoğlu, Tha) und es wurde kein kritische Gesamt-Resümee über die Arbeit einzelner Personen getroffen. Das kann nur bedeuten, dass es keine verifizierbaren Ziele gab oder eine schonungslose Analyse unterlassen wurde. DAS ist dann die Mentalität, die auf eine Mannschaft abfärbt und das Handeln der einzelnen Systemmitglieder bestimmt, denn es werden Zielverfehlungen zuglassen (bei Bayern wurde Nerlinger trotz Meisterschaft u.a. wegen Zielverfehlung entlassen) und nicht sanktioniert. DAS ist dann der Geist des Systems HSV!
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Es wird immer wieder zugelassen, dass neue Akteure das System bestimmen, aber nicht das System Vorgaben macht und den Rahmen absteckt. Es muss eine Passung von neuen Akteuren zum System geben, damit Kontinuität und wohldosierte Veränderung greifen können. Ob dies Spielphilosophien sind oder Grundtendenzen bei der charakterlichen Zusammenstellung der Mannschaft. Beim HSV haben immer neue Trainer in immer kürzerer Folge ihre eigenen Vorgehensweisen und Grundhaltungen realisiert, weil es z.B. keinen klaren Rahmen gab, der von einem Sportdirektor durchgezogen wird. So haben wir heute eine bunt zusammengewürfelte Mannschaft, die auf dem Platz und außerhalb keine Balance hat und bei der ein Gönner seinen Lieblingsspieler verpflichtet (wie in der Kreisklasse 6). DAS ist dann der GEIST des Systems HSV!
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Die aktuelle Situation ist damit nur die Spitze des Eisbergs, der sich über Jahre aufgebaut hat. Der aktuelle Tabellenplatz und die Situation der Mannschaft ist eine Konstellation des Gesamtvereins. Damit ist es kein Problem von 3 oder 4 Spielen, sondern das Ergebnis eines ‚hart erarbeiteten‘ Missstandes. Es liegt nicht an der aktuellen Situation, den Verletzten oder dem „Pech im Abstiegskampf“. Und damit ist die Lage noch dramatischer . . !“

Und zum guten Schluss noch einmal, damit hatte ich begonnen, etwas zu verbalen Entgleisungen. Vor Wochen hieß es in Nürnberg immer, wochenlang, dass sie dort mit der Arbeit von Trainer Gertjan Verbeek sehr zufrieden seien – und sie mit dem Niederländer dann zur Not auch in Liga zwei gehen würden. Und dann doch die Entlassung. Die hielt ich noch irgendwie für logisch, aber was dann kam? „Der Trainer ist hier nie richtig angekommen.“ Und: „Der Trainer hat die Situation unterschätzt.“ War von den Offiziellen zu vernehmen. Da passt doch was nicht.
Aber es muss wohl auch an niederländischen Trainern liegen . . . Von wegen unterschätzt und nicht angekommen. Verbeek wollte nach der letzte Niederlage auch zwei Tage frei geben. So geht der etwas andere Abstiegskampf – in Holland. Komisch das alles.

Und zu Verbeek gab es dann auch die Reaktion von Freiburgs Trainer Christian Streich. Ihr werdet Euch erinnern, die beiden Männer waren beim Spiel gegeneinander ganz gehörig aneinander geraten. Jetzt kommentierte Streich die Entlassung Verbeek wie folgt: „Ich versuche, gegen Dinge wie Schadenfreude anzukämpfen . . .“ Oh man, Herr Streich!

Apropos Streich: Ein genialer Streich soll dem HSV morgen in Augsburg gelingen, und zwar von 15.30 Uhr bis 17.20 Uhr. Ungefähr. Genial wäre ein Sieg. Endlich mal ein Auswärtssieg. Das wäre es doch.
Drückt die Daumen!

Nur der HSV.

18.47 Uhr

Zoff? Aufsichtsrat verlangt Antworten auf heikle Fragen vom Vorstand – und van der Vaart fällt aus

24. April 2014

Während am Rand der ehemalige Publikumsliebling Collin Benjamin mit seinem – wie immer – fröhlichen Auftreten (“Der HSV ist mein Herzensverein, der muss in der Ersten Liga bleiben”)  für gute Laune sorgte, musste Michael Mancienne einen herben Schlag hinnehmen – im wahrsten Sinne: Beim Klärungsversuch rasselte der Engländer mit seinem Nebenmann Heiko Westermann derart hart zusammen, dass er zu Boden ging. Zunächst dachten alle, der Aufprall habe seine Schulter in Mitleidenschaft gezogen. Und als der Innenverteidiger blutend abtransportiert wurde, dachten wir, es sei die Nase. Aufklärung erfolgte dann über Trainer Mirko Slomka, nachdem Mancienne selbst via Instagram Fotos von der klaffenden Wunde am Kinn online gestellt hatte. „Die Wunde musste mit sechs Stichen genäht werden“, so Slomka, „aber ich gehe fest davon aus, dass das seine Einsetzbarkeit am Sonntag nicht beeinflussen wird.“

 


Am Sonntag werden zunächst einmal alle Spieler dabei sein, die gesund sind. Weil Slomka ein Kurztrainingslager angesetzt hat. Zum einen, um den stressigen Anfahrtsweg etwas zu entspannen. Zum anderen, um seine Mannschaft noch einmal auf die finale Phase einzuschwören. Die Mannschaft soll wissen, dass es beim Kampf um den Klassenerhalt auch um Existenzen geht. Um Arbeitsplätze – auch um die den der Spieler. „Wir müssen in den Spielen noch mal an unsere Grenzen gehen, mehr als 100 Prozent geben. Hier geht es um das große Ganze, um einen Verein – um das Überleben dieses Vereines. Darüber müssen sich alle Spieler bewusst sein“, so Sportchef Oliver Kreuzer. Das sei sein Wunsch und seine Forderung an die Mannschaft, so der Sportchef heute an der Seite von Slomka bei der Pressekonferenz. Letztgenannter setzte dann direkt bei Kreuzers Appell an. Mal wieder versuchte Slomka, an die Ehre seiner Spieler zu appellieren. Mal wieder. Deshalb erspare ich uns das jetzt. Vielleicht ist das erstmalige Aussparen der wohl überlegten, richtigen Worte Slomkas hier im Blog ja letztlich auch ein gutes Omen. Zuletzt hatte das selten zu Siegen geführt. Und letztlich sind es eh nur Worte, die mir zuletzt den Eindruck vermittelt haben, dass der Trainer sich der Situation bewusster ist als die Spieler.

Daher belasse ich es im heutigen Blog beim sportlich Neuen. Angefangen mit den verletzten Spielern. Während Ouasim Bouy und Ola John am Freitag wieder zur Mannschaft stoßen, wird Rafael van der Vaart definitiv nicht spielen können. „Seine Verletzung ist noch nicht komplett ausgeheilt“, so Slomka über seinen Mannschaftskapitän, der zwar Lauftraining absolvierte, aber wohl erst am kommenden Mittwoch ins Training einsteigen soll. Ebenfalls nicht dabei ist Johan Djourou (Muskelfaserriss). Dafür ist Pierre-Michel Lasogga in Augsburg wieder mit an Bord. Allerdings nur als Zuschauer. Nachdem er heute in München zu Untersuchungen bei Dr. Müller-Wohlfahrt weilte, reist er am Freitagabend zur Mannschaft ins Teamhotel. „Er wollte unbedingt bei der Mannschaft sein“, so Slomka – und ich finde das richtig gut. Lasogga, bei dem die Untersuchungen in München keine neuen Erkenntnisse brachten, macht das, was ich auch vom Mannschaftskapitän und allen anderen erwartet hätte, die nicht zwangsläufig in Hamburg bleiben müssen. Auf jeden Fall aber setzt Lasogga so mal wieder ein Zeichen, trotz Verletzung.

Insgesamt, das betonte Slomka heute, sei die Stimmung in der Mannschaft besser geworden. Für die Situation zuträglich – sagt Slomka und ich hoffe, dass das nicht nur Zweckoptimismus ist. Trotz der Rückschläge gegen Hannover und Wolfsburg sei die Mannschaft wieder auf einem guten Weg. Im Kraftraum, beim Nachmittagstraining am Mittwoch sei das Miteinander richtig gut gewesen, richtig verschworen. „Der Zusammenhalt des Teams ist außergewöhnlich gut.“ Slomka verspüre eine Art Aufbruchsstimmung, wie er sie zuletzt offenbar nicht vernommen hatte. Zudem lasse ihn die Phase nach dem 0:3 gegen Wolfsburg hoffen.

Slomkas Hoffnung indes, dass Lasogga schon in der kommenden Woche sein Trainingspensum steigern und eventuell wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann, wird sich voraussichtlich noch nicht bewahrheiten. Leider. Umso wichtiger ist daher, dass Milan Badelj und Marcell Jansen zurückkehren. Beide zuletzt Verletzten absolvierten heute den Großteil des Mannschaftstrainings und sollen am Freitag voll einsteigen und wurden heute von Kreuzer zu Hoffnungsträger erklärt.

So, wie zuletzt Ilicevic für mich. Wobei, eigentlich ist Ilicevic für mich immer noch ein Hoffnungsträger dafür, dass nicht alle Offensivlast auf den schmalen Schultern Hakan Calhanoglus lasten. Der Deutsch-Türke will zwar Verantwortung und betonte zuletzt, sich darüber sogar zu freuen. Allerdings glaube ich, dass der gute Wille des gerade 20-Jährigen auch Gefahren birgt. Eigentlich sollte er sich an der Seite des einen oder anderen erfahrenen Spielers entwickeln. Leider fehlen diese Spieler.

Dafür entwickelt sich aktuell nach ewigen Verletzungspausen ein weiterer Youngster sehr positiv: Kerem Demirbay. Ich hatte es vergangene  Woche schon geschrieben und kann auch nach der bisherigen Trainingswoche wiederholen: Der Junge ist richtig gut drauf. Letzte Woche sagte Slomka, der defensive Mittelfeldspieler sei noch keine Option für die Startelf. Heute wollte er dieselbe Frage nicht mehr beantworten – was durchaus für Demirbay spricht. Zumal Slomka lobte: „Kerem hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen.“ Ergo: Die Doppelsechs könnte gegenüber den letzten Wochen komplett neu besetzt werden, sollte Slomka Badelj und Demirbay aufstellen. Auf der einen Seite wäre es nach den letzten Leistungen Rincons und Arslans fast logisch, auf der anderen Seite kann ich mir nur schwer vorstellen, dass Slomka das Zentrum komplett umstellt.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle den Blog beenden mit dem Hinweis, dass morgen unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert wird. Allerdings muss ich mich dann doch noch einmal kurz der Vereinspolitik widmen. Denn da kündigt sich ein Paukenschlag an, den ich nicht verschweigen kann. Meinen Informationen zufolge untersucht der aktuelle Aufsichtsrat, ob er vom Vorstand immer ausreichend und korrekt informiert worden ist oder ob es hier Verfehlungen gegeben hat. „Ich wüsste tatsächlich nicht, was das sein sollte“, war Klubboss Carl Jarchow überrascht, als ich ihn heute Abend anrief. Immerhin seien alle Entscheidungen mit dem Aufsichtsrat besprochen und genehmigungspflichtige Vorgehen vom Aufsichtsrat abgesegnet worden. Ob es was mit der Umwandlung der Campus-Millionen zu tun haben könnte? „Die Verwendung des Geldes aus der Campus-Anleihe, das wir für die Liquidität genutzt haben, ist gutachtlich abgesichert und mit dem Aufsichtsrat besprochen. Die Kontrolleure sind immer vollumfänglich von uns über alles informiert worden.“ Heute noch hatte Jarchow ein Gespräch mit Chefkontrolleur Jens Meier. „Von einer Untersuchung oder gar einer drohenden Klage ist mir aber nichts bekannt. Und es beunruhigt mich auch nicht“, so Jarchow, der sich für den morgigen Freitag mit Aufsichtsratsboss Jens Meier verabredet hat.

Fakt ist, dass Meier am Freitag vom Vorstand Antworten auf Fragen erhalten will, die er zuvor schon schriftlich eingereicht hatte. Und ich kann nur hoffen, dass der Vorstand die Fragen vollumfänglich und zufriedenstellend beantworten kann, damit aus diesem drohenden Fass nur ein kleines Fässchen wird. Denn eines ist schon mal klar: einen dümmeren Moment für Ärger zwischen Aufsichtsrat und Vorstand kann es gar nicht geben…

In diesem Sinne, drücken wir alle die Daumen, dass das Thema morgen beendet ist. Ohne Aufreger.

Scholle

Jansen: “Zeit zum Rumheulen haben wir schlichtweg nicht”

22. April 2014

Im Abstiegskampf sind alle Mittel recht – so lange sie zielführend sind. Und deshalb reist der HSV bereits einen Tag früher als sonst zum Auswärtsspiel nach Augsburg. Bereits am Freitag geht es nach Bayern zum nächsten Abstiegsendspiel. Am Sonnabend wird vor Ort das Abschlusstraining unter Ausschluss der Öffentlichkeit absolviert. „Es war ohnehin geplant, das zu tun“, sagt Trainer Mirko Slomka. Im Hotel „Steigenberger Drei Mohren“ will Slomka seine Spieler knapp 48 Stunden lang auf den Kick beim FCA einschwören und damit den Fokus voll auf das drittletzte Abstiegsendspiel lenken. Und ich finde die Idee gut. Denn wenn dieser Mannschaft zuletzt augenscheinlich etwas fehlte, dann die Spannung bei Anpfiff.

Mit dabei sein will dann auch Marcell Jansen. Sechs Wochen war er zuletzt raus und ist aktuell zehn Tage vor seiner Zeit – sagt er zumindest selbst. Der Linksverteidiger trainierte heute erstmals nach seiner Operation vor knapp zwei Monaten wieder mit der Mannschaft. Zumindest zu großen Teilen. „Ich kann durch mein optimales Aufbautraining zehn Tage früher einsteigen als geplant. Das ist sensationell! Wir steigern das Programm von Tag zu Tag, um zu sehen, ob es bis Sonntag reicht“, freut sich Jansen auf seine baldige Rückkehr.

Und ich ehrlich gesagt auch. Denn mit Jansen käme trotz der langen Pause frischer Wind ins Team. Und Qualität. Westermann wird am Sonntag höchstwahrscheinlich weiter in der Innenverteidigung zusammen mit Michael Mancienne agieren müssen, da Johan Djourou mit seinem Muskelfaserriss wohl noch pausieren muss. „Ich werde nicht mit 60 Prozent auf den Acker gehen“, sagt Jansen, „ich steige erst dann voll ein, wenn ich mich fit fühle. Alles andere würde der Mannschaft ebenso wenig wie mir helfen.“ Das jedoch soll Jansen. Also helfen. Mit seiner fußballerischen Qualität als echter Linksverteidiger, nachdem sich dort Westermann und Jiracek behilfsweise nicht immer leicht taten.

Und Jansen ist sich seiner Rolle bewusst. Viel Zeit, sich einzugewöhnen, hat er nicht. Und das findet er auch gut. „Ich habe einfach Bock, wieder auf dem Platz zu stehen, der Mannschaft helfen zu können. So ist es, glaube ich auch besser. Was soll ich mir auch Gedanken machen? Ich muss versuchen, die Stimmung zu heben. Für Jammern ist jetzt keine Zeit mehr. Für mich nicht – und auch sonst für keinen. Wir müssen zusehen, dass wir das wieder ausbügeln, dass wir den Platz 16 zumindest verteidigen.“ Ob er noch auf mehr hofft? „Ich bin realistisch. Erst einmal den 16. Tabellenplatz sichern, dann schauen wir.“ Dass er Gefahr läuft, durch zu frühes Einsteigen seine WM-Teilnahme zu gefährden, glaubt er nicht. „Bis jetzt haben wir nichts Unüberlegtes getan – und das machen wir auch weiter nicht. Und ich will in den Rhythmus kommen, bin schmerzfrei. Das sieht im Moment echt gut aus.“

Für Abendblatt-Blogs


Zum Sportlichen Beitrag gesellt sich, das hat Jansen ebenso wie fast jeder inzwischen erkannt, auch ein psychologischer Aspekt. „Das meiste spielt sich im Kopf ab. Da gewinnt man ein Heimspiel überraschend und im nächsten Spiel ist man erschreckend schlecht. Das kommt alles vom Kopf.“ Wie man dagegenan arbeitet? Jansen: „Wir müssen einfach die Realität annehmen und wissen, dass wir es selbst entscheiden können, anstatt niedergeschlagen rumzulaufen und zu heulen.“ Abschalten und an sich glauben – das ist Jansen Rezept für den Abstiegskampf, dem er vor zwei Jahren mit dem Siegtreffer beim Spiel gegen Kaiserslautern einen entscheidenden Impuls zum Guten geben konnte. Und auch jetzt glaubt Jansen an den Klassenerhalt. „Bei mir ist das Glas immer halbvoll – auch in so krassen Situationen wie jetzt. Am schwersten haben wir uns mit den direkten Konkurrenten getan – von daher ist es vielleicht ja gut, dass wir jetzt gegen besser Postierte spielen.“

Dass es für Jansen neben dem Klassenerhalt auch um seine WM-Teilnahme sowie seine eigene Zukunft (sein Heimatklub Borussia Mönchengladbach soll Interesse haben, seine Ausstiegsklausel für fünf Millionen Euro zu ziehen) geht, will er nicht kommentieren. „Es ist noch so viel auf dem Zettel, was dieser Verein regeln muss, daher sollten wir erst einmal dafür sorgen dass wir drin bleiben. Und dafür werde ich mich reinhauen, mit allem, was ich habe. Nichts sonst zählt jetzt.“

Außer die personelle Situation vor dem Augsburg-Spiel. Und da sollen der eine und der andere zuletzt Verletzte zurückkommen. Milan Badelj beispielsweise, der wie erwartet wieder voll mittrainieren konnte, soll und dürfte im Normalfall gegen Augsburg im Team stehen. Ebenso wie Heiko Westermann. Der Abwehrmann drehte am Dienstag zwar gemeinsam mit Athletiktrainer Markus Günther und Mannschaftskapitän Rafael van der Vaart an der Imtech Arena seine Runden. Aber während es sich bei Westermann um eine reine Vorsichtsmaßnahme handelte, steigert van der Vaart nach seiner Wadenzerrung langsam die Belastung. Der Niederländer wird weiter zudem intensiv behandelt und will im Laufe der Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Johan Djourou fällt indes mit einem Muskelfaserriss voraussichtlich weiter aus – Pierre-Michel Lasogga ganz sicher.

Eine erste Entscheidung hat auch die DFL getroffen. Alle Klubs haben vorerst die Lizenz erhalten – einige davon mit Auflagen. Bei 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten ist es kein Wunder, dass der HSV zu Letztgenannten gehört. Die Hamburger müssen jetzt den Beweis antreten, dass sie ihre Liquidität für die kommende Saison gewährleisten können.

Dabei dreht es sich darum, dass der HSV in seinem Finanzplan zur neuen Saison bei den TV-Einnahmen mit Tabellenplatz 16 kalkulieren muss. Bislang war Platz neun budgetiert. Pro Tabellenplatz niedriger, so die Rechenformel, verliert der HSV eine Million Euro. Sollte der HSV also erneut Rang neun budgetiert haben, müsste man rund sieben Millionen Euro auf anderer Seite mehr einnehmen. Am 28. Mai erfolgt dann die finale Entscheidung durch den Lizenzierungsausschuss über die Bedingungserfüllung und die endgültige Vergabe der Lizenzen. Carl Jarchow, Vorstandsvorsitzender des HSV, sagte via Klub-Homepage: „Wir werden die Bedingungen für den Erhalt der Lizenz innerhalb der vorgegebenen Frist erfüllen.“

Na dann.

Klar ist, dass der HSV finanziell weiter massive Probleme hat. Für einen Abstieg sollen die Auflagen sogar noch höher sein. Dem Vernehmen nach müsste der HSV in dem Fall sogar einen Transferüberschuss von rund zehn Millionen Euro nachweisen. Leider wollte sich vom HSV dazu bislang niemand äußern.

Aber vielleicht ja morgen. Da wird übrigens zweimal trainiert. Einmal um zehn Uhr auf dem Platz, nachmittags dann im Kraftraum. Und im Abspann findet Ihr noch eine Nachricht von unserem Blogger „Lars49“, der uns bat, dies noch mal zur Klärung etwaiger Missverständnisse hier reinzustellen.

Scholle

Lars49:
Auf der MV am25.5. wird HSVPLUS weit vorne auf der Tagesordnung stehen und abgestimmt werden.
Vorher wird wohl nur der Vertagungsantrag behandelt werden. Und der wird genauso wie auf der MV am 19.1. abgelehnt – ein guter Stimmungstest für die nachfolgende Abstimmung über HSVPLUS.
Die Abstimmung über den Aufsichtsrat der AG wird ebenso frühzeitig direkt im Zusammenhang mit HSVPLUS erfolgen.
Damit werden sich etliche Anträge von selbst erledigen oder zurückgezogen. Insofern braucht niemand vor der großen Anzahl der Anträge erschrecken. Ich bezweifle sogar, dass es noch zu einer Nachwahl in den AR des HSV e.V. kommt, wenn HSVPLUS durch ist. Die Amtszeit endet dann nämlich mit der Eintragung der neuen Satzung im Vereinsregister, also wohl einpaar Wochen nach dem 25.5.
Außerdem wird es Initiativen geben, den Ablauf der MV zu straffen und effektiv zu gestalten.
Ich habe meinen Antrag zur Stimmrechtsübertragung gestellt. Der Text kommt in den Blog, wenn ich wieder am PC sitze.
Im Übrigen ist seit heute die Kandidatenvorstellung für die Nachwahl des Delegierten zum Aufsichtsrat der Supporters auf der Homepage des Supporters Club zu sehen (www.hsv-sc.de Abteilungsversammlung).

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