Archiv für das Tag 'Manchienne'

Klasse gerettet – Ende gut, alles gut!

28. April 2012

Der HSV ist gerettet, der Dino ist nicht gestorben, der Dino bleibt unabsteigbar! Ende gut, alles gut? Nicht ganz, aber die Klasse ist gehalten, letztlich klarer als erwartet, denn lange, lange wankte der Hamburger Sport-Verein – aber zum Glück fiel er nicht. Das 0:0 gegen Mainz 05 war der Klassenerhalt aus eigener Kraft, aber auch die Konkurrenz half, denn Freiburg besiegte den 1. FC Köln 4:1. Damit ist alles paletti, die neue Saison kann kommen. Erleichterung pur, jetzt muss aus dieser verkorksten Saison noch die eine oder andere Lehre gezogen werden, dann kann es ja nur noch aufwärts gehen. Ein schöner Tag im Volkspark, auch wenn es wieder einmal keinen Heimsieg gegeben hatte. Aber darauf kam es diesmal nicht an. Rettung war wichtig, und die Rettung ist gelungen. Und abhaken.”Wir für euch, ihr für uns – gemeinsam Erste Liga” So soll es sein.

Das gab es auch höchst selten einmal: Die Polizei, dein Freund und Helfer. Per Blaulicht-Eskorte wurden das Unparteiischen-Team von Florian Meyer bis vor den Stadion-Eingang gebracht – es war wohl mächtig Verkehr in Bahrenfeld und Umgebung. Und nach den Schiedsrichtern liefen erst die Mainzer ein – das war auch ganz schön knapp.

Vor dem Anpfiff traf ich den alten HSV-Kämpfer Horst Heese. War es nur Zufall, dass neben und hinter ihm „Eisen-Dieter“ stand, die frühere St.-Pauli-Kante Schlindwein. Wer an diesen beiden „Jungs“ früher vorbeikam, hatte selbst schuld . . . Als ich das beiden Herren sagte, taten sie völlig schuldlos. Nun gut, Heese war immerhin optimistisch: „Wir halten heute die Klasse, keine Frage – wer ist Mainz? Die Stadt kennt man doch nur vom Karneval . . .“

Und so lief das Spiel dann auch in Halbzeit eins. Es war zwar nicht zum Lachen, auch nicht zum Schmunzeln, aber hatte doch irgendwie etwas Humorvolles. Der HSV hatte den einen Punkt schon vorher sicher, es langte zum Klassenerhalt ein 0:0 – und so sah das Spiel dann auch aus. Obwohl der HSV in den ersten 45 Minuten klar den Ton angab. Allerdings hatte Eric-Maxim Choupo-Moting für Mainz die wohl größte Einschussmöglichkeit des ersten Durchgangs, als er in der 16. Minute allein auf Sven Neuhaus zulief, doch der HSV-Keeper verkürzte geschickt den Winkel und hielt – nur Eckstoß für Mainz.

Der HSV hatte viele vielversprechende Offensivaktionen, Paolo Guerrero auch gute Möglichkeiten, aber bis zum Seitenwechsel wollte kein Treffer gelingen. Kommentar Olli Dittrich („Dittsche“): „Der HSV weiß, dass er mit einem Punkt gerettet ist, so spielt er denn auch. Hoffentlich geht das gut. Noch spielt die Ko0nkurrenz ja auch mit.“ Immerhin stand es in Freiburg 1:0 gegen den 1. FC Köln. Apropos andere Plätze: NDR-Reporter-Urgestein Alexander Bleick könnte ein Hellseher werden – er teilte seinen Hörern mit, dass der einzige Höhepunkt der Partie im Volkspark die Anzeigentafel war – als das Ergebnis aus Freiburg verkündet wurde. Da war es aber noch gar nicht verkündet. Das geschah erst fünf Minuten später. Aber dann war der Jubel tatsächlich so groß, als hätte der HSV soeben ein Tor erzielt . . .

Sommerfußball eben. Aber wie gesagt, der eine Punkt reichte ja. Und den etwas anderen Bundesliga-Fußball produzierten ja auch nur die Spieler – die beiden Trainer am Rande gaben alles. Die gestikulierten und schrien ohne Ende – ich wüsste gar nicht, wer zum Schluss vorne lag, gefühlsmäßig würde ich auf Thomas Tuchel tippen. Obwohl Thorsten Fink im zweiten Durchgang mächtig auf die Tube drückte. Ein Wort noch in Richtung Tuchel. Früher hat er ja kein gutes Haar an jedem (!) Schiedsrichter gelassen, diesmal meckerte er nur seine Spieler an – der Mann hat gelernt, Kompliment.

Beim HSV hatte kurzfristig Marcus Berg passen müssen, der Schwede fiel mit einer Magen- und Darm-Grippe aus. Die hatte zwar auch Marcell Jansen erwischt, aber der Ex-Nationalspieler kämpfte sich in diese Partie rein. Ohne allerdings große Akzente setzen zu können. Immerhin ging sein Auftritt nicht ganz in die Hose . . .

Das Niveau wurde im zweiten Durchgang nicht besser, obwohl der HSV – für mich – diese Partie noch einen Tick mehr überlegener gestaltete. Ohne zu überzeugen, aber ging es darum diesmal wirklich? Nein, es ging nur ums nackte Überleben. Was wäre wohl gewesen, wenn ein Punkt oder ein Sieg im letzten Spiel in Augsburg ein „Muss“ für den HSV gewesen wäre?

Mitte der zweiten Halbzeit geriet das Spiel dann zur großen (Abschieds-)Party. Als Mladen Petric in der 73. Minute ausgewechselt wurde, skandierte vor allen Dingen der Norden „Mladen Petric“ – der Kroate ging bei seinem letzten Auftritt im Volkspark mit Tränen vom Platz. Ganz starke Leistung der Zuschauer, dass sie den (früheren) Torjäger so feierten.

Und dann wurde auch – während des Spiels – David Jarolim gefeiert. Und als der Tscheche in der 88. Minute ging, erhoben sich die 56 537 Zuschauer von ihren Plätzen. Zudem kamen alle Mitspieler und nahmen ihn noch auf dem Rasen in den Arm. Sogar einige Mainzer verabschiedeten den gute alten „Jaro“. Was für ein Abschied! Großartig. Auch Trainer Fink nahm den „Altmeister“ in die Arme. Auf dem T-Shirt des Dauerläufers prangte der Spruch: „Danke für die tolle Unterstützung!“ Und auch bei ihm rollten die Tränen. Wobei ich sagen muss: in seinem Fall ist es nicht so: Ende gut, alles gut. Das ist es nämlich nicht. Da wird einer verabschiedet, den sie nun alle lieben. Fast alle. Auch Mladen Petric wurde noch gebührend gefeiert. Auf seiner Brust prangte: „Danke für die geile Zeit.“

Es blieb beim 0:0.

„Wir sind das Urgestein!“ Und: „Niemals Zweite Liga, niemals, niemals!“
Neben Jarolim und Petric wurde auch Romeo Castelen verabschiedet und gefeiert. Auf Wiedersehen, ihr Helden, ihr habt dem HSV und uns viel gegeben. Danke dafür!

Die Einzel:

Sven Neuhaus sehr gut.

Jeffrey Bruma setzte hinten rechts neue Maßstäbe.

Michael Mancienne hatte einige Wackler, aber dann, wenn es drauf ankam, war er da.

Heiko Westermann begann mit einige Pässen zum Vergessen, aber fing sich rasch und
war wieder der Fels in der Brandung.

Dennis Aogo unheimlich engagiert und auch gut. Da wächst, nein, da ist eine Führungspersönlichkeit herangewachsen.

David Jarolim mit einem Super-Abgang. Mehr möchte und kann ich gar nicht sagen. „Ich werde euch nie vergessen, ihr bleibt in meinem Herzen“, sagte der den Fans. Das gilt auch umgekehrt, lieber „Jaro“.

Tomas Rincon okay.

Heung-Min Son mit Licht und Schatten, machte einfache Dinge falsch, aber ihm gelangen auch einige nette Sachen. 60:40 für gut.

Marcell Jansen hielt geschwächt tapfer durch, alle Achtung!

Mladen Petric konnte nicht an seine Form anknüpfen, die er einst hatte, aber auch diesmal war er unheimlich bemüht.

Paolo Guerrero hatte keine Spielpraxis, das war ihm anzumerken, war aber trotz allem eine Offensiv-Stütze.

Jacopo Sala (ab 73. Minute für Petric) fügte sich gut ein.

Robert Tesche (ab 83. Minute für Guerrero) spielte nur noch mit.

Tolgay Arslan (ab 88. Minute für Jarolim) war dafür da, um Jarolim einen guten Schluss zu verschaffen.

„Sechsmal Deutscher Meister, dreimal Pokalsieger – immer Erste Liga. HSV“

Es ist gerade noch einmal gutgegangen.

Zum Schluss der gesamten Feierei forderten die Fans im Norden der Arena auch noch den verletzten Jaroslav Drobny, der stürmisch beklatscht wurde. Danke auch an ihn, ohne Drobny wäre das Unternehmen Klassenerhalt nicht möglich gewesen. Der HSV ist jetzt auf Platz 14! Der Dino lebt.

17.41 Uhr