Archiv für das Tag 'Mancienne'

Mirko Slomka: „Ich spüre Spaß und Freude“

23. Juli 2014

Gewartet habe ich ja schon lange drauf, aber jetzt geht es (endlich?) los: neue Spieler braucht der Club. Täglich werden neue Namen für den HSV gehandelt, und das ist ja auch völlig normal. Oder? Diese Transferperiode läuft noch bis zum 2. September, es fließt also noch viel, sehr viel Wasser die Elbe rauf und runter, und Spieler-Namen gibt es bis zu diesem Tag auch reichlich. Selbst für den HSV, der ja eigentlich kein Geld hat. Immer wieder liest und hört man das, obwohl es bei den Rothosen ja auch solche schlauen Leute gibt (oder gab?), die von wirtschaftlichen Schwierigkeiten nie etwas wissen wollten. Und ganz früher, bei Matz ab erinnern wir uns genau, gab es ja die ganz, ganz Schlauen, die uns immer vorrechneten, dass da noch 20 Millionen für Nigel de Jong, 15 Millionen für Rafael van der Vaart, 12,5 Millionen für Vincent Kompany und 13 Millionen für Khalid Boulahrouz offen seien müssen . . . Oh man, was waren das für Zeiten. Inzwischen sind diese Jungs, die sich in Sachen HSV-Finanzen so super auskannten, wohl alle geheilt, oder?

Dennoch: Nun gibt es sie beinahe täglich, die Hiobsbotschaften, dass der HSV finanziell aus dem letzten Loch pfeift. Am Ende dieses Artikels habe ich eine heutige Agentur-Meldung reingestellt.
Allerdings, das muss man dann auch mal sagen, ist es dann doch nicht so grausam um den Club bestellt, dass er sich keinen einzigen neuen Spieler mehr wird erlauben können. Es wird schon noch, keine Angst, der HSV wird sich auch zu dieser neuen Saison noch verstärken – er hat es doch eigentlich immer getan. Oder, um es ehrlicher zu schreiben, immer versucht. Und, dazu fällt mir gerade jetzt das Gespräch von der Mittagspause ein, das wir im Kollegenkreis führten: Wie konnte es eigentlich dazu kommen, dass ein Mann wie Michael Mancienne, der nun in Englands zweiter Liga spielen wird, zwei Millionen im Jahr verdient – beim HSV? Ein Viertel dieser Summe hätte es bestimmt auch getan, aber der HSV hatte es ja. Und gab es mit vollen Händen – zur Freude von jenen Leuten, die seit Jahren sagen, dass in dieser Bundesliga zu viele Durchschnitts-Fußballer viel zu gut bezahlt werden.

Nun gut, das will der HSV ja auch abstellen (schon seit einiger Zeit), und vielleicht wird es ihm sogar eines Tages gelingen. Das würde aber auch bedeuten, dass noch einige Durchschnitts-Fußballer, die viel zu gut beim HSV verdienen, vor die Tür gesetzt werden. Ob das in diesem Jahr schon gelingt, ist fraglich, aber spätestens im nächsten Sommer darf von einer Säuberungswelle geschrieben werden. Dann laufen elf Verträge aus.

Egal, wir leben hier und jetzt, und da werden neue Spieler benötigt. Einige HSV-Fans verlieren langsam die Geduld (oder haben sie schon verloren), aber ich kann immer wieder nur betonen: „Das wird noch, keine Panik!“ Und wenn ich so meine Kollegen lese, dann wird ja auch schon fleißig verhandelt. Wenn ich mal zusammenfassen darf: Hiroshi Kiyotake kommt vom 1. FC Nürnberg, Valon Behrami vom SSC Neapel, Daniel van Buyten vom FC Bayern. Und das ist erst der Anfang. Da kommen noch viele, viele Spieler mehr. Um von mir werden dann auch noch sehr gerne zwei Namen ins Rennen geschickt: Nikica Jelavic kommt von Hull City, und der Däne Nicklas Bendtner, zuletzt FC Arsenal und nun vereinslos, kommt ebenfalls. Was wäre das für ein Sturm-Duo: Bendter, 1,94 Meter groß und ein Bär, neben dem anderen Bären, den der HSV nun schon unter Vertrag genommen hat: Pierre-Michel Lasogga! Die könnten nur noch von einer Herde von Büffeln gestoppt werden. Der HSV müsste nur den Mut haben. Und Geld natürlich. Und dann zugreifen. So einfach ist das. Wäre das.

Nein, nein, liebe Matz-abber, es werden noch Namen hier gespielt, da werden wir alle noch gewaltig ins Schwitzen geraten. Wobei das mit dem Namen van Buyten bestimmt schon geschehen ist, denn der Belgier war nach seinem Abgang im Jahre 2006 zur Persona non grata in Hamburg erklärt worden – von den HSV-Fans. Ob diejenigen nun plötzlich hosianna schreien? Und ob sie alle Pfiffe, die es sei diesem Wechsel gegen van Buyten gegeben hat, nun ganz spontan zurücknehmen? Ich glaube eher nicht. Aber noch ist er ja auch nicht da, der gute Daniel, gemach, gemach.

Immerhin gibt es hinter den Kulissen beim HSV aber weiterhin viel Bewegung – in Sachen Verstärkungen. Das möchte ich jedem Skeptiker versichern. Meinem Kollegen Alexander Laux gegenüber wollte Aufsichtsrats-Chef Karl Gernandt aus AG-rechtlichen Gründen keine Angabe machen zum Etat machen, sagte aber: „Wir schauen uns jede Menge personelle Optionen aus sportlichen Gesichtspunkten an, die wir auch jeweils für finanzierbar halten.” Und: „Es ist falsch, dass wir handlungsunfähig sind.”

Zum Sportlichen:

Trainer Mirko Slomka hatte zum Test in Niendorf gleich zwei Mannschaften auf den Rasen geschickt, die je 3:0 gegen den Oberliga-Club gewann, ob der Coach aber mit dem Gezeigten zufrieden war, das war nicht genau zu entschlüsseln. Slomka eilt der Ruf voraus, dass er auch bei solcher Art Spielen keinen Schlendrian duldet, dass er bei Minus-Leistungen ganz schnell mal auf 180 ist – diesmal aber blieb er, jedenfalls äußerlich, total gelassen. „Wir sind mitten in der Vorbereitung, das war uns anzusehen, wir haben noch viel zu tun“, sagte der Trainer. Und: „Am Wochenende geht es im Telekom-Cup gegen direkte Konkurrenz, da wird man dann auch spüren und sehen können, ob wir vorne eiskalt sind, solche Chancen, wie wir sie gegen Niendorf hatten, dann auch nutzen. Das muss man, denn sonst kassiert man ein Gegentor und läuft wieder hinterher, und das haben wir letzte Saison oft genug gehabt.“

In Sachen Vorbereitung aber hatte der HSV ja sehr früh, und zwar schon am 18. Juni, als erster Club von allen Erstliga-Vereinen, losgelegt. Müsste das Team da nicht schon etwas weiter sein? Mirko Slomka: „Wir haben ein paar Tage hinter uns, das ist richtig, wir hatten dann auch die Gelegenheit, eine Pause einzustreuen, das hat der Mannschaft auch sehr gut getan. Wir mussten diese Pause machen, weil uns die China-Reise körperlich doch einiges abverlangt hat, und jetzt spüre ich bei der Mannschaft eine ganz andere Frische. Ich spüre Spaß und Freunde, wieder dabei zu sein. Jetzt geben wir richtig Gas.“ Wie schon zu Anfang Juli. Slomka erklärt: „Ich habe das schon erwähnt; wir haben die ersten drei Wochen genutzt, um eine gute Grundlage zu legen, einige müssen noch etwas nachholen, und ansonsten werden wir die Intensität auch weiterhin erhöhen. Ich glaube, das hat man auch heute gesehen, wir haben ein wenig schwere Beine gehabt, es sind einige noch nicht so spritzig, das ist auch normal. Aber daran werden wir nun im Trainingslager arbeiten. Es wird da immer eine Mischung aus Taktik-Training und auch sehr athletischen Übungen geben.“

Und wie steht es um Verstärkungen, Herr Slomka? Gibt es da Bewegung? Der Coach sucht nach Worten: „Grundsätzlich habe ich jetzt mal den Fokus auf die Spieler und das Team, was mir jetzt gerade zur Verfügung steht. Das ist, glaube ich mal, jetzt wichtig. Ich will dazu auch raten, dass die Spieler sich auf ihre Aufgaben konzentrieren und nicht noch irgendwelche Neuzugänge fordern.“ Das ging an die Adresse von Johan Djourou, der ja öffentlich noch einige neue Spieler gefordert hatte. Slomka weiter: „Wenn das gefordert wird, dann heißt das für mich, dass sie selber nicht gut genug sind – deswegen würde ich da immer auch Geduld haben.“

Dann erklärt der Trainer für sich „Ich habe ohnehin Geduld, weil ich weiß, was wir im Hintergrund tun. Wir haben gewisse Dinge festgelegt, wir sind in guten Absprachen, wir sind in Verhandlungen mit Spielern und Clubs, und ich glaube schon, dass wir unsere Vorstellungen beizeiten auch umsetzen können. Aber es macht jetzt keinen Sinn, mit Zeitdruck zu operieren, oder die Schraube anzuziehen. Das würde nur dazu führen, dass die Spieler möglicherweise teurer werden, und das ist ja auch nicht unser Aspekt, den wir gerne hätten. Wir wollen vernünftig verhandeln, wir wollen fair verhandeln, wir wollen korrekt sein auch in der Auswahl unserer Spieler, wir haben unsere Auswahl getroffen, mehr oder weniger, insofern gehe ich davon aus, dass wir unsere Vorstellungen auch umsetzen werden.“
Ich gehe davon auch aus. Ohne Frage.

Der Telekom-Cup wird vielleicht schon richtungsweisend sein. Obwohl Sonnabend-Gegner (oder hochtrabend: Halbfinal-Gegner) VfL Wolfsburg sicherlich noch arg ersatzgeschwächt auflaufen wird, denn die Niedersachsen hatten sieben WM-Fahrer (die noch im Urlaub sind, auf jeden Fall aber noch ohne die rechte Fitness). Mirko Slomka. „Jeder Verein, der am Wochenende dabei ist, möchte den Cup gewinnen, das möchten wir natürlich auch. Wir möchten ins Finale, das möchten wir unseren Fans bieten, das möchten wir unseren Fans zeigen, und ich glaube, das wäre auch für unsere Motivation klasse, wenn wir das schaffen würden. Wir werden alles dransetzen, Erfolg zu haben, das heißt aber nicht, dass wir es auch schaffen – das wollen die anderen Clubs natürlich auch.“ Selbstverständlich. Wobei ich auf die Bayern gespannt bin, die ja noch ohne Weltmeister in den Volkspark kommen werden.

Hier noch die anfangs versprochene Agentur-Meldung:

Hamburg (dpa/lno) – Der hoch verschuldete Fußball-Bundesligist Hamburger SV muss mit erheblichen Einbußen für die neue Saison auf den VIP-Plätzen rechnen. Rund vier Wochen vor dem Saisonbeginn seien etwa die Hälfte der Plätze im teuersten Segment der insgesamt 4300 Tickets nicht verkauft, berichtet die „Bild“-Zeitung. Zwar sollten bis zum ersten Heimspiel am 30. August gegen Aufsteiger Paderborn noch VIP-Sitze verkauft werden, beschlossen sei aber schon, dass Teile des Bereichs komplett geschlossen werden. Zudem werde das Stadionrestaurant Raute an Spieltagen nicht mehr geöffnet. Auch der Telekom-Cup am Wochenende mit Bayern München, Borussia Mönchengladbach, Wolfsburg und Ausrichter HSV ist kein Publikumsrenner. Etwa 25 000 Karten sind für die Halbfinal-Spiele am Sonnabend abgesetzt worden.

So, das war es für heute. Morgen, am Donnerstag, wird im Volkspark zweimal geübt – 10 und 15.30 Uhr.

17.52 Uhr

Dieter

Mancienne auf dem Weg nach Nottingham

16. Juli 2014

Der HSV ordnet sich neu. Oder besser: Didi ordnet ihn neu. Oliver Kreuzer ist nicht mehr Sportchef, ein neuer Verantwortlicher „Direktor Profifußball“ wird gesucht. Bernhard Peters übernimmt ab 1. August als „Direktor Sport“ die konzeptionelle Verantwortung über alle fußballerischen Entwicklungen beim Dino der Bundesliga von der Jugend bis nach oben.

Die Entscheidung für den Strategen Peters kann als Richtung weisend verstanden werden. Jahrelang herrschte draußen in Norderstedt Flickschusterei. Die Chefs des Nachwuchszentrums wechselten viel zu häufig, immer wieder gab es eine andere Strategie – oder der Posten wurde mit Personen besetzt, die dafür eigentlich gar nicht geeignet waren. Bastian Reinhardt bekam die Verantwortung für Norderstedt, nachdem sein Sportchef-Diskurs gescheitert war. Michael Schröder hat das Amt im Moment inne, er kennt den HSV und den Fußballmarkt aus dem „effeff“, hat seine Stärken in der Sichtung. Ein Stratege wie Bernhard Peters ist er jedoch wahrscheinlich nicht.

Es gibt nicht wenige HSVer, die die Nachwuchsarbeit der vergangenen Jahre genau beobachtet haben, die den Schweizer Paul Meier für den besten Mann auf dieser Position gehalten haben. Doch auch diese Vertragskonstruktion hatte ihre Fehler. Meier war am Wochenende selten in Hamburg, so dass er die Nachwuchsteams viel zu selten im Wettkampf beobachten konnte. Unter Sportchef Frank Arnesen schließlich wurde die Jugend viel zu sehr vernachlässigt. Die Folge: Eine Reihe guter Trainer haben den HSV im Laufe der Jahre verlassen, die Spieler wurden nicht mehr so gut gefördert, wie es erforderlich gewesen wäre usw.

Oliver Kreuzer schließlich, der zuletzt als Sportchef auch für die Jugend verantwortlich war, konnte sich diesem Thema wegen tausender anderer Baustellen nicht genügend widmen. Schuldzuweisung hin, Erklärung her: Wie der Profifußball geriet auch der Nachwuchsbereich beim HSV in eine Abwärtsspirale, die sich im schwachen Abschneiden der Aushängeschilder U 23 und U 19, die jeweils den Abstieg nur um ein Haar verhindern konnten, ausdrückt.

Nun hat Beiersdorfer also Bernhard Peters verpflichtet. Dessen Arbeit in Hoffenheim wird allgemein anerkannt. Er hat der Jugendförderung im Kraichgau in acht Jahren ein Gesicht verpasst. Und die große Hoffnung ist, dass dies auch beim HSV möglich ist. Wobei Dietmar Beiersdorfer auch ganz realistisch einen Zeitrahmen nannte. Er sprach von einem langfristigen Projekt, das sich über zwei, drei oder vier bis hin zu zehn Jahren hinziehen könnte. Tatsächlich sind die Nachwuchs-Strukturen beim HSV ja genauso weit wie der Bau des Campus: Es gibt eine Idee, eine Baugenehmigung – aber noch liegt kein einziger Stein auf dem anderen. Auf geht’s, Bernhard Peters!

Dass der 54-Jährige frühere Hockey-Bundestrainer als durchaus knorriger Typ gilt, muss nicht hinderlich sein. Was er bislang in seiner Karriere als Sport-Manager anstellte, das war erfolgreich. Wobei im Hockeysport sowieso schon weit vor dem Fußball auf internationaler Arbeit konzeptionelle Pionierarbeit geleistet wurde. Nur um ein Beispiel zu nennen, und das soll jetzt bitte nicht „hochsterilisiert“ werden: Auch beim FC Barcelona hat ein Hockey-Mann für die aktuellen Strukturen gesorgt.

Entscheidend wird natürlich sein, dass es auch im Nachwuchsbereich Anschub-Finanzierungen gibt. Aus diesem Grund war Dietmar Beiersdorfer am vergangenen Freitag auch in der Schweiz bei Klaus-Michael Kühne. Zwar verkündete Beiersdorfer anschließend, man sei im Gespräch, es sei jedoch noch keine endgültige Entscheidung über Form und Umfang der Kühne-Unterstützung gefallen. Dass Kühne aber nach wie vor nachhaltig mit eingebunden werden soll (und muss) in den neuen HSV, das ist klar.

Über die aktuellen personellen Entwicklungen auf Führungs-Ebene hat Scholle Euch in den vergangenen Tagen auf dem Laufenden gehalten. Carl Jarchow und Joachim Hilke behalten (vorerst) in der AG ihre Vorstands-Positionen, wobei sich die Frage stellt, warum im Fall Hilke der Verbleib im Amt nicht gleich mit einer Vertragsverlängerung verbunden wurde. Klar, sein Kontrakt läuft noch ein Jahr, aber die Spekulationen, nach denen insgeheim ein anderer Finanz-Fachmann im HSV-Vorstand gesucht wird, die gibt es nun schon seit Wochen. Machen wir es wie auch bei den Personalien Kreuzer und Peters – warten wir auf handfeste Entscheidungen.

Was nun Carl Jarchow angeht, liegt der Fall sicher anders. Ihn im Vorstand zu lassen, kann getrost als taktische Entscheidung gewertet werden. Würde ihn der AG-Aufsichtsrat aus dem Vorstand abberufen, hätte Jarchow als e.V.-Präsident zunächst noch einen Sitz im AG-Aufsichtsrat sicher – und das will man ja nun irgendwie auch nicht. Irgendwann muss auch Jarchow selbst erkennen, dass er als Vorstands-Vorsitzender der vergangenen Jahre vier Mal in Folge ein deutlich negatives Bilanz-Ergebnis zu verantworten hat. In der Saison 2013/14 wird das ja wieder so sein, selbst wenn die abschließende Berechnung noch aussteht. Ich finde, ein Rücktritt würde Jarchow im Moment nicht schlecht zu Gesicht führen. Das, was ihm Karl Gernandt als Aufgabe zubilligt, nämlich sich um die verschiedenen Fan-Strömungen zu kümmern und sie zu befrieden – mehr Abschiebung in die Bedeutungslosigkeit geht doch kaum.

Kein wirkliches formales Hindernis war die Demission Oliver Kreuzers. Dietmar Beiersdorfer hat Kreuzer die Entscheidung, wie bekannt, am Montag mitgeteilt. Er begründete den Schritt mit der geplanten „Neuausrichtung im sportlichen Bereich“. So weit, so gut. Oliver Kreuzer musste darüber offenbar ein paar Mal schlucken und hat mir heute noch einmal gesagt, dass er schon ziemlich enttäuscht ist: „Ich bin enttäuscht vor allem über den Zeitpunkt der Entscheidung, denn ich habe geglaubt, dass es eine gemeinsame Zukunft gibt. Ich hätte gern für den HSV weiter gearbeitet. Für mich war es nicht im Ansatz zu spüren, dass es zwischen Dietmar Beiersdorfer und mir nicht passt. Aber im Fußball muss man Entscheidungen akzeptieren. Das tue ich.“

Offenbar hatte es am Wochenende noch einen langen sportlichen Gipfel beim HSV gegeben, an dem Beiersdorfer und Kreuzer auch gemeinsam teilgenommen hatten, am Montag wurde die Zusammenarbeit dann beendet.

Soweit zur Vergangenheit. (Frage mich gerade, was wohl mit dem neuen U-23-Trainer Josef Zinnbauer wird, den Kreuzer ja geholt hat – wir werden abwarten müssen…)

Kommen wir zur Gegenwart und dieser Meldung (dpa):

Fußball-Profi Michael Mancienne vom Hamburger SV steht laut Medienberichten vor einem Wechsel zum englischen Zweitligisten Nottingham Forest. Nach übereinstimmenden Informationen der Zeitungen «Nottingham Post» und «Telegraph» hielt sich der 26 Jahre alte Abwehrspieler am Mittwoch zu medizinischen Untersuchungen in Nottingham auf. Demnach soll Mancienne, der beim HSV meist nicht über die Rolle eines Edelreservisten hinausgekommen war, seinem Noch-Club umgerechnet rund 1,8 Millionen Euro Ablöse einbringen. Bei Nottingham Forest soll er einen Vierjahresvertrag erhalten.

Alles Gute, Michael, wenn der Wechsel klappt. Klar, mit knapp zwei Millionen Euro Jahresgage ist er dem HSV zu teuer. Aber er hat sich hier immer professionell verhalten, auch als er ausgemustert war, und auf Michael Mancienne war im Abstiegskampf Verlass, als er wieder gebraucht wurde.

Neues von Klaus Meetz: Der Ex-Volleyballstar des HSV und Vereins-Ehrenmitglied ist weiter aktiv. Bekanntlich hatte er ein Ermittlungsverfahren gegen die drei Richter beantragt, die die Eintragung der HSV AG ins Handelsregister bearbeitet haben – dafür hat die Staatsanwaltschaft nun ein Aktenzeichen eingerichtet und das heißt, dass das Verfahren eröffnet wurde. Darüber hinaus hat Meetz übrigens auch einen Brief an Bürgermeister Olaf Scholz und die Justizsenatorin Jana Schiedek geschrieben. Auch hier geht es um angebliches Fehlverhalten von Richtern und Strafanträge, die er stellen möchte – und zwar gegen Scholz und Frau Schiedek.

Mit dieser Nachricht schließe ich für heute.
Grüße von Lars

**ERGÄNZT** Vom Warten auf Lasogga, Skjelbreds Verletzung und Calhanoglus Paralleluniversum

2. Juli 2014

***Vorweg: Nachdem ich jetzt die ersten Posts gelesen habe, bitte ich Euch um eine Sache: Es ging mir in dem Teil mit der Nationalelf nur darum, Euch zu zeigen, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Damit wollte ich aber keinerlei Spekulationen lostreten, dass beispielsweise ein Götze intern Stunk macht oder ähnliches. Ich weiß nichts über Ärger in der Nationalelf. Ich habe nur erzählt bekommen, wie sich einige Spieler nach außen geben. Und das ist nicht besser, als sonstwo in der Bundesliga. Also , daher meine große Bitte an Euch: Das Letzte, was ich will, ist, dass wir jetzt die Nationalelf in eine interne Krise spekulieren. Dafür bin und bleibe ich (zum Glück!) auch viel zu weit weg, als dass ich das tatsächlich beurteilen könnte. Ich bin froh, hier einmal ganz easy auf Fan machen zu können und will mich am Ende darüber freuen, dass wir alle zusammen Weltmeister geworden sind. Wie, ist mir dabei erst einmal egal…!***

Wäre nicht der zwischenzeitliche Feueralarm bei uns im Haus gewesen – es wäre wahrscheinlich einer der ruhigsten Tage seit Ewigkeiten geworden. Die Mannschaft trainierte nur innen, bevor es am frühen Nachmittag mit dem Bus gen Horst ging (Spielbericht folgt). Zudem war an der Transferfront heute unspektakulär. Soll heißen: Der Lasogga-Transfer wurde formell eingeleitet. Dafür musste der amtierende Vorstand eine Beschlussvorlage beim noch amtierenden Aufsichtsrat des e.V. einreichen. Die Kontrolleure nicken das Gesamtpaket (acht Millionen Euro Ablöse zuzüglich Erfolgsprämien und drei Millionen per annum für vier Jahre) heute Abend – davon ist auszugehen – nur noch ab.

Unspektakulär?

Mitnichten. Denn dieser Transfer bietet viele interessante Denkansätze. Zuerst natürlich die neue Kooperation zwischen dem Speditionsmilliardär Klaus Michael Kühne und dem HSV. Die sollte eigentlich erst mit der Eintragung der AG beginnen, die ja (Klaus Meetz lässt grüßen) aus bekannten Gründen aufgeschoben ist. Nun wurde sie, also die finanzielle Unterstützung Kühnes dank der ausdauernden Überzeugungsarbeit Gernandts bei seinem Chef, notwendigerweise vorgezogen. Und pikanterweise kommt das Kühne-Geld zunächst dem e.V. zugute. Obgleich es später umgewandelt werden soll (muss) auf die AG.


Insgesamt ist dieser Transfer also faktisch noch in den alten Strukturen entstanden – obgleich mit Dietmar Beiersdorfer ein Neuer dabei eine ganz wesentliche Rolle in den Verhandlungen mit der Hertha übernommen hat. Zuvor, das stellen die Verantwortlichen sowie Mutter und Managerin Lasogga auch gern heraus, hatte Oliver Kreuzer viel Überzeugungsarbeit geleistet, ehe er mit Hertha-Manager Michael Preetz aneinandergeriet und Beiersdorfer den Part übernahm. „Good guy – bad guy“ sozusagen – aber auf jeden Fall ein gelungenes Teamwork. Dass dies demnächst anders aussehen wird, scheint zwar nur noch davon abzuhängen, wie die Sportchefsuche von Beiersdorfer voranschreitet. Bislang konnte der designierte Klubboss jedoch noch keine Einigung mit seinem Wunschkandidaten Peter Knäbel erzielen.

Aber, für alle Kreuzer_Kritiker, die sich jetzt die Hände reiben: Jetzt an dieser Stelle wild über derart unentschiedene Personalien wie die Zukunft Kreuzers beim HSV zu spekulieren, halte ich für unmoralisch. Letztlich, obgleich alle aktuellen Vorstände auf Hart mimen, stört es sie dennoch, wenn sie denn irgendwann nicht mehr gewollt sind. Trotz der winkenden Abfindungen. Ego ist das Stichwort.

Auch bei Lasogga. Denn der Angreifer hat sich letztlich auch wegen der hohen Wertschätzung in Hamburg für den HSV entschieden. Dass Herthas Trainer Luhukay deutlich machte, einen anderen Stürmertypen zu bevorzugen hat das Ganze dann zusätzlich in die richtige Richtung – nämlich zu uns – befeuert. Und da Lasogga seinen Medizincheck im UKE heute problemlos bestanden hat, dürfte es nur noch eine Frage von Stunden sein, wann der Fan-Liebling offiziell präsentiert wird. Zumal klar ist, dass Lasogga am Freitagnachmittag mit nach China fliegen soll. Auf einen Trip, der rein finanziell sinnvoll ist, wie Carl Jarchow heute erklärte. „Sportlich ist die Belastung sicher überschaubar, sodass wir da keine Bedenken haben.“

Stimmt! Am Donnerstag ist trainingsfrei, Freitag ebenfalls, weil Reisetag. Am Sonnabend ist Ausspannen nach den Reisestrapazen und dem Jetlag angedacht, ehe es erst am Sonntag wieder auf den Platz geht. Zwei Testspiele stehen in China auf dem Programm – wofür der HSV am Ende rund 500.000 Euro einstreichen soll. Und wenn sich nicht wieder jemand schwer verletzt, soll es uns doch recht sein. Die Woche nach China ist wieder frei für die Spieler, die sich mit insgesamt acht Wochen eh mindestens zwei Wochen länger vorbereiten als der Rest der Bundesliga.

In Sachen Sechser ist der HSV aktuell weder in Sachen Ver- noch in Sachen Einkauf einen Schritt weiter. Ebensowenig bei Ostrzolek, wo sich die Verhandlungspositionen festgefahren haben sollen, wie man hört. Augsburg beharrt jetzt auf drei Millionen Euro, der HSV auf zwei Millionen. Und Per Skjelbred ist auch weiterhin beim HSV. Und er spielt sehr gut. In Horst allerdings nur bis zur 20. Minute, ehe ihn Fußprobleme zum Aufgeben zwangen (Die Statistik und besondere Vorkommnisse des Spiels werde ich nachher hier noch ans Textende reinstellen).

Und dann erlaubt mir noch ein Wort zur WM. Nicht zu den Bestechungsvorwürfen gegen Kameruns Nationalmannschaft, die auch so gegen die Kroaten vergeigt hätte. Vielmehr kann ich jetzt nachvollziehen, warum hier der eine oder andere Blogger grundsätzlich pöbelt, wenn kritisch berichtet wird. Ich weiß nicht, wer von Euch den taz-Artikel über Löw und Co. gelesen hat, indem am Beispiel das Mertesacker-Interviews dem DFB-Tross bockloses und divenhaftes Allgemeinverhalten nachgesagt wird. Aber ich für meinen Teil war zunächst einmal sauer, weil ich den Trend des zu negativen Berichtens bei der Nationalelf sehr wohl erkannt haben wollte und etwas gefährdet sah, was eigentlich recht erfolgreich funktioniert. Aber beim zweiten Blick – und nach einigen Telefonaten mit Nationalelf-Reportern – wurde mir klar, dass auch dort nichts so ist, wie es scheint. Manches ist ähnlich – aber vieles eben auch nicht. Und einiges, was ich erfahren habe, hätte ich lieber nicht gewusst.

Das ist nicht anders als beim HSV. Da stand ich früher mit der Dauerkarte in der Tasche, einer aufgemalten Raute auf der Wange und in Vollausstattung (Kutte, Trikot, Schals in den Gürtelhaltern, Fahne – manchmal im doppelten Sinne) im Block E/F, immer so halbe Höhe. Fanatisch jubelnd, manchmal auch pöbelnd aber durchweg anfeuernd. Bis ich HSV-Reporter wurde. Und was am Anfang noch ganz aufregend war, weil man plötzlich die ganzen Interna und Spieler kennenlernte, weil man vieles mitbekam, worüber nie gesprochen und geschrieben wurde – all das entpuppte sich schnell als desillusionierend. Da war nicht mehr viel von dem Teamdenken, das ich aus meinen Mannschaften kannte und beim HSV hineininterpretiert hatte. Da war nicht viel Stolz auf den Verein bei den Spielern zu hören und zu sehen. Nein, das waren alles Ich-AG’s, die mehr oder weniger gut zusammen funktionierten. Und diese Erfahrung war tatsächlich sehr lehrreich – aber bittersüß, weil sie in mir das eine oder andere Ideal zerstörte.

So viel zum Thema „Ich sehe, was ich sehen will. Und das ist die Wahrheit“. Und bitte, versteht das jetzt nicht als Vorwurf an die Seher in diesem Blogforum! Schließlich habe ich genau diesen Modus in Sachen Nationalelf schnell wieder eingeschaltet. Trotz Löws Verbohrtheit in Sachen Philipp Lahm glaube ich an die Mannschaft und die Möglichkeit, den Titel zu holen. Zumal die WM als Fan ansonsten doch auch keinen Spaß machen würde. Und das gilt für alles, wovon frau/man Fan ist. Aber das kann ich natürlich so nicht machen, wenn ich über den HSV berichte.

Ach ja, apropos eigene Welt – tauchen wir doch noch mal kurz ab in die von Hakan Calhanoglu. Wie jetzt bekannt wurde, scheinen die Bayer-Verantwortlichen die wiederholten Absagen des HSV langsam doch ernster zu nehmen. Denn der Werksklub sichtet schon Alternativen für den Fall, dass Calhanoglu nicht kommt. Im Visier ist laut „Sport Bild“ der französische Nationalspieler Clément Grenier. „Der Spieler ist uns natürlich bekannt, er hat große Qualitäten, die ihn sicherlich für viele Clubs interessant machen”, teilte ein Bayer-Sprecher mit. Es sei ein normaler Vorgang, dass im Rahmen „eines hakenden Transfers“ wie im Fall Calhanoglu schnell andere Namen diskutiert würden. Spielmacher Grenier, der bis 2016 bei Olympique Lyon unter Vertrag steht, soll schätzungsweise rund zehn Millionen Euro Ablöse kosten. Viel Glück dabei, mein „aber-sowas-von-Ex“-Idol Ruuuuuudi. Ach ja, und das Gerücht, Bayer hätte das Angebot für den HSV-Youngster auf 16 Millionen erhöht – wurde umgehend dementiert. Schade eigentlich – sie wären schon fast dran an der Schmerzgrenze…..

In diesem Sinne, bis morgen. Dann hoffentlich mit nem 50-Millionen-Angebot und hoffentlich schon der Präsentation von „PML“.

Scholle

VfR Horst (SH-Liga) – HSV 0:15
Tore: Cigerci (35.), 3:0 Stieber (42.), 4:0 van der Vaart (45), 5:0 Demirbay (50.), 6:0 Cigeri (52.), 7:0 Stieber (56.), 8:0 Demirbay (58.), 9:0 Arslan (61.), 10:0 Cigerci (63.), 11:0 Stieber (78.), 12:0 Demirbay (58.), 13:0 Steinmann (84.), 14:0 Cigerci (90.), 0:15 Cigerci (90.+6)
HSV: Brunst (46. Kreidl) – Mancienne, Westermann, Kacar (46. Diekmeier), Jiracek – Jung (46. Steinmann), Skjelbred (22. Demirbay) – Stieber, van der Vaart (46. Arslan), Ilicevic (46. Derflinger) – Cigerci.
Zuschauer: 2500

Herrlich – endlich mal wieder nur Fußball

19. Juni 2014

Das ist doch mal eine erholsame Ausnahme: Ruhe. Keine spektakulären Interviews, keine großen Neuigkeiten in Sachen Transfers – einfach mal ein stinknormaler Trainingstag. Und eine gute Gelegenheit, den ersten neuen kennenzulernen: Zoltan Stieber.

Und der kleine Linksfuß aus der Mannschaft des Relegationsgegners Greuther Fürth ist zuallererst: sehr sympathisch. Ein bodenständiger Typ – allerdings auch noch neu im „Big Business“ des Fußballs und von daher noch angenehm unverdorben. „Ich komme gerade an und will alles kennenlernen, um es beurteilen zu können“, sagt Stieber, der sich selbst schon Vorurteilen ausgesetzt sah, ehe er überhaupt in Hamburg angekommen war. „Darüber habe ich mit dem Trainer gesprochen und das ist alles geklärt“, sagt Stieber und lächelt, „die Hauptsache ist ja auch, dass der Trainer mir vertraut.“

Und das tut Slomka, der sich zusammen mit Kreuzer um den Transfer des 25-jährigen Ungarn gekümmert hatte. Und ganz ehrlich, bei der Frage, ob er die kurze Diskussion nach seiner Verpflichtung mitbekommen habe, tat er mir kurz leid. Das klingt überheblich, ich meine es allerdings nur nett. Denn plötzlich stand der laut Transfermarkt.de 1,75 (ich glaube ehrlich gesagt, der ist kürzer…) Meter große linke Mittelfeldspieler da und wusste gar nicht, warum er sich erklären muss. Denn falsch gemacht hat er nichts. Er hat gegen den HSV in beiden Relegationsspielen gut gespielt und sich nicht zuletzt ob des Passes zum 1:1 für Fürth jedem Verdacht entzogen, nicht bis zum Schluss alles für seinen alten Klub gegeben zu haben. Und auch im Training gefällt mir Stieber bislang. Er ist naturgemäß noch etwas zurückhaltender als er sein muss – aber immer wieder lässt der Techniker sein Können aufblitzen. Heute unter anderem mit einem überlegten Lupfer im Trainingsspiel gegen den überraschten Jaroslav Drobny.

„Zoltan hat Tempo und geht ins Eins gegen eins“, erklärt Sportchef Oliver Kreuzer die Vorteile des Neuen Flügelflitzers mit Potenzial, der auf der Außenbahn dem heute im Training bärenstärken Ivo Ilicevic sowie dem krank geschriebenen Hakan Calhanoglu Druck machen soll. Dass Stieber nicht der Königstransfer ist, ist klar. Das weiß er auch selbst. Und der ungarische Nationalspieler schätzt sich und seine Situation erfrischend realistisch ein: „Ich bin neu, habe einen großen Klub und eine tolle, neue, starke Liga vor mir. Ich bin weit davon entfernt, mir jetzt schon große Ziele zu setzen. Ich gehe jetzt Schritt für Schritt, trainiere hart, gebe alles und hoffe, am Ende dem Verein damit helfen zu können und möglichst viel zu spielen. Alles andere, was mich betrifft, kommt dann doch von allein.“ Stimmt.

Stieber-Interview vom 19. Juni 2014

Wohltuende Worte nach dem unsäglichen und anhaltenden Wechseltheater Hakan Calhanoglus, der sich mit Wort und Tat in Hamburg untragbar zu machen versucht und nach eigener Aussage jetzt den Anfeindungen in verschiedenen Intern-Foren mental nicht mehr gewachsen ist. „Wir unterschätzen das nicht und werden Hakan alle Hilfe anbieten, die er braucht“, hatten gestern bereits Noch-Klubboss Carl Jarchow und Slomka betont. Kreuzer stimmte heute mit ein und kündigte an, dass man versuche, Calhanoglu möglichst schnell nach Hamburg zu holen, um ihn hier von einem Neurologen untersuchen zu lassen. Dafür habe er bereits diverse Male versucht, Calhanoglu telefonisch zu erreichen. Und er versucht es weiter. Kreuzer: „Hakan bekommt die Hilfe, die er braucht, um sich hier schnellstmöglich wieder auf Fußball konzentrieren zu können.“

Nun denn. Mehr will ich zu diesem Thema auch nicht mehr schreiben, um selbst der Gefahr aus dem Weg zu gehen, dem Jungen gegenüber in irgendeiner Form politisch unkorrekt zu werden oder Gefahr zu laufen, von irgendeinem Bayer-Verantwortlichen zivilrechtlich verklagt zu werden.

Klar ist, dass der HSV in den nächsten tagen die Verhandlungen mit Hertha BSC aufnehmen wird, um Pierre Michel Lasogga an den Klub zu binden. „Wir haben bislang noch keine Gespräche geführt und noch keinerlei Zahlen ausgetauscht“, sagt Slomka, der die Verhandlungen zusammen mit dem designierten Vorstandsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer führte und weiterhin führen wird. In den nächsten Tagen dürfte das allerdings etwas schwieriger werden, da sich Herthas Manager Michael Preetz heute für zehn Tage in seinen Jahresurlaub verabschiedet. Wobei man in Berlin davon spricht, dass Hertha den Preis für seinen Stürmer nach zweierlei Maß bemessen habe: Einmal für einen Wechsel ins Ausland und einmal für einen Wechsel zum HSV, auf den Preetz offenkundig nicht besonders gut zu sprechen ist. Zum einen, weil er die Hamburger mit ein paar Verstärkungen als potenziellen Konkurrenten sieht, zum anderen, weil er mit Kreuzer über Kreuz liegt. Ein Beispiel dafür: Per Skjelbred, der noch offiziell bis zum 30. Juni an Hertha ausgeliehen ist, hatte angefragt, ob er beim HSV zum Trainingsauftakt reisen dürfe. Preetz sagt ab. Und das, obwohl Skjelbred (Stand heute) zum HSV zurückkehren wird und Hertha noch nicht einmal trainiert. Also: einfach nur, um den HSV ein wenig zu ärgern…

Und so kindisch das ist, so ernst werden die Verhandlungen um Lasogga laufen. Da bin ich mir sicher. Skjelberd sei „extern zu betrachten“ sagt Kreuzer, allerdings bin ich mir sicher, dass er in der Gesamtrechnung letztlich eine Rolle spielen wird und nach Berlin wechselt, während Lasogga in Hamburg bleibt.

Zu Lasogga soll noch eine neue Achse gefunden werden, auf die sich Kreuzer und Slomka bei ihrem ersten Austausch mit dem neuen Vorstandsboss Beiersdorfer geeinigt haben. „Wir brauchen hinten einen neuen“, so Kreuzer, der gestern den Leihdeal Sobiechs zum FC St. Pauli finalisierte und dem ein Angebot für Michael Mancienne aus England vorliegen soll. „Es kann immer noch was passieren“, sagt Kreuzer, der sich täglich mit Beiersdorfer abstimmt. Ziel ist es, eine Sofortverstärkung für die Innenverteidigerposition zu holen. Dass dafür einer der (Rajkovic, Mancienne, Westermann, Djourou, Tah und mit Abstrichen Kacar) fünfeinhalb angestellten Innenverteidiger gehen soll – eigentlich nur logisch. Allerdings bestätigt Kreuzer das nicht. Warum auch? Es würde den Preis nur senken. Und so dumm, so etwas zu sagen, ist man hier ja nicht (mehr)…

Kreuzer-Interview vom 19. Juni 2014

Zudem soll ein zentraler Mittelfeldspieler kommen, der die Spielertypen Arslan und Badelj auf der Sechs ergänzt. Soll heißen: Eine Kämpfertyp, der dazwischenhaut und trotzdem einen gepflegten Pass spielen kann. Den am besten auf die noch zu holende Offensivkraft. Oder Offensivkräfte? Denn sollte Lasogga nicht klappen oder der HSV doch noch Jacques Zoua abgeben können, soll Ersatz her. Bis dahin jedoch sucht der HSV eine „falsche Neun“, also einen spielstarken Angreifer, der auch auf der Position hinter Stoßstürmer Lasogga und/oder Rudnevs agieren kann. Der Lette jedenfalls scheint bei Slomka einen sehr guten Stand zu haben und trifft im Training – auch wenn das nicht selten sehr unkonventionell aussieht.

Allerdings ist auch klar, dass noch Spieler abgegeben werden sollen. Zum Teil auf Leihbasis (Steinmann) aber auch zum Verkauf wie bei Ivo Ilicevic. Wenn meine Informationen stimmen, hatte Kreuzer beim Einfädeln des Stieber-Transfers mit dessen Berater Volker Struth auch vereinbart, dass dieser seinen anderen Mandanten beim HSV, Ivo Ilicevic, zu verkaufen versucht. Der Kroate sei schlichtweg zu oft verletzt. Was leider stimmt. Dass dieser Verkauf furchtbar schade ist – das bewies Ilicevic heute im Trainingsspiel. Aber ein Verkauf des kroatischen Nationalspielers ist angesichts seines hohen Gehaltes und seiner fehlenden Einsatzzeiten ökonomisch schon fast alternativlos.


So, das soll es für heute gewesen sein. Endlich mal wieder ein Blog ganz ohne Provokationen von Spielern, Beratern Sponsoren, Aufsichtsräten oder dergleichen. Einfach mal wieder HSV. Fußball. Ist ein echt schönes Gefühl – irgendwie…

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen WM-Abend und bis morgen. Dann wieder mit Fußball. Hoffe ich.

Scholle

Die Abwehr – Saison-Rückblick Teil III

31. Mai 2014

Weiter geht es in Sachen Saison-Rückblick, da müssen wir durch. Auch wenn es erstens wenig Spaß macht, auf die schlechteste HSV-Spielzeit aller Zeiten zurück zu blicken, und zweitens werden so noch einige Dinge aufgefrischt, die wir eigentlich schon vergessen oder verdrängt hatten, die nun wieder gerade vernarbte Wunden wieder aufreißen. Aber es ist ersten Tradition, dass wir zurückblicken, und zweitens war es der Wunsch vieler „Matz-abber“. Das nannte man früher wohl Selbst-Kasteiung – oder so. Schrecklich genug, das alles. Zum Glück ist das Happy end aber bekannt, letztlich ging alles doch noch (halbwegs) gut aus.

So, wir kommen zur Abwehr des HSV. In 34 Spielen sagenhafte 75 Gegentore, diese Zahl macht fassungslos, und sie reicht normalerweise immer zum Abstieg – nur beim HSV nicht.

Das lag diesmal ganz sicher nicht an Nationaltorwart Rene Adler, der bis vor einem Jahr noch der Überflieger im HSV-Tor war – und dann unglaublich stark abbaute. Acht Riesen-Fehler wurden ihm in dieser Spielzeit nachgesagt, ich glaube, dass diese Zahl noch geschönt war. Adler war mit diesen acht Patzern die Nummer eins in dieser schlimmen Statistik, kein Bundesliga-Schlussmann hat mehr große Fehler gemacht. Warum auch immer das so war, kein Mensch hat eine Erklärung dafür. Wahrscheinlich auch Rene Adler selbst nicht, aber er spricht nicht drüber. Fest steht aber, dass ihm diese Patzer um den Start bei der WM in diesem Sommer gebracht haben, wahrscheinlich haben sie sogar dafür gesorgt, dass die anderen junge, sehr talentierten deutschen Torhüter (Leno, Zieler, ter Stegen, Trapp) damit an ihm vorbeigezogen sind, sodass der HSV-Keeper seine Länderspiel-Karriere wohl als beendet betrachten kann.

Für diese Saison kann Rene Adler, der 2013/14 in 30 Erstliga-Spielen dabei war, nur die Note fünf erhalten. Und diese Fünf scheint noch leicht geschönt.

Anders sieht es da bei Jaroslav Drobny aus. In vier Bundesliga-Spielen stand der Tscheche zwischen den Pfosten des HSV-Tores, aber besonders in den beiden Partien der Relegation stellte er sich in überragender Form vor – er wurde der Retter des HSV, keine Frage. Weil Drobny, der sich der (schreibenden?) Presse seit Jahren verweigert, auch als großartiger Kollege in der HSV-Mannschaft gilt, der für tolle Stimmung sorgt, der auch trotz seiner Ersatzspieler-Rolle ein überragender HSVer ist, gebührt ihm für diese Spielzeit die beste Note – eine glatte Eins.

Ohne Bundesliga-Spiel blieb in dieser Saison Sven Neuhaus, dennoch war er ein wichtiger Bestandteil dieser Mannschaft. Er gab im Training immer alles, er brachte stets eine Super-Einstellung mit in den Volkspark, er kümmerte sich um die jungen Spieler – und trat stets und überall als Vorbild-Profi auf. Deswegen gibt es für ihn die Note drei. Hat Hamburg inzwischen verlassen, weil der HSV keine Verwendung mehr für seine Nummer drei hatte. Rückkehr aber eines Tages nicht ausgeschlossen.

Lange Zeit war Dennis Diekmeier so schwer verletzt, dass er es nur auf 20 Saison-Einsätze gebracht hatte – ohne Tor. Die Leistungen waren auch durchwachsen, seine Vorstellung im Rückspiel gegen den 1. FC Nürnberg war top, blieb aber einzigartig. Diekmeier wäre für mich ein absoluter Kandidat, der von einem Einzeltraining sehr profitieren würde, aber die große Frage bleibt ja auch in der kommenden Spielzeit die, ob sich der HSV und sein Trainer Mirko Slomka zu Individual-Training „hinreißen“ lässt. Wahrscheinlich würde es helfen, wahrscheinlich würde es auch Dennis Diekmeier helfen – aber ob für so etwas tatsächlich Zeit vorhanden ist? Bis jetzt verdient sich Diekmeier die Note vier. Gerade noch.

An Heiko Westermann scheiden sich die Geister – das hat Tradition. Die Experten (nicht die Journalisten, das bitte nicht verwechseln) schätzen seinen Einsatz und seine Einstellung zum Profi-Fußball und zur Mannschaft. Viele Fans dagegen sind entsetzt über die unzähligen Patzer, die sich der (ehemalige?) Nationalspieler immer wieder mal geleistet hat. Praktisch in jedem Spiel stockte einem gewissen Teil des HSV-Anhanges der Atem, der Rest hatte sich schon dran gewöhnt. Ich, das wird niemanden überraschen, halte nach wie vor zu Heiko Westermann, weil er sich nicht nur während der 90 Minuten voll in den Dienst der Mannschaft stellt. So wie kaum ein anderer in diesem Team. Dass er in dieser Saison ganz besonders viele Stockfehler „drauf“ hatte, ist mir natürlich auch nicht entgangen, aber wie wäre es wohl gelaufen, wenn Westermann nicht, zu Saisonbeginn, bei jeder Ballberührung von den eigenen Fans ausgepfiffen worden wäre? Es kann sich vielleicht nicht jeder vorstellen, denn hier gilt ja auch der Spruch, dass nur die Harten in den Garten kommen, aber solche Fan-Aktionen können gelegentlich den selbstbewusstesten Spieler ein wenig verunsichern. Wie gesagt, hier können sich das nicht alle vorstellen, es kann aber was dran sein. Gegen Ende der 51. Bundesliga-Saison hielt Heiko Westermann, der in 30 Spielen drei Tore erzielte (dabei das Traumtor zum 2:1 gegen Leverkusen), nur deshalb durch, weil er mit Medikamenten „vollgepumpt“ war. Aber er wollte die Mannschaft in dieser schlimmen Situation nicht hängen lassen. Die 88. Minute in Fürth, das gebe ich allen meinen Kritikern zu, werde ich trotzdem bis an mein Lebensende nicht vergessen. Dieser Westermann-Fehlpass auf Azemi – unglaublich, dass der nicht zum Abstieg des HSV geführt hat. Seit dieser Szene glaube ich tatsächlich, dass dieser HSV unabsteigbar ist. Heiko Westermann erhält für seine Saison auch die Note vier – auch bei ihm gilt die Einschränkung: gerade noch.

Er war der Aufsteiger der Hinrunde, und dann gab es für Jonathan Tah einen gewaltigen Knacks in der Karriereleiter. Angeblich sollen Indiskretionen (in den Zeitungen) um seinen Vertrag dazu geführt haben, ich glaube das nicht so ganz. Für mich hatte das schon Geschmäckle, denn irgendwie hatte ich das Gefühl, dass man dem jungen Mann in diesem harten Abstiegskampf nicht so recht über den Weg traute. Schade eigentlich, denn im Herbst gehörte Tah, der es auf 16 Saisonspiel brachte, stets zu den besseren HSV-Spielern, und deswegen erhält er auch als Note eine glatte Vier.

Einer der „Verbannten“ oder „Aussortierten“ ist Michael Mancienne, der seine Rolle stets klaglos gespielt hat – von ihm gab es kein Aufbegehren, keine verbalen Entgleisungen – nichts, null. Vorbildlich. Mancienne trainierte eisern und ohne zu resignieren, und er wartete geduldig auf seine Chance – obwohl es gelegentlich immer weiter nach unten ging. Wie er das durchgestanden hat, das wird wohl sein Geheimnis bleiben, aber er hat sich durchgebissen. Hut ab! Dass er zuletzt (in immerhin noch zwölf Einsätzen) oft auch eine Stütze des Teams geworden ist, das spricht ebenfalls für ihn, deswegen auch für den Engländer die glatte Vier.

Zu Beginn seiner Hamburger Zeit blieb Johan Djourou fast alles schuldig. Er stand bei Arsenal London unter Vertrag, aber das war nicht zu sehen. Völlig ohne Selbstvertrauen stolperte der Schweizer in den ersten Spielen für den HSV über den Rasen, er war was weitaus größere Risiko als Nebenmann Westermann. Djourou, der 22 undesliga-Einsätze für den HSV schaffte, galt schon fast als Fehleinkauf, bis Mirko Slomka kam. Seit dieser Zeit sehen wir den wahren Johan Djourou, er ist jetzt schon fast ein „Mister Zuverlässig“ geworden – so darf er weitermachen. Deswegen auch für ihn, selbst auf die Gefahr hin, dass es langweilig wird – Note vier. Weil er sich immens gesteigert hat.

Zu den „Aussortierten“ gehörte Slobodan Rajkovic, der wahrscheinlich selbst nicht mehr an sein Comeback geglaubt hat – aber es kam. Und wie! Auf Anhieb war der Serbe voll da, brachte fast schon wieder die „alte“ Leistung – und zog sich dann einen Kreuzbandriss zu. Mehr Pech geht nicht. Ob er wiederkommen wird – für den HSV? Zu wünschen wäre es ihm. Note vier.

Komisch gelaufen ist die Saison für Marcell Jansen. Er war gesund, er war auch in den meisten Spielen (er brachte es auf 21) gehörte er zu den besseren Hamburgern – bis es dann dieses dumme Länderspiel gegen Chile gab. Noch heute wird ja gerne geschrieben, dass es ein böser Tritt eines Chilenen war, der Jansen schwer verletzt, aber es war, er hat es mir einst in er Talkrunde von Sky gestanden, ein Fehltritt von ihm selbst. Er wollte den Ball mit dem Außenrist spielen, trat auf die Kugel und knickte böse um. Diese Verletzung warf ihn für Wochen aus der Bahn – und letztlich auch aus der WM in Brasilien. Ganz bitter gelaufen. Noch immer ranken sich die Gerüchte um Mönchengladbach, dass Marcell Jansen im Sommer zu seiner Borussia zurückkehren wird. Ende offen – würde ich sagen. Bis dahin gilt, dass ich Jansen für diese Saison die Note drei gebe.

Innenverteidiger waren oder sind seine große Liebe, die von Thorsten Fink. In der Vor-Saison mussten es acht sein, in dieser waren es sieben. Deswegen wurde Lasse Sobiech noch von Borussia Dortmund geholt. Zehn Einsätze und ein Tor stehen in der Bilanz des ehemaligen St.-Pauli-Profis, aber einen Stammplatz konnte er sich in keiner Phase der Saison erkämpfen – da muss noch viel, viel mehr kommen. Deswegen nur Note fünf.

Auf Verteidiger getrimmt wurde Zhi Gin Lam (von Trainer Fink). Lahm und Lam, da war doch was. So richtig wohl aber fühlte sich der „kleine“ Lam in seiner Rolle nie, er brachte es auch nur auf neun Spiele (ein Tor) und dürfte in der kommenden Saison sein Glück wohl auch etwas weiter vorn versuchen wollen – vielleicht sogar nicht mehr beim HSV? Note fünf für den jungen Mann, der wohl nur aus namenstechnischen Gründen auf die Verteidiger-Position gezwungen worden war.

So, das war die Abwehr. Ziemlich viel die Note vier, aber das spricht vielleicht auch etwas für die These, dass ein gutes Abwehrverhalten schon ganz vorne beginnt. Und mit Sicherheit hat auch die Arbeit des Mittelfeldes damit zu tun – aber dazu kommen wir ja auch noch.

Gerettet! HSV gewinnt 1:1 in Fürth – Wahnsinn!

18. Mai 2014

Es ist vollbracht. Der HSV ist gerettet, der HSV ist weiter erstklassig, der HSV ist weiterhin der Dino!!!!!!!! Sensationell, Wahnsinn, der Fußball-Gott war mit diesem grottenschlechten HSV im Bunde – der Papst wohl auch. Ein 1:1 im Relegations-Rückspiel sorgte für das riesige Aufatmen in Hamburg und Umgebung, es war gigantisch – und es wurde tatsächlich die erwartete große Zitterei. Mein Gott, welch ein Wahnsinn! Das Auswärtstor von Pierre-Michel Lasogga sorgt für ein Happy End, der HSV hat sich über die Ziellinie gerettet, er ist in den 30 Minuten nur noch über den Platz getaumelt und gekrochen und geschlichen. Aber es langte. Auch weil mit Jaroslav Drobny ein überragender Torwart zwischen den Hamburger Pfosten stand, an dem – bis auf ein Ball – alles abprallte. Drobny sei Dank, Lasogga auch – aber diejenigen, die diese Mannschaft zu verantworten haben, die sollten sich schämen, den Mund halten und sich still und heimlich verdrücken. Diese Spielzeit ist eine Schande für einen solchen Verein, die Verantwortlichen sollten trotz des Jubels zur Verantwortung gezogen werden. Nein, sie sollten nicht, sie müssen. Das verdient dieser verein ganz einfach. Denn so kann und darf es nicht weitergehen. Herzlichen Glückwunsch, HSV – dennoch!

Nur der HSV!


Schon nach 74 Sekunden der erste Schuss – Pierre-Michel Lasogga nahm eine „Kopfball-Vorlage“ des Fürthers Baba volley, aber der Ball stieg in den Himmel. Immerhin, diese Möglichkeit gleich zu Beginn gab die Richtung vor, in die es gehen sollte. Die 14. Minute ließ dann die Herzen aller HSV-Fans schneller schlagen: Lasogga zur Mitte, Marcell Jansen scheitert an Hesl, Nachschuss Hakan Calhanoglu aus 17 Metern, Pfosten, Nachschuss Tolgay Arslan – überweg. Da kochte die Seele im „Champs“, und im Volkspark war beim Public Viewing bestimmt die Hölle los.

Das steigerte sich nur Sekunden danach zum Orkan. Die Hamburger tanzten. 1:0. Nach einem Eckstoß von Rafael van der Vaart köpfte Lasogga den Ball aus sieben Metern ein, sein Bewacher Azemi war nicht mit in die Luft gestiegen – oder nur ungenügend. Der Ball sauste unhaltbar unter die Latte – ein Traumtor und ein Traum-Start für den HSV (15.).

Nach diesem Treffer besann sich der HSV etwas mehr auf die Defensivarbeit, stand besser, machte die Räume enger – als im Hinspiel. Und er hatte das Spiel bestens im Griff. In der 25. Minute wurde Arslan am Fürther Strafraum von Röcker gefoult, Freistoß. Den vergibt Calhanoglu viel zu lässig, da ist null Gefährlichkeit mehr im Spiel. Zehn Minuten später ein sehr schöner und schneller HSV-Angriff. Arslan zu Jansen, der legt halbrechts ab auf Lasogga, und der hämmert den Ball aus 15 Metern auf den Fürther Kasten – aber Hesl ist am Boden und wehrt ab.

Erst in der 40. Minute die erste gute Möglichkeit für den Zweitliga-Dritten, aber Azemis Schlenzer flog zum Glück für den HSV am langen Eck vorbei. Halbzeit. Und überall ein tiefes Durchatmen.

Das hätte es auch gegeben, wenn es in der 52. Minute 2:0 gestanden hätte. Freistoß von halbrechts von Calhanoglu, am langen Pfosten tauchte Lasogga auf und köpfte – aber der Teufelskerl Hesl im Fürther Tor hielt. Wahnsinn. Das hätte es sein müssen, dann wäre der Drops gelutscht gewesen. Aber plötzlich hieß es 1:1. Stieber schickt Fürstner in den HSV-Strafraum – Tor (59.). Keine Sechser da, Jiracek kommt zu spät, Mancienne wird überspielt – das große Zittern begann. Zumal der HSV längst seine Souveränität hatte eingebüßt. Da war nichts mehr zu erkennen, wer der Erst- und wer der Zweitliga-Club war. Fürth spielte plötzlich wie im Hinspiel, ein Angriff jagte den nächsten – Hamburg in Not. Weil wieder einmal die Kraft fehlte. Konditionell ist dieser HSV eine glatte Sechs, man muss es einmal beim Namen nennen dürfen. Eine glatte Sechs. Vielen Dank an die Herren Fink und van Marwijk, da waren schon Traumtänzer am Werk.

Die Einzelkritik:

Jaroslav Drobny war ein Glück für den HSV, dass er nun zwischen die Pfosten musste. Der Tscheche redt zwar nicht mit der Presse, aber er hat ein riesiges HSV-Herz. Und er ist ein bärenstarker Torwart.

Dennis Diekmeier sehr engagiert, marschierte viel, hatte hinten kaum einmal Probleme – es sei denn, er wagte sich einmal zu weit nach vorne und musste dann sprinten, um das Loch zu schließen.

Johan Djourou war bis zu seiner Verletzung in der 27. Minute fehlerlos. Dann schied er bewusstlos aus – hoffentlich ist es nichts Schlimmes. Gute Besserung!

Heiko Westermann war in Sachen Kopfballarbeit eine Bank, wie gut, dass sich Mirko Slomka dann doch auf HW4 besonnen hatte – Heiko half dieser Mannschaft trotz einiger kleiner Fehler – und seines größten Patzers, denn in der 88. Minute haute er einen solchen Bock, das war unfassbar. Unglaublich, aber wahr – und es ging dennoch gut.

Petr Jiracek gefiel mir im Hinspiel besser, wenn es gefährlich vor dem HSV-Tor wurde, dann oft über seine linke Seite. Der Tscheche war der größte Schwachpunkt des HSV.

Tolgay Arslan fand überraschend den Weg zurück ins Team, bedankte sich dafür aber mit einer guten Vorstellung. Seinen ersten schweren Fehler beging er erst („) in der 39. Minute, das dauerte vorher nie so lange. Als Trainer wäre ich stets versucht, ihm in den Hintern zu treten, damit er aufwacht und seine lässige Art beiseite lässt, und das hat Slomka hoffentlich auch reichlich getan. Dann ist dieser Arslan nämlich doch zu gebrauchen . . . Allerdings sollte er sein Foulspiel, oft überflüssig, doch gelegentlich einschränken. Ging in der 64. Minute verletzt raus.

Milan Badelj begann spielstark und ideenreich, spielte den Ball sicher ab, eroberte ihn auch einige Male mit Auge – aber seine langsame Art im Spiel nach hinten fiel doch einige Male auf. Daran sollte er arbeiten, daran sollten die Trainer vielleicht auch mit ihm arbeiten. Es könnte helfen.

Hakan Calhanoglu fand in der Anfangsphase kaum ins Spiel, nach einer halben Stunde taute er auf. Seine Freistöße sind im Moment stark verbesserungsfähig.

Rafael van der Vaart lief wieder unermüdlich, hatte dabei aber spielerisch viele gute Szenen, brachte den Ball oft auf ganz engem Raum an den Mann. Einige Mal mehr aber hätten ihn seine Mitspieler schon suchen dürfen, einige Male wurde der Niederländer schon fast fahrlässig übersehen. Leider, leider. Ging in der 75. Minute ermattet raus.

Marcell Jansen ist natürlich nicht fit, kann nicht fit sein, aber er gab alles und machte ganz sicher das Beste aus seiner Situation – das war schon absolut okay so.

Pierre-Michel Lasogga ist unersetzlich – schon jetzt. Der Dampfhammer sorgt für Gefahr, schießt aus jeder Lage und stört den Gegner früh beim Spielaufbau – das ist schon sehenswert. Wenn Lasogga fit wäre – der Bundes-Jogi müsste ihn mit nach Brasilien nehmen. Weil Fußball-Deutschland keinen besseren Stoß-Stürmer hat.

Michael Mancienne (ab 31. Min. für Djourou) war sofort im Spiel, das ist schon frappierend, wie der einstieg „Aussortierte“ mittlerweile seinen Mann steht – auch als Ersatzspieler.

Tomas Rincon (ab 64. Min. für Arslan) mischte auf seine unorthodoxe Art tüchtig mit, aber spiel-taktische schmeißt er stets leichtfertig alle Einstellungen über den Weg. Er konnte es mal besser.

Robert Tesche (ab 75. Min. für van der Vaart) machte mit, sollte stabilisieren, und ein wenig machte er es dann auch.

So, wir sind am Ende. Mir bleibt jetzt nur noch, auf unsere gleich beginnende „Matz-ab-live“-Sendung hinzuweisen. Wir reden über das Spiel und über die Situation nach der Relegation – und vor der Mitgliederversammlung. „Scholle“ und ich begrüßen zu dieser Runde den ehemaligen HSV-Star Sergej Barbarez und das ehemalige Aufsichtsrats-Mitglied Frank „Macke“ Mackerodt. Wir würden uns natürlich freuen, wenn Ihr wieder dabei sein würdet.

19.07 Uhr

Nur 0:0 – jetzt wird es ganz, ganz eng!

15. Mai 2014

Das hatten sich alle Hamburger anders erwünscht und erhofft, denn das erste Relegationsspiel gegen den Zweitliga-Dritten, die Spielvereinigung Greuther Fürth, endete nur 0:0. Es darf gezittert werden, aber ganz, ganz kräftig. Diese HSV-Mannschaft erspart ihrem Anhang nichts, aber auch wirklich nichts. Weil sie nicht in der Lage ist, 90 Minuten Tempo-Fußball zu spielen. Im Prinzip boten die Franken den besseren Fußball und hatten ganz sicher auch die besseren Chancen. Vor 56 479 Zuschauern im nicht ganz ausverkauften Stadion war der HSV lange weit von einer Form entfernt, die für einen glücklichen Ausgang dieser Entscheidungsspiele sorgen könnte. Erst in der Schlussphase gab es zwei gute oder auch große Tormöglichkeiten, als erst Pierre-Michel Lasogga aus halbrechter Position an Fürths Torwart Hesl scheiterte, und als in der Nachspielzeit Rafael van der Vaart einen Ball am Fünfmeterraum nicht unter Kontrolle bekam – was aber auch schwer war. „Niemals, Zweite Liga, niemals, niemals“, sangen die HSV-Fans nach dem Schlusspfiff, und sie forderten lautstark: „Auswärtssieg, Auswärtssieg, Auswärtssieg.“ Die Hoffnung bleibt, nach diesem unbefriedigenden Unentschieden, aber der HSV müsste und sollte sich schon gewaltig steigern, wenn die Liga eins gehalten werden soll. Es würde in Fürth ja auch schon ein 1:1 reichen . . . Bitte, bitte, lieber Fußballgott!

Für Abendblatt-Blogs


Weltklasse! Die Stimmung vor und während des Spiels war erstligareif, das muss festgehalten werden. Kompliment den HSV-Fans, sie waren wohl noch nie so laut wie diesmal. Schreien bis der Kehlkopf kreist – so wie es Lotto King Karl vor einer Woche erhofft und erwünscht hatte. Und dazu gab es Schals, Schals, Schals zu sehen – wunderbar. Davon hätte sich die Mannschaft eigentlich mitreißen lassen müssen, aber in Halbzeit eins war das leider nicht der Fall. Hatte die Truppe von Mirko Slomka aus den vorangegangenen Auftritten (Bayern, Mainz) gelernt? In diesen Spielen hatte sie sich schon im ersten Durchgang zu groß verausgabt, diesmal begannen sie alle verhaltener, fast ein wenig verschlafen. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt . . . Auch in der Relegation.

Der HSV musste kurzfristig auf Rene Adler verzichten, der plötzlich „Rücken“ hatte. Zudem fehlte Heiko Westermann, der nur auf der Bank saß. Diese beiden Personalien begünstigten nicht gerade die Ausgangsposition für den HSV.

Vor dem Spiel hatte ich Wolfgang Hesl getroffen – „unseren“ Torwart, jetzt Kapitän der Fürther. Er: „Wie geht es dir?“ Ich: „Gut.“ Er: „Noch . . .“

Ja, und genau so traten die Franken dann auch auf. Frech, unbekümmert, couragiert, willig, engagiert – toll. So spielt eine Mannschaft, die nach oben will. Das war erste Sahne. Läuferisch eine Augenweide, die Fürther griffen den HSV schon an dessen Strafraum an, die liefen, liefen, liefen. Nein, sie liefen nicht nur, sie sprinteten. Sie rasten über den Rasen, als sei das nichts. In einem höllischen Tempo. Da wirkten die HSV-Spieler wie alte Herren. Schon nach 20 Minuten – oder erst – gab es die ersten langen Gesichter im Hamburger Lager. Aber mal im Ernst, wer hätte es anders erwartet?

Der HSV spielt seinen Stiefel so, wie er ihn immer gespielt hat. Da ist nicht mehr, als diese Mannschaft auch heute wieder gezeigt hat. Woher soll plötzlich etwas kommen? Dann hätte sich diese Mannschaft doch die gesamte Saison über nur versteckt. Hat sie aber nicht. Sie spielte so, wie sie als schlechtestes Bundesliga-Team immer gespielt hat. Und offenbarte dabei einmal mehr, wie schlecht es trainiert ist. Das ist Fakt! Diese Mannschaft ist und war nicht in der Lage, gegen eine läuferisch starke Mannschaft mitzuhalten. Das klingt nach Offenbarungseid, ist es wahrscheinlich auch, aber es ist Tatsache. Auch wenn jetzt vielleicht viele weinen werden, aber man muss dieser Tatsache ins Auge schauen. Die hohen Herren des HSV haben es während der gesamten Saison getan – und nichts geändert. Auch Tatsache. So wie die Spieler nicht in der Lage sind, sich zu wehren, so waren die verantwortlichen nicht in der Lage, für Professionalität während dieser Saison zu sorgen. Sie ließen alles still vor sich hinplätschern. Wahnsinn.

Abgesehen von drei Fernschüssen hatte der HSV in Halbzeit eins nichts, aber auch nichts vorzuweisen. Null. Flanken oder Standards (auch Einwürfe) flogen stets hoch in den Fürther Strafraum, und da standen in der Viererkette alles Männer, die um die zwei Meter groß sind. Da muss sich keiner fragen, wo die Gefahr der HSV-Offensive blieb, sie war bei diesen Verhältnissen chancenlos. Fürth dagegen hatten in Person von Azemi zweimal das 0:1 auf dem Fuß, zweimal klärte Jaroslav Drobny ebenfalls per Fuß (26. und 45.). Auf dem Gang in die Halbzeit gab es lebhafte Diskussionen schon oder noch auf dem Rasen – beim HSV. Drobny redete mit Händen und Füßen auf Michael Mancienne ein, Petr Jiracek tat es ebenso auf Pierre-Michel Lasogga, der nur dadurch aufgefallen war, dass er aus jeder Lage ballern wollte. Dabei aber immer übersah, dass ein Greuther noch vor ihm stand. Das war wie mit dem Kopf durch die Wand – und weg war der Ball. Einmal stand Rafael van der Vaart (in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit) kopfschüttelnd und leicht verzweifelt neben Lasogga, als der wieder einmal losgeballert hatte . . .

Zu Beginn des zweiten Durchgangs, es ging jetzt gegen den Norden, wirkte der HSV wacher und entschlossener. Die Chancen aber hatte der Zweitliga-Club. Nach einer Ecke köpfte Gießelmann aus fünf Metern vorbei (51.), und zwei Minuten später rutschte Djurdjic nur um Zentimeter (und allein vor Drobny) am Ball vorbei. Da musste man schon tief Luft holen – als Hamburger. Fürth ließ nicht locker, kam wieder ins Spiel zurück. Und ganz, ganz ehrlich: Wer war hier eigentlich der Zweitliga-Vertreter, und wer der Dino?

„Zweite Liga, Hamburg ist dabei“, skandierten die Fürther Anhänger in einer der wenigen Ruhepausen, aber die HSV-Fans konterten stimmgewaltig: „Immer Erste Liga, HSV . . .“ Und fast hätte es sogar ein HSV-Tor gegeben, doch der Kopfballtreffer von Lasogga (nach van der Vaarts Freistoß) zählte nicht, denn der HSV-Torjäger stand im Abseits (67.). Leider.

Die Einzelkritik:

Jaroslav Drobny der Mann brannte von der ersten Sekunde an, er hätte die Welt am liebsten selbst aus den Angeln gerissen – aber er musste ja nur die Bälle halten. Und das tat er ausgezeichnet.

Dennis Diekmeier kam erst in der zweiten Halbzeit auf Touren, dann aber okay. Zuerst sehr verhalten.

Michael Mancienne versuchte es mit Härte (hätte gleich einmal Gelb sehen können), aber damit schaffte er es nicht. Immerhin ließ er in der Mitte selten etwas zu, was nicht ganz so leicht war, denn Fürth brachte Stürmer mit, die beweglich sind.

Johan Djourou erledigte seinen Defensiv-Part zufriedenstellend und souverän.

Petr Jiracek hatte seine linke Seite fast immer gut im Griff, gerade so, als würde er dort hinten schon immer spielen. Das verdient auch mal ein Kompliment, denn er ist dort ja der Ersatz des Ersatzmannes.

Robert Tesche blieb blass, er war zuletzt schon wesentlich besser.

Milan Badelj war der schwächste Mann des Erstliga-Clubs.

Tomas Rincon wirkte streckenweise leicht überfordert, aber er war auf jeden Fall immer engagiert und bemüht.

Hakan Calhanoglu war in Halbzeit eins (und auf links draußen) kaum zu sehen, später wurde es etwas besser, aber immer noch nicht gut. Aber auch solche Spiele muss man einem so jungen Mann einfach mal zugestehen. Symptomatisch die 35. Minute: Calhanoglu sprintete lange – und erfolglos – über den Rasen, dann stand er am Fürther Strafraum und pustete einige Sekunden mächtig durch. Solche Sprints aber, wie in diesem Fall von Calhanoglu, zeigten die Fürther reihenweise – und über 90 Minuten!

Rafael van der Vaart hielt sich sehr lange zurück, dann zeigte er ab und an sein Können – aber insgesamt viel zu wenig.

Pierre-Michel Lasogga wollte, aber ihm gelang (bis auf ein Abseitstor, das eines war!) kaum etwas. Ließ sich vor allem in Halbzeit zwei auch viel zu weit nach hinten fallen. Nach dieser Verletzungsgeschichte kein Wunder, das ist völlig normal. Wirkte nach 75 Minuten auch ausgelaugt und platt.

Marcell Jansen (ab 60. Min. für Tesche) sollte im linken offensiven Mittelfeld für Akzente setzen, aber das gelang nur zweimal, dann schien er wieder ein wenig verletzt.

Aber: Noch ist nichts verloren, warum soll dem HSV in Fürth am Sonntag nicht doch endlich mal der erste Auswärtssieg des Jahres 2014 gelingen? Ich habe noch Hoffnung. Trotz der Tatsache, dass der Zweitliga-Club wie ein Erstliga-Club gespielt hat, und der HSV wie ein Zweitliga-Vertreter. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

So, mir bleibt jetzt nur noch, auf unsere gleich beginnende „Matz-ab-live“-Sendung hinzuweisen. Wir reden über das Spiel und über die Situation in der Relegation. „Scholle“ und ich begrüßen zu dieser Runde unseren „Matz-abber“ „Eiche“ und dazu den großen HSV-Fan Frederik Braun, den alle deswegen kennen, weil er der Chef vom weltberühmten Miniatur-Wunderland ist. Wir würden uns natürlich freuen, wenn Ihr wieder dabei sein würdet.

22.31 Uhr

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