Archiv für das Tag 'Mancienne'

Frankfurt wird nervös . . .

17. Mai 2013

Spannend wird es auf jeden Fall. Vielleicht sogar dramatisch. Und wenn es in Hamburg und Frankfurt lange Zeit 0:0 steht, dann wird mit jeder Minute mehr eine ganz besondere Atmosphäre in beiden Stadien herrschen. Dann gibt es eventuell ein Herzschlag-Finale. Und geht es nach dem Computer der Sport-Bild, dann wird an diesem Sonnabend ganz – oder auf jeden Fall fast ganz – Hamburg jubeln. Wer sich erinnert: Vor Wochen, Ende März, hatte die Sport-Bild die letzten Bundesliga-Spieltag tippen lassen. Von Udo Lattek und von Experten aus dem Wettbüros. Und vom eigenen Computer, Der SB-Computer hatte den HSV zwar letztlich auf Rang zehn einlaufen lassen (sich also „leicht“ geirrt), aber immerhin hat er für morgen folgende Spielausgänge getippt: Eintracht Frankfurt – VfL Wolfsburg 2:3, HSV – Bayer Leverkusen 3:1. Was will der Hamburger mehr?

Übrigens: Die Experten von Tipico haben den HSV auf Rang sechs einlaufen lassen, die von Bwin sogar auf Platz fünf. Letzteres kann nicht mehr geschehen, aber die Herren hatten eben Vertrauen in den HSV. Anders als Udo Lattek, der den HSV auf Rang zwölf enden sah. Knapp daneben ist auch vorbei, aber der gute Udo kennt sich eben auch etwas besser beim FC Bayern aus . . .

Die stehen hier und heute aber nicht zur Diskussion. Leverkusen muss morgen erst einmal besiegt werden, und dann muss gehofft werden, dass die Wolfsburger ihre gute Auswärtsform durch einen erneuten Dreier (diesmal in Frankfurt) unterstreichen. Unmöglich ist das alles doch nicht. Der VfL ist mit 25 Auswärtspunkten die drittbeste Auswärtsmannschaft der Liga – hinter Bayern und Dortmund. Das ist doch etwas, das Mut machen müsste, ihr Hamburger. Und mit Leverkusen kommt eine Mannschaft in den Volkspark, die auswärts nur einen Punkt mehr geholt hat, als der HSV in der Fremde. Dass der HSV gegenüber der Werkself daheim nur 26 Zähler geholt hat, Bayer dagegen 39 – das verschweigen wir dann doch besser.

Egal aber was die Statistiken auch immer sagen, die Tagesform und vielleicht auch ein Hauch Glück entscheiden darüber, ob der HSV doch noch Europa packen wird. Die Hamburger sind heiß, das war heute beim Abschlusstraining zu spüren. Da wurde konzentriert gearbeitet – gepaart mit Spaß. Erst eine habe Stunde das obligatorische Kreisspielchen (drei Stationen), dann wurde immer zu dritt über fünf Meter gesprintet. Wobei die Spieler ganz genau darauf achteten, wer diesen Sprint gewonnen hat. Da wurde teilweise um Zentimeter gefeilscht. Dann gab es ein Abschlussspielchen, in dem die beiden Mannschaften bunt durcheinander gewürfelt wurden. Ein Team spielte mit Drobny, Westermann, Rajkovic, Rincon, Badelj, Co-Trainer Heinemann, Ilicevic, Sala, Skjelbred und Rudnevs, das andere Team mit Adler, Bruma, Jansen, Mancienne, Diekmeier, Aogo, van der Vaart, Jiracek, Son und Beister. Heung Min Son traf zuerst gegen Rene Adler, dann Maximilian Beister. Wie das Match (auf einem Viertel des Platzes) endete, das entzieht sich allerdings meiner Kenntnis, denn die nebenan trainierende „Zweite“ verließ den Rasen, und ich wollte unbedingt noch mit Andre Panadic sprechen. Der ehemalige HSV-Spieler (101 Spiele, fünf Tore als Innenverteidiger) ist im Moment mit seinem Sohn Mateo in Hamburg, „Panas“ Sohnemann trainiert – auf Vermittlung von HSV-Manager Bernd Wehmeyer – bis einschließlich morgen zur Probe beim HSV (Regionalliga-Team). „Pana“ ist mächtig stolz auf seinen Filius, wagt aber noch keine Prognose. Es „sehe ganz gut aus“ sagt er vorsichtig und will abwarten, was und wie sich der HSV nach dem Sonnabend entscheidet. Immerhin: Neben „Pana“ stand der frühere Bundesliga-Profi Uwe Fuchs, der sich einst auch als Trainer versucht hatte, heute aber Spielerberater ist. Er wird sich wohl künftig um Mateo Panadic kümmern und dabei behilflich sein, einen Verein zu finden – falls es mit dem HSV nicht klappen sollte.

Aber zurück zum aktuellen Geschehen, zum 34. Spieltag. Oh, als ich das schreibe, den 34. Spieltag, wird mir ganz „schwummerig“ – Schei . . .-Sommerpause. Das wird noch eine schlimme und über weite Strecken auch langweilige Zeit. Weil sich beim HSV ja auch in Sachen Ein- und Verkäufen traditionell erst gegen Ende der Pause etwas tut. Nun gut, damit müssen wir leben. Auch wenn es schwerfällt.

In Frankfurt scheinen sie inzwischen auch ein wenig nervös zu werden. Weil es aus Hamburg je den einen oder anderen Satz – von wegen des Drucks – gegeben hatte. Dazu schreibt die Agentur heute:

Trainer Armin Veh vom Tabellensechsten Eintracht Frankfurt hat vor dem Bundesliga-Finale am Samstag die Störfeuer vonseiten des Hamburger SV gekontert. „Wir haben einen Etat von 25 Millionen Euro, und der HSV macht in dieser Saison Schulden. Und dann sollen wir Druck haben. Das ist doch ein Witz. Da lache ich mich kaputt, wenn ich sowas höre“, sagte Veh einen Tag vor dem abschließenden Saisonspiel der Hessen am Samstag gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/Sky und Liga total!). HSV-Trainer Thorsten Fink hatte vor dem Showdown um Platz sechs gestichelt: „Wir haben nicht viel zu verlieren, Frankfurt dagegen schon.“ Auch Keeper Rene Adler hatte gesagt, dass der Druck bei der Eintracht liege. Dem Aufsteiger aus Frankfurt (50 Punkte) würde ein Sieg im Duell mit den „Wölfen“ für die Europa-League-Qualifikation reichen, und sogar ein Unentschieden, wenn zeitgleich Verfolger Hamburger SV (48) gegen Bayer Leverkusen nicht gewinnt oder bei einem Sieg nicht 13 Treffer aufholt. Die Eintracht könnte prekärerweise nach 33 Spieltagen auf einem der ersten sechs Plätze und einer tollen Saison noch aus den internationalen Rängen purzeln.

Veh muss noch um den Einsatz von Toptorjäger Alexander Meier (15 Treffer) bangen, der zuletzt wegen einer Sprunggelenkverletzung ausgefallen war. Kapitän Pirmin Schwegler stehe nach seiner Schambeinblessur auf jeden Fall im Kader, kündigte Veh an. Der Schweizer Mittelfeldspieler liebäugelt mit einem Wechsel nach Wolfsburg. Coach Veh, der die Hessen vor dieser Saison zurück in die Bundesliga geführt hatte, sprach im Vorfeld von einem schwierigen Spiel. „Wir wissen aber, dass wir etwas Großes erreichen können“, erklärte der 52-Jährige, der selbst ein Verpassen der Europa League nicht als Drama bewerten würde. „Wenn es nicht klappt, dann geht die Welt auch nicht unter. Auch Platz sieben wäre ein großer Erfolg.“

Für den HSV doch auch. Ernsthaft. Sollte es nicht mit Rang sechs klappen, dann sind Platz sieben oder acht auch akzeptabel. Für mich jedenfalls. Und daran, dass wir dann alle gemeinsam wieder auf die nächste Spielzeit hoffen, daran haben wir uns alle doch schon längst seit Jahren gewöhnt. Immerhin, und das kann selbst der größte HSV-Kritiker nicht von der Hand weisen, ist es in dieser Saison wieder bergauf gegangen – mit dem HSV. Auch wenn es diese berühmt-berüchtigte Berg-und-Talfahrt gegeben hat. Daran wird der Club sicher arbeiten – wenn Geld da ist.

Erst einmal abwarten, was der Sonnabend nun bringen wird. Beim HSV sind alle Mann an Deck, lediglich „Maxi“ Beister hatte heute während des Spiel ein paar Schwierigkeiten und musste sich behandeln lassen, ging dann auch, als das Trainingsende gekommen war, als erster Spieler in die Kabine. Thorsten Fink hatte zuvor eine engagierte Gemeinschaft trainieren sehen. Und der Coach sagte: „Wir sind heiß, wir brennen auf dieses Spiel.“ Dann sagte er auch noch: „Wenn Leverkusen aber genauso motiviert ist wie wir, genauso top drauf ist, dann werden wir keine Chance haben. Das ginge dann doch nur für uns, wenn Bayer eine Rote Karte bekäme – oder so. Die haben doch mehr Qualitäten. Die stehen doch ganz oben, haben Platz drei schon sicher. Der FC Bayern könnte gegen uns auch nur verlieren, wenn sie nicht hundert Prozent geben. Wenn aber zwei Mannschaften, von der eine qualitativ stärker besetzt ist, gleich motiviert sind, dann muss schon viel passieren, wenn die etwas schwächere gewinnen sollte . . .“

Tagesform. Ich sage, die Tagesform wird entscheiden. Und wenn die HSV-Mannschaft endlich von der ersten Minute an begreift – und dementsprechend zur Sache geht – dass es hier um sehr, sehr viel geht und dass das die allerletzte Chance auf Europa ist, dann ist der Unterschied – auch der qualitative – zwischen beiden Teams vielleicht doch nicht ganz so groß.

So, zum Schluss sie noch kurz erwähnt, dass der frühere HSV-Kapitän David Jarolim heute seinen 34. Geburtstag feiert – herzlichen Glückwunsch, „Jaro“ – und bis bald.

Dann findet auch morgen nach dem Spiel wieder die immer beliebter werdende „Matz-ab-live“-Talkrunde“ statt, für das wir eigentlich schon zwei Gäste seit Anfang Februar fest verpflichtet hatten: Manfred Kaltz und Harry Bähre. Rekordspieler Kaltz allerdings hat heute Nachmittag (leider) absagen lassen, sodass wir im Laufe des heutigen Abends noch um einen Ersatz bemüht sind. Wir sind am „röteln“ . . .

PS: Aus technischen Gründen ist das”Matz-ab”- Gewinnspiel noch nicht aktualisiert, es ist “am werden”, aber die Gewinner der Trikots und der Karten sind bereits benachrichtigt worden.

18.52 Uhr

“Jeder muss sein Duell gewinnen wollen!”

3. Mai 2013

„In diesem Sinne, bis morgen. Da wird wieder um zehn Uhr trainiert und es sollen alle Feldspieler bis auf Marcus Berg dabei sein können. Dieter wird ebenfalls dort sein und Euch an gewohnter Stelle berichten.“

So endete „Scholle“ gestern. Aber so schön, wie er es angedacht hat, wurde es dann doch nicht. Gleich zwei HSV-Profis fehlten heute beim „Kurkonzert“. Marcell Jansen hat sich nun noch eine Magen- und Darm-Grippe zugelegt, Ende offen. Ich meine damit, dass sein Einsatz am Sonntag gegen den VfL Wolfsburg, im vorletzten Heimspiel der Saison, doch fraglich ist. Und zudem hat sich Michael Mancienne Oberschenkel-Probleme eingefangen, er setzte deswegen heute aus – und wir auch beim nicht-öffentlichen Abschlusstraining am Sonnabend fehlen – und damit auf gegen die „Wölfe“ am Sonntag. Ich lasse mir da keine Hintertür offen, Mancienne wird ausfallen – Ende. Für ihn kommt Slobodan Rajkovic in die Mannschaft, und wenn ich Trainer Thorsten Fink richtig interpretiere, dann hatte er das ohnehin so geplant. Weil der Coach einen rustikalen Abräumer braucht. Und das war Mancienne zuletzt nicht, der Engländer war eher genau das Gegenteil eines Abräumers. Wobei ich jedem User, der nun genau dieses Gegenteil suchen wird, selbst überlasse, wo er mit dieser Suche endet . . .

Thorsten Fink sagte in Sachen Innenverteidigung: „Ich hatte schon in dieser Woche überlegt, ob ich Slobo spielen lassen werde – von der Aggressivität her.“ Sollte Jansen auch nicht spielen können, so wäre Zhi Gin Lam sein Ersatzmann – und nicht Dennis Aogo. Der ehemalige Linksverteidiger der deutschen Nationalmannschaft wird so oder so (diesmal) Nur auf der Bank sitzen. Erklärung von Fink, warum er Aogo nicht als Linksverteidiger bringen wird: „Dennis hat es in seinem letzten Spiel als Linksverteidiger, das war das Spiel gegen die Bayern, nicht so angenommen – finde ich. Von der Ausstrahlung her.“

Das wird nicht die einzige Änderung sein, die Thorsten Fink vornehmen wird – gegenüber dem mageren 1:4-Auftritt in Gelsenkirchen. Petr Jiracek wird im rechten Mittelfeld auflaufen Heung Min Son links. Vorne wird Artjoms Rudnevs einzige Spitze sein, und auf der „Doppel-Sechs“ werden sich Tolgay Arslan und der wieder genesene Milan Badelj (trainierte heute ohne Pause und ohne Beschwerden mit) versuchen. Auf geht’s, Buam.
Jiracek soll deswegen rechts spielen, weil er sich so besser um Wolfsburgs Diego kümmern kann, denn der kommt vorzugsweise über links und zeiht dann zur Mitte – das könnte Jiracek als Linksfuß dann bestens „begleiten“.

Vom heutigen Training nur zwei Dinge. Beim abschließenden Schießen auf die „Hütte“ von (abwechselnd) Rene Adler und Sven Neuhaus schoss Rafael van der Vaart das schönste (Traum-)Tor – der Niederländer hob danach beide Arme gen Himmel und sucht mit seinen Augen dort oben jenen Herrn, der ihm bei diesem Schuss so trefflich half. Gleich am Anfang war aber die Szene, die mich am meisten begeistert hat: Beim Kreisspiel (fünf gegen zwei) wurden Jacopo Sala (er gleich zweimal) und Jaroslav Drobny getunnelt. Nach dem dritten Tunnel brachen alle Spieler in ein wahres Indianergeheul aus, alle lachten. Drobny (als „Geschädigter“) und Jeffrey Bruma hielt es nicht mehr auf den Beinen, beide kippten vor Freude aus den Latschen und wälzten sich vor Lachen auf dem Boden herum. Welch eine Szenerie! Und nicht auszudenken, wenn die Stimmung auch noch am Sonntag um 19.25 Uhr so herrlich ungezwungen und toll wäre. Jetzt sind alle Hamburger gefordert.

Von der Ausgangsposition her könnte es ein heißes Spiel geben. Ohnehin gibt es gegen Wolfsburg immer ein schwer und hart umkämpftes Match. Und oft genug haben die „Wölfe“ dem HSV schon (auch in Hamburg) ganz kräftig in die Suppe gespuckt. Ich sprach heute mit einem Mann, der beide Seiten schon erlebt hat, der sowohl in Hamburg als auch in Wolfsburg Publikumsliebling war (und ist): Roy Präger. Der frühere Wirbelwind wird nicht beim Spiel sein, er ist mit der Jugend-Fußballschule des VfL beschäftigt. Präger über seine Erwartungen für Sonntag: „Es wird sicher ein packendes Derby, wie immer, wenn der HSV und der VfL aufeinanderprallen. Die Voraussetzungen für ein intensives und spannendes Spiel sind gegeben, denn der HSV muss gewinnen, und der VfL, der in meinen Augen auch noch eine Minimal-Chance auf Europa hat, auch. Beide müssen Gas geben, und das kann und wird nur zum Wohle aller Fans sein. Auf einen Tipp möchte ich mich nicht festlegen, aber der VfL ist ja bekanntlich sehr auswärtsstark – es wird nicht leicht für den HSV.“

Das weiß auch Frank Arnesen. Der Sportchef: Wir stehen vor drei Finals, Wolfsburg ist das erste davon. Wir spielen zu Hause, wir müssen auch zeigen, dass wir zu Hause spielen – gegen Düsseldorf zuletzt ist es uns gelungen, denn wir haben gewonnen. Gegen den VfL müssen wir dieselbe Einstellung auf den Platz bringen, wie in der ersten halben Stunde gegen Düsseldorf.“ Der Däne war gestern Gast beim Training, war auch heute dabei und unterhielt sich lange Zeit mit Thorsten Fink. Über die Lage sagte Arnesen: „Zwei Tage vor einem Spiel ging es heute recht locker zu, es wurde viel gelacht – so muss es auch sein. Man muss entspannt sein, und ab Sonnabend wird sich dann konzentriert, dann kommt die Spannung bei den Spielern. Erst die Freude, und dann alle Energie für diese 90 Minuten. Ich will eine HSV-Mannschaft sehen, die diszipliniert spielt, die konzentriert spielt, und in der jeder Spieler seine Duelle gewinnen will. Jeder muss jedes Duell gewinnen wollen, das will ich sehen.“

Das HSV-Team wird am Sonntag nicht nur körperlich gefordert sein, sondern auch mental. Immerhin geht es um – wahrscheinlich – die letzte Chance, das Ticket nach Europa zu lösen. Es ist also auch eine Frage des Kopfes. Frank Arnesen ist davor nicht bange: „Die Mannschaft hat es im vergangenen Jahr, als es gegen den Abstieg ging, gezeigt, dass sie dass kann, dass sie damit umgehen kann. Sie ist damals damit sehr gut umgegangen, deswegen sehe ich diesbezüglich keinerlei Probleme.“ So sehen es wahrscheinlich auch die meisten HSV-Fans. Die lagen am vergangenen Wochenende, nach dem 1:4-Debakel auf Schalke, alle am Boden, die meisten davon sind auch erst am Mittwoch oder Donnerstag erst wieder aufgestanden – aber nun sind sie auch wieder da. Voll da. Sieg gegen Wolfsburg, davon waren heute so viele Trainingskiebitze überzeugt – restlos überzeugt.

Ist es nicht phänomenal, wie schnell die HSV-Fans doch vergessen können? Spätestens am Freitag ist alles wieder gut, dann ist selbst ie größte Wunde wieder verheilt – dann beginnt die Zeit der Träume. „HSV-Sieg“ – es gibt ja gar nichts anderes. Arnesen lacht: „Solche Einstellung ist auch genau die richtige, solche Einstellung muss es auch bei jedem unserer Spieler geben. Die müssen auch sagen, dass sie Wolfsburg weghauen, ganz klar – wir spielen zu Hause, wir haben noch etwas aufzuholen. Natürlich wissen wir, dass Wolfsburg die drittbeste Auswärtsmannschaft ist, dass der VfL jetzt schon lange nicht mehr verloren hat, aber wir müssen auf uns selbst gucken. Wir haben in dieser Saison schon gute Spiele zu Hause angeliefert, weitaus bessere als in der Spielzeit davor, und deswegen gilt es für uns nun, diese Reihe der guten Spiele fortzusetzen.“

Die hat es, um ein wenig Wasser in den Wein zu kippen, sicherlich gegeben. Aber es gab auch Spiele wie die gegen Fürth, Augsburg und Freiburg, die waren dann doch nicht ganz so geglückt. Daran sollten sich die HSV-Spieler dann doch besser nicht orientieren. Ich wollte wissen, ob auch Frank Arnesen vorher noch mit der Mannschaft sprechen wird, aber er sagt: „Ich spreche mit dem Trainer, der Trainer spricht mit der Mannschaft. Ich habe viel Vertrauen zu Thorsten Fink. Wir haben nach dem Schalke-Spiel gesprochen, das ist jetzt aber abgehakt, es geht weiter – und jetzt sind die Spieler wieder gefragt. Jeder weiß, um was es geht.“

Ein anderes Thema schwebt in diesen Tagen und Wochen stets über dem Sportchef: Spielerverkäufe. Erst muss verkauft werden, bevor eingekauft werden kann. Wie weit sind die Verkäufe gediehen? Arnesen: „Da ist noch nichts passiert. Das ist auch völlig normal, denn das Geschäft fängt im Juni an, nachdem die Saison beendet worden ist. Aber trotz allem rede ich jetzt schon viel, ich rede mit Beratern und auch mit Spielern, die zu uns kommen wollen. Aber meine Hauptaufgabe ist erst einmal die, zu verkaufen. Das wissen wir. Und wir wollen die Spieler behalten, die uns weiterbringen sollen.“ So war die Situation ja auch schon vor einem Jahr. Arnesen erinnert sich: „Damals musste ich auch verkaufen, um dann Rene Adler, Artjoms Rudnevs und Milan Badelj holen zu können, und ich habe verkauft. Gökhan Töre und Paolo Guerrero waren das. Im Winter aber war das sehr schwer denn jeder weiß, dass die Ein- und Verkäufe zu 90 Prozent im Sommer stattfinden.“

Immerhin wissen die Verantwortlichen des HSV, dass sie etwas tun müssen – bezüglich der kommenden Saison. Frank Arnesen: „Ich rede viel mit Thorsten Fink, wir sind uns einige darüber, dass wir Verstärkungen brauchen. Aber wir werden darüber erst offensiv werden, wenn die Saison beendet ist. Erst kommen die drei letzten Spiele, und wenn die absolviert worden sind, dann reden wir mit den Spielern. So oder so.“ Der HSV sucht, das ist ja schon durchgesickert, einen Innenverteidiger und einen großen Stürmer. Mindestens.

Spieler, die beim HSV bleiben – oder auch gehen müssen – die werden im Moment von Frank Arnesen bearbeitet. Jaroslav Drobny gehört dazu. Arnesen: „Ich bin ganz positiv, aber leicht wird es nicht. Denn Drobo, der gemeinsam mit seinem Berater mit mir ganz offen spricht, hat einige gute Angebote von Clubs, bei denen er als Nummer eins spielen könnte.“ Es geht auch um Dennis Diekmeier, der wohl bleiben dürfte, und es geht im Tomas Rincon, der noch ein Jahr Vertrag hätte. Beste Voraussetzung, um den HSV in diesem Sommer zu verlassen denn dann kassiert der Club noch Ablöse. Arnesen: „Tomas ist ein hervorragender Junge.“ Stimmt. Aber das zeigt er regelmäßig nur in seiner Nationalmannschaft, nicht so sehr beim HSV. Weil er so konstant ja auch selten einmal spielen durfte. Es geht auch um Sven Neuhaus. Das wurde ja zuletzt schon als fast perfekt gemeldet, und da ist es wohl auch. Es sollen nur noch Nuancen fehlen – und dann die beiden Unterschriften. Arnesen: „Es sieht in diesem Fall sehr gut aus, wir sind uns zu 99 Prozent einig.“

Klingt gut. Neuhaus ist ein Super-Typ, der bestens zum HSV passt. Und zu allen anderen „Patienten“: Gut Ding will Weile haben.

Zunächst aber geht es ja auch nur um die drei letzten Bundesliga-Spiele: Wolfsburg, Hoffenheim, Leverkusen. Und dann wird ein Schlussstrich gezogen und abgerechnet. Aber auch erst dann.

PS: Schnell mal wieder in eigener Sache. Wir sind am Sonntag unmittelbar nach dem Schlusspfiff wieder mit „Matz ab live“ auf Sendung, unsere Gäste werden diesmal das HSV-Vorstandsmitglied Oliver Scheel und der frühere HSV-Profi Tobias Homp sein – ich freue mich schon sehr auf die beiden Herren. Und ihr seid hoffentlich wieder bei und mit uns, es würde uns auf jeden Fall freudig stimmen. Ein schönes Wochenende für euch und eure Lieben.

PSPS: Das HSV-Abschlusstraining am Sonnabend ist nicht öffentlich.

17.53 Uhr

1:4 auf Schalke – einfach nur blamabel!

28. April 2013

Ihr werdet euch erinnern: „Nun spielt auch noch der Huntelaar von Beginn an . . . .“ So hatte ich am Donnerstag meinen Bericht begonnen. Und Huntelaar spielte tatsächlich und erschoss den HSV. Schalke lag zwar schnell 0:1 zurück, aber dann schossen die „Knappen“ die Hamburger brutal ab – 4:1. „Da spielt die Spitze hinter der Bundesliga-Spitze“, sagte Sky-Reporter Marcel Reif und machte sich damit über das Niveau der deutschen Eliteliga lustig. Völlig berechtigt, denn vor allem der HSV versagte total. Natürlich ist das Wort, das mit einem großen „E“ beginnt, immer noch möglich, aber spricht das für diese Bundesliga? Ganz sicher nicht. Das hat mit internationalen Ansprüchen nichts zu tun, was der HSV diesmal in Gelsenkirchen geboten hat, das ist unterste Bundesliga-Schublade, da muss man mal Realist sein. Der HSV hat auf Schalke wieder einmal sein hässliches Gesicht gezeigt. Und deswegen höre ich nun auch wieder nur auf die Hamburger Verantwortlichen, die ja schon seit Wochen immer wieder predigen: „Lasst uns nur von Spiel zu Spiel denken.“ Es sind jetzt ja auch nur noch drei . . . Und der HSV kann schon seit geraumer Zeit nicht mehr absteigen.
Und: Europa nein danke!

Der Start war ideal, geradezu bilderbuchartig. Und genau so, wie es sich jeder Trainer erhofft. In der vierten Minute hieß es schon 1:0 für den HSV. Eckstoß von links von Rafael van der Vaart, der nun doch eingesetzt werden konnte (hatte am Sonnabend das Training wegen einiger Oberschenkel-Probleme abbrechen müssen), am langen Pfosten stieg Heiko Westermann (gegen Matip) hoch und köpfte den Ball zu Marcell Jansen, der das Luft-Duell mit Neustädter gewann – Kopfball, die Führung für den HSV. Da dachte ich an die heutige „Bild am Sonntag“, in der Schalkes Manager Heldt prophezeit: „Wir müssen höllisch aufpassen, nicht unter die Räder zu kommen.“ Wie nun? Gegen den HSV? Unter die Räder kommen? Schalke? Was ist das denn für eine Aussage? Da kann doch etwas nicht stimmen. Und plötzlich drohte es tatsächlich. Nach vier Minuten 1:0 für den HSV, das war ja ganz locker und flockig . . . Und für jede Mannschaft eigentlich ein Traum.

Nur nicht für den HSV. Das ist schon wie verhext. Was sich in den folgenden Minuten nach dem Führungstreffer offenbarte, waren wieder einmal haarsträubende Abwehrfehler. Das ist wie bei einer Bubi-Truppe, das, das muss ich so krass sagen, hat mit Bundesliga nichts zu tun. Es ging danach, nach dem 1:0, das ja eigentlich beruhigen soll, drunter und drüber. Und es dauert nur sechs Minuten, als es 1:1 hieß. An der Mittellinie wollte Jacopo Sala den Ball auf Per Ciljan Skjelbred spielen, zu durchsichtig, ein Schalker dazwischen – und schwupps lief der Konter. Huntelaar spielte auf Bastos, der schoss nicht hart, aber platziert – der Ausgleich. Rene Adler schien mir etwas auf dem falschen Fuß erwischt zu sein, den hält er eigentlich, denn er hält gelegentlich ja auch den einen oder anderen „Unhaltbaren“. Diesmal nicht. Aber es lag ja auch nicht am Keeper, sondern daran, wie leichtfertig der Ball im Mittelfeld verschenkt worden war – und wie „gnadenlos“ der Gegner, die Hausherren, zum Kontern eingeladen, nein, sogar gebeten worden war. Es ist zum Aus-der-Haut-fahren.

So auch in der 21. Minute. Schalke durfte am HSV-Strafraum „herumdaddeln“, das war wie auf einem Bolzplatz um die Ecke. Draxler jonglierte den Ball gegen Westermann, Sala, Tolgay Arslan und Michael Mancienne. Scheinbar mühelos. Ein Querpass zu Huntelaar – 2:1 für Schalke. So spielt man mit Studenten. Unfassbar. Und unfassbar wie leicht das alles ging.

Auch in der 36. Minute. Im Mittelfeld konnten Heung Min Son und Arslan den Ball nicht stoppen, wieder kontert Schalke. Bastos schickt Huntelaar, der steht frei vor Rene Adler, der HSV-Keeper rettet zur Ecke. Sekunden später, wer weiß, wie es dann geworden wäre, schlägt van der Vaart einen Freistoß von halbrechts zur Mitte, Westermann steigt hoch (hat er die Kugel noch berührt?) – und der Ball prallt an den Pfosten. Um ehrlich zu sein: Hildebrand, der Schalker Schlussmann wäre wohl da gewesen. Auf der Gegenseite war dann Sekunden vor dem Halbzeitpfiff Adler noch einmal da – aber wie! Nach einem Eckball köpft Jones mit Anlauf und viel Wucht auf das Tor, aber der HSV-Torwart rettet mit einem Weltklasse-Reflex zur Ecke. Halbzeit.

Und das Hamburger Drama setzte sich fort. 58. Minute: Skjelbred und Jiracek werden von Raffael vorgeführt, Flanke zur Mitte, Huntelaar ist zur Stelle – 3:1. Und dann auch noch 4:1. Draxler lässt Son mit einem Liedchen auf den Lippe stehen, Ball zur Mitte, Adler hechtet und faustet – auf den Kopf von Huntelaar – alles klar! So wird ein Torjäger, der wochenlang verletzt gefehlt hat, wieder aufgebaut. Und so etwas kann der HSV immer sensationell gut. Ich habe das Gefühl, dass nur der HSV so etwas so gut kann. Das beherrscht kein anderer Bundesliga-Verein. So gut. Wer erinnert sich nicht als Hamburger an den Frankfurter Lakic? Der kam nach Monaten mal zu Zuge – und zwei Tore gegen den HSV (in Hamburg). Danach hat er nie wieder für die Hessen getroffen . . . Noch Fragen?

Das ist einfach nur blamabel und kümmerlich und erschütternd und amateurhaft.
Ich habe fertig.

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt einmal mehr sehr gut, obwohl er beim 1:1 nicht optimal stand (und dann flog) und beim 4:1 mithalf. Aber er bewahrte sein Team mit Sicherheit noch vor vier weiteren Gegentoren und verhinderte damit auch ein Debakel. Note zwei. Ist am nächsten Sonntag wegen der fünften Gelben gegen Wolfsburg gesperrt.

Jacopo Sala hatte viele gute Szenen im Gang nach vorne, aber das ist es ja leider nicht allein, wenn es um den rechten Mann in der Viererkette geht. Er ist allerdings, das wissen wir ja auch, kein Rechtsverteidiger, er musste da ja nur aushelfen . . .

Michael Mancienne liebt das körperlose Spiel, was grundsätzlich nicht zu verurteilen ist. Allerdings dürfte er dann – meiner Meinung nach – keine Position in der Innenverteidigung innehaben, sondern irgendwo im Mittelfeld „herumtoben“. Es ist einfach zu leicht, gegen diese HSV-Abwehr zu Toren und zu Chancen zu kommen, dafür war dieses Schalke-Spiel wieder einmal ein klassischer Beleg.

Heiko Westermann war oft Retter in höchster Not, auch wenn ihm wieder mal einige Abspielfehler (oder auch technische Fehler) unterliefen. Er hielt aber wenigstens immer voll dagegen.

Marcell Jansen war nicht nur aufgrund seines Tores zum 1:0 eine Stütze der Mannschaft, er bestätigte seine gute Trainingsform von dieser Woche – leider war er einer der wenigen Hamburger, der das tat.

Tolgay Arslan begann gut und spritzig, aber das war spätestens nach 15 Minuten vorbei, dann spielte er nicht mehr Fußball, dann arbeitete er nur noch Fußball.

Dennis Aogo müsste auf der „Sechs“ eigentlich – oder vornehmlich – etwas defensiver stehen, aber er läuft auf dieser Position immer noch so viel, als würde er – so wie bis vor einigen Wochen – immer noch im Mittelfeld spielen.

Per Ciljan Skjelbred lief mit viel Aktionismus in den Stiefeln auf, aber dann kam nicht viel – oder eher fast gar nichts. Sein Fleiß ist okay, aber das müsste sich dann auch mal für die Mannschaft bezahlt machen, und das macht es sich nicht.

Petr Jiracek mit guten Szenen, wenn es nach vorne ging, defensiv arbeitete er eher „luschig“.

Rafael van der Vaart ging (leicht?) angeschlagen ins Spiel, riskierte dementsprechend nicht viel (und schon gar nicht alles!), deswegen lief über ihn auch kaum etwas nach vorne. Aber was wäre die Alternative für Thorsten Fink gewesen? Ganz auf ihn verzichten? Das wäre es sicherlich auch nicht gewesen.

Heung Min Son war kaum zu sehen. Das ist nun mal so bei ihm: Entweder er trumpft groß auf, oder er steckt in einem Loch fest. Letzteres war diesmal wieder der Fall.

Artjoms Rudnevs (ab 62. Min für Skjelbred) sollte noch etwas bewegen, aber das ließ sich mit dieser HSV-Mannschaft nicht mehr machen.

Tomas Rincon (ab 69. Min. für van der Vaart) sollte einen restlosen Untergang verhindern, irgendwie ist dieses Vorhaben sogar aufgegangen . . .

So, das war das Spiel. Wir sind nun gleich (hoffentlich) mit Matz-ab-live aus dem Block House in Eidelstedt auf Sendung, unsere Gäste sind heute die ehemaligen HSV-Profis Jürgen Stars (Torwart) und Klaus Zaczyk (Mittelfeldspieler).

Und dann noch ein Leserbrief, der die Redaktion erreicht hat, und zwar zum Thema „Die Großen fressen die Kleinen“ vom Freitag im Hamburger Abendblatt. Dazu erreichten mich diese Zeilen:

Sehr geehrter Herr Matz,

Ihr Bericht im HA vom 26.04. auf Seite 2 ist von ihnen richtig beurteilt. Allerdings haben sie vergessen zu schreiben, daß der HSV durch die Verkäufe auch viel Geld eingenommen hat; jedenfalls mehr, als dafür ausgegeben. Trotzdem hat der HSV in den letzten 5 – 6 Jahren ca. € 150 Mio. für Spieler ausgegeben – wofür??
Dortmund hat in diesem Zeitraum auch nicht mehr investiert.

Mit freundlichen Grüßen,
Hans St.

Das kann man sich auch mal auf der Zunge zergehen lassen. Vielen Dank für diese Ergänzung.

19.27 Uhr

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